Ein Gastbeitrag von Bianca. Es gibt in einem Frauenforum im Internet eine Rubrik, die sich „Der gebrauchte Mann“ nennt. Dort geht es ausschließlich um Frauen, die einen – mehr oder weniger – neuen Partner haben, in dessen Leben kontinuierlich die Ex reinfunkt. Ganz gleich ob sie das aktiv tut oder ob die einstige Partnerin beim neuen Freund eher wie ein Gespenst im Raume schwebt.

Ich hatte einst mit der zweiten Version zu tun und damals lange gebraucht, bis ich merkte, dass ich eigentlich nur als bessere Therapeutin für IHN fungierte. Aber von vorn:

seinerzeit lernte ich Maik (Name geändert) über ein Datingportal im Internet kennen. Nach dem üblichen Hin- und Her per E-Mail, bei dem ich auch erfuhr, dass Maik eine kleine Tochter hat, die bei der Mutter lebte, verabredeten wir uns und trafen uns in einer Kneipe auf der angesagtesten Kneipenmeile unserer Stadt. Maik sah ganz passabel aus, aber ihn optisch zu beschreiben, fällt schwer. Er hatte eine Glatze und wirkte insgesamt wie jemand, der Stammkunde in Outdoorläden ist. Zumindest wirkte das auf mich so.

Er hatte als Ingenieur einen Job bei einem Maschinenbauunternehmen und lebte in einer stinknormalen Zwei-Zimmer-Altbau-Wohnung.

Wir verstanden uns auf Anhieb und so ließ ich mich auf ihn ein.

Den Abend, als wir das erste Mal im Bett landeten, vergesse ich so schnell nicht, denn er blieb mir in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung. Zum einen, weil Maik als abendliches Programm „davor“ den Film „The Blair Witch Project“ einwarf und zum anderen, weil er mir an diesem Abend sagte, dass seine Ex im selben Haus wohnt. Drei Etagen höher. Mit dem gemeinsamen Kind, das zu dem Zeitpunkt vier Jahre alt war.

Ich war erstaunt über eine solche Konstellation, die mir bis dato noch nicht begegnet war.

Maik erklärte die Situation damit, dass es sich nach der Trennung ergab, dass in dem Haus eine Wohnung frei war und man(n) das ja dann auch gut mit der abwechselnden Kinderbetreuung deichseln könnte.

Ich nahm diese Info zur Kenntnis und wir widmeten uns dem weiteren Verlauf dieses Abends, der erst in den frühen Morgenstunden endete. Ich fuhr „danach“ dann heim und erinnere mich noch gut an meine Angst, in meine Tiefgarage zu fahren, da der blöde Horrorfilm in mir nachwirkte.

Die Wochen vergingen und Maik und ich verbrachten immer mehr Zeit miteinander. Allerdings ging diese zum Großteil für Erzählungen über seine Ex und sein Kind drauf. War ich zunächst noch relativ mitfühlend, merkte ich bald, dass Maik die Trennung – die über ein halbes Jahr zurück lag – überhaupt noch nicht verarbeitet hat. Nahezu über jede Aktivität seiner Ex wusste er – dadurch, dass er nunmal im selben Haus wohnte – Bescheid und bei unseren Treffen redete er brühwarm fast nur darüber. Einmal war ich bei ihm, als seine Tochter da war, ein süßes kleines Mädchen. Als sie abends im Bett lag, kam das Gespräch erneut auf seine Ex – diesmal im Zusammenhang mit seiner Tochter.

Lange Rede – kurzer Sinn: unsere gemeinsame Zeit dauerte keine drei Monate, ich beendete die Beziehung, in der es es so oft nur um seine verflossene Liebe ging und nannte ihm das auch als Grund für die Trennung. Langsam wurde mir klar, dass ich für ihn als eine Art Therapeutin fungierte, nur dass es ihn nichts kostete. Immer wieder gab ich ihm Ratschläge, ging mit ihm sein jeweils aktuelles Problem mit der Ex durch und, und, und…Das ist natürlich Gift für eine junge Beziehung und mir fiel fast schon ein Stern vom Herzen, als ich wieder Single war.

Danach muss Maik wohl erst richtig tief in ein Loch gefallen sein. Die Ex noch tief in ihm drin und die neue Freundin schon wieder weg – das war offenbar zu viel für ihn.

Jedenfalls begann er nach der Trennung erst richtig, mich mit seinen Problemen zu behelligen. Kein Witz: jeden Abend, wenn ich von der Arbeit heimkam, rief er an. Diese Telefonate waren irgendwie eine Mischung aus seinem Wunsch, ich möge es mir nochmal anders überlegen und dem Heraussprudeln seines Gefühlszustandes, bei dem wie immer die Ex eine große Rolle spielte. Mal hat sie etwas getan, was ihm nicht passte, mal hat sie wohl ein Date mit einem Mann gehabt, dann wieder eine Entscheidung im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Kind getroffen, die er nicht guthieß und so weiter und so fort.

Ich agierte wie eine tibetanische Gebetsmühle, gab ihm immer wieder die gleichen Ratschläge. Wir drehten uns im Kreis. Warum ich mich da mitdrehte, ist eine gute Frage, die wohl hier die eine oder andere Leserin zu Recht stellt.

Keine Ahnung!

Zum einen war ich damals, wenn ich von der Arbeit heim kam, auch meist einsam und zum anderen bin ich nicht der Mensch, der andere harsch am Telefon abwimmelt.

Allerdings ging mir das Ganze irgendwann mehr und mehr gegen den Strich.

Es war über viele Wochen dasselbe: ich kam von Arbeit und keine halbe Stunde später läutete das Telefon und zeigte im Display (das war noch zu Festnetz-Zeiten) seine Nummer an.

In dieser Zeit wurde Maik auch von Tag zu Tag depressiver, manchmal hing er nur in der Leitung und reagierte lange Zeit gar nicht auf meine Ratschläge oder aber nur mit einem nichtssagenden „Hm“.

Die Anrufe belasteten mich immer mehr und obwohl ich Maik bat, sich professionelle Hilfe zu suchen und mich in Ruhe zu lassen, läutete er wieder und wieder an.

Seine Stimmung wurde immer gedrückter, um nicht zu sagen deppressiver. Nur: mir reichte es! Ich hatte für ihn lange genug die Ersatztherapeutin gespielt, in unserer kurzen Beziehung und auch danach.

Es kam, wie es kommen musste: ich ging irgendwann nicht mehr ans Telefon.

Und verbrachte meine Feierabende wieder normal. Heute lebe ich längst in einer langjährigen Beziehung und bin glücklich. Im Rückblick gesehen, kann ich über meine Geduldsamkeit mit Maik nur den Kopf schütteln. Über mich selbst. Über meine unendliche Geduld.

Und wenn ich manchmal in dem eingangs erwähnten Frauenforum stöbere, klicke ich nicht selten auch mal in die besagte Rubrik über den gebrauchten Mann. Und stelle oft fest, dass ganz, ganz viele Frauen ihren neuen Partnern, bei denen die Ex auf irgendeine Art und Weise noch Themaoder/und präsent ist, eher Therapeutin als gleichberechtigte Partnerin und viel zu verständnisvoll sind.

Deshalb mein Rat: machen Sie nicht den Fehler und lassen Sie sich je auf sowas ein! Vor allem, wenn Sie frisch mit dem Mann zusammen sind, kann die Devise nur heißen: „Finger weg!“.

Was Besseres findet sich allemal. Meine Meinung…!

Bildnachweis: pexels.com

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.