Samstag, 25. Mai, 2024

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Wie Veränderungen gelingen – auch ohne Vorsätze! Gastartikel von Dirk Brueckner

Was ist das eigentlich für ein Konzept, neue Vorsätze zu formulieren, die ich ab einem bestimmten Tag im Jahr umsetzen will? Der 1. Januar steht dabei hoch im Kurs, obgleich viele Menschen diesen Tag in Folge üppigem Alkoholkonsums gar nicht so gut in Erinnerung haben.

Vorsätze: Also etwas anders machen als bisher, weil ich weiß, dass das jetzige Verhalten mir nicht gut tut. Ist dann der ‘Neue-Vorsätze-Tag-Nummer-1’ schon eine Weile her, zieht sich die Motivation für das neue Verhalten langsam aber sicher zurück. Irgendwann wird dann still und leise wieder an die alten Gewohnheiten übergeben. Ein Leidensweg, auf dem viele Pilger unterwegs sind. Vielleicht kennen Sie auch einen lieben Menschen, der auf diesen Pfaden wandelt?

Etliche Vorsätze werden rasch über Bord geworfen – warum eigentlich?

Immer wieder ist zu hören, dass solche Vorsätze doch gar nicht funktionieren. Aber warum? “Ja – warum denn nun?”, fragen Sie sich zurecht an dieser Stelle. Wir schauen mal etwas genauer hin. Was lässt sich zu den ‘guten Vorsätzen’ beobachten?

Wenn jemand einen guten Vorsatz hegt, dann scheint er ja etwas zu machen, das er gar nicht gut findet oder dessen mögliche Konsequenzen er nicht haben will. Nicht selten haben die bisherigen Verhaltensweisen etwas mit Süchten zu tun: Zu viel Essen, Rauchen, Alkohol, Handynutzung, etc.

Wenn dieser Mensch mit den guten Vorsätzen nun beispielsweise beim Rauchen wüsste, dass er absolut keine gesundheitlichen Probleme bekommen würde und es auch niemanden stört: Würde er es dann aufgeben wollen? Geht es um das Rauchen oder geht es am Ende um Gesundheit und Anerkennung?

Bei gewünschten Veränderungen spielen Süchte oft eine große Rolle

Jetzt raucht dieser Mensch ja nicht aus reinem Vergnügen. Zu Beginn der Räucherei war die Motivation vielleicht ein Wunsch nach Anerkennung bei den Freunden? Später haben dann eine hartnäckige Gewohnheit und noch später eine kleine Sucht übernommen.

Und nun? Nun funktioniert es nicht, das ganze wieder loszuwerden. Logisch! Wie würden Sie reagieren, wenn Sie das Laster wären und wenn man Sie loswerden wolle? Da kommt schon Widerstand auf, oder? Dieser Widerstand wird spürbar, wenn der gute Vorsatz ins Feld rückt. Es geht um Ablehnung von dem, was ist. Also, mit jedem Laster, das Sie nicht haben wollen, erzeugen Sie in sich eine Opposition.

Vielleicht ist es ja eine Alternative, einmal zu schauen, wer oder was da in Opposition geht? Was erzeugt das bisherige Verhalten? Was ist da los, in Ihrer inneren Welt, in Ihrem inneren Universum?

Rauchen – eines der Laster, das viele Menschen loswerden wollen

Sind Sie bereit?

Stellen Sie sich vor, in Ihnen gibt es eine Vielzahl an Anteilen. Die leben alle in Ihrem inneren Universum und haben dort ihre Aufgabe. Der eine muss alles kontrollieren. Der andere kümmert sich darum, dass Ihnen das Entscheiden schwer fällt. Ein dritter hat Ihr Rauchen zur Aufgabe.

Warum die das so machen, fragen Sie sich? Nun, es war irgendwann einmal in Ihrem Leben hilfreich, die Kontrolle zu behalten, sich nicht zu entscheiden oder zu rauchen.

Seither macht der Raucher seinen Job vorbildlich. Ein Zigarettchen mit den Freunden, eins, weil es so stressig ist und ein drittes wegen der Langeweile beim Warten auf den Bus. Immer wieder schlägt der Raucher eine Zigarette vor und begründet seinen Vorschlag überzeugend. Was machen Sie? Sie stecken sich eine an und glauben, das selbst entschieden zu haben. Irrtum!

Jetzt ist da aber auch die Frau Vital. Seitdem sie mit Herrn Gesund kooperiert, missfällt ihr das Rauchen auf einmal. Die beiden reden Ihnen nun ebenfalls ins Gewissen und finden immer mehr Argumente gegen die Arbeit des Rauchers. Andere Mitstreiter in Ihrem Universum beschweren sich auch ab und an, denn die Abfälle des Zigarettenrauchs liegen unansehnlich rum und behindern deren Arbeit. Anteile, wie Miss Yoga, kommen immer wieder in Erklärungsnöte durch den Raucher.

Sie selbst sind nun die Chefin von der ganzen “Belegschaft” und suchen nach Lösungen. Kurzerhand wird das Projekt “gute Vorsätze” ausgerufen. Dabei wird  unter anderem der Raucher suspendiert. Er hat überhaupt keine Mitsprache, wurde nicht gefragt.

Ist der gute Vorsatz gefasst, wird der Weg oft steinig

Ergebnis: Der Raucher ist sauer! Und er hat auf einmal viel Zeit. Ist der erste Schock vorüber, beginnt er dagegen vorzugehen. Erst einmal versucht er es mit Argumenten. Er erinnert an das Schöne beim Rauchen. Der Körper selbst schreit nach der Droge, den hat er vorerst auf seiner Seite. Klappt das nicht, dann wird der Raucher auch mal wütend oder traurig oder nervös. Er ist auf jeden Fall über die Maßen präsent und macht alle anderen verrückt, in Ihrem Universum.

Hilft es nun, ihn zu ignorieren? Schwierig. Sie stellen fest, nur weil Sie den Raucher von seinem Job suspendiert haben, ist er nicht einfach weg. Das ist eine Besonderheit des inneren Universums: Keiner der Mitarbeiter (also der Anteile) ist jemals einfach weg. Das wird Ihnen spätestens jetzt klar. Dafür gibt es sogar einen Slogan: “Old habits die hard” (Alte Gewohnheiten sterben langsam).

Der Raucher liegt nun permanent auf der Lauer. Kommt eine günstige Gelegenheit, Stress zum Beispiel, dann bringt er alle Argumente in größtmöglicher Intensität hervor und schafft es vielleicht, Sie zur Handlung zu bewegen. “Nur die eine Zigarette”, hören Sie sich sagen und stecken sie an.

Alte Gewohnheiten aufgeben: Ein schwieriges Unterfangen!

Gewonnen! Er ist zurück im Job. Das hat geklappt. Falls es zu einer weiteren Suspension kommen sollte, weiß der Raucher nun, dass er einfach hartnäckig bleiben muss.

Was nun, nach all den vergeblichen Versuchen, Ihren Raucher zu entlassen?

Sie nehmen Kontakt zu ihm auf und beginnen sich dafür zu interessieren, warum er diesen Job hat. Was bezweckt er mit dem Rauchen? Wie glaubt er, Sie und das innere Universum damit zu unterstützen?

Sie kommen ins Gespräch. Sie beginnen zu fühlen, wie sich der Raucher fühlt. Sie entwickeln Verständnis. Vielleicht suchen Sie beide nach Möglichkeiten, wie auch die anderen Anteile von Ihnen zufrieden gestellt werden können? Vielleicht Holen Sie Frau Yoga mit zu den Gesprächen hinzu? Und vielleicht rauchen Sie anfangs bei diesen Gedanken-Gesprächen ein Zigarettchen.

Das können Sie ganz spontan machen. Dafür braucht es gar kein Projekt “gute Vorsätze”. Es braucht auch keine umfassenden Analysen, die genau Ihre psychische Verfassung und die Zusammenhänge mit Ihrer Kindheit beleuchten.

Mit Struktur Veränderungen schaffen

Am Ende ist es die Bereitschaft, das Unangenehme zu fühlen. Das “Sich wehren” des Rauchers auszuhalten und für ihn Verständnis zu entwickeln. Versuchen Sie es mal folgendermaßen:

  1. Schreiben Sie Ihre “Laster” in eine Liste.
  2. Geben Sie ihnen einen Namen.
  3. Suchen Sie sich ihr Lieblingslaster aus.
  4. Gehen Sie mit ihm ins Gespräch und beobachten Sie neugierig seine Arbeit.
  5. Erstellen Sie seine Jobbeschreibung!
  6. Überlegen Sie sich zusammen neue, spannende Aufgaben, die Ihr Lieblingslaster übernehmen kann.
  7. Fragen Sie es, ob es sich auf eine 4-Tage-Woche einlassen kann.

Werden Sie ein Team! Seien Sie da, wenn es dem Lieblingslaster schlecht geht, weil es gerade keine Option ist, das auszuleben, was es sich wünscht. Versuchen Sie es einfach mal. Jeder Tag ist ein Erfolg, jede Woche ein Meilenstein.

Viel Spaß dabei, wenn Sie sich selbst auf die Spur kommen!

 

Über den Autor:

Dirk Brueckner (Jahrgang 1973) ist Ordnungsmentor (dancingspaces.com)
und Buchautor. Sein Ordnungsverständnis beginnt mit dem Aufräumen im Außen und führt dann weiter zu innerer Ordnung. Eine spannende Reise zu sich selbst, die er auch in seinem Roman “Destination Ego” (Tom Millar) zum Thema macht. Dirk lebt in Witzenhausen, liebt die Natur und natürlich klare Räume.

Bildnachweis: pexels.com / Elina Sazonova

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