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„Ich habe es nicht mehr ausgehalten.“ Meine Freundin Maria wirkte irgendwie erleichtert, als sie mir von den neuesten Entwicklungen ihrer Beziehung mit Sascha, dem attraktiven Versicherungsmakler, erzählte. Ich hatte ihn kennengelernt, war aber von seinem vielbesungenen Charme eher unterwältigt gewesen, denn auf mich hatte er nur aufgekratzt, kindisch und vorlaut gewirkt.

Maria ist Ende 40, Diplom-Betriebswirtin, sehr pragmatisch und bodenständig und hatte ihn mir damals stolz vorgeführt wie einen adoptierten Husky. Beinahe hätte ich erwartet, dass sie ihn Kunststückchen vorführen lassen würde.

Nun aber saß sie an meinem Tisch und nahm noch einen Schluck Kaffee. Ohne Sascha.

„Wenn das so weiter gegangen wäre, hätte ich ihn die Treppe runterwerfen müssen. Am Schluss hat er mich nur noch genervt. Von wegen Verjüngungskur. Ich war total am Ende.“

Sie meinen, Maria übertreibt? Lesen Sie selbst:

Die paar Jahre machen doch keinen Unterschied.“ Sascha blinkerte Maria mit seinen braunen Augen treuherzig an. Sie hatten sich ein paar Tage zuvor zufällig an der Tankstelle kennengelernt und Sascha hatte Maria zu einem Ausflug in eine mittelalterliche Stadt eingeladen.

Beide saßen also im Hochsommer in einem malerischen Biergarten inmitten einer Touristenhochburg. Der Tisch bestand aus einem Felsbrocken, auf den der findige Restaurantbesitzer eine zerschrammte Glasplatte gelegt hatte. Das Gartenlokal befand sich innerhalb eines alten Schlossgartens voller blühender Bäume und Sträucher. Ständig fiel Maria irgendwas bröselig Gelbes in den Kaffee, darum bestellte sie sich Mineralwasser.

Außerdem war sie die meiste Zeit damit beschäftigt, 1. jünger auszusehen, als sie war, was bei Tageslicht keine einfache Sache ist, und 2. aus ihrem Glas kleine gelbe Würstchen zu fischen, mit denen sie der Baum, unter dem sie saß, reich beschenkte.

Es gibt hunderttausend Dinge, auf die man achtet, wenn man älter wird. Vielleicht geht das nicht allen Frauen so, aber vielen. Wir, die ehemals heißen Feger (jetzt nicht mehr ganz so heiß…) wissen um Halsfalten, Flecken auf den Händen oder verräterische Krähenfüße. 20 Jahre Altersunterschied sind 20 Jahre.

Und Sascha war genau 20 Jahre jünger als Maria.

Es ist ungerecht, dass laut weitverbreiteter Meinung ein Mann mit Mitte 40 erst so richtig attraktiv wird (angeblich), während es sich (angeblich) bei uns Frauen proportional umgekehrt verhält (ebenfalls angeblich).

Manche von uns werden aufgrund dieser Dauerberieselung in den Medien, Schlankheitstipps, Botox-Partys und scheinbar nie alternden Models so verunsichert, dass sie am liebsten nur noch gesenkten Hauptes durch die Straßen laufen oder ins Kloster gehen würden. Aber – hey – das liegt an uns selbst, wie wir damit umgehen!

Sascha war also 20 Jahre jünger als Maria. Seit Wochen tat er nichts anderes, als ihr zu versichern, dass der Altersunterschied überhaupt keine Rolle spiele, denn er könne „mit jungen Frauen nichts anfangen, weil die nicht genug im Kopf haben.“

Haben sie schon, Sascha. Haben sie schon, nur können sie damit noch nicht umgehen. Das kommt erst noch. Ich sage ja: ungerecht. Beim Älterwerden gescheiter zu werden ist, als hätte man endlich seine Traumfigur nach vielen Jahren wieder und dann kein Geld, um sich ein rattenscharfes Kleid zu kaufen.

Was nützt einem die ganze Lebenserfahrung, wenn man für die Männer quasi unsichtbar wird? Nix.

Egal. Die beiden saßen also in diesem herrlichen Schlossgarten, und Maria konnte nur denken:  „Kopf hoch, sonst gibt es Falten am Hals. Verdammt, ich hab da dieses Muttermal auf dem Handrücken, hoffentlich denkt der nicht, das ist ein Altersfleck.“

Ihr selbst wäre ein düsteres Burgverlies, Fackelschein und eine Augenbinde für den süßen Sascha am liebsten gewesen, aber man kann es sich nicht immer aussuchen.

Dabei war der Typ viel zu beschäftigt damit, ihr in den Ausschnitt zu starren. Brüste waren an diesem Tag im Sonderangebot, denn es war heiß, und die Stadt strotzte nur so vor Dekolletés.

Sascha beteuerte weiterhin beharrlich, dass das Alter gar keine Rolle spiele, sie klasse aussähe und er sie ohnehin für 20 Jahre jünger gehalten hatte. Was nicht stimmte, aber Maria wollte das glauben, und darum ließ sie sich mit ihm ein.

„Das war so anstrengend“ erzählte Maria ein Vierteljahr später, als wir zusammen Kaffee tranken.

„Es war so anstrengend, dass ich ihn nach einigen Monaten rauswarf, denn für Sascha hätte ich ein Kindergärtnerinnendiplom gebraucht und/oder eine psychotherapeutische Ausbildung, zwei Zentner Tranquilizer und ein Laufgeschirr.“ Ich schmunzelte. Sascha suchte Halt, denn er war haltlos. Er suchte ein Zuhause, denn er war unstet. Er suchte Anerkennung, denn er hatte kein Selbstbewusstsein. Außerdem ließ Maria das ungute Gefühl nicht los, dass er sich ausrechnete, ältere Frauen seien „dankbarer“, wenn man sich mit ihnen einlässt, so dass  er sich ein paar Gemeinheiten oder Gedankenlosigkeiten erlauben könne, die ihm sonst keine Frau durchgehen ließ.

„Er übernachtete oft bei mir“ berichtete Maria.

„Das war einerseits schön. Aber andererseits auch sehr anstrengend, denn Sascha konnte nicht einschlafen, wenn er nicht müde war. Und Sex machte ihn nicht schläfrig. Wir lagen dann noch stundenlang im Dunkeln, während er mir Witze erzählte. Ich lachte oft, dachte aber gleichzeitig an meinen anstrengenden Job am nächsten Tag,  und dass jede Stunde versäumter Schlaf den Grad meiner Krähenfüße um den Faktor 10 erhöhen würde.

Morgens schlich ich mich eine Stunde vor ihm aus dem Bett. Ich trank in Ruhe Kaffee, badete und schminkte mich dann mit aller Sorgfalt, derer ich um diese grauenhafte Uhrzeit fähig war, denn er sollte nie das Gefühl haben, seine eigene Mutter weckte ihn auf. Dass es ihm aber genau darum ging, merkte ich erst später.“

Mit einem jüngeren Mann zusammen zu sein, kann sehr anstrengend werden.

Männer besitzen von Natur aus mehr Muskelmasse, stärkeres Bindegewebe und einen niedrigeren Fettanteil als wir. Während einige bedauernswerte Freundinnen von mir anfangen, zu zerfließen wie weicher Kuchenteig, bleiben Männer länger stramm und straff. Die Bindegewebsfasern bei Männern sind verschränkt, die bei Frauen liegen nebeneinander, was uns anfälliger für zum Beispiel Zellulite macht.

„Ich mache Yoga, jeden Tag“ erzählte Maria mürrisch.  „Außerdem laufe ich unter der Woche etliche Kilometer, ernähre mich gesund und schwimme viel. Trotzdem merke ich, wie ich mich anstrengen muss, um in Form zu bleiben. Sascha war da nur noch eins drauf. Eine Anstrengung mehr in meinem Leben.“

Männer, die jünger sind, haben jüngere Freunde. Sie unternehmen meist „jüngere Sachen“. Wenn Ihre eigene Vorstellung von einem schönen Abend ein Glas Rotwein vor dem Fernseher ist, möchte er am Watzmann freeclimben oder mit Inlinern am Mittelmeer entlangrollen.

Ständig fallen Sie über sein Mountainbike, das er achtlos im Flur liegengelassen hat, und spätestens, wenn Sie das erste Mal auf dem Rücksitz seiner 1000er Kawasaki um Haaresbreite einem Unfall entgehen, weil Sascha einfach nicht glauben will, dass der Kleinwagen tatsächlich hinter dem Traktor ausscheren wird, während er mit Ihnen auf dem Rücksitz mit satten 250 Stundenkilometern angebrettert kommt, werden Sie anfangen, über alles nachzudenken. Während Sie sich der aus Angst vollgepinkelten geliehenen Motorrad-Kombi entledigen.

Während Sascha sagt „Was ziehst  du denn für ein Gesicht, ist doch nix passiert!“ werden Sie merken, dass es feine Unterschiede gibt zwischen Ihnen beiden, was Lebenserfahrung betrifft. Denn für ihn ist der Tod etwas Abstraktes. Sie selbst haben vielleicht schon Freunde oder Verwandte an böse Krankheiten oder andere tragische Unfälle verloren. Die Saschas dieser Welt glauben immer noch, ewig zu leben und dass der Tod etwas ist, das nur anderen passiert. Jeder lernt nur durch Schmerz.

Ein jüngerer Mann erfordert ein gerüttelt Maß an Engagement, Make-Up und – Geduld.

Außerdem brauchen Sie eine gehörige Portion Optimismus, eine Menge Toleranz und alle Souveränität, derer Sie fähig sind, denn viele „Kinderkrankheiten“ hat bei Ihnen das Leben schon ausgebügelt. Mitte/Ende 40 ist man vom Universum mindestens einmal kräftig in die Mangel genommen und gerupft worden, hat Federn gelassen und die kahlen Stellen mit Galgenhumor überdeckt. Die Saschas dieser Welt müssen das alles erst noch erfahren und lernen.

Während die Bücher des Lebens bei so jungen Leuten noch vorwiegend aus unbeschriebenen Blättern bestehen, haben wir unsere schon sogar an den Rändern vollgekritzelt.

„Ich war überaus beschäftigt in der Zeit mit Sascha.“ Maria nahm noch einen Schluck Kaffee. Sie wirkte übrigens nicht traurig, sondern ausgesprochen befreit.

„Ständig musste ich so tun, als wäre ich nicht müde und aufgeregte Euphorie vortäuschen bei allem, was er vorschlug. Es war wirklich, als hätte man ein Kind mit ADHS. Betrat Sascha mein Wohnzimmer, zog er als erstes sein I-Pad aus der Tasche, suchte „Youtube“ und zeigte mir dann sinnentleerte Filmchen mit gekneteten Figuren oder Zeichentricksketche, die ich klasse finden sollte. Eine Unterhaltung kam so gut wie nie zustande, und ich musste ihm am Tisch tatsächlich sein Mobiltelefon verbieten, weil er sogar beim Sonntagsbraten Zombies abknallte und die Hälfte der Nudeln auf das Tischtuch fallen ließ.

Beim Autofahren in seinem Cabrio wurde mir schlecht, denn ab 250 km/h hält meine Frisur nicht mehr richtig, und ich hätte nach jedem Ausflug eigentlich neue Haare gebraucht. Die alten ließen sich nicht mehr kämmen und sahen aus wie etwas, in dem Krähen sich ihre Nester bauen.

Täglich badete er mindestens einmal und hinterließ vom Ankleidezimmer bis zum Bad eine Spur trockener und feuchter Klamotten, Fußabdrücke und Seifenflecken.

„Da hätte ich leichter eine Waise adoptiert“, dachte ich mehr als einmal seufzend.

Er hörte auf mich, wie er auch auf seine Mutter gehört hätte. Er war still, wenn ich ihm befahl, zu schweigen und tat, was ihm angeordnet wurde, aber dafür hatte ich ihn ja nicht „genommen“. Ich wollte einen Erwachsenen, der sich erwachsen benahm. Und mit „erwachsen“ meine ich nicht alt, spießig und konventionell sondern einfach nur weniger anstrengend. Das wäre schön gewesen.

Sascha hielt sich grundsätzlich nicht an Verabredungen. Immer geriet ihm was Spannenderes dazwischen. Zum zweiten Date kam er einen Tag zu spät, zum dritten drei Tage, und als wir uns ungefähr drei Monate kannten, betrug seine Verspätung zwischen dem Versprechen, mich zu besuchen und seiner tatsächlichen Ankunft eine Woche.“

„Eine Woche?“ wiederholte ich ungläubig.

Maria nickte lächelnd. „Aber ich gebe zu: Seine Ausreden waren mal was anderes, sehr kreativ.“

Jüngere Männer wie Sascha sind oft nicht imstande, Termine einzuhalten, sie sind immer viel zu beschäftigt, und darum suchen sie sich eine ältere Frau, die etwas Ruhe in ihr Leben bringt. Eine moderne Variante von „Hotel Mama“, aber mit Sex. Da Ruhe aber normalerweise genau das ist, das sie absolut nicht ertragen können (da könnten sie die kleine Stimme in ihrem Kopf hören), tun sie alles Mögliche, um Verabredungen auszuweichen.

„Nach einigen Monaten war ich müde.“ Jetzt schmunzelt Maria nicht mehr.

„Müde all der Ausreden, müde der Aktivitäten, bei denen ich wahlweise stürzte, mich verletzte oder mir vor Angst beinahe in die Hosen machte. Nach drei Monaten hatte ich keine Lust mehr, auf ihn zu warten und so zu tun, als würde ich seine Lügen glauben. Also warf ich ihn raus.“

Er glaubte es nicht und schrieb mir lange Zeit noch SMS oder Emails, in denen er tat, als wäre nie was gewesen. Seiner Meinung nach war es das vermutlich auch nicht.

Ach Sascha. Er hat übrigens wieder eine Frau aufgetan. Neulich hat sie bei mir angerufen und gefragt, ob er vielleicht bei mir wäre, weil sie ihn schon mehrere Tage nicht mehr gesehen hat und ihn über das Telefon nicht erreichen kann. Sie ist übrigens ein Jahr älter als ich.“

„Ich sehe da schon ein Muster“ murmelte ich, musste mir aber das Grinsen verkneifen.

„Weißt du was?“ Maria zwinkerte mich an.  „Es war lustig. Es war anstrengend, aber ich glaube, ich sehe mich jetzt nach jemandem in meinem Alter um.“

Als Maria sich von mir verabschiedete, lachte sie schon wieder. Sie ist eine gestandene Frau, nicht zu groß, schlank, mit herrlicher blonder Mähne und einem wachen Verstand.  Sie wird das hinbekommen. Ich drücke ihr die Daumen.

Selbstverständlich gibt es Ausnahmen, Beziehungen, die prima funktionieren, auch wenn ein Altersunterschied vorliegt. Alle über einen Kamm scheren kann man sicher nicht. Nichts ist schwieriger, als eine ausgewogene, zufriedenstellende Partnerschaft zu führen. 50 % aller Ehen werden mittlerweile wieder geschieden. Da sollte man vielleicht schon beim Kennenlernen eine Risiko-Analyse durchführen und darüber nachdenken, wohin das führen könnte.

Die nächste Notaufnahme sollte es aber definitiv nicht sein. Denken Sie daran.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

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„Barbara, du hast doch bestimmt eine große Sonnenbrille und eine Perücke?“ fragte mich vor knapp einem Jahr eine liebe Bekannte.

Immer wenn Marianne anruft, bin ich vorsichtig, denn die meiste Zeit des Jahres erinnert sie sich nämlich nicht an meine Telefon-Nummer. Sie meldet sich nur, wenn es ihr schlechtgeht.

„Ja, ich habe eine Sonnenbrille“ antwortete ich misstrauisch. „Dann könntest du doch für mich den Karl mal ein wenig überwachen“ meinte sie.

„Er sagt nämlich, er geht ins Fitness-Studio, aber ich glaube ihm nicht. Weil er ja vor zwei Jahren mal diese Frau geküsst hat. Die ist zwar verheiratet, aber ich traue ihm nicht. Bestimmt lügt er mich wieder an. Immerhin hat er es erst zugegeben, als ich sein Handy durchsucht habe. Ich bezahle dich auch.“

Gestatten, dass ich mich vorstelle? Barbara Edelmann, private Ermittlungen aller Art.

Ich musste schmunzeln, als ich mir vorstellte, dem armen Karl vor seinem Fitness-Studio verkleidet aufzulauern. Immerhin ist der Gute jenseits der 50, mit wenig Haaren und umso mehr Bauch und einem Ego, das nur man nur auf Erbsengröße bringt, wenn man es aufbläst, und nicht unbedingt ein Geschenk Gottes an die Damenwelt. Marianne lässt sich aber nicht gern etwas wegnehmen, auch wenn sie es vielleicht selbst nicht mehr so richtig möchte.

Ich lehnte dankend ab, denn es wäre mir zu anstrengend gewesen, fremde Männer zu beschatten. Außerdem besitze ich weder Fernglas noch Nachtsichtgerät, und Marianne hätte vollen Einsatz von mir erwartet.

Ob sie einen Ersatz für mich gefunden hat, weiß ich nicht, denn seitdem habe ich nichts mehr von ihr gehört. Scheinbar vertragen sich die beiden gerade wieder mal. Trotzdem muss ich oft an diese Geschichte denken, denn sie ist ein Paradebeispiel für Eifersucht und ihre einschneidenden Folgen.

Außerdem muss ich zu Karls Ehrenrettung anmerken, dass er bis zu diesem Zeitpunkt – also dem Kuss mit einer anderen Frau – bereits eine ziemlich anstrengende und für ihn unbefriedigende Beziehung mit Marianne hinter sich hatte. Unter der Woche durfte er nie bei ihr übernachten – auch nach über 10 Jahren nicht, weil Marianne es vorzog, Dinge mit ihren Freundinnen zu unternehmen. Sie teilte seine Zeit ein, und er bekam in ihrem Wochenplan einen festen Platz zu festen Zeiten. Wenn Marianne keine Lust hatte, musste Karl sich mit sich selbst beschäftigen.

Naja, ganz offensichtlich tat er das dann ja auch. Und ich glaube sogar wirklich, dass es sich nur um einen Kuss handelt, denn ich kenne Karl, wie bereits erwähnt.

Damals, nachdem ihr Karl in einem schwachen Moment gestanden hatte, mit seinen Lippen die Lippen einer anderen Frau berührt zu haben, nahm die Tragödie ihren Lauf.

Seitdem musste er sich in viertelstündlichem Turnus per SMS bei Marianne melden und mit Fotos seinen derzeitigen Aufenthaltsort dokumentieren (Supermarkt-Parkplatz, Fitness-Studio, Arbeit…). Er tat das alles in der Hoffnung, Marianne nicht zu verlieren, denn sie war ziemlich sauer. Irgendwie hatte dieser eine Kuss etwas in ihr freigesetzt, das wohl zeitlebens besser unter Verschluss geblieben wäre – das grüne Monster Eifersucht. Und zwar die rasende Variante.

Marianne benahm sich damals, als legte sie größten Wert darauf, schnellstmöglich zu ihrem eigenen Schutz in die nächstgelegene psychiatrische Anstalt eingeliefert zu werden.

Sie knackte den Code von Karls Handy, druckte sämtliche Whats-App-Chats zwischen dieser Dame und ihm aus und nagelte diese anschließend an die Eingangstüre der Konkurrentin. Da es sich um eine Glastür handelte, erfolgte anschließend eine Anzeige wegen Sachbeschädigung und Beleidigung, denn Marianne hinterließ nicht nur die Chat-Protokolle, sondern auch noch ein paar üble Beleidigungen, die mit Sicherheit in etlichen Ländern dieser Welt mit Stockschlägen auf die nackten Fußsohlen bestraft werden.

Sie legte sich ein zweites Handy mit einer anderen Telefonnummer zu und baggerte Karl unter falschem Namen bei Facebook an, um ihn endlich der Untreue überführen zu können, stalkte ihn bei Instagram, fuhr ihm mitten in der Nacht hinterher, als er ihre Wohnung verließ (hätte ja sein können, dass er sich zum Knutschen mit dieser Dame im Wald traf, so gegen morgens um 3:00 Uhr), rief seine Kollegen an und wollte diese ausfragen, durchsuchte in regelmäßigen Abständen, gründlicher als die Steuerfahndung,  seine Wohnung auf Spuren und so weiter.

Dann schleppte sie Karl zu einem Therapeuten. Der sollte ihm die Leviten lesen und ihm erklären, dass er so was Tolles wie Marianne gar nicht verdient hatte.

Nachdem der Therapeut sich eine gefühlte Ewigkeit Mariannes Tiraden angehört hatte, die ihm auswendig (!) sämtliche Chats zwischen Karl und der fremden Frau rezitierte,  erklärte er diese Beziehung für toxisch und riet beiden, eine Pause einzulegen.

Natürlich taten sie das nicht.

„Ich werde verrückt. Und ich weiß, dass es vollkommen bescheuert ist, was ich mache“ sagte Marianne damals heulend zu mir am Telefon. „Aber was soll ich tun? Ich will keinen anderen. Da müsste ich mich wieder umgewöhnen. Und ich habe keine Lust drauf, mit einem neuen Mann jetzt wieder von vorn anzufangen. Bis auf diese eine Geschichte stimmt ja alles. Nur kann ich ihm nie mehr glauben. Und ich bin sicher, dass er lügt und es auch weiterhin tut.“

Im Grunde ist das sehr traurig. Finden Sie nicht?

Gehören Sie vielleicht zu der Sorte Frauen, die täglich das Jackett Ihres Mannes untersuchen, und wenn Sie kein Haar darauf finden, vermuten, dass er es momentan mit einer Kahlköpfigen treibt? Tja, dann sind Sie wohl ebenfalls eifersüchtig. Willkommen im Club.

Eifersucht ist der Partisan unter den Gefühlen. Sie lauert irgendwo im Gebüsch und wartet manchmal nur auf ein einziges Wort, eine Bemerkung über eine Schauspielerin vielleicht, die wir gerade zusammen mit unserem Liebsten sehen, während wir einen Spielfilm genießen.

Sie kommt hervor wenn wir durch die Stadt schlendern und mitbekommen, dass unser Herzblatt anderen Frauen kurz hinterhersieht. sie saugt sich an uns fest, wenn er mit der Ex telefoniert, wenn irgendeine Frau ihm schöne Augen macht (auch wenn die vielleicht nur unter Astigmatismus leidet) , wenn er auf einer Party länger als angemessen mit einem  hübschen Mädel spricht.

Dann ist sie da. Und sie geht so schnell nicht wieder weg.

Um sie halbwegs in den Griff zu bekommen, ist es dringend nötig, sich erst einmal darüber klar zu werden, wie sie entsteht.

Eifersucht entspringt dem Gefühl von Unzulänglichkeit, der eigenen Unsicherheit. Sie nährt sich aus der Befürchtung, nicht gut genug für jemanden zu sein, nicht schön genug, nicht reich genug, nicht gescheit genug. Eifersucht tut furchtbar weh, und wenn sie einen einmal in den Krallen hat, ist es sehr schwer, sich wieder von ihr zu befreien.

Eine eifersüchtige Frau wird man nicht von heute auf morgen. Die Gründe für diese schlimmen Gefühle liegen meist in der frühen Kindheit verborgen und haben oft mit einer problematischen Eltern-Kind-Beziehung zu tun. Vielleicht litt man unter einem unnahbaren Vater, vielleicht musste man in der prägenden Phase der Pubertät kränkende Zurückweisungen einstecken. Irgendwas ist geschehen, das uns das Gefühl gegeben hat, nicht gut genug zu sein für irgendjemanden.

Sicher gibt es skrupellose Hallodris unter den Herren der Schöpfung, bei denen ein gesundes Misstrauen gerechtfertigt ist, aber allzu oft entspringt unsere Eifersucht nur der Phantasie und mangelndem Selbstwertgefühl. Die große Mehrzahl der Männer ist anständig, auch wenn man es ihnen nicht so recht glauben mag. Die sind froh, in einen sicheren, adretten Hafen eingelaufen zu sein und möchten auch gerne, dass alles so bleibt wie es ist. Die große Mehrzahl – wohlgemerkt.

Eifersucht hat ja in allererster Linie damit zu tun, dass man sich seiner selbst nicht sicher ist. Eine selbstsichere Person weiß nämlich ganz genau, was sie wert ist. Und dass man sie nicht von heute auf morgen einfach so verlässt. Eine selbstsichere Frau kann sehr wohl zwischen Realität und im Unterbewusstsein verankerten Ängsten unterscheiden. Denn Eifersucht wird zu einem Großteil von Angst gesteuert. Die Eifersucht ist das Fahrzeug, und die Angst sitzt am Steuer – die Angst davor, verlassen zu werden, die Angst davor, nicht gut genug zu sein.

Auch die Frage, wo fängt der Betrug an, ist ein heißes Eisen. Ist ein Kuss schon ein Betrug oder ein Gedanke? Tja, da hätten wir wohl ein Problem, so wie ich die Männer kennen und schätzen gelernt habe. Es soll wohl ernsthaft noch Frauen geben, die von ihrem Mann verlangen, dass er nur an sie denkt. Die ganze Zeit. Ohne Unterlass. Und die es als Betrug auffassen, wenn er sich vorstellt, mit Lady Gaga einen One-Night-Stand zu haben.

Das klappt nicht, meine Damen. Darauf sind die Herren der Schöpfung nicht programmiert. Polygamie gehört bei ihnen zur Serienausstattung – zumindest unbewusst.

In dem Film “ Sodbrennen“ von 1986 sagt der Vater seiner Tochter,  die sich über ihren untreuen Gatten beschwert: „Du willst MonogamieHeirate einen Schwan!

Ganz so krass möchte ich das jetzt nicht stehenlassen. Es gibt tatsächlich eine ganze Menge treuer Männer. Ich lehne mich sogar so weit aus dem Fenster, zu sagen: die meisten sind anständig.

Wissen Sie was? Wenn ein Mann Sie wegen einer anderen verlässt oder betrügt, dann hat er nur eins: Sie gar nicht verdient. Mit nichts. Das sollten Sie sich wirklich immer vor Augen führen.

Es gibt aber tatsächlich Herren, die schaffen es bis ins hohe Alter nicht, sich mit nur einer einzigen Frau zufriedenzugeben.

Ob die Gründe nun Größenwahn, ein winzig kleines Selbstbewusstsein, das ständig bestätigt werden muss oder Sexsucht sind, ob er fremdgeht, weil er zu viele Kohlenhydrate und zu wenig Sex bekommt – das wissen die Götter.

In sehr vielen Fällen allerdings – und damit komme ich wieder auf obigen Inhalt zurück – ist unsere Eifersucht schlichtweg einfach nur ein hässliches graues Gespenst, das sich in unserem Nacken festgeklammert hat, weil es in früher Jugend Eltern, Betreuer, erste Freunde oder gemeine Geschwister dort losgelassen haben und absolut unbegründet.

Ich kann Ihnen nur raten: Erkennen Sie, was Sie sich wert sind. Erkennen Sie, dass Sie eine ganz besondere Frau sind, eine außergewöhnliche Persönlichkeit. Von Ihnen gibt es auf der ganzen Welt nur genau ein einziges Exemplar. Jeder, der Sie betrügt, hat ohnehin einen Dachschaden und weiß nicht, was gut für ihn ist. Finden Sie nicht auch?

Erkennen Sie, dass Sie, ob Über- oder Untergewicht, ob Brille oder Überbiss, ob wenig Haare oder zu viele an den falschen Stellen – als Gesamtpaket durchaus etwas wert sind, dass Sie stolz auf sich sein dürfen. Sie haben es nicht nötig, sich mit anderen Frauen zu messen, denken Sie immer daran. Das hier ist kein Wettbewerb. Es geht um Ihre Seele. Da macht man keine Witze. Oder veranstaltet Wettbewerbe.

Solch extremen Fällen wie meiner Freundin Marianne (es ist übrigens eine wahre Geschichte) empfehle ich einen guten Therapeuten. Aber oft reicht schon die allerbeste Freundin, die einem die Seele wieder zurechtrückt. Manchmal sogar ein Spiegel. Schauen Sie genau hin: Das sind Sie. Ist doch top, oder?

Wir Frauen neigen nämlich dazu, uns anders zu sehen, als wir sind – bis auf meine Freundin Susi mit ihrem Zauberspiegel, der ihr täglich sagt, dass Sie das Tollste seit der Erfindung des Toilettenpapiers ist. Sie leiht ihn mir aber leider nicht. Ich habe selbst leider einen gemeinen Spiegel, der die Pölsterchen hervortreten lässt und aus meinem Hintern eine Landebahn für eine Boeing macht,  obwohl andere zu mir sagen: „Du bist so schlank.“

Mein Spiegel behauptet dann immer: „Die lügen doch alle, du dumme Nuss.“ Ich sag ja, er ist fies.

Sehen Sie sich selbst, wie Sie sind: toll ganz einfach. Und wer was anderes behauptet, der lügt. Oder rufen Sie meine Freundin Susi an. Der ist noch nie ein Mann blöd gekommen, und so was wie Eifersucht kennt die gar nicht. Weil sie das Selbstbewusstsein von Gwyneth Paltrow hat. Und das Aussehen von… vielleicht Roseanne.  Es kommt immer auf den Blickwinkel an, wissen Sie.

Es hängt von Ihnen ab, ob Sie sich plagen. Denken Sie beim nächsten Mal dran, ehe Sie versuchen, ein Haar auf der Jacke zu finden.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

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Männer Shoping

Albert Einstein definierte vor langer Zeit Wahnsinn wie folgt: wenn man immer dasselbe tut, aber jedes Mal ein anderes Ergebnis erwartet. So geht es mir seit Jahren, wenn ich meinen Mann allein zum Einkaufen schicke. Genauso gut könnte ich mir wie ein düster dreinblickender Mafia-Boss eine Zigarre mit einem Geldschein anzünden und dann zusehen, wie die Banknote im Aschenbecher verbrennt.

Trotzdem musste ich aber vor einigen Wochen, während ich mit einer richtig fiesen Grippe, geschwollener Nase und geröteten Augen auf der Couch vor mich hin jammerte und im Fieberwahn wirre Facebook-Kommentare schrieb, in den sauren Apfel beißen und meinen Mann bitten, allein einkaufen zu gehen, was jedes Mal den größten anzunehmenden Unfall für unseren Geldbeutel bedeutet.

Für einen Marathon durch unseren Discounter fühlte ich mich außerstande, denn ich mag es schon an gesunden Tagen nicht, ständig von gehetzten Menschen angerempelt zu werden oder den Einkaufswagen in die Flanken zu kriegen, und jetzt war ich auch noch krank.

Also schrieb ich inmitten eines Bergs gebrauchter Papiertaschentücher folgende Liste:

  • 1 Netz Orangen
  • 2 mal 250 g Butter
  • 1 Tube scharfer Senf
  • 300 g Aufschnitt
  • 1 Päckchen Kamillentee
  • 10 Eier (Bio)
  • 2 Tafeln Schokolade (von Aldi, die mit der Praline-Füllung)
  • 1 Mischbrot
  • 2 Kästen Mineralwasser
  • 2 Kästen Cola Light, falls im Angebot
  • Sachen von der Reinigung abholen (bei Gül, gegenüber von der Kasse!)
  • Bitte Lottoschein abgeben und noch mal spielen (rechts vor dem Ausgang!)

Dann klemmte ich mit einer Büroklammer 100 € an den Zettel und legte mich wieder hin, während mein Mann mit verdächtig leuchtenden Augen und einem roten Klappkorb für die nächsten drei Stunden verschwand. Ich war während dieser Zeit kurz eingenickt und schreckte erst wieder hoch, als er schnaufend die Einkäufe in die Wohnung trug.

Wissen Sie, was er mitbrachte?

  • 30 Pfund Nudeln, verteilt auf 3 graue Plastikboxen mit blauem Deckel („Schau mal, da kann man Sachen drin aufbewahren, und du magst doch Nudeln!“)
  • 8 Pfund Kaffee („Den trinkst du ja auf jeden Fall, und ich habe uns insgesamt 8 € gespart!“)
  • 2 blaue Plastikeimer, bis oben hin gefüllt mit Orangen („Eimer kann man immer brauchen, finde ich.“)
  • 2 Päckchen Blasen- und Nierentee („Hab den Kamillentee nicht gefunden, aber in dem sind auch gesunde Sachen drin.“)
  • 10 Britta-Filterkartuschen („Waren 4 € billiger pro Packung, freu dich doch, dass ich mitdenke!“)
  • 500 g Margarine („Wir essen viel zu viel Butter, hast du neulich gesagt, und die kostet nur die Hälfte.“)
  • 6 hartgekochte, gefärbte Eier („Die musst du schon nicht mehr kochen.“)
  • 2 Packungen Vollkornbrot („Hält viel länger, bei der Bundeswehr haben wir das auch immer gegessen.“)
  • Kein Mineralwasser, kein Cola, kein Senf, kein Aufschnitt. Außerdem musste ich noch 14 € drauflegen, denn die 100 € hatten nicht gereicht. Weil wir doch mit den Plastikboxen voller Nudeln so viel gespart hatten…

„Ich habe den Einkaufszettel verloren, aber das meiste wusste ich auswendig“ gestand er mir zerknirscht, als ich die Nudel- und Orangenberge betrachtete, während ich mich fassungslos an der kalt gewordenen Wärmflasche festhielt.

Millionärin würde ich dieses Wochenende wohl wegen des nicht abgegebenen Lottoscheins nicht werden. Dick auch nicht, denn er hatte unter anderem die Schokolade vergessen. Meine Klamotten lagen immer noch bei der hübschen Gül in der Reinigung. Und ich fragte lieber nicht, wer zwei Eimer voller Orangen, von denen einige bereits schimmelten, zu Saft verarbeiten sollte, denn die Antwort hätte mich verunsichert.

Die 30 Pfund Nudeln lagerte ich neben dem bereits vorhandenen Zentner Makkaroni und Rigatoni, den er mir bei seinen letzten Einkäufen angeschleppt hat. Wird wohl noch eine Weile dauern, bis wir die Plastikboxen zur Aufbewahrung von etwas anderem verwenden können.

Normalerweise verwalte ich das Haushaltsbudget und gehe niemals ohne meine App „Einkaufsliste“ los.

Mein Mann schiebt dann immer den Wagen und wartet mit geistesabwesendem Gesichtsausdruck, während ich zielstrebig Artikel ansteuere und die Preise vergleiche. Immerhin verwalte ich das Haushaltsbudget und trage es am Körper, denn es meinem Mann anzuvertrauen, ist zu riskant.

Erstens kann er grundsätzlich nicht an Schildern mit der Aufschrift „Sonderangebot“ oder „Tiefpreis“ vorbeigehen, und zweitens haben wir beide von dem Wort „brauchen“ diametrale Vorstellungen.

Sobald etwas ungewöhnlich verpackt ist, in einer Plastikbox, einem Eimer, einer netten Blechdose oder einem Frischhaltebehälter, brennen bei ihm alle Sicherungen durch, denn es gibt quasi etwas umsonst dazu. Da kann er nicht nein sagen. Am schlimmsten sind diese bröseligen harten Kekse in Blechdosen.

Männer lieben nämlich Blechdosen, kann man doch so herrlich Dinge in ihnen aufbewahren, die man alle 5 Minuten dringend braucht wie zum Beispiel Imbus-Schlüssel von 20 Jahre alten Sofas oder brüchige Gardinenringe (Wir haben seit Jahrzehnten keine Gardinen mehr), angerostete Wäscheklammern, Schrauben in jeder erdenklichen Größe, Verbindungskabel für Computer-Mäuse aus den 90er-Jahren oder alles, aus dem McGyver sich eine Mikrowelle basteln könnte, wenn er mal eine bräuchte.

In unserem Keller lagern noch eine defekte Fritteuse, die ich ihn vor 7 Jahren gebeten habe zu entsorgen („Die repariere ich irgendwann, wenn ich Zeit habe“) und eine uralte Kaffeemaschine, die schon 15 Jahre nicht mehr benützt wurde („Die ist noch einwandfrei, die heben wir auf für den Fall, dass unsere kaputtgeht.“).

Jedenfalls sitzen wir wegen der Besessenheit meines Mannes für Aufbewahrungsbehälter aus buntem Blech immer noch auf einem Berg an dänischem Gebäck, das ich mich niemandem anzubieten getraue, weil es dann immer aussieht, als wäre ich zu faul gewesen, einen Kuchen zu backen. Aber irgendwann wird er sich die Dinger in den Kaffee bröseln, damit er wieder leere Dosen hat. Der Nachschub an krummen Verschlussclips, Verpackungsdraht oder in die Jahre gekommenen antiken Ladekabeln hört ja nie auf.

Ich denke, für Leute wie meinen Mann wird Werbung überhaupt gemacht, weil er vollkommen unkritisch auf alles hereinfällt, das die Branche sich ausdenkt. Jedes Mal, wenn ich ihn allein losschicke, verwandelt er sich in jemanden, der in den 60er-Jahren eingefroren und erst kürzlich wieder aufgetaut wurde. Ich stelle mir immer vor, wie er mit glänzenden Augen durch den Supermarkt spaziert wie ein unbeaufsichtigter Siebenjähriger, wo ihm alle paar Meter bunte Schilder mit verführerischen Worten wie „Rabatt“ oder „Reduziert!“ entgegenblinken.

Das ist zu viel für ihn, so viel Rechenleistung hat sein Gehirn nicht. Und Schilder mit der Aufschrift „Nur heute!“ überfordern ihn mental komplett, denn da müsste er sich eine einmalige Gelegenheit entgehen lassen. Als Jäger und Sammler verstößt das gegen seine innersten Prinzipien.

In der Adventszeit oder kurz nach Weihnachten darf er ohnehin grundsätzlich nicht alleine los – zu gefährlich.

Wissen Sie, manchmal vermisse ich die hübschen kleinen Tante-Emma-Läden, mit denen ich aufgewachsen bin. Ich könnte meinen Mann gefahrlos dorthin schicken, und er käme nur mit dem Notwendigsten nach Hause.

So aber spaziert er unbeaufsichtigt mit unserem Haushaltsgeld an Bergen von Dingen vorbei, die wir so dringend brauchen wie eine Lokomotive und läuft glücklich grinsend Zickzack von einem Sonderangebot zum nächsten wie ein angeschossener Rehbock. So lange eben das Geld reicht.

Das Schlimme ist: ich kann ihm nie wirklich böse sein. Er sieht nach jedem Discounter-Besuch so abgekämpft, aus, als käme er von einem Afghanistan-Einsatz zurück.

Den vergessenen Aufschnitt vermisste er übrigens am Abend des selben Tages, als er Hunger hatte. Ich lasse die Realität für mich arbeiten. Und ich bin mittlerweile wieder gesund.

Nächsten Samstag ziehen wir wieder zu zweit los. Er wird mich bei dem Weinsortiment mit Gratis-Korkenzieher oder der Großpackung Schokolade mit aufblasbarer Duschhaube wieder aufgeregt am Ärmel zupfen. Und Gnade uns Gott, wenn sie gerade irgendwas anbieten, das in einer Plastikbox verpackt ist. Oder in Blech.

Ich darf einfach nicht mehr krank werden. Basta.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

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Es ist soweit. Nie hätten Sie gedacht, dass dieser Ernstfall jemals eintreten könnte oder zumindest gehofft, diese Liebe würde ewig halten: Florian (oder wer auch immer) hat sich vor Ihnen aufgebaut, ihnen kalt in die Augen gesehen und gesagt: „Susi, ich find’, wir sollten eine Pause machen. Es gibt da jemand anderen.“ Kann übrigens alles sein, also versteifen Sie sich nicht auf eine weibliche Konkurrentin. Eine meiner Freundinnen erwischte ihren Ehemann mit dem Trauzeugen.

Vielleicht sagt Florian nämlich auch: „Ich bin eigentlich homosexuell / Ich möchte mal zehn Jahre nach Burundi, weil das Wetter dort besser ist“ oder einfach nur: „Susi, du bist langweilig. Deshalb trennen wir uns jetzt. Basta.“

Ein Grund für die Florians, Dieters, Svens (oder wie auch immer sie heißen mögen), und sei er auch noch so an den Haaren hergezerrt, findet sich immer. Und von einem Moment auf den anderen haben Sie Liebeskummer, eines der bösartigsten Gefühle der Welt, wenn es um zwischenmenschliche Beziehungen geht.

Ihre Welt stürzt ein wie in einem Film von Roland Emmerich, alles wird schlagartig grau und kalt. Eine Käseglocke stülpt sich über Sie, die kein einziges positives Gefühl mehr durchlässt. Alles durchtränkt von der Frage „warum???“

Mit einem Schlag fühlen wir uns hässlich, alt, einsam und so verloren wie ein Kleinkind, das von seinen Eltern mitten in der Nacht im Wald ausgesetzt wurde. Ohne Handy. Unser Selbstwertgefühl flattert davon wie ein Heliumballon mit durchtrennter Schnur. Wir sind allein. Verlassen. Verloren.

„Liebeskummer lohnt sich nicht, My Darling, schade um die Tränen in der Nacht“ lautet ein alter Schlagertext, wobei “Tränen in der Nacht“ keine verbindliche Richtlinie sind. Heulen Sie ruhig auch unter Tags, denn keine von uns weiß, wann es sie kalt erwischt. Es könnte auch in der Mittagspause passieren. Oder nach dem Morgensex. Männer sind da unberechenbar.

Den schlimmsten Liebeskummer meines Lebens erlitt ich mit Mitte 20, als ich Schnall auf Fall wegen einer anderen Frau verlassen wurde. Es tat so unendlich weh, dass ich mich heute noch daran erinnere. Meine Art der Problembewältigung ist nicht massentauglich, und darum kann ich sie nicht weiterempfehlen. Allerdings bin ich eine absolute Frohnatur und ein sehr lebenslustiger Mensch und denke noch mit Schaudern an diese Zeit, die ein jammerndes Wrack aus mir gemacht hat.

Erst heulte ich einen halben Tag lang ausgiebig. Dann besorgte ich mir mit verquollenem Gesicht mehrere gute Flaschen Wein, nahm eine Woche Urlaub, setzte mich auf den Fußboden meiner Wohnung und leerte anschließend die Flaschen. Alle. Jeden Tag eine. Zwischendurch schluchzte ich wieder oder hatte Schluckauf, hörte herzzerreißende Musik, schrieb Briefe an meinen ehemaligen Zukünftigen, die ich nie abschickte (wir hatten damals keine SMS, und bis zum Briefkasten wäre ich nicht gekommen…) und badete mehrmals täglich heiß, weil mich das irgendwie beruhigte.

Zum Arbeiten oder auch nur einer Unterhaltung mit anderen Menschen fühlte ich mich außerstande, denn da hätte ich nur gehört: „Wir haben dir das ja gleich gesagt. Der war zu schön für eine Frau“. Wahlweise: „Das Leben geht weiter, Zeit heilt alle Wunden, immer wenn du meinst, es geht nicht mehr, kommt von irgendwo ein Lichtlein her“ und so weiter. Aber das einzige, das diesen grauenhaft gemeinen Schmerz wirklich nachhaltig hätte betäuben könnte, wäre eine Vollnarkose gewesen.

Dabei war ich mir so verdammt sicher gewesen, dass diese Liebe ein Leben lang halten würde. Immerhin hatte er es mir täglich gesagt, über etliche Jahre hinweg.

Jetzt war ich aus der Bahn geworfen wie ein Auto, das in einer Haarnadelkurve ins Schleudern geraten ist. Ich lag – metaphorisch gesehen – auf dem Rücken und konnte mich aus diesem Wrack einer gescheiterten Beziehung nicht befreien. Dafür tat es einfach zu weh. Und es gibt keine Liebeskummer-Feuerwehr. Leider.

Also setzte ich mich auf den Boden und wartete einfach ab, denn es konnte nur besser werden. Und siehe da: Es wurde tatsächlich besser. Nach dieser einen Woche hatte ich mich ausgeheult, ging wieder zur Arbeit und lernte irgendwann sogar wieder jemanden kennen.

Nicht alle Sprüche unserer Mütter entbehren jeglicher Grundlage: „Zeit heilt alle Wunden“ stimmt übrigens tatsächlich. Etliche Jahre später traf ich besagten Mann zufällig in einem Lokal wieder. Er kam an den Tisch, wo ich mit Freunden saß und wünschte mir einen schönen Abend. Ich hatte so restlos mit dieser Geschichte abgeschlossen, dass ich damals verdattert in die Runde fragte: „Wer war denn das?“ Ja. Das ist tatsächlich wahr. Ich hatte ihn nicht einmal wiedererkannt.

Diese Art von Kummer ist weltweit gleich. Es tut immer schrecklich weh. Immer stürzt alles um einen herum ein. Immer fühlt es sich an, als wäre das Ende der Welt eingeläutet worden.

Nein. Ist es nicht. Das versichere ich Ihnen. Auch wenn Sie es jetzt nicht glauben.
Dazu ist der Schmerz einfach zu groß. Gemein ist er außerdem, denn verlassen zu werden zehrt an unserem Selbstwertgefühl. Wir fühlen uns klein, hässlich und nicht liebenswert.

Kein Mann ist das wert. Wirklich gar keiner.

Haben Sie mitbekommen, dass das Bundesamt für Katastrophenschutz letztes Jahr die Bevölkerung ermahnte, sich für wenigstens 2 Wochen mit dem Nötigsten wie zum Beispiel Nahrung, Wasser, Kerzen oder Hygieneartikeln zu bevorraten? Nur für den Fall der Fälle?

Für private Weltuntergänge gibt es keine Vorräte, denken Sie? Schon wieder ein Irrtum. Sie können sich präventiv für den Fall der Fälle wappnen.

Darum legen Sie sich am besten eine Bevorratung für zwischenmenschliche Super-GAUs zurecht. Wenn sie das Notfall-Kit nie brauchen, umso besser.

Sie benötigen:

  • mindestens 3 Packungen Küchenkrepp oder Papiertaschentücher, die Sie abwechselnd vollheulen oder vollschnäuzen können. Man findet ja nie ein Taschentuch, wenn man eines braucht. Zur Not tut es auch eine Windel. Ich hab schon in alles mögliche geheult. Muss ja keiner sehen.
  • Alkohol in einer Ihnen zumutbaren Preisklasse. Ich persönlich habe lange Jahre eine Flasche Champagner gehortet für den Fall der Fälle, denn wenn Sie jemanden loswerden, der Sie nicht zu schätzen weiß, ist das meiner Meinung nach ein Fall zum Feiern. Da könnte ja jeder kommen. Wenn Sie aus medizinischen Gründen nicht trinken dürfen, ist jetzt allerdings kein Zeitpunkt, damit anzufangen. Da bleibt Ihnen vermutlich nur Beruhigungs-Tee. Tut mir leid.
  • die Telefonnummer einer wirklich guten Freundin, die Ihnen im Notfall Gesellschaft leistet, telefonisch oder persönlich. Denken Sie daran, diese Telefonnummer regelmäßig auf den neuesten Stand zu bringen, falls die beste Freundin wechselt. Soll vorkommen.

Nun aber von vorn: Sie sind also sitzengelassen worden. Dann hoffe ich erst mal, dass Sie wirklich sitzen. Sie sollten jetzt nicht Auto fahren. Auf gar keinen Fall. Weil Sie unkonzentriert sind und man nicht wirklich gut sieht, wenn einem die Wimperntusche in die Augen läuft.
Und niemand will, dass Sie ausprobieren, ob der Seitenaufprallschutz Ihres neuen Kleinwagens den vollmundigen Beschreibungen im Prospekt entspricht, wenn Sie sich auf das Gleis zwischen Hintertupfing und Weißnichtwohin stellen und dort auf den ICE warten. Wir würden Sie vermissen. Also fahren Sie bitte nicht. Es gibt keinen Grund für solche Dummheiten. Gar keinen. Und obwohl Sie es im Moment nicht hören wollen: In einem Jahr lachen Sie drüber. In einem Jahr sind Sie längst wieder glücklich.

Nehmen Sie Ihr Telefon. Benützen Sie es genau ein einziges Mal, um Ihre beste Freundin oder einen anderen Notfallkontakt anzurufen. Sollten Sie keine beste Freundin haben, rufen Sie Ihre Mutter, Ihre Tante oder Ihre Nachbarin an. Irgendjemand muss Ihnen jetzt zuhören. Zur Not tut es auch die Telefonseelsorge. Die können das gut.

Wenn alle Stricke reißen, niemand Zeit hat, und Sie ein paar Euro übrig haben, konsultieren Sie eine der wie Pilze aus dem Boden schießenden Lebensberatungs-Hotlines und lassen Sie sich dort von einem der Berater herrliche Zeiten vorhersagen. Das tun die so gut wie immer. Es könnte funktionieren, wenn Sie nur feste dran glauben. Und Sie brauchen jetzt jede Hilfe, die Sie bekommen können.

Der Anruf ist getätigt? Dann deponieren Sie Ihr Festnetz-Telefon und auch Ihr Handy an einem sicheren Platz. Und mit „sicher“ meine ich: auf gar keinen Fall in Ihrer Nähe.

Florian wird nicht anrufen. Auch wenn Sie sich einreden, dass in den nächsten 5 Minuten das Telefon klingelt, weil er es nicht ohne Sie aushält.
Der hält es aus. Sonst wäre er nicht weg. Sehen Sie der Wahrheit ins blutunterlaufene Auge. Und starren Sie nicht auf Ihren Whats-App-Chat. Es wird nichts kommen. Florian ist beschäftigt. Ja, ich weiß: Das tut auch weh. Versuchen Sie, nicht dran zu denken. Bitte.

Also lassen Sie das Telefon zu Ihrem eigenen Schutz verschwinden. Geben Sie es Ihrer Nachbarin mit der Bitte um Aufbewahrung. Werfen Sie den Akku ins Klo. Nehmen Sie die SIM-Karte heraus. Hauen Sie mit dem Hammer drauf. Warum soll sich das Telefon besser fühlen als Ihr geschundenes Herz?

Niemandem ist gedient, wenn Sie Florian jetzt 397 SMS mit Texten wie „Warum nur????“ (heulender Smiley), „Komm zu mir zurüüüüüück bitte ich tu allääääss!“(10 heulende Smileys) oder noch schlimmer „Du dreckiger …. ich komm vorbei und … und dann ….. und du bist überhaupt ein …. ich mach dich ……“ zuschütten (Zutreffendes einsetzen, ich darf das hier nicht schreiben).

Alles davon ist kontraproduktiv. Florian kommt nicht wieder. So schnell nicht. Vielleicht in 3 Monaten oder einem halben Jahr. Ich habe sogar schon einen Fall erlebt, wo einer nach 50 Jahren wieder zurückkam und dann bis an sein Lebensende mit der Frau zusammenblieb, die er in den 60er-Jahren verlassen hatte. So lange wollen Sie doch wohl nicht vor dem Telefon sitzen bleiben?

Alles, was Sie jetzt schreiben oder stammeln, kann nur verkehrt sein. Weil Sie sich nämlich vor Florian oder Günter oder wie auch immer er heißen mag klein und zum Affen machen. Und bis auf ein paar Psychopathen oder Sadisten mag niemand heulende, gekrümmte wimmernde demütige Frauen, die ihre Seele verkaufen würden, nur damit sie wieder von dem Mann beachtet werden, der sie gerade wie einen Fußabtreter behandelt hat.

Tun Sie das bitte auf gar keinen Fall.

Wenn Sie wollen, dass Florian unbedingt zurückkommt, ist es ohnehin schlauer, ihm das Gefühl zu vermitteln, dass er sie mit seiner blödsinnigen Aktion endgültig verloren hat.

Das Handy liegt also sicher im Tresor der nächsten Sparkasse oder bei der Nachbarin, die Sie ohnehin nicht leiden kann? Prima. Dann kommen Sie auch nicht in Versuchung, tränenblind alle Fotos vom letzten Urlaub in Griechenland oder vom Sex auf dem Badewannenrand anzugucken und noch mehr zu heulen. War doch die ganze Zeit so schön mit Flori. Wieso haben Sie das nur nicht gemerkt? Wieso ist Ihnen kein einziges Zeichen aufgefallen?

Diese Frage ist überflüssig. Heute, am Notfalltag, ohnehin. Sie werden darauf keine Antwort bekommen. Vielleicht gab es Zeichen. Vielleicht auch nicht. Fakt ist: Der Mann ist weg. Das müssen Sie erst mal verinnerlichen, und wenn es noch so weh tut.

Sie sind hoffentlich – wenn Sie meinem Rat gefolgt sind – nicht allein. Irgendjemand sitzt bei Ihnen und hört Ihnen hoffentlich zu. Und wenn es die Telefonseelsorge oder die Astrologie-Hotline ist. Egal.

Reden Sie. Reden Sie sich alles von der Seele.

Schimpfen Sie auf den gemeinen Kerl, der Sie gar nicht verdient hat. Der wird schon noch merken, wie es ohne Sie ist. Die Augen werden dem aufgehen. Seien Sie wütend. Regen Sie sich auf. Ja. Ich rate Ihnen ernsthaft dazu, wütend zu sein. Weil in der Wut wesentlich mehr Energie steckt als in der Trauer, obwohl dieser edle Rat kontinuierlich in Lebenshilfe-Artikeln auftaucht. „Geben Sie Ihrer Trauer Raum.“

Dürfen Sie. Aber nicht jetzt und hier. Heute tut alles einfach nur weh. Ihre Seele fühlt sich, als wäre sie mit Mike Tyson im Ring gestanden. Trauern können Sie morgen auch.

In amerikanischen Filmen schnappen sich die Frauen zu solchen Gelegenheiten einen riesigen Becher Eis und löffeln ihn leer, während sie weinen. Ich weiß wirklich nicht, warum irgendjemand glaubt, dass ein Becher Eis gegen Liebeskummer hilft. Da habe ich mit Apfelwein bessere Erfahrungen gemacht. Aber jeder wie er möchte.

Allerdings sollten Sie, während Sie die zweite Kilopackung Schokoeis öffnen, vielleicht vorsichtig darüber nachdenken, ob Sie zu Ihrem üblen Herzensleid jetzt auch noch ab morgen eine Diät verkraften können. Andererseits haben Sie soeben mindestens 70 überflüssige Kilos verloren. Na dann…

Schmieden Sie Rachepläne. Ja. Sie lesen schon richtig. Aber wichtig: Sie dürfen nur drüber nachdenken, Sie dürfen sie auf gar keinen Fall in die Tat umsetzen. Stellen Sie sich ruhig vor, was Sie mit Florian alles tun würden, bekämen Sie ihn in die Finger. Knipsen Sie ihm die Fingernägel in Gedanken ab. Rasieren Sie ihm eine Glatze, während er schläft. Verpassen Sie seinem Auto eine neue Gravur mit dem Schlüsselbund oder eine Lackierung, vielleicht violette Pünktchen, damit er mal Grund zur Freude hat, wenn er seinen geleasten Boliden morgens vor der Haustür stehen sieht. Sie dürfen sich alles vorstellen, was Sie möchten, denken Sie daran: vorstellen, sonst nichts. Toben Sie sich ruhig aus in Gedanken.

Heute ist alles erlaubt. Weil Sie sich in einem Ausnahmezustand befinden. Wenn Sie Lust haben, sich 14 Paar Pumps zu kaufen, Ihre Kreditkarte funktioniert und ein Schuhladen geöffnet hat, legen Sie los. Auch wenn Sie keinen dieser Schuhe jemals tragen. Lassen Sie es krachen. Kaufen Sie endlich diesen Glitzer-Bikini, der nur aus 32 Perlonfäden mit Strass-Steinen besteht. Sie haben ihn sich verdient. Und irgendwer wird Sie drin bewundern. Nicht heute, aber irgendwann.

Wenn Sie Lust haben, sich sinnlos zu betrinken, bitteschön. So eine gute Ausrede für ein anständiges Besäufnis finden Sie so schnell nicht wieder. Wichtig: Sie dürfen sich nur volllaufen lassen, wenn Sie Ihr Telefon wirklich außer Reichweite gebracht haben, denn ab 1,5 Promille wird man weinerlich und glaubt, man könnte mit ein paar rührseligen Worten eine Versöhnung erzwingen.

Nein. Können Sie nicht.

Jetzt ist die beste Gelegenheit, sich von ein paar belastenden Dingen zu trennen. Sollte Florian zerknitterte Boxershorts und eine zerknautschte Zahnbürste in Ihrem Schrank deponiert haben, stopfen Sie das Zeug in eine Plastiktüte und stellen Sie diese vor die Tür. Geben Sie der Tüte einen kräftigen Tritt oder zwei.

Sie brauchen die Unterhosen jetzt nicht mit tränenverschleierten Augen durch die Finger gleiten lassen. Da war nix drin, das Sie vermissen sollten, denn Männer sind ein nachwachsender Rohstoff. Jeden Tag fällt einem ein Typ vor die Füße, der vielleicht das Zeug dafür hätte, der Kerl fürs ganze Leben zu werden, oder? Sie können das nur heute nicht sehen, weil es Ihnen schlecht geht.

Und dann – wenn Sie Ihre zwei Kilo Eis und eine Flasche Moet Chandon konsumiert haben, wenn Sie genügend geschimpft haben und Florian in Ihrer Phantasie kein einziges Haar mehr auf dem Kopf oder einen Fingernagel an der Hand hat: Gehen Sie schlafen. Morgen ist ein neuer Tag. Das ist übrigens der letzte Satz in „Vom Winde verweht“, dem unvergesslichen Bestseller von Margret Mitchell (die für dieses Buch immerhin schlappe 10 Jahre gebraucht hat). Morgen ist ein neuer Tag.

Das müssen Sie mir glauben. Ich bin ein Liebes-Kummer-Veteran. Und ich habe alle überlebt.

Variieren Sie ein wenig. Probieren Sie es aus, was Ihnen gut tut. Aber sorgen Sie dafür, dass Sie nicht ganz allein zusammengekauert über einem Stapel Fotos oder einem tränenverschmierten Handy-Display sitzen und sich grämen. Seien Sie wütend. Denken Sie dran: Sie haben nicht verdient, dass man Ihnen so weh tut. Und es passiert tausenden Frauen auf der ganzen Welt just in diesem Moment genau so. Sie sind nicht allein. Auch wenn es sich so anfühlt.

Und jetzt gehen Sie los, Champagner besorgen. Ich drücke Ihnen die Daumen, dass die Flasche bis an Ihr Lebensende geschlossen bleibt.

Ihre Barbara Edelmann

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Skandalfrei, bodenständig und authentisch: das ist Bianca Graf, die Musikerin, die auch als „Gräfin des deutschen Pop-Schlagers“ bekannt ist. Doch sind es nicht nur die schnellen Rhythmen, denen sich die Sängerin widmet – verträumte Balladen hat die sympathische Künstlerin ebenso im Programm.

Ihre Lieder präsentiert die Bitterfelderin sowohl in TV-Sendungen als auch in eigens konzipierten Shows. Mit ihrem aktuellen Hit „Wärst Du die Sonne“ hat Bianca Graf gerade in Holland den Platz 1 gestürmt. Trotz des Erfolges ist die quirlige Frau, die demnächst auch eine Show für Howard Carpendale moderiert, immer heimatverbunden geblieben. Ihrem Lebensmittelpunkt – Bitterfeld-Wolfen – hat sie sogar einen eigenen Song gewidmet.

Wir haben mit der erfolgreichen Künstlerin gesprochen

FB: Frau Graf, Ihr neues Album „Wunderland“ ist bei einem der größten Plattenlabel Deutschlands erschienen. Das wievielte Album ist das und was erwartet die Fans (oder die, die es noch werden wollen)?

Es ist das 8. Album. Es erwarten den Hörer anspruchsvolle, tanzbare  Pop-Schlager, aber auch Balladen mit tiefgründigen Texten, zum Teil von mir selber. Alles ist authentisch und beschreibt auch zum Teil mein Leben, aber auch Geschichten, mit denen sich viele Menschen identifizieren können.

Die erste Single-Auskopplung daraus „Wärst Du die Sonne“ bewegt sich gerade in den Deutschen Charts und ist diese Woche in Holland auf Platz 1 gestürmt.

FB: Sie sind sehr vielseitig. Sie singen, konzipieren eigene Shows, moderieren auch und sind dadurch unheimlich viel unterwegs. Wer unterstützt Sie hierbei, sowohl privat als auch beruflich?

Natürlich habe ich eine ganzes Team um mich herum, aber immer dabei ist mein Mann und Manager Edgar Plepp, der mir immer mit Rat und Tat, mit neuen Ideen, usw. zur Seite steht und natürlich mein kleiner Silberpudel Axel, der uns beiden sehr viel Freude bereitet. Mit meinen Produzenten Felice Pedulla’ und Christoph Seipel verbindet uns seit 8 Jahren eine enge Zusammenarbeit. Sie sorgen immer wieder für moderne anspruchsvolle Songs und alle zusammen bilden wir, einschließlich meiner Plattenfirma Solis Music, ein kreatives Team.

FB: Sie stammen aus einer Gegend, die vor Jahrzehnten noch als die dreckigste Europas galt – Bitterfeld-Wolfen. Mittlerweile sind dort aus Tagebaulandschaften Seen entstanden, die tagtäglich Erholungssuchende anziehen. Dennoch hallt hier und da der schlechte Ruf, den die Gegend so lange hatte, nach. Sie aber halten dagegen – vor allem musikalisch. Erzählen Sie doch mal darüber!

Mit meinem ganzen Schaffen versuche ich immer auch Werbung für meine Region, meine Heimat zu machen. Ich habe zum Beispiel auch nie meinen Heimatort Wolfen verheimlicht, sondern bin auch irgendwie stolz, hier zu leben. Es gibt mir immer wieder Bodenständigkeit, wenn ich die Menschen um mich herum sehe. Viele Benefiz-Konzerte habe ich auch hier bereits ins Leben gerufen, z.B. für  die Deutsche Herzstiftung, für die Aktion Sorgenkind des ZDF, für die Flutkatastrophe in unserer Region. Der UNICEF habe ich das Lied „Hier sind Deine Freunde“ geschenkt, um nur einige zu nennen. In diesem Jahr durfte ich an der traditionellen Aids-Gala in der Lutherstadt Wittenberg teilnehmen, die unter der Schirmherrschaft von Rita Süßmuth steht und schon viele Jahre von den Chefs des Klack-Theaters organisiert wird.

Die Menschen kommen immer gern zu meinen eher seltenen Konzerten hier in meinem Heimatort. So freue ich mich schon jetzt auf den 23. Juni 2018, wo ich seit langer Zeit einmal wieder das Bitterfelder Hafenfest musikalisch eröffnen darf und natürlich mein aktuelles Album „WUNDERLAND“ präsentieren werde. Und natürlich steht auch das für meine Heimatstadt eigens geschriebene Lied „Seh’n wir uns nicht in dieser Welt, dann seh’n wir uns in Bitterfeld (Video auf YouTube) auf meiner Titel-Liste.

FB: In Ihren Songs geht es oftmals um Gefühle, um die Beziehung zwischen Mann und Frau. Sie selbst leben schon 30 Jahre mit Ihrem Mann zusammen, Skandale und Stoff für billigen Klatsch sucht man bei Ihnen vergebens. Was ist Ihr persönliches Erfolgsrezept in Sachen Partnerschaft?  

So soll es auch bleiben! Ich konzentriere mich lieber auf meine Musik!

Als erstes möchte ich die Liebe nennen, die uns immer noch verbindet, auch der gleiche Beruf ist in meinen Augen ein wichtiger Baustein. Ich finde es ganz hervorragend, wenn man sich über  musikalische Sichtweisen gemeinsam austauschen kann. Man hat das gleiche Fachwissen. Aber auch über Politik, Wirtschaft, Gesundheit, usw. wird geredet und diskutiert. Beiderseitige Kompromissbereitschaft ist ganz wichtig, denn nicht immer sind wir einer Meinung. Dann halte ich die gegenseitige Achtung für ganz wichtig, den Respekt gegenüber dem Partner. Für die Liebe muss man natürlich auch immer etwas tun, sich nicht gehen lassen und gemeinsame Ziele haben, sich gegenseitig überraschen und den Humor nicht verlieren, jeden Tag genießen.

Ich finde es z.B. schrecklich, wenn ältere Menschen sich kaum noch unterhalten und wenn, dann nur noch über Krankheiten. Sicher werden wir alle nicht jünger, aber dennoch sollte man immer optimistisch nach vorn blicken. Das Leben hält so viele positive Überraschungen bereit und wenn es manchmal nur die kleinen Dinge sind. Besonders die sollte man erkennen und sich daran erfreuen !

FB: Als eine Musikerin mit DDR-Biographie haben Sie die Künstlerszene auch zu Zeiten der Teilung Deutschlands erlebt. Wie war es damals, Musik zu machen und welche Voraussetzungen musste man mitbringen, um überhaupt als Künstler vom damaligen Staat anerkannt zu werden?

In der DDR gab es eine Amateur- und eine Profi-Szene. Ich habe beides kennen gelernt. Als Profi musste man ein Musik-Studium nachweisen. Mein Mann und ich hatten dies absolviert. Es entstand die Formation „BIANCA & INTENSION“. Wir waren viel in den „Sozialistischen Bruderstaaten“, Russland, damals noch UdSSR, Tschechei, Polen , Ungarn auf Tournee, natürlich auch in der DDR mit unserem Show-Programm „Musik Party“.  Meine Solo-Karriere habe ich erst kurz vor der Wende gestartet. Mein erster DDR-Hit „Träume habe Flügel“ kam 1988. Mit meinen damaligen Produzenten sollten wir bei „AMIGA“ eine LP heraus bringen. Wir brauchten dafür 12 Titel und haben wie die Blöden fast Tag und Nacht gearbeitet. Aufgenommen wurden die Songs damals im einzigen Pop-Studio der DDR in Berlin. Das war ein großes Privileg. Aber dann kam uns die Wende dazwischen und ich musste bei Punkt 0 beginnen! Mit viel Engagement und Glück gelang mir dies auch. Heute habe ich 8 Alben, ca. 85 Singles und Songs auf über 300 Samplern europaweit !

FB: Zu DDR-Zeiten hatten Sie zu vielen anderen bekannten Künstlern Kontakt, haben später auch mit dem kürzlich verstorbenen Michael Barakowski, – einst Frontmann der Gruppe „Perl“ – ein Duett gesungen („Zwei Träumer auf der Flucht“). Bestehen Ihrerseits noch Verbindungen zu Künstlern von damals – tauscht man sich untereinander aus?

Leider ist man heutzutage fast immer allein auf der Bühne und absolviert sein Konzert. Der „Austausch“ hat sich in einen harten Konkurrenzkampf oder Existenzkampf gewandelt, da nur noch ganz bestimmte, wenige Künstler – unterstützt von großen Major Companys  das „Spitzenfeld“ anführen – egal ob sie gut oder schlecht sind. Hinzu kommt, dass nur noch ganz wenige Sender deutsche Schlager- und Pop-Musik spielen . Aber so lange ich noch in diesem „Haifischbecken“ herumschwimmen kann, will ich mich nicht beklagen. Es wäre nur schön, wenn die Sender mehr auf das Publikum bzw. die Hörer und Zuschauer eingehen würden, denn die erkennen schon den richtigen Trend, auch was gute oder schlechte Musik ist, selbst wenn es mehr im Unterbewusstsein ist. Ich merke dies immer in meinen Live-Shows.

Und ehemalige „DDR-Kollegen“ treffe ich eher selten, da meine Karriere als Künstlerin ja erst begann, als es die DDR schon nicht mehr gab.

FB: Was machen Sie gerne, wenn Sie Zeit für sich haben?

Ich lese gern mal ein gutes Buch und das am liebsten in meinem Garten.

FB: Wie halten Sie sich fit?

Ich mache jeden Tag Sport und zwar hier vor Ort – bei mir daheim. Das ist unheimlich wichtig, nicht zuletzt, da ich für die Bühne fit sein muss.

FB: Ihr Terminkalender für die nächsten Monate ist bereits wieder prall gefüllt. Was liegt an und wo kann man Sie live sehen?   

Am 24. Mai 2018 in Berlin bei der „Berliner Schlagerstunde“, am 27. Mai 2018 in Hamburg (Hafenkonzert) und auch am 09. Juni 2018 bei „Sonnenklar TV“ in einer Live-Show. Weiterhin auch am 10. Juni 2018, zum Schlossfest in Merseburg und am 23. Juni 201806. zum Hafenfest in Bitterfeld sowie am 29. Juni 2018, 19.00 Uhr beim Inselfest in Frauenhain und am 30. Juni 2018 in Saarbrücken bei Radio Schlagerparadies. So geht das den ganzen Sommer über bis zum 1. September 2018, da habe ich eine große Show mit Howard Carpendale zu moderieren und natürlich werde ich auch singen…in Bad Elster.

Dann gibt es im Oktober 2018 eine Kreuzfahrt nach Südamerika, wo ich als Stargast arbeiten werde.

Und die Vorbereitungen für meine Weihnachts-Tournee „Weihnachten mit Dir“ laufen bereits auf Hochtouren.

Wer die Künstlerin auf ihrer Homepage besuchen möchte, kann das hier tun, das aktuelle Album von Bianca Graf ist hier erhältlich.

Bildnachweis: Gamze Ay

Ein Gastbeitrag von Anke. Der Partner alleine im Urlaub, mit Kumpels unterwegs oder ständig bei interessanten Evens – es gibt Situationen, da packt selbst gestandene Powerfrauen, die über eifersüchtiges Getue sonst nur lächeln können, dieses miese Gefühl.

Oft reicht – der modernen Technik sei „Dank“ – nur ein missverständlicher Whatsapp-Verkehr oder eine andere Nichtigkeit, die das Kopfkino von Frauen gehörig anleiern können.

Läuft sich dieser Film einmal heiß, ist die Situation oft kaum mehr zu retten und es folgt eine hässliche Eifersuchts-Litanei.

Oft bemerken es Frauen, die eher spontan, aus einer bestimmten Situation heraus, eine Eifersuchtssalve abfeuern, in dem Moment selbst und wissen eigentlich tief in ihrem Inneren, dass sie jetzt – SOFORT – aufhören und den Rückzieher machen sollten.

Meist tut man (FRAU) das aber nicht und das Drama nimmt seinen Gang. Der Empfänger der Vorwürfe weiß meistens überhaupt nicht, wie ihm geschieht und sieht sich von jetzt auf gleich einer wilden Eifersuchtsszene ausgesetzt. Dabei war doch vor einer halben Stunde noch alles in Ordnung!

Tja – kennen Sie das? Ich ja. Hatte ich doch selbst schon solche Momente, so erst kürzlich wieder. Obwohl mir sonst die Trips meines Partners mit seinen Kumpels herzlich egal sind und ich da noch nie was dagegen hatte, habe ich dieser Tage in so einer Situation die Nerven verloren. Er war weit weg – in der Sonne, mit Kumpels. Soweit – so normal, das macht er öfter.

Und bei solchen Gelegenheiten sind wir auch immer in Kontakt, schreiben uns, schicken uns Sprachnachrichten, telefonieren.

So war es auch diesmal wieder. Nur wurde ich in hier in einer bestimmten Situation an eine alte Untreue-Erfahrung eines Expartners erinnert und – drehte frei.

Ich hatte ihm, innerhalb unseres fließenden Whatsapp-Verkehrs eine Nachricht mit einem Foto geschickt. Nichts weltbewegendes, es war ein Bild aus meinem Garten.

Da mein Freund stets rasch auf solche Nachrichten antwortete, rechnete ich auch hier mit einem zügigen Feedback.

Es kam aber nichts. Keine Antwort.

Entgegen meinem sonstigen Verhalten ging ich immer wieder in den Whatsapp-Chat und schaute nach, ob er online war. Der Online-Status wurde mal angezeigt – und mal nicht. So ging das fast 1 ½ Stunden lang. Ich wurde fast wahnsinnig – warum weiß ich auch nicht so recht.

Tausend Fragen jagten durch meinen Kopf – die oben erwähnte, alte Fremdgeh-Erfahrung tauchte in meinem Inneren auf, als sei es gestern gewesen.

Natürlich vermutete ich in dem Moment alles Mögliche – dass aber mein Partner ganz entspannt mit Freunden einfach nur beisammen saß und das Handy in der Ladestation hatte, darauf kam ich nicht. Oder wollte es vielleicht auch nicht.

Mein gesamtes ICH hatte sich bereits auf eine anrollende Eifersuchts-Lawine eingestellt, sie kam und ich konnte nichts mehr machen, war wie ferngesteuert.

Und meine Reaktion denn auch absolut kindisch und kleinmädchenhaft. „Warum antwortest Du nicht?“, „Wer weiß, mit wem Du permanent schreibst!“ und so weiter und so fort ging es rund, in einer gepfefferten Sprachnachricht, die ich ihm schickte.

Natürlich war daraufhin auch seinerseits die Hölle los – ist doch klar. Er – der ganz normal mit anderen Leuten ganz harmlos zusammen saß – wurde auf einmal, aus dem Nichts, von mir zusammengestaucht. Na toll!

Das Ganze schaukelte sich soweit hoch, dass er mich wutentbrannt anrief und fragte, was das denn sollte? Er erklärte mir, dass das Telefon im Restaurant am Ladegerät hing und er mit den anderen auf dem Freisitz saß und plauderte.

Offenbar ist das ständige online- und nicht-online-sein einfach eine technische Einstellung bei Whatsapp, die so auch angezeigt wird, wenn das Handy geladen wird. Ich glaubte ihm sofort und natürlich war mir bewusst, wie bescheuert und verletzend mein kindisches Verhalten war!

Tatsächlich ärgerte ich mich ja schon über mich selbst, als ich die dümmliche Sprachnachricht gerade abgesetzt hatte, wie schon erwähnt…

Wir redeten uns ob der Situation beide am Telefon in Rage und ein Wort ergab das andere.

Ich war fassungslos über diesen sinnlosen Streit, aber mehr noch über mich, die diesen ja – ohne Not – heraufbeschworen hatte. Um uns zu beruhigen, beendeten wir das Gespräch erst einmal und ließen eine halbe Stunde verstreichen.

Ich ärgerte mich maßlos über mich und schickte ihm ein großes Sorry über Whatsapp. Er schien seinerseits zwischenzeitlich auch beruhigt und nach ein, zwei Stunden war die „alte“ Stimmung wiederhergestellt – zum Glück! Wir tauschten dahingehend noch ein paar Nachrichten aus und keiner trug dem anderen etwas nach.

Das hätte allerdings auch tüchtig ins Auge gehen können, nicht jeder ist so – wie mein Freund – hart im Nehmen. Zumal es nicht die erste Eifersuchtsattacke war, die ich ritt. Innerhalb unserer Beziehung ist das vielleicht zweimal vorgekommen (wir sind ein bisschen über ein Jahr zusammen…). Der Anlass war immer derselbe: ich wurde in einer bestimmten Situationen einfach an alte Wunden erinnert – emotional.

Dennoch: diesmal schwor ich mir, dass es eine Wiederholung einer solchen Eifersuchtsattacke meinerseits nicht geben wird!

Denn: hätte ich vorher noch mal Luft geholt und ein wenig Geduld gehabt, bis seine Antwort eingetroffen wäre, hätte man sich diesen überflüssigen Streit erspart.

Dass dieser mir bis in den Abend nachhing und zudem extrem auf Magen und Darm geschlagen hatte, muss ich wohl nicht extra erwähnen! Deshalb ein Ratschlag, den ich nicht nur mir selbst gebe, sondern der wahrscheinlich für jede Frau, die ähnlich tickt wie ich, gut ist:

tief, tief Luft holen, wenn das Kopfkino die Kontrolle über einen übernehmen will!

Denn – wir wissen es doch: die allermeisten Eifersuchtsszenen sind absolut unbegründet, so wie auch in meinem geschilderten Fall. Sie müssen absolut nicht sein und sind auch definitiv zu verhindern.

Einfach nur schön und ruhig atmen, sich kurz ablenken, die aufwallende, innerliche Emotion runterfahren. Ich weiß, das ist nicht (immer) leicht, aber doch machbar.

Finde ich zumindest. Ich werde mich selbst dranhalten. Weil ich erwachsen und nicht am Ende meiner Beziehung wegen einer Nichtigkeit interessiert bin!

In diesem Sinne: ohhhmmmmm!

PS: Wer über die wissenschaftliche Seite dieses negativen Gefühls etwas erfahren möchte, schaut hier.

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Ein Gastbeitrag von Manuela.

ER lässt seine Klamotten – vorzugsweise Socken – einfach irgendwo herumliegen und SIE hat die Marotte, Schokoladenverpackungen für die gelbe Tonne erstmal irgendwo in der Küche zu deponieren, statt sie gleich ordnungsgemäß zu entsorgen.

Szenarien, die so oder ähnlich wohl in jeder Beziehung auftreten. Zoff liegt dann meist in der Luft – aber das muss eigentlich gar nicht sein! Selbst, wenn die oben geschilderten oder ähnlichen Marotten wieder und wieder auftreten, sollten Frauen und Männer in einer Paarbeziehung diese akzeptieren.

Denn: beginnt der eine erstmal damit, sich über eine Nichtigkeit nicht aufzuregen, sondern wird ohne große Worte aktiv, wird der andere im Gegenzug das mit hoher Wahrscheinlichkeit auch tun.

So schleichen sich dann auch Angewohnheiten ein, aber solche, die keinen Streit auslösen.

Warum nicht seine Socken einfach aufheben?

Ein Beispiel:

ratzt ER abends auf der Couch ein und hat vorher noch seine Socken auf dem Wohnzimmerteppich verstreut, bricht SIE sich keinen Zacken aus der Krone, wenn sie diese einfach aufhebt und in die Schmutzwäsche wirft.

Die Wahrscheinlichkeit ist zudem hoch, dass ER sich auf einem anderen Gebiet revanchiert – und so zum Beispiel die Schokoladenverpackung, die von ihr noch in der Küche rumliegt, in den dafür vorgesehenen Behälter bugsiert.

Natürlich ist es nur ein Beispiel von vielen, aber es ist MEIN Beispiel, aus MEINER Beziehung.

Mein Partner und ich haben – ehrlich gesagt – kaum noch Streit wegen irgendwelcher Nichtigkeiten, denn so wie in dem Socken/Schokopapier-Beispiel verfahren wir auch mit anderen Kleinigkeiten, die im Alltag schnell den ultimativen Nerv-Faktor erlangen können.

Wenn ich deshalb in irgendwelchen Frauenforen lese, dass diese Art Marotten in anderen Beziehungen kontinuierlich den Haussegen schief hängen lassen, kann ich nur müde lachen.

Mit den Jahren kommt die Entspanntheit

Das liegt aber vielleicht auch daran, dass ich Ü-40 bin, genauer gesagt: Mitte Vierzig. Mit Anfang Zwanzig hätte ich sowas wahrscheinlich eher nicht so locker gesehen, aber mittlerweile bin ich da mega-entspannt.

Ich merke, mir fällt bei solchen Nichtigkeiten, die ich mal eben für meinen Partner erledige, kein Zacken aus der Krone und mein Selbstbewusstsein leidet auch nicht. Warum sich also den Beziehungsstress wegen irgendwelcher Ticks antun? Ich selbst habe sie ja auch (die Ticks) und mein Partner reagiert damit auf seine Art. Indem er regelmäßig für mich die gelbe Tonne ansteuert.

Klingt alles – hier so runtergeschrieben – natürlich eher unromantisch, aber derart entspannt mit solchen Angelegenheiten umzugehen, zahlt sich für die Beziehung aus! Zumindest in meiner.

Warum soll ich also diese Erfahrung nicht weitergeben?! Denn: Beziehungsstress war gestern, irgendwann kommt man in das Alter, wo man (FRAU) einfach entspannter wird.

Ob es die Lebensjahre sind oder nicht, sei mal dahingestellt.

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