Stewardessen

Die „Saftschubsen“ – das wohl ein jeder schon mal gehört, wenn es um Stewardessen ging. Der Begriff wird umgangssprachlich immer mal verwendet, ist aber doch ziemlich gering schätzend. Wie sehr, das musste nun ein Hotelier aus Dresden erfahren, der das Wort öffentlich benutzte. Aber nicht nur das: Johannes Lohmeyer – so der Name des besagten Mannes – teilte in diesem Zusammenhang auch gleich gegen die Streiks der Flugbegleiterinnen und Flugbegleiter von Germanwings zum Jahresende 2019 aus.

Mieser Spruch vom Hotelier auf Facebook

Wie die Leipziger Volkszeitung in einem Artikel am 6. Januar 2020 berichtete, veröffentlichte Lohmeyer auf Facebook folgenden Spruch:

„Ach ja, eh ichs vergesse: Noch vielen Dank an die vereinigten Saftschubsen für die vielen Stornos, die wir durch ihren idiotischen Streik haben“

Mit den Stornos spielt der aus Westdeutschland nach Dresden zugereiste Hotelmann auf geplatzte Buchungen an, die sein Haus durch den Streik erreichten. Dass er deshalb sauer ist, ist nachvollziehbar.

Aber öffentlich von „Saftschubsen“ zu sprechen, noch dazu als bekannter Dresdner Unternehmer? Geht gar nicht! Das dürften so auch ziemlich viele andere Leute sehen, denn der Shitstorm folgte nach Angaben der Leipziger Volkszeitung auf dem Fuße.

Unverständnis für „Saftschubsen“ formiert sich zu Shitstorm

Die Zeitung veröffentlichte einige Reaktionen der User auf Facebook. Ein Kommentar lautet:

„Bei allem Verständnis für Hoteliers. Aber das ist daneben. Ich hoffe, Sie brauchen niemals Hilfe während eines Fluges. Falls doch, überdenken Sie spätestens dann Ihren überheblichen Post“.

Dieser sachlichen Kritik ist nichts hinzuzufügen!

Insofern: „Saftschubsen“ – das geht gar nicht! Das sollte sich der Unternehmer gut merken! Mehr dazu hier.

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Ich weiß noch wie heute, wann ich das erste Mal gesiezt wurde: 16 Jahre war ich alt und stand in einer Apotheke. „Was wünschen Sie?“, fragte die Dame hinterm Tresen. Ich war geschmeichelt und fühlte mich wahnsinnig erwachsen.

Als wäre ein Damm gebrochen, wurde ich von da an überall gesiezt: in der Pizzeria, beim Discounter, sogar in der Schule. Das ging viele Jahre lang gut. Mit Ende 30 kreidete ich dann eines Abends in der Billardhalle meinen Queue ein. Damals spielte ich Turnier und übte viel. Ein junger Bursche kam an den Tisch und fragte höflich: „Entschuldigung, wie lange spielen Sie noch?“

„Sie“. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich war dabei, älter zu werden. „Älter“, nicht alt wohlgemerkt. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich von Jugendlichen immer geduzt worden, aber nun nahmen sie mich als Erwachsenen wahr. Das brachte mich zum Nachdenken. Aber nicht allzu lange, denn ich hatte einfach zu viel zu tun mit einem Job, einem Nebenjob, Haus, Garten, Verein und Hobbies. Also wurde ich einfach älter. Und noch älter.

Lässt einen der Kurzhaarschnitt nicht mehr alt aussehen?

Jahre später besuchte mich eine gute Freundin. „Du solltest dir dringend die Haare schneiden lassen. Hab‘ ich auch gemacht.“ Prüfend musterte Gisela meine lange Mähne. „Der Friseur sagte, je zehn Zentimeter kürzer wirkt man zehn Jahre jünger.“ „Warum?“, antwortete ich verblüfft. „Die muss ich dann alle paar Wochen nachschneiden lassen. Ich bin nicht gern beim Friseur, da ist mir immer so langweilig, weil ich tatenlos herumsitzen soll.“

„Na dann brauchst du auch nicht jammern“, meinte sie und schüttelte ihren nagelneuen Bob. Ganz ehrlich: Mit langen dunklen Haaren hatte sie mir besser gefallen.

Ich jammere ja gar nicht, Gisela. Älterwerden gehört zum Leben. Und da die Friedhöfe voll mit Menschen sind, die keine 40 werden durften, sehe ich das mit dem Altern nicht so eng. Es erdet ungemein, gelegentlich über die stillen, bekiesten Wege zu schreiten und Inschriften auf Grabsteinen zu lesen. Was hab ich doch für ein Glück, dass ich Falten kriegen darf. Ich meine das ernst.

Neulich war ich wieder mal in meiner Lieblings-Parfümeriefiliale, um mir eine Augencreme zu kaufen. Als ich zögernd vor dem Regal mit der hochpreisigen Kosmetik stand, tippte mir eine Verkäuferin auf die Schulter. Gewandt griff sie nach unten und hielt mir eine kleine Pappschachtel vor die Nase. Ich konnte nur entziffern „Laser Antifalten Turbo“, dann ließ sie die Schachtel sinken und sah mich streng an. Ihr Gesicht hatte was von einem Hühnerhabicht. Vielleicht hielt sie mich für ein Kaninchen. „Nehmen Sie lieber den Super-Turbo-Antifalten-Kleister“, befahl sie mir mit belehrendem Unterton. „Der hilft wenigstens wirklich.“

Diesen Krieg verliere ich so oder so

Es war helllichter Tag, das Sonnenlicht zauberte Kringel auf den grauen Linoleumboden und meine Krähenfüße, was aber beim Bodenbelag definitiv besser aussah. Die Verkäuferin schien mein Baujahr zu sein, und bis auf die Tatsache, dass ich weniger geschminkt war, unterschied uns nicht viel. Der Zahn der Zeit nagte auch an ihr mit Vehemenz, aber immerhin tat sie ihr Bestes, um es zu vertuschen, wohingegen ich bereits aufgegeben hatte.

„Ich habe mich schon entschieden“, antwortete ich deshalb entschlossen. „Sehen Sie mich an – diesen Krieg verliere ich so oder so. Ich möchte nur nicht, dass sich meine Haut um die Augen morgens nach dem Waschen trocken anfühlt. Aber danke.“ Dann schnappte ich mir die Augencreme, machte mich auf den Weg zur Kasse und ließ sie einfach stehen.

Parfümerien betrete ich meist mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit, denn alle Verkäuferinnen sehen stets aus wie aus dem Ei gepellt, mit perfekt aufgetragenem Lidstrich, makelloser Foundation und akribisch nachgezogenen Lippen.

Und immer, wirklich immer, wenn mir eine von ihnen einen Flakon, eine Tube oder einen Cremetiegel vors Gesicht hält, klingt es ein wenig vorwurfsvoll nach dem Motto: „Wenn ICH so aussehen kann, können Sie das auch. Wohl zu faul, oder?“

Schönheitsindustrie bietet alles, um dem Altern entgegen zu wirken

Was ich nicht alles an mir reparieren lassen sollte, wenn es nach der Schönheitsindustrie ginge: Facelifting, Fadenlifting, Schälkur, Cremes, deren Tubeninhalt scheinbar mit Gold aufgewogen wird, Falten-Unterspritzungen, Pilates, Yoga, Gymnastik, kübelweise Mineralwasser, um die Haut aufzuplustern, Meditation, Spezial-Dragees und so weiter. Ich komme gar nicht hinterher und habe festgestellt, dass es wesentlich einfacher ist, sich ohne Brille im Spiegel zu betrachten – da sehe ich nämlich immer noch klasse aus, denn ich bin stark kurzsichtig. Kann ich nur empfehlen. Es bringt ja nichts, sich über jedes Fältchen aufzuregen, davon gehen die nicht weg. Ich habe eher das Gefühl, sie werden bei Beachtung schlimmer.

Neulich war ich beim Hautarzt zum jährlichen Checkup. „Meine Freundin nimmt jetzt immer diese Kapseln mit Hyaluron“, erzählte ich ihm, während er mit dem Vergrößerungsglas um mich herumschlich. „Die sollen gut sein.“ „Kann sie gerne tun“, antwortete er lächelnd. „Sie darf nur nichts erwarten. Das einzige, das wirklich funktioniert, ist ein Lifting. Aber auch dessen Wirkung ist zeitlich begrenzt, und dann müssen Sie es wieder machen lassen.“

Ich muss dazu sagen, dass er keine einzige dieser Leistungen, weder Falten-Unterspritzungen noch Fadenliftings anbietet. Er meint, er hätte schon mit Hautkrankheiten genug Arbeit.

In Würde älter zu werden ist relativ hart, denn ich lebe in einem Zeitalter, in dem sich schon 30jährige alt vorkommen (warum eigentlich?), kenne Frauen, die einmal jährlich zum Fettabsaugen an den Bodensee fahren, sich mittags Botox spritzen lassen und spätestens mit 50 der blanken Verzweiflung anheimfallen.

Einfach mal prominente Frauen googlen!

Letzte Woche las ich einen Artikel über Katie Price, Englands berühmtestes Ex-Boxenluder, die von einem gewieften Paparazzi kurz nach ihrem letzten Lifting fotografiert wurde – mit noch blutigen Nähten neben den Ohren, schlampig in den Haaransatz geklemmten blonden Extensions, mit zugeschwollenen Augen und überproportional aufgespritzten Lippen.

Katie Price ist 41. Und während ich fassungslos das Bild der armen Frau betrachtete, drängte sich mir die Frage auf: „Was macht die, wenn sie 50 wird? Oder 60? Kopf ab und ein neuer drauf?“

Wenn es Sie interessiert, wozu die plastische Chirurgie mittlerweile imstande ist, googeln Sie „Mutter von Sylvester Stallone“. Die Dame wird geschmeidige 93, zumindest Teile von ihr. Das gilt übrigens auch für Cher, Meg Ryan oder Demi Moore. Gerne delektiere ich mich außerdem wohlig-schaudernd an Fotos von deutschen „Promis“, die des Guten etwas zu viel getan haben. Oder tun haben lassen. Ich mache das nicht aus Bosheit, sondern aus einer Art morbider Neugierde heraus, weil ich mir vorstelle, wie sie getrieben werden, immer auszusehen, als hätten sie ein Bild im Keller hängen, das an ihrer Stelle für sie altert.

Es ist ein sinnloser Kampf. Man kann eine Schlacht gewinnen, aber keinen Krieg. Und es ist mit dem Gesicht ja nicht getan, als da wären noch die Oberarm- und Hals-Straffung, die Straffung der Bauchdecke, ein Hals-Lifting, eine Korrektur der Schlupflider und für die ganz Gründlichen Hand-Implantate, denn an den Händen erkennt man das wahre Alter ohnehin sofort. Ein gutes Beispiel für gründliche Restaurierung ist auch Madonna, die jetzt mit 61 immer noch super aussieht, weil sie sich das leisten kann. Bei anderen ist es leider nicht so gut gegangen. Oft wirken die Gesichter aufgequollen oder unnatürlich verzerrt, oft wurde die Haut dermaßen gestrafft, dass sich die Augen zu Schlitzen verzogen haben. Auch dafür gibt es im Netz gute Beispiele.

Ich habe einmal aus Versehen beim Zappen eine Schönheits-OP im Fernsehen „erwischt“ und bin erschrocken hängengeblieben. Die schälen einem tatsächlich die Haut vom Gesicht wie einer Orange, schneiden etwas davon ab und nähen den Rest dann wieder an.

Jede einzelne Falte redlich verdient

Nur über meine Leiche. So eine Welt brauch‘ ich nicht, in der ich ständig jung und schön sein muss, um wahrgenommen zu werden. Ich habe keinen Grund, zu leiden, damit andere was Nettes anschauen können.

Jede einzelne Falte habe ich mir redlich verdient – in durchweinten Nächten, weil ich verlassen wurde, an Gräbern geliebter Menschen, beim Tierarzt in den letzten Minuten meiner Samtpfoten, in Krankenhäusern, wenn ich mich mich mühsam in die Welt der Gesunden zurückkämpfte. Ich würde keine einzige Falte wieder hergeben. Sie sind Zeugnisse eines Lebens voller Anstrengung, Hindernisse und Erfahrungen. Das bin ich. Wem’s nicht passt, der soll sich den „Pirelli“-Kalender oder den „Playboy“ kaufen. Gern geschehen.

Wo ist das Selbstbewusstsein von uns Frauen geblieben? Warum macht man sein Wohlbefinden an Äußerlichkeiten fest? Warum bitte denken 30- oder 40jährige, dass sie sich Botox spritzen lassen müssen? Die haben keine Ahnung vom Alter. Glauben Sie mir: Falten sind das kleinste Übel, wenn man beginnt, auseinanderzufließen wie zu weich geratener Kuchenteig. Da kommen ganz andere Nettigkeiten, auf die man sich freuen darf. Lieber Gott, ich nehm statt der Arthrose, dem Rheuma, Gicht oder Osteoporose lieber die Augenfalten. Dankeschön.

Da ich kein Hollywood-Star bin, tut’s für mich die fettige Creme von Doktor Grandel oder Clinique. Alle meine Freunde und Bekannten werden auch älter und damit naturgegeben weitsichtig, die sehen nicht mehr sonderlich gut, bei denen gehe ich als „gepflegte Erscheinung“ jederzeit durch. Und meine Oberarme kaschiere ich mit längeren Ärmeln. Für so was würde ich mich niemals unters Messer legen.

Geheime Beauty-Tipps von Promis oft amüsant

Am meisten amüsiere ich mich immer über die „geheimen“ Schönheitstipps weiblicher Prominenter. Da sitzt dann eine 50jährige, die wie 40 wirkt und behauptet, 30 zu sein, auf der Yogamatte mit anmutig verknoteten, schlanken Beinen und blickt versonnen in die Kamera.

„Was ist das Geheimnis Ihres jugendlichen Aussehens?“, fragt der Reporter.
„Äh, Wasser“, antworten sie dann immer lächelnd und zeigen zwei Reihen makelloser Implantate. „Rohkost natürlich auch. Und jeden Montagabend röste ich mir einen Grottenolm mit Rucola.“

Dann plaudern sie weiter über ihre Schönheitstipps und schwören, ihre feste Kinnlinie, die straffen Oberarme und die seitlich gezogenen Lider seien ausschließlich das Ergebnis von Mineralwasser, veganer Ernährung und Yoga.

Klar doch.

Wann ist das eigentlich passiert, dass man nicht mehr in Ruhe vor sich hin altern, in die Breite gehen und Kittelschürzen tragen darf? Oder wenigstens einen Trainingsanzug? Warum darf nicht einfach jeder rumlaufen, wie er möchte? Warum sehe ich bei Facebook 60jährige im Mini mit einem Oberteil, das bis zum Schambein dekolletiert ist?

Wie ich meine Mutter und meine Großmutter beneide. Die saßen abends mit den anderen Damen vom Haus zusammen im Garten, klimperten mit ihren Stricknadeln und waren mit sich und der Welt im Reinen. Bundfaltenrock, Beton-Dauerwelle, rote Holz-Pantoletten mit Lederriemen und fertig war die Laube. Es gab nicht das Konkurrenzdenken, es gab nicht das durch die Werbung in den Köpfen verankerte Massenbewusstsein: „Nur Schönheit zählt.“

Keine Lust auf Hanteln

Sicher, Cher sieht immer noch klasse aus, und in der Sitcom „Hot in Cleveland“, in der vier Singles zwischen 50 und 60 in einem kleinen Ort stranden und dort nur ärmellose Klamotten tragen, haben alle eine Bombenfigur und straffe Oberarme wie aus Plastik modelliert. Aber das setzt mich unter Druck, denn ich habe einen Vollzeitjob, mehrere Hobbies und nicht die geringste Lust, abends mit Hanteln durch die Wohnung zu turnen, nachdem ich gerade geputzt habe. Das können die Mädels aus der Traumfabrik gerne machen – die haben ja auch nichts anderes zu tun.

Da lobe ich mir Betty White, die „Rose Nylund“ aus „Golden Girls“. Die hat sich getraut, einfach älter zu werden, mit Hängebäckchen und einem Busen in Nähe ihres Bauchnabels, und macht es mit Humor wett. Betty sieht nicht aus, als hätte an ihr jemand geschraubt, gezerrt oder gespritzt, sie ist einfach nur alt und strahlt eine unbändig ansteckende Lebensfreude aus.

„Jung sein ist toll. Man muss nicht mal hübsch sein, um hübsch zu sein“, sagt Dorothy, eine von den „Golden Girls“, in der allerersten Folge zu ihrer Freundin. „Weißt du, was heute für mich jung ist? 40!“

Man sollte immer daran denken, dass, wie ich eingangs erwähnte, viele nicht einmal ihr 40tes Lebensjahr erreichen. Und man sollte sich beizeiten spirituelle, intellektuelle oder mentale „Vorräte“ schaffen, von denen man zehren kann, wenn sich die Proportionen verschieben wie bei einem schlecht aufgeblasenen Globus aus Gummifolie. Das wird passieren – geben Sie sich keinerlei Illusionen hin. Die Hüften werden breiter, die Taille verschwindet nach Paraguay, Nase und Ohren wachsen einfach weiter, und die Oberarme bedürfen ständigen Trainings, weil der Trizeps sich sonst im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt. Und hängen bleibt.

Buch, Hobbies & Co. gehen auch in späteren Jahren noch

Dann kann man, wenn man vorgesorgt hat, immerhin von seinen Vorräten zehren: Interessen, Hobbies, Talente, irgendwas, das nicht von Äußerlichkeiten abhängig ist. Wer ein gutes Buch zu schätzen weiß und einsieht, dass es mit 60 ein bisschen länger dauert, den Mount Everest hinaufzukraxeln, wird sich leichter tun, wenn er morgens in den Spiegel schaut. Den Berg erklimmen kann er trotzdem, nur eben ein wenig langsamer.

Wer aber seiner verlorenen Jugend hinterherrennt (und die ist wirklich weg und kommt auch nicht wieder…), dem wird irgendwann die Puste ausgehen bis er atemlos am Wegesrand sitzen bleibt. Es ist wie beim Hasen und beim Igel.

Irgendwann mutiert jeder von „attraktiv“ zu „gepflegte Erscheinung“. Irgendwann stellt jeder fest, dass die Restauration vor dem Ausgehen allmählich an Bauernmalerei erinnert und immer aufwändiger wird. Irgendwann landen beim Verreisen im Koffer nicht mehr nur Tanga und Zahnbürste, sondern Säurebinder, Interdentalbürsten und Schlaftabletten. Irgendwann wird man in der Pizzeria „Signora“ genannt werden und nicht – wie noch vor 5 Jahren – „Signorina“. Am besten stellt man sich darauf ein, dann erschrickt man nicht, denn es kommt wie ein Hammerschlag, wenn man bemerkt, dass andere einen als „älter“ wahrnehmen.

Das Wichtigste im Leben altert nie: unsere Lebensfreude, unser Charme, unser Charisma, unsere Begabungen und Vorlieben, und unsere Neugierde auf alles, das unser Leben weiterhin bereichern könnte. Und ein liebevolles Herz, eine begeisterungsfähige Seele, brauchen kein Botox – die bleiben immer 25. Ist das nicht schön?

Ich finde, das sind gar keine so schlechten Aussichten. Machen wir was draus!

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Polizist

Es ist der Single-Klassiker schlechthin: Im Supermarkt die Frau oder den Mann des Lebens zu sehen, es aber verpassen, sie oder ihn anzusprechen. Unzählige Geschichten erzählen davon, seit den digitalen Zeiten auch im Web.

Frauen wie Männer klagen in anonymen Foren, in Gruppen sozialer Netzwerke oder in Diskussionsforen von (Frauen)Medien ihr Leid über verpasste Gelegenheiten und die entschwundene Traumfrau. Oder den entschwundenen Traummann. Oft sieht man das Objekt der emotionalen Begierde noch zum Auto entschweben, das war es dann aber meist auch. Allerdings nicht für alle Personengruppen: Polizisten beispielsweise könnten in einer solchen Situation im Dienstcomputer nachsehen und checken, welche Person sich hinter dem Autokennzeichen, auf das man(n) einen Blick erhaschen konnte, verbirgt.

Einige Polizisten missbrauchen ihre Stellung für Schnüffeleien

Und einige tun es auch. Das zumindest berichtet das Nachrichtenmagazin SPIEGEL in seiner Ausgabe 45 / 2019. Unter der Überschrift „Die Privatschnüffler“ führt das Medium verschiedene Fälle auf, in denen Polizeibeamte ihre Befugnisse missbrauchten und sich einfach per Computer auf der Dienststelle die Adressen derer Personen besorgten, die sie interessieren. Da recherchierte ein männlicher Polizist die Daten einer Frau, die ihm gefiel, eine Polizistin forschte mithilfe ihrer dienstlichen Möglichkeiten die neue Partnerin ihres Ex-Mannes aus und wieder ein anderer Polizist stand einfach vor der Tür eines Mannes, dessen Auto ihm gefiel. Und dessen Adresse er im Dienst recherchiert hat, weil er den Wagen kaufen wollte.

Fälle, die ungeheuerlich sind, aber einen dennoch nicht überraschen. Warum? Nun: Weil man sich denken kann, dass die Beamten – nicht alle freilich, aber einige – ihre Stellung ausnutzen, um an sensible Daten für den Privatbereich zu kommen. Man ahnte das immer und so mancher weiß auch, dass es so ist.

Wer hat nicht schon von der Bekannten gehört, die da bei der Polizei jemanden hat, der „mal nachgucken“ kann, ob der Ex tatsächlich umgezogen ist? Oder von einem Kumpel, der „seine Quellen“ bei der Polizei immer mal spielen lässt?

Fakt ist: Es menschelt überall. Auch bei der Polizei. Und auch wenn es strafbar ist, was manche Beamte da machen, so wäre es sicher naiv zu glauben, dass sämtliche Beamten hier standhaft bleiben und ihre Stellung niemals ausnutzen.

Geldstrafe für Beamte, die privat nach Infos suchten

Dass dafür allerdings Strafen drohen, ist nur konsequent. Und so erfährt man aus dem besagten SPIEGEL-Artikel auch, dass beispielsweise eine Frau, deren Autokennzeichen ein Polizeibeamter dafür genutzt hat, um an ihre privaten Daten heranzukommen, den betreffenden Beamten angezeigt hat. Er musste ein Bußgeld zahlen. Ebenso der Polizist, der sich widerrechtlich die persönlichen Daten vom Besitzer seines Traumautos beschaffte und dieses kaufen wollte. Auch er musste Strafe zahlen.

Ob man allerdings jene Beamte für eine Strafzahlung ausfindig machen konnte, die im Rahmen eines Konzertes von Helene Fischer in Frankfurt die privaten Daten der Sängerin ausspähten, ist nicht bekannt. Irgendein Interesse seitens der Polizei muss da gewesen sein, Zitat SPIEGEL:

„(…)Laut Landespolizeipräsident tippten sie immer wieder „Helene Fischer“ in den Computer – insgesamt 83-mal in einer Nacht“.

Ob sie entsprechende Informationen gefunden haben, wird freilich nur erfahren, wer da „einen guten Draht“ zu den Polizeibeamten hat. Gut möglich, dass jene, die die Infos abriefen, dies im kleinen, privaten Kreis ausplaudern.

Wie gesagt: Es menschelt überall. Im Guten, wie im Schlechten.

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Ältere Dame

Ein, zwei nette Sätze, eine Nachfrage, eine empathische Kommunikation – die erlebt man heutzutage in den Supermärkten der Großstädte nur noch ganz selten. Vor Jahrzehnten dagegen war es durchaus noch üblich, dass die Kassiererin selbst in städtischen Supermärkten die Kundin mit „Na, Frau Müller, geht es Ihrem Mann besser?“ begrüßte. Oder den netten, älteren Stammkunden fragte, wie es denn beim Besuch bei den Enkeln so war.

Lange her!

Senioren-Einsamkeit in Westeuropa leider eine Massen-Erscheinung

Wer dagegen heutzutage in einer langen Schlange an der Kasse eines Supermarktes steht, der weiß, wie es abläuft. Genervtes, hörbares Ein- oder Ausatmen, unruhige Körperbewegungen, die Ungeduld signalisieren und hastiges Wegpacken der Produkte, wenn man denn einmal abkassiert ist. So geht es zu in den Supermärkten, in denen sich zudem häufig nur wenige Mitarbeiter um alles kümmern. Kassieren, auspacken, Brötchenback-Automat anwerfen, Pfandrückgabestelle ausleeren, und, und, und…Zeitdruck und Stress beherrschen Kundschaft wie Personal gleichermaßen, weshalb das persönliche Gespräch an der Kasse so gut wie nie stattfindet. Zumindest in (Groß)Städten nicht.

Dabei sind gerade das die Zonen, in denen viele Menschen unvorstellbar einsam sind. Zumeist alte Menschen. Man sieht sie oft am Fenster, wo sie stundenlang rausschauen. Sie sitzen nicht selten auch lange Zeit in den Wartezimmern der Städte, geduldig auf die Audienz beim Arzt wartend. Die fürsorglichen Weißkittel sind für manche Senioren, die weder Freunde noch Familie in der Nähe haben, oftmals der einzige reale „Gesprächs-Kontakt“. Da wird ein harmloser Schnupfen schon mal zum Anlass genommen, sich dem Doktor vorzustellen. Selbst mancher Krankenkassen-Anruf ist für den einen oder anderen alten Menschen eine willkommene Abwechslung im grauen Einsamkeits-Alltag.

Gegen die ungeliebte Abgeschiedenheit, in der viele betagte Frauen und Männer in westeuropäischen Ländern leben, hat man nun in den Niederlanden eine geniale Idee entwickelt: „Plauderkassen“. Bestimmte Kassenzonen in Supermärkten werden dort zu Kommunikations-Inseln. Sprich: Einsame Menschen haben an diesem Ort die Möglichkeit, das eine oder andere Wörtchen mit der Kassiererin zu wechseln, ohne dass genervtes Getrappel und Gemurmel aus der hinteren Schlange dringt.

Plauderkassen in niederländischen Supermärkten

Eine grandiose Idee, über die das Portal stern.de wie folgt berichtet:

„(…)Im niederländischen Vlijmen, in der Nähe von ’s-Hertogenbosch, jedoch, startete eine Supermarktkette im Juli mit einem Gegenentwurf zum Einkauf unter Zeitdruck. Der Jumbo-Supermarkt richtete dort eine „Kletskassa“ ein, eine „Plauderkasse“, an der es nicht um Tempo geht. Wer sich hier anstellt, bringt Zeit mit und kann sich sicher sein, dass die Kassiererin das gleiche tut: Hier geht es auch ums Quatschen, so wie früher im Tante-Emma-Laden.(…)Neben der Plauderkasse hat der Jumbo-Supermarkt noch einen Platz für Kaffeeklatsch eingerichtet, eine weitere Initiative gegen die Einsamkeit. Dort nehmen sich Freiwillige der niederländischen Stiftung „Alles Voor Mekaar“ (Alles für einander) Zeit, um sich mit Menschen zu unterhalten, die Lust auf ein Gespräch haben. Darüber hinaus kommen durch die Stiftung einsame Senioren auch mit Freiwilligen zusammen, die ihnen beim Einkaufen, im Haushalt oder Garten helfen oder ihnen ganz schlicht Gesellschaft leisten, berichtet die Supermarktkette.

„Wir fühlen uns unserer Umgebung verpflichtet und wollen ein guter Nachbar sein“, erklärt Colette Cloosterman-van Eerd, CCO von Jumbo. „Unsere Filialmitarbeiter kennen die Kunden und nehmen regelmäßig Anzeichen von Einsamkeit im Geschäft wahr.(…)“

Klingt wunderbar!

Und sollte auch hierzulande unbedingt Schule machen. Denn: Die Einsamen werden nicht weniger. Leider. Schon vor einigen Jahren brachte das Magazin DER SPIEGEL hierzu einen erschütternden Bericht. Dass es seitdem besser geworden ist, darf bezweifelt werden.

Hierzulande gibt es einige Initiativen gegen Senioren-Einsamkeit

Obgleich es in Deutschland natürlich Initiativen gegen Einsamkeit gibt. Die bekannteste dürfte die von Schauspielerin Mariella Ahrens sein. Die aus dem Fernsehen bekannte Aktrice setzt sich lange schon für ältere Menschen, die allein sind, ein.

Bleibt zu hoffen, dass auch Deutschland bald Kassenzonen für das ältere Kundenklientel bekommt. Zumindest in Großstädten. Im Ländlichen kann man es nämlich – sowohl in kleinen Läden als auch in Supermärkten – durchaus noch beobachten: Das freundliche Wort an die betagte Kundin, das ehrliche Interesse an dem alten Mann, der aller paar Tage zum Einkaufen kommt, das Lächeln gegenüber der eleganten Dame, die erst seit kurzem verwitwet und um die 80 ist.

Möge dieses Miteinander nie aussterben. Wir sind alle darauf angewiesen. Früher oder später…!

Bildnachweis: stock.adobe.com/GordonGrand

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Kim Kardashian

Einmal ein weltbekannter Promi sein – und wenn auch nur in den eigenen Reisepapieren…Das dachte sich wohl eine Kolumbianerin, die sich in Köln aufhielt und sich auf einer Reisebank nach einer Pre-Paid-Karte erkundigte. Der Mitarbeiterin der Bank fiel auf, dass das Foto im Pass so gar keine Ähnlichkeit mit der Kundin hatte. Das Promigesicht, das im Pass klebte, gehörte zu Reality-Star Kim Kardashian.

Über diesen skurrilen Fall berichtet das Magazin STERN in seiner Online-Ausgabe und beruft sich dabei auf eine Meldung der Bundespolizeidirektion Sankt Augustin.

Misstrauen gegenüber Kardashian-Bild

Darin heißt es auf presseportal.de wie folgt:

„Nachdem am zurückliegenden Freitag die Bundespolizei von einem Mitarbeiter der Reisebank um Hilfe gebeten wurde, nahmen die Beamten eine 29-jährige Kolumbianerin vorläufig fest.

Der Mitarbeiter der Reisebank wurde misstrauisch als die junge Frau eine Prepaid Karte erwerben wollte und das Foto in ihrem Ausweis nicht mit der Person, die vor ihm stand, übereinstimmte. Auch die zur Hilfe gerufenen Bundespolizisten schmunzelten zunächst über das Foto im Ausweis, welches eher Ähnlichkeit mit einer Prominenten hatte, jedoch nicht mit der Reisenden. Die Beamten nahmen die Tatverdächtige wegen dem Verdacht der Urkundenfälschung fest. Weiterhin wurden zwei fremde Kreditkarten aufgefunden und sichergestellt. Der Ausweis blieb beschlagnahmt. Nach Abschluss der strafprozessualen Maßnahmen und Abgabe einer Sicherheitsleistung wurde die 29-Jährige wieder auf freien Fuß belassen.“

Was die junge Frau dazu veranlasste, ein Foto der Kardashian in ihr Reisedokument zu kleben, wurde nicht bekannt.

Bildnachweis: picture alliance / Photoshot

 

Hund

Fellschnauzen, Hundeomis, Hundeseelen, Tierhilfe & Co.: Initiativen, die benachteiligte Vierbeiner an neue Frauchen oder Herrchen vermitteln, gibt es viele. Alleine in den sozialen Netzwerken sind unzählige Hilfsorganisationen bzw. -einrichtungen vertreten. Im realen Leben hat zudem fast jeder Bürger ein örtliches Tierheim in der Nähe. Diese Schutzhäuser für fellige Freunde sind zusätzlich auch in den sozialen Netzwerken vertreten und präsentieren ihre Lieblinge.

Kurzum: Die Auswahl ist groß.

Junges Paar erlebte durch Hund aus Tierheim finanziellen Albtraum

Doch hat man einen Herzenshund zu sich genommen, geht das nicht selten auch mit hohen Kosten einher. Diese Erfahrung musste aktuell ein junges Paar aus Nordrhein-Westfalen machen. BILD.de porträtierte den Fall und schreibt:

„Schon 6385 Euro an Tierarztkosten haben Lars Nowak (35) und Katrin Boeder (30) aus Beckum (NRW) für ihren süßen Schnauzer-Mischling Bono (3) bezahlt. Im Herbst 2018 hatten ihn der Tischler und die Personalsachbearbeiterin für eine Schutzgebühr von 300 Euro aus dem Tierheim in Ahlen (NRW) geholt. Der kleine, strubbelige Kerl wuchs ihnen schnell ans Herz. Ebenso schnell aber merkten sie, dass mit Bono etwas nicht stimmte.

Herrchen Lars: „Schon bei den ersten Spaziergängen fiel auf, dass Bono lahmt. Vom Tierheim hieß es, das mache er ab und zu, ihm fehle aber nichts.“

Tiere, die humpeln oder anderweitige Beeinträchtigungen haben, sind nicht selten auf dem Vermittlungsmarkt. Allerdings geben seriöse Initiativen und Tierheime das Handicap im Vorab preis, werden Fotos und Videos der felligen Vierbeiner (und manchmal auch nur noch Dreibeiner & Co.) online gestellt.

Risiken bei der Vermittlung tierischer Vierbeiner sind gegeben

Hund Bono

Fellnase Bono

Der Fall von Bono (im Bild) zeigt jedoch auf, welche Risiken es doch bei der Entscheidung, ein Tier aus dem Tierheim – oder sogar aus dem Ausland – zu holen, gibt. Auf BILD.de liest man in diesem komplizierten Fall weiter:

Kurz darauf wurde Bono zum echten Sorgenkind: Bauchweh, Erbrechen, Durchfall. Und: die Diagnose „Kreuzbandriss“! Herrchen Lars: „Wir verbrachten Tage in der Tierklinik und die Kosten stiegen und stiegen.“

Etwa 2341,97 Euro für stationäre Betreuung, 2907,77 Euro für Kreuzbandriss-Verlaufsbehandlung, 362,37 Euro für Blutuntersuchung …

Lars Nowak: „Wir sind finanziell ruiniert. Wir müssen das alles über Kredite stemmen.“

Bitter! Doch wie kann man sich hier schützen? Diesbezüglich empfiehlt das Boulevardblatt all jenen, die vorhaben, ein Tier aus dem Tierheim zu holen, folgendes:

„Bestehen Sie darauf, dass das Tier vor dem Kauf untersucht wird. Versuchen Sie, auf Kulanz zu vereinbaren, dass das Tier den Tierarzt des Heims in den ersten Wochen kostenfrei besuchen kann.“

Worauf sollte man noch achten? Nun – am besten (wenn es sich um einen Tierheim-Hund handelt), im Vorab häufig mit dem felligen Freund Gassi gehen oder ihn besuchen. Meist fällt bei diesen Gelegenheiten auf, wenn bei dem Tier gesundheitlich etwas nicht in Ordnung ist. Zudem sollte man hier offen mit dem Personal des Tierheims kommunizieren und sich nicht scheuen, nachzufragen, was man wissen möchte. Schwieriger wird es bei Auslandsvermittlungen, da die Tiere, die aus der Ferne vermittelt werden, zumeist nur auf Fotos oder/und Videos im Vorab angeschaut werden können.

Gründliche Informationen und Recherchen im Vorfeld sind wichtig!

Die oftmals geschundenen Hundeseelen reisen normalerweise nur aus, wenn sich in Deutschland oder in unseren Nachbarländern neue Frauchen oder Herrchen gefunden haben.

Wahrscheinlich ist auch das Bauchgefühl – neben den rationalen Facts –  ein guter Begleiter, wenn es darum geht, einen tierischen Gesellen aus dem Tierheim oder der Auslandsvermittlung zu sich holen. Allerdings macht es schon einen Unterschied, ob man einer Fellnase die benötigen Tabletten für monatlich zehn Euro bezahlt oder aus heiterem Himmel vor Diagnosen steht, die nicht mal eben mehr so aus der Portokasse beglichen werden können.

Das sollte ein jeder, der damit liebäugelt, ein Tier zu sich zu holen, bedenken. Gründliche Voabrinformationen sind deshalb das A und O. Bestehen Sie darauf!

Paar

Frauchen und Herrchen von Bono.

Und: Wer dem Paar (im Bild) helfen möchte – jederzeit gern. Erreichbar sind die beiden unter 0151 / 2313 55 08.

 

Bildnachweise: pexels.com / Lars Nowak

 

 

 

 

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Sekretärin

„Wenn man 30 ist, ist 50 sein utopisch“ sang einst Howard Carpendale in seinem Song „50 Jahre.“ „Irgendwann passiert es jedem, dass man einfach so dazugehört“ hauchte der dauersmarte Sunnyboy noch hinterher. Ja, das stimmt – Howie hat recht! Vor allem ist die 50 utopisch, wenn man U-20 ist und einem schon Leute ab 30 wie eingestaubte Dinos vorkommen. Allerdings kann man das auch umgekehrt sehen: Wenn man sich so langsam an das fünfte Lebensjahrzehnt ranpirscht, erscheint es einem auch utopisch, dass man mal 16 oder 17 Jahre alt war.

Eine Zeitreise in diese unbeschwerten Jahre erlebte ich dieser Tage, als ich nach fast 30 (!) Jahren einstige Mitschülerinnen meiner Ausbildung wieder traf. Einige von ihnen hatten ein Klassentreffen organisiert und ich hatte mir den besagten Tag schon ein halbes Jahr vorher im Kalender eingetragen.

Klassentreffen nach fast 30 Jahren

Das Besondere an der Klasse, die sich nun nach so vielen Jahrzehnten wieder treffen wollte, war zum einen die Tatsache, dass wir unsere Ausbildung – damals zur Facharbeiterin für Schreibtechnik – noch zu DDR-Zeiten begannen und dann volle Kanne in der Wendezeit landeten. Und zum anderen der Umstand, dass diese Klasse damals nur aus Mädchen bestand. Heute wahrscheinlich unvorstellbar, wie man an den vielen Quotenmännern und -frauen landauf, landab sieht. So ein Mädels-Haufen würde heutzutage wahrscheinlich die Gleichstellungbeauftragte auf den Plan rufen, die ob dieser Zusammensetzung Diskriminierung wittern und den in einen Norwegerpulli gehüllten Quotenmann „Martin“ in eine solche Klasse stecken würde.

Damals war das kein Thema, denn den Beruf, den wir erlernen wollten, ergriff zu DDR-Zeiten schlichtweg kein Mann. Jedenfalls ist mir keiner bekannt, der als Sekretär in einem VEB-Vorzimmer in die Tasten einer Schreibmaschine hackte. Wobei natürlich die Bezeichnung „Sekretärin“ für den Beruf Facharbeiterin für Schreibtechnik damals offiziell nicht verwendet wurde. Das „Facharbeiter für….“ wurde korrekt davor gesetzt, da gab es nix im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat.

Ich für meine Person habe in den Jahren danach allerdings auf die Frage, was ich gelernt habe, schlicht und ergreifend immer nur „Sekretärin“ geantwortet. Im Grunde genommen war es das ja auch.

Großes Wiedersehen nach Jahrzehnten

Aber zurück zu unserer Mädels-Klasse. Nach fast drei Jahrzehnten wurde nun ein Treffen organisiert, wo wir alle uns wiedersehen sollten. Die Vorfreude war groß und stieg schon beim Kommunizieren in der WhatsApp-Gruppe, die eigens für diesen Anlass gegründet wurde. Ein großes gegenseitiges Hallo und Staunen machte sich mit dem Eintrudeln der ersten Fotos auf WhatsApp breit. Manche der Mädels hatten sich so gar nicht verändert und bei anderen wiederum musste erst einmal nachgefragt oder nachgedacht werden, um wen es sich handelt. Dazwischen kreisten Schwarz-Weiss-Bilder aus Zeiten der Ausbildung – so um 1989. Die Aufnahmen unterscheiden sich nicht großartig von jenen, die heute in jeder MDR-Doku eingeblendet werden, wenn es darum geht, den Osten zu porträtieren oder die so widerspenstige Ossi-Seele zu ergründen. Hochgefönte Locken, Schneejeans , Blousons und die eine oder andere auch mit einem feschen Popper-Schnitt: So lachten wir in die Kamera, vom Leben noch unbeleckt.

Da sich der Kontakt untereinander nach der Ausbildung – eine Zeit, in der die Wendejahre tobten – schnell verlor, war natürlich nun jede neugierig, wie die anderen Mädels heute aussehen und wie es ihnen ergangen ist. Deshalb war das Hallo groß, als eine nach der anderen auf dem Parkplatz eintrudelte. Ich hatte vorher noch Daniela mit dem Auto mitgenommen – eine ehemalige Mitschülerin aus eben jener Ausbildungsklasse. Sie hatte sich kaum verändert, auch das Mundwerk lief noch nach Jahrzehnten wie geschmiert. So wie meines auch – wir haben uns da nie was genommen. Zwar stellten wir fest, dass unser beider Hüftgold etwas an Umfang zugenommen hatte, aber das tat der Freude des Wiedersehens natürlich keinen Abbruch.

Als die Mädels-Runde komplett war, gab es kein Halten mehr. Umarmungen, Hallo-Hallo, Komplimente, anerkennende und ungläubige Blicke hielten sich die Waage.

Der Spirit der einstigen Ausbildungsklasse war zu spüren

Ich stellte fest, dass sich manche der Mädchen von einst überhaupt nicht verändert haben und hatte bei der einen oder anderen doch Schwierigkeiten, sie zuzuordnen. Das löste sich allerdings schnell auf, so dass der alte Spirit aus der einstigen Sekretärinnenklasse wieder zu spüren war.

Während wir uns von einem Schiff auf dem Wasser treiben ließen – zur Feier des Tages war eine Rundfahrt über die Gewässer unserer Heimat angesagt – machten die ersten Lebensläufe die Runde. Partner, Kinder, Ex-Männer, Ex-Ehemänner und die jetzige Familienkonstellation: Alles kam zur Sprache. Währenddessen kreiste ein guter Tropfen, was die Stimmung zusätzlich anhob. Verblüffend war, dass die allermeisten Schreibtechnikerinnen aus der einstigen Ausbildungsklasse auch heute noch in ihrem erlernten Beruf tätig sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, bei den vielen Brüchen in nicht wenigen ostdeutschen Biographien, die den Wendejahren geschuldet sind. Schön auch: Alle waren in Lohn und Brot, abgehängt schien keiner.

Unterschiedliche Erinnerungen – vieles verblasst

Allerdings waren die Erinnerungen sehr unterschiedlich. So konnte ich mich beispielsweise an den Sportunterricht in meiner Ausbildung überhaupt nicht mehr erinnern, während die eine oder andere eine Story darüber zum Besten gab. Dafür gab es so manche „Ach-ja-stimmt“-Momente, als Episoden, Storys und Ereignisse von dazumal zur Sprache kamen. Manche Erinnerung kam auf einmal so blitzschnell hervor, dass man davon ausgehen kann, dass sie jahrelang verschüttet war. Eine in unserer Runde meinte, dass das einfach daran liegt, dass die Erlebnisse damals in den normalen Alltag integriert und eben nichts Besonderes waren. Heute sind sie das umso mehr, denn es ist schon etwas Besonderes, die Ausbildung in einem völlig anderen System gemacht zu haben und sich heute – als gestandene Frauen – in einer Lebenswelt wiederzusehen, die damals unvorstellbar und auch unerreichbar war.

Alles in allem war es ein superschöner Abend. Und zudem ein mehrstündiges Abtauchen in eine längst vergangene Zeit. Auch nach der herzlichen Verabschiedung von den Frauen am Ende des Abends begleitete mich ein Gefühl der Melancholie und Nostalgie durch die Nacht. Ja, unsere Mädels-Klasse damals – die war schon was ganz Besonderes!

Nunmehr dürfte es nicht wieder fast drei Jahrzehnte dauern, bis sich der lustig-sympathische Weiberhaufen wieder trifft. Sicher wird es schon bald mal wieder – um es erneut mit Howie zu sagen – „Hello Again!“ heißen.  Auf bald also, Mädels!

Bildnachweis (Symbolfoto): picture alliance/dpa-Zentralbild

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Tiny House

Ein kleines Tiny-House am Waldrand, idyllisch platziert zwischen Feldern und Tannen und bestmöglich noch flankiert von vorbeischauenden Rehen: So romantisch werden die Mini-Domizile medial meist dargestellt. „Das ist weltfremde Träumerei“, sagt dazu Peter L. Pedersen, der mit seiner Firma Rolling Tiny Houses die gefragten Unterkünfte professionell ausstattet. Als Profi in Sachen Tiny House und profunder Kenner einer wachsenden Mini-Haus-Szene mag er der oftmals mit den außergewöhnlichen Häusern in Verbindung gebrachten Romantik so gar nichts abgewinnen. Im Gegenteil: Peter L. Pedersen verweist darauf, dass es einst die Not war, aus der die heute so beliebten Tiny-Häuser entstanden. Und zwar in den USA, in den Zeiten der Finanzkrise. Damals  verloren bekanntlich unzählige Amerikaner ihr Haus. Kleine mobile Unterkünfte waren für viele Gebeutelte die Rettung in der Not, so dass man Trailerparks für die Tiny Houses schaffte. Als Notprogramm. „Viele der rollenden Unterkünfte in diesen Parks haben nicht einmal Wasser oder Strom“, führt Pedersen aus, der nicht wirklich etwas für das kitschige Tiny-House-Klischee übrig hat. 

Falsche Vorstellungen vom Tiny-House an der Tagesordnung

Nicht zuletzt, weil er es nur allzu oft erlebt, dass Menschen mit falschen Vorstellungen zu ihm kommen und erwarten, für wenig Geld und Aufwand ein solches Häuschen erwerben zu können. 

Meist ist diesen Leuten gar nicht bewusst, dass man für ein Tiny-House eine Baugenehmigung benötigt. „Die braucht man in Deutschland – egal, ob ein Haus Räder oder Kufen hat“, weiß Peter L. Pedersen, der mit dieser Information schon so manchen potentiellen Käufer überrascht hat. Dazu kommt der Preis, der für jene unerwartet hoch ausfällt, die sich ihr Tiny-House hundertprozentig ökologisch ausstatten lassen möchten. „Diese Version ist die teuerste“, spricht Pedersen aus Erfahrung und verweist auf einen Kunden, für dessen gewünschte Öko-Version für ein Tiny-House letztlich um die 120.000 Euro auf der Rechnung standen. Mal eben einen Bauwagen mit Mobiliar ausstatten und ihn zum Wald ziehen, ist also nicht drin. Zumal es hierzulande auch gar nicht erlaubt ist, sich in Wald und Flur häuslich niederzulassen. 

Tiny House Innenraum

Paßgenau geplant, bietet ein Tiny House genügend Platz.

Nichtsdestotrotz spricht natürlich auch vieles für den Erwerb eines Tiny-Houses. Vor allem zu Vermietungszwecken, denn Übernachtungen in den kleinen außergewöhnlichen Quartieren sind äußerst gefragt. „Buchungen für Tiny-Houses überholen derzeit Buchungen für Ferienhäuser um Längen“, weiß Experte Pedersen und gibt Tipps, wie man mit professioneller Tiny-House-Vermietung stabile Einnahmen generieren kann.

Tiny-House vermieten – ein lohnenswertes Modell

Interessant dürfte das vor allem für jene sein, die auf ihrem Grundstück Platz haben oder ihre Ferienimmobilie in idyllischer Natur um ein solches Quartier erweitern wollen.  Steuerrechtlich wird die trendige Unterkunft als „mobil“ eingeordnet – so wie der Firmenwagen auch.  

Mit einem Tiny-House ist man vorsteuerabzugsberechtigt und kann dann mit 7 Prozent des Gastgeberzuschlages vermieten. Eine AfA – Absetzung für Abnutzung – wird über circa 8 Jahre gewährt. Um die 8.000 Euro AfA pro Jahr sind nach Abzug der Kosten denn auch als steuerfreie Einnahme drin.
Ein Modell, das genauer zu betrachten sich also durchaus lohnt. Nicht zuletzt deshalb, weil eine Übernachtung im Tiny-House ab circa 90-100 € zu Buche schlägt. Billig-Tourismus ist woanders!

Das zeigt sich auch an Pedersens neuestem Projekt – ein Tiny-House-Dorf, das er gerade am Plauer See in Mecklenburg-Vorpommern plant. In herrlicher Natur und mit eigener Marina können Interessierte hier ein Tiny-House erwerben, das sie selbst nutzen, aber auch vermieten können. Die Waldrandlage lädt zum Entspannen und „eins-sein-mit-der-Natur“ ein. Etwas, worauf jene, die mit einem Tiny-House liebäugeln, großen Wert legen. Die Eröffnung ist für 2020 angesetzt und noch können Grundstücke gepachtet werden. Steht dann ein komfortables Tiny-House drauf, dürften Urlauber, die sich für eine bestimmte Zeit in den charmanten Häusern einmieten, nicht lange auf sich warten lassen. Und wer weiß? Vielleicht sind das ja dann die Tiny-House-Käufer von morgen? 

Wer sich für Tiny-Houses begeistert, kommt meist nicht mehr los

Grünes Tiny House

Kompakt, komfortabel und im Grünen – so wünschen sich Tiny-House-Begeisterte ihr kleines Domizil.

Denn wer einmal Feuer und Flamme für diese Art der Unterkunft ist, wird vom Tiny-House nicht mehr loskommen. Auch davon weiß Pedersen zu berichten. Und er hat einen Tipp, für alle, die sich für ein Tiny-House begeistern: „Wie beim Autokauf die Probefahrt, so ist eine Probe-Übernachtung im Tiny-House unbedingt zu empfehlen.“ Er selbst bietet solche Übernachtungen schon seit geraumer Zeit an. Interessenten melden sich einfach über seine Homepage bei ihm. Unter dem Stichwort „Probewohnen“ sind dort zudem die wichtigsten Infos dazu zusammengefasst.

Experten beim Bau der kleinen Domizile zu Rate ziehen!

Wie wichtig es ist, einen Experten beim Bau der kleinen Domizile zu Rate zu ziehen, zeigt das Gespräch mit Jörg Angermann. Er ist mittlerweile darauf spezialisiert, Käufern der gefragten Domizile schon im Vorfeld als Experte zur Verfügung zu stehen. Als Zimmerer weiß er, worauf es beim Herstellen dieser Unterkünfte ankommt und geht die Konzeption des jeweilige Tiny-Houses mit seinem professionellen Know-How an. Im Gespräch gibt er einen Einblick in seinen beruflichen Alltag, in dem Tiny Houses mittlerweile eine große Rolle spielen.

FB: Herr Angermann – zum Thema Tiny-House hat Sie eigentlich Ihre Tochter gebracht. Wie kam es dazu?

Meine Tochter hat mir eines Tages ein Bild von einem ausgebauten Überseecontainer gezeigt und mich gebeten, ihr doch so etwas zu bauen. Der Container hatte ein Wohn- und Schlafbereich, Küche und einem kleinem Bad, sowie einer Holzterrasse über die gesammte Breite des Containers. Daraufhin habe ich mich zum ersten Mal mit dem Thema Tiny-Houses beschäftigt. Da ich noch ein altes Wohnwagengestell hatte, haben wir dann darauf ein TinyHouse geplant. Doch als ich mich dann mit einem Architekten und Statiker darüber unterhalten habe, wurde mir schnell klar, dass ich so nicht das geforderte Baurecht erfüllen kann.

Der Zimmerer hat besseres Gefühl für Statik

FB: Warum ist es so wichtig, beim Bau oder der Ausgestaltung eines Tiny-Houses einen Zimmermann zu Rate zu ziehen?

Tiny House im Grünen

So ein Tiny-House lässt Fans die Herzen der Mini-Haus-Fans garantiert höher schlagen!

Der Zimmerer hat ein besseres Gefühl für die Anforderungen der Statik, weil das ein Thema in der Ausbildung ist. Aus eigener Erfahrung mit Tischlern ist das in den meisten Fällen nicht gegeben. Es besteht doch ein gewaltiger Unterschied zwischen dem Bau von Möbeln und Dachstühlen.

FB: Wie läuft eine Beratung für potentielle Tiny-House-Kunden bei Ihnen ab?

Da ich zur Zeit ein Musterhaus von der Firma Rolling Tiny House bei mir auf meinem Grundstück stehen habe, lade ich alle Interessenten zu einer Besichtigung ein. So habe ich die Möglichkeit, ihnen unser Tiny-House im einzelnen vorzustellen. Da wir eine sehr umfangreiche Liste an Sonderausstattung haben, bitte ich sie, mir einmal per E-mail, ihre Wünsche aufzulisten, so dass ich dann ein individuelles Angebot für jeden Kunden erstellen kann. Welches dann in einem zweiten Termin persönlich besprochen wird.

FB: Wie gestaltet sich Ihre Zusammenarbeit mit Herrn Pedersen?

Herr Pedersen steht mir in der Beratung der Kunden zur Seite. Wir veranstalten zum Beispiel einmal im Monat gemeinsam einen Schautag in dem Musterhaus, das auf meinem Betriebsgelände steht.

FB: Gibt es bestimmte Vorhaben, die Leute gern für ihr Tiny-House umsetzen wollen, von denen Sie aber abraten würden? Wenn ja, was sind das für Pläne?

Ich bin der Meinung, dass ein Tiny-House, ein Singlehaus ist. Im Einzelfall spricht auch nichts gegen 2 Bewohner. Wenn aber einige Paare planen, ein Tiny-House mit ein oder zwei Kindern zu bewohnen, sehe ich das als problematisch an. Das mag ja alles noch funktionieren, wenn die Kinder klein sind, aber wenn sie dann älter werden, sollte auch genug Raum für die Kinder gegeben sein.

Moderne Nomaden sind mit Wohnwagen besser bedient

Genauso sehe ich es auch, dass ein Tiny-House nicht zum ständigen Reisen gedacht ist. Wenn man so etwas plant, sollte man sich einen Wohnwagen zulegen, der ist dafür besser geeignet.

FB: Was war das bislang ungewöhnlichste Tiny-House, das Sie umgesetzt haben?

Bis jetzt gab es noch keine ungewöhnlichen Wünsche.

FB: In Sachen Aus- bzw. Neubau solcher Domizile – wohin geht der Trend? 

Innenraum Tiny House

Komfort auf kleinstem Raum – das zeichnet ein gutes Tiny House aus

Ich gehe davon aus, dass sich der Trend weiter entwickelt, vorausgesetzt, dass sich das Baurecht und die Einstellung der Gemeinden, im Bezug auf Tiny-House Dörfer oder Stellplätze flexibler gestaltet. Viele Gespräche mit unseren Kunden scheitern am Ende an den zuständigen Bauämtern oder Gemeindevertretern, die sich gegen eine Ansiedlung von Tiny-Houses sträuben.

In vielen Städten besteht einfach ein großer Mangel an bezahlbarem Wohnraum, den man mit möglichen Stellflächen etwas entschärfen könnte. So hätten junge oder auch ältere Menschen die Möglichkeit, eigenständig zu wohnen.

Im Tiny-House wohnen oder Mini-Domizil vermieten – vieles ist möglich

Eigenständig in einem Tiny-House wohnen, ein solches Domizil als flexible Platzreserve vorhalten oder eben gewinnbringend als Ferienunterkunft vermieten – die Möglichkeiten im Zusammenhang mit dem attraktiven Mini-Haus sind vielfältig. Bleibt die Frage, wie man ein solches Projekt am besten finanzieren kann? Hier haben wir mit Finanzexpertin Corinna Lindenblatt gesprochen.

Die Fachberaterin für Finanzdienstleistungen widmet sich seit mehreren Jahren dem Schwerpunkt Baufinanzierung und betreut mit ihrem Unternehmen Bauherren und Immobilienkäufer im Bereich der Immobilienfinanzierung.

Nachfrage für Finanzierung der kleinen Domizile etabliert sich

Seit geraumer Zeit spielen auch Finanzierungen für Tiny-Houses eine Rolle. Hierzu haben wir die Fachfrau (im Bild) befragt.

Corinna Lindenblatt

Corinna Lindenblatt steht Interessenten und Käufern in Sachen Finanzierung Tiny House beratend zur Seite.

FB: Frau Lindenblatt, Tiny Houses sind im Moment in aller Munde, aber wie sieht es mit der Finanzierung aus? Immerhin sind die kleinen Domizile mit guter Ausstattung nicht billig – finanzieren sich das schon etliche Leute? 

Die Tiny Houses sind deswegen beliebt, weil sie multifunktional sind. Sie werden u.a. als Erst- oder Zweitwohnsitz genutzt, als Arbeitsplatz oder als Datscha. Verbreitet ist die Vorstellung: Kleine Immobilie, kleines Geld. Aber so einfach ist die Finanzierung aus Sicht der Banken nicht. Die Einnahmen-Ausgaben-Rechnung muss auch hier stimmen, weshalb man stets einen unabhängigen Finanzdienstleister hinzuziehen sollte. Und grundsätzlich gilt natürlich: Ohne ein belastbares und nachhaltiges Einkommen wird man bei der Finanzierung eines TH nicht weit kommen.

FB: Gibt es aktuell eine spezielle Tiny-House-Finanzierung?

Banken, die mit ökologischer oder ethischer Nachhaltigkeit werben, erwecken gern diesen Eindruck. Aber hinter den vermeintlich neuen Produkten steckt nicht mehr als ein normaler Ratenkredit (oder Konsumentenkredit). Wichtiger als die Modenamen ist der Sachverstand im Umgang mit den verschiedenen Möglichkeiten.

Vermeintlich neues Produkt ist meist Raten- oder Konsumkredit

Dazu ein paar Orientierungspunkte:

(1) Das Eigenheimmodell: Wird das TH fester Bestandteil des eigenen Grundstücks, machen die Banken typischerweise keinen Unterschied zwischen dieser und anderen Immobilien. Ein hierfür aufgenommener Kredit wird mittels einer Hypothek oder einer Grundschuld abgesichert. Der Wert des Hauses bzw. des Grundstücks dienen dabei als Sicherheit für das Darlehen. Typischerweise kann der Kunde aus einem breiten Angebot auswählen – und auch hier sollte man sich von einem unabhänigen Experten beraten lassen. 

(2) Das Parkmodell: Wenn das TH auf einem eigenen Grundstück nur dauerhaft „geparkt“, d.h. nicht fest mit dem Grundstück verbunden wird, kann man mitunter trotzdem ein Immobiliendarlehen und damit ein grundbuchlich abgesichertes Darlehen nutzen. Allerdings kommt das TH selbst nicht mehr als Sicherheit in Frage. In diesem Fall muss der Wert des Grundstücks allein als Sicherheit für die Finanzierung herhalten, damit diese Lösung realisiert werden kann. 

(3) Das Pachtmodell: Zusätzliche Belastungen treten dann auf, sofern der Wert des Grundstücks als Sicherheit für die Bank nicht ausreicht oder ein Grundstück gepachtet bzw. gemietet werden muss. Dann bleibt nur der Weg über einen normalen Raten- oder Konsumentenkredit. Da die Bank keine Sicherheit erhält, fällt der Zinssatz höher aus als bei einem Immobiliendarlehen. Zudem setzt ein solches Darlehen eine entsprechende Bonität des Kunden voraus.

(4) Das Wohnmobilmodell: Soll das Tiny House mobil bleiben, muss es für den Straßenverkehr zugelassen werden. Dafür bedarf es eines Fahrzeugbriefs. Zur Finanzierung kommt neben dem Ratenkredit hier auch die Leasing-Option ins Spiel. Diese Variante bietet sich vor allem dann an, sofern man das Objekt als Büroraum oder als Ferienwohnung nutzen möchte.

FB: Was empfehlen Sie Leuten, die sich ein Tiny-House kaufen und finanzieren wollen? Worauf sollte man achten?

Die Finanzierung von Immobilien ist ein bisschen wie Pokern: Man sollte den anderen Mitspielern nicht zu viele Informationen geben. Sich nach dem Trial-and-Error-Prinzip als Kunde von Bank zu Bank durchzufragen, schmälert schnell den eigenen Handlungsspielraum gegenüber den Banken; zumal jede Absage die Aussicht auf eine gute Finanzierung verringert.

Beratung von unabhängiger Seite macht sich bezahlt

Gerade auch beim Tiny House macht sich Beratung von unabhängiger Seite bezahlt, denn es geht um die Erstellung passförmiger Angebote, die in einer glaubwürdigen und gut dokumentierten Geschichte zusammen mit den Kunden erarbeitet und dann maßgeschneidert für den jeweiligen Kredit der Bank präsentiert werden sollten. So lässt sich Erfolg planen…so dass dem Umzug ins kleine Glück nichts mehr im Wege steht.

FB: Können Sie eine Beispiel-Rechnung für ein Tiny-House mit guter Ausstattung aufmachen?

Gern. Die folgenden zwei Beispielrechnungen sind hoffentlich geeignet, einen ersten Eindruck zu vermitteln. Die erste bezieht sich auf ein Immobiliendarlehen (A), die zweite auf einen Raten- bzw. Konsumentenkredit (B)

A)

Darlehens-und Auszahlungs-summe Zinssatz soll Zinssatz eff Rate monatlich Zins-

bindung 

Laufzeit  Gesamtkreditbetrag (Auszahlungssumme plus Zinsen
60.000 € 1,36% 1,41% 381,00 15 Jahre 15 Jahre 66.138 €

(Notar-und Grundschuldkosten kommen noch hinzu für die Sicherheitenstellung)

B)
Darlehens-und Auszahlungs-summe Zinssatz soll Zinssatz eff Rate 

monatlich

Zins-

bindung 

Laufzeit  Gesamtkreditbetrag (Auszahlungssumme plus Zinsen
60.000 € 3,48% 3,43% 804,48 84 Monate  84 Monate 67.576,24€

Wir bedanken uns bei Frau Lindenblatt, Herrn Pedersen und Herrn Angermann ganz herzlich für die umfassenden Informationen und freuen uns, wenn wir dem einen oder anderen Tiny-House-Begeisterten wertvolle Inputs geben konnten.

 

Bildnachweis:

Rolling Tiny House GmbH 2019, Baufinanzierung Wenzel

 

 

 

 

 

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„Kollege ist hinter`m nächsten Regal“. Diese Antwort bekam ich gestern im Leipziger Bauhaus, als ich Schwimmwesten kaufen wollte. Nicht für mich, nein – ein Freund hatte ein sehr günstiges Angebot dieser Westen gesehen und bat mich, diese mitzubringen. Er wohnt auswärts und hatte die Offerte bei einem Leipzig-Trip gesehen, aber nicht zugeschlagen. Hinterher ärgerte er sich und bat mich um diesen Gefallen.

Kollege hinterm nächsten Baumarkt-Regal

Da sich das Bauhaus in Leipzig im Sachsenpark befindet und ich dort häufig einkaufe, war es für mich kein Problem, dorthin zu gehen und zu schauen, ob die Schwimmwesten im Angebot noch zu haben waren. Ich ging also erst einmal schnurstracks zur Info und fragte. Dort verwies man mich an den Kollegen in der Nautic-Abteilung, der sogar zu sehen war. In einer Beratung mit einer Kundin. Nun, kein Problem – ich ging dorthin und wartete. Es dauerte und dauerte und dauerte und dauerte. Eine kurze Gesprächspause des Mannes nutzte ich und fragte nach dem Angebot.

„Kollege hinterm nächsten Regal“ war die Auskunft. Ich verstand und nahm Kurs auf das besagte Areal. Wenig überraschend – da war niemand. Allerdings stand ein paar Meter weiter eine junge Frau, die ziemlich viel Zeit auf die Betrachtung ihrer Fingernägel verwendete. Ich sprach sie an. Sie wusste von dem Angebot allerdings auch nichts, wollte sich aber mit der einfachen Ausrede á la „Kollege kommt gleich“ aus der Affäre winden. Ich sagte ihr – mittlerweile ziemlich verärgert – dass ich nun schon zweimal hin- und hergeschickt wurde. Sie rief dann einen Kollegen an, der aber erst einmal an mir vorbei ging (wie sich herausstellte, wartete noch ein andere Kunde auf ihn), sich aber danach meinem Anliegen widmete.

Genervt vom unzureichenden Service im Baumarkt

Die Westen waren nicht mehr da. Aha. Fast zwanzig Minuten hatte ich also gewartet für diese Auskunft. Ich war natürlich angesäuert, obwohl ja der Mitarbeiter nichts dafür kann, dass die Dinger nicht (mehr) vorrätig waren.

Genervt war ich trotzdem.

Nicht zuletzt deshalb, weil das nicht meine erste schlechte Erfahrung mit diesem Baumarkt war. Da ich aufgrund von Renovierungs- und Verschönerungsarbeiten an Haus, Hof und Garten immer mal in den Baumarkt muss, bin ich öfter bei Bauhaus und war schon enttäuscht, wie man sich verhielt, als ich – nur wenige Wochen zuvor – Rollrasen dort ordern wollte. Ich wollte das gepflegte Grün natürlich für einen bestimmten Tag ordern, da man beim Rollrasen zumeist auch einen Bagger benötigt und dieser ja auch terminiert werden muss.

Zurückversetzt in die DDR

Frohgemut ging ich damals in das besagte Bauhaus, um den Rollrasen, den ich mir vorher im Web auf der Bauhaus-Seite ausgesucht hatte, zu bestellen. Ich nannte meinen Terminwunsch. „Das klappt nicht“ sagte mir darauf eine Verkäuferin konsterniert und ich fühlte mich schlagartig in alte DDR-Jahre versetzt. „Ein Liefertermin kann nicht genannt werden“ schob sie nach und die DDR rückte mir gefühlt auf den Pelz.

Als Grund nannte sie die Spedition. Als ich danach fragte, ob sie das mit der Spedition klären könnte, wandte sie sich, aber ich ließ nicht locker und bat, meinen Wunsch-Termin doch mal mit der Spedition abzuklären und mir dann eine E-Mail zu schreiben, ob es klappt und gab ihr meine Visitenkarte. Einige Tage später trudelte die Antwort ein. Es klappte natürlich nicht. Nun gut, ein Mausklick und ich hatte eine Firma im Internet gefunden, die mir den gewünschten Rollrasen zum Wunschtermin liefern könnte. Aus NRW. Ich – die ich bevorzugt in heimischen Gefilden einkaufe – schlug zu. Mir was es dann auch schlicht egal, woher der Rasen kommt, ich hatte den Termin zu halten, an dem ich den Bagger gebucht hatte und gut war.

Viele Kunden wandern ins Internet ab

Es klappte alles hervorragend, bis heute erfreue ich mich hochzufrieden an dem Rollrasen. Und wandere mehr und mehr ins Internet ab, um etwas einzukaufen. Und daran ist nicht mal nur Bauhaus schuld, nein! Zumal sich die Baumärkte hinsichtlich dem Agieren mit Kunden nichts nehmen, oft genug erlebe ich es, dass die Mitarbeiter in solchen Märkten vor dem Kunden weglaufen. Ob bewusst oder unbewusst sei dahin gestellt. Erst kürzlich machte ich einmal mehr eine kundenunfreundliche Erfahrung in einem Leipziger OBI-Markt am Holzzuschnitt. Ich wollte mit meiner Familie dort eine Fensterbank zuschneiden lassen und traf vor der Holzzuschnitt-Abteilung auf bereits drei wartende Kunden.

Wir gesellten uns dazu und warteten auch erst einmal. Es vergingen fünf Minuten, zehn, fünzehn….Die Leute waren genervt und wurden unruhig. Hier hieß es nun: „Selbst ist die Frau!“ Irgendwann lief ein paar Meter weiter ein Mitarbeiter vorbei, schnurstracks in Richtung Mitarbeiter-Lager und vermied – wie ich fand – zwanghaft den Blick zu den Wartenden vorm Holz-Zuschnitt. Ich nutzte die Gunst der Stunde und sprach ihn laut an, über die wenigen Meter der Entfernung hinweg, bis zu ihm. „Hallo, wir warten hier schon ziemlich lange – könnte jemand zum Holz-Zuschnitt kommen?“ rief ich. Und siehe da: Der Mann kam. Und bediente einen nach dem anderen.

Viele Mitarbeiter ständig am Telefon

Warum er uns zunächst ignorieren wollte, bleibt sein Geheimnis. Ebenso wie die vielen telefonierenden Mitarbeiter in Baumärkten – ganz gleich welcher Marke – die man schon deshalb nicht ansprechen kann, weil sie eben das Telefon am Ohr haben. Ergibt sich eine kurze Gelegenheit, durch fragende Blick die Aufmerksamkeit solcher (gefühlten) Dauertelefonierer zu erlangen, hört man meist immer dasselbe:

„Kollege ist hinterm nächsten Regal“.

Bildnachweis: picture alliance / Arco Images GmbH

 

 

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Roboter

Bei diesem heutigen Beitrag handelt es sich um meine subjektive Meinung. Normalerweise resümiere ich gerne über Schwierigkeiten zwischen Männern und Frauen und sehe die Dinge mit viel Humor. Aber das nachfolgende Thema beschäftigt mich seit einiger Zeit sehr, und darum möchte ich es heute ein wenig erörtern. Danke, dass Sie mir Ihre Zeit schenken.

„Wasser kochen auf die smarte Art! Steuern Sie die Wassertemperatur mit Ihrem Smartphone“, prangte es mir gestern auf der Amazon-Website entgegen, wo mir vorgeschlagen wurde, ich solle doch endlich wieder mal etwas kaufen. Die drehen immer durch, wenn sie zwei Wochen nichts von mir hören…Neugierig geworden, las ich die Beschreibung und musste schallend lachen. Der angepriesene Wi-Fi-fähige Wasserkocher kann mittels App gesteuert werden, indem man Wassertemperatur und Warmhaltezeit damit regelt. Gedankenverloren sah ich mich nachmittags im Büro sitzen und denken: „Wäre doch nett, wenn ich jetzt bei mir zuhause einfach schnell den Wasserkocher einschalte. Weil ich es kann.“ Amazon: So wird das nichts mit uns, denn ehe dieses Gerät nicht zur Spüle fliegen und sich auffüllen oder entkalken kann, bin ich nicht interessiert, obwohl ich ein Faible für alles habe, das mit Elektronik zusammenhängt.

Ich führe einen modernen Haushalt. Sämtliche Unterhaltungselektronik in meinen Räumen ist mittels W-LAN und Bluetooth vernetzt, Lautsprecher und Anlagen untereinander gekoppelt. Der Bluray-Player erledigt seine Updates mit der aktuellen Firmware selbsttätig, mit dem Fernseher kann ich aufs Internet zugreifen, und auf meinem Handy sind über 12.000 Musiktitel gespeichert und zu Playlists sortiert, die ich auf meine bluetoothfähigen Geräte schicke, um beim Putzen gute Laune zu kriegen. Selbstverständlich trage ich hierbei einen schnurlosen Bluetooth-Kopfhörer mit dem ich auch telefonieren kann.

Vielleicht erkennt man daran, dass ich alles andere als ein Technikmuffel bin, denn alles Neue hat mich schon immer fasziniert.

Jede technische Errungenschaft wurde begeistert angenommen, weiterentwickelt und hat sich in beinahe allen Haushalten etabliert wie zum Beispiel Mikrowellengeräte, Waschmaschinen (meine Mama kochte die Unterwäsche noch in einem riesigen Topf auf dem Herd aus…), Farbfernseher, Videokassetten, CDs, DVDs, USB-Sticks, DVD-Player, Smartphones, Skype oder Computerspiele mit täuschend lebensechter Graphik.

Mein erster PC hatte eine Festplattengröße von 750 Megabyte. Das war damals schon was. Heutezutage reicht das gerade mal für ein einziges meiner Buch-Manuskripte mit 400 Seiten Text. Computer machten uns das Leben in einigen Bereichen tatsächlich leichter, wenngleich ich nach wie vor auf das „papierlose Büro“ warte. Ich kenne genügend Unternehmen und Behörden, in denen eingegangene Emails immer noch zur Sicherheit ausgedruckt und in Leitz-Ordnern archiviert werden. Man kann ja nie wissen…

1980 war das Verzeichnis sämtlicher Telefax-Anschlüsse in Deutschland ungefähr 4 Millimeter dick, ein kleines dünnes Heftchen in der Stärke eines Mickey-Mouse-Comics. In den 20 darauffolgenden Jahren wurde aus diesem schmalen Bändchen ein Nachschlagewerk mit dem Umfang des „Großen Brockhaus“, ist aber seit der Einführung des elektronischen Schriftverkehrs wieder auf die 4-Millimeter-Größe zusammengeschrumpft. Tempora mutantur. Zeiten ändern sich.

Vor 10 Jahren schaffte ich mir eine neue Küche mit einem intelligenten Ceranfeld an. Besagtes Ceranfeld brachte mich im Laufe der Zeit zur Weißglut. Gleich ob ich Schnitzel briet oder Nudeln kochte: Ein Spritzer Fett oder Wasser an der falschen Stelle, und das Ding schaltete sich ab. Wenn die wenigstens einen Warnton eingebaut hätten oder eine blecherne Stimme, die mich aufklärt, wie zum Beispiel: „Sie haben soeben Ihren Herd mit billigem Olivenöl verschmutzt. Reinigen Sie sofort Planquadrat 142 b mit einem feuchten Lappen. Und kaufen Sie künftig extra vergine, Sie Prolet!“ Aber das Ding schaltete sich völlig lautlos aus. Dann starrte man seine Putenschnitzel ratlos an, weil die nach 10 Minuten immer noch schneeweiß waren, bis einem auffiel, dass das Fett in der Pfanne so still ruhte wie der Bodensee an einem nebligen Tag.

Außerdem besaß mein Ceranfeld eine Kindersicherung. Es war wie mit allem, wo „Kindersicherung“ draufsteht: Ich komme damit nicht klar. Das gilt auch für Putzmittel-Verschlüsse, Rohrreiniger-Deckel und Autotüren. Häufig aktivierte ich diese Kindersicherung am Herd versehentlich und konnte dann den Rosenkohl solange nicht dünsten, bis ich eine halbe Stunde lang ratlos auf dem Bedienfeld herum getippt und einen Zufallstreffer gelandet hatte. Die Gebrauchsanleitung für das Ding habe ich nie wieder gefunden, die fürs Backrohr auch nicht. Wer liest denn sowas überhaupt?

Aber dieses boshafte Ceranfeld war nur ein Vorläufer auf dem Weg zum smarten Haushalt. Sie müssen sich heutzutage nicht mehr ächzend vom Sofa hochquälen, um in Ihrem schmucken Eigenheim die Schotten dichtzumachen, nein, Ihre Rollläden können Sie mittlerweile auch von Teneriffa aus schließen oder öffnen. Mitten in der australischen Wüste ist es Ihnen möglich, Ihre Beleuchtung zuhause einzuschalten, um Langfinger zu verunsichern, oder Sie lehnen sich auf Sylt entspannt im Strandkorb zurück, während Sie auf Ihrem Tablet mittels Überwachungs-App und Webcam Ihre siebzehn Katzen beobachten. Ist aber langweilig, die schlafen immer nur.

Smarte Kühlschränke mit Wi-Fi-fähigem Touchscreen und Innenkamera sind der letzte Schrei. Touchscreen! Und Internet! Wird dieser intelligente Kühlschrank dann meinen geliebten Weihenstephan-Quark mit Pfirsich-Maracuja oder „Creme-Fine“-Sahne nachbestellen, wenn das Zeug alle ist? Schickt er mir eine Whats-App-Nachricht, falls die H-Milch ausläuft oder das Haltbarkeitsdatum der Wurst abgelaufen ist? Vermutlich demnächst. Aber unter Umständen erfahre ich über die Innen-Kamera endlich, ob die Beleuchtung ausgeht, wenn ich die Tür schließe. Das wollte ich schon immer wissen.

Die gängige Definition von „smart“ ist „gewitzt oder „geschäftstüchtig“. Ich brauche aber keinen kalauernden, geschäftstüchtigen Kühlschrank, sondern einen kalten.
Da bin ich altmodisch.

Mein Staubsauger-Roboter reinigt die Wohnung nach einem System, das ich bis heute nicht durchschaue. Vor allem würde mich interessieren, warum ich ihn bei jeder Runde vom Boden des Badezimmers pflücken muss, weil er einfach die Tür aufschiebt und sich reinschleicht. Außerdem ist der kleine Mistkerl so flach, dass er sich ständig verirrt und ich ihn dann nicht wiederfinde. Er verklemmt sich zwischen Fliesen und Küchenschrank, schiebt das Tablett mit dem Katzenfutter unter die Spüle, und manchmal habe ich den Eindruck, dass er mir hinter der Türe auflauert mit seinem blinkenden leuchtend blauen Auge. Aber das bilde ich mir bestimmt nur ein. Intelligent ist er jedenfalls nicht. Ich bin übrigens auch nicht scharf drauf, dass der zur KI mutiert. Nichts könnte ich weniger brauchen als ein Haushaltsgerät, das mir nachmault. Dafür gibt es schließlich Kinder.

Wir dürfen uns zweifelsohne darauf einstellen, in Zukunft mit noch mehr smarten Geräten im Haushalt überrascht zu werden. Ich sehe mich schon vor meinem ultramodernen Kühlschrank stehen, der mir das Öffnen verweigert, geschweige denn eine Flasche Bier rausrückt, weil ich heute noch nicht die erforderlichen 30 Minuten auf dem Trimmrad absolviert habe – das übrigens ebenfalls smart ist, mich nach dem Aufsteigen umgehend wiegt und mich während des Trainings daran erinnert, was zu trinken. Wasser natürlich. An das Bier komme ich ja nicht ran, weil der hinterfotzige Heimtrainer mich beim Kühlschrank verpetzt hat. Demnächst erscheint dann die Meldung auf dem Wi-Fi-fähigen Touchscreen meines Kühlschranks, dass beim dritten Verstoß gegen die – nur gutgemeinten – Fitnessregeln ab sofort mein Fernsehkonsum eingeschränkt wird, woraufhin sich das TV-Gerät nicht mehr einschalten lassen wird, ehe ich nicht eine Stunde geradelt bin.

Das kann ja heiter werden.

Alle meine coolen Haushaltsgeräte werden sich zusammenschließen und mir das Leben zur Hölle machen. Vielleicht mault der innovative Elektroherd, wenn ich ein Stück Butter in die Pfanne werfe, um mir ein Ei zu braten (gesetzt den Fall, der Kühlschrank lässt sich öffnen, weil er noch nix vom Hometrainer gehört hat…) und informiert mich mit blauer LED auf schwarzem Grund, dass ich meine erforderliche Anzahl an Kalorien heute schon zu mir genommen habe?

Unbedingt auf die Einkaufsliste setzen: Gaskocher.

Wird die smarte Toilette meine Ausscheidungen wiegen, dem Hausarzt meine Harnsäurewerte melden und mir anschließend Intimdusche und Pilzkur verpassen? Ich habe mir sagen lassen, in Japan funktioniert das beinahe schon. Aber ich brauche kein Klo, das mir dreinredet. Da hätte ich auch bei meiner Mutter wohnen bleiben können. Werden sämtliche (mir abgenötigten) Daten irgendwo gesammelt, vielleicht beim Gesundheitsministerium, und ich werde dann zur Strafe für meinen ausufernden Lebenswandel wegen der vielen Marillenknödel und den Linguini in Sahnesauce jährlich sechs Wochen in einer Gesundheits-Anstalt interniert, wo mir gesunde Ernährung und Körper-Ertüchtigung beigebracht wird?
Ja, lachen Sie nur… Und warten Sie ab.

Wie geht es mit smarten, demnächst vorgeschriebenen Stromzählern weiter, die dem E-Werk melden, wann ich etwas einschalte, und wie lange? Kriege ich am Ende jedes Quartals ein Schreiben mit der Mahnung, nicht so viel fernzusehen, weil mit der Energie, die ich eben mit „Two and a half men“ verbraucht habe, die Klimaanlage eines Krankenhauses in Neu-Delhi betrieben werden könnte und ich mich schämen soll, nur so als Beispiel? Und wenn ich überdurchschnittlich viel Strom verbrauche im Dezember, weil mich wieder der Backwahn gepackt hat, darf ich dann dafür anschließend weniger Musik hören oder muss die elektrische Lichterkette für den Weihnachtsbaum im Karton lassen? Ich frage für einen Freund.

Ja, verrückte Gedanken, ich weiß. Aber so verrückt nun leider auch nicht. Nicht mehr. Nicht in dieser veränderten Welt, wo Daten das neue Erdöl sind und mir ein bekannter junger Philosoph erklärt, dass Menschen Verbote lieben. Herr Precht, rufen Sie mich doch mal an bitte. Die Redaktion hat meine Nummer.

Seit ein paar Wochen besitze ich einen Stand-Ventilator von Dyson. Er reinigt angeblich 290 Liter Luft pro Sekunde mit einem speziellen Hepa-Filter und wird über eine App gesteuert, die mich über Raumtemperatur, Luftqualität und Luftfeuchtigkeit informiert. Außerdem zeigt mir die App auf Wunsch die Luftwerte vor meiner Haustür an. In letzter Zeit lande ich häufig bei „befriedigend“, das ist eine Stufe vor „geht gerade noch, demnächst kippst du wahrscheinlich um“, aber das liegt vermutlich am Landwirt gegenüber, der mit seinem vollen Güllefass unter meinem Schlafzimmer auf- und abfährt.

Ich bin irgendwie gar nicht mehr so entzückt über die technischen Neuerungen wie früher, als ich freudestrahlend den ersten Walkman in den Händen halten durfte. Es geht so schrecklich schnell. Alles.

Viele Innovationen durfte ich in den letzten Jahren miterleben. Etliche habe ich begrüßt, einige skeptisch belächelt wie zum Beispiel den „smarten“ Wasserkocher, dessen praktischer Nutzwert sich mir nach wie vor verschließt, andere machen mir Angst. Denn die Forschung beschränkt sich nicht nur auf den Haushalt und möchte uns das Leben erleichtern, im Gegenteil: Oftmals bekommen wir nur die „Abfallprodukte“ ab. Obwohl ich bis heute nichts gegen Teflon sagen kann, das wir eigentlich der bemannten Raumfahrt zu verdanken haben. Aber in Wirklichkeit geht es um die ganz großen Dinge, um das Weiterführende, um die entscheidende Konsequenz all dessen, das wir uns aneignen, das wir freudig und leichtfertig übernehmen. Wir müssen nur diese Gedanken alle zu Ende denken.

Der gegenwärtige Zustand erinnert mich an den regelmäßig zu hörenden Satz in amerikanischen Kriminalfilmen: „Alles, was Sie aussagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden.“

Diesen Satz modifiziere ich wie folgt: „Jedes Gerät, das Sie benützen, alle Daten, die Sie preisgeben, können vor Gericht und im realen Leben ebenfalls gegen Sie verwendet werden.“
Ich bin nämlich schon lange nicht mehr der Ansicht, dass alle Regierungen auf diesem Planeten es nur gut mit uns meinen. Und ich erspare uns heute alle Ausführungen über Alexa, Siri oder Echo. Das würde den Rahmen sprengen.

In Japan laufen seit einigen Jahren Langzeit-Experimente mit Pflege-Robotern, da das Land überaltert und qualifiziertes Personal in Seniorenheimen rar ist.
Erst kürzlich sah ich einen Film über einen humanoiden Roboter, der beeindruckend menschlich wirkte. Die Frau, nach deren Vorbild er gebaut worden war, stand daneben und lächelte in die Kamera – der Unterschied war marginal. Ich hatte Mühe, zwischen Roboter und echter Frau zu unterscheiden.

Wer hätte sich vor 20 Jahren träumen lassen, dass in Deutschland mittlerweile Bordelle eröffnet werden, in denen man mit täuschend lebensechten Silikon-Puppen Sex haben kann? Der Betreiber einer solchen Einrichtung ist fein raus: Keine Gesundheitsuntersuchungen beim Gynäkologen, keine Sozialabgaben, keine nörgelnden „Angestellten“, die auf freie Tage bestehen, nur gelegentlich etwas Puder an den wichtigen Stellen, und fertig ist die Laube. Unsere schöne neue Welt ist auch sehr arbeitgeberfreundlich, wissen Sie. Und dabei rede ich noch nicht mal von Kassen zum Selbst-Scannen oder Geldautomaten.

Wir sind ganz schön überflüssig geworden…

Die zwingende Folgerung aus dieser Art des Sexbetriebs werden täuschend menschenähnliche Sex-Roboter sein müssen. Wussten Sie, dass diese lebensechten Silikon-Puppen mit atemberaubenden Figuren, die es mittlerweile für ungefähr 5000 Euro zu kaufen gibt, ursprünglich für Frauen konzipiert worden sind? Die Erfinder gedachten, damit in eine Marktlücke zu stoßen (Entschuldigung), mussten aber feststellen, dass das weibliche Geschlecht beeindruckend wenig für blauäugiges Silikon mit künstlichem Dreitagebart und zerzausten Haaren in Boxer-Shorts übrig hatte, und wären deshalb beinahe pleite gegangen. Danach entschlossen sie sich, Sexpuppen für Männer zu bauen und hatten eine Goldgrube entdeckt. Aber davon ein andermal.
Diese Sexpuppen werden nicht lange stumm bleiben und nur verkrampft lächeln, denn ein bisschen Applaus wünschen sich doch die meisten Männer. Also werden sie in absehbarer Zeit einen Sprachchip erhalten und vielleicht sogar glücklich stöhnen können.

Eventuell werden bald die ersten mit den Zehen zucken oder sich mit den Fingern in den Rücken ihres Besitzers krallen, verschämt die Augen schließen oder um mehr betteln.
Die Sex-Roboter werden kommen. Ich nehme jede diesbezügliche Wette an, meine Damen. Kein umständliches Dating, keine Emails oder Whats-App-Nachrichten, keine mit der letzten Kohle gekauften Blumensträuße, keine Eifersuchts-Szenen, kein Theater, wenn „Mann“ Fußball gucken will. Im Grunde sind diese Puppen für einige Männer der feuchte Traum schlechthin. Die wollen ohnehin nicht reden…

Und ich freue mich auf den Tag, an dem die erste Frauenrechtlerin eine Klage vor dem höchsten Gericht anstrengen wird, weil bezahlter Sex die Persönlichkeitsrechte der Puppe verletzt. Auch darauf nehme ich jede Wette an. Frau Schwarzer, können Sie mich hören?

Das wird alles noch so irre werden, dass man es sich nicht mal vorstellen kann. Glauben Sie mir.

Aber jetzt muss ich ernst werden: Alles, das uns das Leben erleichtert, kann genauso gut gegen uns verwendet werden. Mikrowellen beispielsweise erhitzen nicht nur unseren Kakao:
Das Active Denial System (ADS) ist eine US-amerikanische nicht-tödliche Anti-Personen-Strahlenwaffe, die durch starke und gerichtete Mikrowellen wirkt. Das ADS arbeitet mit Mikrowellen einer Frequenz von 95 Gigahertz, die mit einer Antenne auf menschliche oder andere Ziele in einer Entfernung von mehr als 500 Metern gerichtet werden können. Haushalts-Mikrowellengeräte arbeiten dagegen bei 2,45 Gigahertz. Nach Aussage von Befürwortern sollen dabei keine bleibenden Schäden auftreten. (Quelle: Wikipedia)

Denken Sie daran, wenn Sie die Kartoffeln vom Vortag aufwärmen. Jedes Ding hat zwei Seiten. Nicht nur Ihr Gemüsebratling…

Kennen Sie übrigens „FEDOR“ („Final Experimental Demonstration Object Research“)? Es handelt sich hierbei um einen russischen Kampfroboter, der ständig weiterentwickelt wird.

Bei Interesse können Sie gerne auf YouTube FEDOR beim Schießen, Kämpfen oder Autofahren bewundern. Er turnt übrigens auch, zwar noch ein wenig ungelenk, aber was ihm an Grazie fehlt, macht er durch mechanische Kraft wieder wett. FEDOR lässt sich niemals ablenken, er braucht bei Regen keinen Schirm, kriegt nie Grippe oder Muskelschwund geschweige denn Burnout oder eine posttraumatische Belastungsstörung, FEDOR hat niemals Hunger oder Durst, und: FEDOR hat keinerlei Gefühl. Gar keines. Er wird immer genau das tun, was sein Programmierer ihm aufträgt, und wie ich Menschen kennen und fürchten gelernt habe, werden das nicht die bekannten „Robotergesetze“ von Isaac Asimov sein, die da lauten:

1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert. (Quelle: Wikipedia)

Das alles hat ein findiger Hacker im Nullkommanix geändert…

„FEDORS 180 cm großer Körper ist menschenähnlich und mit einem Sensorsystem sowie Kraftrückkopplung ausgestattet, um sich in für Menschen gebauter Infrastruktur bewegen und mit Werkzeugen und Geräten arbeiten zu können. Gedacht ist FEDOR nicht nur als um sich schießender Robotercowboy oder Polizist, sondern als Rettungsroboter, als Assistent für Astronauten, zum Minenräumen oder für die Arbeit etwa in Umgebungen wie AKWs, die für Menschen zu gefährlich sind. Einsatzbar soll er auch autonom sein, aber er soll auch die Bewegungen eines Menschen in großer Entfernung nachahmen können. Schließlich soll er auch in den Weltraum als Hilfsastronaut und anstelle von Astronauten die ersten Testflüge des Raumschiffs Federazija durchführen.“ (Quelle: Wikipedia)

FEDOR ist nicht allein, das kann ich Ihnen versichern. Machen Sie sich einfach die Gaudi und suchen Sie „Kampfroboter“ bei Google oder YouTube. Und gruseln Sie sich anständig.
Im Grunde genommen ist FEDOR nur der böse große Bruder der Pflegeroboter in japanischen Seniorenheimen. „Robo-Cop“ war gestern. Auf uns wartet eine kalte Zukunft, fürchte ich. Das Schlimmste für mich ist eigentlich, dass viele diese Entwicklung begrüßen werden.

Wenn ich’s nur glauben könnte, das mit dem Minenräumen oder den Arbeiten in AKWs. Ich habe eher den Verdacht, dass FEDOR demnächst auf irgendeinem Schlachtfeld über die Köpfe seiner erlegten Kombattanten steigt und diese, ohne hinzusehen, zertritt, oder eine Demonstration mit Regime-Kritikern aufmischt. Vielleicht habe ich aber auch nur „Terminator“ einmal zu oft angeschaut.

Das derzeitige Meisterstück der amerikanischen Firma „Boston Dynamics“ ist momentan „Atlas“, ein von Boston Dynamics im Auftrag der US-amerikanischen Defense „Advanced Research Projects Agency“ entwickelter humanoider Roboter. Ein anderes, vierbeiniges Modell derselben Firma nennt sich „Spot“ und dient (angeblich) nur niederen Arbeiten wie dem Transport von Gütern (selbstverständlich wird Spot nur Verbandsmaterial an die Front bringen, da er gebaut ist wie ein Kojote, schnell wie ein Dingo und robust wie eine Kakerlake ist. Was dachten Sie denn?)
Wenn Sie Spot eine Weile im Video beobachten, werden Sie sehen, wie schnell und zielstrebig er läuft, wie er lauernd den Kopf senkt, um mit den eingebauten Kameras seine Umgebung zu erfassen, dann wird Ihnen Angst und bange. Und das sage ICH als leidenschaftlicher Science-Fiction und Star-Trek-Fan.

Klar sind FEDOR, ATLAS oder SPOT tolle Erfindungen, und sie könnten bei Arbeiten in AKWs, auf Ölbohrplattformen, bei der Minenräumen oder in anderen Bereichen großartige Arbeit leisten.
Aber was könnten sie noch tun? Immer bis zum Ende denken.

Drohnen sind ja eigentlich auch nicht übel, oder? Man kann sie mit Kameras bestücken und endlich überprüfen, ob die rattenscharfe Nachbarin oben ohne genauso gut aussieht wie mit Kittelschürze. Man kann sie bei Waldbränden zur Aufklärung einsetzen, vielleicht sogar zum Warentransport. Und man kann Menschen damit töten. Viele Menschen. Völlig emotionslos, mittels eines Joysticks und ein paar Knöpfen. An einem Bildschirm, ohne die schmerzverzerrten Gesichter zu erkennen, den Kummer, die Gram, den Schmerz, all das Leid.
Die Kehrseite. Die dunkle Seite. Nie vergessen.

Roboter wie „Atlas“ wären eine feine Sache, würden sie als eine Art „Robo-Cop“ eingesetzt werden und nur dem Guten dienen. Aber bei Robotern ist das so eine Sache, sie benötigen immer jemanden, der sie steuert oder ihre Subroutinen schreibt. Wer passt auf die auf, die ihre Finger am Schaltpult haben? Wer passt auf die auf, die „Robo-Cops“ programmieren? Ist es immer der, der bezahlt? Und wenn jemand mehr bietet? Was kommt da auf uns zu?

In Anbetracht all dieser Entwicklungen sollten wir Sätze wie „nach menschlichem Ermessen“ oder „nach bestem Wissen und Gewissen“ mehr wertschätzen und uns ihrer essentiellen Bedeutung bewusst werden.

„Menschliches Ermessen“ ist nämlich nicht de facto etwas Schlechtes, nur wegen der eingebauten, immer wieder vorkommenden Irrtümer, denn Menschen machen Fehler. Alle. Sogar Sheldon Cooper aus „The Big Bang Theory“. Es gibt Dinge, die können nur Menschen ermessen. Nichts, absolut nichts, das aus Titanlegierung besteht, aus seltenen Erden oder Platin, gespickt mit Hydraulik und Kameras, wird jemals ein Gewissen zu ersetzen vermögen.

Mit jeder Überwachungskamera, die irgendwo im Lande an eine Laterne montiert wird, mit jedem smarten Haushaltsgerät, mit jeder Siri, Alexa oder dem Echo, werden wir ein Stück weit mehr zu diesen durchsichtigen, gedankenlosen Lebewesen, die glauben, sie hätten nichts zu verbergen und alles im Griff – eine amporphe Masse aus vergnügungssüchtigen Hedonisten oder abgestumpften Zynikern, die alles kommentarlos hinnimmt, das ihr aufoktroyiert werden wird.

„Ich habe nichts zu verbergen, die wissen schon, was sie tun“, höre ich häufig. Aber wir haben alle etwas zu verbergen, und die Definition von „was zu verbergen“ wird sich ändern, je nachdem, wer gerade unsere Geschicke lenkt.

Vielleicht habe ich einfach ein bisschen zu viel Phantasie, wenn ich mir ausmale, wie diese militärischen Roboter nicht nur Minen entschärfen, sondern Menschen wehtun, weil wieder einmal „Recht“ oder „Unrecht“ umdefiniert worden ist. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit.

Noch haben wir es in der Hand. Wir sollten ganz genau hinsehen, worauf wir uns einlassen. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass alles, das uns nützt, auch etwas ist, das uns schaden kann. Wir sollten vorsichtig und wachsam bleiben.

Das wäre unsere Aufgabe. Unsere ganz allein. Dafür gibt’s keine Roboter. Und das ist auch gut so.

Mit nachdenklichen Grüßen,

Ihre Barbara Edelmann

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