Wenn es Länder auf der Welt gibt, in die man von heute auf morgen als Frau ohne jegliche Bedenken reisen kann, dann sind das die VAE und Monaco. Zumindest war das bislang so. Und deshalb waren die Vereinigten arabischen Emirate denn auch schon zweimal in meinem Leben mein Urlaubsziel. Der erste Besuch im Jahr 2000 in Dubai fühlte sich schon gigantisch an, weil es eben eine völlig andere Welt ist. Die Wüste, die tolle Skyline, die Malls, die herrliche (wenn auch künstlich angelegte) Botanik, die Sicherheit für Frauen, die rund um die Uhr gewährleistet ist…
Höher, schneller, weiter – das ist in Dubai Programm
Ich genoss den Urlaub damals in vollen Zügen und labte mich ununterbrochen an der kulinarischen Vielfalt. Die meiner Meinung nach viel zu wenig thematisiert wird. Die meisten reden im Zusammenhang mit Dubai oft nur vom shoppen. Doch Chanel & Co. sind weltweit teuer. Für Otto-Normalo-Frauen macht es keinen Unterschied, ob ein Designer-Kostüm, das regulär 6000 Euro kostet, in den VAE vielleicht für 5.500 Euro zu haben ist. Insofern: Shopping war nie meine Intention, in die Vereinigten Arabischen Emirate zu reisen. Sondern einfach die wunderbare Atmosphäre, die schönen Strände, die Sicherheit, das Feeling. Geshoppt habe ich natürlich auch, allerdings in den Souks, wo man vom exotischen Gewürz bis zum eleganten Pashmina-Schal alles bekommt. Das zweite Mail flog ich 2005 hin und erkannte die Stadt kaum wieder. Alles war noch gigantischer, noch aufregender, noch pulsierender, noch abgehobener. Höher, schneller, weiter – das ist in Dubai Programm.
Und weil die Welt sich gerade gefühlt nur zum Schlechten verändert und Reiseziele für Frauen, Mütter und Töchter, doch sehr rar werden, zog ich vor einigen Monaten Dubai erneut in Betracht. Zusammen mit meiner Tochter wollte ich hinfliegen, während der Mann, der `eh keine Hitze verträgt, unsere Haustiere sittet.
Die Stadt verändert sich
Um mich auf dem Laufenden zu halten, trat ich einigen Dubai-Urlaub-Gruppen in Social Media bei und las immer fleißig mit. Mit der Zeit ahnte ich dann schon, dass das Dubai, so wie ich es erlebt habe, nicht mehr existiert.
Statt dessen: Ich las von Touristenmassen, Gedränge vor Sehenswürdigkeiten und festen „Zeit-Slots“ für Highlights. Lange vorab, so war es den Dubai-Gruppen zu entnehmen, mussten Eintrittskarten für Spektakuläres in der Wüstenmetropole gebucht werden, waren spontane Besucher solche Ziele kaum noch möglich. Bedingt durch das bauliche Tempo der Stadt, berichten viele Dubai-Urlauber von lärmenden Baustellen vor Hotels, die das Feriengefühl doch erheblich störten. Und in manchem Super-Hotel mutierte der Service allmählich zur „Touri-Massenabfertigung“.
Als dann noch mein Pubertier, mit dem ich die Reise nach Dubai eigentlich im Herbst antreten wollte, meinte, sie hat auf diesen Ort eigentlich keinen Bock, dachte ich mir: „Gut, Du warst zweimal dort, vielleicht reicht das ja auch“.
Dann – nur wenig später – begann der Angriff auf den Iran, mitsamt den Auswirkungen für Urlauber in den Vereinigten Arabischen Emiraten. Auf einmal sah man von Drohnen lädierte Luxushotels im Fernsehen und bekam mit, dass so manches Gebäude sogar Feuer fing. Das Drama um die Rückkehr deutscher Urlauber aus Dubai und anderen Destinationen bestimmte tagelang die Nachrichtenlage im Land und für mich stand ab dieser Situation fest, dass es keine Reise nach Dubai mehr geben wird.
Dubai – nein, nun nicht mehr!
Zumal auch ich, wie vielleicht manch andere auch, die Sicherheitslage in dieser Region wohl wirklich extrem überschätzt und für sehr, sehr hoch gehalten habe. Klar: Die Vereinigten Arabischen Emirate selbst sind von dem Krieg nicht betroffen, weder werden sie angegriffen, noch betreiben sie militärische Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Iran. Doch die Kollataralschäden reichen schon. Für die dort fest sitzenden Touristen allemal, denn längst fühlt sich für viele dieser Urlauber der Dubai-Trip wie eine Reise in einen Krieg an.
Das zeigt, dass der Nahe Osten eben einfach der Nahe Osten ist: Sicherheit in Dubai hin oder her. Und bekanntlich gibt es nirgends auf dieser Welt tausendprozentige Sicherheit, auch das ist klar.
Doch jeder selbst hat es in der Hand und in seiner Auswahl, wohin er reist. Insofern gilt für mich: Dubai nicht mehr.
Urlaub in Deutschland – oft am schönsten
Stattdessen tut man gut daran, mal wieder mehr vor der eigenen Haustür zu reisen. Sprich: Im eigenen Land. Urlaub in Deutschland boomt seit Corona schon lange wieder und wird durch die Weltlage erneut einen Schub nach vorne erfahren. Warum auch nicht?! Immerhin weiß man, woran man mit allem ist und in Anbetracht dessen, dass ein Menschenleben sowieso nicht ausreicht, um das wunderschöne Deutschland in Gänze zu erkunden, ist Urlaub in der Heimat nicht die schlechteste Idee!
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