Dienstag, 1. Dezember, 2020

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Statt Löwendeal: Wie zwei Start-up-Frauen in die „Hölle des Löwen“ gerieten

Ein tolles Produkt vor Millionen von Fernsehzuschauern vorstellen – diesen Traum träumen viele Leute, die ein Start-up gegründet haben. Der Run auf die Gründershow „Die Höhle des Löwen“ ist deshalb groß. Alle wollen den Löwendeal! Oder zumindest kostbare Sendezeit. Denn die Minuten der Ausstrahlung, in denen die Gründer ihr Produkt vorstellen können, sind für junge Unternehmer unbezahlbar (und für ältere meist auch). Oftmals sorgen sie dafür, dass die Bestellungen nach der Sendung in die Höhe gehen – ganz gleich, ob der ersehnte Deal zustande kam oder nicht. Werbung – kostenfreie noch dazu – ist eben alles.

Deshalb ist in der Start-up-Szene ein Auftritt vor Maschmeyer & Co. der Hauptgewinn.

Gründer-Show wurde für Start-up-Frauen zur „Hölle des Löwen“

Den glaubten auch die Gründerinnen Alexandra Vázquez Bea und Annette Rieger aus Hannover, für die die „Höhle der Löwen“ zur „Hölle der Löwen“ wurde. 

Beide Frauen vertreiben außergewöhnliche Lebkuchen. „Lenchen“ heißt das süße Wintergebäck, das nach einem Familienrezept, das einst Oma Lene erfand, gebacken wird. Durch die Löwenhöhle sollte die süße Verführung einem Millionenpublikum bekannt werden und neue Kunden anlocken.

Daraus wurde nichts.

Die Produktionsfirma, die die beiden Gründerinnen bereits zu einem Dreh eingeladen und auch vor Ort bei „Lenchen“ gefilmt hatte, sagte die Präsenz der beiden in der Show aus heiterem Himmel ab. Per E-Mail.

Schock nach Absage war groß

Der Schock war groß, bei Vázquez Bea und Annette Rieger. Nach einem Bericht der Ostsee-Zeitung schrammten die beiden engagierten Frauen knapp an einer geschäftlichen Katastrophe vorbei. 

Das Blatt schreibt:

„Sie geben bei ihrer Partnerbäckerei 35.000 Lebkuchen-Portionen in Auftrag, bauen ihren Online-Shop um, mieten zusätzliche Server. Insgesamt bauen sie Verbindlichkeiten in Höhe von 140.000 Euro auf, um sich auf die Ausstrahlung vorzubereiten. Um ihr schnelles Wachstum zu finanzieren, verkaufen sie sogar Anteile ihres Start-ups an einen Privatinvestor und eine Förderbank.“

Als die schnöde Absage eintrifft, können es beide kaum fassen. Zumal es November war und kaum mehr Zeit blieb, die vorproduzierten Lebkuchen an die Frau oder den Mann zu bringen. Obwohl „Lenchen“ das ganze Jahr über produziert wird, sind doch die Gewohnheiten der meisten Leute so, dass sie Lebkuchen nur in der Winter- und Weihnachtszeit essen.

Ausladung aus Show bescherte Verluste

Logisch, dass die Entscheidung der Show-Macher ein tiefer Einschnitt war und Verluste bescherte.

Die Ostsee-Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 23. Mai 2019 weiter:

„Sie stoppen sofort die Produktion, suchen mit Hochdruck neue Vertriebspartner, aktivieren Freunde und Bekannte, nehmen auch privat Kredite auf. Nachts liegen sie wach, ihre Gedanken kreisen darum, die Insolvenz abzuwenden. Am Ende verkaufen sie rund die Hälfte ihrer Lebkuchen, zu niedrigeren Preisen als kalkuliert – den Rest müssen sie entsorgen. Sie schließen das Jahr nur mit einem Umsatz von 150.000 Euro ab.“

Und heute? Nun – echte Powerfrauen gehen nicht unter. Das weiß man. Und weil die Lebkuchen-Expertinnen nicht aufgaben, sind sie immer noch da. Logisch!

Nun geht es für „Lenchen“ aufwärts

Mittlerweile ist der Schock verdaut und die Auftragsbücher werden praller. Zwar müssen die beiden noch die eine oder andere Rechnung abstottern, aber interessierte Händler fragen mehr und mehr an. Langsam, aber sicher – so scheint es – geht es aufwärts.

Das wäre den beiden Gründerinnen auch von Herzen zu wünschen. Dass es dann auch klappt, ist wahrscheinlich. Denn Vázquez Bea und Annette Rieger profitieren von vielen Umständen. Zum einen werden Lebkuchen (und solche, die nach alter Tradition gebacken werden erst recht) immer gern gegessen und zweitens steigt der Kauf per Internet mehr und mehr an. 

„Lenchen“, so scheint es – wird sich behaupten!

Bildnachweis: picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

 

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