Hand vor einem Haus, vor Häusern

„Gehen wir zu Dir oder zu mir?“ – Diese profane Frage mag im Großstadtdschungel, nach dem fünften Prosecco, für eine Frau mit einem gewissen Kribbeln verbunden sein. Beim Kennenlernen auf dem Land indes dürfte Hausbesitzerinnen und Hausbesitzern beim Erklingen dieser Frage das Lachen bald vergehen. Denn während sich der urbane Großstädter in die schicke Drei-Zimmer-Wohnung mit Dachterrasse begibt, nennt der oder die auf dem Land Lebende zumeist ein eigenes Haus sein Eigen. 

Das allerdings wird nicht selten zum Stolperstein in der Liebe. Das habe ich selbst erlebt und ich hörte es dieser Tage auch wieder von einem alten Kumpel. 

Wenn beide ein Haus haben, wird`s oft problematisch

Ich rief ihn wegen einem Ratschlag handwerklicher Natur an und da wir uns lange nicht gehört hatten, brachten wir uns schnell auf den neuesten Stand. In Sachen Leben, Alltag, Beziehungen…

„Du – wenn beide ein Haus haben, dann ist das richtig scheiße“ – sagte mir Ralf, mein Kumpel, auf den Kopf zu durch den Hörer. 

Gerade nämlich ist eine Beziehung mit einer Frau bei ihm daran gescheitert, dass beide – also sie und er – ein Haus haben. Und man sich nicht einig wurde, wo denn nun der Lebensmittelpunkt hin verlegt werden sollte. Im Klartext: wer bei wem einzieht und seine eigene Scholle verlässt. Nun könnte man ja eine Immobilie vermieten, leer stehen lassen oder auch verkaufen. Doch zumeist hängen an solchen Werten auch noch andere Leute dran – oftmals jene, die die Immobilie erben sollen oder für die es einfach das gewohnte Zuhause ist. Alte Eltern zum Beispiel, die mit in dem Haus wohnen oder eben die Kinder. 

Da kann es schnell mal knarzen im Beziehungsgebälk. Zumindest war das bei mir so – vor ein paar Jahren. Auch ich wohne auf dem Land und auch ich hatte seinerzeit jemanden kennengelernt, der ein Haus hatte. Im Gegensatz zu meiner Immobilie hatte er ein Luxusanwesen und erwartete natürlich, dass ich zu ihm ziehe. Allerdings hätte ich das gar nicht so einfach gekonnt, da ich ein Mehrgenerationenhaus bewohne (immer noch!), in dem meine alten, pflegebedürftigen Eltern mit wohnen und an dem auch noch einiges zu machen ist. Handwerklich gesehen. Außerdem hatte ich mir mein eigenes Heim bis dato so hergerichtet, wie ich es wollte. Nach meinem Geschmack. Während mein neuer Bekannter sein Luxusanwesen fast ausschließlich mit Naturholz ausgekleidet hatte. Was ökologisch gesehen sicher keine schlechte Idee, aber nun überhaupt nicht mein Geschmack ist…! 

Alles schön eingerichtet, um dann in sein Haus zu ziehen?

Solche Umstände machen was aus, denn wer will schon in eine häusliche Umgebung ziehen, die so gar nicht sein Geschmack ist? Weiterhin fragte ich mich seinerzeit, warum ich mir mit so viel Entbehrungen und Geld meine vier Wände nach meinem Geschmack hergerichtet habe, um dann unter rustikalem Holz zu leben? 

Das mag abgeklärt klingen, aber ab Ende 30plus bezieht man solche Erwägungen in Sachen Beziehungen definitiv mit ein und stürzt sich nicht mehr mit der rosaroten Brille in Abenteuer, die nur schief gehen können. 

Allerdings: die rosarote Brille war seinerzeit sowieso nicht mehr auf der Nase, wie gesagt: mit einem gewissen Alter kommen in Sachen Kennenlernphase und Beziehung auch knallharte Abwägungen ins Spiel, an die man mit Anfang 20 nicht mal im Traum denken würde. 

Es wäre wohl in meinem Fall darauf hinausgelaufen, dass wir eine „Mini-Fernbeziehung“ geführt hätten – er wohnte nur zehn Autominuten von mir entfernt, drei Dörfer weiter. 

Einfach abwarten – dann passt irgendwann alles

Aber soweit kam es gar nicht, ebensowenig, wie ich mich weiter mit der Frage, wer zu wem, in welches Haus ziehen sollte, herumplagen musste: Die Beziehung endete durch andere Umstände. Und in meinem Haus bin ich bis heute. Mit einem neuen Partner – der bis zu unserer Beziehung nur eine kleine Wohnung in der Großstadt hatte. 

Und der eingangs erwähnte Kumpel: Nun – auch der ist noch in seinem Haus. Wenn auch wieder solo. Hier scheiterte einmal mehr eine Beziehung an der Gretchenfrage „Wer zu wem?“. „Ich mache mich da jetzt aber nicht mehr heiß“ – so die Ansage des Kumpels. „Ich warte einfach ab, bis ich gefunden werde. Vielleicht kann die nächste Frau ja kochen, denn das konnte sie nicht!“. 

Daraufhin folgte noch das Klagen meines Kumpels, dass immer weniger Frauen kochen können. Auch so ein Thema! Das wohl alleine einen ganzen Artikel füllen könnte…Insofern: bei Beziehungsthemen wird es nie langweilig. 

Welche Gründe es außerdem oft gibt, warum Paare sich trennen, kann hier nachgelesen werden.

Bildnachweis: pexels.com

 

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