Sonntag, 25. September, 2022

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Hahnenschrei am Morgen: Wer (L)A(ndleben) sagt, muss auch B sagen! – Gastartikel

„Kikerikiiiii, Kikerikiiii“ – Mit schrillem Schrei krächzt seit wenigen Tagen ein Hahn durch das erste Morgengrauen. Nicht weit von unserem Fenster, das wir nachts stets geöffnet haben, entfernt. Vielleicht gerade mal 30 Meter – wenn überhaupt.

Das ist so, weil unser Nachbar vor kurzem einen Hühnerstall gebaut hat und das Federvieh jetzt munter dort umher stakst. Die Vorbereitungen dazu hatte er schon vor langer Zeit getroffen, doch sollte es noch mehr als drei Jahre dauern, bis Leben in den Stall kam.

Allmorgendlich ertönt der Hahnenschrei

Nun ist es soweit und das markante Krähen setzt allmorgendlich ein. Obwohl ich nun schon ein paar Mal lange vor meiner offiziellen Aufstehzeit von dem Federvieh geweckt wurde, stört mich der Schrei des Tieres in keinster Weise.

Ich bin vor fast zehn Jahren aufs Land gezogen und genieße nach einem quirligen Großstadtleben das dörfliche Leben sehr. Das Läuten der kleinen Kirche, der würzig-frische Duft in der Luft, die Natur vor der Haustür.

Irgendwie finde ich die neue Tonkulisse auf irgendeine Art auch total faszinierend und – ja, ganz ehrlich! – auch bereichernd.

Das Federvieh gehört zum Dorfleben dazu

Denn was ist schon echtes Dorfleben ohne Hahnenschrei? Eben! Dass es unzählige Leute gibt, die ob solcher Geräusche vor den Kadi ziehen, kann ich nicht verstehen. Ebenfalls unverständlich finde ich das Verhalten der Menschen, die sich am Bimmeln von Kuhglocken stoßen – der Fall ging ja ewig durch die Presse.

Fakt ist: Wer sich für`s Landleben entscheidet und als Großstädter in ein kleines „Mokchen“ zieht, sollte tatsächlich auch ein Faible für das Gesamtpaket mitbringen und nicht nur nach dem Waldrand zehn Meter weiter schielen.

Mokiert man sich als neu Hinzugezogener über Dinge, die auf dem Land üblich sind, kann man es sich ganz schnell mit den Alteingesessenen verscherzen. Wenn man bis dato überhaupt angenommen wurde, was oftmals recht lange dauern kann.

Städtische Überheblichkeit ist fehl am Platz

Aber: Einmal als Dorfbewohner akzeptiert, findet man in den alteingesessenen Leuten vom Land zumeist treue Seelen, die freundlich und hilfsbereit sind.

Zumindest ist das meine Erfahrung in Sachen Landleben.

Deshalb: Auch wenn sich ab und zu städtische Übernachtungsgäste von mir über den frühen Hahnenschrei auslassen und das wohl eher als negativ ansehen – für mich macht der neu hinzugekommene gefiederte Geselle mein „Landei“-Leben perfekt!

Leserin Grit, 38 Jahre, lebt in einem Dorf bei Dresden und hat diesen Gastbeitrag für uns verfasst.

Bildnachweis: pexels.com

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