Gabriela Friedrich mit dem inflationär verwendeten Attribut „Powerfrau“ zu versehen, passt nicht. Nicht nur, weil aktuell gefühlt jede zweite beruflich erfolgreiche Frau dieses Etikett – meist medial – verpasst bekommt, sondern weil das, was Gabriela Friedrich ausmacht, viel mehr ist als weibliche Power.

Die Hamburgerin (im Bild), deren Vita sich bereits wie ein Abenteuer liest, ist beruflich unglaublich vielseitig aufgestellt und strahlt dennoch die Gelassenheit derer aus, die das „Hamsterrad“ hinter sich gelassen haben. Gabriela Friedrich, die sowohl Coachings anbietet, als auch Bücher und Fachpublikationen schreibt und zudem Veranstaltungen organisiert, widmet sich mit ihren Klienten intensiv Konflikten, die aus menschlichen Prägungen heraus entstehen. Wer die tiefgründige, charismatische Norddeutsche erlebt, spürt, dass sie ihr Business mit innerer Kraft und Intuition organisiert. Im Interview stand uns Gabriela Friedrich Rede und Antwort.

FB: Gabriela, Du bist im Web gleich mit drei Geschäftszweigen präsent – richtest Deinen Fokus auf den Finanzsektor, agierst aber auch im Hinblick auf Männer und bist zudem sehr erfolgreich in Sachen Coaching von Frauen – vordergründig Businessfrauen. Gib uns doch dahingehend einmal einen Einblick.

Was auf den ersten Blick so unterschiedlich wirkt, ist doch im Kern immer dasselbe. Es geht bei meinen Telefoncoachings, ganz gleich mit wem, in erster Linie um Prägungen als bestimmenden Einflussfaktor. Dr. Bruce Lipton sagt, dass 95 Prozent unseres Lebens durch innere Muster bestimmt werden, die in den ersten sieben Jahren unseres Lebens entstanden sind. So hoch würde ich den Wert nicht ansetzen – es gibt auch im Erwachsenenalter viele prägende Erfahrungen –, aber generell ist der Mensch weitaus mehr von Konditionierungen gesteuert als ihm bewusst ist.

Deshalb beginnt meine Arbeit – egal mit wem – immer mit der Suche nach inneren Programmen als mögliche verborgene Ursache des Problems, das im Coaching gelöst werden soll. Beispielsweise bat mich einmal eine Frau um Hilfe im Umgang mit ihrem Kollegen. Sie und er waren Vorstände eines Finanzunternehmens und in jedem Jahr machte es die Frau wahnsinnig, wie sehr ihr Kollege bei der Lieferung der Daten für den Geschäftsbericht trödelte. In dieser Situation hätte sich eine Mediation oder eine Kommunikationsberatung zur Lösung des Konfliktes angeboten, wäre aber ein Fehler gewesen. Denn tatsächlich war nicht der Kollege, sondern die Großmutter der Klientin für den Konflikt verantwortlich. Granny hatte nämlich Jahrzehnte zuvor gegenüber ihrer Enkelin immer wieder ihre große Furcht vor dem Finanzamt geäußert und damit eine entsprechende Konditionierung verursacht, die bei der Erstellung des Geschäftsberichts getriggert wurde.

Mit der von mir entwickelten Mentaltechnik (S)HE – (Self) Hypno Empowerment dauerte es ca. 15 Minuten, bis die Konditionierung gelöst und die Klientin in Bezug auf die Fertigstellung des Geschäftsberichts entspannt war.

Nun löse ich nicht nur Konditionierungen per Telefon, sondern bringe meinen Klientinnen und Klienten auch eine andere Haltung gegenüber ihren Emotionen bei. Jedes Gefühl hat eine Indikatorfunktion und es ist unsere Aufgabe, es ernst zu nehmen und sorgfältig zu analysieren, damit wir verstehen, was es uns sagen will. Dann erst können wir die passenden Maßnahmen ergreifen, wie z.B. eine Eigenbehandlung mit (S)HE.

Der Erfolg von (S)HE beruht darauf, mit dem Innersten so einfühlsam zu sprechen, dass es sich verstanden fühlt und Lust bekommt sich zu verändern. Das lässt sich wunderbar auf den Umgang mit unseren Mitmenschen übertragen. Ergo berate ich meine Klienten auch dabei, erfolgreicher mit ihren Ehepartnern, Kunden oder Chefs zu sprechen.

Und das letzte zielgruppenübergreifende Thema meiner Coachings ist die geschlechtliche Identität bzw. das Verhältnis von Frauen und Männer. Aber dazu später mehr. 

FB: Wie hat sich Dein Berufsleben gestaltet, bis Du an den Punkt gekommen bist, wo Du heute erfolgreich stehst?

Meine Vita ist etwas schräg: Ich wollte eigentlich ins Hotelfach, bin aber durch einen 2 ½-jährigen Aufenthalt an der Côte d’Azur in Cannes und ein Jahr in London bzw. Richmond in der Kommunikationsbranche gelandet. Seit 28 Jahren bin ich nun PR-/Marketingberaterin und Texterin, habe lange in Agenturen gearbeitet, eine sechsmonatige Fortbildung zum Werbe- und Eventassistenten für ein Bildungszentrum in Kassel konzipiert und realisiert, die Hamburger Texterschmiede gemeinsam mit den Vorständen aufgebaut und über 12 Jahre geleitet und parallel dazu seit fast 25 Jahren als professioneller Mentalcoach gearbeitet, vier Bücher geschrieben, ca. 35 Fachartikel publiziert und Kollegen in meiner Methode ausgebildet. Außerdem verantworte ich seit zwei Jahren die Schlussredaktion des Verbands-Magazins HAMBURGER UNTERNEHMER und veranstalte regelmäßig mit Partnern Vortragsveranstaltungen zu Digitalisierungs- und Wirtschaftsthemen. Mit anderen Worten: Ich kenne die Businesswelt und ihre Anforderungen ebenso gut wie die Innenwelt.

FB: Dein Know-how in Sachen Business dürfte auch eine große Rolle bezüglich Deiner bisher erschienen Publikationen gespielt haben. Wie kam es dazu und welche Bücher gibt es von Dir? 

Bisher gibt es vier Bücher, an dem fünften schreibe ich derzeit. Das erste Buch heißt „Ändere nicht deinen Partner, ändere dich selbst. Negative Erziehungsmuster erkennen und auflösen. So machen Sie nie wieder dieselben Fehler“, erschienen Anfang 2012 bei mvg. Es ist das Buch, mit dessen Hilfe wir unbewusste Beziehungssaboteure erkennen und beseitigen, die uns davon abhalten das Richtige zu tun. Meist wissen wir ja, wie wir uns eigentlich verhalten sollten. Wenn uns das nicht gelingt, liegt dies an Konditionierungen. Um die geht es in den meisten meiner Bücher. So auch in Buch Nr. 2: „4 Schritte zur Gelassenheit. Wie wir unseren Ängsten die Macht nehmen“ Egal ob Redeängste, Selbstzweifel oder die Sorge nicht dazu zu gehören – auch dieses Buch vermittelt, wie wir uns von angstverursachenden Prägungen befreien können.

Die beiden anderen Bücher sind „Best Practice“-Sammlungen für emotionale Kompetenz in der Wirtschaft. Da ist zum einen das kostenlose E-Book „Wer fühlt, gewinnt!“ und dann das Buch „FINANZEINHÖRNER – good guys in the money business“, erscheinen bei Z&G. Ich glaube an die Wirkung positiver Vorbilder. Deshalb präsentiere ich gerne Menschen, die mit Anstand, Menschenkenntnis und Empathie erfolgreich sind.

FB: Begleitend zu Deinen Themen gibst Du Lesungen und hältst Vorträge. Wo bist Du diesbezüglich präsent, aus welchen Branchen kommen – im Zusammenhang mit Deinen Vorträgen – die Auftraggeber, vor welchem Publikum agierst Du? 

Früher habe ich häufiger Präsenz-Vorträge gehalten, sei es vor Selbständigen und Unternehmern, vor Führungskräften oder in Frauennetzwerken. Mittlerweile bin ich dazu übergegangen, Vorträge und Lesungen per Telefonkonferenz zu veranstalten. So kann jeder aus ganz Deutschland, der sich für das Thema interessiert, ohne Aufwand dabei sein.

FB: Du vertrittst die These, dass Frauen sich doch mit echten Problemen beschäftigen sollten – was konkret meinst Du damit?

Wann immer ich bei Facebook Frauengruppen beitrete oder Frauen-Netzwerk-Veranstaltungen besuche, fällt mir etwas auf: Frauen beschäftigen sich dort primär mit „soften Themen“, die die Welt zu einem schöneren, lebenswerteren Ort machen. Das ist im Prinzip gut und wichtig, doch würde ich mir auch eine faktenbasierte Auseinandersetzung mit unserem Finanzsystem, nationaler und internationaler (Wirtschafts-)Politik und gesellschaftlichen Tendenzen sowie deren Hintergründen wünschen. Ohne das erforderliche Hintergrundwissen werden Frauen leicht zu Opfern von Ideologen und Medien, die sie mittels Emotionen und Scheinmoral steuern. In unserer aktuellen gesamtpolitischen Lage ist das hochgefährlich.

FB: Um da ein bisschen im Bild zu bleiben: bilden die beruflichen Probleme, mit denen Frauen sich an Dich wenden, die Probleme, die in der Öffentlichkeit dargestellt werden (Gleichstellung, Gender-Gap, Diskriminierung von Frauen im Berufsleben, usw.) ab?

Ganz selten. Das mag daran liegen, dass meine Klientinnen wissen: Bei Gabriela Friedrich geht es um Eigenverantwortung. Wer über die von Dir genannten Probleme klagt, sieht die Verantwortung für seine Situation meist bei Dritten. Beim Arbeitgeber, bei der Gesellschaft, bei den Männern.

Nun gibt es zwar hier und da noch einige patriarchische Strukturen in Unternehmen, häufiger aber hat es mit prägenden Erlebnissen in ihrer Kindheit zu tun, wenn sich eine Frau diskriminiert fühlt. Sobald die bearbeitet und gelöst sind, ändern sich ihr Auftreten, ihre Erwartungshaltung und ihre Ausstrahlung. Und schon geht die Umwelt anders mit ihr um, respektiert sie und nimmt sie ernst.

Manche Klientinnen fragen mich, wie sie authentisch führen, ohne männliche Verhaltensweisen zu kopieren und ohne innerlich zu verhärten. Oder sie möchten die Beziehung zu ihrem Vorgesetzten oder Kollegen verbessern. Ein ganz großes Thema ist der Wunsch, erfüllter und sinnstiftender zu arbeiten. Wieder andere sind im Gespräch für eine Führungsposition und tun sich schwer mit der Entscheidung, weil für sie Macht negativ besetzt ist. Die Anliegen sind also vielfältig, wobei in zahlreichen Anliegen auch Spannungen zwischen den Geschlechtern eine Rolle spielen. Vielfach fehlt das Bewusstsein für die eigene geschlechtliche Identität und deren Bedeutung ebenso wie das Verständnis für die Eigenheiten und Sensibilitäten des anderen Geschlechts. Und es ist schön zu erleben, wie rasch sind die Dinge durch etwas mehr Achtsamkeit und Bewusstheit harmonisieren.

FB: Stehen sich manche Frauen selbst zu sehr im Weg und wenn ja, inwiefern?

Grundsätzlich steht sich jeder mit seinen Konditionierungen in irgendeiner Weise im Weg. Allerdings beobachte ich bei Frauen und Männern im Coaching unterschiedliche Herangehensweisen an Probleme. Männer springen sofort auf das Konzept der Eigenverantwortung, auf die logische Analyse von Gefühlen und ihren Ursachen und auf die Möglichkeit der schnellen Lösung an. Frauen hingegen stellen gerne Nähe zu anderen Frauen her, in dem sie über ihre Probleme sprechen. Sie bekommen Verständnis, Mitgefühl und Zuspruch, was sich gut anfühlt. Da ist dann der Antrieb, das Problem los zu werden, viel geringer. Außerdem begeben sich Frauen – natürlich nicht alle, aber doch erstaunlich viele – gerne in die Opferrolle. Häufig ist ihnen gar nicht bewusst, dass sie sich komfortabel in dieser Haltung von „ich leide und Du bist schuld und musst Dich ändern“ eingerichtet haben. Wenn ihnen das im Coaching klar wird, ist das Entsetzen meist groß. Doch dann folgt der Schritt ihn ihre wahre Größe und damit in die bedingungslose Eigenverantwortung.

FB: Du coachst Frauen zwar vordergründig im beruflichen Bereich, hast aber auch Klientinnen, die sich an Dich im Zusammenhang mit privaten Schwierigkeiten oder/und Problemen wenden. Vor welchen Herausforderungen stehen diese Frauen?

Ich trenne nicht wirklich zwischen beruflichen und privaten Themen; wir sind überall Mensch und tragen unsere Konditionierungen in alle Lebensbereiche hinein. Viele meiner Klientinnen haben ein niedriges Selbstwertgefühl, tun sich schwer damit Grenzen zu setzen, glauben sich Liebe verdienen zu müssen, fühlen sich verantwortlich für die Gefühle ihrer Nächsten, leiden unter Selbstvorwürfen, Schuldgefühlen oder schleppen uralte Wut auf jemanden mit sich herum, der sie irgendwann verletzt hat. Ein wiederkehrendes Problem ist das gestörte Verhältnis zu Vater oder Mutter, was sich in der Liebe genauso auswirken kann wie in der Karriere. Oder die klammernde Mutter hindert ihre erwachsene Tochter, zur unabhängigen, starken Frau zu werden. Bei Paarkonflikten aller Art werde ich häufig um Hilfe gebeten oder auch bei ungewollter Partnerlosigkeit. Zu letzteren gehört meist auch, alte schmerzvolle Männererfahrungen mit (S)HE zu bearbeiten, damit die Frau ihr Herz wieder zu öffnen vermag. Sehr vielen Frauen vermittle ich derzeit, Männer besser zu verstehen und mit ihnen erfolgreicher umzugehen. Das zahlt sich privat und im Beruf aus.

FB: Wie gestalten sich Deine Coachings mit Frauen?

Das hängt von davon ab, was die Frau von mir möchte. Erst gibt es ein ausführliches, kostenloses Kennenlern-Telefonat, bei dem ich der Frau meine zugegebenermaßen ungewöhnliche Mentaltechnik erkläre. Wenn sie sich entscheidet mit mir zu arbeiten, erhält sie per Mail einen langen Text, den sie laut lesen und mit einem selbst gewählten Schlüsselwort codieren muss. Das ist die sogenannte (S)HE-Installation, eine Art von langfristig wirksamem Programm, das durch Lesen im Unterbewusstsein installiert wird. Mit ihm gelingt es, selbst jahrzehntealte schmerzvolle Erlebnisse in kurzer Zeit zu neutralisieren. Häufig beseitigen wir damit pro 60-minütiger Sitzung drei massive Faktoren, die das Selbstbild oder die Einstellungen der Frau negativ beeinflussen.

Welche Erlebnisse oder Glaubenssätze das sein könnten, erforscht die Frau zunächst in Eigenregie, denn ich möchte, dass jede Klientin die Expertin für ihr eigenes Innenleben wird.

In der ersten „echten“ Telefonsitzung sichten wir gemeinsam die Forschungsergebnisse, ich helfe Zusammenhänge zu erkennen und die wichtigsten, machtvollsten Prägungen zu identifizieren. Die nehmen wir uns dann eine nach der anderen vor. Die Klientin braucht sich dann nur auf die alte prägende Erfahrung oder den einschränkenden Glaubenssatz zu konzentrieren, den Rest erledige ich. Wenn die Konditionierungen beseitigt sind, die für das Problem der Frau verantwortlich waren, besprechen wir weitere Coaching-Inhalte wie z.B. Kommunikationsberatung. Es hängt ganz davon ab, was für diese spezielle Frau in ihrer individuellen Situation zusätzlich sinnvoll ist.

FB: Oftmals gehen die Anliegen, mit denen Klientinnen sich an Dich wenden, auch sehr ins Private, Stichwort: Sexualität. Was für Themen spielen da eine Rolle?

Die Themen reichen von Hemmungen bei bestimmten Praktiken bis hin zu einer generell negativer Haltung gegenüber Sexualität oder großer Scham, weil sie sich nicht schön genug finden. Auch wenn nach einigen Jahren der Partnerschaft sexuelle Unlust aufkommt, kann ein Mentalcoaching helfen. Denn bei vielen dieser Schwierigkeiten spielen mentale und emotionale Prägungen eine Rolle. Wenn die beseitigt sind, kann die Frau ihre Lust endlich frei genießen.

FB: Wie gestaltet sich bei Dir ein typischer Arbeitstag? 

Den gibt es nicht; jeder Tag ist anders. Das liegt allerdings nicht nur an der Vielfalt dessen, was ich tue. Ich versuche auch die Aufgaben dann zu erledigen, wenn es sich richtig anfühlt. Alles hat seinen optimalen Zeitpunkt, an dem es leicht und gut gelingt.

FB: Du bist beruflich sehr eingespannt. Wie schaltest Du ab, gibt es Hobbys?

Ich liebe England, seine Landschaften und die Architektur. Deshalb schaue ich mit Begeisterung auf YouTube Folgen der britische Serie „Escape to the Country“. Darin geht es um potentielle Immobilienkäufer, die sich in ihrer Lieblings-Region drei Objekte anschauen. Dabei werden nicht nur die überwiegend historischen Häuser gezeigt, sondern auch die Gegend vorgestellt. Ich habe eine Weile in England gelebt, war lange mit einem Engländer liiert und nähre mit diesen Videos den anglophilen Teil meiner Seele.

FB: Was für Pläne gibt es derzeit in Sachen Coaching, Bücher oder auch Lesungen/Vorträge? Und: wo kann man Dich öffentlich erleben?

Ab Februar oder März startet das große, ganzheitliche Gesundheitsportal MyHealthy.Plus, das ein ehemaliger Top-Banker gegründet hat. Er gehört zu den von mir porträtierten Finanzeinhörnern und hat sich aufgrund schwerer Krankheit mit den Aspekten von Gesunderhaltung beschäftigt. Bei dem Portal verantworte ich MyMentalCoach.Plus, weil schließlich das emotionale Wohlbefinden und glückliche Beziehungen wichtige Faktoren für unsere Gesundheit sind. Im Shop des Portals kann sich jeder mein kostenloses E-Book über (S)HE herunterladen. Und ab März werde ich für die Interessenten des Portals einmal monatlich kostenlos in einer Telefonkonferenz erreichbar sein. Bei dieser Gelegenheit kann man mich kennen lernen, mir Fragen stellen oder sich Tipps für die Selbstanwendung von (S)HE holen. Schließlich biete ich über den Shop von MyHealthy.Plus auch ein kurzes (S)HE-Training plus Unterlagen an, sodass man sich im Alltag jederzeit selbst helfen kann.

Außerdem werden dort im Shop die Produkte von Ethno Health erhältlich sein, einem der wenigen Anbieter von Heilkräuterrezepturen, die meiner Einschätzung nach wirklich gut sind.

Mein größtes Projekt für 2019 ist es, endlich mein Buch „Männer sind wundervoll, Frauen auch“ fertig zu stellen. Es ist ein Männer-/Frauen-Versöhnungsbuch mit konkreten Tipps für beruflichen Erfolg, grandiosen Sex und erfüllende Liebe. Während ich das Buch schreibe, werde ich bereits daraus lesen. Natürlich auch per Telko – die Termine stehen rechtzeitig auf meiner Website. Genauso wie die Termine für die(S)HE-Telkos, bei denen ich Menschen erkläre, wie sie Freundschaft mit ihrem eigenen Hirn schließen und mit ihm so nett sprechen, dass es gerne tut was sie möchten. Ich würde mich sehr freuen, auch deine Leserinnen bei diesen Lesungen und Vorträgen zu begrüßen. Vielleicht interessieren sie sich ja für ein besseres Miteinander der Geschlechter, für mehr Gelassenheit und Selbstliebe.

Weitere Informationen finden sich auf der Homepage von Gabriela Friedrich. Und auch hier.

Copyright: Gabriela Friedrich

Schöne, fantasievolle Weihnachtsgeschichten einfach selber schreiben und verschenken – das dachte sich Larissa Baiter (im Bild), als sie vor einigen Jahren vor der Frage stand, was sie denn ihren Lieben schenken sollte? Gutscheine sollten es nicht schon wieder sein und da sie schon lange eine Leidenschaft für das Schreiben hegt, begann sie, für Familie und Freunde persönliche Weihnachtsgeschichten zu schreiben und zu verschenken. Das kam an – und dabei soll es nicht bleiben…!

Wir haben die junge Frau aus der Schweiz, die auch als Online-Journalistin tätig ist und im „richtigen Leben“ als Wirtschaftsinformatikerin arbeitet, interviewt.

FB: Frau Baiter, hinter Ihren Weihnachtsgeschichten, die Sie als Buch herausgebracht haben, verbirgt sich keine gewöhnliche Entstehungsgeschichte – erzählen Sie doch mal!

LB: Die erste Geschichte entstand 2012. Ich wollte nicht schon wieder Gutscheine verschenken, meine Verwandten hatten schon alles und ich suchte nach einer Möglichkeit, etwas Persönliches zu Weihnachten zu schenken, das Freude bereiten könnte. Da ich weder ein Instrument spielen konnte, noch besonders gut Basteln oder Zeichnen, beschloss ich mein einziges Talent zu nutzen und eine Geschichte zu schreiben. So entstand die erste Geschichte, die viel Anklang fand und mir das Gefühl gab, dass ich wirklich Freude verschenken kann. So schrieb ich ab da jedes Jahr eine weitere Geschichte und rasch verbreitete es sich in meinem Freundeskreis und viele wollten ebenfalls eine Weihnachtsgeschichte lesen. Am Ende habe ich über 80 Briefe nach Deutschland, Österreich, Holland und in der Schweiz verschickt. Vereinzelte sogar noch weiter weg. Dieses Jahr habe ich nun den Mut gefasst, die Geschichten zu sammeln, zu überarbeiten und als Buch zu veröffentlichen. Zum Glück! Ich durfte viele tolle Erfahrungen dadurch machen und viel Neues lernen.

FB: Wovon handeln Ihre Weihnachtsgeschichten – können Sie einen kleinen Einblick geben, was die Leser erwartet?

LB: Die Kurzgeschichten handeln zwar alle von Weihnachten, behandeln aber ganz unterschiedliche Themen, die mir zu Weihnachten wichtig sind. So spielen Freundschaft, die Liebe, Zusammensein und  gutes Essen eine wichtige Rolle. Ein bisschen Fantasie ist auch mit dabei, so werden Schneemänner oder Tannen zum Leben erweckt und sowohl der Weihnachtsmann, als auch andere Fabelwesen kommen darin vor. Insgesamt sollen die Geschichten Emotionen wecken oder zum Nachdenken anregen und uns die wahre Bedeutung von Weihnachten wieder näher bringen, ohne dabei religiös zu sein.

FB: Woher nahmen Sie Ihre Inspirationen für die einzelnen Erzählungen?

LB: Es gab immer wieder Themen, die mich besonders beschäftigten in dem Jahr, in dem die Geschichten entstanden sind. Ich habe versucht meine Emotionen, Gedanken, Ideen und Vorstellungen aufs Papier zu bringen. Ohne dabei zu belehren oder mich zu sehr auf eine bestimmte Vorstellung von Weihnachten zu versteifen.

FB: Das Schreiben begeistert Sie schon, seit Sie Schülerin sind – was gibt es noch für Werke von Ihnen?

LB: Die bezaubernden Weihnachtsgeschichten ist mein erstes Buch. Davor gab es eine kostenlose Kurzgeschichte, mit dem Titel „Der zerstreute Professor und die Quintessenz“. Diese gibt es immer noch kostenlos als E-Book auf allen gängigen Plattformen oder auf meiner Homepage zum Download. Zudem bin ich seit ich fünfzehn bin als freiberufliche Journalistin tätig, da gibt es natürlich diverse Artikel von mir.

FB: Sie schreiben auch für Online-Magazine, in welchem Genre sind Sie hier aktiv?

LB: Angefangen hat das mit fünfzehn bei NegativeWhite.ch, einem Online Magazin, das damals über kleinere Szenekonzerte berichtet hatte. Mittlerweile ist Negative White in fast allen Musikgenres unterwegs, wir machen Bandreportagen, Interviews, Plattenrezensionen und natürlich immer noch Konzertberichte. Ein paar Jahre später bin ich per Zufall mit dem Fotografen von games.ch in Kontakt gekommen und durfte einen Gastartikel dort veröffentlichen. Irgendwie hat es gepasst und seitdem schreibe ich für sie Spieleberichte, Vorschauen und Eventberichte. Alles nebenberuflich.

FB: Wie verbinden Sie Ihre Leidenschaft – das Schreiben – mit Ihrem Hauptberuf als Wirtschaftsinformatikerin? Gibt es feste Zeiten, in denen Sie schreiben, wenn Sie nicht arbeiten müssen?

LB: Das ist tatsächlich eines der größten Herausforderungen! Mein Hauptberuf als Wirtschaftsinformatikerin ist oftmals sehr fordernd und ich verbringe viel Zeit im Büro. Das Schreiben dient mir als Ausgleich. Da mein Alltag aber durch die beiden Nebenberufe, die ich verfolge und durch meine anderen Leidenschaften und Interessen sowieso nicht zu strukturieren ist, schreibe ich einfach dann, wenn es eben geht. Das sind leider keine festen Zeiten und leider passiert das auch nicht regelmäßig. Trotzdem versuche ich mir Zeit freizuschaufeln, denn die Gedanken und Geschichten schlummern in mir und wollen raus!

FB: Sie haben ja auch schon Lesungen gegeben, wo war das und wie war die Resonanz?

LB: Das ist eine der tollen Erfahrungen, die ich durch die Veröffentlichung meines Buches mitnehmen durfte. Ich durfte in meinem alten Heimatdorf im „Büecherchorb Aadorf“ lesen. Am Tag der Lesung rief mich die Buchhändlerin an und informierte mich, dass sie mir ein Mikrofon organisiert haben, da sie mit mehr Leuten als ursprünglich geplant rechneten. Am Ende wurden sogar noch Stühle hinter mir aufgestellt und die Buchhandlung war mit über vierzig Leuten gefüllt. Ein tolles Erlebnis!

FB: Gibt es in Sachen Schreiben schon Pläne für`s neue Jahr?  

LB: Ich schreibe momentan an mehreren Projekten, darunter ein Kinderbuch, ein Thriller und ein Fantasie-Epos. Was davon wann fertig wird, ist schwierig abzuschätzen. Auf jeden Fall möchte ich gerne weiterschreiben, so oft und so viel ich kann! Doch gut Ding will Weile haben, realistisch gesehen gibt es von mir erst in ein paar Jahren wieder etwas zu Lesen.

FB: Wo verbringen Sie das Weihnachtsfest?

LB: Am schönsten Ort dieser Welt: In meinem Elternhaus, mit meinen Liebsten zusammen.

Infos zur Autorin und Bezugsquelle Buch – hier.

Bildnachweis: Larissa Baiter

 

Magersucht - sie ist ernst zu nehmen

„Unverkrampftes, aber gesundes Essverhalten scheint in unserer Gesellschaft vom Aussterben bedroht.“ – das sagt Antje Döhring,  Autorin des Buches „Weniger“, in dem es um ein Mädchen geht, das langsam in eine Magersucht rutscht.

Jasmin – so der Name der Protagonistin – steht damit stellvertretend für viele (junge) Leute, die ein schwieriges Verhältnis zum Essen und damit auch zum eigenen Körper haben. War es vor Jahrzehnten schon angesagt, schlank zu sein, wird diesem vermeintlichen Ideal, das vor allem medial befeuert wird, heutzutage von unzähligen Usern in den sozialen Netzwerken gefrönt. Instagram, Facebook und Twitter sind voll von Menschen, die sich dünn, muskulös und sehr attraktiv präsentieren.

Dass sich auf diese Art und Weise Personen dem Schlankheitswahn widmen, die näher am User dran sind, als beispielsweise Supermodels, macht das Ganze nicht einfacher.

Denn nicht wenige Menschen fühlen sich dadurch animiert, sich ebenso einem Kult um ihren Körper hinzugeben. Eine bedenkliche Entwicklung, die im Buch von Antje Döhring subtil eine Rolle spielt und dem Leser im Rahmen der Handlung übermittelt wird.

Wir sprachen mit der Autorin, die auch außerhalb ihres schriftstellerischen Tuns ein spannendes Leben hat.

FB: Frau Döhring, wie ist die Idee zu Ihrem Buch „Weniger“ (im Bild das Buch-Cover) entstanden?

Ursprünglich war die Geschichte um das Mädchen Jasmin, das langsam in eine Magersucht hineinrutscht, nur ein Nebenstrang in einem anderen Gegenwartsroman, der noch nicht erschienen ist. Ich brauchte damals Gründe, warum in einer Familie nach und nach alle dem Fleischessen entsagen: Der eine war ohnehin Vegetarier, der andere wollte dann wegen Gelenkproblemen verzichten. Blieb die Frage – warum isst bald auch die Tochter Jasmin kein Fleisch mehr? Aus Fleischverzicht wurde in meinem Kopf Diät und daraus wiederum schließlich eine Magersucht.

Der Verlag, der den Roman herausbringen wollte (mittlerweile jedoch nicht mehr existiert), hatte festgestellt, dass das Manuskript zu umfänglich geworden war. Hier und da ein wenig herumzukürzen schien nicht sehr vielversprechend.

Schließlich entschloss ich mich dazu, diesen Handlungsstrang  um Jasmin quasi „auszukoppeln“, weil ich fand, dieses Thema braucht eine „eigene Stimme“. Dafür musste ich mich natürlich dann noch einmal wesentlich tiefschürfender mit der Materie beschäftigen, als es für eine Nebenhandlung nötig gewesen wäre.

FB: Magersucht, dünner werden wollen, Models nacheifern – das war mal vor einiger Zeit ein Riesenthema, das gefühlt täglich in den Medien präsent war. Jetzt hat das allerdings etwas nachgelassen, aber es hat sich ja hier kaum etwas verändert – es werden immer noch ganz viele (junge) Menschen magersüchtig, oder?

Gut, „ganz viele“ zum Glück nicht; hochgerechnet finde ich dennoch auch 0,3 bis 0,6 % der Frauen zwischen 12 und 35 erschreckend. Was aber noch viel bedenklicher stimmen sollte: Diese Zahlen steigen seit Jahren ständig an. Man muss  davon ausgehen, dass dieser Trend noch nicht abgebrochen ist. Und: Es sind nicht nur junge Mädchen im Teenageralter, sondern vor allem Frauen in Umbruchphasen (also auch junge Mütter und Frauen um die Menopause, bei denen sich der Stoffwechsel meist ganz natürlich verlangsamt). Jedoch sind auch zunehmend junge Männer betroffen, die sich parallel an ihrem Muskelaufbau abarbeiten.

Was ich ebenfalls ganz erschreckend finde, ist die Tatsache, dass in der Bevölkerung oft noch die Vorstellung existiert, dass Magersucht „nur so eine pubertäre Phase“ sei, ein „Model-spielen-wollen“ und Wichtigmachen, das mit Omas guter Küche schon wieder in Ordnung käme. Dabei sterben mehr als 10 % der Betroffenen! Damit ist Magersucht, auch Anorexie genannt, nach wie vor die psychische Erkrankung mit der höchsten Sterblichkeitsrate. Es ist keine „Teenie-Spinnerei“, sondern eine sehr ernstzunehmende psychische Erkrankung, bei der das Dünnerwerden, streng genommen, eher das Symptom als die Krankheit ist.

FB: Haben Sie in Sachen Magersucht Zahlen für Deutschland parat? 

Die letzten seriösen Statistiken u.a. des Robert-Koch-Instituts, die ich gefunden habe, sind meist noch von 2012.  Man kann davon ausgehen, dass ca. 5 Mio Deutsche an irgendeiner Essstörungen leiden. Davon wiederum sind über 100 000 magersüchtig.

Es wird davon gesprochen, dass unter Teenagern bereits jede/r dritte bis fünfte Symptome eines gestörten Essverhaltens zeigt! Also ständig auf die Waage guckt, Kalorien zählt oder aber im Gegenteil hemmungslos riesige Mengen anfallartig in sich hineinstopft. Ein unverkrampftes, aber gesundes Essverhalten scheint in unserer Gesellschaft vom Aussterben bedroht.

FB: Woran liegt das, dass so viele Menschen – vor allem Jugendliche/Mädchen – ganz dünn sein wollen? Inzwischen dürfte doch zumindest ein Bewusstsein darüber herrschen, dass die meisten Models oder/und Schauspielerinnen, die von Plakaten lächeln, in einer oberflächlichen Scheinwelt leben, die mit dem realen Leben kaum was zu tun hat…

Bei den meisten jungen Menschen, die immer weiter abnehmen wollen, geht es im Grunde ja nur am Rande um das Dünnsein als solches. In einer  Gesellschaft, die von Individualität und dieser „Jeder ist seines Glückes Schmied“-Mentalität geprägt ist, dazu noch gepaart mit Leistungsanforderungen aller Art,  hängt es wohl vielmehr damit zusammen, dass gerade junge Leute oft eine Menge an Möglichkeiten und Lebensentwürfen vorfinden, aber damit auch gleichzeitig vor der Aufgabe stehen, die jeweils richtige „Wahl“ zu treffen – vom schulischen und beruflichen Weg über die politische Meinung, Freunde, Liebe, eigene Familie ja/nein, oder gesundheitliche Entscheidungen. Stießen sie in früheren Dekaden schnell an die Grenzen dessen, was Elternhaus, Staat und Kirche vorgaben, erscheint heute alles viel freier, theoretisch erreichbarer, aber nicht unbedingt auch praktisch.

Vieles ist nach wie vor vom einzelnen gar nicht immer beeinflussbar, und in jungen Jahren noch weniger.  Und es kann sogar überwältigend wirken. Wenn dann noch durch die kapitalistische Warenwelt suggeriert wird, dass „jung und schön“ gewinnt, aber man gerade – pubertär eigentlich normal – an sich selbst zweifelt, dann scheint es am einfachsten, genau das im eigenen Leben zu beeinflussen und „in den Griff zu bekommen“, was eben noch am ehesten beeinflussbar ist: Der eigene Körper, das eigene Gewicht.

Darüber hinaus ist es in den vergangenen Jahrzehnten immer schwieriger geworden, dem Idealbild einer attraktiven Frau nahe zu kommen (zumindest werblich gesehen)! War es  in den 60-er (siehe Twiggy) noch „genug“, möglichst dünn zu sein, gehörten zum Schlanksein ab den 90-ern (Ära der „Supermodels“ á la Claudia Schiffer) bereits die Kurven an den richtigen Stellen hinzu. Doch seit das Zeitalter von sozialen Selbstbespiegelungsmedien samt Selfies auf Instagram, Tinder und Tumblr angebrochen ist, kommt zu „dünn, aber mit Kurven“ noch das neue Gebot hinzu, „sportlich definiert“ auszusehen!

Für die meisten fast unerreichbar. Doch es scheint dennoch immer noch eher „machbar“ als die Vorstellung, immer zu funktionieren und „die richtigen Schulnoten für den richtigen Job, samt dem richtigen Partner für das beste aller Leben“ hinbekommen zu müssen.

Kurz gesagt: Tiefe Selbstzweifel und ein Gefühl der Machtlosigkeit führen heutzutage bei vielen, vor allem jungen Menschen dazu, eine ernste psychische Störung zu entwickeln, die sich primär darin manifestiert, den eigenen Körper möglichst „marktkonform“ zu  trimmen. So leiden Körper und Seele gleichermaßen.

Es genügt also nicht, dass Magersüchtige einfach wieder mehr essen. Auch die Leerstellen in der Seele müssen mit Sinn gefüllt werden.

FB: Wie haben Sie die Recherche zu dem Buch gestaltet, sind Sie in die echte Welt von magersüchtigen Menschen eingetaucht oder/und  gab es auch Fälle in Ihrem Umfeld?

Zum Glück hatte ich weder im näheren noch weiteren Umfeld Betroffene; allerdings habe ich nach der Veröffentlichung viele – teils überraschende, bestürzende – Rückmeldungen von Bekannten wie auch Fremden erhalten, die das Monster Essstörung aus eigenem Erleben kennen.

Ich habe das getan, was ich als gelernte Journalistin ganz gut kann: recherchieren. Ich habe sehr viel Fachmaterial zum Thema gelesen, Filme gesehen, Betroffeneninterviews gehört usw. Mich hat erschreckt, wie weitverbreitet dieses Problem ist, ohne dass es allzuoft an die Oberfläche des gesellschaftlichen Bewusstseins kommt.

Auf dieser Basis dann die Geschichtenerzählerin in mir ihre Arbeit tun lassen: Sich die Figur der Jasmin nicht nur auszudenken, sondern quasi in sie hineinkriechen und zu versuchen, mit ihren Augen zu sehen.

Natürlich habe ich die entsprechenden Stellen im Roman vor der Veröffentlichung auch von Therapeutinnen für Essstörungen lesen lassen, um sicherzugehen, dass es sowohl fachlich korrekt als auch plausibel rüberkommt.

FB: Ab wann wird „Dünn sein“ zur Krankheit?

Das kann ich als Nicht-Fachfrau nicht sagen ….

FB: Woran können Eltern merken, dass ihr Nachwuchs ein echtes Problem hat und gegebenenfalls in eine Magersucht driftet?

Siehe oben: das möchte ich Fachleuten überlassen. Ein aktueller, guter Beitrag dazu findet sich hier.

FB: Was müsste – Ihrer Meinung nach – noch an öffentlicher Aufklärungsarbeit geleistet werden, um diese Thematik noch stärker in die Öffentlichkeit zu bringen und mehr Menschen zu sensibilisieren?

Es gab und gibt immer mal wieder dazu in den Medien Berichte. Dennoch habe ich den Eindruck, dass es noch zu oft als ein „Extrem“ beim Publikum ankommt. Dabei kann eine Essstörung auch bei Menschen in normalen, „geordneten“ Lebensumständen auftreten, wenn einige, vor allem innere Probleme zusammenkommen. Das kann schleichend und unauffällig passieren. Genau solch ein „normales Mädchen in einer normalen“ Familie habe ich in der Figur der Jasmin zu zeichnen versucht.

Außerdem: Essstörungen scheinen mir nach wie vor mit einem gewissen Stigma belegt. Während Burn-out, Depression oder Phobie langsam in der breiten Masse als Krankheit „anerkannt“ werden, ist essgestört zu sein oder ein essgestörtes Kind zu haben weiter etwas irgendwie Peinliches, ein Versagen. Zudem habe ich, wie gesagt, den Eindruck, dass es bei vielen immer noch unter „pubertäre Spinnerei“ läuft.

Ich glaube nicht, dass viel auch viel hilft – in dem Falle mediales Bombardement mit dem Thema. Aber dafür stetig und mit geeigneten Mitteln sollte ein Bewusstsein geschaffen werden, das es sich um eine vampirhafte Krankheit handelt, die selten von selbst verschwindet.

FB: Zu Ihnen: Sie waren viele Jahre mit Ihrem Mann und Ihren Kindern im Ausland und sind nun wieder in Deutschland. Wie haben Sie die letzten Jahre – Sie lebten in den VAE – erlebt und wie ist es nun, wieder in der alten Heimat zu sein?

Mir war bewusst, dass man nach zwanzig Jahren im Ausland nicht einfach wieder „nach Hause kommt“ – so, wie das viele Daheimgebliebene sich vorstellen. Insofern war ich gewappnet, dass es nicht sofort super glattlaufen muss. Ein wenig „Fremdeln“ auch oder gerade in der alten Heimat ist ganz normal. Nach nunmehr eineinhalb Jahren zurück sind wir jedoch „angekommen“.

Die Emirate waren von den Alltagsumständen – nach unseren Jahren in Saudi-Arabien, Indien und Libyen – auf jeden Fall sehr einfach, weil dort alles auf hohem und höchstem Niveau abläuft. Wir hatten dort auch einen wunderbaren Freundeskreis.

FB: Was vermissen Sie an Ihrem damaligen Zuhause auf Zeit und über was freuen Sie sich, hier in Deutschland?

Ich finde, von jedem Land vermisst man etwas anderes, und das ist ja ganz normal. Das einzige, was da vielleicht verbindend ist: Unsere Freunde leben um den ganzen Globus verstreut, und jeder weitere Umzug brachte eben sehr viele Abschiede, aber auch wieder viele neue Bekannte und Freunde mit sich.

Aus den Emiraten fehlt mir am meisten der großartige kulturelle Schmelztiegel; immerhin sind über 85% aller in den V.A.E. lebenden Menschen Ausländer! Es ist beispielhaft, wie völlig normal und konfliktfrei dort Leute aus über 200 Ländern, somit aus unzähligen Kulturen, Sprachen und Religionen miteinander auskommen. Die Freundlichkeit und Hilfsbereitschaft allerorten – das ist wunderbar gewesen.

Wen Details aus unserer Zeit in den Vereinigten Arabischen Emiraten interessieren: hier mein Blog dazu.

Hier in Deutschland genießen wir den Wechsel der Jahreszeiten (obwohl ich es kalt noch nie mochte) und das großartige, geistig-kulturelle Angebot sowie die Nähe zur Großfamilie und alten Freunden.

FB: Welchen Projekten widmen Sie sich aktuell bzw. welche Pläne haben Sie für die nächste Zeit? Können Sie schon etwas verraten?   

Die englische Übersetzung von „Weniger“ ist gerade als „Featherlight. Hope rekindled“ erschienen, ein weiteres Manuskript harrt der Überarbeitung, momentan habe ich zudem ein neues Projekt begonnen – mal etwas ganz anderes, ein historisches Thema, das den Leser sehr weit zurückführen soll …

Infos:

Antje Döring - Autorin

Magersucht – ein Thema, dem sich Autorin Antje Döring angenommen hat

Antje Döring (im Bild):

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Buch „Weniger“ unter anderem bei Amazon.

Bild Autorin: privat / Cover „Weniger“: „NaWillArt Coverdesign“

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

Diagnose Brustkrebs: der niederschmetternde Krankheits-Befund dürfte bei allen betroffenen Frauen mit voller Wucht in das bisherige Leben prallen und Gefühle wie Schockstarre, Ängste, Ratlosigkeit und auch Bitterkeit auslösen.

Mit diesen Emotionen klar zu kommen UND noch Kräfte für Therapie und Alltagsdinge aufzubieten, grenzt fast schon an eine Unmöglichkeit. Nicht zuletzt, weil jede Betroffene neben der Krankheit ihre persönliche Familiensituation zu meistern hat – oft mit Kindern, bisweilen alleinerziehend, manchmal auch mit pflegebedürftigen Angehörigen oder /und auch Haustieren.

Jede familiäre Situation muss den Prozessen, die einer Krebsdiagnose folgen, angepasst werden – eine riesige und zumeist auch kräftezehrende Herausforderung für die erkrankten Frauen! Und doch sind die allermeisten Brustkrebs-Patientinnen stark und setzen alles daran, wieder gesund zu werden und Heilung zu erfahren.

Dass aber ein solcher Zeitraum auch oft von Niederlagen und Rückschlägen geprägt sein kann, gehört leider auch zur Wahrheit rund um die Krankheit. Ebenso begleiten Hoffnungslosigkeit, Depressionen und tiefe Traurigkeit viele Patientinnen phasenweise durch die Zeit der Therapie.

Und um hier einen Lichtblick rein zu bringen, haben engagierte Frauen das Projekt der Herzkissen ins Leben gerufen – eine Initiative, die sich zwischenzeitlich enorm ausgeweitet und in der Vergangenheit schon für viele emotionale Momente bei den Empfängerinnen gesorgt hat. Die Herzkissen werden eigens für Brustkrebs-Patientinnen von Frauen genäht und haben neben dem Wohlfühl-Effekt sogar noch eine medizinische Bedeutung.

Welche genau, das erzählte uns Alexandra Weber (im Bild), die eine Herzkissen-Nähgruppe in der Region Rhein-Mosel-Lahn ins Leben gerufen hat. Was mit einer Mädchengruppe, die sich für Handarbeiten begeistert, begann, ist längst ein überregionales Projekt für die Initiatorin und ihre Mitstreiterinnen geworden. Und das mit überwältigendem Erfolg! Im Interview gewährt Alexandra Weber umfassende Einblicke in diese wunderbare Initiative und geht auch auf die vielen Gänsehaut-Momente, die sie durch die Herzkissen-Initiative erlebte und immer wieder erlebt, ein.

FB: Frau Weber, angefangen hat alles mit einer Mädchengruppe – erzählen Sie doch mal!

2010 betreute ich in meinem Beruf als Jugendpflegerin einen Mädchentreff. Die 14Jährigen wollten gerne mit ein bisschen Handarbeit etwas Gutes tun, hatten aber keine Idee. Nach einer Recherche entdeckte ich die Aktion „Herzkissen“ in vielen deutschen Städten und hielt es für die Mädchen machbar, diese Aktion zu unterstützen.

Schnell wurden die ersten Herzen genäht, aber als es darum ging, die örtliche Herzkissengruppe ausfindig zu machen, war ich ratlos. Obwohl Koblenz viele Krankenhäuser hat und einige als Brustzentren zertifiziert sind, gab es keine Gruppe. Nach zahlreichen Gesprächen persönlich und telefonisch in verschiedenen Krankenhäusern war ich enttäuscht, unsere Herzen nicht an die Frau zu bringen und die Motivation der Mädchen so hinzuhalten. Doch dann hatte ich eine Krankenschwester am Telefon, die die Herzkissenaktion kannte und sich mehr als freute, mit mir darüber zu sprechen. Schnell war ein Termin gefunden und ich durfte im Kemperhof, im Gespräch mit dem damaligen Chefarzt, die Herzkissen abgeben.

Nach meinen Erklärungen zum Herzkissen und dem Probetragen war schnell Begeisterung zu spüren und so ließ es sich Dr. Gethmann nicht nehmen, 400 Herzkissen in Auftrag zu geben. Etwas überrumpelt, aber erfreut, sagte ich leichtfertig zu. Und damit war der Grundstein für unsere Herzkissengruppe gelegt.

Wir bewarben unser erstes offizielles Treffen und so kamen 20 Helferinnen, darunter auch einige Mädchen des Mädchentreffs, um die erste Serie zu fertigen. Ich ließ unsere Gruppe lizensieren und bei Nancy Friis-Jensen, der Gründerin der Herzkissen in Europa, registrieren, damit wir nach gewissen Standards arbeiten und unsere Herzkissen (im Bild) die geforderten Anforderungen erfüllen.

FB: Was ist – im Zusammenhang mit dem medizinischen Aspekt – das Besondere an den Herzkissen?

Das Herzkissen rührt natürlich zuerst das Herz und streichelt die Seele. Jedoch hat es auch einen medizinischen Wert. Durch den Druck auf die OP-Narbe fließt die Lymphe besser, die Wundheilung wird beschleunigt und durch die schnellere Beweglichkeit der Patientin wird die Genesung vorangetrieben.

FB: Wie viele Kissen werden durch das Engagement „Ihrer“ Frauen aktuell pro Jahr genäht?

Unsere Gruppe benäht aktuell das komplette nördliche Rheinland-Pfalz. Von Bad-Neuenahr, Andernach, Neuwied, Lahnstein, Koblenz, Mayen bis Wittlich erstreckt sich unser Bereich. Wir nähen in der Hauptgruppe in der Verbandsgemeinde Loreley und in fünf Außennähgruppen. Insgesamt ist der Bedarf in diesem Gebiet bei mehr als 1000 Stück pro Jahr. Unsere Gruppen schaffen im Moment 1200 pro Kalenderjahr, um allen Bedarfen gerecht zu werden, denn wir verschicken auch Herzkissen an Patientinnen, die keine Herzkissengruppe in ihrer Nähe haben.

FB: Welche Rückmeldungen bekommen Sie von Brustkrebs-Patientinnen, die ein solches Herzkissen durch Ihre Näherinnen bekommen haben?

Wir bekommen immer wieder sehr rührende und herzliche Briefe, Mails und Anrufe von Patientinnen oder den Angehörigen. Sie alle eint die große Überraschung und Rührung in dem Moment, wenn die Patientin nach der OP ins Zimmer kommt und dort unser buntes Herzkissen auf sie wartet. Viele können nicht glauben, dass ihnen fremde Menschen in ihrer freien Zeit so etwas Schönes für SIE gemacht haben. Und damit haben wir schon einen kleinen Moment des Glücks bewirkt, der so dicht an der schlimmen bedrohlichen Diagnose liegt. Wir hoffen immer, dass sich das Herzkissen an den Beginn eines Wendepunktes setzt, und ein Wegbegleiter für die Patientin durch all die folgenden Behandlungen wird.

Diese Rückmeldungen, jede einzelne Geschichte, die wir erzählt bekommen, motiviert uns, weiter zu machen.

FB: Mittlerweile hat sich der Unterstützerkreis erhöht und es fließen Ihnen Spenden zu. Was sind das für Firmen bzw. Personen, die Sie unterstützen und wie gestalten Sie die Spenden-Akquise?

Viele Spenden bekommen wir von Patientinnen oder deren Familien. Meistens möchten die Herzkissenbesitzer danke sagen und sich für die wunderbare Überraschung erkenntlich zeigen. Manchmal entstehen daraus Kontakte zu den Arbeitgebern der Patientinnen oder ihrer Partner. Dadurch konnten wir in den Genuss kommen, dass einige Firmen ihren Weihnachtsbonus an uns gespendet haben oder für unsere Aktion bei der Kundenakquise werben.

Neben dem indirekten Weg gehen wir auch offensiv auf Spendersuche. All` unsere Näherinnen haben immer einige Flyer in der Handtasche oder im Auto und werben für die Herzkissen. Meistens ergeben sich durch persönliche Kontakte tolle Kooperationen, so hat zum Beispiel der Geschäftsführer meiner Tanzschule angeboten, uns das Logo zu entwerfen und uns im Marketing zu unterstützen. Selbstverständlich kostenlos.

Und so sprechen wir immer wieder von unserer Aktion und rühren die Spendentrommel, denn es werden jährlich mehr Frauen, die die Diagnose Brustkrebs bekommen und dann unsere Herzen kriegen sollen.

FB: Welchen Betrag benötigen Sie pro Kissen?

Um alles für ein Herzkissen zu finanzieren, benötigen wir 5 Euro. Das klingt im ersten Moment viel, jedoch steckt da auch einiges dahinter. Neben dem Originalherz gibt es ein kleines Herz dazu, das die Beziehung zu einer stützenden Person sichtbar machen soll, die der Patientin zur Seite steht. Beide Herzen werden aus neuem, qualitativem Baumwollstoff gefertigt, die vorgewaschen und gebügelt werden müssen. Hinzu kommt auch noch das Füllmaterial. Außerdem gibt es eine Informationsbroschüre dazu, aus der weitere Informationen zur Herzkissengruppe hervorgehen. Alles wird zusammen vakuumiert und eingeschweißt, damit alles sauber und möglichst keimfrei (da luftfrei) im Krankenhaus ankommt. Und damit zeigt sich, dass wir mit 5 Euro ganz schön viel bewirken!

FB: Ihr Engagement ist nicht ohne Beachtung geblieben – Sie haben sogar einen sehr gefragten Preis erhalten. Erzählen Sie doch mal!

Drei Jahre nach Gründung der Gruppe haben wir 2014 der Ehrenamtspreis der GVV (Gemeindeversicherungsverband) über 5000 Euro gewonnen! Das war ein großes Ereignis in der Herzkissengeschichte. Unterstützt durch eine liebe Freundin und Mitnäherin und meine gerade drei Wochen alten Zwillingen, durfte ich im Kölner Gürzenich den Preis entgegennehmen. Damit war der Startschuss für eine neue Zeit gegeben. Mit dieser finanziellen Unterstützung konnten wir nun komplett auf neue Stoffe setzen und die Qualität sicherstellen. Außerdem war nun die Erstbeschaffung eines Vakuumiergerätes möglich, das wir seit dem nicht mehr missen möchten. Wir konnten nun auch unseren ersten „professionellen“ Flyer drucken lassen, um neue Spender zu akquirieren und unsere Aktion toll darzustellen. 

FB: Mittlerweile gibt es kaum mehr einen Menschen in Deutschland, der nicht im Familien-, Freundes- oder Kollegen- bzw. Nachbarschaftskreis mit dem Thema „Brustkrebs“ konfrontiert wird. Haben Sie das Gefühl, dass die Sensibilisierung für diese Krankheit bereits ausreicht oder ist noch mehr Aufklärung / Öffentlichkeitsarbeit nötig?      

Eine Herzschwester aus Österreich, die die Seite „Kurvenkratzer – InfluCancer“ ins Leben gerufen hat, sagt immer: Egal wie du über Krebs sprichst, Hauptsache, du tust es! Diesen Gedanken möchten wir weitertragen, denn ich habe in all der Zeit die Erfahrung gemacht, dass JEDER Bezug zu Brustkrebs hat. Eigene Erkrankung, in der Familie, Freundeskreis, Nachbarschaft, im Kollegenkreis…..man kennt immer eine erkrankte Frau oder erkrankten Mann. Und um die Scheu, das Unwissen und damit die Hilflosigkeit zu beenden, möchten wir über Brustkrebs reden. Denn dadurch kommt Brustkrebs dahin, wo er tobt: in die Mitte der Gesellschaft.

Es ist nie genug aufgeklärt.

Man kann schon viel über die Erkrankung wissen, aber wenn es in direkter Nähe zuschlägt, entstehen ganz neue Fragen und Notwendigkeiten. Daher ist uns auch die Zusammenarbeit mit den Frauenselbsthilfegruppen Frauen nach Krebs e.V. und dem Netzwerk Männer mit Brustkrebs e.V. so wichtig. Wir brauchen als Mediatoren viele Informationen aus erster Hand aus diesen Gruppen und zu uns kommen über den „Dankeschön-Kontakt“ viele Neubetroffene, die wir dann wieder an diese Gruppen weiterleiten können.

Auch durch unser sehr ansprechendes Logo versuchen wir ins Gespräch zu kommen. Unsere pinke Schleife ist überall präsent und wird langsam unser Markenzeichen. Wir haben sie alle als Aufkleber auf dem Auto, um erkannt zu werden. Ich wurde schon einige Male daraufhin angesprochen und Herzkissenbesitzer geben sich zu erkennen. Damit wollen wir einfach auffallen und unsere Arbeit aber auch unsere Passion ständig vor Augen führen. Wir dürfen nicht müde werden, für das Thema einzustehen.

FB: In welchen Abständen treffen sich die Näherinnen und wie gestaltet sich das Miteinander in der Gruppe? Und: wie oft stoßen neue Frauen, die nähen wollen, zu Ihnen?

Unsere Gruppe trifft sich etwa einmal im Monat. Da sich unsere Treffzeiten über mehrere Stunden erstrecken, darf jede Helferin entscheiden, wie viel ihrer Zeit sie der Aktion widmet. Durch die offene Struktur finden häufig neue Helferinnen den Weg zu uns. Die Frauen erfahren über Facebook oder die örtliche Presse von unserer Gruppe oder haben irgendwo unseren Flyer bekommen. Und dann geht es meistens ganz unkompliziert. Entweder melden sich die Interessierten telefonisch bei mir und erfragen die Termine und Gegebenheiten oder stehen einfach vor der Tür.

Unsere Gruppe lebt von der Fröhlichkeit und Zwanglosigkeit. Jeder bringt sich so ein, wie er möchte, ohne Zeit- oder Leistungsdruck. Jeder steht als Person hinter der Aktion und lebt in dieser Gruppe ein herzliches Miteinander. Beim letzten Treffen im November besuchte uns eine neue Interessierte. Sie war überwältigt, dass sie sich nach so kurzer Zeit so als Teil dieser Gruppe empfinde. Und das macht unsere Gruppe auch aus: jeder ist mit dem, was er mitbringt willkommen, jeder bringt das von sich ein, was er preisgeben möchte. Es herrscht eine große Wertschätzung und Herzlichkeit in unserer Gruppe. Und uns alle vereint der Wunsch, möglichst viel Freude, Kraft und Liebe in die Herzen einzunähen, damit sie genauso bei den Patientinnen ankommen!

FB: Gibt es ein besonders emotionales Erlebnis, das Ihnen – im Zusammenhang mit den Herzkissen – in Erinnerung geblieben ist?

In fast acht Jahren Herzkissen sind viele rührende, herzergreifende und liebe Geschichten und Gedanken mit mir geteilt worden. Es sind so vielseitige Momente, die in ihrer Summe ein gutes Gefühl erzeugen. Dass das, was wir tun, die Welt ein bisschen besser macht, Dankbarkeit erzeugt, Hilfe angenommen wird. Besondere Gänsehautmomente hatte ich natürlich auch.

Als ich erfahren habe, dass eine selbst betroffene Frau ihre ebenfalls erkrankte Mutter mit ihrem Herzkissen bestatten ließ.

Als mir erzählt wurde, dass das kleine Herz für ein Kind einer Patientin die sichtbare Verbindung zu Mama war und ihr geholfen hat, Mamas Erkrankung anzunehmen. Als mir ein Ehemann erklärte, dass es für ihn auch einige Monate nach der Erkrankung und Genesung seiner Frau immer noch wunderschön ist, das kleine Herz in der Jackentasche mitzutragen und regelmäßig zu drücken, wenn er an seine Frau denkt, bzw. an seine Frau zu denken, wenn er das Herz drückt.

Als tränengeflutet die Schwester einer Betroffenen angerufen hat und mir ihre ganze Dankbarkeit entgegen geweint hat.

In diesen Momenten bin ich so dankbar. Zum einen, selbst nicht betroffen zu sein, zum anderen, genau dadurch die Kraft zu haben, denen, die Unterstützung brauchen, diese geben zu können. Natürlich nicht ich alleine, sondern mit all den guten Herzen, die mit mir den Frauen beistehen.

FB: Sie sind als dreifache Mutter, mit Ihrer Tätigkeit als Sozialarbeiterin und noch mit dem Engagement für das Herzkissen-Projekt, sicher mehr als ausgelastet. Dennoch: wenn Sie freie Zeit haben, wie verbringen Sie sie? Gibt es Hobbys?

Freie Zeit? (lacht….)

Es gibt nicht viele wirklich freie Momente in meinem Alltag. Aber ich versuche beim Nähen, Saunen und Zumba Kraft zu tanken und mich zu erholen.

Viel Zeit für das Herzkissenprojekt bin ich zuhause aktiv. Dabei ist mir das Einbeziehen meiner Töchter sehr wichtig, da sie alle erst nach dem ersten Herzkissentreffen zur Welt kamen und sie mit den Herzkissen großwerden. Manchmal sagen wir schon, dass die Herzkissen unser 4. Kind sind, weil sie überall präsent sind. Ob ich Pakete für die Außennähgruppen oder Betroffene packe, ob ich Kissen zunähe oder einschweiße – meine Familie trägt das mit und nimmt teil an meinem Ehrenamt. Sonst wäre es auch nicht in diesem Umfang leistbar. Für meine Kinder sind die Herzkissen auch eine Herzensangelegenheit und selbstverständlich, etwas der eigenen Zeit und Kraft für die zu geben, die genau das gerade nicht haben. Und das gibt mir immer wieder die Kraft, weiterzumachen.

FB: Was ist in Sachen der Herzkissen zukünftig geplant – gibt es schon Pläne, über die Sie sprechen können?

2018 war ein wirklich grandioses Jahr. Die Gruppe wächst ständig weiter und viele neuen Kontakte sind entstanden. Diese gilt es natürlich zu pflegen und zu vertiefen. So haben wir neben vielen Terminen mit unseren Außengruppen und befreundeten Gruppen der Frauenselbsthilfe nach Krebs auch wieder einen tollen Brustkrebsmonat Oktober rund um Koblenz vor uns. In Kooperation mit der Deutschen Krebsgesellschaft, der FSH, den örtlichen Krankenhäusern, der Stadt Koblenz und vielen weiteren Kooperationspartnern werden wieder vielseitige Angebote für Interessierte angeboten, natürlich auch von den Herzkissen Rhein-Mosel-Lahn.

Außerdem startet unsere Gruppe am 12. Mai 2019 in Bad Hönningen beim Muddy Angel Run. Dieser Gelände- und Hindernislauf dient nicht dazu, körperliche Bestzeiten zu bringen, sondern soll auf das Thema Brustkrebs aufmerksam machen. Unsere Gruppe startet aktuell mit 25 Frauen und Mädchen und es wird ein bestimmt unvergesslicher pinker Termin in 2019!

FB: Wenn sich der eine oder andere ermuntert fühlt, Ihr Projekt zu unterstützen – wohin sollte er sich wenden?

Wir freuen uns immer über Unterstützer und Helfer. Und nein, man muss nicht nähen können! Das ist meist die größte Sorge. Aber es gibt so unendlich viele Arbeitsschritte, da findet jeder seine Bestimmung. Und lernen darf man auch alles bei uns…!

Wir betreuen eine Facebookseite, die umfangreich über aktuelle Aktionen unserer Gruppe berichtet. Außerdem kann man uns per Mail unter HerzkissenRheinMoselLahn@web.de erreichen. Darüber können auch weitere Infos und Herzkissen angefordert werden.

Mehr zum Thema auch hier.

Bildnachweise: Simone Küpper, Heike Fischbach

Julia Sohn – Initiatorin der Aktion #grüneBüroklammer in Nordrhein-Westfalen

Mit einer Büroklammer für den guten Zweck – was hat das zu bedeuten? So reagierte ich, als mir auf Facebook die #grüneBüroklammer als Hashtag im Newsfeed unterkam. Aus Neugier klickte ich drauf und staunte was man – oder besser gesagt: Frau – mit diesem kleinen Büro-Utensil so alles erreichen kann.

Julia Sohn, eine engagierte Unternehmerin aus Nordrhein-Westfalen, nutzt nämlich tatsächlich eine  simple Büroklammer, um sich für den guten Zweck zu engagieren. Mittlerweile hat die umtriebige Düsseldorferin, die in der bekannten Metropole am Rhein auch eine eigene Business Academy aufgebaut hat, bereits die unterschiedlichsten Unternehmerinnen und Unternehmer in ihrer Region mit der Initiative #grüneBüroklammer angesteckt.

Erreichen möchte sie mit der außergewöhnlichen Idee, dass am Ende ein stattlicher Erlös in ein Kinderarmutsprojekt der Stiftung Sterntaler fließt.

Doch schon innerhalb der jetzigen Aktivitäten konnte finanziell benachteiligten Menschen geholfen werden – so einem Rentner, der dank der Aktion erforderliche Zahnarztbehandlungen vornehmen lassen kann, die er sich selbst nicht mehr leisten konnte. Alles in allem ist die #grüneBüroklammer ein außerordenlich kreatives Projekt, über das Julia Sohn – die selbst Mutter ist – im Interview Auskunft gibt.

FB: Frau Sohn, bevor wir zu Ihrer Aktion kommen – erzählen Sie doch etwas über sich und Ihre Arbeit, sowie über die Kurse, die Sie für Kinder entwickelt haben.  

Ich selbst habe Marketingkommunikation studiert und mir war schnell klar, dass ich mein eigener Chef sein möchte. 2001 habe ich mich mit der vame Business Academy selbstständig gemacht, ein Online-Weiterbildungsinstitut, dass ich seitdem als Akademieleiterin leite. Seinerzeit steckte das Thema eLearning noch in den Kinderschuhen. Manchmal weiß ich selber nicht, wo ich die Kraft hergenommen habe, so lange durchzuhalten. Heute weiß ich, dass sich das definitiv gelohnt hat. Im Angebot stehen bei uns diverse IHK-Prüfungsvorbereitungskurse sowie private Studiengänge aus den Bereichen: Vertrieb, BWL, Marketing, Werbung, Eventmanagement. Die vame arbeitet bundesweit und ortsunabhängig. Unsere Lehrgänge werden im Blended Learning-Format angeboten.

2008 kam meine Tochter zur Welt und da ich seinerzeit keinen sinnvollen Krabbelkurs gefunden habe, der auch mein Hirn etwas beansprucht, habe ich kurzerhand selbst einen kreiert. Daraus entstanden ist das „Krabbelreich“ in Düsseldorf-Oberkassel, das es bis heute parallel zur vame Business Academy gibt. Viele hundert Mütter haben schon an unseren Kursen teilgenommen. Von klassischer Rückbildung, Krabbelkursen mit Bildungscharakter, musikalischer Frühförderung, 1. Hilfe Kursen mit Schwerpunkt Babys und Kinder und seit über 1 Jahr auch 1. Hilfe-Kurse für Kinder ab 6 Jahren.

Die Kinder lernen bei uns, wie man sich in Notsituationen zu verhalten hat. Von 112 anrufen, stabiler Seitenlage, Verbänden anlegen bis zur Bedienung eines Defibrillators. Ein sehr sinnvoller Kurs, der unter dem Motto steht: Auch Kinder können Leben retten! Seit einigen Monaten ist daraus in Kooperation mit der Stiftung Sterntaler ein Stadtprojekt geworden. Wir versorgen gemeinsam alle 4. Klassen der Grundschulen mit diesem Kurs. Was gibt es sonst noch über mich zu sagen? Ich würde mich als sehr kreativen Menschen bezeichnen, der gerne mit der Zeit geht und verrückte Ideen blitzschnell umsetzt.

2017 habe ich den Unternehmerinnenpreis der Stadt Düsseldorf gewonnen, was mir gezeigt hat, dass ich mit meinen Ideen nicht ganz falsch liege.

Mit einer Flasche Wein ging`s los – Julia Sohn mit Petra Mennigmann.

FB: Die besagte Aktion, der Sie sich derzeit widmen, ist eher ungewöhnlich und auch der Name – #grüneBüroklammer – lässt erst mal nicht auf ein Charity-Engagement schließen. Was steckt dahinter und wie kamen Sie zu dieser Idee? 

Das war wieder eine meiner verrückten Ideen. Ich war laufen und hatte ein Hörbuch auf den Ohren. Mitunter ging es in diesem um eine Geschichte, die 2006 in Kanada stattgefunden hat. Ein Kanadier schaffte es binnen 1 Jahr eine rote Büroklammer in ein Haus zu tauschen. Das Haus schenkte er schlussendlich seiner Verlobten. Ich fand die Geschichte witzig und habe nach einigem Zögern eine eigene Geschichte daraus gestrickt. Allerdings zugunsten der Stiftung Sterntaler und in deutlich abgewandelter Form.

Der Betrag, der am Ende dabei herauskommt, wird 1:1 in ein Kinderarmutsprojekt der Sterntaler gesteckt.

FB: Wie gestaltet sich die Aktion in der Praxis – wo finden Sie die Tauschpartner und was wird so alles angeboten?

André Schnaudt u. Thorsten Poersch (Part2Gallery) tauschen Matratzen-Gutschein gegen tolles Bild.

Gar nicht so einfach, wie zunächst gedacht. Der Ursprungsgedanke war, dass ich „etwas“ gegen etwas Gleichwertiges oder im besten Falle Höherwertiges eintausche. In kürzester Zeit schoss die Summe nach oben und ich konnte Dinge, die ich toll fand, die aber vielleicht etwas günstiger waren, als das Tauschobjekt, nicht mehr annehmen. In den Moment ist eine zweite Sparte entstanden: nämlich, dass ich Gutscheine oder Sachgegenstände in Form von Spenden annehme. Schon war das „Preisproblem“ gelöst. Die Spenden fließen an Stellen in die Geschichte ein, wo es einmal klemmt. Z. B., wenn ein Tauschgeschäft keinen klar definierbaren Wert hat oder ich jemanden dazu bringe seinen Tauschgegenstand direkt weiter zu spenden und er aber trotzdem eine Kleinigkeit dafür bekommen soll.

Ein Beispiel: Ich habe zwischendurch einen 500 EUR Gutschein eines Zahnlabors in den Händen gehalten. Dieser wurde von einem Cateringunternehmen gegen einen Catering-Gutschein eingetauscht. Gemeinsam haben wir entschieden den Zahnlabor-Gutschein direkt an die Bürgerstiftung weiter zu reichen. Nun hat ein Rentner etwas davon, der sich keine Zähne mehr leisten kann und das Cateringunternehmen bekommt von mir ein kleines Goody, damit es nicht ganz leer ausgeht. Alle Sachspenden, die am Ende übrig sind, werden auf einer Abschlussveranstaltung versteigert.

Die Summe kommt dann auch in die Sterntaler-Kasse.

Der Story folgen kann man zum Beispiel auf unserer Homepage. Dort findet man eine Zusammenfassung. Die volle Story kann man bei Facebook mitlesen, wenn man dort: #grüneBüroklammer eingibt.

Julia Sohn mit Sonja und Vera Schmittmann von der Edelbrennerei Schmittmann.

Angefangen haben wir mit einer Flasche Wein, dabei waren schon Champagner, Kunstwerke, eine professionelle Zahnreinigung, private Golfstunden, ein Frühstück für 4 Personen im Riesenrad von Oscar Bruch und vieles mehr. Man selbst weiß nie, was als Nächstes kommt. Ganz schön aufregend! Was mich sehr freut: am 13. Januar 2019 wird es eine tolle Abschlussveranstaltung geben im „Chateau Rikx“ – ein begehrter Club in Düsseldorf. Der Betreiber wird alle Getränkeeinnahmen, die auf der Veranstaltung über die Theke gehen, in meinen Spendentopf werfen. Das wird die Summe noch mal anständig nach oben treiben. Noch dazu wird Theo Fitsos, ein bekannter DJ aus Düsseldorf kostenlos auflegen, um ein wenig Schwung in die Veranstaltung zu bringen und Peter Inhoven, ein großartiger Metzger aus Düsseldorf, wird einen Würstchenstand aufstellen und die Einnahmen ebenfalls spenden. Ich freue mich über ein sehr breites Netzwerk. Meine Tauschpartner finde ich auf diesem Wege, etliche sprechen mich von sich aus an.

FB: Klappt es immer, dass der eingetauschte Gegenstand einen höheren Wert hat?

Das ist ziemlich viel Organisation meinerseits – aber ja. Und seitdem ich noch zusätzlich Spenden ohne Tauschgegenstand annehme, hat sich das Problem ohnehin gelöst. Schön ist zu sehen, dass viele einfach etwas Gutes tun- und bei der Story dabei sein wollen und gar nicht so sehr darauf schauen, ob und was sie dafür bekommen.

FB: Wie profitieren die teilnehmenden Unternehmen?

Jeder, der etwas gibt (ab einem Wert von 50 EUR aufwärts) bekommt eine Story in Form eines redaktionellen Beitrags, wo die Person/das Unternehmen/das Tätigkeitsfeld vorgestellt wird. Es ist kaum zu glauben, wie viel Reichweite die Storys haben. Ich kann tatsächlich nirgendwo mehr hingehen, wo nicht jemand „grüne Büroklammer“ sagt. Sehr lustig. Ich träume auch schon von grünen Büroklammern ;-). Die Beiträge erscheinen auf einer Vielzahl von Plattformen. 4 Seiten bei Facebook, LinkedIn, nebenan.de, auf unserer Homepage, bei XING, auch werden sie weitergeteilt…das ist ein klarer Mehrwert, da die Leute lieber eine schöne Geschichte lesen, als auf eine langweilige Werbeanzeige zu klicken und schon werden Personen und Unternehmen gesehen, die vielleicht vorher gar nicht so präsent waren.

FB: Was geschieht mit dem Erlös?

Alles wird bis auf den letzten Cent an die Stiftung Sterntaler gespendet. Dort wird der Betrag gut investiert, in ein Projekt gegen Kinderarmut in den eigenen Reihen.

FB: Wie lange läuft die Aktion noch und wie können Interessenten mit Ihnen in Kontakt treten?

Die Aktion selbst läuft noch bis zum 01.01.2019. Dann ist mit den Tauschgeschäften und Spendenannahmen Schluss. Dann gibt es noch die Abschlussveranstaltung am 13. Januar, 15:00 Uhr h und danach brauche ich erst mal Urlaub…Neben 2 Firmen und einem Kind, ist das alles ist doch nicht ohne. Wer noch etwas Tolles anzubieten hat (bitte keine alten Skiklamotten oder Ähnliches), darf sich sehr gerne melden: jsohn@vame.de

Bildnachweis / Copyrights: Julia Sohn

Frau am Bahnhof

Bedingt durch die vielen Möglichkeiten, mit denen Menschen in der heutigen Zeit einen Partner finden können, kommt der Fernbeziehung eine hohe Bedeutung zu. Denn diese Art der Partnerschafts-Variante ergibt sich häufig, wenn Paare sich online finden. Meist geschieht das durch Singlebörsen oder auch soziale Netzwerke.

Wer sich hier findet, trifft nicht selten auf einen Herzens- und Seelenverwandten, bei dem es passt, der aber leider hunderte Kilometer weit weg wohnt. So beginnt denn meist auch die klassische Fernbeziehung. Dass diese Art der Partnerschaft sehr oft mit verschiedenen Herausforderungen verknüpft ist und vor allem das allwöchentliche Ankommen und Verabschieden so seine speziellen Höhen und Tiefen mit sich bringt, ist ein Dauerthema – vor allem im Netz.

Wir haben mit Sandra Damke, die als Liebeskummercoach in Nordrhein-Westfalen arbeitet, über diese Art der Beziehung gesprochen.

FB: Sandra – Stichwort „Fernbeziehung“. Googelt man diesen Begriff, fällt auf, dass unheimlich viele Ergebnisse angezeigt werden, die Tipps für ein „Frisch halten der Liebe“ in einer Fernbeziehung geben. Ist denn diese Beziehungsart tatsächlich so oft vom Welken der Liebe betroffen?

Ich glaube, dass Fernbeziehungen nicht zwangsläufig häufiger scheitern als „normale Beziehungen“. Sie sind jedoch mit größeren Herausforderungen verbunden, die zu bewältigen sind. Allerdings kommt der Fernbeziehung zugute, dass die Partner, die sich darauf einlassen, all das in Kauf nehmen und somit ein hohes Maß an Engagement und Optimismus aufbringen, was die Beziehung wiederum stärkt und lebendig hält.

FB: Die meisten Fernbeziehungen dürften unfreiwillig zustande gekommen sein. Aber es gibt durchaus auch Paare, die diese Art der Beziehung bewusst eingehen. Was gibt in diesen Fällen den Ausschlag, sich für diese Beziehungsform zu entscheiden?

Für Menschen, die sehr freiheitsliebend sind und ihre Individualität in vielen Lebensbereichen  voll ausleben wollen, ist eine Fernbeziehung eine attraktive Mischung aus Nähe und Distanz. Gewisse Alltagsprobleme entstehen gar nicht erst. Die Partner nerven sich nicht mit unterschiedlichen Auffassungen von Ordnung, Ernährung oder Wohnraumgestaltung. Jeder hat sein Reich und die eigenen Alltagsrituale.

Durch den Abstand bleibt die gefühlte Anziehungskraft länger erhalten. Wer sich im Alltagstrott schnell langweilt, erlebt so eine Beziehung wie eine fortlaufende Aneinanderreihung von Dates. Die einzelnen Begegnungen, auch die sexuellen, wirken bedeutungsvoller und werden intensiver gelebt. Eigene Freiräume und Hobbys können in der Woche entspannt ausgelebt werden. Das gibt einigen Menschen ein hohes Zufriedenheitsgefühl in der Fernbeziehung.

FB: Ganz gleich, ob Paare bewusst oder unfreiwillig eine Fernbeziehung leben – was für Herausforderungen bringt diese Partnerschafts-Variante mit sich?

Das Thema Vertrauen steht ganz vorne auf der Liste der Herausforderungen. Gefolgt von der Sehnsucht nach körperlicher Nähe, die in der Woche keine unmittelbare Erfüllung finden kann.

Nicht zu unterschätzen ist der energetische Aufwand, der von beiden Partnern geleistet wird. Solange die Beziehung noch frisch ist, bewältigt man die Reisestrecke nahezu schwebend, und der Elan scheint grenzenlos zu sein. Gerne verschenkt man sein komplettes Wochenende an den Liebsten oder die Liebste. Nach einer gewissen Zeit kann es dann aber doch anstrengend werden. Irgendwann muss jeder die unliebsamen Arbeiten, die in der Woche nicht geschafft wurden, erledigen. Was man zum Beispiel sonst ganz entspannt am Samstagvormittag geschafft hat, muss nun in der Woche so nebenbei erledigt werden, damit von Freitag bis Sonntag freie Bahn für die Liebe ist.

Und auch die wiederkehrende Kofferpackerei kann mit der Zeit nerven. Irgendwas fehlt immer …! Die warmen Socken, das passende Outfit für den plötzlichen Partybesuch oder den Wetterumschwung. Sonntagabend ist der Zauber vorbei. Voller Eindrücke und einer Tasche voll mit geknüddelten Klamotten kehrt man in die eigene, ungeheizte Bude zurück.

Das klingt unromantisch, ist aber leider die mögliche Schattenseite einer Fernbeziehung.

FB: Paare, die frisch zusammenkommen und (zunächst) eine Fernbeziehung leben müssen, haben oft Sehnsucht und leiden nicht selten darunter, den Alltag in der Woche nicht zu zweit gestalten zu können. Was sorgt bei diesen Paaren am meisten für Frust?

Die Tatsache, dass der Partner nicht greifbar ist; und das im wahrsten Sinne des Wortes. Es macht einen Unterschied, ob man seine Sorgen telefonisch mitteilt, oder bei einem Glas Wein in den Armen des Partners gemeinsam besprechen kann. Zudem kann sich das Thema Eifersucht sehr schnell einschleichen. Schließlich dauert es in einer Fernbeziehung häufig länger, bis man den Freundes- und Bekanntenkreis des Partners gut genug kennt. Wenn einem an schlechten Tagen die Fantasie durchgeht und sich das Gedankenkino nahezu überschlägt , erfordert das viel Verständnis vom Partner.

Außerdem sind spontane Unternehmen gemeinsam nicht möglich, wie mal eben schnell gemeinsam zu den Nachbarn rüber gehen und grillen. Oder wenn das Auto den Geist aufgibt, kann der Partner nicht rasch zur Hilfe eilen. Diese Dinge sind kein Weltuntergang, können aber schon mal Frust aufkommen lassen.

FB: Gibt es Erkenntnisse, welches Geschlecht besser mit einer Fernbeziehung klarkommt – die Männer oder die Frauen?

Ich kenne hierzu keine Statistiken. Durch meine Praxiserfahrung und den Stimmen aus meinem eigenen Bekanntenkreis, bin ich der Meinung, dass beide Geschlechter gleichermaßen gut oder schlecht damit klarkommen. Eifersucht und Sehnsucht finden sich – wie evtl. vermutet – nicht überwiegend bei Frauen. Auch Männer haben Schwierigkeiten damit.

FB: Ist das Wochenende und damit das Wiedersehen da, zelebrieren viele Paare die wenigen Stunden des Zusammenseins. Zu schnell allerdings naht dann meist schon wieder der Abschied. Haben Sie Tipps, wie man diesen händeln kann, damit er einen – gerade in einer noch jungen Beziehung – zum Sonntagabend nicht allzu sehr runterzieht?

Ich rate hier, das Wochenende nicht zu voll zu packen. Gemeinsame Aktivitäten verbinden und erhöhen den Freizeitwert, aber bitte gut dosiert. Lassen Sie den Sonntag gemütlich ausklingen und nehmen Sie die Anwesenheit des Partners nochmal ganz bewusst wahr, und zwar mit allen Sinnen. Kuscheln Sie, entspannen Sie sich und schmieden Sie neue Pläne für weitere Unternehmungen und planen Sie den Termin für das nächste Wiedersehen.
Die modernen Medien sind für Fernbeziehungspärchen eine gute Möglichkeit, sich auch auf Distanz zu „erleben“. Smartphone und Skype machen so vieles möglich. Ein Gute-Nacht-Video, Sprachnachnichten, Fotos, Gedichte … Die gute Nachricht ist: Hier machen tägliche Aufmerksamkeiten bzw. Liebesbekundungen tatsächlich Sinn, ohne kitschig zu wirken.

Ein weiterer Tipp besteht darin, das Wochenende möglichst häufig zu verlängern. Wer kann, sollte sich ein paar Stunden oder Tage Extrafreizeit rausarbeiten und diese in die Beziehung investieren. Am Montagmittag reist es sich viel entspannter ab …

FB: Stimmt es, dass viele Paare Konflikte oder Probleme nicht ansprechen oder angehen, weil man die kurze Zeit der Nähe – zumeist am Wochenende – nicht belasten will?

Ja, das kommt vor. Es ist auf der einen Seite verständlich, aber leider nicht zielführend. Egal welche Art von Beziehung geführt wird – Reden muss sein und Probleme gehören auf den Tisch. Es geht hier vielmehr um das WIE als um das OB.

Ich empfehle, dass es die grundsätzliche Absprache gibt, dass Probleme jederzeit angesprochen werden dürfen, erst recht, wenn es wirklich unter den Nägeln brennt. Niemand sollte über Tage aus seinem Herzen eine Mördergrube machen. Das belastet die Beziehung erst recht.

Grundsätzliche Dinge, die noch etwas Zeit haben, dürfen am Wochenende besprochen werden, aber bitte nicht gleich in den ersten 30 Minuten … Kommen Sie erstmal an und genießen Sie das Wiedersehen in Ruhe und Harmonie. Und bitte tischen Sie die Probleme nicht kurz vor der Verabschiedung auf. Bedenken Sie, dass es immer die letzte Emotion des Treffens ist, die der Partner oder die Partnerin in die Woche transportiert.

FB: Noch mal zum Thema Eifersucht: nicht wenige Menschen, die eine Fernbeziehung haben, befürchten, dass der Partner sich anderweitig in jemanden verlieben oder gar fremdgehen könnte. Für viele misstrauische Naturen dürfte diese Art der Partnerschaft `eh nicht ganz einfach sein. Was raten Sie diesen Leuten?

Wer zu Eifersucht und sonstigen Befürchtungen neigt, sollte hieraus kein Geheimnis machen. Gehen Sie offen damit um. Kündigen Sie an, dass das für Sie ein Problem werden könnte und schauen Sie wie das Gegenüber reagiert. Überlegen Sie gemeinsam, ob es Rituale gibt, die vertrauensbildend sind und wie Sie sich gegenseitig helfen können.

Wenn der Partner überhaupt nicht mit diesen Gefühlen umgehen kann und sich regelrecht belästigt fühlt, sollten Sie sich  fragen, ob Sie wirklich stark genug sind, damit umzugehen. Das wird kein Spaziergang für Ihre Emotionswelten.

Ich muss hierzu allerdings sagen, dass Eifersucht und Misstrauen jede Beziehung, ob nah oder fern, belasten. Daher ist es ein generelles Thema, welches Sie sich anschauen sollten. Fremdgehen kann jeder überall, wenn es darauf angelegt wird.

FB: Gibt es eine Art Richtwert, nach welcher Zeit der Fernbeziehung man(n) zur „Nah“Beziehung übergehen sollte oder gibt es Erkenntnisse, wann das gemeinhin geschieht?

Das Wichtigste ist, dass es überhaupt eine realistische Perspektive gibt, in eine Nah-Beziehung überzugehen. Ich bin der Meinung, dass man nach circa sechs bis zwölf Monaten die erste Prognose über den Fortbestand der Beziehung abgeben kann. Beide kennen sich nun einigermaßen gut und es ist ratsam, erste Zielvereinbarungen für die Zukunft zu treffen.

Selbst, wenn die Realisierung einer gemeinsamen Wohnsituation erst in zwei oder drei Jahren in Betracht kommt, ist zumindest die Aussicht auf eine Nah-Beziehung sehr motivierend. Somit lassen sich die Nachteile und Anstrengungen viel besser ertragen. Frau in pinkem Pullover

Mehr zum Coaching unserer Interviewpartnerin Sandra Damke (im Bild) erfahren Sie hier.

Copyrights: pexels.com, Sandra Damke

 

 

Jeder, der Auto fährt, dürfte schon mit ihnen konfrontiert gewesen sein – auf vertrauten Strecken auch immer wieder: den Straßenkreuzen, die an Menschen, die mit dem Auto tödlich verunglückten, erinnern. Hinter all diesen Kreuzen stehen Tragödien, Schicksale, Dramen, die aber meist nur die Angehörigen der Toten kennen. Ein junger Mann widmet sich diesen Erinnerungsstätten und  recherchiert über die verschiedensten Straßenkreuze, die an Straßenrändern an tödlich verunglückte Menschen erinnern. Philip Bursian, so der Name des Thüringers (im Bild), spricht mit Angehörigen, thematisiert die Todesfälle und hat zudem auf Facebook die Seite „Straßenkreuze – denn jedes ist eines zuviel“ ins Leben gerufen. Der Name ist Programm und transportiert somit schon die Botschaft, die Philip Bursian an alle Verkehrsteilnehmer hat.

Mittlerweile ist sein Herzensprojekt in der öffentlichen Wahrnehmung angekommen. So berichten Medien über ihn, melden sich Angehörige und – ganz wichtig! – greifen Verkehrsexperten auf Bursians Erkenntnisse zurück.

Im Interview stand er uns Rede und Antwort.

FB: Herr Bursian, wie kam es dazu, dass Sie sich den Kreuzen am Straßenrand widmen?

Ich habe das erste Mal in unserem traditionellen Ostseeurlaub, welchen ich mit meinen Eltern gemacht habe, von den hölzernen Mahnmalen am Straßenrand erfahren. Damals, im Jahr 1994 als ich 6 Jahre alt gewesen bin, haben mich diese ersten Eindrücke so stark gedanklich geprägt, dass es mich nicht mehr losgelassen hat und ich unbedingt mehr über diese Form der Trauerkultur erfahren wollte.

FB: Wann haben Sie das erste Mal Angehörige von Menschen, an die mit einem Straßenkreuz erinnert wird, getroffen und wie hat sich dieses Treffen gestaltet?

Der erste ernsthafte, sowie persönliche Kontakt mit den Angehörigen fand im Jahr 2010 statt. Ich entsinne mich noch – es war eine Frau an die 40, welche im Jahre 2006 ihren Verlobten durch einen Motorradunfall verloren hatte. Es war der erste Dialog mit einer Geschädigten und somit auch für mich Neuland. Besonders die ersten Gespräche bewahrt man in bleibender Erinnerung.

FB: Auf welche Regionen konzentrieren Sie sich bei Ihrer Recherche in Sachen Straßenkreuze?

Ich sage immer, dass ich nicht regionsgebunden bin, doch momentan lege ich den Fokus auf den mitteldeutschen Raum. Das heißt, meine Heimat Thüringen sowie die Bundesländer Sachsen-Anhalt und Sachsen. Aber auch andere Trauerkulturen, so zum Beispiel im fränkisch geprägten Oberbayern faszinieren mich sehr.

FB: Wie händeln Sie das mit dem zeitlichen Abstand in Sachen Kontaktaufnahme mit Angehörigen?

Der Trauerprozess ist von Mensch zu Mensch unterschiedlich. Es kommt immer auf viele Faktoren an, an die man sich bei den Angehörigen halten muss. Als erstes der Fortschritt des Trauerprozesses, denn jeder verarbeitet den Schmerz individuell. Hierbei spielt das Geschlecht auch eine Rolle. Während Frauen häufig das Gespräch und die Dialoge suchen, trauern Männer eher in sich hinein und wollen sich selten über den Verlust des geliebten Menschen öffnen.

Ich möchte da nicht in das Leben dieser Menschen hineinstürzen und alte Wunden aufwühlen. Diesbezüglich habe ich meine Facebook Seite „Straßenkreuze – denn jedes ist eines zuviel“ angelegt. Eine Plattform auf welcher sich Menschen untereinander austauschen können und Geschichten von meinen Treffen mit den Hinterbliebenen in Form von Bildern und Berichten dargestellt werden. Zudem findet man im Internet meine Nummer. So kann man sich sowohl über die eingangs erwähnte Seite als auch telefonisch bei mir melden, wenn man über die Trauer und Hintergründe reden möchte. Ich will für die Menschen da sein, welche den schlimmsten Verlust ihres Lebens erleiden mussten.

FB: Wie reagieren die Angehörigen, wenn Sie sich bei Ihnen melden?

Die meisten der Angehörigen treten an mich heran. So ist zumindest die Blockade der Kontaktaufnahme erstmal durchbrochen. Nur selten trete ich persönlich an die Angehörigen heran. Erst dann, wenn mir mein Gefühl sagt, dass nun der Zeitpunkt gekommen ist, wo man mit den Menschen über ihre Verstorbenen reden kann.

FB: Wie wird das eigentlich rechtlich/behördlich mit den Straßenkreuzen in Deutschland gehandhabt? Gibt es dafür Bestimmungen? Und wie gestaltet sich das in anderen Ländern?

In der Bundesrepublik werden die Unfallkreuze geduldet. Rechtlich gesehen sind sie nicht erlaubt. Jedoch sollen die Hinterbliebenen in ihrer Trauer nicht allein gelassen werden und auch, um andere Verkehrsteilnehmer auf die Gefahren im Straßenverkehr vorzubereiten werden sie geduldet. Ich persönlich sehe auch einen pädagogischen Hintergrund, da man mahnen und gedenken kann. In den USAzum Beispiel ist es von Bundesstaat zu Bundesstaat unterschiedlich. In einigen darf man ein Kreuz für ca. 1000 Dollar errichten. In anderen Ländern sind sie gänzlich untersagt und in Irland müssen sie nach spätestens 3 Monaten wieder entfernt werden. Jedes Land macht diesbezüglich seine eigene Gesetzesauslegung. Besonders in den westlichen Ländern sind die Unfallkreuze weit verbreitet.

FB: Gibt es einen Fall, der Sie besonders stark berührte?

Jeder Unfalltote ist einer zu viel und jeder Unfall schrecklich. Es gibt viele Geschichten die mich berühren. Um ehrlich zu sein alle, doch ich entsinne mich besonders an einen Fall aus dem Jahr 1998. Auf dem Rückweg von einem Diskobesuch verunglückten damals fünf junge Menschen. Ihr Wagen kam im südlichen Sachsen-Anhalt von der Fahrbahn ab. Geriet in einen Straßengraben und blieb dort liegen. Erst Stunden später wurde das Wrack gefunden. Alle geborgenen Insassen waren tot. Einer der Körper war noch warm. Ein Indiz das dieser junge Mensch noch gelebt haben muss. Nur eine Stunde nach diesem Unfall verunglückten unweit der fünf jungen Menschen weitere vier (alles Männer), als ihr PKW mit einem Baum kollidierte.

FB: Kristallierte sich bislang für Sie – bei Ihren Recherchen – eine Hauptursache heraus, die am meisten im Zusammenhang mit den tödlich verunglückten Menschen im Straßenverkehr auftritt?

Ich denke, dass die Fehlerquelle Mensch der Hauptverantwortliche ist. Dies gilt sowohl für Auto- als auch Radfahrer (besonders innerorts), sowie Passanten. In Alleen sind es oftmals besonders viele Kreuze, die man sehen kann, da die Gefahr mit einem Baum zu kollidieren und zu Schaden zu kommen hier höher ist, als wenn man beispielsweise mit einer Leitplanke in Kontakt kommt oder auf ein Feld geschleudert wird. Ich denke Selbstüberschätzung, Leichtsinn, Alkohol und Drogen, aber auch Unachtsamkeiten im Straßenverkehr, sind die größten Risiken. Zudem haben die Menschen den Respekt untereinander verloren, was eine zusätzliche Gefahr darstellt, denn Respekt ist Sicherheit!

FB: Vor drei Jahrzehnten war Deutschland noch geteilt, doch die Zahl der Verunglückten dürfte auch in der damaligen DDR nicht gering gewesen sein. Haben Sie Kenntnisse darüber, wie seinerzeit Gedenkstätten an Straßen für Verkehrstote aussahen?

In der ehemaligen DDR waren die Kreuze so selten, dass man sich kaum daran entsinnt, ob es diese dort überhaupt gab. Doch auf einer meiner Touren habe ich mal eine Gedenktafel für einen jungen Mann namens Timo gesehen. Diese befand sich im Erzgebirge und datiert vom Jahr 1988. Ein Indiz, dass es also auch zu DDR Zeiten bereits solche Unorte des Sterbens gab. Wie diese jedoch damals gestaltet waren und ob es diese zahlreich gab, darüber weiß ich leider nichts.

FB: Sie widmen sich Ihrem Projekt komplett ehrenamtlich. Wie finanzieren Sie das – Sie sind ja unglaublich viel unterwegs?

Ich finanziere alles aus eigener Hand. Ich bin ein sehr sparsamer Mensch und lege mir oft Geld für dieses Projekt zurück und – ganz ehrlich! – bereue ich dies nicht, da ich weiß, dass es einer sozialen Sache zugutekommt.

FB: Die Treffen mit Menschen, die einst einen lieben Angehörigen bei einem Unfall verloren haben, sind sehr ernste Zusammenkünfte und Ihr Thema allgemein kein leichtes. Wie schalten Sie ab, haben Sie ein Hobby?

Ich will nicht sagen,  dass mein Projekt zugleich mein Hobby ist, doch ich sehe es als Berufung und muss gestehen, durch all die neuen Menschen, welche mir dieses Projekt zuführt, finde ich meinen subjektiven Ausgleich. Ich höre diesen Leuten sehr gerne zu. Mich interessieren die Menschen hinter den Kreuzen und ihre Geschichten, sowie die Gedanken der Hinterbliebenen. Aber was meine anderen Interessen betrifft, ich bin ein leidenschaftlicher Hobby-Fußballer, fotografiere gern, treffe mich mit Freunden oder gehe am Wochenende mit Freunden und Kollegen weg. Die Sonntage nutze ich dann für ausgedehnte Spaziergänge, wo ich mein Leben Revue passieren lasse und mal alles hinterfrage. Denn ich bin ein sehr selbstkritischer Mensch und nach einem Gespräch mit Hinterbliebenen – oder auch davor – muss man immer die richtigen Worte finden, da jeder Menschanders ist.

FB: Aktuell sind Sie auf einem Verkehrsexperten-Forum als Dozent eingeladen. Die Zusammenarbeit kam ja aufgrund Ihres Projektes zustande. Können Sie dazu etwas sagen? Und auch, wie Ihre Erkenntnisse zukünftig von diesen Experten adäquat genutzt werden können?

Das stimmt. Mir wurde die Ehre zuteil, vor einer Kommission von Verkehrssicherheitsexperten und Ingenieuren im Straßenverkehr meine Ideen und Vorstellungen anhand eines Vortrages zu präsentieren. Ich bin schon sehr aufgeregt, doch auch stolz, dass man meine Gedanken ernst nimmt. Und ich bin mir sicher, mit meinem Konzept, welches ich mir anhand und mit Hilfe der Gespräche und daraus resultierenden Gedanken der Angehörigen zusammengestellt habe und vortragen werde, ein offenes Ohr zu finden. Ich hoffe, dort auch diese Menschen mit meinen Vorstellungen für dieses besondere Projekt gewinnen zu können.

FB: Wie schauen derzeit Ihre Pläne für Ihr Projekt aus, was steht in der nächsten Zeit an?

Neben dem bereits erwähnten Referat durfte ich heute Eindrücke bei einem Fahrsicherheits-Training gewinnen, in welchem sowohl charakterliche Eigenschaften, sowie das individuelle Fahrverhalten der einzelnen Fahrer fokussiert wurde. Das Augenmerk lag auch in den Erfahrungen der größtenteils jungen Menschen. Ich würde es gut finden, wenn ein solches Sicherheitstraining gesetzlich zum Erwerb des Führerscheins angeordnet würde, um so die Menschen auf den Straßenverkehr vorzubereiten. Doch dies ist nicht das einzige Projekt. In diesem Jahr sind noch mehrere Treffen mit Angehörigen geplant. Diese finden im gesamten Thüringer Raum statt. Zudem darf ich eine Trauergruppe verwaister Eltern besuchen. Das wird sehr emotional und traurig zugleich.

Die Facebookseite „Straßenkreuze – denn jedes ist eines zuviel“ finden Sie hier.

Bildnachweis: Philip Bursian

Carolin Schuberth (links im Bild) stellte im Spätsommer 2018 in der VOX-Show „Die Höhle der Löwen“, gemeinsam mit Marcella Müller, ein Produkt vor, das Frauen mit und ohne Kinder gleichermaßen begeistert: die Waschies.

Die Produkte kommen sowohl beim Abschminken als auch für die Reinigung empfindlicher Baby-Popos zum Einsatz. Und das auf eine so sanfte Weise, die einzigartig ist. Das Besondere an dieser Neuheit ist die Faser, im Zusammenhang mit der Faserkombination.

Die Symbiose aus einer sehr hochflorigen Mikrofaser, im Zusammenspiel mit einer Viskosefaser bildet die Grundlage der Waschies. Man kann sie bei bis zu 95 Grad waschen und sie sind hypoallergen. Ein extrem wichtiger Fakt – vor allem, wenn es um Babyhaut geht.

Das Potential der Waschies erkannte in der Gründer-Sendung Ralf Dümmel und Carolin Schuberth hatte ihren Deal. Seitdem unterstützt der Investor, der etliche Investments mit engagierten und hochmotivierten Gründern eingeht, die taffe Unternehmerin mit seinem professionellen Team.

Bei den Verbraucherinnen kommen die Waschies supergut an, auf Amazon avancierte die Erfindung der zweifachen Mutter aus Franken bereits zum Bestseller. Im Interview erzählt uns Carolin Schuberth, vor welchen Herausforderungen sie stand, als sie Mutter geworden ist und herkömmliche Baby-Hygiene-Produkte für ihr Kind nicht nutzen konnte. Erfahren Sie außerdem, wie diese Situation zu ihrer Geschäftsidee führte, wo sie mit Ihrer Marke aktuell steht und wie sie den Ausbau ihres Unternehmens in Einklang mit ihrer Familie bringt. Für Mamas, die feststellen, dass der alte Job nicht mehr passt und ebenfalls mit dem Gedanken spielen, sich selbständig zu machen, hat die Waschies-Erfinderin zudem noch wertvolle Tipps parat! 

FB: Frau Schuberth, wie war Ihre Stimmung, als Sie in die Show „Die Höhle der Löwen“ gingen, mit dem Wissen, dass Millionen TV-Zuschauer Ihre Präsentation sehen werden?

Carolin Schuberth: Unser Herz schlug wirklich bis zum Hals und man weiß, dass man nur eine Chance hat, wenn man hier nicht performed, dann sehen das Millionen Menschen und man kann das auch nicht rückgängig machen. Aber nach ein paar Minuten in der „Höhle der Löwen“ war die Aufregung auch weg und man war völlig in der Konversation und in dem Pitch eingetaucht.

FB: Zu dem Zeitpunkt, als Sie und Ihre Geschäftspartnerin (und Freundin) den TV-Auftritt hatten, waren die Waschies bereits ein Dreivierteljahr am Markt – ganz als Neulinge stiegen Sie nicht ein. Wann sind Sie in dieser Zeit auf die Idee gekommen, sich für die Show zu bewerben?

Carolin Schuberth: Eigentlich wollte ich im Jahr 2017 einen Vertrieb finden, der die Waschies auch in den Handel bringt, das aber hat sich so schwer dargestellt, dass ich kurzer Hand mich dazu entschlossen habe, einen Bewerbungsfilm für die Höhle der Löwen abzugeben.

Wir haben Ende des Jahres 2017 den Film eingereicht und haben gar nicht gedacht, dass wir überhaupt Feedback bekommen.

FB: Zu den Waschies selbst. Sie haben diese ja entwickelt, als Sie – nachdem Sie Mama wurden – bemerkten, dass viele Babys die Inhaltsstoffe in den herkömmlichen Feuchttüchern nicht vertragen und die Nutzung dieser Tücher zudem unendlich viel Müll produziert.  Wie schätzen Sie, aufgrund Ihrer Erfahrung in der Kommunikation mit anderen Müttern, die Sensibilität für das Thema des Müllverbrauchs ein? Steht das ebenso im Vordergrund wie die Tatsache, dass Mütter die Waschies ohne Angst vor Hautirritationen für ihre Kleinen nutzen können? Oder zählt bei Nutzern der Waschies in erster Linie die Abwesenheit von allen möglichen Inhaltsstoffen.

Carolin Schuberth: Das muss jede Mama für sich selbst beurteilen, denn wenn man Kinder mit Neurodermitis hat, weiß man, wie schwierig es ist, etwas zu finden, das nicht reizt, das war mein allererster Beweggrund. Meine Kinder haben schlichtweg die Feuchttücher nicht vertragen und deshalb habe ich mich auf die Suche nach einer Alternative gemacht. Natürlich ist der Müll-Aspekt nicht außer Acht zu lassen. Allein wenn man jetzt sieht, dass die EU Ohrenreinigungsstächen aus Plastik verbieten will, dann wird es einem bewußt, dass einfach jeder bei jedem Teil beginnen muss, Müll einzusparen.

FB: Was genau macht die Waschies so einzigartig?

Carolin Schuberth: Es ist die Faser selbst und auch die Faserkombination. Sie sind aus einer sehr hochflorigen Mikrofaser mit einer Viskosefaser gewebt, die bei bis zu 95 Grad gewaschen werden kann und hypoallergen ist. Sie bleibt ohne Weichspüler weich und gibt den Dreck auch wieder ab.

Ich habe desweiteren die Fasern auch auf Schadstoffe prüfen lassen und OEKO Tex Standard 100 zertifizieren lassen. Das sind alles Sachen, die mir einfach extrem wichtig waren.

FB: Neben der Zielgruppe „Mama & Baby“ legen Sie den Fokus auch auf Frauen, die die Waschies zum Gesicht reinigen / Abschminken verwenden können. Wie ist hier die Resonanz?

Carolin Schuberth: Die Resonanz bei den Abschminkpads war mehr als überwältigend, hier sind wir bei Amazon Beauty sogar auf Platz 1 gewesen, als das meistverkaufte Beauty-Produkt.

Wir sind im Handel überall ausverkauft gewesen und haben hier einen enormem Absatz erzielen können. Die Resonanz der Käufer war auch fast nur positiv, sie haben mir alle geschrieben, dass sie so überrascht waren, dass die Pads das Make-up nur mit Wasser wegnehmen.

FB: In der „Höhle-der-Löwen“-Show haben Sie sich für den Deal mit Ralf Dümmel entschieden. Wie hat sich diese Zusammenarbeit bislang ausgewirkt?

Carolin Schuberth: Ralf und sein Team ist sehr professionell und hat gerade im Bereich Vertrieb ein unheimliches Know-how, das wir hätten niemals aufbauen können. Aus dem Grund sehe ich hier für uns nur positive Aspekte, denn mit einem solchen Partner an der Seite, kann man nur wachsen. Menschlich mag ich Ralf einfach auch noch sehr, er ist so bodenständig und ruht sich in keinster Weise auf irgendeinem Erfolg aus. Hier passt einfach die Chemie.

FB: Sie selbst sind Werbefachfrau, haben eine eigene Werbeagentur. Dass Sie sich da auch um die Werbung für die Waschies kümmern, ist klar. Frage: wie verbinden Sie Ihre Arbeit für die Waschies mit Engagements für Ihre Kunden? Oder haben Sie andere Projekte erstmal auf Eis gelegt bzw. ausgelagert, um sich den Waschies zu widmen?

Carolin Schuberth: Das ist eine gute Frage. Bei meiner Werbeagentur habe ich 10 Angestellte und da kann ich auch nicht einfach sagen, ich ziehe mich hier zurück. Die Werbeagentur excellents, die ich vor sechs Jahren gegründet habe, läuft allerdings sehr gut, dadurch, dass meine Mitarbeiter hier auch in den verschiedensten Bereichen alle Spezialisten sind und unsere Kunden seit vielen Jahren uns treu sind, kann ich das auch alles stemmen. Allerdings ist es mit den Kindern schon schwer, hier habe ich im Moment meinen Mann, der zum Glück auch selbständig ist und er konnte ein wenig Stunden zurückschrauben. Dafür versuche ich auch wirklich das Wochenende voll und ganz den beiden Kids zu widmen und hier schaue ich auch nicht in den PC, das muss bis Montag Zeit haben.

FB: Wie läuft die Arbeitsteilung mit Ihrer Freundin und Geschäftspartnerin Marcella Müller, die mit Ihnen gemeinsam in der Show war?

Carolin Schuberth: Marcella hat ihre eigene GmbH und unterstützt mich wo sie kann, ich habe hier beispielsweise das Thema Finanzen komplett ausgelagert. Sie kann einfach Dinge, die ich überhaupt nicht kann und dadurch ergänzen wir uns so wunderbar.

FB: Wie erwähnt, sind sie selbst Mama, haben zwei Mädchen, eines im Vorschulalter und eines im Schulalter. Wie stemmen Sie die Vereinbarkeit von Familie und Beruf?

Carolin Schuberth: Ich glaube, dass jede Mama da draußen einen immensen Stress hat, das alles unter einen Hut zu bekommen. Denn man möchte ja eine gute Mutter sein und immer für die Kids da sein, andererseits muss man den Kindern viel mehr Verantwortung geben, weil man die Zeit einfach nicht hat.

Klar, hat man hier auch ein schlechtes Gewissen, aber am Ende geht’s den beiden wirklich extrem gut und sie wachsen in einer Kleinstadt auf, das nochmal von Vorteil ist, weil ich hier einfach auch auf die Nachbarn und Freunde zählen kann, die mich hier unterstützen. Aber klar, jede Frau, die arbeitet und Kinder hat, muss ein riesen Planungstalent aufweisen und wenn dann noch ein Kind krank ist, dann wird es richtig schwierig, wenn man keine Eltern vor Ort hat. Als Frau musst Du dich davon verabschieden, dass Du nie genug bist, weder in der Arbeit noch bei den Kindern, aber dafür arbeite ich als Mutter viel schneller und strukturierter, weil ich einfach weiß, wie kostbar die Zeit ist.

FB: Welche Zukunftspläne sind aktuell in Sachen Waschies angesagt? Können Sie schon aus dem Nähkästchen plaudern?

Carolin Schuberth: Klar, wollen wir die Marke ausbauen und weitere Produkte entwickeln, aber das alles dauert noch ein wenig. Wir wollen jetzt erstmal die Marke stabilisieren und etablieren.

FB: Freizeit ist für Sie gegenwärtig sicher ein Fremdwort. Wenn doch mal ein paar arbeitsfreie Stunden angesagt sind – wie schalten Sie ab? Gibt es Hobbies?

Carolin Schuberth: Klar, das braucht jeder. Ich gehe jogggen, am liebsten im Wald, da verarbeite ich den ganzen Tag und komme extrem runter. Yoga gibt mir auch sehr viel – im Winter stehe ich immer 20 Minuten eher auf und mache früh Yoga, sobald ich das einen Monat gemacht habe, wird es auch wieder zum Ritual und man startet ganz anders in den Tag. Und nicht zu vergessen, meine Tennismannschaft, wir treffen uns einmal die Woche und trainieren, wobei hier der Spaßfaktor mit den Mädels im Vordergrund steht, aber das ist wichtig und da versuche ich auch wirklich mir die Zeit immer zu blocken.

FB: Welchen Tipp haben Sie für andere Mütter, die ein Unternehmen gründen wollen, parat?    

Carolin Schuberth: Wenn man der Typ ist, der gerne selbständig und frei arbeiten möchte, dann gibt es nichts schöneres. In anderen Ländern wie Schweden oder Dänemark ist das völlig normal, dass eine Mutter arbeitet und hier gibt es das Wort „Rabenmutter“ auch gar nicht. Ich bin doch viel entspannter, wenn ich glücklich im Job bin und bin dadurch auch eine entspanntere Mama – aber da müssen Sie am besten meine Kinder fragen….

Ein weiterer Tipp: mehr Mut – was kann passieren, wir werden beim Ausprobieren nicht unser Leben verlieren und das ist das einzige, was zählt.

Mehr zu den Waschpads für Babys, Kinder und Frauen erfahren Sie auf der Homepage des Unternehmens, folgen Sie einfach dem Link.

Bildnachweis: Carolin Schuberth

 

Das ungute Gefühl, ein Kleid oder andere Stücke für die Garderobe zu kaufen, mit deren Erwerb man zu oft Unternehmen unterstützt, die ihre Ware unter fragwürdigen Bedingungen in fernen Ländern produzieren lassen, war der Beweggrund für Kitty aus Leipzig (im Bild), ein eigenes Modelabel zu gründen.

Angelehnt an ihren Namen nennt es sich „Kitty pe“ und besteht bislang aus einem einzigen Kleidungsstück – einem Kleid. Das allerdings hat es in sich und dürfte viele Frauen begeistern. Die Besonderheit an diesem Modell ist eine elegante Schlichtheit, die mit unaufdringlichen Details, die aber doch ins Auge fallen, eine besondere Symbiose eingeht.

Damit ist das „Kitty pe“-Modell vielseitig einsetzbar und kann sowohl tagsüber im Büro als auch abends, wenn gleich nach Dienstschluss eine Vernissage oder ein feierlicher Empfang angesagt ist, getragen werden (siehe Bild unten links).

Kitty selbst setzt hohe Maßstäbe an ihre Kreation, der zeitnah weitere Modelle folgen sollen. Sie lässt ausschließlich in Deutschland produzieren und will somit dem ausufernden Konsum, der tagtäglich mit unzähligen Warenlieferungen an die einschlägig bekannten Bekleidungsketten aufs Neue befeuert wird, etwas entgegensetzen.

Wir haben mit Kitty, die die Arbeit für ihr Label zudem mit familiären Herausforderungen in Einklang bringen muss, gesprochen. 

FB: Kitty, Du hast Dein Label „Kitty pe“ als Quereinsteigerin gegründet. Was waren die Beweggründe?

Ich habe mich durch die Angebote der Modeindustrie leider nie wirklich repräsentiert gefühlt und deshalb vor einigen Jahren angefangen, mir Kleidung nach meinen Entwürfen schneidern zu lassen. Die Reaktionen auf meine Kreationen – insbesondere weil sie nicht freizügig sind – waren aus meinem weiblichen Bekanntenkreis durchweg sehr positiv.

Von da war es nicht weit zum Traum vom eigenen kleinen Modelabel, um andere Frauen an meinen Kreationen teilhaben zu lassen.

Einen großen Anstoß gab der Einsturz des Rana Plaza-Gebäudes in Bangladesh, der auf tragischste Weise die Zustände in der Textilindustrie öffentlich gemacht hat.

In den folgenden Jahren wurde ja immer klarer, dass ein Großteil der führenden Bekleidungsmarken nicht bereit war, die lange überfälligen Maßnahmen zur Verbesserung der Arbeits- und Lebensumstände mitzutragen. Aus einem mulmigen Gefühl beim Kleidung kaufen wurden Bauchschmerzen, deren Konsequenz für mich eine nahezu vollständige Konsumverweigerung war.

Als mein Job bei einer Börse Ende 2017 nach Litauen ausgewandert ist, habe ich die folgende Elternzeit genutzt und bin ins eiskalte Wasser gesprungen.

FB: Deine Kollektion umfasst derzeit ein bestimmtes Kleid-Modell, berichte doch mal, was es damit auf sich hat!

Ich habe natürlich viele Entwürfe in der Schublade die ich sehr gerne umsetzen möchte. Da ich aber alles eigenfinanziere und mich in der Branche erstmal zurecht finden musste, habe ich es langsam angehen lassen und mir dieses Kleid als Anfang ausgesucht, weil ich in dem Bereich den größten Bedarf sehe.

Mit Kara habe ich ein Kleid entworfen das Büro/Business-tauglich ist (bedeckte Schultern und Knie und kein übermäßig tiefer Ausschnitt) und trotzdem nicht langweilig (deshalb der außergewöhnliche Ausschnitt und die recht verspielten Ärmel).

Mit Kara ist Frau immer gut, individuell, bequem und unkompliziert gekleidet, egal ob abends in der Oper, im Büro, auf einem Podium oder zum Einkaufsbummel.

Wenn der Verkauf richtig angelaufen ist werde ich nach und nach weitere Modelle herausbringen. Für nächstes Jahr brennen mir zum Beispiel Maxi-Sommerkleider unter den Nägeln.

FB: In welchen Größen ist das Kleid zu haben?

Die Größen-Entscheidung habe ich mir nicht leicht gemacht. Ich mag den Gedanken nicht, dass jemand wegen seines Körpers von etwas ausgeschlossen wird oder etwas nicht haben kann. Ich habe dazu in großen Facebook-Gruppen Umfragen gemacht und da kam viel Rückmeldung von Frauen die nicht bei den Standardgrößen 36-42 fündig werden. Deshalb habe ich mich entschieden die Spanne so weit wie möglich zu machen: Kara wird in den Größen 34-50 hergestellt.

Nun gibt es genug Frauen die, wenn sie das Kleid sehen sagen „sowas kann ich nicht tragen wegen diesem oder jenem Röllchen.“

Ich empfehle da unbedingt das Kleid anzuziehen und sich selber ein Bild zu machen, denn dieses Kleid kann jede Frau tragen – die Aussage stammt von mehreren meiner Kundinnen mit sehr unterschiedlichen Größen, was mich sehr glücklich macht.

In der Produktbeschreibung im Shop gibt es auch ein Produktvideo, das Model trägt Größe 42 und man sieht sehr gut, dass alles im Verborgenen bleibt was am Selbstbewusstsein kratzen könnte.

FB: Du hast den Anspruch, Dein Produkt komplett in Deutschland fertigen zu lassen – das ist ja gegenwärtig eine Herausforderung. Was sind hier die größten Hürden? 

Es ist im Grunde gar nicht so schwer, je nachdem was man sucht. Da ich bisher nach Standard-Stoffen wie Jersey in uni-Farben gesucht habe, bin ich bei verschiedenen deutschen Herstellern fündig geworden. Man ist aber in der Auswahl natürlich limitiert, wenn man nicht auf den internationalen Markt zugreifen möchte und die Preise sind völlig anders.

Als Branchenfremde ist es für mich eher eine Herausforderung alle deutschen Hersteller zu finden, die es gibt und dadurch sicherzustellen dass ich Zugriff auf die ganze Bandbreite des Angebotes habe.

Der größte Aspekt bei der Produktion in Deutschland ist aber in jedem Fall der Preis. Es ist mir sehr wichtig zu Preisen zu verkaufen, die für eine möglichst breite Masse erschwinglich sind. Da die Herstellungskosten in Deutschland natürlich verhältnismäßig hoch sind, bedeutet das für mich eine wesentlich kleinere Gewinnmarge, wenn ich den Preis im Rahmen halten möchte.

FB: Die Tatsache, dass viele Modeketten nahezu täglich neue Ware bekommen, wirkt befremdlich auf Dich. Dein Konzept ist ja das komplette Gegenteil. Denkst Du, dass es mittelfristig zu einem Umdenken bei den Verbraucherinnen in Sachen Konsum von Kleidung kommt oder wird auch zukünftig weiter im Überfluss (dazu oft noch im Ausland) produziert?

Ich habe den Eindruck, dass es zumindest teilweise aktuell ein Umdenken gibt, hin zu lokalen Produzenten, Capsule Wardrobe und teilweise sogar ausschließlich Second Hand. Es steigt  allmählich das Bewusstsein dafür, dass das so nicht ewig weitergehen kann und es findet immer mehr Bildung in der Richtung statt.

Es wird aber sicher immer diejenigen geben, denen es wichtig ist, ständig Bewegung in ihrer Garderobe zu haben, der Anteil scheint aber kleiner zu werden. Dass die großen Ketten ihr Verhalten mittelfristig ändern, halte ich für unwahrscheinlich. – Ich hoffe es zwar sehr, weil der Schaden momentan für die Natur enorm ist, aber für den Großteil der Investoren hat die Rendite aktuell noch absolute Priorität.

FB: Du sagst, dass Du Dir – im Hinblick auf Dein Label – so gut wie alles erkämpfen musstest. Was genau war das? 

Ich habe bisher im weitesten Sinne im Kundensupport gearbeitet, musste mir also alles selber aneignen. Es scheiterte teilweise schon daran, dass ich lange nicht das gefunden habe, wonach ich gesucht habe weil ich einfach bestimmte Begriffe nicht kannte und nur durch Zufall drauf gestoßen bin. Dazu kommt die permanente Zeitnot: es verlangt schon sehr viel Willensstärke und Durchhaltevermögen, nicht einfach aufzugeben, wenn immer wieder Dinge, die andere an ein bis zwei Arbeitstagen erledigen, sich bei mir über eine Woche oder länger hinziehen.

FB: Dein Kleid war sogar schon einmal bei SPIEGEL-TV zu sehen.  Wer trug es?

Priska von mamalismus.de schrieb mich morgens ganz spontan an, dass sie abends evtl. bei Spiegel-TV ist und mit ihrer Garderobe nicht 100% zufrieden ist. Nachdem die Bestätigung kam, dass sie teilnimmt, habe ich ihr in einer ganz spontanen Aktion ein Kleid zukommen lassen und los ging es für sie ins Studio. Das ist schon sehr spannend, wenn man etwas, was man selbst entworfen hat, in einer national bekannten Live-Sendung sitzen sieht.

FB: Was sagen Deine Kundinnen über das Kleid, wie kommt es an?  

Von allen Frauen die es besitzen, habe ich einstimmig die Rückmeldung bekommen, dass es sehr figurschmeichelnd ist und der Stoff sehr schön fällt und sich toll anfühlt. Der Ausschnitt kommt natürlich auch immer sehr gut an.

Bis jetzt ist es bei allen – vor allem auch weil es vielfältig einsetzbar ist – durchweg ein Lieblingsteil geworden was mich natürlich sehr stolz macht.

FB: Du bist auch Mama eines zweijährigen Sohnes. Als Familie steht ihr derzeit vor der Herausforderung, die Genesung Deines Mannes von einer schweren Krankheit zu begleiten. Wie sieht momentan Dein Alltag in dieser Situation aus?

Ich habe mich in den letzten zwei Jahren zum größten Teil alleine um unseren Sohn und das gesamte Leben unserer Familie, inklusive Umzug, gekümmert.

Jetzt wird mein Mann langsam wieder kräftiger und kann mit unserem Sohn auch alleine rausgehen, sodass ich etwas mehr Zeit für Erledigungen habe. Den Haushalt mache aber zum absolut überwiegenden Teil nach wie vor ich, so dass ich mich um kitty pe kümmere, wenn unser Sohn schläft. Das wird abends auch gerne mal 22:00 Uhr bis ich den Laptop aufklappen und anfangen kann.

Aber mit viel Geduld und kleinen Tageszielen ist es machbar. Sozialleben und Freizeitaktivitäten liegen seit zwei Jahren auf Eis, das wird sich jetzt aber auch ganz langsam wieder ändern. 

FB: Wie gestaltet sich ein ganz normaler Tag bei Dir? 

Ich mache mich und den Kleinen fertig für den Tag, richte das Frühstück und wir frühstücken als Familie. Danach geht es entweder raus in den Garten, zum Spielplatz oder einkaufen, oder ich mache Haushalt und meistens das Mittagessen.

Nach dem Essen schnappen wir uns den Kinderwagen und gehen spazieren, das ist dann auch gleich der Anfang des Mittagschlafes.

Sobald unser Sohn dann schläft, geht es ganz zügig nach Hause und ich habe ein bis eineinhalb Stunden Freizeit, die ich entweder nutze, um etwas im Haushalt zu machen oder um mich mit kitty pe zu beschäftigen (z. B. für dieses Interview).

Wenn Sohnemann wieder wach ist, gibt es für ihn noch Programm bis zum Abendessen und dann bringe ich ihn ins Bett. Wenn er dann gegen 21. 30 Uhr schläft, habe ich wieder Freizeit um alles zu machen was so liegen geblieben ist. Das Licht geht selten vor 1.00 Uhr aus.

Der aufmerksamen Leserin wird aufgefallen sein, dass unser Sohn nicht in den Kindergarten geht. Das ist zum Teil der Tatsache geschuldet, dass die Gefahr, sich zum Beispiel mit Kinderkrankheiten anzustecken, aktuell ein viel zu hohes Risiko für meinen Mann ist, da sein Immunsystem sich nach der Stammzellentransplantation erst wieder aufbauen muss und er momentan keinerlei Impfschutz hat. Sein Immunsystem ist im Prinzip das eines Neugeborenen.

FB: Da Du mit Deinem Label noch am Anfang stehst, wirst Du sicherlich schon weitere Schritte geplant haben. Was steht in den kommenden Monaten auf dem Programm – kannst Du schon aus dem Nähkästchen plaudern?

Zunächst einmal gibt es noch die ein oder andere Bloggerin, die das Kleid mal unter die Lupe nehmen und darüber schreiben wird und dann würde ich natürlich liebend gerne neue Modelle rausbringen – das hängt aber von den Verkaufszahlen ab. Für nächsten Sommer plane ich zum Beispiel zwei richtig lange Maxikleider ohne Schlitz und ähnliche Dinge, einfach nur ganz elegante, richtig lange, fließende Kleider.

Davor würde ich für den Frühling gerne noch einen Rock und ein bis zwei Oberteile in den Shop bringen.

Mehr Details und Infos zu dem Label finden Sie hier.

Bildnachweis: kitty pe

Mehr Zeit mit der eigenen Familie – das wünschen sich die meisten Kinder! Wie wäre es, wenn Sie sich gemeinsam mit Ihrem Nachwuchs auf eine spannende Entdeckungstour durch die eigene Heimatstadt oder durch fremde Städte begeben?

Möglich macht das das Stadtspiel, eine Art Schnitzeljagd, auf der Sie immer wieder Rätsel lösen müssen, um den nächsten Hinweis zu finden.

Das Stadtspiel ist eine neue und andere Art, mit der Familie oder mit Freunden etwas über die eigene Heimatstadt oder fremde Städte zu lernen. Denn mit der Stadtspiel-Box kann man die gewünschte Stadt auf eigene Faust erkunden und muss keine normale Stadtführung buchen.

Durch das Lösen von spannenden Rätseln entdeckt man gemeinsam mit seiner Familie und/oder Freunden den Weg durch die jeweilige Stadt und erfährt dabei an jeder Station wissenswerte Details zum Standort und zu den Sehenswürdigkeiten.

Hinter dem Stadtspiel „Handmade in Dresden“ verbirgt sich kein großer Konzern, sondern pure Frauenpower der zweifachen Mutter Anja Gena (im Bild). Zusammen mit vier festangestellten Mitarbeiterinnen und einer Aushilfe kümmert sich Anja um die Weiterentwicklung der Stadtspiele.

FB: Anja, wie kamst Du auf die Idee, Stadtspiele zu produzieren?

Direkt nach dem Studium wusste ich zunächst nicht so recht, was ich eigentlich arbeiten soll und wie meine berufliche Zukunft aussehen soll. Seit der Schulzeit hatte ich immer wieder verschiedene Nebenjobs, unter anderem als Tierarzthelferin, Kellnerin und Bürokraft in einer Fahrschule. So konnte ich zunächst in verschiedenste Bereiche hineinschnuppern und wusste daher zumindest schon einmal, was ich nicht wollte. Mit diesem Wissen gründete ich 2005 ein eigenes Unternehmen, doch diese Idee scheiterte zunächst. Vor einigen Jahren kam ich auf die Idee, eine ganz andere Art der Stadtführung zu erfinden. Die Stadtspiele entwickelte ich aber zunächst nebenberuflich, erst 2013 traf ich die Entscheidung, auch hauptberuflich Unternehmerin zu sein. Diesen Schritt habe ich nie bereut. Ganz im Gegenteil: angestellt zu sein ist für mich heute keine berufliche Option mehr.

FB: Wie viele Stadtspiele gibt es denn inzwischen?

Mittlerweile gibt es die Schnitzeljagden unter anderem von Dresden, Leipzig, Berlin, Hamburg, München und auch von Wien und Prag. Innerhalb der Städte sind meist auch verschiedene Touren verfügbar, je nachdem ob man lieber die Altstadt bzw. Innenstadt entdecken möchte oder vielleicht doch lieber einen bestimmten Stadtteil. Insgesamt gibt es 32 verschiedene Stadtspiele zur Auswahl und es kommen immer wieder neue dazu. Als Nächstes ist das schöne Rom geplant.

FB: Stemmst Du das alles allein oder hast Du auch Mitarbeiter?

Momentan beschäftige ich vier festangestellte Mitarbeiterinnen und eine Aushilfe, mit denen ich mich im eigenen Laden in Dresden, der auch als Büro, Lager und Produktionsstätte dient, um die Weiterentwicklung der Stadtspiele kümmere. In den nächsten Jahren wollen wir stetig und nachhaltig weiterwachsen. Ich plane, jedes Jahr mehrere neue Schnitzeljagden zu entwickeln, so dass wir in fünf Jahren an die 50 verschiedene Stadtspiele haben werden. Auch neue Mitarbeiter möchte ich einstellen.

FB: Wie entsteht ein Stadtspiel, kannst Du das genauer beschreiben?

Begonnen wird erst einmal immer mit einer gründlichen Recherche zur geplanten Tour vom Schreibtisch aus. Ausgerüstet mit Fotokamera und Notizbuch folge ich dann der am Schreibtisch grob ausgearbeiteten Schnitzeljagd in der jeweiligen Stadt. Nachdem die Texte zu den jeweiligen Sehenswürdigkeiten recherchiert und geschrieben wurden, werden die Rätsel an den einzelnen Stationen für die Schnitzeljagd erfunden. Danach folgt die grafische Gestaltung der jeweiligen Postkarten. Nach dem Druck der Karten werden alle Stadtspiele per Hand verpackt bei uns im Laden, dazu werden die Stadtspiel-Boxen gefaltet und mit den eigens designten Produktaufklebern händig beklebt. 

FB: Und wie läuft so eine Schnitzeljagd dann genau ab?

Um loszulegen, benötigt man lediglich die entsprechende Stadtspiel-Box und entscheidet dann selbst, wie viele Personen man mitnehmen, wann man starten und wie viel Zeit man sich an jeder Sehenswürdigkeit lassen möchte. In der Stadtspiel-Box liegt eine kurze Erklärung mit dem Hinweis zum Startpunkt. Außerdem findet man darin 8 bis 16 Briefumschläge, je nach gewählter Tour, und einen Lösungsumschlag. Die Hinweise und Foto-Karten führen dann von Sehenswürdigkeit zu Sehenswürdigkeit. Durch die Antwort auf jede Frage erfährt man, welchen Umschlag man als Nächstes öffnen soll und wie es weitergeht. Die etwas andere Stadtführung kann auch jederzeit in einem Café oder Restaurant unterbrochen und zu einem anderen Zeitpunkt fortgesetzt werden. Ganz nach Lust und Laune.

FB: Für wen eignen sich die Stadtspiel-Boxen?

Unsere Kunden sind ein bunt zusammen gewürfelter Haufen. Das sind Familien, aber auch Mamas, die einen Kindergeburtstag planen und sich die Fragen nicht selbst überlegen wollen. Aber auch Touristen zählen dazu oder Lehrer –  für Klassenfahrten sind die Stadtspiele nämlich auch eine coole Idee. Auch für Junggesellenabschiede werden die Boxen gern gekauft.

FB: Wie schaffst Du es, als zweifache Mama, Beruf und Familie unter einen Hut zur kriegen?

Das ist für mich immer noch eine große Herausforderung. Denn es ist leider für Frauen immer noch sehr schwierig, ein eigenes Unternehmen aufzubauen. Gerade wenn man kleinere Kinder hat und auf die leider immer noch unflexiblen Betreuungszeiten angewiesen ist. Ich habe auch die Erfahrung gemacht, dass Frauen als Unternehmerinnen, gerade wenn sie noch jung sind, oft nicht ernst genommen werden und sich den Respekt erst erarbeiten müssen. Am Herzen liegt es mir deshalb ganz besonders, Frauen darin zu bestärken, eigene Unternehmen zu gründen und aufzubauen. Deshalb engagiere ich mich unter anderem im Vorstand des Landesverbandes Sachsen / Sachsen-Anhalt im Verband deutscher Unternehmerinnen e.V.