Beiträge

Spielzeug, das erst heiß ersehnt und nach kurzer Zeit langweilig geworden ist –  davon können wohl die meisten Eltern oder Großeltern berichten. In vielen Kinderzimmern wimmelt es heute von Figuren, Bausteinen oder Stecksystemen namhafter Marken, aber oftmals fehlt diesen Dingen der Langzeiteffekt.

Das heißt, dass nicht selten das Spielzeug schon nach kurzer Zeit unbeachtet in der Ecke oder im Regal im Kinderzimmer verstaubt. Hinzu kommt: während diese Teile das Interesse der Kinder nicht mehr wirklich wecken können, werden parallel dazu schon wieder neue Begehrlichkeiten geweckt – sei es beim Einkaufen, durch Freunde oder durch die Werbung.

Es gibt ja für Eltern kaum mehr ein Bereich des öffentlichen Lebens, in dem sie nicht mit Einhörnern oder Elsa und Anna konfrontiert werden! Der „Haben-wollen“-Modus wird von der Spielzeugindustrie mehr als geschickt bei den Kleinen aktiviert – das Resultat ist zumeist Überfluss, Unnützigkeit und eben auch Abfall. Selbst wenn benutztes Spielzeug von engagierten Eltern an Vereine oder finanziell benachteiligte Familien gespendet wird – irgendwann hat jedes Spielzeug ausgedient und der Nachschub läuft ununterbrochen auf Hochtouren. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen, um zu erahnen, was das auf Dauer mit der Umwelt macht, zumal vor dem Hintergrund, dass eine Menge Spielzeug mit fragwürdigen Inhaltsstoffen aufwartet.

Um diesem Wahnsinn zu begegnen, haben drei Frauen, allesamt Mütter, auf diese Situation reagiert und sich ihre eigenen Gedanken zum Überfluss im Kinderzimmer gemacht. Herausgekommen ist eine einzigartige und innovative Idee, die bald schon – als fertiges Produkt – in viele neugierige Kinderhände gelangen soll: Pappka, die faltbare Spielewelt, die auch in Sachen Nachhaltigkeit von sich reden macht.  Martina Musek, Cordula Hundrieser und Antje Stumpe (im Bild von links nach rechts) sind die kreativen Köpfe hinter dem Start-up Pappka.de aus Leipzig.

Im Interview erklärt Antje, wie es zu der Idee kam und wie die ausgefallene Spielewelt schon bald bei interessierten Familien Einzug halten soll. 

FB: Antje – das Team hinter pappka.de besteht komplett aus Müttern. Wie kam es dazu, dass ihr drei Mamas ein Start-up für kreative und umweltschonende Spielwelten gegründet habt?

Vor drei Jahren bin ich auf Martina Musek über die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle gestoßen. Wir haben dort studiert. Ich studierte dort Kommunikationsdesign und Martina studiert dort Lern- und Spieldesign – ja, so einen Studienzweig gibt es wirklich.

Sie suchte eine visuelle Gestalterin für ihre faltbaren Spielwelten, die aus einem Semesterprojekt heraus entstanden sind. So kamen wir zusammen. Seither kümmere ich mich um den ganzen Markenaufbau der Spielwelten, jeder Buchstabe, jedes Zeichen, jede Farbe, jedes Foto und jede Videosequenz wird von mir genaustens überlegt und wie ein Puzzle zu einem großen und ganzen Erscheinungsbild zusammengefügt.

Am Ende ist ja nicht nur die Idee entscheidend, sondern auch, ob PAPPKA® als Marke stark genug ist. Beides muss stimmen.

Martina entwickelt also das Produkt, angefangen von den ausgeklügelten Falttechniken, bis hin zur Materialwahl, über Laser-und Plottertests der Ideen und ich gebe dem Ganzen dann eine visuelle Erscheinung. Und dann ist Cordula Hundrieser zu uns ins Team gekommen, eigentlich im passendsten Moment, den man sich vorstellen kann, denn der Bauernhof der Spielwelten war soweit fertig, um in die Welt hinausgetragen werden zu können. Da wir beiden Designerinnen aber eher scheue Rehe sind, ist Cordula die perfekte Ergänzung.

Cordula ist unser heißer Draht nach außen. Sie erstellt das Vertriebskonzept, kümmert sich um die Kalkulationen, bereitet die Wege vor, damit PAPPKA® in den Handel kommen kann. Marketing und Sales ist ihr Schwerpunkt. Wir drei zusammen sind ein starkes Team. Jede bringt sich voller Liebe, Leidenschaft und mit viel Herzblut ein. Jede tickt ein wenig anders, aber am Ende sind es die Synergien, die uns voranbringen. Zu dritt haben wir dreimal mehr Energie, als wenn wir allein wären. Das ist großartig. Es macht wirklich Spaß, als Frauenpowerteam die Idee der faltbaren Spielwelten gemeinsam voranzutreiben.

FB: Was genau steckt hinter dem Konzept von Pappka.de?

PAPPKA® hat mehrere konzeptionelle Ansätze. Zum einen das ausgetüftelte Spielkonzept: unsere Spielwelten sind Gestaltungs,- Rollen,- und Konstruktionspiel in einem. Außerdem vereint es Pop-up und Papercraft miteinander, also die Idee, etwas wird geöffnet und klappt sich dann auf, kombiniert mit der Idee des Modelbastelbogens. Hier ist für die Entstehung eines dreidimensonalen Objektes stabileres Material im Einsatz als aus Karton. Man kennt ja Pop-up Bücher, die sind so filigran, dass die Kinder sie nicht betätigen dürfen, aus Angst, dass die feinen Schieber und Klappen einreißen und kaputt gehen. Mit unseren Spielwelten aber sollen die Kinder auch spielen können. Bis zu 1.000 mal können die Klappen unbeschadet auf,- und zugeklappt werden.

Dann ist ein großer Schwerpunkt das Umweltkonzept: Wir haben uns überlegt, dass die Umverpackung gleich Teil des Spieles sein kann, um auch hier Rücksicht auf die Umwelt nehmen zu können. Das ganze Produkt besteht aus Materialien, die in ihre technischen und biologischen Kreisläufe zurückgeführt werden können. Außerdem lassen sich die Buchdecken entnehmen, so dass man, wenn man möchte, die nächste Spielwelt einsetzen kann, in dem Fall z.B., dass das Bauernhofhäuschen nicht mehr interessant ist und das Kind jetzt lieber mit der Ritterburg spielen möchte. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Die Buchdecken können also immer wieder verwendet werden. Und das ganz Besondere und innovative an unserer Erfindung ist, dass sich die Spielfläche auf 2 cm zusammenklappen lässt und einfach wie ein Buch im Bücherregal verstaut werden kann. So kann man in Sekundenschnelle im Kinderzimmer aufräumen und Platz schaffen. Genauso schnell kann man aber auch wieder in das Spiel einsteigen. Wir wissen aus eigener Erfahrung unserer Kinder, dass die Spielzeuge, die offensichtlich im Kinderzimmer stehen, wie Puppenstuben, Parkhäuser, Ritterburegn ect., am Ende nur einstauben und schnell zu langweilig werden. Was aber immer wieder neu aus dem Schrank geholt werden kann, bleibt interessant.

FB: Habt ihr eure Idee im Vorfeld durch kleine Erdenbürger testen lassen? Wenn ja, auf welche Art und wie haben die Kinder diese außergewöhnliche Idee für`s Kinderzimmer angenommen?

Ja, wir haben den Proof of Concept durchgeführt, indem wir eine Nullserie von 200 Exemplaren hergestellt haben und sie in sieben Kindergärten in Leipzig mit 365 Kindern getestet haben. Wir haben Kurzzeittests durchgeführt und Langzeittests. Bei den Kurzzeittests haben wir die Kinder beobachtet, wie sie mit den Spielzeugen umgegangen sind, wie sie den Aufbau bewältigt haben, ihre Eindrücke und Ideen haben wir notiert. Ganz oft waren die Kinder freudig überrascht, dass aus einem Buchobjekt plötzlich ein Spielhaus entstehen kann. Einige wollten auch wissen, warum wir es auch Pappe herstellen und nicht aus Plastik. Und die meisten haben sich total gefreut, dass sie es nun auch noch gestalten dürfen. Mit Schere, Leim und Farben sind sie beherzt umgegangen. Nach 4 Wochen haben wir die Häuser wieder eingesammelt. Die waren schön bunt und alle verschieden. Das war der Härtetest: alle Spielwelten waren noch ganz. Außerdem haben wir eine deutschlandweite Verlosung stattfinden lassen und die Spielwelten an 60 Familien gesendet, um wertvolles Feedback zu erhalten. Daraufhin konnten wir die Spielwelten noch optimieren und kleine Details verbessern.

FB: Was in Sachen Kreativität und Spiel in Kinderhände gelangen soll, muss stabil sein. Wie habt ihr das mit dem Material, dem Karton, gelöst?  

Wir haben ein nachhaltiges Material gesucht, was sich 1. gut falzen lassen muss, 2. reißfest sein sollte und 3. nicht schadstoffbelastet sein darf. Für 3. fielen dann schon mal alle Recyclingkartonagen weg, weil man nie zu 100% sagen kann, dass sie frei von Schwermetallen sind. Das war sehr schade, da wir hierfür eigentlich ganz tolle, farbige Kartonagen aus Recyclingprozessen vorgesehen hatten. Für 1. eignen sich auch keine Recyclingfasern, da diese zu kurz sind und daher an den Falzen zu schnell brechen. Deshalb eignen sich nur Materialien, die lange, frische Fasern haben. Und um 2. bedienen zu können, kommen nur sog. Kraftliner in Frage. Da haben wir uns ein schwed. Unternehmen als Partner gesucht, die in erster Linie Waldbauern sind und ihre Wälder nachhaltig nach FSC-Standards bewirtschaften und ihr Unternehmen nach ISO-Standards führen. Sie nutzen zu fast 100% Biokraftstoffe und versorgen mehrere 10.000 Haushalte mit Abwärme. Man kennt das Material übrigens von Biersixpacks, die werden mit Kraftkarton als tragbare Banderole zusammengehalten. Und durch unsere ausgetüftelten Stabilisierungsmechanismen werden die Spielwelten wirklich  stabil.

FB: Welche Vorteile bietet Pappka denjenigen, die die von euch entworfenen Spielwelten zukünftig kaufen sollen, den Mamas und Papas?      

Also man muss sich jetzt zum Beispiel keinen Schleich-Plastik-Pferdehof mehr ins Kinderzimmer stellen, wenn die Pferde der Kinder ein Dach über den Kopf brauchen. Oder wenn die Brioeisenbahn einen Lokschuppen benötigt. Oder wenn die ganzen Fillypferde und Einhörner zur Schule gehen sollen.

Unser Bauernhof ist ein vielfältig einsetzbares Objekt, was die Kinder so nutzen können, wie sie es möchten. Und wenn fertig gespielt ist, klappt man ihn zusammen und schwups ist Ordnung im Kinderzimmer. Die PAPPKA-Spielwelten lassen sich gestalten.

Viele Kinder freuen sich darüber, dass aus einem Haus ihr eigenes, persönliches Haus wird, so wie sie es wollen. Manche malen es stundenlang an und haben viele Ergänzungsideen: z.B. mit getrockneten Blumen bekleben, Stroh im Dachstuhl einfüllen, aus Ahornnasen Dachschindeln werden lassen, eigene Dinge entwerfen, die noch fehlen. Zum Beispiel das Mobiliar für Innen oder ein Bauer. Der wird dann gemalt, auf feste Pappe geklebt und nun muss man sich noch Gedanken machen, wie der eigentlich stehen kann.

Der Vorteil also ist, das Kind kommt in die kreative Beschäftigung. Erlebt, wie aus einer Fläche ein Objekt wird. Ergänzt, hat Ideen, die Feinmotorik wird gefördert, die Fantasie wird angeregt. Letztendlich auch das Rollenspiel. Die Kinder nutzen alles, was es gibt in ihrem Kinderzimmer. Und sie spielen Situationen nach, die sie beschäftigen. Der Bauernhof kann auch dazu einladen, die Kinder auf Themen zu sensibilisieren, z.B. Nutztierhaltung, Lebenshof für gerettete Tiere… man kann auch schwierige Themen besprechen, bespielen, warum hält er Mensch Schweine? Was bedeutet das für die Tiere. Sie sind ja nicht alle nur zum Streicheln da. Diese sensiblen Themen können die Eltern durchaus mit ihren Kindern gemeinsam angehen.

Und natürlich, ein Vorteil liegt auf der Hand: PAPPKA passt in jeden Rucksack und in jedes noch so vollgestopfte Auto. Es kann auf Reisen mitgenommen werden. An Orte, wo es Wartesituationen gibt: zum Arzt, ins Restaurant. Ein schöner Zeitvertreib.

FB: Nachhaltigkeit und Recycling – das sind Themen, die euch wichtig sind, auch und gerade im Zusammenhang mit eurer Geschäftsidee. Nun ist aber nicht jedes Material, das recycelt werden kann, gut für Kinder. Erzähl doch hierüber bitte einmal mehr und berichte gern auch, wie ihr diesen Anspruch in Einklang mit eurem Produkt gebracht habt.

Nachhaltig heißt für uns, dass das Hauptmaterial, also der Karton aus einem nachwachsenden Rohstoff besteht. Für einen gefällten Baum, werden drei neue gepflanzt. Die Ressource ist also nicht endlich und irgendwann aufgebraucht. Außerdem kann unser Produkt in seine Einzelteile zerlegt werden, die Materialien können in ihre technischen und biologischen Kreisläufe zurückgeführt werden.

Heißt konkret: ist PAPPKA ausgespielt, legt man es ins Altpapier. Zuvor schraubt man die Buchschrauben ab, aus denen lässt sich wieder was machen, z.B. eine selbstgebaute Uhr zum Üben der Uhrzeit. Auch die beiden Rundgummis können weiterhin genutzt werden. Dadurch, dass wir dem Papierrecycling neue, frische Fasern zuführen, bleibt der Wiederverwertungsprozess bestehen, denn der funktioniert nur, wenn immer wieder frische Fasern hinzukommen, sonst verkürzen sich die Fasern im Fasernbrei so sehr, dass sich kein Papier mehr herstellen lässt. Recycling aus Recyclingfasern ist nur endlich möglich. Dass aus Recyclingmaterialien Schwermetalle migrieren können, hatte ich ja schon gesagt. Kein Mensch möchte, dass sein Kind mit belasteten Materialien spielt.

FB: Wie eingangs erwähnt, habt ihr alle Nachwuchs. Wie gestaltet ihr die Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass man (Frau) ja gerade beim Geschäftsaufbau unglaublich powern muss?

Wir haben alle Männer, die nicht arbeiten und sich zu 100% um die Kinder kümmern. Ha,ha. Das war ein Witz! Nein, wir sind ganz normale Familien: jedes Elternteil bringt sich ein. Wir Frauen schaffen Haushalt, Kinder und Business per Spagat und kreativen Arbeitszeiten. Heißt: Kernarbeitszeit.

Wenn alle Kinder im Kindergarten und in der Schule gut angekommen sind und bevor man sie alle wieder einsammelt. Also von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Dann sind wir erst einmal hauptberuflich Mama und verbringen unsere Freizeit mit den Kindern. Abends, wenn alle schlafen und träumen, geht’s weiter. Oft bis weit nach Mitternacht. Also mir geht das so, da ist endlich Ruhe eingekehrt, in der Stille der Nacht kann ich besonders gut denken und mich konzentrieren. Ich habe den Vorteil, nicht viel Schlafbedarf zu haben. Ein weiterer Vorteil ist, wir wissen alle, wie das ist: heute hat das eine Kind Fieber, morgen hat der Kindergarten zu, weil pädagogischer Tag ist, übermorgen hat man noch den einzigen Zahnarzttermin ergattert, den es kurzfristig vormittags noch gab, weil plötzlich Karies im Milchzahn hockt… ständig ist irgendwas Ungeplantes los. Wir haben alle Verständnis für diese Situationen „Mütter“ zu sein und keine nimmt es der anderen krumm, weil sie los muss, um ihr Kind zu versorgen.

Diese Flexibilität und dieses Verständnis sind Gold wert. Denn so können wir es schaffen, auch ohne, dass unsere Kinder uns irgendwann einmal siezen. Wenn wir es nicht übertreiben mit schlaflosen Nächten, dann ist das ein guter Weg: da sein für die Kinder und genügend Zeit für das Business zu haben. Wirklich, nicht selten haben wir Skype-Termine nachts halb 10.

FB: Bislang hat es sich gelohnt, dass ihr euer ganzes Herzblut in Pappka.de steckt – ihr seid ausgezeichnet und auch prämiert worden. Welche Ehre genau wurde euch zuteil?

Wir sind letztes Jahr von der Innovationsplattform futureSAX für den Innovationspreis nominiert wurden: unter die 10 besten innovativsten Gründungsideen hat es PAPPKA® geschafft.  Das war eine Ehre, neben Ideen der Automobilbranche und neben Kunststoffideen nominiert zu sein. Außerdem hat uns die Stadt Leipzig ausgezeichnet mit einer Prämie für innovative Gründer. Das war ein gut angelegtes Startgeld.

FB: Was steht aktuell bei euch an und kannst Du auch schon von euren Plänen in Sachen Pappka.de berichten? 

Jetzt haben wir ganz erfolgreich unsere Crowdfunding-Kampagne mit 104% des angestrebten Fundingziels erreicht. Juchhu! Das ist ein gutes Gefühl. Und nun müssen wir natürlich in die Produktion einsteigen: Das Material muss angefertigt und bestellt werden, die Stanzen werden gebaut. Drucken, stanzen, konfektionieren… das wird eine straffe Zeit.

Bis Oktober und dann wollen wir lieferfähig sein. Nebenbei wird Martina an der neuen Welt schneiden, falten und kleben, bis wir Markttests durchführen können. Cordula wird die Messen planen, ich werde die Aufbauanleitung gestalten, die Bogenreiter finalisieren, der Handel muss von uns erfahren… es wird nicht langweilig. Wir schaffen alles… in unserem Rhythmus und Tempo. Und das macht Spaß. Es ist unser Traumjob.

Mehr zu pappka.de erfahren Sie hier.

Bildnachweis: Fotocredt: (c)MuseKind

Wer berufstätig ist – ganz gleich, ob angestellt oder selbständig – der weiß, wie wichtig Selbstbewusstsein ist. Nun ist allerdings nicht jeder mit einer extrovertierten Art ausgestattet, nicht wenige Leute sind eher zurückhaltend, als draufgängerisch, aber mal ehrlich: erfolgreich sind zumeist die Menschen, die ihr Selbstbewusstsein voll ausleben.

Dabei muss man (FRAU) noch nicht mal den Hardcore-Draufgänger geben, Selbstbewusstsein verträgt sich durchaus auch mit Zurückhaltung. Die allerdings sollte gekonnt und nicht unbedingt gleich zu Beginn einer geschäftlichen Kommunikation eingesetzt werden. Schon gar nicht bei einem Verkaufs- oder Akquise-Gespräch!

Eher introvertiert – wie steht’s dann um das Selbstbewusstsein?

Wie aber Selbstbewusstsein an den Tag legen, wenn man in der Tat eher der introvertierte Typ ist? Oder Akquise an sich eigentlich verabscheut? Gute Frage, denn wahr ist auch: wer etwas verkaufen, vermarkten oder prinzipiell im Business etwas erreichen möchte, muss selbstbewusst auftreten.

Dies gelingt auch schon mit diversen Kleinigkeiten, für die man nicht die Welt und schon gar nicht das eigene Wesen fundamental ändern muss.

Die da wären:

  • Setzen Sie sich bei einem Telefongespräch, bei dem Sie einen neuen Kunden gewinnen oder ein Produkt vorstellen wollen, aufrecht hin – wenn Sie einen Bürosessel haben, schrauben Sie ihn hoch. Mit dieser Haltung kommen Sie nämlich stimmlich ganz anders rüber, als wenn sie weit unten sitzen und ihr Kinn mit der Schreibtischkante fast auf Du und Du ist! Der Hintergrund: in einer solchen Sitzposition (weiter unten sitzend) nimmt man meist fast automatisch eine gebeugte Haltung ein, was dem anstehenden Telefonat in Sachen Selbstbewusstsein so gar nicht dienlich ist. Hoch und aufrecht gerade sitzend sieht das Ganz schon ganz anders aus, fast wie von selbst wird in einer solchen Haltung Ihre Stimme fester, das Selbstbewusstsein stärker.
  • Gilt eher für Leute im Home-Office: angemessene Kleidung. Natürlich ist es verlockend, sich in der ausgebeulten Jogginghose und womöglich noch mit dem fleckigen Zuhause-Shirt an den Schreibtisch zu setzen. Nur: ein solcher Look wirkt sich auch auf das Unterbewusstsein aus, man weiß ja eigentlich, dass man mit einer Art NO GO-Kleidung seiner Arbeit nachgeht. Förderlich für selbstbewusste Telefonate ist das nicht – im Gegenteil! Ich würde mal behaupten, in einem solchen Aufzug wirkt man weniger selbstsicher, als wenn man seine Arbeit in einer Art „Büro-Look light“ verrichtet. Will heißen: es muss freilich nicht gleich das Kostüm oder der Anzug daheim im Home-Office getragen werden, aber Sachen, die halbwegs als Business-Kleidung durchgehen, sollten es schon sein. Starten Sie gern mal den Eigenversuch und rufen Sie einmal einen potentiellen Kunden im fluffigen Zuhause-Look an und einmal, wenn Sie in einer schönen Hose und einer Bluse vor dem PC sitzen! In letzterem Outfit werden Sie das Gespräch viel selbstbewusster und souveräner führen – probieren Sie es mal aus!
  • Last but not least hat auch der Zustand des Schreibtisches etwas mit Ihrem Selbstbewusstsein, das Sie am Telefon ausstrahlen (oder eben nicht) zu tun. Was meinen Sie, wie selbstbewusst Sie wohl klingen, wenn während eines wichtigen Telefonates mit einem (potentiellen) Kunden der schriftliche Tadel Ihres Kindes vom Schuldirektor, auf den Sie noch reagieren wollen, in Sichtweite liegt? Oder aber die Mahnung vom Telefonanbieter, dessen Rechnung Sie ja dieser Tage endlich mal bezahlen wollen? Eben! All das sind irgendwo Dinge mit einer negativen Behaftung, die einem bei einem wichtigen Telefonat ins Auge fallen und eher – wenn auch mehr unbewusst – dafür sorgen, dass Sie nicht das Selbstbewusstsein ausstrahlen, das Sie ja eigentlich haben.

Ein kleiner Tipp zum Schluss – aber lange kein MUSS (reimt sich sogar…):

An Homeoffice-Tagen oder wenn Sie prinzipiell ein Homeworker sind, sorgt eine frisch in Schwung gebrachte Frisur und ein klitzekleinwenig Schminke im Gesicht für DEN Selbstbewusstseins-Booster schlechthin.

Graue Maus oder nicht? Der Unterschied machts!

Es macht nämlich in der Tat einen Unterschied in Sachen Selbstbewusstsein, wenn Sie wie eine graue Maus und mit dem hastig und lieblos zusammengebundenen Pferdeschwanz in ihren Geschäftstag gehen, als ein wenig aufgefrischt – ehrlich!

Ich zumindest kann raten: einen Versuch ist es wert! Probieren Sie es unbedingt mal aus!

Bildnachweis: pexels.com

Wer im Home-Office arbeitet kennt das:

so mancher Tag beginnt wunderbar – man ist voll motiviert, hat sein Tagespensum vor Augen, und dann kommt alles anders. Nicht, weil man selbst nachlässig war, sondern weil fiese Zeitfresser alles durcheinandergewirbelt haben.

Auch wenn man sich wieder und wieder vornimmt, sich nicht ablenken zu lassen – die Zeitfresser kommen meist durch die Hintertür und oft schafft man es nicht, sie (rechtzeitig) abzuwimmeln. Für den geplanten Tagesablauf hat das meist fatale Folgen, denn man schafft einfach nichts.

Dabei bedarf es meist nur einiger weniger Hebel, die man (FRAU) in Bewegung setzen muss und natürlich etwas Disziplin und einer charmant-höflichen Kommunikation, mit der sich Zeitfresser abwimmeln lassen. Auch die Selbstdisziplin spielt hierbei natürlich eine Rolle.

Vielleicht erkennen Sie sich sogar ein wenig wieder? Klicken Sie einfach mal rein  – hier wurde sich in einem umfangreichen Artikel diesem Thema gewidmet.

Bildnachweis: pexels.com

 

Mama mit Kind

Familie und Job vereinbaren – ein großes Thema auf allen Kanälen. Vor allem auf Mama-Blogs widmet man sich fast täglich dem Alltag von Müttern, der viel zu häufig mit beruflichen Belangen so gar nicht vereinbar ist. Aus vielen dieser Beiträge klingt oft ein schlechtes Gewissen heraus, viele Mamas gestehen, dass sie die Vereinbarkeit nicht stemmen oder – das ist zuallermeist der Fall – gar nicht realisieren können. Meist kommt irgendwas zu kurz: die Arbeit, der Haushalt, das Familienleben. Oft ist das auch unabhängig davon, ob man eine Partnerschaft hat oder nicht. Natürlich ist es für Alleinerziehende ungleich schwerer, den Alltag gewuppt zu bekommen, als für Menschen, die einen Partner haben. Wenn aber beide Partner (voll) arbeiten gehen und parallel (kleine) Kinder haben, ist die Vereinbarung auch hier kaum gegeben.

Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist große Herausforderung

Die Gründe dafür sind vielschichtig und liegen vor allem in der Politik und nicht selten auch an den Herausforderungen des beruflichen Alltags. Natürlich sind viele Unternehmen bemüht, ihren Angestellten Vereinbarkeit von Familie und Beruf angedeihen zu lassen, aber nicht immer ist das (gut) möglich.

Wahrscheinlich wird es auch noch einige Zeit dauern, bis von einer wirklich guten Vereinbarkeit hierzulande gesprochen werden kann. Bis dahin aber müssen Eltern oder alleinerziehende Mamas oder Papas ihr Leben mit Kind(ern) gestalten. Und es sollte eine Selbstverständlichkeit sein, dass sich kein Elternteil von äußeren Faktoren stressen lässt. Sei es, weil medial viel zu oft regelrechte „Super-Mütter“ vorgestellt oder Mamas, die schon Wochen nach der Geburt ihr Leben mit links regeln in den Himmel gehoben werden.

Wer sich daran orientiert, stresst sich, setzt sich unter Druck und macht sich selbst das Leben schwer. Denn: solche Wesen sind doch nun wirklich die absolute Ausnahme oder aber prominent. Oder adelig. Oder Lottogewinnerinnen. Was auch immer, auf jeden Fall sind sie: selten.

Der normale Alltag mit Kindern wird, wenn die Eltern berufstätig sind, immer seinen Tribut fordern.

Und da ist – ehrlich gesagt – die nicht gebügelte Wäsche oder der Stapel Geschirr in der Spüle wohl das geringste Problem. Auch die Tatsache, dass es an ein, zwei Abenden der Woche mal Pizza oder Frikassee aus der Fertigpackung gibt, ist kein Weltuntergang.

Bloß kein schlechtes Gewissen!

Sondern ganz normal, wenn man hierzulande als berufstätige Mama (und/oder Papa) den Familienalltag stemmen muss. Hier sollte man sich am besten an gar keinem orientieren, denn die anderen haben die selben Probleme. Ausgenommen Promis und VIP´S – siehe oben. Am besten wäre es, diese „Schlechte-Gewissen“-Thematik würde aus den Themenbereichen der Mama- und Familienblogs verschwinden! Denn diese trägt – wenn auch sicher nicht gewollt – dazu bei, dass das schlechte Gewissen weiterhin sein Existenzrecht bei Müttern und Vätern, die eben keine hundertprozentige Vereinbarkeit für sich verbuchen können, fordert.

Das braucht kein Mensch!

Aber ein Familienleben, das diesen Namen auch verdient hat und für das – trotz Job und Alltag – immer noch genügend Zeit ist, das brauchen Leute mit Kindern. Dafür müssen die Verantwortlichen sich stark machen! Weil das aber offenbar immer noch ziemlich viel Anschub benötigt, gibt es Landesfamilienverbände, die bei diesem Thema auch politisch Druck machen.

So zum Beispiel der SHIA e. V. Landesfamilienverband Sachsen, der in Sachen Vereinbarkeit von Familie und Beruf schon vieles auf die Beine gestellt hat und dies auch zukünftig zu tun gedenkt, siehe hier.

Insofern heißt die Devise für alle Eltern, die den Alltag zwischen Kind(ern), Job und den täglichen Pflichten bewältigen: nicht stressen lassen! Und unter Druck setzen lassen schon gar nicht!

Bildnachweis: pexels.com

"

Frau auf Titelbild

Wer die DDR noch bewusst miterlebt und dort seinerzeit Modezeitschriften gelesen hat, wird sie von Fotos her kennen: Renate Stephan. Das damalige DDR-Mannequin war Fotomodel für Zeitschriften, wie zum Beispiel die Sybille oder Modische Maschen (links im Bild) und spielte auch kleinere Rollen für das DDR-Fernsehen.

Zudem stand Renate Stephan auch für sehr bekannte Produkte im Mauerstaat vor der Kamera – unter anderem für Esda-Strumpfhosen. Junge Mädchen und Frauen, die in der DDR modelten, taten dies unter gänzlich anderen Bedingungen, als Models, die international arbeiteten. Im sozialistischen System ging es eher gemütlich zu, aber auch ziemlich reglementiert.

Modeln – in der DDR ein exotischer Job

Nichtsdestotrotz erlebte, wer damals im sozialistischen Deutschland diesem außergewöhnlichen Job nachging, eine aufregende Zeit. Wie diese sich gestaltete – damit haben wir mit Renate Stephan (im Bild unten links) gesprochen. Im Interview gibt sie spannende Einblicke über ihre Arbeit in der Werbefoto- und Modebranche in der untergegangen Republik. 

FB: Frau Stephan, Sie sind in Leipzig entdeckt worden. Erzählen Sie doch mal, wie sich das genau zugetragen hat!

1965 arbeitete ich in den Ferien, wie viele meines Alters, in einem Geschäft für Haushaltwaren in der Hainstrasse. Günter Rössler und seine Frau sprachen mich an, ob ich Interesse hätte an Modefotografie. Ich war doch sehr erstaunt, da ich mir bewusst war, dass ich doch noch sehr kindlich aussah mit meinen 15 Jahren. Ich fühlte mich sehr dünn und unansehnlich, vermutlich genau das Richtige – ein unbeschriebenes Blatt… Somit kam ich in die Modeszene der 60ziger Jahre in der DDR, die doch noch sehr überschaubar war.

FB: Wie sahen Ihre ersten Aufträge aus?

Ich bin jedes 2. Wochenende nach Berlin gefahren. Es wurden gleich Titel für die Sibylle (unten links im Bild) und für die Modischen Maschen gemacht. Außerdem Fotos für den Brühlkalender. 1966 fuhren wir nach Budapest für eine große Fotosession (so nannte man das damals aber noch nicht). Alles sehr aufregend.

Dazumal als Model oft erkannt

Dann wurden überlebensgroße Aufnahmen für das ehemalige Brühl-Konsument-Kaufhaus  und diverse Aufnahmen in historischen Kostümen für den “Barthels Hof“ gemacht. Es war eine Zeit, von 1965 bis 1971, in der ich in Leipzig sehr oft erkannt und angesprochen wurde.

FB: In Sachen Ausbildung ging es erstmal ganz unglamourös zu – Sie besuchten die Berufsschule, um den Abschluss der Gärtnerin mit Abitur zu erwerben. Wie gestaltete sich das Ganze?

Ja, es war eine Berufsschule für Landwirtschaft- und Gärtnerei, in meinem Fall mit Abiturabschluss. Leider konnte ich in diese Schule nicht lange gehen. Am 10.12.1967 in Berlin, wurde ich am Bahnhof Karlshorst von dem Fotografen und einem weiteren Model für einen Auftrag abgeholt. Winter, Schnee, vertiefte Straßenbahnschienen – der Wartburg blieb in den Schienen hängen, dann wurden wir rausgeschleudert, niemand war angeschnallt und so rasten wir auf einen hölzernen Laternenmast zu…. an meinem linken Knie hatte ich einen komplizierten Patellatrümmerbruch und rechts eine große Fleischwunde im Knie… danach lag ich bis Ende April 1968 im Krankenhaus. Alle anderen sind mit einer Gehirnerschütterung davongekommen.

Was tun nach so einer langen Auszeit?

Auf Grund der Behinderung, die ich noch ziemlich lange nach meiner Entlassung hatte, wurde ein Aufhebungsvertrag vereinbart. Damit ich aber doch noch zu meinem Abitur kam, meldete ich mich in der Volkshochschule an. In der Zeit hatte ich vor, einmal Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu studieren.

SYBILLE – Kultzeitschrift DDR

Mal ganz nebenbei: 1968 war ein spannendes Jahr – da wurde die Universitätskirche gesprengt und viele Schüler und Studenten streikten dagegen. Die flogen dann meistens auch von ihren Schulen und landeten später in unserer Klasse.

FB: Im Gegensatz zum internationalen Parkett gab es in den 60igern nur wenige Mädchen und junge Frauen, die als Model arbeiteten. Wie sah deren Arbeitsalltag aus und welche staatliche Stelle steuerte das Ganze dazumal?

In den 60ziger Jahren gab es vielleicht eine Handvoll „Mädchen“, die wenigsten arbeiteten hauptberuflich als Model. Für ein Titelbild, z.B. für die Sibylle oder für die Für Dich gab es 50 Mark, für ein Farbfoto 35 Mark und für ein schwarz/weiß Foto 25 Mark. Für Werbeaufnahmen (im Bild auf einem Foto für die Verpackung von Esda-Strumpfhosen) gab es schon mal 80 oder 100 Mark für ein Foto. Wir haben auch Aktaufnahmen gemacht, die vorwiegend im “Magazin“ erschienen. Das war ganz normal und hatte nicht pornografisches oder voyeuristisches an sich.

Als DDR-Model viel gereist

Wie schon gesagt, hatte ich in den ersten Jahren nur am Wochenende Zeit. 1971 lernte ich meinen Mann kennen. Für ihn, Regisseur bei der DEFA- Spielfilm, und auch schon in den 60ziger Jahren, habe ich in verschiedenen Filmen in kleinen Rollen mitspielen dürfen. Ab 1973 nahm ich 2 x im Jahr als Mannequin im Ringmessehaus zur Leipziger Messe für die Firma  „VEB Trikotagen und Strümpfe“ und 2 x an der Binnenhandelsmesse, ebenfalls in Leipzig, teil. Mit dieser Firma habe ich viele Jahre 5 sozialistische Länder besuchen können, in denen für die dortigen Handelseinrichtungen Textilien aus der DDR verkauft wurden, die wir vorführen mussten.

Außerdem  konnten wir jeweils auch eine glamouröse Modenschau entweder in den DDR- Botschaften oder auch im Kaufhaus GUM zeigen. Zum Beispiel tolle lange Abendkleider vom VEB Plauener Spitze.  Mit vollem Erfolg! Nur dass niemand diese Kleider kaufen konnte, sie waren nur für den Export in das westliche Ausland bestimmt!

Übrigens musste man als Mannequin ca. ab Mitte der 70iger Jahre beim Modeinstitut einen “Berechtigungsschein“ machen.

1977 gründeten wir eine eigene Modenschaugruppe („Maschenhits“) mit den Modellen, die wir von unseren Firmen, für die wir die Modenschauen zur Messe  liefen, erhielten.

Esda-Strümpfe – sehr gefragt zu DDR-Zeiten

Diese Firmen in Apolda und Mühlhausen fungierten auch als sogenannte Trägerbetriebe. Das heißt, sie erklärten sich bereit, uns zu kontrollieren…Was aber nie geschah…In der damaligen DDR entstanden dann immer mehr Modenschaugruppen, die dann auch vom Ministerium für Leichtindustrie nach einer Vorstellung und Prüfung eine Einstufung bekamen. In jedem Bezirk gab es eine Konzert- und Gastspieldirektion, die jeweils bestimmte Künstler und auch Modenschaugruppen betreuten. Wir tourten also durch die ganze Republik und führten unsere Modenschauen, mit Choreografien einstudiert, als Unterhaltungsprogramm vor.

Kaufen konnte man DDR-Mode meist nicht

Die Mode war nur zum Ansehen, nicht zum kaufen! Aber wir verdienten für DDR-Verhältnisse nicht schlecht. Pro Modenschau 125 Mark und manchmal, zum Frauentag, 7.Oktober, Silvester u. ä., konnten wir mehrere Modenschauen am Tag machen.

FB: 1971 haben Sie Ihren jetzigen Mann, den Regisseur Bernhard Stephan, kennengelernt. Welchen Einfluss hatte ihre Ehe auf Ihre weitere berufliche Laufbahn?

Auf meine berufliche Laufbahn hatte mein Mann keinen Einfluss. Er hat mich immer unterstützt und es gut gefunden, dass wir beide selbständig und selbstbewusst – jeder in seinem Metier – zufrieden waren. Dass ich hin und wieder in seinen Filmen eine kleine Rolle spielen durfte, war mehr ein Spaß.

FB: In der DDR gab es auch eine lebendige Werbeszene. Wie sah die aus und wofür wurden die Models eingesetzt?

Naja, eine lebendige Werbeszene kann man nicht sagen. Es gab “Tausend Teletips“ für die einige wenige selbsternannte Werbefilmer arbeiteten. Mehr schlecht als recht, eben mit den eingeschränkten Mitteln. Zuletzt gab es ja kaum etwas von den beworbenen Sachen zu kaufen. Dann wurde vor allem Kraut in allen Variationen schmackhaft gemacht….

FB: Wie viele andere Menschen auch, waren Sie zur Zeit der Wende euphorisch, im Hinblick auf die berufliche Zukunft Ihrer Formation. Wie sah die Realität dann für Sie und Ihre Mitstreiterinnen aus?

Die Euphorie betraf vor allem den Umstand, dass endlich etwas passiert, dass man aus der Lethargie rauskommt.  Dabei lebten wir schon privilegiert – jeder Tag sah anders aus, unser Leben war schon recht abwechslungsreich. Im November ’89 habe ich mich schon mit Annoncen von Modeagenturen beschäftigt. Ich dachte, man könnte Modelle für unsere Show kaufen oder leihen.

Interesse an Modenschauen sank kurz nach der Wende

Bald war mir klar, dass das nicht so weiter geht. Die Betriebe wurden mit der Zeit abgewickelt und es bestand kein Interesse mehr, an Trallala-Modenschauen – jetzt konnte man alles kaufen.

Nun war sich jeder selbst der nächste. Ich habe mich bei den verschiedensten Firmen beworben, vor allem im Außendienst., ich wollte eine gewisse Selbstständigkeit. Genau davor hatten dann viele aus der ehemaligen DDR Angst.

In der Zwischenzeit habe ich Promotion gemacht, auf der Automesse AAA bei General Motors als Hostess gearbeitet und im Oktober 1990 bei einer hochwertigen Schmuckfirma im Außendienst angefangen. Das habe ich bis April 1993 gemacht. Dann war abzusehen, dass sich das für meine Firma nicht lohnt. In der ehemaligen DDR war der Bedarf an echtem Schmuck, an Gold, groß – aber nur an 333er Gold und nicht an 750er mit echten Brillanten….

Inzwischen hatte mein Mann Fuß gefasst und war damit in der westlichen Fernsehszene etabliert und ich konnte meinen Job, für den ich zeitweise 4000 km im Monat fahren musste, aufgeben.

FB: Heute führen Sie eine erfolgreiche Mode-Boutique in Frohnau. Diese hat eine klare Botschaft, auf Ihrer Homepage heißt es: „Wir stehen mitten im Leben, sind nicht mehr jung – aber jung geblieben. Dieses Gefühl verbindet uns mit den meisten unserer Kundinnen.“ Ist es diese Haltung, die den Erfolg Ihres Geschäftes begründet?

Es zeigt, dass wir sehr nah an der Kundin dran sind, nicht arrogant, jedoch verständnisvoll, beraten ehrlich und offen. Unsere Kundinnen wissen, wenn sie ohne einen Kauf das Geschäft verlassen, haben wir vollstes Verständnis, sie kommen wieder. Auch wenn wir überzeugt sind, dass die Kundin super aussieht in dem Teil (z.B. die Oversize Pullis), sie aber sich nicht damit identifizieren kann, dann raten wir ihr eher ab. Oft sind mehrere Kundinnen im Geschäft und alle beraten sich gegenseitig… das ist eine tolle Stimmung und macht Spaß.

FB: Wie schaut heute ein ganz normaler Arbeitstag für Sie aus?

Wenn ich im Geschäft bin, was normalerweise 3 x in der Woche ist, verlasse ich das Haus 8.30 Uhr und bin dann 9.30 Uhr im Geschäft. 10.00 Uhr wird geöffnet. Dann muss ich noch zur Bank und habe noch einige Vorbereitungen zu treffen.

Einst DDR-Model – jetzt erfolgreiche Unternehmerin

Montag und Donnerstag muss ich oft zum Steuerbüro, ins Modecenter, oder habe Order bei einer unserer Firmen ( zur Zeit habe ich Ware von 14 Firmen und jede Firma hat pro Saison 2-3 Ordertermine, es sind relativ viele Firmen für meinen kleinen Laden, aber ich picke mir immer nur die Highlights raus…).

2 x im Jahr finden die Modemessen und die Fashion Week in Berlin statt. In diesen 4 Tagen bin ich auch immer unterwegs. Informiere mich und bin auf Suche nach neuen Sachen, die man noch nicht im Schrank hat. Mein beruflicher Alltag ist sehr abwechslungsreich.

FB: Haben Sie noch Kontakt zu den damaligen Kolleginnen – aus der DDR-Zeit?

Ja, mit 4 “Mädels“ sehr eng – wir fahren einmal im Jahr für eine Woche weg, z.B. nach Kroatien…

Mit vielen anderen halten wir locker Kontakt und freuen uns immer, wenn wir uns wiedersehen – das ist dann immer wie Klassentreffen…

FB: Verfolgen Sie das heutige Geschehen in der nationalen und internationalen Model-Szene?

Natürlich. Aber heute würde ich nicht mehr Model sein wollen. Würde auch meine Tochter, wenn ich nun eine hätte, nicht in diesem Zirkus verbraten wissen. Vielleicht nebenbei, um schöne Fotos und Erinnerungen für später zu haben….

Modelgeschäft früher war nicht so knallhart

Das Modelgeschäft ist knallhart, da haben wir richtig gemütlich gelebt und viel Spaß gehabt – es war Hobby und Job in einem.

Sehr oft gefällt mir auch die vorgeschlagene Mode –  zum Beispiel in der InStyle – nicht. Da frage ich mich, wer soll das tragen? Ein Kuddelmuddel – wenn ich das sagen darf. Es ist alles erlaubt, oft sehr nuttig, oft kein Stilbewusstsein ! ich bin auch für lässig, lustig, bunt, sportlich… meinen Stil würde ich mit sportlich-elegant bezeichnen. Heute gehe ich jünger gekleidet als in den 90zigern.  Damals mit Kostümchen, hohen Schuhen, schwarzen Anzügen… Schick, aber langweilig…

Übrigens haben wir einen Sohn, der in diesem Jahr 40 wird und Oberarzt für diabetische Fußchirurgie ist. Also Unfallchirurg und Orthopäde und wir haben 3 süße Enkel – dass muss ich als stolze Mutter und Oma mal sagen.

Wer sich für das Thema DDR-Modefotografie interessiert – bis Juli 2018 läuft hierzu in Berlin eine Ausstellung.

Bildnachweise: privat

 

Ein Gastbeitrag von Liane.

Was haben Kiga- oder Schulbrote, Strumpfhosen und ein (nicht) gefüllter Autotank gemeinsam? Auf den ersten Blick gar nichts, auf den zweiten Blick schon viel mehr.

Denn: es sind wohl DIE Zeitfresser, die berufstätigen Mamas an manchem Morgen die Hölle heiß machen. Alleinerziehende Mamas wissen wahrscheinlich noch mehr ein Lied davon zu singen.

Zumindest geht mir das so und Gespräche mit Freundinnen zeigen mir immer wieder, dass ich nicht die einzige bin, der es so geht. Auch was den inneren Schweinehund betrifft…Denn: dieser wütet in meinem Inneren mal mehr, mal weniger erfolgreich.

So zum Beispiel beim Thema „tanken“. Komme ich am späten Nachmittag irgendwann heim, die Einkäufe und die Kinder im Gepäck, bin ich meistens ziemlich kaputt.

Obwohl unser Heimweg an einer Tankstelle vorbeiführt, bin ich – das gebe ich zu – häufig zu faul, um noch ranzufahren und den zur Neige gehenden Tank zu befüllen.

Natürlich rächt sich das oft!

Da ich an manchen Tagen erst abends in meinen Kalender schaue, um zu sehen, was am nächsten Tag anliegt, zucke ich so manches Mal zusammen, weil – zum Beispiel – mein nächster Morgen statt um neun früh schon um acht morgens beginnt.

Da braucht man den Zusatzweg über die Tankstelle natürlich wie einen Schuss ins Knie, aber wem sage ich das?

An solchen Tagen kommt in den Morgenstunden sowieso oft schon einiges zusammen: der Nachwuchs bleibt einfach noch ein paar Minütchen länger im Bett liegen, die Schnitten für den Kindergarten sind noch nicht gemacht und kurz vor dem Losgehen fällt der Blick auf die Strumpfhose, in der sich am Fußende eine lange Laufmasche gen Bein hangelt.

So oder ähnlich kennt das doch fast jede Frau – oder?

Ist es in der morgendlichen Routine schon hektisch, kommen garantiert noch ein, zwei Faktoren zusammen, die das Ganze noch „abrunden“.

Meine Tipps – nachdem ich viele solche Desaster-Tagesanfänge erlebt habe – sind deshalb:

  • Das Auto immer (IMMER!) mindestens halb voll getankt haben – das spart unglaublich Zeit und Nerven!
  • Strumpfhosen – auch Neue aus der Packung! – jeden Abend, beim Zurechtlegen der Kleidung auf Laufmaschen überprüfen (meist entdeckt man die Dinger erst, wenn man ins Auto steigt!),
  • die Zubereitung der Kindergarten – oder Schulbrote sollte man auf den Abend verlegen. Sie sind morgens oft ein riesiger Zeitfresser! Eine Nacht im Kühlschrank, in der Tupperdose, tut der Frische keinen Abbruch. Frühmorgens sollte man lediglich noch fünf Minuten für die Zubereitung von frischem Obst, als Beilage für den Pausensnack, einplanen.

Überwindet man für die Verrichungen in der vorgenannten Aufzählung seinen inneren Schweinehund, ist schon viel gewonnen – das ist zumindest meine Erfahrung!

Die (abendliche) Vorbereitung ist tatsächlich das A und O für einen entspannten Tagesstart. Deshalb sollte, wer sich früh oft einer nervenden Hektik ausgesetzt fühlt, schauen, ob die auftauchenden Zeitfresser nicht abgestellt werden können.

Meist ist dies problemlos möglich. Und: hat man das erstmal im Griff, merkt man schnell, wie wertvoll ein relaxter Tagesbeginn ist. Zudem hat man mit so einer Planung auch noch zeitliche Puffer in petto, falls Unvorhergesehenes eintritt.

Dass das dann oft auch so kommt, ist ja meist so sicher, wie das Amen in der Kirche, oder?!

Mehr zum Thema Zeitmanagement für Mamas finden Sie auch hier.

Bildnachweis: pexels.com

Mit Leib und Seele Floristin und dazu noch mit einer hochkreativen Ader ausgestattet: das ist Heike aus Düsseldorf.

In der Rheinmetropole hat sie sich mit „Flowers & Emotions“ nicht nur den Traum vom eigenen Laden verwirklicht, sondern hier auch ihren Partner – ebenfalls Florist – kennengelernt. Beide bieten Stamm- und Neukunden viele Dienstleistungen rund um die verführerischen Blüten und urige Naturprodukte an.

Workshops, Shootings, Kindergeburtstage, und, und, und…In Heikes Alltag kommt keine Langeweile auf! Auch weil die herzliche Geschäftsfrau eine begnadete Netzwerkerin ist. Im Privatleben bedeutet ihr die gemeinsame Familienzeit mit Mann und Tochter viel – ist sie doch das entspannende Pendant zum prall gefüllten Arbeitsrhythmus. Im Interview gibt uns Heike (im Bild) einen Einblick in ihr buntes Leben.

FB: Heike, Du hast bereits im zarten Alter von 6 Jahren ein Faible für`s Gestalten entwickelt. Was genau hast Du im Kindesalter so alles kreiert? 

Angefangen hat alles mit Wald- und Wiesensträußchen auf Wanderungen – die ich für ein paar Pfennige verkauft habe – und Adventskränzen, damals aus Blaufichte und stupfig ohne Ende. Nachdem der erste fertig war, kamen 10 weitere hinzu …

Die Hände waren total verstupft und wenn ich zurückdenke (lacht) hat es mir damals wie heute nicht so viel ausgemacht – der Duft der Blaufichte war eine tolle Entschädigung dafür. Heute hat sich das Material zum Glück komplett geändert und nicht nur aus Nordmanntanne und Moosarten ist vieles möglich, sondern beispielsweise auch aus Seedatteln und Succulenten.

Und natürlich darf der Klassiker vergessen werden: das GÄNSEBLÜMCHENARMBAND. Das liebe ich heute noch genauso wie als Kind. Mittlerweile ist es eine Tradition – sobald sie aus der Erde blicken, wird die erste Gänseblümchenkette gefrickelt und entweder für den Kopf oder für den Arm verwendet.

Meine Tochter Amber ist da ebenfalls schon in meine Fußstapfen getreten. Mit ihren 12 Jahren gibt es bei uns immer eine kreative Überraschung!

FB: Wie ging es später in Sachen beruflicher Werdegang weiter?

Ich habe mit 13 verschiedene Praktika besucht. In der Floristik, in der Verkaufsgärtnerei in der Wilhelma in Stuttgart, aber die Liebe zu den geschnitten Blumen ist die größere gewesen und daher habe ich mit 16 Jahren meine Ausbildung als Floristin absolviert und damals bei den ersten Flower Olympics mit einer Freundin den 1. Platz gewonnen. Nach der Ausbildung habe ich dann die Ausbildereignungsprüfung absolviert und ausgebildet.  Mit 20 habe ich 2 Jahre lang die Meisterschule besucht und mich dann in Düsseldorf mit Flowers & Emotions auf ca. 60 Quadratmetern selbstständig  gemacht. Diese haben sich in den letzten 15 Jahren mit einer Blütenwerkstatt vergrössert.

Nach den ersten 5 Jahren bin ich mit dem Laden um`s Eck gezogen und habe dadurch ca. 80 Quadratmeter mehr Außenstellfläche dazugewonnen und  liebevolle Vermieter gleich dazu!

FB: Als Süddeutsche hat es Dich nach Düsseldorf verschlagen, wo Du dann in Sachen Selbständigkeit richtig losgelegt hast.  Erzähl doch mal von den Anfängen! 

Ja – die Anfänge, sie bedeuten vor allem viel Arbeit und wenig Freizeit. Ich hatte fast keinen Urlaub, morgens früh ging es auf den Großmarkt, dann  im Laden ca. 10 Stunden und abends müde auf der Couch eingeschlafen. Glücklicherweise wurden die Stammkundschaft und die Firmenkunden für wöchentliche Abos immer mehr! Ich habe 2004 meinen jetzigen Mann kennen gelernt, Floristikmeister und damals noch selbstständig mit einem eigenen Laden. Da hat man dann doch denselben Tagesrhythmus und die gleichen Interessen. Vor 12 Jahren hat unsere Tochter Amber unser Leben bereichert und wir haben uns auch geschäftlich zusammen auf meinen Laden konzentriert.

Das ermöglicht mehr Freizeit für uns und unsere Familie. Heute muss ich nicht mehr jeden Tag früh aufstehen, da ich beliefert werde. Jeden Tag frisch – direkt in den Laden, das ist ein Luxus den ich liebe!

FB: Im Gegensatz zu anderen Blumengeschäften hat Dein Laden auch eine Werkstatt und Du bietest vom Kindergeburtstag bis hin zu Junggesellinnen-Abschiede so einiges an. Was genau alles und wie läuft das jeweils ab? 

Ja genau, ich gebe schon immer Workshops, das bereichert die Teilnehmer und mich genauso. Der Unterschied bei uns ist, dass wir oft das gleiche Material und den gleichen Werkstoff zur Auswahl haben, jeder aber sein eigenes Werkstück produzieren kann. Das macht es interessant und meine Kunden und Teilnehmerinnen lieben es. Natürlich darf ein leckerer Kaffee Latte und was zum Naschen nicht fehlen! Das sind dann die sogenannten offenen Workshops, wo ich die Daten auf der Homepage, im Laden oder via Whatsapp und Social Media bewerbe und öffentlich stelle.

Ebenso kann man diese Workshops als geschlossene Gruppe buchen – als Geburtstagsgeschenk oder auch als Jungesellinnen-Abschied. Da wird dann vorab beschlossen, was wir machen werden. So beispielsweise Flowercrowns und Armbänder, die dann farblich zum Thema oder Outfit passen.

Gerne auch noch in der Kombi mit einem Fotoshootingtermin. So hat man einen tollen Nachmittag mit seinen Liebsten und bekommt ein schönes florales Endergebnis mit nach Hause

Kinderworkshops gebe ich auch alle zwei Monate. Es ist ein öffentlicher Workshop und wir arbeiten ein passendes floristisches Werkstück zur Jahreszeit – immer wieder spannend! Daraus sind auch die Kindergeburtstage entstanden. Man kann bei uns feiern und kreativ arbeiten.

Die Mütter bringen alles mit – von Kuchen über Snacks bis hin zu den Getränken. So können wir den Nachmittag erst mit Geburtstagskuchen einläuten und dann geht es los mit dem kreativ werden. Im Schnitt arbeiten wir 2 bis 3 verschiedene, tolle Werkstücke (kleine und große). Alles natürlich nach Absprache und Budget.

Ich liebe diese Kindergeburtstage, sie sind so voller Leben – rund und bunt! Da wird etwas ausgedrückt, was wir Erwachsenen leider oft verlernt haben: dass nicht immer alles perfekt sein muss, sondern dass wir es selbst gestaltet haben, ist es, was unser Herz erfüllt!

FB: Du hast sogar schon die Prominenz mit Deinen floristischen Kreationen versorgt – berichte doch mal, wie es dazu kam. 

Ja, unter anderem Harpe Kerkeling mit seinem „Kein Pardon“. Zur Eröffnung durften wir mit unseren blumigen Emotions 25 Präsent-Sträuße und die Eventdekoration im Raum übernehmen.

Ein Kunde hat uns damals weiterempfohlen und das war einfach klasse. Ich bekam die Farbthemen und musste einen Probestrauß abgeben und so hatten wir den Zuschlag erhalten. Ebenso konnten wir uns für SWAROWSKI auf der KÖ bei einem tollen EVENT einbringen, das war auch sehr spannend.

Aber eigentlich ist jeder Auftrag wie eine kleine oder größere Prominenz für mich, denn wenn der Kunde glücklich ist – haben wir alles richtig gemacht.

FB: Auch Shootings gehören zu Deinem Portfolio – wer bucht diese Shootings und wie läuft das Ganze ab? 

Da gibt es einmal, wie schon erwähnt, die Jungesellinnenabschiede. Dann haben wir Kunden, die konkrete Wünsche haben, wie zum Beispiel ein Dekorationsgesteck für ihre neue Homepage, das dann perfekt stimmig sein muss.

Dann gibt es – mit verschiedenen Dienstleistern aus der Hochzeitsbranche – die Möglichkeit, ein Inspirationsshooting zu organisieren. Oder auch für ein Medium wie das „Braut- und Bräutigam Magazin“. Das habe ich in Münster besucht und wir haben dort einen Workshop für Flowercrowns und Armbänder gegeben und diesen dann mit einem Shooting abgerundet.

FB: Als engagierte, energiegeladene Frau bist Du im beruflichen Alltag viel am Netzwerken und hast so bereits einige Kooperationen für Dein Geschäft eingefädelt. Wie schauen diese aus? 

Die einfachsten und schnellsten Gespräche finden ja im Laden statt, beim Strauß binden. Hier erfährt man ja so Einiges. „Ich suche…, „Ich brauche…“,  „Kennst du vielleicht…?“ und so hat man in den vielen Jahren viele Dienstleister kennen gelernt. Und Kontakte, die man gerne weiter geben kann!

Aber auch auf Facebook und Instagram geht das ganz toll mit dem Netzwerken, wie ich finde. So auch unser Beispiel, liebe Anja –  das passte ja auch sofort!

Zudem bin ich Mitglied bei den Business Frauen Hilden und dort seit zwei Jahren für die Mitgliederbetreuung zuständig. Hier tauschen sich Frauen unter Frauen aus und das einmal im Monat, bei einem entspannten Business Lunch. Dadurch ergab sich schon die die eine oder andere Geschäftskooperation.

Ich liebe es, neue Menschen kennen zu lernen und das fällt mir auch glücklicherweise nicht schwer. Man muss einfach nur manchmal ausselektieren, was zu einem passt und was nicht. So sehe ich das auch bei allen Netzwerken die monatlich richtig Geld dafür nehmen.

Ich bin in erster Linie Netzwerkerin mit Herzblut und das was ich an Kontakten in den 15 Jahren gesammelt habe, gebe ich gerne mit einer ehrlichen Empfehlung weiter

Nicht zu vergessen, habe ich Anfang des Jahres ein tolles Ticket gewonnen: für den W.I.N- Business Kongress in München – da bin ich wahrlich eine GeWINnnerin, so ein fantastisches Ticket gewonnen zu haben! Hierbei ergab sich dann auch eine Kooperation mit W.I.N.-Gründerin Petra Polk, so dass wir den Kongress mit unseren blumigen Emotions begleiten werden. Was gibt es Schöneres?

FB: Du bist neben Deiner Rolle als Unternehmerin auch Mama und Ehefrau. Wie gelingt Dir die Vereinbarkeit von Familie und Beruf? 

Das stimmt! Ich finde, jede Unternehmerin ist erstmal eine Frau – Mutter oder Ehefrau oder auch alles in allem! Mir fällt es nicht schwer, gut zu organisieren, das war, als unsere Tochter klein war, einer der wichtigsten Punkte. Dazu haben wir Leihomas und -opas hinzugenommen, die uns unter der Woche immer wieder unterstützt haben. Jetzt mit ihren 12 Jahren ist es entspannter – da verabredet sich Amber  schon selbst mit Freudinnen. Ich bin aber auch jemand, der gerne loslässt. Mein Mann und ich haben unsere Tochter zur Selbstständigkeit erzogen, ich bin keine Vollzeitmama. Dennoch genieße ich die Zeit, die wir haben, sehr intensiv, auch mit meiner Familie.

In einer Partnerschaft ist das natürlich auch kein Rosarot mehr mit Herzchenbrille – nach 12 Jahren Ehe und sechs Tage die Woche zusammen arbeiten, plus den siebten dann gemeinsam zu verbringen.

Wichtig ist mir, dass jeder seine Bedürfnisse immer klar ausspricht und diese ändern sich auch in den Jahren. Das erlauben mein Mann und uns immer wieder: zu zweit auszugehen und den Abend zu genießen.

Aber: wenn man so eng zusammen arbeitet – und bei uns kommt auch noch ein Altersunterschied von 13 Jahren hinzu – fliegen schon mal die Fetzen, gibt es Diskussionen und Meinungsverschiedenheiten. Ich bin mit unserer Familie glücklich, so turbulent sie auch manchmal sein mag

FB: Aktuell steht der Frühling vor der Tür, worauf können sich Deine Kunden freuen, gibt es Pläne, über die Du schon sprechen kannst?

Da wir gerade die ersten Osterworkshops und Ostern hinter uns haben, kommt der Sommer –  und die Hochzeitssaison beginnt in vollen Zügen. Im Mai werde ich mich zu diesem Thema zwei Tage weiterbilden. Dann gibt es noch eine Erweiterung bei Flowers & Emotions zu unseren floristischen Hochzeitsdekoration und auch ein Vermietungskonzept.

Das bleibt aber noch etwas geheim….!

Weitere Infos auf Flowers & Emotions.

Copyrights:

Hannah Conda Fotografie Benrath/ Goldlichtstudios

„Köstlicher Wein vom Winzer XY“ – das war bisher wohl die geläufigste Beschreibung, wenn es um einen edlen Tropfen eines bestimmten Winzers ging.

Dieses Berufsbild war lange männlich dominiert, das ändert sich aber gerade. Immer mehr Frauen werden Winzerinnen und haben beruflich mit dieser nicht alltäglichen Arbeit zu tun. Das inspirierte auch den Filmemacher Christoph Koch dazu, die mehr und mehr in dieser Branche vertretenen Frauen zu porträtieren.

„Wein weiblich. Die erste Generation“ heißt seine 90minütige Filmdoku über die Winzerinnen, die derzeit in Arbeit ist.

Diesbezüglich widmete sich die Allgemeine Zeitung Mainz in ihrer Ausgabe am 17.3.18 in einem ausführlichen Artikel diesem neuen Phänomen. Waren vor circa anderthalb Jahrzehnten so gut wie gar keine Frauen vertreten, die eine Ausbildung zur Winzerin machten, so sprechen die aktuellen Zahlen eine deutliche Sprache. Und weisen die Tatsache, dass nun eine Generation von weiblichen Winzern entsteht, als neue Selbstverständlichkeit aus.

Immer mehr Frauen arbeiten als Winzerinnen

Laut der Allgemeinen Zeitung ist unter den angehenden Winzern am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Oppenheim rund jeder fünfte weiblich.

Zudem beruf sich das Blatt auf Zahlen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz, die belegen, dass im Wintersemester 2016 / 2017, bei insgesamt 139 eingeschriebenen Studenten im ersten Studiengang Weinbau und Ökologie, 37 Frauen eingeschrieben waren.

Filmemacher Koch spricht denn auch von einem „gesellschaftlichen Umbruch“, der sich in der Welt der Weine hierzulande gerade abspielt. In seiner Dokumentation werden insgesamt fünf Winzerinnen zu Wort kommen – Ende 2019 soll das Werk im Kino ausgestrahlt werden.

Doch ungewöhnlich und exotisch sind weibliche Winzer nicht wirklich – warum auch?! Die meisten von ihnen werden in Winzerfamilien hineingeboren und lernen die Winzerwelt von klein auf kennen – und oft eben auch lieben. Da liegt es nahe, in die Fußstapfen der Eltern zu treten und sich beruflich in die Sphäre der edlen Tropfen zu begeben.

Mittlerweile ist es auch keine Besonderheit mehr, wenn sich weibliche Winzerinnen auf entsprechenden Fachmessen präsentieren. Dem Vernehmen nach war das „früher“ noch eine absolute Ausnahme, die großes Erstaunen bei männlichen Messeteilnehmern auslöste.

Wein von Frauen intuitiver

Doch welche Unterschiede gibt es ja vielleicht doch hinsichtlich der männlichen und weiblichen Winzer und vielleicht sogar beim Wein selbst? Filmemacher Koch hat hierzu folgenden Eindruck und sagt gegenüber der Allgemeinen Zeitung folgendes:

„Weiblicher Wein sei intuitiver, mehr vom Gefühl und der inneren Stimme geleitet, weniger technisch und rational!“

Dr. Eva Vollmer, die sich mit ihrem gleichnamigen Weingut in Mainz-Ebersheim einen Namen gemacht hat, hat ebenso eine eigene Erklärung zum weiblichen Wein. Gegenüber der Allgemeinen Zeitung führt sie diese wie folgt aus:

„Die Frauen haben einen anderen Blick, andere Talente.“

Inwiefern das zutrifft, davon werden sich Frauen (und Männer) in dem erwähnten Film selbst ein Bild machen können. Bislang werden für diesen noch einige Gelder benötigt, weshalb eine entsprechende Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Dieser ist zu erreichen unter www.wein-weiblich.de

Bildnachweis: pexels.com

Alle brennen sie für ihre Idee, alle sind tierisch aufgeregt und alle wollen nur das eine: die Million von Finanzmogul Maschmeyer.

Die SAT-1-Gründer-Show „Start Up!“ wartete gestern – in der ersten Folge am Mittwochabend – mit einer Menge spannender Frauen auf, die jeweils ihre innovative Idee vorstellten. Das neue Format, bei dem Carsten Maschmeyer als Hauptfigur (weil Geldgeber) agiert, zeigte einmal mehr, dass auch viele Frauen in Deutschlands Gründerszene mitmischen. Den ewigen Meldungen zum Trotz, dass auf dem Start-up-Markt eher Männer dominieren, führten die unterschiedlichsten Frauen in der Show ihre Gründungs-Idee vor und diese Präsentationen konnten sich sehen lassen!

Vom neuartigen Büro-Utensil über ein innovatives Sonnensegel bis hin zu einer Art Strumpfhose für die Arme war alles dabei. Dass nur 14 der anwesenden Frauen und Männer die erste Hürde nehmen und mit Maschmeyer in ein stylisches Gründercamp am Berliner Ku`damm ziehen werden, ist die Tücke und natürlich der Sinn der Show.

Am Ende, nach acht Wochen, wartet eine Million auf die beste Gründerin oder den besten Gründer – wohlgemerkt auf einen einzigen! Bis dahin gilt es, sich als Start-upler zu gewähren und die von der Jury aufgestellten Hürden zu nehmen.

Viele Gründer der gestrigen Show konnten schon die erste nicht nehmen – was aber nicht unbedingt an ihrer Idee, sondern am NO oder GO der Jury lag. Diese entscheidet am Ende über Hopp oder Top und so schieden die ersten schon mal aus. Darunter zwei Frauen, deren Ideen es definitiv verdient hätten, in Maschmayers Gründungs-Zirkel zu gelangen – allein es wurde nichts draus.

So hat eine der Gründerinnen eine eigene Erfahrung als Mutter in einen Start-up-Gedanken umgesetzt, der nicht nur Charme hat, sondern bei einem Test der Frau in den sozialen Netzwerken auch super ankam: Essen für Kleinkinder, die ihre Mahlzeiten in Breiform ablehnen, in Form von kleinen Bällchen.

Eine tolle Alternative für kleine Essensverweigerer – aber leider nicht für Maschmeyer, der selbst Vater ist. Er äußerte die Befürchtung, dass die Kinder diese Bällchen vielleicht ja durch die ganze Wohnung werfen und konnte sich hier kein Engagement vorstellen – die Kandidatin war raus. Schade!

Ebenso die Frau, die eine Allround-Pflegeschürze für den Alltag pflegebedürftiger Menschen erfunden hat. Auch diese innovative Idee blieb gestern Abend chancenlos – keine zweite Runde für diese Bewerberin.

Dafür haben es andere Gründer-Ladies geschafft, gemeinsam mit den männlichen Kandidaten, die die erste Hürde genommen haben, in Maschmeyers Team zu gelangen. Darunter eine Gründerin, die neuartige BH`s entwickelt hat. Gemeinsam mit anderen Kandidatinnen, die – unter anderem – von der recycelten Socke über das Superfoodgetränk bis hin zum smarten Schulranzen allesamt mit coolen Ideen am Start sind, gilt es nun, die Aufgaben und Herausforderungen des Teams um Maschmayer zu lösen und zu bestehen und ihr ein Stück näher zu kommen:

der ersehnten Million, die Maschmeyer schon mal per Scheck ausgestellt hat. Was noch fehlt: die Unterschrift.

Infos / Sendezeiten Show: über SAT1

Bildnachweis / Copyright: SAT1 / André Kowalski

Frau im Kostün

Potentielle Kunden auf ein Produkt aufmerksam zu machen oder über eine Dienstleistung zu informieren – das ist für viele Firmen ohne die sozialen Netzwerke im Internet kaum mehr denkbar. Seit Facebook & Co. in Deutschland vertreten sind, nutzen längst nicht nur private Nutzer diese Kanäle.

Vor allem für kommerzielle Anbieter sind sie eine gute Möglichkeit, neue Zielgruppen zu erschließen und mit der Kundschaft unkompliziert zu kommunizieren.

Allerdings ist es nicht damit getan, einen Account anzulegen und drauf los zu posten. Professionelles Social Media nimmt viel Zeit in Anspruch und will gekonnt sein.

Viele Unternehmer setzen deshalb auf Social Media Beratung. Hier kommen dann Menschen, wie Sabine Arndt-Ellerhold (im Bild) ins Spiel, die Firmen bei dieser speziellen Öffentlichkeitsarbeit begleiten und für ihre Kunden digital auf Facebook & Co. aktiv werden.

Social-Media kann kaum von der Sekretärin betreut werden

Wie konkret das aussieht und warum ein guter Social Media-Kanal nicht mal eben von der Sekretärin nebenbei betreut werden kann – darüber haben wir mit Frau Arndt-Ellerhold gesprochen.

FB: Sie haben sich mit Ihrer Agentur „wortsinnig“ auf Social Media spezialisiert – wie sind Sie dazu gekommen?

Schon als Angestellte in Marketing-Abteilungen verschiedener Unternehmen war ich für den Bereich Social Media zuständig. Dieser hat mich schon immer interessiert und besonders Spaß gemacht. Die sozialen Netzwerke, besonders Facebook, sind quasi mein zweites Wohnzimmer. Zu Beginn meiner Selbstständigkeit 2015 war ich dennoch zunächst etwas breiter aufgestellt und habe neben Social Media auch andere Online Marketing Bereiche, die Erstellung von SEO-Texten und Lektorat angeboten.

Mit der Zeit lernte ich, dass es besser ist, sich zu spezialisieren. Zum einen, weil ich mit einem geschärften Profil, also der richtigen Positionierung, genau die Kunden anziehe, mit denen ich arbeiten möchte. Zum anderen, weil es unglaubwürdig ist, wenn ich als Einzelunternehmerin behaupte, alles alleine zu können.

Arbeit mit Netzwerkpartnern ist wichtig

Wenn ein Kunde einen Bereich anfragt, der nicht zu meiner Spezialisierung zählt, arbeite ich nun mit Netzwerkpartnerinnen zusammen.

FB: Worin besteht das Potenzial von Facebook & Co?

Man kann ja mittels sozialer Netzwerke verschiedene Ziele erreichen: die Bekanntheit steigern, neue Kundengruppen erschließen und Kundenbeziehungen pflegen beispielsweise. Bestehende Kunden kann man an sich binden, indem man auf dem Kanal informative, lustige, spannende, hinter die Kulissen blickende Beiträge veröffentlicht, ab und zu eine Verkaufsaktion ankündigt, besondere Events, Rabattaktionen u.v.m. Wichtig ist immer, dass es für den Fan einen Mehrwert haben muss, ausgerechnet dieser Seite/diesem Kanal zu folgen.

Gleichzeitig besteht so die Möglichkeit, die Fanbasis zu erweitern, weil die bestehenden Kunden natürlich eine Referenz sind. Wenn jemand z. B. etwas auf Facebook kommentiert, teilt und mit „Gefällt-mir“ markiert, sehen das seine Freunde. So bekommt das Unternehmen auch Aufmerksamkeit eines erweiterten Personenkreises. Wenn die Facebook-Seite interessant genug ist, ist es leicht, auch von diesen Personen ein „Gefällt-mir“ zu bekommen. So wächst die Community und die Reichweite (auch wenn das mit der Reichweite für Seiten seit Januar 2018 schwieriger geworden ist, aber das ist ein anderes Thema).

Jedoch darf ein Unternehmen sich nicht zu abhängig von den sozialen Netzwerken machen. Das Worst-Case-Szenario wäre ja, dass Herr Zuckerberg irgendwann entscheidet, Facebook oder YouTube zu schließen oder für eine Facebook-Seite Geld zu verlangen. Ziel sollte daher immer sein, Kontrolle über die Kontakte zu bekommen und zu behalten! Zum Beispiel, indem man sie auf die eigene Homepage lotst und sie sich dort in einen Newsletter eintragen lässt. Der Aufbau einer Email-Liste ist m. E. essenziell.

Social Media dient nicht dem reinen Verkaufen

Ganz wichtig ist es, sich klarzumachen, dass Social Media nicht in erster Linie dem reinen Verkaufen dient. Sondern man baut hier eine Beziehung zum (potenziellen) Kunden auf, der Kunde kann das Unternehmen und die Menschen dahinter kennenlernen. Die User wollen einen Blick hinter die Kulissen werfen. Firmen können sich nahbar und menschlich zeigen. Verkaufen geschieht nicht auf Facebook, sondern auf anderen Wegen, also über die Homepage oder einen Shop. Es ist nicht ausgeschlossen, dass man auch auf Facebook verkaufen kann, ohne zuvor eine Fanbasis aufgebaut zu haben. Aber das funktioniert sicher nicht mit jedem Produkt und nicht für jede Art von Unternehmen.

Ergänzend zu den Inhalten, die ein Unternehmen regelmäßig auf den diversen Kanälen veröffentlicht, kann es gezielt Werbeanzeigen (z. B. Facebook Ads) schalten. Hier kann man wieder verschiedene Ziele erreichen: Mehr „Gefällt-mir“ Angaben für die Seite, mehr Reichweite für einen bestimmten Beitrag, oder die User auf die eigene Internetseite lotsen, um sie dort eine bestimmte Handlung ausführen zu lassen. Das letztgenannte Ziel ist das von mir favorisierte, denn es ist das einzige Ziel, das einen finanziell messbaren Erfolg mit sich bringt.

FB: Wie steht es um das Bewusstsein, dass Facebook & Co. für Marketing und PR vorteilhaft sein können – ist es im Mittelstand ausgeprägt oder eher (noch) nicht?

Da gibt es eine große Bandbreite. Es gibt Firmen, die das Potenzial schon erkannt haben, in den sozialen Netzwerken präsent sind und sich auch sehr gut vermarkten. Dann gibt es solche, die zwar z. B. auf Facebook sind und/oder einen YouTube-Kanal betreiben, deren Aktivitäten dort aber ungeplant und unsystematisch wirken. Und dann gibt es die, die noch nirgendwo zu finden sind.

Viele Unternehmen mit veraltetem Internet-Auftritt

Meistens sind dies auch Unternehmen, deren Internet-Auftritt sehr veraltet ist. Da ist dann noch viel Erklärungs- und Aufholbedarf.

Eine weitere Gruppe sind Firmen, die es schon einmal auf Facebook versucht haben und mit den Ergebnissen nicht zufrieden waren. Eine Aussage, die ich häufig höre, ist: „Wir haben mal eine Anzeige geschaltet, aber das hat gar nicht funktioniert, da waren Fakes im Spiel, plötzlich hatten wir ganz viele Likes aus dem Ausland.“ Oder: “Obwohl wir uns sehr viel Mühe gegeben haben, war die Reichweite sehr gering und es hat nichts gebracht, außer viel Arbeit. Deshalb haben wir wieder aufgehört.“

Solche Fälle sind sehr schade, denn diese Firmen sind einfach nicht gut beraten und begleitet worden. Mit einer guten Beratung gleich zu Beginn hätten sich diese Fehlentwicklungen vermeiden lassen.

FB: Wo setze ich als Inhaberin oder Inhaber eines mittelständischen Unternehmens an, wenn ich mich dem Social Media-Bereich widmen will?

Das kommt sehr auf das Produkt bzw. die Dienstleistung an. Man muss zuallererst analysieren, wo genau im Netz sich die Zielgruppe aufhält. Wenn man ein Produkt für Teenager anbietet, ist Facebook schon wieder out, da wäre Instagram oder YouTube die bessere Wahl. Aber die Generation 40+ ist sehr stark auf Facebook vertreten und auch aktiv.

Es gibt im B2B Bereich auch Branchen, in denen Social Media gar nicht funktioniert, z. B. bei sehr erklärungsbedürftigen, technischen Produkten. Eine genaue Analyse der Zielgruppe und der Ziele muss daher immer am Anfang stehen, und da sollte sich das Unternehmen auch Expertise von außen holen, wenn intern kein Know-how vorhanden ist.

Arbeitsaufwand für Social-Media nicht unterschätzen

Dann sollte das Unternehmen für die Betreuung der Kanäle eine eigene Stelle schaffen – denn der Arbeitsaufwand ist nicht zu unterschätzen. Das Erstellen von Beiträgen und das Community Management können sehr viel Zeit in Anspruch nehmen, wenn der Kanal lebendig sein soll und man es gut machen möchte. Bleibt z. B. eine Frage tagelang unbeantwortet, leidet das Image.

Bevor man also mit Social Media loslegt, sollte unbedingt geklärt sein, wessen Aufgabe dies ist. Es ist ein Trugschluss zu glauben, dass die Sekretärin das mal eben so nebenbei machen kann.

Wenn es in der Belegschaft niemanden gibt, der sich mit Social Media Marketing auskennt, sollte jemand eingestellt oder ein Freelancer bzw. eine Agentur beauftragt werden. Gerade bei Social Media ist es aber nicht ratsam, alles komplett auszulagern. Denn: Durch Social Media wird ja nicht in erster Linie ein Produkt verkauft, sondern es wird eine Beziehung zwischen Unternehmen und Kunden/Interessenten aufgebaut. In jedem Beitrag sollte daher der Anspruch stecken, mit den Kunden ins Gespräch zu kommen. Dabei muss man authentisch sein – und je weiter jemand vom Unternehmen entfernt ist, umso schwieriger wird es, diesem Anspruch gerecht zu werden. Daher rate ich jedem Unternehmen, auch intern Know-how aufzubauen, wenn dieses nicht von Anfang an vorhanden ist. Z. B. durch Mitarbeiterfortbildungen.

FB: In welcher Phase kommen Ihre Kunden auf Sie zu? Bevor sie in sozialen Netzwerken selbst aktiv werden oder währenddessen?

Sowohl, als auch. Ich habe Kunden, die schon aktiv sind und die merken, dass sie es alleine nicht mehr schaffen. An dieser Stelle werde ich dann als Freelancerin beauftragt, um das Management der Kanäle zu übernehmen oder um beim Community Management auszuhelfen. Gut ist in diesem Fall, dass ich mit einem frischen Blick herangehen kann. Dabei ist eine sehr enge Absprache mit den Verantwortlichen notwendig. Die Kommunikation muss ja einheitlich und es muss eine klare Linie erkennbar sein.

Kunden haben unterschiedliche Bedürfnisse

Dann ist es gut, wenn man vorher Kommunikationsrichtlinien ausgearbeitet hat. Wichtig ist auch die Rückkopplung zu Fachabteilungen, wenn über Social Media schwierige oder heikle Fragen (z. B. zu einem Produkt oder zu Zahlungsvorgängen) hereinkommen.

Zum anderen gibt es Kunden, die den Wunsch haben, eine Facebook-Seite oder einen Instagram Kanal aufzubauen, und die sich von Anfang an Beratung holen. Hier gehe ich dann so vor, wie bei zuvor beschrieben. Wichtig ist, eine Strategie, die Inhalte und die Häufigkeit der Beiträge festzulegen, also einen Redaktionsplan zu erstellen.

Gern gebucht wird auch mein Facebook-Basic Inhouse-Workshop, in dem die Teilnehmer alle Grundlagen lernen, die sie benötigen, um Facebook sicher zu bedienen. Sie lernen, wie der Algorithmus arbeitet, welche Art von Inhalten und welche Häufigkeit zu empfehlen ist, wie sie richtig mit der Community interagieren, wie sie die Fanbasis ausbauen und die Reichweite steigern können, und natürlich erkläre ich auch die Bedienweise von Facebook, denn so manche schlaue und praktische Funktion ist gar nicht so einfach zu finden.

FB: Wie kam es überhaupt dazu, dass Sie sich selbstständig gemacht haben?

Aus zwei Gründen:

  1. Um die Vorstellung von einer erfüllenden Arbeit, bei der ich – auch finanziell – wertgeschätzt werde, umsetzen zu können.
  2. Um Familie und Beruf besser vereinbaren zu können.

2014 wurde ich, nach mehreren Jahren in diversen Teilzeittätigkeiten von 20-25 Stunden Wochenumfang, überraschend arbeitslos. Mein Sohn war damals 9 Jahre alt und im 4. Schuljahr. Natürlich war er vormittags in der Schule und ich hätte arbeiten gehen können – aber eben weiterhin nur maximal 25 Stunden.

Da unser Sohn aus verschiedenen Gründen nicht auf eine Ganztagsschule geht, kommt er gegen 13:45 Uhr nach Hause. Für mich gehört es dann dazu, dass ich frisches Essen zubereite und wir gemeinsam zu Mittag essen. Anschließend beaufsichtige und unterstütze ich ihn bei seinen täglichen Hausaufgaben und lerne mit ihm für anstehende Klassenarbeiten.

Sohn früh zur Selbständigkeit erzogen

Natürlich sind auch manchmal Dinge zu erledigen wie Arztbesuche, Fahrten zu Trainingsterminen und Ähnliches (obwohl wir unseren Sohn schon früh zur Selbstständigkeit erzogen haben, und er Wege alleine zu Fuß oder mit ÖPNV zurücklegt, ist das manchmal nötig).

Hinzu kommt, dass er relativ häufig krank war und immer noch ist, und mal 2-3 Tage am Stück, und manchmal leider auch eine ganze Woche, krank zu Hause bleiben musste.

Alle Jobangebote, die ich zu der Zeit gefunden habe, entsprachen nicht meinen Vorstellungen von einer erfüllenden Arbeit. Wenn man von vorneherein angibt, nur 25 Stunden arbeiten zu können, werden einem keine spannenden, verantwortungsvollen, gut bezahlten Tätigkeiten angeboten. Sondern man ist immer „nur“ die Assistentin – ohne eigene Projekte, ohne Verantwortung und auch nur mit einem „Assistentinnen-Gehalt“. Die interessanten Stellen sind IMMER Vollzeitstellen. Aber diese konnte und wollte ich aus den o. g. Gründen nicht annehmen.

Außerdem hätte ich einen sehr verständnisvollen Chef gebraucht, für die vielen Kranktage meines Sohnes. Ich wusste, ich kann mehr, als Teilzeit-Assistentin zu sein, und ich verdiene es auch, mehr zu verdienen!

Deshalb habe ich mich letztendlich, auch durch Überzeugungsarbeit einer guten Freundin, die diesen Schritt acht Jahre vorher gegangen war, selbstständig gemacht. Als meine eigene Chefin kann ich mir die Zeit frei einteilen und Projekte annehmen, die ich spannend finde und die zu mir passen. Natürlich arbeite ich vormittags am konzentriertesten, denn da habe ich ja 5 Stunden am Stück Zeit. Kundentermine versuche ich stets in den Vormittag zu legen. Aber wenn einmal schönes Wetter ist, habe ich eben auch die Freiheit zu sagen, heute gönne ich mir einen freien Vormittag, gehe mit einer Freundin in ein Café oder drehe eine Laufrunde im Wald mit dem Hund. Und dann arbeite ich einfach abends noch einmal ein paar Stunden.

Ein ganz klarer Vorteil ist auch, dass ich immer zu Hause bin, wenn mein Sohn wieder einmal krank ist. Dass ich das ohne schlechtes Gewissen, und ohne Rechenschaft ablegen zu müssen, tun kann, ist einfach unbezahlbar!

FB: Wie schaffen Sie für sich eine gute Work-Life-Balance?

Ich habe von Anfang an gesagt, ich möchte nicht „selbst“ und „ständig“ arbeiten. Daher nehme ich nie mehr Projekte an, als ich wirklich ohne Stress stemmen kann. Ich möchte nie in die Situation kommen, dass ich bis spät in die Nacht arbeiten muss, ständig unter Strom stehe und nicht mehr weiß, wo mir der Kopf steht. Natürlich habe ich auch mal ein Projekt mit einer knappen Deadline und arbeite einen Abend bis Mitternacht. Aber das ist die Ausnahme.

Um ausgeglichen zu bleiben, plane ich meine Freizeit sehr bewusst. Ich verbringe sie gerne mit Laufen, Volleyballspielen, Wandern, Saunabesuchen, Kinoabenden oder Konzertbesuchen. Mindestens zweimal in der Woche einen solchen Termin für mich zu haben ist mir wichtig. Mein Mann und ich planen auch regelmäßig kinderfreie Abende ein. Zum Glück ist das inzwischen ja sogar ohne Babysitter möglich.

Ich versuche außerdem, alle Arbeit während der Werktage zu erledigen und mir die Wochenenden wirklich freizuhalten, für meine Familie und meine Hobbys.

Außerdem nehme ich keine Arbeit mit in den Urlaub, da bleibt das Handy dann auch mal eine Woche aus. Ich schalte dann wirklich ab, und es gibt nur Familie und Erholung. Am liebsten in den Bergen!

Infos zu den Leistungen Sabine Arndt-Ellerhold finden Sie auf wortsinnig.de

Bildnachweis: Sabine Arndt-Ellerhold