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Frau gewinnt bei Lotto-Show

Einmal im Lotto gewinnen –  wer träumt nicht davon?! Von einem Tag auf den anderen mit vielen Millionen Euro gesegnet zu sein ist ein Wunschtraum unzähliger Menschen. Der leider nur allzu selten in Erfüllung geht. Ganz ausgeschlossen, vom Normalo zum Millionär zu avancieren ist es allerdings nicht. Das zeigen die Beispiele derer, die tatsächlich ein Geldregen ereilte.

So zum Beispiel Petra Hunger, die 2004 in einer SKL-Show fünf Millionen Euro gewann und in der Frauenzeitschrift MEINS, Ausgabe 15. Mai 2019 porträtiert wurde. Die Reportage beleuchtete das Danach – also das Tun nach dem großen Gewinn.

Frau aus dem Erzgebirge hatte mit Glückspaten Glück

Zu dem vielen Geld kam die sympathische, damals alleinerziehende Frau aus dem Erzgebirge übrigens ausgerechnet mit einer Frage, bei der es um Fußball ging. Die Show, die er den Gewinn bescherte ist so aufgebaut, dass prominente Glückspaten beim Beantworten der Fragen helfen. Und einer der Glückspaten beantwortete eben diese Frau goldrichtig. Petra Hunger saß seinerzeit – vor 15 Jahren – mit ihrer damals 16 Jahre alten Tochter in der Show.

Wie sie dem Magazin MEINS sagte, war an diesem Abend „an Schlaf nicht zu denken“. Glaubt man sofort. Und staunt ein wenig, wenn man dann liest, wofür die sympathische Frau zuallererst Geld ausgegeben hat. Für einen profanen Staubsauger nämlich. Selbstredend einen guten. Und sie tat Gutes – ganze 200 000 Euro steuerte sie für die Renovierung der Dorfkirche in ihrer Heimat bei!

Irgendwann hielt sie auch nichts mehr in ihrem Job – denn Petra Hunger träumte den Traum von einer eigenen Modemarke. Irgendwann war es dann soweit und sie gründete ihr eigenes Modelabel. „Cillic“ lautet der Name ihrer Linie und die Teile für die Linie entstehen direkt im Haus der Erzgebirglerin. Von den Entwürfen bis hin zum Verkauf managt die Gewinnerin den Vertrieb ihrer weiblich-verspielten Mode selbst. Verkauft wird via Amazon und erschwinglich sind die Teile ebenso.

Jetzt das Modelabel – später will Petra Hunger reisen

Dennoch möchte Petra Hunger nicht bis ans Ende ihrer Tage ein Modelabel führen. Längst hat sie Zukunftspläne, die sich mit ihrem gewonnen Geld auch spielend leicht umsetzen lassen. Gegenüber der Zeitschrift MEINS gab sie an, mit spätestens 67 Jahren das Geschäft schließen zu wollen.

Was sie danach vorhat, verriet sie dem Magazin auch, nämlich: Nach Australien reisen.

Zitat:

„Das habe ich bisher nicht geschafft.“

Da die Glückspilz-Frau vor einigen Jahren ihren jetzigen Partner im Internet kennengelernt hat und mit dem auch die weite Welt entdecken will, lässt zudem einen Schluss zu. Und zwar diesen: Es gibt noch einen weiteren Glückspilz!

Schön, wenn (Lotto)Glück so sympathisch rüber kommt!

Bildnachweis: (c) dpa

Zwei Anwältinnen

Sich als Frau in einer männerdominierten Branche zu behaupten – das ist den beiden Frauen Thirza Höfer und Katja Haug gelungen. Die beiden engagierten Juristinnen führen eine Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig. Spannend sind die verschiedenen Lebensläufe der beiden. Hat doch die eine noch die DDR erlebt, während die andere im Raum Stuttgart aufwuchs. Das Unternehmen, das sie heute führen, gibt es schon eine ganze Weile und hier lernten sich die beiden Frauen auch kennen. Neben den beruflichen Gemeinsamkeiten verbindet sie auch die Rolle als Mutter. Denn sowohl Thirza Höfer als auch Katja Haug haben eine Familie gegründet.

Im Gespräch erzählen sie, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht haben und berichten aus ihrem Alltag, den vor allem männliche Zeitgenossen prägen.

FB: Frau Haug, Frau Höfer, Sie sind beide Anfang vierzig, studierte Juristinnen, und Sie führen seit fünf Jahren miteinander ein Unternehmen in Leipzig. Was machen Sie da genau?

TH: Wir sind Dienstleister für mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Idee ist eine Paketlösung, die einfach alles enthält, was irgendwie mit Geld, Recht, Verwaltung und Steuern zu tun hat. Unsere Klienten sparen dadurch enorm Zeit und Kosten. Sie müssen nicht mehr, je nach Situation und Anliegen, immer neue Berater suchen, die sich dann erst mit viel Aufwand in ihre Verhältnisse hineinfragen müssen. Diese Hintergründe kennen wir alle schon. Das macht alles wesentlich effektiver.

Hohes Beratungspotenzial muss vorgehalten werden

Allerdings müssen wir eine Menge Beratungspotential vorhalten, um auf ganz verschiedenen Gebieten glaubwürdig kompetent zu sein. Finanzbuchhaltung zum Beispiel ist ein völlig anderes Thema als Forderungseinzug. Und Personalmanagement oder Geldbeschaffung stehen ebenfalls auf ganz anderen Blättern. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen dieser Themenvielfalt aber gewachsen sein, auch wenn sie keine eigene Rechtsabteilung oder sonstige Kompetenzpools ihrer Betriebe hinter sich stehen haben.

FB: Sie beide sind ursprünglich gelernte Rechtsanwältinnen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

KH: Stimmt. Ich stamme aus Neubrandenburg, bin später in der Nähe von Jena aufgewachsen und habe damit noch einige, vielleicht prägende Erinnerungen an die DDR. Thirza kommt dagegen aus dem Stuttgarter Raum und damit aus einer ganz anderen Himmelsrichtung. Thirza hat ihre ersten Berufserfahrungen in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferkanzlei gesammelt. Meine eigene Entwicklung verlief nicht so gradlinig. Ich war erst Rechtsanwältin, und dann eine Zeitlang Geschäftsführerin von Fondsgesellschaften. Dadurch kenne ich mich auf dem Kapitalmarkt gut aus. Als sich unsere gemeinsame Geschäftsidee abzeichnete, war ich noch im Vorstand einer Aktiengesellschaft, die Popmusik produziert.

Von der Welt des Glamours in eine bodenständige Branche

Die Welt der Stars und der Prominenz, der Galas und der Preisverleihungen war zugegeben aufregend, und ich bin heute noch meinem großen Mentor aus dieser Szene dankbar, dass er mich damals diesen Job hat machen lassen. Dann aber wurde ich Mutter, und damit verstärkte sich das Bedürfnis nach Bodenständigerem. Daraus wurde die Haug & Höfer Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das klingt nüchtern und bodenständig, und das soll es auch sein.

FB: Ein paar Jahre fehlen aber in Ihrer Schilderung.

TH: Wir sind kein Start Up. Gegründet wurde unser Unternehmen schon 1991, damals natürlich nicht von uns. Katja und ich gingen 1991 schließlich noch in die Schule. Wir haben uns erst 2008 dort kennengelernt. Ich selbst stand damals gerade vor meinem Steuerberaterexamen, und die Kanzlei durchlief in dieser Zeit einige Veränderungsprozesse. Es waren neue Ideen und Begriffe aufgetaucht, von denen Katja und ich bis dahin eigentlich noch gar nichts gehört hatten. Beispielsweise Mediation oder systemische Unternehmensberatung. Darüber gab es damals sehr gespaltene Meinungen. Etliche Kollegen hielten dies für neumodisches Affentheater und gingen. Dies waren hauptsächlich Männer. Dabei ging es eigentlich nur um eine einzige Frage, die sich jedes Dienstleistungsunternehmen unablässig stellen muss: Wie kann ich meinen Kundinnen und Kunden noch nützlicher sein? Vor dieser Frage drückt man sich gern, weil sich für die Antwort immerzu etwas verändern muss.

Richtige Entscheidungen führten zu Umsatzplus

Katja und ich haben darin den richtigen Weg gesehen, und im Ergebnis spülte es uns nach vorn. Wir haben noch andere Unternehmen dazugekauft, um unser Beratungsportfolio abzurunden und neue Gruppen von Klienten dazuzugewinnen. Seit 2015 führen wir die Geschäfte und halten auch die Mehrheit der Anteile. Die Umsätze haben sich seitdem verdreifacht. Falsch war es offenbar nicht.

FB: Das hört sich nach Frauenpower an. 

KH: Auf den ersten Blick mag es danach aussehen. Hinter allen Zimmertüren unseres Büros sitzt tatsächlich nur noch ein einziger Mann. Forciert haben wir das aber keineswegs. Dass es so gekommen ist, war eher Zufall.

TH: Vielleicht ist es einfach so, dass sich Männer unter einer weiblichen Geschäftsführung unwohl fühlen. Dies ist aber nur eine Vermutung, ich weiß es nicht, und ich habe bislang auch über diese Frage überhaupt nicht nachgedacht. Von unserer Seite hätten wir nichts dagegen, wenn mehr Männer bei uns mitmachen würden.

FB: Sie sind beide Mütter. Deshalb kommt jetzt die unvermeidliche Frage, wie Sie Ihren Beruf mit dieser Rolle in Einklang gebracht haben.

KH: Mittlerweile habe ich zwei Kinder, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dies immer reibungslos geklappt hätte. Organisationstalent ist in dieser Hinsicht schon gefragt. Wenn die Kinder allmählich größer werden, löst sich diese Doppelbelastung nach und nach auf. Es gab bis dahin aber viele Situationen, in denen ich mich gefragt habe, wie es Frauen in normalen Anstellungsverhältnissen gelingt, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. 

TH: Genau. Unser Vorteil ist, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes zu den freien Berufen zählen. Darunter fällt auch die Freiheit, eine Lösung zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Als meine Tochter im Säuglingsalter war, habe ich sie einfach ins Büro mitgenommen, schon wenige Tage nach der Geburt.

Das Kinderbett stand im Arbeitszimmer

Mich hat es nicht gestört, dass in meinem Arbeitszimmer ein Kinderbett stand, und etwa für Besprechungen mit Klienten haben wir eigene Räume, bis zu denen die unvermeidlichen Kindergeräusche nicht vordringen können. Ein Patentrezept für andere Frauen kann dies natürlich nicht sein, aber es wäre wünschenswert, wenn sich Arbeitgeber durchringen könnten, Frauen ähnliche Freiheiten zuzugestehen, wie ich sie in dieser Situation hatte: einfach improvisieren und ausprobieren lassen.

KH: Ach, das wird nicht gehen! Das Arbeitsrecht ist für legere Lösungen viel zu starr. Arbeitsschutz und Mutterschutz sind gut gemeinte rechtliche Anliegen, verhindern aber Improvisation und Einfallsreichtum. Die meisten Arbeitgeber befürchten viel zu sehr, womöglich ein Dutzend Rechtsverstöße zu begehen, wenn sie solche Freiheiten von Fall zu Fall zugestehen würden, und dies nicht ohne Grund. Mir fallen gleich ein paar Gesetze ein, mit denen man hierdurch in Konflikt kommen könnte. 

TH (nickt zustimmend): Sehr wahrscheinlich. Aber genau das ist unser Produkt: Wir lassen uns dazu eine Lösung einfallen, die funktioniert. Und das ist auch das Reizvolle an unserem Beruf, kreativ sein, gestalten, sich etwas ausdenken und Starres überwinden. Dies mag vielleicht nach typisch weiblicher Herangehensweise klingen, aber mir macht das jeden Tag aufs Neue Spaß.

FB: Sind Ihre Klienten eigentlich überwiegend Frauen oder Männer?

TH: Männer natürlich. Die Mehrzahl der Unternehmer ist männlich. Nach wie vor.

FB: Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?

KH: Als Klienten? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie den Kopf zerbrochen. Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es gibt sehr respektvolle Männer, die gute Leistung zu schätzen wissen und einen nicht in erster Linie als Frau sehen. Männer verlieren sogar eher mal ein Wort der Anerkennung, wenn etwas gut gelaufen ist, als Frauen.

Männer tun sich mit Anerkennung gegenüber Frauen offenbar nicht schwer

Vielleicht spricht sich so etwas für Männer gegenüber einer Frau auch leichter aus als gegenüber einem Mann.

FB: Was halten Sie von Frauenquoten?

TH: Nichts. Überhaupt nichts. Ich will für meine Leistung und für meine Kompetenz geachtet werden, aber nicht dafür, dass ich eine Frau bin und trotzdem etwas kann. Frauen in bestimmte Positionen zu hieven, nur weil sie Frauen sind, ist kein fairer Wettbewerb. In einem fairen Wettbewerb darf es ausschließlich um Können und um Leistung gehen, aber nicht um das Geschlecht. Es ist so wie beim Sportunterricht, wo der schlechtere Läufer manchmal Vorsprung bekommt. Es ist kein gutes Gefühl, mit Vorsprung starten zu dürfen, weil man von vornherein als der schlechtere Läufer gilt. Genau das finde ich diskriminierend.

KH: Gut gemeint ist und bleibt das Gegenteil von gut gemacht.

FB: Kann man sagen, Sie tummeln sich überwiegend in einer Männergesellschaft?

KH: In gewisser Weise schon. Man muss halt ihre Regeln kennen, dann klappt das auch. Diese Regeln sind am Anfang nicht ganz einleuchtend, aber man kann sie lernen. Ich habe mir beispielsweise früher nie Gedanken gemacht, was für ein Auto ich fahre, wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin. Wenn einen der männliche Klient in einem typischen niedlichen Frauenauto vorfahren sieht, fühlt er sich unwillkürlich überlegen und lässt sich nichts sagen.

Status-Symbole für Männer wichtig

Bei Zwanzig-Zoll-Felgen klappt die Zusammenarbeit aber plötzlich ganz gut. Männer denken in Statuskategorien und stellen unentwegt heimliche Vergleiche an, wer die tollere Uhr oder das bessere Smartphone hat. Da muss man halt mitziehen.

FB: Woher nehmen Sie denn solche Weisheiten?

TH (lacht): Von unseren Männern natürlich. Die haben uns das verraten.

FB: Ja, dann – vielen Dank für das Gespräch.  

Informationen zu Haug & Höfer finden Sie hier.

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Flip Chart "Höhle der Löwen" - TV Show

Ein tolles Produkt vor Millionen von Fernsehzuschauern vorstellen – diesen Traum träumen viele Leute, die ein Start-up gegründet haben. Der Run auf die Gründershow „Die Höhle des Löwen“ ist deshalb groß. Alle wollen den Löwendeal! Oder zumindest kostbare Sendezeit. Denn die Minuten der Ausstrahlung, in denen die Gründer ihr Produkt vorstellen können, sind für junge Unternehmer unbezahlbar (und für ältere meist auch). Oftmals sorgen sie dafür, dass die Bestellungen nach der Sendung in die Höhe gehen – ganz gleich, ob der ersehnte Deal zustande kam oder nicht. Werbung – kostenfreie noch dazu – ist eben alles.

Deshalb ist in der Start-up-Szene ein Auftritt vor Maschmeyer & Co. der Hauptgewinn.

Gründer-Show wurde für Start-up-Frauen zur „Hölle des Löwen“

Den glaubten auch die Gründerinnen Alexandra Vázquez Bea und Annette Rieger aus Hannover, für die die „Höhle der Löwen“ zur „Hölle der Löwen“ wurde. 

Beide Frauen vertreiben außergewöhnliche Lebkuchen. „Lenchen“ heißt das süße Wintergebäck, das nach einem Familienrezept, das einst Oma Lene erfand, gebacken wird. Durch die Löwenhöhle sollte die süße Verführung einem Millionenpublikum bekannt werden und neue Kunden anlocken.

Daraus wurde nichts.

Die Produktionsfirma, die die beiden Gründerinnen bereits zu einem Dreh eingeladen und auch vor Ort bei „Lenchen“ gefilmt hatte, sagte die Präsenz der beiden in der Show aus heiterem Himmel ab. Per E-Mail.

Schock nach Absage war groß

Der Schock war groß, bei Vázquez Bea und Annette Rieger. Nach einem Bericht der Ostsee-Zeitung schrammten die beiden engagierten Frauen knapp an einer geschäftlichen Katastrophe vorbei. 

Das Blatt schreibt:

„Sie geben bei ihrer Partnerbäckerei 35.000 Lebkuchen-Portionen in Auftrag, bauen ihren Online-Shop um, mieten zusätzliche Server. Insgesamt bauen sie Verbindlichkeiten in Höhe von 140.000 Euro auf, um sich auf die Ausstrahlung vorzubereiten. Um ihr schnelles Wachstum zu finanzieren, verkaufen sie sogar Anteile ihres Start-ups an einen Privatinvestor und eine Förderbank.“

Als die schnöde Absage eintrifft, können es beide kaum fassen. Zumal es November war und kaum mehr Zeit blieb, die vorproduzierten Lebkuchen an die Frau oder den Mann zu bringen. Obwohl „Lenchen“ das ganze Jahr über produziert wird, sind doch die Gewohnheiten der meisten Leute so, dass sie Lebkuchen nur in der Winter- und Weihnachtszeit essen.

Ausladung aus Show bescherte Verluste

Logisch, dass die Entscheidung der Show-Macher ein tiefer Einschnitt war und Verluste bescherte.

Die Ostsee-Zeitung schreibt in ihrer Ausgabe vom 23. Mai 2019 weiter:

„Sie stoppen sofort die Produktion, suchen mit Hochdruck neue Vertriebspartner, aktivieren Freunde und Bekannte, nehmen auch privat Kredite auf. Nachts liegen sie wach, ihre Gedanken kreisen darum, die Insolvenz abzuwenden. Am Ende verkaufen sie rund die Hälfte ihrer Lebkuchen, zu niedrigeren Preisen als kalkuliert – den Rest müssen sie entsorgen. Sie schließen das Jahr nur mit einem Umsatz von 150.000 Euro ab.“

Und heute? Nun – echte Powerfrauen gehen nicht unter. Das weiß man. Und weil die Lebkuchen-Expertinnen nicht aufgaben, sind sie immer noch da. Logisch!

Nun geht es für „Lenchen“ aufwärts

Mittlerweile ist der Schock verdaut und die Auftragsbücher werden praller. Zwar müssen die beiden noch die eine oder andere Rechnung abstottern, aber interessierte Händler fragen mehr und mehr an. Langsam, aber sicher – so scheint es – geht es aufwärts.

Das wäre den beiden Gründerinnen auch von Herzen zu wünschen. Dass es dann auch klappt, ist wahrscheinlich. Denn Vázquez Bea und Annette Rieger profitieren von vielen Umständen. Zum einen werden Lebkuchen (und solche, die nach alter Tradition gebacken werden erst recht) immer gern gegessen und zweitens steigt der Kauf per Internet mehr und mehr an. 

„Lenchen“, so scheint es – wird sich behaupten!

Bildnachweis: picture alliance/Jens Kalaene/dpa-Zentralbild/dpa

 

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Daniela Gotta in Airportlounge

Übersetzen, sprechen, filmen, moderieren und Unternehmer interviewen – das Aufgabenspektrum, dem sich Daniela Gotta (im Bild links) widmet, ist vielfältig. Die dynamische Frau, die sich ein gut gehendes Übersetzungsbüro aufgebaut hat, bietet längst spezielle Dienstleistungen an, die über das klassische Übersetzen und Dolmetschen hinausgehen. Mit viel Engagement ist so das Unternehmen DANILINGUA entstanden, das Wort, Ton und Bild professionell ineinander fließen lässt. Dass sich Daniela Gotta ihrem Tun mit so viel Leidenschaft und Herzblut widmet, hängt auch mit ihrem familiären Background zusammen. Aufgewachsen in einem international ausgerichteten Familienunternehmen, kristallisierte sich ihre kosmopolitisch-unternehmerische Lebenseinstellung schon frühzeitig heraus.

Unternehmertum lag Daniela Gotta schon im Blut

Gepaart mit der Neugier auf Menschen ging die vielseitige Frau und Mutter zielstrebig ihren Weg und ist heute eine gefragte Expertin auf ihrem Gebiet. Wir haben mit Daniela Gotta über ihre Arbeit, die Familie und über ihr ehrenamtliches Engagement gesprochen. Herausgekommen ist ein spannender Einblick in einen interessanten Beruf, der für die lebensbejahende Unternehmerin aus Rödermark längst zu einer Berufung geworden ist.

FB: Frau Gotta, Sie sind heute unsere Interviewpartnerin. Aktuell aber sind Sie selbst auch als Interviewerin unterwegs – erzählen Sie doch mal! 

Ich bin ein echtes Mittelstandskind. Das Unternehmertum liegt bei uns im Blut und zwar drei Generationen zurück auf jeder Familienseite. So hatte meine Uroma z. B. den ersten Dauerwellenapparat in ihrem Friseursalon in Reutlingen. Der Grundstein für das Familienunternehmen „Gotta Contacts – Manufaktur feiner Lederwaren“ wurde 1899 gelegt. So bin ich aufgewachsen. Im international ausgerichteten Familienunternehmen und einem Designer als Vater, der unter anderem die Linien „Porsche Design“, „BMW-M-Style“, Davidoff, Dupont Paris und den „Colani-Koffer“ sowie Produkte für viele weitere Markenunternehmen entworfen hat. So habe ich im Lauf der Zeit bis zu meinem USA-Aufenthalt und auch danach, zahlreiche Inhaber oder Geschäftsführer der deutschen Industrie und weltweit bekannter Luxusmarken kennengelernt und konnte bereits in jungen Jahren direkte Einblicke in Unternehmen gewinnen.

Mit meinem Übersetzungsbüro und der angeschlossenen Medienproduktion (Film und Vertonung) bekomme ich viele Einblicke in Unternehmen, was sich seit meiner Mitgliedschaft beim BVMW noch intensiviert hat. Irgendwann hatte ich dann den Impuls „Mensch, warum gehe ich nicht raus und frage selbst, wo es beim Mittelstand heute drückt? Was ihn bewegt usw.“

Menschen und Unternehmen im Porträt

Frau interviewt Mann

Daniela Gotta im Interview mit einem Unternehmer

Daraus sind dann die Interviews auf meiner Seite DANILINGUA – im Dialog mit DANILINGUA – geworden, wo ich Menschen und Unternehmen portraitiere und ihnen Gelegenheit biete, zu sagen, was sie bewegt. Außerdem liebe ich es, interessante Dinge über spannende Menschen zu erfahren und dies an andere weiterzugeben. Auch besonders vor der Kamera. Wir haben z. B. einen Filmpreisgewinner und eine Kämpferin für gerechte Familienbesteuerung befragt. Bei dem Mädchen mit der Wasserallergie war zwei Tage später „Maintower“ vom Hessischen Rundfunk bei uns und hat eine Reportage über sie gedreht. Die Resonanz auf den Bericht war überwältigend. Heute ist das Mädchen beschwerdefrei. Meine Interviews dienen also keinem reinen Selbstzweck. Ich gebe anderen Menschen die Bühne und den Raum, sich zu präsentieren und für ihre Anliegen zu werben.

FB: Wenn man sich Ihre Aktivitäten so ansieht, so geht das doch über die klassischen Übersetzer- und Dolmetscher-Leistungen hinaus, oder?  

Das ist richtig. Ich habe mich nie als „klassische Diplom-Übersetzerin“ gesehen, die tage- und wochenlang kein Tageslicht sieht (wobei, diese Phasen gab und gibt es dann und wann natürlich auch). Das ist auch wieder durch meinen unternehmerischen Hintergrund geprägt, weil ich stets nahe an den Unternehmen bin. So arbeite ich auch überwiegend mit Direktkunden, weil ich mit ihnen aus der eigenen Erfahrung heraus direkt auf Augenhöhe stehe und mich in sie hineinfühle.

Außerdem hat sich das Berufsbild verändert. Wort, Ton und Bild fließen immer mehr ineinander. Viele meiner Kunden benötigen außer den reinen Textdokumenten auch das gesprochene Wort oder Content für ihre Videos, Präsentationen oder Produktfilme. Die Doppelqualifikation als ausgebildete Sprecherin und Übersetzerin bedeutet Sicherheit und nur einen einzigen Anlaufpunkt für die oft vielgestaltigen Anforderungen eines Kunden. Auf „Spreche“ zu schreiben erfordert eine andere Herangehensweise als Schreiben von zum Lesen verfassten Texten.

Mit Sprache ein Bindeglied zwischen den Kulturen sein

Kreativität ist mir wichtig. Sie liegt mir einfach im Blut. Und wie lässt sich das besser miteinander verbinden, als über das gemeinsame Vehikel „Sprache & Kommunikation“? Ich baue Brücken. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Kulturen.

FB: Hatten Sie schon immer ein Faible für fremde Sprachen? Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?

Meine Mutter ist in Süddeutschland, im Schwäbischen, aufgewachsen, wo nach 1945 Französisch neben Deutsch die zweite Sprache war. Hier in Hessen, wo mein Vater aufgewachsen ist, war es das Englisch der Amerikaner. Amerikaner sollten auch bei der Rettung meines Großvaters vor dem Tod eine wichtige Rolle spielen. Das in Rödermark verwurzelte Familienunternehmen war von Anfang an international ausgerichtet. Englisch und Französisch waren zwar Schulfächer, intensiviert wurden die Sprachen allerdings durch sehr viele Besuche von Freunden und Geschäftspartnern aus dem Ausland und eigene, sich über viele Wochen erstreckende Auslandsaufenthalte seit meiner frühen Kindheit.

Unser Leder bezogen wir überwiegend aus Italien. Als Kind verinnerlichen Sie eine Sprache ja wirklich schnell. Und was mir später in Italienisch an Vokabeln gefehlt hat, habe ich mir aus Französisch irgendwie zusammengebaut. Nach der Schulzeit stand die große Entscheidung an: Was nun? „Irgendwas mit Werbung, Kindern oder Sprachen“ sollte es sein. In der Schule lief der Tausch folgendermaßen ab: „Mathe und Physik“ gegen „Englisch und Französisch“. Fragen Sie mal einen Übersetzer, warum er Sprachen studiert hat … und, es war schon immer mein Wunsch, selbständig zu arbeiten.

Beruflicher Einstieg in Germersheim – später in den USA

Der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bot für eine Zukunft mit Sprachen die idealen Voraussetzungen. Gekoppelt mit einem Auslandsstudium am ETI in Genf rundeten das Bild ab, bevor es dann in die USA ging. Als Ein-Eltern-Familie von Anfang an hatte ich also schon weit davor die richtigen Weichen gestellt.

FB: Welche Sprachen sprechen Sie? 

Deutsch mit Hessisch (wenn ich meinen Sprech-Coach ärgern will), Englisch, Französisch und Italienisch.

FB: Für welche Berufsgruppen arbeiten Sie am häufigsten? 

Es sind überwiegend international tätige Unternehmen. Dazu zählen große Anwalts- und Steuerkanzleien ebenso wie Produktionsunternehmen und Agenturen. Der Mittelstand und auch das Handwerk sind bei mir ebenso gut aufgehoben, wie multinationale Konzerne und Finanzinstitute. Durch meine gerichtliche Ermächtigung werde ich auch gerne für Verhandlungen bei Notaren, Dolmetschen bei der Justiz und anderen Behörden sowie die Übersetzung von Dokumenten, bei denen es auf Rechtssicherheit ankommt, eingesetzt. Ich habe auch schon viele Auswanderer „über den großen Teich übersetzt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die unterschiedlichen Berufe der „Neu-Kanadier“ oder „Neu-Amerikaner“, erweitert sich der eigene Horizont ebenfalls unaufhörlich.

FB: Ihre Vielseitigkeit beweisen Sie auch als Moderatorin. Wie hat sich das ergeben?

Frau mit Mikrofon

Das gesprochene oder geschriebene Wort spielen in Daniela Gottas Beruf die Hauptrolle.

Vor einigen Jahren erhielt ich einen Anruf, ob ich an Tag X für einen Walk bei einer Modenschau Zeit hätte. Ich habe gesagt, dass ich keine „Size 0“ sei. „Das macht gar nichts“, kam es vom anderen Ende der Leitung. „Kommen Sie einfach vorbei.“ Gesagt, getan. Drei Tage lang war ich als Model für Ulla Popken auf dem Laufsteg in Frankfurt. Die durch das Programm führende Moderatorin und ich hatten sofort einen guten Draht zueinander. Zu der Zeit hatte ich bereits die Sprecherausbildung abgeschlossen, und so kam das eine zum anderen. Ich habe mich aus- und weiterbilden lassen – und voilà. Auf der Bühne zu stehen und die Menschen fröhlich, informativ und auch mal ernst durch ein Programm zu führen, dazu das ein oder andere Live-Interview, ist, wofür ich brenne und was mich einfach erfüllt.

„Moderation genau mein Ding“

Nie genau zu wissen, was im nächsten Moment passiert. Den Schwung und die Dynamik einer Moderation mit dem Publikum mitzunehmen und stets „wach“ zu sein und auf das Unvorhergesehene spontan zu reagieren. Das ist genau mein Ding. In Deutsch oder Englisch oder im Wechsel, je nach dem, wie es sich ergibt und was die Situation erfordert.

FB: Ihr Business haben Sie sich neben Ihrer Verantwortung als Mutter aufgebaut. Was war die größte Herausforderung, die es zwischen Familie und Job zu stemmen galt?   

Da sprechen Sie ein Thema an. Wir hatten einen wirklich aufregenden Ritt als Ein-Eltern-Familie, seit mein Sohn 10 Monate alt war. Einerseits war ich „da“, also im Haus, aber eben doch „nicht greifbar“. Sie wären einfach gern viel öfter mit ihrem Kind zusammen, weil es diese Zeit wirklich nur einmal gibt … Ich kann es nur immer wieder betonen: „Genießt die Zeit mit Euren Minis, wenn es finanziell nur irgendwie machbar ist.“ Seine Freiräume kann man sich auch ohne den Beruf schaffen. Oder andere Aufgaben suchen. Natürlich ist jede Entscheidung so individuell wie die Person, die sie trifft. Ich hätte es mir gewünscht, noch mehr Zeit für uns beide zu haben. Andererseits ist die Unabhängigkeit natürlich toll gewesen. Da wir beide Langschläfer waren, konnten wir diesen Luxus dank Home Office auch ausgiebig genießen. Sie lernen zu planen, wie ein Oberst beim Militär.

Planung als Ein-Eltern-Familie das A und O

Sie takten und planen alles durch. Jedes Dominosteinchen und jedes Zahnrad wird bedacht. „Plan B“ ist für Anfänger. Ich hatte eher Plan A bis Y. Sie machen keinen Schritt ohne Planung. Ich hatte ein super verlässliches System rund um Großeltern, Freunde und Kinderbetreuung. Sogar bei unseren Besuchen in den USA. Das erste Mal war er vier. Für mich war das wie „nach Hause kommen“, zurück in San Francisco, wo ich fünf Jahre lebte, und meinen Kleinen bei meinen Freunden in guten Händen zu wissen. Ich konnte meinen Sohn manchmal auch zu Kundenterminen mitnehmen. Einmal hatte ich ihn UND seinen Freund bei einem Kunden aus England dabei. Das war super. Beide waren beschäftigt, und wir konnten übers Geschäftliche sprechen. Dieser Kunde hat dann sogar unserem Kindergarten (in dessen FV-Vorstand ich lange war) damals sogar 1 000 Pfund gespendet. Das gab’s vorher noch nie.

Das schlechte Gewissen ist dennoch ein regelmäßiger Begleiter gewesen. Und die Sehnsucht. Und natürlich konnten Sie die Uhr danach stellen, dass die heftigen Krankheiten pünktlich mit einem Großauftrag zusammenfielen. Dann lag er eingepackt auf dem Sofa in meinem Büro und so haben „wir gearbeitet“. Nacht- und Wochenendschichten waren an der Tagesordnung. Aber auch Freiraum dazwischen und viel Zeit auf dem Spielplatz und unterwegs. Alles in allem erfüllt mich große Dankbarkeit, dass wir unser Leben so frei gestalten konnten. Und durch meine Tätigkeit in Elternbeirat und Förderverein seit eigentlich der Mini-Krabbel-Gruppe, war ich auch durchgehend nah am Geschehen dran.

FB: „Der klassische Beruf des Übersetzers und Dolmetschers wandelt sich gerade“ – so Ihre Aussage. Was genau ändert sich und wie stellen Sie sich auf diese Veränderungen ein?   

KI ist da. Das ist Tatsache. Es verändert sich gerade viel. Durch viel Technik oder Wiederholungen geprägte Texte können durch die Maschinen laufen und erfordern vom Menschen an der einen oder anderen Stelle nur noch Nachjustierungen. Kreativität erfordernde und marketingorientierte Texte oder auch Skripte mit werblichen Inhalten leben vom menschlichen Input. Wir werden also lernen, mit den Programmen zu kooperieren.

Übersetzen und Dolmetschen hat mit Vertrauen zu tun

Es wird mehr nachkorrigiert und beurteilt werden, welche Texte sich für KI eignen und welche man lieber einem erfahrenen Profi an die Hand gibt. Beim Dolmetschen würde ich mich, vor Gericht zum Beispiel, nicht darauf verlassen wollen, dass KI über Gitter oder Freiheit entscheidet. Das gilt auch für Gespräche, bei denen viel auf dem Spiel steht. Wortwitz, Anspielungen, vernuschelte Aussprache, falsche Begriffe, die der Dolmetscher auffängt und unbemerkt „im Prozess umarbeitet“, damit sie auf der anderen Seite korrekt landen, sind dünnes Eis. Dafür möchte ich bitte einen wichtig: ausgebildeten und neutralen – Dolmetscher an meiner Seite haben.

Übersetzen und Dolmetschen sind Vertrauenssache. Der Dolmetscher ist oft das Zünglein an der Waage bei Entscheidungen von großer Tragweite. Ein Übersetzer kann beispielsweise über Erfolg oder Nichterfolg Ihres Engagements im Ausland sorgen. Achtung, wichtig: Der Beruf des Übersetzers ist nicht geschützt. Ebenso wenig wie der des Sprechers oder Dolmetschers. Darum fragen Sie bei der Auswahl eines Sprachmittlers nach Qualifikation, Spezialisierung und Erfahrung. Oder lassen Sie sich jemanden empfehlen, zum Beispiel von mir. Ein Diplom kann ebenso eine Qualifikation sein, wie ein Quereinstieg aus einem Spezialgebiet (Medizin, Recht, Chemie usw.). Auf meiner Website www.danilingua.de habe ich dazu einen Leitfaden hinterlegt.

FB: Was macht Ihnen im täglichen Berufsalltag am meisten Spaß? 

Ich stehe gern vor der Kamera oder auf der Bühne. Menschen dort in den Mittelpunkt stellen und das Beste von ihnen zu zeigen, ist mein Ansporn. Der Erfolg meiner Kunden macht mich glücklich. Genauso macht es mir aber auch Spaß, einen Ausgangstext in eine den Kunden in Begeisterung versetzende Version in der jeweiligen Zielsprache zu bringen. Ebenfalls macht mir Akquise einen Riesenspaß. Ich rufe für mein Leben gern Menschen an. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass kein Tag dem anderen gleicht. Und oft wird man auch zum Unterstützer, auch bei zunächst traurigen Anlässen. Einmal habe ich Dokumente für eine Mutter übersetzt, deren Kinder vom Vater in die USA entführt wurden. Was für ein Fest, als die Minis wieder in den Armen ihrer Familie in Deutschland waren! Auch beim Dolmetschen bin ich meinem Element. Am liebsten live über TV. Nicht zu wissen, was als nächstes kommen mag sorgt für das nötige Adrenalin gepaart mit der Sicherheit einer guten Vorbereitung.

Es bleibt aber dennoch immer das gewisse Quäntchen Ungewissheit. Oder Ton und Bild fallen mal aus. In diesen Momenten profitiere ich von meiner gelernten Gelassenheit als Sprecherin und Moderatorin.

Alltagstrott gibt es nicht!

Zusammengefasst macht mir also am meisten Spaß, dass der Alltag eben keiner ist und mit so viel Abwechslung geprägt ist. Es ist ein wunderbarer Wechsel zwischen Adrenalin pur, wenn ich „draußen“ bin und – relativer – Ruhe zurück im Home Office.

FB: Neben Ihrer Arbeit sind Sie auch ehrenamtlich engagiert – erzählen Sie doch bitte einmal von diesem Engagement!

Ich kenne es gar nicht anders, als dass man nicht nur für sich lebt, sondern sich auch über den eigenen Tellerrand hinaus um andere kümmert, die vom Leben nicht immer gut behandelt wurden. Ich gehöre einer internationalen Service-Organisation mit Sitz in Oak Brook, USA, an. Dieses Engagement für „Deinen Nächsten“ wurde mir von Anfang an in meiner Familie vorgelebt. Ich habe in meinem Carport z. B. eine „Give Box“ eingerichtet. Dort deponieren mittlerweile sogar Nachbarn das, was sie zu Hause nicht mehr benötigen. Es findet ein wirklich reger Austausch statt. Von Kindersachen über Haushaltsartikel, Bücher und Kleinmöbel findet alles einen neuen Platz.

Ehrenamtliche Jugendarbeit mit solidem Netzwerk

Durch meine Erfahrung mit Jugendlichen hat es sich auch dahin entwickelt, dass sich die Jugendhilfe als Hauptgebiet herauskristallisiert hat. Da kommt es auch schon mal vor, dass jemand hier unterkommt, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir viel zu wenig Ansprechpartner zwischen Elternhaus und Polizei haben, wenn’s im „spannenden Alter“ brennt. Ich mache das rein ehrenamtlich und bin bei keiner Institution registriert. So kann ich gezielter agieren, wo Not am Mann ist. Ob es sich um zugezogene Familien, Müttern in brenzligen Lagen oder Jugendliche handelt. Irgendwann haben Sie als Frau und Mutter einen Erfahrungspool aufgebaut und können das weitergeben. Dabei ist es wichtig, den nötigen Abstand zu wahren, den es für das „Außen“ braucht, und den „Schützlingen“ dennoch die nötige Wärme und viel Verständnis zu vermitteln, aber auch mal Grenzen aufzuzeigen. Und es hat sich mittlerweile ein wirklich solides „Sozial-Netzwerk“ aufgebaut. Menschen, Fachleute wie Privatpersonen, auf die zu 100 % Verlass ist. Das ist ein schönes Gefühl. So ist keiner allein.

FB: Ihr Terminkalender wird sicherlich stets voll und private Zeit rar sein. Wenn aber doch freie Stunden anstehen – wie verbringen Sie diese? Haben Sie Hobbys? 

Frau hinter Kamera

Daniela Gotta steht auch gern hinter der Kamera.

Freie Zeit. Ja. Da sagen Sie was. Mir macht meine Arbeit so viel Spaß, dass ich selten darüber nachdenke, was freie Zeit und was „Arbeit“ ist. Wenn wir mit der Kamera unterwegs sind, vergeht die Zeit wie im Flug. Ich tanze für mein Leben gern. Zumba ist eine dieser Leidenschaften. Und „Funk Nights“ sowie andere von Lieblings-DJs veranstaltete Partys. Krafttraining und Spaziergänge mit meiner Hündin im Wald, der bei uns vor der Haustür liegt, sorgen für den Ausgleich. Ich sage jeden Tag „Danke“, dass ich den Wald genießen darf. Singen ist auch etwas, was mich total befreit und die Endorphine fliegen lässt.

FB: Gibt es derzeit berufliche Pläne, die Sie angehen möchten? 

Ja. Die gibt es auf jeden Fall. Wir haben mit GOTTAFILMYOU gerade ein Konzept zum Thema „Recruiting“ erarbeitet und setzen das mit Bewerbervideos um. Einmal für Employer Branding oder für Kandidaten, die sich gerne präsentieren möchten. Besonders schön ist dies für kreative Menschen oder wo Lücken im Lebenslauf zu immer wieder den gleichen Fragen führen.  Dann gibt es weitere Pläne.

Neue Pläne schon in der Schublade

Dazu will ich noch nicht allzu viel verraten, nur so viel: „Regional, national, international“ sind Begriffe, die darauf hindeuten. Wichtig ist, finde ich, dass man stets weitergeht. Meine Oma hat immer gesagt: „Kind, ich bin jetzt 81 Jahre alt und lerne jeden Tag dazu“. Das Leben hat so viele spannende Facetten.

Drei Lebensträume habe ich mir bereits erfüllt. Einer davon war, in den USA zu leben und zu arbeiten. Das habe ich mir erfüllt und war fünf Jahre in San Francisco. Erst mit einem J1-Visum, danach mit einem H1-B-Visum. Ich werde das Gesicht des Konsulatsmitarbeiters nie vergessen, als ich es hier in Frankfurt eingelöst habe: „Wie haben Sie das denn bekommen?“ hat er gefragt. Ein weiterer Herzenswunsch ist das Singen. Das Klavier steht schon bereit. Wenn es soweit ist, wird die für den regelmäßigen Unterricht benötigte Zeit frei sein.

Glaube an deinen Traum. Bleibe dran. „All energy goes somewhere“, hat mal eine liebe Freundin in den USA gesagt. Hole dir Rat und höre dann auf dich. Und merke: Es wird erst richtig schwer, bevor der Durchbruch kommt. Damit ist dafür gesorgt, dass es sich bei den Plänen um keine Eintagsfliegen handelt und du nicht gleich beim ersten „ Buh“ umfällst.

Meine nächsten Pläne werden auf jeden Fall über die sozialen Medien bekannt gegeben werden. Sie haben etwas mit „Pendeln“ zu tun. Mehr sage ich nun wirklich nicht. Wer mich kennt, hat es sowieso schon vor zwei Absätzen gewusst (lacht).

“If you can dream it, you can do it”.

Copyright: Daniela Gotta

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Vereinbarkeit von Familie und Beruf – ein Thema, das als „Neverending Story“ durch die Medien kreist. Familienverbände, Politiker, Initiativen und Aktivistinnen beschäftigen sich damit und kommen bislang leider immer wieder zu dem Fazit, dass diese Vereinbarkeit für den Großteil der Frauen und Männer, die sie leben wollen, schlichtweg nicht existiert. Natürlich – nicht wenige Unternehmen bieten diverse Optionen für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die Familie und Beruf in einen ausgewogenen Einklang bringen wollen, an.

Aber noch immer sind das Ausnahmen, über die sich nur ein Bruchteil berufstätiger Mütter und Väter freuen kann. Umso interessanter ist es, von Frauen, die in diesem Zusammenhang selbst aktiv werden und in Eigeninitiative ihre Vereinbarkeit schaffen, zu erfahren. Juliane Derra (Bild) ist so eine Frau.

Im Interview erzählt sie uns die 32jährige, wie sie schon heute die Vereinbarkeit schafft, die ihr auch später als Mutter zugute kommen soll.

FB: Frau Derra, was machen Sie derzeit beruflich?

Aktuell arbeite ich als Merchandise Plannerin in einem deutschen Einzelhandelsunternehmen. Zusammen mit meinem Team sorge ich kurz gesagt jeden Tag dafür, dass die richtige Menge der Ware zum richtigen Preis und zur richtigen Zeit am richtigen Ort ist.

Ich genieße die Mischung aus dem Kontakt mit den Filialen, dem Einkauf und anderen internen Abteilungen, aber auch die Kopfarbeit, wenn es um die Analyse in Excel geht.

Vereinbarkeit: Konflikt zwischen Familienzeit und Geldverdienen ist präsent

FB: Wann kam Ihnen der Gedanke, sich jobtechnisch so zu orientieren, dass die Vereinbarkeit Familie und Beruf besser gewährleistet ist?

In den letzten Jahren haben viele meiner Freunde eine Familie gegründet und was mir besonders aufgefallen ist, war der Konflikt zwischen den Themen Zeit für die Familie und auf der anderen Seite des Geldverdienens. Viele Freundinnen haben mir sogar unter vorgehaltener Hand verraten, dass sie es vermissen, ihr eigenes Geld auszugeben. Eigenes Geld zu verdienen und somit unabhängiger zu sein, gibt anscheinend schon ein gutes Gefühl.

FB: Für welche Möglichkeit haben Sie sich dann entschieden?

Ich habe mich für den Aufbau meines eigenen Network Marketing Geschäfts entschieden. Dabei arbeite ich mit einem Partnerunternehmen aus Deutschland zusammen, dessen Produkte – auch made in Germany – ich selbst schon seit Jahren selbst nutze.

FB: Was ist Network Marketing und was genau ist dann Ihre Aufgabe bzw. die Ihrer Geschäftspartner?

Network Marketing ist eine Sonderform des Direktvertriebs und entstand in den fünfziger Jahren des letzten Jahrhunderts, als einige Unternehmen sich entschlossen, ihre in der Regel hochwertigen und erklärungsbedürftigen Produkte nicht mehr über den bekannten Handelsweg zu vermarkten, sondern über Empfehlungen zufriedener Kunden und Geschäftspartner. So sparten die Unternehmen Kosten für Werbung und konnten ihre Partner entsprechend gut belohnen. Heute werden viele Produkte und Dienstleistungen über das bewährte Geschäftskonzept Network Marketing an den Kunden gebracht. Etwa 70% der haupt- und nebenberuflichen Geschäftspartner sind Frauen, die ihre Stärken in dieses Geschäft einbringen und neben den finanziellen Aspekten für ihre Arbeit Anerkennung erfahren, von Zuhause und bei freier Zeiteinteilung arbeiten können, Spaß haben und sich in viele Richtungen weiterentwickeln können.

Die Aufgabe besteht darin, Produkte, die Frau selbst nutzt und mit denen sie zufrieden ist, weiterzuempfehlen. Das schließt den Verkauf und damit den Erlös einer Handelsspanne ein sowie den Aufbau eines eigenen Teams und dessen Ausbildung ein. 

Mütter können als Organisationstalent in Sachen Vereinbarkeit viel erreichen

FB: Sie halten diese berufliche Orientierung vor allem für Mütter ideal. Warum?

Mütter sind Organisationstalente und absolute Netzwerker. Sie helfen sich gegenseitig und tauschen ihre Erfahrungen, Sorgen und Ängste aus. In der Regel sind auch die Frauen die treibende Kraft beim Thema gesunde Lebensweise, was gerade unser Geschäft begünstigt, da wir persönliche und finanzielle Freiheit mit einer gesunden Lebensweise kombinieren.

FB: Was raten Sie Müttern, die in ihrem jetzigen Job keine Vereinbarkeit gewährleistet sehen?

Ich denke immer wieder, dass es sich lohnt über den Tellerrand hinaus zu schauen. Welche Möglichkeiten gibt es noch? Mütter managen einen Großteil der familiären Angelegenheiten und sind Dreh- und Angelpunkt für jegliche Belange. Mit diesem Können sollten sie selbstbewusst umgehen. Warum nicht mit dieser Energie ihr eigenes Business aufbauen? Nicht umsonst sind es zum größten Teil Frauen, die im Network Marketing sehr erfolgreich sind.

FB: Haben Sie selbst vor, Familie zu gründen?

Ja, in meiner Lebensplanung ist das Thema Familie elementar wichtig.

Internetseite für Frauen, die Vereinbarkeit leben wollen, wurde gestartet

FB: Wohin können sich Frauen wenden, die den Weg, den Sie für sich ausgewählt haben, ebenfalls gehen bzw. mehr Informationen haben wollen?

Zusammen mit zwei Müttern habe ich eine Internetseite ins Leben gerufen, welche unsere Kernthemen kurz zusammenfasst und auch eine Kontaktmöglichkeit bietet. An alle Frauen oder Muttis da draußen: Wir freuen uns auf euch!

FB: Wie sieht ein typischer Arbeitstag bei Ihnen aus?

Den Großteil meines Tages bestimmt natürlich mein Hauptjob. Abends habe ich mir angewöhnt mit Interessenten und Geschäftspartnerinnen zu telefonieren sowie Erfahrungen weiterzugeben. Die Ausbildung läuft überwiegend über die elektronischen Medien, so dass jeder Partner zu einer ihm passenden Zeit aktiv werden kann.

FB: Was machen Sie in Ihrer Freizeit?

Ich bin absolut sportbegeistert und spiele mit Vorliebe Beachvolleyball im Verein. Dieser Sport ist für mich der perfekte Ausgleich: Körperlich rundum auspowern, ganzjähriges Strandfeeling und nicht zu vergessen unsere lustige Mädelstruppe. 

Und natürlich verbringe ich auch gerne ruhigere Stunden mit meinem Freund und meiner Familie. Als Familienmensch zieht es mich alle zwei Monate in die Heimat und da genieße ich jeden Augenblick.

Bildnachweis: Juliane Derra

Weibliche Fachkräfte für technische Arbeitsplätze zu gewinnen, ist für viele Unternehmen hierzulande noch immer eine Herausforderung.

Das Unternehmen Nextkraftwerke, das als virtuelles Netzkraftwerk agiert und in Köln sitzt, kennt diese Problematik auch. Und hat sich jetzt für diese Thematik etwas eher Außergewöhnliches einfallen lassen: es sponsert die Frauenbundesligamannschaft des Hamburger Schachclubs! Die Zusammenarbeit kam auf den Vorschlag einer Frau zustande und wie genau sich das alles zugetragen hat, schreibt das Hamburger Abendblatt in seiner Online-Ausgabe abendblatt.de am 14. November 2018 wie folgt:

„Trikotsponsoring ist im Schach eine Seltenheit, weil es meist gar keine Trikots gibt. Die Frauen des Hamburger SK von 1830 (HSK), des ältesten deutschen Schachvereins und eines der Gründungsmitglieder der Damen-Bundesliga, haben jetzt weiße mit schwarz-weißem Aufdruck. Wie es dazu kam, ist eine besondere Geschichte.Großmeisterin Sarah Hoolt (30), Wirtschaftswissenschaftlerin mit den Schwerpunkten Energie und Finanzen, die seit sieben Jahren für den HSK zieht, überzeugte ihren Kölner Arbeitgeber Next Kraftwerke, ins Sponsoring einzusteigen. Das hatte das 2009 gegründete Unternehmen schon immer vor, wusste aber nicht, wo es sich engagieren sollte. Next Kraftwerke, Jahresumsatz 2017: 382,7 Millionen Euro, betreibt, so steht es auf deren Homepage, „eines der größten virtuellen Kraftwerke Europas, in dem Stromproduzenten, -verbraucher und -speicher intelligent vernetzt sind“. Eines der Ziele ist es dabei, erneuerbare Energien möglichst effektiv zu nutzen.(….) Die Firma, 141 Mitarbeiter an sieben Standorten, darunter in Hamburg, hat jedoch ein Problem: Sie sucht Fachkräfte, vor allem weibliche, die sind in den IT-Teams stark unterrepräsentiert. „Bei uns bewerben sich kaum Frauen für technische Arbeitsplätze. Mit den herkömmlichen Stellenausschreibungen hatten wir bisher wenig Erfolg“, klagt Unternehmenssprecher Jan Aengenvoort. Mit dem Trikotsponsoring beim HSK sollen nun bundesweit computer- und technikaffine Frauen angesprochen werden. Die werden, nicht ganz zu Unrecht, beim Schach vermutet. „Schachspielerinnen können komplexe Zusammenhänge schnell erfassen, das ist im Stromhandel von Vorteil“, sagt Aengenvoort. Der Vertrag läuft ein Jahr, dann werde wir die Zusammenarbeit ausgewertet. Verlängerung offen.“

Eine mehr als charmante Idee, wie wir finden! Zumal der Ansatz, dass Frauen, die sich dem Sport Schach widmen, wohl auch ein logisches und strukturiertes Denken haben und zudem hochintelligent sind und deshalb auch gut in technische Berufe passen, absolut sinnvoll ist.

Bleibt zu hoffen, dass der Sponsor im Rahmen seines Engagments mit den Damen fündig wird!

Den ganzen Artikel können Sie hier lesen.

Ob nach der Elternzeit, aufgrund einer beruflichen Veränderung oder einfach dem Herzenswunsch wegen: kontinuierlich entscheiden sich Frauen dazu, als Existenzgründerin durchzustarten. Und wenn es nicht gerade die Bäckerei von nebenan oder das gut eingeführte Unternehmen mit solidem Kundenstamm ist, das sie übernehmen, brauchen Frauen dann vor allem eines: ein Offline-Netzwerk.

Also Menschen, die sie per sogenannter „Mund-zu-Mund“-Propaganda an andere Menschen weiterempfehlen.

Es gibt nicht wenige Neu-Selbständige, für die das Erschaffen eines realen Netzwerkes erst einmal wie Hexenwerk klingt. Das jedoch ist es nicht und Bedenken dahingehend sind unbegründet.

Lediglich kommunikativ sollte man sein, aber das ist ja sowieso in nahezu jeder Branche, in der man (FRAU) sich selbständig macht, eine Voraussetzung. Und dann kann es mit dem Aufbau eines Netzwerkes schon losgehen. Und zwar völlig unabhängig davon, ob man seine Selbständigkeit offline oder online betreibt – ganz klar!

Natürlich gibt es im Netz Geschäftszweige, bei denen die Online-Vernetzung überwiegt, aber die Regel ist das nicht. Für die allermeisten Branchen gilt: im realen Leben Kontakte zu anderen (selbständigen) Leuten aufzubauen, ist das A und O.

Und so macht FRAU das am besten:

Veranstaltungen besuchen ohne Ende

Um sicherzugehen, eine Menge Leute an einem Ort zu treffen, gehen Sie am besten auf Veranstaltungen. Und zwar auf so viele, wie möglich.

Hier sollten Sie Veranstaltungen, die nur mit Einladung zu besuchen sind, ebenso wahrnehmen, wie öffentliche Veranstaltungen. Um an Events zu kommen, zu denen nur ein bestimmter Personenkreis Zutritt hat, müssen Sie am Anfang ein wenig rührig sein.

Überlegen Sie beispielsweise, wer in ihrem Freundeskreis an attraktive Einladungen für bestimmte Veranstaltungen kommt und sprechen Sie die Freundin oder den guten Freund ruhig darauf an, dass Sie Interesse hätten, dort- oder dahin gern einmal mitzukommen.

Wichtig ist außerdem, dass Sie sich schlau machen, welche Veranstaltungen, Kongresse, Fachvorträge und so weiter, die ihre Branche betreffen, in Ihrer Stadt oder Ihrer Region abgehalten werden.

Kreativ an Einladungen kommen

Hier lohnt es sich oft, die entsprechenden organisatorischen Stellen zu kontaktieren und höflich darum zu bitten, in den Verteiler für Veranstaltungen aufgenommen zu werden. Das ist in den meisten Fällen kein Problem und auf diese Weise werden Sie schon bald die eine oder andere Einladung zu einer Veranstaltung oder zu einem Expertenforum bekommen.

Hier ist es ganz egal, ob Sie einen Pflegedienst führen oder schrille Hüte designen. Das Prinzip ist jedes Mal gleich. Beispiel gefällig?

Nun – wenn Sie einen Pflegedienst führen, sollten Sie sich in Ihrer Region die Ansprechpartner aus dem Bereich Pflege/Gesundheit/Soziales heraussuchen und schauen, was die veranstaltungstechnisch auf die Beine stellen. Ein kurzer Anruf oder/und eine Mail sollte dann genügen, um in den damit zusammenhängenden Einladungsverteiler zu kommen und beim nächsten Mal, wenn hier branchenspezifisch ein Event stattfindet, eine Einladung zu bekommen oder informiert zu werden.

Sind Sie Hut-Designerin, lohnt sich der Kontakt zum nächstgelegenen Stadt- oder Regional-Marketing und schon dürfte es klappen, mit der Aufnahme in den Verteiler. Warum? Ganz einfach: die meisten Stadtmarketing- und Tourismus-Büros veranstalten regelmäßig Events, bei denen die Strahlkraft der jeweiligen Region herausgearbeitet und auf das Potential hingewiesen wird.

Oftmals veranstalten diese Institutionen eigene Messen oder schaffen themenbezogene Plattformen, bei denen Sie die ansässigen Unternehmen/Selbständigen einbeziehen.

Auch laden solche Stellen oftmals überregionale Medienvertreter ein, um diesen das kreative Potential der jeweiligen Region nahe zu bringen.

Da würde es sich doch gut machen, wenn Sie als Hutdesignerin dabei wären – oder?

Und die Chance darauf haben Sie, wenn Sie im Vorab mit den Verantwortlichen in Kontakt getreten und somit dann auch gleich im Verteiler aufgenommen sind.

Kommunizieren, kommunizieren, kommunizieren….

Sind Sie dann auf den entsprechenden Veranstaltungen präsent, heißt es kommunizieren so gut es geht!

Nehmen Sie auf Events wirklich jede Möglichkeit wahr, mit anderen Leuten ins Gespräch zu kommen, denn die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass Sie hier auf potentielle Auftraggeber treffen.

Klar, so manche Frau, die gerade den Prozess der Existenzgründung abgeschlossen hat, hat Skrupel, auf Veranstaltungen mit wildfremden Menschen ins Gespräch zu kommen und Smalltalk zu betreiben. Aber auch diese Hürde lässt sich nehmen, denn Smalltalk ist an und für sich superleicht und kann von jedem angewandt werden. Wenn man einmal drin und darin sicher ist, wird man sich nie wieder scheuen, ein erstes belangloses, nettes Gespräch mit anderen Leuten zu führen. Mehr dazu hier.

Visitenkarten immer an der Frau haben!

Wer mit der Zeit häufiger auf Veranstaltungen geht, wird feststellen: nach dem Smalltalk schließt sich meist ein Gespräch oder eine lockere Plauderei über das jeweilige Berufsfeld der Gesprächspartner an.

Bleiben Sie hier bewusst an der Oberfläche, erzählen Sie keine Romane, aber bringen Sie schon auf den Punkt, was Sie anbieten. Das ist ganz wichtig! Und noch wichtiger ist es, dass Sie immer – wirklich immer! – Ihre Visitenkarten einstecken haben, wenn Sie auf eine Veranstaltung gehen.

So können Sie mit dem Überreichen Ihrer Visitenkarte eine Plauderei stets charmant abschließen oder gekonnt abrunden, wenn Sie das kleine Papier mit Ihren Kontaktdaten weitergeben.

Meist erhalten Sie im Gegenzug auch die Visitenkarte Ihres Gesprächspartners.

Verlegen Sie diese nicht, sondern bewahren Sie diese später in einem dafür vorgesehenen, kleinen Ordner auf oder – noch besser! – erstellen ein Tabelle mit diesen Kontaktdaten. Eine solche Tabelle wird sich rasch füllen – warten Sie es ab!

Kontakte zu erfassen zahlt sich aus!

Im Übrigen macht es sich auch immer gut, in eine solche Aufstellung oder auf die Rückseite der Visitenkarte auch den Anlass zu notieren, bei dem Sie die betreffende Person kennengelernt haben. Sollten Sie später einmal ein wichtiges Anliegen haben, für das Sie diese Person kontaktieren und es ist vielleicht viel Zeit vergangen, so dass die Gefahr besteht, dass man sich an Sie nicht erinnert, können Sie kurz und gekonnt einflechten, wo man einst aufeinandertraf.

So nach dem Motto: „Wir haben uns damals auf dem Stadtmarketing-Kongress in XY kennengelernt“.

Das macht viel aus und ist eine große Hilfe, selbst wenn man längst von der Existenzgründerin zur Unternehmerinnen-Persönlichkeit aufgestiegen ist.

Zurück zu den Veranstaltungen und den Leuten, die dort präsent sind:

Versuchen Sie einfach, hier mit so vielen Menschen wie möglich in Kontakt und am besten auch ins Gespräch zu kommen.

Nur so nimmt man Sie und vor allem das, was Sie zu bieten haben, wahr! Und nur so kommen Sie an Aufträge. Meistens nicht sofort, aber es ist keine Seltenheit, dass jemand, den Sie vor Ewigkeiten mal auf einer Veranstaltung kennengelernt haben, nach vielen Monaten (oder gar Jahren) auf Sie zukommt und Ihre Leistungen in Anspruch oder Ihre Produkte kaufen will.

Oftmals kommt es auch vor, dass jemand, den Sie erst kurze Zeit zuvor kennengelernt haben, nur wenige Wochen später bei Ihnen anruft, mit den Worten: „Sie machen doch das und das. Und ich habe hier jemanden, der genau danach sucht – darf ich demjenigen Ihre Nummer geben?“.

Oder es erreicht Sie der Anruf einer Person, die sich auf eine Frau oder einen Mann, die oder den Sie kürzlich bei einer Veranstaltung kennengelernt haben, bezieht. Und will mit Ihnen ins Geschäft kommen.

Nicht nachlassen im „Kontakte generieren“

So funktioniert ein Offline-Netzwerk. Und nur so! Haben Sie sich erstmal ein beachtliches Netzwerk geschaffen, werden ganz von allein Leute auf Sie zukommen, denen Sie irgendwann einmal Ihre Karte gegeben haben. Oder Bekannte beziehungsweise Freunde von denen.

Das Schöne dabei: durch neue Kontakte erhalten Sie ganz automatisch auch neue Einladungen und damit oft auch Zugang zu Kreisen, die Sie noch nicht kennen oder in denen Sie noch nicht genetzwerkt haben. Hat all das erst einmal Fahrt aufgenommen, wird sich ganz viel von alleine ergeben – das werden Sie feststellen.

Aber: sich dann zurücklehnen und dem Kontakte-Karussell frönen, ist nicht! Denn all das will gepflegt und erhalten werden. Lässt man hier nach und hört irgendwann auf, auf Veranstaltungen und Events zu gehen, wird das aufgebaute Netzwerk nach und nach brüchiger. Es sei denn, Sie veranstalten ein bis zweimal im Jahr eigene Events und laden Ihre vielzähligen Kontakte dazu ein. Geht natürlich auch…!

Als Existenzgründerin Kontakte pflegen

Egal, ob Sie noch Existenzgründerin oder schon eine gestandene Unternehmerinnen-Persönlichkeit sind: pflegen Sie Ihre Kontakte! Auch und vor allem die, die zwar keine Kunden bei Ihnen sind, aber die Sie regelmäßig an andere Leute, die dann Kunden bei Ihnen werden, empfehlen.

So sollte es selbstverständlich sein, solchen Multiplikatoren auch einmal ein Präsent zukommen zu lassen. Im Business bietet sich hier zumeist das alljährliche Weihnachtsfest an. Es ist üblich, zum Jahresende – neben den Geschäftspartnern und Kunden, die ja `eh mit einem Präsent bedacht werden – auch den „Empfehlern“ ein adäquates Präsent zukommen zu lassen.

Sind Sie über besondere geschäftliche Termine oder/und Jubiläen der „Empfehler“ informiert, so ist es eine schöne Geste, hier ebenfalls mit einem kleinen Präsent oder einem stilvollen Glückwunsch-Gruß aufzuwarten.

Wichtig: das gilt auch für Leute, die sie zwar noch nicht an andere Menschen empfohlen haben, aber mit denen Sie auf der einen oder anderen Veranstaltung schon einen netten Plausch geführt und die Visitenkarten ausgetauscht haben. Bringt man sich immer wieder in Erinnerung, ist man bei diesen Leuten nämlich auf dem Schirm, wenn sie einen Auftrag vergeben oder ein Produkt kaufen wollen, wofür Sie die richtige Ansprechpartnerin sind!

Auch privat gekonnt kommunizieren

Gerade als Existenzgründerin ist es außerordentlich wichtig, auch im privaten Umfeld auf die eigene Dienstleistung oder das eigene Produkt aufmerksam zu machen. Gelegenheiten hierfür gibt es meist mehr, als man denkt. Einzig das WIE ist wichtig, denn plumpe Eigenwerbung kommt kaum gut an, klar.

Dezentes Eigenmarketing bei Erledigungen oder Begegnungen im Alltag sind dagegen total okay und entsprechende Gelegenheiten sollten deshalb unbedingt wahrgenommen werden.

Dazu zwei Beispiele:

Stellen Sie sich vor, Sie kommen mit Ihrem Elektriker oder der neuen Mieterin einen Eingang weiter ins Gespräch. Flechten Sie hier ruhig – wenn es passt – ein, was Sie beruflich machen. Ist eine Grundsympathie zwischen Ihnen und den Gesprächspartnern vorhanden, können Sie davon ausgehen, dass sich diese Leute erinnern, wenn sie einmal Bedarf haben, Ihre Leistungen in Anspruch zu nehmen oder auf der Suche nach einem Produkt sind, das Sie anbieten.

Ebenso müssen Sie keine Scheu davor haben, Ihre Visitenkarte einem netten Gesprächspartner zu überreichen, den Sie im Privatleben treffen. Auch dieser ist ein potentieller Kunde und somit wichtig.

Wenn Sie all diese Tipps beherzigen, werden Sie rasch erkennen, dass der Aufbau eines beruflichen Netzwerkes keine besondere Kunst ist. Gerade als Existenzgründerin sollte es Ihnen ein Anliegen sein, ein solches Netzwerk aufzubauen.

Natürlich ist das Investment „Zeit“ nicht zu unterschätzen, aber sowohl eine Existenzgründerin als eine gestandene Unternehmerinnen-Persönlichkeit wird wohl kaum bei der Kontaktpflege mit der eigenen Zeit geizen.

Denn auch hier – und vor allem hier! –  gilt der knarzige Spruch: „Zeit ist Geld“.

Viel Erfolg!

Bildnachweis: pexels.com

Spielzeug, das erst heiß ersehnt und nach kurzer Zeit langweilig geworden ist –  davon können wohl die meisten Eltern oder Großeltern berichten. In vielen Kinderzimmern wimmelt es heute von Figuren, Bausteinen oder Stecksystemen namhafter Marken, aber oftmals fehlt diesen Dingen der Langzeiteffekt.

Das heißt, dass nicht selten das Spielzeug schon nach kurzer Zeit unbeachtet in der Ecke oder im Regal im Kinderzimmer verstaubt. Hinzu kommt: während diese Teile das Interesse der Kinder nicht mehr wirklich wecken können, werden parallel dazu schon wieder neue Begehrlichkeiten geweckt – sei es beim Einkaufen, durch Freunde oder durch die Werbung.

Es gibt ja für Eltern kaum mehr ein Bereich des öffentlichen Lebens, in dem sie nicht mit Einhörnern oder Elsa und Anna konfrontiert werden! Der „Haben-wollen“-Modus wird von der Spielzeugindustrie mehr als geschickt bei den Kleinen aktiviert – das Resultat ist zumeist Überfluss, Unnützigkeit und eben auch Abfall. Selbst wenn benutztes Spielzeug von engagierten Eltern an Vereine oder finanziell benachteiligte Familien gespendet wird – irgendwann hat jedes Spielzeug ausgedient und der Nachschub läuft ununterbrochen auf Hochtouren. Da muss man nur eins und eins zusammenzählen, um zu erahnen, was das auf Dauer mit der Umwelt macht, zumal vor dem Hintergrund, dass eine Menge Spielzeug mit fragwürdigen Inhaltsstoffen aufwartet.

Um diesem Wahnsinn zu begegnen, haben drei Frauen, allesamt Mütter, auf diese Situation reagiert und sich ihre eigenen Gedanken zum Überfluss im Kinderzimmer gemacht. Herausgekommen ist eine einzigartige und innovative Idee, die bald schon – als fertiges Produkt – in viele neugierige Kinderhände gelangen soll: Pappka, die faltbare Spielewelt, die auch in Sachen Nachhaltigkeit von sich reden macht.  Martina Musek, Cordula Hundrieser und Antje Stumpe (im Bild von links nach rechts) sind die kreativen Köpfe hinter dem Start-up Pappka.de aus Leipzig.

Im Interview erklärt Antje, wie es zu der Idee kam und wie die ausgefallene Spielewelt schon bald bei interessierten Familien Einzug halten soll. 

FB: Antje – das Team hinter pappka.de besteht komplett aus Müttern. Wie kam es dazu, dass ihr drei Mamas ein Start-up für kreative und umweltschonende Spielwelten gegründet habt?

Vor drei Jahren bin ich auf Martina Musek über die Kunsthochschule Burg Giebichenstein in Halle gestoßen. Wir haben dort studiert. Ich studierte dort Kommunikationsdesign und Martina studiert dort Lern- und Spieldesign – ja, so einen Studienzweig gibt es wirklich.

Sie suchte eine visuelle Gestalterin für ihre faltbaren Spielwelten, die aus einem Semesterprojekt heraus entstanden sind. So kamen wir zusammen. Seither kümmere ich mich um den ganzen Markenaufbau der Spielwelten, jeder Buchstabe, jedes Zeichen, jede Farbe, jedes Foto und jede Videosequenz wird von mir genaustens überlegt und wie ein Puzzle zu einem großen und ganzen Erscheinungsbild zusammengefügt.

Am Ende ist ja nicht nur die Idee entscheidend, sondern auch, ob PAPPKA® als Marke stark genug ist. Beides muss stimmen.

Martina entwickelt also das Produkt, angefangen von den ausgeklügelten Falttechniken, bis hin zur Materialwahl, über Laser-und Plottertests der Ideen und ich gebe dem Ganzen dann eine visuelle Erscheinung. Und dann ist Cordula Hundrieser zu uns ins Team gekommen, eigentlich im passendsten Moment, den man sich vorstellen kann, denn der Bauernhof der Spielwelten war soweit fertig, um in die Welt hinausgetragen werden zu können. Da wir beiden Designerinnen aber eher scheue Rehe sind, ist Cordula die perfekte Ergänzung.

Cordula ist unser heißer Draht nach außen. Sie erstellt das Vertriebskonzept, kümmert sich um die Kalkulationen, bereitet die Wege vor, damit PAPPKA® in den Handel kommen kann. Marketing und Sales ist ihr Schwerpunkt. Wir drei zusammen sind ein starkes Team. Jede bringt sich voller Liebe, Leidenschaft und mit viel Herzblut ein. Jede tickt ein wenig anders, aber am Ende sind es die Synergien, die uns voranbringen. Zu dritt haben wir dreimal mehr Energie, als wenn wir allein wären. Das ist großartig. Es macht wirklich Spaß, als Frauenpowerteam die Idee der faltbaren Spielwelten gemeinsam voranzutreiben.

FB: Was genau steckt hinter dem Konzept von Pappka.de?

PAPPKA® hat mehrere konzeptionelle Ansätze. Zum einen das ausgetüftelte Spielkonzept: unsere Spielwelten sind Gestaltungs,- Rollen,- und Konstruktionspiel in einem. Außerdem vereint es Pop-up und Papercraft miteinander, also die Idee, etwas wird geöffnet und klappt sich dann auf, kombiniert mit der Idee des Modelbastelbogens. Hier ist für die Entstehung eines dreidimensonalen Objektes stabileres Material im Einsatz als aus Karton. Man kennt ja Pop-up Bücher, die sind so filigran, dass die Kinder sie nicht betätigen dürfen, aus Angst, dass die feinen Schieber und Klappen einreißen und kaputt gehen. Mit unseren Spielwelten aber sollen die Kinder auch spielen können. Bis zu 1.000 mal können die Klappen unbeschadet auf,- und zugeklappt werden.

Dann ist ein großer Schwerpunkt das Umweltkonzept: Wir haben uns überlegt, dass die Umverpackung gleich Teil des Spieles sein kann, um auch hier Rücksicht auf die Umwelt nehmen zu können. Das ganze Produkt besteht aus Materialien, die in ihre technischen und biologischen Kreisläufe zurückgeführt werden können. Außerdem lassen sich die Buchdecken entnehmen, so dass man, wenn man möchte, die nächste Spielwelt einsetzen kann, in dem Fall z.B., dass das Bauernhofhäuschen nicht mehr interessant ist und das Kind jetzt lieber mit der Ritterburg spielen möchte. Das schont nicht nur die Umwelt, sondern auch den Geldbeutel. Die Buchdecken können also immer wieder verwendet werden. Und das ganz Besondere und innovative an unserer Erfindung ist, dass sich die Spielfläche auf 2 cm zusammenklappen lässt und einfach wie ein Buch im Bücherregal verstaut werden kann. So kann man in Sekundenschnelle im Kinderzimmer aufräumen und Platz schaffen. Genauso schnell kann man aber auch wieder in das Spiel einsteigen. Wir wissen aus eigener Erfahrung unserer Kinder, dass die Spielzeuge, die offensichtlich im Kinderzimmer stehen, wie Puppenstuben, Parkhäuser, Ritterburegn ect., am Ende nur einstauben und schnell zu langweilig werden. Was aber immer wieder neu aus dem Schrank geholt werden kann, bleibt interessant.

FB: Habt ihr eure Idee im Vorfeld durch kleine Erdenbürger testen lassen? Wenn ja, auf welche Art und wie haben die Kinder diese außergewöhnliche Idee für`s Kinderzimmer angenommen?

Ja, wir haben den Proof of Concept durchgeführt, indem wir eine Nullserie von 200 Exemplaren hergestellt haben und sie in sieben Kindergärten in Leipzig mit 365 Kindern getestet haben. Wir haben Kurzzeittests durchgeführt und Langzeittests. Bei den Kurzzeittests haben wir die Kinder beobachtet, wie sie mit den Spielzeugen umgegangen sind, wie sie den Aufbau bewältigt haben, ihre Eindrücke und Ideen haben wir notiert. Ganz oft waren die Kinder freudig überrascht, dass aus einem Buchobjekt plötzlich ein Spielhaus entstehen kann. Einige wollten auch wissen, warum wir es auch Pappe herstellen und nicht aus Plastik. Und die meisten haben sich total gefreut, dass sie es nun auch noch gestalten dürfen. Mit Schere, Leim und Farben sind sie beherzt umgegangen. Nach 4 Wochen haben wir die Häuser wieder eingesammelt. Die waren schön bunt und alle verschieden. Das war der Härtetest: alle Spielwelten waren noch ganz. Außerdem haben wir eine deutschlandweite Verlosung stattfinden lassen und die Spielwelten an 60 Familien gesendet, um wertvolles Feedback zu erhalten. Daraufhin konnten wir die Spielwelten noch optimieren und kleine Details verbessern.

FB: Was in Sachen Kreativität und Spiel in Kinderhände gelangen soll, muss stabil sein. Wie habt ihr das mit dem Material, dem Karton, gelöst?  

Wir haben ein nachhaltiges Material gesucht, was sich 1. gut falzen lassen muss, 2. reißfest sein sollte und 3. nicht schadstoffbelastet sein darf. Für 3. fielen dann schon mal alle Recyclingkartonagen weg, weil man nie zu 100% sagen kann, dass sie frei von Schwermetallen sind. Das war sehr schade, da wir hierfür eigentlich ganz tolle, farbige Kartonagen aus Recyclingprozessen vorgesehen hatten. Für 1. eignen sich auch keine Recyclingfasern, da diese zu kurz sind und daher an den Falzen zu schnell brechen. Deshalb eignen sich nur Materialien, die lange, frische Fasern haben. Und um 2. bedienen zu können, kommen nur sog. Kraftliner in Frage. Da haben wir uns ein schwed. Unternehmen als Partner gesucht, die in erster Linie Waldbauern sind und ihre Wälder nachhaltig nach FSC-Standards bewirtschaften und ihr Unternehmen nach ISO-Standards führen. Sie nutzen zu fast 100% Biokraftstoffe und versorgen mehrere 10.000 Haushalte mit Abwärme. Man kennt das Material übrigens von Biersixpacks, die werden mit Kraftkarton als tragbare Banderole zusammengehalten. Und durch unsere ausgetüftelten Stabilisierungsmechanismen werden die Spielwelten wirklich  stabil.

FB: Welche Vorteile bietet Pappka denjenigen, die die von euch entworfenen Spielwelten zukünftig kaufen sollen, den Mamas und Papas?      

Also man muss sich jetzt zum Beispiel keinen Schleich-Plastik-Pferdehof mehr ins Kinderzimmer stellen, wenn die Pferde der Kinder ein Dach über den Kopf brauchen. Oder wenn die Brioeisenbahn einen Lokschuppen benötigt. Oder wenn die ganzen Fillypferde und Einhörner zur Schule gehen sollen.

Unser Bauernhof ist ein vielfältig einsetzbares Objekt, was die Kinder so nutzen können, wie sie es möchten. Und wenn fertig gespielt ist, klappt man ihn zusammen und schwups ist Ordnung im Kinderzimmer. Die PAPPKA-Spielwelten lassen sich gestalten.

Viele Kinder freuen sich darüber, dass aus einem Haus ihr eigenes, persönliches Haus wird, so wie sie es wollen. Manche malen es stundenlang an und haben viele Ergänzungsideen: z.B. mit getrockneten Blumen bekleben, Stroh im Dachstuhl einfüllen, aus Ahornnasen Dachschindeln werden lassen, eigene Dinge entwerfen, die noch fehlen. Zum Beispiel das Mobiliar für Innen oder ein Bauer. Der wird dann gemalt, auf feste Pappe geklebt und nun muss man sich noch Gedanken machen, wie der eigentlich stehen kann.

Der Vorteil also ist, das Kind kommt in die kreative Beschäftigung. Erlebt, wie aus einer Fläche ein Objekt wird. Ergänzt, hat Ideen, die Feinmotorik wird gefördert, die Fantasie wird angeregt. Letztendlich auch das Rollenspiel. Die Kinder nutzen alles, was es gibt in ihrem Kinderzimmer. Und sie spielen Situationen nach, die sie beschäftigen. Der Bauernhof kann auch dazu einladen, die Kinder auf Themen zu sensibilisieren, z.B. Nutztierhaltung, Lebenshof für gerettete Tiere… man kann auch schwierige Themen besprechen, bespielen, warum hält er Mensch Schweine? Was bedeutet das für die Tiere. Sie sind ja nicht alle nur zum Streicheln da. Diese sensiblen Themen können die Eltern durchaus mit ihren Kindern gemeinsam angehen.

Und natürlich, ein Vorteil liegt auf der Hand: PAPPKA passt in jeden Rucksack und in jedes noch so vollgestopfte Auto. Es kann auf Reisen mitgenommen werden. An Orte, wo es Wartesituationen gibt: zum Arzt, ins Restaurant. Ein schöner Zeitvertreib.

FB: Nachhaltigkeit und Recycling – das sind Themen, die euch wichtig sind, auch und gerade im Zusammenhang mit eurer Geschäftsidee. Nun ist aber nicht jedes Material, das recycelt werden kann, gut für Kinder. Erzähl doch hierüber bitte einmal mehr und berichte gern auch, wie ihr diesen Anspruch in Einklang mit eurem Produkt gebracht habt.

Nachhaltig heißt für uns, dass das Hauptmaterial, also der Karton aus einem nachwachsenden Rohstoff besteht. Für einen gefällten Baum, werden drei neue gepflanzt. Die Ressource ist also nicht endlich und irgendwann aufgebraucht. Außerdem kann unser Produkt in seine Einzelteile zerlegt werden, die Materialien können in ihre technischen und biologischen Kreisläufe zurückgeführt werden.

Heißt konkret: ist PAPPKA ausgespielt, legt man es ins Altpapier. Zuvor schraubt man die Buchschrauben ab, aus denen lässt sich wieder was machen, z.B. eine selbstgebaute Uhr zum Üben der Uhrzeit. Auch die beiden Rundgummis können weiterhin genutzt werden. Dadurch, dass wir dem Papierrecycling neue, frische Fasern zuführen, bleibt der Wiederverwertungsprozess bestehen, denn der funktioniert nur, wenn immer wieder frische Fasern hinzukommen, sonst verkürzen sich die Fasern im Fasernbrei so sehr, dass sich kein Papier mehr herstellen lässt. Recycling aus Recyclingfasern ist nur endlich möglich. Dass aus Recyclingmaterialien Schwermetalle migrieren können, hatte ich ja schon gesagt. Kein Mensch möchte, dass sein Kind mit belasteten Materialien spielt.

FB: Wie eingangs erwähnt, habt ihr alle Nachwuchs. Wie gestaltet ihr die Herausforderung der Vereinbarkeit von Familie und Beruf – gerade in Anbetracht der Tatsache, dass man (Frau) ja gerade beim Geschäftsaufbau unglaublich powern muss?

Wir haben alle Männer, die nicht arbeiten und sich zu 100% um die Kinder kümmern. Ha,ha. Das war ein Witz! Nein, wir sind ganz normale Familien: jedes Elternteil bringt sich ein. Wir Frauen schaffen Haushalt, Kinder und Business per Spagat und kreativen Arbeitszeiten. Heißt: Kernarbeitszeit.

Wenn alle Kinder im Kindergarten und in der Schule gut angekommen sind und bevor man sie alle wieder einsammelt. Also von 9.00 Uhr bis 15.00 Uhr. Dann sind wir erst einmal hauptberuflich Mama und verbringen unsere Freizeit mit den Kindern. Abends, wenn alle schlafen und träumen, geht’s weiter. Oft bis weit nach Mitternacht. Also mir geht das so, da ist endlich Ruhe eingekehrt, in der Stille der Nacht kann ich besonders gut denken und mich konzentrieren. Ich habe den Vorteil, nicht viel Schlafbedarf zu haben. Ein weiterer Vorteil ist, wir wissen alle, wie das ist: heute hat das eine Kind Fieber, morgen hat der Kindergarten zu, weil pädagogischer Tag ist, übermorgen hat man noch den einzigen Zahnarzttermin ergattert, den es kurzfristig vormittags noch gab, weil plötzlich Karies im Milchzahn hockt… ständig ist irgendwas Ungeplantes los. Wir haben alle Verständnis für diese Situationen „Mütter“ zu sein und keine nimmt es der anderen krumm, weil sie los muss, um ihr Kind zu versorgen.

Diese Flexibilität und dieses Verständnis sind Gold wert. Denn so können wir es schaffen, auch ohne, dass unsere Kinder uns irgendwann einmal siezen. Wenn wir es nicht übertreiben mit schlaflosen Nächten, dann ist das ein guter Weg: da sein für die Kinder und genügend Zeit für das Business zu haben. Wirklich, nicht selten haben wir Skype-Termine nachts halb 10.

FB: Bislang hat es sich gelohnt, dass ihr euer ganzes Herzblut in Pappka.de steckt – ihr seid ausgezeichnet und auch prämiert worden. Welche Ehre genau wurde euch zuteil?

Wir sind letztes Jahr von der Innovationsplattform futureSAX für den Innovationspreis nominiert wurden: unter die 10 besten innovativsten Gründungsideen hat es PAPPKA® geschafft.  Das war eine Ehre, neben Ideen der Automobilbranche und neben Kunststoffideen nominiert zu sein. Außerdem hat uns die Stadt Leipzig ausgezeichnet mit einer Prämie für innovative Gründer. Das war ein gut angelegtes Startgeld.

FB: Was steht aktuell bei euch an und kannst Du auch schon von euren Plänen in Sachen Pappka.de berichten? 

Jetzt haben wir ganz erfolgreich unsere Crowdfunding-Kampagne mit 104% des angestrebten Fundingziels erreicht. Juchhu! Das ist ein gutes Gefühl. Und nun müssen wir natürlich in die Produktion einsteigen: Das Material muss angefertigt und bestellt werden, die Stanzen werden gebaut. Drucken, stanzen, konfektionieren… das wird eine straffe Zeit.

Bis Oktober und dann wollen wir lieferfähig sein. Nebenbei wird Martina an der neuen Welt schneiden, falten und kleben, bis wir Markttests durchführen können. Cordula wird die Messen planen, ich werde die Aufbauanleitung gestalten, die Bogenreiter finalisieren, der Handel muss von uns erfahren… es wird nicht langweilig. Wir schaffen alles… in unserem Rhythmus und Tempo. Und das macht Spaß. Es ist unser Traumjob.

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Bildnachweis: Fotocredt: (c)MuseKind

Wer die DDR noch bewusst miterlebt und dort seinerzeit Modezeitschriften gelesen hat, wird sie von Fotos her kennen: Renate Stephan.

Das damalige DDR-Mannequin war Fotomodel für Zeitschriften, wie zum Beispiel die Sybille oder Modische Maschen (links im Bild) und spielte auch kleinere Rollen für das DDR-Fernsehen.

Zudem stand Renate Stephan auch für sehr bekannte Produkte im Mauerstaat vor der Kamera – unter anderem für Esda-Strumpfhosen. Junge Mädchen und Frauen, die in der DDR modelten, taten dies unter gänzlich anderen Bedingungen, als Models, die international arbeiteten. Im sozialistischen System ging es eher gemütlich zu, aber auch ziemlich reglementiert.

Nichtsdestotrotz erlebte, wer damals im sozialistischen Deutschland diesem außergewöhnlichen Job nachging, eine aufregende Zeit. Wie diese sich gestaltete – damit haben wir mit Renate Stephan (im Bild unten links) gesprochen. Im Interview gibt sie spannende Einblicke über ihre Arbeit in der Werbefoto- und Modebranche in der untergegangen Republik. 

FB: Frau Stephan, Sie sind in Leipzig entdeckt worden. Erzählen Sie doch mal, wie sich das genau zugetragen hat!

1965 arbeitete ich in den Ferien, wie viele meines Alters, in einem Geschäft für Haushaltwaren in der Hainstrasse. Günter Rössler und seine Frau sprachen mich an, ob ich Interesse hätte an Modefotografie. Ich war doch sehr erstaunt, da ich mir bewusst war, dass ich doch noch sehr kindlich aussah mit meinen 15 Jahren. Ich fühlte mich sehr dünn und unansehnlich, vermutlich genau das Richtige – ein unbeschriebenes Blatt… Somit kam ich in die Modeszene der 60ziger Jahre in der DDR, die doch noch sehr überschaubar war.

FB: Wie sahen Ihre ersten Aufträge aus?

Ich bin jedes 2. Wochenende nach Berlin gefahren. Es wurden gleich Titel für die Sibylle (unten links im Bild) und für die Modischen Maschen gemacht. Außerdem Fotos für den Brühlkalender. 1966 fuhren wir nach Budapest für eine große Fotosession (so nannte man das damals aber noch nicht). Alles sehr aufregend.

Dann wurden überlebensgroße Aufnahmen für das ehemalige Brühl-Konsument- Kaufhaus  und  diverse Aufnahmen in historischen Kostümen für den “Barthels Hof“ gemacht. Es war eine Zeit, von 1965 bis 1971, in der ich in Leipzig sehr oft erkannt und angesprochen wurde.

FB: In Sachen Ausbildung ging es erstmal ganz unglamourös zu – Sie besuchten die Berufsschule, um den Abschluss der Gärtnerin mit Abitur zu erwerben. Wie gestaltete sich das Ganze?

Ja, es war eine Berufsschule für Landwirtschaft- und Gärtnerei, in meinem Fall mit Abiturabschluss. Leider konnte ich in diese Schule nicht lange gehen. Am 10.12.1967 in Berlin, wurde ich am Bahnhof Karlshorst von dem Fotografen und einem weiteren Model für einen Auftrag abgeholt. Winter, Schnee, vertiefte Straßenbahnschienen – der Wartburg blieb in den Schienen hängen, dann wurden wir rausgeschleudert, niemand war angeschnallt und so rasten wir auf einen hölzernen Laternenmast zu…. an meinem linken Knie hatte ich einen komplizierten Patellatrümmerbruch und rechts eine große Fleischwunde im Knie… danach lag ich bis Ende April 1968 im Krankenhaus. Alle anderen sind mit einer Gehirnerschütterung davongekommen.

Was tun nach so einer langen Auszeit?

Auf Grund der Behinderung, die ich noch ziemlich lange nach meiner Entlassung hatte, wurde ein Aufhebungsvertrag vereinbart. Damit ich aber doch noch zu meinem Abitur kam, meldete ich mich in der Volkshochschule an. In der Zeit hatte ich vor, einmal Fotografie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst zu studieren.

Mal ganz nebenbei: 1968 war ein spannendes Jahr – da wurde die Universitätskirche gesprengt und viele Schüler und Studenten streikten dagegen. Die flogen dann meistens auch von ihren Schulen und landeten später in unserer Klasse.

FB: Im Gegensatz zum internationalen Parkett gab es in den 60igern nur wenige Mädchen und junge Frauen, die als Model arbeiteten. Wie sah deren Arbeitsalltag aus und welche staatliche Stelle steuerte das Ganze dazumal?

In den 60ziger Jahren gab es vielleicht eine Handvoll „Mädchen“, die wenigsten arbeiteten hauptberuflich als Model.

Für ein Titelbild, z.B. für die Sibylle oder für die Für Dich gab es 50 Mark, für ein Farbfoto 35 Mark und für ein schwarz/weiß Foto 25 Mark. Für Werbeaufnahmen (im Bild auf einem Foto für die Verpackung von Esda-Strumpfhosen) gab es schon mal 80 oder 100 Mark für ein Foto. Wir haben auch Aktaufnahmen gemacht, die vorwiegend im “Magazin“ erschienen. Das war ganz normal und hatte nicht pornografisches oder voyeuristisches an sich.

Wie schon gesagt, hatte ich in den ersten Jahren nur am Wochenende Zeit. 1971 lernte ich meinen Mann kennen. Für ihn, Regisseur bei der DEFA- Spielfilm, und auch schon in den 60ziger Jahren, habe ich in verschiedenen Filmen in kleinen Rollen mitspielen dürfen. Ab 1973 nahm ich 2 x im Jahr als Mannequin im Ringmessehaus zur Leipziger Messe für die Firma  „VEB Trikotagen und Strümpfe“ und 2 x an der Binnenhandelsmesse, ebenfalls in Leipzig, teil. Mit dieser Firma habe ich viele Jahre 5 sozialistische Länder besuchen können, in denen für die dortigen Handelseinrichtungen Textilien aus der DDR verkauft wurden, die wir vorführen mussten.

Außerdem  konnten wir jeweils auch eine glamouröse Modenschau entweder in den DDR- Botschaften oder auch im Kaufhaus GUM zeigen. Zum Beispiel tolle lange Abendkleider vom VEB Plauener Spitze.  Mit vollem Erfolg! Nur dass niemand diese Kleider kaufen konnte, sie waren nur für den Export in das westliche Ausland bestimmt!

Übrigens musste man als Mannequin ca. ab Mitte der 70iger Jahre beim Modeinstitut einen “Berechtigungsschein“ machen.

1977 gründeten wir eine eigene Modenschaugruppe („Maschenhits“) mit den Modellen, die wir von unseren Firmen, für die wir die Modenschauen zur Messe  liefen, erhielten.

Diese Firmen in Apolda und Mühlhausen fungierten auch als sogenannte Trägerbetriebe. Das heißt, sie erklärten sich bereit, uns zu kontrollieren…Was aber nie geschah…In der damaligen DDR entstanden dann immer mehr Modenschaugruppen, die dann auch vom Ministerium für Leichtindustrie nach einer Vorstellung und Prüfung eine Einstufung bekamen. In jedem Bezirk gab es eine Konzert- und Gastspieldirektion, die jeweils bestimmte Künstler und auch Modenschaugruppen betreuten. Wir tourten also durch die ganze Republik und führten unsere Modenschauen, mit Choreografien einstudiert, als Unterhaltungsprogramm vor.

Die Mode war nur zum Ansehen, nicht zum kaufen! Aber wir verdienten für DDR-Verhältnisse nicht schlecht. Pro Modenschau 125 Mark und manchmal, zum Frauentag, 7.Oktober, Silvester u. ä., konnten wir mehrere Modenschauen am Tag machen.

FB: 1971 haben Sie Ihren jetzigen Mann, den Regisseur Bernhard Stephan, kennengelernt. Welchen Einfluss hatte ihre Ehe auf Ihre weitere berufliche Laufbahn?

Auf meine berufliche Laufbahn hatte mein Mann keinen Einfluss. Er hat mich immer unterstützt und es gut gefunden, dass wir beide selbständig und selbstbewusst – jeder in seinem Metier – zufrieden waren. Dass ich hin und wieder in seinen Filmen eine kleine Rolle spielen durfte, war mehr ein Spaß.

FB: In der DDR gab es auch eine lebendige Werbeszene. Wie sah die aus und wofür wurden die Models eingesetzt?

Naja, eine lebendige Werbeszene kann man nicht sagen. Es gab “Tausend Teletips“ für die einige wenige selbsternannte Werbefilmer arbeiteten. Mehr schlecht als recht, eben mit den eingeschränkten Mitteln. Zuletzt gab es ja kaum etwas von den beworbenen Sachen zu kaufen. Dann wurde vor allem Kraut in allen Variationen schmackhaft gemacht….

FB: Wie viele andere Menschen auch, waren Sie zur Zeit der Wende euphorisch, im Hinblick auf die berufliche Zukunft Ihrer Formation. Wie sah die Realität dann für Sie und Ihre Mitstreiterinnen aus?

Die Euphorie betraf vor allem den Umstand, dass endlich etwas passiert, dass man aus der Lethargie rauskommt.  Dabei lebten wir schon privilegiert – jeder Tag sah anders aus, unser Leben war schon recht abwechslungsreich. Im November ’89 habe ich mich schon mit Annoncen von Modeagenturen beschäftigt. Ich dachte, man könnte Modelle für unsere Show kaufen oder leihen.

Bald war mir klar, dass das nicht so weiter geht. Die Betriebe wurden mit der Zeit abgewickelt und es bestand kein Interesse mehr, an Trallala-Modenschauen – jetzt konnte man alles kaufen.

Nun war sich jeder selbst der nächste. Ich habe mich bei den verschiedensten Firmen beworben, vor allem im Außendienst., ich wollte eine gewisse Selbstständigkeit. Genau davor hatten dann viele aus der ehemaligen DDR Angst.

In der Zwischenzeit habe ich Promotion gemacht, auf der Automesse AAA bei General Motors als Hostess gearbeitet und im Oktober 1990 bei einer hochwertigen Schmuckfirma im Außendienst angefangen. Das habe ich bis April 1993 gemacht. Dann war abzusehen, dass sich das für meine Firma nicht lohnt. In der ehemaligen DDR war der Bedarf an echtem Schmuck, an Gold, groß – aber nur an 333er Gold und nicht an 750er mit echten Brillanten….

Inzwischen hatte mein Mann Fuß gefasst und war damit in der westlichen Fernsehszene etabliert und ich konnte meinen Job, für den ich zeitweise 4000 km im Monat fahren musste, aufgeben.

FB: Heute führen Sie eine erfolgreiche Mode-Boutique in Frohnau. Diese hat eine klare Botschaft, auf Ihrer Homepage heißt es: „Wir stehen mitten im Leben, sind nicht mehr jung – aber jung geblieben. Dieses Gefühl verbindet uns mit den meisten unserer Kundinnen.“ Ist es diese Haltung, die den Erfolg Ihres Geschäftes begründet?

Es zeigt, dass wir sehr nah an der Kundin dran sind, nicht arrogant, jedoch verständnisvoll, beraten ehrlich und offen. Unsere Kundinnen wissen, wenn sie ohne einen Kauf das Geschäft verlassen, haben wir vollstes Verständnis, sie kommen wieder. Auch wenn wir überzeugt sind, dass die Kundin super aussieht in dem Teil (z.B. die Oversize Pullis), sie aber sich nicht damit identifizieren kann, dann raten wir ihr eher ab. Oft sind mehrere Kundinnen im Geschäft und alle beraten sich gegenseitig… das ist eine tolle Stimmung und macht Spaß.

FB: Wie schaut heute ein ganz normaler Arbeitstag für Sie aus?

Wenn ich im Geschäft bin, was normalerweise 3 x in der Woche ist, verlasse ich das Haus 8.30 Uhr und bin dann 9.30 Uhr im Geschäft. 10.00 Uhr wird geöffnet. Dann muss ich noch zur Bank und habe noch einige Vorbereitungen zu treffen.

Montag und Donnerstag muss ich oft zum Steuerbüro, ins Modecenter, oder habe Order bei einer unserer Firmen ( zur Zeit habe ich Ware von 14 Firmen und jede Firma hat pro Saison 2-3 Ordertermine, es sind relativ viele Firmen für meinen kleinen Laden, aber ich picke mir immer nur die Highlights raus…).

2 x im Jahr finden die Modemessen und die Fashion Week in Berlin statt. In diesen 4 Tagen bin ich auch immer unterwegs. Informiere mich und bin auf Suche nach neuen Sachen, die man noch nicht im Schrank hat. Mein beruflicher Alltag ist sehr abwechslungsreich.

FB: Haben Sie noch Kontakt zu den damaligen Kolleginnen – aus der DDR-Zeit?

Ja, mit 4 “Mädels“ sehr eng – wir fahren einmal im Jahr für eine Woche weg, z.B. nach Kroatien…

Mit vielen anderen halten wir locker Kontakt und freuen uns immer, wenn wir uns wiedersehen – das ist dann immer wie Klassentreffen…

FB: Verfolgen Sie das heutige Geschehen in der nationalen und internationalen Model-Szene?

Natürlich. Aber heute würde ich nicht mehr Model sein wollen. Würde auch meine Tochter, wenn ich nun eine hätte, nicht in diesem Zirkus verbraten wissen. Vielleicht nebenbei, um schöne Fotos und Erinnerungen für später zu haben….

Das Modelgeschäft ist knallhart, da haben wir richtig gemütlich gelebt und viel Spaß gehabt – es war Hobby und Job in einem.

Sehr oft gefällt mir auch die vorgeschlagene Mode –  zum Beispiel in der InStyle – nicht. Da frage ich mich, wer soll das tragen? Ein Kuddelmuddel – wenn ich das sagen darf. Es ist alles erlaubt, oft sehr nuttig, oft kein Stilbewusstsein ! ich bin auch für lässig, lustig, bunt, sportlich… meinen Stil würde ich mit sportlich-elegant bezeichnen. Heute gehe ich jünger gekleidet als in den 90zigern.  Damals mit Kostümchen, hohen Schuhen, schwarzen Anzügen… Schick, aber langweilig…

Übrigens haben wir einen Sohn, der in diesem Jahr 40 wird und Oberarzt für diabetische Fußchirurgie ist. Also Unfallchirurg und Orthopäde und wir haben 3 süße Enkel – dass muss ich als stolze Mutter und Oma mal sagen.

Wer sich für das Thema DDR-Modefotografie interessiert – bis Juli 2018 läuft hierzu in Berlin eine Ausstellung.

Bildnachweise: privat

 

„Köstlicher Wein vom Winzer XY“ – das war bisher wohl die geläufigste Beschreibung, wenn es um einen edlen Tropfen eines bestimmten Winzers ging.

Dieses Berufsbild war lange männlich dominiert, das ändert sich aber gerade. Immer mehr Frauen werden Winzerinnen und haben beruflich mit dieser nicht alltäglichen Arbeit zu tun. Das inspirierte auch den Filmemacher Christoph Koch dazu, die mehr und mehr in dieser Branche vertretenen Frauen zu porträtieren.

„Wein weiblich. Die erste Generation“ heißt seine 90minütige Filmdoku über die Winzerinnen, die derzeit in Arbeit ist.

Diesbezüglich widmete sich die Allgemeine Zeitung Mainz in ihrer Ausgabe am 17.3.18 in einem ausführlichen Artikel diesem neuen Phänomen. Waren vor circa anderthalb Jahrzehnten so gut wie gar keine Frauen vertreten, die eine Ausbildung zur Winzerin machten, so sprechen die aktuellen Zahlen eine deutliche Sprache. Und weisen die Tatsache, dass nun eine Generation von weiblichen Winzern entsteht, als neue Selbstverständlichkeit aus.

Immer mehr Frauen arbeiten als Winzerinnen

Laut der Allgemeinen Zeitung ist unter den angehenden Winzern am Dienstleistungszentrum Ländlicher Raum in Oppenheim rund jeder fünfte weiblich.

Zudem beruf sich das Blatt auf Zahlen des Statistischen Landesamtes Rheinland-Pfalz, die belegen, dass im Wintersemester 2016 / 2017, bei insgesamt 139 eingeschriebenen Studenten im ersten Studiengang Weinbau und Ökologie, 37 Frauen eingeschrieben waren.

Filmemacher Koch spricht denn auch von einem „gesellschaftlichen Umbruch“, der sich in der Welt der Weine hierzulande gerade abspielt. In seiner Dokumentation werden insgesamt fünf Winzerinnen zu Wort kommen – Ende 2019 soll das Werk im Kino ausgestrahlt werden.

Doch ungewöhnlich und exotisch sind weibliche Winzer nicht wirklich – warum auch?! Die meisten von ihnen werden in Winzerfamilien hineingeboren und lernen die Winzerwelt von klein auf kennen – und oft eben auch lieben. Da liegt es nahe, in die Fußstapfen der Eltern zu treten und sich beruflich in die Sphäre der edlen Tropfen zu begeben.

Mittlerweile ist es auch keine Besonderheit mehr, wenn sich weibliche Winzerinnen auf entsprechenden Fachmessen präsentieren. Dem Vernehmen nach war das „früher“ noch eine absolute Ausnahme, die großes Erstaunen bei männlichen Messeteilnehmern auslöste.

Wein von Frauen intuitiver

Doch welche Unterschiede gibt es ja vielleicht doch hinsichtlich der männlichen und weiblichen Winzer und vielleicht sogar beim Wein selbst? Filmemacher Koch hat hierzu folgenden Eindruck und sagt gegenüber der Allgemeinen Zeitung folgendes:

„Weiblicher Wein sei intuitiver, mehr vom Gefühl und der inneren Stimme geleitet, weniger technisch und rational!“

Dr. Eva Vollmer, die sich mit ihrem gleichnamigen Weingut in Mainz-Ebersheim einen Namen gemacht hat, hat ebenso eine eigene Erklärung zum weiblichen Wein. Gegenüber der Allgemeinen Zeitung führt sie diese wie folgt aus:

„Die Frauen haben einen anderen Blick, andere Talente.“

Inwiefern das zutrifft, davon werden sich Frauen (und Männer) in dem erwähnten Film selbst ein Bild machen können. Bislang werden für diesen noch einige Gelder benötigt, weshalb eine entsprechende Crowdfunding-Kampagne ins Leben gerufen wurde.

Dieser ist zu erreichen unter www.wein-weiblich.de

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