Beiträge

Janine Harmjanz

Janine Harmjanz aus Hamburg hat als gelernte Erzieherin und Psychologin einen umfassenden Einblick in die aktuelle Betreuungssituation in Kindergärten bekommen. Schnell stellte sie fest, dass die individuelle Betreuung hier kaum möglich ist. Kurzerhand stieg sie aus und machte sich mit einer Kinderbetreuung für Privathaushalte selbständig. Schon kurz darauf konnte sie sich vor Aufträgen kaum retten, was die Kinderbetreuung Harmjanz – so der Name des Unternehmens – rasch wachsen ließ. Heute hat die engagierte Frau aus dem Norden eine Vielzahl an Kunden und agiert mit einem breit aufgestellten Team.

Janine hatte in Kita umfassenden Einblick in Betreuungssituation

Vom Unternehmer über den Prominenten bis hin zum eingespannten Arzt lassen beruflich engagierte Eltern den Nachwuchs von Janine und ihrem Team betreuen. Die Tendenz für diese Art Dienstleistung ist steigend: Janine arbeitet aktuell bereits mit 60 Leuten, um den Bedarf an privater Kinderbetreuung ihrer Kundschaft zu decken. Darüberhinaus hat sie sich auch auf die Betreuung der Kleinen auf Feierlichkeiten spezialisiert, was vor allem bei Anlässen wie Hochzeiten oder Jubiläen gut ankommt.

Wir haben mit der sympathischen Unternehmerin über ihr Business und die Belange ihrer Kunden gesprochen.

FB: Janine, Du bist von Hause aus gelernte Erzieherin, hast auch einen Kindergarten geleitet. Wie kam es dazu, selbst eine private Kinderbetreuung zu gründen?

Ich bin gelernte Erzieherin und Psychologin mit den Schwerpunkten Management, Personalwesen und Entwicklungspsychologie. Bevor ich die Kinderbetreuung Harmjanz gegründet habe, arbeitete ich als Kinderbetreuerin in Privathaushalten, im Personalmanagement bei einem renommierten Unternehmen in Hamburg und darauffolgend im Leitungsbereich einer Kita.

Viele Eltern sind mit Kitasystem unzufrieden

Die „Kinderbetreuung Harmjanz“ habe ich vor drei Jahren gegründet. Damals war ich neben dem Studium als Kinderbetreuerin in mehreren Familien tätig und merkte schnell, welch großer Unmut und Sorgen bei vielen Eltern vorherrschten. Eine Vielzahl dieser Eltern war mit dem Kitasystem sehr unzufrieden und wollte seinen Kindern eine individuelle und flexible Betreuung im gewohnten Umfeld ermöglichen.

Schon als ich in der Kita arbeitete, stellte ich fest, wie eingefahren das klassische Kitasystem ist und dass eine individuelle sowie interessen- und bedürfnisorientierte Betreuung einzelner Kinder kaum möglich ist. Daher stieg ich aus diesem System aus und machte mich selbstständig mit der Kinderbetreuung in Privathaushalten. Da ich mich rasch nicht mehr vor Aufträgen retten konnte und ich mich eigentlich noch im Studium befand, stellte ich daraufhin meine erste Mitarbeiterin ein. Sie unterstützt mich mittlerweile sogar in der Geschäftsführung und hat den Bereich Hochzeits- und Eventbetreuung komplett übernommen.

Aufträge kamen rasch – Businessplan und Gründung folgten

Es folgten rasch weitere Aufträge, so dass mehr Personal her musste. Ich schrieb einen Businessplan und die Gründung folgte umgehend.

FB: Was denkst Du, woran es liegt, dass Kindergarten-Einrichtungen oftmals nicht die Qualität bieten (können), die Eltern sich wünschen?

Das liegt an vielen Faktoren. Grundlegend ist es der Betreuungsschlüssel, der eine individuelle Betreuung schwer macht und zum Anderen das System der Inklusion in den Kitas. Ich finde es toll, dass Kinder mit einem höheren Förderbedarf in den normalen Kitas betreut werden sollen, doch es sollte dann zumindest eine weitere pädagogische Fachkraft eingesetzt werden und nicht alles, auf die eh schon überlasteten Erzieher abgewälzt werden.

FB: Konntest Du all das, was Dir an herkömmlichen Kindergärten nicht gefallen hat, in Dein privates Betreuungskonzept einfließen lassen? Wenn ja, nenn uns doch mal ein paar Beispiele!

Ja absolut. Da wir entsprechend der Bedürfnisse der Familie agieren, setzen wir passgenau eine Betreuerin ein, die langfristig den Kindern zur Seite steht und diese ganz individuell und kompetent fördert. Wir haben die Freiheit, die Kinder ganz ohne Vorbehalte kennenlernen zu dürfen und können so eine langfristige Bindung zu ihnen herstellen. Auf dieser Grundlage ist eine individuelle und kreative Förderung von Fähigkeiten und Kompetenzen viel tiefgreifender als wenn die Themen nur an der Oberfläche ankratzt werden können. Wir überlegen immer mit den Kindern gemeinsam, was bei der  zur jeweiligen Betreuungseinheit unternommen werden soll. Dadurch lernen die Kinder schnell, dass ihr Wort ernstgenommen wird und sie wertgeschätzt werden.

FB: Wie viele Leute hast Du zwischenzeitlich im Team?

Wir sind enorm gewachsen! 60 Mitarbeiter unterstützen nunmehr mein Team!

FB: Wie muss man sich euren Service vorstellen?

„Es beginnt mit einer detaillierten Bedarfsanalyse seitens des Kunden, geht dann über die Personalsuche und gegebenenfalls Einstellung geeigneter Kinderbetreuer(innen) und schließt mit dem Vorstellungsprozess ab. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Chemie zwischen den Kindern, den Eltern und dem/ der Betreuer(in) stimmt. Regelmäßige Feedback – und Entwicklungsgespräche mit den Eltern als auch Mitarbeitern stärken das Vertrauen und Offenheit. Qualifizierte Schulungen aller Mitarbeiter zu Themen wie „Erste-Hilfe am Kind“ oder “Wie fördere/fordere ich das Kind, ohne es zu überfordern“ bereiten uns hierbei besonders große Freude.

Auch Notfallservice wird vorgehalten

Somit bieten wir ein umfangreiches und individuelles Betreuungskonzept in Privathaushalten. Die Betreuung kann stundenweise , halb- oder ganztägig und auch über Nacht oder mehrere Tage am Stück gebucht werden.

Ebenso bieten wir einen Notfallservice an, wenn die Kinder beispielsweise erkrankt sind und nicht in die Kita gehen können. Urlaubsbegleitung, Nachhilfe sowie Hochzeits- & Eventbetreuung bereiten uns ebenfalls größten Spaß.“

FB: Was für Leute sind es, die bei euch ihre Kinder privat betreuen lassen?

Unsere Kunden sind meist Vollzeit berufstätig oder selbstständig. Ebenso haben wir viele Unternehmer, Berater, Ärzte, Führungskräfte, Prominente, Firmen, Hotels und angehende Eheleute als Kunden.

Einsatzbereit auch nachts und an Feiertagen

FB: Wie stellt ihr sicher, dass die Kinderbetreuung beim Kunden auch gewährleistet ist, wenn – zum Beispiel – die Betreuungsperson auf dem Weg zum Kunden eine Reifenpanne hat?

Wir haben mehrere Springer im Team, die im Notfall sofort einsatzbereit sind, so dass  wir die Betreuung immer gewährleisten können.

FB: Seid ihr nachts und an Feiertagen erreichbar? 

Selbstverständlich! Wir arbeiten auch an Feiertagen.

FB: Mit Deinem Unternehmen bist Du auch auf Festivitäten präsent – zum Beispiel auf Hochzeiten. Welche Argumente sprechen da für eine professionelle Kinderbetreuung? Und: Wird der Service gut angenommen oder sind Gastgeber, die Profis für die Beschäftigung Kleinen buchen noch die Ausnahme?

Man sollte sich die Frage stellen, ob man allen Gästen eine schöne Feier ermöglichen möchte. Es liegt nicht in der Natur der Kleinen, stundenlang leise zu sein und sich wenig zu bewegen. Kinder wollen alles erkunden und Spaß haben. Wir bieten Entertainment für Groß und Klein und hatten sogar schon die Eltern einiger Kinder bei uns am Tisch sitzen, weil diese auch geschminkt werden wollten.

Kinderschminken und Basteln, wenn die Großen feiern

Im Endeffekt können wir je nach Wetterlage viele Aktivitäten und Attraktionen anbieten. Dazu zählen unter anderem Kinderschminken, zahlreiche Bewegungsspiele, Experimente, Tischkickern, Torwandschießen, Bastelideen mit dem Ziel, für die Kinder ein schönes Andenken an die Hochzeit zu schaffen oder auch Riesendart. Unser Bällebad, die Hüpftiere, Bobbycars und den Krabbeltunnel nutzen wir gerne für einen spannenden Erlebnisparcours. Zur späteren Stunde bauen wir unsere Schlaflandschaft auf und ermöglichen somit auch eine Übernachtbetreuung.

FB: Gibt es Zukunftspläne für Dein Unternehmen? Wenn ja, welche sind das?

Absolut! Wir werden demnächst Filialen in anderen Städten in Deutschland eröffnen.

FB: Der Job, den Du machst, ist ja mit sehr viel Zeit, die investiert werden muss, verbunden. Wenn es trotzdem freie Stunden gibt: Was machst Du in der Freizeit? Gibt es Hobbys?

Freie Sekunden und Stunden verbringe ich mit meinem Hund und meinem Freund. Ansonsten bin ich sehr gerne in der Natur.

Mehr zu Janine und ihrem Unternehmen hier.

"

Frau im Home Office

Von daheim aus arbeiten, sich die Arbeitszeit selbst einteilen können, flexibel sein. Das ist nicht nur ein Modell für Freiberufler und Selbständige, sondern auch für etliche Angestellte in mittleren und großen Unternehmen. Vor allem Frauen nutzen die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, rege und gern. Dass hiermit nämlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gegeben ist, ist in den letzten Jahren zu immer mehr Unternehmen vorgedrungen, die nun ihren Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause aus ermöglichen.

Home-Office wird zumeist für bessere Vereinbarkeit von Familie und Job genutzt

Freilich sind diese Firmen noch immer in der Unterzahl, wird gesamtgesellschaftlich um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Job immer noch gerungen. Vor allem Familienverbände fordern, dass Unternehmen noch viel mehr von diesen Home-Office-Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen sollen. Hier übertrifft die Nachfrage das Angebot aktuell um Längen.

Doch parallel zu dem Wunsch vieler (weiblicher) Arbeitnehmer, von daheim aus arbeiten zu können, wird häufig auch Kritik am Home-Office laut. Fundierte Kritik. Damit zielt man aber nicht auf den gemeinen Home-Worker ab, der ja doch zwischendurch die Waschmaschine befüllt und in schlapperiger Jogginghose ungeduscht am Schreibtisch sitzt – dieses Gerücht hält sich, solange es die Heimarbeitsplätze gibt. Nebenbei erwähnt: Diese Verlockungen werden in diversen Web-Gruppen, in denen sich Leute, die im Home-Office arbeiten, austauschen und vernetzen auch immer wieder thematisiert. So mancher gibt freimütig zu, dass er sehr wohl die Waschmaschine nebenher laufen lässt und sich bis Mittag erstmal nur im Bademantel beruflich betätigt. Andere wiederum berichten davon, dass sie es sehr diszipliniert halten, sich ordentlich angezogen und – als Frau – sogar geschminkt an den Heimarbeitsplatz setzen.

So weit, so gut.

Karriere-Expertin sieht im Home-Office etliche Nachteile

Ganz andere Gründe führt nun Petra Rohner von der PR Consulting GmbH ins Feld. Auf dem Karriere- und Vernetzungsportal XING veröffentlichte sie einen Beitrag unter der Überschrift:

„Frauen und New Work: das Homeoffice als Karrierefalle“

Ihre Gründe, die sie im Beitrag nennt, sind nachvollziehbar. So schreibt sie unter anderem:

„(…)Zu Hause arbeiten bedeutet jedoch auch, in vielen wichtigen Momenten in der Firma nicht dabei zu sein. Da Homeoffice noch immer besonders von Frauen beansprucht wird, ist genau dies einer der Schwachpunkte der sonst so guten Entwicklung. Wer zu Hause arbeitet, merkt mit der Zeit, dass viele Themen, die im Team in den Pausen oder über Mittag besprochen werden, an einem vorbeigehen. Von Beförderungen erfährt man oft erst, wenn sie offiziell mitgeteilt werden – sogar wenn man selbst Interesse an der Position gehabt hätte.(…)“

Da ist natürlich etwas dran und nicht erst seit gestern ist bekannt: Im Home-Office arbeiten kann ziemlich einsam sein. Fernab von Kollegen, der Firma und alles was sich in diesem Zusammenhang abspielt, kann es tatsächlich passieren, dass man etwas isoliert wird. Nicht beabsichtigt freilich, aber eben als sich ergebende Konsequenz.

Mancher kennt nur das von Zuhause aus arbeiten

Wobei man hier wahrscheinlich unterscheiden muss, zwischen Leuten, die neu ins Home-Office gehen und Menschen, die es gar nicht anders kennen. Leute, die zunächst in einem Unternehmen und inmitten eines Kollegenkreises, eines Teams, gearbeitet haben, tun sich im Home-Office eventuell tatsächlich schwer und vermissen mitunter die Atmosphäre zwischen Büroflur und Kantine.

Wieder andere, die von Anfang an alleine von zuhause aus arbeiten, kennen es nicht anders und werden wohl auch nichts vermissen. Vor allem viele Freiberufler, die schreiben, konzipieren oder anderweitig geistig tätig sind kennen kein anderes Arbeitsumfeld, als die eigenen vier Wände. Wahrscheinlich ist es auch eine Sache der Gewohnheit.

Für Menschen, die zwar sehr gern im Home-Office arbeiten, sich aber auf Dauer isoliert fühlen, eignet sich deshalb eine Aufteilung der Arbeit sehr gut. So kann beispielsweise von Montag bis Mittwoch in der Firma und Donnerstag und Freitag von zuhause aus gearbeitet werden. Oder umgekehrt. Immer vorausgesetzt, der Arbeitgeber macht mit – klar!

Durch ein solches Modell würde der Draht zu den Kollegen inhouse nicht ganz so arg gekappt und die von Expertin Petra Rohner ins Feld geführten Nachteile lassen sich so ein Stück weit umschiffen.

Home-Office immer auch eine Typ-Frage

Am Ende ist es wohl eine Typ-Frage: Den einen stört es nicht im Geringsten, aus einem Kollegenkreis gänzlich ins Home-Office zu wechseln, während der andere zu dem erwähnten Teilungs-Modell tendiert. Schon immer von Zuhause aus Arbeitenden wird sich die Frage sowieso nicht stellen. Siehe oben. Erfahrungsgemäß vernetzt sich diese Klientel ganz gut, zumeist online. Gerade für Frauen gibt es hierfür im Netz diverse Gruppen, vor allem auf Facebook. Von den Mompreneurs über die Frauen Business Lounge bis hin zu der She preneuer Community gibt es in dem sozialen Netzwerk interessante Gruppen und Communitys für Frauen, in denen auch viele Mitglieder dabei sind, die im Home-Office arbeiten. Hier wird sich untereinander geholfen, mit Tipps versorgt oder auch mal Luft gemacht. Zwar findet alles digital statt, aber nicht wenige Frauen vernetzen sich auch offline, gehen mal einen Kaffee trinken, sehen sich. Eine gute Alternative zu fehlenden Kollegen ist dies gerade für Leute, die es nicht anders kennen, als stets allein zu arbeiten, allemal.

Mann muss es wollen (und mögen)!

Insofern: Es gibt sicher nicht nur DIE negativen oder nur DIE positiven Seiten in Sachen Home-Office. Und es ist garantiert nicht jedermanns Sache, auch klar. Wie bei allem im Leben gilt: Man muss es mögen.

Wer den erwähnten Artikel von Petra Rohner im Original lesen will, hier ist er.

Bildnachweis: pixabay.com

"

Sekretärin

„Wenn man 30 ist, ist 50 sein utopisch“ sang einst Howard Carpendale in seinem Song „50 Jahre.“ „Irgendwann passiert es jedem, dass man einfach so dazugehört“ hauchte der dauersmarte Sunnyboy noch hinterher. Ja, das stimmt – Howie hat recht! Vor allem ist die 50 utopisch, wenn man U-20 ist und einem schon Leute ab 30 wie eingestaubte Dinos vorkommen. Allerdings kann man das auch umgekehrt sehen: Wenn man sich so langsam an das fünfte Lebensjahrzehnt ranpirscht, erscheint es einem auch utopisch, dass man mal 16 oder 17 Jahre alt war.

Eine Zeitreise in diese unbeschwerten Jahre erlebte ich dieser Tage, als ich nach fast 30 (!) Jahren einstige Mitschülerinnen meiner Ausbildung wieder traf. Einige von ihnen hatten ein Klassentreffen organisiert und ich hatte mir den besagten Tag schon ein halbes Jahr vorher im Kalender eingetragen.

Klassentreffen nach fast 30 Jahren

Das Besondere an der Klasse, die sich nun nach so vielen Jahrzehnten wieder treffen wollte, war zum einen die Tatsache, dass wir unsere Ausbildung – damals zur Facharbeiterin für Schreibtechnik – noch zu DDR-Zeiten begannen und dann volle Kanne in der Wendezeit landeten. Und zum anderen der Umstand, dass diese Klasse damals nur aus Mädchen bestand. Heute wahrscheinlich unvorstellbar, wie man an den vielen Quotenmännern und -frauen landauf, landab sieht. So ein Mädels-Haufen würde heutzutage wahrscheinlich die Gleichstellungbeauftragte auf den Plan rufen, die ob dieser Zusammensetzung Diskriminierung wittern und den in einen Norwegerpulli gehüllten Quotenmann „Martin“ in eine solche Klasse stecken würde.

Damals war das kein Thema, denn den Beruf, den wir erlernen wollten, ergriff zu DDR-Zeiten schlichtweg kein Mann. Jedenfalls ist mir keiner bekannt, der als Sekretär in einem VEB-Vorzimmer in die Tasten einer Schreibmaschine hackte. Wobei natürlich die Bezeichnung „Sekretärin“ für den Beruf Facharbeiterin für Schreibtechnik damals offiziell nicht verwendet wurde. Das „Facharbeiter für….“ wurde korrekt davor gesetzt, da gab es nix im einstigen Arbeiter- und Bauernstaat.

Ich für meine Person habe in den Jahren danach allerdings auf die Frage, was ich gelernt habe, schlicht und ergreifend immer nur „Sekretärin“ geantwortet. Im Grunde genommen war es das ja auch.

Großes Wiedersehen nach Jahrzehnten

Aber zurück zu unserer Mädels-Klasse. Nach fast drei Jahrzehnten wurde nun ein Treffen organisiert, wo wir alle uns wiedersehen sollten. Die Vorfreude war groß und stieg schon beim Kommunizieren in der WhatsApp-Gruppe, die eigens für diesen Anlass gegründet wurde. Ein großes gegenseitiges Hallo und Staunen machte sich mit dem Eintrudeln der ersten Fotos auf WhatsApp breit. Manche der Mädels hatten sich so gar nicht verändert und bei anderen wiederum musste erst einmal nachgefragt oder nachgedacht werden, um wen es sich handelt. Dazwischen kreisten Schwarz-Weiss-Bilder aus Zeiten der Ausbildung – so um 1989. Die Aufnahmen unterscheiden sich nicht großartig von jenen, die heute in jeder MDR-Doku eingeblendet werden, wenn es darum geht, den Osten zu porträtieren oder die so widerspenstige Ossi-Seele zu ergründen. Hochgefönte Locken, Schneejeans , Blousons und die eine oder andere auch mit einem feschen Popper-Schnitt: So lachten wir in die Kamera, vom Leben noch unbeleckt.

Da sich der Kontakt untereinander nach der Ausbildung – eine Zeit, in der die Wendejahre tobten – schnell verlor, war natürlich nun jede neugierig, wie die anderen Mädels heute aussehen und wie es ihnen ergangen ist. Deshalb war das Hallo groß, als eine nach der anderen auf dem Parkplatz eintrudelte. Ich hatte vorher noch Daniela mit dem Auto mitgenommen – eine ehemalige Mitschülerin aus eben jener Ausbildungsklasse. Sie hatte sich kaum verändert, auch das Mundwerk lief noch nach Jahrzehnten wie geschmiert. So wie meines auch – wir haben uns da nie was genommen. Zwar stellten wir fest, dass unser beider Hüftgold etwas an Umfang zugenommen hatte, aber das tat der Freude des Wiedersehens natürlich keinen Abbruch.

Als die Mädels-Runde komplett war, gab es kein Halten mehr. Umarmungen, Hallo-Hallo, Komplimente, anerkennende und ungläubige Blicke hielten sich die Waage.

Der Spirit der einstigen Ausbildungsklasse war zu spüren

Ich stellte fest, dass sich manche der Mädchen von einst überhaupt nicht verändert haben und hatte bei der einen oder anderen doch Schwierigkeiten, sie zuzuordnen. Das löste sich allerdings schnell auf, so dass der alte Spirit aus der einstigen Sekretärinnenklasse wieder zu spüren war.

Während wir uns von einem Schiff auf dem Wasser treiben ließen – zur Feier des Tages war eine Rundfahrt über die Gewässer unserer Heimat angesagt – machten die ersten Lebensläufe die Runde. Partner, Kinder, Ex-Männer, Ex-Ehemänner und die jetzige Familienkonstellation: Alles kam zur Sprache. Währenddessen kreiste ein guter Tropfen, was die Stimmung zusätzlich anhob. Verblüffend war, dass die allermeisten Schreibtechnikerinnen aus der einstigen Ausbildungsklasse auch heute noch in ihrem erlernten Beruf tätig sind. Das ist keine Selbstverständlichkeit, bei den vielen Brüchen in nicht wenigen ostdeutschen Biographien, die den Wendejahren geschuldet sind. Schön auch: Alle waren in Lohn und Brot, abgehängt schien keiner.

Unterschiedliche Erinnerungen – vieles verblasst

Allerdings waren die Erinnerungen sehr unterschiedlich. So konnte ich mich beispielsweise an den Sportunterricht in meiner Ausbildung überhaupt nicht mehr erinnern, während die eine oder andere eine Story darüber zum Besten gab. Dafür gab es so manche „Ach-ja-stimmt“-Momente, als Episoden, Storys und Ereignisse von dazumal zur Sprache kamen. Manche Erinnerung kam auf einmal so blitzschnell hervor, dass man davon ausgehen kann, dass sie jahrelang verschüttet war. Eine in unserer Runde meinte, dass das einfach daran liegt, dass die Erlebnisse damals in den normalen Alltag integriert und eben nichts Besonderes waren. Heute sind sie das umso mehr, denn es ist schon etwas Besonderes, die Ausbildung in einem völlig anderen System gemacht zu haben und sich heute – als gestandene Frauen – in einer Lebenswelt wiederzusehen, die damals unvorstellbar und auch unerreichbar war.

Alles in allem war es ein superschöner Abend. Und zudem ein mehrstündiges Abtauchen in eine längst vergangene Zeit. Auch nach der herzlichen Verabschiedung von den Frauen am Ende des Abends begleitete mich ein Gefühl der Melancholie und Nostalgie durch die Nacht. Ja, unsere Mädels-Klasse damals – die war schon was ganz Besonderes!

Nunmehr dürfte es nicht wieder fast drei Jahrzehnte dauern, bis sich der lustig-sympathische Weiberhaufen wieder trifft. Sicher wird es schon bald mal wieder – um es erneut mit Howie zu sagen – „Hello Again!“ heißen.  Auf bald also, Mädels!

Bildnachweis (Symbolfoto): picture alliance/dpa-Zentralbild

"

Expertin für`s Finanzielle: Christine Aschauer

Haben Sie einen sehnlichen Wunsch, den Sie sich gerne erfüllen würden? Oder einen Kindheitstraum, der noch immer darauf wartet, Realität zu werden? Viele Frauen haben unerfüllte Träume und Ziele. Warum? Immer wieder stoße ich auf Frauen, die sich Ihre Träume schlichtweg nicht erfüllen können, weil das nötige Kleingeld fehlt. Gründe dafür gibt es so einige: familiäre Herkunft, Partnerabhängigkeit, Elternzeit,… – um nur ein paar davon zu nennen.

Fehlendes Geld wirkt sich negativ auf gesamtes Leben aus

Abgesehen davon, dass Sie ohne Geld Ihre Träume und Wünsche nicht finanzieren können, hat fehlendes Geld negative Auswirkungen auf Ihr gesamtes Leben, auf Ihre Entscheidungen und ihr persönliches Wachstum.

3 Gründe, warum ein Mangel an Geld negative Auswirkungen auf Ihr Leben hat

  1. Wachsende Existenzängste
    Was würde passieren, wenn Sie Ihren Job verlieren? Wie lange würden Sie mit Ihren momentanen Ersparnissen über die Runden kommen? Wie lange könnten Sie Ihre Miete oder den Kredit für Ihr Haus bezahlen?
    Haben Sie keinen entsprechenden Geldpolster für diese Themen hinterlegt, werden Sie früher oder später von Existenzängsten geplagt. Die Ausprägung kommt stark auf Ihre Persönlichkeit an. Aus Erfahrung weiß ich, dass im Grunde jeder von uns Existenzängste kennt – manchmal bewusst, manchmal weniger bewusst. Diese Ängste beeinflussen in unserem Unterbewusstsein all unsere Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen (Partner, Job, Karriere, Kinder,…).
  2. Steigende Abhängigkeit
    Haben Sie zu wenig Geld oder das Gefühl, dass Sie mit Geld nicht umgehen können, werden Sie abhängig von anderen Personen. Zuerst sind es Ihre Eltern, die Ihnen lange vorschreiben, wofür Sie Geld ausgeben dürfen und welche Wünsche Sie sich erfüllen dürfen. Später ist es häufig der Partner. Sollten Sie Kredit benötigen, werden Sie wiederum abhängig von Ihrer Bank. Dies führt dazu, dass Sie keine freien Entscheidungen treffen können. Sie werden eingeengt, können sich persönlich nicht entfalten und bleiben unter Ihren Möglichkeiten
  3. Behinderung von Wachstum & Persönlichkeit
    Wann haben Sie das letzte Mal einen Kurs, ein Seminar, einen Vortrag besucht oder in Fachbücher investiert?
    Investition in Ihr Wissen, in Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung ist das

Wichtigste und Beständigste in Ihrem Leben. Bildung kann Ihnen niemand wegnehmen. Vielmehr noch steigert es Ihren inneren und äußeren Wert und bestimmt Ihr künftiges Einkommen und langfristiges Vermögen. Um in Ihrem Leben voran zu kommen und die Karriere zu verfolgen, die Sie sich wünschen und vorstellen, benötigen Sie das nötige Kleingeld und die Möglichkeit sich persönlich weiterzuentwickeln.

Ganz egal, worin die Ursache liegt, warum Ihnen Geld fehlt – mit schnell umsetzbaren Schritten, können Sie bereits zum Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung haben.

Das Geld selbst in die Hand nehmen!

Nehmen Sie Ihr Geld selbst in die Hand! Ihre Existenzängste werden minimiert. Sie werden ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen und in Ihrer Persönlichkeit wachsen. Es werden sich neue Türen für Sie öffnen und ihre langersehnten Träume können dadurch Realität werden.

Ich verrate Ihnen heute ein paar Tipps, wie Sie Ihren Herzenswünschen um ein ganz schönes Stück näher kommen und anderen Frauen in diesem Thema 3 Schritte voraus sind.

Haben Sie Lust? Los geht’s:

6 Tipps, die Sie bereits Morgen umsetzen können:

  1. Ausgaben aufdecken – Werden Sie sich über Ihre laufenden Ausgaben bewusst. Häufig sind es die kleinen Dinge, die zusammengezählt am Monatsende einen großen Anteil an Ihren Ausgaben haben. Ein Haushaltsbuch ist hier empfehlenswert, weil es alle Ausgaben strukturiert aufzeigt. Es reicht, das Haushaltsbuch für 3 Monate zu führen. Sie werden nach dieser Zeit bereits ein gutes Gefühl für Ihre Ausgaben haben und wissen, wo Sie sparen können. Mein persönlicher Rat: Schätzen Sie vorab Ihre monatlichen Ausgaben. Sie werden überrascht sein, wie hoch sie tatsächlich sind. Mir ging es genauso. Bei meinem Haushaltsbuch hatte ich das geschätzte Budget für auswärts Essen bereits nach 2 Wochen aufgebraucht. Bei anderen Ausgaben war es ähnlich. Da war noch sehr viel Monat ohne geplantem Budget übrig.
  2. Ausgaben reduzieren – Wenn Sie einen guten Überblick über Ihre Ausgaben haben, ist es ein Leichtes über mögliche Einsparungen nachzudenken. Notieren Sie sich Ihre Einsparungspotenziale schriftlich, so erhalten Sie mehr Verbindlichkeit. Handys und unnötige Versicherungen – immer wieder sind wir „überversichert“ – sind Kostenpositionen, auf die Sie besonders Augenmerk legen sollten. Decken Sie dadurch Ausgaben auf, von denen Ihnen überhaupt nicht bewusst war, dass es sie gibt und eliminieren Sie diese. Achten Sie auch auf kleine Positionen, denn in Summe können diese einen wesentlichen Einfluss auf Ihr Vermögen haben.
  3. Spar-Rate festlegen – Sie kennen Ihre monatlichen Einkünfte und Sie wissen mittlerweile besser über Ihre Ausgaben und Sparpotenziale bescheid. Nun können Sie Ihre monatliche Sparrate festlegen. Diese zweigen Sie am besten bereits am Anfang des Monats ab und überweisen den Betrag auf ein eigenes Sparkonto. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie es schaffen werden, höhere Summen als bisher zu sparen. Werden Sie Ihre eigene Schatzmeisterin!
  4.  Bewusstsein schaffen – Werden Sie sich bewusst, wofür Sie Geld ausgeben möchten. Tun Sie es nicht aus Gewohnheit oder weil Ihr Umfeld sich gewisse Dinge leistet. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Gönnen Sie sich lieber jene Dinge, die Sie in Ihrem Leben vorwärts bringen, mehr Einkünfte schaffen oder die Sie sich sehnlich wünschen.
  5. Ziele festlegen – Setzen Sie sich Ziele, die Sie in Ihrem Leben erreichen möchten. Halten Sie diese schriftlich fest um Verbindlichkeit zu schaffen. Überlegen Sie sich anschließend, wieviel Geld Sie für die Erreichung Ihrer Ziele benötigen. Wichtig: nicht umgekehrt! Zuerst über Ihre Ziele nachdenken und erst im Anschluss über das notwendige Geld.
    Schränken Sie sich hier nicht durch Ihre aktuelle finanzielle Situation ein. Seien Sie kreativ und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Jetzt ist der beste Zeitpunkt über Ihre Zukunft nachzudenken und wie Sie diese gestalten möchten.
  6. Finanziell weiterbilden – Auf Sie warten interessante Blogs, Bücher und Veranstaltungen über Möglichkeiten zum Vermögensaufbau. Viele Frauen schreiben und halten Vorträge zu diesem Thema um Finanzen und Geld anderen Frauen zugänglicher zu machen. Haben Sie keine Scheu vor Börsen und Aktien. Halten Sie sich an gewisse Grundregeln und der Aktienmarkt wird positive Überraschungen für Sie bereit halten. Sie wären nicht die erste Person und insbesondere auch nicht die erste Frau, die vorher keine Ahnung über Finanzen und Vermögensaufbau hatte und nach kurzer Zeit fasziniert ist von diesem Thema.

Haben Sie Vertrauen – Leben Sie ein selbstbestimmtes Leben und Ihre Träume und Herzenswünsche werden Wirklichkeit!

Schauen Sie auf sich!

Zur Person:

Christine Aschauer hat sich ihr Know-How in mehr als 15 Jahren Organisationsentwicklung und im strategischen Management erfolgreicher, international tätiger Unternehmen erworben. Heute lässt sie ihr Wissen bei jungen, engagierten Selbständigen und Unternehmern einfließen und schöpft dabei aus einem vielfältigen Erfahrungsschatz, den sie sich bei Einblicken in unterschiedlichste Branchen angeeignet hat. Diesen weiterzugeben ist der engagierten Österreicherin ein Herzensanliegen.

Mehr zu Christine Aschauer finden Sie hier.

Bildnachweis: by Botagraph

Sanduhr mit rotem Sand

Gestern besuchte ich einen ganz besonderen Ort – eine kleine Lichtung mitten im Wald, wo seit über 30 Jahren ein Einsiedler lebt. Er hat sich dort mit tausenden von der Sonne ausgebleichten Seidenblumen, die in angeschlagenen Plastiktöpfen schmale, mit verwitterten Steinplatten ausgelegte Wege säumen, und unbeholfen gezimmerten, dämmerigen Holzhütten voller vergilbter Heiligenbildchen, ein skurriles Refugium geschaffen. Fernab vom hektischen Treiben, allumfassender Konsumgier und der rasenden, uns immer mehr in ihren Strudel aus Verpflichtungen und Begehrlichkeiten hineinreißenden Geschwindigkeit unserer Welt.

Betritt man einen der verwinkelten Pfade, die durch ein unübersichtliches Labyrinth im dichten Nadelwald im Kreis führen, befindet man sich schlagartig in einer Welt der Stille, einem kleinen buntgemusterten Universum aus gelebter, zu Herzen gehender Frömmigkeit und innerer Einkehr. Alle Hektik fällt von einem ab, und man durchwandert selbstvergessen diese Enklave, den manifestierten Traum eines introvertierten Einzelgängers, der für sich selbst beschlossen hat, dass ihn das Treiben „dort draußen“ nicht mehr interessiert, weil er nicht dazugehören möchte.

Dieser Einsiedler verzichtet auf jede Art von Konsum seit mehr als drei Jahrzehnten, läuft fast immer barfuß und bezeichnet seine Eremitage selbst als einen heiligen Ort. Ab und zu besuche ich ihn und lausche in der flüsternden Kühle dieser aus der Welt gefallenen Insel der Seligen dem gequälten Wispern meiner gehetzten Seele, fernab von Trubel, Alltagssorgen, übervollen Terminkalendern und dem lästigen Vibrieren meines Mobiltelefons. Dieses Stück Wald ist ein wunderbarer Ort zur Einkehr, eine Herausforderung für uns „digitale“ Arbeitssklaven, eine kleine Flucht ins Unwirkliche.

Außerdem beeindrucken mich Konsequenz, Beharrlichkeit und der tiefe Glauben an eine übergeordnete Macht, mit denen dieser Mensch sein eigenes kleines Reich gestaltet hat, in dem er schon so lange ohne Strom oder fließendes Wasser (außer dem kleinen Bach, der an dem Grundstück vorbeifließt) lebt und jetzt bei allerbester Gesundheit bald seinen 80ten Geburtstag feiern darf.
Wobei ich mir nicht sicher bin, was „feiern“ bei ihm bedeutet.

Gestern nun, als ich mit einer Freundin die wispernde Ruhe des Waldes durchschritt, wie jedes Mal beeindruckt von der Frömmigkeit und Bescheidenheit, die dieser von Menschenhand geschaffene Ort ausstrahlt, sah ich den Eremiten stehen, der sich mit jemandem unterhielt. Bei ihm verweilte ein Ehepaar Mitte 50. Der Mann klammerte sich in grotesk verzerrter, gebückter Haltung an einen Rollstuhl und starrte mich mit einer Eindringlichkeit an, die bekommen machte. Er wirkte, als würde er sich an mich erinnern, oder sich zu erinnern versuchen, obwohl ich ihn nicht kannte. Man sah ihm an, dass er sich verzweifelt bemühte, nicht zusammenzusacken, als sei er gerade hingefallen und beim Aufstehen auf halber Höhe daran gehindert worden.

Meine Freundin und ich taten, was uns angemessen schien – wir grüßten höflich und gingen weiter. Aber das Bild des Mannes, der sich an diesen Stuhl klammert und aussieht, als würde er gleich in sich zusammenfallen, lässt mich seitdem nicht mehr los.

Ich bin ganz sicher, für diese beiden Menschen, ein dem Anschein nach altgedientes Ehepaar, hat sich die ganze Welt innerhalb von Sekundenbruchteilen für immer verändert. Vielleicht machten sie früher regelmäßig Radtouren, feierten ausgelassen mit Freunden auf der Terrasse ihres Hauses, zogen Kinder groß, gingen samstags zum Einkaufen und hatten alles durchgeplant bis zur Rente. Vielleicht stritten sie gelegentlich über die Freizeitgestaltung, probierten regelmäßig neue Diäten aus und überlegten, ob sie die Oma ins Pflegeheim bringen sollten. Manchmal hatten sie unter Umständen das Gefühl, das Geld reiche nicht und bekamen sich in die Wolle, weil er unbedingt ein neues Auto kaufen wollte, sie aber meinte, man müsse fürs Alter etwas sparen. Eventuell hatten sie Sorgen, weil eines ihrer Kinder über die Stränge schlug. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Und dann… kam dieser Schicksalsschlag, der alles zunichte machte. Vielleicht ein Schlaganfall, vielleicht ein Verkehrsunfall oder eine gemeine Krankheit. Eine Millisekunde, die ihr künftiges Leben unter einer von Kummer eingetrübten Käseglocke für alle Zeiten konservierte, unter welcher sie seitdem zu existieren gezwungen sind. Dieser eine Moment, in dem unsere Wünsche, Hoffnungen und Träume, all unser Ärger um Kleinigkeiten, in sich zusammenfallen wie ein angestochener Helium-Ballon, er hängt über jeden einzelnen Schicksal wie ein Damokles-Schwert. Übrig bleibt dann nur noch die leere Hülle unserer vorherigen Existenz: unter Umständen ein nicht abbezahltes Haus, zu wenig Krankengeld und … Schmerz. Jede Menge Schmerz und die Frage: „Warum ausgerechnet ich?“

Wissen Sie, was ich am häufigsten von meinen Freunden höre, wenn ich vorschlage, mal wieder was zu unternehmen? „Ich habe keine Zeit.“

Durch die Bank sind sie gestresst, reiben sich zwischen Arbeit, Gartenpflege, Kindererziehung oder Hobbies auf, streamen gelegentlich zur Entspannung einen Film oder gönnen sich einen Kino-Besuch und denken, sie hätten alles im Griff, denn nichts ist wichtiger heutzutage, als gut durchorganisiert zu sein. Ihre Urlaube planen sie mindestens ein Jahr im Voraus wegen dem Frühbucher-Rabatt, sie zahlen pünktlich jeden Monat in ihre Altersvorsorge ein und sparen fleißig („Damit ich mir in der Rente was gönnen und auch mal eine Kreuzfahrt machen kann“). Sie verschwenden, außer auf Beerdigungen von alten Freunden, keinen Gedanken dran, dass ihr Lebensplan nicht in Stein gemeißelt sein könnte, wie sie das zu glauben scheinen. Glauben müssen, denn die Wahrheit ist einfach zu grausam.

Aber das Leben nimmt keine Kreditkarten und unterschreibt keine Verträge. Auch nicht, wenn man 17 verschiedene Versicherungen abgeschlossen hat, unter anderem gegen Asteroideneinschlag oder Poltergeister. „Willst du Gott amüsieren, dann mach’ einen Plan“, las ich neulich.

Wer oder was auch immer unsere Geschicke lenken sollte – es/er ist unberechenbar, manchmal boshaft … und sehr, sehr mächtig. „Unter jedem Dach ein Ach“, sagte meine Mutter immer, und heute – mit all meiner Lebenserfahrung – muss ich ihr leider zustimmen.

Bestimmt kennen auch Sie Geschichten von Leuten, die 40 Jahre gearbeitet haben und dann kurz vor Antritt der Rente todkrank wurden und verstarben. „Das mache ich später, jetzt geht es nicht“, versichern mir Freunde, wenn ich einen Ausflug vorschlage. Auf dem Balkon zu sitzen und versonnen den Mond zu betrachten oder die nackten Füße in einem Bach baumeln zu lassen ist unmodern geworden – seit es Netflix und Handys gibt.

Manchmal hat man den Eindruck, die meisten fürchten sich vor der Besinnlichkeit, die sie zwingen könnte, darüber nachzudenken, was morgen sein wird, und wir versuchen deshalb, „was ist“, bis ins Unendliche zu verlängern, denn „was sein wird“, könnte sich für uns als unerträglich herausstellen. Wir Menschen sind nicht allzu gut in Schicksalsschlägen, habe ich das Gefühl. Feiern können wir definitiv besser.

Es gibt ja auch die sogenannten Stoiker, die sich jeden Morgen ungefähr 10 Minuten lang alles Schlimme vorstellen, das ihnen im Laufe des Tages zustoßen könnte – die werden dann wenigstens immer nur angenehm überrascht. („Gottseidank ist mir heute kein Klavier auf den Kopf gefallen.“)

Alle anderen rennen wie kreischende, von Besessenheit getriebene Hamster im sich immer schneller drehenden Rad einem imaginären Ziel hinterher, bis sie aufgrund der Fliehkraft oder vor Erschöpfung herausfallen und liegenbleiben. Manche stehen nie wieder auf. Andere nehmen Anlauf, hechten erneut ins Hamsterrad und fangen von vorn an.
Meine Bewunderung sei ihnen gewiss.

Ein Freund von mir erlitt mit 26 Jahren beim Rasenmähen einen Schlaganfall. Er konnte sich davon restlos erholen und lebt heute beschwerdefrei seit vielen Jahrzehnten, allerdings sehr viel dankbarer als vorher. Der andere verstarb mit 47 an Krebs. Und erst kürzlich musste ich einen alten Bekannten beerdigen, der mit 53 Jahren einfach umgefallen ist, trotzdem er nie rauchte oder trank. Im Gegenteil: Ich kannte niemanden, der gesünder lebte als er. Dann steht man beklommen am offenen Grab und denkt: „Er hatte doch eigentlich gar nichts vom Leben – immer nur gearbeitet und sich um seine alten Eltern gekümmert.“

Unser eigener Kilometerzähler läuft kontinuierlich mit jedem Tag schneller, und dann drehen wir einfach unser Leben „lauter“, um das bedrohliche weiße Hintergrundrauschen der Unendlichkeit auszublenden.

Wäre das alles hier ein Computerspiel, dann säße an den Steuerungselementen ein frustrierter, unberechenbarer Spieler, der willkürlich die „Delete“-Taste drückt und uns scheinbar nach Belieben löscht. Es gibt da die wahre Geschichte einer früheren Nachbarin, die aus dem Supermarkt kam, ihre Einkäufe im Auto verstaute, und in dem Moment, als sie den Motor startete, mit dem Kopf aufs Lenkrad knallte und starb. Einfach so.

Mittlerweile denke ich: „Hätte schlimmer kommen können, wenigstens war sie gut drauf, weil sie vielleicht noch ein Sonderangebot erwischt hat und musste nicht jahrelang leiden.“

Auf einem Friedhof sah ich mal ein steinernes Herz auf dem Grab einer Frau, die mit gerade mal 40 Jahren gestorben war mit der Inschrift: „Wir haben sie von Herzen geliebt.“ Es tut weh, so etwas zu lesen.

Geliebt zu werden schützt einen nicht vor Unabwägbarkeiten. Versicherungen oder Vitaminpillen übrigens auch nicht. Jeden Moment des Lebens darauf gefasst zu sein, dass das Schicksal mit dem Hammer draufhaut, scheint mir sinnvoller. Wären 10minütige Achterbahnfahrten denn schöner, wenn sie Stunden oder Tage dauerten? Ich denke nicht.

Alles ist endlich. Das Glück und auch das Leid. Nur kommt‘s einem bei zweiterem länger vor.

„Ich habe keine Zeit.“ Von wegen. Sie „haben“ gar nichts, das ist das Problem. Die Zeit gehört nicht Ihnen, sie ist nur eine Art Cluster, ein virtuelles Schwimmbecken, innerhalb dessen Sie sich bewegen dürfen, trotzdem Sie sich bemühen, Ihre Existenz in kontrollierbare Strukturen zu packen, unterstützt von tickenden Uhren, vollgepackten Kalendern und eng gesetzten Terminen.

Wir haben nichts. Es bleibt immer nur der Augenblick.

Und genau das sollte uns eindringlich bewusst werden. Eine Sandburg aus Träumen „haben“ wir, eine im Mahlstrom der Ereignisse trudelnde Seifenblase, inmitten derer wir schweben und uns bemühen müssen, nicht deren Rand zu berühren, weil diese sonst platzt und wir unsanft auf dem Boden unserer eigenen Sterblichkeit landen. Unser Sein ist voller unabwägbarer Ereignisse, die einen urplötzlich und ohne jede Vorwarnung treffen und einem den Boden unter den Füßen wegziehen können.
Schrecklicher Gedanke, nicht wahr?

Was oder wer auch immer unsere Geschicke lenkt, er ist unbestechlich und macht uns vielleicht einen Strich durch Hoffnungen oder Vorstellungen, ehe wir „ab in den Urlaub“ sagen, geschweige denn die Koffer packen können. Und genau um das zu verdrängen, lenken wir uns ab auf Teufel komm raus, denn wir wollen nicht mit der hässlichen Tatsache konfrontiert werden, dass wir nichts sind und keinen Einfluss darauf haben, was das Schicksal demnächst mit uns plant.

Neulich machte ich einen Stadtbummel und wollte mir zum Abschluss noch eine Tasse Cappuccino in einem Straßencafé gönnen. Da alle Tische an den Rändern besetzt waren, musste ich in der Mitte des bunten Pulks Platz nehmen und wurde von allen Seiten unfreiwilliger Zeuge sämtlicher Gespräche.

„Nächstes Jahr fliegen wir wieder auf die Malediven. Das hat uns vor vier Jahren so gut gefallen.“

„Letzte Woche hat der … zu mir gesagt, er hält das nicht mehr lange aus. Das macht er jetzt seit Jahren.“

„Ich freue mich so auf nächste Woche, da kriegen wir endlich die neue Küche. Und Ende August lade ich euch alle zum Essen sein.“

Und so weiter und so fort. Keiner von all diesen Menschen war wirklich da. Anwesend. Präsent. „Gestern, heute, morgen, nächstes Jahr, letzten Monat …“. Wir sind wirklich nie zuhause. In unserem Leben, meine ich.

Ich wiederhole: Wir haben nichts. Alles, das uns ausmacht, kann von der einen zur nächsten Sekunde Vergangenheit sein. Und die schöne neue digitalisierte Welt hilft uns vortrefflich dabei, diesen Gedanken zu verdrängen.

Es gibt nichts Zerbrechlicheres als die menschliche Existenz, und nur, um dessen nicht gewahr zu werden, packen wir unser Leben voll mit Pflichten, Verbindlichkeiten und scheinbarer Zeitnot. Außerdem haben wir doch Netflix, Online-Medien, Bungee-Jumping und Yoga-Kurse. Wir werden das wohl hinkriegen, jede Minute des Tages mit „sinnvollen“ Aktivitäten zu füllen, so dass unser Hirn nicht zur Ruhe kommt. Denn wenn es zur Ruhe käme… Um Himmels Willen!

Erst kürzlich sagte mir eine liebe Nachbarin, die vor kurzem ihren 60ten Geburtstag gefeiert hat: „ich werde nichts mehr hinausschieben, aufs nächste Jahr oder nächsten Monat, wie zum Beispiel einen Urlaub oder ein Treffen mit netten Leuten, denn ich lebe jetzt. Und es ist mir neulich erst bewusst geworden, dass es vielleicht irgendwann keine Gelegenheit mehr zum Verschieben geben werden wird.“

Wissen Sie: DAS könnte der Grund sein, warum Rentner so viel und oft verreisen. Worauf sollen sie denn noch warten? Bis zu ihrem 90ten Geburtstag? DANN gönnen sie sich aber wirklich was?

Aber zurück zu gestern. Diese Frau und ihr bedauernswerter Ehemann, auch sie hatten mit Sicherheit ein ganz normales Leben und vielleicht fürs Alter gespart. Sie hatten Pläne für ihre Rentenzeit geschmiedet, sich eventuell auf ein Enkelkind gefreut oder vor kurzem ihr Badezimmer renoviert.

Jetzt schiebt die Frau den Rollstuhl des Mannes, der verzweifelt versucht, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, weil in seinem Gehirn vielleicht ein Rest von Autonomiebestreben erhalten blieb, vielleicht auch Scham darüber, dass er jede Minute des Tages auf jemanden angewiesen ist (Wir Menschen sind merkwürdige Wesen…). Vielleicht erinnert er sich daran, wie schön es war, zu laufen, zu schwimmen, Auto zu fahren oder den Rasen zu mähen.

Es hätte auch andersherum laufen können und seine Frau treffen. Es hätte auch gar nichts passieren können, und beide wären zusammen in gepflegter Langeweile alt geworden.

Ich hätte es ihnen so gegönnt.

„Wenn du schon etwas tun musst, dann tu es gern“, ermahnte mich während meiner Schulzeit ein Lehrer. Das habe ich bis heute beherzigt, denn unser ganzes Leben besteht unter anderem aus vielen ungeliebten Tätigkeiten wie bei mir zum Beispiel Putzen oder schwere Gartenarbeit, einem Job, den man nur ausübt, weil man die Kohle braucht oder pflegebedürftigen Eltern hat.

„Tu es gern“, verwandelt verhasste Aufgaben vielleicht in die Erkenntnis, dass auch das Hacken von Unkraut von unserer Lebenszeit abgezogen wird. Und diese Lebenszeit sollten wir nicht mit Groll im Herzen verbringen. Stellen Sie sich doch einfach vor, Sie hätten keine Möglichkeit mehr, all das zu tun, was Sie nicht mögen.

„So eine miese Bude, in der ich wohne, ausgerechnet im dritten Stock, und all diese Treppen.“ Und wenn man nicht mehr dazu imstande ist, ein paar Stufen zu nehmen, dann erinnert man sich wehmütig daran, wie schön es noch war, einen Fuß vor den anderen setzen zu können.

Das gilt übrigens für so gut wie alles, das einem sauer aufstößt. Uns fehlt nur das Bewusstsein und die Dankbarkeit dafür, dass wir überhaupt KÖNNEN. Die Chance steht täglich bei 50:50, dass das morgen schon ganz anders aussehen könnte, denn wie Friedrich Schiller mal so treffend sagte:

„Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew’ger Bund zu flechten,
Und das Unglück schreitet schnell.“

Wenn ich zum Beispiel putze (ich hasse es…), trage ich riesige geräuschunterdrückende Kopfhörer und singe lauthals alle bekannten Lieder mit. Gelegentlich spiele ich mit sogar dem Schrubber Luftgitarre und tue, als wäre ich Ozzy Osbourne. Weil ich Putzen nicht mag, es aber erledigt werden muss. Und weil auch Putzen von meiner kostbaren Lebenszeit abgeht. Wenn ich versuche, es gern zu tun, habe ich mehr davon. Versuchen Sie es einfach mal.

Denn unser aller Leben ist kurz und beschränkt. Vielleicht kommt eine Gelegenheit, bei der Sie sich mit Bedauern daran erinnern, wie Sie flott den Feudel geschwungen haben zu den Klängen von Jethro Tull. Ich wünsche das niemanden, aber es kann uns alle treffen.

Deshalb: Genießen Sie jede Minute Ihres Lebens, und sei sie noch so beschissen. Schlimmer geht schließlich immer.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und eine gute Zeit!

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Zwei Anwältinnen

Sich als Frau in einer männerdominierten Branche zu behaupten – das ist den beiden Frauen Thirza Höfer und Katja Haug gelungen. Die beiden engagierten Juristinnen führen eine Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig. Spannend sind die verschiedenen Lebensläufe der beiden. Hat doch die eine noch die DDR erlebt, während die andere im Raum Stuttgart aufwuchs. Das Unternehmen, das sie heute führen, gibt es schon eine ganze Weile und hier lernten sich die beiden Frauen auch kennen. Neben den beruflichen Gemeinsamkeiten verbindet sie auch die Rolle als Mutter. Denn sowohl Thirza Höfer als auch Katja Haug haben eine Familie gegründet.

Im Gespräch erzählen sie, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht haben und berichten aus ihrem Alltag, den vor allem männliche Zeitgenossen prägen.

FB: Frau Haug, Frau Höfer, Sie sind beide Anfang vierzig, studierte Juristinnen, und Sie führen seit fünf Jahren miteinander ein Unternehmen in Leipzig. Was machen Sie da genau?

TH: Wir sind Dienstleister für mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Idee ist eine Paketlösung, die einfach alles enthält, was irgendwie mit Geld, Recht, Verwaltung und Steuern zu tun hat. Unsere Klienten sparen dadurch enorm Zeit und Kosten. Sie müssen nicht mehr, je nach Situation und Anliegen, immer neue Berater suchen, die sich dann erst mit viel Aufwand in ihre Verhältnisse hineinfragen müssen. Diese Hintergründe kennen wir alle schon. Das macht alles wesentlich effektiver.

Hohes Beratungspotenzial muss vorgehalten werden

Allerdings müssen wir eine Menge Beratungspotential vorhalten, um auf ganz verschiedenen Gebieten glaubwürdig kompetent zu sein. Finanzbuchhaltung zum Beispiel ist ein völlig anderes Thema als Forderungseinzug. Und Personalmanagement oder Geldbeschaffung stehen ebenfalls auf ganz anderen Blättern. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen dieser Themenvielfalt aber gewachsen sein, auch wenn sie keine eigene Rechtsabteilung oder sonstige Kompetenzpools ihrer Betriebe hinter sich stehen haben.

FB: Sie beide sind ursprünglich gelernte Rechtsanwältinnen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

KH: Stimmt. Ich stamme aus Neubrandenburg, bin später in der Nähe von Jena aufgewachsen und habe damit noch einige, vielleicht prägende Erinnerungen an die DDR. Thirza kommt dagegen aus dem Stuttgarter Raum und damit aus einer ganz anderen Himmelsrichtung. Thirza hat ihre ersten Berufserfahrungen in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferkanzlei gesammelt. Meine eigene Entwicklung verlief nicht so gradlinig. Ich war erst Rechtsanwältin, und dann eine Zeitlang Geschäftsführerin von Fondsgesellschaften. Dadurch kenne ich mich auf dem Kapitalmarkt gut aus. Als sich unsere gemeinsame Geschäftsidee abzeichnete, war ich noch im Vorstand einer Aktiengesellschaft, die Popmusik produziert.

Von der Welt des Glamours in eine bodenständige Branche

Die Welt der Stars und der Prominenz, der Galas und der Preisverleihungen war zugegeben aufregend, und ich bin heute noch meinem großen Mentor aus dieser Szene dankbar, dass er mich damals diesen Job hat machen lassen. Dann aber wurde ich Mutter, und damit verstärkte sich das Bedürfnis nach Bodenständigerem. Daraus wurde die Haug & Höfer Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das klingt nüchtern und bodenständig, und das soll es auch sein.

FB: Ein paar Jahre fehlen aber in Ihrer Schilderung.

TH: Wir sind kein Start Up. Gegründet wurde unser Unternehmen schon 1991, damals natürlich nicht von uns. Katja und ich gingen 1991 schließlich noch in die Schule. Wir haben uns erst 2008 dort kennengelernt. Ich selbst stand damals gerade vor meinem Steuerberaterexamen, und die Kanzlei durchlief in dieser Zeit einige Veränderungsprozesse. Es waren neue Ideen und Begriffe aufgetaucht, von denen Katja und ich bis dahin eigentlich noch gar nichts gehört hatten. Beispielsweise Mediation oder systemische Unternehmensberatung. Darüber gab es damals sehr gespaltene Meinungen. Etliche Kollegen hielten dies für neumodisches Affentheater und gingen. Dies waren hauptsächlich Männer. Dabei ging es eigentlich nur um eine einzige Frage, die sich jedes Dienstleistungsunternehmen unablässig stellen muss: Wie kann ich meinen Kundinnen und Kunden noch nützlicher sein? Vor dieser Frage drückt man sich gern, weil sich für die Antwort immerzu etwas verändern muss.

Richtige Entscheidungen führten zu Umsatzplus

Katja und ich haben darin den richtigen Weg gesehen, und im Ergebnis spülte es uns nach vorn. Wir haben noch andere Unternehmen dazugekauft, um unser Beratungsportfolio abzurunden und neue Gruppen von Klienten dazuzugewinnen. Seit 2015 führen wir die Geschäfte und halten auch die Mehrheit der Anteile. Die Umsätze haben sich seitdem verdreifacht. Falsch war es offenbar nicht.

FB: Das hört sich nach Frauenpower an. 

KH: Auf den ersten Blick mag es danach aussehen. Hinter allen Zimmertüren unseres Büros sitzt tatsächlich nur noch ein einziger Mann. Forciert haben wir das aber keineswegs. Dass es so gekommen ist, war eher Zufall.

TH: Vielleicht ist es einfach so, dass sich Männer unter einer weiblichen Geschäftsführung unwohl fühlen. Dies ist aber nur eine Vermutung, ich weiß es nicht, und ich habe bislang auch über diese Frage überhaupt nicht nachgedacht. Von unserer Seite hätten wir nichts dagegen, wenn mehr Männer bei uns mitmachen würden.

FB: Sie sind beide Mütter. Deshalb kommt jetzt die unvermeidliche Frage, wie Sie Ihren Beruf mit dieser Rolle in Einklang gebracht haben.

KH: Mittlerweile habe ich zwei Kinder, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dies immer reibungslos geklappt hätte. Organisationstalent ist in dieser Hinsicht schon gefragt. Wenn die Kinder allmählich größer werden, löst sich diese Doppelbelastung nach und nach auf. Es gab bis dahin aber viele Situationen, in denen ich mich gefragt habe, wie es Frauen in normalen Anstellungsverhältnissen gelingt, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. 

TH: Genau. Unser Vorteil ist, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes zu den freien Berufen zählen. Darunter fällt auch die Freiheit, eine Lösung zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Als meine Tochter im Säuglingsalter war, habe ich sie einfach ins Büro mitgenommen, schon wenige Tage nach der Geburt.

Das Kinderbett stand im Arbeitszimmer

Mich hat es nicht gestört, dass in meinem Arbeitszimmer ein Kinderbett stand, und etwa für Besprechungen mit Klienten haben wir eigene Räume, bis zu denen die unvermeidlichen Kindergeräusche nicht vordringen können. Ein Patentrezept für andere Frauen kann dies natürlich nicht sein, aber es wäre wünschenswert, wenn sich Arbeitgeber durchringen könnten, Frauen ähnliche Freiheiten zuzugestehen, wie ich sie in dieser Situation hatte: einfach improvisieren und ausprobieren lassen.

KH: Ach, das wird nicht gehen! Das Arbeitsrecht ist für legere Lösungen viel zu starr. Arbeitsschutz und Mutterschutz sind gut gemeinte rechtliche Anliegen, verhindern aber Improvisation und Einfallsreichtum. Die meisten Arbeitgeber befürchten viel zu sehr, womöglich ein Dutzend Rechtsverstöße zu begehen, wenn sie solche Freiheiten von Fall zu Fall zugestehen würden, und dies nicht ohne Grund. Mir fallen gleich ein paar Gesetze ein, mit denen man hierdurch in Konflikt kommen könnte. 

TH (nickt zustimmend): Sehr wahrscheinlich. Aber genau das ist unser Produkt: Wir lassen uns dazu eine Lösung einfallen, die funktioniert. Und das ist auch das Reizvolle an unserem Beruf, kreativ sein, gestalten, sich etwas ausdenken und Starres überwinden. Dies mag vielleicht nach typisch weiblicher Herangehensweise klingen, aber mir macht das jeden Tag aufs Neue Spaß.

FB: Sind Ihre Klienten eigentlich überwiegend Frauen oder Männer?

TH: Männer natürlich. Die Mehrzahl der Unternehmer ist männlich. Nach wie vor.

FB: Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?

KH: Als Klienten? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie den Kopf zerbrochen. Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es gibt sehr respektvolle Männer, die gute Leistung zu schätzen wissen und einen nicht in erster Linie als Frau sehen. Männer verlieren sogar eher mal ein Wort der Anerkennung, wenn etwas gut gelaufen ist, als Frauen.

Männer tun sich mit Anerkennung gegenüber Frauen offenbar nicht schwer

Vielleicht spricht sich so etwas für Männer gegenüber einer Frau auch leichter aus als gegenüber einem Mann.

FB: Was halten Sie von Frauenquoten?

TH: Nichts. Überhaupt nichts. Ich will für meine Leistung und für meine Kompetenz geachtet werden, aber nicht dafür, dass ich eine Frau bin und trotzdem etwas kann. Frauen in bestimmte Positionen zu hieven, nur weil sie Frauen sind, ist kein fairer Wettbewerb. In einem fairen Wettbewerb darf es ausschließlich um Können und um Leistung gehen, aber nicht um das Geschlecht. Es ist so wie beim Sportunterricht, wo der schlechtere Läufer manchmal Vorsprung bekommt. Es ist kein gutes Gefühl, mit Vorsprung starten zu dürfen, weil man von vornherein als der schlechtere Läufer gilt. Genau das finde ich diskriminierend.

KH: Gut gemeint ist und bleibt das Gegenteil von gut gemacht.

FB: Kann man sagen, Sie tummeln sich überwiegend in einer Männergesellschaft?

KH: In gewisser Weise schon. Man muss halt ihre Regeln kennen, dann klappt das auch. Diese Regeln sind am Anfang nicht ganz einleuchtend, aber man kann sie lernen. Ich habe mir beispielsweise früher nie Gedanken gemacht, was für ein Auto ich fahre, wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin. Wenn einen der männliche Klient in einem typischen niedlichen Frauenauto vorfahren sieht, fühlt er sich unwillkürlich überlegen und lässt sich nichts sagen.

Status-Symbole für Männer wichtig

Bei Zwanzig-Zoll-Felgen klappt die Zusammenarbeit aber plötzlich ganz gut. Männer denken in Statuskategorien und stellen unentwegt heimliche Vergleiche an, wer die tollere Uhr oder das bessere Smartphone hat. Da muss man halt mitziehen.

FB: Woher nehmen Sie denn solche Weisheiten?

TH (lacht): Von unseren Männern natürlich. Die haben uns das verraten.

FB: Ja, dann – vielen Dank für das Gespräch.  

Informationen zu Haug & Höfer finden Sie hier.

"

Flip Chart "Höhle der Löwen" - TV Show

Ein tolles Produkt vor Millionen von Fernsehzuschauern vorstellen – diesen Traum träumen viele Leute, die ein Start-up gegründet haben. Der Run auf die Gründershow „Die Höhle des Löwen“ ist deshalb groß. Alle wollen den Löwendeal! Oder zumindest kostbare Sendezeit. Denn die Minuten der Ausstrahlung, in denen die Gründer ihr Produkt vorstellen können, sind für junge Unternehmer unbezahlbar (und für ältere meist auch). Oftmals sorgen sie dafür, dass die Bestellungen nach der Sendung in die Höhe gehen – ganz gleich, ob der ersehnte Deal zustande kam oder nicht. Werbung – kostenfreie noch dazu – ist eben alles.

Deshalb ist in der Start-up-Szene ein Auftritt vor Maschmeyer & Co. der Hauptgewinn.

Gründer-Show wurde für Start-up-Frauen zur „Hölle des Löwen“

Den glaubten auch die Gründerinnen Alexandra Vázquez Bea und Annette Rieger aus Hannover, für die die „Höhle der Löwen“ zur „Hölle der Löwen“ wurde. 

Beide Frauen vertreiben außergewöhnliche Lebkuchen. „Lenchen“ heißt das süße Wintergebäck, das nach einem Familienrezept, das einst Oma Lene erfand, gebacken wird. Durch die Löwenhöhle sollte die süße Verführung einem Millionenpublikum bekannt werden und neue Kunden anlocken.

Daraus wurde nichts.

Die Produktionsfirma, die die beiden Gründerinnen bereits zu einem Dreh eingeladen und auch vor Ort bei „Lenchen“ gefilmt hatte, sagte die Präsenz der beiden in der Show aus heiterem Himmel ab. Per E-Mail.

Schock nach Absage war groß

Der Schock war groß, bei Vázquez Bea und Annette Rieger. Nach einem Bericht der Ostsee-Zeitung schrammten die beiden engagierten Frauen knapp an einer geschäftlichen Katastrophe vorbei. 

Das Blatt schreibt:

„Sie geben bei ihrer Partnerbäckerei 35.000 Lebkuchen-Portionen in Auftrag, bauen ihren Online-Shop um, mieten zusätzliche Server. Insgesamt bauen sie Verbindlichkeiten in Höhe von 140.000 Euro auf, um sich auf die Ausstrahlung vorzubereiten. Um ihr schnelles Wachstum zu finanzieren, verkaufen sie sogar Anteile ihres Start-ups an einen Privatinvestor und eine Förderbank.“

Als die schnöde Absage eintrifft, können es beide kaum fassen. Zumal es November war und kaum mehr Zeit blieb, die vorproduzierten Lebkuchen an die Frau oder den Mann zu bringen. Obwohl „Lenchen“ das ganze Jahr über produziert wird, sind doch die Gewohnheiten der meisten Leute so, dass sie Lebkuchen nur in der Winter- und Weihnachtszeit essen.

Ausladung aus Show bescherte Verluste

Logisch, dass die Entscheidung der Show-Macher ein tiefer Einschnitt war und Verluste bescherte.

Die Ostsee-Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 23. Mai 2019 weiter:

„Sie stoppen sofort die Produktion, suchen mit Hochdruck neue Vertriebspartner, aktivieren Freunde und Bekannte, nehmen auch privat Kredite auf. Nachts liegen sie wach, ihre Gedanken kreisen darum, die Insolvenz abzuwenden. Am Ende verkaufen sie rund die Hälfte ihrer Lebkuchen, zu niedrigeren Preisen als kalkuliert – den Rest müssen sie entsorgen. Sie schließen das Jahr nur mit einem Umsatz von 150.000 Euro ab.“

Und heute? Nun – echte Powerfrauen gehen nicht unter. Das weiß man. Und weil die Lebkuchen-Expertinnen nicht aufgaben, sind sie immer noch da. Logisch!

Nun geht es für „Lenchen“ aufwärts

Mittlerweile ist der Schock verdaut und die Auftragsbücher werden praller. Zwar müssen die beiden noch die eine oder andere Rechnung abstottern, aber interessierte Händler fragen mehr und mehr an. Langsam, aber sicher – so scheint es – geht es aufwärts.

Das wäre den beiden Gründerinnen auch von Herzen zu wünschen. Dass es dann auch klappt, ist wahrscheinlich. Denn Vázquez Bea und Annette Rieger profitieren von vielen Umständen. Zum einen werden Lebkuchen (und solche, die nach alter Tradition gebacken werden erst recht) immer gern gegessen und zweitens steigt der Kauf per Internet mehr und mehr an. 

„Lenchen“, so scheint es – wird sich behaupten!

Bildnachweis: picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

 

"

Daniela Gotta in Airportlounge

Übersetzen, sprechen, filmen, moderieren und Unternehmer interviewen – das Aufgabenspektrum, dem sich Daniela Gotta (im Bild links) widmet, ist vielfältig. Die dynamische Frau, die sich ein gut gehendes Übersetzungsbüro aufgebaut hat, bietet längst spezielle Dienstleistungen an, die über das klassische Übersetzen und Dolmetschen hinausgehen. Mit viel Engagement ist so das Unternehmen DANILINGUA entstanden, das Wort, Ton und Bild professionell ineinander fließen lässt. Dass sich Daniela Gotta ihrem Tun mit so viel Leidenschaft und Herzblut widmet, hängt auch mit ihrem familiären Background zusammen. Aufgewachsen in einem international ausgerichteten Familienunternehmen, kristallisierte sich ihre kosmopolitisch-unternehmerische Lebenseinstellung schon frühzeitig heraus.

Unternehmertum lag Daniela Gotta schon im Blut

Gepaart mit der Neugier auf Menschen ging die vielseitige Frau und Mutter zielstrebig ihren Weg und ist heute eine gefragte Expertin auf ihrem Gebiet. Wir haben mit Daniela Gotta über ihre Arbeit, die Familie und über ihr ehrenamtliches Engagement gesprochen. Herausgekommen ist ein spannender Einblick in einen interessanten Beruf, der für die lebensbejahende Unternehmerin aus Rödermark längst zu einer Berufung geworden ist.

FB: Frau Gotta, Sie sind heute unsere Interviewpartnerin. Aktuell aber sind Sie selbst auch als Interviewerin unterwegs – erzählen Sie doch mal! 

Ich bin ein echtes Mittelstandskind. Das Unternehmertum liegt bei uns im Blut und zwar drei Generationen zurück auf jeder Familienseite. So hatte meine Uroma z. B. den ersten Dauerwellenapparat in ihrem Friseursalon in Reutlingen. Der Grundstein für das Familienunternehmen „Gotta Contacts – Manufaktur feiner Lederwaren“ wurde 1899 gelegt. So bin ich aufgewachsen. Im international ausgerichteten Familienunternehmen und einem Designer als Vater, der unter anderem die Linien „Porsche Design“, „BMW-M-Style“, Davidoff, Dupont Paris und den „Colani-Koffer“ sowie Produkte für viele weitere Markenunternehmen entworfen hat. So habe ich im Lauf der Zeit bis zu meinem USA-Aufenthalt und auch danach, zahlreiche Inhaber oder Geschäftsführer der deutschen Industrie und weltweit bekannter Luxusmarken kennengelernt und konnte bereits in jungen Jahren direkte Einblicke in Unternehmen gewinnen.

Mit meinem Übersetzungsbüro und der angeschlossenen Medienproduktion (Film und Vertonung) bekomme ich viele Einblicke in Unternehmen, was sich seit meiner Mitgliedschaft beim BVMW noch intensiviert hat. Irgendwann hatte ich dann den Impuls „Mensch, warum gehe ich nicht raus und frage selbst, wo es beim Mittelstand heute drückt? Was ihn bewegt usw.“

Menschen und Unternehmen im Porträt

Frau interviewt Mann

Daniela Gotta im Interview mit einem Unternehmer

Daraus sind dann die Interviews auf meiner Seite DANILINGUA – im Dialog mit DANILINGUA – geworden, wo ich Menschen und Unternehmen portraitiere und ihnen Gelegenheit biete, zu sagen, was sie bewegt. Außerdem liebe ich es, interessante Dinge über spannende Menschen zu erfahren und dies an andere weiterzugeben. Auch besonders vor der Kamera. Wir haben z. B. einen Filmpreisgewinner und eine Kämpferin für gerechte Familienbesteuerung befragt. Bei dem Mädchen mit der Wasserallergie war zwei Tage später „Maintower“ vom Hessischen Rundfunk bei uns und hat eine Reportage über sie gedreht. Die Resonanz auf den Bericht war überwältigend. Heute ist das Mädchen beschwerdefrei. Meine Interviews dienen also keinem reinen Selbstzweck. Ich gebe anderen Menschen die Bühne und den Raum, sich zu präsentieren und für ihre Anliegen zu werben.

FB: Wenn man sich Ihre Aktivitäten so ansieht, so geht das doch über die klassischen Übersetzer- und Dolmetscher-Leistungen hinaus, oder?  

Das ist richtig. Ich habe mich nie als „klassische Diplom-Übersetzerin“ gesehen, die tage- und wochenlang kein Tageslicht sieht (wobei, diese Phasen gab und gibt es dann und wann natürlich auch). Das ist auch wieder durch meinen unternehmerischen Hintergrund geprägt, weil ich stets nahe an den Unternehmen bin. So arbeite ich auch überwiegend mit Direktkunden, weil ich mit ihnen aus der eigenen Erfahrung heraus direkt auf Augenhöhe stehe und mich in sie hineinfühle.

Außerdem hat sich das Berufsbild verändert. Wort, Ton und Bild fließen immer mehr ineinander. Viele meiner Kunden benötigen außer den reinen Textdokumenten auch das gesprochene Wort oder Content für ihre Videos, Präsentationen oder Produktfilme. Die Doppelqualifikation als ausgebildete Sprecherin und Übersetzerin bedeutet Sicherheit und nur einen einzigen Anlaufpunkt für die oft vielgestaltigen Anforderungen eines Kunden. Auf „Spreche“ zu schreiben erfordert eine andere Herangehensweise als Schreiben von zum Lesen verfassten Texten.

Mit Sprache ein Bindeglied zwischen den Kulturen sein

Kreativität ist mir wichtig. Sie liegt mir einfach im Blut. Und wie lässt sich das besser miteinander verbinden, als über das gemeinsame Vehikel „Sprache & Kommunikation“? Ich baue Brücken. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Kulturen.

FB: Hatten Sie schon immer ein Faible für fremde Sprachen? Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?

Meine Mutter ist in Süddeutschland, im Schwäbischen, aufgewachsen, wo nach 1945 Französisch neben Deutsch die zweite Sprache war. Hier in Hessen, wo mein Vater aufgewachsen ist, war es das Englisch der Amerikaner. Amerikaner sollten auch bei der Rettung meines Großvaters vor dem Tod eine wichtige Rolle spielen. Das in Rödermark verwurzelte Familienunternehmen war von Anfang an international ausgerichtet. Englisch und Französisch waren zwar Schulfächer, intensiviert wurden die Sprachen allerdings durch sehr viele Besuche von Freunden und Geschäftspartnern aus dem Ausland und eigene, sich über viele Wochen erstreckende Auslandsaufenthalte seit meiner frühen Kindheit.

Unser Leder bezogen wir überwiegend aus Italien. Als Kind verinnerlichen Sie eine Sprache ja wirklich schnell. Und was mir später in Italienisch an Vokabeln gefehlt hat, habe ich mir aus Französisch irgendwie zusammengebaut. Nach der Schulzeit stand die große Entscheidung an: Was nun? „Irgendwas mit Werbung, Kindern oder Sprachen“ sollte es sein. In der Schule lief der Tausch folgendermaßen ab: „Mathe und Physik“ gegen „Englisch und Französisch“. Fragen Sie mal einen Übersetzer, warum er Sprachen studiert hat … und, es war schon immer mein Wunsch, selbständig zu arbeiten.

Beruflicher Einstieg in Germersheim – später in den USA

Der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bot für eine Zukunft mit Sprachen die idealen Voraussetzungen. Gekoppelt mit einem Auslandsstudium am ETI in Genf rundeten das Bild ab, bevor es dann in die USA ging. Als Ein-Eltern-Familie von Anfang an hatte ich also schon weit davor die richtigen Weichen gestellt.

FB: Welche Sprachen sprechen Sie? 

Deutsch mit Hessisch (wenn ich meinen Sprech-Coach ärgern will), Englisch, Französisch und Italienisch.

FB: Für welche Berufsgruppen arbeiten Sie am häufigsten? 

Es sind überwiegend international tätige Unternehmen. Dazu zählen große Anwalts- und Steuerkanzleien ebenso wie Produktionsunternehmen und Agenturen. Der Mittelstand und auch das Handwerk sind bei mir ebenso gut aufgehoben, wie multinationale Konzerne und Finanzinstitute. Durch meine gerichtliche Ermächtigung werde ich auch gerne für Verhandlungen bei Notaren, Dolmetschen bei der Justiz und anderen Behörden sowie die Übersetzung von Dokumenten, bei denen es auf Rechtssicherheit ankommt, eingesetzt. Ich habe auch schon viele Auswanderer „über den großen Teich übersetzt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die unterschiedlichen Berufe der „Neu-Kanadier“ oder „Neu-Amerikaner“, erweitert sich der eigene Horizont ebenfalls unaufhörlich.

FB: Ihre Vielseitigkeit beweisen Sie auch als Moderatorin. Wie hat sich das ergeben?

Frau mit Mikrofon

Das gesprochene oder geschriebene Wort spielen in Daniela Gottas Beruf die Hauptrolle.

Vor einigen Jahren erhielt ich einen Anruf, ob ich an Tag X für einen Walk bei einer Modenschau Zeit hätte. Ich habe gesagt, dass ich keine „Size 0“ sei. „Das macht gar nichts“, kam es vom anderen Ende der Leitung. „Kommen Sie einfach vorbei.“ Gesagt, getan. Drei Tage lang war ich als Model für Ulla Popken auf dem Laufsteg in Frankfurt. Die durch das Programm führende Moderatorin und ich hatten sofort einen guten Draht zueinander. Zu der Zeit hatte ich bereits die Sprecherausbildung abgeschlossen, und so kam das eine zum anderen. Ich habe mich aus- und weiterbilden lassen – und voilà. Auf der Bühne zu stehen und die Menschen fröhlich, informativ und auch mal ernst durch ein Programm zu führen, dazu das ein oder andere Live-Interview, ist, wofür ich brenne und was mich einfach erfüllt.

„Moderation genau mein Ding“

Nie genau zu wissen, was im nächsten Moment passiert. Den Schwung und die Dynamik einer Moderation mit dem Publikum mitzunehmen und stets „wach“ zu sein und auf das Unvorhergesehene spontan zu reagieren. Das ist genau mein Ding. In Deutsch oder Englisch oder im Wechsel, je nach dem, wie es sich ergibt und was die Situation erfordert.

FB: Ihr Business haben Sie sich neben Ihrer Verantwortung als Mutter aufgebaut. Was war die größte Herausforderung, die es zwischen Familie und Job zu stemmen galt?   

Da sprechen Sie ein Thema an. Wir hatten einen wirklich aufregenden Ritt als Ein-Eltern-Familie, seit mein Sohn 10 Monate alt war. Einerseits war ich „da“, also im Haus, aber eben doch „nicht greifbar“. Sie wären einfach gern viel öfter mit ihrem Kind zusammen, weil es diese Zeit wirklich nur einmal gibt … Ich kann es nur immer wieder betonen: „Genießt die Zeit mit Euren Minis, wenn es finanziell nur irgendwie machbar ist.“ Seine Freiräume kann man sich auch ohne den Beruf schaffen. Oder andere Aufgaben suchen. Natürlich ist jede Entscheidung so individuell wie die Person, die sie trifft. Ich hätte es mir gewünscht, noch mehr Zeit für uns beide zu haben. Andererseits ist die Unabhängigkeit natürlich toll gewesen. Da wir beide Langschläfer waren, konnten wir diesen Luxus dank Home Office auch ausgiebig genießen. Sie lernen zu planen, wie ein Oberst beim Militär.

Planung als Ein-Eltern-Familie das A und O

Sie takten und planen alles durch. Jedes Dominosteinchen und jedes Zahnrad wird bedacht. „Plan B“ ist für Anfänger. Ich hatte eher Plan A bis Y. Sie machen keinen Schritt ohne Planung. Ich hatte ein super verlässliches System rund um Großeltern, Freunde und Kinderbetreuung. Sogar bei unseren Besuchen in den USA. Das erste Mal war er vier. Für mich war das wie „nach Hause kommen“, zurück in San Francisco, wo ich fünf Jahre lebte, und meinen Kleinen bei meinen Freunden in guten Händen zu wissen. Ich konnte meinen Sohn manchmal auch zu Kundenterminen mitnehmen. Einmal hatte ich ihn UND seinen Freund bei einem Kunden aus England dabei. Das war super. Beide waren beschäftigt, und wir konnten übers Geschäftliche sprechen. Dieser Kunde hat dann sogar unserem Kindergarten (in dessen FV-Vorstand ich lange war) damals sogar 1 000 Pfund gespendet. Das gab’s vorher noch nie.

Das schlechte Gewissen ist dennoch ein regelmäßiger Begleiter gewesen. Und die Sehnsucht. Und natürlich konnten Sie die Uhr danach stellen, dass die heftigen Krankheiten pünktlich mit einem Großauftrag zusammenfielen. Dann lag er eingepackt auf dem Sofa in meinem Büro und so haben „wir gearbeitet“. Nacht- und Wochenendschichten waren an der Tagesordnung. Aber auch Freiraum dazwischen und viel Zeit auf dem Spielplatz und unterwegs. Alles in allem erfüllt mich große Dankbarkeit, dass wir unser Leben so frei gestalten konnten. Und durch meine Tätigkeit in Elternbeirat und Förderverein seit eigentlich der Mini-Krabbel-Gruppe, war ich auch durchgehend nah am Geschehen dran.

FB: „Der klassische Beruf des Übersetzers und Dolmetschers wandelt sich gerade“ – so Ihre Aussage. Was genau ändert sich und wie stellen Sie sich auf diese Veränderungen ein?   

KI ist da. Das ist Tatsache. Es verändert sich gerade viel. Durch viel Technik oder Wiederholungen geprägte Texte können durch die Maschinen laufen und erfordern vom Menschen an der einen oder anderen Stelle nur noch Nachjustierungen. Kreativität erfordernde und marketingorientierte Texte oder auch Skripte mit werblichen Inhalten leben vom menschlichen Input. Wir werden also lernen, mit den Programmen zu kooperieren.

Übersetzen und Dolmetschen hat mit Vertrauen zu tun

Es wird mehr nachkorrigiert und beurteilt werden, welche Texte sich für KI eignen und welche man lieber einem erfahrenen Profi an die Hand gibt. Beim Dolmetschen würde ich mich, vor Gericht zum Beispiel, nicht darauf verlassen wollen, dass KI über Gitter oder Freiheit entscheidet. Das gilt auch für Gespräche, bei denen viel auf dem Spiel steht. Wortwitz, Anspielungen, vernuschelte Aussprache, falsche Begriffe, die der Dolmetscher auffängt und unbemerkt „im Prozess umarbeitet“, damit sie auf der anderen Seite korrekt landen, sind dünnes Eis. Dafür möchte ich bitte einen wichtig: ausgebildeten und neutralen – Dolmetscher an meiner Seite haben.

Übersetzen und Dolmetschen sind Vertrauenssache. Der Dolmetscher ist oft das Zünglein an der Waage bei Entscheidungen von großer Tragweite. Ein Übersetzer kann beispielsweise über Erfolg oder Nichterfolg Ihres Engagements im Ausland sorgen. Achtung, wichtig: Der Beruf des Übersetzers ist nicht geschützt. Ebenso wenig wie der des Sprechers oder Dolmetschers. Darum fragen Sie bei der Auswahl eines Sprachmittlers nach Qualifikation, Spezialisierung und Erfahrung. Oder lassen Sie sich jemanden empfehlen, zum Beispiel von mir. Ein Diplom kann ebenso eine Qualifikation sein, wie ein Quereinstieg aus einem Spezialgebiet (Medizin, Recht, Chemie usw.). Auf meiner Website www.danilingua.de habe ich dazu einen Leitfaden hinterlegt.

FB: Was macht Ihnen im täglichen Berufsalltag am meisten Spaß? 

Ich stehe gern vor der Kamera oder auf der Bühne. Menschen dort in den Mittelpunkt stellen und das Beste von ihnen zu zeigen, ist mein Ansporn. Der Erfolg meiner Kunden macht mich glücklich. Genauso macht es mir aber auch Spaß, einen Ausgangstext in eine den Kunden in Begeisterung versetzende Version in der jeweiligen Zielsprache zu bringen. Ebenfalls macht mir Akquise einen Riesenspaß. Ich rufe für mein Leben gern Menschen an. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass kein Tag dem anderen gleicht. Und oft wird man auch zum Unterstützer, auch bei zunächst traurigen Anlässen. Einmal habe ich Dokumente für eine Mutter übersetzt, deren Kinder vom Vater in die USA entführt wurden. Was für ein Fest, als die Minis wieder in den Armen ihrer Familie in Deutschland waren! Auch beim Dolmetschen bin ich meinem Element. Am liebsten live über TV. Nicht zu wissen, was als nächstes kommen mag sorgt für das nötige Adrenalin gepaart mit der Sicherheit einer guten Vorbereitung.

Es bleibt aber dennoch immer das gewisse Quäntchen Ungewissheit. Oder Ton und Bild fallen mal aus. In diesen Momenten profitiere ich von meiner gelernten Gelassenheit als Sprecherin und Moderatorin.

Alltagstrott gibt es nicht!

Zusammengefasst macht mir also am meisten Spaß, dass der Alltag eben keiner ist und mit so viel Abwechslung geprägt ist. Es ist ein wunderbarer Wechsel zwischen Adrenalin pur, wenn ich „draußen“ bin und – relativer – Ruhe zurück im Home Office.

FB: Neben Ihrer Arbeit sind Sie auch ehrenamtlich engagiert – erzählen Sie doch bitte einmal von diesem Engagement!

Ich kenne es gar nicht anders, als dass man nicht nur für sich lebt, sondern sich auch über den eigenen Tellerrand hinaus um andere kümmert, die vom Leben nicht immer gut behandelt wurden. Ich gehöre einer internationalen Service-Organisation mit Sitz in Oak Brook, USA, an. Dieses Engagement für „Deinen Nächsten“ wurde mir von Anfang an in meiner Familie vorgelebt. Ich habe in meinem Carport z. B. eine „Give Box“ eingerichtet. Dort deponieren mittlerweile sogar Nachbarn das, was sie zu Hause nicht mehr benötigen. Es findet ein wirklich reger Austausch statt. Von Kindersachen über Haushaltsartikel, Bücher und Kleinmöbel findet alles einen neuen Platz.

Ehrenamtliche Jugendarbeit mit solidem Netzwerk

Durch meine Erfahrung mit Jugendlichen hat es sich auch dahin entwickelt, dass sich die Jugendhilfe als Hauptgebiet herauskristallisiert hat. Da kommt es auch schon mal vor, dass jemand hier unterkommt, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir viel zu wenig Ansprechpartner zwischen Elternhaus und Polizei haben, wenn’s im „spannenden Alter“ brennt. Ich mache das rein ehrenamtlich und bin bei keiner Institution registriert. So kann ich gezielter agieren, wo Not am Mann ist. Ob es sich um zugezogene Familien, Müttern in brenzligen Lagen oder Jugendliche handelt. Irgendwann haben Sie als Frau und Mutter einen Erfahrungspool aufgebaut und können das weitergeben. Dabei ist es wichtig, den nötigen Abstand zu wahren, den es für das „Außen“ braucht, und den „Schützlingen“ dennoch die nötige Wärme und viel Verständnis zu vermitteln, aber auch mal Grenzen aufzuzeigen. Und es hat sich mittlerweile ein wirklich solides „Sozial-Netzwerk“ aufgebaut. Menschen, Fachleute wie Privatpersonen, auf die zu 100 % Verlass ist. Das ist ein schönes Gefühl. So ist keiner allein.

FB: Ihr Terminkalender wird sicherlich stets voll und private Zeit rar sein. Wenn aber doch freie Stunden anstehen – wie verbringen Sie diese? Haben Sie Hobbys? 

Frau hinter Kamera

Daniela Gotta steht auch gern hinter der Kamera.

Freie Zeit. Ja. Da sagen Sie was. Mir macht meine Arbeit so viel Spaß, dass ich selten darüber nachdenke, was freie Zeit und was „Arbeit“ ist. Wenn wir mit der Kamera unterwegs sind, vergeht die Zeit wie im Flug. Ich tanze für mein Leben gern. Zumba ist eine dieser Leidenschaften. Und „Funk Nights“ sowie andere von Lieblings-DJs veranstaltete Partys. Krafttraining und Spaziergänge mit meiner Hündin im Wald, der bei uns vor der Haustür liegt, sorgen für den Ausgleich. Ich sage jeden Tag „Danke“, dass ich den Wald genießen darf. Singen ist auch etwas, was mich total befreit und die Endorphine fliegen lässt.

FB: Gibt es derzeit berufliche Pläne, die Sie angehen möchten? 

Ja. Die gibt es auf jeden Fall. Wir haben mit GOTTAFILMYOU gerade ein Konzept zum Thema „Recruiting“ erarbeitet und setzen das mit Bewerbervideos um. Einmal für Employer Branding oder für Kandidaten, die sich gerne präsentieren möchten. Besonders schön ist dies für kreative Menschen oder wo Lücken im Lebenslauf zu immer wieder den gleichen Fragen führen.  Dann gibt es weitere Pläne.

Neue Pläne schon in der Schublade

Dazu will ich noch nicht allzu viel verraten, nur so viel: „Regional, national, international“ sind Begriffe, die darauf hindeuten. Wichtig ist, finde ich, dass man stets weitergeht. Meine Oma hat immer gesagt: „Kind, ich bin jetzt 81 Jahre alt und lerne jeden Tag dazu“. Das Leben hat so viele spannende Facetten.

Drei Lebensträume habe ich mir bereits erfüllt. Einer davon war, in den USA zu leben und zu arbeiten. Das habe ich mir erfüllt und war fünf Jahre in San Francisco. Erst mit einem J1-Visum, danach mit einem H1-B-Visum. Ich werde das Gesicht des Konsulatsmitarbeiters nie vergessen, als ich es hier in Frankfurt eingelöst habe: „Wie haben Sie das denn bekommen?“ hat er gefragt. Ein weiterer Herzenswunsch ist das Singen. Das Klavier steht schon bereit. Wenn es soweit ist, wird die für den regelmäßigen Unterricht benötigte Zeit frei sein.

Glaube an deinen Traum. Bleibe dran. „All energy goes somewhere“, hat mal eine liebe Freundin in den USA gesagt. Hole dir Rat und höre dann auf dich. Und merke: Es wird erst richtig schwer, bevor der Durchbruch kommt. Damit ist dafür gesorgt, dass es sich bei den Plänen um keine Eintagsfliegen handelt und du nicht gleich beim ersten „ Buh“ umfällst.

Meine nächsten Pläne werden auf jeden Fall über die sozialen Medien bekannt gegeben werden. Sie haben etwas mit „Pendeln“ zu tun. Mehr sage ich nun wirklich nicht. Wer mich kennt, hat es sowieso schon vor zwei Absätzen gewusst (lacht).

“If you can dream it, you can do it”.

Copyright: Daniela Gotta

"

Frau macht Selfie

Übernachten in einem schönen Hotel, Eintritt in einen Club mit VIP-Tisch oder ein schönes Mode-Accessoire – nach den Vorstellungen so mancher Influencer muss das selbstverständlich sein. Das ist es auch, aber nur für ganz, ganz wenige Leute, die auf Instagram Bilder und Storys veröffentlichen. Meist handelt es sich um Prominente, die mit ihrem Instagram-Account eine Menge Leute erreichen.

Dreiste Influencer keine Seltenheit!

Logisch, dass hier die Werbeanfragen nur so herein purzeln und solche Internet-Größen wohl auch mit schicken Handtaschen, Schuhen und Kleidern überhäuft werden. Allerdings denken viele Nachahmer, dass man ihnen kostenfreie Goodies ebenso gewährt. Und so hört man immer wieder von jungen Leuten, die – weil Blogger oder Instagrammer – dreist ihre Forderungen an Hotel- oder Club-Besitzer stellen. Zum Beispiel.

Vor einiger Zeit machte ein Hotel die Anfrage einer britischen Bloggerin öffentlich, die meinte, kostenfrei in einem Luxushotel einchecken zu können, wenn Sie dem Hotel im Gegenzug einen Beitrag auf ihrem Blog widmet. Nur: einen Gegenzug kann es nur geben, wenn der andere auch gewillt ist, Partner zu sein. Im Fall der Internet-Lady aus England war das nicht so. Im Gegenteil: das Hotel empfand die Anfrage als Frechheit. Es machte die Bettel-Zeilen der Bloggerin, die mal eben einige Tage Aufenthalt in einem Hotel in Dublin kostenlos forderte, öffentlich. Auf kurier.at wurde es wie folgt zitiert:

„Danke für deine E-Mail, in der du nach kostenloser Unterkunft im Austausch für Publicity fragst. Es braucht ganz schön viel Mut, so eine E-Mail zu schreiben, dafür nicht besonders viel Selbstachtung und Würde. Wenn ich dich hier für ein Video übernachten lasse, wer bezahlt die Mitarbeiter, die sich um dich kümmern? Wer bezahlt das Housekeeping, das dein Zimmer putzt? Die Kellner, die dein Frühstück servieren? Die Rezeptionistin, die dich eincheckt?“ Der Text endet mit der klaren Ansage: „P.S.: Die Antwort ist nein“.

Das ist kein Einzelfall! Bei weitem nicht.

Kostenfreie Logis im Luxushotel erhofft sich mancher Influencer

Denn gleich an dreiste Blogger und Influencer in der Mehrzahl richtet sich ein Luxus-Strandhotel auf den Philippinen, welches von Nachfragen nach einem kostenlosen Aufenthalt mehr und mehr genervt ist.

Auf derstandard.de wurden vor einigen Tagen folgende Zeilen des Hotel-Managments bekannt:

„Wir erhalten viele Nachrichten über eine Zusammenarbeit mit Influencern. Wir würden gerne höflich bekanntgeben, dass White Banana nicht daran interessiert ist, mit selbsternannten Influencern zusammenzuarbeiten. Und wir würden [Ihnen] vorschlagen, andere Möglichkeiten zu suchen, um kostenlos Essen, Getränke oder Übernachtungen zu bekommen. Oder Ihr geht einfach richtig arbeiten.“

Harte Worte von Betreiber Gianluca Casaccia, der das Strandhotel White Banana auf der philippinischen Insel Siargao betreibt. Und nach eigener Aussage schon an die 100 Anfragen nach kostenloser Logis von Influencern bekommen hat.

Und – ganz ehrlich – man kann ihn verstehen! Denn natürlich bezahlt sich das Team eines Hotels nicht von selbst und ob die jeweiligen Influencer die gewünschte Zielgruppe wirklich erreichen, bleibt fraglich.

Deutscher Influencer blamiert sich

Fraglich ist auch das Verhalten eines deutschen Influencers, der eine Absage sogar noch öffentlich machte und dafür im Netz viel Spott und Häme einstecken musste.

Auf stern.de war über den 23jährigen Luca Scharpenberg („Concrafter“ auf Youtube) am 15. April 2019 folgendes zu lesen:

„Der Kölner, dem auf Youtube 3,7 Millionen Abonnenten folgen, erzählte, wie er mit einigen Freunden in der Düsseldorfer Altstadt am Wochenende unterwegs war. Über sein Management sei dann der Kontakt zu einem Club auf der Partymeile hergestellt worden, in dem die Gruppe gerne feiern wollte – mit freiem Eintritt, Tisch im VIP-Bereich und kostenlosen Getränken. Im Gegenzug wollte er den Club in seinen Storys auf Instagram markieren. Nach einigem Hin und Her kam auf die Anfrage des Influencers aber eine ziemlich eindeutige Antwort: „Die Sache ist, der Laden läuft auch ohne deine Posts gut“, schrieb ihm der Manager. „Du verdienst doch nicht schlecht, meinst du nicht, dass du 150 Euro auf der Tasche hast?“(…)Im Video auf seinem Channel ereifert sich der Youtuber über die Reaktion des Clubs. Mit anderen Läden sei das kein Problem, behauptet er, dort gebe es „für alle Beteiligten eine ganz nice Koop“, wie es im Influencer-Jargon heißt. Die Antwort des Düsseldorfer Clubs hingegen nennt er „unprofessionell“ und „Arroganz auf so einem hohen Level“.“

Die meisten Web-User sahen das freilich anders und wuschen dem jungen Mann mit der dreisten Anspruchshaltung gehörig den Kopf. Ein User bekam für folgende Zeilen an den Bubi mit der Anspruchshaltung immensen Zuspruch:

„So etwas öffentlich zu machen, zeugt einfach davon, dass man nicht weiß, wie man mit seinem Ego damit klarkommen soll“, lautet der Kommentar mit den meisten Likes.“

Dem ist eigentlich nichts mehr hinzuzufügen, denn: die Kommentatoren haben recht. Und die Hotelbesitzer auch.

So mancher Instagram-„Star“ sollte sich hinterfragen!

Bleibt die Frage, ob sich „Youtuber“ mit Management und Bloggerinnen, die mal eben dreist einige Übernachtungen einfordern, nicht auch mal selbst hinterfragen sollten?! Denn noch immer gilt: diese Leute mögen einer gewissen Zielgruppe bekannt und mit einer beachtlichen Reichweite gesegnet sein. Aber dennoch agieren sie meist in Nischen und haben lange nicht den Bekanntheitsgrad wie wirkliche Prominente á la Peter Maffay & Co.

Den Unterschied macht auch, dass solche Größen sich nie im Leben so entblöden und nach kostenlosen Goodies hecheln würden!

Einfach mal drüber nachdenken, liebe Influencer!

Recherchenachweis: stern.de, kurier.at, derstandard.de

Bildnachweis (Symbolbild: pixabay.com)

 

 

 

 

 

 

"

Pflege zwei paar Hände

Die Arbeit liebevoll ausführen, empathisch und vielleicht ja auch mit nicht allzuviel Druck. So hatte sich eine Altenpflegerin, die diesen Beruf noch ganz neu und mit Herzblut ausübt, die Arbeit vorgestellt.

Wer sich ein wenig zu dem Thema beliest oder – was wahrscheinlicher ist – familiär selbst schon mit den Gepflogenheiten in einem Altenpflegeheim konfrontiert wurde, weiß, dass sich diese Attribute im Geschäft der Altenpflege zumeist nur auf den Werbeutensilien vieler Pflegeeinrichtungen finden.

Der Alltag indes ist durchgetaktet – vom Waschen über das Zähneputzen bis hin zum Kämmen gilt ein unerbittliches Zeitdiktat, hinter dem ein knallhartes Abrechnungssystem der Krankenkassen bzw. der Pflegekassen steht.

Altenpflege-Job kann mürbe machen – Posting einer Altenpflegerin spricht für sich

Wie sich aber eine Altenpflegerin fühlt, die (noch) nicht ganz diesem System angepasst ist, zeigt ein aktuelles Posting aus dem Forum der Online-Ausgabe der BRIGITTE. Die bekannte Frauenzeitschrift unterhält im Netz eine der größten Communities für Frauen. Vom Liebeskummer über Rezepte und Bewerbungstipps bis hin zum Frust im Job kann man (FRAU) hier posten und sich guter Ratschläge gewiss sein.

Dieser Tage klagte dort die eingangs erwähnte Frau, die als Altenpflegerin arbeitet, ihr Leid. Nicht zuletzt, weil sie schon mit dem Schlimmsten – der Kündigung –  rechnet. Warum? Lesen Sie selbst (relevante Stellen, die Rückschlüsse zulassen, haben wir unkenntlich gemacht oder weg gelassen):

„Hallo liebe Community,

ich habe am XXXX meinem ersten Job als Altenpflegehelferin angefangen. Für mich ist es ein Job, den ich unbedingt machen wollte und wo ich echt geglaubt habe dort meine Erfüllung zu finden. In meiner Ausbildung zur Pflegehelferin bekam ich die Rückmeldung das ich mich für diesen Beruf eigne, nur ein bisschen schneller werden müsste. Doch ich sagte mir das ein höheres Arbeitstempo schon mit der Routine kommen würde.

Leider hatte ich von Anfang an den Eindruck das eine Kollegin ein Problem mit meiner sensiblen und ruhigen Art hatte. Sie ist das genaue Gegenteil von mir und so kritisierte sie mich oft auf sehr abwertende Weise. Es hieß dann ich wäre zu verzagt und müsse die Bewohner bei der Pflege mal ein bisschen „antreiben“.
Ich vergaß in den ersten Wochen auch schon mal etwas z.B. in Bezug auf die Dokumentation oder welches Formular wofür verwendet wird.

Vor einer Woche hatte ich ein unerfreuliches Gespräch mit der Pflegedienstleiterin. Sie wollte von mir wissen, was ich an meiner Arbeitsweise positiv sehe und was ich aus meiner Sicht verbessern könnte. Nachdem ich diese Angaben gemacht hatte, erfolgte ihre „Mängelliste“. Sie sagte, ich wäre zu ruhig und könnte mich deshalb nicht genügend gegenüber den Bewohnern durchsetzen. Auch würde ich mit diesem Persönlichkeitsmerkmal im Team dauerhaft untergehen. Desweiteren warf sie mir vor, zu viel zu vergessen.
Ich rechtfertigte mich das ich mir viele Notizen gemacht habe, aber erst noch mehr Routine bekommen müsste. Zu dem Zeitpunkt war ich schließlich erst 6 Wochen in dem neuen Job.

Die Pflegedienstleiterin gab mir aber eindeutig zu verstehen das man das nicht mehr lange dulden würde. Bisher habe ich ihren Worten nach noch Welpenschutz gehabt. Doch wenn sich meine Leistungen bis zum 27. März nicht wesentlich verbessern, müssten wir leider ein sehr ernsthaftes Gespräch führen!
Was eindeutig heißt das es dann auf eine Kündigung hinausläuft.

Ich war echt verzweifelt, zwang mich aber, nicht in eine Schockstarre zu verfallen. Ich fasste den Vorsatz noch mal mein Bestes zu geben und sie davon zu überzeugen das ich eine fähige Mitarbeiterin bin.
Ich setzte mich sehr unter Druck, weil die Leiterin sehr häufig dort auftauchte wo ich gerade war. Das verunsicherte mich und ich machte ein paar Fehler bei der Dokumentation die ich aber zum Glück noch rechtzeitig bemerkte und ausbessern konnte.

Doch die Leiterin, die vorher noch halbwegs freundlich war, zeigte plötzlich ein ganz anderes Verhalten. Sie grüßte nur noch kurzangebunden und teilte mir nicht mehr wie vorher bei Dienstbeginn mit wer verstorben war.(…)Ich habe wirklich alles gemacht, um doch in dem Heim bleiben zu können und nicht gekündigt zu werden. Viele der Bewohner habe ich ins Herz geschlossen und sie akzeptieren mich auch. Ich habe sogar bei einer sehr lieben alten Dame Sterbebegleitung gemacht, obwohl ich mir das vorher niemals hätte vorstellen können. Ich bin auch länger geblieben, um mehr Zeit für sie zu haben. Als sie so röchelnd atmete, habe ich sie immer wieder beruhigt und ihren Arm und ihre Hand gestreichelt. Nie werde ich vergessen wie sie mich ein letztes Mal anlächelte. Sie ist gestern Abend verstorben und ich las es auf der Tafel im Büro. Niemand hatte mir etwas gesagt. Vor dem Mittagessen war eine Gedenkminute und ich weinte, als ich ihren leeren Platz mit einer Kerze und einem Foto von ihr sah. Kurze Zeit später musste ich eine Mitarbeiterin, rechte Hand von der Pflegedienstleiterin, nach einer Liste fragen. Obwohl sie bei der Gedenkminute auch anwesend war, schnauzte sie mich gleich an wofür ich die Liste brauche. Ob ich etwa wieder etwas vergessen habe. Die Leiterin hatte heute plötzlich ein Problem damit das ich meine Straßenschuhe in eine Ecke an der Garderobe abstelle, wie ich es schon seit Beginn an mache. Ich muss sie ab morgen in einem Raum im Keller hinstellen.

Ja, zu guter Letzt muss ich wohl noch schreiben das ich gestern wirklich etwas wichtiges vergessen habe. Ich weiß es ist keine Entschuldigung, aber ich fühlte mich schon den ganzen Morgen komisch. Nachmittags habe ich noch Sterbebegleitung gemacht und war anschließend bei einer anderen Bewohnerin die alles mögliche benötigte. Darüber habe ich diese Sache, die ich erledigen sollte total vergessen! Als ich es feststellte, war ich geschockt. Nur war es zu spät und es kam eine Kollegin und meinte verärgert das sie das jetzt erledigt hätte.

Ich habe ein sehr ungutes Gefühl wenn ich an das Gespräch mit der Pflegedienstleiterin denke.
Das sie sich mir gegenüber plötzlich so kurzangebunden verhält kann nur bedeuten das man mir kündigen wird, oder?
Meint ihr wenn ihr diesen Beitrag lest das ich für den Job nicht geeignet bin?

Liebe Grüße(..)“

Der erste Gedanke, der einem bei diesem Posting kommt, ist „Die Frau ist doch viel zu menschlich für diesen Job, er wird sie zermürben!“ Denn: so viele (ehemalige) Pflegekräfte, die einst mit Engagement, Herzblut und dem Ziel, in der Altenpflege manche Dinge zum Positiven  zu verändern, in diesen Beruf gegangen sind, sind längst auf dem Boden der Realität angekommen. Und lange schon zermürbt. Manch andere werfen hin oder flüchten sich in Hartherzigkeit.

Zu menschlich für das aktuelle Altenpflege-System?

Und so sind die Kommentare und Ratschläge anderer Userinnen denn auch recht eindeutig, wie die nachfolgenden Zitate belegen (Rechtschreibung im Original übernommen). Eine Leserin schreibt:

„Ich denke, daß du geeignet bist, aber nicht für das System. Du bist einfach zu menschlich.“

Eine andere gibt folgendes Feedback:

„(..)ich habe den Eindruck, dass du deinen Job gut machst (..)
Leider sind die meisten Pflegeeinrichtungen nicht mehr auf Menschlichkeit ausgelegt(..)“

Wieder andere Frauen sprechen der Betroffenen ihre Wertschätzung aus. So zum Beispiel diese Userin:

„(…)ich bin ehrlich froh, dass es menschen wie dich gibt. ich könnte das nie leisten.
such dir einen anderen arbeitgeber, der beruf ist gefragt und dringend gesucht.
du musst dich nicht so behandeln lassen, durch den druck entstehen sicherlich auch fehler.
aus meiner sicht würdest du auch sehr gut in die palliativmedizin passen.
lass dich nicht beirren, du passt gut in die pflege, such dir was anderes.“

Der Ratschlag zum Schluss mag stimmen, doch was wäre, wenn irgendwann alle Altenpflegerinnen und Altenpflerginnen „in den Sack hauen“? Sollte nicht zuallererst das Altenpflegesystem geändert werden? Und zwar hin zu einer menschlicheren und zuwendungsintensiven Pflege? Ohne oder mit nur wenig Zeitdruck?

Einer der bekanntesten Kritiker des deutschen Altenpflegesystems ist Claus Fussek. Er spricht öffentlich davon, dass in Pflegeheimen oft auch Mobbing herrscht und die Arbeitsatmosphäre vergiftet ist. Genau, wie es die Frau im BRIGITTE.de-Forum schildert.

„Pflegepabst“ Fussekt weist seit Jahren auf Zustände in Altenpflege hin

Der Pflegepabst, wie Fussek auch genannt wird, weist seit Jahrzehnten unermüdlich auf die Missstände hin, prangert an, hat Verbesserungsvorschläge.

Parallel dazu aber hat man den Eindruck, dass sich die Situation für die Pflegebedürftigen eher verschlimmert, als verbessert. Die fast täglichen Medienmeldungen über Pflegemissstände bestätigen das.

Und solange diese Missstände, die tatsächlich zunächst im System zu suchen sind, nicht beseitigt werden, solange wird es auch Situationen geben, wie sie die zitierte Altenpflegerin geschildert hat.

Traurig. Und den alten Menschen mehr als unwürdig!

Das vor allem.

Bildnachweis (Symbolbild): pixabay.com

 

 

 

"