Donnerstag, 30. Juni, 2022

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Faszinierend-irritierend: „Fleisch for Life“ – ein Buch, das den Fleischgenuss feiert

Weniger Fleisch essen und mehr Gemüse zu sich nehmen…Vegetarische – oder gar vegane – Tage einlegen, den Fleischkonsum reduzieren…Hoher Fleischgenuss kann zu Krankheiten führen…All das hat sicher jeder schon einmal gehört.

Vor allem in den letzten Jahren ist die Diskussion um Fleisch recht leidenschaftlich aufgeflammt und hat sich die Zahl der Veganer erhöht.

Will man etwas für seinen Körper tun und abnehmen (was zumeist gar nicht so einfach ist) bzw. gesünder leben, ist stets das Gemüse ein Thema, niemals das Fleisch.

Der Autor von „Fleisch for Life“ feiert das tierische Nahrungsmittel

Dass das vielleicht ja weder schädlich für die Gesundheit ist, noch einen negativen Einfluss auf die Gewichtsreduktion hat, hört man selten bis gar nicht. Umso spannender ist es, dass mit dem Autor Paul Saladino (im Bild oben) ein Typ im Diskurs erscheint, der genau das Gegenteil aufzeigen will.

Und rundheraus erklären will:

„Warum vegan krank macht und Fleisch uns heilt“.

In seinem Buch „Fleisch for Life“ hat er seine Thesen niedergeschrieben. Und das auf eine faszinierend-irritierende Art.

Faszinierend deshalb, weil Paul Saladino ganz klar dem Fleisch als Lebensmittel deshalb den Vorzug gibt, weil er der Meinung ist, dass Mensch und Tier eine Art gleiches „Betriebssystem“ haben und deshalb der Fleischgenuss dem menschlichen Körper guttut.  Saladino kommt in seinem Buch relativ schnell zum Punkt und sagt schon in der Einleitung,
dass es ihm ein Anliegen ist, seine Leserschaft davon zu überzeugen, dass tierische Lebensmittel besser und pflanzliche Lebensmittel suboptimal sind. Letztere Aussage ist es denn auch, die irritierend wirkt.

Löst eine pflanzliche Ernährung Entzündungen im Körper aus?

Denn im Gegensatz zum Fleisch bezeichnet der Verfechter der tierischen Lebensmittel die meisten essbaren Pflanzen, die im Großen und Ganzen gerne verzehrt werden, als potentielle Auslöser für Entzündungen im Körper, die in chronische Krankheiten münden können.

Fleisch hingegen – so der Tenor des Autors (im Bild) – verschafft (neue) Energie, sorgt für erholsamen Schlaf und gute Werte bei so wichtigen Organen wie der Leber oder den Nieren. Selbst eine eigene Autoimmunkrankheit – Neurodermitis – kann Paul Saladino in Schach halten, seit er nur noch Fleisch isst.

An diesem Punkt ist man verwirrt, weil doch bislang die gängige Formel für einen gesunden Lebensstil noch immer mit „viel Obst und Gemüse, wenig Fleisch“ angegeben wird.

Es liest sich jedoch extrem spannend, warum Saladino eine Lanze für den Fleischkonsum bricht. Er geht weit, weit zurück in die Anfänge der Menschheit, in die Zeit der Jäger und Sammler.

Unsere Vorfahren sollen Pflanzen nur als Notnahrung angesehen haben

Und schreibt hierüber sehr Einleuchtendes: Nämlich, dass die Hauptnahrung der Menschen damals eben das von Tieren erbeutete Fleisch war und sogenannte Zivilisationskrankheiten wie Diabetes oder Demenz kein Thema. Zudem stellt er die These auf, dass Pflanzen zu Zeiten unserer Vorfahren eher als Notnahrung, denn als weitere Hauptnahrungsquelle fungierten.

Vor allem in Sachen Energie- und Nährstoffgehalt setzten die Altvorderen Saladinos Meinung nach auf Fleisch, Grünzeugs rangierte unter „ferner liefen“.

Heute wird die Ernährung bekanntlich anders erzählt, werden Gemüse und Obst als Energie- und Nährstoff-Lieferant gepriesen. Und wenn das nun alles ein Irrtum ist?

Der Autor von „Fleisch for Life“ scheint sich da recht sicher zu sein. Und fokussiert auf die Pflanzenwelt dergestalt, dass er sagt, dass die Pflanzen von jeher darauf bedacht waren, sich davor zu schützen, zerstört zu werden und hierfür eigens eine Art chemischer Schadstoffe entwickelt haben, die letztlich auch uns – den Menschen – schaden, wenn wir uns denn der pflanzlichen Ernährung hingeben.

Streckenweise taucht man in dem Buch in die Welt der Chemie ein

Um das darzustellen macht Saladino in seinem Buch einen Schlenker in die Welt der Chemie, was streckenweise etwas überfordernd wirkt. Dennoch gelingt es ihm immer wieder, seine Thesen spannend und interessant aufzubereiten.

Man erfährt einiges über Toxine, Oxalate und Pestizide, die sich die Pflanzen im Laufe der Jahrmillionen als funktionstüchtige „Abwehrwaffe“ aufgebaut haben und die ungesund – und sogar gefährlich – für jene sein sollen, die auf eine vegane oder vegetarische Ernährung setzen.

Fassungslos muss man lesen, dass Lebensmittel wie zum Beispiel Grünkohl oder Spinat eine Menge Pflanzengift in sich haben und für die gesunde Ernährung alles andere als zuträglich sein sollen. Ebenso geschockt wird sein, wer gerne Rosenkohl oder Blumenkohl isst, denn auch diese Gemüsearten können vor Paul Saladino im Hinblick auf eine gute Ernährung nicht punkten.

Fleisch als Superfood?

Im Gegenteil: So manches „Grünzeug“, das landläufig bisher als supergesund angesehen wird, wird im Buch im Zusammenhang mit bekannten Zivilisationskrankheiten thematisiert.

Tierische Lebensmittel hingegen (der Autor setzt logischerweise voraus, dass sich, wer viel Fleisch isst, mit qualitativ hochwertigem Fleisch eindeckt) bezeichnet Saladino als „Superfood“. Weil es mit wesentlich besseren Mineralstoffquellen daherkommt sowie eine bessere Versorgung des menschlichen Körpers mit Vitamin B, fettlöslichen Vitaminen, Omega-3-Fettsäuren und Proteinen gewährleistet.

Spannende Ansätze, die sich angenehm interessant „weg lesen“, so dass das Werk in keiner Minute langweilig wird.

Die Quintessenz des Buches jedoch in den Alltag zu transferieren dürfte schwer sein. Von heute auf morgen keine Kartoffeln mehr, keinen Rosenkohlauflauf und knackigen  Blumenkohl? Dass diese pflanzlichen Nahrungsmittel am Ende sogar schädlich sein könnten, fällt schwer zu glauben, obgleich der Experte keinesfalls wie ein Scharlatan rüberkommt.

Und nun? Mehr Fleisch!

Wie man nach der Lektüre des Buches die eigene Ernährung gestaltet, bleibt freilich eine individuelle Entscheidung.

Kaum einer wird sich nun für den Rest seines Lebens ganz und gar von leckerem Gemüse lossagen. Aber den Fleischkonsum mit gutem Fleisch etwas zu erhöhen und dabei – wenn auch die Qualität der weiteren Nahrungsmittel stimmt – kein schlechtes Gewissen (mehr) zu haben: Diese für viele Menschen erleichternde Erkenntnis vermittelt das Buch auf jeden Fall!

 „Fleisch for Life“ – Paul Saladino, erschienen bei millemari.

Bildnachweise: millemari. und pexels.com / Valeria Boltneva

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