Sonntag, 2. Oktober, 2022

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Warum nicht im Wald wohnen?- Kolumne aus der Chefredaktion

Vogelgezwitscher, eine saftige Wiese und dahinter dunkel und geheimnisvoll der Wald: So präsentierte sich mir dieser Tage ein zauberhafter Ort, in dem ich nie zuvor war und der doch ganz in der Nähe meines Hauses liegt. Es ist nämlich so: Nach vielen Stunden am Computer habe ich nachmittags häufig das Bedürfnis, in die Natur zu gehen. Also – so richtig in die Natur. Der Garten hinter dem Haus reicht da nicht. Und da ich in der Nähe der Dübener Heide wohne, macht es mir unglaublich viel Spaß, in der waldreichen Region mal „querfeldein“ zu fahren und immer wieder neue Orte zu entdecken.

Ganz bewusst steuere ich dabei Wälder an, denn diese Naturgebiete üben auf mich nicht nur einen unwahrscheinlich großen Reiz aus, nein: Sie erden mich auch binnen Minuten. Wechsle ich von meinem Computerarbeitsplatz in den Wald, verspüre ich sofort Entspannung und genieße die frisch-würzige Luft in vollen Zügen.

Im Wald wohnen: Schon der Gedanke ist herrlich!

Außerdem ist man im Wald so gut wie immer alleine und kann gestresste Gedanken zur Ruhe kommen lassen.

Neidisch werde ich, wenn ich im Wald oder am Waldesrand kleine Siedlungen entdecke, die oft wie aus dem Nichts einfach da sind. Meist handelt es sich um Wochenend- und Feriensiedlungen, in denen der eine oder andere sicher auch dauerhaft wohnt.

Als ich dieser Tage mal wieder in einer so idyllischen Waldsiedlung landete, die nur aus wenigen Häusern bestand, setzte ich mich intensiv mit dem Gedanken auseinander, im Wald zu wohnen. Ganz ehrlich: Das ist lange schon ein großer Traum von mir! Allein die familiären und ortsbedingten Umstände in meinem Leben lassen das nicht zu.

Das hält mich freilich nicht davon ab, ins Schwärmen zu geraten, wenn ich wunderschöne Waldhäuschen sehe, deren Fenster auf nichts anderes als stille Bäume oder/und Wiesen am Waldesrand gerichtet sind. Ich beginne dann immer zu träumen, wie es wohl wäre, im Wald zu wohnen.

Ja: Warum nicht einfach im Wald wohnen?

Wo die Luft nach Kiefernnadeln duftet…

Wo Ruhe und Stille sich wie eine weiche Decke auf den täglichen Stress legen. Wo ich bei Tagesanbruch mit einer Tasse Kaffee in der Hand draußen sitzen und dem Wald zuhören kann – vielleicht noch begleitet von Wildbeobachtungen. Wo die Luft nach Kiefernnadeln duftet. Wo ich rund um die Uhr mystisch-naturnahes und sagenumwobenes Flair genießen kann…Wo man im Winter den Kaminofen mit Holz aus dem nahen Wald feuert und bei molliger Wärme nachmittags beobachten kann, wie sich die Dunkelheit auf den Wald herabsenkt. Wo Hektik, Menschenmassen und Verkehrslärm weit weg sind.

Setze ich gegen diese Gedanken meine Realität, dann wird aus „Warum nicht im Wald wohnen?“ leider, leider eine „Darum nicht im Wald wohnen“-Argumente-Liste:

  • Weil im Winter kein Winterdienst die Wege vom meterhohen Schnee befreit und man den Nachwuchs nicht (pünktlich) zur Schule fahren kann,
  • Weil der eigene Partner nicht der „Holz-hacken-und-mit-der-Natur-leben“-Typ ist
  • Weil einem garantiert ganz anders wird, wenn man einsam im Walde wohnt und man es draußen knacken hört und sich vor Angst fast in den Hosen macht, wenn man gerade allein daheim ist…
  • weil ein umgestürzter und auf dem einzigen Zufahrtsweg liegender Baum ein großes Problem ist, wenn man mit dem Kind bei einem Notfall ins Krankenhaus muss.

Nun – die Punkte die für ein Leben im Wald sprechen, überwiegen natürlich. Doch muss man sich tatsächlich fragen, welchen Anteil daran romantisch-verklärte Vorstellungen vom Leben im Wald haben?

Häuser im Wald sind rar

Ganz zu schweigen von vakanten Immobilien. So ein Schmuckstück wie auf dem Bild zu sehen, das ich kürzlich in einer kleinen idyllischen Waldsiedlung gemacht habe, dürfte heute kaum mehr öffentlich auf den Markt kommen. Wenn es denn überhaupt je verkauft wird. Meist werden solche außergewöhnlichen Immobilien innerhalb der Familie vererbt. Wieder andere Häuser sind unbezahlbar.

Und so bleibt das eigene Häusel im Wald schon allein von den Rahmenbedingungen das, was es auch in romantischen Vorstellungen ist: Ein Traum!

Bild: privat
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