Dienstag, 27. September, 2022

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Kleid sucht Braut: Oh Bride ist gefragter Service für das Brautkleid aus 2. Hand

Nach der Hochzeit das hochwertige Brautkleid auf Jahre im Dunkel des Kleiderschranks hängen lassen? Das wollen immer weniger Frauen. Warum auch? Das gute Stück hat meist eine Stange Geld gekostet und ist nach dem einmaligen Einsatz tadellos.

Ein Brautkleid weiter zu verkaufen ist deshalb eine gute Möglichkeit, den Platz im Kleiderschrank für andere Stücke freizuhalten und einen Teil der Ausgabe für die Robe wieder hereinzubekommen. Parallel dazu müssen Frauen, die ihre Hochzeit planen, nicht Tausende Euro für einen einmaligen Anlass ausgeben, wenn sie ein tolles Kleid Second Hand erwerben.

Das Brautkleid aus 2. Hand ist gefragt

Das Geschäftsmodell von Sabrina Fink (im Bild) holt Frauen bei genau diesen Überlegungen ab und bietet mit Oh Bride einen Second Hand-Handel für Brautkleider. Den gefragten Service für angehende Bräute deckt die Mutter zweier Kinder aus Bayern in einem Geschäft ab, das sie mit Hilfe ihres Mannes – einem Handwerker – kurzerhand im eigenen Haus einrichtete.

Wir haben Sabrina Fink dazu interviewt:

FB: Frau Fink, wie kam es dazu, dass Sie auf den Gedanken kamen, Brautkleider aus zweiter Hand anzubieten? 

Die Idee kam mir, als ich selbst auf der Suche nach meinem Brautkleid für meine Hochzeit war. Ich hatte ein bestimmtes Kleid von einem bestimmten Designer ins Auge gefasst und versuchte dies aus zweiter Hand zu bekommen.

Suche nach Brautkleid ist oft wie die Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Und das war gar nicht so einfach. Ich durchforstete Facebook Gruppen und Ebay Kleinanzeigen, verbrachte Stunden vor dem Laptop und kam auf keinen grünen Zweig. Und ich war definitiv nicht alleine. So viele andere zukünftige Bräute suchten nach einem Kleid und es gab endlos viele Angebote von der Gegenseite. Aber ein Brautkleid online blind zu kaufen, kam für mich ganz sicher nicht in Frage. Da entstand zum ersten Mal eine bloße Spinnerei. Was wäre, wenn ich Brautkleider Second Hand verkaufen würde…

FB: Wie und wann haben Sie Ihre Geschäftsidee in die Tat umgesetzt?

Zuerst hatte meine Hochzeitsplanung Vorrang. Als das alles grob stand, habe ich mir für Oh Bride eine Art Businessplan notiert, das war 2016. Ich habe meine Ideen gesammelt, im Netz recherchiert, eine Kalkulation erstellt, etwas Geld zusammengespart und mich beraten lassen.

Dann habe ich noch meinen Arbeitgeber informiert und seine Zustimmung eingeholt, denn meinen Laden wollte ich nebenberuflich am Wochenende führen.

Ein Traum von Brautladen entstand

Und als dann alles fix war, haben wir in Eigenleistung einen Raum in unserem Haus renoviert, Regale und Umkleide gebaut, gestrichen, Möbel aufgebaut und dekoriert.

Ich muss sagen, hier habe ich das Glück, dass mein Mann Handwerker ist.

Innerhalb von wenigen Tagen zwischen den Weihnachtsfeiertagen war durch seine Arbeit aus einer Rumpelkammer im Souterrain ein Traum von einem Brautladen geworden. Und dann fehlten nur noch die Kleider…

FB: Oh Bride betreiben Sie im Nebenjob. Was tun Sie hauptberuflich und wie verbinden Sie diese beiden Bereiche? 

Das stimmt. Im „echten Leben“ bin ich im Controlling eines familiengeführten Unternehmens tätig. Derzeit gerade noch in Elternzeit. Da ich ursprünglich nach dem Abi eine Ausbildung im Einzelhandel absolviert habe, komme ich eigentlich aus dem klassischen stationären Verkauf.

Check angebotener Brautkleider ist wichtig

Nach meinem anschließenden MBA Studium merkte ich aber schnell, dass mir der Bereich Finanzen auch sehr liegt und vor allem Spaß macht. Als die Idee mit dem Laden entstand, war mir jedoch sofort klar, dass ich dafür meinen Job nicht aufgeben würde und vor allem möchte.

FB: Wie finden die getragenen Hochzeitsroben zu Ihnen und wie bereiten Sie sie auf?  

Zunächst einmal prüfe ich über ein Kontaktformular alle wichtigen Kriterien ab, die das Kleid haben muss. Ich stelle mir folgende Fragen: Erfüllt es die Voraussetzungen? Habe ich in der Konfektionsgröße bereits ein ähnliches Kleid? In welchem Preisrahmen liegt es und wie bin ich da derzeit ausgestattet?

Dabei kommt es nie auf meinen persönlichen Geschmack an. Vielmehr versuche ich so viele unterschiedliche Kleider wie möglich im Laden aufzunehmen. Habe ich für das Kleid der einstigen Braut Platz, so mache ich einen Termin vor Ort zur Begutachtung aus.

Das Brautkleid im Boho-Stil oder mit üppiger Verzierung ist derzeit gefragt

Falls die betreffende Frau sehr weit weg wohnt, mache ich das auch online und das Kleid kommt dann per Post zu mir. In einem Kommissionsvertrag wird alles festgehalten und dann wird das Kleid auch schon im Laden aufgebügelt, fotografiert und hängt zur Anprobe bereit.

FB: Welcher Stil ist bei Hochzeitskleidern aktuell am meisten gefragt? 

Derzeit ist nach wie vor viel Boho/Vintage in, aber auch üppigere Kleider mit tiefen V-Dekolleté und auffälliger 3D Spitze – meist mit Blumenapplikationen – stehen im Fokus. Ein Trend der völlig heraussticht, sind Brautkleider mit Spagettiträgern. 

FB: Wie hoch darf das durchschnittliche Budget für den Traum in Weiß bei Ihren Kundinnen sein?  

Kleider beginnen bei mir bei 200€ und enden derzeit bei maximal 1300 €, wobei die Mitte, also eine Preisspanne von circa 500-800€ fast 80% aller Kleider ausmacht. 

FB: Welchen Anteil macht das Internet am Verkauf Ihrer Second-Hand-Brautkleider aus?

Umsatztechnisch ehrlich gesagt 0. Ein Brautkleidkauf ist ein sehr emotionaler Termin. Wenn ich an meine Ausbildung zurückdenke und das Lehrbuch zitieren darf, ist das eine klassische „Vollbedienung“.

Persönliche Beratung beim Brautkleid-Kauf schlägt Online-Shopping

Heißt: Ohne persönlichen Kontakt und eine fachliche Beratung geht da nix. Es ist auch der Wunsch der meisten Bräute einen privaten Termin zu haben, sich wohl zu fühlen, engste Vertraute dabei zu haben, ein kleines Event daraus zu machen, um dann DAS Kleid zu finden.

FB: Wie läuft ein durchschnittlicher Termin mit interessierten Kundinnen ab? Kommen die Frauen eher mit Freundinnen oder mit Familie?

Im Grunde kläre ich vorab mit der Braut ab, was sie erwartet. Welches Budget sie hat, welche Vorstellung das Kleid erfüllen sollte. Dann wählen wir einige Kleider aus. Das darf natürlich die Braut selbst und deren Begleitung, aber auch ich schlage Kleider vor.

Meistens sind Mutter, Schwester und Trauzeugin dabei. Ich hatte aber auch schon den Mann oder Oma und Opa im Laden sitzen. Nach der ersten Runde gibt es meist eine engere Auswahl von 2-4 Kleidern. Diese probieren wir dann nochmal an, stecken ab, nehmen vielleicht einen Schleier dazu. Und im Idealfall ist dann DAS Kleid dabei. 

FB: Sie sind auch Mutter. Wie gestalten Sie die Vereinbarkeit zwischen Familie und Beruf? 

Tja, da geht es mir wahrscheinlich wie allen Working Moms. Das ist manchmal gar nicht so einfach. Sich selbst beruflich Teilzeit einzubringen (weil man es so möchte!) und gleichzeitig in der Familie viel Zeit für die Kinder zu haben (weil man es so möchte!) ist manchmal eine wirkliche Herausforderung. Ich habe da aber sehr viel Glück.

Im Hintergrund gewährleistet die Familie die Kinderbetreuung

Mein Mann ist zwar der Hauptverdiener, aber durch seine Selbstständigkeit kann er sich Termine gut einteilen. Zudem habe ich die Familie, allen voran beide Omas und Opas vor Ort. Das ist Luxus. Dadurch, dass ich feste Termine im Voraus vergebe, kann ich die Kinderbetreuung in der Zeit gut steuern.

Ich muss aber ehrlich sagen, ohne das Backup von unseren Familien könnte ich das niemals so stemmen. Dafür bin ich sehr dankbar.

FB: Was machen Sie so in Ihrer Freizeit, gibt es Hobbys? 

In meiner Freizeit bin ich gerne „on tour“. Das heißt, ich unternehme gerne etwas mit meinen Kids. Wir fahren ins Bad, wandern im Wald, sind mit dem Rad unterwegs oder reisen. Und meine ganz spezielle „Me Time“ ist, wenn ich Zeit habe, zur Spiegelreflex Kamera zu greifen und hin und wieder einmal auf Reisen und in der Natur zu fotografieren.   

Mehr Infos: www.ohbride.de 

Bilder: Copyright Beatrice Fuchs Fotografie
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