Montag, 19. Oktober, 2020

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Wenn die Telefonstimme ein Gesicht bekommt oder: Die Kraft der Gedanken – Gastbeitrag von Manu

Hochgesteckte Haare, Bleistiftrock, Brille und eine weiße Bluse mit einer großen schwarzen Schleife am Anfang der Knopfleiste: So stellte ich mir meine Kollegin vor, die hunderte Kilometer weiter im Büro saß und von der ich nur die Telefonstimme kannte. Und mit der ich mehrmals in der Woche zu tun hatte.

Beide saßen wir – lange schon vor Corona – für ein- und denselben Arbeitgeber im Homeoffice. Sie im Süden des Landes, ich im Norden.

Aufgrund der Telefonstimme baute sich ein gewisses Bild bei mir auf

Zwischen uns musste vieles per Telefon besprochen werden und die eingangs erwähnte Visualisierung drängte sich mir schon nach den allerersten Worten auf, die ich mit der Kollegin, die erst ein paar Monate zuvor neu eingestellt worden war, via Hörer wechselte.

Mahnend, immer eine Spur arrogant und wahnsinnig oberlehrerhaft trat sie schon zu Beginn ihrer Tätigkeit in unserer Firma mir gegenüber auf (zumindest war das mein Empfinden). Oftmals hielt sie wichtigtuerische ellenlange Monologe, über firmenrelevante Sachverhalte, die mir jedoch schon gefühlte Tausend Jahre bekannt waren.

Keine Frage: Die neue Kollegin war mir extrem unsympathisch. Schon wenn ihre Telefonnummer auf meinem Display aufleuchtete, baute sich vor meinem inneren Auge das Bild vom Typ „übereifrige Chefsekretärin“ auf.

Auf einem Firmen-Event kam es, wie es kommen musste…!

Meist ging ich genervt und mit rollenden Augen ans Telefon und vermied es stets, sie meinerseits wegen irgendeiner Sache anzurufen. Obwohl ich ganz und gar keine Frau bin, die mehr Selbstbewusstsein im Job haben müsste. Nein – im Gegenteil, ich setze mich schon durch und kann mich im Arbeitsalltag behaupten. Hier war eben von Anfang an eine gewisse Unsympathie im Spiel…

Aber natürlich kam es irgendwann, wie es kommen musste…Auf einem Firmenevent, zu dem alle Mitarbeiter unseres Unternehmens zusammenkamen (zusammen kommen mussten…) erschien „Lady Chefsekretärin“ natürlich auch und – mich traf fast der Schlag!

Statt einer zierlichen Lady im gepflegten Businesslook mit Hochsteckfrisur und Sekretärinnen-Brille kam die mir nur vom Telefon bekannte Kollegin mit kurzen roten Haaren, fülliger Figur und ökohaftem Outfit.

Die echte „Telefonstimme“ hatte so gar nichts mit dem Bild vor meinem inneren Auge zu tun.

Das zeigt mal wieder, welche Kraft die Gedanken haben und welche Verhaltensmuster anderer Menschen in einem selbst bestimmte Bilder hervorrufen.

Ich jedenfalls war baff und die besagte Kollegin hat das wohl an meinem Gesichtsausdruck gesehen. Was sie zum Anlass nahm, erst einmal herzlich zu lachen, denn sie ahnte, was in mir vorging. Nach dem ersten „Verdauen“ stimmte ich allerdings in ihr Lachen ein und kam sogleich mit ihr ins Gespräch.

Das persönliche Kennenlernen veränderte alles

Was soll ich sagen? Wir quatschten den ganzen Abend und Sabine – so der Name der „Telefon-Kollegin“ – hatte so gar nichts mehr von ihrem Gebaren am Telefon.

Das persönliche Kennenlernen hatte das sprichwörtliche Eis tatsächlich gebrochen! So kann es auch gehen.

Ganz klar, dass das „Sekretärinnen“-Bild vor meinem inneren Auge schon lange Geschichte und das beste Kolleginnenverhältnis ever angesagt ist!

Besser so als andersherum…Finde ich jedenfalls!

Bildnachweis: stock.adobe.com / anetlanda
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Gastautorin Manu ist Frauenboulevard.de-Leserin, lebt im hohen Norden Deutschlands und hat uns diese Episode aus ihrem Arbeitsalltag geschickt. Vielen Dank dafür!

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