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Frau am Bahnhof

Bedingt durch die vielen Möglichkeiten, mit denen Menschen in der heutigen Zeit einen Partner finden können, kommt der Fernbeziehung eine hohe Bedeutung zu. Denn diese Art der Partnerschafts-Variante ergibt sich häufig, wenn Paare sich online finden. Meist geschieht das durch Singlebörsen oder auch soziale Netzwerke.

Wer sich hier findet, trifft nicht selten auf einen Herzens- und Seelenverwandten, bei dem es passt, der aber leider hunderte Kilometer weit weg wohnt. So beginnt denn meist auch die klassische Fernbeziehung. Dass diese Art der Partnerschaft sehr oft mit verschiedenen Herausforderungen verknüpft ist und vor allem das allwöchentliche Ankommen und Verabschieden so seine speziellen Höhen und Tiefen mit sich bringt, ist ein Dauerthema – vor allem im Netz.

Wir haben mit Sandra Damke, die als Liebeskummercoach in Nordrhein-Westfalen arbeitet, über diese Art der Beziehung gesprochen.

FB: Sandra – Stichwort „Fernbeziehung“. Googelt man diesen Begriff, fällt auf, dass unheimlich viele Ergebnisse angezeigt werden, die Tipps für ein „Frisch halten der Liebe“ in einer Fernbeziehung geben. Ist denn diese Beziehungsart tatsächlich so oft vom Welken der Liebe betroffen?

Ich glaube, dass Fernbeziehungen nicht zwangsläufig häufiger scheitern als „normale Beziehungen“. Sie sind jedoch mit größeren Herausforderungen verbunden, die zu bewältigen sind. Allerdings kommt der Fernbeziehung zugute, dass die Partner, die sich darauf einlassen, all das in Kauf nehmen und somit ein hohes Maß an Engagement und Optimismus aufbringen, was die Beziehung wiederum stärkt und lebendig hält.

FB: Die meisten Fernbeziehungen dürften unfreiwillig zustande gekommen sein. Aber es gibt durchaus auch Paare, die diese Art der Beziehung bewusst eingehen. Was gibt in diesen Fällen den Ausschlag, sich für diese Beziehungsform zu entscheiden?

Für Menschen, die sehr freiheitsliebend sind und ihre Individualität in vielen Lebensbereichen  voll ausleben wollen, ist eine Fernbeziehung eine attraktive Mischung aus Nähe und Distanz. Gewisse Alltagsprobleme entstehen gar nicht erst. Die Partner nerven sich nicht mit unterschiedlichen Auffassungen von Ordnung, Ernährung oder Wohnraumgestaltung. Jeder hat sein Reich und die eigenen Alltagsrituale.

Durch den Abstand bleibt die gefühlte Anziehungskraft länger erhalten. Wer sich im Alltagstrott schnell langweilt, erlebt so eine Beziehung wie eine fortlaufende Aneinanderreihung von Dates. Die einzelnen Begegnungen, auch die sexuellen, wirken bedeutungsvoller und werden intensiver gelebt. Eigene Freiräume und Hobbys können in der Woche entspannt ausgelebt werden. Das gibt einigen Menschen ein hohes Zufriedenheitsgefühl in der Fernbeziehung.

FB: Ganz gleich, ob Paare bewusst oder unfreiwillig eine Fernbeziehung leben – was für Herausforderungen bringt diese Partnerschafts-Variante mit sich?

Das Thema Vertrauen steht ganz vorne auf der Liste der Herausforderungen. Gefolgt von der Sehnsucht nach körperlicher Nähe, die in der Woche keine unmittelbare Erfüllung finden kann.

Nicht zu unterschätzen ist der energetische Aufwand, der von beiden Partnern geleistet wird. Solange die Beziehung noch frisch ist, bewältigt man die Reisestrecke nahezu schwebend, und der Elan scheint grenzenlos zu sein. Gerne verschenkt man sein komplettes Wochenende an den Liebsten oder die Liebste. Nach einer gewissen Zeit kann es dann aber doch anstrengend werden. Irgendwann muss jeder die unliebsamen Arbeiten, die in der Woche nicht geschafft wurden, erledigen. Was man zum Beispiel sonst ganz entspannt am Samstagvormittag geschafft hat, muss nun in der Woche so nebenbei erledigt werden, damit von Freitag bis Sonntag freie Bahn für die Liebe ist.

Und auch die wiederkehrende Kofferpackerei kann mit der Zeit nerven. Irgendwas fehlt immer …! Die warmen Socken, das passende Outfit für den plötzlichen Partybesuch oder den Wetterumschwung. Sonntagabend ist der Zauber vorbei. Voller Eindrücke und einer Tasche voll mit geknüddelten Klamotten kehrt man in die eigene, ungeheizte Bude zurück.

Das klingt unromantisch, ist aber leider die mögliche Schattenseite einer Fernbeziehung.

FB: Paare, die frisch zusammenkommen und (zunächst) eine Fernbeziehung leben müssen, haben oft Sehnsucht und leiden nicht selten darunter, den Alltag in der Woche nicht zu zweit gestalten zu können. Was sorgt bei diesen Paaren am meisten für Frust?

Die Tatsache, dass der Partner nicht greifbar ist; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es macht einen Unterschied, ob man seine Sorgen telefonisch mitteilt, oder bei einem Glas Wein in den Armen des Partners gemeinsam besprechen kann. Zudem kann sich das Thema Eifersucht sehr schnell einschleichen. Schließlich dauert es in einer Fernbeziehung häufig länger, bis man den Freundes- und Bekanntenkreis des Partners gut genug kennt. Wenn einem an schlechten Tagen die Fantasie durchgeht und sich das Gedankenkino nahezu überschlägt , erfordert das viel Verständnis vom Partner.

Außerdem sind spontane Unternehmen gemeinsam nicht möglich, wie mal eben schnell gemeinsam zu den Nachbarn rüber gehen und grillen. Oder wenn das Auto den Geist aufgibt, kann der Partner nicht rasch zur Hilfe eilen. Diese Dinge sind kein Weltuntergang, können aber schon mal Frust aufkommen lassen.

FB: Gibt es Erkenntnisse, welches Geschlecht besser mit einer Fernbeziehung klarkommt – die Männer oder die Frauen?

Ich kenne hierzu keine Statistiken. Durch meine Praxiserfahrung und den Stimmen aus meinem eigenen Bekanntenkreis, bin ich der Meinung, dass beide Geschlechter gleichermaßen gut oder schlecht damit klarkommen. Eifersucht und Sehnsucht finden sich – wie evtl. vermutet – nicht überwiegend bei Frauen. Auch Männer haben Schwierigkeiten damit.

FB: Ist das Wochenende und damit das Wiedersehen da, zelebrieren viele Paare die wenigen Stunden des Zusammenseins. Zu schnell allerdings naht dann meist schon wieder der Abschied. Haben Sie Tipps, wie man diesen händeln kann, damit er einen – gerade in einer noch jungen Beziehung – zum Sonntagabend nicht allzu sehr runterzieht?

Ich rate hier, das Wochenende nicht zu voll zu packen. Gemeinsame Aktivitäten verbinden und erhöhen den Freizeitwert, aber bitte gut dosiert. Lassen Sie den Sonntag gemütlich ausklingen und nehmen Sie die Anwesenheit des Partners nochmal ganz bewusst wahr, und zwar mit allen Sinnen. Kuscheln Sie, entspannen Sie sich und schmieden Sie neue Pläne für weitere Unternehmungen und planen Sie den Termin für das nächste Wiedersehen.
Die modernen Medien sind für Fernbeziehungspärchen eine gute Möglichkeit, sich auch auf Distanz zu „erleben“. Smartphone und Skype machen so vieles möglich. Ein Gute-Nacht-Video, Sprachnachnichten, Fotos, Gedichte … Die gute Nachricht ist: Hier machen tägliche Aufmerksamkeiten bzw. Liebesbekundungen tatsächlich Sinn, ohne kitschig zu wirken.

Ein weiterer Tipp besteht darin, das Wochenende möglichst häufig zu verlängern. Wer kann, sollte sich ein paar Stunden oder Tage Extrafreizeit rausarbeiten und diese in die Beziehung investieren. Am Montagmittag reist es sich viel entspannter ab …

FB: Stimmt es, dass viele Paare Konflikte oder Probleme nicht ansprechen oder angehen, weil man die kurze Zeit der Nähe – zumeist am Wochenende – nicht belasten will?

Ja, das kommt vor. Es ist auf der einen Seite verständlich, aber leider nicht zielführend. Egal welche Art von Beziehung geführt wird – Reden muss sein und Probleme gehören auf den Tisch. Es geht hier vielmehr um das WIE als um das OB.

Ich empfehle, dass es die grundsätzliche Absprache gibt, dass Probleme jederzeit angesprochen werden dürfen, erst recht, wenn es wirklich unter den Nägeln brennt. Niemand sollte über Tage aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Das belastet die Beziehung erst recht.

Grundsätzliche Dinge, die noch etwas Zeit haben, dürfen am Wochenende besprochen werden, aber bitte nicht gleich in den ersten 30 Minuten … Kommen Sie erstmal an und genießen Sie das Wiedersehen in Ruhe und Harmonie. Und bitte tischen Sie die Probleme nicht kurz vor der Verabschiedung auf. Bedenken Sie, dass es immer die letzte Emotion des Treffens ist, die der Partner oder die Partnerin in die Woche transportiert.

FB: Noch mal zum Thema Eifersucht: nicht wenige Menschen, die eine Fernbeziehung haben, befürchten, dass der Partner sich anderweitig in jemanden verlieben oder gar fremdgehen könnte. Für viele misstrauische Naturen dürfte diese Art der Partnerschaft `eh nicht ganz einfach sein. Was raten Sie diesen Leuten?

Wer zu Eifersucht und sonstigen Befürchtungen neigt, sollte hieraus kein Geheimnis machen. Gehen Sie offen damit um. Kündigen Sie an, dass das für Sie ein Problem werden könnte und schauen Sie wie das Gegenüber reagiert. Überlegen Sie gemeinsam, ob es Rituale gibt, die vertrauensbildend sind und wie Sie sich gegenseitig helfen können.

Wenn der Partner überhaupt nicht mit diesen Gefühlen umgehen kann und sich regelrecht belästigt fühlt, sollten Sie sich  fragen, ob Sie wirklich stark genug sind, damit umzugehen. Das wird kein Spaziergang für Ihre Emotionswelten.

Ich muss hierzu allerdings sagen, dass Eifersucht und Misstrauen jede Beziehung, ob nah oder fern, belasten. Daher ist es ein generelles Thema, welches Sie sich anschauen sollten. Fremdgehen kann jeder überall, wenn es darauf angelegt wird.

FB: Gibt es eine Art Richtwert, nach welcher Zeit der Fernbeziehung man(n) zur „Nah“Beziehung übergehen sollte oder gibt es Erkenntnisse, wann das gemeinhin geschieht?

Das Wichtigste ist, dass es überhaupt eine realistische Perspektive gibt, in eine Nah-Beziehung überzugehen. Ich bin der Meinung, dass man nach circa sechs bis zwölf Monaten die erste Prognose über den Fortbestand der Beziehung abgeben kann. Beide kennen sich nun einigermaßen gut und es ist ratsam, erste Zielvereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Selbst, wenn die Realisierung einer gemeinsamen Wohnsituation erst in zwei oder drei Jahren in Betracht kommt, ist zumindest die Aussicht auf eine Nah-Beziehung sehr motivierend. Somit lassen sich die Nachteile und Anstrengungen viel besser ertragen. Frau in pinkem Pullover

Mehr zum Coaching unserer Interviewpartnerin Sandra Damke (im Bild) erfahren Sie hier.

Copyrights: pexels.com, Sandra Damke

 

 

Nachdenkliche Frau

Stellen Sie sich vor, Sie haben beschlossen, sich einen Gebrauchtwagen zuzulegen, weil Sie einen fahrbaren Untersatz benötigen und es satthaben, zu laufen.

Was Sie wollen, wissen Sie genau: einen benzinsparenden fünfsitzigen Kombi mit bis zu 90 PS in der Farbe Grau oder Anthrazit. Monatelang haben Sie sich im Internet schlau gemacht und Angebote geprüft, beschließen aber, den Wagen vor Ort zu kaufen, damit sie ihn sofort mit nach Hause nehmen können. Sie klappern alle Händler in Ihrer näheren Umgebung ab, doch nirgends gibt es, was Ihnen vorschwebt. Am Ende eines langen Tages stehen Sie dann vor einem sperrigen Geländewagen mit Dellen und Rost an verschiedenen Stellen. Er hat 180 statt 90 PS und ist nicht grau, sondern feuerrot. In den Fond passen mit viel Glück zwei Kleinwüchsige, und das Ding wird garantiert mehr Sprit saufen als Ihr verstorbener Onkel Leipold seinerzeit Apfelkorn.

Sie wollen aber unbedingt einen Wagen, jetzt, sofort, deshalb denken Sie sich:

„Ach, zur Not bringt man da auch 5 Leute rein. Der hat zwar keinen Kofferraum, aber ich lasse eine Anhängerkupplung montieren. Und der Spritverbrauch ist enorm, aber dann fahre ich weniger. Hauptsache, nicht mehr laufen.“

Und jetzt ersetzen Sie einfach „Gebrauchtwagen“ durch „Mann“.

Würden Sie diesbezüglich so einen Kompromiss eingehen? Nein? Dann lesen Sie, wie es meiner Bekannten Beate erging.

Vor fünf Jahren lernte sie – eine hübsche Brünette Mitte 30, Sekretärin der Geschäftsleitung, und verbissen auf der Suche nach dem Partner fürs Leben – Tom, 36, freiberuflicher Grafiker, auf einer Party kennen.  Er war groß, schlank und dunkelhaarig, mit freundlichen braunen Augen und gewinnendem Lächeln. Tom mochte laut eigener Aussage Kinder und Tiere und schien still, sanftmütig und gelassen zu sein. Beate verknallte sich sofort, denn es war spät am Abend und kein anderer Kandidat in Sicht.

Am nächsten Tag gingen sie zusammen essen. Tom erschien beinahe eine Stunde zu spät zu der Verabredung beim Italiener, in einem Parka aus Restbeständen der Bundeswehr, mit dreckigen Sneakers und fleckiger Hose. Bei Spaghetti und Lambrusco erklärte er Beate freimütig, dass er weder vom Heiraten noch von Beziehungen oder Familie etwas hielte. Nach seinem dritten, in Rekordgeschwindigkeit geleerten Glas Wein flocht er beiläufig ein, dass er momentan mehr trinke, weil seine letzte Freundin ihn verlassen habe, diese verständnislose Zimtzicke. Und dass er sparen müsse und Beate deshalb heute nicht einladen könne, denn er restauriere gerade einen Oldtimer, der eine neue Zylinderkopfdichtung bräuchte. Er sei außerdem öfter mal pleite, weil die Aufträge gelegentlich auf sich warten ließen, er aber freiberuflich bleiben wolle und sich nicht vorstellen könne, sich in eine Firmen-Hierarchie einzufügen.

Weiter gab er zu, dass ihn außer alten Autos nichts interessiere, weder Musik, noch Freunde, weder Filme noch Bücher. Er schien wie ein weißes Blatt, das Beate sich im Stillen vornahm, zu beschriften. Mit einem dicken wasserfesten Eddingstift, nämlich ihren eigenen Vorstellungen.

Tom redete langsam und bedächtig. Beate lauschte ihm scheinbar aufmerksam, und doch hörte sie… nichts, denn alles, was sie dachte war: „Endlich muss ich nicht mehr zu Fuß gehen.“ Im übertragenen Sinne.

Sie interpretierte Toms Desinteresse an allem, was ihn umgab, als Abgeklärtheit, seine Einsilbigkeit als Gelassenheit, und dass er sich am Lambrusco bediente, als wäre er gratis, fand sie nicht so schlimm.

Als sie mir Tom damals vor fünf Jahren vorstellte, war ich erstaunt, denn normalerweise stand sie auf Anzugträger mit einwandfreien Manieren – kultivierte, weltgewandte Männer mit Charme und Bildung, die sich auf jedem Parkett zu bewegen wussten. Tom sah nicht aus, als hätte er überhaupt schon mal ein Parkett von näherem gesehen. Höchstens beim Draufknallen, wenn er betrunken war. Er war das genaue Gegenteil von allen Männern, mit denen ich Beate zuvor gesehen hatte.

„Der ist so cool“ schwärmte sie, als Tom auf der Toilette verschwand. „Tiefgang hat der. Und tierlieb ist er auch. Ich glaube, ich bin verknallt. Endlich mal ein Typ, der nicht so oberflächlich ist wie dieser Versicherungsmakler vom letzten Mal. Und vielleicht hat er Recht, wenn er mir vorwirft, ich hätte zu viele Klamotten. Wahrscheinlich wird es Zeit, dass ich mein Leben umstelle, immerhin werde ich in fünf Jahren 40.“

„Du bist nicht verknallt, du bist verzweifelt“ dachte ich damals, behielt es aber für mich. Es half nicht, Beate dreinzureden. Sie wusste normalerweise sehr genau, was sie wollte. Aber ihr Kinderwunsch war in den letzten Jahren drängend geworden, und scheinbar dachte sie, Tom wäre der richtige Mann, ihr bei deren Produktion behilflich zu sein. Wie sie so dasaß mit leuchtenden Augen, gönnte ich es ihr von Herzen, glücklich zu werden.

Zwei Jahre lang hörte ich von Beate und Tom wenig. Nur gelegentlich rief sie an und klang längst nicht mehr so begeistert wie am Anfang.

„Genau einmal habe ich Blumen zum Geburtstag bekommen“ erzählte sie vor einiger Zeit.  „Da war das Etikett noch dran, denn die waren reduziert. Ich könne mir die zukünftig selbst kaufen, sagte er. Weil ich besser verdiene. Aber ich glaube, das ist eine Ausrede, der ist nur knickerig. Immer muss ich ihn einladen, wenn wir zum Essen gehen. Zu Weihnachten habe ich einen selbst gekritzelten Gutschein für eine Massage gekriegt. Er wird schon noch draufkommen, wie viel Glück er mit einer so geduldigen Frau wie mir hat.“

„Und wie geht es weiter mit euch? Fühlst du dich gut?“ fragte ich.

„Weiß nicht“ murmelte sie. „Ich hätte wohl damals auf meinen Bauch hören sollen. Irgendwie hat der sich von Anfang an geziert, und ich musste ihn förmlich überreden, sich mit mir einzulassen. Stell dir das mal vor! Aber ich weiß mittlerweile nicht mehr, was der überhaupt will. Wenn ich ihn frage, wie es mit uns weitergeht, weicht er mir aus. Er meint dann, es sei doch alles gut so, wie es ist. Aber ich möchte, dass wir mindestens zusammenziehen und die Beziehung auf den nächsten Level heben. Immerhin werden wir beide nicht jünger.“

Das klang nicht so toll, aber Beate ließ sich von Toms Verweigerungshaltung nicht beirren. Sie fand ein bezahlbares Haus zur Miete und plante einen Wohnungswechsel. Tom weigerte sich standhaft. Erst als sie ihm mit Schlussmachen drohte, gab er nach, denn offenbar wollte er die Annehmlichkeiten wie regelmäßige Mahlzeiten und kostenlosen Sex nicht verlieren.

Beate hatte ihre Vision von einem Leben zu zweit, und sie versuchte, sich dieses gewaltsam zusammenzubauen, als wären Hoffnungen und Wünsche bunte Legosteine, die sie nur aneinanderfügen musste, damit aus ihnen ein Wolkenkuckucksheim entstünde.

Sie setzte sich durch. Tom willigte in den Umzug ein – unter der Bedienung, dass er ein eigenes, abschließbares Zimmer bekäme.

Am Tag des Umzuges halfen wir Freunde alle mit. Alle, außer Tom. Der musste nämlich angeblich einem Kumpel bei einer Autopanne Nothilfe leisten und kam erst, reichlich angeschickert, zurück, als wir bereits sämtliche Möbel ins Haus gewuchtet hatten und uns gerade ausruhten. Dann setzte er sich aufs Sofa, grinste verlegen und schlief anschließend ein.

„Ist hart für ihn, dass er seine Wohnung aufgeben muss, da hat er wohl etwas über die Stränge geschlagen“ entschuldigte ihn Beate verlegen. Wir dachten uns unseren Teil und schwiegen. Man sagt nie was, wenn man sieht, wie jemand in sein Verderben rennt. Ist ja nicht unser Verderben. Ein klein wenig schäme ich mich sogar heute noch dafür.

Ich hörte in der Zeit nach dem Einzug in das Häuschen nicht mehr viel von Beate und Tom. Scheinbar hatten sie sich eingerichtet und kamen zurecht. Einmal erschienen sie auf meiner Halloweenparty gemeinsam gegen 20:00 Uhr und gingen sich dann bis ungefähr 3:00 Uhr erfolgreich aus dem Weg. Aber immerhin verließen sie die Party zusammen wieder – sie hatten denselben Heimweg.

Beate war nach Jahren mit Tom immer noch nicht schwanger, geschweige denn verheiratet. Tom trug nach wie vor seinen alten grünen Parka und trank zu viel. Aber wie das so ist mit guten Bekannten, gelegentlich verliert man sich aus den Augen. Und so fiel mir gar nicht auf, dass ich schon länger nichts mehr von Beate und Tom gehört hatte.

Letzte Woche nun bemerkte ich am späten Nachmittag, dass mir für das Abendessen noch ein paar Zutaten fehlten, also machte ich mich auf den Weg zum Supermarkt.

Als ich durch die Gänge irrte, hörte ich, nur durch ein Regal getrennt, die lauten Stimmen von Beate und Tom. „Ich zahl das nicht, basta!“ Das war Tom, und er schien recht aufgebracht zu sein. Von unheilvoller Neugierde getrieben arbeitete ich mich von den Cerealien zu den Hygieneartikeln. Tom schwenkte gerade entrüstet eine Packung Wattestäbchen. Beate tappte stinksauer von einem Fuß auf den anderen und starrte mich entgeistert an.

„Hallo, ihr beiden“ grüßte ich, während ich schon bereute, mich herangeschlichen zu haben. „Der sagt, er will die Wattestäbchen nicht mitbezahlen!“ schimpfte Beate los und funkelte Tom wütend an.

Ich warf einen Blick auf den Einkaufswagen. Darin lagen nur ein 10er-Pack WC-Papier und ein großer Stapel Katzenfutter. Tom und Beate trugen aber jeweils einen Einkaufskorb am Arm. „Das ist mein Zeug!“ Beate deutete auf ihren roten Plastik-Korb. „Da kommen nur Sachen rein, die ich allein verwende.“

„Ja, und das meiner!“ Tom schwenkte den roten Korb an seinem Arm, in dem Rasierschaum, Klingen und ein Männer-Duschgel lagen.

„Und jetzt will Beate Wattestäbchen und Küchenrollen in den Einkaufswagen mit den Sachen legen, die wir gemeinsam kaufen.  Das akzeptiere ich nicht, weil sie so verschwenderisch mit dem Zeug umgeht. Ich brauche zwei Wattestäbchen im Jahr. Das bezahle ich nicht mit.“ Tom schien wirklich entrüstet.

„Ich hoffe, dir bricht mal eins ab und bleibt dir im Ohr stecken, du Depp!“ zischte Beate fuchsteufelswild. Dann wandte sie sich an mich. „Es ist doch die Höhe, dass dieser Geizkragen sich nicht dran beteiligt. Demnächst wird bei uns wohl noch das Klopapier abgezählt?“

Tom grinste verlegen. „Und was ist mit den Küchenrollen?“ fragte ich irritiert.

„Na, jedes Mal, wenn Beate was überläuft am Herd, dann nimmt sie so ein Papiertuch und wischt da drüber!“ nuschelte Tom. „Da kann man einen Lappen benützen. Es ist einfach unerträglich, wie sie mit den Sachen umgeht und das Geld raushaut. Genauso ist es mit den Putzmitteln. Man muss doch nicht einen halben Liter Kloreiniger ins WC schütten. Eine Bürste täte es auch. Sie kann einfach nicht sparen.“

„Und du bist geizig wie die Nacht dunkel. Der hat jetzt sogar eine eigene Kommode“ berichtete Beate. „Stell dir vor, die ist abgeschlossen. Da war seine blöde Schokolade drin, und kürzlich hatte ich Lust auf Süßes und hab mir eine Rippe von seiner Schokolade genommen. Eine Rippe!“ Sie schaute Tom anklagend an.

„Das ist die gute Fair-Trade-Bio-Schoki“ verteidigte sich Tom. „Du kannst dir ja was von dem Billigfraß holen. Aber wenn du zu geizig bist, dir anständigen Süßkram zuzulegen, dann mach nicht mich dafür verantwortlich.“

„Habt ihr beiden denn festgelegt, was gemeinsam bezahlt wird?“ fragte ich vorsichtig und schaute nochmal in den Einkaufswagen, wo einsam Katzenfutter und Klopapier lagen.

„Ja, haben wir“ maulte Beate. „Aber scheinbar will er neu verhandeln, weil ich mehr Klopapier verbrauche als er. Männer benutzen seiner Aussage zufolge nach dem Pinkeln kein Papier, und deshalb zahlt er angeblich immer drauf.“

„Das stimmt doch, oder?“ Tom blinzelte mich beifallheischend an. Endlich ging mir ein Licht auf. Die beiden brauchten einen Schiedsrichter. Und der wollte auf keinen Fall ich sein. „Sorry, ich muss dringend los, brauch noch gefüllte Eichhörnchen fürs Abendessen“ murmelte ich deshalb verlegen und schaute, dass ich wegkam, nachdem ich mich hastig verabschiedet hatte.

Ich mische mich grundsätzlich nicht in Beziehungsangelegenheiten. Da könnte ich auch gleich in einen riesigen Gartenhäcksler hüpfen und darauf warten, dass dieses Ding mich als kleingemahlene Brösel auf den Gehweg spuckt, denn man kann, wenn es um die Streitigkeiten anderer Leute geht, eigentlich nur alles verkehrt machen.

Auf dem Heimweg dachte ich über dieses Treffen nach. Scheinbar lagen die Probleme noch tiefer, als mir Beate bei den letzten Telefonaten gestanden hatte. Am nächsten Tag rief sie mich an.

„Ich habe gestern die Wattestäbchen und die Küchentücher bezahlt“ erzählte sie mürrisch. „Der war eigentlich von Anfang an so geizig, wenn ich darüber nachdenke. Aber jetzt ist es ihm nicht mal mehr peinlich. Das einzige, das er mal kocht, wenn er das Essen selbst kauft, sind Rühreier oder Kartoffeln. Und jedes Mal sieht es hinterher aus in der Küche wie im Libanon. Ich muss aber alles saubermachen, weil der keinen Finger rührt.“

Im Grunde genommen signalisiert Tom Beate durch jede Pore, dass er nicht mit ihr leben möchte. Er verkriecht sich oft tagelang in seinem Zimmer, wo Beate, wenn sie vorbeiläuft, nur den Fernseher vernimmt oder Tom im Flüsterton telefonieren hört. Auf gut Deutsch: Er separiert sich, so gut er kann, denn er wurde genötigt und lebt jetzt etwas, das er nicht möchte. Das lässt er Beate deutlich spüren.

Die Weigerung, sich an minimalen Ausgaben für den täglichen Bedarf zu beteiligen, darf umdefiniert werden in eine Weigerung, ein Leben zu zweit, wie Beate es sich vorstellt, zu führen.

Genaugenommen hat sie nichts erreicht, außer dass sie in dem neuen Haus eine größere Fläche putzt als vorher in ihrer kleinen Wohnung, denn Tom sieht nicht ein, dass er einen Finger in diesem Haushalt rührt, den er eigentlich gar nicht wollte. Ihm hätte seine düstere Bude mit Blick auf den Hinterhof weiterhin genügt. Erholen konnte er sich ja immer in Beates blitzsauberem Appartement.

All das – den Geiz, die Lethargie, diese völlige Verweigerung von allem, was Beate wichtig wäre, registrierte sie damals beim Kennenlernen nicht.

Sie sah nur einen schlanken, intelligenten Mann in ihrem Alter und dachte sich: „Wenn wir erst mal zusammen sind, wird der seine Einstellungen schon ändern.“ In verständliches Deutsch übersetzt bedeutete das: „Ich brauche einen Mann, dringend, sofort, und dann nehme ich eben, was ich kriege und biege mir das zurecht.“ Basta.

Bestünden Männer aus Knetmasse, hätten wir Frauen es einfacher. Aber sie sind eigenständige Persönlichkeiten, die sich nicht verformen und schon gar nicht brechen lassen. Ab einem gewissen Alter ist die Persönlichkeitsentwicklung abgeschlossen, und Sie müssen das ganze Paket nehmen, mit allem, das drin ist, ob Ihnen das gefällt oder nicht. Darum sollten Sie genau hinsehen, worauf Sie sich einlassen. Manche Wundertüte enthält eben kein Feuerwerk, sondern nur ein paar abgebrannte Zündhölzer. Selbst schuld, wenn Sie nicht vorher nachsehen. Und man kann auch nicht behaupten, dass Tom Beate getäuscht hätte. Schon beim ersten Treffen machte er unmissverständlich klar, was ihm wichtig war: nichts außer seinen Oldtimern. Sie hat nur nicht zugehört.

Beate wollte damals nicht nachdenken. Sie war zu optimistisch, sie war zu hungrig nach Zuwendung, und sie war zu einsam.

Ihr ging kein Licht auf nach den ersten 10 Dates, bei denen sie nicht nur ihr eigenes Essen bezahlte, sondern Tom sogar einladen musste, weil er in seinem Geldbeutel herumkramte, als suche er auf dem Grund des Münzfaches nach der versunkenen Stadt Atlantis. Ihr ging kein Licht auf, als er immer wieder Verabredungen absagte, weil ein Ersatzteil für seinen Oldtimer eingetroffen war, das er einbauen musste. Beate wollte einen Mann, sie wollte ihn bald, und Tom war da und schien keinen sonderlich ausgeprägten Fluchtinstinkt zu haben. Das genügte ihr.

Neulich musste Beate zum Arzt. Ihr eigener Wagen war in der Werkstatt, also bat sie Tom darum, sie hinzubringen. Er verlangte 10 Euro fürs Benzin. Ist wirklich wahr.

Viel mehr kann man sich nicht abgrenzen.

Beate ist auch nach der „Wattestäbchen-Affäre“ weiterhin mit Tom zusammen, obwohl sie durchaus erkennt, dass ihre Beziehung gescheitert ist. Aber sobald sie diese Tatsache anerkennt, müsste sie die Konsequenzen ziehen und sich von ihm trennen.

„Wir sind jetzt fünf Jahre zusammen, es kann nicht sein, dass ich diese Zeit umsonst investiert habe!“ erklärte sie mir am Telefon grimmig. „Es gibt schlimmere Kerle als ihn. Wenigstens geht er nicht fremd.“

So kann es gehen, wenn Verzweiflung auf Gleichgültigkeit trifft. Tom, der eigentlich auch ohne Beziehung gut zurechtkam – er war ohnehin viel zu lethargisch, um sich selbst eine Frau zu suchen – ließ sich „einfangen“ von Beate, die lediglich nicht mehr allein sein wollte.

Für Tom ist Heiraten eine überholte Institution. Das würde ich an seiner Stelle auch behaupten, denn wenn er Beate ehelicht und mit ihr Kinder bekommt, bleibt für die Schrauberei an seinen alten Schrottkisten weniger Zeit oder Geld als vorher, und Ersatzteile kann er sich vielleicht auch nicht mehr leisten. Das scheint seine größte Sorge zu sein.

„Manchmal denke ich mir, er hat sich schon heimlich einer Vasektomie unterzogen“ klagte Beate am Telefon ihr Leid. „Es kann doch nicht sein, dass ich ums Verrecken nicht schwanger werde, obwohl ich es mir so wünsche.“

Merken Sie was? Beide Teile dieses Paares tun eigentlich, was sie wollen. Sie täuschen eine Partnerschaft lediglich vor, und das nicht mal besonders gut. Das kann nur in einer Katastrophe enden. Nur weil man sich innerhalb derselben vier Wände bewegt, dieselbe Toilette benützt, gelegentlich gemeinsam kocht oder isst, bedeutet das nicht, dass man eine Beziehung führt. Die beiden haben eine Wohngemeinschaft mit gelegentlichem Geschlechtsverkehr in den wenigen Momenten, in denen sie sich nicht gerade um Wattestäbchen oder Küchennutzung streiten.

Etwas Traurigeres kann ich mir nicht vorstellen.

„Manchmal laufen wir morgens aneinander vorbei und murmeln nur hallo“, erzählte Beate. „Als wären wir Gäste in einer Pension. Da ist nichts Herzliches oder Liebevolles mehr. Wenn ich nur verstehen könnte, warum er so reserviert ist.“

Die Masken sind also gefallen. Trotzdem ist die Möglichkeit groß, dass beide dieses traurige Spiel weiterspielen. Tom wäre schön dumm, Beate zu verlassen, denn sie hält das Haus sauber, versorgt seine Katzen, wenn er wieder mal eine Sauftour mit seinen Kumpels macht und kocht gut. Mit Lebensmitteln, die sie bezahlt.

Seit dem Vorfall im Supermarkt haben die beiden getrennt angelegte Vorräte, über die strengstens Buch geführt wird.

All das artet aus zu einem Partisanenkrieg, bei dem es nur noch darum geht, wer dem anderen zuerst eine Handgranate vor die Beine wirft, um ihn ins Straucheln zu bringen, damit er schadenfroh lachen kann. „Wenn du mich schon nicht liebst, dann möchte ich, dass du leidest.“

Da quälen sich zwei vernunftbegabte Wesen täglich aneinander vorbei, die eigentlich Freunde sein und zusammen eine Menge Spaß haben könnten, wären sie nicht durch irrationale Vorstellungen und lethargische Nachgiebigkeit aneinander gekettet wie Galeerensklaven.

Ich als Frau verstehe Beates Sehnsüchte. Mit Ende 30 will man nicht mehr konsequenzlos vor sich hinleben, sondern Verbindlichkeiten generieren. Man möchte einen Partner, der sich erklärt und sagt: „Zu dieser Frau gehöre ich, mit ihr möchte ich mein Leben gemeinsam meistern.“

Aber gleich, was Beate anstellt: Tom gleicht diesbezüglich einem Ei. Je länger sie es kocht, um so härter wird es. Sie wird weiterhin warten und hoffen, bohren, nörgeln und quengeln. Denn sie hat ja laut eigener Aussage „Zeit investiert“. Als würde diese einem nicht durch die Finger rinnen wie giftiger Sand, als wäre Zeit eine messbare Größe, wie ein Stapel Goldbarren, etwas, das sich nicht sofort verflüchtigt, nachdem man es gelebt hat.

Eine Beziehung ist keine Spardose, wie zum Beispiel ein kleines Schweinchen, das man in einer Notlage mit dem Hammer zerdeppert, um dann herauszuholen, was man vorher reingeworfen hat. Eine Beziehung ist, was beide Partner daraus machen, wenn es denn beide wollen.

Genau darum sollte man aufmerksam zuhören, wenn man jemanden kennenlernt. Gesetzt den Fall, man wird nicht angelogen (auch solche Männer gibt es leider), lassen sich schon aus den ersten Unterhaltungen Rückschlüsse ziehen, ob es sich bei unserem Objekt der Begierde um einen potenziellen Kandidaten für ein Leben zu zweit handelt, oder nur um eine Feuerfliege, die nach einer gemeinsamen Nacht verglüht.

Zu glauben, man könne einen Menschen von etwas überzeugen, das er vom ersten Moment an kategorisch ablehnt, ist eine Lüge gegenüber sich selbst. Druck erzeugt Gegendruck. Je mehr Beate will, umso mehr verweigert sich Tom. Sie führen ihre kleinlichen Scharmützel um Küchenrollen und Wattestäbchen vertretungsweise für ihre diametral verlaufenden Lebensvorstellungen. Es geht nicht um Küchenkrepp oder Kleingeld – es geht um alles, denn die Zeit, dieser flüchtige Stoff, mit dem wir nur begrenzt ausgestattet sind, verfliegt in rasendem Tempo, je älter wir werden.

Beate und Tom – diese beiden tragischen Figuren – werden nur noch vom Kleber der zusammen verbrachten gemeinsamen Jahre zusammengehalten, der mittlerweile an vielen Stellen bröckelt.

Und darum, wenn Ihnen das Leben eine dieser „Wundertüten“ präsentiert, in Form eines Mannes, der Sie gewinnend anlächelt, wenn ihr Herz Purzelbäume schlägt und die Schmetterlinge in Ihrem Magen wilde Flugmanöver veranstalten – bleiben Sie vorsichtig.

Manche Überraschungen sind nämlich böse und unserer seelischen Gesundheit abträglich. Es ist immer besser, rational zu sondieren, worauf man sich einlässt. Halten Sie nicht an sinnlosen Gegebenheiten fest, machen Sie sich frei davon, dass jeder, der Ihnen schöne Worte ins Ohr flüstert, mit Ihren eigenen Vorstellungen von einem gemeinsamen Leben konform gehen müsste.

Das Leben ist eine fiese Lotterie mit wesentlich mehr Nieten als dem sehnsüchtig erwarteten Hauptgewinn. Manchmal darf man nur zwischen einer neuen Zahnbürste oder einem Schokoriegel wählen. Nehmen Sie ruhig, was das Schicksal Ihnen bietet, aber versuchen Sie nicht, den Trostpreis zum Hauptgewinn umzudefinieren.

Belügen Sie sich nicht selbst. Sie müssten sich die Wahrheit wert sein. Betrachten Sie mit dem falschen Partner verschwendete Zeit nicht als fehlgeschlagene Investition, sondern als das, was sie ist: ein Irrtum, dem Sie erlegen sind. Fehler machen wir alle. Wir sollten nur darauf bedacht sein, sie nicht zu wiederholen.

Ich wünsche Ihnen alles Gute und eine schöne Zeit.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

„Und dann hat die Caro immer Kerzen angezündet und langsame Musik aufgelegt. Da wusste ich, es war wieder Zeit für Sex. Wir haben nur einmal im Jahr miteinander geschlafen, und wenn sie die Kerzen aufstellte, war es das Zeichen.“ Langer trauriger Seufzer. Es ist knapp 30 Jahre her, dass mir ein gutaussehender junger Mann mit blitzenden Augen und lockigem Haar diese Geschichte in einer Cocktailbar in Bad Wörishofen erzählte, nachdem wir uns gerade erst kennengelernt hatten. Wir saßen seit ungefähr einer Stunde an der Theke und schlürften genussvoll einen „Karibischen Traum“. Allerdings hatte ich innerhalb dieser 60 Minuten nichts anderes von meiner neuen Bekanntschaft erfahren als „alles über Caro“, die unbekannte Ex des Mannes.

Sie hatte ihn nach über 7 Jahren verlassen, und er schien darüber tief betrübt. Scheinbar jedoch nicht betrübt genug, denn den gesamten Abend über baggerte er mich hartnäckig an. Vielleicht sah ich auch nur aus, als könnte ich gut zuhören.

Und genau darum zahlte ich, verweigerte ihm meine Telefonnummer und machte mich erleichtert aus dem Staub.

Damals – im analogen Zeitalter vor Google, Instagram oder Facebook – hatten wir einen geflügelten, wenn auch gemeinen Spruch: „Hier hast du 20 Pfennig, erzähl‘ das einer Parkuhr.“

Sie denken, das sei herzlos? Sicher nicht. Denn meine neue Bekanntschaft war auf der Suche nach einer „Placebo“-Frau, die ihm helfen würde, seine vorherige Beziehung zu verarbeiten. Wer auch immer sich darauf einließ, würde mächtig draufzahlen. Denn eine Placebo-Frau ist nur etwas für den Übergang, eine Art Mülleimer auf zwei Beinen, die, nachdem sie ausgedient hat, zusammen mit der Bio-Tonne rausgestellt wird.

Gelegentlich gehen solche Bekanntschaften gut aus, jedoch beileibe nicht immer.

Ich bin heute noch sicher, damals das Richtige getan zu haben, und die Erfahrungen in meinem breiten Umfeld bestätigten mir das über die Jahrzehnte immer wieder.

„Der Rainer bringt seine schmutzige Wäsche immer noch zu seiner Ex, als wäre ich zu blöd zum Waschen“ klagte Lena, eine Bekannte von mir, vor einiger Zeit am Telefon. „Jetzt sind wir schon 6 Monate zusammen, und tagein, tagaus höre ich nix anderes als ‚Uschi hier, Uschi da‘. Das geht mir tierisch auf die Nerven.“

Abgesehen davon, dass manche Frau froh wäre, wenn es jemanden gäbe, dem man die Schmutzwäsche bringen könnte, verstand ich Lena recht gut.

Sie war, als sie ihren Rainer kennenlernte, seit 2 Jahren Single, aber sicher nicht aus Mangel an Gelegenheit. Ihre vorige Beziehung hatte in einer schmerzhaften Trennung geendet, und sie musste sich erst einmal davon erholen, wie sie sagte.

Rainer war ihr – im wahrsten Sinne des Wortes – 10 Minuten nach seiner Scheidung vor dem Eingang des Amtsgerichts über die Füße gestolpert und hatte sie angerempelt. Und weil Lena ein Herz für alle Gestrauchelten hat, lud sie ihn auf einen Kaffee ein, aus dem mittlerweile ein halbes Jahr in ihrer Wohnung wurde. Rainer ist so alt wie Lena, hat einen guten Job und seit neuestem eben auch eine Exfrau. Das reibt er Lena jeden Tag unter die hübsche Nase, damit sie nicht in Versuchung kommt, es zu vergessen.

„Der beschreibt mir sogar im Bett, was seine Ex gerne mochte. Diese Tussi sitzt quasi auf der Bettkante“ jammerte Laura weiter.

„Er hat keine Ahnung, wie sehr mir das auf den Wecker geht. Ich kann nicht mal mehr mit ihm schlafen, ohne dass ich an sie denke und mich beobachtet fühle oder Kopfkino habe, weil er ständig detailliert beschreibt, auf was sie stand. Manchmal komme ich mir vor wie ein Abziehbild von ihr. Ein paar Mal hat er mich sogar schon mit ihrem Namen angesprochen. Da weiß man nicht mehr, wie man reagieren soll.“

Nun, Lena, ich würde Rainer darauf hinweisen und es mir verbitten. Ich würde ihn fragen, ob er sich überhaupt so weit gefestigt fühlt, mit einer völlig anderen Frau eine neue Beziehung zu führen, oder ob er einfach nur da weitermachen möchte, wo er aufgehört hat?

Lena, eine taffe Frau mit einer Menge Herz und Verstand, hat eben diesen beim Kennenlernen komplett ausgeschaltet, denn sie müsste aus eigener Erfahrung gelernt haben, dass man nicht von einer Beziehung in die nächste taumeln sollte, weil die Möglichkeit riskanter Fettnäpfchen, die sich einem in solch einem Falle anbieten, unterschätzt wird. Trotzdem hat sie es mit Rainer riskiert und ist dabei auf die Nase gefallen.

Mittlerweile ist sie hauptsächlich mit Zuhören beschäftigt, denn ihre gemeinsam verbrachte Zeit ist durchwoben mit feinen, äußerst haltbaren Fäden, die aus Rainers Vergangenheit mit Uschi bestehen und kontinuierlich in ihr tägliches Leben eingeflochten werden, ohne Aussicht auf Besserung.

Lena ist kein Einzelfall. Leider.

Wie kommen Männer eigentlich auf die Idee, dass wir nichts lieber hören als Geschichten über die Ex? Wie kommen sie darauf, dass wir begierig sind, zu erfahren, was sie gern aß oder trank, was sie mochte und was nicht? Klar sind wir Frauen sehr interessiert an zwischenmenschlichen Geschichten, das liegt in unserer Natur. Jedoch müssen wir spätestens dann das mitfühlende Zuhören beenden, wenn es unser eigenes Wohlbefinden empfindlich stört.

Diese fiktive Ex, der viele Frauen im Laufe ihres Lebens begegnen (manche sogar mehrmals) sind wie Lieder auf unserer Playlist in Dauerschleife. Und zwar so lange, bis unser neuer Lebensgefährte die Melodie selbst nicht mehr hören möchte. Das kann dauern, darum machen Sie sich auf einiges gefasst.

Sie liegen gerade mit Ihrer neuen Liebe am Strand, weil Sie sich einen gemeinsamen Urlaub gegönnt haben. Zwar ist die Bekanntschaft noch frisch, aber wo findet man schneller heraus, ob man zusammenpasst, als während 14 Tagen all inklusive am Ballermann? Die Möwen krächzen heiser, das sanfte Rauschen der Wellen wiegt Sie in einen angenehm trägen Zustand, als eine Stimme Ihre Tagträume unterbricht: „He, du hast da eine rote Stelle am Brustbein. Uschi hat immer Lichtschutzfaktor 5000 genommen. Die verstand was davon, denn sie hat in einer Apotheke gearbeitet. Und Fleisch mochte die gar nicht, die war so was von krass vegetarisch drauf, mit der hätte ich nie ein Steakhouse gehen können wie gestern mit dir. Weil die so tierlieb war, hat die gar nix gegessen, das Augen hatte. Du isst ja alles. Und die ganze Zeit wollte sie alte Kirchen besichtigen. War gelegentlich echt stressig. Ich bin froh, dass du so locker drauf bist.“

Schwupps sitzt Uschi quasi im Liegestuhl nebenan und cremt sich mit Lichtschutzfaktor 5000 ein, während sie uns hämisch angrinst. Selbstverständlich sieht sie rattenscharf aus und wiegt mindestens 10 Kilo weniger als wir. Das ist bei Uschis in unserer Vorstellung immer so.

„Ich bin froh, dass du so locker drauf bist“ ist in diesem Fall ein ziemlich halbgares Kompliment, in etwas Wehmut gewickelt, gespickt mit subtilen Vorwürfen und der Mahnung, Sie könnten vielleicht auch ein klitzekleines bisschen vegetarischer oder spiritueller sein. Und eingecremter.

Schon sitzen Sie da und überlegen, ob Sie mit dem Neuen doch mal eine Kirche oder eine Synagoge besichtigen sollten, oder eventuell sogar einen „Veggie-Day“ einlegen. Damit er nicht denkt, Sie wären bildungsfern, eine Heidin oder desinteressiert an Tierleid. Im schlimmsten Fall sind Sie „schlechter“ als Uschi, was Sie auf keinen Fall sein möchten. Zack, sitzen Sie in der Falle.

Irgendwann weiß man von der ominösen Uschi so ziemlich alles, angefangen vom Umgang mit Geld („Uschi hätte nie ein Kleid für 400 Euro gekauft, so wie du neulich, die war irre sparsam“) über ihren Fernsehgeschmack („Uschi mochte nur Komödien und hat immer gesagt, sie lehnt explizit dargestellte Gewalt ab“) bis hin zu ihrer Krankheitsgeschichte („Die konnte ohne Benzodiazepine nicht mal über die Straße gehen, du solltest mal deinen Hausarzt danach fragen, weil du doch auch immer so nervös bist. Das Zeug ist der Hammer.“)

Für Sie bedeuten diese Sätze: „Huch, ich sollte weniger Geld ausgeben, über meine Vorliebe für Horror-Filme nachdenken und Baldrian schlucken.“ Klar. Man will ja auf keinen Fall nervöser sein als Uschi, oder?

Sie sind nicht Uschi. Nur für den Fall, dass Sie es vergessen haben sollten. Irgendwann ist man aufgrund der täglichen Dauerberieselung mürbe geworden, weil die unerreichbare Traumgestalt, seine Ex, einen zementierten Platz in unserem Alltag eingenommen hat.

Sagen Sie es also Ihrem Neuen. Möglichst täglich. In Dauerschleife. Männer kapieren recht langsam, also haben Sie Geduld. Es ist außerdem gut möglich, dass Uschi weder so schlank noch so klug oder vorausschauend war, wie Ihr Neuer ständig behauptet. Die Vergangenheit verklärt vieles, und kein Mann wird gerne zugeben, dass er die letzten Jahre mit einer dauernörgelnden Xanthippe verbracht hat, die sein Geld zum Fenster rauswarf, als wären es Staubflusen. Gestünde er das ein, dann wüssten Sie ja, dass Sie im Gegensatz zu seiner Uschi eine enorme Verbesserung in seinem Leben sind.

Wir erfahren im schlimmsten Fall weiterhin täglich, ob wir wollen oder nicht, über Uschi Dinge, die wir nie wissen wollten, nur merkt das der Neue nicht, denn der ist noch vollauf damit beschäftigt, seine vorherige Beziehung zu verarbeiten, und zwar mit uns, meine Damen.

Das kommt davon, dass wir beim Kennenlernen nicht aufgepasst haben. Zwar fanden wir, unsere neue Liebe hätte wahnsinnigen Tiefgang, weil er mit traurigen Augen tiefschürfende Dinge von sich gab wie zum Beispiel: „Das Leben ist manchmal saumäßig hart“, aber wie hätten wir ahnen können, dass jemand, den die Ex vor kurzem rausgeschmissen hatte, nicht schon vollständig mit allem abgeschlossen hat? Na? Dämmert’s?

Exfreundinnen sind ständig präsent, wenn wir einen Mann erwischen, der immer noch in der vorherigen Beziehung wie in einer Zeitschleife festhängt und das Murmeltier täglich wehmütig grüßt.

Exfreundinnen sitzen mit uns auf der Couch, wenn wir fernsehen, stehen am Herd, wenn wir kochen („Tust du da keinen Chili rein? Ich fand das immer so lecker, wenn Uschi das gemacht hat“).

Sie beeinflussen unsere Kleiderwahl („Uschi hatte so eine schlanke Taille, sie konnte super Tellerröcke tragen, ich finde die voll weiblich, hast du überhaupt einen?“). Uschis greifen in jeden unserer privaten Bereiche ein. Sie sind jetzt Teil unserer neuen Beziehung. Herzlichen Glückwunsch!

Besonders strapaziös sind Fälle, in denen die Uschis zu unseren Lebensgefährten noch gute Kontakte pflegen und sich mit ihm regelmäßig zum Kaffee/Essen/Kneipenbummel treffen. Es gibt nämlich Damen, die haben mit dem Loslassen so ihre Probleme. Sprich: Sie wollen ihn nicht mehr, trotzdem soll ihn auch keine andere haben.

Das ist, als ob man ein Grundstück verlottern lässt und es verschenkt, aber nicht möchte, dass jemand anderer sich dort ein Häuschen baut. Solche Uschis existieren öfter, als Sie glauben. Die rufen an, schreiben SMS oder Whats-App-Nachrichten, melden sich über Facebook und schrecken sogar vor analogen Fossilien wie Postkarten nicht zurück, um mit ihrem Ehemaligen irgendwie in Verbindung zu bleiben. Jede Hämorrhoide ist einfacher zu behandeln.

Vielleicht werden die Uschis einfach nicht gern vergessen. Wer möchte das schon. Im Gedächtnis unseres neuen Lebensgefährten haben die sich jedenfalls bombenfest verankert. Die sind mental gedübelt, die kriegen Sie da so schnell nicht raus.

Warum auch? Die Ex ist ein Teil des Lebens Ihres neuen Partners. Selbstverständlich gab es schon Frauen vor Ihnen, es sei denn, Sie hätten eine männliche Jungfrau erwischt. Das ist zu respektieren und zu akzeptieren. Auch wir selbst schleppen unsere Altlasten, unsere Vorbehalte und miesen Erfahrungen mit uns herum. Es kommt nur immer darauf an, wie man damit umgeht.

„Mit der Uschi und mir läuft sexuell gar nix mehr, Ute. Kannst du schon glauben. Wir waren immerhin 10 Jahre zusammen. Da hat man noch einiges zu reden miteinander. Und ich bin ein freier Mensch, oder? Du kannst nix dagegen haben, dass wir mal einen Kaffee miteinander trinken und über alte Zeiten quatschen.“

Viel Vergnügen beim Souverän-Sein, beim Locker-Bleiben, beim „So-tun-als-macht-mir-das-nichts-aus“. Denken Sie daran: Vom Knirschen lockern sich die Zahnwurzeln. Also besorgen Sie sich rechtzeitig eine Beißschiene.

Einige Uschis rufen ihre Exfreunde mitten in der Nacht an, weil die Batterien ihrer Taschenlampe gewechselt werden müssen. Und während Sie noch fassungslos über diese Dreistigkeit im Bett sitzen, ist der Neue schon in seine Jeans geschlüpft und auf dem Weg, denn Uschi ist komplett hilflos ohne ihn. Bei der Gelegenheit kann er auch gleich noch die Biotonne auf die Straße stellen, weil morgen die Müllabfuhr kommt. Hat er immerhin 10 Jahre lang gemacht.

Ja. Unser Neuer hat das alles wirklich voll verarbeitet. Merken Sie selbst, oder?

Wie Sie reagieren, bleibt Ihnen überlassen. Wobei die Gefahr bei immer noch anrufenden Uschis relativ groß für Sie ist, demnächst selbst zu einer „Uschi“ zu werden. Denn es wäre möglich, dass sich die alte Uschi fürs Mülltonne-Rausstellen mit einem Akt der Nächstenliebe bedanken möchte. Es wäre möglich, dass momentan bei ihr kein Mann in Sicht ist, und jetzt, wo Sie den Neuen klasse finden, ist er auch für Uschi wieder interessant geworden. Ehe Sie sich versehen, sind Sie die Ex. So schnell kann das gehen. Darum sollte man mit Dingen wie Souveränität oder Toleranz in solch einem Falle etwas sparsam umgehen.

Wenn Sie von Anfang an beteuert haben, dass Sie „das alles“ vollkommen verstehen und akzeptieren“, haben Sie nun mal schlechte Karten. Denn Ihr Verständnis setzt eben unausgesprochen auch voraus, dass der Neue sich weiterhin um seine Uschi kümmert. Man ist ja gelassen. Und kein bisschen eifersüchtig. Ach, trinken Sie doch einfach ein Glas Wodka. Oder lassen Sie sich endlich diese Beruhigungsmittel verschreiben. Seiner Ex haben die auch gutgetan. Die braucht jetzt übrigens keine mehr.

Uschis, die nicht loslassen können, sind die eine Seite der Medaille. Aber es gibt noch die andere Sorte: Exfreundinnen/Frauen, über die der Neue schon beim Kennenlernen so richtig vom Leder zieht. An denen er kein gutes Haar lässt, so dass Sie denken: „Das müssen wirklich üble Weibsbilder gewesen sein“ und sofort an den Film „Der Club der Teufelinnen“ mit Roseanne und Goldie Hawn denken müssen.

  • „Uschi war rasend eifersüchtig, die hat mein Handy kontrolliert und mir nachspioniert. Total verrückt, diese Frau, die bräuchte mal eine Therapie.“

Ja. Möglich. Oder sie hat schlechte Erfahrungen gemacht mit dem König der Lügen, der Ihnen gerade gegenübersitzt und dachte sich: „Vertrauen ist gut, Kontrolle besser.“ Oft existiert ein realer Grund für tiefschürfendes Misstrauen, auch wenn der Mann ums Verrecken nicht begreifen will, dass sein hemmungsloses Fremdknutschen auf dem letzten Faschingsball sehr wohl ein Grund für Misstrauen sein könnte. Er hat doch gar nix gemacht?

  • „Uschi hat in den letzten zwei Jahren keinen Finger mehr in der Küche gerührt und was für uns gekocht. Hat immer gesagt, ich soll zum Essen gehen. Stinkfaul war die.“

Ja. Möglich. Oder er hat seinerzeit so oft an Uschi herumgenörgelt, dass ihr irgendwann die Hutschnur geplatzt ist und sie ihm die Bratpfanne an den Kopf geschmissen hat und das Nudelholz gleich hinterher. Denn die Narbe an seiner Schläfe kommt nicht vom Holzfällen in Alaska. Er will nur, dass Sie das glauben, doch in Wirklichkeit ist es eine Beziehungs-Fleischwunde. Kann man rauspolieren. Mit einer Käsereibe – falls Sie sauer sind…

  • „In unserer Wohnung hat es ausgesehen wie bei Luis Trenker im Rucksack. Das glaubst du nicht, wie schlampig die war. Nie hat die aufgeräumt. Eine richtige Messie-Frau war das.“

Ja. Möglich. Oder er selbst war die Faulheit in Person, und Uschi hatte eines Tages die Nase voll davon, ehrenamtlich und unbezahlt verschimmelte Badetücher einzusammeln und die Toilette zu schrubben. Frau will nämlich auch noch was vom Leben haben außer vom Wischwasser aufgequollene Fingerkuppen.

  • „Wir haben so gut wie gar nicht mehr miteinander geschlafen. Immer war die müde oder hatte Kopfweh.“

Ja. Möglich. Vielleicht war Uschi aber auch der Werbeblock zwischen zwei Fußball-Übertragungen einfach zu kurz, als dass sie hätte anständig in Fahrt kommen können. Und wenn mal kein Fußball lief, musste er mit seinen Kumpels feiern gehen. Da darf man schon die Lust verlieren und den Laden dichtmachen.

  • „Mit der konnte man nie was unternehmen. Immer war die erschöpft und schlecht drauf. Alles musste ich allein machen.“

Ja. Möglich. Oder Uschi hatte eine Vollzeitstelle + einen Nebenjob, um die Heizölrechnung zu bezahlen, weil „irgendwas mit Medien“ – der Job unseres Neuen – sich als Rohrkrepierer mit staatlicher Aufstockung entpuppte und Uschi einfach nicht gerne friert. Kein Wunder, dass die erledigt war. Und ob Uschi vielleicht keine Lust auf Freizeitgestaltung à la: „Jede versiffte Pilsbar sieht nach dem 14. Korn gut aus“ hatte, entzieht sich unserer Kenntnis. Denn wir hören immer nur eine Variante. Seine.

  • „Uschi war so eine militante Emanze, die hat einen förmlich kastriert. Mit der konnte man gar nicht mehr reden. Hat immer auf Gleichberechtigung gepocht. Das war, als würde Alice Schwarzer bei uns am Tisch sitzen und sie aufhetzen.“

Ja. Möglich. Oder Uschi hat lediglich darauf bestanden, dass Hausarbeit zu gleichen Teilen erledigt wird, seine schmutzstarrenden Socken nicht mehr in den Wäschepuff geschmissen und verlangt, dass er sich an den Ausgaben beteiligt. So eine Zumutung. Wieder kennen Sie nur eine Seite. Ihnen werden spätestens dann die Augen aufgehen, wenn seine dreckigen Jeans zukünftig von allein in die Waschküche wanken und er lediglich den Kühlschrank leerfrisst, aber nie etwas zum Lebensunterhalt beisteuert.

Meine Erfahrung nach all den Jahrzehnten voller Berichten frustrierter Frauen ist, dass Uschis in den wenigsten Fällen so gemein und böse sind wie behauptet. Sollten Sie Zweifel an der Glaubwürdigkeit der Aussagen Ihres Neuen haben, empfehle ich Ihnen, obwohl es Ihnen mit Sicherheit schwerfällt, den Kontakt zur Ex zu suchen.

Meiner Nachbarin Petra erging es so ähnlich. Sie hörte über ein Jahr lang nur Horrorgeschichten über die Verflossene ihres neuen Lebensgefährten. Die hatte die Wohnung komplett vermüllen lassen, ihn kaltschnäuzig betrogen, herzlos verlassen, ihm zuvor noch den letzten Cent aus der Tasche gezogen, ihn sexuell auf das Trockendock geschickt und außerdem gemein beschimpft.

Wollte man seinen Worten Glauben schenken, war diese Frau eine Mischung aus Imelda Marcos, Lucrezia Borgia und Katharina der Großen gewesen. Immer, wenn ihre neue Liebe von seiner früheren Beziehung erzählte, konnte Petra die traurigen Geschichten gar nicht fassen und bedauerte den armen Mann, bis sie sich endlich einmal ein Herz fasste, die ominöse „bitterböse“ Dame anrief und sich mit ihr verabredete.

Völlig überrascht war Petra, als ihr, während sie mit klopfendem Herzen vor der Wohnung der Ex stand, eine liebenswerte, hübsche und humorvolle Mitt-Dreißigerin die Tür öffnete und sie sofort auf eine Tasse Kaffee in eine sauber aufgeräumte Küche einlud.

Als Petra sich mit der „Inkarnation des Bösen“ eine Weile unterhalten hatte, waren sämtliche Irrtümer ausgeräumt.

Denn diese Uschi hatte niemandem den letzten Cent aus der Tasche gezogen, sondern sich lediglich geweigert, ihr gesamtes Erspartes in eine riskante Anleihe zu investieren. In der Beziehung war auch nicht die Ex schlampig gewesen. Der den Boden bedeckende Wust aus getragener Kleidung, offenen Chipstüten, vollgeschnäuzten Küchentüchern und zerfledderten Comics hatte damals allein dem männlichen Teil dieser Wohngemeinschaft gehört. Und war beim Auszug liegengeblieben.

Diese Frau hatte niemanden betrogen, sondern nach Jahren voller halbgarer Kompromisse ermattet einen Schluss-Strich gezogen, die Beziehung beendet und etwas später einen anderen Mann kennengelernt.

„Das einzige, das diese Uschi zugeben musste, war die Sache mit dem Schimpfen“ berichtete mir Petra später grinsend. „Sie hat ihn alles Mögliche genannt, doch wie ich im Nachhinein zugeben muss, völlig zu Recht. Er hat auch mich angelogen, dass sich die Balken biegen. Und als ich ihn damit konfrontiert habe, dass ich mit seiner Ex Kontakt habe, zog es ihm förmlich den Boden unter den Füßen weg.“

Petras Beziehung endete kurz darauf, denn sie ist die Sorte Frau, die es nicht erträgt, wenn sie so dreist belogen wird. Immerhin hat sie eine neue gute Freundin hinzugewonnen, 85 überflüssige Kilos verloren und ihre Seelenruhe wiedergefunden. Das ist ja auch schon was.

Wenn Ihnen, wie einigen meiner weiblichen Bekannten, einmal ein armer Gestrandeter vor die Füße taumelt, sollten Sie genau hinhören, was er Ihnen anvertraut, wie oft, und in welchem Ton.

Bitte bedenken Sie: Wer von Anfang an schlecht über seine Ex (Ex-Frau oder Ex-Freundin) redet, der wird vielleicht eines Tages über Sie so sprechen. Dann sind Sie die Böse, das Biest, die Hexe.

Wer andererseits die Ehemalige in den Himmel hebt, bei dem werden Sie es ebenfalls nicht leicht haben. Denn die von einem Heiligenschein umgebene Vorgängerin wird Ihnen sekündlich als leuchtendes Beispiel vor Augen gehalten werden gleich einer Karotte an einer Schnur, mit der Esel zum Vorwärtslaufen motiviert werden sollen. Natürlich können Sie sämtliche Vorbehalte unter den Tisch fallen lassen und sich Hals über Kopf in eine Beziehung mit einem Mann stürzen, der soeben erst eine Partnerschaft hinter sich gelassen hat und sichtbar daran krankt.

Die tagtäglich aufgewärmten Geschichten von seiner Ehemaligen werden irgendwann aufhören. Das kann in einem Vierteljahr der Fall sein oder in zwei Jahren. Sie werden Geduld, Toleranz und jede Menge Souveränität aufbringen müssen.

Als probates Gegenmittel haben sich Schwärmereien über unsere eigenen männlichen Verflossenen bestens bewährt. Jede von uns hat doch mindestens einen aufzubieten. Manchmal muss man von der eigenen Medizin kosten, um geheilt zu werden. Und wenn der Neue tagtäglich nur Geschichten von „Heiner, dem Herrlichen“ („Der Heiner konnte zwei volle Mülltonnen auf einmal tragen, mit verbundenen Augen eine Kurbelwelle ausbauen, war schon 13mal Telefonjoker beim Fernseh-Quiz, hat gekocht wie Jamie Oliver und war und der beste Liebhaber von allen!“) hört, merkt er vielleicht, wie sich das anfühlt.

Das liegt ganz allein bei Ihnen. Ich wünsche Ihnen viel Glück bei der richtigen Auswahl Ihrer Mittel.

Beruhigungstabletten sollten es übrigens nicht sein. Sie schaffen das auch ohne.

Und bei allen Damen, die „Uschi“ heißen, möchte ich mich im Voraus entschuldigen. Sie waren nicht gemeint. Der Name diente nur als Beispiel.

Herzlichst

Ihre

Barbara Edelmann

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„Und dann sagte der tatsächlich zu mir am Telefon, die Gründe, dass er sich von mir trennen will, seien schlechter Sex, und weil ich nicht gut tanzen kann!“ erzählte mir Michaela vor kurzem entrüstet bei einer Tasse Kaffee in einem Bistro in der Stadt, wo wir uns getroffen hatten.

Michaela ist Ende 40, dunkelhaarig, schlank, dynamisch und intelligent. Unmittelbar nach ihrem abgeschlossenen BWL-Studium verguckte sie sich in den fünf Jahre älteren Peter, heiratete ihn vom Fleck weg, gebar zwei Töchter und versorgte dann 20 Jahre lang die Familie, bis die Kinder ausgezogen waren.

Peter arbeitete während der gesamten Zeit als Informatiker im Home-Office und freute sich, dass Michaela ab sofort mehr Zeit für ihn hätte. Aber nach dem Auszug ihrer Kinder begann sie umgehend eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin.

„Ich muss hier raus“ sagte sie mehr als einmal, wenn ich sie fragte, warum sie unbedingt arbeiten gehen wollte, denn Peter verdiente genug. „Wenn ich zuhause bleibe, sitzen Peter und ich den ganzen Tag aufeinander. Das macht mich verrückt. Ich will unter Leute.“

Sie bestand ihre Ausbildung mit Auszeichnung und fand sofort eine gutdotierte Anstellung.

Peter empfing seine Frau allabendlich mit einem warmen Essen, manchmal auch mit einem kalten, denn Michaelas Schichtdienste wechselten häufig, und oft kam sie erst nachts zurück.

Er kümmerte sich um den großen Garten, fuhr den Müll zum Wertstoffhof, kaufte ein, ging mit dem Hund raus, räumte auf, fütterte die Katze, saugte Staub und kümmerte sich um alles.

„Sie bräuchte keinen Job“ erzählte er einmal, als wir zusammen essen waren und Michaela gerade auf der Toilette verschwunden war. „Das Haus ist bezahlt, uns geht es gut. Aber sie will unbedingt unter Menschen. Und wenn Michaela etwas unbedingt will, lasse ich sie machen. Sie ist dann wie eine Dampframme und nicht aufzuhalten.“

Alles lief scheinbar perfekt in den letzten Jahren. Peter engagierte sich mittlerweile in ein paar Vereinen, um nicht allein herumzusitzen, und gelegentlich sahen beide zusammen gemütlich fern bei einem Glas Wein, wo sie sich dann vertraulich anschwiegen.

Diese Ehe war zu einem gemütlichen Wohnzimmer mit bequemen Sesseln mutiert, in die man sich hineinfläzen und sich wohlfühlen konnte.

Dann, urplötzlich und unerwartet, vor knapp drei Jahren, starb Peter aufgrund eines Kunstfehlers während eines Routine-Eingriffs.

Ich war damals auf seiner Beerdigung und werde Michaelas Anblick nie vergessen, wie sie gebrochen und tränenüberströmt den Sargträgern folgte. Es tut mir heute noch in der Seele weh. Auch ich hatte Peter sehr gemocht und selten einen liebenswürdigeren, toleranteren und geduldigeren Menschen kennengelernt.

Mit einem Mal stand Michaela ganz allein da, denn die beiden Töchter lebten mittlerweile im Ausland und kamen selten zu Besuch. Mit dem abbezahlten Haus, ein paar anderen vermieteten Immobilien und Peters Witwenrente plus Michaelas Verdienst war sie finanziell gut aufgestellt.

Aber in dem leeren, stillen Haus tickten die Uhren schrecklich laut.

Nach Peters Tod war noch kein Jahr vergangen, als Michaela begann, auf Bekanntschafts-Anzeigen im örtlichen Käseblatt zu antworten und sich mit Männern zu treffen.

„Ich möchte nicht mehr allein sein“ erklärte sie mir mit Nachdruck.

„Und ich will wieder einen Partner. Ihr habt alle gut reden, denn ihr wisst nicht, wie das ist, ohne jemandem, der einem hilft. Alles muss ich selber machen, ich muss zum Wertstoffhof, ich muss diesen riesigen Rasen mähen, ich muss mich darum kümmern, dass Winterreifen aufs Auto kommen. Ihr habt ja keine Ahnung, wie gut es euch geht mit euren Männern.“

Nun habe ich mir sagen lassen, dass es weltweit viele Frauen gibt, die sich selbst um Reifen, Rasen und Müll kümmern, schwieg aber, denn es ging wohl eher um die bohrende Einsamkeit, die Michaela nach Peters Tod erfasst hatte und nicht mehr losließ.

Immerhin waren die beiden ein Vierteljahrhundert zusammen gewesen. Michaela hatte noch nie einen anderen Mann gekannt, und ihr Leben kam ihr vor wie eines dieser Vexierbilder mit einem Schattenriss statt einer Person an ihrer Seite – einer kahlen Stelle, die täglich schmerzte.

Niemand wartete auf sie, wenn sie müde von der Arbeit nach Hause kam, um mit ihr ein Glas Wein zu trinken. Niemandem konnte sie erzählen, wer sie heute wieder geärgert hatte. Nur die Uhren tickten immer lauter.

Sie war einsam. Zum ersten Mal in ihrem Leben.

Also warf sie sich mit Schwung in den Dating-Markt. Ich getraute mich nicht, sie zu fragen, ob sie sich dafür schon mental bereit fühlte, denn sie schien beängstigend entschlossen, schnellstmöglich die Stille im Haus wieder zu vertreiben.

Es lief offen gestanden nicht so gut. Sie lernte bei jedem Rendezvous neue, aufregende Dinge, denn, seitdem sie 20 gewesen war, hatte sich einiges geändert. Die für sie in Frage kommenden Männer waren nämlich auch älter geworden. Und anspruchsvoller.

Genau wie Michaela übrigens, nur wollte sie das nicht wahrhaben. Sie selbst hatte für ihre Vorstellung von einem neuen Partner ein gnadenloses Raster angelegt. Geld sollte er haben (aus Paritätsgründen). Einen guten Beruf sollte er haben. Charmant sollte er sein. Zärtlich, aufmerksam, unternehmungslustig. Sie hofieren und umschmeicheln.

„Ich möchte umworben werden“ erklärte sie mir. „Ich möchte händchenhaltend mit ihm spazieren gehen und wissen, dass immer jemand für mich da ist.“

Ach Michaela. Ich selbst möchte gern den großen Topf mit Gold am Ende des Regenbogens. Aber ich habe ihn nie gefunden.

Mit einem dieser Inserat-Bekanntschaften traf sie sich zwei Monate lang. Er ließ kein einziges gutes Haar an ihr. Apropos Haar: Es störte ihn, dass sie es selten offen trug. Auch ihr Brünett war ihm zu eintönig. Er bemängelte ihre Kleiderwahl, ihre Beine und ihren Musikgeschmack. Nichts war ihm an Michaela gut genug. Trotzdem gingen die beiden wandern oder fuhren gelegentlich an einen Badesee. Und Michaela trug ihr Haar in der ganzen Zeit offen und nur noch Kobaltblau, denn das hatte Monsieur für sie als gut befunden.

„Ich finde unverschämt, was er alles zu dir sagt. Was ist das denn für einer?“ wollte ich erbost wissen, denn ich konnte es nicht fassen, was eine intelligente Frau wie Michaela sich alles gefallen ließ.

„Er sieht toll aus und hatte schon 25 Jahre lang keine Beziehung mehr, nur Affären“ erklärte mir Michaela, scheinbar tief beeindruckt. Vielleicht glaubte sie, diejenige zu sein, die den flotten Junggesellen zur Einsicht bekehren könnte.

Ach Michaela, ich hätte dir gleich sagen können, dass das nix wird. Schon bei der Aussage „seit 25 Jahren keine Beziehung mehr“ hatten bei mir alle Alarmglocken geschrillt.

Nachdem er zwei Monate lang an Michaela herumgenörgelt hatte, meldete sich der Ladykiller nicht mehr. Vermutlich hatte er jemand anderen zum Kritisieren gefunden. Wenigstens befolgte sie meinen Rat und rief ihn nicht an, um zu fragen, was sie falsch gemacht hatte.

Der nächste Typ schlief drei Mal mit ihr und verschwand dann wieder vor dem Frühstück. Sicherheitshalber änderte er seine Telefonnummer. Und wo er wohnte, wusste Michaela ohnehin nicht. Sie war nicht so neugierig oder an seiner Persönlichkeit interessiert – sie war nur auf der Suche, um nicht mehr allein zu sein. Wenngleich auch auf eigenwillige Art und Weise.

Mittlerweile gab sie auch selbst Anzeigen in der Zeitung auf und sortierte nach einem strengen Schema die eingehenden Briefe:

„Der wohnt zur Miete, der will sich bei mir nur ins gemachte Nest setzen.“, „Der hat einen Hund, ich will keine Haare auf dem Teppich.“, „Der ist mir zu alt (5 Jahre älter), ich brauche einen, der so aktiv ist wie ich.“, „Der wohnt zu weit weg, 80 Kilometer. Da geht eine Menge für die Fahrzeit und Benzin drauf.“, „Der mag nur Oldies, ich aber Schlager, da können wir ja nie auf ein Konzert.“, „Der hatte schon mal einen Herzinfarkt, ich will doch keinen Pflegefall.“, „Der ist mir zu stämmig und hat einen Bart. Man kann sich doch pflegen, muss ich ja auch.“, „Der war mal wegen Depressionen in Behandlung. Ich bin kein Kummerkasten.“, „Der ist Vegetarier, das macht nur Probleme.“, Und so weiter.

Es blieben trotzdem immer noch genügend einsame Herzen übrig. Michaela absolvierte ein Blind Date nach dem anderen. Sie traf sich mit wildfremden Männern, ging mit ihnen zum Essen oder zum Tanzen, nahm sie mit zu sich nach Hause … und hörte dann nichts mehr von ihnen.

„Die sind alle so verbittert“ klagte sie. „Die haben miese Erfahrungen mit Frauen gemacht und denken jetzt, ich bin ganz genauso. Dabei kann man mit mir so viel Spaß haben!“

Tja, Michaela. Mit gelebtem Leben ist das wie mit einer großen Plastiktüte voller Ballast. Alle Erlebnisse schleppt man mit sich herum. Manche dieser Tüten sind so prall gefüllt, dass sie sogar auf dem Boden schleifen und man sie gar nicht mehr tragen kann. Und du, Michaela, schleppst auch eine dieser Tüten voller Erinnerungen, die dich daran hindern, dich auf Neues einzulassen. Du hast es nur noch nicht bemerkt.

Jeder dieser Herren, mit denen Michaela sich traf, hatte schon Beziehungen gehabt oder war verheiratet gewesen. Alle hatten irgendeinen Anhang, etwas, das sie verpflichtete, etwas, um das sie sich kümmern mussten. Alle pflegten ihre Ansprüche und ganz eigene Vorstellungen von einem Lebenspartner. Genau wie Michaela.

Vor ungefähr 3 Monaten rief sie mich wieder an. Sie hatte sich erneut jemanden geangelt, den sollte ich unbedingt kennenlernen („Der gefällt mir wirklich gut!“) und deshalb mit ihr und dem „Neuen“ zum Essen gehen.

„Freut mich, mach ich gern“ sagte ich. „Wie alt ist er denn?“ „Ich habe keine Ahnung, ehrlich“ antwortete Michaela nach kurzem Nachdenken.

„Ja, und was macht er beruflich?“ wollte ich wissen. „Irgendwas im Büro, glaube ich“ meinte sie. „Aber ich habe nicht gefragt.“ „Was weißt du denn überhaupt von ihm?“ Ich konnte mir diese Frage nicht verkneifen.

„Naja, er geht gern aus, genau wie ich. Und ich finde, er ist attraktiv.“

Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Der Abend mit dem ominösen Martin erwies sich als schwierig. Die Zeit tröpfelte dahin wie Sirup. Martin war der wortkargste Mensch, den ich je getroffen hatte. Obwohl ich nur plauderte und ihn nicht ausfragte, musste man ihm jede Antwort aus der Nase ziehen.

Michaela schien das nicht zu bemerken. Sie redete für zwei, lachte zu viel und beschloss, ohne Martin zu fragen, dass wir zusammen einen Ausflug in eine mittelalterliche Stadt machen würden. Da schaute er schon etwas verkniffen. Ich registrierte es. Michaela nicht.

Martin habe ich nie wiedergesehen. Kurz nach diesem Abend rief er Michaela an und erklärte ihr, wie eingangs erwähnt, dass der Sex genau wie ihre Tanzschritte schlecht gewesen seien und er deshalb nicht mehr käme.

„Ich weiß nicht, was dieser Mensch hatte“ klagte sie. „Weil ich ihm sogar angeboten habe, einen Tanzkurs zu machen. Du siehst, ich bin bereit, mich zu verändern.“

Ganz ehrlich – ich bezweifle, dass ein Tanzkurs etwas verbessert hätte. Wenn ein Mann so weit geht, einer Frau schlechten Sex vorzuwerfen, dann ist Hopfen und Malz verloren, denn „schlechter Sex“ bedeutet bei Männern in den meisten Fällen „gar kein Sex“, mehr nicht. Anstandshalber hätte er aber auch behaupten können: „Deine Fenster waren nicht sauber geputzt.“ Das wäre nicht so gemein gewesen.

Ich habe Michaela übrigens tanzen gesehen. Sie bewegt sich hölzern und steif, als hätte man sie auf ein Brett genagelt.  Und – für guten Sex gibt es, glaube ich, nicht viele Kurse. Trotzdem fand ich den Vorwurf von Martin ungerechtfertigt, denn Peter war Michaelas erster und einziger Mann gewesen und daher auch ihre einzige sexuelle Erfahrung.

Ihr neues Leben verlangte scheinbar auch eine komplette Um-Orientierung beim Geschlechtsverkehr. Etwas, das sie so gar nicht interessierte, wie sie mir mal eingestanden hatte.

Ich vermute, für Michaela ist Sex wie Autofahren: etwas, das man tun muss, um von A nach B zu kommen – in ihrem Fall vom Abend des Kennenlernens bis zum nächsten Morgen. Damit man die Zeit irgendwie rumkriegt. Und wenn wir schon bei Metaphern sind, Michaela fuhr eben einen praktischen, benzinsparenden Kleinwagen, während die Herren sich vielleicht einen Maserati gewünscht hätten. Immerhin sieht sie wie einer aus. Michaela ist nämlich sehr hübsch.

Nach der Sache mit Martin schien sie irritiert, bezog aber weiterhin ihre männlichen Bekanntschaften aus der Spalte „Hallo Partner“ des Käseblattes (gratis…) und traf sich mit jedem, der mit einer Verabredung einverstanden war.

Ich wollte ihr dringend raten, sich nicht so unter Wert zu verkaufen. Nicht gleich mit jedem zu schlafen, der sie darum bittet. Darum suchte ich das Gespräch mit ihr.

Es war sinnlos.

„Sei du nur still“ meinte sie bockig. „Du hast einen Mann. Ich will auch endlich wieder einen. Und dafür mach ich eben alles.“

Sehen Sie – und genau das stimmt nicht.

Michaela machte eben nichtalles. Sie ist nichtauf der Suche nach einem Mann fürs Leben, nach jemanden, auf den sie sich mit Haut, Haaren und Herz einlassen kann  – sie ist auf der Suche nach einem Ersatz für ihren verstorbenen Peter. Weil sie glaubt, sie könnte, wenn sie ein wenig Glück hat und eifrig genug inseriert, da weitermachen, wo sie gezwungenermaßen aufhören musste.

Ihr „Neuer“ sollte genau das tun, was Peter immer getan hat: Haus und Garten in Ordnung halten, gelegentlich für sie kochen und für Michaela Zeit haben, wenn sie Muße dafür hat.

Er soll für sie da sein, wenn sie ihn braucht. Sich nicht drum scheren, wenn sie ihn nicht braucht. Sie unterstützen, aber nur, wenn sie das möchte. Mit ihr zum Tanzen gehen, ihre Hand halten und sie umwerben.

Er sollte nicht krank werden, nicht zu viel von sich zu erzählen („Ich habe einen harten Job und will mich amüsieren, wenn ich mit meinem Freund zusammen bin, keine Probleme wälzen“), immer unternehmungslustig sein („Ich bin offen für alles).“

Michaela sucht einen Animateur oder einen Alleinunterhalter. Einen Lebenspartner braucht sie nicht. Denn dann würde sie darüber nachdenken, warum es sie nicht interessiert, was all diese Männer arbeiten, denken oder fühlen.

Nie fragt sie einen: „Hast du Kinder? Verwandte? Sehnsüchte? Träume? Hobbies? Woher stammt die kleine Narbe am Kinn?“

Es ist ihr egal.

Sie will jemanden, der sich genau in diese leere Stelle einfügt, die Peter hinterlassen hat. Als hätte sie einen Lego-Stein verloren. Mit jedem Jahr, das vergeht, wird sie trauriger und verzweifelter, weil keiner so richtig „passt“. Und wenn sie einen findet, der wenigstens einen kleinen Teil ihrer Vorstellungen abdeckt, dann verschwindet er wieder, sobald er merkt, dass Michaela selbst zu keinerlei Kompromissen bereit ist.

Klar hätte sie einen Tanzkurs mit Martin absolviert, weil er ihr vorwarf, sie sei zu hölzern und unmusikalisch. Mit dem nächsten geht sie vielleicht sogar zur Rotwildjagd. Oder zum Fallschirm-Springen. Schlafen wird sie mit allen. Aber sie wird das absolvieren wie Autofahren. Weil sie denkt, es sei nötig, um mit diesem oder jenem Mann die Zeit von Montag bis Freitag zu überstehen. Sie macht Zugeständnisse, weil sie selbst eine Menge davon fordert. Mit dem Herzen ist sie nie dabei.

Michaela erledigt die Partnersuche streng pragmatisch.  Vielleicht ist ihr gar nicht bewusst, dass ihr Herz immer noch an Peter hängt und über den Verlust mehr trauert, als sie sich eingestehen will. Vielleicht weiß sie gar nicht, wie sehr sie ihren immer anwesenden, immer lächelnden, immer toleranten Mann geliebt hat. Denn „Liebe“ existiert in Michaelas Universum nur im Fernsehen und ist eine Luftnummer für Träumer und Utopisten. Es ist der Alltag, der sie beschäftigt. Das Reifenwechseln, das Einkaufen, der Müll, der Rasen, das stille Haus.

Abgesehen davon, dass man sich nie so unter Wert verkaufen sollte, wie Michaela das momentan tut, indem sie wahllos mit Zufallsbekanntschaften schläft, nimmt auch ihre Seele immensen Schaden. Man hört ihr die Abgeschlagenheit an, wenn sie spricht. Ihre Augenringe sind riesig, die Falten neben den Mundwinkeln tief eingegraben, und sie ist erschreckend dünn geworden.

Mit Ende 40 wäre es an der Zeit, einzusehen, dass ohne Kompromissbereitschaft, ohne ein paar kleine Abstriche an die eigenen Ansprüche, keine funktionierende Partnerschaft möglich ist. Denn so ein Arrangement wie mit Peter wird sie sich nicht mehr zimmern können. Peter war einmalig, ein wunderbarer Mensch mit einem gerüttelten Maß an Geduld und Toleranz. Er akzeptierte Michaelas Freiheitsdrang, ließ sie gehen, wenn sie gehen wollte und empfing sie herzlich, wenn sie kam.

Peter war eine Selbstverständlichkeit für Michaela. Und wie das oft ist mit Selbstverständlichkeiten, wissen wir sie erst zu schätzen, wenn wir sie nicht mehr haben.

Sie wird verdammt lange suchen müssen, um jemanden zu finden, der ihm ähnelt. Sie wird in viele Betten schlüpfen müssen, enttäuscht aus vielen herauskriechen und dann das nächste Inserat aufgeben.

Michaela ist eine Art emotionaler Legastheniker. Sie versteht die Sprache des Herzens nicht und nicht die der Begierde. Sie versteht nicht das Spiel zwischen Lust und Überdruss, das Flirten und Zurückweisen,  das langsame Annähern, das zurückhaltende Öffnen für den anderen und die Enttäuschung, wenn man bemerkt, dass da nichts ist.

Michaela verlangt etwas und bietet etwas – nach bester betriebswirtschaftlicher Manier. Aber weil sie recht viel verlangt, müsste sie auch ziemlich viel bieten. Angebot und Nachfrage, so läuft das in der freien Marktwirtschaft.

Das versteht sie aber nicht, denn für Peter hat es immer gereicht.

Die Seele fehlt bei allem, was sie tut. Ihre Dates laufen ab wie eine Vorstandssitzung. Sie hat es mir erzählt. Und spätestens beim Nachtisch, wenn Michaela die „Verhandlungspunkte“ auf den Tisch knallt und damit beginnt: „Ich will das und das und das…“ nehmen sensiblere Gemüter Reißaus. Es ist nicht schlau, das Fell zu zerteilen, ehe man den Bären geschossen hat, Mädel.

Sicher wird sie immer wieder jemanden finden, der mit ihr schläft. Die meisten Herren der Schöpfung schlagen nicht gern ein Gratis-Angebot aus. Dafür bekommt sie kurzfristig Gesellschaft, eine Unterhaltung beim Abendessen und vielleicht sogar einen Ausflug an einen schönen See. Meistens aber zahlt sie im Restaurant selbst und im Bett drauf.

Alles kostet immer etwas, aber leider in einer Währung, die Michaela derzeit nicht vorrätig hat: Gefühl.

Irgendwann taucht vielleicht wirklich einmal einer auf, der in ihr Raster passt. Jemand mit einer Immobilie, um die er sich nicht viel kümmert, so dass er Zeit für Michaelas Garten hat. Einer mit viel Freizeit, die er bereit ist, Michaelas straffen Schichtplänen anzupassen.

Einer ohne Haustiere oder Anhang, einer, der sein Leben lang nur auf sie gewartet hat.

Einer, der Rosen bringt und seine schmutzige Wäsche mitnimmt („Ich habe lange genug den Haushalt gemacht, tue ich nicht mehr“), einer, der den Müll wegfährt und den Kühlschrank füllt, weil Michaela das nämlich immer vergisst.

Vielleicht kommt einer, der ihren Tanzstil super findet, für den Sex eine unwichtige Nebensache ist, der auf alle Forderungen eingeht und nichts verlangt.

Ich hoffe für sie, dass irgendwo so einer auf sie wartet, der nur bis jetzt die „Hallo Partner“-Spalte noch nicht gelesen hat.

Eine gemeinsame Nacht ist oft nicht der Startschuss in ein Leben zu zweit. Ein Abendessen ist kein Versprechen. Sex ist kein Klebstoff für geschundene Seelen. Und Pragmatismus ein schlechter Ratgeber, wenn es um Herzensangelegenheiten geht.

Das Leben stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Es ist gemein, es ist hart, es ist manchmal sehr grausam. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Und Vorstellungen aus Beton zerbersten irgendwann an der rauen Wirklichkeit.

Wer Liebe will, muss Liebe geben. Wer Gefühle verlangt, muss sie empfinden können. Wer Sex will, sollte wissen, wie Lust sich anfühlt.

Und wer alles will, wird am Ende nichts bekommen.

Wissen Sie was? Ich glaube, ich rufe Michaela jetzt gleich mal wieder an. Dass ich sie mag, kann sie nämlich spüren. Das ist ein Anfang.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

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Bauchgefühl

Ein Gastbeitrag von Andrea. Auf einmal wird’s mulmig in der Magengegend, aber es sind keine Schmerzen, die das komische Gefühl im „Zweiten Gehirn“, wie der menschliche Magen oft genannt wird, verursachen. Nein, es ist was anderes – und jeder, der je in seinem Leben mit Fremdgehen, falschem Spiel in der Liebe oder auch einem schweren Zoff unter Freundinnen konfrontiert war, wird es kennen, dieses besonders angespannte Gefühl.  Das Bauchgefühl. Gleich vorweg: es täuscht nicht. Nie!

Und deshalb sollten Menschen, die vielleicht bislang nicht in einer der oben erwähnten Situationen waren, aber sich aktuell mit einem unguten Gefühl herumschlagen, unbedingt darauf achten, was dieses Organ da aus der Mitte des Körpers signalisiert.

Nicht wenige ignorieren Bauchgefühl

Viele Leute neigen dazu, es (erstmal) zu ignorieren. Besonders dann, wenn es um heikle Dinge geht – zum Beispiel um die eigene Beziehung oder um den gerade erst neu kennengelernten Mann.

Ich bin mittlerweile soweit, dieses so wichtige Bauchgefühl nicht mehr zu ignorieren. Als ich jünger war, habe ich das permanent gemacht und bin auch sehr oft damit auf die Nase gefallen.

Deshalb möchte ich alle weiblichen Zeitgenossinnen, denen etwas schwer im Magen liegt – emotional gesehen – dazu ermutigen, diesem so wichtigen Gefühl zu trauen.

Ich plaudere einfach mal selbst aus dem Nähkästchen, denn ich habe in meinem Leben vieles erlebt – Partner die fremdgehen und Dating-Kandidaten, die lügen, waren zuhauf dabei. All diese Dramen waren immer begleitet von einem anfänglich unguten Bauchgefühl.

Aber: so oft habe ich diesem Gefühl eben NICHT vertraut, nur um mich kurze Zeit später der Erkenntnis stellen zu müssen, dass mein „Bauch-Navigator“ tatsächlich richtig lag.

So zum Beispiel beim Thema Fremdgehen – DER Klassiker im Zusammenhang mit dem schlechten Bauchgefühl.

Bei neuer Bekanntschaft meldete sich der Bauch

Ich hatte vor langer Zeit einen Freund, bei dem es schon kurze Zeit, nachdem wir zusammenkamen, heftig in der Magengegend rumpelte. Ich registrierte das, ignorierte es aber komplett. Selbst als das flaue Gefühl sich in manchen Situationen zu einem unangenehmen Zwicken ausweitete, setzte ich weiter unverdrossen darauf, dass ich meinen „Mr. Right“ an der Seite hatte.

Was aber waren das für Situationen, in denen meine Körpermitte rebellierte? Nun – da gab es einige.

Zum Beispiel unser absurdes Anruf-Ritual. Mein damaliger vermeintlicher Mr. Right, Thomas, rief nämlich nur zu einer bestimmten Uhrzeit an. Nicht davor und nicht danach. Und zwar abends halb zehn.

Ich – als damals voll naive Verliebte – dachte mir lange Zeit nichts dabei (schon gar nicht tangierte ich gedanklich das Thema Fremdgehen) und war, die rosarote Brille auf der Nase, froh, wenn er abends anrief. Man muss nämlich dazu sagen, dass tagsüber mit Thomas so gut wie keine Kommunikation ablief, lediglich eine karge „Guten-Morgen“-SMS (Whatsapp gab es damals noch nicht) ließ er mir zukommen.

Immerhin war er der total eingespannte Geschäftsmann und kam zu privatem Kram fast gar nicht. Warum ich seinerzeit nicht früher gesehen habe, dass wir gar nicht zusammen passten – schon von unseren jeweiligen Lebensstilen her nicht – kann ich mir heute auch nicht mehr erklären.

Aber ich war eben auf Wolke 7, total verliebt und pfiff auf das Magendrücken, das sich immer stärker bemerkbar machte.

Auf Bauchgefühl hören lohnt sich!

Hätte ich doch dem Bauchgefühl nur früher meine Aufmerksamkeit geschenkt und mir die vielen Sprüche, die Thomas mir auftischte oder schräge Aktionen, die er brachte, nicht bieten lassen!

So kündigte er sich einmal am späten Nachmittags bei mir an und teilte am Telefon mit, dass er später am Abend – er war zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin – bei mir sein würde, so gegen 22.00 Uhr. Na ja, nicht gerade die ideale Uhrzeit, aber da ich ihn ohnehin so selten sah, den vielbeschäftigten Business-Mann, freute ich mich natürlich.

Ich badete ausgiebig und schmiss mich in raffinierte Unterwäsche und zog mir was Schönes an. Das hätte ich aber ebenso gut auch bleiben lassen können, denn Thomas erschien nicht. Und nicht nur das: er ließ auch telefonisch nicht von sich hören.

Mein Bauchgefühl war eindeutig und so langsam horchte ich mal ausgiebiger in mich rein.

Der Abend verging, es ging auf Mitternacht zu und von Thomas noch immer keine Spur. An seinem Handy meldete sich nur die Mailbox.

Ich pellte mich also aus meinem sexy Outfit und legte mich ins Bett, das Handy auf dem Nachttisch und auf laut gestellt.

Irgendwann rief er tatsächlich an. Da war es gegen 2.00 Uhr in der Nacht. Faselte was von einem Geschäftstermin, der ewig gedauert hat und dass er – ACHTUNG: Bauchgefühl-Alarm! – sein Handy in der Sporttasche seines Geschäftspartners, der ebenso bei dem Termin zugegen war, gelassen (oder vergessen, so genau weiß ich das heute nicht mehr) hatte.

Und diese Sporttasche befand sich im Auto des Geschäftspartners.

Na ja, ich war natürlich bedient, obwohl Thomas sich für den nächsten Morgen ankündigte, zum Frühstück.

Der innere Navigator ist verlässlich

Natürlich sind das alles – im Nachgang gesehen – absolut alberne Spielchen, die nur jemand spielt, der dem Fremdgehen frönt. Und dass er das ausgiebig getan haben musste, bewiesen wenig später meine Nachforschungen, die ich dann – alarmiert durch mein Bauchgefühl – anstellte.

Ich mache es kurz, denn: ich wurde in einer Online-Singlebörse, in der er sich rumtrieb, fündig.

Noch Fragen?

Oder ein anderes Beispiel aus meiner Singlezeit.

Ich hatte jemanden kennengelernt und wir begannen das Übliche: Miteinander ausgehen, sich kennenlernen, irgendwann im Bett landen. Soweit so gut. Als es dann „ernster“ wurde, kam mein Bauchgefühl. Es war ungut. Aber auch in diesem Fall überhörte ich es geflissentlich.

Bis zu einem Abend, als ich mit dem betreffenden Mann zum Telefonieren verabredet war – wir waren zu diesem Zeitpunkt schon in einer ziemlich fortgeschrittenen Kennenlernphase.

Er wollte mich gegen acht anrufen, aber es kam kein Anruf. Mein dumpfes Bauchgrummeln reagierte entsprechend…Ich beließ es aber dabei und ging zu Bett. Als ich aufwachte, hatte ich eine SMS auf dem Handy (nein, es war noch immer kein Whatsapp-Zeitalter) von ihm.

Mit recht krudem Inhalt, der mein schlechtes Bauchgefühl abermals verstärkte. Und zwar rechtfertigte er den nicht getätigten Anruf am Abend zuvor damit, dass er erst den Keller aufgeräumt und sich danach auf die Couch begeben hat. Dort ist er dann eingeschlafen.

Vorahnung bestätigte sich

Mir kam das mehr als spanisch vor! Wenn dieser Typ nur im Ansatz an einer Beziehung mit mir interessiert wäre, schliefe er doch nicht vor einem verabredeten Telefonat auf der Couch ein – oder?! Ich hätte aufgrund der Nachricht gleich die weitere Kennenlernphase kündigen sollen, mein Gefühl war gar nicht gut! Aber wie das eben meist so ist: man (FRAU) denkt ja dann doch oft, dass man vielleicht falsch liegt und lässt es weiterlaufen.

Bis man dann – logisch! – die volle Breitseite abkriegt und doch verliert.

So kam es hier.

Der Typ ließ erstmal ein, zwei Tage gar nichts von sich hören und schickte dann eine dürre Mail mit dem Inhalt, dass „seine Gefühle nicht ausreichen würden“.

Ganz ehrlich: das hätte er mir auch Tage zuvor am Telefon sagen und sich seine vollends blöden Ausreden sparen können.

Mal wieder bereute ich es, nicht auf mein Bauchgefühl gehört zu haben!

Dass aber das sensible Organ nicht nur im Bereich von Mann und Frau, sondern generell im Zwischenmenschlichen funktioniert, bewies dann später das Zerbrechen einer langjährigen Freundschaft zu einer guten Freundin.

Mittlerweile war eine hochpolitische Zeit in Deutschland angebrochen und die Menschen sortieren sich – so ist es bis heute – in zwei Lager.

Viele Leute tun ihre Meinung auf Facebook oder/und im Freundeskreis kund.

Und so bildete auch ich mir meine eigene Meinung zu den aktuellen Geschehnissen, gab dann und wann in den sozialen Netzwerken meine Meinung kund und – zack! – war die Freundschaft hin. Na ja, ganz so rasch ging es nicht, klar.

Auch bei Frauenfreundschaft täuschte das Bauchgefühl nicht

Es fing damit an, dass meine Freundin – sie wohnt relativ weit weg von mir und wir sehen uns nur ein paarmal im Jahr – auf meine Nachrichten (mittlerweile war das Whatsapp-Zeitalter angebrochen) einfach nicht reagierte, obwohl sie sie gelesen hatte.

Ich ahnte, dass es was mit meiner Einstellung zum aktuellen Zeitgeschehen zu tun hatte, mein Bauchgefühl war megaschlecht.

Und als sie sich nach weiteren Nachrichten, die sie gelesen, aber nicht beantwortet hatte, immer noch nicht zuckte, habe ich sie eines Tages kurzerhand angerufen. Bis dahin waren immerhin schon ganz viele Wochen ins Land gekommen, fast ein Vierteljahr!

Volltreffer! Sie sagte mir auf den Kopf zu, dass ihr meine Einstellung zu aktuellen Themen nicht passt. Leider war die Verbindung zum Zeitpunkt des Telefonats sehr schlecht, so dass das Gespräch sehr abgehackt war. Irgendwann war es ganz weg. Ich rief noch einmal an und landete auf der Mailbox.

Hier sprach ich meiner Freundin eine kurze Nachricht auf, mit dem Hinweis, dass sie mich jederzeit anrufen und dass man reden könne. Zwei verschiedene Meinungen sind doch kein Grund, eine über 15jährige Freundschaft zu kündigen!

Dachte ich.

Es war aber leider genau an dem – die besagte Freundin ist mittlerweile meine Exfreundin. Ich hätte also den Anruf schon früher tätigen und Gewissheit haben können. Mein Bauchgefühl lag richtig.

Schlechtes Bauchgefühl? Klarheit schaffen!

Und deshalb mein Tipp an alle, die ein schlechtes Gefühl in der Bauchgegend haben, wenn es um Fremdgehen, Dating oder Verstimmungen in einer Freundschaft geht: meldet sich Ihr schlechtes Bauchgefühl, dann finden Sie den Mut und schaffen Sie für sich Klarheit! Haben Sie das Gefühl, ein Dating-Kandidat lügt Sie haushoch an, dann wird da was dran sein. Haben Sie ganz stark das Gefühl, dass ihr Partner dem Fremdgehen frönt – nun: sie werden sehr wahrscheinlich richtig liegen.

Und wenn sich eine sehr gute Freundin von heute auf morgen nicht mehr meldet oder auf Nachrichten von Ihnen nicht reagiert, obwohl sie sie gelesen hat – auch hier liegt dann ganz höchstwahrscheinlich der Hase im Pfeffer, jede Wette!

Machen Sie also bloß nicht den Fehler und übergehen Sie dieses so wichtige Signal, das Ihnen Ihr Körperorgan zwischen Beinen und Brust übermittelt.

Es hat sich bislang so gut wie immer bewiesen, dass das dumpfe Gefühl im Bauch etwas bedeutet. Viele Frauen, die es übergehen, ärgern sich im Nachgang, nicht schon früher gehandelt zu haben. Ich gehöre auch dazu.

Und selbst wenn sich das „Zweite Gehirn“ zu Unrecht grummelig geäußert hat und alles in Butter ist – na dann: umso besser!

Nur: das ist meist leider nicht so…Mehr rund uns Thema Bauchgefühl finden Sie auch hier.

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Lästerzunge, Satirikerin und Skandalnudel – Désirée Nick ist von allem etwas. Die mittlerweile 62jährige hat sich noch nie was daraus gemacht, was andere über sie denken und sagt ihre Meinung rundheraus.

Vielen Frauen dürfte sie ziemlich sympathisch sein – trotz ihrer manchmal etwas überkandidelten Erscheinung. Wer die Nick aber je auf der Bühne erlebte und perfekte Spitzen über das Verhältnis zwischen Männer und Frauen – ein Lieblingsthma der Unterhaltungskünstlerin – zu hören bekam, der wird vieles aus seinem Leben in den überspitzten Aussagen von Désirée Nick wiedererkennen.

Insofern verwundert es nicht, dass auch in Nicks aktuellem Buch „NEIN ist das neue Ja“ ziemlich viele Tipps stehen, die sich im Großen und Ganzen an die ganz normale Frau von nebenan richten.

Von Dating über Männer bis hin zum digitalen Alltag ist alles dabei und es klingt ziemlich nah dran am echten Leben. Kein Wunder: immerhin bringt die Autorin viele Jahrzehnte satte Lebenserfahrung mit! Auch ein Punkt, in dem sich viele Frauen der Generation 40plus wiederfinden dürften – Single-Ladies ebenso wie verheiratete Frauen.

Einem Bericht auf stern.de zufolge sind es diese Tipps, die wie ein authentischer Appell seitens der Nick an die Frauen wirken.

Damit dürfte sie ihre Leserinnen nicht nur breit erreichen, sondern auch begeistern – selbst die inflationären Instagram-Selbstdarstellerinnen bekommen ihr Fett weg.

Die besagten Tipps lauten:

  1. „Nein zum Verstecken!“,
  2. „Nein zu einem Mann, bloß um (irgend-)einen Mann zu haben!“,
  3. „Nein zu Sex ohne Liebe“,
  4. „Nein zu Schönheits-OPs!“,
  5. „Nein zum Sex mit dem Ex!“,
  6. „Nein zu verheiraten Männern!“,
  7. „Nein zu Tinder-Dates!“,
  8. „Nein zu Likes!“,
  9. „Nein zu Altlasten!“,
  10. „Nein zu Instabitches!“.

Sicher: nicht jeder weibliche Nick-Fan wird sich mit jedem dieser Ratschläge identifizieren können, aber: wer hat nicht schon (s)eine Affäre mit dem verheirateten Mann oder den One-Night-Stand ohne Liebe verflucht beziehungsweise sich darüber geärgert, wertvolle Lebenszeit und Energie in sinnlose Internet-Dates gesteckt zu haben?!

Eben… Insofern dürfte die eine oder andere Nicksche Lebens- und Alltagsweisheit wohl auch auf viele „Otto-Normalo“-Frauen zutreffen und es lohnt sich, mal in den  erwähnten Bericht auf stern.de reinzuklicken oder auch einen Blick in das neue Werk der Kabarettistin zu werfen – hier erfährt man jeweils mehr zu den aufgezählten Ratschlägen.

So oder so: amüsant zu lesen ist ein Buch von Désirée Nick allemal, zumal jetzt im Herbst, wo es nichts Schöneres gibt, als sich mit Büchern für die dunkle Jahreszeit einzudecken und dem gedruckten Wort gemütlich auf der Couch oder im Ohrensessel zu frönen!

Und – wer weiß! – vielleicht erweist sich ja der eine oder andere Tipp der Künstlerin im kommenden Frühjahr, wenn Flirt- oder Ex-Partner wieder ein Thema sind, als ganz brauchbar?!

Bildnachweis: picture alliance/rtn – radio tele nord

Ein Gastbeitrag von Bianca. Es gibt in einem Frauenforum im Internet eine Rubrik, die sich „Der gebrauchte Mann“ nennt. Dort geht es ausschließlich um Frauen, die einen – mehr oder weniger – neuen Partner haben, in dessen Leben kontinuierlich die Ex reinfunkt. Ganz gleich ob sie das aktiv tut oder ob die einstige Partnerin beim neuen Freund eher wie ein Gespenst im Raume schwebt.

Ich hatte einst mit der zweiten Version zu tun und damals lange gebraucht, bis ich merkte, dass ich eigentlich nur als bessere Therapeutin für IHN fungierte. Aber von vorn:

seinerzeit lernte ich Maik (Name geändert) über ein Datingportal im Internet kennen. Nach dem üblichen Hin- und Her per E-Mail, bei dem ich auch erfuhr, dass Maik eine kleine Tochter hat, die bei der Mutter lebte, verabredeten wir uns und trafen uns in einer Kneipe auf der angesagtesten Kneipenmeile unserer Stadt. Maik sah ganz passabel aus, aber ihn optisch zu beschreiben, fällt schwer. Er hatte eine Glatze und wirkte insgesamt wie jemand, der Stammkunde in Outdoorläden ist. Zumindest wirkte das auf mich so.

Er hatte als Ingenieur einen Job bei einem Maschinenbauunternehmen und lebte in einer stinknormalen Zwei-Zimmer-Altbau-Wohnung.

Wir verstanden uns auf Anhieb und so ließ ich mich auf ihn ein.

Den Abend, als wir das erste Mal im Bett landeten, vergesse ich so schnell nicht, denn er blieb mir in mehrfacher Hinsicht in Erinnerung. Zum einen, weil Maik als abendliches Programm „davor“ den Film „The Blair Witch Project“ einwarf und zum anderen, weil er mir an diesem Abend sagte, dass seine Ex im selben Haus wohnt. Drei Etagen höher. Mit dem gemeinsamen Kind, das zu dem Zeitpunkt vier Jahre alt war.

Ich war erstaunt über eine solche Konstellation, die mir bis dato noch nicht begegnet war.

Maik erklärte die Situation damit, dass es sich nach der Trennung ergab, dass in dem Haus eine Wohnung frei war und man(n) das ja dann auch gut mit der abwechselnden Kinderbetreuung deichseln könnte.

Ich nahm diese Info zur Kenntnis und wir widmeten uns dem weiteren Verlauf dieses Abends, der erst in den frühen Morgenstunden endete. Ich fuhr „danach“ dann heim und erinnere mich noch gut an meine Angst, in meine Tiefgarage zu fahren, da der blöde Horrorfilm in mir nachwirkte.

Die Wochen vergingen und Maik und ich verbrachten immer mehr Zeit miteinander. Allerdings ging diese zum Großteil für Erzählungen über seine Ex und sein Kind drauf. War ich zunächst noch relativ mitfühlend, merkte ich bald, dass Maik die Trennung – die über ein halbes Jahr zurück lag – überhaupt noch nicht verarbeitet hat. Nahezu über jede Aktivität seiner Ex wusste er – dadurch, dass er nunmal im selben Haus wohnte – Bescheid und bei unseren Treffen redete er brühwarm fast nur darüber. Einmal war ich bei ihm, als seine Tochter da war, ein süßes kleines Mädchen. Als sie abends im Bett lag, kam das Gespräch erneut auf seine Ex – diesmal im Zusammenhang mit seiner Tochter.

Lange Rede – kurzer Sinn: unsere gemeinsame Zeit dauerte keine drei Monate, ich beendete die Beziehung, in der es es so oft nur um seine verflossene Liebe ging und nannte ihm das auch als Grund für die Trennung. Langsam wurde mir klar, dass ich für ihn als eine Art Therapeutin fungierte, nur dass es ihn nichts kostete. Immer wieder gab ich ihm Ratschläge, ging mit ihm sein jeweils aktuelles Problem mit der Ex durch und, und, und…Das ist natürlich Gift für eine junge Beziehung und mir fiel fast schon ein Stern vom Herzen, als ich wieder Single war.

Danach muss Maik wohl erst richtig tief in ein Loch gefallen sein. Die Ex noch tief in ihm drin und die neue Freundin schon wieder weg – das war offenbar zu viel für ihn.

Jedenfalls begann er nach der Trennung erst richtig, mich mit seinen Problemen zu behelligen. Kein Witz: jeden Abend, wenn ich von der Arbeit heimkam, rief er an. Diese Telefonate waren irgendwie eine Mischung aus seinem Wunsch, ich möge es mir nochmal anders überlegen und dem Heraussprudeln seines Gefühlszustandes, bei dem wie immer die Ex eine große Rolle spielte. Mal hat sie etwas getan, was ihm nicht passte, mal hat sie wohl ein Date mit einem Mann gehabt, dann wieder eine Entscheidung im Zusammenhang mit dem gemeinsamen Kind getroffen, die er nicht guthieß und so weiter und so fort.

Ich agierte wie eine tibetanische Gebetsmühle, gab ihm immer wieder die gleichen Ratschläge. Wir drehten uns im Kreis. Warum ich mich da mitdrehte, ist eine gute Frage, die wohl hier die eine oder andere Leserin zu Recht stellt.

Keine Ahnung!

Zum einen war ich damals, wenn ich von der Arbeit heim kam, auch meist einsam und zum anderen bin ich nicht der Mensch, der andere harsch am Telefon abwimmelt.

Allerdings ging mir das Ganze irgendwann mehr und mehr gegen den Strich.

Es war über viele Wochen dasselbe: ich kam von Arbeit und keine halbe Stunde später läutete das Telefon und zeigte im Display (das war noch zu Festnetz-Zeiten) seine Nummer an.

In dieser Zeit wurde Maik auch von Tag zu Tag depressiver, manchmal hing er nur in der Leitung und reagierte lange Zeit gar nicht auf meine Ratschläge oder aber nur mit einem nichtssagenden „Hm“.

Die Anrufe belasteten mich immer mehr und obwohl ich Maik bat, sich professionelle Hilfe zu suchen und mich in Ruhe zu lassen, läutete er wieder und wieder an.

Seine Stimmung wurde immer gedrückter, um nicht zu sagen deppressiver. Nur: mir reichte es! Ich hatte für ihn lange genug die Ersatztherapeutin gespielt, in unserer kurzen Beziehung und auch danach.

Es kam, wie es kommen musste: ich ging irgendwann nicht mehr ans Telefon.

Und verbrachte meine Feierabende wieder normal. Heute lebe ich längst in einer langjährigen Beziehung und bin glücklich. Im Rückblick gesehen, kann ich über meine Geduldsamkeit mit Maik nur den Kopf schütteln. Über mich selbst. Über meine unendliche Geduld.

Und wenn ich manchmal in dem eingangs erwähnten Frauenforum stöbere, klicke ich nicht selten auch mal in die besagte Rubrik über den gebrauchten Mann. Und stelle oft fest, dass ganz, ganz viele Frauen ihren neuen Partnern, bei denen die Ex auf irgendeine Art und Weise noch Themaoder/und präsent ist, eher Therapeutin als gleichberechtigte Partnerin und viel zu verständnisvoll sind.

Deshalb mein Rat: machen Sie nicht den Fehler und lassen Sie sich je auf sowas ein! Vor allem, wenn Sie frisch mit dem Mann zusammen sind, kann die Devise nur heißen: „Finger weg!“.

Was Besseres findet sich allemal. Meine Meinung…!

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„Dieses Miststück! Wenn ich die in die Finger kriege! Die bringe ich um!“ Wie oft habe ich das schon gehört, während ich eilig einer schluchzenden Freundin Taschentücher reichte. Ich kann es gar nicht mehr zählen.

Der Anlass ist immer derselbe: Irgendein Lebensgefährte oder Ehemann namens Horsti, Günti  oder Florian (suchen Sie sich einen aus) ist fremdgegangen.

Entweder wurde er in flagranti erwischt, er bekam eine verfängliche SMS, die entdeckt wurde, oder jemand hat hinter vorgehaltener Hand erzählt, dass Horsti an dem Tag, an dem er angeblich seine verstorbene Oma zu Grabe getragen hat, quietschfidel im Hotel „Zur zornigen Hornisse“ mit einer mehr als spärlich bekleideten flotten Biene gesehen wurde, wo beide eimerweise Champagner aufs Zimmer bestellt haben. Der Schaden ist da. Größtmöglicher Unfall. Sozusagen der Beziehungs-Super-GAU.

Wir winden uns in Zorn und Wut, heulen, stampfen mit den Füßen auf, leeren erst mal ein paar Piccolos oder auch Weinflaschen, erzählen allen, die wir kennen, die Geschichte unserer abgesoffenen Beziehung, schnäuzen zwei Kilo Papiertaschentücher voll und streicheln wehmütig und verständnislos die jämmerlichen Reste unser ehemals kleinen heilen Welt und unseres in die Brüche gegangenen Selbstwertgefühls, weil das Ungeheuer aus dem moralischen Sumpf es zertrampelt hat.

Und mit „Ungeheuer“ meinen wir komischerweise NIE den Mann, sondern immer seine neue Flamme.

Ja, meistens sind wir sauer auf die Damen, mit denen unsere Typen sich eingelassen haben und nicht auf die Männer selbst. Ist ihr bestes Stück von allein zwischen zarte Schenkel gerutscht, oder haben die Männer nicht doch kräftig mitgeholfen? Wurden sie mit vorgehaltener Pistole gezwungen, die Hosen herunterzulassen? Hat jemand sie an einen Stuhl gefesselt, mit kompromittierenden Kontoauszügen erpresst, oder genügte einfach nur ein koketter Augenaufschlag mit zu viel Lidstrich, ein kleiner Minderwertigkeitskomplex und eine erstklassige Gelegenheit? („Das kommt nie raus, da breiten wir den Mantel, äääh… die Bettdecke des Schweigens darüber.“)

Und trotzdem waschen die Herren der Schöpfung ihre Hände in Unschuld. Während die betrogene Frau vor Wut kocht und ihre Rachegelüste nur mühsam im Zaum zu halten vermag. Ich finde das grotesk.

Wieso wollen wir nur immer den Mädels die Augen auskratzen, ihnen die Klamotten vom Leib reißen und sie auf dem nächsten hastig aufgetürmten Scheiterhaufen verbrennen, aber den Fremdgänger lassen wir ungeschoren?

Ich habe einen umfangreichen Bekanntenkreis mit einer Menge toller Frauen. Alle sind sie großartig, verdienen ihr eigenes Geld, sind hübsch anzusehen, fleißig, loyal und selbständig. Man sollte meinen, diese Teufelsweiber wirft so schnell nichts um. Bis es dann passiert.

Nehmen wir zum Beispiel Laura. Sie lebte lange Jahre in einer strapaziösen Beziehung, denn ihr Freund sah verdammt gut aus. Er war eine ansehnliche Mischung aus dem jungen Tom Selleck und einem gereiften George Clooney. Wo er hinkam, flogen ihm die Herzen zu, und nicht nur die. Sämtliche Damen, auch die im nicht mehr fortpflanzungsfähigen Alter, schürzten in seiner Gegenwart freiwillig die Röcke und kicherten albern um die Wette bei jedem seiner Flachwitze. Mehr als einmal saß Laura vor Wut mit den Zähnen knirschend am Tisch und verwünschte sich für die dumme Idee, irgendwelche weiblichen Wesen zum Kaffee oder zum Abendessen bei sich einzuladen.

Sobald Lukas, Lauras Herzensmann, den Raum betrat, verwandelten sich nämlich die weiblichen Gäste in gickernde Hühner, die ihm ihr Ei anboten. Und ja, das meine ich wörtlich.

Eines Tages, an einem Wochenende, während sie gemeinsam frühstückten, erzählte Lukas  der mittlerweile ziemlich verunsicherten Laura langatmig, er hätte ein paar Probleme in ihrem Zusammensein entdeckt, an denen sie beide arbeiten müssten. Mit „daran arbeiten“ meinte er selbstverständlich Laura, denn er selbst war ja in seinen Augen perfekt, wie ihm sein Fanclub immer wieder bestätigte.

„Wir sollten eine neue Qualität in unsere Beziehung bringen“ begann Lukas vorsichtig.

„Deshalb halte ich es für wichtig, dass wir etwas Abstand voneinander bekommen und nicht immer aufeinander kleben. Wenn das hier funktionieren soll, dann musst du mir in Zukunft eine verdammt lange Leine lassen. Ich brauche ein wenig Freiheit. Außerdem wäre eine kleine Auszeit nicht schlecht. Du bist ja eine intelligente Frau und siehst das bestimmt auch so.“

Roter Alarm. Zumindest wäre das bei mir der Fall. Alle Mann in die Wanten. Ein Sturm naht, und der könnte diese kleine Nuss-Schale namens Beziehung zum Kentern bringen.

Laura ist ein taffes Weibsbild und hat schon alles gesehen. Als Tierärztin spendet sie häufig Trost, hat schon die schwierigsten Fälle durchgebracht und übrigens erst vor vier Jahren, nur weil sie Lust darauf hatte, den LKW-Führerschein gemacht. Wirklich wahr.

Sie ist attraktiv, selbstbewusst, sportlich, kultiviert und sehr belesen. Aber als Lukas ihr lang und breit aufzählte, wie eingeengt er sich in der Beziehung mittlerweile fühle, saß sie fassungslos am Tisch und schnappte nach Luft.

Keine Frau hört es gern, dass sie das menschliche Äquivalent einer Bärenfalle sein soll, nicht wahr? Also nickte sie nur entgeistert und sah zu, wie Lukas sich sein Handy schnappte, das ohnehin die ganze Zeit gepiepst hatte, und verschwand. Dann trank sie einen Kaffee und dachte nach. Ungefähr zwei Stunden lang.

Aber das Gefühl, als wäre sie gerade dazu gezwungen worden, auf Seife zu beißen blieb. Irgendetwas stimmte nicht. War das derselbe Mann, der ihre Mülltonne durchwühlt hatte, auf der Suche nach einem uralten Adressbuch, in dem die Telefon-Nummern ihrer Exfreunde notiert waren? War das derselbe Mann, der eifersüchtig darüber wachte, dass sie nicht mit fremden Männer zu lange sprach? Es kam ihr merkwürdig vor. Also setzte sie sich in ihr Auto und fuhr zu Lukas, der 10 Kilometer entfernt wohnte.

Sarkastiker würden sagen, eine lange Leine benötigen nur Leute mit mindestens einem Hund. Und Laura wurde mit jedem Kilometer misstrauischer. Denn Lukas war in den letzten Jahren nicht der Zuverlässigste gewesen und kam gerne mal einen halben Tag zu spät zu einer Verabredung. Trotzdem liebte sie ihn. Irgendwie.

„Kann ich dir nicht sagen“ antwortete sie patzig auf meine diesbezügliche Frage. „Er hat einfach was, das mich fasziniert.“

Wenn Männer so etwas sagen, wollen sie meistens (Ich betone: meistens!) eigentlich nur mehr Zeit zum Fremdgehen haben und fixe Termine bei festen Freundinnen sind da eher lästig. Das gehört zum Basiswissen jeder Frau und sollte in der Schule gelehrt werden. Selbstverständlich kann man nicht 24 Stunden am Tag aufeinander sitzen, aber wenn das Zusammensein zur lästigen Pflicht wird, so dass man sich daraus befreien möchte, dann sollte man ohnehin alles nochmal überdenken.

Während Laura ihren Wagen über die Landstraße steuerte, beschwor sie sich selbst, unbedingt  gelassen zu bleiben und Lukas nach konkreten Gründen für seine Unlust zu fragen. Sie nahm sich vor, in Zukunft nicht mehr so „lästig“ zu sein („Was denkst du gerade?“), nicht mehr zu verlangen, dass er seine Wochenenden ausschließlich mit ihr verbrachte („Was, du willst schon wieder mit deinen Kumpels nach Mallorca? Da warst du doch erst vor zwei Wochen!“), und nicht mehr wütend über Lukas herzufallen, wenn ihm „wildfremde“ Frauen um den Hals fielen und sie dabei anzüglich und triumphierend anlächelten. („Musst du die auch noch umarmen? Woher kennst du die überhaupt?“).

Lukas war ein Mistkerl, aber Laura sah in ihm nur das Gute: einen 185 Meter großen attraktiven Mann mit blauen Augen, einem repräsentativen Job und Schwiegersohn-Qualitäten. Sie hatte völlig vergessen, dass ja nicht ihre Eltern mit Lukas leben mussten, sondern sie selbst.

Als Laura mit ihrem Schlüssel die Wohnung von Lukas aufschloss und eintrat, bemerkte sie als erstes ein paar blaue Pumps in der Diele. In Größe 40. Laura trug 37. Dann hörte sie das Geräusch der Dusche und ging ins Bad. Dort fand sie Lukas zusammen mit einer ansehnlichen Dunkelhaarigen, wie sie sich gerade kichernd unter dem Wasserstrahl von jüngst begangenen Schandtaten säuberten.

DAS nenne ich mal ein straffes Zeitmanagement. Scheinbar hatte Lukas keine Zeit verloren und war sofort nach seiner Ansprache an Laura unter die nächste Frau geflutscht. Er schien definitiv ein Mann der Tat zu sein, das war ja eines der Dinge, die Laura so an ihm schätzte. Nur welche Dinge er anpackte, hatte sie vor diesem Tag nicht geahnt.

Hätte Laura die von Lukas erwähnte „lange Leine“ in diesem Moment zur Hand gehabt, dann wäre es wohl mit der Brünetten vorbei gewesen, so erzählte sie mir ein paar Tage später.

„Ich war außer mir vor Wut und hätte sie am liebsten stranguliert“ heulte sie.

„Da präsentiert sich dieses Luder völlig nackt vor mir, stemmt beide Arme in die Hüften und grinst mich triumphierend an, während ich mir gerade die Augen aus dem Kopf heule. Und Lukas, dieser Feigling, steht schlotternd daneben, weil er aufgeflogen ist.“

„Wo hast du die versteckt bisher?“ fragte Laura ihren frischgebackenen Exfreund schluchzend und zeigte auf die nackte Dritte im Bunde.

„Ich glaube, das hat er nicht nötig, dass er mich versteckt“ antwortete die Brünette süffisant und stieg graziös aus der Duschwanne, während sie sich ein Handtuch schnappte.

Laura flüchtete schniefend vors Haus und setzte sich auf eine Mauer. Lukas war ihr im Bademantel nachgekommen und nahm neben ihr Platz.

„Es ist nur was fürs Bett“ stammelte er hilflos, während er verlegen versuchte, Laura zu umarmen. Es schien ihm peinlich zu sein, dass er aufgeflogen war, denn er hatte ein Ego wie der Watzmann und doch immer alles so gründlich durchgeplant.

Außerdem nannte er alle seine Bekanntschaften „Schatz“ – dadurch konnte er sichergehen, nie einen Namen zu verwechseln.

Ja, Lukas war verlegen. Nicht schuldbewusst. Es stellte sich im Nachhinein heraus, dass er diese Dame namens Sieglinde schon sechs Monate lang traf. Sozusagen mitten zwischen die Knie.

Das darf man ruhig so nennen.

„Warum hast du ihm denn nicht wenigstens eine geschmiert für das, was er dir angetan hat?“ fragte ich Laura völlig entgeistert.

„Weil ich ihn doch liebe“ platzte Laura heraus.

„Ich war unglaublich sauer auf dieses Miststück. Ich hätte sie am liebsten gekillt, egal womit. Aber auf ihn konnte ich einfach nicht böse sein. Er meint es nicht so, er ist nur schwach.“

Da fehlen mir die Worte, und das will was heißen.

In der darauffolgenden Woche schmiedete Laura düstere Rachepläne, die allesamt darin gipfelten, dass diese fremde, dunkelhaarige Frau ein qualvolles und langwieriges Ende nehmen würde. Unter der Erde, denn Laura wollte sie anschließend lebendig begraben.

Aber sie hat diese Pläne nie ausgeführt, Gottseidank.

Lukas schien in Lauras Augen lediglich das Opfer widriger Umstände zu sein. Die böse schlanke Schlange mit dunklen langen Haaren hatte sich in ihr Paradies geschlichen und von Lauras Apfel genascht. Sie ist übrigens heute noch davon überzeugt, dass alles nie passiert wäre, hätte die Brünette damals die Finger von Lukas gelassen.

Ich kenne Lukas allerdings, und ich habe schon viel von ihm gehört. Nicht alles konnte ich Laura erzählen.

„Brünhilde“ war nämlich nicht die erste gewesen, die in Lukas’  wurmstichigen Apfel gebissen hatte. Genaugenommen war schon sehr lange von Lukas nur noch das abgenagte Kerngehäuse übrig – metaphorisch gesehen.

Mit Frauen, die mit gebundenen Männern fremdgehen, verhält es sich wie mit dem Kauf von Rüstungsaktien. Es ist zwar moralisch geächtet, aber wenn Sie die nicht kaufen, tut es jemand anderer. Weil sie ja scheinbar verfügbar sind. Weil sie mitmachen.

Weil sie nicht „Nein“ sagen.

DAS ist die Wahrheit. Die Welt ist nicht voller verführerisch glitzernder „böser Mädchen“, die nur darauf warten, sich einen Mann zu krallen, egal, ob verheiratet oder nicht. Meistens geht es nur um eine günstige Gelegenheit, ein paar Bier zu viel oder zu wenig sexuelle Befriedigung zuhause. Und es sind nicht immer nur die fremden Frauen schuld.

Hätte „Brünhilde“ sich damals nicht Lukas geschnappt, wäre es eben eine andere gewesen, denn er konnte seinen Feinripp-Slip einfach nicht bei sich behalten, sobald er weibliche Pheromone witterte.

Laura hätte mir vermutlich nicht geglaubt, dass Lukas ohnehin alles bestieg, was bei 3 nicht auf dem nächsten Baum verschwunden war. Und sie nennt es auch weiterhin „Liebe.“

Jedenfalls war Laura lange, lange Zeit so unglaublich sauer auf die ominöse Dunkelhaarige, dass ich es gar nicht zu beschreiben vermag. Für Laura war sie die Personifizierung des Antichristen, das Böse schlechthin. Dass der arme unschuldige Lukas aber tatkräftig an ihr herumgefummelt hatte, mit ihr in SEINER Dusche geduscht hatte und bereitwillig mit „Brünhilde“ in sein ungemachtes Bett gehüpft war (in dem ein paar Tage zuvor noch sie selbst gelegen hatte), verdrängte sie ganz einfach.

Beide sind jetzt übrigens nicht mehr zusammen. Und das Traurige ist: Es lag nicht an Laura, denn sie hätte Lukas mit Kusshand zurückgenommen, weil sie sich so an ihn gewöhnt hatte. Jetzt hat sie sich einen Mann gesucht, der nicht ganz so gut aussieht, aber eine treue Seele ist. Ich hoffe, die beiden werden glücklich, denn vielen Versuchungen wird der Neue vermutlich nicht ausgesetzt sein.

„Es ist mir egal, ob er aus Mangel an Gelegenheit bei mir bleibt“ erzählte mir Laura vor ein paar Monaten pragmatisch.

„Ich will einfach nur einen Mann, auf den ich mich verlassen kann. Aber wenn Lukas heute zu mir zurückkäme, könnte ich für nichts garantieren.“

Naivität hat viele Gesichter. In Lauras Fall sogar ein sehr hübsches.

So ähnlich wie Laura erging es Vanessa im Februar vor drei Jahren. Sie war nämlich mit einem Mann liiert, der zum damaligen Faschingsprinzen gekürt wurde.

Nun ist „Faschingsprinz“ ein stressiger Job, zumindest, so lange, wie der bierernste deutsche Karneval dauert. Man muss sich ständig in Gesellschaft und bei lauter Musik volllaufen lassen, mit hübschen Mädchen tanzen und darf morgens nie vor 5:00 Uhr ins Bett gehen. So war das zumindest damals. Ich nehme hiermit ausdrücklich alle lieben und treuen Karnevalisten aus.

Jeder „Regent“ umgibt sich mit der sogenannten „Garde“, die vorwiegend aus lauter süßen Käfern in möglichst kurzen Röckchen und einem bis dato kurzen Leben besteht. Es wird geprobt, es finden Auftritte statt, und Vanessa hatte schwer daran zu knabbern, dass ihr Jürgen so gar keine Zeit mehr für sie hatte und nur noch mit blutjungen süßen Mädels übers Parkett hüpfte.

Eines Abends wollte Vanessa „ihren“ Prinzen nur kurz vor einem Auftritt besuchen und ihm Mut zusprechen, da er unter schlimmem Lampenfieber litt.

Sie erwischte ihn, während er seine Zunge gerade in der Speiseröhre der pummeligen blonden Faschings-Prinzessin und beide Hände in deren Dekolleté versenkte. Es war kein schöner Anblick.

Vanessa stürmte wutentbrannt nach draußen, verkroch sich den gesamten restlichen Fasching unkostümiert und stinksauer in ihrer Wohnung und schwor der dicklichen Prinzessin (Tochter des örtlichen Großbäckers) schwerste Rache, sollte die ihr jemals allein zwischen die Finger geraten. Sie wollte ihr die Haare im Schlaf abschneiden, ihr Auto und das Gesicht zerkratzen, sie wollte ihr mindestens einen Zahn ausschlagen und sie vor allen Leuten unmöglich machen, indem sie behauptete, Prinzessin Blondie litte an einer sexuell übertragbaren Krankheit.

Außerdem kauft Vanessa seit drei Jahren ihre Brötchen aus Protest jetzt bei ALDI. Wobei ich sehr bezweifle, dass die ehemalige Prinzessin das bemerkt hat.

Und Jürgen – war wieder mal an gar nichts schuld.

„Er kann so gut tanzen und sieht klasse aus, klar dass alle auf ihn stehen“ greinte Vanessa, als sie heulend bei mir am Tisch saß und ein Taschentuch nach dem anderen vollschnäuzte.

„Außerdem ist er schon öfter fremdgegangen. Ich hab’s nur noch nie live gesehen, das war eine ganz andere Qualität. Und die blöde blonde Kuh hat sich ihm an den Hals geschmissen. Der wollte das doch gar nicht. Der steht doch nicht mal auf mollige Frauen. Und auf Blondinen schon gar nicht.“

An dieser Stelle wusste ich nicht, ob ich lachen oder weinen sollte.

Übrigens wurde Vanessa ein halbes Jahr darauf von ihrem Prinzen wegen einer dürren Dunkelhaarigen verlassen. Zumindest, was Jürgens Vorlieben anging, hatte sie Recht behalten.

Ich könnte Ihnen noch etliche Fälle aufzählen, in denen Frauen betrogen wurden, die jedes Mal, wirklich jedes einzelne Mal, der „anderen“ Frau die Schuld daran gaben.

Wissen Sie, in dieser Debatte vermisse ich eines ziemlich: weibliche Solidarität. Meine Oma sagte immer: „Wie man sie kriegt, so verliert man sie wieder“, und ich durfte das mehr als einmal beobachten.

Elvira zum Beispiel hat ihren Mann seiner Ehefrau ausgespannt, ihn unter Triumpfgeheul geheiratet und wurde dann nach 10 Jahren von eben diesem Mann wegen einer Jüngeren verlassen. Die triumphierte dann auch.

Katrin ergatterte sich einen verheirateten Zahnarzt, der sich wegen ihr scheiden ließ, mit ihr eine rauschende Hochzeit auf den Malediven feierte… und sie dann wegen seiner Exfrau wieder sitzenließ.

Aber darum geht es gar nicht. Es geht nicht um Moral, es geht um Integrität. Wir Frauen sollten zusammenhalten, denn wir haben es schwer genug in dieser Welt. Jede fremde Frau, die ich treffe, sollte meine Freundin und Verbündete sein, nicht meine Konkurrentin oder meine Feindin, die ich im Auge behalten muss.

Weltweit haben immer noch die Männer die Macht. Und wenn wir uns untereinander schon das Leben so schwermachen – wie wollen wir es dann in die Führungsetagen schaffen?

Ein kleines bisschen Solidarität wäre wirklich schön. Und wenn Sie mich hundert Mal altmodisch schimpfen: Man klaut einer anderen Frau nicht den Mann. Das tut man einfach nicht. Es ist so einfach wie logisch. Und meistens auch ein Pyrrhussieg.

Denn einer, den sich von Ihnen „klauen“ lässt, auf den müssen Sie, wenn Sie ihn dann „haben“, ganz gewaltig aufpassen, er scheint ja eher der wankelmütige Typ zu sein, der sich gerne von einem flott gezogenen Eyeliner oder einem Schmollmund zum Wechsel in eine andere Mannschaft überzeugen lässt. Und das alles nur wegen ein paar Trikot-Wechseln?

Wo wird er wohl in der nächsten Saison spielen?

Ja. Ich wirke vermutlich antiquiert, wenn ich im Jahre 2018 schreibe: „Das tut man nicht.“ Weil wir doch in der freiesten Gesellschaft leben, die wir uns vorstellen können. Aber ich erwarte von einem Mann ganz einfach, wenn er sich für mich entscheidet, dass er sich auch daran hält. Sollte die Beziehung für beide Teile nicht zufriedenstellend sein, kann er sich gern dorthin begeben, wo ihm das Gras grüner scheint. Oder der Pfeffer wächst. Aber ich möchte keinen fliegenden Wechsel von einer Blüte zur nächsten erleben.

Die Herren der Schöpfung sind nämlich keine Bienen, sondern Drohnen. Und die Königinnen sind immer noch wir, vergessen Sie das bitte nicht.

Männer sind selbstverständlich nicht unser Eigentum. Und jeder Mensch hat einen freien Willen, auch wenn er behauptet, er hätte sich nicht wehren können gegen dieses Bollwerk an Verführungskunst, das ihm neulich in einer schummrigen Pilsbar schöne Augen gemacht hat.

Auch wenn er behauptet, er hätte nicht gewusst, was er tat. Auch wenn er behauptet, es sei nur eine einmalige Angelegenheit gewesen.

„Die hat sich mir an den Hals geworfen, Uschi!“ beteuern sie und vergessen ganz nebenbei, dass sie ihren Hals vermutlich bereitwillig in Richtung des verführerisch geöffneten Dekolletés gestreckt haben.

„Es ist nur was fürs Bett, Schatzi!“

Wie bitte? Ich habe ja auch keinen Mann nur für den Müll, oder einen, der ausschließlich fürs Rückenschrubben zuständig ist.

Mitgefangen, mitgehangen, liebe Herren der Schöpfung. Eine Beziehung ist nämlich all inklusive, und das Buffet wechselt nicht täglich, auch wenn Sie das manchmal gern hätten. Also denken Sie nach, ehe Sie eine holperige Kreuzfahrt auf dem Seitensprung-Dampfer buchen.

Ich wünsche mir für alle Frauen dieser Welt ein wenig Solidarität. Lassen Sie uns zusammenhalten. „Böse Mädchen“ bekämen gar keine Chance, wenn es nur „brave Männer“ gäbe.

Bleiben Sie gelassen. Denn für fast alle für uns gilt das „AMIGA“-Prinzip: „Aber meiner ist ganz anders“. So gut wie immer stimmt das auch.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende. Nehmen Sie mich nicht allzu ernst. Ich selbst tue das auch nicht.

Mit augenzwinkernden Grüßen,

Ihre Barbara Edelmann

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So langsam werden die Tage wieder kürzer und wer früh raus muss, der bemerkt sie schon: die Herbstkühle, die vor allem in den Morgenstunden präsent ist.

Auch die ersten Blätter verfärben sich und so manche Singleseele ist in nächster Zeit anfällig für trübe Gedanken.

Wenn sich erst Nebel und Regenschleier übers Land legen, neigen vor allem Frauen, die solo sind, dazu melancholisch zu werden. Kein Wunder: kreisen doch dann verstärkt wieder Kuschelbilder von verliebten Paaren am Kamin durchs Netz und so manche Freundin, mit der man in den warmen Monaten am Freisitz „Leute gucken“ konnte, igelt sich mit ihrem Liebsten wieder mehr ein.

Hinzu kommt, dass am Horizont schon die Festtage lauern – für die allermeisten Singles eher keine schöne Zeit.

Damit das trübe Wetter, das höchstwahrscheinlich in Kürze schon anrückt, nicht auch Trübsal in die Seele von Singlefrauen bläst, haben wir drei wirklich funktionierende Tipps zusammengestellt, die dem Herbstblues, entgegen wirken:

  • Starten Sie jetzt Ihr Intensiv-Pflege-Programm! Stöbern Sie in Parfümerien und Drogerien nach neuen Produkten und gönnen Sie sich das eine oder andere neue Produkt. Jede Saison hat ja so ihre Düfte – warum nicht danach Ausschau halten? Es muss ja nicht gleich ein neues Parfüm sein, ein schönes Schaumbad oder ausgefallenes Duschgel ist ebenso sinnvoll. Oder eine tolle Bodylotion. Denn mal ehrlich: gerade in der kälteren Jahreszeit wendet man doch diese Produkte sehr viel intensiver an. Wer legt sich schon bei 35 Grad im Schatten in die Badewanne und kuschelt sich danach stundenlang mit einem guten Buch aufs Sofa? Eben! Meist macht man im Sommer „kurzen Prozess“, duscht sich, spritzt den Lieblingsduft auf die Haut und spaziert zum nächsten Pool oder Straßencafé! Deshalb sind die ersten trüben Tage im Herbst perfekt geeignet, sich auch pflegetechnisch auf die kalte Jahreszeit einzustimmen!
  • Stöbern Sie schon jetzt nach schönen Büchern für die Herbst-/Winterzeit. Gerade im Herbst kommen alljährlich unzählige, neue Buchtitel heraus. Und die dunklen Monate sind nun mal DIE Lesemonate schlechthin! Und – ganz wichtig! -: wer in ein Buch vertieft ist, kann nicht gleichzeitig über sein Singledasein traurig sein!
  • Legen Sie sich ein (neues) Hobby zu – ändern Sie die Perspektive. Warum nicht zur Hobbyfotografin werden? Zum Beispiel. Zeigt sich der Herbst von der goldenen Seite, gibt es mehr als genug schöne Motive!
  • Wellnesstrip buchen – und wenn`s nur für ein paar Tage ist! Entspannt in der Sauna sitzen, wenn draußen die Herbststürme peitschen – was gibt es Schöneres? Gerade deshalb, weil man in den heißen Monaten Sauna- oder Dampfbad-Aktivitäten meist kaum oder nur eingeschränkt nachgeht, kann jetzt wieder in die Vollen gegangen werden! Deshalb: ein (verlängertes) Wochenende mit der guten Freundin in einem Wellness-Hotel tut mehr als gut und vertreibt dunkle Single-Gedanken definitiv! Und wenn nicht, ist ja jemand zum Quatschen da!

Apropos Quatschen: sollte Sie trotz allem mal der Single-Herbst-Blues ereilen, greifen Sie zum Hörer und rufen eine gute Freundin an oder verabreden Sie sich mit ihr!

Und – so ganz nebenbei – darf der Blick in die ein oder andere Singlebörse ruhig riskiert werden, denn: denn Männern gehts im Herbst oft nicht anders!

Man kann es auch anders formulieren: oft klappt es nicht, sehr oft sogar. Vor allem dann nicht, wenn FRAU die 30 ab der Mitte schon verlassen und die 40 schon im Blick hat.

Natürlich ist diese Art des Datens ein Riesenthema – vor allem im Netz. Es wird nach den Gründen, warum es nicht klappt, recherchiert, es werden Tipps gegeben, eine Armada von Dating- und Coaching-Experten zieht für und mit einsame(n) Herzen ins Feld. Und auch der Büchermarkt wartet mit unzähligen Ratgebern in Sachen Online-Dating auf.

Allerdings kann man sich das meiste sparen, denn die Gründe, warum Online-Dating meist mit viel zu vielen Erwartungen überfrachtet und eben nicht selten deshalb zum Scheitern verurteilt ist, braucht man nicht noch nachzulesen oder via Coaching aufzuspüren, das geht ganz locker auch alleine.

Oder – um es anders zu formulieren: betreibt man das Online-Dating eine ganze Weile, wird einem schnell klar, dass hier auf die Schnelle kaum etwas Ernsthaftes zu realisieren ist.

Am besten wäre deshalb, dass Frauen, die damit beginnen, einen Partner im Internet zu suchen, wirklich ganz locker herangehen, am besten ohne Erwartungen.

Ist nicht einfach – klar! –  denn natürlich hat man (FRAU) Erwartungen, wenn man in Sachen Herzflimmern online geht. Sonst kann man es ja gleich lassen.

Aber dennoch: die Erfahrungen zeigen, dass Geduld und ein gewisses dickes Fell mitgebracht werden müssen, wenn man sich den Traummann digital angeln will.

Ganz wichtig ist auch die Vermeidung von Liebeskummer, der gerade bei dieser Art des Datens superschnell zuschlagen kann. Oft in Situationen, in denen ein erfolgreiches Date mit weiteren Treffen fortgesetzt wird und es womöglich schon die ein oder andere heiße Nacht gibt. Genau hier schnappt die Falle so oft zu, denn wo die weibliche Dating-Kandidatin hier vielleicht schon den Beginn einer traumhaften Beziehung sieht und sich verliebt hat, ist es vielleicht für den männlichen Part eher immer noch der „mal-schauen-und-es-laufen-lassen“-Modus.

Parallel-Dating ist von Beginn an ein großer Frustfaktor bei dieser Art des Kennenlernens. Die Erfahrungen darüber sind zu -zigtausenden Posts im Internet abrufbar und bis heute handhaben nicht wenige Männer ihre Online-Treffen parallel. Frauen natürlich auch, wobei die meisten Postings, die von der Verletzung und Empörung in Sachen Paralleldating zeugen, von Frauen stammen.

Hier sollte innerhalb eines Kennenlernprozesses, wenn sich denn ein mulmiges Gefühl einstellt, genauer drauf geschaut werden, wie sich der männliche Singlebörsen-Kandidat gibt. Meldet er sich erst spät auf Nachrichten, hat er permanent sein Smartphone am Mann, verschiebt er Treffen oder sagt sie ab?

Muss nicht, aber kann auf Paralleldating deuten, ein gesundes Misstrauen ist definitiv ein besseres Rüstzeug fürs digitale Flirten als Naivität oder/und Gutgläubigkeit. Vor allem auch deshalb, weil bei Weitem nicht jeder Mann, der in einer Single- oder Partnerbörse angemeldet ist, tatsächlich ernsthaft eine Partnerin sucht. So man(n)cher sucht auf diese Art einfach nur erotische Abwechslung, kommuniziert dies aber freilich nicht.

Oftmals wird bis weit in die intensive Kennenlernphase getrickst, nur um diese dann, so wie den gesamten Kontakt, zu beenden. Wie man die Warnsignale erkennt, steht hier ganz gut beschrieben.

Natürlich klingt das jetzt alles total negativ, so manche wird vielleicht nun schon die Nase voll haben vom Singlebörsen-Dating, bevor sie sich überhaupt registriert hat.

Ganz so wild ist es freilich nicht, was die Liebespaare, die sich ja tatsächlich virtuell im Web gefunden haben, belegen. Nur darf eben diese Art des Kennenlernens nicht als rosarot angesehen werden oder als ein Kontakte-Generator mit schnellem Erfolg.

Die großspurige Werbung für Partnerportale, die vor allem in Städten umfangreich platziert ist, versprechen leider etwas anderes und kommunizieren eine Leichtigkeit der Partnersuche, die so real oftmals nicht gegeben ist.

Nicht umsonst wurde die Werbung eines großen Partnerportals, das da mit – Sie wissen schon – „alle elf Minuten verliebt sich ein Single…..“ warb, zum Running-Gag. Denn viele Leute, die sich darüber lustig machten, betonen – nicht ganz zu Unrecht – das „einer verliebt sich“. Was logischerweise impliziert, dass es der andere nicht tut.

Insofern – wie gesagt: Online-Dating kann klappen, muss nicht!

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