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Expertin für`s Finanzielle: Christine Aschauer

Haben Sie einen sehnlichen Wunsch, den Sie sich gerne erfüllen würden? Oder einen Kindheitstraum, der noch immer darauf wartet, Realität zu werden? Viele Frauen haben unerfüllte Träume und Ziele. Warum? Immer wieder stoße ich auf Frauen, die sich Ihre Träume schlichtweg nicht erfüllen können, weil das nötige Kleingeld fehlt. Gründe dafür gibt es so einige: familiäre Herkunft, Partnerabhängigkeit, Elternzeit,… – um nur ein paar davon zu nennen.

Fehlendes Geld wirkt sich negativ auf gesamtes Leben aus

Abgesehen davon, dass Sie ohne Geld Ihre Träume und Wünsche nicht finanzieren können, hat fehlendes Geld negative Auswirkungen auf Ihr gesamtes Leben, auf Ihre Entscheidungen und ihr persönliches Wachstum.

3 Gründe, warum ein Mangel an Geld negative Auswirkungen auf Ihr Leben hat

  1. Wachsende Existenzängste
    Was würde passieren, wenn Sie Ihren Job verlieren? Wie lange würden Sie mit Ihren momentanen Ersparnissen über die Runden kommen? Wie lange könnten Sie Ihre Miete oder den Kredit für Ihr Haus bezahlen?
    Haben Sie keinen entsprechenden Geldpolster für diese Themen hinterlegt, werden Sie früher oder später von Existenzängsten geplagt. Die Ausprägung kommt stark auf Ihre Persönlichkeit an. Aus Erfahrung weiß ich, dass im Grunde jeder von uns Existenzängste kennt – manchmal bewusst, manchmal weniger bewusst. Diese Ängste beeinflussen in unserem Unterbewusstsein all unsere Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen (Partner, Job, Karriere, Kinder,…).
  2. Steigende Abhängigkeit
    Haben Sie zu wenig Geld oder das Gefühl, dass Sie mit Geld nicht umgehen können, werden Sie abhängig von anderen Personen. Zuerst sind es Ihre Eltern, die Ihnen lange vorschreiben, wofür Sie Geld ausgeben dürfen und welche Wünsche Sie sich erfüllen dürfen. Später ist es häufig der Partner. Sollten Sie Kredit benötigen, werden Sie wiederum abhängig von Ihrer Bank. Dies führt dazu, dass Sie keine freien Entscheidungen treffen können. Sie werden eingeengt, können sich persönlich nicht entfalten und bleiben unter Ihren Möglichkeiten
  3. Behinderung von Wachstum & Persönlichkeit
    Wann haben Sie das letzte Mal einen Kurs, ein Seminar, einen Vortrag besucht oder in Fachbücher investiert?
    Investition in Ihr Wissen, in Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung ist das

Wichtigste und Beständigste in Ihrem Leben. Bildung kann Ihnen niemand wegnehmen. Vielmehr noch steigert es Ihren inneren und äußeren Wert und bestimmt Ihr künftiges Einkommen und langfristiges Vermögen. Um in Ihrem Leben voran zu kommen und die Karriere zu verfolgen, die Sie sich wünschen und vorstellen, benötigen Sie das nötige Kleingeld und die Möglichkeit sich persönlich weiterzuentwickeln.

Ganz egal, worin die Ursache liegt, warum Ihnen Geld fehlt – mit schnell umsetzbaren Schritten, können Sie bereits zum Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung haben.

Das Geld selbst in die Hand nehmen!

Nehmen Sie Ihr Geld selbst in die Hand! Ihre Existenzängste werden minimiert. Sie werden ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen und in Ihrer Persönlichkeit wachsen. Es werden sich neue Türen für Sie öffnen und ihre langersehnten Träume können dadurch Realität werden.

Ich verrate Ihnen heute ein paar Tipps, wie Sie Ihren Herzenswünschen um ein ganz schönes Stück näher kommen und anderen Frauen in diesem Thema 3 Schritte voraus sind.

Haben Sie Lust? Los geht’s:

6 Tipps, die Sie bereits Morgen umsetzen können:

  1. Ausgaben aufdecken – Werden Sie sich über Ihre laufenden Ausgaben bewusst. Häufig sind es die kleinen Dinge, die zusammengezählt am Monatsende einen großen Anteil an Ihren Ausgaben haben. Ein Haushaltsbuch ist hier empfehlenswert, weil es alle Ausgaben strukturiert aufzeigt. Es reicht, das Haushaltsbuch für 3 Monate zu führen. Sie werden nach dieser Zeit bereits ein gutes Gefühl für Ihre Ausgaben haben und wissen, wo Sie sparen können. Mein persönlicher Rat: Schätzen Sie vorab Ihre monatlichen Ausgaben. Sie werden überrascht sein, wie hoch sie tatsächlich sind. Mir ging es genauso. Bei meinem Haushaltsbuch hatte ich das geschätzte Budget für auswärts Essen bereits nach 2 Wochen aufgebraucht. Bei anderen Ausgaben war es ähnlich. Da war noch sehr viel Monat ohne geplantem Budget übrig.
  2. Ausgaben reduzieren – Wenn Sie einen guten Überblick über Ihre Ausgaben haben, ist es ein Leichtes über mögliche Einsparungen nachzudenken. Notieren Sie sich Ihre Einsparungspotenziale schriftlich, so erhalten Sie mehr Verbindlichkeit. Handys und unnötige Versicherungen – immer wieder sind wir „überversichert“ – sind Kostenpositionen, auf die Sie besonders Augenmerk legen sollten. Decken Sie dadurch Ausgaben auf, von denen Ihnen überhaupt nicht bewusst war, dass es sie gibt und eliminieren Sie diese. Achten Sie auch auf kleine Positionen, denn in Summe können diese einen wesentlichen Einfluss auf Ihr Vermögen haben.
  3. Spar-Rate festlegen – Sie kennen Ihre monatlichen Einkünfte und Sie wissen mittlerweile besser über Ihre Ausgaben und Sparpotenziale bescheid. Nun können Sie Ihre monatliche Sparrate festlegen. Diese zweigen Sie am besten bereits am Anfang des Monats ab und überweisen den Betrag auf ein eigenes Sparkonto. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie es schaffen werden, höhere Summen als bisher zu sparen. Werden Sie Ihre eigene Schatzmeisterin!
  4.  Bewusstsein schaffen – Werden Sie sich bewusst, wofür Sie Geld ausgeben möchten. Tun Sie es nicht aus Gewohnheit oder weil Ihr Umfeld sich gewisse Dinge leistet. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Gönnen Sie sich lieber jene Dinge, die Sie in Ihrem Leben vorwärts bringen, mehr Einkünfte schaffen oder die Sie sich sehnlich wünschen.
  5. Ziele festlegen – Setzen Sie sich Ziele, die Sie in Ihrem Leben erreichen möchten. Halten Sie diese schriftlich fest um Verbindlichkeit zu schaffen. Überlegen Sie sich anschließend, wieviel Geld Sie für die Erreichung Ihrer Ziele benötigen. Wichtig: nicht umgekehrt! Zuerst über Ihre Ziele nachdenken und erst im Anschluss über das notwendige Geld.
    Schränken Sie sich hier nicht durch Ihre aktuelle finanzielle Situation ein. Seien Sie kreativ und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Jetzt ist der beste Zeitpunkt über Ihre Zukunft nachzudenken und wie Sie diese gestalten möchten.
  6. Finanziell weiterbilden – Auf Sie warten interessante Blogs, Bücher und Veranstaltungen über Möglichkeiten zum Vermögensaufbau. Viele Frauen schreiben und halten Vorträge zu diesem Thema um Finanzen und Geld anderen Frauen zugänglicher zu machen. Haben Sie keine Scheu vor Börsen und Aktien. Halten Sie sich an gewisse Grundregeln und der Aktienmarkt wird positive Überraschungen für Sie bereit halten. Sie wären nicht die erste Person und insbesondere auch nicht die erste Frau, die vorher keine Ahnung über Finanzen und Vermögensaufbau hatte und nach kurzer Zeit fasziniert ist von diesem Thema.

Haben Sie Vertrauen – Leben Sie ein selbstbestimmtes Leben und Ihre Träume und Herzenswünsche werden Wirklichkeit!

Schauen Sie auf sich!

Zur Person:

Christine Aschauer hat sich ihr Know-How in mehr als 15 Jahren Organisationsentwicklung und im strategischen Management erfolgreicher, international tätiger Unternehmen erworben. Heute lässt sie ihr Wissen bei jungen, engagierten Selbständigen und Unternehmern einfließen und schöpft dabei aus einem vielfältigen Erfahrungsschatz, den sie sich bei Einblicken in unterschiedlichste Branchen angeeignet hat. Diesen weiterzugeben ist der engagierten Österreicherin ein Herzensanliegen.

Mehr zu Christine Aschauer finden Sie hier.

Bildnachweis: by Botagraph

Roboter

Bei diesem heutigen Beitrag handelt es sich um meine subjektive Meinung. Normalerweise resümiere ich gerne über Schwierigkeiten zwischen Männern und Frauen und sehe die Dinge mit viel Humor. Aber das nachfolgende Thema beschäftigt mich seit einiger Zeit sehr, und darum möchte ich es heute ein wenig erörtern. Danke, dass Sie mir Ihre Zeit schenken.

„Wasser kochen auf die smarte Art! Steuern Sie die Wassertemperatur mit Ihrem Smartphone“, prangte es mir gestern auf der Amazon-Website entgegen, wo mir vorgeschlagen wurde, ich solle doch endlich wieder mal etwas kaufen. Die drehen immer durch, wenn sie zwei Wochen nichts von mir hören…Neugierig geworden, las ich die Beschreibung und musste schallend lachen. Der angepriesene Wi-Fi-fähige Wasserkocher kann mittels App gesteuert werden, indem man Wassertemperatur und Warmhaltezeit damit regelt. Gedankenverloren sah ich mich nachmittags im Büro sitzen und denken: „Wäre doch nett, wenn ich jetzt bei mir zuhause einfach schnell den Wasserkocher einschalte. Weil ich es kann.“ Amazon: So wird das nichts mit uns, denn ehe dieses Gerät nicht zur Spüle fliegen und sich auffüllen oder entkalken kann, bin ich nicht interessiert, obwohl ich ein Faible für alles habe, das mit Elektronik zusammenhängt.

Ich führe einen modernen Haushalt. Sämtliche Unterhaltungselektronik in meinen Räumen ist mittels W-LAN und Bluetooth vernetzt, Lautsprecher und Anlagen untereinander gekoppelt. Der Bluray-Player erledigt seine Updates mit der aktuellen Firmware selbsttätig, mit dem Fernseher kann ich aufs Internet zugreifen, und auf meinem Handy sind über 12.000 Musiktitel gespeichert und zu Playlists sortiert, die ich auf meine bluetoothfähigen Geräte schicke, um beim Putzen gute Laune zu kriegen. Selbstverständlich trage ich hierbei einen schnurlosen Bluetooth-Kopfhörer mit dem ich auch telefonieren kann.

Vielleicht erkennt man daran, dass ich alles andere als ein Technikmuffel bin, denn alles Neue hat mich schon immer fasziniert.

Jede technische Errungenschaft wurde begeistert angenommen, weiterentwickelt und hat sich in beinahe allen Haushalten etabliert wie zum Beispiel Mikrowellengeräte, Waschmaschinen (meine Mama kochte die Unterwäsche noch in einem riesigen Topf auf dem Herd aus…), Farbfernseher, Videokassetten, CDs, DVDs, USB-Sticks, DVD-Player, Smartphones, Skype oder Computerspiele mit täuschend lebensechter Graphik.

Mein erster PC hatte eine Festplattengröße von 750 Megabyte. Das war damals schon was. Heutezutage reicht das gerade mal für ein einziges meiner Buch-Manuskripte mit 400 Seiten Text. Computer machten uns das Leben in einigen Bereichen tatsächlich leichter, wenngleich ich nach wie vor auf das „papierlose Büro“ warte. Ich kenne genügend Unternehmen und Behörden, in denen eingegangene Emails immer noch zur Sicherheit ausgedruckt und in Leitz-Ordnern archiviert werden. Man kann ja nie wissen…

1980 war das Verzeichnis sämtlicher Telefax-Anschlüsse in Deutschland ungefähr 4 Millimeter dick, ein kleines dünnes Heftchen in der Stärke eines Mickey-Mouse-Comics. In den 20 darauffolgenden Jahren wurde aus diesem schmalen Bändchen ein Nachschlagewerk mit dem Umfang des „Großen Brockhaus“, ist aber seit der Einführung des elektronischen Schriftverkehrs wieder auf die 4-Millimeter-Größe zusammengeschrumpft. Tempora mutantur. Zeiten ändern sich.

Vor 10 Jahren schaffte ich mir eine neue Küche mit einem intelligenten Ceranfeld an. Besagtes Ceranfeld brachte mich im Laufe der Zeit zur Weißglut. Gleich ob ich Schnitzel briet oder Nudeln kochte: Ein Spritzer Fett oder Wasser an der falschen Stelle, und das Ding schaltete sich ab. Wenn die wenigstens einen Warnton eingebaut hätten oder eine blecherne Stimme, die mich aufklärt, wie zum Beispiel: „Sie haben soeben Ihren Herd mit billigem Olivenöl verschmutzt. Reinigen Sie sofort Planquadrat 142 b mit einem feuchten Lappen. Und kaufen Sie künftig extra vergine, Sie Prolet!“ Aber das Ding schaltete sich völlig lautlos aus. Dann starrte man seine Putenschnitzel ratlos an, weil die nach 10 Minuten immer noch schneeweiß waren, bis einem auffiel, dass das Fett in der Pfanne so still ruhte wie der Bodensee an einem nebligen Tag.

Außerdem besaß mein Ceranfeld eine Kindersicherung. Es war wie mit allem, wo „Kindersicherung“ draufsteht: Ich komme damit nicht klar. Das gilt auch für Putzmittel-Verschlüsse, Rohrreiniger-Deckel und Autotüren. Häufig aktivierte ich diese Kindersicherung am Herd versehentlich und konnte dann den Rosenkohl solange nicht dünsten, bis ich eine halbe Stunde lang ratlos auf dem Bedienfeld herum getippt und einen Zufallstreffer gelandet hatte. Die Gebrauchsanleitung für das Ding habe ich nie wieder gefunden, die fürs Backrohr auch nicht. Wer liest denn sowas überhaupt?

Aber dieses boshafte Ceranfeld war nur ein Vorläufer auf dem Weg zum smarten Haushalt. Sie müssen sich heutzutage nicht mehr ächzend vom Sofa hochquälen, um in Ihrem schmucken Eigenheim die Schotten dichtzumachen, nein, Ihre Rollläden können Sie mittlerweile auch von Teneriffa aus schließen oder öffnen. Mitten in der australischen Wüste ist es Ihnen möglich, Ihre Beleuchtung zuhause einzuschalten, um Langfinger zu verunsichern, oder Sie lehnen sich auf Sylt entspannt im Strandkorb zurück, während Sie auf Ihrem Tablet mittels Überwachungs-App und Webcam Ihre siebzehn Katzen beobachten. Ist aber langweilig, die schlafen immer nur.

Smarte Kühlschränke mit Wi-Fi-fähigem Touchscreen und Innenkamera sind der letzte Schrei. Touchscreen! Und Internet! Wird dieser intelligente Kühlschrank dann meinen geliebten Weihenstephan-Quark mit Pfirsich-Maracuja oder „Creme-Fine“-Sahne nachbestellen, wenn das Zeug alle ist? Schickt er mir eine Whats-App-Nachricht, falls die H-Milch ausläuft oder das Haltbarkeitsdatum der Wurst abgelaufen ist? Vermutlich demnächst. Aber unter Umständen erfahre ich über die Innen-Kamera endlich, ob die Beleuchtung ausgeht, wenn ich die Tür schließe. Das wollte ich schon immer wissen.

Die gängige Definition von „smart“ ist „gewitzt oder „geschäftstüchtig“. Ich brauche aber keinen kalauernden, geschäftstüchtigen Kühlschrank, sondern einen kalten.
Da bin ich altmodisch.

Mein Staubsauger-Roboter reinigt die Wohnung nach einem System, das ich bis heute nicht durchschaue. Vor allem würde mich interessieren, warum ich ihn bei jeder Runde vom Boden des Badezimmers pflücken muss, weil er einfach die Tür aufschiebt und sich reinschleicht. Außerdem ist der kleine Mistkerl so flach, dass er sich ständig verirrt und ich ihn dann nicht wiederfinde. Er verklemmt sich zwischen Fliesen und Küchenschrank, schiebt das Tablett mit dem Katzenfutter unter die Spüle, und manchmal habe ich den Eindruck, dass er mir hinter der Türe auflauert mit seinem blinkenden leuchtend blauen Auge. Aber das bilde ich mir bestimmt nur ein. Intelligent ist er jedenfalls nicht. Ich bin übrigens auch nicht scharf drauf, dass der zur KI mutiert. Nichts könnte ich weniger brauchen als ein Haushaltsgerät, das mir nachmault. Dafür gibt es schließlich Kinder.

Wir dürfen uns zweifelsohne darauf einstellen, in Zukunft mit noch mehr smarten Geräten im Haushalt überrascht zu werden. Ich sehe mich schon vor meinem ultramodernen Kühlschrank stehen, der mir das Öffnen verweigert, geschweige denn eine Flasche Bier rausrückt, weil ich heute noch nicht die erforderlichen 30 Minuten auf dem Trimmrad absolviert habe – das übrigens ebenfalls smart ist, mich nach dem Aufsteigen umgehend wiegt und mich während des Trainings daran erinnert, was zu trinken. Wasser natürlich. An das Bier komme ich ja nicht ran, weil der hinterfotzige Heimtrainer mich beim Kühlschrank verpetzt hat. Demnächst erscheint dann die Meldung auf dem Wi-Fi-fähigen Touchscreen meines Kühlschranks, dass beim dritten Verstoß gegen die – nur gutgemeinten – Fitnessregeln ab sofort mein Fernsehkonsum eingeschränkt wird, woraufhin sich das TV-Gerät nicht mehr einschalten lassen wird, ehe ich nicht eine Stunde geradelt bin.

Das kann ja heiter werden.

Alle meine coolen Haushaltsgeräte werden sich zusammenschließen und mir das Leben zur Hölle machen. Vielleicht mault der innovative Elektroherd, wenn ich ein Stück Butter in die Pfanne werfe, um mir ein Ei zu braten (gesetzt den Fall, der Kühlschrank lässt sich öffnen, weil er noch nix vom Hometrainer gehört hat…) und informiert mich mit blauer LED auf schwarzem Grund, dass ich meine erforderliche Anzahl an Kalorien heute schon zu mir genommen habe?

Unbedingt auf die Einkaufsliste setzen: Gaskocher.

Wird die smarte Toilette meine Ausscheidungen wiegen, dem Hausarzt meine Harnsäurewerte melden und mir anschließend Intimdusche und Pilzkur verpassen? Ich habe mir sagen lassen, in Japan funktioniert das beinahe schon. Aber ich brauche kein Klo, das mir dreinredet. Da hätte ich auch bei meiner Mutter wohnen bleiben können. Werden sämtliche (mir abgenötigten) Daten irgendwo gesammelt, vielleicht beim Gesundheitsministerium, und ich werde dann zur Strafe für meinen ausufernden Lebenswandel wegen der vielen Marillenknödel und den Linguini in Sahnesauce jährlich sechs Wochen in einer Gesundheits-Anstalt interniert, wo mir gesunde Ernährung und Körper-Ertüchtigung beigebracht wird?
Ja, lachen Sie nur… Und warten Sie ab.

Wie geht es mit smarten, demnächst vorgeschriebenen Stromzählern weiter, die dem E-Werk melden, wann ich etwas einschalte, und wie lange? Kriege ich am Ende jedes Quartals ein Schreiben mit der Mahnung, nicht so viel fernzusehen, weil mit der Energie, die ich eben mit „Two and a half men“ verbraucht habe, die Klimaanlage eines Krankenhauses in Neu-Delhi betrieben werden könnte und ich mich schämen soll, nur so als Beispiel? Und wenn ich überdurchschnittlich viel Strom verbrauche im Dezember, weil mich wieder der Backwahn gepackt hat, darf ich dann dafür anschließend weniger Musik hören oder muss die elektrische Lichterkette für den Weihnachtsbaum im Karton lassen? Ich frage für einen Freund.

Ja, verrückte Gedanken, ich weiß. Aber so verrückt nun leider auch nicht. Nicht mehr. Nicht in dieser veränderten Welt, wo Daten das neue Erdöl sind und mir ein bekannter junger Philosoph erklärt, dass Menschen Verbote lieben. Herr Precht, rufen Sie mich doch mal an bitte. Die Redaktion hat meine Nummer.

Seit ein paar Wochen besitze ich einen Stand-Ventilator von Dyson. Er reinigt angeblich 290 Liter Luft pro Sekunde mit einem speziellen Hepa-Filter und wird über eine App gesteuert, die mich über Raumtemperatur, Luftqualität und Luftfeuchtigkeit informiert. Außerdem zeigt mir die App auf Wunsch die Luftwerte vor meiner Haustür an. In letzter Zeit lande ich häufig bei „befriedigend“, das ist eine Stufe vor „geht gerade noch, demnächst kippst du wahrscheinlich um“, aber das liegt vermutlich am Landwirt gegenüber, der mit seinem vollen Güllefass unter meinem Schlafzimmer auf- und abfährt.

Ich bin irgendwie gar nicht mehr so entzückt über die technischen Neuerungen wie früher, als ich freudestrahlend den ersten Walkman in den Händen halten durfte. Es geht so schrecklich schnell. Alles.

Viele Innovationen durfte ich in den letzten Jahren miterleben. Etliche habe ich begrüßt, einige skeptisch belächelt wie zum Beispiel den „smarten“ Wasserkocher, dessen praktischer Nutzwert sich mir nach wie vor verschließt, andere machen mir Angst. Denn die Forschung beschränkt sich nicht nur auf den Haushalt und möchte uns das Leben erleichtern, im Gegenteil: Oftmals bekommen wir nur die „Abfallprodukte“ ab. Obwohl ich bis heute nichts gegen Teflon sagen kann, das wir eigentlich der bemannten Raumfahrt zu verdanken haben. Aber in Wirklichkeit geht es um die ganz großen Dinge, um das Weiterführende, um die entscheidende Konsequenz all dessen, das wir uns aneignen, das wir freudig und leichtfertig übernehmen. Wir müssen nur diese Gedanken alle zu Ende denken.

Der gegenwärtige Zustand erinnert mich an den regelmäßig zu hörenden Satz in amerikanischen Kriminalfilmen: „Alles, was Sie aussagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden.“

Diesen Satz modifiziere ich wie folgt: „Jedes Gerät, das Sie benützen, alle Daten, die Sie preisgeben, können vor Gericht und im realen Leben ebenfalls gegen Sie verwendet werden.“
Ich bin nämlich schon lange nicht mehr der Ansicht, dass alle Regierungen auf diesem Planeten es nur gut mit uns meinen. Und ich erspare uns heute alle Ausführungen über Alexa, Siri oder Echo. Das würde den Rahmen sprengen.

In Japan laufen seit einigen Jahren Langzeit-Experimente mit Pflege-Robotern, da das Land überaltert und qualifiziertes Personal in Seniorenheimen rar ist.
Erst kürzlich sah ich einen Film über einen humanoiden Roboter, der beeindruckend menschlich wirkte. Die Frau, nach deren Vorbild er gebaut worden war, stand daneben und lächelte in die Kamera – der Unterschied war marginal. Ich hatte Mühe, zwischen Roboter und echter Frau zu unterscheiden.

Wer hätte sich vor 20 Jahren träumen lassen, dass in Deutschland mittlerweile Bordelle eröffnet werden, in denen man mit täuschend lebensechten Silikon-Puppen Sex haben kann? Der Betreiber einer solchen Einrichtung ist fein raus: Keine Gesundheitsuntersuchungen beim Gynäkologen, keine Sozialabgaben, keine nörgelnden „Angestellten“, die auf freie Tage bestehen, nur gelegentlich etwas Puder an den wichtigen Stellen, und fertig ist die Laube. Unsere schöne neue Welt ist auch sehr arbeitgeberfreundlich, wissen Sie. Und dabei rede ich noch nicht mal von Kassen zum Selbst-Scannen oder Geldautomaten.

Wir sind ganz schön überflüssig geworden…

Die zwingende Folgerung aus dieser Art des Sexbetriebs werden täuschend menschenähnliche Sex-Roboter sein müssen. Wussten Sie, dass diese lebensechten Silikon-Puppen mit atemberaubenden Figuren, die es mittlerweile für ungefähr 5000 Euro zu kaufen gibt, ursprünglich für Frauen konzipiert worden sind? Die Erfinder gedachten, damit in eine Marktlücke zu stoßen (Entschuldigung), mussten aber feststellen, dass das weibliche Geschlecht beeindruckend wenig für blauäugiges Silikon mit künstlichem Dreitagebart und zerzausten Haaren in Boxer-Shorts übrig hatte, und wären deshalb beinahe pleite gegangen. Danach entschlossen sie sich, Sexpuppen für Männer zu bauen und hatten eine Goldgrube entdeckt. Aber davon ein andermal.
Diese Sexpuppen werden nicht lange stumm bleiben und nur verkrampft lächeln, denn ein bisschen Applaus wünschen sich doch die meisten Männer. Also werden sie in absehbarer Zeit einen Sprachchip erhalten und vielleicht sogar glücklich stöhnen können.

Eventuell werden bald die ersten mit den Zehen zucken oder sich mit den Fingern in den Rücken ihres Besitzers krallen, verschämt die Augen schließen oder um mehr betteln.
Die Sex-Roboter werden kommen. Ich nehme jede diesbezügliche Wette an, meine Damen. Kein umständliches Dating, keine Emails oder Whats-App-Nachrichten, keine mit der letzten Kohle gekauften Blumensträuße, keine Eifersuchts-Szenen, kein Theater, wenn „Mann“ Fußball gucken will. Im Grunde sind diese Puppen für einige Männer der feuchte Traum schlechthin. Die wollen ohnehin nicht reden…

Und ich freue mich auf den Tag, an dem die erste Frauenrechtlerin eine Klage vor dem höchsten Gericht anstrengen wird, weil bezahlter Sex die Persönlichkeitsrechte der Puppe verletzt. Auch darauf nehme ich jede Wette an. Frau Schwarzer, können Sie mich hören?

Das wird alles noch so irre werden, dass man es sich nicht mal vorstellen kann. Glauben Sie mir.

Aber jetzt muss ich ernst werden: Alles, das uns das Leben erleichtert, kann genauso gut gegen uns verwendet werden. Mikrowellen beispielsweise erhitzen nicht nur unseren Kakao:
Das Active Denial System (ADS) ist eine US-amerikanische nicht-tödliche Anti-Personen-Strahlenwaffe, die durch starke und gerichtete Mikrowellen wirkt. Das ADS arbeitet mit Mikrowellen einer Frequenz von 95 Gigahertz, die mit einer Antenne auf menschliche oder andere Ziele in einer Entfernung von mehr als 500 Metern gerichtet werden können. Haushalts-Mikrowellengeräte arbeiten dagegen bei 2,45 Gigahertz. Nach Aussage von Befürwortern sollen dabei keine bleibenden Schäden auftreten. (Quelle: Wikipedia)

Denken Sie daran, wenn Sie die Kartoffeln vom Vortag aufwärmen. Jedes Ding hat zwei Seiten. Nicht nur Ihr Gemüsebratling…

Kennen Sie übrigens „FEDOR“ („Final Experimental Demonstration Object Research“)? Es handelt sich hierbei um einen russischen Kampfroboter, der ständig weiterentwickelt wird.

Bei Interesse können Sie gerne auf YouTube FEDOR beim Schießen, Kämpfen oder Autofahren bewundern. Er turnt übrigens auch, zwar noch ein wenig ungelenk, aber was ihm an Grazie fehlt, macht er durch mechanische Kraft wieder wett. FEDOR lässt sich niemals ablenken, er braucht bei Regen keinen Schirm, kriegt nie Grippe oder Muskelschwund geschweige denn Burnout oder eine posttraumatische Belastungsstörung, FEDOR hat niemals Hunger oder Durst, und: FEDOR hat keinerlei Gefühl. Gar keines. Er wird immer genau das tun, was sein Programmierer ihm aufträgt, und wie ich Menschen kennen und fürchten gelernt habe, werden das nicht die bekannten „Robotergesetze“ von Isaac Asimov sein, die da lauten:

1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert. (Quelle: Wikipedia)

Das alles hat ein findiger Hacker im Nullkommanix geändert…

„FEDORS 180 cm großer Körper ist menschenähnlich und mit einem Sensorsystem sowie Kraftrückkopplung ausgestattet, um sich in für Menschen gebauter Infrastruktur bewegen und mit Werkzeugen und Geräten arbeiten zu können. Gedacht ist FEDOR nicht nur als um sich schießender Robotercowboy oder Polizist, sondern als Rettungsroboter, als Assistent für Astronauten, zum Minenräumen oder für die Arbeit etwa in Umgebungen wie AKWs, die für Menschen zu gefährlich sind. Einsatzbar soll er auch autonom sein, aber er soll auch die Bewegungen eines Menschen in großer Entfernung nachahmen können. Schließlich soll er auch in den Weltraum als Hilfsastronaut und anstelle von Astronauten die ersten Testflüge des Raumschiffs Federazija durchführen.“ (Quelle: Wikipedia)

FEDOR ist nicht allein, das kann ich Ihnen versichern. Machen Sie sich einfach die Gaudi und suchen Sie „Kampfroboter“ bei Google oder YouTube. Und gruseln Sie sich anständig.
Im Grunde genommen ist FEDOR nur der böse große Bruder der Pflegeroboter in japanischen Seniorenheimen. „Robo-Cop“ war gestern. Auf uns wartet eine kalte Zukunft, fürchte ich. Das Schlimmste für mich ist eigentlich, dass viele diese Entwicklung begrüßen werden.

Wenn ich’s nur glauben könnte, das mit dem Minenräumen oder den Arbeiten in AKWs. Ich habe eher den Verdacht, dass FEDOR demnächst auf irgendeinem Schlachtfeld über die Köpfe seiner erlegten Kombattanten steigt und diese, ohne hinzusehen, zertritt, oder eine Demonstration mit Regime-Kritikern aufmischt. Vielleicht habe ich aber auch nur „Terminator“ einmal zu oft angeschaut.

Das derzeitige Meisterstück der amerikanischen Firma „Boston Dynamics“ ist momentan „Atlas“, ein von Boston Dynamics im Auftrag der US-amerikanischen Defense „Advanced Research Projects Agency“ entwickelter humanoider Roboter. Ein anderes, vierbeiniges Modell derselben Firma nennt sich „Spot“ und dient (angeblich) nur niederen Arbeiten wie dem Transport von Gütern (selbstverständlich wird Spot nur Verbandsmaterial an die Front bringen, da er gebaut ist wie ein Kojote, schnell wie ein Dingo und robust wie eine Kakerlake ist. Was dachten Sie denn?)
Wenn Sie Spot eine Weile im Video beobachten, werden Sie sehen, wie schnell und zielstrebig er läuft, wie er lauernd den Kopf senkt, um mit den eingebauten Kameras seine Umgebung zu erfassen, dann wird Ihnen Angst und bange. Und das sage ICH als leidenschaftlicher Science-Fiction und Star-Trek-Fan.

Klar sind FEDOR, ATLAS oder SPOT tolle Erfindungen, und sie könnten bei Arbeiten in AKWs, auf Ölbohrplattformen, bei der Minenräumen oder in anderen Bereichen großartige Arbeit leisten.
Aber was könnten sie noch tun? Immer bis zum Ende denken.

Drohnen sind ja eigentlich auch nicht übel, oder? Man kann sie mit Kameras bestücken und endlich überprüfen, ob die rattenscharfe Nachbarin oben ohne genauso gut aussieht wie mit Kittelschürze. Man kann sie bei Waldbränden zur Aufklärung einsetzen, vielleicht sogar zum Warentransport. Und man kann Menschen damit töten. Viele Menschen. Völlig emotionslos, mittels eines Joysticks und ein paar Knöpfen. An einem Bildschirm, ohne die schmerzverzerrten Gesichter zu erkennen, den Kummer, die Gram, den Schmerz, all das Leid.
Die Kehrseite. Die dunkle Seite. Nie vergessen.

Roboter wie „Atlas“ wären eine feine Sache, würden sie als eine Art „Robo-Cop“ eingesetzt werden und nur dem Guten dienen. Aber bei Robotern ist das so eine Sache, sie benötigen immer jemanden, der sie steuert oder ihre Subroutinen schreibt. Wer passt auf die auf, die ihre Finger am Schaltpult haben? Wer passt auf die auf, die „Robo-Cops“ programmieren? Ist es immer der, der bezahlt? Und wenn jemand mehr bietet? Was kommt da auf uns zu?

In Anbetracht all dieser Entwicklungen sollten wir Sätze wie „nach menschlichem Ermessen“ oder „nach bestem Wissen und Gewissen“ mehr wertschätzen und uns ihrer essentiellen Bedeutung bewusst werden.

„Menschliches Ermessen“ ist nämlich nicht de facto etwas Schlechtes, nur wegen der eingebauten, immer wieder vorkommenden Irrtümer, denn Menschen machen Fehler. Alle. Sogar Sheldon Cooper aus „The Big Bang Theory“. Es gibt Dinge, die können nur Menschen ermessen. Nichts, absolut nichts, das aus Titanlegierung besteht, aus seltenen Erden oder Platin, gespickt mit Hydraulik und Kameras, wird jemals ein Gewissen zu ersetzen vermögen.

Mit jeder Überwachungskamera, die irgendwo im Lande an eine Laterne montiert wird, mit jedem smarten Haushaltsgerät, mit jeder Siri, Alexa oder dem Echo, werden wir ein Stück weit mehr zu diesen durchsichtigen, gedankenlosen Lebewesen, die glauben, sie hätten nichts zu verbergen und alles im Griff – eine amporphe Masse aus vergnügungssüchtigen Hedonisten oder abgestumpften Zynikern, die alles kommentarlos hinnimmt, das ihr aufoktroyiert werden wird.

„Ich habe nichts zu verbergen, die wissen schon, was sie tun“, höre ich häufig. Aber wir haben alle etwas zu verbergen, und die Definition von „was zu verbergen“ wird sich ändern, je nachdem, wer gerade unsere Geschicke lenkt.

Vielleicht habe ich einfach ein bisschen zu viel Phantasie, wenn ich mir ausmale, wie diese militärischen Roboter nicht nur Minen entschärfen, sondern Menschen wehtun, weil wieder einmal „Recht“ oder „Unrecht“ umdefiniert worden ist. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit.

Noch haben wir es in der Hand. Wir sollten ganz genau hinsehen, worauf wir uns einlassen. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass alles, das uns nützt, auch etwas ist, das uns schaden kann. Wir sollten vorsichtig und wachsam bleiben.

Das wäre unsere Aufgabe. Unsere ganz allein. Dafür gibt’s keine Roboter. Und das ist auch gut so.

Mit nachdenklichen Grüßen,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Haus Dorf

Pulsierendes Leben, Lärm, Restaurants an jeder Ecke und permanent irgendwelche Veranstaltungen, die zum Feiern einladen – das ist das Leben in der Großstadt. Wie anders dagegen lebt es sich auf dem Dorf, wo sich das Leben zwischen Feldern, Pferdekoppeln und dem Dorfplatz abspielt. Wenn sich überhaupt was abspielt. Wer immer mal durch Dörfer fährt, hat manches Mal den Eindruck, dass der Ort ausgestorben ist, weil man keine Menschenseele auf der Straße sieht. Aber das täuscht. Denn: auch im Ländlichen gibt es reges Leben. Nur eben anders.

Um daran so gut wie möglich teilhaben zu können, sollte man einige ungeschriebene Regeln beachten, wenn man als Ex-Großstädter aufs Dorf zieht. Mancherorts ist es freilich eine Herausforderung, als neuer Mitbewohner anerkannt zu werden, aber die allermeisten Dorfbewohner haben nichts gegen Neulinge und beziehen diese gern mit ins Dorfleben ein. Vorausgesetzt natürlich, man passt sich etwas an. Deshalb nachfolgend drei Regeln, die sich lohnen beachtet zu werden, wenn man ein „Neu-Dörfler“ ist.

Kaltes Bier im Kühlschrank haben macht sich gut auf dem Dorf

Joghurt, gesundes Gemüse, Wurst und leckeren Weißwein – das hat man meist so im Kühlschrank. Bier ist nicht jedermanns Sache, vor allem viele Frauen trinken es nicht. Aber – liebe Damen, ganz gleich, ob Sie den Gerstensaft mögen oder eher nicht: haben Sie was von dem Gebräu da. Es lohnt sich! Warum? Ganz einfach! Es wird der Tag kommen, an dem Sie aus der Nachbarschaft Hilfe benötigen. Sei es, weil ein Wasserrohr genau dann platzt, wenn Sie kein anderes männliches Familienmitglied in Reichweite haben oder aber die Außenjalousie genau dann klemmt, wenn Sie abends alles dichtmachen wollen und der Partner zwei Tage auf Dienstreise ist.

Schnelle Hilfe eilt in solchen Fällen meist durch einen hilfsbereiten Nachbarn mit goldenen Händen herbei, man kennt das. Oftmals wollen die als Dankeschön kein Geld und brummeln nur: „Nee, lass mal….“. Um sich hier trotzdem erkenntlich zu zeigen, ist das kaltgestellte Bier jetzt der Joker! Bieten Sie es mit den Wort: „`n kaltes Bier?“ an und Sie werden sehen, dass man diese Offerte nicht ausschlägt. Entspinnt sich während der Zeit, in dem der hilfsbereite Zeitgenosse das kühle Blonde genießt, noch ein nettes Gespräch, können Sie Gift darauf nehmen, auch beim nächsten Missgeschick wieder auf nachbarschaftliche Hilfe zählen zu können!

Deshalb: Kleine Ursache, große Wirkung!

Gepflogenheiten der Gemeinde kennenlernen

Ihr Vorgarten-Rasen ist perfekt in Form gebracht und exakt gemäht, nur zwei Meter weiter, kurz vor dem Bürgersteig, wuchern Unkraut und undefinierbare Sträucher? Doch der kommunale Reinigungsservice lässt sich nicht blicken? Nun – es könnte sein, dass niemand anderes als Sie selbst für das wuchernde Gestrüpp zuständig ist. In manchen Gemeinden gilt: alles was noch sieben Meter nach dem Grundstück kommt, müssen Sie selbst in Ordnung halten. Sprich: Keiner wird im orangenen Arbeitsdress auftauchen und das Zeug entfernen. Insofern macht es sich gut, nach einem Umzug auf`s Land bei der Gemeinde zu erfragen, wie solche Dinge gehandhabt werden. Ist man erstmal im Bilde, kann man sich auf die zusätzliche Arbeit einstellen und läuft nicht Gefahr, als jemand beäugt zu werden, der sein Grundstück womöglich nicht in Ordnung hält.

Sich bei Dorffesten einbringen

„Wir wünschen uns viele fleißige Kuchenbäcker. Bitte bringt den Kuchen am Morgen der Veranstaltung ins Festzelt“. Wenn Sie so eine Botschaft im Briefkasten haben, dann steht garantiert ein Heimat- oder Dorffest bevor.  In Deutschland ist es bei derlei Anlässen Traditionen, dass die Frauen des Dorfes dann Kuchen vor Ort verkaufen. Oder zumindest einen backen. Letzteres wird zumeist IMMER erwartet. Bringen Sie sich hier unbedingt ein! Wer dann noch Zeit und Muße hat, am Tag der Veranstaltung den Kuchentisch zu bespielen und kleine Aufgaben, wie zum Beispiel das Führen der Kasse, übernimmt, punktet noch mehr bei den Alteingesessenen. Aber: erwarten Sie nicht gleich zu viel, wenn Sie noch neu sind und sich bei so einem Anlass einbringen und vielleicht mit den anderen Frauen vom Kuchenverkauf ein Schwätzchen halten wollen. Meist geht es hier zu wie in einem Taubenschlag. Alle wollen was haben von den selbst gebackenen Köstlichkeiten. Zeit für einen Plausch mit den Alteingesessenen vom Dorf ist zumeist nicht drin.

Da spreche ich aus eigener Erfahrung.

Aber: beherzigen Sie einen der oben genannten Punkte oder – am allerbesten!!!! – alle, dann sind Sie schon recht bald ein vollwertiges Mitglied in der Dorfgemeinschaft und die Möglichkeit zu einem netten Plausch ergibt sich von ganz alleine. Sei es beim Warten auf den rollenden Eismann auf dem Dorfplatz oder – ja, auch das ist auf dem Land mega angesagt! – auf der Tupperparty.

Im Zweifel gilt: einfach zusagen und mitmachen, denn lockerer kommen Sie als Neu-Dörfler garantiert nicht an die einheimischen Kontakte heran!

Viel Glück und Spaß! Und: Genießen Sie die Natur vor der Haustür in vollen Zügen. Vorsätze, öfter an die frische Luft zu gehen, können hier optimal umgesetzt werden.

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Kuchen backen

 

 

Rasen mähen

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Hand aufs Herz: Wann haben Sie das letzte Mal privat länger telefoniert?

Ich selbst vor einer Woche, indem ich meine Gesprächspartnerin quasi dazu nötigte. Kurzentschlossen wählte ich ihre Nummer, und versehentlich nahm sie ab.
Diese Verlegenheit, dieser Moment, wenn man merkt, der andere ist unangenehm berührt, sie waren beinahe körperlich spürbar. Als hätte ich die Arme auf der Toilette erwischt.

Scheinbar verletzt man mittlerweile ein Tabu, wenn man es wagt, jemanden während seiner sauer verdienten Freizeit zu stören, weil diese anscheinend das Äquivalent einer geschützten Tierart geworden ist und mittels „Work-Life-Balance“ verwaltet wird. Mit App natürlich. Freie Zeit teilt man nicht mit jedem – da ist man sehr selektiv geworden. Immerhin geht alles auch schriftlich, was der landläufigen Meinung zufolge weniger aufwändig und wesentlich unproblematischer ist.

Ja – es ist tatsächlich zum „Aufwand“ mutiert – dieses Einlassen auf ein paar Worte am Telefon, sei es nun Festnetz oder mobil. Weil man vielleicht mit den meisten Leuten gar nicht mehr reden möchte? Weil man im direkten Gespräch dessen Verlauf nicht beeinflussen kann? Es ist schwieriger, zu sagen: „Sorry, ich muss jetzt weg, habe Stress“, als das ins Display des Smartphones zu hacken. Stimmen sind so verdammt verräterisch.

Ich bin übrigens schmerzfrei bezüglich dieser „peinlichen“ Momente, denn ich weigere mich standhaft, mich der neuen Zeit gänzlich anzupassen und sämtliche Unterhaltungen nur noch über irgendeinen Messenger zu führen. Was gerade modern ist, hat mich noch nie interessiert, das galt nicht nur seinerzeit für neonfarbene Leggings mit Zebrastreifen oder überdimensionale Schulterpolster, sondern ist bis heute Teil meiner Lebenseinstellung und betrifft auch Zwänge in jeder Form.

Wenn eine verstümmelte Kommunikationform von Millionen Menschen innerhalb weniger Jahre als neue Gewohnheit angenommen und praktiziert wird und ich gar keine andere Wahl habe, als mitzumachen, betrachte ich das als Zwang. Was „man“ tut, tangiert mich nicht. Die beste Methode, mir einen Film oder ein Buch schon im Vorneherein nachhaltig zu vermiesen ist der im Befehlston formulierte Satz:

„Den/das MUSST du einfach sehen/lesen.“ Das gilt auch für Musikstücke und Sushi-Varianten, bei denen der Fisch noch zappelt. Ich mag ganz einfach nicht „müssen“. Basta.

„Normalerweise vereinbart man einen Termin über Whats App, und dann erst telefoniert man“, erklärte mir neulich ein Münchener Geschäftsmann. Ich hatte ihn kurzentschlossen angerufen, denn er antwortet selten auf Nachrichten schneller als nach drei Tagen. Schon wieder dieses „man“. Nö. Danke. Man muss sich das einfach mal vorstellen, dieses Umständliche, Komplizierte, dem wir uns freiwillig hingeben. Anstatt zum Smartphone zu greifen und eine Nummer zu wählen, tippen wir erst mal umständlich eine Message mit dem Inhalt „Wann wäre es denn in Ordnung?“ Dass ich das bei einem gestressten Aufsichtsratsvorsitzenden tun muss, sehe ich ein. Aber ganz ehrlich: Wer von uns ist bitte so beschäftigt, dass er nicht mal mehr ein paar persönliche Worte wechseln kann? Es muss ja keine Stunde sein, oft genügen fünf Minuten.

Natürlich habe ich Whats-App installiert. An manche Personen komme ich ja schon gar nicht mehr anders heran. Warum aber bitte muss ich ein genau definiertes Zeitfenster vereinbaren, um mit einer Person zu reden? Was ist passiert?

Das erste Smartphone (von Apple) wurde 2007 auf den Markt gebracht, das sind gerade mal 12 Jahre. Innerhalb dieses Zeitraumes sind nach und nach kommunikative Praktiken erodiert und an den Rändern ausgefranst. Auf einmal ist es modern, so wenig wie möglich zu reden. Ich fasse zusammen: Telefonate nur noch nach Voranmeldung. Es sei denn, sie finden im Kino, wenn gerade der Film beginnt (letzte Woche erlebt), im Speiselokal am Nachbartisch, im ICE in voller Lautstärke (ständig) oder an anderen Orten mit möglichst viel Publikum statt. Das muss ich verstehen – der Typ hatte mit Sicherheit einen Termin über Whats-App vereinbart…und er ist wichtig.

Holt mich hier raus. Bitte.

„Ich habe im Moment keine Zeit“, höre ich häufig, wenn es darum geht, mal zu telefonieren. „Puh, so viel Stress, da müssen wir eine Uhrzeit finden, wo es nicht ganz so eng ist“, erklärte mir neulich eine Bekannte im Facebook-Messenger. Sie ist Hausfrau, mit drei erwachsenen Kindern, die alle im Ausland leben, und vertreibt sich die Zeit hauptsächlich in Dessous-Läden oder auf den Websites von Online-Shops. Selbstverständlich kann das dermaßen in Stress ausarten, dass man keine Zeit mehr für andere Menschen hat. Verstehe ich, Sabine. Und ich rufe dich auch nicht mehr an. Versprochen.

Es ist wie eine um sich greifende Epidemie, dieses langsame Sterben einer essentiellen Kommunikationsform. Nachdem sich jetzt sogar meine verehrte Frau Mutter mit ihren 83 Jahren ein Smartphone angeschafft hat, um ihre überlästigen Enkel auf einfachem Wege abwimmeln zu können (Meine Mutter ist immer unterwegs, da nerven die Gören nur, wenn sie fragen: „Oma, kann ich zum Essen kommen?“), werde ich wohl meine eigene Verweigerungshaltung nochmals überdenken müssen.

Sollte ich meine Mama tatsächlich mal ans Telefon bekommen, dann benimmt sie sich übrigens, als müsste sie innerhalb der nächsten dreißig Minuten in Saudi-Arabien eine brennende Ölquelle löschen und sofort in ihren Supergirl-Dress hüpfen, um loszufliegen.

Meine Freundin Ella verweigert sich ebenfalls. 48 Jahre alt, Mutter von drei entzückenden, mittlerweile erwachsenen Töchtern, liebevolle Ehefrau, hangelt sie sich atemlos durch ihr Leben, das aus zwei Jobs, einem zwei Quadratkilometer großen Garten und einem Haus, das von der Geräumigkeit her einer Reithalle ähnelt, besteht. Ella hat nie Zeit, und wenn sie welche hat, dann erträgt sie kein anderes Geräusch als das Rascheln einer Chips-Tüte oder das Öffnen der Kühlschranktür, um die Schokolade mit Praline-Füllung rauszuholen. Sie hat sich gegen den ganzen Stress, von dem sie umgeben ist, und durch den sie sich quält, einen Panzer aus mindestens 60 überflüssigen Kilos angefuttert, von dem sie glaubt, dass er sie beschützt, den sie aber hasst. Weswegen sie sich übrigens noch mehr von der Außenwelt separiert. Und noch mehr isst. Immer, wenn sie sich besonders beschissen fühlt, macht sie alle Schotten dicht. Analog und digital.

Sie sehen – es gibt viele Gründe für sozialen Rückzug.

Man geht nur noch ran, wenn man muss. Im Messenger kann ich nämlich sein, wie ich gesehen werden möchte. Aber bei einem Anruf hört meine Freundin vielleicht, dass ich gerade ins Sofakissen geschnäuzt habe, weil ich mich so elendiglich fühle.

Seit zwei Jahren versuche ich, einen Termin zu vereinbaren, an dem Ella und ich uns zum Grillen treffen, mal gemütlich zusammensitzen können und ein bisschen plaudern können.
„Toll, machen wir!“, ruft sie immer enthusiastisch, wenn ich sie wirklich mal an den Apparat bekomme, was höchstens einmal innerhalb von drei Monaten vorkommt. „Wir schreiben und klären das über Whats App.“ Das geht so seit mittlerweile zwei Jahren.

Gelegentlich kommt dann eine Nachricht von ihr: „Ich kann bald nicht mehr und bin total fertig mit den Jobs und dem Haus und dem Kochen und so.“
Ich: „Du Arme. Bussi-Emoji.“ Manchmal verschicke ich auch zwei Emojis.

Sie müssen wissen: Ich tippe nicht allzu gern auf dem Handy-Display herum, vor allem, wenn die Sonne draufscheint. Mehr Anteilnahme würde sie bekommen, wenn sie bei mir anriefe, aber das ist ihr wiederum zu intim. Als würde ich mit jedem Wort, das ich sage, einen geheimen Raum betreten, der nur ihr gehört. Ist das wirklich alles, was die Menschen heutzutage noch wollen? Bussis, Herzchen, Röschen und winzige bunte Blumensträuße? Bei Geburtstagen zusätzlich vielleicht noch eine stilisierte Torte oder ein aus dem Internet heruntergeladenes Bildchen mit einer Kerze.

Ihr könnt mich bald alle, ehrlich. Aber es sind so viele mittlerweile, so schrecklich viele.

„Ich habe keine Zeit für Gespräche“ wird heute tatsächlich als glaubhafte Ausrede gesellschaftlich akzeptiert. Das behaupten Schüler, Rentner, Hausfrauen und genervte Angestellte gleichermaßen. Sie benehmen sich, als wäre Telefonieren etwas sehr Privates, beinahe wie Sex oder Stuhlgang. Schließlich geht jedes Wort von ihrer nicht vorhandenen Zeit ab. Es klingt immer so, als hätte ich allein 24 Stunden täglich zur Verfügung, und sie nur 14. Vielleicht bin ich ein Vampir. Oder ein Relikt.

„Wir haben 20 Minuten“, erklärte mir Beatrix, eine Journalistin im Ruhestand, letztes Jahr am Telefon. „Dann müssen wir aufhören. Ich möchte nicht zu lange reden. Das strengt mich zu sehr an.“ Wenigstens ist sie konsequent.

Ich kenne wirklich viele Leute. Die meisten behaupten, sie könnten sehr schlecht „Nein“ sagen. Dabei sind sie wahre Meister im Abgrenzen von der unerwünschten Außenwelt. Und die „Außenwelt“, das bin leider ich. Um mich macht sich aber keiner Gedanken, die ich mich zurückgewiesen und gekränkt fühle. Es ist ja die neue Zeit. Und da muss ich durch.

Kürzlich hatte mein Neffe schlimmen Liebeskummer, denn er war von seiner Freundin nach fünf Jahren abserviert worden. Sagenhafte drei Stunden schrieben wir auf Whats App hin und her, bis ich vorschlug: „Können wir telefonieren, das Getippe geht mir allmählich auf den Keks?“

Schwupp, war er offline und meldete sich nicht mehr. Für einen kurzen Moment schämte ich mich, denn ich kam mir vor, als hätte ich von ihm etwas Unzumutbares verlangt, oder noch schlimmer: etwas Altmodisches, etwas das nur alte Leute tun. Es wirkt schon, das Digitale. Die schöne neue Welt. Bei jedem. Bei allen. Tippen auf einem winzigen Display ist zum Ersatz für wirklichen echten Trost geworden. Man kritzelt ja auch keine Notizen mehr auf die Rückseite von gebrauchten Briefumschlägen, sondern macht Screen-Shots mit dem Handy oder diktiert sie einer App, die heutzutage ein zerknittertes Stück Altpapier und einen Kühlschrankmagneten an der Pinnwand ersetzt.

Kann man aus meinen Worten herauslesen, dass es mich allmählich anödet? Dieses sinnlose Verschicken von bunten Bildchen mit geklauten Sinnsprüchen zum Geburtstag, Weihnachten oder Silvester zum Beispiel. Mein Smartphone-Speicher quillt regelmäßig an den Feiertagen über von redundanten Zeichentrickfilmchen mit Schweinchen, Häschen, Kätzchen und anderen Lebewesen.

Ich kann einfach nicht fassen, wie viele Leute glauben, dass ein schlecht gemachter Cartoon mit Untertiteln den Ansprüchen von jemandem genügt, der mit handgeschriebenen Briefen auf echtem Papier aufgewachsen ist. Ja. Ich bin alt. Zumindest so alt, dass ich es geschmacklos finde, wenn ich zum Geburtstag von Leuten, denen ich persönlich einen liebevoll zusammengestellten Fresskorb vorbeigebracht habe, nur eine SMS bekomme, die bestenfalls das Bild eines Kuchens enthält. Ich werde mir künftig diese Arbeit auch nicht mehr machen. Gut für mein Budget.

Jedes Jahr vor Heiligabend wird es besonders schlimm.

„Wish You a merry Christmas.“ Dazu ein paar stilisierte Notenblätter oder kitschige Engelchen, gerne animiert, und schon hat man sich wieder Porto gespart. Auch das mühselige Schreiben mit einem Kuli entfällt. Ja, du mich auch. Wo ist eigentlich „Weihnachten“ geblieben? Oder Deutsch? War es zu mühsam, wenigstens ein einziges knallbuntes Christbaum-Foto mit Untertiteln in unserer Sprache herauszusuchen? Ich antworte nie auf solche Video-Clips, ich sehe sie mir nicht mal an und schreibe auch nicht „Danke“. Dafür ist MIR zum Beispiel meine Lebenszeit zu schade. Was ich daran erkennen kann, ist, dass sich keiner mehr Mühe macht.

„Effizienz“ heißt das Zauberwort. Einsparung von überflüssigen Bewegungen, Gedanken und Handgriffen. Wir rationalisieren uns zu Tode.

Bis letztes Jahr habe ich alle meine Weihnachtskarten persönlich geschrieben. Über den Inhalt jeder einzelnen habe ich nachgedacht und die Zeilen individuell formuliert. Ich habe die Dinger eingetütet, zugeklebt, adressiert (noch mehr Arbeit) und frankiert (ja, gekostet hat es auch etwas). Resonanz? Keine. Die übliche Schwemme an Engelsbildchen und animierten Christbäumen am 24.12. Keine Sekunde früher. Unsere Konversation, ja die gesamte Kommunikation, wird rudimentär. Alles geschieht nur noch bruchstückhaft. Damit werden auch die Möglichkeiten, uns auszudrücken, geschmälert.

Ein Satz im Messenger kann sehr schnell missverstanden werden, denn Ironie muss mittlerweile als solche gekennzeichnet werden. Wissen Sie, warum? Weil man es an der Stimme hört, wenn jemand sarkastisch ist. Entfällt die Tonlage, oder ein Lachen vielleicht, schleichen sich Irrtümer ein, und irgendwer bekommt es garantiert in den falschen Hals. Ist mein Whats-App-Gesprächspartner (welch eine Worthülse), dann erst mal so richtig verstimmt, erfordert es Geschick und Geduld, diese Unstimmigkeiten wieder zu bereinigen. Da dürfen Sie dann eine Menge tippen.

Stimmbänder haben schon ein paar Vorteile. Ehrliches Bedauern, das man aus einer Entschuldigung heraushören kann zum Beispiel.

Die Kommunikation verschwindet im Alltag. Sie schrumpft stückweise in sich zusammen wie ein Ballon, der allmählich die Luft verliert, immer kleiner und unansehnlicher wird. Und wer aufs Telefonieren angewiesen ist, wer zum Beispiel kein Smartphone besitzt, geschweige denn einen Messenger, hat in Zeiten, in denen sogar jeder kleine Kirchenchor über Whats-App vernetzt ist, schlechte Karten. Der ist unmodern. Ein Ewiggestriger. Hinter seiner Zeit zurück. „Waaaas? Du hast kein Whats App? Mann, bist du altmodisch.“

Ganz ehrlich: Das allein ist schon ein Grund für mich, mein eigenes Verhalten diesbezüglich zu überdenken, denn es gefällt mir nicht, in welche Richtung sich das entwickelt.

Sozialer Rückzug ist eines der Anzeichen für eine Depression, lese ich immer wieder in einschlägigen Büchern. Wir alle haben diese ominöse, nicht messbare Tabuzone um uns herum, die je nach wissenschaftlicher Studie zwischen 30 Zentimeter bis zu eineinhalb Metern in unserem Radius umfasst und zum Teil sogar mit Instrumenten messbar ist. Kommt uns jemand zu nahe und überschreitet diese unsichtbare Tabuzone, dann fühlen wir uns unwohl.

Mit unserer Art der Verweigerung persönlicher Kommunikation, mit dem Ablehnen von Telefongesprächen oder echtem Kontakt zum Beispiel, dehnen wir diese Tabuzone mittlerweile ins Unendliche aus. Sie können auch Ihren Kumpel in Thailand blockieren, damit der Sie nicht mehr über Whats-App kostenfrei anrufen kann. Ach was, Sie können die ganze Welt blockieren. Wie praktisch.

Ist das nicht merkwürdig? Wir haben wesentlich mehr Möglichkeiten zur Kommunikation als je zuvor und nutzen immer weniger davon. Irgendetwas bleibt auf der Strecke, und ich befürchte, es ist die Menschlichkeit. Ein Bekannter von mir hat vor zwei Jahren tatsächlich meiner Freundin zum Tod ihres Mannes eine SMS mit dem Inhalt: „Herzliches Beileid“ geschickt. Mehr nicht.
Finden Sie das gut? Ich nicht. Und das gebe ich offen zu.

Wir sind einsamer als früher, vielleicht, weil wir uns bedrängt fühlen von dieser Erreichbarkeit rund um die Uhr. Jeder kann uns zu jeder Zeit anmailen, anschreiben, anrufen. Sich mittlerweile unsichtbar zu machen, ein paar Stunden auszuklinken aus dem alltäglichen Wahnsinn, erfordert ziemlichen Aufwand, denn einfach das Telefon auszustecken wie früher funktioniert nicht mehr.
Das war einmal. Und man muss sich peinlichen Fragen stellen.

„Hast du mich etwa blockiert?“ „Ich habe genau gesehen, dass du vorhin noch online warst. Wieso antwortest du nicht?“ „Du hast doch bei Facebook was gepostet um 21:20 Uhr. Aber auf meine SMS von 21:15 schreibst du nicht zurück.“ Überwachbar sind wir geworden. Erreichbar und kontrollierbar. Von allen und jedem. Und darum versuchen wir, etwas von dem freien Raum, von dem ehemals so beruhigenden weißen Rauschen, zurückzubekommen, indem wir uns verweigern und Termine vergeben. Wir machen dicht und schaffen es doch nicht, alle Löcher zu stopfen, durch die irgendwelche Nachrichten, gute oder schlechte, kriechen. Dabei wollen wir doch gar nicht mehr alles wissen. Es würde uns schon reichen, denn auch in unserem Arbeitsleben hat sich alles verdichtet.

Es ist das Atemlose, dieses Schnelle, das Immer-auf-dem-Sprung-sein-Müssen der Neuzeit, von dem wir spüren, dass es sich wie Mehltau über unser ganzes Leben legt. Dem wir irgendwie entkommen möchten, denn alles, was ein Mensch tut, sollte auf freiwilliger Basis geschehen. Und wir merken allmählich, dass „freiwillig“ eine Option ist, die uns nicht zur Verfügung steht. Nicht mehr.

„Offline ist das neue Detox“, las ich neulich. Detox wird aus Bambus gewonnen und dient laut gängiger Doktrin der Entgiftung. Man kann es als Tee trinken, Kapseln einnehmen oder es sich in Pflasterform auf die Fußsohlen kleben. Offline zu sein – also quasi „entgiftet“ – ist mittlerweile ein Luxus, den sich immer mehr Leute zu leisten versuchen, weil sie spüren, dass sie keine Zeit mehr haben, sich auszuruhen von all dem, das um sie herum geschieht. Es wird einem sehr schwer gemacht, sich zu entgiften, denn alle anderen sind ja noch online.

Offline läuft man Gefahr, den Anschluss zu verlieren, nicht zu wissen, wann die nächste Chorprobe stattfindet oder den Geburtstagsgruß mit dem animierten Kätzchen auf einer gezeichneten Torte zu verpassen. Wir wollen doch immer dabei sein. Auch wenn es nur virtuell ist. Sonst bleiben wir allein.

Allmählich finde ich diese Aussicht verführerisch, wenn ich ganz ehrlich bin.

Meine Nachbarin gestand mir letzte Woche: „Ich habe überhaupt kein Handy und möchte auch keins, denn was ich sehe, wenn ich mich auf der Straße umschaue, macht mir eine Heidenangst. Auf irgendeine Sucht habe ich keine Lust.“

Betreten schaute ich zu Boden, denn ich bin eine Betroffene. Ich schneide Videos auf meinem Smartphone, verwalte meine Emails, mindestens 11.000 Musiktitel und 5000 Fotos, lese Nachrichten, pflege meine Accounts bei Facebook, Instagram und Twitter und tue mit dem Handy alles außer Kartoffelschälen. Nur telefonieren kann ich nicht damit, denn keiner will mehr angerufen werden. Es ist wirklich zum Schreien. Weil ich mir habe sagen lassen, dass Smartphones eigentlich genau dafür erfunden worden sind.

Als ich eine junge Frau war, besaß ich ein Telefon mit Wählscheibe und einem 10 Meter langen Kabel, das locker bis in die Badewanne reichte, in der ich stundenlang an einem Drink schlürfte und mit meinen Freunden plauderte. Dabei erfuhr ich dann, wer sich von wem getrennt hatte, wer mit wem fremdgegangen war, und wann die nächste Fete stattfinden sollte. Plante man selbst eine, dann rief man alle der Reihe nach an und lud sie ein.

Heutzutage ist es eine Zumutung, jemanden anzurufen, eine Verletzung der Privatsphäre. Wir schotten uns ab, bauen uns einen Kokon, eine Todeszone um uns herum, und verlassen uns darauf, dass diese von uns ignorierten Menschen trotzdem verfügbar sind, wenn wir sie denn mal brauchen sollten.

Das erinnert mich an eine Folge in der britischen Sitcom „The IT-Crowd“, wo einer der Hauptprotagonisten versehentlich seinen Papierkorb in Brand setzt und dann panisch der Feuerwehr eine Email schreibt. Auf die Idee, sein Telefon in die Hand zu nehmen, kommt er nicht.

Messenger sind wie sogenannte „tote Briefkästen“ in Spionagefilmen. Man legt was rein und hofft, dass es der andere Spion abholt und weiterleitet. „Ich hab deine Nachricht gar nicht gesehen“, heißt es dann, wenn die Antwort ausgeblieben ist. Beide wissen: Das ist gelogen, aber dann pfeffern wir einfach noch ein grinsendes Emoji mit dazu, und alles wirkt schon viel freundlicher.

Diese uralten Telefone mit Wählscheibe vermisse ich manchmal. Man musste (vor Einführung der Rufnummernübermittlung) rangehen, wenn man wissen wollte, wer einen anrief. Da der Mensch von Natur aus ein neugieriges Wesen ist, hob ich natürlich immer ab. Manchmal war es ein hartnäckiger Exfreund, manchmal meine Oma, die nur fragte, ob ich genügend gegessen hätte. Manchmal waren es Freunde, die mich zu einer Fete einluden. Und manchmal war es die Nachricht, dass jemand gestorben war.
Man konnte es sich nicht aussuchen.

Da sind wir heute aber spitzenmäßig besser dran, oder?

Mittlerweile wurde unsere Kommunikation outgesourct zu Facebook, Whats-App, Telegram, Viber, Signal, oder wie die Messenger und sozialen Netzwerke alle heißen. Man schreibt, was man eigentlich sagen sollte. Uns entgeht dadurch aber die Möglichkeit, anhand der Stimmlage die Befindlichkeit unseres Gesprächspartners wahrzunehmen, seine Gegenwart zu spüren, echtes Lachen zu hören, Trauer zu ahnen oder Schmerz. Schreiben kann ich nämlich viel, wenn der Tag lang ist.

Nichts ist einfacher, als einen ausgelassenen Eindruck zu erwecken in einer Messenger-Nachricht. Wo bei einem persönlichen Gespräch vielleicht die Alarmglocken läuten, wenn man deutlich hört, dass derjenige eventuell gerade geweint hat („Geht es dir wirklich gut, du klingst so merkwürdig?“), können wir im Messenger vor der Welt und uns selbst ein Bild der Stärke und Unangreifbarkeit aufrechterhalten, das real nicht existiert. Es ist sehr viel einfacher, in Kurznachrichten zu lügen als in einem echten Gespräch. Messenger schalten Instinkte aus. Als wären wir Gazellen in der Serengeti mit verätzten Nasenschleimhäuten, die den Löwen nicht mehr zu riechen imstande sind. Es ist nun einmal wesentlich einfacher, in schriftlicher Form zu lügen.

Sie glauben, ich klinge plakativ? Heute las ich in einer Onlinezeitung, dass eine Influencerin kürzlich ihr Badewasser in kleine Fläschchen abfüllte und ihren Followern für ein paar Dollar/Stück anbot. Innerhalb von drei Tagen war alles abverkauft. Mich wundert allmählich überhaupt nichts mehr. Aber von dieser Welt möchte ich mich nicht vereinnahmen lassen.

Früher klingelte es oft an meiner Tür. Jeder, der vorbeischaute, bekam etwas zu trinken angeboten. Dann setzte man sich auf die Couch und unterhielt sich. Stellen Sie sich vor: Man unterhielt sich. Auge in Auge. Es wurde gelacht, wir vereinbarten vielleicht ein Treffen oder schauten zusammen einen Film. Und das ohne Voranmeldung.

Heutzutage ist es nicht mehr möglich, mit mehr als drei Leuten am Tisch zu sitzen, weil immer irgendwer sein Smartphone zückt und sagt: „Hast du schon gesehen? Meine Katze hat neulich Handstand gemacht.“ Und dann fuchteln sie einem mit dem Telefon vor dem Gesicht herum. Alle tun das, in jeder Altersklasse. Bei den Älteren habe ich manchmal Glück, denn ohne ihre Lesebrille können sie nicht in ihrer Videosammlung herumwühlen. Wenigstens etwas.

Wir sind dabei, alles zu verlernen, das uns ausmacht, zu vergessen, was Kommunikation eigentlich bedeutet.

Warum hat eigentlich der einsame ältere Herr, der sechs Wochen tot in seiner Wohnung lag, ehe jemand bemerkt hat, dass er nicht mehr lebt, keine Whats-App-Nachricht an ein paar Leute geschickt mit dem Inhalt: „Ich bin einsam und brauche Hilfe“? Weil das keiner tut, dem es so richtig schlecht geht. Wir lassen uns gegenseitig allein, koppeln uns ab von allem, das eine solidarische Gesellschaft auszeichnet. Wir sind dabei, asozial in des Wortes reinster Bedeutung zu werden.

Und dabei versuchen wir doch eigentlich nur, uns zu schützen, auch wenn uns das selbst vielleicht gar nicht richtig bewusst ist.

Dieses Leben – es huscht immer schneller an uns vorbei, denn anstatt es uns leichter zu machen mit all diesen digitalen Vernetzungen und Verpflichtungen, treibt es uns vor sich her mit Bits und Bytes, mit blauen Häkchen und Anruflisten,, mit roten Signalzeichen, dass uns eine Nachricht erwartet, die wir endlich mal abrufen sollten. Und wehe, der Akku ist leer.

„Oh, der schon wieder da gehe ich jetzt nicht ran“, hörte ich schon mehr als einmal, wenn ich es geschafft hatte, meine Freundin zu einem Stadtbummel zu überreden. Dazu zieht sie ein entnervtes Gesicht.

Wann bitte sind Anrufe zu einer Art von Körperverletzung oder Zumutung geworden?

In jedem Psychologie-Buch können Sie nachlesen, dass sozialer Rückzug ein Schritt zur kompletten Vereinsamung und auch ein Zeichen für Depressionen sein kann. Die Verweigerung von persönlichen Gesprächen ist eine Art von Flucht in eine nicht mehr existierende Komfortzone, gleich, wie man es dreht und wendet.

Dabei kann Telefonieren viel praktischer sein als Chatten am Handy. Sie dürfen nämlich nebenher bügeln, das Katzenklo säubern, oder die Wanne putzen, denn mindestens eine Hand haben Sie ja frei.
Woher rührt diese wachsende Unlust, etwas durchaus Menschliches zu tun? Da haben wir in vielen Jahrhunderten endlich gelernt, uns anders als durch Grunzlaute zu verständigen, und dann hören wir wieder damit auf. Freiwillig.

„Ich bin total fertig und brauche meine Ruhe“, höre ich häufig. „Total fertig“ muss ich gelten lassen. Dieses Leben frisst uns allmählich auf. Immer schneller, immer weiter, immer höher. Bis zum Absturz. Sie werden sich wundern wie still es dann plötzlich um Sie herum wird. Dass Sie nicht einmal mehr Lust haben, jemanden anzusimsen. Dass jede eingehende Whats-App-Nachricht mit dem Inhalt „Hallo, wie geht es dir“, oberflächlich scheint. Weil nichts, wirklich gar nichts, eine Umarmung ersetzen kann, oder ein persönliches Gespräch. Wollen wir hoffen, dass Sie nie in diese Situation geraten.

Es gibt einfach zu viele Probleme, die nicht mittels traurig blickender Emojis gelöst werden können.

„Wir telefonieren mal wieder“, ist heute eine geläufige Floskel, die genauso viel Bedeutung hat wie der lapidar hingeworfene Satz: „Wir sollten mal wieder auf den Mount Everest klettern. In Stöckelschuhen.“
Im Klartext bedeutet es nämlich: „Wenn die Hölle zufriert“.

Was passiert mit uns? Wieso sind wir so stumm geworden?

Ich beobachte diese sozialen Rückzüge auf breiter Front seit etwa 2013. Vorher sind sie mir nicht in diesem signifikanten Ausmaß aufgefallen. Verhalten wir uns so, weil unsere Stimmen zu verräterisch sind? Weil sie durchklingen lassen, wie müde und fertig wir sind, wie satt wir das alles haben: das Rattenrennen um ein auskömmliches Gehalt, die bohrende stille Furcht, schon im nächsten Jahr vielleicht keinen Job mehr zu haben? In einer Kurznachricht können wir ja prima weiterhin behaupten, „Alles in Ordnung, und selbst?“ Setzen Sie einfach noch ein lachendes Emoji drauf, dann passt das schon.

Ich habe als junges Mädchen in der Schule noch Stenographie gelernt. Es handelt sich hierbei um die sogenannte „Kurzschrift“, eine aus einfachen Zeichen gebildete Schrift, die schneller als die herkömmliche „Langschrift“ geschrieben werden kann und es ermöglicht, in normalem Tempo gesprochene Sprache mitzuschreiben oder eigene Ideen schneller zu notieren.

Lange Jahre hockte auch ich mit meinem Block in der Hand vor irgendeinem zerstreuten Boss und nahm seine Diktate auf. Anschließend saß ich verzweifelt an meiner Schreibmaschine, später am PC, außerstande, mein eigenes Geschmier zu entziffern, denn ich hatte im Laufe der Jahre etliche eigene Kürzel erfunden, die nicht im Lehrbuch vorkamen.

Sowohl Steno als auch Sekretärinnen mit Blöcken und gespitztem Bleistift in der Hand sind seit dem Aufkommen von Diktiergeräten aus der Mode gekommen. Aber diese verflixte „Kurzschrift“ schleicht sich durchs Hintertürchen als digitale Variante wieder ein. Wenn alles immer weiter verkürzt und vereinfacht wird, verschwindet es irgendwann ganz.

So weit möchte ich es – nur bei mir persönlich – nicht kommen lassen. Also rufen Sie mich bitte an. Ich verspreche, ich gehe auch ran. Weil ich gerne mal wieder eine Stimme hören möchte. Und es sollte nicht die von Siri sein.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann!

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

Schnittmuster übertragen

Leute, die gern nähen, kennen das sicher: das Hobby macht riesigen Spaß aber die Vorbereitung der Übertragung der jeweiligen Schnittmuster nervt. Denn diese müssen zumeist aufwändig abgepaust oder via ausgedrucktem PDF-Dokument zusammengeklebt und daraus die einzelnen Schnitteile ausgeschnitten werden. Dieser Prozess ist nicht unbedingt der angenehmste Teil beim Nähen. Bislang aber kam man als Hobbynäher nicht umhin, diesen Aufwand zu betreiben. Immerhin gehört das dazu, um am Ende ein individuelles Einzelstück in den Händen zu halten.

Doch die moderne Technik macht auch vor der Nähmaschine nicht halt und so gibt es für Menschen, die sich gern schöne Kleidung nähen, aber das Gefummel mit dem Schnittmuster nicht mögen, bald Abhilfe. Das Start-up Patterina hat eine App entwickelt, mit deren Hilfe Schnittmuster direkt vom Handy auf den Stoff übertragen werden können. Viele Hobbynäher, die von dem Produkt schon erfahren haben, sind begeistert. Der Gründerin, Dr. Nora Baum, hätte man ihre App am liebsten schon auf Messen, auf denen sie interessierten Nähern ihre Erfindung präsentierte, abgekauft.

Mit Patterina gehört umständliche Schnittmuster-Übertragung der Vergangenheit an

Doch gut Ding braucht Weile und so ging noch einige Zeit ins Land, in der das Start-up Patterina an der App, die das Nähen um so vieles einfacher machen wird, feilte. In ein paar Wochen, im August 2019, soll es nun soweit sein und die umständliche Übertragung der Schnittmuster der Vergangenheit angehören.

Wir haben mit Gründerin Nora Baum (im Bild) über Ihre Erfindung gesprochen.

FB: Nora, was nervt begeisterte Näherinnen (und Näher) beim Nähen am meisten?

NB: Also erstmal muss man ja sagen, dass die Leute ihr Hobby, das Nähen, eigentlich lieben. Vor allem den Umgang mit Stoff, das Arbeiten an der Nähmaschine und die Kreativität. Aber 80% aller Hobbynäher mögen es nicht, Schnittmuster vorzubereiten. Die muss man ja meistens abpausen aus Zeitschriften und Büchern, oder man muss ein PDF-Dokument ausdrucken, zusammenkleben und dann daraus die einzelnen Schnittteile ausschneiden.

FB: Nun haben Sie diesbezüglich ein regelrechte Sensation auf den Markt gebracht. Denn Ihr Start-up Pattarina hat ein Produkt auf den Markt gebracht, das jetzt schon bei Menschen, die gern nähen, heiß begehrt ist. Erzählen Sie doch mal!

Mit unserer App Pattarina können Näher ein Schnittmuster direkt vom Handy auf den Stoff übertragen. Die Technologie, die dafür verwendet wird, ist Augmented Reality – das kennt man vielleicht von Pokemon Go. Bei uns werden eben keine Pokemon angezeigt, sondern Schnittteile. Und die kann man dann direkt auf den Stoff zeichnen.

Wir sind grad in den letzten Schritten der Entwicklung, und hoffen die App noch im Sommer herausbringen zu können.

FB: Sie sind Unternehmensberaterin und haben Politikwissenschaften und Soziologie studiert – heute betreiben Sie dieses Start-up. Wie kam es dazu?

Ich habe schon als Kind nähen gelernt, und dann nach der Geburt meiner eigenen Kinder wieder damit angefangen – wie so viele junge Frauen. Und schon immer war ich von der Vorbereitung der Schnittmuster genervt. Eines Nachts, nach der Silvesterparty, ist mir eingefallen, dass man Schnittmuster doch mit Licht auf dem Stoff anzeigen könnte – so eine Art Schnittmusterbeamer.

Geschäftsidee kam nach Silvesterparty – Mitgründer ging an Bord

Ein halbes Jahr bin ich mit dieser Idee durch die Welt gelaufen. Dann habe ich meinen späteren Mitgründer Markus Uhlig und unseren Mentor Prof. Lewerentz von der BTU Cottbus kennengelernt. Zusammen haben wir uns entschieden, es mal mit Augmented Reality auszuprobieren. Und es hat geklappt!

FB: Wie muss man sich das Übertragen der Schnittmuster mithilfe Ihrer App vorstellen?

Das ganze kann man sich so vorstellen: Auf den Stoff wird ein kleines Referenzbild gelegt, das man sich selbst ausdrucken kann. Dort hält man das Handy drüber. Sobald das Handy das Referenzbild erkennt, zeigt es das erste Schnittteil an. Durch Schieben des Referenzbildes kann man das Schnittteil dahin schieben, wo man es gern haben möchte. Ist man mit der Lage zufrieden, nimmt man einen Trickmarker und zeichnet die markanten Punkte des Schnittteils direkt auf den Stoff. Dabei blickt man durch den Bildschirm. Man malt quasi die virtuelle Linie unter dem Handy auf den Stoff ab.

Die Schnittmuster erhält man bei den Designern mit denen wir zusammenarbeiten. Sie verkaufen spezielle QR-Codes zum Schnittmuster dazu, mit denen das Schnittmuster in der Pattarina-App aktiviert werden kann.

Runterladen und loslegen!

Die Pattarina-App gibt es übrigens für iOS und Android. Man kann sie einfach im App Store oder Play Store herunterladen.

FB: Welche Hürden waren zu meistern, um Ihr Unternehmen auf den Weg zu bringen?

So einige. Mit der App waren wir ja in einem großen Livetest, Anfang diesen Jahres. Wir haben sehr viel Feedback von den Testern erhalten, und haben daraufhin festgestellt, dass wir im „Hintergrund“ der App vieles umbauen müssen, weil ein Framework, das wir gern verwendet hätten, leider nicht so funktioniert hat wie erwartet. Dieses auszutauschen und durch eine Eigenentwicklung zu ersetzen hat lange gedauert und war sehr nervenaufreibend.

Auch die richtige Finanzierung zu sichern war nicht immer einfach. Zuerst haben wir ein Gründungsstipendium erhalten. Für die Zeit danach ist es uns gelungen, Geld über Kickstarter einzusammeln, und wir haben einen Business Angel an Bord geholt. Bis das aber alles in Sack und Tüten war – das war ganz schön aufregend.

Crowdfunding und erster Mitarbeiter – Pattarina setzt auf Zukunft

FB: Eine Crowdfundingkampagne für Ihre Geschäftsidee war sehr erfolgreich – dürfen wir fragen, wieviel zusammen gekommen ist?

Knapp 20.000 Euro von fast 800 Unterstützern. Wir haben uns sehr über diese tolle Unterstützung gefreut!

FB: Wieviele Leute arbeiten in Ihrem Team?

Neben meinem Mitgründer Markus und mir haben wir gerade unseren ersten richtigen Mitarbeiter eingestellt. Außerdem haben wir gerade einen tollen Praktikanten und einen Werkstudenten.

FB: Für wann ist der offizielle Start von Pattarina geplant?

August 2019.

FB: Welche Pläne gibt es über den Start hinaus?

Wir wollen die App so gut wie möglich nutzbar für unsere Kunden machen und möglichst schnell viele Schnittmuster integrieren. Und dann wäre es natürlich toll, bald eine englische Version zu haben. Und wir haben tolle Ideen für neue Funktionen, zum Beispiel das Ändern von Schnittmustern. Es bleibt also spannend!

Wer sich ansehen möchte, wie das denn in der Praxis funktioniert, mit der Übertragung der Schnittmuster durch die App, kann sich auf der Homepage von Patterina ein Video dazu ansehen.

Copyright / Bildnachweis:

Dr. Nora Baum, Patterina

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Frau im Auto

„Der Fahrer des Wagens L-….. möchte sich bitte an der Information melden“. Laut hallte die Aufforderung durch den riesigen Einkaufsmarkt, in dem ich gerade im Begriff war, nach tiefgekühltem Kohlrabigemüse zu greifen. Das ließ ich allerdings schnell wieder zurück gleiten, denn das ausgerufene Kennzeichen war meines. „Ob man mir das Auto aufgebrochen hat?“ schoss es mir durch den Kopf. Denn just an diesem Tag hatte ich teure Computertechnik im Wagen, da ich einen Vor-Ort-Termin bei einem Kunden absolviert hatte. Mit diesen Gedanken schob ich meinen vollen Einkaufswagen schnurstracks an die Information des Marktes, wo mich die Damen an der Rezeption schon erwarteten. Vor dem Info-Tresen stand eine weitere junge Frau, die mir berichtete, dass sie einen jungen Mann gesehen hat, der mein Auto gerammt hat, einen Blechschaden hinterließ und danach seelenruhig in den Supermarkt gegangen ist.

Blechschaden statt Auto aufgebrochen

Im ersten Moment war ich erleichtert, dass meine Technik scheinbar ja nicht gestohlen wurde. Die Zeugin, die das beobachtet hatte, sagte mir, dass der Verursacher auch in den Einkaufsmarkt gegangen ist. „Wir sollten ihn ausrufen, wenn Sie sich das Kennzeichen von dem Mann gemerkt haben“ schlug eine Dame vom Info-Tresen vor. Gesagt, getan. Die Zeugin hatte sich aufmerksam das Kennzeichen notiert und nun wurde der Mann ausgerufen. Wenig später fand auch er sich an der Rezeption ein. Ich konfrontierte ihm mit dem, was die Zeugin gesehen hat. Der Mann stritt es nicht ab, man merkte, dass ihm das sichtlich unangenehm war.

„Man sollten die Polizei rufen“ schlug eine der Damen vom Info-Tresen vor. Ich war durcheinander und mir nicht sicher, was ich tun sollte, aber das mit der Polizei schien mir schlüssig. Also rief ich die 110 an. Dort schilderte ich das Geschehene. Auch die Zeugin musste kurz ans Handy und dann hieß es seitens der Beamten, dass ein Streifenwagen vorbeikommen würde. Die Zeugin hinterließ mir ihre Daten und konnte dann, nachdem sie das mit dem Polizisten am Telefon schon geklärt hatte, gehen. Der junge Mann telefonierte mit seiner Versicherung. Vorher hatte er vorgeschlagen, dass wir uns ohne Polizei einigen, aber das war mir zu heikel.

Als er mit dem Telefonieren fertig war, ging ich mit ihm zusammen zu meinem Auto und wir schauten uns den Schaden an. Es war nicht viel. Der Unfallverursacher strich mit dem Finger über die Stelle, die er gerammt hatte (meine hintere Stoßstange) und da war dann noch weniger zu sehen.

War der Polizeiruf wirklich nötig?

„Man hätte vielleicht die Polizei gar nicht rufen müssen“ dachte ich mir. Der junge Mann schien das ähnlich zu sehen, denn er meinte, dass man sich doch auch so einigen könnte. Ich hatte kein Interesse daran, ihm bei der Polizei Schwierigkeiten zu machen, aber hieß es nicht immer, dass es auch bei geringen Schäden besser sei, die Beamten zu rufen? Während ich noch überlegte, fuhr der Streifenwagen schon vor. Die Beamten stiegen aus und begutachteten die Stelle, an die der junge Mann gefahren war. Auch sie schätzten es offenbar eher als Lappalie ein, was sie aber freilich nicht kundtaten. Es wurde gemessen und vermessen, sowohl an meinem Wagen als auch am Auto von dem Verursacher. Ich gab gegenüber den Beamten an, dass ich dem jungen Mann keine Schwierigkeiten machen möchte und nicht unbedingt eine Anzeige wegen Fahrerflucht stellen mag. Es verging dann fast eine Stunde, bis alle Daten seitens der Polizei aufgenommen wurden. Zwischendurch wurde ich gefragt, ob ich das, was am Auto zu sehen war, als Schaden deklarieren will oder nicht. Ich entschied mich, das nicht zu tun. Wie gesagt: Ich wollte dem jungen Mann, dem Verursacher, keine Schwierigkeiten machen, denn es war zugegebenermaßen wirklich nur eine Lappalie. Mehr noch: an meiner Stoßstange war nicht viel zu sehen. Ein kleiner Schaden jedoch war zu sehen, weshalb ich kurz mit meiner Familie in dieser Angelegenheit telefoniert.

Von dort aus kam der Ratschlag, sich nicht privat mit dem Verursacher auf etwas einzulassen, es macht Sinn, ein Gutachten über den Schaden erstellen zu lassen.

Dass ich dies gedenke ich Auftrag zu geben, teilte ich dem Schadenverursacher mit, als einer der Beamten noch fleißig an unserem Fall schrieb. Er hörte das und meinte: „Wenn das so ist, müssen Sie aber einen Schaden proklamieren und in diesem Zusammenhang den Unfallverursacher anzeigen“. Das hatte ich nicht gewusst. Doc die Beamten klärten mich auf, dass ich nur, wenn sie den Vorgang als Unfall aufnehmen, ein Anrecht darauf hätte, von der gegnerischen Versicherung den Schaden ausgeglichen zu bekommen.

Auch ein kleiner Blechschaden ist ein Unfall

Sage ich, dass ich keinen Schaden am Auto habe, gilt das nicht. Denn das ist dann im Beamtendeutsch kein Unfall. Mir war nicht klar, dass man so kleine Schäden mit einem Verkehrsunfall gleichsetzt. Aber so ist es. Die netten Beamten klärten mich darüber auf.

Ich überlegte also und es war mir dem jungen Mann gegenüber, der den Schaden verursacht hat, doch sehr unangenehm. Hieße das doch, dass ich, wenn ich den Schaden geltend machen will, ihn als Unfallverursacher anzeige. Nicht zuletzt spielte auch die „Fahrerflucht“ rein. Es half aber alles nichts…! Ich teilte den Polizisten final mit, dass ich den Vorgang definitiv als Verkehrsunfall zur Anzeige bringen möchte. Anders würde ich – wie gesagt – nicht an die Schadenübernahme der gegnerischen Versicherung kommen.

Klar, man hätte sich auch privat untereinander einigen können. Der Verursacher bot das auch immer wieder im Vorfeld an. Doch ich hatte – wahrscheinlich doch etwas zu voreilig – die Polizei gerufen. Nun ist der Schaden ein offiziell registrierter Vorgang. Sprich: der Mann kommt um eine Anzeige wegen Fahrerflucht nicht herum.

Und ich habe dadurch nun die Möglichkeit, ein Gutachten zu dem Schaden in Auftrag zu geben.

Gutachten muss klären, wie hoch der Schaden ist

Dieses Gutachten wird dann klären, ob es ein hoher Schaden ist oder sich das Ganze doch eher im Peanuts-Bereich bewegt.

Dieses Erlebnis hat mich wieder einmal was Neues gelehrt. Nämlich, dass ein simpler Blechschaden tatsächlich mit einem Verkehrsunfall (bei dem man ja eher Tote oder Verletzte vor seinem geistigen Auge hat) gleichgesetzt wird.

Nun muss ich abwarten, was passiert. Es wird noch eine Ladung von der Polizei und einige Telefonate mit der gegnerischen Versicherung geben.

Und für den Verursacher ein Strafverfahren und womöglich noch Punkte in Flensburg. Er ist von Beruf Lastkraftwagenfahrer.

Verursacher wird sich wegen Fahrerflucht verantworten müssen

Hätte er sich an der Rezeption gemeldet und mich aufrufen lassen, um mir zu sagen, dass er an meine rückwärtige Stoßstande gefahren ist, hätte wohl einer privaten Einigung nichts im Wege gestanden.

Nun droht dem Verursacher die Justiz-Keule und ein Verfahren wegen Fahrerflucht.

Das Leben kann manchmal tatsächlich bitter und gemein sein! Insofern: lieber gleich Farbe bekennen, wenn man ein anderes Auto angefahren hat. Oder die Polizei erstmal aus dem Spiel lassen und sich untereinander einigen. Letzteres geht an meine Adresse…Insofern weiß ich nur eines: Beim nächsten Mal bin ich schlauer und mache nicht gleich so eine Riesenwelle!

Mehr zum Thema Autofahren bei uns auch hier.

 

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Einstiges Kinderzimmer zum Gästezimmer ausbauen

Vom „Hotel Mama“ zum individuellen Bed & Breakfast für Reisende – so könnte man wohl die Umnutzung einstiger Kinderzimmer bezeichnen! Die nun – nachdem der Nachwuchs aus dem Haus ist – von den Müttern einem neuen Zweck zugeführt werden.

Es gibt nämlich eine Menge Frauen, die hieraus kurzerhand schöne Gästezimmer gestalten und Fremden fern der Heimat ein ansprechendes Zuhause auf Zeit bieten.

Einige davon hat kürzlich die BILD der FRAU in ihrer Ausgabe vom 24. Mai 2019 porträtiert.

Kinder aus dem Haus – Reisende ins umgestaltete Kinderzimmer rein!

Einmal mehr zeigt sich in dieser Reportage, dass es Frauen spielend gelingt, in einer neuen Situation das Praktische mit dem Nützlichen zu verbinden. Sprich: den frei gewordenen Wohnraum für eine zusätzliche Geldquelle zu nutzen. So hat es zum Beispiel die 59jährige Petra aus Schleswig-Holstein gemacht. Als die vier Kinder aus dem Haus waren, funktionierte sie die einstigen Kinder- und Jugenddomizile kurzerhand zu Gästezimmern um und betreibt nun die Pension „Mom`s Bed & Breakfast“.

Als Mama von vier Kindern sind Leidenschaft und Herz natürlich auch dabei, wenn es darum geht, Gäste zu empfangen und zu bewirten. Bei Petra geht so mancher Fremde als Freund und darf sich während seines Aufenthaltes über regionale Leckereien aus „Mom`s“ Garten freuen. Die Gäste honorieren diese nordische Gastfreundschaft und sorgen dafür, dass in dem alten Bauernhaus auch nach dem Auszug der Kinder Leben in der Bude ist.

Das gilt auch für das Domizil der 71jährigen Margarethe aus Hamburg, die ihre stilvolle Altbauwohnung so umgeändert hat, dass drei Gästezimmer entstehen konnten. Mitten im quirligen Hamburg finden hier Fremde jedweder Couleur ein Zuhause auf Zeit und bereichern mit ihrer Art das Leben der rüstigen Powerfrau. Die lernt durch ihr Bed & Breakfast Fremdsprachen fast nebenbei und beherbergte schon Gäste aus über 30 Ländern! Vor allem Musiker lieben das bürgerliche Ambiente unter Stuck, das sie bei Margarethe erwartet. Viele Gäste, die in dieser Jugendstil-Atmosphäre auf Zeit logieren, wurden mit der Zeit zu einer Art Ersatzfamilie für Margarethe, die von ihren Gästen sogar auf Hochzeiten oder Geburtstage eingeladen wird.

Auszug des Nachwuchses kann Alltag neue Richtung geben

Diese schönen Beispiele – in der BILD der Frau wurden noch viele mehr vorgestellt – zeigen, dass der Lebensabschnitt von Frauen, der mit dem Auszug der Kinder einhergeht, dem Alltag eine ganz neue Richtung geben kann. Man weiß, dass nicht wenig Mütter damit hadern, wenn sich die Tochter oder der Sohn gen Studienort verabschiedet. Und die eben noch so quirlige Atmosphäre sich umwandelt in ein Ambiente aus Ruhe und Stille.

Wohl dem, der dann nicht auf die frei gewordenen Räumlichkeiten angewiesen ist und daraus ein Zuhause auf Zeit für Reisende schaffen kann. Zumal in Zeiten von booking.com, airbnb & Co., in denen der Großteil der Leute online bucht und das Generieren von Buchungen für Vermieter nahezu zum Kinderspiel geworden ist. Private Domizile dieser Art, wie die erwähnten Frauen sie  geschaffen haben, erfreuen sich außerdem großer Beliebtheit. Denn auch wenn heutzutage Flüge, Unterkünfte und Mietwagen häufig digital und anonym im Internet gebucht werden, so stehen doch individuelle Unterkünfte mit persönlicher Note ganz oben auf der Wunschliste von (Geschäfts)Reisenden.

Private Tipps, die eine oder andere persönliche Umsorgung mehr und ein Gästebett in einem harmonisch-familiären Umfeld, fernab anonymer Hotelketten: Das ist es, was ganz viele Reisende wollen und was wohl auch zukünftig stets gefragt sein wird. Mögen Algorithmen & Co. das Leben immer mehr bestimmen – es geht nichts über eine warmherzig-persönliche Note im Zuhause auf Zeit in der Fremde! Urlauber, Geschäftsreisende und Städte-Hopper wissen und lieben das.

Und deshalb wird es auch in nächster Zeit für viele Mütter, die ein großzügiges Heim ihr Eigen nennen, heißen: „Nachwuchs raus, Reisende rein!“

Bildnachweis: pexels.com

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Zwei Anwältinnen

Sich als Frau in einer männerdominierten Branche zu behaupten – das ist den beiden Frauen Thirza Höfer und Katja Haug gelungen. Die beiden engagierten Juristinnen führen eine Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig. Spannend sind die verschiedenen Lebensläufe der beiden. Hat doch die eine noch die DDR erlebt, während die andere im Raum Stuttgart aufwuchs. Das Unternehmen, das sie heute führen, gibt es schon eine ganze Weile und hier lernten sich die beiden Frauen auch kennen. Neben den beruflichen Gemeinsamkeiten verbindet sie auch die Rolle als Mutter. Denn sowohl Thirza Höfer als auch Katja Haug haben eine Familie gegründet.

Im Gespräch erzählen sie, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht haben und berichten aus ihrem Alltag, den vor allem männliche Zeitgenossen prägen.

FB: Frau Haug, Frau Höfer, Sie sind beide Anfang vierzig, studierte Juristinnen, und Sie führen seit fünf Jahren miteinander ein Unternehmen in Leipzig. Was machen Sie da genau?

TH: Wir sind Dienstleister für mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Idee ist eine Paketlösung, die einfach alles enthält, was irgendwie mit Geld, Recht, Verwaltung und Steuern zu tun hat. Unsere Klienten sparen dadurch enorm Zeit und Kosten. Sie müssen nicht mehr, je nach Situation und Anliegen, immer neue Berater suchen, die sich dann erst mit viel Aufwand in ihre Verhältnisse hineinfragen müssen. Diese Hintergründe kennen wir alle schon. Das macht alles wesentlich effektiver.

Hohes Beratungspotenzial muss vorgehalten werden

Allerdings müssen wir eine Menge Beratungspotential vorhalten, um auf ganz verschiedenen Gebieten glaubwürdig kompetent zu sein. Finanzbuchhaltung zum Beispiel ist ein völlig anderes Thema als Forderungseinzug. Und Personalmanagement oder Geldbeschaffung stehen ebenfalls auf ganz anderen Blättern. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen dieser Themenvielfalt aber gewachsen sein, auch wenn sie keine eigene Rechtsabteilung oder sonstige Kompetenzpools ihrer Betriebe hinter sich stehen haben.

FB: Sie beide sind ursprünglich gelernte Rechtsanwältinnen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

KH: Stimmt. Ich stamme aus Neubrandenburg, bin später in der Nähe von Jena aufgewachsen und habe damit noch einige, vielleicht prägende Erinnerungen an die DDR. Thirza kommt dagegen aus dem Stuttgarter Raum und damit aus einer ganz anderen Himmelsrichtung. Thirza hat ihre ersten Berufserfahrungen in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferkanzlei gesammelt. Meine eigene Entwicklung verlief nicht so gradlinig. Ich war erst Rechtsanwältin, und dann eine Zeitlang Geschäftsführerin von Fondsgesellschaften. Dadurch kenne ich mich auf dem Kapitalmarkt gut aus. Als sich unsere gemeinsame Geschäftsidee abzeichnete, war ich noch im Vorstand einer Aktiengesellschaft, die Popmusik produziert.

Von der Welt des Glamours in eine bodenständige Branche

Die Welt der Stars und der Prominenz, der Galas und der Preisverleihungen war zugegeben aufregend, und ich bin heute noch meinem großen Mentor aus dieser Szene dankbar, dass er mich damals diesen Job hat machen lassen. Dann aber wurde ich Mutter, und damit verstärkte sich das Bedürfnis nach Bodenständigerem. Daraus wurde die Haug & Höfer Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das klingt nüchtern und bodenständig, und das soll es auch sein.

FB: Ein paar Jahre fehlen aber in Ihrer Schilderung.

TH: Wir sind kein Start Up. Gegründet wurde unser Unternehmen schon 1991, damals natürlich nicht von uns. Katja und ich gingen 1991 schließlich noch in die Schule. Wir haben uns erst 2008 dort kennengelernt. Ich selbst stand damals gerade vor meinem Steuerberaterexamen, und die Kanzlei durchlief in dieser Zeit einige Veränderungsprozesse. Es waren neue Ideen und Begriffe aufgetaucht, von denen Katja und ich bis dahin eigentlich noch gar nichts gehört hatten. Beispielsweise Mediation oder systemische Unternehmensberatung. Darüber gab es damals sehr gespaltene Meinungen. Etliche Kollegen hielten dies für neumodisches Affentheater und gingen. Dies waren hauptsächlich Männer. Dabei ging es eigentlich nur um eine einzige Frage, die sich jedes Dienstleistungsunternehmen unablässig stellen muss: Wie kann ich meinen Kundinnen und Kunden noch nützlicher sein? Vor dieser Frage drückt man sich gern, weil sich für die Antwort immerzu etwas verändern muss.

Richtige Entscheidungen führten zu Umsatzplus

Katja und ich haben darin den richtigen Weg gesehen, und im Ergebnis spülte es uns nach vorn. Wir haben noch andere Unternehmen dazugekauft, um unser Beratungsportfolio abzurunden und neue Gruppen von Klienten dazuzugewinnen. Seit 2015 führen wir die Geschäfte und halten auch die Mehrheit der Anteile. Die Umsätze haben sich seitdem verdreifacht. Falsch war es offenbar nicht.

FB: Das hört sich nach Frauenpower an. 

KH: Auf den ersten Blick mag es danach aussehen. Hinter allen Zimmertüren unseres Büros sitzt tatsächlich nur noch ein einziger Mann. Forciert haben wir das aber keineswegs. Dass es so gekommen ist, war eher Zufall.

TH: Vielleicht ist es einfach so, dass sich Männer unter einer weiblichen Geschäftsführung unwohl fühlen. Dies ist aber nur eine Vermutung, ich weiß es nicht, und ich habe bislang auch über diese Frage überhaupt nicht nachgedacht. Von unserer Seite hätten wir nichts dagegen, wenn mehr Männer bei uns mitmachen würden.

FB: Sie sind beide Mütter. Deshalb kommt jetzt die unvermeidliche Frage, wie Sie Ihren Beruf mit dieser Rolle in Einklang gebracht haben.

KH: Mittlerweile habe ich zwei Kinder, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dies immer reibungslos geklappt hätte. Organisationstalent ist in dieser Hinsicht schon gefragt. Wenn die Kinder allmählich größer werden, löst sich diese Doppelbelastung nach und nach auf. Es gab bis dahin aber viele Situationen, in denen ich mich gefragt habe, wie es Frauen in normalen Anstellungsverhältnissen gelingt, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. 

TH: Genau. Unser Vorteil ist, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes zu den freien Berufen zählen. Darunter fällt auch die Freiheit, eine Lösung zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Als meine Tochter im Säuglingsalter war, habe ich sie einfach ins Büro mitgenommen, schon wenige Tage nach der Geburt.

Das Kinderbett stand im Arbeitszimmer

Mich hat es nicht gestört, dass in meinem Arbeitszimmer ein Kinderbett stand, und etwa für Besprechungen mit Klienten haben wir eigene Räume, bis zu denen die unvermeidlichen Kindergeräusche nicht vordringen können. Ein Patentrezept für andere Frauen kann dies natürlich nicht sein, aber es wäre wünschenswert, wenn sich Arbeitgeber durchringen könnten, Frauen ähnliche Freiheiten zuzugestehen, wie ich sie in dieser Situation hatte: einfach improvisieren und ausprobieren lassen.

KH: Ach, das wird nicht gehen! Das Arbeitsrecht ist für legere Lösungen viel zu starr. Arbeitsschutz und Mutterschutz sind gut gemeinte rechtliche Anliegen, verhindern aber Improvisation und Einfallsreichtum. Die meisten Arbeitgeber befürchten viel zu sehr, womöglich ein Dutzend Rechtsverstöße zu begehen, wenn sie solche Freiheiten von Fall zu Fall zugestehen würden, und dies nicht ohne Grund. Mir fallen gleich ein paar Gesetze ein, mit denen man hierdurch in Konflikt kommen könnte. 

TH (nickt zustimmend): Sehr wahrscheinlich. Aber genau das ist unser Produkt: Wir lassen uns dazu eine Lösung einfallen, die funktioniert. Und das ist auch das Reizvolle an unserem Beruf, kreativ sein, gestalten, sich etwas ausdenken und Starres überwinden. Dies mag vielleicht nach typisch weiblicher Herangehensweise klingen, aber mir macht das jeden Tag aufs Neue Spaß.

FB: Sind Ihre Klienten eigentlich überwiegend Frauen oder Männer?

TH: Männer natürlich. Die Mehrzahl der Unternehmer ist männlich. Nach wie vor.

FB: Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?

KH: Als Klienten? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie den Kopf zerbrochen. Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es gibt sehr respektvolle Männer, die gute Leistung zu schätzen wissen und einen nicht in erster Linie als Frau sehen. Männer verlieren sogar eher mal ein Wort der Anerkennung, wenn etwas gut gelaufen ist, als Frauen.

Männer tun sich mit Anerkennung gegenüber Frauen offenbar nicht schwer

Vielleicht spricht sich so etwas für Männer gegenüber einer Frau auch leichter aus als gegenüber einem Mann.

FB: Was halten Sie von Frauenquoten?

TH: Nichts. Überhaupt nichts. Ich will für meine Leistung und für meine Kompetenz geachtet werden, aber nicht dafür, dass ich eine Frau bin und trotzdem etwas kann. Frauen in bestimmte Positionen zu hieven, nur weil sie Frauen sind, ist kein fairer Wettbewerb. In einem fairen Wettbewerb darf es ausschließlich um Können und um Leistung gehen, aber nicht um das Geschlecht. Es ist so wie beim Sportunterricht, wo der schlechtere Läufer manchmal Vorsprung bekommt. Es ist kein gutes Gefühl, mit Vorsprung starten zu dürfen, weil man von vornherein als der schlechtere Läufer gilt. Genau das finde ich diskriminierend.

KH: Gut gemeint ist und bleibt das Gegenteil von gut gemacht.

FB: Kann man sagen, Sie tummeln sich überwiegend in einer Männergesellschaft?

KH: In gewisser Weise schon. Man muss halt ihre Regeln kennen, dann klappt das auch. Diese Regeln sind am Anfang nicht ganz einleuchtend, aber man kann sie lernen. Ich habe mir beispielsweise früher nie Gedanken gemacht, was für ein Auto ich fahre, wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin. Wenn einen der männliche Klient in einem typischen niedlichen Frauenauto vorfahren sieht, fühlt er sich unwillkürlich überlegen und lässt sich nichts sagen.

Status-Symbole für Männer wichtig

Bei Zwanzig-Zoll-Felgen klappt die Zusammenarbeit aber plötzlich ganz gut. Männer denken in Statuskategorien und stellen unentwegt heimliche Vergleiche an, wer die tollere Uhr oder das bessere Smartphone hat. Da muss man halt mitziehen.

FB: Woher nehmen Sie denn solche Weisheiten?

TH (lacht): Von unseren Männern natürlich. Die haben uns das verraten.

FB: Ja, dann – vielen Dank für das Gespräch.  

Informationen zu Haug & Höfer finden Sie hier.

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Die meisten Leute, die beruflich an einem Schreibtisch arbeiten, dürften es kennen: das Phänomen, dass sich nach einem gründlichen Aufräumen des Schreibtisches nur wenige Tage später erneut Chaos am Arbeitsplatz breit macht. Auch ich, die ich im Home-Office arbeite, kann ein Lied davon singen. Bedingt dadurch, dass ich als „Familienmanagerin“ auch den Schriftverkehr von Mann und Kind manage, landet irgendwie alles auf dem Schreibtisch im heimischen Büro. 

Räume ich auf und sortiere ich ab, kann ich schon darauf warten, dass nur kurze Zeit später mein Schreibtisch vor lauter kreuz und quer liegenden Unterlagen wieder kaum mehr zu sehen ist. 

Ablage-Chaos durch eintrudelnden Papierkram – geht bei der Familienmanagerin gar nicht! 

Das kommt auch davon, dass ich vieles, was am Nachmittag eintrudelt (die Post kommt bei uns erst gegen 14.00 Uhr) oder sich erst im Laufe des Tages ergibt, erstmal auf meinen Schreibtisch lege, weil nachmittags Familienzeit ist. Stromrechnungen, Abrechnungen für`s Schulessen, Tankquittungen und Belege vom Einkauf für`s Geschäft – alles landet zunächst im Home-Office. Bei mir, der Familienmanagerin.

Meist nehme ich mir dann für den nächsten Tag vor, alles zu sortieren, aber wenn Aufträge drängen oder/und Kundentermine anstehen, verschiebe ich das. An einer leichten Aufschieberitis leide ich nämlich definitiv!

Da mich aber der sich stets wieder einstellende Chaos-Zustand auf meinem Schreibtisch mehr und mehr nervt, werde ich jetzt Nägel mit Köpfen machen und Struktur in mein Arbeitsumfeld bringen. Es ist nicht so, dass ich diese nicht habe, immerhin habe ich für jedes berufliche und private Thema einen Ordner, aber ehe diese Papiere dort landen, verursachen sie vermeidbares Chaos an meinem Arbeitsplatz. 

Ordnungscoaches kennen das….! 

So manchen Morgen muss ich mich erstmal zu meinem Kalender vortasten, weil darüber unzählige Papiere liegen, die ich am Abend zuvor dort abgelegt habe. 

Um mich zu motivieren, las ich mir noch einmal den Artikel über die Ordnungscoaches durch, den ich sogar selbst produziert habe. Ich habe auch mit all` diesen Expertinnen persönlich gesprochen und wie ein roter Faden zog sich eine bestimmte Aussage durch diese Gespräche. Nämlich die Aussage, dass man, wenn man denn Struktur schaffen will – ganz gleich, ob im Keller oder auf dem Schreibtisch – einfach loslegen und nichts aufschieben sollte. Wie gesagt: an letzterem hapert es bei mir so manches Mal….! 

Um das zu ändern, habe ich mich zunächst durch`s Internet geklickt, um mich zu motivieren. Und siehe da: mein Problem haben viele andere Frauen auch! Und genau so viele Frauen haben auch superordentliche und strukturierte Schreibtische, die gezeigten Fotos sprechen immerhin für sich. 

So motiviert stöberte ich weiter im Web, um mich mit kleinen Ordnungshelfern einzudecken, denn meine Vorgehensweise stand fest. Ich würde keine großartige „Alles-verändern“-Aktion starten, sondern einfach mein Ablagesystem verändern. Oder besser gesagt: erst mal eines schaffen. Denn bislang war meine Ablage – leider – der gesamte Schreibtisch. 

Auf einfache Weise Struktur in die Ablage bringen

Fündig wird man im Netz schnell, was die kleinen Helferlein betrifft und so brauchte es auch gar nicht viel, um mir eine gute Struktur zu schaffen. Da das eingangs erwähnte Chaos nur meinen Schreibtisch und nichts anderes betraf, herrscht dort jetzt Ordnung. Und das auf ganz einfache Art und Weise. Ich habe für jedes Thema (von der Rechnung bis zum Info-Brief von der Schule meines Kindes) jetzt eine eigene Ablage. Dort hinein kommt das jeweilige Dokument und dort bleibt es auch, bis ich es endgültig im jeweiligen Ordner abhefte. Eine – zugegeben – sehr simple Maßnahme, doch sie hilft. Und bedeutet nur einen minimalen Zeitaufwand mehr. Statt – wie früher – alles auf den Schreibtisch zu knallen, nehme ich mir jetzt die halbe Minute mehr und lege die Papiere in die jeweils dafür vorgesehenen Ablagen ab. Ganz simpel, das Ganze. Man muss nur einen überwinden: den inneren Schweinehund!  

Bildnachweis: pixabay.com

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein Thema, das als „Neverending Story“ durch die Medien kreist. Familienverbände, Politiker, Initiativen und Aktivistinnen beschäftigen sich damit und kommen bislang leider immer wieder zu dem Fazit, dass diese Vereinbarkeit für den Großteil der Frauen und Männer, die sie leben wollen, schlichtweg nicht existiert. Natürlich – nicht wenige Unternehmen bieten diverse Optionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Familie und Beruf in einen ausgewogenen Einklang bringen wollen, an.

Aber noch immer sind das Ausnahmen, über die sich nur ein Bruchteil berufstätiger Mütter und Väter freuen kann. Umso interessanter ist es, von Frauen, die in diesem Zusammenhang selbst aktiv werden und in Eigeninitiative ihre Vereinbarkeit schaffen, zu erfahren. Juliane Derra (Bild) ist so eine Frau.

Im Interview erzählt sie uns die 32jährige, wie sie schon heute die Vereinbarkeit schafft, die ihr auch später als Mutter zugute kommen soll.

FB: Frau Derra, was machen Sie derzeit beruflich?

Aktuell arbeite ich als Merchandise Plannerin in einem deutschen Einzelhandelsunternehmen. Zusammen mit meinem Team sorge ich kurz gesagt jeden Tag dafür, dass die richtige Menge der Ware zum richtigen Preis und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Ich genieße die Mischung aus dem Kontakt mit den Filialen, dem Einkauf und anderen internen Abteilungen, aber auch die Kopfarbeit, wenn es um die Analyse in Excel geht.

Vereinbarkeit: Konflikt zwischen Familienzeit und Geldverdienen ist präsent

FB: Wann kam Ihnen der Gedanke, sich jobtechnisch so zu orientieren, dass die Vereinbarkeit Familie und Beruf besser gewährleistet ist?

In den letzten Jahren haben viele meiner Freunde eine Familie gegründet und was mir besonders aufgefallen ist, war der Konflikt zwischen den Themen Zeit für die Familie und auf der anderen Seite des Geldverdienens. Viele Freundinnen haben mir sogar unter vorgehaltener Hand verraten, dass sie es vermissen, ihr eigenes Geld auszugeben. Eigenes Geld zu verdienen und somit unabhängiger zu sein, gibt anscheinend schon ein gutes Gefühl.

FB: Für welche Möglichkeit haben Sie sich dann entschieden?

Ich habe mich für den Aufbau meines eigenen Network Marketing Geschäfts entschieden. Dabei arbeite ich mit einem Partnerunternehmen aus Deutschland zusammen, dessen Produkte – auch made in Germany – ich selbst schon seit Jahren selbst nutze.

FB: Was ist Network Marketing und was genau ist dann Ihre Aufgabe bzw. die Ihrer Geschäftspartner?

Network Marketing ist eine Sonderform des Direktvertriebs und entstand in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als einige Unternehmen sich entschlossen, ihre in der Regel hochwertigen und erklärungsbedürftigen Produkte nicht mehr über den bekannten Handelsweg zu vermarkten, sondern über Empfehlungen zufriedener Kunden und Geschäftspartner. So sparten die Unternehmen Kosten für Werbung und konnten ihre Partner entsprechend gut belohnen. Heute werden viele Produkte und Dienstleistungen über das bewährte Geschäftskonzept Network Marketing an den Kunden gebracht. Etwa 70% der haupt- und nebenberuflichen Geschäftspartner sind Frauen, die ihre Stärken in dieses Geschäft einbringen und neben den finanziellen Aspekten für ihre Arbeit Anerkennung erfahren, von Zuhause und bei freier Zeiteinteilung arbeiten können, Spaß haben und sich in viele Richtungen weiterentwickeln können.

Die Aufgabe besteht darin, Produkte, die Frau selbst nutzt und mit denen sie zufrieden ist, weiterzuempfehlen. Das schließt den Verkauf und damit den Erlös einer Handelsspanne ein sowie den Aufbau eines eigenen Teams und dessen Ausbildung ein. 

Mütter können als Organisationstalent in Sachen Vereinbarkeit viel erreichen

FB: Sie halten diese berufliche Orientierung vor allem für Mütter ideal. Warum?

Mütter sind Organisationstalente und absolute Netzwerker. Sie helfen sich gegenseitig und tauschen ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste aus. In der Regel sind auch die Frauen die treibende Kraft beim Thema gesunde Lebensweise, was gerade unser Geschäft begünstigt, da wir persönliche und finanzielle Freiheit mit einer gesunden Lebensweise kombinieren.

FB: Was raten Sie Müttern, die in ihrem jetzigen Job keine Vereinbarkeit gewährleistet sehen?

Ich denke immer wieder, dass es sich lohnt über den Tellerrand hinaus zu schauen. Welche Möglichkeiten gibt es noch? Mütter managen einen Großteil der familiären Angelegenheiten und sind Dreh- und Angelpunkt für jegliche Belange. Mit diesem Können sollten sie selbstbewusst umgehen. Warum nicht mit dieser Energie ihr eigenes Business aufbauen? Nicht umsonst sind es zum größten Teil Frauen, die im Network Marketing sehr erfolgreich sind.

FB: Haben Sie selbst vor, Familie zu gründen?

Ja, in meiner Lebensplanung ist das Thema Familie elementar wichtig.

Internetseite für Frauen, die Vereinbarkeit leben wollen, wurde gestartet

FB: Wohin können sich Frauen wenden, die den Weg, den Sie für sich ausgewählt haben, ebenfalls gehen bzw. mehr Informationen haben wollen?

Zusammen mit zwei Müttern habe ich eine Internetseite ins Leben gerufen, welche unsere Kernthemen kurz zusammenfasst und auch eine Kontaktmöglichkeit bietet. An alle Frauen oder Muttis da draußen: Wir freuen uns auf euch!

FB: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den Großteil meines Tages bestimmt natürlich mein Hauptjob. Abends habe ich mir angewöhnt mit Interessenten und Geschäftspartnerinnen zu telefonieren sowie Erfahrungen weiterzugeben. Die Ausbildung läuft überwiegend über die elektronischen Medien, so dass jeder Partner zu einer ihm passenden Zeit aktiv werden kann.

FB: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich bin absolut sportbegeistert und spiele mit Vorliebe Beachvolleyball im Verein. Dieser Sport ist für mich der perfekte Ausgleich: Körperlich rundum auspowern, ganzjähriges Strandfeeling und nicht zu vergessen unsere lustige Mädelstruppe. 

Und natürlich verbringe ich auch gerne ruhigere Stunden mit meinem Freund und meiner Familie. Als Familienmensch zieht es mich alle zwei Monate in die Heimat und da genieße ich jeden Augenblick.

Bildnachweis: Juliane Derra