Dienstag, 31. Januar, 2023

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PRIMARK vor dem Aus? Billiganbieter schließt erste Filialen

War es der chemisch-abstoßende Geruch, der einem penetrant bei PRIMARK in die Nase stieg? Oder etwa das Bewusstsein, dass derartig billige Mode nur unter fragwürdigen Bedingungen hergestellt sein kann? Oder waren es am Ende die immens gestiegenen Energiepreise hierzulande, die den umstrittenen Handelsriesen dazu zwangen, erste Filialen in Deutschland zu schließen?

Aktuell berichten verschiedene Medien über PRIMARK und den massiv eingebrochenen Umsatz in Deutschland. Man vermutet den gestiegenen Konkurrenzdruck im Internet, denn auch digital nehmen die Billiganbieter für Kleidung zu – wenn sie auch nicht minder fragwürdig sind. Stichwort: SHEIN und andere Online-Labels. Hinter denen eher minderwertig wirkende, doch extrem billige Klamotten, deren Herstellungsbedingungen zu hinterfragen sein dürften, angeboten werden.

Erste Filialen hat PRMARK schon geschlosssen

Klar: Viele Frauen werden PRIMARK schon einmal betreten und vielleicht das eine oder andere Teil sehr günstig gekauft haben. Doch mal ehrlich: Die meisten davon dürfte schon während des Shoppings ein schlechtes Gewissen überfallen und die Billigstrategie vielleicht schon abgestoßen haben. T-Shirts für 3 Euro sind nun mal nicht okay. Auf ganzer Linie nicht – von der Herstellung bis zum Tragen.

Dennoch dürfte es zu bezweifeln sein, dass die Billigkette erste Läden schließt, weil der Großteil der Zielgruppe von jetzt auf gleich ein Bewusstsein für höherwertige und adäquat hergestellte Kleidung bekommen hat. Zu viele Menschen gibt es hierzulande, denen gar nichts weiter übrig bleibt, als für sich und die Kinder nach dem preiswertesten vom Preiswerten zu schauen.

Stichwort: Finanziell benachteiligte Ein- und Zwei-Eltern-Familien, Kinderarmut, Altersarmut…

Viele Menschen haben kein großes Budget für Kleidung

Wer würde jemandem, der keine 300 Euro im Monat für alltägliche Ausgaben zur Verfügung hat, wenn die Basics wie Strom und Heizung abgezogen sind, Vorhaltungen machen wollen, wenn er seine Kleidung im Billigladen kauft? Eben!

express.de schreibt am 5. Dezember 2022 im Zusammenhang mit den geschlossenen PRIMARK-Filialen in Weiterstadt und Berlin unter anderem folgendes:

“(…)Eigentlich profitieren die Discounter derzeit von der hohen Inflation, sind die Kundinnen und Kunden doch vermehrt auf der Suche nach günstigeren Waren. Doch, so heißt es in der Analyse des Branchenmagazins, Primark habe zu ehrgeizig expandiert, riesige Ladenflächen gekauft, die in den Innenstädten viel Geld kosten. Zudem ist die Konkurrenz im Internet gewaltig, dort wird längst ebenfalls aggressiv mit Billig-Preisen geworben.(…)”

Und weiter heißt es:

“(…)Das einstige aggressive Auftreten von Primark, die frühen Erfolge, das sei auch ein Grund für die Probleme, die es nun gibt. „ABF hat, geblendet von den Anfängen, den deutschen Markt überschätzt“, wird ein Ex-Mitarbeiter von der „Wirtschaftswoche“ zitiert. Man sei in zu viele Städte expandiert, habe zu große Läden gepachtet und zu viel Ware angeboten. „Damit wich der Konzern signifikant von der Strategie ab, die er in anderen Ländern verfolgte.“ Die Folge: In Deutschland fielen die Gewinnspannen wesentlich kleiner aus als anderswo. Aktuell kämen hohe Energiepreise hinzu, der Hype von damals ist längst weg. Zudem habe Primark den Online-Handel „verpennt“, so ein Handelsexperte. Am Beispiel Shein zeige sich, wie wichtig eine Online-Strategie ist. Und ohne einen Online-Shop wurde Primark während der Corona-Pandemie besonders hart getroffen.(…)”

Nun – das Mitleid hält sich bei den meisten Verbrauchern bei diesem Unternehmen wohl in Grenzen. Vielmehr setzt sich bei immer mehr Leuten das Bewusstsein von nachhaltigem Konsumieren durch.

Lieber gebraucht erwerben, als Fast Fashion shoppen!

Sprich: Kleidung nicht als “Fast-Fashion”-Produkt nutzen und schöne Stücke auch mal gebraucht kaufen. Wer in den einschlägigen Anzeigenportalen stöbert, weiß, dass es Second Hand wunderbare Kleidung gibt – sowohl No Name als auch von Designern. Und das für wirklich wenig Geld!

Hinzu kommt, dass es schon immer krank wirkte, wenn Ketten wie PRIMARK oder andere Billiganbieter in Sachen Klamotten ein paar Mal in der Woche neue Kollektionen respektive täglich neue Ware geliefert bekommen. Welche ganz normale Frau kauft mehrfach Klamotten im Monat und trägt ein Teil nur ein-, zweimal?

Eben! Hier muss auf jeden Fall ein Umdenken her. Nicht zuletzt, weil es neben der Möglichkeit des gebrauchten Erwerbs von guter Kleidung auch den Weg des Kaufs von wirklich hochwertigen Sachen via Manufakturen / Hersteller in Deutschland gibt. Klar, das gilt in erster Linie für Leute, die etwas mehr finanzielle Mittel zur Verfügung haben, denn hierzulande hergestellte Kleidung ist nicht auf der Billigschiene zu haben.

Made in Germany sollte wieder Gehör finden!

Trotzdem dürfte für jeden Geldbeutel eine Möglichkeit abseits der Klamotten-Wegwerf-Strategie machbar sein. Und ein jeder sollte diese nutzen! Schon deshalb, um zukünftig den Weg frei zu machen für eine Rückbesinnung auf das Eigene.

Made in Germany: Dieser Ruf ist mehr als verklungen. Und das, obwohl die Qualität der wenigen Kleidung, die in unserem Land noch hergestellt wird (wenn sie denn wirklich hier hergestellt und nicht aus Fernost geliefert wird) wirklich top ist. Allein die Realität zeigt, dass das Gros der hiesigen Bekleidungshersteller sein Business lange schon nach Fernost ausgelagert hat.

So macht es eigentlich keinen Unterschied, ob man in einem nach Chemie stinkenden Laden wie PRIMARK eine 3-Euro-Klamotte kauft oder aber womöglich mehr als hundert Euro für ein deutsches Label hinlegt, das aber ebenfalls in Fernost herstellen lässt.

Hier muss ein rigoroses Umdenken her! Und zwar schnell. Dass parallel dazu Läden wie PRIMARK schließen, ist wahrlich kein Verlust.

Quelle: express.de vom 05. Dezember 2022

bild: picture alliance / abaca | Batard Patrick/ABACA

 

 

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