Daniela Gotta in Airportlounge

Übersetzen, sprechen, filmen, moderieren und Unternehmer interviewen – das Aufgabenspektrum, dem sich Daniela Gotta (im Bild links) widmet, ist vielfältig. Die dynamische Frau, die sich ein gut gehendes Übersetzungsbüro aufgebaut hat, bietet längst spezielle Dienstleistungen an, die über das klassische Übersetzen und Dolmetschen hinausgehen. Mit viel Engagement ist so das Unternehmen DANILINGUA entstanden, das Wort, Ton und Bild professionell ineinander fließen lässt. Dass sich Daniela Gotta ihrem Tun mit so viel Leidenschaft und Herzblut widmet, hängt auch mit ihrem familiären Background zusammen. Aufgewachsen in einem international ausgerichteten Familienunternehmen, kristallisierte sich ihre kosmopolitisch-unternehmerische Lebenseinstellung schon frühzeitig heraus.

Unternehmertum lag Daniela Gotta schon im Blut

Gepaart mit der Neugier auf Menschen ging die vielseitige Frau und Mutter zielstrebig ihren Weg und ist heute eine gefragte Expertin auf ihrem Gebiet. Wir haben mit Daniela Gotta über ihre Arbeit, die Familie und über ihr ehrenamtliches Engagement gesprochen. Herausgekommen ist ein spannender Einblick in einen interessanten Beruf, der für die lebensbejahende Unternehmerin aus Rödermark längst zu einer Berufung geworden ist.

FB: Frau Gotta, Sie sind heute unsere Interviewpartnerin. Aktuell aber sind Sie selbst auch als Interviewerin unterwegs – erzählen Sie doch mal! 

Ich bin ein echtes Mittelstandskind. Das Unternehmertum liegt bei uns im Blut und zwar drei Generationen zurück auf jeder Familienseite. So hatte meine Uroma z. B. den ersten Dauerwellenapparat in ihrem Friseursalon in Reutlingen. Der Grundstein für das Familienunternehmen „Gotta Contacts – Manufaktur feiner Lederwaren“ wurde 1899 gelegt. So bin ich aufgewachsen. Im international ausgerichteten Familienunternehmen und einem Designer als Vater, der unter anderem die Linien „Porsche Design“, „BMW-M-Style“, Davidoff, Dupont Paris und den „Colani-Koffer“ sowie Produkte für viele weitere Markenunternehmen entworfen hat. So habe ich im Lauf der Zeit bis zu meinem USA-Aufenthalt und auch danach, zahlreiche Inhaber oder Geschäftsführer der deutschen Industrie und weltweit bekannter Luxusmarken kennengelernt und konnte bereits in jungen Jahren direkte Einblicke in Unternehmen gewinnen.

Mit meinem Übersetzungsbüro und der angeschlossenen Medienproduktion (Film und Vertonung) bekomme ich viele Einblicke in Unternehmen, was sich seit meiner Mitgliedschaft beim BVMW noch intensiviert hat. Irgendwann hatte ich dann den Impuls „Mensch, warum gehe ich nicht raus und frage selbst, wo es beim Mittelstand heute drückt? Was ihn bewegt usw.“

Menschen und Unternehmen im Porträt

Frau interviewt Mann

Daniela Gotta im Interview mit einem Unternehmer

Daraus sind dann die Interviews auf meiner Seite DANILINGUA – im Dialog mit DANILINGUA – geworden, wo ich Menschen und Unternehmen portraitiere und ihnen Gelegenheit biete, zu sagen, was sie bewegt. Außerdem liebe ich es, interessante Dinge über spannende Menschen zu erfahren und dies an andere weiterzugeben. Auch besonders vor der Kamera. Wir haben z. B. einen Filmpreisgewinner und eine Kämpferin für gerechte Familienbesteuerung befragt. Bei dem Mädchen mit der Wasserallergie war zwei Tage später „Maintower“ vom Hessischen Rundfunk bei uns und hat eine Reportage über sie gedreht. Die Resonanz auf den Bericht war überwältigend. Heute ist das Mädchen beschwerdefrei. Meine Interviews dienen also keinem reinen Selbstzweck. Ich gebe anderen Menschen die Bühne und den Raum, sich zu präsentieren und für ihre Anliegen zu werben.

FB: Wenn man sich Ihre Aktivitäten so ansieht, so geht das doch über die klassischen Übersetzer- und Dolmetscher-Leistungen hinaus, oder?  

Das ist richtig. Ich habe mich nie als „klassische Diplom-Übersetzerin“ gesehen, die tage- und wochenlang kein Tageslicht sieht (wobei, diese Phasen gab und gibt es dann und wann natürlich auch). Das ist auch wieder durch meinen unternehmerischen Hintergrund geprägt, weil ich stets nahe an den Unternehmen bin. So arbeite ich auch überwiegend mit Direktkunden, weil ich mit ihnen aus der eigenen Erfahrung heraus direkt auf Augenhöhe stehe und mich in sie hineinfühle.

Außerdem hat sich das Berufsbild verändert. Wort, Ton und Bild fließen immer mehr ineinander. Viele meiner Kunden benötigen außer den reinen Textdokumenten auch das gesprochene Wort oder Content für ihre Videos, Präsentationen oder Produktfilme. Die Doppelqualifikation als ausgebildete Sprecherin und Übersetzerin bedeutet Sicherheit und nur einen einzigen Anlaufpunkt für die oft vielgestaltigen Anforderungen eines Kunden. Auf „Spreche“ zu schreiben erfordert eine andere Herangehensweise als Schreiben von zum Lesen verfassten Texten.

Mit Sprache ein Bindeglied zwischen den Kulturen sein

Kreativität ist mir wichtig. Sie liegt mir einfach im Blut. Und wie lässt sich das besser miteinander verbinden, als über das gemeinsame Vehikel „Sprache & Kommunikation“? Ich baue Brücken. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Kulturen.

FB: Hatten Sie schon immer ein Faible für fremde Sprachen? Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?

Meine Mutter ist in Süddeutschland, im Schwäbischen, aufgewachsen, wo nach 1945 Französisch neben Deutsch die zweite Sprache war. Hier in Hessen, wo mein Vater aufgewachsen ist, war es das Englisch der Amerikaner. Amerikaner sollten auch bei der Rettung meines Großvaters vor dem Tod eine wichtige Rolle spielen. Das in Rödermark verwurzelte Familienunternehmen war von Anfang an international ausgerichtet. Englisch und Französisch waren zwar Schulfächer, intensiviert wurden die Sprachen allerdings durch sehr viele Besuche von Freunden und Geschäftspartnern aus dem Ausland und eigene, sich über viele Wochen erstreckende Auslandsaufenthalte seit meiner frühen Kindheit.

Unser Leder bezogen wir überwiegend aus Italien. Als Kind verinnerlichen Sie eine Sprache ja wirklich schnell. Und was mir später in Italienisch an Vokabeln gefehlt hat, habe ich mir aus Französisch irgendwie zusammengebaut. Nach der Schulzeit stand die große Entscheidung an: Was nun? „Irgendwas mit Werbung, Kindern oder Sprachen“ sollte es sein. In der Schule lief der Tausch folgendermaßen ab: „Mathe und Physik“ gegen „Englisch und Französisch“. Fragen Sie mal einen Übersetzer, warum er Sprachen studiert hat … und, es war schon immer mein Wunsch, selbständig zu arbeiten.

Beruflicher Einstieg in Germersheim – später in den USA

Der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bot für eine Zukunft mit Sprachen die idealen Voraussetzungen. Gekoppelt mit einem Auslandsstudium am ETI in Genf rundeten das Bild ab, bevor es dann in die USA ging. Als Ein-Eltern-Familie von Anfang an hatte ich also schon weit davor die richtigen Weichen gestellt.

FB: Welche Sprachen sprechen Sie? 

Deutsch mit Hessisch (wenn ich meinen Sprech-Coach ärgern will), Englisch, Französisch und Italienisch.

FB: Für welche Berufsgruppen arbeiten Sie am häufigsten? 

Es sind überwiegend international tätige Unternehmen. Dazu zählen große Anwalts- und Steuerkanzleien ebenso wie Produktionsunternehmen und Agenturen. Der Mittelstand und auch das Handwerk sind bei mir ebenso gut aufgehoben, wie multinationale Konzerne und Finanzinstitute. Durch meine gerichtliche Ermächtigung werde ich auch gerne für Verhandlungen bei Notaren, Dolmetschen bei der Justiz und anderen Behörden sowie die Übersetzung von Dokumenten, bei denen es auf Rechtssicherheit ankommt, eingesetzt. Ich habe auch schon viele Auswanderer „über den großen Teich übersetzt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die unterschiedlichen Berufe der „Neu-Kanadier“ oder „Neu-Amerikaner“, erweitert sich der eigene Horizont ebenfalls unaufhörlich.

FB: Ihre Vielseitigkeit beweisen Sie auch als Moderatorin. Wie hat sich das ergeben?

Frau mit Mikrofon

Das gesprochene oder geschriebene Wort spielen in Daniela Gottas Beruf die Hauptrolle.

Vor einigen Jahren erhielt ich einen Anruf, ob ich an Tag X für einen Walk bei einer Modenschau Zeit hätte. Ich habe gesagt, dass ich keine „Size 0“ sei. „Das macht gar nichts“, kam es vom anderen Ende der Leitung. „Kommen Sie einfach vorbei.“ Gesagt, getan. Drei Tage lang war ich als Model für Ulla Popken auf dem Laufsteg in Frankfurt. Die durch das Programm führende Moderatorin und ich hatten sofort einen guten Draht zueinander. Zu der Zeit hatte ich bereits die Sprecherausbildung abgeschlossen, und so kam das eine zum anderen. Ich habe mich aus- und weiterbilden lassen – und voilà. Auf der Bühne zu stehen und die Menschen fröhlich, informativ und auch mal ernst durch ein Programm zu führen, dazu das ein oder andere Live-Interview, ist, wofür ich brenne und was mich einfach erfüllt.

„Moderation genau mein Ding“

Nie genau zu wissen, was im nächsten Moment passiert. Den Schwung und die Dynamik einer Moderation mit dem Publikum mitzunehmen und stets „wach“ zu sein und auf das Unvorhergesehene spontan zu reagieren. Das ist genau mein Ding. In Deutsch oder Englisch oder im Wechsel, je nach dem, wie es sich ergibt und was die Situation erfordert.

FB: Ihr Business haben Sie sich neben Ihrer Verantwortung als Mutter aufgebaut. Was war die größte Herausforderung, die es zwischen Familie und Job zu stemmen galt?   

Da sprechen Sie ein Thema an. Wir hatten einen wirklich aufregenden Ritt als Ein-Eltern-Familie, seit mein Sohn 10 Monate alt war. Einerseits war ich „da“, also im Haus, aber eben doch „nicht greifbar“. Sie wären einfach gern viel öfter mit ihrem Kind zusammen, weil es diese Zeit wirklich nur einmal gibt … Ich kann es nur immer wieder betonen: „Genießt die Zeit mit Euren Minis, wenn es finanziell nur irgendwie machbar ist.“ Seine Freiräume kann man sich auch ohne den Beruf schaffen. Oder andere Aufgaben suchen. Natürlich ist jede Entscheidung so individuell wie die Person, die sie trifft. Ich hätte es mir gewünscht, noch mehr Zeit für uns beide zu haben. Andererseits ist die Unabhängigkeit natürlich toll gewesen. Da wir beide Langschläfer waren, konnten wir diesen Luxus dank Home Office auch ausgiebig genießen. Sie lernen zu planen, wie ein Oberst beim Militär.

Planung als Ein-Eltern-Familie das A und O

Sie takten und planen alles durch. Jedes Dominosteinchen und jedes Zahnrad wird bedacht. „Plan B“ ist für Anfänger. Ich hatte eher Plan A bis Y. Sie machen keinen Schritt ohne Planung. Ich hatte ein super verlässliches System rund um Großeltern, Freunde und Kinderbetreuung. Sogar bei unseren Besuchen in den USA. Das erste Mal war er vier. Für mich war das wie „nach Hause kommen“, zurück in San Francisco, wo ich fünf Jahre lebte, und meinen Kleinen bei meinen Freunden in guten Händen zu wissen. Ich konnte meinen Sohn manchmal auch zu Kundenterminen mitnehmen. Einmal hatte ich ihn UND seinen Freund bei einem Kunden aus England dabei. Das war super. Beide waren beschäftigt, und wir konnten übers Geschäftliche sprechen. Dieser Kunde hat dann sogar unserem Kindergarten (in dessen FV-Vorstand ich lange war) damals sogar 1 000 Pfund gespendet. Das gab’s vorher noch nie.

Das schlechte Gewissen ist dennoch ein regelmäßiger Begleiter gewesen. Und die Sehnsucht. Und natürlich konnten Sie die Uhr danach stellen, dass die heftigen Krankheiten pünktlich mit einem Großauftrag zusammenfielen. Dann lag er eingepackt auf dem Sofa in meinem Büro und so haben „wir gearbeitet“. Nacht- und Wochenendschichten waren an der Tagesordnung. Aber auch Freiraum dazwischen und viel Zeit auf dem Spielplatz und unterwegs. Alles in allem erfüllt mich große Dankbarkeit, dass wir unser Leben so frei gestalten konnten. Und durch meine Tätigkeit in Elternbeirat und Förderverein seit eigentlich der Mini-Krabbel-Gruppe, war ich auch durchgehend nah am Geschehen dran.

FB: „Der klassische Beruf des Übersetzers und Dolmetschers wandelt sich gerade“ – so Ihre Aussage. Was genau ändert sich und wie stellen Sie sich auf diese Veränderungen ein?   

KI ist da. Das ist Tatsache. Es verändert sich gerade viel. Durch viel Technik oder Wiederholungen geprägte Texte können durch die Maschinen laufen und erfordern vom Menschen an der einen oder anderen Stelle nur noch Nachjustierungen. Kreativität erfordernde und marketingorientierte Texte oder auch Skripte mit werblichen Inhalten leben vom menschlichen Input. Wir werden also lernen, mit den Programmen zu kooperieren.

Übersetzen und Dolmetschen hat mit Vertrauen zu tun

Es wird mehr nachkorrigiert und beurteilt werden, welche Texte sich für KI eignen und welche man lieber einem erfahrenen Profi an die Hand gibt. Beim Dolmetschen würde ich mich, vor Gericht zum Beispiel, nicht darauf verlassen wollen, dass KI über Gitter oder Freiheit entscheidet. Das gilt auch für Gespräche, bei denen viel auf dem Spiel steht. Wortwitz, Anspielungen, vernuschelte Aussprache, falsche Begriffe, die der Dolmetscher auffängt und unbemerkt „im Prozess umarbeitet“, damit sie auf der anderen Seite korrekt landen, sind dünnes Eis. Dafür möchte ich bitte einen wichtig: ausgebildeten und neutralen – Dolmetscher an meiner Seite haben.

Übersetzen und Dolmetschen sind Vertrauenssache. Der Dolmetscher ist oft das Zünglein an der Waage bei Entscheidungen von großer Tragweite. Ein Übersetzer kann beispielsweise über Erfolg oder Nichterfolg Ihres Engagements im Ausland sorgen. Achtung, wichtig: Der Beruf des Übersetzers ist nicht geschützt. Ebenso wenig wie der des Sprechers oder Dolmetschers. Darum fragen Sie bei der Auswahl eines Sprachmittlers nach Qualifikation, Spezialisierung und Erfahrung. Oder lassen Sie sich jemanden empfehlen, zum Beispiel von mir. Ein Diplom kann ebenso eine Qualifikation sein, wie ein Quereinstieg aus einem Spezialgebiet (Medizin, Recht, Chemie usw.). Auf meiner Website www.danilingua.de habe ich dazu einen Leitfaden hinterlegt.

FB: Was macht Ihnen im täglichen Berufsalltag am meisten Spaß? 

Ich stehe gern vor der Kamera oder auf der Bühne. Menschen dort in den Mittelpunkt stellen und das Beste von ihnen zu zeigen, ist mein Ansporn. Der Erfolg meiner Kunden macht mich glücklich. Genauso macht es mir aber auch Spaß, einen Ausgangstext in eine den Kunden in Begeisterung versetzende Version in der jeweiligen Zielsprache zu bringen. Ebenfalls macht mir Akquise einen Riesenspaß. Ich rufe für mein Leben gern Menschen an. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass kein Tag dem anderen gleicht. Und oft wird man auch zum Unterstützer, auch bei zunächst traurigen Anlässen. Einmal habe ich Dokumente für eine Mutter übersetzt, deren Kinder vom Vater in die USA entführt wurden. Was für ein Fest, als die Minis wieder in den Armen ihrer Familie in Deutschland waren! Auch beim Dolmetschen bin ich meinem Element. Am liebsten live über TV. Nicht zu wissen, was als nächstes kommen mag sorgt für das nötige Adrenalin gepaart mit der Sicherheit einer guten Vorbereitung.

Es bleibt aber dennoch immer das gewisse Quäntchen Ungewissheit. Oder Ton und Bild fallen mal aus. In diesen Momenten profitiere ich von meiner gelernten Gelassenheit als Sprecherin und Moderatorin.

Alltagstrott gibt es nicht!

Zusammengefasst macht mir also am meisten Spaß, dass der Alltag eben keiner ist und mit so viel Abwechslung geprägt ist. Es ist ein wunderbarer Wechsel zwischen Adrenalin pur, wenn ich „draußen“ bin und – relativer – Ruhe zurück im Home Office.

FB: Neben Ihrer Arbeit sind Sie auch ehrenamtlich engagiert – erzählen Sie doch bitte einmal von diesem Engagement!

Ich kenne es gar nicht anders, als dass man nicht nur für sich lebt, sondern sich auch über den eigenen Tellerrand hinaus um andere kümmert, die vom Leben nicht immer gut behandelt wurden. Ich gehöre einer internationalen Service-Organisation mit Sitz in Oak Brook, USA, an. Dieses Engagement für „Deinen Nächsten“ wurde mir von Anfang an in meiner Familie vorgelebt. Ich habe in meinem Carport z. B. eine „Give Box“ eingerichtet. Dort deponieren mittlerweile sogar Nachbarn das, was sie zu Hause nicht mehr benötigen. Es findet ein wirklich reger Austausch statt. Von Kindersachen über Haushaltsartikel, Bücher und Kleinmöbel findet alles einen neuen Platz.

Ehrenamtliche Jugendarbeit mit solidem Netzwerk

Durch meine Erfahrung mit Jugendlichen hat es sich auch dahin entwickelt, dass sich die Jugendhilfe als Hauptgebiet herauskristallisiert hat. Da kommt es auch schon mal vor, dass jemand hier unterkommt, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir viel zu wenig Ansprechpartner zwischen Elternhaus und Polizei haben, wenn’s im „spannenden Alter“ brennt. Ich mache das rein ehrenamtlich und bin bei keiner Institution registriert. So kann ich gezielter agieren, wo Not am Mann ist. Ob es sich um zugezogene Familien, Müttern in brenzligen Lagen oder Jugendliche handelt. Irgendwann haben Sie als Frau und Mutter einen Erfahrungspool aufgebaut und können das weitergeben. Dabei ist es wichtig, den nötigen Abstand zu wahren, den es für das „Außen“ braucht, und den „Schützlingen“ dennoch die nötige Wärme und viel Verständnis zu vermitteln, aber auch mal Grenzen aufzuzeigen. Und es hat sich mittlerweile ein wirklich solides „Sozial-Netzwerk“ aufgebaut. Menschen, Fachleute wie Privatpersonen, auf die zu 100 % Verlass ist. Das ist ein schönes Gefühl. So ist keiner allein.

FB: Ihr Terminkalender wird sicherlich stets voll und private Zeit rar sein. Wenn aber doch freie Stunden anstehen – wie verbringen Sie diese? Haben Sie Hobbys? 

Frau hinter Kamera

Daniela Gotta steht auch gern hinter der Kamera.

Freie Zeit. Ja. Da sagen Sie was. Mir macht meine Arbeit so viel Spaß, dass ich selten darüber nachdenke, was freie Zeit und was „Arbeit“ ist. Wenn wir mit der Kamera unterwegs sind, vergeht die Zeit wie im Flug. Ich tanze für mein Leben gern. Zumba ist eine dieser Leidenschaften. Und „Funk Nights“ sowie andere von Lieblings-DJs veranstaltete Partys. Krafttraining und Spaziergänge mit meiner Hündin im Wald, der bei uns vor der Haustür liegt, sorgen für den Ausgleich. Ich sage jeden Tag „Danke“, dass ich den Wald genießen darf. Singen ist auch etwas, was mich total befreit und die Endorphine fliegen lässt.

FB: Gibt es derzeit berufliche Pläne, die Sie angehen möchten? 

Ja. Die gibt es auf jeden Fall. Wir haben mit GOTTAFILMYOU gerade ein Konzept zum Thema „Recruiting“ erarbeitet und setzen das mit Bewerbervideos um. Einmal für Employer Branding oder für Kandidaten, die sich gerne präsentieren möchten. Besonders schön ist dies für kreative Menschen oder wo Lücken im Lebenslauf zu immer wieder den gleichen Fragen führen.  Dann gibt es weitere Pläne.

Neue Pläne schon in der Schublade

Dazu will ich noch nicht allzu viel verraten, nur so viel: „Regional, national, international“ sind Begriffe, die darauf hindeuten. Wichtig ist, finde ich, dass man stets weitergeht. Meine Oma hat immer gesagt: „Kind, ich bin jetzt 81 Jahre alt und lerne jeden Tag dazu“. Das Leben hat so viele spannende Facetten.

Drei Lebensträume habe ich mir bereits erfüllt. Einer davon war, in den USA zu leben und zu arbeiten. Das habe ich mir erfüllt und war fünf Jahre in San Francisco. Erst mit einem J1-Visum, danach mit einem H1-B-Visum. Ich werde das Gesicht des Konsulatsmitarbeiters nie vergessen, als ich es hier in Frankfurt eingelöst habe: „Wie haben Sie das denn bekommen?“ hat er gefragt. Ein weiterer Herzenswunsch ist das Singen. Das Klavier steht schon bereit. Wenn es soweit ist, wird die für den regelmäßigen Unterricht benötigte Zeit frei sein.

Glaube an deinen Traum. Bleibe dran. „All energy goes somewhere“, hat mal eine liebe Freundin in den USA gesagt. Hole dir Rat und höre dann auf dich. Und merke: Es wird erst richtig schwer, bevor der Durchbruch kommt. Damit ist dafür gesorgt, dass es sich bei den Plänen um keine Eintagsfliegen handelt und du nicht gleich beim ersten „ Buh“ umfällst.

Meine nächsten Pläne werden auf jeden Fall über die sozialen Medien bekannt gegeben werden. Sie haben etwas mit „Pendeln“ zu tun. Mehr sage ich nun wirklich nicht. Wer mich kennt, hat es sowieso schon vor zwei Absätzen gewusst (lacht).

“If you can dream it, you can do it”.

Copyright: Daniela Gotta

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Mal wieder frischen Wind in die eigenen vier Wände bringen oder das kleine Ferienhaus einrichten. Wer hier ob der Fülle der Angebote an Möbeln, Dekoartikeln, Stoffen & Co. überfordert ist, kann sich professionelle Hilfe holen. Längst bieten erfahrene Experten Beratung im Bereich des Wohnens an. Eine davon ist Birte Kaiser (im Bild). Der Hamburgerin hat die Gestaltung ihrer Umgebung schon immer Spaß gemacht und irgendwann tat sie es dann professionell. Mit ihrer Wohnberatung hausnummerzehn steht sie Kunden in allen Belangen rund um Einrichtung, Wohnen und Stil zur Verfügung und verhilft Räumen zu einem neuen Look.

Wir haben mit der Expertin, die verheiratet ist und zwei Söhne hat, gesprochen. Worauf kommt es beim Einrichten an und wie schafft man sich auch mit Kind und Kegel ein stilvolles Zuhause? Die Antworten darauf lesen Sie im Interview:

FB: Birte, wie bist Du auf den originellen Namen Deiner Wohnberatung gekommen? 

Vor ein paar Jahren haben mein Mann und ich ein Ferienhäuschen an der der Ostsee gekauft, nach jahrelanger, frustrierender Suche. Für uns ist es die perfekte zweite Heimat und wir sind noch immer bis über beide Ohren verliebt. Es hat die Hausnummer zehn und wurde so zum Namensgeber meiner Firma.

Liebe zum Einrichten entstand bei der Wohnberaterin schon als Kind

FB: Wann entstand Deine Liebe zum Einrichten? 

In unpersönlichen, kühlen Räumen habe ich mich noch nie wohl gefühlt, das war schon als Kind so. Sobald ich meine Umgebung selbst gestalten durfte, hab’ ich es getan. Später habe ich viele Jahre für Wohnzeitschriften gearbeitet und gelernt, dass es beim Einrichten nicht nur aufs Bauchgefühl ankommt, sondern dass es auch ein paar Regeln gibt, die einem weiterhelfen.

FB: Welche sind das, kannst Du ein paar nennen?

Licht ist enorm wichtig, es verändert Farben, wirkt einladend oder – wenn es grell oder schummrig ist – abweisend. Bei zu vielen verschiedenen Holzarten entsteht Unruhe. Räume wirken spannender, wenn man ihre unterschiedliche Höhen nutzt. Die Summe schöner Möbel ergibt nicht unbedingt ein harmonisches Ganzes, wenn sie nicht zueinander passen. Keine Angst vor Schwarz, in Maßen eingesetzt passt die Farbe zu fast jedem Wohnstil.

Frischer Wind oder Suche nach neuem Stil sind häufige Gründe für Wohnberatung

FB: Was sind die häufigsten Anliegen Deiner Kunden, die Dich für eine Einrichtungsberatung buchen? 

Die meisten stehen vor einer Veränderung. Sie möchten umbauen oder renovieren, brauchen ein Kinderzimmer oder ein Büro, wo vorher keines war. Andere planen, sich neue Möbel anzuschaffen, und wollen teure Fehlkäufe vermeiden.Oder sie wünschen sich frischen Wind in den eigenen vier Wänden und sind auf der Suche nach einem neuen Stil. 

FB: Wie läuft so ein Auftrag ab, wenn der Kunde Dir seine Vorstellungen übermittelt hat? 

Ich komme ins Haus oder in die Wohnung, lasse mir alles erklären und versuche, gut und aufmerksam zuzuhören. Was ist den Kunden wichtig? An welchen Möbelstücken hängen sie? Wie nutzten sie ihre Wohnung? Am Ende geht es ja nicht darum, dass ich mich austobe, sondern dass die Auftraggeber glücklich sind und sich wohlfühlen. Dann gebe ich Tipps, mache Vorschläge, zeige Alternativen. Ich habe zwei dicke Ordner mit Bildern und Beispielen. Das Thema ist ja eher ein optisches und lässt sich leichter zeigen, als es in Worte zu fassen. 

So ein Besuch dauert etwa zwei Stunden. Einige Kunden sind damit zufrieden, andere begleite ich durch ihr ganzes Projekt, helfe beim Aussuchen der Möbel im Laden oder später bei der Dekoration.

FB: Was sind für Dich kniffelige Herausforderungen in Sachen Wohnberatung? 

Wenn Ehepartner sich nicht einig sind, wird’s schwierig. Oft treffen zwei Geschmäcker aufeinander oder der eine (…meistens ist es die Frau) will eine Veränderung, der andere findet, »wieso, ist doch schön so.«

FB: In welchen Situationen buchen Dich Deine Kunden? Wenn Sie eine neue Immobilie beziehen oder auch des Tapetenwechsels wegen? 

Sowohl als auch, häufiger allerdings, wenn etwas renoviert werden soll. Ausnahmen sind Praxisräume oder Ferienimmobilien, da werde ich meist von Anfang an dazu geholt.

Wohntrends gibt es genau so, wie es Modetrends gibt

FB: Gibt es die vielbeschworenen Wohntrends tatsächlich? Wenn ja, welcher Trend ist derzeit angesagt?  

Ordnung will geschaffen sein

Doch, die gibt es, das ist beim Wohnen nicht anders, als in der Mode, nur weniger schnelllebig. Zurzeit spricht man beispielsweise von Kanso, einem Wohntrend aus Japan, der alles auf das Wesentliche reduziert. Und Coorie ist die schottische Antwort auf den skandinavischen Hygge-Hype. In ihrer Reinform werden sich diese Trends kaum durchsetzen, aber es gibt Strömungen.

FB: Welchen Wohnstil bevorzugst Du selbst? 

Ich mag eine Mischung aus schlicht und alt. Praktische gradlinige Möbel, kombiniert mit Stücken, die Geschichte haben. Unser Küchenregal stammt beispielsweise von einem österreichischen Bauernhof, auf dem wir mal Urlaub gemacht haben. Ein 800 Jahre altes, fast zwei Meter langes Eichenbrett, das früher eine Scheunentür war. 

FB: Lebt man mit Kindern, kann man seinen Lieblings-Wohnstil oft nicht immer – oder nur eingeschränkt – leben. Meist muss es praktisch sein. Welchen Ratschlag hast Du hier für stilorientierte (junge) Familien, dass beides doch irgendwo zusammengehen kann? 

Je unempfindlicher die Möbel, desto entspannter die Eltern. Außerdem verbringt man gerade am Anfang viel Zeit auf dem Boden, da hat man es bequemer auf einem flachen Teppich, der nicht fusselt. Ich empfehle außerdem, sich ein paar schöne Aufbewahrungsmöglichkeiten für das viele Spielzeug ins Wohnzimmer oder die Küche zu stellen. Ist ja auch mal ganz schön, das bunte Chaos gelegentlich verschwinden zu lassen, damit man nicht das Gefühl hat, man wohnt in einer Kita.

Zu Anlässen kann man dekomäßig in die Vollen gehen!

FB: Aktuell steht Ostern und damit der Frühling vor der Tür. Hast Du hierfür Tipps in Sachen Dekoration und Stil?       

Das Tolle an solchen Festen ist ja, dass man dekomäßig so richtig in die Vollen gehen kann, wenn man Spaß dran hat. Ein bisschen so, als würde man die Wohnung für ein paar Wochen verkleiden. Ich liebe beispielsweise Zweige in der Vase, die dann rasend schnell grün werden. Außerdem finde ich kleine Wimpelketten in Pastelltönen hübsch. An denen bastel ich gerade. Das wollte ich eigentlich mit meinen Kindern machen, aber die haben keine Lust dazu. Ein deutliches Zeichen dafür, dass der Spaß am Einrichten und Dekorieren offenbar nicht vererbt wird.

Birte Kaiser

Birte Kaiser (im Bild) lebt in Hamburg. Ihr Internetblog ist unter wwww.Hausnummerzehn.com zu finden.

Bildnachweise: Birte Kaiser /hausnummerzehn.com

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Karsten Stockhecker

Gesunde Ernährung ist in aller Munde. Leider nicht wortwörtlich gesehen. Denn über gesundes Essen wird zwar eine Menge geschrieben und gesendet, doch ein Großteil der Leute spaziert für den Zutaten-Einkauf für`s Abend- oder Wochenend-Essen dann doch wieder in den Supermarkt.

Und hier lauert tatsächlich das eine oder andere Lebensmittel, das kritisch unter die Lupe genommen werden sollte. Doch – mal ehrlich – wer macht das schon? Zumal viele Menschen heutzutage in einen Alltag eingebunden sind, der viel zu wenig Luft lässt und deshalb nach dem Einkauf oft schon das Hausaufgaben machen mit den Kindern, der Haushalt oder halt der nächste Termin warten. Dennoch kann man schon mit wenigen Zutaten und ohne großartigen Aufwand einfache, leckere Gerichte selbst zubereiten – täglich. Der Meinung ist zumindest Karsten Stockhecker (im Bild). Der Koch, der das Internet-Magazin „Der Sex des alten Mannes“ betreibt, hat sein Handwerk von der Pike auf gelernt und ist ein Verfechter der frischen, regionalen Küche. Er verabscheut die Bezeichnung „Industriell hergestelltes Lebensmittel“ und gibt im nachfolgenden Interview Tipps, wie der ungeschulte Verbraucher fragwürdige Lebensmittel erkennt und die frische und saisonale Küche in seinen Alltag integrieren kann.

FB: Karsten, wie bist Du auf den schrägen Namen Deines Internet-Portals gekommen? 

KS: Daran ist meine Oma schuld. Sie hat immer gesagt, kochen lernen ist wichtig, denn später ist  Essen & Trinken der Sex der alten Menschen. Als ich dann meinen Blog angefangen habe, war ich auf der Suche nach einem Titel für die Seite. Dabei kamen mir die Worte meiner Oma wieder in den Sinn. Etwas abgewandelt, da ich „alt“ bin, den Blog schreibe und ein Mann bin, wurde daraus „Der Sex des alten Mannes“. 

In Sachen Lebensmittel werden Verbraucher oft getäuscht

FB: Rezepte, Warenkunde, News zu Lebensmitteln im Netz – Dein Themenspektrum ist vielfältig. Aus welcher Richtung kommst Du selbst? 

KS: Nun, vor 15 Jahren wurde bei mir Diabetes diagnostiziert. Ich habe Kurse belegt, um zu lernen, was darf ich essen und was nicht? Das war so interessant, dass ich bei dem Thema geblieben bin, sehr viel gelesen, gekocht und ausprobiert habe. Um das Ganze zu vertiefen, habe ich, am Anfang nur für mich, den Blog angefangen. 

FB: Was war Deine Motivation, mit einer eigenen Seite im Netz vertreten zu sein? 

KS: Es gibt sehr viele Blogs zu dem Thema im Netz. Doch alle sind irgendwie auf ein oder zwei Themen spezialisiert. Mein Interesse liegt aber weiter über den Tellerrand hinaus. Warenkunde ist wichtig, Was ist zum Beispiel Salz, welche Arten gibt es, wozu und wie verwende ich es? Für mich ist es wichtig zu wissen, wieso, weshalb, warum ich dieses oder jenes bei einem Rezept hinein gebe. Wie kann ich das Rezept verbessern oder abändern, sodass etwas anderes, in der Grundidee doch gleiches, heraus kommt? Meine Motivation ist es auch, die Menschen dazu zu bringen, mal darauf zu achten, was man da eigentlich isst, nicht einfach glauben, was einem da erzählt oder versprochen wird, sondern zweifeln. Es sollte wieder mehr selber gemacht werden, denn Kochen macht viel Spaß.

FB: Du setzt Dich ernsthaft mit der Thematik „Lebensmittel-Transparenz“ auseinander. Wie ist es um diese in Deutschland bestellt? 

KS: Meiner Meinung nach schlecht. Es gibt zu viele Lücken in den Gesetzen und Verordnungen. Das Geld verdienen steht an erster Stelle. Ein Beispiel:
Wenn auf der Packung von Champignons „Geerntet in Deutschland“ steht, heißt es noch lange nicht, dass sie in Deutschland angebaut wurden. Sie werden in Polen gezüchtet, weil dort die Arbeitskraft billiger ist. Kurz vor der Ernte packt man die Champignons in einen LKW, fährt über die Grenze nach Deutschland. Dann werden sie geerntet und danach wieder in Polen weiter verarbeitet.

Oder Schwarzwälder Schinken. Für mich muss ein Schwarzwälder Schinken komplett aus dem Schwarzwald sein. Damit meine ich das Fleisch, die Räucherware und dass er im Schwarzwald geräuchert wurde. Früher war das bestimmt auch so. Heute kommt das Fleisch z.B. aus China, die Räucherware aus Finnland, nur geräuchert wird es im Schwarzwald, denn sonst darf er nicht so heißen, sagt eine schwammige Verordnung. In meinen Augen ist alles nur Geldmacherei und der Verbraucher wird – Entschuldigung – verarscht.   

Gesunde Ernährung im Alltag will organisiert sein

FB:  Wie kann man es heutzutage überhaupt hinbekommen, sich gesund zu ernähren und Lebensmittel zu sich zu nehmen, die wirklich frei von Schadstoffen oder undefinierbaren Inhaltsstoffen sind? Zumal vor dem Hintergrund, dass die meisten Leute sowieso schon häufig im Alltag mit Job, Kinderbetreuung und Haushalt jonglieren müssen und kaum die Zeit haben, einen regionalen Erzeuger nach dem anderen anzusteuern….  

KS: Gute Frage. Es ist schwer. Beim Einkaufen sollte man auf die Zutaten achten. Sind mehr als fünf aufgelistet, nicht kaufen! Ist eine Zutat dabei, die man nicht aussprechen kann, Finger weg. Klar ist es heute schwer, alles selbst zu machen. Doch gerade beim Selbermachen hat man es in der Hand, was man isst. Wenn man regional und saisonal einkauft, ist man schon einen Schritt näher an der gesunden Ernährung. Erdbeeren im Dezember zum Beispiel können nicht gesund sein und nicht schmecken. Wurst aus den Supermarktregalen ist nicht gesund. Die Chemiewurst hat vielleicht mal ein Schwein gesehen, aber enthalten ist da keins und wenn, dann nur 10%. Der Metzger um die Ecke, der noch selber schlachtet, da ist in der Wurst auch wirklich Fleisch drin. Es kostet zwar ein paar Euros mehr, aber es ist Wurst und kein Chemiecocktail oder Abfall, wie Separatorenfleisch.

Jeder achtet auf Qualität beim Auto, den Klamotten oder beim Handy. Aber bei dem, was man sich jeden Tag einverleibt, machen die meisten sich keinen Kopf. Die schlimmste Bezeichnung ist für mich „Industriell hergestelltes Lebensmittel“. 

FB: Aktuell erwarten wir den Frühling – was tut sich da auf Deinem Portal? Wird es spezielle Rezepte oder/und Projekte kulinarischer Natur geben? 

KS: Meine Rezepte werden das ganze Jahr regional und saisonal sein. Das ist mein Plan. Gerade im Frühling, wenn alles wieder sprießt und blüht, wird es auch wieder bunt auf den Tellern. Es wird Gemüsiger (gibt es das Wort überhaupt?).

Einiges ist in Planung. Am Besten, einfach mal überraschen lassen…! 

Lebensmittel aus der Region für japanischen Käsekuchen

FB: Du beschäftigst Dich auch mit exotischen Lebensmitteln. So zum Beispiel findet man auf Deiner Seite auch ein Rezept für einen japanischen Käsekuchen. Wo nimmst Du diese Rezepte her, wo und wie lässt Du Dich inspirieren? 

KS: Ich lese viel Rezeptbücher und -hefte. Und wie gesagt, ich schaue über den Tellerrand hinaus. Man kann beispielsweise einen japanischen Käsekuchen mit Lebensmitteln aus der Region machen, ebenso die georgische Küche. Ich finde es interessant, was und wie Menschen in anderen Ländern kochen und essen. Schon allein in Deutschland gibt es die unterschiedlichsten Küchen. Beim Lesen der Rezepte werde ich inspiriert. Etwas aus diesem und etwas aus jenem Rezept zu kombinieren und daraus entsteht etwas anderes, leckeres.   

FB: Was sind Deine persönlichen kulinarischen Highlights, die im Hause Stockhecker auf den Tisch kommen?

KS: Da gibt es zum Beispiel meine Hackfleisch-Gemüse-Pfanne. Rinderhack anbraten, Gemüse der Saison dazu und entweder mit Nudeln, Kartoffeln oder Reis servieren.  Oder einen Lachs anbraten, Mangold mit Zwiebeln und bisschen Knoblauch anschwitzen und dann auf den Lachs geben, dazu Bratkartoffeln. Einfach, schnell und lecker. 

Gemeinsames Essen im Büro fördert die Gemeinschaft

FB: Welche Leistungen bietest Du Kunden und Interessierten offline an? 

KS: Ich biete Catering an, gebe Kochkurse für Kinder und auch für Erwachsene. Ich komme zu meinen Kunden nach Hause und koche dort beispielsweise für eine Geburtstagsfeier oder auch für ein romantisches Diner zu zweit. In manchen Firmen oder Büros gibt es oft eine Küche. Da jedoch keiner die Zeit hat, für alle zu kochen, weil man ja im Büro arbeiten muss, komme ich und koche für alle. Es fördert die Gemeinschaft in einem Büro, wenn alle gemeinsam essen und der Chef tut was Gutes für seine Belegschaft. Wer Interesse hat, einfach mal bei mir melden. 

Magazin „Der Sex des alten Mannes“: www.essen.stockhecker.de

Lesen Sie mit „Die Wetterküche“ einen weiteren Artikel zum Thema Lebensmittel, gesunde Ernährung und regionale Küche.

Copyright: Karsten Stockhecker

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Nicole Szopinski arbeitet als Coach in Berlin und wird  ab sofort – nachdem sie schon einige Beiträge für unser Magazin geschrieben hat – eine regelmäßige Kolumne hier auf dem Frauenboulevard starten. Wie schon in ihren veröffentlichten Beiträgen bei uns, werden auch in Nicoles regelmäßigen Kolumnen Impressionen aus ihrem Arbeitsalltag die Inhalte ihrer Artikel dominieren. Grund genug, zunächst einmal ein Interview mit ihr zu führen, in dem sie von ihrer Berufung, in der die Hypnose eine große Rolle spielt, berichtet:

FB: Nicole, Du bist in Sachen Coaching unterwegs – auf welche Bereiche hast Du Dich spezialisiert?

Ich arbeite als Life Coach und Hypnotiseurin. Meine Berufung ist es, Menschen dabei zu unterstützen, zu mehr Lebensqualität zu gelangen und den Glauben an sich selbst wieder zu finden. Dabei gibt es unterschiedlichste Felder, die ich entsprechend bei meine Klienten aufarbeite; von Glaubenssätzen, die noch aus der Kindheit stammen bis hin zu Entspannungs- und Regenerationshypnosen. Wichtig ist mir dabei die Person als Mensch mit seiner ganz eigenen persönlichen Geschichte wahrzunehmen und wirklich mit Herz und Verstand zu unterstützen.

Hypnose spielte irgendwann große Rolle

FB: Wie kamst Du zu Deinem jetzigen Business?

Ich habe viele Jahre pferdegestütztes Coaching praktiziert und habe mich schon immer für Psychologie und zwischenmenschliche Zusammenhänge interessiert. Irgendwann kam die Hypnose in mein Leben und mir wurde schnell klar, was für ein immenses Potential dahinter steckt, direkt mit dem Unterbewusstsein zu arbeiten.

In der Schweiz wird die Hypnose auch schon in Psychiatrien bei Depressionen eingesetzt. Ein schweizer Kollege hat sogar schon eine Operation, bei der eine verwachsene Titanplatte aus seinem Unterarm entfernt wurde, ohne Narkose stattdessen aber mit Selbsthypnose völlig entspannt überstanden. Das wurde auch durch das Schweizer Fernsehen begleitet.

FB: Wer sind Deine Kunden, von wem wirst Du für Buchungen kontaktiert?

Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu mir. Von gestressten Geschäftsführern, über Teenager mit Prüfungsangst oder Lernblockade bis hin zu Frauen mit Liebeskummer oder auch Personen, die mit ihrem Business in einer Blockade stecken.

FB: Was erwartet Deine Klientel von Dir und mit welchen Strategien arbeitest Du?

Meine Kunden bekommen von mir in erster Linie Verständnis und merken schnell, dass ich sie als Mensch wahrnehme und nicht verurteile. Wir arbeiten gemeinsam an der Lösungsstrategie, die so angenehm und zügig wie möglich zur gewünschten Veränderung führt. Dabei gehe ich ganz individuell auf die Bedürfnisse meiner Kunden ein.

Vertrauen und Respekt sind das A und O!

Das heißt, ich arbeite vertrauensvoll, respektvoll und scheue mich nicht, sachlich Dinge beim Namen zu nennen, wenn es dazu dient, der Person mit der ich arbeite, zu helfen, ihr Ziel zu erreichen.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie und psychologischer Gesundheitsberater weiß ich um die tiefgreifende Wirkung der Hypnose, doch gibt es Menschen, die ein Intensivcoaching bevorzugen. Das ist für mich absolut okay. Jeder ganz wie er es braucht und wünscht. Für mich ist es wichtig, dass mein Kunde sich wohl fühlt.

FB: Was für ausschlaggebende Punkte / Ereignisse sind es, bei oder nach denen Menschen einen Coach buchen? Kannst Du da aus dem Nähkästchen plaudern?

Oft sind es Menschen, die emotional überfordert sind und sich in einer ausweglosen Situation sehen. Also zum Beispiel Männer und Frauen, die in ihrer Beziehung unglücklich sind und nicht wissen, wie eine Lösung aussehen kann, die sie wieder in eine erfüllte Beziehung führt. Meistens liegt der Grund hierfür in eingefahrenen Verhaltens- und Denkmuster sowie Prägungen in der Kindheit.

Nicht mehr entspannen zu können: oft ein Vorzeichen von Burnout

Oder auch CEOs, die so gestresst und mental so beansprucht sind, dass sie kaum noch schlafen können und nicht mehr in der Lage sind, wieder von ihrem Stress runterzukommen. Die Leitungen sind sozusagen heiß gelaufen und schaffen es nicht mehr wieder zu entspannen, was ein Anzeichen für ein bevorstehenden Burnout sein kann.

FB: Wie stellst Du Dich auf die unterschiedlichen Menschen und ihre Belange ein?

Das Wichtigste ist, dass wir ein Vertrauensverhältnis aufbauen, bei dem sie merken, dass ich sie nicht verurteile und mit fachlicher und erfahrungsbasierter Kompetenz zur Seite stehe. Ich schaffe einen Raum, in der sich mein Kunde vertrauensvoll fallen lassen kann und sich erlaubt, die Masken abzulegen. Denn auf diese Weise kommen wir gemeinsam dem Ursprung eines Symptoms näher und ich kann eine positive nachhaltige Veränderung bewirken.

Selbst schon durch etliche Höhen und Tiefen gegangen

Für mich ist es essentiell, den Mensch kennenzulernen und die dazugehörige Geschichte. Dabei zeige ich, dass ich auch ein Mensch bin und schon durch viele Höhen und Tiefen gegangen bin, die mir manches Mal aussichtslos erschienen.

Einer meiner höchsten Werte ist die Menschlichkeit. Mein Anspruch ist es ganzheitlich mit einer Kombination aus Menschlichkeit, Einfühlungsvermögen und Qualität im Sinne von sachlicher Objektivität und fachlicher Kompetenz zu arbeiten.

FB: Wie sieht ein Coaching bei Dir aus – kannst Du evtl. mal ein Beispiel aus der Praxis nennen, wie konkret sich das Arbeiten mit Dir gestaltet?

Bei mir gibt es kein 0815/Schema, denn jeder Mensch funktioniert anders und hat auch unterschiedliche Voraussetzungen. Daher passe ich mich ganz individuell und flexibel an und arbeite dann in Absprache mit meinem Kunden eine maßgeschneiderte Strategie aus.

Einer meiner Klienten war mit seinem Unternehmen mental so unter Daueranspannung, dass sich sogar verschiedene körperliche Symptome gezeigt hatten. Selbst im Schlaf fand die Person kaum noch Erholung, da sie schlecht einschlafen konnte und zudem auch noch sehr unruhig schlief. Schlaf und Entspannung sind aber maßgeblich für unsere Lebensqualität und unsere Leistungsfähigkeit verantwortlich, da sich das auf unser Immunsystem auswirkt.

Durch Intensivcoachings und Hypnose zu neuer Energie

Wir haben mehrere Intensivcoachings gemacht und auch entsprechende Hypnoseformate angewandt. Es war schön zu beobachten, wie sich mein Klient positiv verändert hat und immer entspannter wurde und gleichzeitig hochkonzentriert und produktiv seinen beruflichen Alltag meisterte.

In der Regel mache ich zuerst eine Persönlichkeitsanalyse und arbeite die aktuelle Lebenssituation auf. Dabei vermittle ich immer wieder praxisorientierte Anwendungsmöglichkeiten für den Alltag, entschlüssele die Ursache und decke erfolgsverhindernde Glaubenssätze auf, die meist im Unterbewusstsein verborgen liegen.

Gleichzeitig stärke ich das Selbstwertgefühl und das Selbstvertrauen. In Absprache mit meinem Kunden greife ich dann auf die passende Methode zurück, um auf bewusster und unterbewusster Ebene nachhaltige Veränderungen zu ermöglichen.

Aufgrund meiner Bandbreite an zertifizierten Ausbildungen, kann ich ganz individuell und flexibel auf die Bedürfnisse meiner Klienten eingehen, wobei meine Intuition und meine langjährige Erfahrung mir guter Wegweiser sind.

Das Allerwichtigste ist, dass mein Kunde sich wohl fühlt und in die nachhaltige Veränderung kommt.

FB: Wie meisterst Du persönlich Herausforderungen und eventuelle Stolpersteine in Deinem Alltag?

Schöne Frage! Ich nehme an, was ist und achte dabei darauf, mich selbst nicht zu verurteilen oder die Schuld bei xy zu suchen, sondern konzentriere mich auf mögliche Lösungen. Kurz gesagt, was kann ich jetzt mit meinen zur Verfügung stehenden Mitteln tun, um die anstehende Herausforderung bestmöglich zu meistern?

Immer gut drauf zu sein, schadet der Lebensenergie

Wichtig ist es dabei, auch eigene Emotionen anzunehmen. Das heißt, wenn es mal nicht so läuft, wie geplant ist es absolut okay mal nicht gut drauf zu sein. Denn drillmäßig immer gut drauf zu sein, schneidet uns von unserer Lebensenergie ab, setzt uns unter Druck und macht Stress. Oft führt das Wegdrücken von Emotionen zu unkontrollierten Ausbrüchen an anderer Stelle.

Was jetzt nicht heißen soll, alles kurz und klein zu schlagen, wenn man wütend ist! Der Umgang mit Emotionen in herausfordernden Situationen ist lernbar.

Was mir auch super hilft, wenn das Leben mir Stolpersteine schenkt, um zu wachsen, ist der Satz „Challenge accepted, jetzt erst recht!“ sehr hilfreich. Dieser Satz bewirkt in mir eine wahnsinns Power und einen tollen positiven Kampfgeist!

FB: Wie sieht ein Arbeitstag bei Dir aus?

Mein Arbeitstag sieht sehr unterschiedlich aus, da ich sehr kreativ bin und auch an gemeinsamen Projekten mit Kollegen zusammenarbeite. Das heißt, ich bin auch unterwegs.

Neue Entwicklungen in Sachen Hypnose spielen große Rolle

Ich mache Einzelcoachings, Ganztagescoachings, auch Online-Hypnosessions, gebe Workshops und entwickle neue Hypnoseformate sowie innovative Projekte für einen noch höheren Mehrwert meiner Kunden.

Natürlich gehört auch Weiterbildung dazu, was bedeutet, dass ich regelmäßig an Seminaren teilnehme.

FB: Wenn Du nicht arbeitest, gibt es Hobbys? Wenn ja, welche?

Ich liebe die Natur und Tiere und halte mich dort gern auf, denn das gibt mir eine angenehme Ruhe und Ausgleich zum lebendigen Stadtleben. Natürlich schätze ich auch das kulturelle Angebot Berlins und bin ab und an auf Jazzkonzerten, tollen Märkten oder auch in einem guten Zen Restaurant zu finden. Das Schöne an Berlin ist, dass man fast unendliche Möglichkeiten hat, was ich sehr genieße. Diese Stadt ist lebendig und bunt, so wie ihre Einwohner und das Leben selbst.

Zudem bin ich ein großer Fan von unterschiedlichsten Fitnessvarianten und genieße es, mit Freunden zusammen zu kochen und bei einem guten Glas Wein über Gott und die Welt zu quatschen, wobei sich oftmals super inspirierende – fast schon philosophische – Gespräche ergeben.

Lesen Sie hier Beiträge von Nicole Szopinski – natürlich stark

Bildnachweis: Nicole Szopinski

Gabriela Friedrich mit dem inflationär verwendeten Attribut „Powerfrau“ zu versehen, passt nicht. Nicht nur, weil aktuell gefühlt jede zweite beruflich erfolgreiche Frau dieses Etikett – meist medial – verpasst bekommt, sondern weil das, was Gabriela Friedrich ausmacht, viel mehr ist als weibliche Power.

Die Hamburgerin (im Bild), deren Vita sich bereits wie ein Abenteuer liest, ist beruflich unglaublich vielseitig aufgestellt und strahlt dennoch die Gelassenheit derer aus, die das „Hamsterrad“ hinter sich gelassen haben. Gabriela Friedrich, die sowohl Coachings anbietet, als auch Bücher und Fachpublikationen schreibt und zudem Veranstaltungen organisiert, widmet sich mit ihren Klienten intensiv Konflikten, die aus menschlichen Prägungen heraus entstehen. Wer die tiefgründige, charismatische Norddeutsche erlebt, spürt, dass sie ihr Business mit innerer Kraft und Intuition organisiert. Im Interview stand uns Gabriela Friedrich Rede und Antwort.

FB: Gabriela, Du bist im Web gleich mit drei Geschäftszweigen präsent – richtest Deinen Fokus auf den Finanzsektor, agierst aber auch im Hinblick auf Männer und bist zudem sehr erfolgreich in Sachen Coaching von Frauen – vordergründig Businessfrauen. Gib uns doch dahingehend einmal einen Einblick.

Was auf den ersten Blick so unterschiedlich wirkt, ist doch im Kern immer dasselbe. Es geht bei meinen Telefoncoachings, ganz gleich mit wem, in erster Linie um Prägungen als bestimmenden Einflussfaktor. Dr. Bruce Lipton sagt, dass 95 Prozent unseres Lebens durch innere Muster bestimmt werden, die in den ersten sieben Jahren unseres Lebens entstanden sind. So hoch würde ich den Wert nicht ansetzen – es gibt auch im Erwachsenenalter viele prägende Erfahrungen –, aber generell ist der Mensch weitaus mehr von Konditionierungen gesteuert als ihm bewusst ist.

Deshalb beginnt meine Arbeit – egal mit wem – immer mit der Suche nach inneren Programmen als mögliche verborgene Ursache des Problems, das im Coaching gelöst werden soll. Beispielsweise bat mich einmal eine Frau um Hilfe im Umgang mit ihrem Kollegen. Sie und er waren Vorstände eines Finanzunternehmens und in jedem Jahr machte es die Frau wahnsinnig, wie sehr ihr Kollege bei der Lieferung der Daten für den Geschäftsbericht trödelte. In dieser Situation hätte sich eine Mediation oder eine Kommunikationsberatung zur Lösung des Konfliktes angeboten, wäre aber ein Fehler gewesen. Denn tatsächlich war nicht der Kollege, sondern die Großmutter der Klientin für den Konflikt verantwortlich. Granny hatte nämlich Jahrzehnte zuvor gegenüber ihrer Enkelin immer wieder ihre große Furcht vor dem Finanzamt geäußert und damit eine entsprechende Konditionierung verursacht, die bei der Erstellung des Geschäftsberichts getriggert wurde.

Mit der von mir entwickelten Mentaltechnik (S)HE – (Self) Hypno Empowerment dauerte es ca. 15 Minuten, bis die Konditionierung gelöst und die Klientin in Bezug auf die Fertigstellung des Geschäftsberichts entspannt war.

Nun löse ich nicht nur Konditionierungen per Telefon, sondern bringe meinen Klientinnen und Klienten auch eine andere Haltung gegenüber ihren Emotionen bei. Jedes Gefühl hat eine Indikatorfunktion und es ist unsere Aufgabe, es ernst zu nehmen und sorgfältig zu analysieren, damit wir verstehen, was es uns sagen will. Dann erst können wir die passenden Maßnahmen ergreifen, wie z.B. eine Eigenbehandlung mit (S)HE.

Der Erfolg von (S)HE beruht darauf, mit dem Innersten so einfühlsam zu sprechen, dass es sich verstanden fühlt und Lust bekommt sich zu verändern. Das lässt sich wunderbar auf den Umgang mit unseren Mitmenschen übertragen. Ergo berate ich meine Klienten auch dabei, erfolgreicher mit ihren Ehepartnern, Kunden oder Chefs zu sprechen.

Und das letzte zielgruppenübergreifende Thema meiner Coachings ist die geschlechtliche Identität bzw. das Verhältnis von Frauen und Männer. Aber dazu später mehr. 

FB: Wie hat sich Dein Berufsleben gestaltet, bis Du an den Punkt gekommen bist, wo Du heute erfolgreich stehst?

Meine Vita ist etwas schräg: Ich wollte eigentlich ins Hotelfach, bin aber durch einen 2 ½-jährigen Aufenthalt an der Côte d’Azur in Cannes und ein Jahr in London bzw. Richmond in der Kommunikationsbranche gelandet. Seit 28 Jahren bin ich nun PR-/Marketingberaterin und Texterin, habe lange in Agenturen gearbeitet, eine sechsmonatige Fortbildung zum Werbe- und Eventassistenten für ein Bildungszentrum in Kassel konzipiert und realisiert, die Hamburger Texterschmiede gemeinsam mit den Vorständen aufgebaut und über 12 Jahre geleitet und parallel dazu seit fast 25 Jahren als professioneller Mentalcoach gearbeitet, vier Bücher geschrieben, ca. 35 Fachartikel publiziert und Kollegen in meiner Methode ausgebildet. Außerdem verantworte ich seit zwei Jahren die Schlussredaktion des Verbands-Magazins HAMBURGER UNTERNEHMER und veranstalte regelmäßig mit Partnern Vortragsveranstaltungen zu Digitalisierungs- und Wirtschaftsthemen. Mit anderen Worten: Ich kenne die Businesswelt und ihre Anforderungen ebenso gut wie die Innenwelt.

FB: Dein Know-how in Sachen Business dürfte auch eine große Rolle bezüglich Deiner bisher erschienen Publikationen gespielt haben. Wie kam es dazu und welche Bücher gibt es von Dir? 

Bisher gibt es vier Bücher, an dem fünften schreibe ich derzeit. Das erste Buch heißt „Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst. Negative Erziehungsmuster erkennen und auflösen. So machen Sie nie wieder dieselben Fehler“, erschienen Anfang 2012 bei mvg. Es ist das Buch, mit dessen Hilfe wir unbewusste Beziehungssaboteure erkennen und beseitigen, die uns davon abhalten das Richtige zu tun. Meist wissen wir ja, wie wir uns eigentlich verhalten sollten. Wenn uns das nicht gelingt, liegt dies an Konditionierungen. Um die geht es in den meisten meiner Bücher. So auch in Buch Nr. 2: „4 Schritte zur Gelassenheit. Wie wir unseren Ängsten die Macht nehmen“ Egal ob Redeängste, Selbstzweifel oder die Sorge nicht dazu zu gehören – auch dieses Buch vermittelt, wie wir uns von angstverursachenden Prägungen befreien können.

Die beiden anderen Bücher sind „Best Practice“-Sammlungen für emotionale Kompetenz in der Wirtschaft. Da ist zum einen das kostenlose E-Book „Wer fühlt, gewinnt!“ und dann das Buch „FINANZEINHÖRNER – good guys in the money business“, erscheinen bei Z&G. Ich glaube an die Wirkung positiver Vorbilder. Deshalb präsentiere ich gerne Menschen, die mit Anstand, Menschenkenntnis und Empathie erfolgreich sind.

FB: Begleitend zu Deinen Themen gibst Du Lesungen und hältst Vorträge. Wo bist Du diesbezüglich präsent, aus welchen Branchen kommen – im Zusammenhang mit Deinen Vorträgen – die Auftraggeber, vor welchem Publikum agierst Du? 

Früher habe ich häufiger Präsenz-Vorträge gehalten, sei es vor Selbständigen und Unternehmern, vor Führungskräften oder in Frauennetzwerken. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, Vorträge und Lesungen per Telefonkonferenz zu veranstalten. So kann jeder aus ganz Deutschland, der sich für das Thema interessiert, ohne Aufwand dabei sein.

FB: Du vertrittst die These, dass Frauen sich doch mit echten Problemen beschäftigen sollten – was konkret meinst Du damit?

Wann immer ich bei Facebook Frauengruppen beitrete oder Frauen-Netzwerk-Veranstaltungen besuche, fällt mir etwas auf: Frauen beschäftigen sich dort primär mit „soften Themen“, die die Welt zu einem schöneren, lebenswerteren Ort machen. Das ist im Prinzip gut und wichtig, doch würde ich mir auch eine faktenbasierte Auseinandersetzung mit unserem Finanzsystem, nationaler und internationaler (Wirtschafts-)Politik und gesellschaftlichen Tendenzen sowie deren Hintergründen wünschen. Ohne das erforderliche Hintergrundwissen werden Frauen leicht zu Opfern von Ideologen und Medien, die sie mittels Emotionen und Scheinmoral steuern. In unserer aktuellen gesamtpolitischen Lage ist das hochgefährlich.

FB: Um da ein bisschen im Bild zu bleiben: bilden die beruflichen Probleme, mit denen Frauen sich an Dich wenden, die Probleme, die in der Öffentlichkeit dargestellt werden (Gleichstellung, Gender-Gap, Diskriminierung von Frauen im Berufsleben, usw.) ab?

Ganz selten. Das mag daran liegen, dass meine Klientinnen wissen: Bei Gabriela Friedrich geht es um Eigenverantwortung. Wer über die von Dir genannten Probleme klagt, sieht die Verantwortung für seine Situation meist bei Dritten. Beim Arbeitgeber, bei der Gesellschaft, bei den Männern.

Nun gibt es zwar hier und da noch einige patriarchische Strukturen in Unternehmen, häufiger aber hat es mit prägenden Erlebnissen in ihrer Kindheit zu tun, wenn sich eine Frau diskriminiert fühlt. Sobald die bearbeitet und gelöst sind, ändern sich ihr Auftreten, ihre Erwartungshaltung und ihre Ausstrahlung. Und schon geht die Umwelt anders mit ihr um, respektiert sie und nimmt sie ernst.

Manche Klientinnen fragen mich, wie sie authentisch führen, ohne männliche Verhaltensweisen zu kopieren und ohne innerlich zu verhärten. Oder sie möchten die Beziehung zu ihrem Vorgesetzten oder Kollegen verbessern. Ein ganz großes Thema ist der Wunsch, erfüllter und sinnstiftender zu arbeiten. Wieder andere sind im Gespräch für eine Führungsposition und tun sich schwer mit der Entscheidung, weil für sie Macht negativ besetzt ist. Die Anliegen sind also vielfältig, wobei in zahlreichen Anliegen auch Spannungen zwischen den Geschlechtern eine Rolle spielen. Vielfach fehlt das Bewusstsein für die eigene geschlechtliche Identität und deren Bedeutung ebenso wie das Verständnis für die Eigenheiten und Sensibilitäten des anderen Geschlechts. Und es ist schön zu erleben, wie rasch sind die Dinge durch etwas mehr Achtsamkeit und Bewusstheit harmonisieren.

FB: Stehen sich manche Frauen selbst zu sehr im Weg und wenn ja, inwiefern?

Grundsätzlich steht sich jeder mit seinen Konditionierungen in irgendeiner Weise im Weg. Allerdings beobachte ich bei Frauen und Männern im Coaching unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme. Männer springen sofort auf das Konzept der Eigenverantwortung, auf die logische Analyse von Gefühlen und ihren Ursachen und auf die Möglichkeit der schnellen Lösung an. Frauen hingegen stellen gerne Nähe zu anderen Frauen her, in dem sie über ihre Probleme sprechen. Sie bekommen Verständnis, Mitgefühl und Zuspruch, was sich gut anfühlt. Da ist dann der Antrieb, das Problem los zu werden, viel geringer. Außerdem begeben sich Frauen – natürlich nicht alle, aber doch erstaunlich viele – gerne in die Opferrolle. Häufig ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie sich komfortabel in dieser Haltung von „ich leide und Du bist schuld und musst Dich ändern“ eingerichtet haben. Wenn ihnen das im Coaching klar wird, ist das Entsetzen meist groß. Doch dann folgt der Schritt ihn ihre wahre Größe und damit in die bedingungslose Eigenverantwortung.

FB: Du coachst Frauen zwar vordergründig im beruflichen Bereich, hast aber auch Klientinnen, die sich an Dich im Zusammenhang mit privaten Schwierigkeiten oder/und Problemen wenden. Vor welchen Herausforderungen stehen diese Frauen?

Ich trenne nicht wirklich zwischen beruflichen und privaten Themen; wir sind überall Mensch und tragen unsere Konditionierungen in alle Lebensbereiche hinein. Viele meiner Klientinnen haben ein niedriges Selbstwertgefühl, tun sich schwer damit Grenzen zu setzen, glauben sich Liebe verdienen zu müssen, fühlen sich verantwortlich für die Gefühle ihrer Nächsten, leiden unter Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen oder schleppen uralte Wut auf jemanden mit sich herum, der sie irgendwann verletzt hat. Ein wiederkehrendes Problem ist das gestörte Verhältnis zu Vater oder Mutter, was sich in der Liebe genauso auswirken kann wie in der Karriere. Oder die klammernde Mutter hindert ihre erwachsene Tochter, zur unabhängigen, starken Frau zu werden. Bei Paarkonflikten aller Art werde ich häufig um Hilfe gebeten oder auch bei ungewollter Partnerlosigkeit. Zu letzteren gehört meist auch, alte schmerzvolle Männererfahrungen mit (S)HE zu bearbeiten, damit die Frau ihr Herz wieder zu öffnen vermag. Sehr vielen Frauen vermittle ich derzeit, Männer besser zu verstehen und mit ihnen erfolgreicher umzugehen. Das zahlt sich privat und im Beruf aus.

FB: Wie gestalten sich Deine Coachings mit Frauen?

Das hängt von davon ab, was die Frau von mir möchte. Erst gibt es ein ausführliches, kostenloses Kennenlern-Telefonat, bei dem ich der Frau meine zugegebenermaßen ungewöhnliche Mentaltechnik erkläre. Wenn sie sich entscheidet mit mir zu arbeiten, erhält sie per Mail einen langen Text, den sie laut lesen und mit einem selbst gewählten Schlüsselwort codieren muss. Das ist die sogenannte (S)HE-Installation, eine Art von langfristig wirksamem Programm, das durch Lesen im Unterbewusstsein installiert wird. Mit ihm gelingt es, selbst jahrzehntealte schmerzvolle Erlebnisse in kurzer Zeit zu neutralisieren. Häufig beseitigen wir damit pro 60-minütiger Sitzung drei massive Faktoren, die das Selbstbild oder die Einstellungen der Frau negativ beeinflussen.

Welche Erlebnisse oder Glaubenssätze das sein könnten, erforscht die Frau zunächst in Eigenregie, denn ich möchte, dass jede Klientin die Expertin für ihr eigenes Innenleben wird.

In der ersten „echten“ Telefonsitzung sichten wir gemeinsam die Forschungsergebnisse, ich helfe Zusammenhänge zu erkennen und die wichtigsten, machtvollsten Prägungen zu identifizieren. Die nehmen wir uns dann eine nach der anderen vor. Die Klientin braucht sich dann nur auf die alte prägende Erfahrung oder den einschränkenden Glaubenssatz zu konzentrieren, den Rest erledige ich. Wenn die Konditionierungen beseitigt sind, die für das Problem der Frau verantwortlich waren, besprechen wir weitere Coaching-Inhalte wie z.B. Kommunikationsberatung. Es hängt ganz davon ab, was für diese spezielle Frau in ihrer individuellen Situation zusätzlich sinnvoll ist.

FB: Oftmals gehen die Anliegen, mit denen Klientinnen sich an Dich wenden, auch sehr ins Private, Stichwort: Sexualität. Was für Themen spielen da eine Rolle?

Die Themen reichen von Hemmungen bei bestimmten Praktiken bis hin zu einer generell negativer Haltung gegenüber Sexualität oder großer Scham, weil sie sich nicht schön genug finden. Auch wenn nach einigen Jahren der Partnerschaft sexuelle Unlust aufkommt, kann ein Mentalcoaching helfen. Denn bei vielen dieser Schwierigkeiten spielen mentale und emotionale Prägungen eine Rolle. Wenn die beseitigt sind, kann die Frau ihre Lust endlich frei genießen.

FB: Wie gestaltet sich bei Dir ein typischer Arbeitstag? 

Den gibt es nicht; jeder Tag ist anders. Das liegt allerdings nicht nur an der Vielfalt dessen, was ich tue. Ich versuche auch die Aufgaben dann zu erledigen, wenn es sich richtig anfühlt. Alles hat seinen optimalen Zeitpunkt, an dem es leicht und gut gelingt.

FB: Du bist beruflich sehr eingespannt. Wie schaltest Du ab, gibt es Hobbys?

Ich liebe England, seine Landschaften und die Architektur. Deshalb schaue ich mit Begeisterung auf YouTube Folgen der britische Serie „Escape to the Country“. Darin geht es um potentielle Immobilienkäufer, die sich in ihrer Lieblings-Region drei Objekte anschauen. Dabei werden nicht nur die überwiegend historischen Häuser gezeigt, sondern auch die Gegend vorgestellt. Ich habe eine Weile in England gelebt, war lange mit einem Engländer liiert und nähre mit diesen Videos den anglophilen Teil meiner Seele.

FB: Was für Pläne gibt es derzeit in Sachen Coaching, Bücher oder auch Lesungen/Vorträge? Und: wo kann man Dich öffentlich erleben?

Ab Februar oder März startet das große, ganzheitliche Gesundheitsportal MyHealthy.Plus, das ein ehemaliger Top-Banker gegründet hat. Er gehört zu den von mir porträtierten Finanzeinhörnern und hat sich aufgrund schwerer Krankheit mit den Aspekten von Gesunderhaltung beschäftigt. Bei dem Portal verantworte ich MyMentalCoach.Plus, weil schließlich das emotionale Wohlbefinden und glückliche Beziehungen wichtige Faktoren für unsere Gesundheit sind. Im Shop des Portals kann sich jeder mein kostenloses E-Book über (S)HE herunterladen. Und ab März werde ich für die Interessenten des Portals einmal monatlich kostenlos in einer Telefonkonferenz erreichbar sein. Bei dieser Gelegenheit kann man mich kennen lernen, mir Fragen stellen oder sich Tipps für die Selbstanwendung von (S)HE holen. Schließlich biete ich über den Shop von MyHealthy.Plus auch ein kurzes (S)HE-Training plus Unterlagen an, sodass man sich im Alltag jederzeit selbst helfen kann.

Außerdem werden dort im Shop die Produkte von Ethno Health erhältlich sein, einem der wenigen Anbieter von Heilkräuterrezepturen, die meiner Einschätzung nach wirklich gut sind.

Mein größtes Projekt für 2019 ist es, endlich mein Buch „Männer sind wundervoll, Frauen auch“ fertig zu stellen. Es ist ein Männer-/Frauen-Versöhnungsbuch mit konkreten Tipps für beruflichen Erfolg, grandiosen Sex und erfüllende Liebe. Während ich das Buch schreibe, werde ich bereits daraus lesen. Natürlich auch per Telko – die Termine stehen rechtzeitig auf meiner Website. Genauso wie die Termine für die(S)HE-Telkos, bei denen ich Menschen erkläre, wie sie Freundschaft mit ihrem eigenen Hirn schließen und mit ihm so nett sprechen, dass es gerne tut was sie möchten. Ich würde mich sehr freuen, auch deine Leserinnen bei diesen Lesungen und Vorträgen zu begrüßen. Vielleicht interessieren sie sich ja für ein besseres Miteinander der Geschlechter, für mehr Gelassenheit und Selbstliebe.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage von Gabriela Friedrich. Und auch hier.

Copyright: Gabriela Friedrich

Schöne, fantasievolle Weihnachtsgeschichten einfach selber schreiben und verschenken – das dachte sich Larissa Baiter (im Bild), als sie vor einigen Jahren vor der Frage stand, was sie denn ihren Lieben schenken sollte? Gutscheine sollten es nicht schon wieder sein und da sie schon lange eine Leidenschaft für das Schreiben hegt, begann sie, für Familie und Freunde persönliche Weihnachtsgeschichten zu schreiben und zu verschenken. Das kam an – und dabei soll es nicht bleiben…!

Wir haben die junge Frau aus der Schweiz, die auch als Online-Journalistin tätig ist und im „richtigen Leben“ als Wirtschaftsinformatikerin arbeitet, interviewt.

FB: Frau Baiter, hinter Ihren Weihnachtsgeschichten, die Sie als Buch herausgebracht haben, verbirgt sich keine gewöhnliche Entstehungsgeschichte – erzählen Sie doch mal!

LB: Die erste Geschichte entstand 2012. Ich wollte nicht schon wieder Gutscheine verschenken, meine Verwandten hatten schon alles und ich suchte nach einer Möglichkeit, etwas Persönliches zu Weihnachten zu schenken, das Freude bereiten könnte. Da ich weder ein Instrument spielen konnte, noch besonders gut Basteln oder Zeichnen, beschloss ich mein einziges Talent zu nutzen und eine Geschichte zu schreiben. So entstand die erste Geschichte, die viel Anklang fand und mir das Gefühl gab, dass ich wirklich Freude verschenken kann. So schrieb ich ab da jedes Jahr eine weitere Geschichte und rasch verbreitete es sich in meinem Freundeskreis und viele wollten ebenfalls eine Weihnachtsgeschichte lesen. Am Ende habe ich über 80 Briefe nach Deutschland, Österreich, Holland und in der Schweiz verschickt. Vereinzelte sogar noch weiter weg. Dieses Jahr habe ich nun den Mut gefasst, die Geschichten zu sammeln, zu überarbeiten und als Buch zu veröffentlichen. Zum Glück! Ich durfte viele tolle Erfahrungen dadurch machen und viel Neues lernen.

FB: Wovon handeln Ihre Weihnachtsgeschichten – können Sie einen kleinen Einblick geben, was die Leser erwartet?

LB: Die Kurzgeschichten handeln zwar alle von Weihnachten, behandeln aber ganz unterschiedliche Themen, die mir zu Weihnachten wichtig sind. So spielen Freundschaft, die Liebe, Zusammensein und  gutes Essen eine wichtige Rolle. Ein bisschen Fantasie ist auch mit dabei, so werden Schneemänner oder Tannen zum Leben erweckt und sowohl der Weihnachtsmann, als auch andere Fabelwesen kommen darin vor. Insgesamt sollen die Geschichten Emotionen wecken oder zum Nachdenken anregen und uns die wahre Bedeutung von Weihnachten wieder näher bringen, ohne dabei religiös zu sein.

FB: Woher nahmen Sie Ihre Inspirationen für die einzelnen Erzählungen?

LB: Es gab immer wieder Themen, die mich besonders beschäftigten in dem Jahr, in dem die Geschichten entstanden sind. Ich habe versucht meine Emotionen, Gedanken, Ideen und Vorstellungen aufs Papier zu bringen. Ohne dabei zu belehren oder mich zu sehr auf eine bestimmte Vorstellung von Weihnachten zu versteifen.

FB: Das Schreiben begeistert Sie schon, seit Sie Schülerin sind – was gibt es noch für Werke von Ihnen?

LB: Die bezaubernden Weihnachtsgeschichten ist mein erstes Buch. Davor gab es eine kostenlose Kurzgeschichte, mit dem Titel „Der zerstreute Professor und die Quintessenz“. Diese gibt es immer noch kostenlos als E-Book auf allen gängigen Plattformen oder auf meiner Homepage zum Download. Zudem bin ich seit ich fünfzehn bin als freiberufliche Journalistin tätig, da gibt es natürlich diverse Artikel von mir.

FB: Sie schreiben auch für Online-Magazine, in welchem Genre sind Sie hier aktiv?

LB: Angefangen hat das mit fünfzehn bei NegativeWhite.ch, einem Online Magazin, das damals über kleinere Szenekonzerte berichtet hatte. Mittlerweile ist Negative White in fast allen Musikgenres unterwegs, wir machen Bandreportagen, Interviews, Plattenrezensionen und natürlich immer noch Konzertberichte. Ein paar Jahre später bin ich per Zufall mit dem Fotografen von games.ch in Kontakt gekommen und durfte einen Gastartikel dort veröffentlichen. Irgendwie hat es gepasst und seitdem schreibe ich für sie Spieleberichte, Vorschauen und Eventberichte. Alles nebenberuflich.

FB: Wie verbinden Sie Ihre Leidenschaft – das Schreiben – mit Ihrem Hauptberuf als Wirtschaftsinformatikerin? Gibt es feste Zeiten, in denen Sie schreiben, wenn Sie nicht arbeiten müssen?

LB: Das ist tatsächlich eines der größten Herausforderungen! Mein Hauptberuf als Wirtschaftsinformatikerin ist oftmals sehr fordernd und ich verbringe viel Zeit im Büro. Das Schreiben dient mir als Ausgleich. Da mein Alltag aber durch die beiden Nebenberufe, die ich verfolge und durch meine anderen Leidenschaften und Interessen sowieso nicht zu strukturieren ist, schreibe ich einfach dann, wenn es eben geht. Das sind leider keine festen Zeiten und leider passiert das auch nicht regelmäßig. Trotzdem versuche ich mir Zeit freizuschaufeln, denn die Gedanken und Geschichten schlummern in mir und wollen raus!

FB: Sie haben ja auch schon Lesungen gegeben, wo war das und wie war die Resonanz?

LB: Das ist eine der tollen Erfahrungen, die ich durch die Veröffentlichung meines Buches mitnehmen durfte. Ich durfte in meinem alten Heimatdorf im „Büecherchorb Aadorf“ lesen. Am Tag der Lesung rief mich die Buchhändlerin an und informierte mich, dass sie mir ein Mikrofon organisiert haben, da sie mit mehr Leuten als ursprünglich geplant rechneten. Am Ende wurden sogar noch Stühle hinter mir aufgestellt und die Buchhandlung war mit über vierzig Leuten gefüllt. Ein tolles Erlebnis!

FB: Gibt es in Sachen Schreiben schon Pläne für`s neue Jahr?  

LB: Ich schreibe momentan an mehreren Projekten, darunter ein Kinderbuch, ein Thriller und ein Fantasie-Epos. Was davon wann fertig wird, ist schwierig abzuschätzen. Auf jeden Fall möchte ich gerne weiterschreiben, so oft und so viel ich kann! Doch gut Ding will Weile haben, realistisch gesehen gibt es von mir erst in ein paar Jahren wieder etwas zu Lesen.

FB: Wo verbringen Sie das Weihnachtsfest?

LB: Am schönsten Ort dieser Welt: In meinem Elternhaus, mit meinen Liebsten zusammen.

Infos zur Autorin und Bezugsquelle Buch – hier.

Bildnachweis: Larissa Baiter

 

Magersucht - sie ist ernst zu nehmen

„Unverkrampftes, aber gesundes Essverhalten scheint in unserer Gesellschaft vom Aussterben bedroht.“ – das sagt Antje Döhring (im Bild), Autorin des Buches „Weniger“, in dem es um ein Mädchen geht, das langsam in eine Magersucht rutscht.

Jasmin – so der Name der Protagonistin – steht damit stellvertretend für viele (junge) Leute, die ein schwieriges Verhältnis zum Essen und damit auch zum eigenen Körper haben. War es vor Jahrzehnten schon angesagt, schlank zu sein, wird diesem vermeintlichen Ideal, das vor allem medial befeuert wird, heutzutage von unzähligen Usern in den sozialen Netzwerken gefrönt. Instagram, Facebook und Twitter sind voll von Menschen, die sich dünn, muskulös und sehr attraktiv präsentieren.

Dass sich auf diese Art und Weise Personen dem Schlankheitswahn widmen, die näher am User dran sind, als beispielsweise Supermodels, macht das Ganze nicht einfacher.

Denn nicht wenige Menschen fühlen sich dadurch animiert, sich ebenso einem Kult um ihren Körper hinzugeben. Eine bedenkliche Entwicklung, die im Buch von Antje Döhring subtil eine Rolle spielt und dem Leser im Rahmen der Handlung übermittelt wird.

Wir sprachen mit der Autorin, die auch außerhalb ihres schriftstellerischen Tuns ein spannendes Leben hat.

FB: Frau Döhring, wie ist die Idee zu Ihrem Buch „Weniger“ (im Bild das Buch-Cover) entstanden?

Ursprünglich war die Geschichte um das Mädchen Jasmin, das langsam in eine Magersucht hineinrutscht, nur ein Nebenstrang in einem anderen Gegenwartsroman, der noch nicht erschienen ist. Ich brauchte damals Gründe, warum in einer Familie nach und nach alle dem Fleischessen entsagen: Der eine war ohnehin Vegetarier, der andere wollte dann wegen Gelenkproblemen verzichten. Blieb die Frage – warum isst bald auch die Tochter Jasmin kein Fleisch mehr? Aus Fleischverzicht wurde in meinem Kopf Diät und daraus wiederum schließlich eine Magersucht.

Der Verlag, der den Roman herausbringen wollte (mittlerweile jedoch nicht mehr existiert), hatte festgestellt, dass das Manuskript zu umfänglich geworden war. Hier und da ein wenig herumzukürzen schien nicht sehr vielversprechend.

Schließlich entschloss ich mich dazu, diesen Handlungsstrang  um Jasmin quasi „auszukoppeln“, weil ich fand, dieses Thema braucht eine „eigene Stimme“. Dafür musste ich mich natürlich dann noch einmal wesentlich tiefschürfender mit der Materie beschäftigen, als es für eine Nebenhandlung nötig gewesen wäre.

FB: Magersucht, dünner werden wollen, Models nacheifern – das war mal vor einiger Zeit ein Riesenthema, das gefühlt täglich in den Medien präsent war. Jetzt hat das allerdings etwas nachgelassen, aber es hat sich ja hier kaum etwas verändert – es werden immer noch ganz viele (junge) Menschen magersüchtig, oder?

Gut, „ganz viele“ zum Glück nicht; hochgerechnet finde ich dennoch auch 0,3 bis 0,6 % der Frauen zwischen 12 und 35 erschreckend. Was aber noch viel bedenklicher stimmen sollte: Diese Zahlen steigen seit Jahren ständig an. Man muss  davon ausgehen, dass dieser Trend noch nicht abgebrochen ist. Und: Es sind nicht nur junge Mädchen im Teenageralter, sondern vor allem Frauen in Umbruchphasen (also auch junge Mütter und Frauen um die Menopause, bei denen sich der Stoffwechsel meist ganz natürlich verlangsamt). Jedoch sind auch zunehmend junge Männer betroffen, die sich parallel an ihrem Muskelaufbau abarbeiten.

Was ich ebenfalls ganz erschreckend finde, ist die Tatsache, dass in der Bevölkerung oft noch die Vorstellung existiert, dass Magersucht „nur so eine pubertäre Phase“ sei, ein „Model-spielen-wollen“ und Wichtigmachen, das mit Omas guter Küche schon wieder in Ordnung käme. Dabei sterben mehr als 10 % der Betroffenen! Damit ist Magersucht, auch Anorexie genannt, nach wie vor die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Es ist keine „Teenie-Spinnerei“, sondern eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung, bei der das Dünnerwerden, streng genommen, eher das Symptom als die Krankheit ist.

FB: Haben Sie in Sachen Magersucht Zahlen für Deutschland parat? 

Die letzten seriösen Statistiken u.a. des Robert-Koch-Instituts, die ich gefunden habe, sind meist noch von 2012.  Man kann davon ausgehen, dass ca. 5 Mio Deutsche an irgendeiner Essstörungen leiden. Davon wiederum sind über 100 000 magersüchtig.

Es wird davon gesprochen, dass unter Teenagern bereits jede/r dritte bis fünfte Symptome eines gestörten Essverhaltens zeigt! Also ständig auf die Waage guckt, Kalorien zählt oder aber im Gegenteil hemmungslos riesige Mengen anfallartig in sich hineinstopft. Ein unverkrampftes, aber gesundes Essverhalten scheint in unserer Gesellschaft vom Aussterben bedroht.

FB: Woran liegt das, dass so viele Menschen – vor allem Jugendliche/Mädchen – ganz dünn sein wollen? Inzwischen dürfte doch zumindest ein Bewusstsein darüber herrschen, dass die meisten Models oder/und Schauspielerinnen, die von Plakaten lächeln, in einer oberflächlichen Scheinwelt leben, die mit dem realen Leben kaum was zu tun hat…

Bei den meisten jungen Menschen, die immer weiter abnehmen wollen, geht es im Grunde ja nur am Rande um das Dünnsein als solches. In einer  Gesellschaft, die von Individualität und dieser „Jeder ist seines Glückes Schmied“-Mentalität geprägt ist, dazu noch gepaart mit Leistungsanforderungen aller Art,  hängt es wohl vielmehr damit zusammen, dass gerade junge Leute oft eine Menge an Möglichkeiten und Lebensentwürfen vorfinden, aber damit auch gleichzeitig vor der Aufgabe stehen, die jeweils richtige „Wahl“ zu treffen – vom schulischen und beruflichen Weg über die politische Meinung, Freunde, Liebe, eigene Familie ja/nein, oder gesundheitliche Entscheidungen. Stießen sie in früheren Dekaden schnell an die Grenzen dessen, was Elternhaus, Staat und Kirche vorgaben, erscheint heute alles viel freier, theoretisch erreichbarer, aber nicht unbedingt auch praktisch.

Vieles ist nach wie vor vom einzelnen gar nicht immer beeinflussbar, und in jungen Jahren noch weniger.  Und es kann sogar überwältigend wirken. Wenn dann noch durch die kapitalistische Warenwelt suggeriert wird, dass „jung und schön“ gewinnt, aber man gerade – pubertär eigentlich normal – an sich selbst zweifelt, dann scheint es am einfachsten, genau das im eigenen Leben zu beeinflussen und „in den Griff zu bekommen“, was eben noch am ehesten beeinflussbar ist: Der eigene Körper, das eigene Gewicht.

Darüber hinaus ist es in den vergangenen Jahrzehnten immer schwieriger geworden, dem Idealbild einer attraktiven Frau nahe zu kommen (zumindest werblich gesehen)! War es  in den 60-er (siehe Twiggy) noch „genug“, möglichst dünn zu sein, gehörten zum Schlanksein ab den 90-ern (Ära der „Supermodels“ á la Claudia Schiffer) bereits die Kurven an den richtigen Stellen hinzu. Doch seit das Zeitalter von sozialen Selbstbespiegelungsmedien samt Selfies auf Instagram, Tinder und Tumblr angebrochen ist, kommt zu „dünn, aber mit Kurven“ noch das neue Gebot hinzu, „sportlich definiert“ auszusehen!

Für die meisten fast unerreichbar. Doch es scheint dennoch immer noch eher „machbar“ als die Vorstellung, immer zu funktionieren und „die richtigen Schulnoten für den richtigen Job, samt dem richtigen Partner für das beste aller Leben“ hinbekommen zu müssen.

Kurz gesagt: Tiefe Selbstzweifel und ein Gefühl der Machtlosigkeit führen heutzutage bei vielen, vor allem jungen Menschen dazu, eine ernste psychische Störung zu entwickeln, die sich primär darin manifestiert, den eigenen Körper möglichst „marktkonform“ zu  trimmen. So leiden Körper und Seele gleichermaßen.

Es genügt also nicht, dass Magersüchtige einfach wieder mehr essen. Auch die Leerstellen in der Seele müssen mit Sinn gefüllt werden.

FB: Wie haben Sie die Recherche zu dem Buch gestaltet, sind Sie in die echte Welt von magersüchtigen Menschen eingetaucht oder/und  gab es auch Fälle in Ihrem Umfeld?

Zum Glück hatte ich weder im näheren noch weiteren Umfeld Betroffene; allerdings habe ich nach der Veröffentlichung viele – teils überraschende, bestürzende – Rückmeldungen von Bekannten wie auch Fremden erhalten, die das Monster Essstörung aus eigenem Erleben kennen.

Ich habe das getan, was ich als gelernte Journalistin ganz gut kann: recherchieren. Ich habe sehr viel Fachmaterial zum Thema gelesen, Filme gesehen, Betroffeneninterviews gehört usw. Mich hat erschreckt, wie weitverbreitet dieses Problem ist, ohne dass es allzuoft an die Oberfläche des gesellschaftlichen Bewusstseins kommt.

Auf dieser Basis dann die Geschichtenerzählerin in mir ihre Arbeit tun lassen: Sich die Figur der Jasmin nicht nur auszudenken, sondern quasi in sie hineinkriechen und zu versuchen, mit ihren Augen zu sehen.

Natürlich habe ich die entsprechenden Stellen im Roman vor der Veröffentlichung auch von Therapeutinnen für Essstörungen lesen lassen, um sicherzugehen, dass es sowohl fachlich korrekt als auch plausibel rüberkommt.

FB: Ab wann wird „Dünn sein“ zur Krankheit?

Das kann ich als Nicht-Fachfrau nicht sagen ….

FB: Woran können Eltern merken, dass ihr Nachwuchs ein echtes Problem hat und gegebenenfalls in eine Magersucht driftet?

Siehe oben: das möchte ich Fachleuten überlassen. Ein aktueller, guter Beitrag dazu findet sich hier.

FB: Was müsste – Ihrer Meinung nach – noch an öffentlicher Aufklärungsarbeit geleistet werden, um diese Thematik noch stärker in die Öffentlichkeit zu bringen und mehr Menschen zu sensibilisieren?

Es gab und gibt immer mal wieder dazu in den Medien Berichte. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es noch zu oft als ein „Extrem“ beim Publikum ankommt. Dabei kann eine Essstörung auch bei Menschen in normalen, „geordneten“ Lebensumständen auftreten, wenn einige, vor allem innere Probleme zusammenkommen. Das kann schleichend und unauffällig passieren. Genau solch ein „normales Mädchen in einer normalen“ Familie habe ich in der Figur der Jasmin zu zeichnen versucht.

Außerdem: Essstörungen scheinen mir nach wie vor mit einem gewissen Stigma belegt. Während Burn-out, Depression oder Phobie langsam in der breiten Masse als Krankheit „anerkannt“ werden, ist essgestört zu sein oder ein essgestörtes Kind zu haben weiter etwas irgendwie Peinliches, ein Versagen. Zudem habe ich, wie gesagt, den Eindruck, dass es bei vielen immer noch unter „pubertäre Spinnerei“ läuft.

Ich glaube nicht, dass viel auch viel hilft – in dem Falle mediales Bombardement mit dem Thema. Aber dafür stetig und mit geeigneten Mitteln sollte ein Bewusstsein geschaffen werden, das es sich um eine vampirhafte Krankheit handelt, die selten von selbst verschwindet.

FB: Zu Ihnen: Sie waren viele Jahre mit Ihrem Mann und Ihren Kindern im Ausland und sind nun wieder in Deutschland. Wie haben Sie die letzten Jahre – Sie lebten in den VAE – erlebt und wie ist es nun, wieder in der alten Heimat zu sein?

Mir war bewusst, dass man nach zwanzig Jahren im Ausland nicht einfach wieder „nach Hause kommt“ – so, wie das viele Daheimgebliebene sich vorstellen. Insofern war ich gewappnet, dass es nicht sofort super glattlaufen muss. Ein wenig „Fremdeln“ auch oder gerade in der alten Heimat ist ganz normal. Nach nunmehr eineinhalb Jahren zurück sind wir jedoch „angekommen“.

Die Emirate waren von den Alltagsumständen – nach unseren Jahren in Saudi-Arabien, Indien und Libyen – auf jeden Fall sehr einfach, weil dort alles auf hohem und höchstem Niveau abläuft. Wir hatten dort auch einen wunderbaren Freundeskreis.

FB: Was vermissen Sie an Ihrem damaligen Zuhause auf Zeit und über was freuen Sie sich, hier in Deutschland?

Ich finde, von jedem Land vermisst man etwas anderes, und das ist ja ganz normal. Das einzige, was da vielleicht verbindend ist: Unsere Freunde leben um den ganzen Globus verstreut, und jeder weitere Umzug brachte eben sehr viele Abschiede, aber auch wieder viele neue Bekannte und Freunde mit sich.

Aus den Emiraten fehlt mir am meisten der großartige kulturelle Schmelztiegel; immerhin sind über 85% aller in den V.A.E. lebenden Menschen Ausländer! Es ist beispielhaft, wie völlig normal und konfliktfrei dort Leute aus über 200 Ländern, somit aus unzähligen Kulturen, Sprachen und Religionen miteinander auskommen. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft allerorten – das ist wunderbar gewesen.

Wen Details aus unserer Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten interessieren: hier mein Blog dazu.

Hier in Deutschland genießen wir den Wechsel der Jahreszeiten (obwohl ich es kalt noch nie mochte) und das großartige, geistig-kulturelle Angebot sowie die Nähe zur Großfamilie und alten Freunden.

FB: Welchen Projekten widmen Sie sich aktuell bzw. welche Pläne haben Sie für die nächste Zeit? Können Sie schon etwas verraten?   

Die englische Übersetzung von „Weniger“ ist gerade als „Featherlight. Hope rekindled“ erschienen, ein weiteres Manuskript harrt der Überarbeitung, momentan habe ich zudem ein neues Projekt begonnen – mal etwas ganz anderes, ein historisches Thema, das den Leser sehr weit zurückführen soll …

Infos:

Homepage, Instagram, Facebook 

Buch „Weniger“ unter anderem bei Amazon.

Autorenporträt: Copyright Fotostudio Günther / Cover „Weniger“: „NaWillArt Coverdesign“

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

Diagnose Brustkrebs: der niederschmetternde Krankheits-Befund dürfte bei allen betroffenen Frauen mit voller Wucht in das bisherige Leben prallen und Gefühle wie Schockstarre, Ängste, Ratlosigkeit und auch Bitterkeit auslösen.

Mit diesen Emotionen klar zu kommen UND noch Kräfte für Therapie und Alltagsdinge aufzubieten, grenzt fast schon an eine Unmöglichkeit. Nicht zuletzt, weil jede Betroffene neben der Krankheit ihre persönliche Familiensituation zu meistern hat – oft mit Kindern, bisweilen alleinerziehend, manchmal auch mit pflegebedürftigen Angehörigen oder /und auch Haustieren.

Jede familiäre Situation muss den Prozessen, die einer Krebsdiagnose folgen, angepasst werden – eine riesige und zumeist auch kräftezehrende Herausforderung für die erkrankten Frauen! Und doch sind die allermeisten Brustkrebs-Patientinnen stark und setzen alles daran, wieder gesund zu werden und Heilung zu erfahren.

Dass aber ein solcher Zeitraum auch oft von Niederlagen und Rückschlägen geprägt sein kann, gehört leider auch zur Wahrheit rund um die Krankheit. Ebenso begleiten Hoffnungslosigkeit, Depressionen und tiefe Traurigkeit viele Patientinnen phasenweise durch die Zeit der Therapie.

Und um hier einen Lichtblick rein zu bringen, haben engagierte Frauen das Projekt der Herzkissen ins Leben gerufen – eine Initiative, die sich zwischenzeitlich enorm ausgeweitet und in der Vergangenheit schon für viele emotionale Momente bei den Empfängerinnen gesorgt hat. Die Herzkissen werden eigens für Brustkrebs-Patientinnen von Frauen genäht und haben neben dem Wohlfühl-Effekt sogar noch eine medizinische Bedeutung.

Welche genau, das erzählte uns Alexandra Weber (im Bild), die eine Herzkissen-Nähgruppe in der Region Rhein-Mosel-Lahn ins Leben gerufen hat. Was mit einer Mädchengruppe, die sich für Handarbeiten begeistert, begann, ist längst ein überregionales Projekt für die Initiatorin und ihre Mitstreiterinnen geworden. Und das mit überwältigendem Erfolg! Im Interview gewährt Alexandra Weber umfassende Einblicke in diese wunderbare Initiative und geht auch auf die vielen Gänsehaut-Momente, die sie durch die Herzkissen-Initiative erlebte und immer wieder erlebt, ein.

FB: Frau Weber, angefangen hat alles mit einer Mädchengruppe – erzählen Sie doch mal!

2010 betreute ich in meinem Beruf als Jugendpflegerin einen Mädchentreff. Die 14Jährigen wollten gerne mit ein bisschen Handarbeit etwas Gutes tun, hatten aber keine Idee. Nach einer Recherche entdeckte ich die Aktion „Herzkissen“ in vielen deutschen Städten und hielt es für die Mädchen machbar, diese Aktion zu unterstützen.

Schnell wurden die ersten Herzen genäht, aber als es darum ging, die örtliche Herzkissengruppe ausfindig zu machen, war ich ratlos. Obwohl Koblenz viele Krankenhäuser hat und einige als Brustzentren zertifiziert sind, gab es keine Gruppe. Nach zahlreichen Gesprächen persönlich und telefonisch in verschiedenen Krankenhäusern war ich enttäuscht, unsere Herzen nicht an die Frau zu bringen und die Motivation der Mädchen so hinzuhalten. Doch dann hatte ich eine Krankenschwester am Telefon, die die Herzkissenaktion kannte und sich mehr als freute, mit mir darüber zu sprechen. Schnell war ein Termin gefunden und ich durfte im Kemperhof, im Gespräch mit dem damaligen Chefarzt, die Herzkissen abgeben.

Nach meinen Erklärungen zum Herzkissen und dem Probetragen war schnell Begeisterung zu spüren und so ließ es sich Dr. Gethmann nicht nehmen, 400 Herzkissen in Auftrag zu geben. Etwas überrumpelt, aber erfreut, sagte ich leichtfertig zu. Und damit war der Grundstein für unsere Herzkissengruppe gelegt.

Wir bewarben unser erstes offizielles Treffen und so kamen 20 Helferinnen, darunter auch einige Mädchen des Mädchentreffs, um die erste Serie zu fertigen. Ich ließ unsere Gruppe lizensieren und bei Nancy Friis-Jensen, der Gründerin der Herzkissen in Europa, registrieren, damit wir nach gewissen Standards arbeiten und unsere Herzkissen (im Bild) die geforderten Anforderungen erfüllen.

FB: Was ist – im Zusammenhang mit dem medizinischen Aspekt – das Besondere an den Herzkissen?

Das Herzkissen rührt natürlich zuerst das Herz und streichelt die Seele. Jedoch hat es auch einen medizinischen Wert. Durch den Druck auf die OP-Narbe fließt die Lymphe besser, die Wundheilung wird beschleunigt und durch die schnellere Beweglichkeit der Patientin wird die Genesung vorangetrieben.

FB: Wie viele Kissen werden durch das Engagement „Ihrer“ Frauen aktuell pro Jahr genäht?

Unsere Gruppe benäht aktuell das komplette nördliche Rheinland-Pfalz. Von Bad-Neuenahr, Andernach, Neuwied, Lahnstein, Koblenz, Mayen bis Wittlich erstreckt sich unser Bereich. Wir nähen in der Hauptgruppe in der Verbandsgemeinde Loreley und in fünf Außennähgruppen. Insgesamt ist der Bedarf in diesem Gebiet bei mehr als 1000 Stück pro Jahr. Unsere Gruppen schaffen im Moment 1200 pro Kalenderjahr, um allen Bedarfen gerecht zu werden, denn wir verschicken auch Herzkissen an Patientinnen, die keine Herzkissengruppe in ihrer Nähe haben.

FB: Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Brustkrebs-Patientinnen, die ein solches Herzkissen durch Ihre Näherinnen bekommen haben?

Wir bekommen immer wieder sehr rührende und herzliche Briefe, Mails und Anrufe von Patientinnen oder den Angehörigen. Sie alle eint die große Überraschung und Rührung in dem Moment, wenn die Patientin nach der OP ins Zimmer kommt und dort unser buntes Herzkissen auf sie wartet. Viele können nicht glauben, dass ihnen fremde Menschen in ihrer freien Zeit so etwas Schönes für SIE gemacht haben. Und damit haben wir schon einen kleinen Moment des Glücks bewirkt, der so dicht an der schlimmen bedrohlichen Diagnose liegt. Wir hoffen immer, dass sich das Herzkissen an den Beginn eines Wendepunktes setzt, und ein Wegbegleiter für die Patientin durch all die folgenden Behandlungen wird.

Diese Rückmeldungen, jede einzelne Geschichte, die wir erzählt bekommen, motiviert uns, weiter zu machen.

FB: Mittlerweile hat sich der Unterstützerkreis erhöht und es fließen Ihnen Spenden zu. Was sind das für Firmen bzw. Personen, die Sie unterstützen und wie gestalten Sie die Spenden-Akquise?

Viele Spenden bekommen wir von Patientinnen oder deren Familien. Meistens möchten die Herzkissenbesitzer danke sagen und sich für die wunderbare Überraschung erkenntlich zeigen. Manchmal entstehen daraus Kontakte zu den Arbeitgebern der Patientinnen oder ihrer Partner. Dadurch konnten wir in den Genuss kommen, dass einige Firmen ihren Weihnachtsbonus an uns gespendet haben oder für unsere Aktion bei der Kundenakquise werben.

Neben dem indirekten Weg gehen wir auch offensiv auf Spendersuche. All` unsere Näherinnen haben immer einige Flyer in der Handtasche oder im Auto und werben für die Herzkissen. Meistens ergeben sich durch persönliche Kontakte tolle Kooperationen, so hat zum Beispiel der Geschäftsführer meiner Tanzschule angeboten, uns das Logo zu entwerfen und uns im Marketing zu unterstützen. Selbstverständlich kostenlos.

Und so sprechen wir immer wieder von unserer Aktion und rühren die Spendentrommel, denn es werden jährlich mehr Frauen, die die Diagnose Brustkrebs bekommen und dann unsere Herzen kriegen sollen.

FB: Welchen Betrag benötigen Sie pro Kissen?

Um alles für ein Herzkissen zu finanzieren, benötigen wir 5 Euro. Das klingt im ersten Moment viel, jedoch steckt da auch einiges dahinter. Neben dem Originalherz gibt es ein kleines Herz dazu, das die Beziehung zu einer stützenden Person sichtbar machen soll, die der Patientin zur Seite steht. Beide Herzen werden aus neuem, qualitativem Baumwollstoff gefertigt, die vorgewaschen und gebügelt werden müssen. Hinzu kommt auch noch das Füllmaterial. Außerdem gibt es eine Informationsbroschüre dazu, aus der weitere Informationen zur Herzkissengruppe hervorgehen. Alles wird zusammen vakuumiert und eingeschweißt, damit alles sauber und möglichst keimfrei (da luftfrei) im Krankenhaus ankommt. Und damit zeigt sich, dass wir mit 5 Euro ganz schön viel bewirken!

FB: Ihr Engagement ist nicht ohne Beachtung geblieben – Sie haben sogar einen sehr gefragten Preis erhalten. Erzählen Sie doch mal!

Drei Jahre nach Gründung der Gruppe haben wir 2014 der Ehrenamtspreis der GVV (Gemeindeversicherungsverband) über 5000 Euro gewonnen! Das war ein großes Ereignis in der Herzkissengeschichte. Unterstützt durch eine liebe Freundin und Mitnäherin und meine gerade drei Wochen alten Zwillingen, durfte ich im Kölner Gürzenich den Preis entgegennehmen. Damit war der Startschuss für eine neue Zeit gegeben. Mit dieser finanziellen Unterstützung konnten wir nun komplett auf neue Stoffe setzen und die Qualität sicherstellen. Außerdem war nun die Erstbeschaffung eines Vakuumiergerätes möglich, das wir seit dem nicht mehr missen möchten. Wir konnten nun auch unseren ersten „professionellen“ Flyer drucken lassen, um neue Spender zu akquirieren und unsere Aktion toll darzustellen. 

FB: Mittlerweile gibt es kaum mehr einen Menschen in Deutschland, der nicht im Familien-, Freundes- oder Kollegen- bzw. Nachbarschaftskreis mit dem Thema „Brustkrebs“ konfrontiert wird. Haben Sie das Gefühl, dass die Sensibilisierung für diese Krankheit bereits ausreicht oder ist noch mehr Aufklärung / Öffentlichkeitsarbeit nötig?      

Eine Herzschwester aus Österreich, die die Seite „Kurvenkratzer – InfluCancer“ ins Leben gerufen hat, sagt immer: Egal wie du über Krebs sprichst, Hauptsache, du tust es! Diesen Gedanken möchten wir weitertragen, denn ich habe in all der Zeit die Erfahrung gemacht, dass JEDER Bezug zu Brustkrebs hat. Eigene Erkrankung, in der Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, im Kollegenkreis…..man kennt immer eine erkrankte Frau oder erkrankten Mann. Und um die Scheu, das Unwissen und damit die Hilflosigkeit zu beenden, möchten wir über Brustkrebs reden. Denn dadurch kommt Brustkrebs dahin, wo er tobt: in die Mitte der Gesellschaft.

Es ist nie genug aufgeklärt.

Man kann schon viel über die Erkrankung wissen, aber wenn es in direkter Nähe zuschlägt, entstehen ganz neue Fragen und Notwendigkeiten. Daher ist uns auch die Zusammenarbeit mit den Frauenselbsthilfegruppen Frauen nach Krebs e.V. und dem Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V. so wichtig. Wir brauchen als Mediatoren viele Informationen aus erster Hand aus diesen Gruppen und zu uns kommen über den „Dankeschön-Kontakt“ viele Neubetroffene, die wir dann wieder an diese Gruppen weiterleiten können.

Auch durch unser sehr ansprechendes Logo versuchen wir ins Gespräch zu kommen. Unsere pinke Schleife ist überall präsent und wird langsam unser Markenzeichen. Wir haben sie alle als Aufkleber auf dem Auto, um erkannt zu werden. Ich wurde schon einige Male daraufhin angesprochen und Herzkissenbesitzer geben sich zu erkennen. Damit wollen wir einfach auffallen und unsere Arbeit aber auch unsere Passion ständig vor Augen führen. Wir dürfen nicht müde werden, für das Thema einzustehen.

FB: In welchen Abständen treffen sich die Näherinnen und wie gestaltet sich das Miteinander in der Gruppe? Und: wie oft stoßen neue Frauen, die nähen wollen, zu Ihnen?

Unsere Gruppe trifft sich etwa einmal im Monat. Da sich unsere Treffzeiten über mehrere Stunden erstrecken, darf jede Helferin entscheiden, wie viel ihrer Zeit sie der Aktion widmet. Durch die offene Struktur finden häufig neue Helferinnen den Weg zu uns. Die Frauen erfahren über Facebook oder die örtliche Presse von unserer Gruppe oder haben irgendwo unseren Flyer bekommen. Und dann geht es meistens ganz unkompliziert. Entweder melden sich die Interessierten telefonisch bei mir und erfragen die Termine und Gegebenheiten oder stehen einfach vor der Tür.

Unsere Gruppe lebt von der Fröhlichkeit und Zwanglosigkeit. Jeder bringt sich so ein, wie er möchte, ohne Zeit- oder Leistungsdruck. Jeder steht als Person hinter der Aktion und lebt in dieser Gruppe ein herzliches Miteinander. Beim letzten Treffen im November besuchte uns eine neue Interessierte. Sie war überwältigt, dass sie sich nach so kurzer Zeit so als Teil dieser Gruppe empfinde. Und das macht unsere Gruppe auch aus: jeder ist mit dem, was er mitbringt willkommen, jeder bringt das von sich ein, was er preisgeben möchte. Es herrscht eine große Wertschätzung und Herzlichkeit in unserer Gruppe. Und uns alle vereint der Wunsch, möglichst viel Freude, Kraft und Liebe in die Herzen einzunähen, damit sie genauso bei den Patientinnen ankommen!

FB: Gibt es ein besonders emotionales Erlebnis, das Ihnen – im Zusammenhang mit den Herzkissen – in Erinnerung geblieben ist?

In fast acht Jahren Herzkissen sind viele rührende, herzergreifende und liebe Geschichten und Gedanken mit mir geteilt worden. Es sind so vielseitige Momente, die in ihrer Summe ein gutes Gefühl erzeugen. Dass das, was wir tun, die Welt ein bisschen besser macht, Dankbarkeit erzeugt, Hilfe angenommen wird. Besondere Gänsehautmomente hatte ich natürlich auch.

Als ich erfahren habe, dass eine selbst betroffene Frau ihre ebenfalls erkrankte Mutter mit ihrem Herzkissen bestatten ließ.

Als mir erzählt wurde, dass das kleine Herz für ein Kind einer Patientin die sichtbare Verbindung zu Mama war und ihr geholfen hat, Mamas Erkrankung anzunehmen. Als mir ein Ehemann erklärte, dass es für ihn auch einige Monate nach der Erkrankung und Genesung seiner Frau immer noch wunderschön ist, das kleine Herz in der Jackentasche mitzutragen und regelmäßig zu drücken, wenn er an seine Frau denkt, bzw. an seine Frau zu denken, wenn er das Herz drückt.

Als tränengeflutet die Schwester einer Betroffenen angerufen hat und mir ihre ganze Dankbarkeit entgegen geweint hat.

In diesen Momenten bin ich so dankbar. Zum einen, selbst nicht betroffen zu sein, zum anderen, genau dadurch die Kraft zu haben, denen, die Unterstützung brauchen, diese geben zu können. Natürlich nicht ich alleine, sondern mit all den guten Herzen, die mit mir den Frauen beistehen.

FB: Sie sind als dreifache Mutter, mit Ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin und noch mit dem Engagement für das Herzkissen-Projekt, sicher mehr als ausgelastet. Dennoch: wenn Sie freie Zeit haben, wie verbringen Sie sie? Gibt es Hobbys?

Freie Zeit? (lacht….)

Es gibt nicht viele wirklich freie Momente in meinem Alltag. Aber ich versuche beim Nähen, Saunen und Zumba Kraft zu tanken und mich zu erholen.

Viel Zeit für das Herzkissenprojekt bin ich zuhause aktiv. Dabei ist mir das Einbeziehen meiner Töchter sehr wichtig, da sie alle erst nach dem ersten Herzkissentreffen zur Welt kamen und sie mit den Herzkissen großwerden. Manchmal sagen wir schon, dass die Herzkissen unser 4. Kind sind, weil sie überall präsent sind. Ob ich Pakete für die Außennähgruppen oder Betroffene packe, ob ich Kissen zunähe oder einschweiße – meine Familie trägt das mit und nimmt teil an meinem Ehrenamt. Sonst wäre es auch nicht in diesem Umfang leistbar. Für meine Kinder sind die Herzkissen auch eine Herzensangelegenheit und selbstverständlich, etwas der eigenen Zeit und Kraft für die zu geben, die genau das gerade nicht haben. Und das gibt mir immer wieder die Kraft, weiterzumachen.

FB: Was ist in Sachen der Herzkissen zukünftig geplant – gibt es schon Pläne, über die Sie sprechen können?

2018 war ein wirklich grandioses Jahr. Die Gruppe wächst ständig weiter und viele neuen Kontakte sind entstanden. Diese gilt es natürlich zu pflegen und zu vertiefen. So haben wir neben vielen Terminen mit unseren Außengruppen und befreundeten Gruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs auch wieder einen tollen Brustkrebsmonat Oktober rund um Koblenz vor uns. In Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der FSH, den örtlichen Krankenhäusern, der Stadt Koblenz und vielen weiteren Kooperationspartnern werden wieder vielseitige Angebote für Interessierte angeboten, natürlich auch von den Herzkissen Rhein-Mosel-Lahn.

Außerdem startet unsere Gruppe am 12. Mai 2019 in Bad Hönningen beim Muddy Angel Run. Dieser Gelände- und Hindernislauf dient nicht dazu, körperliche Bestzeiten zu bringen, sondern soll auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen. Unsere Gruppe startet aktuell mit 25 Frauen und Mädchen und es wird ein bestimmt unvergesslicher pinker Termin in 2019!

FB: Wenn sich der eine oder andere ermuntert fühlt, Ihr Projekt zu unterstützen – wohin sollte er sich wenden?

Wir freuen uns immer über Unterstützer und Helfer. Und nein, man muss nicht nähen können! Das ist meist die größte Sorge. Aber es gibt so unendlich viele Arbeitsschritte, da findet jeder seine Bestimmung. Und lernen darf man auch alles bei uns…!

Wir betreuen eine Facebookseite, die umfangreich über aktuelle Aktionen unserer Gruppe berichtet. Außerdem kann man uns per Mail unter HerzkissenRheinMoselLahn@web.de erreichen. Darüber können auch weitere Infos und Herzkissen angefordert werden.

Mehr zum Thema auch hier.

Bildnachweise: Simone Küpper, Heike Fischbach

Julia Sohn – Initiatorin der Aktion #grüneBüroklammer in Nordrhein-Westfalen

Mit einer Büroklammer für den guten Zweck – was hat das zu bedeuten? So reagierte ich, als mir auf Facebook die #grüneBüroklammer als Hashtag im Newsfeed unterkam. Aus Neugier klickte ich drauf und staunte was man – oder besser gesagt: Frau – mit diesem kleinen Büro-Utensil so alles erreichen kann.

Julia Sohn, eine engagierte Unternehmerin aus Nordrhein-Westfalen, nutzt nämlich tatsächlich eine  simple Büroklammer, um sich für den guten Zweck zu engagieren. Mittlerweile hat die umtriebige Düsseldorferin, die in der bekannten Metropole am Rhein auch eine eigene Business Academy aufgebaut hat, bereits die unterschiedlichsten Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer Region mit der Initiative #grüneBüroklammer angesteckt.

Erreichen möchte sie mit der außergewöhnlichen Idee, dass am Ende ein stattlicher Erlös in ein Kinderarmutsprojekt der Stiftung Sterntaler fließt.

Doch schon innerhalb der jetzigen Aktivitäten konnte finanziell benachteiligten Menschen geholfen werden – so einem Rentner, der dank der Aktion erforderliche Zahnarztbehandlungen vornehmen lassen kann, die er sich selbst nicht mehr leisten konnte. Alles in allem ist die #grüneBüroklammer ein außerordenlich kreatives Projekt, über das Julia Sohn – die selbst Mutter ist – im Interview Auskunft gibt.

FB: Frau Sohn, bevor wir zu Ihrer Aktion kommen – erzählen Sie doch etwas über sich und Ihre Arbeit, sowie über die Kurse, die Sie für Kinder entwickelt haben.  

Ich selbst habe Marketingkommunikation studiert und mir war schnell klar, dass ich mein eigener Chef sein möchte. 2001 habe ich mich mit der vame Business Academy selbstständig gemacht, ein Online-Weiterbildungsinstitut, dass ich seitdem als Akademieleiterin leite. Seinerzeit steckte das Thema eLearning noch in den Kinderschuhen. Manchmal weiß ich selber nicht, wo ich die Kraft hergenommen habe, so lange durchzuhalten. Heute weiß ich, dass sich das definitiv gelohnt hat. Im Angebot stehen bei uns diverse IHK-Prüfungsvorbereitungskurse sowie private Studiengänge aus den Bereichen: Vertrieb, BWL, Marketing, Werbung, Eventmanagement. Die vame arbeitet bundesweit und ortsunabhängig. Unsere Lehrgänge werden im Blended Learning-Format angeboten.

2008 kam meine Tochter zur Welt und da ich seinerzeit keinen sinnvollen Krabbelkurs gefunden habe, der auch mein Hirn etwas beansprucht, habe ich kurzerhand selbst einen kreiert. Daraus entstanden ist das „Krabbelreich“ in Düsseldorf-Oberkassel, das es bis heute parallel zur vame Business Academy gibt. Viele hundert Mütter haben schon an unseren Kursen teilgenommen. Von klassischer Rückbildung, Krabbelkursen mit Bildungscharakter, musikalischer Frühförderung, 1. Hilfe Kursen mit Schwerpunkt Babys und Kinder und seit über 1 Jahr auch 1. Hilfe-Kurse für Kinder ab 6 Jahren.

Die Kinder lernen bei uns, wie man sich in Notsituationen zu verhalten hat. Von 112 anrufen, stabiler Seitenlage, Verbänden anlegen bis zur Bedienung eines Defibrillators. Ein sehr sinnvoller Kurs, der unter dem Motto steht: Auch Kinder können Leben retten! Seit einigen Monaten ist daraus in Kooperation mit der Stiftung Sterntaler ein Stadtprojekt geworden. Wir versorgen gemeinsam alle 4. Klassen der Grundschulen mit diesem Kurs. Was gibt es sonst noch über mich zu sagen? Ich würde mich als sehr kreativen Menschen bezeichnen, der gerne mit der Zeit geht und verrückte Ideen blitzschnell umsetzt.

2017 habe ich den Unternehmerinnenpreis der Stadt Düsseldorf gewonnen, was mir gezeigt hat, dass ich mit meinen Ideen nicht ganz falsch liege.

Mit einer Flasche Wein ging`s los – Julia Sohn mit Petra Mennigmann.

FB: Die besagte Aktion, der Sie sich derzeit widmen, ist eher ungewöhnlich und auch der Name – #grüneBüroklammer – lässt erst mal nicht auf ein Charity-Engagement schließen. Was steckt dahinter und wie kamen Sie zu dieser Idee? 

Das war wieder eine meiner verrückten Ideen. Ich war laufen und hatte ein Hörbuch auf den Ohren. Mitunter ging es in diesem um eine Geschichte, die 2006 in Kanada stattgefunden hat. Ein Kanadier schaffte es binnen 1 Jahr eine rote Büroklammer in ein Haus zu tauschen. Das Haus schenkte er schlussendlich seiner Verlobten. Ich fand die Geschichte witzig und habe nach einigem Zögern eine eigene Geschichte daraus gestrickt. Allerdings zugunsten der Stiftung Sterntaler und in deutlich abgewandelter Form.

Der Betrag, der am Ende dabei herauskommt, wird 1:1 in ein Kinderarmutsprojekt der Sterntaler gesteckt.

FB: Wie gestaltet sich die Aktion in der Praxis – wo finden Sie die Tauschpartner und was wird so alles angeboten?

André Schnaudt u. Thorsten Poersch (Part2Gallery) tauschen Matratzen-Gutschein gegen tolles Bild.

Gar nicht so einfach, wie zunächst gedacht. Der Ursprungsgedanke war, dass ich „etwas“ gegen etwas Gleichwertiges oder im besten Falle Höherwertiges eintausche. In kürzester Zeit schoss die Summe nach oben und ich konnte Dinge, die ich toll fand, die aber vielleicht etwas günstiger waren, als das Tauschobjekt, nicht mehr annehmen. In den Moment ist eine zweite Sparte entstanden: nämlich, dass ich Gutscheine oder Sachgegenstände in Form von Spenden annehme. Schon war das „Preisproblem“ gelöst. Die Spenden fließen an Stellen in die Geschichte ein, wo es einmal klemmt. Z. B., wenn ein Tauschgeschäft keinen klar definierbaren Wert hat oder ich jemanden dazu bringe seinen Tauschgegenstand direkt weiter zu spenden und er aber trotzdem eine Kleinigkeit dafür bekommen soll.

Ein Beispiel: Ich habe zwischendurch einen 500 EUR Gutschein eines Zahnlabors in den Händen gehalten. Dieser wurde von einem Cateringunternehmen gegen einen Catering-Gutschein eingetauscht. Gemeinsam haben wir entschieden den Zahnlabor-Gutschein direkt an die Bürgerstiftung weiter zu reichen. Nun hat ein Rentner etwas davon, der sich keine Zähne mehr leisten kann und das Cateringunternehmen bekommt von mir ein kleines Goody, damit es nicht ganz leer ausgeht. Alle Sachspenden, die am Ende übrig sind, werden auf einer Abschlussveranstaltung versteigert.

Die Summe kommt dann auch in die Sterntaler-Kasse.

Der Story folgen kann man zum Beispiel auf unserer Homepage. Dort findet man eine Zusammenfassung. Die volle Story kann man bei Facebook mitlesen, wenn man dort: #grüneBüroklammer eingibt.

Julia Sohn mit Sonja und Vera Schmittmann von der Edelbrennerei Schmittmann.

Angefangen haben wir mit einer Flasche Wein, dabei waren schon Champagner, Kunstwerke, eine professionelle Zahnreinigung, private Golfstunden, ein Frühstück für 4 Personen im Riesenrad von Oscar Bruch und vieles mehr. Man selbst weiß nie, was als Nächstes kommt. Ganz schön aufregend! Was mich sehr freut: am 13. Januar 2019 wird es eine tolle Abschlussveranstaltung geben im „Chateau Rikx“ – ein begehrter Club in Düsseldorf. Der Betreiber wird alle Getränkeeinnahmen, die auf der Veranstaltung über die Theke gehen, in meinen Spendentopf werfen. Das wird die Summe noch mal anständig nach oben treiben. Noch dazu wird Theo Fitsos, ein bekannter DJ aus Düsseldorf kostenlos auflegen, um ein wenig Schwung in die Veranstaltung zu bringen und Peter Inhoven, ein großartiger Metzger aus Düsseldorf, wird einen Würstchenstand aufstellen und die Einnahmen ebenfalls spenden. Ich freue mich über ein sehr breites Netzwerk. Meine Tauschpartner finde ich auf diesem Wege, etliche sprechen mich von sich aus an.

FB: Klappt es immer, dass der eingetauschte Gegenstand einen höheren Wert hat?

Das ist ziemlich viel Organisation meinerseits – aber ja. Und seitdem ich noch zusätzlich Spenden ohne Tauschgegenstand annehme, hat sich das Problem ohnehin gelöst. Schön ist zu sehen, dass viele einfach etwas Gutes tun- und bei der Story dabei sein wollen und gar nicht so sehr darauf schauen, ob und was sie dafür bekommen.

FB: Wie profitieren die teilnehmenden Unternehmen?

Jeder, der etwas gibt (ab einem Wert von 50 EUR aufwärts) bekommt eine Story in Form eines redaktionellen Beitrags, wo die Person/das Unternehmen/das Tätigkeitsfeld vorgestellt wird. Es ist kaum zu glauben, wie viel Reichweite die Storys haben. Ich kann tatsächlich nirgendwo mehr hingehen, wo nicht jemand „grüne Büroklammer“ sagt. Sehr lustig. Ich träume auch schon von grünen Büroklammern ;-). Die Beiträge erscheinen auf einer Vielzahl von Plattformen. 4 Seiten bei Facebook, LinkedIn, nebenan.de, auf unserer Homepage, bei XING, auch werden sie weitergeteilt…das ist ein klarer Mehrwert, da die Leute lieber eine schöne Geschichte lesen, als auf eine langweilige Werbeanzeige zu klicken und schon werden Personen und Unternehmen gesehen, die vielleicht vorher gar nicht so präsent waren.

FB: Was geschieht mit dem Erlös?

Alles wird bis auf den letzten Cent an die Stiftung Sterntaler gespendet. Dort wird der Betrag gut investiert, in ein Projekt gegen Kinderarmut in den eigenen Reihen.

FB: Wie lange läuft die Aktion noch und wie können Interessenten mit Ihnen in Kontakt treten?

Die Aktion selbst läuft noch bis zum 01.01.2019. Dann ist mit den Tauschgeschäften und Spendenannahmen Schluss. Dann gibt es noch die Abschlussveranstaltung am 13. Januar, 15:00 Uhr h und danach brauche ich erst mal Urlaub…Neben 2 Firmen und einem Kind, ist das alles ist doch nicht ohne. Wer noch etwas Tolles anzubieten hat (bitte keine alten Skiklamotten oder Ähnliches), darf sich sehr gerne melden: jsohn@vame.de

Bildnachweis / Copyrights: Julia Sohn

Frau am Bahnhof

Bedingt durch die vielen Möglichkeiten, mit denen Menschen in der heutigen Zeit einen Partner finden können, kommt der Fernbeziehung eine hohe Bedeutung zu. Denn diese Art der Partnerschafts-Variante ergibt sich häufig, wenn Paare sich online finden. Meist geschieht das durch Singlebörsen oder auch soziale Netzwerke.

Wer sich hier findet, trifft nicht selten auf einen Herzens- und Seelenverwandten, bei dem es passt, der aber leider hunderte Kilometer weit weg wohnt. So beginnt denn meist auch die klassische Fernbeziehung. Dass diese Art der Partnerschaft sehr oft mit verschiedenen Herausforderungen verknüpft ist und vor allem das allwöchentliche Ankommen und Verabschieden so seine speziellen Höhen und Tiefen mit sich bringt, ist ein Dauerthema – vor allem im Netz.

Wir haben mit Sandra Damke, die als Liebeskummercoach in Nordrhein-Westfalen arbeitet, über diese Art der Beziehung gesprochen.

FB: Sandra – Stichwort „Fernbeziehung“. Googelt man diesen Begriff, fällt auf, dass unheimlich viele Ergebnisse angezeigt werden, die Tipps für ein „Frisch halten der Liebe“ in einer Fernbeziehung geben. Ist denn diese Beziehungsart tatsächlich so oft vom Welken der Liebe betroffen?

Ich glaube, dass Fernbeziehungen nicht zwangsläufig häufiger scheitern als „normale Beziehungen“. Sie sind jedoch mit größeren Herausforderungen verbunden, die zu bewältigen sind. Allerdings kommt der Fernbeziehung zugute, dass die Partner, die sich darauf einlassen, all das in Kauf nehmen und somit ein hohes Maß an Engagement und Optimismus aufbringen, was die Beziehung wiederum stärkt und lebendig hält.

FB: Die meisten Fernbeziehungen dürften unfreiwillig zustande gekommen sein. Aber es gibt durchaus auch Paare, die diese Art der Beziehung bewusst eingehen. Was gibt in diesen Fällen den Ausschlag, sich für diese Beziehungsform zu entscheiden?

Für Menschen, die sehr freiheitsliebend sind und ihre Individualität in vielen Lebensbereichen  voll ausleben wollen, ist eine Fernbeziehung eine attraktive Mischung aus Nähe und Distanz. Gewisse Alltagsprobleme entstehen gar nicht erst. Die Partner nerven sich nicht mit unterschiedlichen Auffassungen von Ordnung, Ernährung oder Wohnraumgestaltung. Jeder hat sein Reich und die eigenen Alltagsrituale.

Durch den Abstand bleibt die gefühlte Anziehungskraft länger erhalten. Wer sich im Alltagstrott schnell langweilt, erlebt so eine Beziehung wie eine fortlaufende Aneinanderreihung von Dates. Die einzelnen Begegnungen, auch die sexuellen, wirken bedeutungsvoller und werden intensiver gelebt. Eigene Freiräume und Hobbys können in der Woche entspannt ausgelebt werden. Das gibt einigen Menschen ein hohes Zufriedenheitsgefühl in der Fernbeziehung.

FB: Ganz gleich, ob Paare bewusst oder unfreiwillig eine Fernbeziehung leben – was für Herausforderungen bringt diese Partnerschafts-Variante mit sich?

Das Thema Vertrauen steht ganz vorne auf der Liste der Herausforderungen. Gefolgt von der Sehnsucht nach körperlicher Nähe, die in der Woche keine unmittelbare Erfüllung finden kann.

Nicht zu unterschätzen ist der energetische Aufwand, der von beiden Partnern geleistet wird. Solange die Beziehung noch frisch ist, bewältigt man die Reisestrecke nahezu schwebend, und der Elan scheint grenzenlos zu sein. Gerne verschenkt man sein komplettes Wochenende an den Liebsten oder die Liebste. Nach einer gewissen Zeit kann es dann aber doch anstrengend werden. Irgendwann muss jeder die unliebsamen Arbeiten, die in der Woche nicht geschafft wurden, erledigen. Was man zum Beispiel sonst ganz entspannt am Samstagvormittag geschafft hat, muss nun in der Woche so nebenbei erledigt werden, damit von Freitag bis Sonntag freie Bahn für die Liebe ist.

Und auch die wiederkehrende Kofferpackerei kann mit der Zeit nerven. Irgendwas fehlt immer …! Die warmen Socken, das passende Outfit für den plötzlichen Partybesuch oder den Wetterumschwung. Sonntagabend ist der Zauber vorbei. Voller Eindrücke und einer Tasche voll mit geknüddelten Klamotten kehrt man in die eigene, ungeheizte Bude zurück.

Das klingt unromantisch, ist aber leider die mögliche Schattenseite einer Fernbeziehung.

FB: Paare, die frisch zusammenkommen und (zunächst) eine Fernbeziehung leben müssen, haben oft Sehnsucht und leiden nicht selten darunter, den Alltag in der Woche nicht zu zweit gestalten zu können. Was sorgt bei diesen Paaren am meisten für Frust?

Die Tatsache, dass der Partner nicht greifbar ist; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es macht einen Unterschied, ob man seine Sorgen telefonisch mitteilt, oder bei einem Glas Wein in den Armen des Partners gemeinsam besprechen kann. Zudem kann sich das Thema Eifersucht sehr schnell einschleichen. Schließlich dauert es in einer Fernbeziehung häufig länger, bis man den Freundes- und Bekanntenkreis des Partners gut genug kennt. Wenn einem an schlechten Tagen die Fantasie durchgeht und sich das Gedankenkino nahezu überschlägt , erfordert das viel Verständnis vom Partner.

Außerdem sind spontane Unternehmen gemeinsam nicht möglich, wie mal eben schnell gemeinsam zu den Nachbarn rüber gehen und grillen. Oder wenn das Auto den Geist aufgibt, kann der Partner nicht rasch zur Hilfe eilen. Diese Dinge sind kein Weltuntergang, können aber schon mal Frust aufkommen lassen.

FB: Gibt es Erkenntnisse, welches Geschlecht besser mit einer Fernbeziehung klarkommt – die Männer oder die Frauen?

Ich kenne hierzu keine Statistiken. Durch meine Praxiserfahrung und den Stimmen aus meinem eigenen Bekanntenkreis, bin ich der Meinung, dass beide Geschlechter gleichermaßen gut oder schlecht damit klarkommen. Eifersucht und Sehnsucht finden sich – wie evtl. vermutet – nicht überwiegend bei Frauen. Auch Männer haben Schwierigkeiten damit.

FB: Ist das Wochenende und damit das Wiedersehen da, zelebrieren viele Paare die wenigen Stunden des Zusammenseins. Zu schnell allerdings naht dann meist schon wieder der Abschied. Haben Sie Tipps, wie man diesen händeln kann, damit er einen – gerade in einer noch jungen Beziehung – zum Sonntagabend nicht allzu sehr runterzieht?

Ich rate hier, das Wochenende nicht zu voll zu packen. Gemeinsame Aktivitäten verbinden und erhöhen den Freizeitwert, aber bitte gut dosiert. Lassen Sie den Sonntag gemütlich ausklingen und nehmen Sie die Anwesenheit des Partners nochmal ganz bewusst wahr, und zwar mit allen Sinnen. Kuscheln Sie, entspannen Sie sich und schmieden Sie neue Pläne für weitere Unternehmungen und planen Sie den Termin für das nächste Wiedersehen.
Die modernen Medien sind für Fernbeziehungspärchen eine gute Möglichkeit, sich auch auf Distanz zu „erleben“. Smartphone und Skype machen so vieles möglich. Ein Gute-Nacht-Video, Sprachnachnichten, Fotos, Gedichte … Die gute Nachricht ist: Hier machen tägliche Aufmerksamkeiten bzw. Liebesbekundungen tatsächlich Sinn, ohne kitschig zu wirken.

Ein weiterer Tipp besteht darin, das Wochenende möglichst häufig zu verlängern. Wer kann, sollte sich ein paar Stunden oder Tage Extrafreizeit rausarbeiten und diese in die Beziehung investieren. Am Montagmittag reist es sich viel entspannter ab …

FB: Stimmt es, dass viele Paare Konflikte oder Probleme nicht ansprechen oder angehen, weil man die kurze Zeit der Nähe – zumeist am Wochenende – nicht belasten will?

Ja, das kommt vor. Es ist auf der einen Seite verständlich, aber leider nicht zielführend. Egal welche Art von Beziehung geführt wird – Reden muss sein und Probleme gehören auf den Tisch. Es geht hier vielmehr um das WIE als um das OB.

Ich empfehle, dass es die grundsätzliche Absprache gibt, dass Probleme jederzeit angesprochen werden dürfen, erst recht, wenn es wirklich unter den Nägeln brennt. Niemand sollte über Tage aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Das belastet die Beziehung erst recht.

Grundsätzliche Dinge, die noch etwas Zeit haben, dürfen am Wochenende besprochen werden, aber bitte nicht gleich in den ersten 30 Minuten … Kommen Sie erstmal an und genießen Sie das Wiedersehen in Ruhe und Harmonie. Und bitte tischen Sie die Probleme nicht kurz vor der Verabschiedung auf. Bedenken Sie, dass es immer die letzte Emotion des Treffens ist, die der Partner oder die Partnerin in die Woche transportiert.

FB: Noch mal zum Thema Eifersucht: nicht wenige Menschen, die eine Fernbeziehung haben, befürchten, dass der Partner sich anderweitig in jemanden verlieben oder gar fremdgehen könnte. Für viele misstrauische Naturen dürfte diese Art der Partnerschaft `eh nicht ganz einfach sein. Was raten Sie diesen Leuten?

Wer zu Eifersucht und sonstigen Befürchtungen neigt, sollte hieraus kein Geheimnis machen. Gehen Sie offen damit um. Kündigen Sie an, dass das für Sie ein Problem werden könnte und schauen Sie wie das Gegenüber reagiert. Überlegen Sie gemeinsam, ob es Rituale gibt, die vertrauensbildend sind und wie Sie sich gegenseitig helfen können.

Wenn der Partner überhaupt nicht mit diesen Gefühlen umgehen kann und sich regelrecht belästigt fühlt, sollten Sie sich  fragen, ob Sie wirklich stark genug sind, damit umzugehen. Das wird kein Spaziergang für Ihre Emotionswelten.

Ich muss hierzu allerdings sagen, dass Eifersucht und Misstrauen jede Beziehung, ob nah oder fern, belasten. Daher ist es ein generelles Thema, welches Sie sich anschauen sollten. Fremdgehen kann jeder überall, wenn es darauf angelegt wird.

FB: Gibt es eine Art Richtwert, nach welcher Zeit der Fernbeziehung man(n) zur „Nah“Beziehung übergehen sollte oder gibt es Erkenntnisse, wann das gemeinhin geschieht?

Das Wichtigste ist, dass es überhaupt eine realistische Perspektive gibt, in eine Nah-Beziehung überzugehen. Ich bin der Meinung, dass man nach circa sechs bis zwölf Monaten die erste Prognose über den Fortbestand der Beziehung abgeben kann. Beide kennen sich nun einigermaßen gut und es ist ratsam, erste Zielvereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Selbst, wenn die Realisierung einer gemeinsamen Wohnsituation erst in zwei oder drei Jahren in Betracht kommt, ist zumindest die Aussicht auf eine Nah-Beziehung sehr motivierend. Somit lassen sich die Nachteile und Anstrengungen viel besser ertragen. Frau in pinkem Pullover

Mehr zum Coaching unserer Interviewpartnerin Sandra Damke (im Bild) erfahren Sie hier.

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