Dass die allermeisten Fitnessgeräte für zuhause früher oder später ein Dasein als Handtuchhalter oder Kleiderablage fristen, ist bekannt. Auch mir ging das mal so, vor gefühlten Urzeiten, mit Anfang 20. Da stellte ich mir einen Heimtrainer in mein damaliges Riesenbadezimmer und ging voller guter Vorsätze an die Sache ran. Strampeln für die gute Figur – bei jedem Wetter, das war die Devise. Was enthusiastisch mit einem guten Vorsatz begann, währte nicht mal ein halbes Jahr und man sah das Ding unter Bergen von Handtüchern irgendwann nicht mehr. Was aus dem Gerät wurde, weiß ich nicht mehr. Kleinanzeigen gab es damals noch nicht – sicherlich habe ich es irgendwie im Freundes- oder Bekanntenkreis verkauft oder verschenkt.
Kleinanzeigen – irritierendes Gebaren nimmt zu
Da Erinnerungen bekanntlich rasch verblassen, war ich zwei Jahrzehnte später wieder so blauäugig und kaufte mir erneut einen Hometrainer. Diesmal einen sogenannten Air-Crosser. Zu meiner eigenen Ehrenrettung sei gesagt, dass ich dieses Trainingsgerät wirklich regelmäßig benutzte. Zumindest stets ein paar Zeiträume lang…Irgendwann kam es, wie es kommen musste: Nach einem Umzug war das Netzkabel für den Hometrainer nicht mehr da und niemand besorgte ein neues. Da ich zwischenzeitlich in einer Gegend lebte, die alltäglich mit herrlicher Natur und unzähligen Spazier-, Walk- und Wanderpfaden lockt, stand der Crosstrainer – wie einst mein Fahrrad-Hometrainer – nutzlos im Zimmer herum und mutierte zum Staubfänger. Da zudem unklar war, ob er mit einem neuen Netzteil je wieder anspringt, inseriere ich ihn als Bastel-Gerät auf Kleinanzeigen im Netz.
Schnell biss jemand an. Doch keineswegs so, wie ich es mir erhoffte. Im schnöden Telegram-Stil, ohne Anrede (eine Unart, an die ich mich auf Kleinanzeigen nie gewöhnen werde) übermittelte mir der oder die Unbekannte, dass man das Gerät noch am selben Tag abholen könnte. Das kam mir zupass, weshalb ich freundlich um die Telefonnummer bat, damit man sich kurz abstimmen und die Adresse übermitteln kann. Daraufhin kam nur ein „Adresse bitte, bin auf der Durchreise“.
Kommunikation auf dem Portal ist oft unterirdisch
Sehr irritierend! Warum übermittelte der oder die andere nicht einfach seine oder ihre Telefonnummer? Ich schreibe doch nicht einem wildfremden Menschen meine Adresse ohne vorherige Kommunikation! Zudem macht es sich doch um Längen besser, wenn man sich kurz persönlich hört. Ich habe der besagten Person deshalb nicht mehr geschrieben. Weil es keinen Sinn macht. Weil gefühlt jeder zweite auf Kleinanzeigen ein solches Verhalten an den Tag legt, ganz oft noch garniert mit „letzta Preis?“. Das Niveau und die Umgangsformen leiden auf diesem Portal – lange schon. Dass zudem Betrugsfälle dort mehr und mehr zunehmen, verwundert deshalb nicht.
Insofern sollte jeder, der mit einem dahin geblafften „Adresse!“ auf diesem Gebraucht-Portal konfrontiert ist, die Kommunikation sofort einstellen. Ohne sich zu hinterfragen, ohne schlechtes Gewissen und ohne noch einmal Kontakt mit dem anderen aufzunehmen. In einer Zeit, wo Datenschutz groß geschrieben und fast zur Obsession wird, die Kriminalität explodiert und Straftaten im Internet zunehmen, muss sich niemand komisch vorkommen, wenn er Widlfremden seine Adresse nicht schreibt. Völlig legitim und deshalb verbietet sich jede Kommunikation darüber.
Am besten verfährt man in dem Portal so, dass man von vornherein in sein Inserat schreibt, dass Antworten nur auf eine zivilisierte Kontaktaufnahme hin erfolgen. Kommt diese nicht, löschen. Sofort. Rigoros. Und im Zweifel lieber auf einen Deal verzichten, als Daten an unseriös oder zwielichtig wirkende Unbekannte herauszugeben!
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