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Von der Bankkauffrau zur Feng Shui-Beraterin in Singapur und Deutschland: Diesen Berufsweg hat Christine Kronshage aus Taunusstein gemeistert. Erfolgreich! Dass sie sich professionell der Feng Shui-Lehre widmet, ist einem Auslandsaufenthalt zu verdanken, der gerade zu dem Zeitpunkt in ihr Leben kam, als sie eigentlich in den alten Beruf zurückkehren wollte. Es kam – wie so oft im Leben – alles anders und heute ist Christine als Feng Shui-Beraterin erfolgreich. Das Rüstzeug dafür hat sie sich in Singapur geholt – der asiatischen Region, in der ohne Feng Shui-Regeln gar nichts geht. Was dort zum Alltag gehört, wird hierzulande teilweise ins Esoterische transportiert oder als Lifestyle abgetan. Über beides kann Feng Shui-Profi Christine nur mit den Kopf schütteln. Im Interview gibt sie spannende Einblicke in die asiatische Harmonielehre und räumt zudem mit einigen Klischees auf, die ihr diesbezüglich immer wieder begegnen. Interessant ist es auch zu lesen, wie die dreifache Mutter in Asien den Grundstein für ihre heutige berufliche Existenz legte.

FB: Christine, was hast Du beruflich gemacht, bevor Du Dich auf Feng Shui fokussiert hast?

In meinem „ersten Leben“ habe ich als Bankkauffrau bei einer großen deutschen Bank gearbeitet. Zunächst in der Kundenberatung, später dann in Projekten zur Prozessoptimierung. Das war soweit auch alles ganz interessant. Bis ich Ende der 90er Jahre ein Schlüsselerlebnis hatte, als ich für diese Bank 15 Monate in Asien arbeitete. Damals kam ich durch die lokalen Kollegen zum ersten Mal mit Feng Shui in Berührung. 

Durch meiner Arbeitskollegen bekam ich kleine Einblicke in die für mich unbekannte Welt der Chinesischen Metaphysik und erfuhr, quasi am eigenen Leib, dass es möglich ist, die Raumenergie zu beeinflussen um meine Ziele schneller und leichter zu erreichen. Und damit war ich infiziert…

Auslandsaufenthalt war Glücksfall

FB: Mit Feng Shui – so sagst Du – begann ein zweites Leben für Dich. Wie kam das? 

Als wir in 2011 als Familie mit drei Kindern nach Singapur umzogen, hatte ich gerade neun Jahre Elternzeit hinter mir. Eigentlich wollte ich zurück in meinen alten Beruf, doch der Auslandsaufenthalt machte mir einen Strich durch die Rechnung. Heute sage ich: Zum Glück! In Singapur ergriff ich die Gelegenheit, als eine der wenigen Ausländer, das faszinierende Thema Feng Shui an der Universität zu studieren. Und stellte fest, dass es riesige Unterschiede gibt zwischen dem, was ich mir vorher in Deutschland aus Büchern angelesen hatte und dem echten, asiatischen Feng Shui. 

FB: Die chinesische Harmonielehre wird in Asien ganz anders angegangen als in Deutschland. Wie muss man sich das vorstellen? 

Die Grundlagen von Feng Shui sind in der Bevölkerung allgemein bekannt. Kaum eine Familie, die in ihrem Haus nicht auf die wichtigen Kompetenten für Gesundheit, Wohlstand und gute Beziehungen achtet. Feng Shui gehört zum Alltag, fließt bereits in die Stadtplanung ein. Schulen, Bürogebäude, Einkaufszentren, Museen und Konzerthallen – in fast allen Gebäude wird auf gutes Feng Shui geachtet. Umgekehrt wird bei Unglücksfällen oder Umsatzeinbußen schnell ein Feng Shui Master zu Rate gezogen, um durch geeignete Maßnahmen die Energie wieder zum Fliessen zu bringen.  

Fernöstliche Lehre machte glücklich

FB: Was hat Dich persönlich an dieser fernöstlichen Lehre so fasziniert? 

Ganz einfach: Sie hat mich glücklicher gemacht. Seit ich nach diesen Regeln lebe und unser Haus so ein- und ausgerichtet habe, bin ich achtsamer geworden, zufriedener, mein Leben verläuft viel häufiger so, wie ich es mir wünsche. Und das finde ich klasse!

FB: Wann hast Du die Entscheidung getroffen, Dich mit Feng Shui selbständig zu machen?

Eigentlich war das gar nicht meine Entscheidung, sondern die meines ersten Lehrers. „Geh raus und sammle Erfahrungen“ sagte er. „Das ist nicht nur gut für Dich, sondern so kannst Du Dein Wissen teilen und anderen helfen.“ Mit seinem Empfehlungsschreiben in der Hand und ziemlich weichen Knien, stand ich dann irgendwann tatsächlich bei der zuständigen Behörde und bat um die Erlaubnis, ein Geschäft als Feng Shui Beraterin anzumelden. Als Deutsche. In Singapur. Und sie wurde erteilt … und damit war ich „die deutsche Asiatin“ und durfte offiziell als Feng Shui Beraterin unterwegs sein. Und andere Menschen glücklicher machen.

Feng Shui funktioniert einfach – kein Glaube daran nötig

FB: Was ist das stärkste Argument für Feng Shui?  

Es funktioniert. Und man muß nicht daran glauben! Wie oft ich bei uns zu Hause testweise Möbel umgestellt oder Bilder ab- und umgehängt habe, lässt sich gar nicht mehr zählen. Meinen Söhnen und meinem Mann habe ich gewöhnlich nicht vorher erklärt, warum ich dies tue, sondern nur aufmerksam zugehört – oder beiläufig nachgefragt – wenn sie dann in den folgenden Tagen von positiven Ereignissen oder Erfolgen berichtet haben.

FB: Wie siehst Du die esoterische Komponente im Zusammenhang mit dieser Harmonielehre? 

Feng Shui hat nichts mit Esoterik zu tun, ist weder mystisch noch spirituell. Es ist wirklich schade, dass Feng Shui hier teilweise belächelt oder als Humbug abgetan wird. Feng Shui sei „nicht mehr modern“ wurde mir neulich in einer Buchhandlung mitgeteilt. Leider werden tatsächlich viele merkwürdige und teils absurde Praktiken und Formeln verbreitet, die auf Aberglauben oder falschen Übersetzungen basieren. Echt bedauerlich. Das klassische, traditionelle Feng Shui, das auch heute noch im modernen Singapur angewandt wird, hat nichts mit Esoterik zu tun. In Asien ist Feng Shui eine anerkannte Wissenschaft, die logisch aufgebaut ist und auf Natur-Beobachtungen beruht. 

Mehr Harmonie wird oft gewünscht – vor allem in Beziehungen

FB: Was wünschen sich Deine Kunden, für die Du Projekte umsetzt und wie gestaltest Du die Herausforderungen der Kundschaft?

Christine Kronshage

Feng Shui-Beraterin Kronshage

Meine Kundinnen wünschen sich mehr Harmonie, Gesundheit und ein liebevolleres Miteinander in ihrer Familie. Manchmal geht es auch um mehr Erfolg im Beruf oder (für ihre Kinder) in der Schule oder im Studium. Aber meist handelt es sich um Beziehungsprobleme.  Gleichzeitig hängt in vielen Köpfen immer noch der Vorbehalt, das sich durch eine Feng Shui Beratung der gesamte Einrichtungsstil ändern müsste. Dem ist nicht so. Die Prinzipien des Feng Shui lassen sich wirklich in jedem Stil umsetzen. Gutes Feng Shui sieht man nicht – aber man spürt es!

Ich beginne immer mit einem Gespräch und finde dabei heraus, was die Kundinnen sich wünschen. Bei der Wohnungsbesichtigung geht es mir zuerst um eine Balance von Yin und Yang. Bereits während ich die Räume mit meinem Kompass vermesse, fallen mir Unregelmäßigkeiten auf, die ich sofort anspreche. Manchmal entfernen wir spontan kleinere Gegenstände oder Bilder und spüren die Energieveränderung! 

Rasche Lösungen, die nicht zu teuer sind, kommen zum Einsatz

Viele Menschen haben Dekorationsobjekte, Lampen, Bilder oder andere Objekte in ihren Wohnungen, die sie überhaupt nicht mögen. Oder die schlicht und einfach am falschen Platz stehen / hängen. Mit solchen „Kleinigkeiten“ beginnt schon ein Prozeß. Mir ist es wichtig, dass meine Lösungen schnell umsetzbar und nicht allzu kostspielig sind. Vor allem in Mietwohnungen ist es oft nicht möglich, „mal eben“ eine Tür zu versetzen. Und auch neue Wandfarbe ist für manche Menschen mit viel Aufwand verbunden. 

FB: Was für Räumlichkeiten lässt Deine Klientel bevorzugt umgestalten und wo liegen bei Neubauten die Prioritäten in Sachen Feng Shui? 

Vielfach wird Feng Shui im gleichen Atemzug mit Innenarchitektur und Raumgestaltung genannt. Dabei geht es aber eigentlich eher um Optimierung der Energie innerhalb von Räumen. Wir spüren, dass es uns nicht gut geht, machen es allerdings nur selten an den Räumen fest. Ich werde nicht direkt zur Umgestaltung gerufen, sondern um Probleme zu lösen. Dafür schaue ich mir die Räume an. 

Eingangsbereich ist am wichtigsten

Aus Feng Shui Sicht ist der Eingangsbereich am wichtigsten, denn – und das wird leider oft vergessen – die gute Energie kommt von draußen ins Haus. Und die Haustür, die täglich mehrfach geöffnet wird, ist nun mal der Zugang der Energie. Daher sollte der Eingang bereits draußen so gestaltet sein, dass Besucher sich willkommen fühlen. Mülltonnen direkt neben der Eingangstür sind daher keine gute Idee. Eine schöne Fußmatte, eine der Jahreszeit entsprechend dekorierte Haustür, eine funktionierende Klingel, eine schöne Lampe, ein gut lesbares Namensschild, bzw. die Hausnummer, vielleicht sogar noch eine oder zwei schöne Kübelpflanzen und eine Bank – so heißt man die Energie willkommen. 

Negative Energien vermeiden

Auch bei Neubauten ist der Eingangsbereich sehr wichtig. Außerdem wird geschaut, dass der Grundriss so gestaltet wird, dass alle Bewohner ihre positiven Bereiche gut nutzen können. Man versucht, negative Energie weitestgehend zu vermeiden, indem man bei der Platzierung von Treppen, Türen und Fenstern auf die Einhaltung der Regeln des Feng Shui achtet. 

FB: Du arbeitest bundesweit – woran derzeit? 

Mein Fokus liegt auf Einzelberatungen. Im Rhein/Main Gebiet erarbeite ich individuelle Lösungen für meine Kunden vor Ort in ihren Räumen. Außerdem biete ich über die Landesgrenzen hinaus online Beratungen an. Momentan plane ich beispielsweise bei einem Neubau in Österreich mit. Das wunderschön gelegene Grundstück hat einen tollen Blick, ist durch seine Hanglage aber auch eine Herausforderung, der ich mich gern stelle. 

Digitaler Workshop für kleinen Teilnehmerkreis geplant

Um für alle Interessierten gut erreichbar zu sein und das Wissen über Feng Shui zu verbreiten, biete ich in Kürze einen Online-Tagesworkshop an. Bei diesem Workshop arbeite ich intensiv und exklusiv mit einem kleinen Teilnehmerkreis. So kann ich mich optimal auf die Wünsche und Bedürfnisse des Einzelnen konzentrieren. Ziel des Workshops ist es, an nur einem Tag den Energiefluss und damit das Wohlbefinden des Teilnehmers spürbar zu verbessern. Besonders viel Freude habe ich auch bei der Produktion von Videos, die ich gern bei YouTube oder auf meinem Facebook Account veröffentliche.

Weitere Informationen zu Feng Shui und Christines Leistungsspektrum finden Interessierte auf ihrer Homepage.

Bildnachweis: Christine Kronshage

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Janine Harmjanz

Janine Harmjanz aus Hamburg hat als gelernte Erzieherin und Psychologin einen umfassenden Einblick in die aktuelle Betreuungssituation in Kindergärten bekommen. Schnell stellte sie fest, dass die individuelle Betreuung hier kaum möglich ist. Kurzerhand stieg sie aus und machte sich mit einer Kinderbetreuung für Privathaushalte selbständig. Schon kurz darauf konnte sie sich vor Aufträgen kaum retten, was die Kinderbetreuung Harmjanz – so der Name des Unternehmens – rasch wachsen ließ. Heute hat die engagierte Frau aus dem Norden eine Vielzahl an Kunden und agiert mit einem breit aufgestellten Team.

Janine hatte in Kita umfassenden Einblick in Betreuungssituation

Vom Unternehmer über den Prominenten bis hin zum eingespannten Arzt lassen beruflich engagierte Eltern den Nachwuchs von Janine und ihrem Team betreuen. Die Tendenz für diese Art Dienstleistung ist steigend: Janine arbeitet aktuell bereits mit 60 Leuten, um den Bedarf an privater Kinderbetreuung ihrer Kundschaft zu decken. Darüberhinaus hat sie sich auch auf die Betreuung der Kleinen auf Feierlichkeiten spezialisiert, was vor allem bei Anlässen wie Hochzeiten oder Jubiläen gut ankommt.

Wir haben mit der sympathischen Unternehmerin über ihr Business und die Belange ihrer Kunden gesprochen.

FB: Janine, Du bist von Hause aus gelernte Erzieherin, hast auch einen Kindergarten geleitet. Wie kam es dazu, selbst eine private Kinderbetreuung zu gründen?

Ich bin gelernte Erzieherin und Psychologin mit den Schwerpunkten Management, Personalwesen und Entwicklungspsychologie. Bevor ich die Kinderbetreuung Harmjanz gegründet habe, arbeitete ich als Kinderbetreuerin in Privathaushalten, im Personalmanagement bei einem renommierten Unternehmen in Hamburg und darauffolgend im Leitungsbereich einer Kita.

Viele Eltern sind mit Kitasystem unzufrieden

Die „Kinderbetreuung Harmjanz“ habe ich vor drei Jahren gegründet. Damals war ich neben dem Studium als Kinderbetreuerin in mehreren Familien tätig und merkte schnell, welch großer Unmut und Sorgen bei vielen Eltern vorherrschten. Eine Vielzahl dieser Eltern war mit dem Kitasystem sehr unzufrieden und wollte seinen Kindern eine individuelle und flexible Betreuung im gewohnten Umfeld ermöglichen.

Schon als ich in der Kita arbeitete, stellte ich fest, wie eingefahren das klassische Kitasystem ist und dass eine individuelle sowie interessen- und bedürfnisorientierte Betreuung einzelner Kinder kaum möglich ist. Daher stieg ich aus diesem System aus und machte mich selbstständig mit der Kinderbetreuung in Privathaushalten. Da ich mich rasch nicht mehr vor Aufträgen retten konnte und ich mich eigentlich noch im Studium befand, stellte ich daraufhin meine erste Mitarbeiterin ein. Sie unterstützt mich mittlerweile sogar in der Geschäftsführung und hat den Bereich Hochzeits- und Eventbetreuung komplett übernommen.

Aufträge kamen rasch – Businessplan und Gründung folgten

Es folgten rasch weitere Aufträge, so dass mehr Personal her musste. Ich schrieb einen Businessplan und die Gründung folgte umgehend.

FB: Was denkst Du, woran es liegt, dass Kindergarten-Einrichtungen oftmals nicht die Qualität bieten (können), die Eltern sich wünschen?

Das liegt an vielen Faktoren. Grundlegend ist es der Betreuungsschlüssel, der eine individuelle Betreuung schwer macht und zum Anderen das System der Inklusion in den Kitas. Ich finde es toll, dass Kinder mit einem höheren Förderbedarf in den normalen Kitas betreut werden sollen, doch es sollte dann zumindest eine weitere pädagogische Fachkraft eingesetzt werden und nicht alles, auf die eh schon überlasteten Erzieher abgewälzt werden.

FB: Konntest Du all das, was Dir an herkömmlichen Kindergärten nicht gefallen hat, in Dein privates Betreuungskonzept einfließen lassen? Wenn ja, nenn uns doch mal ein paar Beispiele!

Ja absolut. Da wir entsprechend der Bedürfnisse der Familie agieren, setzen wir passgenau eine Betreuerin ein, die langfristig den Kindern zur Seite steht und diese ganz individuell und kompetent fördert. Wir haben die Freiheit, die Kinder ganz ohne Vorbehalte kennenlernen zu dürfen und können so eine langfristige Bindung zu ihnen herstellen. Auf dieser Grundlage ist eine individuelle und kreative Förderung von Fähigkeiten und Kompetenzen viel tiefgreifender als wenn die Themen nur an der Oberfläche ankratzt werden können. Wir überlegen immer mit den Kindern gemeinsam, was bei der  zur jeweiligen Betreuungseinheit unternommen werden soll. Dadurch lernen die Kinder schnell, dass ihr Wort ernstgenommen wird und sie wertgeschätzt werden.

FB: Wie viele Leute hast Du zwischenzeitlich im Team?

Wir sind enorm gewachsen! 60 Mitarbeiter unterstützen nunmehr mein Team!

FB: Wie muss man sich euren Service vorstellen?

„Es beginnt mit einer detaillierten Bedarfsanalyse seitens des Kunden, geht dann über die Personalsuche und gegebenenfalls Einstellung geeigneter Kinderbetreuer(innen) und schließt mit dem Vorstellungsprozess ab. Dabei legen wir großen Wert darauf, dass die Chemie zwischen den Kindern, den Eltern und dem/ der Betreuer(in) stimmt. Regelmäßige Feedback – und Entwicklungsgespräche mit den Eltern als auch Mitarbeitern stärken das Vertrauen und Offenheit. Qualifizierte Schulungen aller Mitarbeiter zu Themen wie „Erste-Hilfe am Kind“ oder “Wie fördere/fordere ich das Kind, ohne es zu überfordern“ bereiten uns hierbei besonders große Freude.

Auch Notfallservice wird vorgehalten

Somit bieten wir ein umfangreiches und individuelles Betreuungskonzept in Privathaushalten. Die Betreuung kann stundenweise , halb- oder ganztägig und auch über Nacht oder mehrere Tage am Stück gebucht werden.

Ebenso bieten wir einen Notfallservice an, wenn die Kinder beispielsweise erkrankt sind und nicht in die Kita gehen können. Urlaubsbegleitung, Nachhilfe sowie Hochzeits- & Eventbetreuung bereiten uns ebenfalls größten Spaß.“

FB: Was für Leute sind es, die bei euch ihre Kinder privat betreuen lassen?

Unsere Kunden sind meist Vollzeit berufstätig oder selbstständig. Ebenso haben wir viele Unternehmer, Berater, Ärzte, Führungskräfte, Prominente, Firmen, Hotels und angehende Eheleute als Kunden.

Einsatzbereit auch nachts und an Feiertagen

FB: Wie stellt ihr sicher, dass die Kinderbetreuung beim Kunden auch gewährleistet ist, wenn – zum Beispiel – die Betreuungsperson auf dem Weg zum Kunden eine Reifenpanne hat?

Wir haben mehrere Springer im Team, die im Notfall sofort einsatzbereit sind, so dass  wir die Betreuung immer gewährleisten können.

FB: Seid ihr nachts und an Feiertagen erreichbar? 

Selbstverständlich! Wir arbeiten auch an Feiertagen.

FB: Mit Deinem Unternehmen bist Du auch auf Festivitäten präsent – zum Beispiel auf Hochzeiten. Welche Argumente sprechen da für eine professionelle Kinderbetreuung? Und: Wird der Service gut angenommen oder sind Gastgeber, die Profis für die Beschäftigung Kleinen buchen noch die Ausnahme?

Man sollte sich die Frage stellen, ob man allen Gästen eine schöne Feier ermöglichen möchte. Es liegt nicht in der Natur der Kleinen, stundenlang leise zu sein und sich wenig zu bewegen. Kinder wollen alles erkunden und Spaß haben. Wir bieten Entertainment für Groß und Klein und hatten sogar schon die Eltern einiger Kinder bei uns am Tisch sitzen, weil diese auch geschminkt werden wollten.

Kinderschminken und Basteln, wenn die Großen feiern

Im Endeffekt können wir je nach Wetterlage viele Aktivitäten und Attraktionen anbieten. Dazu zählen unter anderem Kinderschminken, zahlreiche Bewegungsspiele, Experimente, Tischkickern, Torwandschießen, Bastelideen mit dem Ziel, für die Kinder ein schönes Andenken an die Hochzeit zu schaffen oder auch Riesendart. Unser Bällebad, die Hüpftiere, Bobbycars und den Krabbeltunnel nutzen wir gerne für einen spannenden Erlebnisparcours. Zur späteren Stunde bauen wir unsere Schlaflandschaft auf und ermöglichen somit auch eine Übernachtbetreuung.

FB: Gibt es Zukunftspläne für Dein Unternehmen? Wenn ja, welche sind das?

Absolut! Wir werden demnächst Filialen in anderen Städten in Deutschland eröffnen.

FB: Der Job, den Du machst, ist ja mit sehr viel Zeit, die investiert werden muss, verbunden. Wenn es trotzdem freie Stunden gibt: Was machst Du in der Freizeit? Gibt es Hobbys?

Freie Sekunden und Stunden verbringe ich mit meinem Hund und meinem Freund. Ansonsten bin ich sehr gerne in der Natur.

Mehr zu Janine und ihrem Unternehmen hier.

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Frau im Home Office

Von daheim aus arbeiten, sich die Arbeitszeit selbst einteilen können, flexibel sein. Das ist nicht nur ein Modell für Freiberufler und Selbständige, sondern auch für etliche Angestellte in mittleren und großen Unternehmen. Vor allem Frauen nutzen die Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, rege und gern. Dass hiermit nämlich die Vereinbarkeit von Familie und Beruf besser gegeben ist, ist in den letzten Jahren zu immer mehr Unternehmen vorgedrungen, die nun ihren Mitarbeitern das Arbeiten von Zuhause aus ermöglichen.

Home-Office wird zumeist für bessere Vereinbarkeit von Familie und Job genutzt

Freilich sind diese Firmen noch immer in der Unterzahl, wird gesamtgesellschaftlich um eine bessere Vereinbarkeit von Familie und Job immer noch gerungen. Vor allem Familienverbände fordern, dass Unternehmen noch viel mehr von diesen Home-Office-Arbeitsplätzen zur Verfügung stellen sollen. Hier übertrifft die Nachfrage das Angebot aktuell um Längen.

Doch parallel zu dem Wunsch vieler (weiblicher) Arbeitnehmer, von daheim aus arbeiten zu können, wird häufig auch Kritik am Home-Office laut. Fundierte Kritik. Damit zielt man aber nicht auf den gemeinen Home-Worker ab, der ja doch zwischendurch die Waschmaschine befüllt und in schlapperiger Jogginghose ungeduscht am Schreibtisch sitzt – dieses Gerücht hält sich, solange es die Heimarbeitsplätze gibt. Nebenbei erwähnt: Diese Verlockungen werden in diversen Web-Gruppen, in denen sich Leute, die im Home-Office arbeiten, austauschen und vernetzen auch immer wieder thematisiert. So mancher gibt freimütig zu, dass er sehr wohl die Waschmaschine nebenher laufen lässt und sich bis Mittag erstmal nur im Bademantel beruflich betätigt. Andere wiederum berichten davon, dass sie es sehr diszipliniert halten, sich ordentlich angezogen und – als Frau – sogar geschminkt an den Heimarbeitsplatz setzen.

So weit, so gut.

Karriere-Expertin sieht im Home-Office etliche Nachteile

Ganz andere Gründe führt nun Petra Rohner von der PR Consulting GmbH ins Feld. Auf dem Karriere- und Vernetzungsportal XING veröffentlichte sie einen Beitrag unter der Überschrift:

„Frauen und New Work: das Homeoffice als Karrierefalle“

Ihre Gründe, die sie im Beitrag nennt, sind nachvollziehbar. So schreibt sie unter anderem:

„(…)Zu Hause arbeiten bedeutet jedoch auch, in vielen wichtigen Momenten in der Firma nicht dabei zu sein. Da Homeoffice noch immer besonders von Frauen beansprucht wird, ist genau dies einer der Schwachpunkte der sonst so guten Entwicklung. Wer zu Hause arbeitet, merkt mit der Zeit, dass viele Themen, die im Team in den Pausen oder über Mittag besprochen werden, an einem vorbeigehen. Von Beförderungen erfährt man oft erst, wenn sie offiziell mitgeteilt werden – sogar wenn man selbst Interesse an der Position gehabt hätte.(…)“

Da ist natürlich etwas dran und nicht erst seit gestern ist bekannt: Im Home-Office arbeiten kann ziemlich einsam sein. Fernab von Kollegen, der Firma und alles was sich in diesem Zusammenhang abspielt, kann es tatsächlich passieren, dass man etwas isoliert wird. Nicht beabsichtigt freilich, aber eben als sich ergebende Konsequenz.

Mancher kennt nur das von Zuhause aus arbeiten

Wobei man hier wahrscheinlich unterscheiden muss, zwischen Leuten, die neu ins Home-Office gehen und Menschen, die es gar nicht anders kennen. Leute, die zunächst in einem Unternehmen und inmitten eines Kollegenkreises, eines Teams, gearbeitet haben, tun sich im Home-Office eventuell tatsächlich schwer und vermissen mitunter die Atmosphäre zwischen Büroflur und Kantine.

Wieder andere, die von Anfang an alleine von zuhause aus arbeiten, kennen es nicht anders und werden wohl auch nichts vermissen. Vor allem viele Freiberufler, die schreiben, konzipieren oder anderweitig geistig tätig sind kennen kein anderes Arbeitsumfeld, als die eigenen vier Wände. Wahrscheinlich ist es auch eine Sache der Gewohnheit.

Für Menschen, die zwar sehr gern im Home-Office arbeiten, sich aber auf Dauer isoliert fühlen, eignet sich deshalb eine Aufteilung der Arbeit sehr gut. So kann beispielsweise von Montag bis Mittwoch in der Firma und Donnerstag und Freitag von zuhause aus gearbeitet werden. Oder umgekehrt. Immer vorausgesetzt, der Arbeitgeber macht mit – klar!

Durch ein solches Modell würde der Draht zu den Kollegen inhouse nicht ganz so arg gekappt und die von Expertin Petra Rohner ins Feld geführten Nachteile lassen sich so ein Stück weit umschiffen.

Home-Office immer auch eine Typ-Frage

Am Ende ist es wohl eine Typ-Frage: Den einen stört es nicht im Geringsten, aus einem Kollegenkreis gänzlich ins Home-Office zu wechseln, während der andere zu dem erwähnten Teilungs-Modell tendiert. Schon immer von Zuhause aus Arbeitenden wird sich die Frage sowieso nicht stellen. Siehe oben. Erfahrungsgemäß vernetzt sich diese Klientel ganz gut, zumeist online. Gerade für Frauen gibt es hierfür im Netz diverse Gruppen, vor allem auf Facebook. Von den Mompreneurs über die Frauen Business Lounge bis hin zu der She preneuer Community gibt es in dem sozialen Netzwerk interessante Gruppen und Communitys für Frauen, in denen auch viele Mitglieder dabei sind, die im Home-Office arbeiten. Hier wird sich untereinander geholfen, mit Tipps versorgt oder auch mal Luft gemacht. Zwar findet alles digital statt, aber nicht wenige Frauen vernetzen sich auch offline, gehen mal einen Kaffee trinken, sehen sich. Eine gute Alternative zu fehlenden Kollegen ist dies gerade für Leute, die es nicht anders kennen, als stets allein zu arbeiten, allemal.

Mann muss es wollen (und mögen)!

Insofern: Es gibt sicher nicht nur DIE negativen oder nur DIE positiven Seiten in Sachen Home-Office. Und es ist garantiert nicht jedermanns Sache, auch klar. Wie bei allem im Leben gilt: Man muss es mögen.

Wer den erwähnten Artikel von Petra Rohner im Original lesen will, hier ist er.

Bildnachweis: pixabay.com

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Expertin für`s Finanzielle: Christine Aschauer

Haben Sie einen sehnlichen Wunsch, den Sie sich gerne erfüllen würden? Oder einen Kindheitstraum, der noch immer darauf wartet, Realität zu werden? Viele Frauen haben unerfüllte Träume und Ziele. Warum? Immer wieder stoße ich auf Frauen, die sich Ihre Träume schlichtweg nicht erfüllen können, weil das nötige Kleingeld fehlt. Gründe dafür gibt es so einige: familiäre Herkunft, Partnerabhängigkeit, Elternzeit,… – um nur ein paar davon zu nennen.

Fehlendes Geld wirkt sich negativ auf gesamtes Leben aus

Abgesehen davon, dass Sie ohne Geld Ihre Träume und Wünsche nicht finanzieren können, hat fehlendes Geld negative Auswirkungen auf Ihr gesamtes Leben, auf Ihre Entscheidungen und ihr persönliches Wachstum.

3 Gründe, warum ein Mangel an Geld negative Auswirkungen auf Ihr Leben hat

  1. Wachsende Existenzängste
    Was würde passieren, wenn Sie Ihren Job verlieren? Wie lange würden Sie mit Ihren momentanen Ersparnissen über die Runden kommen? Wie lange könnten Sie Ihre Miete oder den Kredit für Ihr Haus bezahlen?
    Haben Sie keinen entsprechenden Geldpolster für diese Themen hinterlegt, werden Sie früher oder später von Existenzängsten geplagt. Die Ausprägung kommt stark auf Ihre Persönlichkeit an. Aus Erfahrung weiß ich, dass im Grunde jeder von uns Existenzängste kennt – manchmal bewusst, manchmal weniger bewusst. Diese Ängste beeinflussen in unserem Unterbewusstsein all unsere Entscheidungen, die wir in unserem Leben treffen (Partner, Job, Karriere, Kinder,…).
  2. Steigende Abhängigkeit
    Haben Sie zu wenig Geld oder das Gefühl, dass Sie mit Geld nicht umgehen können, werden Sie abhängig von anderen Personen. Zuerst sind es Ihre Eltern, die Ihnen lange vorschreiben, wofür Sie Geld ausgeben dürfen und welche Wünsche Sie sich erfüllen dürfen. Später ist es häufig der Partner. Sollten Sie Kredit benötigen, werden Sie wiederum abhängig von Ihrer Bank. Dies führt dazu, dass Sie keine freien Entscheidungen treffen können. Sie werden eingeengt, können sich persönlich nicht entfalten und bleiben unter Ihren Möglichkeiten
  3. Behinderung von Wachstum & Persönlichkeit
    Wann haben Sie das letzte Mal einen Kurs, ein Seminar, einen Vortrag besucht oder in Fachbücher investiert?
    Investition in Ihr Wissen, in Weiterbildung und Persönlichkeitsentwicklung ist das

Wichtigste und Beständigste in Ihrem Leben. Bildung kann Ihnen niemand wegnehmen. Vielmehr noch steigert es Ihren inneren und äußeren Wert und bestimmt Ihr künftiges Einkommen und langfristiges Vermögen. Um in Ihrem Leben voran zu kommen und die Karriere zu verfolgen, die Sie sich wünschen und vorstellen, benötigen Sie das nötige Kleingeld und die Möglichkeit sich persönlich weiterzuentwickeln.

Ganz egal, worin die Ursache liegt, warum Ihnen Geld fehlt – mit schnell umsetzbaren Schritten, können Sie bereits zum Ende des Monats mehr Geld zur Verfügung haben.

Das Geld selbst in die Hand nehmen!

Nehmen Sie Ihr Geld selbst in die Hand! Ihre Existenzängste werden minimiert. Sie werden ein eigenständiges und selbstbestimmtes Leben führen und in Ihrer Persönlichkeit wachsen. Es werden sich neue Türen für Sie öffnen und ihre langersehnten Träume können dadurch Realität werden.

Ich verrate Ihnen heute ein paar Tipps, wie Sie Ihren Herzenswünschen um ein ganz schönes Stück näher kommen und anderen Frauen in diesem Thema 3 Schritte voraus sind.

Haben Sie Lust? Los geht’s:

6 Tipps, die Sie bereits Morgen umsetzen können:

  1. Ausgaben aufdecken – Werden Sie sich über Ihre laufenden Ausgaben bewusst. Häufig sind es die kleinen Dinge, die zusammengezählt am Monatsende einen großen Anteil an Ihren Ausgaben haben. Ein Haushaltsbuch ist hier empfehlenswert, weil es alle Ausgaben strukturiert aufzeigt. Es reicht, das Haushaltsbuch für 3 Monate zu führen. Sie werden nach dieser Zeit bereits ein gutes Gefühl für Ihre Ausgaben haben und wissen, wo Sie sparen können. Mein persönlicher Rat: Schätzen Sie vorab Ihre monatlichen Ausgaben. Sie werden überrascht sein, wie hoch sie tatsächlich sind. Mir ging es genauso. Bei meinem Haushaltsbuch hatte ich das geschätzte Budget für auswärts Essen bereits nach 2 Wochen aufgebraucht. Bei anderen Ausgaben war es ähnlich. Da war noch sehr viel Monat ohne geplantem Budget übrig.
  2. Ausgaben reduzieren – Wenn Sie einen guten Überblick über Ihre Ausgaben haben, ist es ein Leichtes über mögliche Einsparungen nachzudenken. Notieren Sie sich Ihre Einsparungspotenziale schriftlich, so erhalten Sie mehr Verbindlichkeit. Handys und unnötige Versicherungen – immer wieder sind wir „überversichert“ – sind Kostenpositionen, auf die Sie besonders Augenmerk legen sollten. Decken Sie dadurch Ausgaben auf, von denen Ihnen überhaupt nicht bewusst war, dass es sie gibt und eliminieren Sie diese. Achten Sie auch auf kleine Positionen, denn in Summe können diese einen wesentlichen Einfluss auf Ihr Vermögen haben.
  3. Spar-Rate festlegen – Sie kennen Ihre monatlichen Einkünfte und Sie wissen mittlerweile besser über Ihre Ausgaben und Sparpotenziale bescheid. Nun können Sie Ihre monatliche Sparrate festlegen. Diese zweigen Sie am besten bereits am Anfang des Monats ab und überweisen den Betrag auf ein eigenes Sparkonto. Sie werden erstaunt sein, wie schnell Sie es schaffen werden, höhere Summen als bisher zu sparen. Werden Sie Ihre eigene Schatzmeisterin!
  4.  Bewusstsein schaffen – Werden Sie sich bewusst, wofür Sie Geld ausgeben möchten. Tun Sie es nicht aus Gewohnheit oder weil Ihr Umfeld sich gewisse Dinge leistet. Seien Sie ehrlich zu sich selbst. Gönnen Sie sich lieber jene Dinge, die Sie in Ihrem Leben vorwärts bringen, mehr Einkünfte schaffen oder die Sie sich sehnlich wünschen.
  5. Ziele festlegen – Setzen Sie sich Ziele, die Sie in Ihrem Leben erreichen möchten. Halten Sie diese schriftlich fest um Verbindlichkeit zu schaffen. Überlegen Sie sich anschließend, wieviel Geld Sie für die Erreichung Ihrer Ziele benötigen. Wichtig: nicht umgekehrt! Zuerst über Ihre Ziele nachdenken und erst im Anschluss über das notwendige Geld.
    Schränken Sie sich hier nicht durch Ihre aktuelle finanzielle Situation ein. Seien Sie kreativ und hören Sie auf Ihr Bauchgefühl. Jetzt ist der beste Zeitpunkt über Ihre Zukunft nachzudenken und wie Sie diese gestalten möchten.
  6. Finanziell weiterbilden – Auf Sie warten interessante Blogs, Bücher und Veranstaltungen über Möglichkeiten zum Vermögensaufbau. Viele Frauen schreiben und halten Vorträge zu diesem Thema um Finanzen und Geld anderen Frauen zugänglicher zu machen. Haben Sie keine Scheu vor Börsen und Aktien. Halten Sie sich an gewisse Grundregeln und der Aktienmarkt wird positive Überraschungen für Sie bereit halten. Sie wären nicht die erste Person und insbesondere auch nicht die erste Frau, die vorher keine Ahnung über Finanzen und Vermögensaufbau hatte und nach kurzer Zeit fasziniert ist von diesem Thema.

Haben Sie Vertrauen – Leben Sie ein selbstbestimmtes Leben und Ihre Träume und Herzenswünsche werden Wirklichkeit!

Schauen Sie auf sich!

Zur Person:

Christine Aschauer hat sich ihr Know-How in mehr als 15 Jahren Organisationsentwicklung und im strategischen Management erfolgreicher, international tätiger Unternehmen erworben. Heute lässt sie ihr Wissen bei jungen, engagierten Selbständigen und Unternehmern einfließen und schöpft dabei aus einem vielfältigen Erfahrungsschatz, den sie sich bei Einblicken in unterschiedlichste Branchen angeeignet hat. Diesen weiterzugeben ist der engagierten Österreicherin ein Herzensanliegen.

Mehr zu Christine Aschauer finden Sie hier.

Bildnachweis: by Botagraph

Alleine sein

Jeder Fünfte in Deutschland lebt allein“, las ich gestern in einer großen deutschen Zeitung. Sofort zuckten mir die Finger, ich wollte mich im Kommentarbereich an der Diskussion beteiligen.
„Aber nicht alle freiwillig“, wäre meine Antwort gewesen.

Jedoch bin ich nach einigen Erfahrungen mit Online-Foren aus Schaden klug geworden und las nur mit, denn das Kommentieren bei Facebook gleicht gelegentlich dem Versuch, mit verbundenen Augen ein Minenfeld zu durchqueren: Irgendeiner geht garantiert immer hoch.

„Jeder Fünfte“. Also zwanzig von hundert Menschen oder, auf die gesamte Einwohnerzahl der BRD bezogen, circa 16 Millionen Personen. 16 Millionen Wünsche, Träume, Lebenspläne, Hoffnungen, und entweder freie Entscheidung oder widrige Umstände, die jemanden dazu zwingen.

Mit Sicherheit ist der verwitwete Rentner dabei, der in seiner jetzt leeren Wohnung alten Zeiten nachtrauert und sich wünscht, er wäre wieder zu zweit. Die kürzlich geschiedene Arzthelferin, die sich ihr Leben noch vor 10 Jahren am Tag ihrer Hochzeit ganz anders vorgestellt hat. Der Azubi, der soeben eine neue Stelle angetreten hat in einer fremden Stadt und zum ersten Mal schockiert feststellt, dass sich die Tüte H-Milch nicht automatisch in den Kühlschrank transportiert. Oder der frischgebackene Student, dessen Lebensplan auf dem Macbook ordentlich abgespeichert eine kleine Familie mit Reihenhäuschen, zwei Kinder und einen SUV beinhaltet. 16 Millionen Leben, 16 Millionen Schicksale.

Aber gestern, im Kommentarbereich der Online-Zeitung las sich das ganz anders. Beste Sache überhaupt. Stressfreier Daseinszustand ohne nervige Lebenspartner oder Mitbewohner. Gelegentlich schüttelte ich den Kopf, musste aber dann schmunzeln, wenn ich mir die Profilbilder der jungen Leute anschaute, die von ihrem herrlichen Single-Dasein schwärmten, ungerupft vom Leben, patiniert mit übermütiger Unbefangenheit, was mich ein bisschen neidisch machte, das gebe ich zu. Denn die Unbefangenheit schwindet, wenn einen das Schicksal mal so richtig durchgerüttelt hat und das Leben in den nächsten Gang schaltet. Sobald man das erste Mal jemanden zur letzten Ruhe geleitet, sobald man ernsthaft erkrankt oder einer, den wir lieben, zerfließen unsere Vorstellungen und Glaubenssätze wie zu dünn geratener Kuchenteig. Die Youngster im Kommentarbereich allerdings schienen bisher mehr oder weniger Glück gehabt zu haben. Wie gesagt – ich war ein bisschen neidisch.

Die Verteilung der Meinungen pro/kontra Allein-Leben verhielt sich in etwa 90:10, sprich: Neun von zehn Kommentatoren schworen, dass nichts besser wäre, als allein zu wohnen.

Eine ungefähr 25jährige Frau schrieb: „Alles, was im Kühlschrank ist, gehört mir. Mir ganz allein.“ Das klingt erst mal witzig. Vielleicht kann sie aber einfach nur nicht teilen, weil sie es nie gelernt hat, und ist nicht kompromissfähig. Ich wäre gerne Mäuschen, wenn sie sich irgendwann zu einer Familiengründung entschließt. Mit Kindern bekommen Begriffe wie „mein“ und „dein“ nämlich ganz neue Bedeutungen.

Der nächste junge Mann behauptete, alles andere als allein zu leben sei ihm viel zu anstrengend. Er hätte einen stressigen Job, und „absolut keine Lust, sich nach Feierabend noch um eine Partnerin zu kümmern“. Offengestanden klang das, als vergleiche er die potenzielle Freundin mit einer Rassekatze oder einem Schäferhund, denen man abends eine Schale Trockenfutter hinstellen, das Kistchen säubern und mit ihnen regelmäßig nach draußen gehen muss. Vielleicht kommt ja auch Mutti regelmäßig bei ihm vorbei, befüllt den Kühlschrank und putzt das Klo. Lachen Sie nicht – ich kenne zwei dieser jungen Herren, bei denen das genauso abläuft. Diesen Zustand möchte man natürlich so lange wie möglich aufrechterhalten.

Der dritte schrieb: „Ich lebe nicht allein, ich habe Freunde und Bekannte.“ Beeindruckendes Statement, bis man sich beim Fallschirm-Springen, Freeclimben oder Surfen das Bein bricht und merkt, dass es gar nicht so leicht ist, mit einem Gipsbein und zwei Krücken mehrere Kästen Mineralwasser in den dritten Stock zu schleppen, weil die Freunde und Bekannten alle bei der Arbeit sind und keiner da ist, der einem hilft.

Einer meinte, allein zu sein sei das einzig Wahre, denn er könne nur dann „zocken, wann immer er wolle“. Stellen Sie sich bitte keinen bei dem Wort „Zocken“ keinen Mittvierziger beim Skat vor, sondern einen bleichen Jüngling an der Switch oder der Playstation, der salzsäulengleich mit dem Controller in der Hand zu eigenständiger Kommunikation nur mehr rudimentär fähig ist. Meist reicht es gerade mal für den Pizza-Service. Aber dafür gibt’s jetzt schon eine App.

„Ich bin nicht allein, denn ich habe Freunde und Bekannte.“ Klingt klasse, ganz ehrlich. Allerdings stelle ich fest, dass der Begriff „Freundschaft“ heutzutage inflationär verwendet wird. Weil ich ziemlich sicher bin, dass mir von meinen Facebook-Bekanntschaften im Falle einer schweren Grippe keiner Tomatensuppe oder Klopapier besorgen wird, während ich mich röchelnd in meinem Bett wälze.

Echte, lebendige Freunde, in 3D und Farbe sind selten. Nur weil mich Joschi neulich zu seiner Housewarming-Party eingeladen und beim Verabschieden gemeint hat: „Wir müssen mal einen zusammen saufen, Alter“, ist er nicht mein Freund – den könnte ich nämlich nachts um 1:00 Uhr anrufen, wenn ich mit dem Auto mitten in der Pampa stehe und der ADAC nicht erreichbar ist. Der schaut bei mir vorbei, wenn ich ihn anschreibe: „Bitte komm, mir geht es mies“, der nimmt mich ernst, kennt mich und mag mich auch ungeschminkt und pleite.

Wie viele von denen haben Sie?

Aber zurück zu dieser Debatte im Kommentarbereich über die Tatsache, dass jeder Fünfte in Deutschland allein lebt. Ein Gros der Leserschaft war definitiv noch keine 40 und verteidigte seinen Lifestyle vehement gegen alle vorsichtigen Fragen, „ob das denn wirklich immer so toll sei“. Einzig ein älterer Herr gestand verschämt, dass er seit sieben Jahren verwitwet sei und sich nun daran gewöhnt hätte. Es klang allerdings nicht begeistert.

Fassen wir zusammen: Alleinsein ist klasse. Ihr Klo gehört ihnen. Alles, was im Kühlschrank ist auch. Und gestört werden sie ebenfalls nicht, weder beim Zocken noch beim Binge-Watching (mittlerweile gängige Bezeichnung für Serien-Marathons) oder bei… ach, was weiß ich denn, eventuell bei Ihrer essenziellen Arbeit an einem neuen Wundermittel gegen Krebs oder Laufmaschen.

Also, alles gehört ihnen. Sie müssen „alles, das Ihnen allein gehört“, aber auch allein saubermachen, befüllen und mit einer Grippe und zittrigen Knien das Wasser für ihre Wärmflaschen erhitzen. Sie müssen allein zum Wertstoffhof, allein den Urlaub buchen, allein Ihren Vater im Krankenhaus besuchen, wenn er dann gestorben ist, allein weinen, sich allein darüber Gedanken machen, was in fünf Jahren sein mag oder in zehn, und im Supermarkt genau überlegen, ob Sie wirklich die Großpackung Nudeln brauchen. Gibt’s eben wieder ein Wurstbrot.

Freunde haben nämlich oft keine Zeit und was anderes vor, wenn man sie dringend bräuchte und unter Umständen dieselbe Lebenseinstellung wie man selbst…

Jemanden mit Hühnerbrühe und frischen Papiertaschentüchern zu bemuttern, der gerade mit Grippe im Bett vor sich hin dämmert, ist unbequem, macht Arbeit und ist gefährlich, denn man könnte sich eventuell anstecken.

Außerdem läuft die neue Serie bei Amazon, und man hat sich eben eine Pizza bei „Lieferando“ bestellt. „Tut mir leid, Hendrik-Thorben, äh, es geht grad nicht, muss gleich weg. Du kommst schon klar. Melde dich, wenn du wieder gesund bist, dann machen wir was zusammen, ok?“

Hendrik, ruf einfach deine Mutter an. Die ist ohnehin dein bester Freund. Aber das wirst du noch lernen.

Man hat manchmal das Gefühl, Freunde seien heutzutage nur noch eine Art Lifestyle-Accessoire, wie eine winzige strassbesetzte Handtasche oder ein glitzerndes Paar Sandaletten. Sehen klasse aus, sind aber nicht wirklich praktisch. Freundschaften können sich abnutzen, schneller als Kunstleder, das bei Gebrauch abzublättern beginnt, hässlicher als Baumwollstrick mit ausgebleichten Rändern am Bündchen nach der Wäsche. Man sollte sie nicht überstrapazieren. Denn Freunde haben alle ein eigenes Leben, und genau das vergessen wir gelegentlich.

Zwar vertrete ich nicht die Ansicht, dass man sich allein aus pragmatischen Gründen einen Mitbewohner oder Lebenspartner zulegen sollte, nur damit Hausarbeit und Einkommen geteilt werden können. Aber ich habe so eine leise Ahnung, dass einige der Kommentatoren in ihrem jugendlichen Überschwang überhaupt nicht damit rechnen, dass ihnen das sogenannte „Real Life“ vielleicht irgendwann einen Strich durch die Rechnung machen könnte. In Farbe, 3D und Stereo.

Im echten Leben geht es nämlich nicht zu wie in einer Sitcom (alle 20 Sekunden der vorgeschriebene Lacher), da kriegt man Zahnschmerzen oder Bauchweh, muss dringend in die Ambulanz wegen unklarer Oberbauch-Schmerzen, hat sich den Fuß verknackst und kommt nicht mal bis zum Bad, um sich ein Aspirin zu angeln, geschweige denn ins Bistro, wo heute die witzige Runde mit den schlagfertigen Dialogen ohne einen stattfindet. Im echten Leben passieren schlimme Dinge und wenn eine Freundschaft ein Schirm wäre, der uns vor dem Regen beschützt, dann lassen sich manche nicht mal aufklappen, sobald die ersten Tropfen fallen.

Ganz ehrlich, manchmal beneide ich die Jugend um ihre herrliche Unbefangenheit, mit der sie durchs Leben trudelt und sich sicher ist, ihnen würde nie etwas Übles zustoßen. Den Glauben, dass alles immer so weitergeht. Die absolute Sicherheit, dass schreckliche Dinge nur immer anderen passieren, die man sich dann bei YouTube reinzieht, um sich wohlig zu gruseln.

Es genügt aber ein einziger kleiner Unfall mit dem E-Roller, und man lernt schnell, dass die „Rückwärts“-Taste nur auf der Fernbedienung funktioniert um einen wieder in den unberührten gesunden Wunsch-Zustand zu versetzen. Es gibt keine App für die Schicksals-Verwaltung, höchstens einen fiesen Zufallsgenerator, der willkürlich Grausamkeiten auswirft, die unser bisheriges Leben innerhalb von Sekundenbruchteilen verändern. Immer wieder sehe ich Fotos von Autos, die von jungen Leuten gefahren und an einem Baum zerquetscht wurden. Rollstuhl, Krankenhaus, Reha, Job weg, das war’s.

Und DANN wird sich zeigen, wie viele Freunde man hat. Ein richtiger Augenöffner.

„Ich lebe allein und finde das super.“ Dann verstehe ich nicht, warum Online-Partnerbörsen einen seit Jahren andauernden Boom erleben und die „Hallo Partner“-Seite im örtlichen Käseblatt von beinahe verzweifelt klingenden Bekanntschaftsanzeigen überquillt.

Wie viele der eifrigen Hüter ihrer Single-Appartements tindern regelmäßig auf der Suche nach Mr. oder Mrs. Right? Wie erklärt es sich, dass Liebes-Schnulzen nie aus der Mode kommen, egal, wie bescheuert sie sind, dass am Ende jedes Films immer noch das Happy-End in Form einer weißen Hochzeit stehen muss? Mir scheint, als seien die meisten weiterhin klammheimlich verbissen und gelegentlich verbittert auf der Suche. Und solange sie suchen, behaupten sie, dass sie es gar nicht tun. So wird natürlich auch ein Schuh draus.

Wenn dann Mr. oder Mrs. Right auftauchen, wie geht’s weiter? Besucht ihr euch immer gegenseitig in euren Lofts mit vollgepackten Reisetaschen, in die irgendwann noch der hoffnungsvolle Nachwuchs passen sollte? Oder fängt man dann doch an, sein Lebensmodell zu überdenken? Wohin mit den ganzen selbstverwirklichenden, hedonistischen Einzelgängern?

Und ich rede jetzt nicht von den Leuten, die gezwungenermaßen allein leben, weil sie momentan metaphorisch gesehen „aus der Kurve geflogen“ sind, sondern von allen, die immer krähen, wie super sie es finden, dass sie nicht teilen, nicht kümmern, nicht nachgeben, keine Kompromisse anstreben wollen. Ich rede von denen, die behaupten, ihr Leben wäre super. Immer auf Hochglanz, immer irgendwo ein brennendes Teelicht auf dem frisch abgeschliffenen Vintage-Tisch vom Flohmarkt. Und zack – rein zu Instagram damit, weil alle sehen sollen, wie gut es mir geht.

Wenn ein großer Bekanntenkreis oder Freunde genügen („Ich lebe nicht allein, ich habe Freunde und Bekannte“), warum dann diese permanente Eigenwerbung in Form von Selfies mit Duckface und verführerischem Blick hinter halbgeschlossenen Lidern? Wenn dieser Lebensstil das Non plus Ultra ist, wenn alle wirklich so zufrieden sind, zocken können, wann immer sie wollen, fernsehen bis der Arzt kommt, warum suchen dann so viele? Ach, ich würde so gerne mal fragen. Aber ich bekäme vermutlich nur eine ausweichende Antwort.

Ich gestehe ganz ehrlich: Auch ich genieße Zeiten des Alleinseins. Da kann ich mich in der Trainingshose auf meiner Couch fläzen, mir acht Folgen meiner Lieblingsserie am Stück angucken, das schmutzige Geschirr auf der Spüle stehen lassen und hemmungslos mit meiner Freundin chatten, bis der Finger blutet. Ab und zu ist das so richtig schön.

Freiwillig allein zu sein ist etwas anderes, als es dauernd sein zu müssen. Wenn man erst mal ein gewisses Alter erreicht hat, dann fühlt es sich nicht mehr ganz so toll an. Als stünde man verloren auf einem riesengroßen menschenleeren Platz, schutzlos allem ausgeliefert, was das Schicksal uns zukommen lässt. Je älter man wird, um so geringer wird auch die Aussicht, dass es sich dabei um den edlen Ritter auf dem weißen Ross handelt, und man sollte besser täglich, statt mit einem Schimmel plus Ritter, mit einem führerlosen Müll-Laster rechnen, der einen plattwalzt. Irgendwann ist der Spaß vorbei. Auch das gehört dazu. Man nennt es „Erfahrung“.

Wenn jeder so zufrieden mit sich ist, warum gehören zum modernen, hippen „Allein-Leben“ Hipsterbärte, Ganzkörperrasuren, Ohrringe, Herren-Manikür-Sets, Fitness-Studios, Body-Öle mit Erdbeer-Aroma, Eiweiß-Nahrung für schnelleren Muskelaufbau, Brazilian-Waxing, Gelnägel, künstliche Wimpern und ständig neue Klamotten? Wofür all die Instagram-Accounts mit gephotoshoppten Selfies, auf denen man aussieht, als hätte jemand die Kameralinse des Handys mit Butter eingeschmiert?

Da sitzen sie dann in ihren Single-Wohnungen, polieren ihr Angebot, epilieren es, gelen es, cremen es ein, pudern und schminken und frisieren es. Und merken es nicht. Denn auch Beziehungen sind kein Accessoire – die erfordern harte Arbeit, täglich neue Kompromisse und ein gerüttelt Maß an Toleranz. Jemand, der aber an einem eingerissenen Gelnagel verzweifelt, wird sich da schwertun…

Ich mag Authentizität. Und die finde ich heutzutage selten. Mein junger, durchaus attraktiver Neffe, sitzt nächtens in seiner gestylten Single-Wohnung und sucht online ein nettes Mädel. „Ich fühle mich wohl, pah, wer braucht schon eine Freundin“, tönt er. Und trotzdem benimmt er sich wie ein Süchtiger auf „cold turkey“ – kaltem Entzug.

Sehen Sie, DAS meine ich. Alleinsein ist nur schön, wenn man es freiwillig tun kann. Wird es einem vom Leben aufgezwungen, benennt man es um in „Einsamkeit“. Und die hat scharfe Krallen.

Alleinsein ist das Design-Accessoire unter den Zuständen, ein delikater Luxus, der uns Freiraum verschafft für Dinge, die wir gern tun oder für die wir keine Zeugen gebrauchen können. Aber die Übergänge zur großen, bösen Schwester, der Einsamkeit, sind fließend. Ehe man sich versieht, hat man die unsichtbare Grenze überschritten. Und da wartet sie, um uns Löcher ins Herz zu schlagen, uns den Mut zu nehmen, uns auf uns selbst zurückzuwerfen, der flüsternden Stille auszusetzen, die lauter sein kann als jedes Konzert von Rammstein.

Erinnern Sie sich noch an die Serie „Golden Girls“ aus dem Jahre 1985? Rose, Blanche, Dorothy und Sophia, alle zwischen 55 und 80, leben in der Villa von Blanche zusammen, wo jede ein eigenes Zimmer bewohnt. Sie amüsieren sich mit verschiedenen Männern, trösten sich gegenseitig mit Käsekuchen und guten Ratschlägen bei Liebeskummer und vermitteln dem Zuschauer vor allem eines: dass Leid tatsächlich halbiert und Freude verdoppelt werden können, wenn man sie mit anderen teilen kann.

„Freundschaften“ sind die neue Ehe, die ermöglichen einem ein unabhängiges Leben voller Spaß mit null Verzicht oder Kompromissen, das Äquivalent von Zucker-Ersatz beim Backen, das Kunstleder unter den Halbschuhen, das Low-Carb bei der neuen Diät. Genuss ohne Reue.

Meiner Meinung nach war die Serie „Golden Girls“ nicht ausschließlich wegen der charismatischen Hauptdarstellerinnen Betty White (Rose), Bea Arthur (Dorothy), Estelle Getty (Oma Sophia) und Rue McClanahan (Blanche) so erfolgreich, sondern weil sie dem Zuschauer etwas Wichtiges vermittelte: eine allen Krisen und Anfechtungen standhaltende Freundschaft – allerdings in Ermangelung von passenden Lebensgefährten.

Dieses Prinzip wurde später von der Serie „Friends“ sehr erfolgreich fortgeführt und fand anschließend in Produktionen wie zum Beispiel „New Girl“ mit der bildhübschen Zooey Deschanel oder „How I met your mother“ seinen vorläufigen Abschluss.

In unseren schnelllebigen Zeiten der Ent-Solidarisierung („Will mich nicht um jemanden kümmern, das ist nur Stress“) scheint der Wunsch nach echten zwischenmenschlichen Beziehungen, nach Halt und sozialen Auffangnetzen, eine tiefsitzende menschliche Sehnsucht zu sein, auch wenn es nicht zugegeben wird. Fast alle von uns fühlen sich irgendwann einmal einsam, so ganz tief im Inneren, an diesem beängstigend dunklen Fleck in unserem Herzen, in den wir nie jemanden hereinlassen, und der nur mit Spezialausrüstung zugänglich ist. Da schauen wir nie hin, wir vermeiden es, uns dieser unheimlichen Stelle zu nähern. Das könnte wehtun.

Tut es.

Und so tönen sie ganz laut, wie glücklich sie sind, dass sie es gar nicht anders wollen. Wenn ich ehrlich bin, macht mich das ein wenig traurig. Ich höre Kinder im dunklen Keller pfeifen, sehe Lebensmodelle, die über kurz oder lang der Wirklichkeit zum Opfer fallen werden, registriere diese herrliche Unbefangenheit, und ich nehme Unschuld wahr. Aber ich erkenne auch Hedonismus, Egoismus und eine soziale Kälte, Vereinsamung, auf eine ganz perfide Art und Weise

Denn zufrieden sind sie nicht. Alle wollen wir doch sie haben, diese Freundschaft, die immer hält, ein paar Menschen – es müssen ja nicht viele sein – auf die wir uns verlassen können, die uns in schwarzen, sepiagefärbten Tagen zur Seite stehen, uns trösten, uns zur Beerdigung des Opas begleiten. Nicht jeder von uns hat das Glück, einen Partner fürs Leben zu finden, mit dem man alles teilen kann, darum sind echte Freunde wichtiger als je zuvor. Und es ist schwieriger als je zuvor geworden, welche zu finden. Zwischen Binge-Watching, Zocken und coolen Freizeitaktivitäten bleibt man auf der Strecke, wenn man nicht mithalten kann in diesem Wettbewerb um das coolste Dasein, die größtmögliche Abgeklärtheit und die exzentrischste Selbstdarstellung. Da sind „Freunde“ dann nur noch unbezahlte Claqueure. Sie klatschen und loben uns, wir sie auch. Und wenn es nichts mehr zu beklatschen gibt?

Der Kern meiner Aussagen ist folgender: Wer Alleinsein als andauernden Glückszustand enpfindet, braucht Freunde, die auch im Schleudergang des Lebens zu einem halten, nicht nur während der Weichspülung. Aber dafür ist uns dank unzähliger Hollywood-Produktionen und immer mehr „Ich, ich, ich“ das Gespür verlorengegangen.

Wer fängt diese jungen Menschen auf beim ersten rauen Wind, wer holt sie aus den versifften Schlammgruben des Schicksals, in denen jeder von uns mal landet? Was haben wir vergessen, der Instagram- Snapchat- und Facebookgeneration beizubringen? Ist es wirklich nur der Übermut der Jugend, oder haben wir etwas Essentielles übersehen? Sind Begriffe wie „Anstand, Pflichtgefühl“ tatsächlich komplett überholt? Oder möchte ich nur ein paar unbefangenen jungen Menschen Dinge aufbürden, die nicht mehr in Mode sind?

Mich um andere zu kümmern, denen es schlecht geht, hat mich auch mit 25 schon „gestresst“. Das gebe ich zu. Ich hab‘s aber trotzdem getan, denn irgendwann war ich dann die, um die sich jemand gekümmert hat. Und ich war sehr dankbar und bin es heute noch. Mit dem „Kümmern“ hab ich übrigens nie aufgehört…

Man kriegt immer nur das raus, was man selbst auch gegeben hat. Im Falle von „Alles im Kühlschrank gehört mir, mir allein“, frage ich mich, wie es dann mit der Liebe aussieht – dem Wichtigsten, das wir zu verschenken haben? Oder mit emotionalen Bedürfnissen anderer? Sind solche Menschen überhaupt zu selbstlosem Tun imstande? Jemanden zu lieben, bis dass der Tod einen scheidet, eines Kindes wegen auf vieles zu verzichten?

Freunde sind wichtig. Keine Frage. Allein zu leben kann nett sein und komfortabel. Aber Dinge ändern sich. Manchmal schneller, als einem lieb ist.

Eins ist aber sicher: Keine der „Golden Girls“ wäre sechs Wochen tot in ihrem Zimmer gelegen, ehe es jemandem auffällt. Bei Hendrik-Thorben bin ich mir nicht so sicher. Wenn der sich zwei Monate nicht meldet, könnte er ja grade auch mit dem Mountainbike im Himalaya auf Selbstfindungstrip sein. Und da er allein lebt, muss er auch niemandem Bescheid geben. Er wirft einfach Power-Bank, Solar-Ladegerät und Prepaidkarte in einen nachhaltig erzeugten Rucksack, checkt ein und fliegt los. Wir sehen ihn dann garantiert bei Instagram oder Facebook, wo er seine lachenden Selfies vor dem Abgrund mit allen Freunden teilt.

Oder auch nicht…

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

 

Camp Ferienlager

Mitten in der Natur gelegen und ereignisreiche Tage ebenso bietend, wie gemeinschaftliche Abende und aufregende Nachtwanderungen: wer an die Ferienlager der Kinder- und Jugendzeit denkt, dem wird genau das in den Sinn kommen. Ebenso wie wahrscheinlich auch der Geruch des Linoleums, der irgendwie in allen Unterkünften gleich roch. Egal, ob sich das Ferienlager-Domizil in einem Haus oder in einem Bungalow befand. Überhaupt spielen Düfte beim Erinnern an schönes Ferienlager-Feeling in vergangenen Zeiten wohl bei den meisten eine große Rolle.

Da ich ein DDR-Kind bin, kann ich freilich nur für das Ambiente der jeweiligen Kinder- und Jugendferienlager im Mauerstaat sprechen. Und da prägen verschiedene Gerüche, wie der von frisch gemähtem Gras, von Tee, der in wuchtigen Militärbehältern auf dem Gang stand und eben der von Linoleum meine Erinnerung sehr stark. Kurz gesagt roch so der gemeinschaftliche verbrachte Sommer. Denn die Ferienlager beherbergten oftmals mehrere hundert Kinder. Zumeist war das der Nachwuchs von Leuten, die in staatlichen Betrieben und Fabriken arbeiteten. Die Kinder von Selbständigen – eine eher verpönte Erwerbsarbeit zu DDR-Zeiten – fuhren ebenso häufig mit. Die Plätze, gelegen in den landschaftlich schönsten Regionen, wurden an die Kinder von Unternehmern meist durch die viel gerühmten Beziehungen vergeben.

Ferienlager-Feeling – das wurde vor allem im Osten zelebriert

Wie ich nach der Wende immer wieder hörte, war diese Art des Ferienlagers, wie die DDR sie vorhielt, einmalig. Während zu DDR-Zeiten fast jedes Schulkind in den Sommerferien für mindestens 14 Tage ins Ferienlager fuhr, kannten Freunde aus Westdeutschland dieses Konzept, so wie es damals angeboten wurde, eher nicht. In der BRD wurden solche Gruppenfahrten in den Ferien meist von freien Trägern oder Veranstaltern organisiert. Sie nannten sich oftmals Zeltlager oder Workshops.  Es kam übrigens nicht selten vor, dass westdeutsche Kinder in Ferien- oder Pionierlager der DDR fuhren.

Aber ganz gleich, wo man gemeinschaftlich seine Ferien verbrachte: das Konzept Ferienlager lässt heutzutage viele Erwachsene ins Schwärmen geraten. Vielen sind die Erlebnisse der gemeinschaftlichen Gruppenfahrten noch lebhaft in Erinnerung.

Vielleicht kommt deshalb auch die Geschäftsidee eines Ferien-Camps für Erwachsene, wie es in der Lüneburger Heide zu finden ist, so gut an! „Sommerjung“ heißt das Camp, das die Freunde Bati Lauterbach und Jacob Träger (beide 28 Jahre jung) aus Rostock erholungsbedürftigen und naturverbundenen Erwachsenen mitten in perfekter Naturkulisse und an den Ufern verschiedener Seen bieten. Zwar sind beide vom Alter her so jung, dass sie die Kinderferienlager in Zeiten des kalten Krieges nicht erlebt haben.

„Sommerjung“ kommt früheren Ferienlager-Tagen nahe

Aber das, was sie in ihrem Programmen anbieten, kommt der früheren Ferienfreizeit schon ziemlich nahe.

Im Camp „Sommerjung“ checkt man stets für ein Wochenende ein und kann sich dort verschiedenen Programmpunkten hingeben. Sportlich, kreativ, meditativ – die Angebotspalette ist groß. Wer mag, lernt schreiben oder probiert eine Trendsportart aus. Ebenso sind Bastel- oder Tanzkurse im Angebot. Wer all das nicht mag, kann faulenzen – Hängematten gibt`s natürlich auch!

Erholungsfaktor ohne Uhr und Handy

Damit die Auszeit zum Erholungsfaktor wird, werden im Camp Handys und Uhren zu Beginn eingesammelt. Den Gästen gefällt es. Sie finden sich für ein Wochenende in einem entspannten, runtergefahrenen Rhythmus wieder. Der Blick auf die Homepage der Anbieter verrät, dass diese Art des Relaxens rundum ankommt – viele zufriedene „Sommerjung“-Teilnehmer werden dort zitiert.

Der Check-In ins „Sommerjung“ ist übrigens nur Erwachsenen vorbehalten, was bei dem Konzept auch Sinn macht. So mancher,  der im Camp – in dem selbstverständlich ganz stilecht in Zelten übernachtet wird – zu Gast ist, will die fehlende Erfahrung aus Kindertagen nachholen. So wie zwei junge Schwestern aus Oldenburg, die gegenüber der BILD der Frau, die mit der Ausgabe vom 21. Juni 2019 über „Sommerjung“ berichtet, angaben, als Kinder noch nie in einem Zeltlager gewesen zu sein und dies jetzt nachzuholen gedenken.

Wer sich selbst über das Konzept informieren möchte – auf Sommerjung.de informieren die Veranstalter ausführlich über ihr Angebot. Die Kommunikation der Organisatoren kommt hier übrigens ähnlich locker daher, wie man es von Unternehmen wie IKEA und McDonalds kennt. Es mutet etwas sehr hipstermäßig und außerordentlich berufsjugendlich an, obgleich angegeben wird, dass die Gäste auch schon mal um die 70 waren. Am besten also im Vorab informieren, wie der Altersdurchschnitt so ausschaut. Es muss ja passen – wenn auch nur für ein Wochenende!

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

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Sanduhr mit rotem Sand

Gestern besuchte ich einen ganz besonderen Ort – eine kleine Lichtung mitten im Wald, wo seit über 30 Jahren ein Einsiedler lebt. Er hat sich dort mit tausenden von der Sonne ausgebleichten Seidenblumen, die in angeschlagenen Plastiktöpfen schmale, mit verwitterten Steinplatten ausgelegte Wege säumen, und unbeholfen gezimmerten, dämmerigen Holzhütten voller vergilbter Heiligenbildchen, ein skurriles Refugium geschaffen. Fernab vom hektischen Treiben, allumfassender Konsumgier und der rasenden, uns immer mehr in ihren Strudel aus Verpflichtungen und Begehrlichkeiten hineinreißenden Geschwindigkeit unserer Welt.

Betritt man einen der verwinkelten Pfade, die durch ein unübersichtliches Labyrinth im dichten Nadelwald im Kreis führen, befindet man sich schlagartig in einer Welt der Stille, einem kleinen buntgemusterten Universum aus gelebter, zu Herzen gehender Frömmigkeit und innerer Einkehr. Alle Hektik fällt von einem ab, und man durchwandert selbstvergessen diese Enklave, den manifestierten Traum eines introvertierten Einzelgängers, der für sich selbst beschlossen hat, dass ihn das Treiben „dort draußen“ nicht mehr interessiert, weil er nicht dazugehören möchte.

Dieser Einsiedler verzichtet auf jede Art von Konsum seit mehr als drei Jahrzehnten, läuft fast immer barfuß und bezeichnet seine Eremitage selbst als einen heiligen Ort. Ab und zu besuche ich ihn und lausche in der flüsternden Kühle dieser aus der Welt gefallenen Insel der Seligen dem gequälten Wispern meiner gehetzten Seele, fernab von Trubel, Alltagssorgen, übervollen Terminkalendern und dem lästigen Vibrieren meines Mobiltelefons. Dieses Stück Wald ist ein wunderbarer Ort zur Einkehr, eine Herausforderung für uns „digitale“ Arbeitssklaven, eine kleine Flucht ins Unwirkliche.

Außerdem beeindrucken mich Konsequenz, Beharrlichkeit und der tiefe Glauben an eine übergeordnete Macht, mit denen dieser Mensch sein eigenes kleines Reich gestaltet hat, in dem er schon so lange ohne Strom oder fließendes Wasser (außer dem kleinen Bach, der an dem Grundstück vorbeifließt) lebt und jetzt bei allerbester Gesundheit bald seinen 80ten Geburtstag feiern darf.
Wobei ich mir nicht sicher bin, was „feiern“ bei ihm bedeutet.

Gestern nun, als ich mit einer Freundin die wispernde Ruhe des Waldes durchschritt, wie jedes Mal beeindruckt von der Frömmigkeit und Bescheidenheit, die dieser von Menschenhand geschaffene Ort ausstrahlt, sah ich den Eremiten stehen, der sich mit jemandem unterhielt. Bei ihm verweilte ein Ehepaar Mitte 50. Der Mann klammerte sich in grotesk verzerrter, gebückter Haltung an einen Rollstuhl und starrte mich mit einer Eindringlichkeit an, die bekommen machte. Er wirkte, als würde er sich an mich erinnern, oder sich zu erinnern versuchen, obwohl ich ihn nicht kannte. Man sah ihm an, dass er sich verzweifelt bemühte, nicht zusammenzusacken, als sei er gerade hingefallen und beim Aufstehen auf halber Höhe daran gehindert worden.

Meine Freundin und ich taten, was uns angemessen schien – wir grüßten höflich und gingen weiter. Aber das Bild des Mannes, der sich an diesen Stuhl klammert und aussieht, als würde er gleich in sich zusammenfallen, lässt mich seitdem nicht mehr los.

Ich bin ganz sicher, für diese beiden Menschen, ein dem Anschein nach altgedientes Ehepaar, hat sich die ganze Welt innerhalb von Sekundenbruchteilen für immer verändert. Vielleicht machten sie früher regelmäßig Radtouren, feierten ausgelassen mit Freunden auf der Terrasse ihres Hauses, zogen Kinder groß, gingen samstags zum Einkaufen und hatten alles durchgeplant bis zur Rente. Vielleicht stritten sie gelegentlich über die Freizeitgestaltung, probierten regelmäßig neue Diäten aus und überlegten, ob sie die Oma ins Pflegeheim bringen sollten. Manchmal hatten sie unter Umständen das Gefühl, das Geld reiche nicht und bekamen sich in die Wolle, weil er unbedingt ein neues Auto kaufen wollte, sie aber meinte, man müsse fürs Alter etwas sparen. Eventuell hatten sie Sorgen, weil eines ihrer Kinder über die Stränge schlug. Die Möglichkeiten sind unendlich.

Und dann… kam dieser Schicksalsschlag, der alles zunichte machte. Vielleicht ein Schlaganfall, vielleicht ein Verkehrsunfall oder eine gemeine Krankheit. Eine Millisekunde, die ihr künftiges Leben unter einer von Kummer eingetrübten Käseglocke für alle Zeiten konservierte, unter welcher sie seitdem zu existieren gezwungen sind. Dieser eine Moment, in dem unsere Wünsche, Hoffnungen und Träume, all unser Ärger um Kleinigkeiten, in sich zusammenfallen wie ein angestochener Helium-Ballon, er hängt über jeden einzelnen Schicksal wie ein Damokles-Schwert. Übrig bleibt dann nur noch die leere Hülle unserer vorherigen Existenz: unter Umständen ein nicht abbezahltes Haus, zu wenig Krankengeld und … Schmerz. Jede Menge Schmerz und die Frage: „Warum ausgerechnet ich?“

Wissen Sie, was ich am häufigsten von meinen Freunden höre, wenn ich vorschlage, mal wieder was zu unternehmen? „Ich habe keine Zeit.“

Durch die Bank sind sie gestresst, reiben sich zwischen Arbeit, Gartenpflege, Kindererziehung oder Hobbies auf, streamen gelegentlich zur Entspannung einen Film oder gönnen sich einen Kino-Besuch und denken, sie hätten alles im Griff, denn nichts ist wichtiger heutzutage, als gut durchorganisiert zu sein. Ihre Urlaube planen sie mindestens ein Jahr im Voraus wegen dem Frühbucher-Rabatt, sie zahlen pünktlich jeden Monat in ihre Altersvorsorge ein und sparen fleißig („Damit ich mir in der Rente was gönnen und auch mal eine Kreuzfahrt machen kann“). Sie verschwenden, außer auf Beerdigungen von alten Freunden, keinen Gedanken dran, dass ihr Lebensplan nicht in Stein gemeißelt sein könnte, wie sie das zu glauben scheinen. Glauben müssen, denn die Wahrheit ist einfach zu grausam.

Aber das Leben nimmt keine Kreditkarten und unterschreibt keine Verträge. Auch nicht, wenn man 17 verschiedene Versicherungen abgeschlossen hat, unter anderem gegen Asteroideneinschlag oder Poltergeister. „Willst du Gott amüsieren, dann mach’ einen Plan“, las ich neulich.

Wer oder was auch immer unsere Geschicke lenken sollte – es/er ist unberechenbar, manchmal boshaft … und sehr, sehr mächtig. „Unter jedem Dach ein Ach“, sagte meine Mutter immer, und heute – mit all meiner Lebenserfahrung – muss ich ihr leider zustimmen.

Bestimmt kennen auch Sie Geschichten von Leuten, die 40 Jahre gearbeitet haben und dann kurz vor Antritt der Rente todkrank wurden und verstarben. „Das mache ich später, jetzt geht es nicht“, versichern mir Freunde, wenn ich einen Ausflug vorschlage. Auf dem Balkon zu sitzen und versonnen den Mond zu betrachten oder die nackten Füße in einem Bach baumeln zu lassen ist unmodern geworden – seit es Netflix und Handys gibt.

Manchmal hat man den Eindruck, die meisten fürchten sich vor der Besinnlichkeit, die sie zwingen könnte, darüber nachzudenken, was morgen sein wird, und wir versuchen deshalb, „was ist“, bis ins Unendliche zu verlängern, denn „was sein wird“, könnte sich für uns als unerträglich herausstellen. Wir Menschen sind nicht allzu gut in Schicksalsschlägen, habe ich das Gefühl. Feiern können wir definitiv besser.

Es gibt ja auch die sogenannten Stoiker, die sich jeden Morgen ungefähr 10 Minuten lang alles Schlimme vorstellen, das ihnen im Laufe des Tages zustoßen könnte – die werden dann wenigstens immer nur angenehm überrascht. („Gottseidank ist mir heute kein Klavier auf den Kopf gefallen.“)

Alle anderen rennen wie kreischende, von Besessenheit getriebene Hamster im sich immer schneller drehenden Rad einem imaginären Ziel hinterher, bis sie aufgrund der Fliehkraft oder vor Erschöpfung herausfallen und liegenbleiben. Manche stehen nie wieder auf. Andere nehmen Anlauf, hechten erneut ins Hamsterrad und fangen von vorn an.
Meine Bewunderung sei ihnen gewiss.

Ein Freund von mir erlitt mit 26 Jahren beim Rasenmähen einen Schlaganfall. Er konnte sich davon restlos erholen und lebt heute beschwerdefrei seit vielen Jahrzehnten, allerdings sehr viel dankbarer als vorher. Der andere verstarb mit 47 an Krebs. Und erst kürzlich musste ich einen alten Bekannten beerdigen, der mit 53 Jahren einfach umgefallen ist, trotzdem er nie rauchte oder trank. Im Gegenteil: Ich kannte niemanden, der gesünder lebte als er. Dann steht man beklommen am offenen Grab und denkt: „Er hatte doch eigentlich gar nichts vom Leben – immer nur gearbeitet und sich um seine alten Eltern gekümmert.“

Unser eigener Kilometerzähler läuft kontinuierlich mit jedem Tag schneller, und dann drehen wir einfach unser Leben „lauter“, um das bedrohliche weiße Hintergrundrauschen der Unendlichkeit auszublenden.

Wäre das alles hier ein Computerspiel, dann säße an den Steuerungselementen ein frustrierter, unberechenbarer Spieler, der willkürlich die „Delete“-Taste drückt und uns scheinbar nach Belieben löscht. Es gibt da die wahre Geschichte einer früheren Nachbarin, die aus dem Supermarkt kam, ihre Einkäufe im Auto verstaute, und in dem Moment, als sie den Motor startete, mit dem Kopf aufs Lenkrad knallte und starb. Einfach so.

Mittlerweile denke ich: „Hätte schlimmer kommen können, wenigstens war sie gut drauf, weil sie vielleicht noch ein Sonderangebot erwischt hat und musste nicht jahrelang leiden.“

Auf einem Friedhof sah ich mal ein steinernes Herz auf dem Grab einer Frau, die mit gerade mal 40 Jahren gestorben war mit der Inschrift: „Wir haben sie von Herzen geliebt.“ Es tut weh, so etwas zu lesen.

Geliebt zu werden schützt einen nicht vor Unabwägbarkeiten. Versicherungen oder Vitaminpillen übrigens auch nicht. Jeden Moment des Lebens darauf gefasst zu sein, dass das Schicksal mit dem Hammer draufhaut, scheint mir sinnvoller. Wären 10minütige Achterbahnfahrten denn schöner, wenn sie Stunden oder Tage dauerten? Ich denke nicht.

Alles ist endlich. Das Glück und auch das Leid. Nur kommt‘s einem bei zweiterem länger vor.

„Ich habe keine Zeit.“ Von wegen. Sie „haben“ gar nichts, das ist das Problem. Die Zeit gehört nicht Ihnen, sie ist nur eine Art Cluster, ein virtuelles Schwimmbecken, innerhalb dessen Sie sich bewegen dürfen, trotzdem Sie sich bemühen, Ihre Existenz in kontrollierbare Strukturen zu packen, unterstützt von tickenden Uhren, vollgepackten Kalendern und eng gesetzten Terminen.

Wir haben nichts. Es bleibt immer nur der Augenblick.

Und genau das sollte uns eindringlich bewusst werden. Eine Sandburg aus Träumen „haben“ wir, eine im Mahlstrom der Ereignisse trudelnde Seifenblase, inmitten derer wir schweben und uns bemühen müssen, nicht deren Rand zu berühren, weil diese sonst platzt und wir unsanft auf dem Boden unserer eigenen Sterblichkeit landen. Unser Sein ist voller unabwägbarer Ereignisse, die einen urplötzlich und ohne jede Vorwarnung treffen und einem den Boden unter den Füßen wegziehen können.
Schrecklicher Gedanke, nicht wahr?

Was oder wer auch immer unsere Geschicke lenkt, er ist unbestechlich und macht uns vielleicht einen Strich durch Hoffnungen oder Vorstellungen, ehe wir „ab in den Urlaub“ sagen, geschweige denn die Koffer packen können. Und genau um das zu verdrängen, lenken wir uns ab auf Teufel komm raus, denn wir wollen nicht mit der hässlichen Tatsache konfrontiert werden, dass wir nichts sind und keinen Einfluss darauf haben, was das Schicksal demnächst mit uns plant.

Neulich machte ich einen Stadtbummel und wollte mir zum Abschluss noch eine Tasse Cappuccino in einem Straßencafé gönnen. Da alle Tische an den Rändern besetzt waren, musste ich in der Mitte des bunten Pulks Platz nehmen und wurde von allen Seiten unfreiwilliger Zeuge sämtlicher Gespräche.

„Nächstes Jahr fliegen wir wieder auf die Malediven. Das hat uns vor vier Jahren so gut gefallen.“

„Letzte Woche hat der … zu mir gesagt, er hält das nicht mehr lange aus. Das macht er jetzt seit Jahren.“

„Ich freue mich so auf nächste Woche, da kriegen wir endlich die neue Küche. Und Ende August lade ich euch alle zum Essen sein.“

Und so weiter und so fort. Keiner von all diesen Menschen war wirklich da. Anwesend. Präsent. „Gestern, heute, morgen, nächstes Jahr, letzten Monat …“. Wir sind wirklich nie zuhause. In unserem Leben, meine ich.

Ich wiederhole: Wir haben nichts. Alles, das uns ausmacht, kann von der einen zur nächsten Sekunde Vergangenheit sein. Und die schöne neue digitalisierte Welt hilft uns vortrefflich dabei, diesen Gedanken zu verdrängen.

Es gibt nichts Zerbrechlicheres als die menschliche Existenz, und nur, um dessen nicht gewahr zu werden, packen wir unser Leben voll mit Pflichten, Verbindlichkeiten und scheinbarer Zeitnot. Außerdem haben wir doch Netflix, Online-Medien, Bungee-Jumping und Yoga-Kurse. Wir werden das wohl hinkriegen, jede Minute des Tages mit „sinnvollen“ Aktivitäten zu füllen, so dass unser Hirn nicht zur Ruhe kommt. Denn wenn es zur Ruhe käme… Um Himmels Willen!

Erst kürzlich sagte mir eine liebe Nachbarin, die vor kurzem ihren 60ten Geburtstag gefeiert hat: „ich werde nichts mehr hinausschieben, aufs nächste Jahr oder nächsten Monat, wie zum Beispiel einen Urlaub oder ein Treffen mit netten Leuten, denn ich lebe jetzt. Und es ist mir neulich erst bewusst geworden, dass es vielleicht irgendwann keine Gelegenheit mehr zum Verschieben geben werden wird.“

Wissen Sie: DAS könnte der Grund sein, warum Rentner so viel und oft verreisen. Worauf sollen sie denn noch warten? Bis zu ihrem 90ten Geburtstag? DANN gönnen sie sich aber wirklich was?

Aber zurück zu gestern. Diese Frau und ihr bedauernswerter Ehemann, auch sie hatten mit Sicherheit ein ganz normales Leben und vielleicht fürs Alter gespart. Sie hatten Pläne für ihre Rentenzeit geschmiedet, sich eventuell auf ein Enkelkind gefreut oder vor kurzem ihr Badezimmer renoviert.

Jetzt schiebt die Frau den Rollstuhl des Mannes, der verzweifelt versucht, wieder auf eigenen Beinen zu stehen, weil in seinem Gehirn vielleicht ein Rest von Autonomiebestreben erhalten blieb, vielleicht auch Scham darüber, dass er jede Minute des Tages auf jemanden angewiesen ist (Wir Menschen sind merkwürdige Wesen…). Vielleicht erinnert er sich daran, wie schön es war, zu laufen, zu schwimmen, Auto zu fahren oder den Rasen zu mähen.

Es hätte auch andersherum laufen können und seine Frau treffen. Es hätte auch gar nichts passieren können, und beide wären zusammen in gepflegter Langeweile alt geworden.

Ich hätte es ihnen so gegönnt.

„Wenn du schon etwas tun musst, dann tu es gern“, ermahnte mich während meiner Schulzeit ein Lehrer. Das habe ich bis heute beherzigt, denn unser ganzes Leben besteht unter anderem aus vielen ungeliebten Tätigkeiten wie bei mir zum Beispiel Putzen oder schwere Gartenarbeit, einem Job, den man nur ausübt, weil man die Kohle braucht oder pflegebedürftigen Eltern hat.

„Tu es gern“, verwandelt verhasste Aufgaben vielleicht in die Erkenntnis, dass auch das Hacken von Unkraut von unserer Lebenszeit abgezogen wird. Und diese Lebenszeit sollten wir nicht mit Groll im Herzen verbringen. Stellen Sie sich doch einfach vor, Sie hätten keine Möglichkeit mehr, all das zu tun, was Sie nicht mögen.

„So eine miese Bude, in der ich wohne, ausgerechnet im dritten Stock, und all diese Treppen.“ Und wenn man nicht mehr dazu imstande ist, ein paar Stufen zu nehmen, dann erinnert man sich wehmütig daran, wie schön es noch war, einen Fuß vor den anderen setzen zu können.

Das gilt übrigens für so gut wie alles, das einem sauer aufstößt. Uns fehlt nur das Bewusstsein und die Dankbarkeit dafür, dass wir überhaupt KÖNNEN. Die Chance steht täglich bei 50:50, dass das morgen schon ganz anders aussehen könnte, denn wie Friedrich Schiller mal so treffend sagte:

„Doch mit des Geschickes Mächten Ist kein ew’ger Bund zu flechten,
Und das Unglück schreitet schnell.“

Wenn ich zum Beispiel putze (ich hasse es…), trage ich riesige geräuschunterdrückende Kopfhörer und singe lauthals alle bekannten Lieder mit. Gelegentlich spiele ich mit sogar dem Schrubber Luftgitarre und tue, als wäre ich Ozzy Osbourne. Weil ich Putzen nicht mag, es aber erledigt werden muss. Und weil auch Putzen von meiner kostbaren Lebenszeit abgeht. Wenn ich versuche, es gern zu tun, habe ich mehr davon. Versuchen Sie es einfach mal.

Denn unser aller Leben ist kurz und beschränkt. Vielleicht kommt eine Gelegenheit, bei der Sie sich mit Bedauern daran erinnern, wie Sie flott den Feudel geschwungen haben zu den Klängen von Jethro Tull. Ich wünsche das niemanden, aber es kann uns alle treffen.

Deshalb: Genießen Sie jede Minute Ihres Lebens, und sei sie noch so beschissen. Schlimmer geht schließlich immer.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und eine gute Zeit!

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Frau gewinnt bei Lotto-Show

Einmal im Lotto gewinnen –  wer träumt nicht davon?! Von einem Tag auf den anderen mit vielen Millionen Euro gesegnet zu sein ist ein Wunschtraum unzähliger Menschen. Der leider nur allzu selten in Erfüllung geht. Ganz ausgeschlossen, vom Normalo zum Millionär zu avancieren ist es allerdings nicht. Das zeigen die Beispiele derer, die tatsächlich ein Geldregen ereilte.

So zum Beispiel Petra Hunger, die 2004 in einer SKL-Show fünf Millionen Euro gewann und in der Frauenzeitschrift MEINS, Ausgabe 15. Mai 2019 porträtiert wurde. Die Reportage beleuchtete das Danach – also das Tun nach dem großen Gewinn.

Frau aus dem Erzgebirge hatte mit Glückspaten Glück

Zu dem vielen Geld kam die sympathische, damals alleinerziehende Frau aus dem Erzgebirge übrigens ausgerechnet mit einer Frage, bei der es um Fußball ging. Die Show, die er den Gewinn bescherte ist so aufgebaut, dass prominente Glückspaten beim Beantworten der Fragen helfen. Und einer der Glückspaten beantwortete eben diese Frau goldrichtig. Petra Hunger saß seinerzeit – vor 15 Jahren – mit ihrer damals 16 Jahre alten Tochter in der Show.

Wie sie dem Magazin MEINS sagte, war an diesem Abend „an Schlaf nicht zu denken“. Glaubt man sofort. Und staunt ein wenig, wenn man dann liest, wofür die sympathische Frau zuallererst Geld ausgegeben hat. Für einen profanen Staubsauger nämlich. Selbstredend einen guten. Und sie tat Gutes – ganze 200 000 Euro steuerte sie für die Renovierung der Dorfkirche in ihrer Heimat bei!

Irgendwann hielt sie auch nichts mehr in ihrem Job – denn Petra Hunger träumte den Traum von einer eigenen Modemarke. Irgendwann war es dann soweit und sie gründete ihr eigenes Modelabel. „Cillic“ lautet der Name ihrer Linie und die Teile für die Linie entstehen direkt im Haus der Erzgebirglerin. Von den Entwürfen bis hin zum Verkauf managt die Gewinnerin den Vertrieb ihrer weiblich-verspielten Mode selbst. Verkauft wird via Amazon und erschwinglich sind die Teile ebenso.

Jetzt das Modelabel – später will Petra Hunger reisen

Dennoch möchte Petra Hunger nicht bis ans Ende ihrer Tage ein Modelabel führen. Längst hat sie Zukunftspläne, die sich mit ihrem gewonnen Geld auch spielend leicht umsetzen lassen. Gegenüber der Zeitschrift MEINS gab sie an, mit spätestens 67 Jahren das Geschäft schließen zu wollen.

Was sie danach vorhat, verriet sie dem Magazin auch, nämlich: Nach Australien reisen.

Zitat:

„Das habe ich bisher nicht geschafft.“

Da die Glückspilz-Frau vor einigen Jahren ihren jetzigen Partner im Internet kennengelernt hat und mit dem auch die weite Welt entdecken will, lässt zudem einen Schluss zu. Und zwar diesen: Es gibt noch einen weiteren Glückspilz!

Schön, wenn (Lotto)Glück so sympathisch rüber kommt!

Bildnachweis: (c) dpa

Zwei Anwältinnen

Sich als Frau in einer männerdominierten Branche zu behaupten – das ist den beiden Frauen Thirza Höfer und Katja Haug gelungen. Die beiden engagierten Juristinnen führen eine Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig. Spannend sind die verschiedenen Lebensläufe der beiden. Hat doch die eine noch die DDR erlebt, während die andere im Raum Stuttgart aufwuchs. Das Unternehmen, das sie heute führen, gibt es schon eine ganze Weile und hier lernten sich die beiden Frauen auch kennen. Neben den beruflichen Gemeinsamkeiten verbindet sie auch die Rolle als Mutter. Denn sowohl Thirza Höfer als auch Katja Haug haben eine Familie gegründet.

Im Gespräch erzählen sie, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht haben und berichten aus ihrem Alltag, den vor allem männliche Zeitgenossen prägen.

FB: Frau Haug, Frau Höfer, Sie sind beide Anfang vierzig, studierte Juristinnen, und Sie führen seit fünf Jahren miteinander ein Unternehmen in Leipzig. Was machen Sie da genau?

TH: Wir sind Dienstleister für mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Idee ist eine Paketlösung, die einfach alles enthält, was irgendwie mit Geld, Recht, Verwaltung und Steuern zu tun hat. Unsere Klienten sparen dadurch enorm Zeit und Kosten. Sie müssen nicht mehr, je nach Situation und Anliegen, immer neue Berater suchen, die sich dann erst mit viel Aufwand in ihre Verhältnisse hineinfragen müssen. Diese Hintergründe kennen wir alle schon. Das macht alles wesentlich effektiver.

Hohes Beratungspotenzial muss vorgehalten werden

Allerdings müssen wir eine Menge Beratungspotential vorhalten, um auf ganz verschiedenen Gebieten glaubwürdig kompetent zu sein. Finanzbuchhaltung zum Beispiel ist ein völlig anderes Thema als Forderungseinzug. Und Personalmanagement oder Geldbeschaffung stehen ebenfalls auf ganz anderen Blättern. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen dieser Themenvielfalt aber gewachsen sein, auch wenn sie keine eigene Rechtsabteilung oder sonstige Kompetenzpools ihrer Betriebe hinter sich stehen haben.

FB: Sie beide sind ursprünglich gelernte Rechtsanwältinnen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

KH: Stimmt. Ich stamme aus Neubrandenburg, bin später in der Nähe von Jena aufgewachsen und habe damit noch einige, vielleicht prägende Erinnerungen an die DDR. Thirza kommt dagegen aus dem Stuttgarter Raum und damit aus einer ganz anderen Himmelsrichtung. Thirza hat ihre ersten Berufserfahrungen in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferkanzlei gesammelt. Meine eigene Entwicklung verlief nicht so gradlinig. Ich war erst Rechtsanwältin, und dann eine Zeitlang Geschäftsführerin von Fondsgesellschaften. Dadurch kenne ich mich auf dem Kapitalmarkt gut aus. Als sich unsere gemeinsame Geschäftsidee abzeichnete, war ich noch im Vorstand einer Aktiengesellschaft, die Popmusik produziert.

Von der Welt des Glamours in eine bodenständige Branche

Die Welt der Stars und der Prominenz, der Galas und der Preisverleihungen war zugegeben aufregend, und ich bin heute noch meinem großen Mentor aus dieser Szene dankbar, dass er mich damals diesen Job hat machen lassen. Dann aber wurde ich Mutter, und damit verstärkte sich das Bedürfnis nach Bodenständigerem. Daraus wurde die Haug & Höfer Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das klingt nüchtern und bodenständig, und das soll es auch sein.

FB: Ein paar Jahre fehlen aber in Ihrer Schilderung.

TH: Wir sind kein Start Up. Gegründet wurde unser Unternehmen schon 1991, damals natürlich nicht von uns. Katja und ich gingen 1991 schließlich noch in die Schule. Wir haben uns erst 2008 dort kennengelernt. Ich selbst stand damals gerade vor meinem Steuerberaterexamen, und die Kanzlei durchlief in dieser Zeit einige Veränderungsprozesse. Es waren neue Ideen und Begriffe aufgetaucht, von denen Katja und ich bis dahin eigentlich noch gar nichts gehört hatten. Beispielsweise Mediation oder systemische Unternehmensberatung. Darüber gab es damals sehr gespaltene Meinungen. Etliche Kollegen hielten dies für neumodisches Affentheater und gingen. Dies waren hauptsächlich Männer. Dabei ging es eigentlich nur um eine einzige Frage, die sich jedes Dienstleistungsunternehmen unablässig stellen muss: Wie kann ich meinen Kundinnen und Kunden noch nützlicher sein? Vor dieser Frage drückt man sich gern, weil sich für die Antwort immerzu etwas verändern muss.

Richtige Entscheidungen führten zu Umsatzplus

Katja und ich haben darin den richtigen Weg gesehen, und im Ergebnis spülte es uns nach vorn. Wir haben noch andere Unternehmen dazugekauft, um unser Beratungsportfolio abzurunden und neue Gruppen von Klienten dazuzugewinnen. Seit 2015 führen wir die Geschäfte und halten auch die Mehrheit der Anteile. Die Umsätze haben sich seitdem verdreifacht. Falsch war es offenbar nicht.

FB: Das hört sich nach Frauenpower an. 

KH: Auf den ersten Blick mag es danach aussehen. Hinter allen Zimmertüren unseres Büros sitzt tatsächlich nur noch ein einziger Mann. Forciert haben wir das aber keineswegs. Dass es so gekommen ist, war eher Zufall.

TH: Vielleicht ist es einfach so, dass sich Männer unter einer weiblichen Geschäftsführung unwohl fühlen. Dies ist aber nur eine Vermutung, ich weiß es nicht, und ich habe bislang auch über diese Frage überhaupt nicht nachgedacht. Von unserer Seite hätten wir nichts dagegen, wenn mehr Männer bei uns mitmachen würden.

FB: Sie sind beide Mütter. Deshalb kommt jetzt die unvermeidliche Frage, wie Sie Ihren Beruf mit dieser Rolle in Einklang gebracht haben.

KH: Mittlerweile habe ich zwei Kinder, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dies immer reibungslos geklappt hätte. Organisationstalent ist in dieser Hinsicht schon gefragt. Wenn die Kinder allmählich größer werden, löst sich diese Doppelbelastung nach und nach auf. Es gab bis dahin aber viele Situationen, in denen ich mich gefragt habe, wie es Frauen in normalen Anstellungsverhältnissen gelingt, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. 

TH: Genau. Unser Vorteil ist, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes zu den freien Berufen zählen. Darunter fällt auch die Freiheit, eine Lösung zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Als meine Tochter im Säuglingsalter war, habe ich sie einfach ins Büro mitgenommen, schon wenige Tage nach der Geburt.

Das Kinderbett stand im Arbeitszimmer

Mich hat es nicht gestört, dass in meinem Arbeitszimmer ein Kinderbett stand, und etwa für Besprechungen mit Klienten haben wir eigene Räume, bis zu denen die unvermeidlichen Kindergeräusche nicht vordringen können. Ein Patentrezept für andere Frauen kann dies natürlich nicht sein, aber es wäre wünschenswert, wenn sich Arbeitgeber durchringen könnten, Frauen ähnliche Freiheiten zuzugestehen, wie ich sie in dieser Situation hatte: einfach improvisieren und ausprobieren lassen.

KH: Ach, das wird nicht gehen! Das Arbeitsrecht ist für legere Lösungen viel zu starr. Arbeitsschutz und Mutterschutz sind gut gemeinte rechtliche Anliegen, verhindern aber Improvisation und Einfallsreichtum. Die meisten Arbeitgeber befürchten viel zu sehr, womöglich ein Dutzend Rechtsverstöße zu begehen, wenn sie solche Freiheiten von Fall zu Fall zugestehen würden, und dies nicht ohne Grund. Mir fallen gleich ein paar Gesetze ein, mit denen man hierdurch in Konflikt kommen könnte. 

TH (nickt zustimmend): Sehr wahrscheinlich. Aber genau das ist unser Produkt: Wir lassen uns dazu eine Lösung einfallen, die funktioniert. Und das ist auch das Reizvolle an unserem Beruf, kreativ sein, gestalten, sich etwas ausdenken und Starres überwinden. Dies mag vielleicht nach typisch weiblicher Herangehensweise klingen, aber mir macht das jeden Tag aufs Neue Spaß.

FB: Sind Ihre Klienten eigentlich überwiegend Frauen oder Männer?

TH: Männer natürlich. Die Mehrzahl der Unternehmer ist männlich. Nach wie vor.

FB: Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?

KH: Als Klienten? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie den Kopf zerbrochen. Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es gibt sehr respektvolle Männer, die gute Leistung zu schätzen wissen und einen nicht in erster Linie als Frau sehen. Männer verlieren sogar eher mal ein Wort der Anerkennung, wenn etwas gut gelaufen ist, als Frauen.

Männer tun sich mit Anerkennung gegenüber Frauen offenbar nicht schwer

Vielleicht spricht sich so etwas für Männer gegenüber einer Frau auch leichter aus als gegenüber einem Mann.

FB: Was halten Sie von Frauenquoten?

TH: Nichts. Überhaupt nichts. Ich will für meine Leistung und für meine Kompetenz geachtet werden, aber nicht dafür, dass ich eine Frau bin und trotzdem etwas kann. Frauen in bestimmte Positionen zu hieven, nur weil sie Frauen sind, ist kein fairer Wettbewerb. In einem fairen Wettbewerb darf es ausschließlich um Können und um Leistung gehen, aber nicht um das Geschlecht. Es ist so wie beim Sportunterricht, wo der schlechtere Läufer manchmal Vorsprung bekommt. Es ist kein gutes Gefühl, mit Vorsprung starten zu dürfen, weil man von vornherein als der schlechtere Läufer gilt. Genau das finde ich diskriminierend.

KH: Gut gemeint ist und bleibt das Gegenteil von gut gemacht.

FB: Kann man sagen, Sie tummeln sich überwiegend in einer Männergesellschaft?

KH: In gewisser Weise schon. Man muss halt ihre Regeln kennen, dann klappt das auch. Diese Regeln sind am Anfang nicht ganz einleuchtend, aber man kann sie lernen. Ich habe mir beispielsweise früher nie Gedanken gemacht, was für ein Auto ich fahre, wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin. Wenn einen der männliche Klient in einem typischen niedlichen Frauenauto vorfahren sieht, fühlt er sich unwillkürlich überlegen und lässt sich nichts sagen.

Status-Symbole für Männer wichtig

Bei Zwanzig-Zoll-Felgen klappt die Zusammenarbeit aber plötzlich ganz gut. Männer denken in Statuskategorien und stellen unentwegt heimliche Vergleiche an, wer die tollere Uhr oder das bessere Smartphone hat. Da muss man halt mitziehen.

FB: Woher nehmen Sie denn solche Weisheiten?

TH (lacht): Von unseren Männern natürlich. Die haben uns das verraten.

FB: Ja, dann – vielen Dank für das Gespräch.  

Informationen zu Haug & Höfer finden Sie hier.

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Flip Chart "Höhle der Löwen" - TV Show

Ein tolles Produkt vor Millionen von Fernsehzuschauern vorstellen – diesen Traum träumen viele Leute, die ein Start-up gegründet haben. Der Run auf die Gründershow „Die Höhle des Löwen“ ist deshalb groß. Alle wollen den Löwendeal! Oder zumindest kostbare Sendezeit. Denn die Minuten der Ausstrahlung, in denen die Gründer ihr Produkt vorstellen können, sind für junge Unternehmer unbezahlbar (und für ältere meist auch). Oftmals sorgen sie dafür, dass die Bestellungen nach der Sendung in die Höhe gehen – ganz gleich, ob der ersehnte Deal zustande kam oder nicht. Werbung – kostenfreie noch dazu – ist eben alles.

Deshalb ist in der Start-up-Szene ein Auftritt vor Maschmeyer & Co. der Hauptgewinn.

Gründer-Show wurde für Start-up-Frauen zur „Hölle des Löwen“

Den glaubten auch die Gründerinnen Alexandra Vázquez Bea und Annette Rieger aus Hannover, für die die „Höhle der Löwen“ zur „Hölle der Löwen“ wurde. 

Beide Frauen vertreiben außergewöhnliche Lebkuchen. „Lenchen“ heißt das süße Wintergebäck, das nach einem Familienrezept, das einst Oma Lene erfand, gebacken wird. Durch die Löwenhöhle sollte die süße Verführung einem Millionenpublikum bekannt werden und neue Kunden anlocken.

Daraus wurde nichts.

Die Produktionsfirma, die die beiden Gründerinnen bereits zu einem Dreh eingeladen und auch vor Ort bei „Lenchen“ gefilmt hatte, sagte die Präsenz der beiden in der Show aus heiterem Himmel ab. Per E-Mail.

Schock nach Absage war groß

Der Schock war groß, bei Vázquez Bea und Annette Rieger. Nach einem Bericht der Ostsee-Zeitung schrammten die beiden engagierten Frauen knapp an einer geschäftlichen Katastrophe vorbei. 

Das Blatt schreibt:

„Sie geben bei ihrer Partnerbäckerei 35.000 Lebkuchen-Portionen in Auftrag, bauen ihren Online-Shop um, mieten zusätzliche Server. Insgesamt bauen sie Verbindlichkeiten in Höhe von 140.000 Euro auf, um sich auf die Ausstrahlung vorzubereiten. Um ihr schnelles Wachstum zu finanzieren, verkaufen sie sogar Anteile ihres Start-ups an einen Privatinvestor und eine Förderbank.“

Als die schnöde Absage eintrifft, können es beide kaum fassen. Zumal es November war und kaum mehr Zeit blieb, die vorproduzierten Lebkuchen an die Frau oder den Mann zu bringen. Obwohl „Lenchen“ das ganze Jahr über produziert wird, sind doch die Gewohnheiten der meisten Leute so, dass sie Lebkuchen nur in der Winter- und Weihnachtszeit essen.

Ausladung aus Show bescherte Verluste

Logisch, dass die Entscheidung der Show-Macher ein tiefer Einschnitt war und Verluste bescherte.

Die Ostsee-Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 23. Mai 2019 weiter:

„Sie stoppen sofort die Produktion, suchen mit Hochdruck neue Vertriebspartner, aktivieren Freunde und Bekannte, nehmen auch privat Kredite auf. Nachts liegen sie wach, ihre Gedanken kreisen darum, die Insolvenz abzuwenden. Am Ende verkaufen sie rund die Hälfte ihrer Lebkuchen, zu niedrigeren Preisen als kalkuliert – den Rest müssen sie entsorgen. Sie schließen das Jahr nur mit einem Umsatz von 150.000 Euro ab.“

Und heute? Nun – echte Powerfrauen gehen nicht unter. Das weiß man. Und weil die Lebkuchen-Expertinnen nicht aufgaben, sind sie immer noch da. Logisch!

Nun geht es für „Lenchen“ aufwärts

Mittlerweile ist der Schock verdaut und die Auftragsbücher werden praller. Zwar müssen die beiden noch die eine oder andere Rechnung abstottern, aber interessierte Händler fragen mehr und mehr an. Langsam, aber sicher – so scheint es – geht es aufwärts.

Das wäre den beiden Gründerinnen auch von Herzen zu wünschen. Dass es dann auch klappt, ist wahrscheinlich. Denn Vázquez Bea und Annette Rieger profitieren von vielen Umständen. Zum einen werden Lebkuchen (und solche, die nach alter Tradition gebacken werden erst recht) immer gern gegessen und zweitens steigt der Kauf per Internet mehr und mehr an. 

„Lenchen“, so scheint es – wird sich behaupten!

Bildnachweis: picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

 

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