Samstag, 24. September, 2022

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Hochzeitsfotografen Alina und Patrick: „Zu zweit können wir die Geschichte unserer Paare perfekt erzählen“

Als Paar Paare fotografieren, an ihrem schönsten Tag im Leben: Das ist der Job von Alina und Patrick Löhl (im Bild). Die Eheleute aus Darmstadt sind professionelle Hochzeitsfotografen und begleiten Brautpaare am Tag ihrer Hochzeit vom ersten Styling bis hin zum Sonnenuntergang.

Warum es für das Brautpaar einen Mehrwert bringt, von zwei Fotografen an seinem Festtag begleitet zu werden und es sich während eines solchen Ereignisses zu zweit entspannter arbeiten lässt, erzählen Alina und Patrick im Interview.

Interessante Einblicke in die Welt der Hochzeitsfotografen

Zudem geben sie Einblicke in aktuelle Veränderungen und Folgen, die die Coronakrise sowohl für Hochzeitspaare, als auch für Hochzeitsfotografen mit sich bringt.

FB: Alina und Patrick, ihr seit eigentlich noch ganz frisch verheiratet – seit 2019. Seit wann arbeitet ihr als Team zusammen in der Hochzeitsfotografie?

Wir lernten uns Anfang 2016 kennen und betreiben die Hochzeitsfotografie seit 2017 als Team. Im September 2019 haben wir standesamtlich geheiratet und eigentlich wollten wir Anfang Juni 2020 in Form einer freien Trauung mit all unseren Verwandten und Freunden heiraten, allerdings musste unsere Hochzeit wegen Corona auf Juni 2021 verschoben werden.

FB: Worin besteht der Vorteil, zu zweit den Hochzeitstag eines Paares fotografisch zu begleiten? 

Da wir bei Reportagen immer zu zweit fotografieren, teilweise auch zu dritt, wenn unsere liebe Assistentin Vanessa dabei ist, entgeht uns nichts vom Tag. Alleine auf Hochzeiten unterwegs zu sein, ist immer ein kleiner Marathon. So genießen wir den Luxus, uns die Arbeit aufzuteilen. Außerdem ist es eine große Entlastung, einen Partner auf Hochzeiten dabei zu haben.

Der Hochzeitstag aus verschiedenen Blickwinkeln

Auf Hochzeiten passiert jede Menge und der Druck, alle Momente für unsere Paare einzufangen ist groß. Durch unseren Partner entlasten wir uns gegenseitig und tragen die Verantwortung zu zweit.

Wir können unsere Reportagen dadurch aus zwei, teilweise drei völlig verschiedenen Blickwinkeln dokumentieren.

Mal nah, mal weiter weg oder völlig unbemerkt in der Gästemenge. So können wir die Geschichte unsere Paare perfekt erzählen, mit all den unbemerkten Augenblicken die das Paar am Tag gar nicht mitbekommen hat. Meist begleitet Alina so zum Beispiel das Getting Ready der Braut, während Patrick das Getting Ready des Bräutigams begleitet.

Zusammen können wir gleichzeitig an zwei Orten sein und viel mehr kostbare Momente einfangen als ein einzelner Fotograf.

FB: Ihr seid sowohl beruflich als auch privat ganz viel zusammen. Eher ein Vorteil oder ein Nachteil? Wie empfindet ihr es? 

Bisher nur Vorteile. Wir arbeiten gern zusammen. Wir können uns zu 100% auf den anderen verlassen. Dadurch sind wir auch deutlich schneller in unserem Workflow und können immer mehrere Projekte auf einmal fertigstellen. Außerdem ist es eine enorme Entlastung, wenn man gemeinsam mit seinem Partner arbeitet.

Hochzeitsfotografen haben keinen 8-Stunden-Tag…!

Hochzeiten sind anstrengend, besonders weil unser Tag meist kein typischer 8-Stunden-Tag ist. Meist begleiten wir unsere Paare mindestens 10 – 12 Stunden und mit Anfahrt und Abfahrt haben wir oft einen 15-Stunden-Arbeitstag. Mit dem Partner an seiner Seite empfindet man diesen Arbeitstag als nicht mehr so stressig und viel angenehmer.

Der Vorteil ist auch, dass wir uns viel öfter sehen, wie wenn nur einer von uns auf Hochzeiten unterwegs wäre. Dann wäre der andere am Wochenende nur auf Hochzeiten unterwegs und unter der Woche würde man normal arbeiten. Dann sieht man seinen Partner nicht gerade viel, so etwas kann eine Beziehung belasten. Umso besser für uns, wir verbringen auch beruflich viel Zeit miteinander und genießen das.

FB: Wie sieht ein typischer Tag, an dem ihr ein Brautpaar mit der Kamera begleitet, aus?

Meistens fangen wir mit dem Getting Ready von Braut und Bräutigam an. Wir lieben es, die nervösen und schönen Augenblicke festzuhalten. Während Alina das Getting Ready der Braut begleitet, begleitet Patrick meistens den Bräutigam.

Emotionale Momente perfekt eingefangen

Wir richten Kleid, Anzug und die Accessoires her, um diese bestmöglichst zu fotografieren. Besonders lieben wir die Momente zwischen Braut oder Bräutigam und ihren Liebsten, die die Anspannung miteinander teilen und ihnen beim fertig machen helfen. (Kleid schließen, Fliege usw. richten.)

Nach dem Getting Ready treffen wir uns meistens zum First Look Shooting. Dort sehen sich die beiden ganz alleine zum ersten Mal. Super intim und emotional. Perfekt für die schönsten Bilder!

Der Vorteil beim First Look ist, dass man danach nicht nochmal von den Gästen weg muss, und den Tag stressfreier genießen kann. Außerdem kann sich das Paar beim ersten privaten Zusammentreffen viel mehr fallen lassen, wenn sie alleine sind, wie wenn der Bräutigam die Braut am Altar das erste Mal sieht. Die beiden werden von keinen sitzenden Gästen abgelenkt, sondern können in dem Moment des First Look Shootings ihren Emotionen freien Lauf lassen. Hierbei entstehen die wohl emotionalsten Bilder des Tages.

Impressionen einfangen, die das Paar nicht mitbekommt

Während der Trauung halten wir alle wichtigen Momente zwischen dem Paar und den Gästen fest. Alina konzentriert sich hierbei auf den Einzug der Braut und ihre Reaktionen und Patrick auf den Bräutigam. Während der Trauung bemerkt man uns nicht. Neben dem Geschehen fangen wir natürlich die Reaktionen der Gäste und vor allem der Brautpaareltern ein.

Beim Sektempfang findet man einen von uns im Gästegetümmel, um die Dekoration zu fotografieren, während der andere die Gratulationen und Gruppenbilder festhält. Im Verlauf des Tages fangen wir all die Momente ein, die das Paar nicht mitbekommt. Umso mehr freut es sich bei der Bildübergabe. Wir lieben besonders die ungestellten Momente, die spontanen Augenblicke, die an dem Tag passieren.

Zum späten Abend gehen wir mit dem Brautpaar nochmal kurz raus, um romantische Bilder im Abendlicht zu machen. Das magische am Abendlicht ist die tiefer stehende Sonne. Im Gegensatz zum harten Mittagslicht wird das Paar hier von einem weichen abendlich- romantischen Licht umhüllt und die Bilder wirken nochmal viel magischer als die ersten Paarbilder.

Fotos im Abendlicht: Unbedingt!

Deshalb würden wir jedem Paar empfehlen, unbedingt im Abendlicht Fotos zu machen.

Während des Essens lieben wir es, Kinder, die Eheringe und kleine Pärchenshootings mit den Gästen zu fotografieren.

Zu guter Letzt stehen noch der Brautpaartanz und die Feier an. Es ist schön, mit der feierwütigen Meute Spaß zu haben und die letzten feierlichen Momente bildlich festzuhalten.

FB: Wieviele Hochzeiten fotografiert ihr jährlich so im Durchschnitt – ohne Coronakrise? 

In der Regel fotografieren wir bis zu 25 große Hochzeiten und noch so ca. 5 bis 7 standesamtliche Hochzeiten. Da kommen aber die Anfragen eher kurzfristiger für rein.

FB: Stichwort: Corona. Vielen (Solo)Selbständigen brachen die Aufträge weg, Hochzeiten wurden vielerorts verschoben. Welche Auswirkungen hatte die Virus-Krise bis jetzt auf euer Business? 

Aufgrund der ganzen Verschiebungen und teils Absagen war es rein wirtschaftlich gesehen kein besonders gutes Jahr. Durch die Verschiebungen aufs nächste Jahr haben wir natürlich viel weniger freie Tage um neuen Paaren die Chance zu geben, uns als Fotografen zu buchen.

Coronakrise lässt auch den Hochzeitsfotografen Einnahmen wegbrechen

Sprich: Es fehlen für knapp zwei Jahre die Einnahmen. Das ist angesichts der aktuellen Lage sehr bitter für uns und alle anderen Dienstleister. Leider gibt es bisher auch kaum eine Hilfe für die Solo-Selbstständigen, so dass die meisten Dienstleister bzw. Arbeiter aus der Veranstaltungsbranche bei den Coronahilfen leer ausgehen. Hier muss dringend nachgebessert werden!

Auch die im November versprochene Hilfe wird den Dienstleistern aus der Branche kaum helfen, da sie am Novembereinkommen des letzten Jahres bemessen wird, und wie man weiss, verdient unsere Branche ihr Geld in der Sommersaison.

FB: Da keiner weiß, wie lange uns das fiese Virus noch im Griff hat, wird sicher auch bald wieder geheiratet, nur vielleicht ja anders. Welche Beobachtungen macht ihr hier, gibt es schon gewisse Trends oder Strömungen in eurer Branche, die als Konsequenz auf Corona entstanden sind?  

Ein paar Trends können wir schon beobachten.

Sie werden beispielsweise Tiny- oder auch Micro-Weddings genannt.

Kurz bevor für uns die Saison zu Ende ging und die Maßnahmen wieder verschärft wurden, durften wir noch zwei Hochzeiten mit 25 und 50 Gästen begleiten.

Locations in der Natur finden mehr und mehr Anklang

So heiratet man nur im engsten Kreis. Was wir aber am schönsten finden, sind Elopements. Nur das Brautpaar und evtl. die 5 bis 10 engsten Angehörigen und wir als Fotografen.

FB: Welche Locations kommen in der aktuellen Situation für Heiratswillige in Frage – habt ihr Tipps? 

Ein wunderschöner Ort – beispielsweise in den Bergen, am Strand oder wo man vielleicht zum ersten Mal den Urlaub verbracht hat (das ist natürlich momentan nicht so einfach mit dem reisen…). Ganz intim und emotional.

Leider ist der Trend noch nicht so ganz bei uns angekommen. Da hier meistens groß gefeiert wird. Aber er findet angesichts der anhaltenden Situation immer mehr Zuspruch.

FB: Was schätzt ihr an eurem Job am meisten? 

Dass wir mit unserer Foto und Videografie Momente für die Ewigkeit festhalten dürfen.

FB: Was macht ihr, wenn ihr Freizeit habt? Gibt es Hobbys? Wie entspannt ihr? 

Patrick kocht und backt gerne Brot. Alina liebt es, sich um ihre Pflanzen und unsere Tiere zu kümmern. Wir lieben es in der Natur zu sein, reisen gerne oder liegen gemütlich mit unseren zwei Katzen auf der Couch. Eine große Leidenschaft, die wir miteinander teilen sind Spieleabende mit Freunden und Sushi essen.

Bilder / Copyright: Alina und Patrick Löhl

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