Beiträge

Frau schaut aus Wohnwagen

Wut, Verzweiflung, Entsetzen und Tränen. Diese Gefühle vereinen sich zu einer fiesen Melange, wenn einen der Herzschmerz ereilt. Eine aufgeflogene Affäre, eine Trennung oder ein halbherziges „Die-Gefühle-reichen-nicht“ in einer Kennenlernphase – es gibt viele Gründe, warum Leute Liebeskummer haben. Wer ihn je hatte, wird bestätigen können, dass man in diesem Zustand eines nicht bewerkstelligen kann: die Herausforderungen, die der Berufsalltag mit sich bringt.

Wer gerade erfahren hat – womöglich noch aus zweiter Hand – dass der eigene Partner sich mit einer anderen Frau vergnügte oder sich via Singlebörse in jemanden verliebt hat, der ihn aber eiskalt abserviert, der will erstmal nur seine Ruhe. Um den Schmerz zu verarbeiten und den Liebeskummer rauszulassen. Meistens geschieht dies bei Frauen durch Dauergespräche oder – telefonate mit der besten Freundin, mit viel Schokolade und oft auch mit viel Alkohol und Nikotin.

Manche können bei Liebeskummer ihr Zuhause nicht ertragen

Hinzu kommen schlaflose Nächte. Denn die wenigsten können in so einer Situation abends ins Bett gehen und ganz normal schlafen. Meist ist das Gegenteil der Fall: Man liegt (weinend) wach oder aber verbringt die Abende und Nächte außer Haus, weil man die Leere in den vier Wänden nicht ertragen kann.

Obgleich Liebeskummer hierzulande offiziell nicht als Krankheit eingestuft ist, so gibt es doch verschiedene Möglichkeiten, sich mit den Symptomen, die Liebeskummer verursacht, an einen Arzt oder auch an einen Psychologen zu wenden. Inwieweit man dann krank geschrieben wird, entscheidet natürlich der jeweilige Experte.

Nur: wie sinnvoll ist es, sich mit tränendickem Gesicht und ohne Konzentration an seinen Arbeitsplatz zu begeben? Vor allem dann, wenn man in Berufen arbeitet, von denen auch Menschenleben abhängen können? Wo die kaufmännische Angestellte im Büro vielleicht den Tag noch irgendwie herumbringt, ohne ein Menschenleben zu schaden, dürfte es bei einem Piloten oder einer Krankenschwester, die mit spezieller Medikamenten-Vergabe zu tun hat, schon anders aussehen.

Herzschmerz verursacht in der Wirtschaft hohen Schaden

So oder so: für die jeweiligen Unternehmen verursacht Liebeskummer definitiv einen Schaden. Wie hoch, das veröffentlichte jetzt das Magazin infranken.de. Hier ist dazu folgendes zu lesen:

„(…)Damit entpuppt sich Liebeskummer als milliardenschwerer Wirtschaftsfaktor: Angenommen jeder der 16 Prozent wäre nur genau einen einzigen Tag zu Hause geblieben, ergeben sich laut Studie insgesamt mindestens 6,6 Millionen Arbeitsunfähigkeitstage. Das bedeute einen Produktionsausfall von über 774 Millionen Euro und ein Verlust an Bruttowertschöpfung von mehr als 1,4 Milliarden Euro. Die Rechnung basiert auf der Gesamtarbeitnehmerzahl von 40,61 Millionen und einem durchschnittlichen Arbeitnehmerentgelt von 42.984 Euro jährlich.(…)“

Da kommt schon was zusammen – und das alles nur wegen dem gehassten Herzschmerz…!

Dass dagegen aber ein Kraut gewachsen ist, dem ist bekanntlich nicht so. Denn Liebeskummer wird es geben, solange es die Liebe gibt. Trennungen, Affären, Lügen und Heimlichkeiten sind leider ein Bestandteil vieler Beziehungen in der heutigen Zeit. Von den Herzen, die in den vielen Singlebörsen gebrochen werden, ganz abgesehen. Denn auch sehr kurze Verbindungen wie Kennenlern- und Beziehungsauftaktphasen können heftiges Herzeleid verursachen, wenn die Gefühle einseitig sind.

Das Internet ist voll davon.

Viele Singlefrauen haben deshalb auch die Nase voll vom Online-Dating. Der Herzschmerz, der nicht selten auf eine Verliebtheit folgt, ist zu deprimierend. Allerdings ist das freilich kein Alleinstellungsmerkmal der Partnersuche im Internet. Auch offline wird betrogen und gelogen, was das Zeug hält. Der fiese Liebeskummer kann überall zuschlagen. Von jetzt auf gleich – was ja das Tückische an ihm ist.

In der Liebe geht´s nicht ohne Risiko…!

Ihm entrinnt nur, wer sich nicht bindet und die Partnersuche nicht angeht. Aber das ist natürlich keine Alternative, logisch! Insofern gilt: volles Risiko in der Liebe. Alles oder nichts. Oder: Wer wagt gewinnt. Und Gewinner gibt es trotz so vieler Liebeskummer-Fälle immer noch genug!

Sollte er auch Sie (irgendwann) mal wieder ereilen, dann gilt aber definitiv: Zuhause bleiben und den Herzschmerz verarbeiten, ist nicht die schlechteste Variante. Die Wirtschaft wird es verkraften können.

Wer aktuell im Liebeskummer-Dilemma steckt, dem sei unsere große Liebeskummer-Serie empfohlen!

Recherchenachweis: infranken.de

Bildnachweis: pexels.com

 

"

Charismatisch, unaufgeregt und skandalfrei – so kennt man Mario Adorf. Der Schauspieler, der in diesem Jahr 89 Jahre alt wird, gehört zur „alten Garde“ derer, die im Filmbusiness noch mit echter Ausstrahlung aufwarten und ihr Können zu 100 Prozent beherrschen.

Insofern ist Mario Adorf mit seinem künstlerischen Schaffen irgendwie immer präsent. Im Fernsehen und auch am Theater. Privat indes äußert er sich eher selten, weshalb ein Interview, das er dem SPIEGEL – Ausgabe 18 / 2019 – gab, aufhorchen lässt. Denn im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin äußerte sich der beliebte Darsteller sehr offen zum Thema Liebe.

Mario Adorf hat seine eigene Meinung zur Verliebtheit

Und plauderte zudem auch ganz pragmatisch in Sachen seines hohen Alters. Frank und frei gibt er zu, für seine Einkäufe einen Wagen mit einer Tasche zu benutzen. In dem Gespräch wird Adorf, der seit 33 Jahren in zweiter Ehe mit der Französin Monique verheiratet ist, auch auf das Zwischenmenschliche angesprochen. Und gibt erstaunliche Antworten. Danach gefragt, ob man in seinem Alter noch verliebt sein kann, erwidert Adorf, dass er glaubt, dass Verliebtsein eine sehr jugendliche Angelegenheit ist, die sich verliert.

Sein Gegenüber fragt nach, wann das denn ungefähr eintritt, dieses „verlieren“ und fragt, ob das vielleicht so um die 50 herum geschieht?

Darauf erwidert Mario Adorf:

„Viel früher. Verliebtheit gibt es nur in der Jugend. Ein paar Rückfälle, ja, sicher“

Und dann äußert er sich über die Dinge, die die Liebe im Alter ausmachen, verweist auf das Zusammengehörigkeitsgefühl. Vertrauen, Verlässlichkeit und Zuneigung sind die Attribute, die der Schauspieler aufzählt. Zudem überrascht er mit einem Statement zur Zärtlichkeit. Er sagt:

„Und Zärtlichkeit. Die muss nicht abnehmen, vielleicht sogar zunehmen.“

Bezogen auf seine eigene Beziehung macht Adorf keinen Hehl aus seiner Einstellung und gibt seltene, intime Details im Zusammenhang mit seiner Partnerin preis. Er gesteht, dass die Verliebtheit zu seiner Frau Monique nach ein paar Jahren nicht mehr da war, verweist aber auf das Gefühl und den Glauben, dass man zusammengehört und den richtigen Partner für sich gefunden hat.

Trotz gewisser Verführungen – die Verantwortung zählt!

Starke Worte, die zudem sämtliche Hysterie um den noch immer weit verbreiteten Irrglauben, dass eine Verliebtheit bitte schön ganz lange – wenn nicht gar für immer – anhalten soll Lügen strafen! Ebenso lässt in einem Zeitalter, in dem medial und gesellschaftlich allethalben Affären und Seitensprünge als eine Art Lifestyle in den Himmel gehoben werden, Adorfs Aussage zu Affären aufhorchen.

Dass so ein Mann in seinem Leben gewissen Verführungen ausgesetzt war und ist, glaubt man sofort. In dem besagten Interview redet er darüber, als er darauf angesprochen wird, ob eine Affäre eher glücklich oder traurig macht.

Hierzu sagt er:

„(…)Nein, da hat man schon eine gewisse Verantwortung. Auch vor sich selber.“

Jungen Paaren von heute bescheinigt der Charakterkopf, dass sie sich oft sehr schnell scheiden lassen. Adorfs Einstellung hierzu:

„Nach dem ersten Seitensprung fängt eine Beziehung erst an(…)“

Starke Worte, starke Einstellung! Das trifft ebenso auf Adorfs Beziehung zu seinem Alter zu. Er spricht an, dass mit fortschreitender Lebenszeit das Glück weniger wird. Oder zumindest das, was man als Glück bezeichnet.

Starke Worte von Charakterkopf Adorf

Mario Adorf sagt:

„Man ist dann mit „Glückchen“, also mit kleinen Glücksmomenten zufrieden.“

Natürlich wird er darauf angesprochen, welche Momente das sind – die kleinen „Glückchen“.

Darauf antwortet die Leinwandgröße ganz schlagfertig:

„Irgendjemand hat gesagt: guter Schlaf und gute Verdauung“

Bildnachweis: picture alliance / NurPhoto

Recherche: SPIEGEL, Heft 18 / 2019

 

"

Paar am Meer

„Deutsche Sprache, schwere Sprache“ – wer hat diesen Ausspruch noch nicht benutzt?! Meist seufzt man ihn dahin, wenn man über eine bestimmte Kommasetzung grübelt. Oder ein anderes Problem mit der manchmal tückischen deutschen Rechtschreibung hat. Diese schöne Sprache löst aber auch noch andere Reaktionen aus. Und zwar lustige! Ich stellte das immer wieder in der Kommunikation mit Leuten aus dem ehemaligen Westen fest. Und zwar stets im Zusammenhang mit einer Ost/West-Liebe.

Denn es gibt eine Menge Begriffe aus DDR-Tagen, die – abseits von Dialekten, was noch mal was anderes ist – Menschen aus Westdeutschland nicht kennen. Und deshalb auch nicht verstehen.

„Heftzunge“ regte in Ost/West-Liebe zum Schmunzeln an

Das erste Mal bemerkte ich das, als ich vor langen Jahren mit einem Partner aus Baden-Württemberg zusammenlebte und er das Wort „Aktendully“ nicht kannte. Er meinte, das hieße „Heftzunge“. Ich hatte diesen sperrigen Namen noch nie gehört und benutze bis heute den Begriff „Aktendully“ für eine gelochte Plastikklammer, die man für das Einheften in Ordner verwendet.

Dass diese Irritationen in Sachen Sprache und Ausdruck anhalten sollten, erfuhr ich in der darauffolgenden Zeit, in der ich wiederum mit einem Partner aus Westdeutschland liiert war. Die Worte „Kaufhalle“ (für Supermarkt) oder „Zellstofftaschentuch“ (für ein Tempotaschentuch) waren ihm völlig fremd. Ich dagegen kannte – zum Beispiel – den Begriff „Trinkhalle“ nicht. Er steht vor allem im Ruhrgebiet für eine Art Imbiss.

Mittlerweile habe ich eine Familie und mein jetziger Partner stammt – wieder aus Westdeutschland. Obwohl die Thematik der verschiedenen Begriffe, bei denen einer nur Bahnhof versteht lange Zeit vom Tisch war, flammte sie kürzlich wieder auf. Wir renovierten und wollten in einem Raum Teppichboden verlegen. Obwohl mir das Wort „Teppichboden“ lange schon in Fleisch und Blut übergegangen ist, verwandte ich den Begriff „Auslegware“. Den aber kannte mein Partner gar nicht und fragte, was ich wohl meine? Ich erklärte es ihm, er schüttelte schmunzelnd den Kopf.

Auch andere Ost/West-Paare kennen das

Nur kurze Zeit später waren wir erneut bei einem speziellen DDR-Begriff, diesmal ging es um die „LPG“. Wir wohnen ländlich und fuhren kürzlich an bäuerlichen Stallungen vorbei. „War wahrscheinlich früher mal LPG“ antwortete ich, als mein Kind mich etwas im Zusammenhang des ländlichen Gewerbe-Anwesens fragte. Natürlich verstand der Nachwuchs ebenso wie mein Partner nur Bahnhof und ich erklärte, dass „LPG“ in der DDR für „Landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaft“ stand.

Offenbar ist die Bezeichnung für Leute, die nicht mit dem Begriff aufgewachsen sind, sehr sperrig und schwer zu merken, denn als wir auf der Rückfahrt wieder an dem Gelände vorbeifuhren, fragte mein Partner: „Wie nannte man das damals nochmal?“. Er fragt das bis heute, wenn wir dort lang kommen…!

Dass es auch anderen Paaren, die in einer Ost/West-Liebe verbunden sind, so geht, las ich vor kurzem in der Zeitung. Da wurde eine Frau porträtiert, die der Liebe wegen aus dem Rheinland nach Thüringen gezogen ist.

Ihr Mann trug ihr eines Tages – in Abwesenheit, er war auf Dienstreise – auf, dass sie eine „Eidechse“ voller Sand bestellen solle. Die Frau wusste mit dem Begriff „Eidechse“ im Zusammenhang mit Sand überhaupt nichts anzufangen. Dabei handelt es sich hier um einen kleinen LKW, einen Multicar. Er kam in der DDR ständig zum Einsatz und wurde „Eidechse“ oder auch „Echse“ genannt.

Von „Polylux“ bis „Dederon“

Erst, als sie über den Begriff aufgeklärt wurde, konnte die besagte Frau dann agieren. Was ja auch logisch ist! Ähnlich nur Bahnhof verstanden hat auch ein Kollege von mir, mit dem ich mich irgendwann mal über die DDR-Schulzeit unterhielt und das Wort „Polylux“ einband. Er fragte, was ich meine, denn er hatte diesen Begriff nie zuvor gehört. Ich klärte ihn auf, dass der „Polylux“ im Unterricht als Overheadprojekter zum Einsatz kam. Einen solchen kannte er natürlich.

Ich bin mir sicher, dass es anderen Paaren, die ebenso eine Ost/West-Liebe leben, ähnlich geht und unterschiedliche Wortschöpfungen, die aus der langen deutschen Teilung resultieren und die im Alltag noch immer rege genutzt werden, für so manches Schmunzeln im Alltag sorgen.

Kein Wunder – manche Begriffe muten tatsächlich putzig an. „Dedoron“ zum Beispiel oder das hart ausgesprochene „Plaste“. Auch alles spezielle DDR-Begriffe, die beim in Westdeutschland oder West-Berlin aufgewachsenen Gegenüber auch heute noch für fragende Blicken sorgen (könnten).

Mal schauen, wie lange sie sich noch halten. Über die nächste Generation hinaus bestimmt nicht!

Wer sich schlau machen mag, über Dederon, Plaste & Co. kann hier klicken und in einer Liste weiterer skurriler Ossi-Begriffe schmökern! Schmunzeln garantiert…

Bildnachweis (Symbolfoto): pexels.com

"

Michael Wendler und Freundin

Sie wirken immer ein bißchen wie Vater und Tochter: der Wendler, dessen Haare seit Neuestem unnatürlich schwarz wirken und das junge Mädchen, das dem Alter nach der Nachwuchs des Sängers sein könnte. Beide sind seit einiger Zeit ein Paar und dominieren die Schlagzeilen. Der Altersunterschied von fast 30 Jahren ist ziemlich gewaltig, aber auch solche Beziehungen haben nicht selten ein Happy End. Wie wird das hier also ausgehen? Zumal Wendlers Neue, die 18jährige Lara, nunmehr plant, zu ihrem Michael in die USA zu ziehen.

Wendlers Neue will zu ihm in die USA ziehen

Dafür will sie in den Sommermonaten die Schule vorzeitig beenden. Danach soll es für immer in die USA gehen, auswandern ist angesagt! Und wie schon Wendler selbst, will auch seine Neue sich bei diesem Vorhaben medial begleiten lassen. Die Schülerin wird also wohl zukünftig häufiger auf der Mattscheibe erscheinen, denn das Format „Goodbye Deutschland“ will die Auswanderin und ihren reifen Freund mit der Kamera begleiten.

Die Doku hat in der Vergangenheit schon mit vielen Tops und Flops aufgewartet – es bleibt spannend, in welcher Kategorie der Wendler und Lara sich demnächst wiederfinden.

Wer sich für das ungewöhnliche Paar und dessen Unterfangen interessiert, sollte am 25. März 2019 den Fernseher anmachen, VOX einschalten und „Goodbye Deutschland“ gucken.

Bildnachweis:

TVNOW / Seema media

Eine wahre Geschichte. Als Petra im Mai vor 4 Jahren, an einem sonnigen Samstagnachmittag, Heiko kennenlernte, hatte sie einige Wochen zuvor in gedrückter Stimmung mit uns ihren 35ten Geburtstag gefeiert, und fühlte sich derzeit etwas verloren. Ihrer Meinung nach ging sie in viel zu schnellen Schritten auf die 40 zu, außerdem hatte sie gerade erst eine unbefriedigende Beziehung hinter sich gebracht.

Während sie unentschlossen die Eiskarte in einem Straßencafé studierte, wurde sie von einem Mann Mitte 50 angesprochen, der höflich bat, bei ihr am Tisch Platz nehmen zu dürfen. Sie hatte nur wortlos genickt, denn ihr war nicht nach Unterhaltung zumute gewesen. Vor einer Woche hatte sie sich von ihrem Lebensgefährten Björn nach 7 durchwachsenen Jahren getrennt und versuchte jetzt, mit der Tatsache klarzukommen, dass sie künftig wieder alles allein unternehmen musste. Bis ihr aufging, dass sie dies notgedrungen ohnehin immer getan hatte, denn Björn war die meiste Zeit ohne sie unterwegs gewesen.

Außerdem hatte er sich während der ganzen Dauer ihrer Bekanntschaft hartnäckig geweigert, eine gemeinsame Wohnung mit Petra zu beziehen, geschweige denn die Beziehung endlich vom Kopf auf die Beine zu stellen, denn Petra wollte verbindliche Zusagen und eine eigene Familie, das wünschte sie sich schon sehr lange. Sie arbeitete bei einem mittelständischen Unternehmen als Sekretärin der Geschäftsleitung, verdiente gut, und hatte einiges in ihrem Leben anders geplant, als es letztendlich mit Björn gelaufen war.

Männer kennenzulernen, wäre nicht das Problem gewesen, denn Petra war eine attraktive Erscheinung mit ihrem langen blonden Haar und dem ebenmäßigen Gesicht. Aber sie hatte sich vorgenommen, erst einmal die Geschichte mit Björn zu verdauen und dann zu überlegen, was sie mit dem Rest ihres Lebens anzustellen gedachte.

Nun saß sie also an diesem Maisamstag mit Heiko am Tisch und gab sich Mühe, ihn geflissentlich zu übersehen, was nicht ganz einfach war, denn er starrte sie mit unverhohlener Bewunderung hartnäckig an.
„Entschuldigung, Sie sind solch eine schöne Frau. Ich möchte Ihnen nicht zu nahe treten, aber darf ich Sie auf ein Eis einladen?“ fragte er, als Petra seinem Blick nicht länger auszuweichen vermochte.
Er war – wie erwähnt – 20 Jahre älter als sie, schlank, mit vollem, grauem Haar und einer lausbubenhaften Ausstrahlung. Seine blauen Augen funkelten, als säße ihm der Schalk im Nacken, und es war ihm anzusehen, dass er in seiner Jugend vermutlich ein echter Ladykiller gewesen war.

Beinahe zwei Stunden lang unterhielten sie sich über alles Mögliche, obwohl die Unterhaltung Petras Meinung nach zähflüssig verlief, denn sie hörte meistens nur zu und ließ ihn reden. Heiko besaß zwei gutgehende Fitness-Studios und verkaufte außerdem hochwertige Whirlpools und Sauna-Anlagen im gesamten Bundesgebiet, wie er erzählte. Er trug eine teure Uhr und hochwertige Kleidung, hatte tadellose Manieren und wirkte wie jemand, der sich nicht mit finanziellen Sorgen herumquälen muss.

Petra lauschte seinen Schilderungen, gab ein wenig, aber nicht allzu viel, von sich preis, und bezahlte dann ihr Banana-Split selbst, ehe sie sich distanziert verabschiedete. Er war ganz einfach nicht ihr Typ, die Geschichte mit Björn noch zu frisch, und sie würde den Teufel tun, sich auf einen neuen Mann einzulassen, schon gar nicht auf einen 20 Jahre älteren.

„Du kennst mich, ich bin bestimmt kein Snob“ erzählte sie. „Aber hey – mal ganz unter uns, der Mann ist Mitte 50. Sein offensichtliches Interesse fand ich schmeichelhaft, aber mehr nicht. Du weißt, dass ich mich nicht Hals über Kopf in was Neues stürzen würde.“ Sie klang ein klein wenig genervt, denn eigentlich hatte sie nur in Ruhe in der Stadt einen Kaffee trinken wollen.
„Der wird schon kapiert haben, dass ich nichts von ihm will“ meinte sie abschließend.

Doch da hatte sie Heiko gewaltig unterschätzt. Als sie am Montag darauf während ihrer Mittagspause am Schreibtisch gerade hastig einen Joghurt löffelte, erschien ein Bote von „Fleurop“ und überreichte ihr den größten Blumenstrauß, den sie je gesehen hatte. Eine Karte mit der Aufschrift „Ich möchte dich unbedingt wiedersehen, schöne Frau, ruf mich an, Heiko“ plus einer Handynummer, lag bei.

Überrascht nahm Petra die Blumen entgegen, bis ihr einfiel, dass sie ihm leichtsinnigerweise am Samstag mitgeteilt hatte, wo sie arbeitete. Darum steckte sie die Rosen in eine Vase und versuchte, nicht allzu viel darüber nachzudenken.

„Ich möchte momentan keine Beziehung, und mit dem sicher nicht“, berichtete sie mir nach Feierabend. „Es imponiert mir zwar, dass er sich die Mühe gemacht hat, sich zu merken, wo ich arbeite, aber der Mann ist einfach nicht mein Fall – zu spießig und zu alt.“

„Bist du sicher?“ fragte ich.
„Ich sag dir doch: zu alt und zu spießig“ wiederholte sie. „Meine Güte, er hört nur Schlager, ich mag Jazz und Rock. Und das sind nur die Kleinigkeiten, wie sieht es dann erst bei den größeren Dingen aus. Der Mann geht auf die 60 zu, der hat schon mehr wieder vergessen, als ich wahrscheinlich je gewusst habe. Klar haben wir uns ein wenig gegenseitig ausgehorcht, wie man halt so redet, wenn man sich überhaupt nicht kennt. Aber ganz ehrlich, Barbara, sogar wenn er 15 Jahre jünger wäre, würde ich ‚Nein‘ sagen. Es hat einfach nicht gefunkt.“
Damit war für sie die Sache erledigt.

Aber Heiko gab nicht auf. Nachdem Petra sich auf die Blumengrüße hin nicht gemeldet hatte, tauchte er eines Tages unangemeldet in ihrem Büro auf, mit einem Strauß Rosen in der Hand, und schaffte es, gleichzeitig verlegen, aber auch souverän und charmant zu wirken. Petras Kolleginnen waren tief beeindruckt. Sie hingegen fühlte sich belästigt.
„Ich habe keinen Stalker bestellt“, teilte sie mir säuerlich mit. „Der steht da einfach vor der Tür, mein Boss war gerade im Zimmer, weil er auf einen Ausdruck wartete, und ich musste deswegen gute Miene zum bösen Spiel machen. Wenn wir nicht ein kleines Unternehmen mit lockeren Umgangsformen wären, hätte das ins Auge gehen können.“

Allmählich dämmerte es Petra, dass sie an ein besonderes Exemplar Mann geraten zu sein schien: einen, der wusste, was er wollte. Und er wollte sie. Gar kein so übles Gefühl…

Nach der dritten Fleurop-Lieferung – einer Orchidee mit einer Schachtel Pralinen, gab sie sich geschlagen und nahm seine Einladung zum Abendessen in einem angesagten Sushi-Lokal an.
Heiko erschien pünktlich, rückte ihr den Stuhl zurecht, ließ ihr bei der Bestellung den Vorrang, schenkte ihr nach, als wäre er der Kellner, und behandelte sie mit auserlesener Höflichkeit.
„Zu schade, du hättest einen Mann verdient, der dich gut behandelt“ erklärte er ihr, als sie stockend von ihrer vor kurzem beendeten Beziehung erzählte. „Der wusste dich nicht zu schätzen. Du bist eine intelligente, warmherzige, bildschöne Frau und solltest deine Talente nicht verschwenden. Übrigens, ich könnte dir eine führende Position in meinem Unternehmen anbieten, denn ich suche gerade jemanden mit deinen Kenntnissen und Fähigkeiten. Würdest du bitte wenigstens darüber nachdenken? Du hast tadellose Umgangsformen, sprichst fließend Englisch und bist topfit am PC. Außerdem wärst du eine Zierde für mein Vorzimmer, das kommt noch hinzu.“
Wirklich wahr. Das habe ich mir nicht ausgedacht.

Es klang verführerisch, fand Petra, denn sie war unzufrieden mit ihrem derzeitigen Job – er verlangte ihr nicht allzu viel ab, ihr Boss war ständig unterwegs, und sie hätte gern etwas Verantwortung übernommen.
Allmählich schienen auch Heikos Erzählungen nicht mehr ganz so langweilig zu sein, im Gegenzug hörte er ihr immer aufmerksam zu. Er behandelte sie mit bewundernder, aber zurückhaltender Höflichkeit, hatte stets ein aufrichtig klingendes Kompliment parat, und fraß sie mit Blicken förmlich auf. Sie fühlte sich hübsch, begehrenswert und ein wenig geliebt, denn ein solches Maß an Zuwendung und Aufmerksamkeit war sie nicht gewöhnt. Es gefiel ihr.

„Ich bin mir vorgekommen wie die Königin von Saba“ strahlte sie, als sie mir von ihrem letzten Date erzählte.
„Wenn man so lange mit jemandem wie Björn zusammen war, ist es nicht selbstverständlich, dass man plötzlich von einem Typen wie eine Göttin behandelt wird. Weißt du was? Das tat richtig gut. Außerdem sieht er so übel nicht aus. Ich glaube, ich muss mal an meinen Vorurteilen arbeiten. 20 Jahre Altersunterschied sind doch gar nicht so schlimm, oder was meinst du?“

Ich meinte: nichts. Denn ich mische mich aufgrund einiger unschöner Erfahrungen nicht mehr in pikante Herzensangelegenheiten. Petra war eine selbständige, erwachsene, blitzgescheite Frau, sie würde wissen, was zu tun war.

Steter Tropfen höhlt den Stein, sagt der Volksmund. Und so arbeitete sich Heiko einige Wochen lang subtil, aufwändig und mühsam zu Petras verschlossenem Herzen vor, während er dabei souverän und scheinbar bescheiden blieb.
Zu jeder Verabredung brachte er eine kleine Aufmerksamkeit mit, vergaß nie, sie für ihr Aussehen zu loben, half ihr in den Mantel oder aus der Jacke, führte sie in noble Restaurants aus, in denen man ihn überschwänglich begrüßte, und war die Beflissenheit in Person.

„Er wurde nach über 20 Jahren von seiner Freundin verlassen“ erzählte mir Petra. „Die hat sich in jemand anderen verliebt. Jetzt sucht er wieder eine Frau, die ehrlich und treu ist, ihn nicht betrügt und vielleicht sogar mit ihm zusammenarbeitet, weil er meint, man kann sich heutzutage nicht mehr auf fremdes Personal verlassen. Ich denke ernsthaft darüber nach, in meiner Firma zu kündigen, er hat mir ein mehr als faires Gehalt angeboten und eine leitende Position, außerdem kommen wir prima miteinander aus.“

„Er war nie verheiratet?“, wollte ich nachhaken . Aber wieder sagte ich nichts. Ich gestehe: Es fiel mir sehr schwer.

Nach weiteren sechs Wochen, in denen Petra mit Heiko immer wieder ausgegangen war, auch ins Kino und einmal zum Tanzen, willigte sie endlich ein, mit ihm ein Lokal in seiner unmittelbaren Nachbarschaft zu besuchen, um dort die besten Rigatoni ihres Lebens (und anschließend das unausgesprochene „Dessert“) zu genießen. Beide wussten, was ihr Einverständnis zu bedeuten hatte, und die Zeit schien mehr als reif zu sein. Er hatte sich mehr Mühe gegeben als alle Männer vor ihm.

Heiko bewohnte einen ultramodernen Flachbau neben einem seiner Fitness-Studios in einem gediegenen Viertel der Stadt.
Als sie ihren Wagen in der aufwändig mit Mosaiken gepflasterten Einfahrt parkte, wartete er schon in der offenen Tür auf sie mit strahlender Miene. Er schien überglücklich zu sein, sie zu sehen – so, wie jedes Mal.

„Ich zeige dir deinen künftigen Arbeitsplatz“ bot er ihr an und führte die schwer beeindruckte Petra erst durch das geräumige und sehr gut besuchte Fitness-Studio und anschließend durch seine Firma, die sich mit dem Vertrieb von Whirlpools und Saunas beschäftigte.

Während sie durch die elegant-puristisch möblierten Geschäftsräume schlenderten, stockte Petra der Atem. So gediegen und vornehm hatte sie sich das alles nicht vorgestellt.
An diesem Mann war nichts Unseriöses – im Gegenteil. Er hatte wirklich was im Leben erreicht. Und das schien er mit ihr teilen zu wollen.

„Ich wollte endlich zur Ruhe kommen“, gestand sie mir. „Und er schien mir ein Mann zu sein, bei dem ich das könnte. Pfeif doch auf den Altersunterschied.“ Mittlerweile fand sie Heiko sogar außerordentlich attraktiv, und wenn er lächelte, lächelte sie zurück.

Aber verliebt war sie immer noch nicht. Sie glaubte nur, sie sei jetzt eben in einem Alter, in dem man Vorkehrungen für die Zukunft zu treffen hat, und ein gediegenes Mannsbild mit angenehmem finanziellem Background schien ihr nicht die schlechteste aller Optionen zu sein.
„Ich könnte ihn aber lieben, das kann man lernen“ redete sie sich ein.
Jemand, der sich solche Mühe gab, sie zu erobern, MUSSTE es einfach ernst mit ihr meinen.

Nach der Besichtigung aßen sie bei „seinem“ Italiener zu Abend. Heiko wurde mit der allergrößten Aufmerksamkeit behandelt, namentlich begrüßt und bekam eine Flasche Wein spendiert, nachdem der Wirt Petra ein paar Komplimente gemacht hatte. Es schien ein rundum gelungener Abend. Als Heiko nach dem Essen fragte, ob sie Lust hätte, noch ein Glas Wein mit ihm vor dem offenen Kamin zu trinken, nickte sie. Er hatte sich immerhin lange genug Mühe gegeben. Wochenlang hatte sie ihn zappeln lassen, war vorsichtig und misstrauisch gewesen und konnte sich jetzt sicher sein, dass er es ernst meinte. So lange kann man niemanden betrügen, oder?

Natürlich schlief sie anschließend mit ihm.
„Ich dachte keinen Moment, das müsste ich nur tun, weil er mir doch so viele Blumen und Pralinen geschenkt hat, oder weil er mich so hartnäckig umworben hat“ erzählte sie später.
„Nein, es war meine Entscheidung, meine ganz allein. Irgendwie fand ich ihn mittlerweile wirklich anziehend und liebenswert, trotz seiner merkwürdigen Vorlieben und Marotten. Er führte mich in seine Ankleide, und ich sag dir: Der besitzt 10 mal so viele Klamotten wie ich und würde garantiert nicht maulen wie Björn, wenn ich mir mal ein paar Schuhe kaufe.“

Sie schlief also mit ihm. Der Volksmund behauptet: „Einem alten Hund kann man keine neuen Kunststückchen mehr beibringen“. Laut Petras freimütigen Erzählungen kannte Heiko allerdings auch keine alten Kunststückchen.
„Hatte ich auch nicht erwartet“ gestand sie offen ohne jede Scheu. „Ich hatte mich dazu entschieden, mich auf ihn einzulassen. Mit Haut und Haaren. Weil ich dachte, dem kann man vertrauen, der weiß was er will, immerhin ist er Mitte 50 und hat schon einiges vom Leben gesehen. Der macht garantiert keinen Mist, dazu ist er viel zu erfahren, und er möchte in der Zeit, die ihm bleibt, was Festes haben, auf das er sich verlassen kann.“
Naja, Heiko wollte anscheinend aber doch wesentlich mehr vom Leben sehen, vor allem von weiblichem, aber dazu später.

Am nächsten Morgen wachte Petra frisch und ausgeruht aus, denn sie war in der Nacht zuvor nicht allzu sehr strapaziert worden. Heiko wartete in der Küche auf sie mit dampfendem Kaffee, Brötchen vom Bäcker und der Eröffnung, dass er sie bitten müsse, sich bald zu verabschieden und nach Hause zu fahren.
„Um 11:00 Uhr kommt meine Exfreundin und macht mir den Garten vor dem Haus neben der Einfahrt, das tut sie schon immer“ erklärte er ihr. „Es wäre nicht gut, wenn du noch hier wärest, ich glaube, das könnte sie verunsichern.“

Habe ich schon erwähnt, dass Petra eine aufgeweckte, intelligente und taffe Frau ist? Aber als sie das hörte, fiel ihr erst einmal die Kinnlade herunter. Trotzdem gab sie sich den Anschein, als hätte sie es schrecklich eilig und ging kurz nach der ersten und einzigen Tasse Kaffee.
„Ich wollte mir nicht anmerken lassen, wie scheiße ich das gefunden habe“ sagte sie. „Weil ich mir doch immer so viel darauf einbilde, wie cool ich bin und wie lebenserfahren. Und wenn er seine Exfreundin nicht mit mir bekannt machen möchte, muss ich das akzeptieren, oder?“
Darauf antwortete ich vorsichtshalber nicht.

Petra verbrachte den Sonntag allein in ihrer Wohnung und versuchte, nicht allzu viel über das Geschehene nachzudenken. Aber sie merkte, wie sie immer wütender wurde.
„Der setzt mich einfach vor die Tür, weil seine Ex kommt“ tobte sie gegen Abend am Telefon, nachdem sie mich angerufen hatte, weil sie mit irgendjemandem reden musste. „Das ist doch nicht zu fassen, oder?“
„Heute Morgen hast du noch ganz anders gedacht, ich hab ne SMS von dir bekommen“ erinnerte ich sie.
„Da war ich nicht so mies drauf und stand unter Schock“ erklärte sie stinksauer. „Dem werde ich es zeigen. Der hört von mir erst mal gar nix. Wird schon merken, wie er mich vermisst.“
Daran hielt sie sich auch. Bis Mittwoch. Denn Heiko meldete sich nicht mehr. Keine Blumen, keine Pralinen, keine Blitzbesuche in ihrem Büro, obwohl sie ein paar Mal zur Tür schielte.

Darum rief sie ihn am Mittwochnachmittag auf dem Handy an.
„Hallo, was gibt’s?“ meldete er sich kurz angebunden. „Ich bin gerade in Marokko am Strand, und der Empfang ist hier nicht sonderlich gut.“
„Marokko?“ wiederholte Petra entgeistert. Noch etwas, das er nie auch nur ansatzweise erwähnt hatte. Ihr dämmerte, dass das bei Heiko auf so einiges zutreffen könnte.

„Ja, Marokko, ich mache Urlaub“ entgegnete er vergnügt. Alles klar sonst?“
„Ruf mich nie mehr an, du Arsch“ zischte Petra eisig und beendete das Gespräch.
„Dem habe ich es gezeigt“ berichtete sie mir später entrüstet. „Der braucht sich nicht mehr bei mir zu melden.“
„Tut er vermutlich auch nicht“, versuchte ich ihr schonend beizubringen. „Außerdem hast du ihm schon genug gezeigt, wenn du verstehst, was ich meine.“
„Ja“ brummte sie. „Der hat mich mürbe geklopft wie ein Schnitzel. Da gibt man nach und denkt, den könnte ich lieben, lässt sich auf ihn ein, und dann wird man so verarscht.“
„Nichts Neues unter der Sonne“ seufzte ich.

Es tat ihr weh, denn sie hatte sich lange hartnäckig geweigert, Heiko zu vertrauen. Hatte ihm hundert Mal erklärt, dass sie beide nicht zusammenpassten, dass der Altersunterschied zu groß war.

Männer wie Heiko ähneln skrupellosen Wilderern, die einem Nashorn so lange hinterher hetzen, bis sie es endlich gestellt und erlegt haben. Danach sägen sie dem armen Tier das Horn ab und lassen den Rest für die Hyänen liegen.
Solche Typen sind oft bestens mit allem ausgestattet, das man zum Erlegen eines hübschen Großwilds auf Pumps benötigt: Geld, Eloquenz, tadellosen Manieren und einer Menge Charme – alles Dinge, derer sie sich bedienen, um ein besonders scheues „Wild“, in diesem Fall Petra, zur Strecke zu bringen. Je mehr die „Beute“ sich ziert und sträubt, umso interessanter. Es geht ihnen um die Jagd, das Erfolgserlebnis, und ihr eigenes Ego, das man im Normalfall nur auf Erbsengröße bringt, indem man es aufbläst.
Leider fallen immer noch viele Frauen auf diesen Typus herein, denn diese wissen genau, wie sie es anstellen müssen. Dafür leben sie ja schließlich.

Aber manchmal wird der Jäger zum Gejagten, und das Karma schlägt zurück.

„Wie konnte mir sowas passieren?“ Petra war über Wochen hinweg fassungslos und fragte sich das immer und immer wieder. „Ich war doch so vorsichtig, hab so lange mit ihm gesprochen, mich geweigert, mich darauf einzulassen. Meine Güte, wenn ich dran denke, dass ich beinahe auch noch gekündigt hätte.“
Ihr mühsam aufgebautes Vertrauen war zerstört worden, zertrampelt von Männerfüßen in Größe 46, die in teuren Ralph-Lauren-Slippern steckten. Das tut weh.

Sie hätte allerdings nicht auf mich gehört, hätte ich sie vorher gewarnt. So gut kannte ich sie schon. Außerdem hatte ihr meiner Ansicht nach nichts Besseres passieren können, denn geliebt hatte sie Heiko nicht.

Irgendwann war diese Enttäuschung überwunden, wenngleich die Wut noch lange in ihr schwelte. Nach 14 Monaten lernte Petra einen netten, attraktiven und intelligenten Mann kennen, in den sie sich vom Fleck weg verliebte. Kein „Ich könnte mich an ihn gewöhnen“, kein „Eigentlich sieht er gar nicht so schlecht aus“, nein, es war tatsächlich Liebe auf den ersten Blick.
Dieses Jahr im Juni wird geheiratet.

Vor ein paar Wochen trafen wir uns auf dem Wochenmarkt, am Stand mit dem Bodensee-Gemüse.
„Weißt du, wer letzte Woche bei mir angerufen hat?“ fragte sie und grinste breit.
„Keine Ahnung“ antwortete ich.
„Heiko.“ Sie lachte schallend. „Stell dir vor, der hat irgendwie meine Nummer rausbekommen und meldete sich, als ob nie was gewesen wäre. Er wollte angeblich nur wissen, wie es mir geht. Dann fing er an zu lamentieren. Der war so nervös, der hat sogar gestottert.“
„Ach was, erzähl mal“ bat ich interessiert.
„Das war zum Schießen.“ Petra strahlte. „Der hat wirklich nur gejammert und von seiner missratenen Ehe gelabert. Seine Exfrau, eine bildschöne Russin, hat er angeblich damals vor 4 Jahren während seines Marokko-Urlaubs am Strand kennengelernt, nachdem ich – seiner Aussage zufolge – mit ihm Schluss gemacht hatte.“

„Ach was?“ Ich war baff.
„Glaub ich dem sowieso nicht“ winkte Petra ab. „Der lügt doch, wenn er den Mund aufmacht, ich wette mit dir, die kannte er schon, als er um mich herumscharwenzelte, immerhin hatte er oft keine Zeit, das ist mir im Nachhinein aufgefallen. Vielleicht war die damals sogar für den Sonntagvormittag bestellt, als er mich nach dem Kaffee gebeten hat, zu gehen, weil angeblich seine Exfreundin kommt, dem traue ich alles zu.“

„Und jetzt ist er geschieden?“ fragte ich.
Petra nickte.
„Das war ein Jammern und Wehklagen, sag ich dir. Eigentlich hatte ich gleich auflegen wollen, aber irgendwie tat es gut, weil der nicht mal gemerkt hat, wie er sich als Loser outet. Der muss ganz schön verzweifelt sein, wenn er mich anruft, die er damals so mies behandelt hat und denkt, ich falle nochmal auf ihn rein. Diese tolle Exfrau, die er sofort nach Erledigung aller Formalitäten geheiratet hat, sollte bei ihm in der Firma mitarbeiten, aber die sei stinkend faul gewesen und immer als letzte gekommen und als erste gegangen. Außerdem hat sie seine ganze Kohle verbraten und mehrere Autos zu Klump gefahren, darunter seinen geliebten Porsche. Dann hat sie einen Jüngeren kennengelernt und ihn verlassen. Geschieht dem doch recht.“ Sie lachte wieder.
„Er wollte einen weiblichen Lamborghini, ich als Familien-Van war ihm wohl zu langweilig. Tja, und dann ist er an seine Meisterin geraten.“

„Und du hast dir das alles angehört? Was hast du gesagt?“ fragte ich neugierig.
„Dass ich glücklich bin, nicht interessiert an seinem Gejammer, und dass er dahin gehen soll, wo der Pfeffer wächst, weil ihm im Leben ja scheinbar die Würze fehlt“ antwortete Petra ernst. „Es ist unfassbar, dass der sich getraut, einfach so bei mir anzurufen. Als wäre gar nix gewesen. Er hat mich ausgenutzt und garantiert schon die ganze Zeit mit dieser anderen Frau betrogen. Geschieht ihm recht, wenn er reingefallen ist.“
„Geht’s dir eigentlich jetzt gut?“ fragte ich Petra, aber das hätte ich mir sparen können. Sie wirkte ausgeglichen und glücklich.
„Könnte nicht besser sein, vor allem nach diesem Anruf. Manchmal kriegt einen das Karma eben doch“, meinte sie und verabschiedete sich herzlich.

Heiko, du bist ein echter Depp. Mit Petra hättest du einen verdammt guten Fang gemacht. Selbst schuld.

Neulich wurde Heiko mir bei Facebook als „Jemand, den du kennen könntest“ vorgeschlagen. Ich habe abgelehnt, obwohl er ein ansprechendes, massiv nachbearbeitetes Profilbild eingestellt hatte, das vermutlich aus dem Jahre 1995 stammt. Diese Katze lässt das Mausen nicht. Niemals.

Leider ist die Welt voller Männer, denen es nur darum geht, eine Frau „zu erlegen“, also sie herumzubekommen, um sich wieder eine Kerbe in ihre Bettkante schnitzen zu können. Auch Petra hat es erwischt, trotzdem sie vorsichtig war und anfangs gar nicht wollte. Und da liegt der Hase im Pfeffer: Petras Bauch warnte sie davor, weil sie für diesen Mann keine echten Gefühle aufbringen konnte. Sie wollte nur nicht auf die innere Stimme hören. Dafür bezahlt man so gut wie immer.

Man kann sich einen Mann schönreden, zu empfehlen ist es aber nicht. Man kann sich einbilden: „Irgendwann passt das schon/verliebe ich mich in ihn/wird er mir gefallen.“ Da können Sie auch Lotto spielen.
Hätte Petra seinerzeit auf ihren Bauch gehört und Heiko höflich, aber bestimmt abgewiesen, wäre ihr seinerzeit diese peinliche Erfahrung erspart geblieben. Sie hat diese Erfahrung als in sich gefestigte Persönlichkeit gut überwunden. Andere Frauen werden von so etwas schwer emotional gekränkt und lassen alle nachfolgenden Männer büßen, was ein einziger verbockt hat.

Darum rate ich Ihnen heute: Hören Sie auf Ihren Bauch. In Ihrem Darm sitzen ungefähr 100 Millionen Nervenzellen, manche Chirurgen nennen ihn deshalb auch „das Darmhirn“.
Klar existieren Männer, für die Manieren kein Fremdwort sind, die ihre Frauen verwöhnen, und die als Lebenspartner bestens geeignet sind. Die herauszufieseln aus der Masse an paarungswilligen Exemplaren kann sich als ausgesprochen schwierig erweisen.
Genau für solche Fälle hat uns die Evolution den Instinkt gegeben.

Es gibt Männer, die ändern sich nie, und Sie wollen doch nicht als Trophäe enden?

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Wir leben in einem Zeitalter, in dem das Thema weibliche Emanzipation groß geschrieben wird. Bis vor kurzem waren Verhaltensstrukturen und Richtlinien, wie eine Frau zu sein hat und wie sich Weiblichkeit definiert, streng begrenzt.

Immer mehr erlauben wir uns, ein individuelles Frauenbild zu leben. Die Rolle der Frau entwickelt sich rasant und ermöglicht es, unser Leben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Parallel verändern sich auch unsere Wünsche, wie ein Mann im Bestfall zu sein hat. Einerseits genießen wir es, wenn der Partner uns in den Mantel hilft und uns seine starke Schulter zum Anlehnen gibt, andererseits darf er auch nicht zu dominant sein. Er soll Gefühle zeigen, offen sein und gerne auch ein bisschen spirituell, aber auch nicht zu sehr, und ein Weichei bitte auch nicht! Ist ja schließlich unmännlich…

Die Messlatte liegt da schon sehr weit oben und es ist anzunehmen, dass sich viele Männer doch ganz schön überfordert fühlen.

Auch Männer dürfen loslassen

Geprägt vom alten Männerbild, sind wir es gewohnt, dass ein Mann nur selten weint und wenn, dann nur kurz. Fakt ist, dass Männer, ebenso wie Frauen, Gefühle haben und es brauchen, sich fallen zu lassen. Was läge da näher, dies bei der eigenen Partnerin zu tun?

Wie gehe ich überhaupt damit um, wenn mein Partner plötzlich in Tränen ausbricht?

Gerade weil wir uns emanzipieren, sollten wir dies auch den Männern zugestehen. Gleichberechtigung darf ja schließlich in beide Richtungen gehen. Wenn mein Partner also unverhofft zu weinen beginnt, darf ich auch die Rolle der starken Schulter übernehmen und einfach für ihn da sein. Ich zeige ihm, dass es okay ist, sich zu öffnen und gebe ihm das Gefühl, loslassen zu dürfen und nicht non stop die Rolle des starken Mannes erfüllen zu müssen.

Wenn wir Frauen emotional überreagieren, gilt das als nichts Unübliches. Überlegen wir uns mal, wann ein Mann vermeintliche Schwäche zeigen „darf“. Um ehrlich zu sein nie oder zumindest nicht zu 100%. Die Gefahr, als Weichei dazustehen, besteht nahezu permanent.

Wenn Partner sich fallen lassen kann, ist das Vertrauensbeweis

Dabei ist es enorm wichtig, dass Männer auch einen geschützten Raum haben, in dem sie sich fallen lassen können. Allerdings haben sie auf unterbewusster Ebene eher die Tendenz keine Schwäche zeigen zu wollen. Daher fällt es ihnen noch schwerer, offen ihre Gefühle zu zeigen, wenn sie wahrnehmen, dass die eigene Partnerin gar nicht in der Lage ist, ihn aufzufangen oder ihn vielleicht sogar unterschwellig dafür als Schwächling verurteilt.

Im Gegenzug ist es ein wundervoller Vertrauensbeweis, wenn sich der Partner einfach fallen lässt und zeigt, dass er die Frau an seiner Seite für stark genug hält, auch im emanzipierten Sinne für ihn da zu sein.

Immer stark zu sein, ist eine Illusion.

Wir alle haben „Baustellen“ und Herausforderungen in unserem Leben, die uns emotional fordern.

Sich und anderen vorzumachen, dabei immer stark zu sein, führt zu einem enormen Druck und Daueranspannung, was sich sowohl psychisch als auch physisch auswirkt. Diesen ständig erhöhten Stresspegel können wir sicherlich aushalten, doch berauben wir uns dadurch eine Menge Lebensqualität und verlängern den Prozess der Bearbeitung der „Baustelle“ und verschwenden unnötig Energie. Energie, die wir weitaus effizienter nutzen können und vor allem um glücklich zu sein.

Vermeintliche Schwäche ist Stärke

Stark ist, wer vermeintliche Schwäche zeigt. Was im Allgemeinen als schwach gilt, ist in Wahrheit ein vertrauensvolles Bekenntnis. Denn Gefühle zu zeigen, erfordert wahre Stärke und Mut. Von innen her stark zu sein, bedeutet weder Härte, noch die Zurückhaltung und Unterdrückung von Emotionen. Stattdessen handelt es sich dabei um vertrauensvoll und mutig zu seinen Gefühlen zu stehen.

Eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe ist dafür einer der bestgeeignetsten Räume und führt zu wahrhaftiger, aufrichtiger und heilsamer Begegnung- für Mann und Frau.

Ihre Nicole Szopinski- Hypnosespezialistin und Coach

Wenn Paare sich streiten

Stellen Sie sich vor, ein Ihnen bekanntes Ehepaar lädt Sie zu einer Bootspartie auf deren Yacht ein. Sie freuen sich auf unbeschwerte Stunden, denn Heidrun backt göttlich, wohingegen Rüdiger ein echter Spaßvogel ist, der auch als Alleinunterhalter sein Geld verdienen könnte, und sagen begeistert zu. Normalerweise sind die beiden immer lustig, immer gut drauf, man fühlt sich wohl bei ihnen und bekommt eine Menge köstlicher Leckereien vorgesetzt. Ein Vorzeige-Paar seit vielen Jahren.

Als Sie frohgemut das (von Heidrun) blankgeschrubbte Deck betreten, Ihren Badeanzug, ein Pfund Sonnencreme und jede Menge guter Laune im Gepäck, strahlt die Sonne heiß vom wolkenlosen Himmel. Eine leichte Brise kräuselt die Wellen, sanft vermischt sich die an- und abebbende Brandung mit dem körnigen, goldfarbenen Sand. Dieser Tag könnte schöner nicht sein. Endlich mal wieder raus aufs Meer, abschalten und unbeschwerte Stunden verbringen.

Nach der herzlichen Begrüßung räkeln Sie auf dem Sonnendeck in einem (dank Heidrun frisch geölten) Deck-Chair aus Teakholz, während das Boot Kurs auf den Ozean nimmt. Sie cremen sich ein, mit Lichtschutzfaktor 8000, um in der salzhaltigen Luft, die Ihnen um die Nase weht, brutzelnd zu bräunen, und lehnen sich entspannt zurück.

Am Steuer wechseln sich Heidrun und Rüdiger derweilen allem Anschein nach in schönster Eintracht damit ab, das elegante Gefährt in Richtung Sonnenuntergang zu lenken. Immerhin tun sie das schon seit vielen Jahren.

Gerade sind Sie eingedöst, als Sie plötzlich von einem lautem Wortwechsel geweckt werden. Die Stimmen klingen erregt und werden immer erboster. Meuterei auf der Bounty?

Irritiert lugen Sie über den Rand Ihrer Sonnenbrille und richten sich auf. Immerhin hat man Ihnen heute einen amüsanten Nachmittag, gekrönt von Heidruns gedecktem Apfelkuchen und Rüdigers neuester Kaffee-Kreation versprochen, nicht eine interaktive Neuauflage von „Krieg und Frieden.“

Rüdiger ist jetzt nämlich seit kurzem Hobby-Barista, weil Heidrun seine elektrische Eisenbahn, die in den letzten Jahren die Ausmaße des Berliner Regierungsviertel angenommen hat, aus dem Keller geworfen hat, um dort künftig ihre Soleier zu lagern. Jetzt braucht er eine neue Beschäftigung. Heidrun hingegen wuselt Tag und Nacht in ihrer luxuriösen Designerküche im Gegenwert eines massiv goldenen Lamborghini zwischen dem Herdblock und der Speisekammer hin- und her, kocht, bäckt, blanchiert, tranchiert und legt Gemüse ein. Irgendjemand muss das alles aber auch essen – und in den letzten Jahren waren Sie das, einer der Gründe dafür, dass Sie heute einen äh… etwas großzügig geschnittenen Einteiler tragen statt eines aus Kokos-Schalen gefertigten Bikinis.

Streit. Oh weia. Und dabei hatten Sie sich so auf den Kaffee gefreut.

Also stehen Sie auf, um nachzusehen. Mühsam arbeiten Sie schwankend sich zum Steuerrad vor, wo Heidrun und Rüdiger abwechselnd versuchen, das Ruder in ihre Richtung herumzureißen. Jedes Mal macht das Boot einen Schlenker, so dass alle auf die verwitterten Planken zu stürzen drohen.

„Du hast das Riff vorhin übersehen, beinahe sind wir draufgebrettert, dabei war es so groß wie Schleswig-Hostein!“ schreit Heidrun erbost. „Möchte nur mal wissen, wo du immer deine Augen hast. Vermutlich bei der 19jährigen Meerjungfrau, die da gerade halbnackt auf dem Felsen herumlungerte und sich ihre Extensions kämmte. Glaubst du etwa, so eine würde sich mit dir altem Dackel abgeben? Träum mal schön weiter, du Depp.“

„Du gemeine Giftspritze“ brüllt Rüdiger zornig zurück. „Ist doch kein Wunder, wenn ich mal anderen Frauen hinterhergucke, ob mit Fisch-Schwanz oder ohne. Du rennst ja bloß noch in deiner speckigen Kittelschürze rum. Die Tussi vorhin war immerhin oben ohne. Deinen Busen hab ich das letzte Mal 1994 zu sehen gekriegt. Und überhaupt, wir schlafen gar nicht mehr miteinander!“

Verstört reiben Sie sich die Augen und möchten sich am liebsten Ihre Ohren zuhalten. Sind das wirklich Heidrun und Rüdiger, Ihre guten Bekannten, das liebe altgediente Ehepaar, das immer lacht und scherzt und scheinbar alle Widrigkeiten des Lebens mühelos weggesteckt hat? Kann gar nicht sein.

Mittlerweile ist eine richtig steife Brise aufgekommen, die sich Ihrer eigenen Erfahrung nach demnächst zu einem Orkan mit Windstärke 12 auswachsen wird. Stürme dieser Größenordnung beginnen meist mit einem lauen Lüftchen und richten nach Erreichen ihrer vollen Stärke verheerende Schäden an, denen mühsam abbezahlte Reihenhäuser, erarbeitete Rentenpunkte, die Hälfte aller gemeinsamen Freunde sowie das Sparkonto zum Opfer fallen. Gegen solche Naturkatastrophen war „Katharina“ seinerzeit ein laues Lüftchen.

Aber im Bekanntenkreis wird ja schon länger hinter vorgehaltener Hand gemunkelt, dass die beiden Probleme hätten. Rüdiger treibt sich immer öfter allein im Modellbau-Laden herum, und Heidrun isst mittlerweile ihre Kuchen alle selbst, was die Verkäuferin vom Fachgeschäft für Übergrößen bestätigen kann. Da scheinen tatsächlich ein paar Wölkchen am Horizont aufgetaucht zu sein.

Heidrun und Rüdiger beschimpfen sich weiter. Skeptisch werfen Sie einen Blick über die Reling, wo mittlerweile der immer stärker werdende Wind hohe Wogen an den Bootsrumpf peitscht. Teile des Decks werden mit salzigem Meerwasser überschwemmt, und Sie versuchen vergeblich, keine nassen Füße zu bekommen.
Zu spät. Dazu hätten Sie erst gar nicht an Bord gehen dürfen.

Die beiden Eheleute sind so in ihr Kompetenzgerangel vertieft, dass sie den aufkommenden Sturm nicht wahrzunehmen scheinen. Jeder der zwei behauptet, er wisse, in welche Richtung man steuern müsse. Mittlerweile scheint Wasser unter Deck eingedrungen zu sein, das Schiff bekommt schwere Schlagseite.

Während Heidrun und Rüdiger sich mühsam auf den Beinen halten, weil der Wind ihnen zwischen die Beine fährt und ihnen das Haar zerzaust, zählen sie mit lauten Stimmen und vorwurfsvollem Blick sämtliche Verfehlungen des anderen der letzten 25 Jahre auf. Und das sind einige.

„Ich bin der Kapitän, ich hab diesen Kahn bezahlt wie alles seit vielen Jahren!“ brüllt Rüdiger wütend und greift sich das mittlerweile durchdrehende Ruder. Der Kahn scheint nicht mehr steuerbar zu sein und treibt ziellos auf der aufgewühlten See. Eben haben Sie die erste Haiflosse hinter sich im Kielwasser entdeckt. Das kann ja heiter werden.

„Gar nix hättest du bezahlen können, wenn ich diesen blöden Seelenverkäufer nicht die ganze Zeit wie blöd geputzt, lackiert und anschließend imprägniert hätte, gar nix!“ brüllt Heidrun wutempört zurück. „Wie oft hat man dich denn in der Kombüse gesehen? Da stehe ich seit 25 Jahren und brutzle dir täglich irgendeinen Schrott, den du daherbringst, weil du zu blöd bist, einen anständigen großen Fisch an Land zu ziehen. Wir haben immer nur diese winzigen Viecher, die nach nix schmecken, weil du zu dämlich bist, mal einen Wal zu schießen. Gewehre besitzt du ja genug, du Ahab für Arme. Dann gibt’s eben weiter Forelle Müllerin, mir doch wurscht! Beklag dich nicht oder koch gefälligst selber!“

„Während ich hier draußen unter Lebensgefahr Fische fange, konntest du jahrzehntelang in aller Gemütsruhe Teakholz polieren, Teppiche häkeln und dir eine Million neuer, ungenießbarer Rezepte für alles ausdenken, was ich nach Hause bringe. Hättest ja selbst auch mal angeln können“ giftet Rüdiger, der sich angegriffen fühlt.

„Meine Eltern haben damals gesagt, ich soll es mir mit dir überlegen.“ Heidrun kneift die Lippen zusammen und funkelt ihren Mann vorwurfsvoll an.

„Das taugt nix, dein Boot, haben die gesagt. Alles billig und selbstgebaut. Ich hätte auch den Weizenkeim Alfons kriegen können vom Autohaus Weizenkeim, ist dir das eigentlich klar? Der hatte eine hochseetüchtige Yacht mit Helikopter-Landeplatz und einem Butler. Aber nö, ich musste ja an dir hängenbleiben. Was hast du für Sprüche gemacht damals? Dass du uns ein Walfang-Imperium aufbaust und ich goldene Kloschüsseln kriege, die jemand anderer saubermacht. Von wegen, du Loser. Und jetzt, nach all den Jahren, verrenkst du dir den Hals und glotzt minderjährigen Sirenen mit gefärbten Haaren hinterher, mit denen du nicht mal was anfangen könntest. So lass ich mich nicht behandeln.“

Die Fronten scheinen verhärtet zu sein. Beide starren sich unerbittlich an und ignorieren nach wie vor den immer heftiger werdenden Sturm. Sie selbst überlegen gerade, ob Sie sich für den Fall einer Havarie mit Ihrem einteiligen Badeanzug am Mast festknoten könnten, bis Ihnen einfällt, dass das Schiff gar keinen Mast besitzt.

„Was sagst du denn dazu? Ich hab doch recht, oder?“ wendet sich Heidrun an Sie, die sich wünscht, jetzt zuhause mit einer Tüte Erdnusslocken und Netflix zu sitzen. Alles ist besser als das hier.

„Wir müssen doch nach rechts, oder? Weil wir nämlich jahrelang links gefahren sind, wie Rüdiger das bestimmt hat. Ich hatte von Anfang an recht. Also fahren wir nach rechts!“ „Das heißt Steuerbord“ murmeln Sie verlegen, aber niemand hört Ihnen zu.

„Links, sag ich!“ brüllt Rüdiger und reißt das Ruder herum, so dass das Boot einen scharfen Schlenker macht. Ein Tau rutscht übers Deck und versinkt dann in der Gischt. Allmählich wird es gefährlich.

„Backbord, nicht ‚links'“ wagen Sie flüsternd einzuwenden, aber es interessiert keinen. Die beiden sind damit beschäftigt, sich gegenseitig in der Luft zu zerreißen, ungeachtet der schweren Krängung, ungeachtet des Wellengangs und der Windstärke. Eine Havarie scheinen sie billigend in Kauf zu nehmen, so wie beide immer wieder das Steuerrad an sich reißen. Fast wünscht man sich ein paar somalische Piraten, damit mal wieder etwas Ordnung reinkommt in die Angelegenheit. Und damit die zwei endlich die Klappe halten. Aber Somalia ist weit weg. Vermutlich.

„Jetzt sag doch auch mal was. Du bist sicher meiner Meinung, oder? So kann der doch nicht mit mir reden!“ verlangt Heidrun, die in ihrer Kittelschürze wirklich ein wenig gedrungen und farblos aussieht. In letzter Zeit hat sie tatsächlich etwas nachgelassen in ihrer äußeren Erscheinung, da hat der Rüdiger schon irgendwie recht. Aber was Heidrun behauptet, stimmt auch ein bisschen.

Unsicher weichen Sie einen Schritt zurück. Beide starren Sie auffordernd an, damit Sie endlich Position beziehen. Endlich dämmert Ihnen: Da kommen Sie heil nicht wieder raus.

„Erklär dieser Xanthippe, dass es nur einen Kapitän geben kann, der am Steuer steht und das Boot lenkt. Immer dieser Schwachsinn von wegen, dass sie mitbestimmen will. Die hat doch von Navigation keine Ahnung“ befiehlt Rüdiger, wobei er mittlerweile gegen das brausende Tosen des Sturms anschreien muss.

„Äh, ich kenne Frauen, die ganz allein ihr Boot steuern“ stottern Sie. „Das klappt ganz gut, aber…“

„Ach, du bist auch so eine?“ brüllt Rüdiger stinksauer.

Was tun Sie nun in so einem Fall?

Na, Sie klemmen sich ihre teure nagelneue Sonnenbrille in den Ausschnitt, halten sich die Nase zu und hüpfen über Bord. Mit den paar Haien, 20 Meter großen Kraken, Piranhas, Kuno, dem Killerkarpfen, oder allem, was da sonst noch unter der Wasseroberfläche kreucht und schwimmt, werden Sie garantiert fertig. Mit einem ausgedehnten Ehekrach nicht, da geraten Sie unter die Räder… äh, unter den Kiel. Also nix wie weg.

Ich finde diese Analogie, in der ich eine Ehe mit einem Wassergefährt vergleiche, recht zutreffend, bis auf eine winzige Kleinigkeit:

Eine Ehe oder Beziehung ist keine Yacht, sondern ein Ruderboot.

Solange beide sich einträchtig in die Riemen hängen oder welchen Begriff auch immer die seemännische Sprache hierfür hergibt, wird es Fahrt aufnehmen und zum anvisierten Zielpunkt gleiten wie von selbst. Gleich, was Ihnen vorschwebt: Wenn beide mitarbeiten, schaffen Sie alles, ob Samoa oder Kehl am Rhein bleibt Ihnen überlassen. Ich weiß ja nicht, wo Sie hinwollen.

Allerdings erlebe ich seit Jahrzehnten immer wieder Paare, bei denen einer gemächlich eine Kippe raucht, während er seinem Ehepartner/partnerin Anweisungen gibt, die sich keuchend bemühen, die leckgeschlagene Jolle über Wasser zu halten. „Mach mal ein bisschen schneller, Amalie, so wird das aber nix, wir wollen doch irgendwann ankommen.“ Und Amalie strengt sich an, während ihr Partner sich entspannt zurücklehnt und zu faul ist, seinen Teil beizutragen.

Es gibt auch Beziehungen, in denen keiner mehr was tut. Die lassen ihre Ruder ins Wasser gleiten, lehnen sich zurück, weil sie denken: „Wir sind ja schon ziemlich weit gekommen“, … und treiben dann führerlos auf den großen, alles in die Tiefe reißenden Wasserfall zu, das Ende selbst der größten Liebe. Abspringen nicht möglich.

Rudern müssen Sie immer. Unser Leben und jede Partnerschaft bestehen aus einer nicht enden wollender Kette ständiger Herausforderungen, die nur gemeistert werden können, wenn keiner zu lange Pausen einlegt. Jedes Boot kommt nur so weit, wie sein Team es zulässt.

Seneca sagte angeblich einmal: „Wenn ein Kapitän nicht weiß, welches Ufer er ansteuern soll, dann ist kein Wind der richtige.“

Eines muss Ihnen klar sein: Sobald Sie sich in diese Nussschale namens „Beziehung“ begeben, die sich leicht zum rostigen Seelenverkäufern mausert, wenn man sie nicht pflegt: Eine gemeinsame Reise funktioniert nur, wenn Sie sich über die einzuschlagende Richtung einig sind. Im anderen Falle gehen sie unter. Beide.

Sollte allerdings einer das Boot verlassen und zum nahen Ufer kraulen, dann müssen Sie es eben allein versuchen. Das geht ganz gut, wenn man erst mal ein wenig Übung darin hat. Auch ich habe das schon getan. Wer sagt denn, dass man nur zu zweit vorankommt? Wenn der Partner zum Klabautermann wird, ist es besser, allein zu reisen. Dann gibt es schon kein Kompetenz-Gerangel. So ein schnittiges Einer-Kajak hat was.

Manchmal winkt Ihnen vielleicht jemand zu, während Sie gerade gemütlich am Ufer vorbeifahren, und signalisiert Ihnen, an Bord kommen zu wollen.

Fragen Sie nach der anvisierten Richtung, notfalls mittels einiger universell gültiger Handzeichen. Wer bei Ihnen anmustern möchte, sollte Ihre Vorstellungen akzeptieren. Erklären Sie dem neuen Matrosen, dass das hier kein Vergnügungsdampfer ist, sondern ein bisweilen mühsam zu bedienendes Fortbewegungsmittel für diesen reißenden Fluss oder tiefen Ozean namens „Leben“, dass Sie auf „Mississippi-Riverboat-Player“, Glücksritter und Kreuzfahrer, die auf „all inclusive“ bestehen, verzichten können weil Sie jemanden brauchen, der bereit ist, sich mit Ihnen fortzubewegen. Jeden Tag, jede Stunde, jede Sekunde.

Bei dem Party-Schiff mit der Techno-Disko, den Gratisdrinks und Spaßfaktor 1000 müssen Sie nämlich spätestens von Bord gehen, wenn Sie heiraten. Dann kriegen Sie ein hölzernes Boot geschenkt mit der Aufforderung, was draus zu machen. Wie Sie es lackieren oder taufen, bleibt Ihnen überlassen. Und achten Sie auf Holzwürmer.

Zurück zu Heidrun und Rüdiger. Sollten Sie ungewollt Zeuge einer solchen Meuterei werden, rate ich Ihnen, panisch „Mayday“ zu brüllen und das Weite zu suchen.

Einmischungen in Beziehungsstreitigkeiten sind die beste Möglichkeit, zwei bis dato gute Freunde für immer zu verlieren.

Irgendwann vertragen sich die beiden mit einer Wahrscheinlichkeit von über 90 % nämlich voraussichtlich wieder, und Sie werden kielgeholt. Das ist kein Spaß, und man muss währenddessen verdammt lange die Luft anhalten können.

Ein bekanntes Ehepaar, mit denen ich über Jahre befreundet war, kriegte sich mal bei meiner Halloweenparty dermaßen in die Haare, dass sämtliche Gäste scharenweise mein Fest wegen „spontaner Kopfschmerz-Attacken“ verließen.

Am Ende saßen als einzige übriggebliebene Besucher meine Freundin Susi und ihr Mann Hans auf der Couch und warfen sich Beleidigungen an den Kopf, für die mir meine Mama seinerzeit den Mund mit Kernseife ausgewaschen hätte. Ohne Nachspülen.

Um es salonfähig zu umschreiben: Susi bemängelte unter Zuhilfenahme von Fäkalwörtern und Begriffen, die vermutlich nur auf der Reeperbahn verstanden werden, Hans‘ nachlassende Manneskraft und seinen dafür im Gegenzug immer stärker werdenden Hang zum Alkohol.

Hans hingegen erklärte mir, seine Frau sei eine Schlampe, und zwar im wörtlichen wie auch im übertragenen Sinne, weil sie 1. nächtelang ohne ihn in der Kneipe am Tresen hing, nie aufräumte, und 2. der einzige Ort, wo bei ihr Ordnung herrschte, der mehr als übersichtliche Inhalt ihres Verstandes sei.

Da kann man eigentlich nur noch ausziehen und den beiden seine Wohnung überlassen. Nächstes Mal tue ich das vielleicht sogar.

Übrigens sind die zwei immer noch zusammen. Und genau da liegt der Hase im Pfeffer.

Stellen Sie sich vor, ein bekanntes Ehe- oder Liebespaar hat sich gerade getrennt. Weil es sich so gehört, sitzen Sie aufgrund weiblicher Solidarität heute zusammen mit Heidrun im Café und ziehen schon mindestens so lange, wie es dauert, 3 Stück Käsekuchen zu essen, über Rüdiger her.

„Du hast ja so recht, Heidrun. Der hat mich immer genervt, der Rüdiger. Vor allem sein Kichern ist unerträglich, gerade, wenn er selbst über seine Sparwitze lacht. Hab nie verstanden, wie du das ausgehalten hast. Außerdem kratzt der sich ständig am rechten Ohr, das nervt unsäglich. Und wie der isst! Als säße man mit einem Wolfsrudel am Tisch, das gerade ein Reh gerissen hat. Sei bloß froh, dass er weg ist, einen wie den bekommst du an jeder Straßenecke. Du hast was Besseres verdient, das dachte ich schon immer.“

So oder ähnlich klingt es meistens. Selbst schuld, liebe Leserin.

In absehbarer Zeit werden sich Heidrun und Rüdiger wieder in die Arme fallen, und dann sind Sie angeschmiert, weil Heidrun ihrem geliebten Rüdiger brühwarm berichten wird, dass Sie was gegen ihn haben und ihn komisch finden. Haarklein.

Ich überlasse das „Einmischen“ in Eheangelegenheiten mittlerweile Personen, die dafür bezahlt werden wie Paartherapeuten, Seelsorger, einem Ringrichter oder Chuck Norris.

Auch wenn Sie mit der Dame des Hauses seit Jahrzehnten befreundet sein sollten: Rüdiger schläft mit ihr und ist somit wesentlich näher an der „Materie“ (und Kittelschürze), als Sie je rankommen werden. Darum ist die erste Regel bei Streitigkeiten unter lieben Freunden: Finger weg.

Es gibt ja auch Bootspartien, die gut enden, wo der Apfelkuchen vorzüglich schmeckt, der jeweilige „Rüdiger“ eine schmackhafte Kaffee-Komposition zustandegebracht hat, und auf denen man einen schönen Nachmittag verbringt.

Dann haben Sie, nachdem Sie sich verabschiedet haben und wieder von Bord gegangen sind, den Trost, dass beide anschließend nur über SIE herziehen werden, anstatt sich zu streiten. Das ist doch schon was, oder?

Also, Seemanns Heil. Ich wünsche Ihnen auf Ihren Booten immer eine Handbreit Wasser unter dem Bug. Unter dem Heck natürlich auch. Nicht, dass Sie eines Tages singen müssen: „Junge, komm bald wieder.“

Mit augenzwinkernden Grüßen

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Teil 3 – Nachdem wir in unserem großen Liebeskummer-Special ausgiebig – mit Teil 1 und Teil 2 – die ersten beiden Phasen dieses verhassten Herzschmerzes beleuchtet und dazu Ratschläge gegeben haben, widmen wir uns mit dem dritten und letzten Teil erneut diesem schmerzlichen Gefühl.

Nachdem es im ersten Teil um die Phase des Schocks nach der Trennung ging, dem Liebeskummer kurz nach dem Verlassenwerden, und wir uns im zweiten Teil auf die Phase der Realisierung konzentriert haben, soll es nun um die letzte Phase gehen – den Neustart ins Leben nach dem fiesen Liebeskummer.

Dazu sollte vielleicht noch erwähnt werden, dass es bis zu sechs Phasen sind, die in Sachen Herzschmerz und der Bewältigung desselben, im Umlauf sind.

Wir konzentrieren uns auf die drei beschriebenen Phasen, weil es – streng genommen – auch wirklich nur darum geht beziehungsweise es so abläuft. Schock, Realisierung und sich dann wieder zurück ins Leben boxen.

Liebeskummer: man kann von drei Phasen sprechen, die sich lange hinziehen können

Dieser gesamte Prozess kann sich gut und gerne über Monate oder gar Jahre hinziehen. Das ist ganz unterschiedlich. Es gibt Menschen, die haben den Schmerz schon nach einem dreiviertel Jahr verarbeitet, während andere Liebeskummer-Geplagte auch noch 1 ½ Jahre nach der Trennung einen fiesen Schmerz in sich spüren, wenn sie an die verflossene Person denken.

Nun aber konkret zur dritten Phase.

Nachdem man vor Verzweiflung und Wut kurz nach der Trennung / dem Verlassenwerden meinte, den Verstand vor lauter Kummer zu verlieren und dann in Phase zwei schmerzlich realisieren musste, dass das aktuelle Single-Dasein nun real ist, ist die Phase drei eigentlich die Phase der Hoffnung, des Aufbruchs.

Freilich realisiert der oder die unter Liebeskummer Leidende das noch nicht wirklich, aber da die Erkenntnis da ist, dass der Ex-Partner nicht wiederkommt, nistet sich so ein kleines Aufbruchsgefühl zumindest im Unterbewusstsein schon mal ein.

Vielen gelingt es in dieser Zeit sogar schon, mal einige Minuten nicht an den Ex zu denken – ein Wahnsinns-Fortschritt!

Um Liebeskummer hinter sich zu lassen, gilt: Neues angehen!

Ganz viele Leute, denen der Liebeskummer übel mitspielt(e), gehen in dieser Zeit neue Dinge an.

Sei es, dass sie eine bestimmte Sportart ausprobieren oder sich im Fitness-Studio anmelden, eine ehrenamtliche Tätigkeit wahrnehmen oder sich einem kreativen Hobby widmen. Viele Singles nehmen in Phase drei auch wieder Einladungen im Zusammenhang mit dem gesellschaftlichen Leben wahr, besuchen hier eine Vernissage und dort einen lifestyligen Event.

Alles Aktivitäten, die noch Wochen zuvor, als das Herz zu brechen drohte, undenkbar waren! Natürlich kreist auch bei diesen Unternehmungen bei fast allen Liebeskummergeplagten der Ex noch im Kopf herum, schließlich ist der Liebeskummer immer noch präsent.

In dieser Zeit genügt denn auch manchmal schon ein bestimmtes Erlebnis, um gefühlstechnisch wieder in Phase eins – die Schockstarre – zu verfallen. In kleineren Städten oder Ortschaften kann beispielsweise das unvorhergesehene Zusammentreffen mit dem Ex erneuten Herzschmerz auslösen. Brutal wird es meist, wenn der Ex mit seiner Neuen ins Blickfeld gerät. Freilich: Liebeskummer-Geplagte werden auch in Phase drei um jeden Preis ein Zusammentreffen mit dem Verflossenen und damit Orte, wo auch ER aufkreuzen könnte, meiden – das ist klar.

Doch – wie das so ist – kann der einstige Partner unverhofft auch dann auf der Bildfläche erscheinen, wenn man gar nicht mit ihm rechnet. Wie erwähnt, lauert dieses Risiko mehr in kleineren Ortschaften.

Aber: es muss nicht mal der Expartner höchstselbst sein, der unverhofft das Parkett betritt und den einstigen Partner in ein tiefes Gefühlschaos stürzt. Schon die Bemerkung eines Freundes oder Bekannten, den einstigen Beziehungspartner mit einer Neuen gesehen zu haben, kann Leute mit Liebeskummer, die gerade dabei sind, wieder normal am Leben teilzunehmen, in tiefste Phase-1-Welten zurück katapultieren.

Das zeigt: die dritte Phase ist zwar mit einem – im übertragenen Sinne – gewissen Aufbruch verbunden, doch binnen Sekunden kann die Pein des Liebeskummers wieder zuschlagen. Und das unverhofft und tückisch!

In manchen Situationen kommt Melancholie durch und der Herzschmerz zurück

Manchmal aber ist auch Melancholie im Spiel, die den Liebeskummer-Schmerz wieder zurückbringt.

Ein schöner – zusammen mit der besten Freundin verbrachter – Abend bei Freunden oder unter Leuten kann deshalb schnell zum persönlichen Desaster werden, wenn man am Ende wieder allein in seiner Wohnung sitzt und in weinseliger Stimmung vergangenen Tagen nachtrauert.

Derselbe Effekt stellt sich auch schnell ein, wenn man zwar unter Leuten war, aber diese fast nur aus Paaren bestanden. In solchen Momenten denkt man freilich, dass man für immer alleine bleibt und es so eine Liebe, wie die verflossene, nie,  nie, nie, nie wieder geben wird.

Solche Momente – und da muss man ehrlich sein – wird es bei Liebeskummer immer wieder geben, egal, in welcher Phase. Aber: sie werden in der dritten Phase dann irgendwann weniger. Denn das Leben geht weiter – Liebeskummer hin oder her. Und selbst wenn dieser Spruch abgelutscht erscheinen mag: es ist so. Das Leben geht weiter, die Tage gehen ins Land, die Monate auch.

Und irgendwann gibt es ihn – den Moment, an dem Sie eines Sonntagmorgens aufwachen und Ihr erster Gedanke nicht IHM gilt, sondern anderen Dingen. Das kann das schöne Wetter sein, das draußen vor den Scheiben lockt, ein interessanter Artikel in der Tageszeitung oder auch nur die Vorfreude auf eine Unternehmung. Denn langsam – gaaaaaanz laaaangsam – wechseln Sie nun aus dem Liebeskummer- in den Alltagsrhythmus.

Klar, immer noch mit Herzschmerz, keine Frage! Aber weil eben die Zeit dahingeht und jeder neue Tag mehr Abstand zwischen die Trennung und dem JETZT bringt, wird er weniger – der Schmerz, das ist einfach so.

Manchmal hilft übrigens auch ein Tapetenwechsel in Phase drei. Wenn man nun durch die Hölle des anfänglichen Schocks gegangen und bei der Phase des neuen Aufbruchs angelangt ist, bietet es sich total an, irgendetwas in seinem Leben zu verändern.

Veränderungen und die verrinnende Zeit lassen Liebeskummer zurück

Oft ist das ein Wohnungswechsel, den aber – zugegeben – eher nur Singles spielend bewältigen. Mit Kind und Kegel ist das oft schwierig und sollte nicht übers Knie gebrochen werden. Dann eher neuer Schwung in Sachen Innenraum. Tapezieren Sie neu oder/und stellen Sie die Couch anders hin (oder kaufen gleich eine Neue), gönnen Sie sich die schnuckelige Kommode von ebay.de oder werden Sie anderweitig in Ihren vier Räumen aktiv.

Ist solch` ein Tapetenwechsel erstmal vollzogen, ist auch der „Geist“ des Verflossenen raus und eine Wohnsituation hergestellt, die mit dem Expartner nichts, aber auch gar nichts, zu tun hat.

Wenn Sie sich dann noch parallel eine neue Frisur zulegen und bald schon in einen tollen Urlaub fahren, ist der Liebeskummer in Phase drei schnell Geschichte!

Sie können alternativ freilich auch nur eines von den aufgezählten Dingen machen – auch das hilft (und ist billiger…!). Ganz gleich, ob Sie nur das Sofa verrücken oder sich nur einen Bob schneiden lassen oder nur mal eben zum Wellness in den Harz fahren – wichtig ist: tun Sie etwas, verändern Sie etwas, seien oder werden Sie aktiv!

Auch wenn`s nur kleine Dinge sind, das macht überhaupt nichts. Alles ist besser, als die Gedanken weiterdrehen und dem Liebeskummer alle Chancen zu lassen.

Auch wenn Sie vielleicht jetzt noch nicht zuversichtlich sind, dass all das hilft – es wird helfen! Ganz bestimmt.

Und auch wenn das nun ein Stück weit abgeschmackt und furchtbar kitschig nach diesem berühmten Song klingt – irgendwann werden Sie feststellen, dass das Leben wieder da und Ihre Seele frei ist und ab da werden Sie wissen: „Weiterer Liebeskummer lohnt sich nicht!“.

Viel Glück!

Bildnachweis: pixabay.com

Frau am Bahnhof

Bedingt durch die vielen Möglichkeiten, mit denen Menschen in der heutigen Zeit einen Partner finden können, kommt der Fernbeziehung eine hohe Bedeutung zu. Denn diese Art der Partnerschafts-Variante ergibt sich häufig, wenn Paare sich online finden. Meist geschieht das durch Singlebörsen oder auch soziale Netzwerke.

Wer sich hier findet, trifft nicht selten auf einen Herzens- und Seelenverwandten, bei dem es passt, der aber leider hunderte Kilometer weit weg wohnt. So beginnt denn meist auch die klassische Fernbeziehung. Dass diese Art der Partnerschaft sehr oft mit verschiedenen Herausforderungen verknüpft ist und vor allem das allwöchentliche Ankommen und Verabschieden so seine speziellen Höhen und Tiefen mit sich bringt, ist ein Dauerthema – vor allem im Netz.

Wir haben mit Sandra Damke, die als Liebeskummercoach in Nordrhein-Westfalen arbeitet, über diese Art der Beziehung gesprochen.

FB: Sandra – Stichwort „Fernbeziehung“. Googelt man diesen Begriff, fällt auf, dass unheimlich viele Ergebnisse angezeigt werden, die Tipps für ein „Frisch halten der Liebe“ in einer Fernbeziehung geben. Ist denn diese Beziehungsart tatsächlich so oft vom Welken der Liebe betroffen?

Ich glaube, dass Fernbeziehungen nicht zwangsläufig häufiger scheitern als „normale Beziehungen“. Sie sind jedoch mit größeren Herausforderungen verbunden, die zu bewältigen sind. Allerdings kommt der Fernbeziehung zugute, dass die Partner, die sich darauf einlassen, all das in Kauf nehmen und somit ein hohes Maß an Engagement und Optimismus aufbringen, was die Beziehung wiederum stärkt und lebendig hält.

FB: Die meisten Fernbeziehungen dürften unfreiwillig zustande gekommen sein. Aber es gibt durchaus auch Paare, die diese Art der Beziehung bewusst eingehen. Was gibt in diesen Fällen den Ausschlag, sich für diese Beziehungsform zu entscheiden?

Für Menschen, die sehr freiheitsliebend sind und ihre Individualität in vielen Lebensbereichen  voll ausleben wollen, ist eine Fernbeziehung eine attraktive Mischung aus Nähe und Distanz. Gewisse Alltagsprobleme entstehen gar nicht erst. Die Partner nerven sich nicht mit unterschiedlichen Auffassungen von Ordnung, Ernährung oder Wohnraumgestaltung. Jeder hat sein Reich und die eigenen Alltagsrituale.

Durch den Abstand bleibt die gefühlte Anziehungskraft länger erhalten. Wer sich im Alltagstrott schnell langweilt, erlebt so eine Beziehung wie eine fortlaufende Aneinanderreihung von Dates. Die einzelnen Begegnungen, auch die sexuellen, wirken bedeutungsvoller und werden intensiver gelebt. Eigene Freiräume und Hobbys können in der Woche entspannt ausgelebt werden. Das gibt einigen Menschen ein hohes Zufriedenheitsgefühl in der Fernbeziehung.

FB: Ganz gleich, ob Paare bewusst oder unfreiwillig eine Fernbeziehung leben – was für Herausforderungen bringt diese Partnerschafts-Variante mit sich?

Das Thema Vertrauen steht ganz vorne auf der Liste der Herausforderungen. Gefolgt von der Sehnsucht nach körperlicher Nähe, die in der Woche keine unmittelbare Erfüllung finden kann.

Nicht zu unterschätzen ist der energetische Aufwand, der von beiden Partnern geleistet wird. Solange die Beziehung noch frisch ist, bewältigt man die Reisestrecke nahezu schwebend, und der Elan scheint grenzenlos zu sein. Gerne verschenkt man sein komplettes Wochenende an den Liebsten oder die Liebste. Nach einer gewissen Zeit kann es dann aber doch anstrengend werden. Irgendwann muss jeder die unliebsamen Arbeiten, die in der Woche nicht geschafft wurden, erledigen. Was man zum Beispiel sonst ganz entspannt am Samstagvormittag geschafft hat, muss nun in der Woche so nebenbei erledigt werden, damit von Freitag bis Sonntag freie Bahn für die Liebe ist.

Und auch die wiederkehrende Kofferpackerei kann mit der Zeit nerven. Irgendwas fehlt immer …! Die warmen Socken, das passende Outfit für den plötzlichen Partybesuch oder den Wetterumschwung. Sonntagabend ist der Zauber vorbei. Voller Eindrücke und einer Tasche voll mit geknüddelten Klamotten kehrt man in die eigene, ungeheizte Bude zurück.

Das klingt unromantisch, ist aber leider die mögliche Schattenseite einer Fernbeziehung.

FB: Paare, die frisch zusammenkommen und (zunächst) eine Fernbeziehung leben müssen, haben oft Sehnsucht und leiden nicht selten darunter, den Alltag in der Woche nicht zu zweit gestalten zu können. Was sorgt bei diesen Paaren am meisten für Frust?

Die Tatsache, dass der Partner nicht greifbar ist; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es macht einen Unterschied, ob man seine Sorgen telefonisch mitteilt, oder bei einem Glas Wein in den Armen des Partners gemeinsam besprechen kann. Zudem kann sich das Thema Eifersucht sehr schnell einschleichen. Schließlich dauert es in einer Fernbeziehung häufig länger, bis man den Freundes- und Bekanntenkreis des Partners gut genug kennt. Wenn einem an schlechten Tagen die Fantasie durchgeht und sich das Gedankenkino nahezu überschlägt , erfordert das viel Verständnis vom Partner.

Außerdem sind spontane Unternehmen gemeinsam nicht möglich, wie mal eben schnell gemeinsam zu den Nachbarn rüber gehen und grillen. Oder wenn das Auto den Geist aufgibt, kann der Partner nicht rasch zur Hilfe eilen. Diese Dinge sind kein Weltuntergang, können aber schon mal Frust aufkommen lassen.

FB: Gibt es Erkenntnisse, welches Geschlecht besser mit einer Fernbeziehung klarkommt – die Männer oder die Frauen?

Ich kenne hierzu keine Statistiken. Durch meine Praxiserfahrung und den Stimmen aus meinem eigenen Bekanntenkreis, bin ich der Meinung, dass beide Geschlechter gleichermaßen gut oder schlecht damit klarkommen. Eifersucht und Sehnsucht finden sich – wie evtl. vermutet – nicht überwiegend bei Frauen. Auch Männer haben Schwierigkeiten damit.

FB: Ist das Wochenende und damit das Wiedersehen da, zelebrieren viele Paare die wenigen Stunden des Zusammenseins. Zu schnell allerdings naht dann meist schon wieder der Abschied. Haben Sie Tipps, wie man diesen händeln kann, damit er einen – gerade in einer noch jungen Beziehung – zum Sonntagabend nicht allzu sehr runterzieht?

Ich rate hier, das Wochenende nicht zu voll zu packen. Gemeinsame Aktivitäten verbinden und erhöhen den Freizeitwert, aber bitte gut dosiert. Lassen Sie den Sonntag gemütlich ausklingen und nehmen Sie die Anwesenheit des Partners nochmal ganz bewusst wahr, und zwar mit allen Sinnen. Kuscheln Sie, entspannen Sie sich und schmieden Sie neue Pläne für weitere Unternehmungen und planen Sie den Termin für das nächste Wiedersehen.
Die modernen Medien sind für Fernbeziehungspärchen eine gute Möglichkeit, sich auch auf Distanz zu „erleben“. Smartphone und Skype machen so vieles möglich. Ein Gute-Nacht-Video, Sprachnachnichten, Fotos, Gedichte … Die gute Nachricht ist: Hier machen tägliche Aufmerksamkeiten bzw. Liebesbekundungen tatsächlich Sinn, ohne kitschig zu wirken.

Ein weiterer Tipp besteht darin, das Wochenende möglichst häufig zu verlängern. Wer kann, sollte sich ein paar Stunden oder Tage Extrafreizeit rausarbeiten und diese in die Beziehung investieren. Am Montagmittag reist es sich viel entspannter ab …

FB: Stimmt es, dass viele Paare Konflikte oder Probleme nicht ansprechen oder angehen, weil man die kurze Zeit der Nähe – zumeist am Wochenende – nicht belasten will?

Ja, das kommt vor. Es ist auf der einen Seite verständlich, aber leider nicht zielführend. Egal welche Art von Beziehung geführt wird – Reden muss sein und Probleme gehören auf den Tisch. Es geht hier vielmehr um das WIE als um das OB.

Ich empfehle, dass es die grundsätzliche Absprache gibt, dass Probleme jederzeit angesprochen werden dürfen, erst recht, wenn es wirklich unter den Nägeln brennt. Niemand sollte über Tage aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Das belastet die Beziehung erst recht.

Grundsätzliche Dinge, die noch etwas Zeit haben, dürfen am Wochenende besprochen werden, aber bitte nicht gleich in den ersten 30 Minuten … Kommen Sie erstmal an und genießen Sie das Wiedersehen in Ruhe und Harmonie. Und bitte tischen Sie die Probleme nicht kurz vor der Verabschiedung auf. Bedenken Sie, dass es immer die letzte Emotion des Treffens ist, die der Partner oder die Partnerin in die Woche transportiert.

FB: Noch mal zum Thema Eifersucht: nicht wenige Menschen, die eine Fernbeziehung haben, befürchten, dass der Partner sich anderweitig in jemanden verlieben oder gar fremdgehen könnte. Für viele misstrauische Naturen dürfte diese Art der Partnerschaft `eh nicht ganz einfach sein. Was raten Sie diesen Leuten?

Wer zu Eifersucht und sonstigen Befürchtungen neigt, sollte hieraus kein Geheimnis machen. Gehen Sie offen damit um. Kündigen Sie an, dass das für Sie ein Problem werden könnte und schauen Sie wie das Gegenüber reagiert. Überlegen Sie gemeinsam, ob es Rituale gibt, die vertrauensbildend sind und wie Sie sich gegenseitig helfen können.

Wenn der Partner überhaupt nicht mit diesen Gefühlen umgehen kann und sich regelrecht belästigt fühlt, sollten Sie sich  fragen, ob Sie wirklich stark genug sind, damit umzugehen. Das wird kein Spaziergang für Ihre Emotionswelten.

Ich muss hierzu allerdings sagen, dass Eifersucht und Misstrauen jede Beziehung, ob nah oder fern, belasten. Daher ist es ein generelles Thema, welches Sie sich anschauen sollten. Fremdgehen kann jeder überall, wenn es darauf angelegt wird.

FB: Gibt es eine Art Richtwert, nach welcher Zeit der Fernbeziehung man(n) zur „Nah“Beziehung übergehen sollte oder gibt es Erkenntnisse, wann das gemeinhin geschieht?

Das Wichtigste ist, dass es überhaupt eine realistische Perspektive gibt, in eine Nah-Beziehung überzugehen. Ich bin der Meinung, dass man nach circa sechs bis zwölf Monaten die erste Prognose über den Fortbestand der Beziehung abgeben kann. Beide kennen sich nun einigermaßen gut und es ist ratsam, erste Zielvereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Selbst, wenn die Realisierung einer gemeinsamen Wohnsituation erst in zwei oder drei Jahren in Betracht kommt, ist zumindest die Aussicht auf eine Nah-Beziehung sehr motivierend. Somit lassen sich die Nachteile und Anstrengungen viel besser ertragen. Frau in pinkem Pullover

Mehr zum Coaching unserer Interviewpartnerin Sandra Damke (im Bild) erfahren Sie hier.

Copyrights: pexels.com, Sandra Damke

 

 

Stellen Sie sich vor, Sie haben beschlossen, sich einen Gebrauchtwagen zuzulegen, weil Sie einen fahrbaren Untersatz benötigen und es satthaben, zu laufen.

Was Sie wollen, wissen Sie genau: einen benzinsparenden fünfsitzigen Kombi mit bis zu 90 PS in der Farbe Grau oder Anthrazit. Monatelang haben Sie sich im Internet schlau gemacht und Angebote geprüft, beschließen aber, den Wagen vor Ort zu kaufen, damit sie ihn sofort mit nach Hause nehmen können. Sie klappern alle Händler in Ihrer näheren Umgebung ab, doch nirgends gibt es, was Ihnen vorschwebt. Am Ende eines langen Tages stehen Sie dann vor einem sperrigen Geländewagen mit Dellen und Rost an verschiedenen Stellen. Er hat 180 statt 90 PS und ist nicht grau, sondern feuerrot. In den Fond passen mit viel Glück zwei Kleinwüchsige, und das Ding wird garantiert mehr Sprit saufen als Ihr verstorbener Onkel Leipold seinerzeit Apfelkorn.

Sie wollen aber unbedingt einen Wagen, jetzt, sofort, deshalb denken Sie sich:

„Ach, zur Not bringt man da auch 5 Leute rein. Der hat zwar keinen Kofferraum, aber ich lasse eine Anhängerkupplung montieren. Und der Spritverbrauch ist enorm, aber dann fahre ich weniger. Hauptsache, nicht mehr laufen.“

Und jetzt ersetzen Sie einfach „Gebrauchtwagen“ durch „Mann“.

Würden Sie diesbezüglich so einen Kompromiss eingehen? Nein? Dann lesen Sie, wie es meiner Bekannten Beate erging.

Vor fünf Jahren lernte sie – eine hübsche Brünette Mitte 30, Sekretärin der Geschäftsleitung, und verbissen auf der Suche nach dem Partner fürs Leben – Tom, 36, freiberuflicher Grafiker, auf einer Party kennen.  Er war groß, schlank und dunkelhaarig, mit freundlichen braunen Augen und gewinnendem Lächeln. Tom mochte laut eigener Aussage Kinder und Tiere und schien still, sanftmütig und gelassen zu sein. Beate verknallte sich sofort, denn es war spät am Abend und kein anderer Kandidat in Sicht.

Am nächsten Tag gingen sie zusammen essen. Tom erschien beinahe eine Stunde zu spät zu der Verabredung beim Italiener, in einem Parka aus Restbeständen der Bundeswehr, mit dreckigen Sneakers und fleckiger Hose. Bei Spaghetti und Lambrusco erklärte er Beate freimütig, dass er weder vom Heiraten noch von Beziehungen oder Familie etwas hielte. Nach seinem dritten, in Rekordgeschwindigkeit geleerten Glas Wein flocht er beiläufig ein, dass er momentan mehr trinke, weil seine letzte Freundin ihn verlassen habe, diese verständnislose Zimtzicke. Und dass er sparen müsse und Beate deshalb heute nicht einladen könne, denn er restauriere gerade einen Oldtimer, der eine neue Zylinderkopfdichtung bräuchte. Er sei außerdem öfter mal pleite, weil die Aufträge gelegentlich auf sich warten ließen, er aber freiberuflich bleiben wolle und sich nicht vorstellen könne, sich in eine Firmen-Hierarchie einzufügen.

Weiter gab er zu, dass ihn außer alten Autos nichts interessiere, weder Musik, noch Freunde, weder Filme noch Bücher. Er schien wie ein weißes Blatt, das Beate sich im Stillen vornahm, zu beschriften. Mit einem dicken wasserfesten Eddingstift, nämlich ihren eigenen Vorstellungen.

Tom redete langsam und bedächtig. Beate lauschte ihm scheinbar aufmerksam, und doch hörte sie… nichts, denn alles, was sie dachte war: „Endlich muss ich nicht mehr zu Fuß gehen.“ Im übertragenen Sinne.

Sie interpretierte Toms Desinteresse an allem, was ihn umgab, als Abgeklärtheit, seine Einsilbigkeit als Gelassenheit, und dass er sich am Lambrusco bediente, als wäre er gratis, fand sie nicht so schlimm.

Als sie mir Tom damals vor fünf Jahren vorstellte, war ich erstaunt, denn normalerweise stand sie auf Anzugträger mit einwandfreien Manieren – kultivierte, weltgewandte Männer mit Charme und Bildung, die sich auf jedem Parkett zu bewegen wussten. Tom sah nicht aus, als hätte er überhaupt schon mal ein Parkett von näherem gesehen. Höchstens beim Draufknallen, wenn er betrunken war. Er war das genaue Gegenteil von allen Männern, mit denen ich Beate zuvor gesehen hatte.

„Der ist so cool“ schwärmte sie, als Tom auf der Toilette verschwand. „Tiefgang hat der. Und tierlieb ist er auch. Ich glaube, ich bin verknallt. Endlich mal ein Typ, der nicht so oberflächlich ist wie dieser Versicherungsmakler vom letzten Mal. Und vielleicht hat er Recht, wenn er mir vorwirft, ich hätte zu viele Klamotten. Wahrscheinlich wird es Zeit, dass ich mein Leben umstelle, immerhin werde ich in fünf Jahren 40.“

„Du bist nicht verknallt, du bist verzweifelt“ dachte ich damals, behielt es aber für mich. Es half nicht, Beate dreinzureden. Sie wusste normalerweise sehr genau, was sie wollte. Aber ihr Kinderwunsch war in den letzten Jahren drängend geworden, und scheinbar dachte sie, Tom wäre der richtige Mann, ihr bei deren Produktion behilflich zu sein. Wie sie so dasaß mit leuchtenden Augen, gönnte ich es ihr von Herzen, glücklich zu werden.

Zwei Jahre lang hörte ich von Beate und Tom wenig. Nur gelegentlich rief sie an und klang längst nicht mehr so begeistert wie am Anfang.

„Genau einmal habe ich Blumen zum Geburtstag bekommen“ erzählte sie vor einiger Zeit.  „Da war das Etikett noch dran, denn die waren reduziert. Ich könne mir die zukünftig selbst kaufen, sagte er. Weil ich besser verdiene. Aber ich glaube, das ist eine Ausrede, der ist nur knickerig. Immer muss ich ihn einladen, wenn wir zum Essen gehen. Zu Weihnachten habe ich einen selbst gekritzelten Gutschein für eine Massage gekriegt. Er wird schon noch draufkommen, wie viel Glück er mit einer so geduldigen Frau wie mir hat.“

„Und wie geht es weiter mit euch? Fühlst du dich gut?“ fragte ich.

„Weiß nicht“ murmelte sie. „Ich hätte wohl damals auf meinen Bauch hören sollen. Irgendwie hat der sich von Anfang an geziert, und ich musste ihn förmlich überreden, sich mit mir einzulassen. Stell dir das mal vor! Aber ich weiß mittlerweile nicht mehr, was der überhaupt will. Wenn ich ihn frage, wie es mit uns weitergeht, weicht er mir aus. Er meint dann, es sei doch alles gut so, wie es ist. Aber ich möchte, dass wir mindestens zusammenziehen und die Beziehung auf den nächsten Level heben. Immerhin werden wir beide nicht jünger.“

Das klang nicht so toll, aber Beate ließ sich von Toms Verweigerungshaltung nicht beirren. Sie fand ein bezahlbares Haus zur Miete und plante einen Wohnungswechsel. Tom weigerte sich standhaft. Erst als sie ihm mit Schlussmachen drohte, gab er nach, denn offenbar wollte er die Annehmlichkeiten wie regelmäßige Mahlzeiten und kostenlosen Sex nicht verlieren.

Beate hatte ihre Vision von einem Leben zu zweit, und sie versuchte, sich dieses gewaltsam zusammenzubauen, als wären Hoffnungen und Wünsche bunte Legosteine, die sie nur aneinanderfügen musste, damit aus ihnen ein Wolkenkuckucksheim entstünde.

Sie setzte sich durch. Tom willigte in den Umzug ein – unter der Bedienung, dass er ein eigenes, abschließbares Zimmer bekäme.

Am Tag des Umzuges halfen wir Freunde alle mit. Alle, außer Tom. Der musste nämlich angeblich einem Kumpel bei einer Autopanne Nothilfe leisten und kam erst, reichlich angeschickert, zurück, als wir bereits sämtliche Möbel ins Haus gewuchtet hatten und uns gerade ausruhten. Dann setzte er sich aufs Sofa, grinste verlegen und schlief anschließend ein.

„Ist hart für ihn, dass er seine Wohnung aufgeben muss, da hat er wohl etwas über die Stränge geschlagen“ entschuldigte ihn Beate verlegen. Wir dachten uns unseren Teil und schwiegen. Man sagt nie was, wenn man sieht, wie jemand in sein Verderben rennt. Ist ja nicht unser Verderben. Ein klein wenig schäme ich mich sogar heute noch dafür.

Ich hörte in der Zeit nach dem Einzug in das Häuschen nicht mehr viel von Beate und Tom. Scheinbar hatten sie sich eingerichtet und kamen zurecht. Einmal erschienen sie auf meiner Halloweenparty gemeinsam gegen 20:00 Uhr und gingen sich dann bis ungefähr 3:00 Uhr erfolgreich aus dem Weg. Aber immerhin verließen sie die Party zusammen wieder – sie hatten denselben Heimweg.

Beate war nach Jahren mit Tom immer noch nicht schwanger, geschweige denn verheiratet. Tom trug nach wie vor seinen alten grünen Parka und trank zu viel. Aber wie das so ist mit guten Bekannten, gelegentlich verliert man sich aus den Augen. Und so fiel mir gar nicht auf, dass ich schon länger nichts mehr von Beate und Tom gehört hatte.

Letzte Woche nun bemerkte ich am späten Nachmittag, dass mir für das Abendessen noch ein paar Zutaten fehlten, also machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt.

Als ich durch die Gänge irrte, hörte ich, nur durch ein Regal getrennt, die lauten Stimmen von Beate und Tom. „Ich zahl das nicht, basta!“ Das war Tom, und er schien recht aufgebracht zu sein. Von unheilvoller Neugierde getrieben arbeitete ich mich von den Cerealien zu den Hygieneartikeln. Tom schwenkte gerade entrüstet eine Packung Wattestäbchen. Beate tappte stinksauer von einem Fuß auf den anderen und starrte mich entgeistert an.

„Hallo, ihr beiden“ grüßte ich, während ich schon bereute, mich herangeschlichen zu haben. „Der sagt, er will die Wattestäbchen nicht mitbezahlen!“ schimpfte Beate los und funkelte Tom wütend an.

Ich warf einen Blick auf den Einkaufswagen. Darin lagen nur ein 10er-Pack WC-Papier und ein großer Stapel Katzenfutter. Tom und Beate trugen aber jeweils einen Einkaufskorb am Arm. „Das ist mein Zeug!“ Beate deutete auf ihren roten Plastik-Korb. „Da kommen nur Sachen rein, die ich allein verwende.“

„Ja, und das meiner!“ Tom schwenkte den roten Korb an seinem Arm, in dem Rasierschaum, Klingen und ein Männer-Duschgel lagen.

„Und jetzt will Beate Wattestäbchen und Küchenrollen in den Einkaufswagen mit den Sachen legen, die wir gemeinsam kaufen.  Das akzeptiere ich nicht, weil sie so verschwenderisch mit dem Zeug umgeht. Ich brauche zwei Wattestäbchen im Jahr. Das bezahle ich nicht mit.“ Tom schien wirklich entrüstet.

„Ich hoffe, dir bricht mal eins ab und bleibt dir im Ohr stecken, du Depp!“ zischte Beate fuchsteufelswild. Dann wandte sie sich an mich. „Es ist doch die Höhe, dass dieser Geizkragen sich nicht dran beteiligt. Demnächst wird bei uns wohl noch das Klopapier abgezählt?“

Tom grinste verlegen. „Und was ist mit den Küchenrollen?“ fragte ich irritiert.

„Na, jedes Mal, wenn Beate was überläuft am Herd, dann nimmt sie so ein Papiertuch und wischt da drüber!“ nuschelte Tom. „Da kann man einen Lappen benützen. Es ist einfach unerträglich, wie sie mit den Sachen umgeht und das Geld raushaut. Genauso ist es mit den Putzmitteln. Man muss doch nicht einen halben Liter Kloreiniger ins WC schütten. Eine Bürste täte es auch. Sie kann einfach nicht sparen.“

„Und du bist geizig wie die Nacht dunkel. Der hat jetzt sogar eine eigene Kommode“ berichtete Beate. „Stell dir vor, die ist abgeschlossen. Da war seine blöde Schokolade drin, und kürzlich hatte ich Lust auf Süßes und hab mir eine Rippe von seiner Schokolade genommen. Eine Rippe!“ Sie schaute Tom anklagend an.

„Das ist die gute Fair-Trade-Bio-Schoki“ verteidigte sich Tom. „Du kannst dir ja was von dem Billigfraß holen. Aber wenn du zu geizig bist, dir anständigen Süßkram zuzulegen, dann mach nicht mich dafür verantwortlich.“

„Habt ihr beiden denn festgelegt, was gemeinsam bezahlt wird?“ fragte ich vorsichtig und schaute nochmal in den Einkaufswagen, wo einsam Katzenfutter und Klopapier lagen.

„Ja, haben wir“ maulte Beate. „Aber scheinbar will er neu verhandeln, weil ich mehr Klopapier verbrauche als er. Männer benutzen seiner Aussage zufolge nach dem Pinkeln kein Papier, und deshalb zahlt er angeblich immer drauf.“

„Das stimmt doch, oder?“ Tom blinzelte mich beifallheischend an. Endlich ging mir ein Licht auf. Die beiden brauchten einen Schiedsrichter. Und der wollte auf keinen Fall ich sein. „Sorry, ich muss dringend los, brauch noch gefüllte Eichhörnchen fürs Abendessen“ murmelte ich deshalb verlegen und schaute, dass ich wegkam, nachdem ich mich hastig verabschiedet hatte.

Ich mische mich grundsätzlich nicht in Beziehungsangelegenheiten. Da könnte ich auch gleich in einen riesigen Gartenhäcksler hüpfen und darauf warten, dass dieses Ding mich als kleingemahlene Brösel auf den Gehweg spuckt, denn man kann, wenn es um die Streitigkeiten anderer Leute geht, eigentlich nur alles verkehrt machen.

Auf dem Heimweg dachte ich über dieses Treffen nach. Scheinbar lagen die Probleme noch tiefer, als mir Beate bei den letzten Telefonaten gestanden hatte. Am nächsten Tag rief sie mich an.

„Ich habe gestern die Wattestäbchen und die Küchentücher bezahlt“ erzählte sie mürrisch. „Der war eigentlich von Anfang an so geizig, wenn ich darüber nachdenke. Aber jetzt ist es ihm nicht mal mehr peinlich. Das einzige, das er mal kocht, wenn er das Essen selbst kauft, sind Rühreier oder Kartoffeln. Und jedes Mal sieht es hinterher aus in der Küche wie im Libanon. Ich muss aber alles saubermachen, weil der keinen Finger rührt.“

Im Grunde genommen signalisiert Tom Beate durch jede Pore, dass er nicht mit ihr leben möchte. Er verkriecht sich oft tagelang in seinem Zimmer, wo Beate, wenn sie vorbeiläuft, nur den Fernseher vernimmt oder Tom im Flüsterton telefonieren hört. Auf gut Deutsch: Er separiert sich, so gut er kann, denn er wurde genötigt und lebt jetzt etwas, das er nicht möchte. Das lässt er Beate deutlich spüren.

Die Weigerung, sich an minimalen Ausgaben für den täglichen Bedarf zu beteiligen, darf umdefiniert werden in eine Weigerung, ein Leben zu zweit, wie Beate es sich vorstellt, zu führen.

Genaugenommen hat sie nichts erreicht, außer dass sie in dem neuen Haus eine größere Fläche putzt als vorher in ihrer kleinen Wohnung, denn Tom sieht nicht ein, dass er einen Finger in diesem Haushalt rührt, den er eigentlich gar nicht wollte. Ihm hätte seine düstere Bude mit Blick auf den Hinterhof weiterhin genügt. Erholen konnte er sich ja immer in Beates blitzsauberem Appartement.

All das – den Geiz, die Lethargie, diese völlige Verweigerung von allem, was Beate wichtig wäre, registrierte sie damals beim Kennenlernen nicht.

Sie sah nur einen schlanken, intelligenten Mann in ihrem Alter und dachte sich: „Wenn wir erst mal zusammen sind, wird der seine Einstellungen schon ändern.“ In verständliches Deutsch übersetzt bedeutete das: „Ich brauche einen Mann, dringend, sofort, und dann nehme ich eben, was ich kriege und biege mir das zurecht.“ Basta.

Bestünden Männer aus Knetmasse, hätten wir Frauen es einfacher. Aber sie sind eigenständige Persönlichkeiten, die sich nicht verformen und schon gar nicht brechen lassen. Ab einem gewissen Alter ist die Persönlichkeitsentwicklung abgeschlossen, und Sie müssen das ganze Paket nehmen, mit allem, das drin ist, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Darum sollten Sie genau hinsehen, worauf Sie sich einlassen. Manche Wundertüte enthält eben kein Feuerwerk, sondern nur ein paar abgebrannte Zündhölzer. Selbst schuld, wenn Sie nicht vorher nachsehen. Und man kann auch nicht behaupten, dass Tom Beate getäuscht hätte. Schon beim ersten Treffen machte er unmissverständlich klar, was ihm wichtig war: nichts außer seinen Oldtimern. Sie hat nur nicht zugehört.

Beate wollte damals nicht nachdenken. Sie war zu optimistisch, sie war zu hungrig nach Zuwendung, und sie war zu einsam.

Ihr ging kein Licht auf nach den ersten 10 Dates, bei denen sie nicht nur ihr eigenes Essen bezahlte, sondern Tom sogar einladen musste, weil er in seinem Geldbeutel herumkramte, als suche er auf dem Grund des Münzfaches nach der versunkenen Stadt Atlantis. Ihr ging kein Licht auf, als er immer wieder Verabredungen absagte, weil ein Ersatzteil für seinen Oldtimer eingetroffen war, das er einbauen musste. Beate wollte einen Mann, sie wollte ihn bald, und Tom war da und schien keinen sonderlich ausgeprägten Fluchtinstinkt zu haben. Das genügte ihr.

Neulich musste Beate zum Arzt. Ihr eigener Wagen war in der Werkstatt, also bat sie Tom darum, sie hinzubringen. Er verlangte 10 Euro fürs Benzin. Ist wirklich wahr.

Viel mehr kann man sich nicht abgrenzen.

Beate ist auch nach der „Wattestäbchen-Affäre“ weiterhin mit Tom zusammen, obwohl sie durchaus erkennt, dass ihre Beziehung gescheitert ist. Aber sobald sie diese Tatsache anerkennt, müsste sie die Konsequenzen ziehen und sich von ihm trennen.

„Wir sind jetzt fünf Jahre zusammen, es kann nicht sein, dass ich diese Zeit umsonst investiert habe!“ erklärte sie mir am Telefon grimmig. „Es gibt schlimmere Kerle als ihn. Wenigstens geht er nicht fremd.“

So kann es gehen, wenn Verzweiflung auf Gleichgültigkeit trifft. Tom, der eigentlich auch ohne Beziehung gut zurechtkam – er war ohnehin viel zu lethargisch, um sich selbst eine Frau zu suchen – ließ sich „einfangen“ von Beate, die lediglich nicht mehr allein sein wollte.

Für Tom ist Heiraten eine überholte Institution. Das würde ich an seiner Stelle auch behaupten, denn wenn er Beate ehelicht und mit ihr Kinder bekommt, bleibt für die Schrauberei an seinen alten Schrottkisten weniger Zeit oder Geld als vorher, und Ersatzteile kann er sich vielleicht auch nicht mehr leisten. Das scheint seine größte Sorge zu sein.

„Manchmal denke ich mir, er hat sich schon heimlich einer Vasektomie unterzogen“ klagte Beate am Telefon ihr Leid. „Es kann doch nicht sein, dass ich ums Verrecken nicht schwanger werde, obwohl ich es mir so wünsche.“

Merken Sie was? Beide Teile dieses Paares tun eigentlich, was sie wollen. Sie täuschen eine Partnerschaft lediglich vor, und das nicht mal besonders gut. Das kann nur in einer Katastrophe enden. Nur weil man sich innerhalb derselben vier Wände bewegt, dieselbe Toilette benützt, gelegentlich gemeinsam kocht oder isst, bedeutet das nicht, dass man eine Beziehung führt. Die beiden haben eine Wohngemeinschaft mit gelegentlichem Geschlechtsverkehr in den wenigen Momenten, in denen sie sich nicht gerade um Wattestäbchen oder Küchennutzung streiten.

Etwas Traurigeres kann ich mir nicht vorstellen.

„Manchmal laufen wir morgens aneinander vorbei und murmeln nur hallo“, erzählte Beate. „Als wären wir Gäste in einer Pension. Da ist nichts Herzliches oder Liebevolles mehr. Wenn ich nur verstehen könnte, warum er so reserviert ist.“

Die Masken sind also gefallen. Trotzdem ist die Möglichkeit groß, dass beide dieses traurige Spiel weiterspielen. Tom wäre schön dumm, Beate zu verlassen, denn sie hält das Haus sauber, versorgt seine Katzen, wenn er wieder mal eine Sauftour mit seinen Kumpels macht und kocht gut. Mit Lebensmitteln, die sie bezahlt.

Seit dem Vorfall im Supermarkt haben die beiden getrennt angelegte Vorräte, über die strengstens Buch geführt wird.

All das artet aus zu einem Partisanenkrieg, bei dem es nur noch darum geht, wer dem anderen zuerst eine Handgranate vor die Beine wirft, um ihn ins Straucheln zu bringen, damit er schadenfroh lachen kann. „Wenn du mich schon nicht liebst, dann möchte ich, dass du leidest.“

Da quälen sich zwei vernunftbegabte Wesen täglich aneinander vorbei, die eigentlich Freunde sein und zusammen eine Menge Spaß haben könnten, wären sie nicht durch irrationale Vorstellungen und lethargische Nachgiebigkeit aneinander gekettet wie Galeerensklaven.

Ich als Frau verstehe Beates Sehnsüchte. Mit Ende 30 will man nicht mehr konsequenzlos vor sich hinleben, sondern Verbindlichkeiten generieren. Man möchte einen Partner, der sich erklärt und sagt: „Zu dieser Frau gehöre ich, mit ihr möchte ich mein Leben gemeinsam meistern.“

Aber gleich, was Beate anstellt: Tom gleicht diesbezüglich einem Ei. Je länger sie es kocht, um so härter wird es. Sie wird weiterhin warten und hoffen, bohren, nörgeln und quengeln. Denn sie hat ja laut eigener Aussage „Zeit investiert“. Als würde diese einem nicht durch die Finger rinnen wie giftiger Sand, als wäre Zeit eine messbare Größe, wie ein Stapel Goldbarren, etwas, das sich nicht sofort verflüchtigt, nachdem man es gelebt hat.

Eine Beziehung ist keine Spardose, wie zum Beispiel ein kleines Schweinchen, das man in einer Notlage mit dem Hammer zerdeppert, um dann herauszuholen, was man vorher reingeworfen hat. Eine Beziehung ist, was beide Partner daraus machen, wenn es denn beide wollen.

Genau darum sollte man aufmerksam zuhören, wenn man jemanden kennenlernt. Gesetzt den Fall, man wird nicht angelogen (auch solche Männer gibt es leider), lassen sich schon aus den ersten Unterhaltungen Rückschlüsse ziehen, ob es sich bei unserem Objekt der Begierde um einen potenziellen Kandidaten für ein Leben zu zweit handelt, oder nur um eine Feuerfliege, die nach einer gemeinsamen Nacht verglüht.

Zu glauben, man könne einen Menschen von etwas überzeugen, das er vom ersten Moment an kategorisch ablehnt, ist eine Lüge gegenüber sich selbst. Druck erzeugt Gegendruck. Je mehr Beate will, umso mehr verweigert sich Tom. Sie führen ihre kleinlichen Scharmützel um Küchenrollen und Wattestäbchen vertretungsweise für ihre diametral verlaufenden Lebensvorstellungen. Es geht nicht um Küchenkrepp oder Kleingeld – es geht um alles, denn die Zeit, dieser flüchtige Stoff, mit dem wir nur begrenzt ausgestattet sind, verfliegt in rasendem Tempo, je älter wir werden.

Beate und Tom – diese beiden tragischen Figuren – werden nur noch vom Kleber der zusammen verbrachten gemeinsamen Jahre zusammengehalten, der mittlerweile an vielen Stellen bröckelt.

Und darum, wenn Ihnen das Leben eine dieser „Wundertüten“ präsentiert, in Form eines Mannes, der Sie gewinnend anlächelt, wenn ihr Herz Purzelbäume schlägt und die Schmetterlinge in Ihrem Magen wilde Flugmanöver veranstalten – bleiben Sie vorsichtig.

Manche Überraschungen sind nämlich böse und unserer seelischen Gesundheit abträglich. Es ist immer besser, rational zu sondieren, worauf man sich einlässt. Halten Sie nicht an sinnlosen Gegebenheiten fest, machen Sie sich frei davon, dass jeder, der Ihnen schöne Worte ins Ohr flüstert, mit Ihren eigenen Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben konform gehen müsste.

Das Leben ist eine fiese Lotterie mit wesentlich mehr Nieten als dem sehnsüchtig erwarteten Hauptgewinn. Manchmal darf man nur zwischen einer neuen Zahnbürste oder einem Schokoriegel wählen. Nehmen Sie ruhig, was das Schicksal Ihnen bietet, aber versuchen Sie nicht, den Trostpreis zum Hauptgewinn umzudefinieren.

Belügen Sie sich nicht selbst. Sie müssten sich die Wahrheit wert sein. Betrachten Sie mit dem falschen Partner verschwendete Zeit nicht als fehlgeschlagene Investition, sondern als das, was sie ist: ein Irrtum, dem Sie erlegen sind. Fehler machen wir alle. Wir sollten nur darauf bedacht sein, sie nicht zu wiederholen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und eine schöne Zeit.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann