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Frau Beine

Neulich im Supermarkt: Eine bildhübsche junge Frau in engen Jeans läuft an mir vorbei. Ihr auf Taille geschnittener Kapuzenparka in Kombination zur windschlüpfrigen Jeans, die hohen Stiefeletten und das klitzekleine Designertäschchen mit dem Gucci-Logo erwecken den Eindruck, als hätte sie sich auf dem Weg zum Casting für eine Model-Show verlaufen.

Mit wallender Mähne, perfekt gezeichneten Augenbrauen und eisiger Herablassung sieht sie durch mich hindurch und schreitet dann graziös in Richtung Ausgang, begleitet von einer mir unbekannten Duftnote nach Patschuli und Zimt. Amüsiert schaue ich ihr nach. Niedliche Mütze, tolle Figur, aufrechter Gang. In ihrer Jeans würde ich mich vermutlich fühlen, als hätte man mich für einen Sado-Maso-Streifen verschnürt. Die dunkle Wolke an Haaren wurde wahrscheinlich heute Morgen penibel in Form gebracht.

Damals konnte ich alles tragen

Vom aufwändigen Make-Up ganz zu schweigen. Das Mädchen erinnert an die Zeit, als ein abgebrochener Fingernagel oder ein winziger Pickel am Kinn für mich den Abend ruinierte.

Als ich in der Disco stündlich auf dem Klo mein Make-Up überprüfte, und als ich mich beim Pizza-Essen mit Freunden auf eine Peperoni vom Nachbarteller beschränkte, um weiterhin in Größe 34 zu passen. Alles konnte ich damals tragen – vom weit ausgestellten Tellerrock bis zur hautengen Leggings, vom Bleistiftrock bis zum Abendkleid in A-Linie. Und tat es auch.

Denken Sie jetzt nicht, ich stünde gerade vor dem Supermarkt-Gewürzregal in ausgelatschten Boots, schmuddeligem Shirt und einer Frisur, die aussieht wie das Innere eines Staubsaugerbeutels. Ich habe nur damit aufgehört, perfekt sein zu wollen. Es war mir schlussendlich zu viel Arbeit, und es hat wahnsinnig viel Zeit gekostet. Irgendwann stand der Aufwand in keiner Relation mehr zum vermeintlichen Nutzen. Heute habe ich keine Ahnung mehr, warum ich mich viele Jahre lang so reglementiert und diszipliniert habe. „Praktisch“ bedeutet ja nicht gleichzeitig, sich gehen zu lassen.

Kurz sehe ich an mir herab. Dezente Stiefel von Marc’O Polo in neutralem Kackbraun, dunkelblauer Daunenmantel von Ralph Lauren, No-Name-Jeans, und ein zwar älterer, aber flauschiger Pulli aus 100 % Kaschmir, den ich mit Haarshampoo wasche und liegend trockne. Designerklamotten mit riesigem Logo auf Brust oder Rücken habe ich aus Prinzip ohnehin nie getragen. Das Zeug ist teuer genug, warum sollte ich zusätzlich für die Edelmarken showlaufen?

Der Kleiderschrank quillt nicht mehr über!

Seit längerem quillt mein Kleiderschrank nicht mehr über mit hochhackigen Pumps, für die man in manchen Ländern einen Waffenschein bräuchte, mit enganliegenden Etuikleidern und dazu passendem Blazer, mit Hosenanzügen aus Kammgarn und Seide, mit Gürteln in verschiedenen Farben von Prada, Armani oder Gucci. Aus die Maus.

Mittlerweile schleppe ich meine samstäglichen Einkäufe in flachen Stiefeln zum Auto und überlege mir morgens, was am jeweiligen Tag zu tun ist. Danach richtet sich meine Kleiderwahl. Ich besitze einen riesigen Fundus aus Jeans, T-Shirts, Long-Pullovern und Sneakern, dazu massenhaft flache Lederstiefel von Ralph Lauren, weil ich die Marke mag. Die ungetragenen Stiletto-Pumps von Guess liegen jetzt in einem Karton, den ich irgendwann auf den Flohmarkt schleppen werde. Diese Pumps habe ich mir drei Tage vor meinem Zehenbruch gekauft, bald dürfen sie jemand anderen glücklich machen. Sie hätten der jungen Frau im Supermarkt bestimmt prima gestanden.

So praktisch dachte ich nicht immer. Ehe ich nämlich früher beispielsweise ungeschminkt aus dem Haus gegangen wäre, hätte ich mich lieber erschossen.

Allein der Aufwand, den ich mit meinen Haaren betrieb, erhielt mehrere Friseursalons am Leben. Sie sollten mal meine Hochleistungs-Föhne im Badschrank sehen. Ich habe mir seinerzeit zwei gekauft, damit ich einen für den Notfall in Reserve habe. So was wird heute gar nicht mehr gebaut. Jeder von denen könnte eine Katze ins nächste Dorf blasen. Heute erhitze ich mit diesen Geräten Schrumpffolie zum Einschweißen meiner handgemachten Seifen.

Geschminkt beim Camping

Mit 20 fuhr ich mit meiner Freundin Susi zum Campen an den Gardasee. Jeden Abend baute ich vor dem Zelt einen kleinen Tisch auf, holte meinen bis zum Bersten gefüllten Schminkkoffer und bemalte mich für den Abend. Ein kleines Mädchen vom Nachbarzelt kam dann jedes Mal mit ihrem Blasebalg, um mir die selbstverständlich frischgewaschenen Hare zu trocknen. Oft wurde ich von amüsierten und fassungslosen Touristen während meiner Sitzungen fotografiert: vor Bergen von Fläschchen und Döschen, in der Hand einen riesigen Rouge-Pinsel, angestrengt mein Gesicht in einem Rasierspiegel musternd, damit mir nur ja kein noch so winziger Pickel entginge.

Ein anderes Mal war mein rechter Arm wegen eines Motorrad-Unfalls bis zur Schulter in Gips. Freunde fuhren mich abends zu einem Date, und ich schaffte es tatsächlich, ausschließlich mit der linken Hand, auf dem Rücksitz eines Autos in völliger Dunkelheit mein Make-Up zu vervollständigen. Ich war ein Profi.

Als ich wegen einer Gallenblasen-OP ins Krankenhaus musste, ließ ich mir zuvor eine fluffige Dauerwelle legen und lackierte mir die Nägel in knalligem Pink, denn ich wollte auch in Narkose gut aussehen. Die Geschichte ging übrigens nicht gut aus, denn als ich nach vier Wochen im künstlichen Koma aufgeweckt wurde, hing mein Haar wie Schnittlauch ins Gesicht und von meinen knallpinken Fingernägeln war nicht mehr viel übrig. Als ich später zum ersten Mal in einen Spiegel blickte und mein ausgezehrtes Gesicht nicht auf Anhieb erkannte, brach ich in Tränen aus.

Ich war ein ernster Fall…!

Kaum war ich wieder in der Lage, eine Gangschaltung zu bedienen, vereinbarte ich einen Termin mit meiner Kosmetikerin und fuhr schweißgebadet, vor Anstrengung keuchend, zu ihr. Die vier Stufen zu ihrer Praxis hoch schaffte ich mit Pausen, aber so wollte ich nicht rumlaufen, nicht mal halbtot.

Sie sehen – ich war ein ernster Fall.

Jahre zogen ins Land, meine Kosmetikprodukte wurden hochpreisiger, weil ich es mir leisten konnte, aber  nicht weniger. Immer noch quoll mein Badschrank über mit Cremes, Tuben, Kajalstiften, Lidstrich, Lidschatten, Rouge-Puder und Lippenstiften, von denen ich ungefähr 80 Stück besaß. Ausschließlich von Clinique, Shiseido, Kanebo oder Helena Rubinstein. Da war mir nichts zu teuer. Diese Lippenstifte verteilte ich griffbereit im Auto, sämtlichen Handtaschen, Jeans-Hosentaschen oder auf dem Couchtisch, damit ich immer einen zur Hand hatte. Spiegel brauchte ich keinen, denn nach ein paar Jahrzehnten Übung, und bei Verwendung transparenter Farben, kann man sich auch ohne die Lippen nachziehen.

Meine Ansprüche an mich selbst waren hoch. Alles musste zusammenpassen: die Handtasche zu Gürtel und Schuhen, der Lippenstift zu Kostüm und Bluse. Ich orientierte mich mit militärischer Disziplin an teilweise überkommenen Regeln wie „no brown after six“ oder „niemals eine weiße Handtasche nach September“. Übertreten hätte ich diese Regeln niemals. Da war ich eisern.

Geboren wurde ich als „echte“ Blondine – mit blonden Haaren, Augenbrauen und Wimpern. Im Laufe der Jahre verwandelte sich allerdings diese Farbe in eine Art „Straßenköterblond“, das von meinem Friseur „aschig“ genannt wurde.Aber dann kam der 18.12.93, und mit ihm mein erstes Date mit einem Mann, in den ich sehr verliebt war. Unentschlossen musterte ich mich vor dem Spiegel. „Blonde Strähnen würden alles auflockern“, flüsterte die unzufriedene kleine Stimme in mir, wegen deren Quengelei ich immer so viel Zeit für mein Äußeres aufwendete, also fuhr ich zum Friseur, wo ich mir normalerweise nur einmal im Vierteljahr die Spitzen schneiden ließ.

Auf einmal war ich blond

„Was machen wir?“, fragte eine freundliche Friseurin, als sie mir das Plastikmäntelchen umlegte. „Ich möchte Strähnen“, antwortete ich. „Goldblond wäre gut.“

Kurze Zeit später kam sie mit einer kleinen Schüssel zurück und begann, eine weiße Creme auf meinem Kopf zu verteilen. Das kam mir spanisch vor, aber sie würde wissen, was sie tat, dachte ich.
Damals bekam ich zum ersten Mal die Haare gefärbt und brauchte tatsächlich eine ganze Stunde, um das zu kapieren. Das Blond war aber hübsch, es gefiel mir. Da ich niemand bin, der wegen verschütteter Milch jammert, sagte ich mir: „Ist nun mal so, hör auf zu jammern“, und ließ es von da an alle sechs Wochen nachfärben.

Es ging anfangs nicht immer gut. Einmal bemerkte ich am Morgen nach dem Friseurbesuch im hellen Tageslicht, dass meine Haare dieselbe Farbe hatten wie meine ausgewaschene Jeans: Hellblau. Ein anderes Mal schimmerten sie grünstichig, denn ich war frisch gefärbt im Freibad gewesen. Und wieder ein anderes Mal blätterte die Haut hinter meinen Ohren in großen Schuppen ab. Aber von solchen Kleinigkeiten lässt sich eine Frau wie ich nicht irritieren.

Im Jahre 2000 ließ ich mir dann in einem Anfall von Wahn die Haare in Dunkelbraun färben, weil ich dachte, es wirke seriöser. Das war für mich als Natur-Blondine keine wirklich gute Idee, denn es sah scheiße aus. Ich war zu blass, meine Augen zu blau, und der Farbton wirkte rötlich, statt brünett. Im Grunde hätte ich zusätzlich noch eine komplett neue Garderobe gebraucht, da ich plötzlich Orange und Froschgrün tragen konnte, zwei Farben, in denen ich normalerweise aussah wie beim Auskurieren eines Magen-Darm-Virus. Und alle meine „Blondinen“-Outfits wirkten fade.

Das neue Ich war zeitaufwändig

Zeitaufwändig war dieses neue brünette Ich auch: Schon eine Woche nach dem Färben begannen meine Haare in Aschblond nachzuwachsen, das aber aussah wie Grau. Ich kaufte mir ein paar Tuben Tönung, versaute mindestens 10 Handtücher, färbte aus Unfähigkeit die Kopfhaut mit, und bemerkte entsetzt, dass meine Dusche nach jeder Benutzung aussah wie die Filmsequenz in „Psycho“, in der die Blondine erstochen wird. Irgendwie hatte ich mit braunen Haaren noch mehr Arbeit als zu meiner aschigen Zeit.

„Bitte, mach sie wieder blond“, flehte ich meinen Lieblingsfriseur nach fünf Wochen an. „So einfach funktioniert das nicht“, erklärte er mir bedauernd. „Ich kann sie dir jetzt nicht einfach wieder blond färben, da gehen die Haare kaputt. Wir hellen es nach und nach auf, aber mit knapp zwei Jahren musst du rechnen.“ Es waren verdammt lange zwei Jahre. Kurz vor deren Ablauf schaffte ich es immerhin bis zu einem glänzendhellen Rotton, mit dem ich wirkte wie frisch aus Irland eingeflogen.

Kurz vor meinem 40ten Geburtstag beschloss ich, künftig ein Fitness-Studio aufzusuchen, das taten alle, und ich wollte nicht der faule Sack sein, der sich nicht um seinen Muskeltonus kümmert. Also trainierte ich dreimal wöchentlich  morgens um 7:00 Uhr, denn ich musste nach dem anschließenden Duschen sofort zur Arbeit. Zwei Jahre hielt ich durch. Während dieser Zeit fühlte ich mich so  stark wie der „Hulk“, lief aufrechter und trug bei fast  jedem Wetter ärmellose Klamotten. Dann verpasste ich wegen höherem Arbeitsaufkommen den ersten Termin. „Ach, diese Woche lass ich mal aus, ich hab mir eine Pause verdient“, dachte ich. „Da kann ich auch nächsten Montag weitermachen.“

Das Fitnessstudio sah ich nur noch beim Vorbeifahren

Ich ging nie wieder hin, und ich fand immer neue Ausreden. Zwar zahlte ich noch 10 Monate weiter meine Beiträge, aber das Studio sah ich nur noch beim Einkaufen, wenn ich dran vorbei fuhr.
Zum Ausgleich schaffte ich mir, getrieben von guten Vorsätzen, zuerst ein Rudergerät, dann einen Crosstrainer an. Falls Sie Bedarf haben…

Zwei Jahre später ging das mit den Gelnägeln los. Alle meine Freundinnen hatten welche, also wollte ich die auch. Bis zu diesem Zeitpunkt benutzte ich normalen Nagellack, den ich einmal in der Woche erneuerte. Aber natürlich bekam ich das nie so hin wie zum Beispiel meine Bekannte Sissi, die auf ihren Fingernägeln quasi das Fresko der Sixtinischen Kapelle in Strass auf Acryl spazieren trug. So was musste ich haben!

Da ich zeitlich sehr eingebunden war und keine Zeit für lange Autofahrten hatte, dauerte es eine Weile, bis ich jemanden in der Nähe fand: eine Hausfrau im Nachbarort, die sich nebenbei was dazuverdiente und ein paar Kurse in Nageldesign absolviert hatte. Sie verpasste mir French Manikure. Es war elegant, es sah unglaublich gepflegt aus, und stolz wedelte ich bei Gesprächen fortan mit den Händen vor meinem Gesicht herum, damit es auch jeder sehen konnte.

Niemand hat mich vor „Nebenwirkungen“ gewarnt

Niemand hatte mich vor den „Nebenwirkungen“ gewarnt: An der Kasse im Supermarkt konnte ich weder das Wechselgeld vom Transportband aufklauben, noch die EC-Karte aus dem Fach im Portemonnaie fieseln, weshalb ich dazu überging, der Kassiererin flehend meinen Geldbeutel mit geöffnetem Münzfach oder meine bittend ausgestreckte Handfläche entgegen zu strecken. Die aber legte jedes einzelne Mal wieder mein Wechselgeld mit verstohlenem Grinsen auf das Laufband.

Bis heute habe ich keine Ahnung, wie andere Frauen das mit ihren Nägeln hinbekommen. Ich selbst hatte beispielsweise Probleme damit, eine Bluse auf- oder zuzuknöpfen, denn ich kriegte die Knöpfe nicht zu fassen. Bei der Arbeit vertippte ich mich ständig, weil ich  drei Buchstaben anschlug, anstatt einem. Tippen habe ich nämlich auf uralten mechanischen Maschinen gelernt, auf deren Tastatur man mit dem Hammer hauen musste.

Auch Gartenarbeit war eine frustrierende Beschäftigung geworden. In die üblichen Gartenhandschuhe passten meine langen Nägel nicht rein, Gummihandschuhe machte ich sofort kaputt. Zupfte ich Unkraut mit nackten Händen, sah ich hinterher aus, als hätte ich soeben ein Grab geplündert, ganz zu schweigen von der Mühe, die Nägel mit einer Bürste wieder zu sauber zu bekommen. Mein Leben war  umständlich geworden. Gepflegter, aber umständlich.

Meine Nägel waren dünn wie Papier

Nach eineinhalb Jahren ließ ich die Gelschicht entfernen und erschrak: Die Nägel waren dünn wie Papier geworden. Das können Sie wörtlich nehmen. Sie rissen bei der kleinsten Kleinigkeit bis ins Fleisch, waren am Ansatz entzündet, und ich konnte immer noch keine Bluse zuknöpfen, weil es höllisch schmerzte. Weiß an den Nägeln hatte ich gar keines mehr. Es sah schrecklich aus und ich versteckte die Hände, mit denen ich vor kurzem noch begeistert herumgewedelt hatte, von da an schamhaft unter dem Tisch. Nicht mal mit Nagellack konnte ich das Elend überdecken, dazu waren meine Nägel viel zu kaputt.

Vor einigen Jahren begann der Trend mit den gemalten Augenbrauen. Meist sind sie dunkel und deutlich gezeichnet. Sehr viele junge Frauen tragen sie. Nein. Da mach ich nicht mit, das würde nur schiefgehen, ich kenne mich. Jahrelang ließ ich meine Brauen vom Profi zupfen und färben, aber es kam jedes Mal etwas anderes dabei heraus. Erstens hielt die Farbe nie länger als zwei Wochen, zweitens gerieten die Brauen entweder zu dick oder zu dünn. Wahlweise sah ich aus wie Marlene Dietrich nach einer Sauftour oder Bette Davis in „Wiegenlied für eine Leiche“.

Mein Gesicht pflege ich seit meinem 18ten Lebensjahr konsequent, da las ich nämlich in der „Cosmopolitan“, dass man gar nicht früh genug damit anfangen könnte. Über Jahrzehnte besuchte ich allmonatlich meine Kosmetikerin, die auch ausgebildete Visagistin war, und verließ ihr Studio nie ohne eine prall gefüllte Tüte mit Cremes, Lidschatten oder Lippenstiften, denn sie war nicht nur kompetent, sondern auch geschäftstüchtig.

Den Kosmetik-Termin verpasste ich nie

Nie verpasste ich einen Besuch, denn meine Fee zupfte mir nicht nur lästige Härchen vom Kinn, sie verpasste mir auch nach jedem Termin ein super Make-Up, mit dem ich aussah wie eine Mischung aus Michelle Pfeifer und Sharon Stone, wenn ich mit meinem Tütchen zum Parkplatz wankte. „Wanken“ deshalb, weil das Zeug in der Tüte ein Vermögen kostete. Aber ich gönnte mir ja sonst nix, vor allem keine Kalorien.

Seit meinen jungen Jahren befand ich mich nämlich auf Dauerdiät. Ich sehe mich heute noch mit 19 im Kreis meiner Freunde in der Pizzeria sitzen. Alle aßen, nur ich hatte nichts bestellt und zupfte hungrig eine Peperoni vom Teller meines Nachbarn. Noch heute kann ich Ihnen den Kaloriengehalt aller gängigen Grundnahrungsmittel aufsagen. Die habe ich auswendig gelernt und kriege sie auch nicht mehr aus dem Kopf.

In meinen Vierzigern dämmerte mir schließlich, dass mein Leben stressig geworden war. Zusätzlich zum Vollzeitjob, einem riesigen Garten, Kinderbetreuung, Vereinsleben und häuslichen Pflichten kamen ja regelmäßige Besuche bei Kosmetikerin, Nagelstudio, Friseur, Fitness-Studio, dazu eine Diät nach der anderen. Als gepflegte Frau hat man eben nie Feierabend. Oder genug zu essen.

„Gepflegtsein“ wurde zum Fulltime-Job

Als das „Gepflegtsein“ allmählich zum Fulltime-Job mutierte, erreichten mich plötzlich innerhalb eines einzigen Monats mehrere Hiobsbotschaften. Meine Kosmetikerin wanderte aus und ließ mich sitzen. Das neue Fitness-Studio, in dem ich mich kurz zuvor reuig angemeldet hatte, wurde wegen Insolvenz geschlossen, meine Nägel unter dem Gel entpuppten sich als gesundheitsgefährdend ruiniert, und mein Lieblings-Friseur ging in den Ruhestand. Wer sollte mir künftig die Haare färben, mich beim Trizeps-Training beraten, meine Augenbrauen konturieren, mir teure Cremes ins Gesicht massieren? Ich war erledigt! Nach dem ersten Schock dämmerte mir, dass ich das auch positiv sehen könnte. Es war eventuell an der Zeit, diesen Wahnsinn etwas einzudämmen. Aber das klappte nicht von heute auf morgen.

Als dieser Bann erst mal gebrochen war, ging es schleichend weiter. Nachdem ich mir ein paar nagelneue sündteure Pumps von Prada im Abtropf-Gitter eines Bahnhofs ruiniert hatte, begann ich, öfter flaches Schuhwerk zu tragen. Irgendwann fand ich nämlich keinen ausreichenden Grund mehr für hohe Pumps beim Abholen von Leuten an Bahnhöfen oder beim Schlendern durch den Supermarkt, im Gegenteil. Irgendwann fing ich an, Jeans zu bevorzugen, und trug Kleider, vor allem eng geschnittene, nur noch im Sommer oder zu besonderen Anlässen. Irgendwann begann ich, lange Wintermäntel zu kaufen statt kurze, in denen ich ständig an den Schenkeln gefroren hatte. Irgendwann nahm ich fünf Kilo zu und suchte nicht sofort nach einem Hanfseil oder meldete mich bei den Weight Watchers an, sondern kaufte mir meine Klamotten eine Nummer größer.

Der praktische Stil kam schleichend

Ich rannte auch nicht von einem Tag auf den anderen los mit dem Entschluss, jetzt blindwütig nur noch „praktische“ Klamotten zu kaufen. Die schlichen sich nach und nach in meinen Schrank, weil ich bei jedem Teil heute gründlich überlege, wann ich es tragen könnte, wie oft, und zu welchem Anlass.

Wenn Sie wie ich oben auf einem Berg wohnen und die stark abschüssige Straße vor Ihrem Haus im Winter häufig gefroren ist, bevorzugen Sie vermutlich auch Schneestiefel mit dicken Sohlen. Ich hab jetzt ein hübsches Paar von Armani. Meine Stiefel mit hohen Hacken sind zu „Taxi-Schuhen“ mutiert, die trage ich nur noch, wenn ich höchstens fünf Meter damit laufen muss und dann in ein Auto einsteigen darf. Egal in welches.

Sneaker besitze ich mittlerweile in allen Farben und Formen, vor allem, seit ich mir vorletztes Jahr innerhalb eines Monats an jedem Fuß einen Zeh gebrochen habe, weil ich ganz offensichtlich zu blöd zum Barfußlaufen bin.

Und letztes Jahr besuchte ich tatsächlich ein Straßenfest, für das ich mich vor fünf Jahren noch voll in Schale geworfen hätte, in flachen weißen Sandaletten, Skinny-Jeans und einem langen Leinenhemd. Ist niemandem aufgefallen. Die Augenbrauen färbe ich seit Jahren mit einem speziellen Puder, der wie Lidschatten aufgetragen wird. Meine super coole Friseurin kommt mit dem Trike ins Haus, wenn ich mir das wünsche und macht aus mir wieder eine aschige Blondine. Ich trainiere regelmäßig mit  Hanteln vor dem Fernseher und mache Yoga, dazu muss ich nicht mal vor die Tür. Meine Nägel knipse ich einmal die Woche kurz. Sie sind gesund und in meinen Augen schön.

Designerkleidung kaufe ich immer noch gern!

Zwar kaufe ich immer noch gern Designerkleidung, aber eben funktionelle. Die gibt es tatsächlich. Von guter Qualität müssen die Klamotten sein, das ist mir wichtig. Und ich habe im Laufe der Jahre eine tiefe Abneigung gegen Kunstfasern entwickelt, weil ich jedes Mal eine gewischt kriege, sobald ich den Küchenherd oder eine meiner Katzen anfasse, wenn ich ein Polyestershirt trage. Sobald ich heute eines dieser Blüschen aus durchsichtigem Material durch meine Finger gleiten lasse, schaudere ich, obwohl die teilweise wirklich hübsch aussehen.

Letztes Jahr wollte ich mir eine halbe Stunde vor einem Termin die Zeit vertreiben und betrat die Filiale einer großen Bekleidungskette. Schon nach zwei Minuten standen mir im wahrsten Sinne des Wortes die langen Haare zu Berge. Fluchtartig verließ ich den Laden und habe ihn nie wieder betreten. Ob Sie es glauben oder nicht: Es knisterte da drinnen.

Ja. Ich bin praktisch geworden. Dafür kann ich jetzt aber Kopfsteinpflaster, sandige Kinderspielplätze oder verschneite Wege betreten, ohne Angst davor, mir alle Gräten zu brechen oder mir Absätze von sündteuren Schuhen zu reißen. Ich kann mich über die Tieflühltruhe beugen, und meine Kehrseite bleibt bedeckt. Ich kann mit meiner Freundin ein Restaurant besuchen, mir was bestellen, es tatsächlich essen und dann einen Nachtisch ordern. In den Kleidern, die ich vorher trug, hätte ich nach einem Teller Kraftbrühe genau überlegen müssen, wie tief ich einatme.

Lieber unscheinbar, als unübersehbar!

Vielleicht wird mir nicht unbedingt ein gutaussehender Mann die Tür aufhalten, wenn ich in meinen kackbraunen praktischen Stiefeln schwer beladen ein Geschäft verlasse, aber das nehme ich gern in Kauf. Lieber unscheinbar als unübersehbar, denke ich heute. Mann, war das anstrengend.

Vielleicht sind wir uns schon mal begegnet in letzter Zeit. Ich war die mit der weißen Handtasche. Im Dezember. Ja, ich hab’s tatsächlich getan: etwas Weißes nach September getragen.

Für mich ist das ein riesen Fortschritt. Oh – es klingelt.

Ich hoffe, das ist nicht die Modepolizei…!

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: stock.adobe.com / Kaspars Grinvalds

Wendler

Vor einigen Tagen machte im Netz ein Video der Wendler-Freundin Laura (im Bild mit Michael Wendler) die Runde. In dem Clip war zu sehen, wie sie Michael Wendler mit einem protzigen Pick-up Car als Geschenk für ihn überraschte. Die junge Frau aus Sachsen-Anhalt, die vom Alter her die Tochter von Schlagerbarde Michael Wendler sein könnte, hat das „Sich-den-Medien-präsentieren“-Spiel schnell begriffen.

Nach ihrem Schulabbruch in Deutschland, nach dem sie zum Wendler in die USA zog, betätigt sich Laura nun als Influencerin und hat sich bereits für den Playboy ausgezogen. Auf ihrem Instagram-Kanal präsentiert sie kontinuierlich ihre Liebe zum Wendler. Teilweise auf sehr naive und nicht selten etwas peinliche Art. Aber jede(r), wie er will, was soll`s!

Wendler kommt im Netz wie ein Sugar-Daddy rüber

Ob sie ihrem Schatz, der auf Lauras Kanal immer wieder wie ein lustmolchiger Sugar-Daddy rüberkommt, das Gefährt schenkte, weil der momentan ja vielleicht knapp bei Kasse ist, ist nicht bekannt. Verschiedene Medien berichten zumindest übereinstimmend, dass das deutsche Finanzamt hinter dem Sänger her ist.

In einem Artikel auf t-online.de vom 28. Januar 2020 kann man dazu unter anderem folgendes lesen:

„(…)Dem Schlagerbarden soll bei der Einreise in Deutschland eine Pfändung drohen.

Noch-Ehefrau Claudia Norberg ist pleite. Die 49-Jährige hat Insolvenz anmelden müssen. Auch Michael Wendler soll finanzielle Probleme haben. Wie die „Bild“-Zeitung berichtet, geht es um Steuerzahlungen aus dem Jahr 2015 plus Säumniszuschlägen.(…)Über 110.000 Euro soll das Finanzamt Wesel von dem selbst ernannten German King of Pop fordern. Aus diesem Grund sollen jetzt alle deutschen Zollbehörden mit der Vollstreckung des Betrages beauftragt worden sein. Sollte der Auswanderer also deutschen Boden betreten, dürfen die Vollstreckungsbeamten „zuschlagen“ und sämtliche Luxusartikel wie Uhren, Schmuck und Bargeld sofort pfänden.(…)“

Sofortige Pfändung: Das kann in deutschen Landen auch schon mal heißen, dass der Gerichtsvollzieher Backstage zu Besuch kommt….! Im Frühjahr will der Wendler wieder in Deutschland gastieren, plant ein Konzert in seiner Heimat.

Muss am Ende noch Laura die Geldbörse öffnen?

Mal schauen, ob es denn so dicke kommt. Wenn ja, wird sicherlich Laura als Trost-Engel zur Verfügung stehen. Und vielleicht auch gleich die Influencer-Kasse für ihren Schatz öffnen (müssen)? Immerhin: Sie wäre nicht die erste, die sich einen reichen Mann angelte und am Ende in den einst Wohlhabenden reinbuttern muss.

Was genaues weiß man nicht. Aber: Bei dem ungleichen Paar bleibt es spannend!

Bildnachweis: picture alliance/Revierfoto/Revierfoto/dpa

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Schöne Frau

Das digitale Zeitalter macht vor nichts und niemandem halt. So auch nicht vor den alteingesessenen und bekannten Wahlen zur „Miss Germany“. Der Wettbewerb präsentiert sich ab jetzt in einem ganz neuem Gewand und will damit frischer und unkonventioneller daherkommen.

So verzichtet man beispielsweise auf eine Bikini-Präsentation der Anwärterinnen und setzt ganz stark auf Social Media. Die digitalen Kanäle sind es denn auch, die Frauen, die „Miss Germany“ werden wollen, nutzen sollen, um sich für den Contest zu bewerben. Die einstigen Vorausscheide in Einkaufszentren und Hotels werden ersatzlos gestrichen. Auch die Kriterien ändern sich. Optik reicht längst nicht mehr, die teilnehmenden Frauen werden auch nach ihren Werten, Zielen und Lebensinhalten gefragt.

Bewerbung für „Miss Germany“ via Social Media

So geht es aus einem Artikel hervor, den die Zeitung Badische Neueste Nachrichten auf ihrem Online-Portal bnn.de am 28. Januar 2020 veröffentlicht hat.

Darin heißt es unter anderem:

„(…)Wir wollen ein Model-Contest fürs digitale Zeitalter sein», sagt Klemmer, der sich von der Kurskorrektur auch ein besseres Image für den Wettbewerb verspricht. «Miss Germany» beschränke sich nicht mehr allein auf das Äußere. Nun stünden die Persönlichkeit, der Charakter und die Lebensgeschichte der Frauen im Mittelpunkt. Gespräche mit den Kandidatinnen, Foto- und Videopräsentationen sowie Showelemente sollen mehr Bedeutung bekommen.

«Miss Germany» sieht sich damit auch als Gegenentwurf zu Heidi Klums umstrittener Fernseh- und Castingshow «Germany’s Next Topmodel». So wurden die seit Jahrzehnten praktizierten Vorwahlen auf Städte-, Regional- und Bundesländerebene gestrichen. Junge Frauen, die bei «Miss Germany» ins Finale wollen, mussten sich erstmals über Social Media und Videopräsentationen bewerben. «Optik alleine reichte nicht», sagt eine Kandidatin: «Inhalte waren gefragt.» So müssten Frauen ihre Kandidatur inhaltlich begründen, von ihrem Leben erzählen sowie Werte und Ziele benennen, für die sie sich engagierten.(…)“

Auch die Besetzung der Jury ist neu geregelt – sie besteht zukünftig nur noch aus Frauen. So gehören beispielsweise Dagmar Wöhrl und Frauke Ludowig den Jurymitgliedern der nächsten „Miss Germany“-Wahl an.

Es bleibt abzuwarten, ob das neue Konzept ankommt

Es bleibt nun abzuwarten, ob das neue Konzept ankommt oder man bald schon auf die traditionelle Durchführung der Miss-Wahl zurückgreift.

Den ganzen Artikel dazu können Sie hier lesen.

Bildnachweis (Symbolbild): stock.adobe.com / sofia Zhuravetc

Sharon Stone

Ein Superstar, der auf einer Allerwelts-App im Internet datet? „Gibt`s doch gar nicht“ dachten sich da wohl so manche User und meldeten den Account, mit dem Hollywood-Ikone Sharon Stone zum Dating angemeldet war, als Fake-Account.

Von wegen Fake: Sharon Stone sucht wirklich online!

Allein es war kein Fake-Account, sondern tatsächlich das Profil, mit dem die Kult-Schauspielerin höchstpersönlich online bei „Bumble“ auf Partnersuche ging. Allerdings musste Stone pausieren, denn der Anbieter sperrte den Account erst einmal. Die BILD-Zeitung berichtet dazu in ihrer Online-Ausgabe am 01. Januar 2020 wie folgt:

„2019 endete mit einer guten Nachricht für Sharon Stone (61): Die Schauspielerin darf wieder auf die Dating-App Bumble zurück und dort nach der Liebe suchen. Das wurde ihr nämlich vorher verwehrt. Denn: Das Dating-Profil der 61-Jährigen wurde gesperrt – weil viele Nutzer es für ein Fake hielten. Ein Bumble-Sprecher entschuldigte sich nun, sprach von einer „versehentlichen“ Sperre und erklärte, dass Stones Profil wieder hergestellt und freigegeben worden ist.“

Sharon Stone kann also weiter online nach einem neuen Mann Ausschau halten. Dass sie in ihrer Position überhaupt auf diese Möglichkeit zurückgreift, verwundert einerseits, andererseits aber auch wieder nicht.

Auch viele nichtprominente Karrierefrauen finden im Alltag nur schwer einen Partner

Man kennt ja dieses Phänomen auch von vielen nichtprominenten Karrierefrauen, die nicht nur super erfolgreich sind, sondern auch attraktiv ausschauen und viel auf interessanten Events unterwegs sind. Nur zu oft hört man von diesen Zeitgenossinnen, dass sie darüber klagen, im (Berufs)Alltag keinen Partner zu finden. Auch solche Frauen sind oftmals bei Partnerbörsen im Internet gelistet. Das Argument „Ich lerne einfach keinen Mann im realen Leben kennen“ kommt von diesem Typ Frau sehr oft und wahrscheinlich geht es Sharon Stone ähnlich.

Zumal auch der Hollywood-Zirkel am Ende ja aus immer den gleichen Leuten besteht, die sich zu Events, Gala-Veranstaltungen oder Happenings treffen. Mittlerweile dürften da außerdem viele Männer präsent sein, die schon allein vom Alter her wahrscheinlich gar nicht zu Sharon Stone passen, das Lied von der Kombination Junger Lover/Hollywood-Diva hin oder her. Nicht zuletzt gehen viele der männlichen Hollywoodstars mittlerweile auch auf das Greisen-Alter zu, womit sie wohl eher nicht zu Stones Beuteschema gehören dürften.

Insofern wirkt das Online-Dating der prominenten Frau richtig sympathisch. Zeigt es doch auf, dass auch einer Sharon Stone bei der Partnersuche nur die Möglichkeiten bleiben, die der Otto-Normalo-Frau von nebenan auch offen stehen: Online daten oder sich im realen Leben finden. Auf die gute alte Kontaktanzeige wird man (FRAU) ja kaum mehr setzen…!

Bildnachweis: picture alliance/ZUMA Press
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Jean Bork

Unermüdlich sammelt er Jahr für Jahr Spenden für seine Stiftung – so auch dieses Jahr wieder: Star-Tenor José Carreras. Fast vier Millionen Euro kamen gestern durch die bekannte Gala in Leipzig zusammen. Ein grandioses Ergebnis! Bevor ich zum Ablauf des Abends komme, eine kleine Rückblende, wie eigentlich alles anfing. Wer ist der Mann, der sich so unermüdlich gegen Leukämie einsetzt?

Star-Tenor Carreras erkrankte auf dem Höhepunkt seiner Karriere

Der spanische Opernsänger, der eigentlich Josep Maria Carreras I Coll heißt,  gilt als einer der herausragendsten Tenöre der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts. Allerdings ereilte ihn auf dem Gipfel seiner Karriere – 1987 – eine heimtückische Krankheit: Eine akute lymphatische Leukämie. Obgleich die Prognose für den bekannten Opernsänger schlecht war, konnte er nach einem Jahr Behandlung mit einer seinerzeit noch nicht sehr bekannten autologen Knochenmarktransplantation den Blutkrebs überwinden und weiterhin auf der Bühne stehen. Aus Dankbarkeit und Demut im Zusammenhang mit seiner Genesung wurde er karikativ aktiv und gründete 1988 die Fundación Internacional José Carreras para la lucha contra la leucemia, die ihren Hauptsitz in Barcelona hat.

Carreras-Stiftung hat Sitze an verschiedenen Orten

Weitere Sitze gibt es in Deutschland, der Schweiz und den USA. Die Stiftung unterstützt die Leukämieforschung, deren Ergebnisse den bekannten Tenor damals das Leben gerettet haben sowie die Suche nach Knochenmark-Spendern. Die Deutsche José Carreras Leukämie-Stiftung gibt es – mit Sitz in München – seit 1995. Und seit dem Jahr gibt es auch die bekannte Carreras-Gala, die alljährlich Glanz und Glamour in die Leipziger Messehallen bringt. Aber eben auch viele traurige Schicksale, die das Herz berühren. Diese Schicksale aber sind es, die die Geldbörsen der Zuschauer und vieler Prominenter öffnen.

Der Startenor war gerührt, dass auch 2019 die Spendenbereitschaft während seiner Gala so hoch war.

Auch dieses Jahr war das so und Carreras (im Bild) zeigte sich am Abend überwältigt von den Spenden, die bereits zu Beginn der Sendung eintrafen. Der Tenor richtete seine Worte an das Publikum und sprach von einer großen Dankbarkeit, die er seit 25 Jahren – der Laufzeit der bekannten Gala – fühlt. Dankbar – das waren auch die vielen Patienten, die am Abend in der Show vorgestellt wurden. So beispielsweise das Mädchen Anne, das an dem tückischen Blutkrebs erkrankte und an der Uni-Klinik Jena transplantiert wurde. Jetzt geht es ihr wieder gut, sie macht ihr Abitur und kann wieder aktiv am Leben teilnehmen.

Viele Leukämie-Patienten können heute geheilt werden

So wie viele andere Patienten auch. Denn: Dreiviertel aller Kinder und jeder zweite Erwachsene, die an Leukämie leiden, können heute gerettet werden. Nicht zuletzt dank des Engagements von Menschen wie Carreras, durch dessen Stiftung auch das neu erbaute José Carreras Stammzelltransplantationseinheit am Universitätsklinikum Jena  2017 eröffnet werden konnte und das seitdem  in Kooperation mit der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin betrieben wird.

Spender des gestrigen Abends waren – unter anderem – weiterhin die Darsteller des Musicals Anastasia in Stuttgart sowie Kinder und Jugendliche aus Sportvereinen. Ihre Gelder helfen auch Kindern wie dem kleinen Karl Otto, der erst drei Jahre alt war, als er eine Leukämie-Diagnose bekam. Das Schicksal des Jungen wurde gestern Abend während der Gala vorgestellt. Eine Stammzellen-Transplantation half ihm. Noch leidet er an Nebenwirkungen, aber seine Familie ist zuversichtlich, dass er zukünftig ein gesundes Leben führen kann.

Wie in den Jahren zuvor wurde das Spenden-Ereignis von vielen Prominenten begleitet. Peter Maffay, Herbert Grönemeyer, Barbara Schöneberger, voXXclub und David Garett standen unter anderem auf der Bühne und auch an den Spenden-Telefonen nahmen bekannte Persönlichkeiten die Anrufe entgegen.

Eingeworbene Gelder kommen umgehend Krebs-Patienten zugute

Die eingeworbenen Gelder kommen auch Patienten wie Bernd Schneider aus Leipzig zugute, der durch die Diagnose Krebs sein Leben als schon beendet ansah. Inzwischen sind keine Leukämie-Zellen mehr in seinem Körper nachweisbar, aber ob er wieder richtig gesund wird, muss derzeit noch abgewartet werden. Auch Schneider und seine Frau wurden in der gestrigen Sendung vorgestellt.

Sie alle drückten einmal mehr ihre Dankbarkeit an José Carreras und sein Team aus, das sich schon so lange Zeit für die Krebspatienten einsetzt und unermüdlich weitere Projekte anschiebt. Dass dahingehend auch zukünftig einiges möglich sein wird, steht aufgrund des gestrigen Spenden-Ergebnisses fest.

Man kann dem großartigen Tenor deshalb nicht genug für sein unermüdliches Engagement danken!

Bildnachweis: BÖTTGER MANAGEMENT

 

Ich weiß noch wie heute, wann ich das erste Mal gesiezt wurde: 16 Jahre war ich alt und stand in einer Apotheke. „Was wünschen Sie?“, fragte die Dame hinterm Tresen. Ich war geschmeichelt und fühlte mich wahnsinnig erwachsen.

Als wäre ein Damm gebrochen, wurde ich von da an überall gesiezt: in der Pizzeria, beim Discounter, sogar in der Schule. Das ging viele Jahre lang gut. Mit Ende 30 kreidete ich dann eines Abends in der Billardhalle meinen Queue ein. Damals spielte ich Turnier und übte viel. Ein junger Bursche kam an den Tisch und fragte höflich: „Entschuldigung, wie lange spielen Sie noch?“

„Sie“. Da fiel es mir wie Schuppen von den Augen. Ich war dabei, älter zu werden. „Älter“, nicht alt wohlgemerkt. Bis zu diesem Zeitpunkt war ich von Jugendlichen immer geduzt worden, aber nun nahmen sie mich als Erwachsenen wahr. Das brachte mich zum Nachdenken. Aber nicht allzu lange, denn ich hatte einfach zu viel zu tun mit einem Job, einem Nebenjob, Haus, Garten, Verein und Hobbies. Also wurde ich einfach älter. Und noch älter.

Lässt einen der Kurzhaarschnitt nicht mehr alt aussehen?

Jahre später besuchte mich eine gute Freundin. „Du solltest dir dringend die Haare schneiden lassen. Hab‘ ich auch gemacht.“ Prüfend musterte Gisela meine lange Mähne. „Der Friseur sagte, je zehn Zentimeter kürzer wirkt man zehn Jahre jünger.“ „Warum?“, antwortete ich verblüfft. „Die muss ich dann alle paar Wochen nachschneiden lassen. Ich bin nicht gern beim Friseur, da ist mir immer so langweilig, weil ich tatenlos herumsitzen soll.“

„Na dann brauchst du auch nicht jammern“, meinte sie und schüttelte ihren nagelneuen Bob. Ganz ehrlich: Mit langen dunklen Haaren hatte sie mir besser gefallen.

Ich jammere ja gar nicht, Gisela. Älterwerden gehört zum Leben. Und da die Friedhöfe voll mit Menschen sind, die keine 40 werden durften, sehe ich das mit dem Altern nicht so eng. Es erdet ungemein, gelegentlich über die stillen, bekiesten Wege zu schreiten und Inschriften auf Grabsteinen zu lesen. Was hab ich doch für ein Glück, dass ich Falten kriegen darf. Ich meine das ernst.

Neulich war ich wieder mal in meiner Lieblings-Parfümeriefiliale, um mir eine Augencreme zu kaufen. Als ich zögernd vor dem Regal mit der hochpreisigen Kosmetik stand, tippte mir eine Verkäuferin auf die Schulter. Gewandt griff sie nach unten und hielt mir eine kleine Pappschachtel vor die Nase. Ich konnte nur entziffern „Laser Antifalten Turbo“, dann ließ sie die Schachtel sinken und sah mich streng an. Ihr Gesicht hatte was von einem Hühnerhabicht. Vielleicht hielt sie mich für ein Kaninchen. „Nehmen Sie lieber den Super-Turbo-Antifalten-Kleister“, befahl sie mir mit belehrendem Unterton. „Der hilft wenigstens wirklich.“

Diesen Krieg verliere ich so oder so

Es war helllichter Tag, das Sonnenlicht zauberte Kringel auf den grauen Linoleumboden und meine Krähenfüße, was aber beim Bodenbelag definitiv besser aussah. Die Verkäuferin schien mein Baujahr zu sein, und bis auf die Tatsache, dass ich weniger geschminkt war, unterschied uns nicht viel. Der Zahn der Zeit nagte auch an ihr mit Vehemenz, aber immerhin tat sie ihr Bestes, um es zu vertuschen, wohingegen ich bereits aufgegeben hatte.

„Ich habe mich schon entschieden“, antwortete ich deshalb entschlossen. „Sehen Sie mich an – diesen Krieg verliere ich so oder so. Ich möchte nur nicht, dass sich meine Haut um die Augen morgens nach dem Waschen trocken anfühlt. Aber danke.“ Dann schnappte ich mir die Augencreme, machte mich auf den Weg zur Kasse und ließ sie einfach stehen.

Parfümerien betrete ich meist mit einem Gefühl der Unzulänglichkeit, denn alle Verkäuferinnen sehen stets aus wie aus dem Ei gepellt, mit perfekt aufgetragenem Lidstrich, makelloser Foundation und akribisch nachgezogenen Lippen.

Und immer, wirklich immer, wenn mir eine von ihnen einen Flakon, eine Tube oder einen Cremetiegel vors Gesicht hält, klingt es ein wenig vorwurfsvoll nach dem Motto: „Wenn ICH so aussehen kann, können Sie das auch. Wohl zu faul, oder?“

Schönheitsindustrie bietet alles, um dem Altern entgegen zu wirken

Was ich nicht alles an mir reparieren lassen sollte, wenn es nach der Schönheitsindustrie ginge: Facelifting, Fadenlifting, Schälkur, Cremes, deren Tubeninhalt scheinbar mit Gold aufgewogen wird, Falten-Unterspritzungen, Pilates, Yoga, Gymnastik, kübelweise Mineralwasser, um die Haut aufzuplustern, Meditation, Spezial-Dragees und so weiter. Ich komme gar nicht hinterher und habe festgestellt, dass es wesentlich einfacher ist, sich ohne Brille im Spiegel zu betrachten – da sehe ich nämlich immer noch klasse aus, denn ich bin stark kurzsichtig. Kann ich nur empfehlen. Es bringt ja nichts, sich über jedes Fältchen aufzuregen, davon gehen die nicht weg. Ich habe eher das Gefühl, sie werden bei Beachtung schlimmer.

Neulich war ich beim Hautarzt zum jährlichen Checkup. „Meine Freundin nimmt jetzt immer diese Kapseln mit Hyaluron“, erzählte ich ihm, während er mit dem Vergrößerungsglas um mich herumschlich. „Die sollen gut sein.“ „Kann sie gerne tun“, antwortete er lächelnd. „Sie darf nur nichts erwarten. Das einzige, das wirklich funktioniert, ist ein Lifting. Aber auch dessen Wirkung ist zeitlich begrenzt, und dann müssen Sie es wieder machen lassen.“

Ich muss dazu sagen, dass er keine einzige dieser Leistungen, weder Falten-Unterspritzungen noch Fadenliftings anbietet. Er meint, er hätte schon mit Hautkrankheiten genug Arbeit.

In Würde älter zu werden ist relativ hart, denn ich lebe in einem Zeitalter, in dem sich schon 30jährige alt vorkommen (warum eigentlich?), kenne Frauen, die einmal jährlich zum Fettabsaugen an den Bodensee fahren, sich mittags Botox spritzen lassen und spätestens mit 50 der blanken Verzweiflung anheimfallen.

Einfach mal prominente Frauen googlen!

Letzte Woche las ich einen Artikel über Katie Price, Englands berühmtestes Ex-Boxenluder, die von einem gewieften Paparazzi kurz nach ihrem letzten Lifting fotografiert wurde – mit noch blutigen Nähten neben den Ohren, schlampig in den Haaransatz geklemmten blonden Extensions, mit zugeschwollenen Augen und überproportional aufgespritzten Lippen.

Katie Price ist 41. Und während ich fassungslos das Bild der armen Frau betrachtete, drängte sich mir die Frage auf: „Was macht die, wenn sie 50 wird? Oder 60? Kopf ab und ein neuer drauf?“

Wenn es Sie interessiert, wozu die plastische Chirurgie mittlerweile imstande ist, googeln Sie „Mutter von Sylvester Stallone“. Die Dame wird geschmeidige 93, zumindest Teile von ihr. Das gilt übrigens auch für Cher, Meg Ryan oder Demi Moore. Gerne delektiere ich mich außerdem wohlig-schaudernd an Fotos von deutschen „Promis“, die des Guten etwas zu viel getan haben. Oder tun haben lassen. Ich mache das nicht aus Bosheit, sondern aus einer Art morbider Neugierde heraus, weil ich mir vorstelle, wie sie getrieben werden, immer auszusehen, als hätten sie ein Bild im Keller hängen, das an ihrer Stelle für sie altert.

Es ist ein sinnloser Kampf. Man kann eine Schlacht gewinnen, aber keinen Krieg. Und es ist mit dem Gesicht ja nicht getan, als da wären noch die Oberarm- und Hals-Straffung, die Straffung der Bauchdecke, ein Hals-Lifting, eine Korrektur der Schlupflider und für die ganz Gründlichen Hand-Implantate, denn an den Händen erkennt man das wahre Alter ohnehin sofort. Ein gutes Beispiel für gründliche Restaurierung ist auch Madonna, die jetzt mit 61 immer noch super aussieht, weil sie sich das leisten kann. Bei anderen ist es leider nicht so gut gegangen. Oft wirken die Gesichter aufgequollen oder unnatürlich verzerrt, oft wurde die Haut dermaßen gestrafft, dass sich die Augen zu Schlitzen verzogen haben. Auch dafür gibt es im Netz gute Beispiele.

Ich habe einmal aus Versehen beim Zappen eine Schönheits-OP im Fernsehen „erwischt“ und bin erschrocken hängengeblieben. Die schälen einem tatsächlich die Haut vom Gesicht wie einer Orange, schneiden etwas davon ab und nähen den Rest dann wieder an.

Jede einzelne Falte redlich verdient

Nur über meine Leiche. So eine Welt brauch‘ ich nicht, in der ich ständig jung und schön sein muss, um wahrgenommen zu werden. Ich habe keinen Grund, zu leiden, damit andere was Nettes anschauen können.

Jede einzelne Falte habe ich mir redlich verdient – in durchweinten Nächten, weil ich verlassen wurde, an Gräbern geliebter Menschen, beim Tierarzt in den letzten Minuten meiner Samtpfoten, in Krankenhäusern, wenn ich mich mich mühsam in die Welt der Gesunden zurückkämpfte. Ich würde keine einzige Falte wieder hergeben. Sie sind Zeugnisse eines Lebens voller Anstrengung, Hindernisse und Erfahrungen. Das bin ich. Wem’s nicht passt, der soll sich den „Pirelli“-Kalender oder den „Playboy“ kaufen. Gern geschehen.

Wo ist das Selbstbewusstsein von uns Frauen geblieben? Warum macht man sein Wohlbefinden an Äußerlichkeiten fest? Warum bitte denken 30- oder 40jährige, dass sie sich Botox spritzen lassen müssen? Die haben keine Ahnung vom Alter. Glauben Sie mir: Falten sind das kleinste Übel, wenn man beginnt, auseinanderzufließen wie zu weich geratener Kuchenteig. Da kommen ganz andere Nettigkeiten, auf die man sich freuen darf. Lieber Gott, ich nehm statt der Arthrose, dem Rheuma, Gicht oder Osteoporose lieber die Augenfalten. Dankeschön.

Da ich kein Hollywood-Star bin, tut’s für mich die fettige Creme von Doktor Grandel oder Clinique. Alle meine Freunde und Bekannten werden auch älter und damit naturgegeben weitsichtig, die sehen nicht mehr sonderlich gut, bei denen gehe ich als „gepflegte Erscheinung“ jederzeit durch. Und meine Oberarme kaschiere ich mit längeren Ärmeln. Für so was würde ich mich niemals unters Messer legen.

Geheime Beauty-Tipps von Promis oft amüsant

Am meisten amüsiere ich mich immer über die „geheimen“ Schönheitstipps weiblicher Prominenter. Da sitzt dann eine 50jährige, die wie 40 wirkt und behauptet, 30 zu sein, auf der Yogamatte mit anmutig verknoteten, schlanken Beinen und blickt versonnen in die Kamera.

„Was ist das Geheimnis Ihres jugendlichen Aussehens?“, fragt der Reporter.
„Äh, Wasser“, antworten sie dann immer lächelnd und zeigen zwei Reihen makelloser Implantate. „Rohkost natürlich auch. Und jeden Montagabend röste ich mir einen Grottenolm mit Rucola.“

Dann plaudern sie weiter über ihre Schönheitstipps und schwören, ihre feste Kinnlinie, die straffen Oberarme und die seitlich gezogenen Lider seien ausschließlich das Ergebnis von Mineralwasser, veganer Ernährung und Yoga.

Klar doch.

Wann ist das eigentlich passiert, dass man nicht mehr in Ruhe vor sich hin altern, in die Breite gehen und Kittelschürzen tragen darf? Oder wenigstens einen Trainingsanzug? Warum darf nicht einfach jeder rumlaufen, wie er möchte? Warum sehe ich bei Facebook 60jährige im Mini mit einem Oberteil, das bis zum Schambein dekolletiert ist?

Wie ich meine Mutter und meine Großmutter beneide. Die saßen abends mit den anderen Damen vom Haus zusammen im Garten, klimperten mit ihren Stricknadeln und waren mit sich und der Welt im Reinen. Bundfaltenrock, Beton-Dauerwelle, rote Holz-Pantoletten mit Lederriemen und fertig war die Laube. Es gab nicht das Konkurrenzdenken, es gab nicht das durch die Werbung in den Köpfen verankerte Massenbewusstsein: „Nur Schönheit zählt.“

Keine Lust auf Hanteln

Sicher, Cher sieht immer noch klasse aus, und in der Sitcom „Hot in Cleveland“, in der vier Singles zwischen 50 und 60 in einem kleinen Ort stranden und dort nur ärmellose Klamotten tragen, haben alle eine Bombenfigur und straffe Oberarme wie aus Plastik modelliert. Aber das setzt mich unter Druck, denn ich habe einen Vollzeitjob, mehrere Hobbies und nicht die geringste Lust, abends mit Hanteln durch die Wohnung zu turnen, nachdem ich gerade geputzt habe. Das können die Mädels aus der Traumfabrik gerne machen – die haben ja auch nichts anderes zu tun.

Da lobe ich mir Betty White, die „Rose Nylund“ aus „Golden Girls“. Die hat sich getraut, einfach älter zu werden, mit Hängebäckchen und einem Busen in Nähe ihres Bauchnabels, und macht es mit Humor wett. Betty sieht nicht aus, als hätte an ihr jemand geschraubt, gezerrt oder gespritzt, sie ist einfach nur alt und strahlt eine unbändig ansteckende Lebensfreude aus.

„Jung sein ist toll. Man muss nicht mal hübsch sein, um hübsch zu sein“, sagt Dorothy, eine von den „Golden Girls“, in der allerersten Folge zu ihrer Freundin. „Weißt du, was heute für mich jung ist? 40!“

Man sollte immer daran denken, dass, wie ich eingangs erwähnte, viele nicht einmal ihr 40tes Lebensjahr erreichen. Und man sollte sich beizeiten spirituelle, intellektuelle oder mentale „Vorräte“ schaffen, von denen man zehren kann, wenn sich die Proportionen verschieben wie bei einem schlecht aufgeblasenen Globus aus Gummifolie. Das wird passieren – geben Sie sich keinerlei Illusionen hin. Die Hüften werden breiter, die Taille verschwindet nach Paraguay, Nase und Ohren wachsen einfach weiter, und die Oberarme bedürfen ständigen Trainings, weil der Trizeps sich sonst im wahrsten Sinne des Wortes hängen lässt. Und hängen bleibt.

Buch, Hobbies & Co. gehen auch in späteren Jahren noch

Dann kann man, wenn man vorgesorgt hat, immerhin von seinen Vorräten zehren: Interessen, Hobbies, Talente, irgendwas, das nicht von Äußerlichkeiten abhängig ist. Wer ein gutes Buch zu schätzen weiß und einsieht, dass es mit 60 ein bisschen länger dauert, den Mount Everest hinaufzukraxeln, wird sich leichter tun, wenn er morgens in den Spiegel schaut. Den Berg erklimmen kann er trotzdem, nur eben ein wenig langsamer.

Wer aber seiner verlorenen Jugend hinterherrennt (und die ist wirklich weg und kommt auch nicht wieder…), dem wird irgendwann die Puste ausgehen bis er atemlos am Wegesrand sitzen bleibt. Es ist wie beim Hasen und beim Igel.

Irgendwann mutiert jeder von „attraktiv“ zu „gepflegte Erscheinung“. Irgendwann stellt jeder fest, dass die Restauration vor dem Ausgehen allmählich an Bauernmalerei erinnert und immer aufwändiger wird. Irgendwann landen beim Verreisen im Koffer nicht mehr nur Tanga und Zahnbürste, sondern Säurebinder, Interdentalbürsten und Schlaftabletten. Irgendwann wird man in der Pizzeria „Signora“ genannt werden und nicht – wie noch vor 5 Jahren – „Signorina“. Am besten stellt man sich darauf ein, dann erschrickt man nicht, denn es kommt wie ein Hammerschlag, wenn man bemerkt, dass andere einen als „älter“ wahrnehmen.

Das Wichtigste im Leben altert nie: unsere Lebensfreude, unser Charme, unser Charisma, unsere Begabungen und Vorlieben, und unsere Neugierde auf alles, das unser Leben weiterhin bereichern könnte. Und ein liebevolles Herz, eine begeisterungsfähige Seele, brauchen kein Botox – die bleiben immer 25. Ist das nicht schön?

Ich finde, das sind gar keine so schlechten Aussichten. Machen wir was draus!

Bildnachweis (Symbolbild): stock.adobe.com / Kontrastwerkstatt

„Last Christmas I gave you my heart“ – so beginnt der Song, der alljährlich aufs Neue gespielt wird, wenn die Adventszeit in greifbare Nähe rückt. Das Lied ist mittlerweile zum Kultsong avanciert, obwohl es bekanntlich viele Leute gibt, die „Last Christmas“ überhaupt nicht mehr hören können.

Andrew Ridgeley dagegen bemerkt das Lied nicht einmal mehr, wenn es irgendwo gespielt wird. Lediglich die Tantiemen, die dafür regelmäßig auf seinem Konto eingehen, nimmt er wahr. So ist es im aktuellen SPIEGEL, Ausgabe 49/2019, zu lesen. Und der Mann von dem die Rede ist – Andrew Ridgeley – ist der einstige zweite Part von Wham!, dem einstigen Pop-Duo, das doch eher von George Michael geprägt wurde.

Gegenstück von Wham! ist öffentlich kaum wahrnehmbar

Obwohl Ridgeley ein ebenso guter Sänger war, wie der charismatische George, wurde er schon damals – zu HOCHzeiten von Wham! – eher in der zweiten Reihe wahrgenommen. Heute ist er öffentlich kaum noch wahrnehmbar. Kein Wunder: Der heute 56jährige hat sich seit dem Ende von Wham! ins Private zurückgezogen und macht auch nicht durch Skandale oder Plaudereien aus seinem Privatleben von sich reden.

Bekannt ist, dass Ridgeley bis 2017 mit der Bananarama-Sängerin verheiratet war. Beide hatten es sich einst auf eine Farm in Cornwall eingerichtet. Dort lebt er heute noch und bekennt sich öffentlich dazu, ein Fan des Landlebens zu sein.

Dass das Gegenstück des erfolgreichen Musik-Duos derzeit überhaupt in den Schlagzeilen ist, liegt an der Autobiographie, die Andrew Ridgeley veröffentlicht hat und die dieser Tage auf Deutsch erschienen ist. „WHAM! George & ich“ heißt das Werk, in dem der Künstler über die Zeit mit seinem Schulfreund George Michael schreibt. Und über den kometenhaften Aufstieg der Sänger, dem sich die Trennung der beiden anschloss.

Dreckige Wäsche Fehlanzeige!

Dreckige Wäsche wäscht der stilvolle Brite dabei nicht. Wie es sich für einen waschechten englischen Gentleman gehört, übt er auch im Buch vornehme Zurückhaltung im Zusammenhang mit seinen Erinnerungen.

Sehr sympathisch! Zudem passt zu dem einstigen WHAM!-Part das Sprichwort: „Der Gentleman genießt und schweigt“. Das geht auch im Zusammenhang mit Tantiemen. Die dürften auch zukünftig reichlich für Ridgeley fließen – „Last Christmas“ sei Dank!

Bildnachweis: picture alliance / Photoshot

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Freundinnen

Wer den nächsten Urlaub bucht oder plant, der weiß – logisch – ganz genau, wohin es ihn ziehen wird. Meist fällt die Wahl auf das Meer, die Berge oder eine aufregende Stadt. Soweit – so normal. Seit neuestem aber verbringt der eine oder andere Urlauber seine freien Tage an einem Ziel, das er vorher nicht kannte. „Überraschungsreise“ nennt sich das und die Angebote hierfür erfreuen sich schon reger Nachfrage. Aus dem Umstand, dass man eigentlich schon immer „blind“ Restkontingente bei Fluggesellschaften und Reiseveranstaltern buchen konnte, hat das Unternehmen UNPLANNED ein Business gemacht und schickt Abenteuerlustige auf maßgeschneiderte Reisen.

Vor der Überraschungsreise gibt man Interessen an

Im Vorab gibt man dort lediglich seine Interessen und Vorstellungen von der Reise an und kann auf Wunsch auch ein Telefonat mit Mitarbeitern des Reiseveranstalters führen. Die Profis machen sich danach ans Werk und „schneidern“ die lange Urlaubsreise ebenso wie den Mädels-Trip in eine aufregende Stadt. Doch kommt diese Art des Reisens wirklich gut bei jenen, die sie durchführten, an?

Nun – die Referenzliste von UNPLANNED lässt darauf schließen. Vom Paar bis zur Mädels-Clique haben auf der Homepage des Unternehmens einige Kunden des Reiseveranstalters Statements zum Nachlesen hinterlassen.

Auch das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL hat sich schon mit dieser ungewöhnlichen Art des Reisens beschäftigt und eine Familie porträtiert, die sich einen Urlaub nach Maß hat schneidern lassen.

Das Ehepaar landete mit seinen drei Söhnen in Neapel und logierte in einem Boutiquehotel. Im Programm enthalten waren außerdem eine alternative Stadtführung, der Besuch eines nicht so touristenträchtigen Stadtteils, ein Kochkurs und eine Bootsfahrt. Also schon ein Stück weit mal was anderes als Schema F. Als ein Gegenprogramm zum „Normaltourismus“ ist diese Geschäftsidee, die von den Gründern von UNPLANNED umgesetzt wurde, auch gedacht.

Manager und Tourismusexpertin haben UNPLANNED gegründet

Dahinter steckt laut dem SPIEGEL auch Christian Diener, ein ehemaliger Red-Bull-Marketingmanager. Zusammen mit der Berliner Unternehmensberaterin und Tourismusexpertin Frauke Schmidt hat er das Unternehmen an den Start gebracht.

Ihren Kunden verraten die Start-upper erst kurz vor der Reise, auf was sie sich einstellen sollen. Ein versiegelter Umschlag mit den Zug- oder Fluginformationen und den Angaben zum Zielort kommt schon eine Woche vor dem Start, sollte aber – ganz klar! – noch nicht geöffnet werden. Dies sollte im Idealfall erst am Bahnhof oder Flughafen geschehen. Drei Tage vor der Abreise werden die erwartungsvollen Abenteurer mit Informationen über das Wetter am Urlaubsort informiert – ein kleines MUSS bei dem Blindflug. Es sollen ja schließlich die richtigen Sachen mit ins Gepäck!

Hat man das verschnürt und verschlossen, kann es mit dem versiegelten Briefumschlag losgehen. Kurz vor Abfahrt oder Abflug wird dieser dann geöffnet und die Reisenden sind im Bilde.

Eine recht charmante Idee, in Zeiten von Massentourismus & Co. Zumal sich so eine maßgeschneiderte Idee tatsächlich gut dazu eignet, zusammen mit der besten Freundin oder der Mädels-Clique mal so ein Abenteuer anzugehen.

Zusammen reist es sich nicht nur schöner – zusammen fiebert es sich auch schöner. Dem Ungewissen entgegen und: Surprise, Surprise…!

Bildnachweis: pexels.com / cottonbro
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Jürgen Domian

Die Fans waren gespannt ohne Ende und auch in den sozialen Netzwerken wurde sie heiß erwartet: Die neue Talkshow von Kult-Talker Domian.

Doch schon ab dem dritten Gast mehrten sich auf Twitter die Stimmen der Kritik, was allerdings auch am Gast lag. War die Geschichte des ersten Gastes – eines jungen Mannes mit Handicap in Form von Tumoren – noch interessant, nahm die Sendung mit der zweiten Dame Kurs in Richtung Langeweile. Ihre Geschichte vom Ausstieg bei den Zeugen Jehovas war kein wirklicher „Kracher“.

Domians Gäste schafften es zum Großteil nicht, Zuschauer in den Bann zu ziehen

Mit dem dritten Gast ging es dann eher Richtung Klamauk und – wie schon erwähnt – mit der digitalen Kritiken richtig los. Die 66jährige Blondine gab sich mehrfach kindisch als Fan von Domian zu erkennen und erzählte zwischendurch ihre persönliche SM-Sexgeschichte. Und das auch noch sehr langatmig, was die Twitter-Gemeinde höhnisch und mit vielen digitalen Spitzen quittierte.

Unter anderem fragte man sich auf Twitter, ob das Publikum zukünftig Leute ertragen muss, die einfach nur mal vor Domian sitzen wollen?

Nun – abwegig ist das nicht. Denn die Infos, die Domain im Vorfeld über das neue Talkformat rausgab, besagten, dass er absolut nicht weiß, welche Gäste kommen.  Bei seinen jahrelangen Telefonaten mit Leuten, die sich einfach mal aussprechen wollten, wusste er das zwar auch nicht, aber das war doch irgendwie was anderes. Gestern Abend wurde man das Gefühl nicht los, dass die letzten beide Gäste einfach nur Bewunderinnen des Moderators sind. Ihre jeweiligen Geschichten rissen absolut nicht vom Hocker.

Die letzte Dame, die auf die Frau mit der Sex-Geschichte folgte, gerierte sich ebenso als Domian-Fan und wartete mit einer Fluchtgeschichte zu DDR-Zeiten auf. Ansonsten ja ein super-interessantes Thema, aber gestern passte das einfach nicht. Zumal schon vorher im Fernsehen auf gefühlt jedem zweiten Sender Mauer- und Fluchtgeschichten aus den Jahren des Honecker-Regimes liefen. Außerdem passt sowas nun wirklich eher in ein zeitgeschichtliches Format und nicht zu Domians Sendung.

Persönliche Fälle, die das Publikum fesseln, sind gefragt

Wenn man ehrlich ist, erwartet man bei dem beliebten Moderator tatsächlich außergewöhnliche Fälle. Persönliche Fälle, die fast einmalig sind und den Zuhörer oder Zuschauer total fesseln.

Screenshot

Statement eines Twitter-Users zu Domian.

Das war beim Live-Talk nicht so. Die Chance, das Publikum in einen Bann zu ziehen, wurde vertan. Das lag definitiv an den letzten zwei Damen, die sich zudem durch ihr Fangebaren  selbst disqualifizierten. Hätte man nach dem ersten jungen Mann weitere, sehr interessante persönliche Schicksale – im Guten, wie im Schlechten – zu hören bekommen, wäre der Funke von Domians Live-Show sicher übergesprungen.

So ist er es nicht. Dazu gibt es in den sozialen Netzwerken auch unzählige Statements – siehe auch Bild links (zum Vergrößern bitte draufklicken!).

Jedoch: Es gibt für alles eine zweite Chance und diese bietet sich schon mit der nächsten Domian Live-Sendung am Freitag, den 15. November 2019 um 23.30 Uhr im WDR. Es kann nur besser werden! Mehr zu dem beliebten Moderator und seiner Sendung hier.

Bildnachweise: Screenshot Twitter, Account @bloggdoch, (c) dpa

 

 

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Domian

Der beliebte Fernseh-Talker Domian kehrt ins Fernsehen zurück! Als er vor drei Jahren seinen Rückzug bekannt gab, waren eingefleischte Domian-Fans schockiert und bedauerten den Abgang des Kummerkasten-Mannes auf ganzer Linie.

Nun aber wird der beliebte Nacht-Promi auf die Mattscheibe zurückkehren. Und das schon im November! Sah man „früher“ lediglich nur Domian im Fernsehen, während seine Anrufer nicht gezeigt wurden, ändert sich das  jetzt mit dem neuen Format.

Domian hat in der Vergangenheit zehntausende Telefonate geführt

Der Talker, der nach eigenen Angaben über 20 000 Telefon-Gespräche im Rahmen seiner „Domian“-Sendungen geführt hat, wird live auf seine Gäste treffen. Spannend: Seine Redaktion gibt ihm vorher nicht bekannt, um welche Gäste es sich handelt, so dass es sozusagen eine Überraschung wird, auf welchen Gast und auf welches Problem er trifft.

Domian-Fans wird gefallen, dass ihr Idol einmal mehr nur ganz normale Leute in seine Show einlädt. Nichts mit Promi, Dschungel-Camp-Kandidat oder Instagram-Sternchen! Das klingt gut. Wie konkret das Konzept der neuen Sendung aussieht, das schreibt das Portal extratipp.com auf seiner Seite am 6. September 2019:

„(…)Ab dem 8. November 2019 will Jürgen Domian jeden Freitag um 23.30 Uhr in seine Sendung starten. Erstmal läuft „Domian live“ vier Wochen lang, wenn die Tage wieder kürzer werden. Auch ein Publikum im Studio darf Domians Ratschlägen lauschen, wenn er live den Hörer abnimmt. Aber auch von Angesicht zu Angesicht möchte er seine Gäste beraten, wie das dwdl.de berichtet. Was genau in Domians Show passiert, ist der WDR für alles offen. Wer als Gast infrage kommt, wird von der Redaktion ausgesucht und danach im besten Fall nach Köln zum Einzelgespräch mit Jürgen Domian eingeladen. „Für mich ist das sehr attraktiv, weil ich nach ungefähr 22.000 Telefoninterviews meine Gäste endlich sehen kann„, freut sich Domian über die bahnbrechende Neuerung. Der 61-Jährige mutmaßt, dass der Großteil seiner Gäste genauso gerne auch vor der Kamera in der Show, statt nur am Telefon mit ihm ihr Herz ausschüttet.(…)“

Domian selbst gab die gute Nachricht auch auf seinem Facebook-Account bekannt und veröffentlichte die Nummer, unter der sich interessierte Leute, die als Gast dabei sein wollen, melden können. Sie lautet: 0800 220 88 99.

Fans gratulieren Domian zu seiner Entscheidung

Was Domian noch so schreibt, kann in seinem aufseherregenden Posting, das zum Stand heute, 6. September 2019, über 2.600 Kommentare hat, noch so schreibt, kann jeder, der mag, öffentlich auf Facebook nachlesen. Fakt ist, dass die User begeistert sind über seine Rückkehr und das in den vielen Kommentaren auch ausdrücken. Ein Kommentator witzelt gar:

„Meine Gebühren werden wieder sinnvoll verwendet. Danke Jürgen!“

Wer das ebenso sieht, der sollte sich den Start der Sendung am besten in seinen Kalender eintragen: Freitag, 8. November 2019. „Domian live“ wird im WDR-Fernsehen, direkt nach dem „Kölner Treff“ ausgestrahlt.

Bildnachweis: (c) dpa

 

 

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