Beiträge

Michael Wendler und Freundin

Sie wirken immer ein bißchen wie Vater und Tochter: der Wendler, dessen Haare seit Neuestem unnatürlich schwarz wirken und das junge Mädchen, das dem Alter nach der Nachwuchs des Sängers sein könnte. Beide sind seit einiger Zeit ein Paar und dominieren die Schlagzeilen. Der Altersunterschied von fast 30 Jahren ist ziemlich gewaltig, aber auch solche Beziehungen haben nicht selten ein Happy End. Wie wird das hier also ausgehen? Zumal Wendlers Neue, die 18jährige Lara, nunmehr plant, zu ihrem Michael in die USA zu ziehen.

Wendlers Neue will zu ihm in die USA ziehen

Dafür will sie in den Sommermonaten die Schule vorzeitig beenden. Danach soll es für immer in die USA gehen, auswandern ist angesagt! Und wie schon Wendler selbst, will auch seine Neue sich bei diesem Vorhaben medial begleiten lassen. Die Schülerin wird also wohl zukünftig häufiger auf der Mattscheibe erscheinen, denn das Format „Goodbye Deutschland“ will die Auswanderin und ihren reifen Freund mit der Kamera begleiten.

Die Doku hat in der Vergangenheit schon mit vielen Tops und Flops aufgewartet – es bleibt spannend, in welcher Kategorie der Wendler und Lara sich demnächst wiederfinden.

Wer sich für das ungewöhnliche Paar und dessen Unterfangen interessiert, sollte am 25. März 2019 den Fernseher anmachen, VOX einschalten und „Goodbye Deutschland“ gucken.

Bildnachweis:

TVNOW / Seema media

 

Junge Frauen und reife vermögende Männer – diese Kombi ist uralt und kommt wohl niemals aus der Mode. Ob Rock-Dino Peter Maffay oder der amerikanische Frauenschwarm Richard Gere – beide haben diesen Lebensstil gemeinsam. Und teilen ihn mit vielen weiteren Promis. In Deutschland sind das unter anderem auch Jean Pütz und Fritz Wepper – auch zwei Männer, die im „Silver-Surfer“-Alter nochmal Vater wurden. Bei letzteren war man(n) sogar schon in den 70igern, als sich die späten Vaterfreuden einstellten.

Richard Gere kurz vor seinen 70igern!

Nun, so alt ist Richard Gere noch nicht, aber sehr knapp davor: 69 Jahre alt.

Seine Partnerin Alejandra Silva (mit Richard Gere im Bild) ist zarte 35 Jahre jung und beide sind sie nun Eltern eines Jungen geworden. Medienberichten zufolge ist das Kind am vergangenen Dienstag zur Welt gekommen.

Hoffentlich bleiben noch viele Lebensjahre

Sowohl Mama als auch Papa haben schon eigenen Nachwuchs. Gere einen 19jährigen und Silva einen 6jährigen Sohn.

Na da – bleibt den beiden – und vor allem dem Neugeborenen! – nur zu wünschen, dass Gere noch mit vielen, vielen Lebensjahren gesegnet ist.

Lesen Sie hier, wie Deutsch-Rocker Peter Maffay mit seinen späten Vaterfreuden umgeht.

Bildnachweis: picture alliance/Geisler-Fotopress

 

 

Der große Blonde mit den Entertainer-Genen – er kann`s offenbar nicht lassen! Thomas Gottschalk kehrt auf die Mattscheibe zurück. Mit einer neuen Show. Diesmal macht er in Literatur. „Gottschalk liest“ ist der Name des neuen Sendeformates, das ab dem 19. März 2019 im bayerischen Fernsehen ausgestrahlt werden soll. Allerdings nur viermal im Jahr. Gottschalk und Literatur – nun ja, so richtig hat man das bislang nicht in Zusammenhang gebracht.

Klar, der Fernsehmann war, wie so viele Prominente, bereits zu Gast in der ZDF-Sendung „Das literarische Quartett“ (siehe Bild). Aber an und für sich bringt man den humorvollen Entertainer doch eher mit großen Shows in Verbindung.

Germanistikstudium sieht Gottschalk für neue Show von Vorteil

Der Sunnyboy kokettiert diesbezüglich mit seinem Germanistikstudium, tag24.de schreibt hierzu:

„Zum Lesen haben die meisten heute eine App – ich habe zumindest drei Semester Germanistik“, hatte Gottschalk erklärt, als der BR das Projekt Ende des vergangenen Jahres ankündigte.

Nun ja…!

Fakt ist doch, dass er sein einstiges „Wetten, dass?!“ mit nichts mehr toppen kann. Auch scheint ihm der Misserfolg seiner letzten Show nicht davon abzuhalten, sich erneut auf ein riskantes Fernsehprojekt einzulassen. Den meisten wird es nicht gleich auf Anhieb geläufig sein, aber wenn man den Show-Namen „Gottschalk live“ in die Runde wirft, wird es bei dem einen oder anderem doch dämmern.

Vorabend-Show im Ersten floppte vor Jahren

Das war doch…diese kleine Vorabend-Live-Show? Vor den Nachrichten, im Ersten? Ja, genau! Allerdings ist das schon wieder sieben Jahre her und die Sendung kam auch 2012, dem Jahr der Erstausstrahlung, nicht in die Gänge. Vom Konzept her lief es damals so, dass Gottschalk über tagesaktuelle Lifestyle-, Promi- und Gesellschaftsthemen plauderte. Er empfing Studio-Gäste und initiierte Live-Schaltungen in alle Welt.

Gebracht hat es wenig, denn die Sendung wurde schon im selben Jahr wieder eingestellt. Mangels Publikumsinteresse. Und – ganz ehrlich! – sie wirkte auch extrem gestellt und aufgesetzt. Man hatte tatsächlich immer das Gefühl, dass da was „gewollt und nicht gekonnt“ wurde.

Auch hatte es irgendwie den Anschein, dass sich ein einflussreicher Fernsehmensch dem großen Blonden, der offenbar so gar nicht vom TV-Metier lassen kann, einen Gefallen tun und olle Gottschalk wieder auf die Mattscheibe holen wollte.

„Wetten, dass?!“ passte am besten zu Gottschalk!

Hat alles nichts genützt – das Interesse der Leute war einfach nicht so groß.

Und nun Literatur. In der ersten Sendung startet er mit Sarah Kuttner und Martin Mosebach. Leute, die eher einem speziellen Publikum, denn der Masse der Leute bekannt sind.

Warum sich der einstige Radiomoderator nicht einfach ein schönes Leben in seiner langjährigen Wahlheimat Kalifornien macht – darüber wird wohl so mancher Zuschauer sinnieren! Zumal man bei diesen halbgewalkten „Nach-Wetten-dass?!“-Präsenzen den Eindruck nicht los wird, dass Gottschalk doch wirklich besser diese Original-Show hätte weitermachen sollen.

In diesem Falle wäre ihm doch sicher ein Millionenpublikum treu. Wetten, dass?!

Bildnachweis: ZDF, Svea Pietschmann

Er ist ein behütetes Einzelkind und wohnt schon sein ganzes Leben lang bei seinen Eltern – einer niedlichen, aber besitzergreifenden Dame Mitte 70 und einem desinteressierten Vater, der seine Tage mit einer Halben Bier vor dem Fernseher verbringt, weil irgendwo auf der Welt immer Fußball läuft.

Jeden Urlaub verbringt Gerd ausnahmslos mit seinen Eltern und schwärmt uns dann von ereignisreichen Kreuzfahrten und lehrsamen Pyramidenbesichtigungen vor. Er kümmert sich um den Haushalt, begleitet Mutti zum Einkaufen und widmet sich in der Freizeit hingebungsvoll seinen Hobbies Fußball, Netflix und Modellbau.

Im Keller, den Mama für ihn freigeräumt hat, fieselt Gerd nächtelang an seiner elektrischen Eisenbahn, die mittlerweile die Ausmaße einer Kleinstadt angenommen hat und das gesamte Zimmer ausfüllt.

Kennen Sie Gerd? Nein? Dann haben Sie etwas verpasst.Gerd ist 180 Zentimeter groß und hat seine dunklen Haare extra auf einer Seite bis zur Schulter wachsen lassen, damit er sie über seine Glatze kämmen kann. Den anachronistischen 80er-Jahre-Schnäuzer stutzt er akribisch einmal pro Woche, und auf seinem Kinn prangt eine pechschwarze Warze in der Größe eines 20-Cent-Stücks. Seine Gesichtszüge wirken etwas verbissen, und um die Taille herum trägt er ein paar Unebenheiten mit sich herum, die seiner sitzenden Tätigkeit geschuldet sind. Gerd ist 53 Jahre alt.

Zu unser aller Überraschung ist Gerd Single, aber leider nicht aus Überzeugung, sondern aus Mangel an Gelegenheit. Das mag Sie jetzt verwundern, aber bisher hat sich tatsächlich noch keine Frau gefunden, die sich mit ihm auf eine Beziehung einzulassen bereit ist, weil Gerd jeder Kandidatin bereits beim ersten Date unverblümt mitteilt, was sie erwartet: mit Mama zusammen den Haushalt schmeißen, mit Mama einkaufen, ansehnlichen Nachwuchs gebären (darum darf die potenzielle Frau auch nicht über 35 sein…), den Biernachschub für Papa nie ausgehen lassen und ansonsten begeistert Gerds Hobbies zusammen mit ihm ausleben.

Selbstverständlich winkt nach jedem arbeitsreichen Jahr ein erholsamer Urlaub auf einem Kreuzfahrtschiff. Zusammen mit Mama und Papa.

Auch sonst sind Gerds Ansprüche an eine Heiratskandidatin (wilde Ehe geht gar nicht – das würde Mutti umbringen) ziemlich hoch. Eine Ausländerin kommt wegen der zu erwartenden Verständigungsschwierigkeiten nicht in Frage (es wäre doch zu schade, wenn die junge Dame süffisante Sticheleien von Mutti nicht sofort kapiert), eine Gleichaltrige ist ihm laut eigener Aussage „zu alt“, da irgendwer ja mal die elektrische Eisenbahn erben und deshalb ein Stammhalter gezeugt werden muss.

Die Wunsch-Frau sollte kochen können (mindestens so gut wie Mutti), darf keinerlei Ansprüche auf Intimität oder Privatsphäre geltend machen und sollte in Gerd das Tollste seit der Erfindung des WC-Papiers sehen.

Gerd selbst ist übrigens der Charme in Person.

Ich kenne ihn seit 20 Jahren persönlich und habe mir ihn nicht ausgedacht. Solche Typen kann man sich nicht ausdenken. Neulich saßen wir mit ihm am Tisch, und eine Bekannte meinte scherzhaft: „Oh, Gerd, du hast ja ein Bäuchlein gekriegt.“

Er sah sie giftig an und meinte: „Halt doch die Klappe – die Schlankste bist du ja auch nicht.“

Ich kann mir sehr gut vorstellen, woran all seine Blind Dates scheitern. Aber das wissen Sie garantiert mittlerweile auch. Gelegentlich klagt uns Gerd sein Leid. Versteht er doch nicht, warum keine Dame seinem zarten Werben erliegt. Immerhin ist er ein guter Fang. Die Angebetete darf nämlich sein Jugendzimmer zusammen mit ihm im mittlerweile abbezahlten 70er-Jahre-Reihenhaus beziehen (gesetzt den Fall, sie findet zwischen Flugzeugmodellen und winzigen Plastik-Panzern noch Platz), nach Feierabend täglich den kompletten Haushalt schmeißen, Gerd sexuell befriedigen – bei ihm besteht 40jähriger Nachholbedarf, das kann also dauern – und wenn sie viel Glück hat, gibt’s zur Belohnung dann abends „Bauer sucht Frau“, falls nicht gerade in Abu Dhabi Fußball läuft, denn Papa lässt sich sonst nicht von der Glotze in die Kneipe vertreiben.

Wie gesagt, Gerd versteht die Welt nicht und die Frauen noch weniger, denn ein Ende seiner Durststrecke ist nicht in Sicht. Das wird auch so bleiben.

Da Sklavenmärkte in Deutschland nicht existieren, wird er sich wohl weiterhin hoffnungsvoll von einem Blind Date zum nächsten hangeln müssen.

Der nächste Aspirant in Frauenangelegenheiten ist Stefan. Er misst vom Scheitel bis zur Sohle stolze 155 Zentimeter, wobei sich Länge und Breite mittlerweile bei ihm die Waage halten. Er hat in letzter Zeit die Form eines Medizinballs angenommen. Seine 15 Kopfhaare trägt er stolz in 25 Reihen gekämmt, und er erklärt jedem, dass der feuerrote Teint und die wässrigen Schweinsäuglein dem Bluthochdruck geschuldet sind, „weil die dummen Weibsbilder so anspruchsvoll sind und ich mich darüber aufrege“.

Stefan ist seit kurzem stolze 71 Jahre alt und zweimal geschieden. Seine erste Hochzeit feierte er mit 50, unmittelbar nach dem Tode seiner Mutter, als er eine 25jährige aus einem osteuropäischen Land mit hohem Armutsfaktur ehelichte, die ihn nach zwei Jahren verließ. Sie war praktisch veranlagt, denn sie nahm sämtliches Inventar sowie den größten Teil der Einbauküche und den gerade abbezahlten Staubsauger mit, als sie verschwand, während Stefan bei der Arbeit war. Wäre das Haus etwas kleiner gewesen, hätte sie das wohl auch in ihre Reisetasche gepackt. So blieb ihm als Erinnerung wenigstens der Immobilien-Kredit, den er abbezahlen durfte.

Stefan aß anschließend aus Kummer noch mehr, trank wie ein Bierkutscher, und begab sich in seinen nüchternen Phasen erneut auf der Suche nach einer Frau. Mit 70 heiratete er dann abermals, eine Dame, die aus demselben Land wie seine erste Gattin stammte. Sie war erst 37, einen Kopf größer als er und wog circa 80 Kilo mehr als er.
„Ich nehme dieses Mal eine Dicke, die bleibt mir“ erklärte er pragmatisch, als ich ihn vorsichtig fragte, ob er denke, dass das Liebe sei.

Diese Ehe hielt genau eine Woche – dann verschwand die neue Frau gegen Mitternacht samt ihrem Koffer und tauchte im undurchdringlichen Nebel des deutschen Dienstleistungssektors unter, wo sie sich seither als selbständige Nageldesignerin durchschlägt. Es scheint ihr lieber zu sein, als weiterhin in Stefans zugigem Bungalow Schnitzel zu braten.

Aber Stefan lässt sich von solchen Kleinigkeiten nicht beirren. Die Welt ist voller Mädels, die auf ihn warten. Immerhin hat er eine gute Rente und ein schönes Haus zu bieten. Also vertraute er sich kurz nach dem unrühmlichen Abgang seiner zweiten Gattin einem Heiratsinstitut an und klagte mir dann vor ein paar Wochen wütend sein Leid.

„Du glaubst nicht, was die mir anbieten!“ schimpfte er. „Die schicken mir tatsächlich 60jährige!“

„Ja, aber du bist über 70 und mit einer gleichaltrigen oder ein wenig jüngeren Frau hast du vielleicht ein paar Gemeinsamkeiten. In dem Alter ähneln sich die Interessen doch viel mehr“ antwortete ich. „Pah, was will ich mit einer 60jährigen“ widersprach er. „Alt bin ich ja selber.“

Stefan ist übrigens nach wie vor auf der Suche, meine Damen. Und er ist sich ganz sicher, dass die maßgeschneiderte Frau nicht mehr lange auf sich warten lassen wird, immerhin ist er – genau wie Gerd – seiner Meinung nach ein prima Fang.

Nun verbindet Gerd und Stefan, diese beiden Geschenke Gottes an die Frauenwelt, außer besitzergreifenden Müttern noch etwas anderes, um das ich sie seit Jahrzehnten glühend beneide: ein Zauberspiegel.
Ja, Sie haben schon richtig gelesen. Die haben einen und ich nicht.

Ich selbst besitze natürlich auch mehrere dieser Dinger. Während der im Badezimmer, wenn er einen guten Tag hat, morgens vermeldet: „Tja, geht so heute, Barbara. Solltest allerdings gut ausgeleuchtete Plätze meiden“, lacht mich der andere in der Ankleide hämisch aus und kichert: „So deckende Farben gibt’s auf der ganzen Welt nicht, dass du die Röllchen um die Taille alle vertuschen kannst. Mach endlich eine Diät oder verschone mich mit deinem Anblick. Übrigens sollst du dich dringend bei meinem Cousin, dem Rasierspiegel melden. Der meint, er hätte dich schon länger nicht mehr gesehen. Du hast wohl Probleme mit der Wahrheit? Hähä.“ Wie gesagt – der ist fies und ich gucke nicht oft rein.

Mit solchen Gemeinheiten müssen Gerd oder Stefan sich nicht herumplagen. Egal, ob sie sich nackt oder angezogen vor ihre eigenen Spiegel stellen, die behaupten immer: „Mann, siehst du geil aus, Junge. Die Weibsbilder dürfen froh sein, wenn sie dich kriegen. Bauch? Wo ist hier ein Bauch? Ist nur das Licht. Du bist der Schönste!“

Verlogene Schleimbeutel sind das, diese Spiegel. Wenn der von Gerd ehrlich wäre, würde er ihm den Besuch eines Hautarztes empfehlen, damit der mal die krasse Warze auf dem Kinn checken kann, außerdem einen guten Friseur, der ihm erklärt, dass niemand auf die über seine Glatze gekämmten Haare reinfällt.

Und Stefans Spiegel könnte ehrlich warnen: „Junge, du bist mehr breit als hoch und solltest es mal mit Trennkost versuchen. Sprich: Deine Pizza ist am besten in der Küche aufgehoben und du auf dem Laufband. Außerdem bist du nicht der Jüngste. Was willst du mit einer ganz jungen Frau? Schon mal richtig in mich armen Spiegel reingesehen? Ich hab‘ die Lügerei allmählich satt.“

Trotzdem ich Gerd und Stefan schon oft angebettelt habe, wollen sie mir ihre Spiegel nicht leihen, nicht mal für einen einzigen Tag. Ich muss also jeden Morgen weiterhin meinen Anblick ertragen, weil ich trotz Intervallfasten nach wie vor daherkomme wie eine Presswurst. Den Rasierspiegel habe ich allerdings verschenkt. Der quält mich nie mehr.

In unserer aufgeklärten Gesellschaft ist es selbstverständlich, dass niemand wegen seines Aussehens gehänselt wird oder dadurch Nachteile erleidet. Das finde ich natürlich richtig und wichtig. Nur möchte ich ganz gerne wissen, woher dieses durch nichts gerechtfertigte Selbstbewusstsein herrührt, welches Gerd und Stefan an den Tag legen. Beide haben sich noch nie Gedanken darüber gemacht, ob es vielleicht an ihrem Auftreten liegen könnte, wenn sie Absagen von der Damenwelt erhalten. Stefan und Gerd sind sich beide sicher, dass die Damenwelt nur zu blöde ist, einen guten Fang wie sie zu erkennen und festzuhalten.

„Was sind diese Frauen bloß anspruchsvoll“ stöhnte Gerd neulich, während ich mir wieder mal wünschte, er würde endlich zum Hautarzt gehen, damit ich nicht immer auf dieses Ding an seinem Kinn starren muss.
„Immer dieses Gezeter von wegen Emanzipation. Und Respekt vor dem Alter haben die auch nicht, wenn ich erzähle, dass ich bei meinen Eltern lebe, melden die sich nie wieder.“

So was aber auch.

Stefan, der Rentner, ist da etwas pragmatischer. „Ich hab schon ein paar Qualitäten, aber die binde ich dir nicht auf die Nase. Das Aussehen ist doch gar nicht so wichtig“ meinte er, als ich ihm vorschlug, seine hohen Ansprüche („jung, knackig, bewandert im Kochen und Erdulden“) nochmals zu überdenken.

Wenn das Aussehen nicht so wichtig ist, lieber in Ehren gealterter Stefan, warum willst du dann unbedingt eine Junge?

Nun ja – Stefan ist jetzt das Problem der Dame vom Heiratsinstitut, die ihm vollmundig versichert hat, für ihn als Topf den passenden Deckel in Übergröße aufzutreiben. Ich bin überzeugt, dass sie das mittlerweile bereut.

Im Laufe meines Lebens durfte ich immer wieder die Erfahrung machen, dass die Selbstwahrnehmung vieler Männer sich nicht mit der Realität deckt. Während unsereins sich im Fitness-Studio quält, eine Diät nach der anderen ausprobiert, kiloweise Foundation, Rouge und Mascara aufträgt und sich morgens mit einem Bein auf die Waage stellt, um sie auszutricksen, streift diese Sorte Mann sich ein Feinripp-Hemd über, schlüpft in Tennis-Socken mit Sandalen und macht sich frohgemut auf die Balz.

Geht nicht, gibt’s nicht, denken die.

Allerdings ist – das möchte ich betonen – der Besitz eines solchen wunderbaren Zauberspiegels nicht unbedingt geschlechtsspezifisch. Ich habe eine alte („alt“ im Sinne von kenne ich schon ewig) Bekannte, die auch so ein tolles Stück ihr eigen nennt. Meine Freundin Susi hat nämlich ebenfalls so einen, der ihr täglich suggeriert, sie sei die Schönste. Dabei hat Susi spärliches, astroschwarz gefärbtes Haar mit durchschimmernder Kopfhaut, ein fliehendes Kinn, winzige, immer verkniffene schmale Lippen, die Figur einer Avocado und – das Selbstbewusstsein von Kim Kardashian. Ist so.

Egal wo Susi hinkommt, immer findet sich ein Anbeter, der vor ihr auf die Knie geht und ihr spätestens nach dem vierten Bier ewige Liebe schwört. Weil Susi ganz einfach von sich selbst überzeugt ist.

Endlich sind wir da, worauf ich hinauswollte. Diese Spiegel, meine Damen, bekommen wir nicht bei Ali Baba oder Amazon – die stellen wir selbst her oder schleppen sie als Teil unserer Aussteuer mit uns herum. Unser ganzes Leben lang. Angeschafft werden sie schon in frühester Kindheit, und unsere Eigenwahrnehmung hängt signifikant davon ab, wie viel Selbstbewusstsein oder gesundes Selbstwertgefühl uns in frühen Jahren vermittelt wurde.

Diese bösen Spiegel, vor denen wir morgens stehen und uns ein wenig zu dick finden, oder zu dünn, diese Spiegel, die uns zeigen, dass unser Haar zu spröde ist oder unsere Lippen zu schmal, sind Artefakte unserer Kindheit.
Jetzt müssen wir uns täglich mit ihnen herumschlagen.

So schmeichelnd den Gerds und Stefans auf dieser Welt ihr Ebenbild gezeigt wird, so gemein wird unser eigenes gezeichnet, wenn wir prüfend auf die polierte Fläche blicken.

Es ist meist nicht die Wahrheit, die wir sehen, denn diese liegt vermutlich irgendwo zwischen „Du bist die Schönste“ und „Oh Gott, wie schaue ich heute wieder aus, so kann ich nicht unter die Leute!“.

Ich selbst bin vermutlich gar nicht so… äh, gut proportioniert (denken Sie sich einen grinsenden Emoji), wie es mir mein Spiegel zeigt, denn ich bewege mich schon mein Leben lang zwischen Verzicht und Genuss wie beim Hürdenlauf und horte deshalb Klamotten von Größe 38 – 42, damit ich immer was zum Anziehen habe. Aber ich bin ganz sicher, dass das, was mir morgens entgegenlächelt, nicht die wahrhaftige Realität ist, denn ich neige zu Selbstkritik, und mein Spiegel zeigt mir genau das, was ich zu erblicken befürchte.

Wir nehmen uns zu großen Teilen nur partiell wahr, sprich: Wer ein Problem mit seinem Gesicht hat, wird gar nicht beachten, dass der Rest seiner Erscheinung völlig ok ist. Wer ein Problem mit seiner Figur hat, übersieht sein ansprechendes Lächeln und die schönen Augen. Weil Frauen mit der Lupe ihre Mängel und Unzulänglichkeiten prüfen, während Männer sagen: „Nö danke, ich brauche keine Brille. Ich sehe alles, was ich will.“

Herren wie Gerd und Stefan, denen niedliche, aber besitzergreifende Mütter schon in früher Kindheit ein Pfund Schmierseife zwecks Weichzeichnung der tatsächlichen Gegebenheiten auf die Spiegel gerieben haben, erkennen gleichfalls nicht die Wirklichkeit, sondern nehmen nur ein irrationales, verzerrtes Bild ihrer selbst wahr, mit dem sie aber prima zu leben imstande sind. Das sollten wir auch mal versuchen.

Viele von uns Frauen hingegen rücken täglich mit einer Armada von Putzmitteln an, um unsere eigenen Spiegel blankzureiben, damit wir ja jeden kleinen Pickel, jede Unebenheit, jedes Fältchen, wahrzunehmen imstande sind. So hat man es in unserer Jugend nämlich beigebracht. Zu Hilfe kommen uns dabei Zeitungsartikel wie zum Beispiel: „Blitz-Diät, Heidrun nahm 87 Kilo in 14 Tagen ab, endlich ist sie wieder begehrenswert!“ oder „Was ich tun kann, damit Männer mich attraktiv finden“.

Wissen Sie, was Sie tun können, damit Männer Sie für attraktiv halten? Ist ganz einfach: SIE müssen sich attraktiv finden, so wie meine Freundin Susi. Egal, wann die in ihren Spiegel guckt, ihr lächelt jedes Mal eine Mischung aus Penelope Cruz und Salma Hayeck entgegen, obwohl sie in Wirklichkeit ein misslungener Hybrid aus Roseanne Barr und Morticia Addams ist.

Wir sollten aufhören, unsere Spiegel blitzeblank zu reiben, denn was uns dann gezeigt wird, ist nicht die ganze Wahrheit und nichts als die Wahrheit, sondern nur ein Konglomerat aus Suggestionen, die uns von klein an eingeimpft worden sind. Wenn Sie liebevolle Eltern hatten, die Ihnen Selbstwertgefühl und Wertschätzung vermittelt haben, dann werden Sie im Spiegel keine unangenehmen Überraschungen erleben sondern sagen: „Hm, ist ja wirklich ok. Nicht mehr ganz taufrisch, aber echt nicht übel. Ich sehe nett aus.“

Vielleicht ist ein Teil der eingeschränkten Selbstwahrnehmung vieler Männer wirklich der Tatsache zu verdanken, dass Männer nun mal Mütter haben, die ihre Jungs liebhaben und sie für das Größte und Beste halten, das die Welt hervorgebracht hat. So sollte es auch sein. Nur würde ab und an etwas mentaler „Glasreiniger“ bei Herrschaften wie Gerd und Stefan Wunder wirken, denn dann wären sie dazu imstande, einen übergewichtigen Rentner und einen griesgrämigen Nerd wahrzunehmen, anstatt sich für George Clooney zu halten.

Diese Selbsterkenntnis könnte der erste Schritt zu einem erfüllten Zusammensein mit einer Frau, die ihren Vorlieben und Neigungen entspricht, werden.

Man darf ja noch träumen.

Und so bitte ich Sie heute: Hören Sie mal auf, Ihre Spiegel zu „putzen“. Machen Sie nicht täglich sauber, sondern lassen Sie das Ding mal einstauben. Denken Sie an Gerd und Stefan, die haben das auch nicht nötig und ärgern sich nicht über sich, sondern über andere.

Sie sind hübsch. Auch wenn Sie nicht aussehen wie ein Filmstar. Spiegel lügen manchmal, weil unser Auge nur wahrzunehmen imstande ist, was unser Verstand durchdringen lässt. Spiegel sind manchmal böse Lügner und Relikte aus unserer Jugend, Spiegel bestehen gelegentlich aus gemeinen Sätzen, die irgendjemand zu uns sagte, als wir klein waren.

Spiegel sind nicht das wahre Leben. Tun Sie sich selbst den Gefallen und werden Sie wohlwollend sich selbst gegenüber.

Viele Frauen sind sich selbst ihr größter Feind. Hochglanz-Gazetten mit Model-Fotos und Casting-Shows, in denen bildhübsche Size-Zero-Kandidatinnen über Laufstege stolpern, tun ihr Übriges.

Egal, was Ihnen morgens im Badezimmer entgegengrinst – zeigen sie ihm die Zähne und lächeln Sie es an.
Haben Sie sich lieb. Sie sind Sie – was anderes haben Sie nicht geliefert bekommen. Und Umtausch ist ausgeschlossen.

Das einzige, das Sie reklamieren können, ist Ihre eigene Selbstwahrnehmung oder ein Mann, der Sie nicht genügend wertschätzt und an Ihnen herumnörgelt.

Oder bitten Sie einfach meine Freundin Susi, wie das geht. Die kann es Ihnen besser erklären. Noch nie hat sie an sich gezweifelt.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche und verbleibe herzlichst!

Ihre Barbara Edelmann

Bauchgefühl

Ein Gastbeitrag von Andrea. Auf einmal wird’s mulmig in der Magengegend, aber es sind keine Schmerzen, die das komische Gefühl im „Zweiten Gehirn“, wie der menschliche Magen oft genannt wird, verursachen. Nein, es ist was anderes – und jeder, der je in seinem Leben mit Fremdgehen, falschem Spiel in der Liebe oder auch einem schweren Zoff unter Freundinnen konfrontiert war, wird es kennen, dieses besonders angespannte Gefühl.  Das Bauchgefühl. Gleich vorweg: es täuscht nicht. Nie!

Und deshalb sollten Menschen, die vielleicht bislang nicht in einer der oben erwähnten Situationen waren, aber sich aktuell mit einem unguten Gefühl herumschlagen, unbedingt darauf achten, was dieses Organ da aus der Mitte des Körpers signalisiert.

Nicht wenige ignorieren Bauchgefühl

Viele Leute neigen dazu, es (erstmal) zu ignorieren. Besonders dann, wenn es um heikle Dinge geht – zum Beispiel um die eigene Beziehung oder um den gerade erst neu kennengelernten Mann.

Ich bin mittlerweile soweit, dieses so wichtige Bauchgefühl nicht mehr zu ignorieren. Als ich jünger war, habe ich das permanent gemacht und bin auch sehr oft damit auf die Nase gefallen.

Deshalb möchte ich alle weiblichen Zeitgenossinnen, denen etwas schwer im Magen liegt – emotional gesehen – dazu ermutigen, diesem so wichtigen Gefühl zu trauen.

Ich plaudere einfach mal selbst aus dem Nähkästchen, denn ich habe in meinem Leben vieles erlebt – Partner die fremdgehen und Dating-Kandidaten, die lügen, waren zuhauf dabei. All diese Dramen waren immer begleitet von einem anfänglich unguten Bauchgefühl.

Aber: so oft habe ich diesem Gefühl eben NICHT vertraut, nur um mich kurze Zeit später der Erkenntnis stellen zu müssen, dass mein „Bauch-Navigator“ tatsächlich richtig lag.

So zum Beispiel beim Thema Fremdgehen – DER Klassiker im Zusammenhang mit dem schlechten Bauchgefühl.

Bei neuer Bekanntschaft meldete sich der Bauch

Ich hatte vor langer Zeit einen Freund, bei dem es schon kurze Zeit, nachdem wir zusammenkamen, heftig in der Magengegend rumpelte. Ich registrierte das, ignorierte es aber komplett. Selbst als das flaue Gefühl sich in manchen Situationen zu einem unangenehmen Zwicken ausweitete, setzte ich weiter unverdrossen darauf, dass ich meinen „Mr. Right“ an der Seite hatte.

Was aber waren das für Situationen, in denen meine Körpermitte rebellierte? Nun – da gab es einige.

Zum Beispiel unser absurdes Anruf-Ritual. Mein damaliger vermeintlicher Mr. Right, Thomas, rief nämlich nur zu einer bestimmten Uhrzeit an. Nicht davor und nicht danach. Und zwar abends halb zehn.

Ich – als damals voll naive Verliebte – dachte mir lange Zeit nichts dabei (schon gar nicht tangierte ich gedanklich das Thema Fremdgehen) und war, die rosarote Brille auf der Nase, froh, wenn er abends anrief. Man muss nämlich dazu sagen, dass tagsüber mit Thomas so gut wie keine Kommunikation ablief, lediglich eine karge „Guten-Morgen“-SMS (Whatsapp gab es damals noch nicht) ließ er mir zukommen.

Immerhin war er der total eingespannte Geschäftsmann und kam zu privatem Kram fast gar nicht. Warum ich seinerzeit nicht früher gesehen habe, dass wir gar nicht zusammen passten – schon von unseren jeweiligen Lebensstilen her nicht – kann ich mir heute auch nicht mehr erklären.

Aber ich war eben auf Wolke 7, total verliebt und pfiff auf das Magendrücken, das sich immer stärker bemerkbar machte.

Auf Bauchgefühl hören lohnt sich!

Hätte ich doch dem Bauchgefühl nur früher meine Aufmerksamkeit geschenkt und mir die vielen Sprüche, die Thomas mir auftischte oder schräge Aktionen, die er brachte, nicht bieten lassen!

So kündigte er sich einmal am späten Nachmittags bei mir an und teilte am Telefon mit, dass er später am Abend – er war zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin – bei mir sein würde, so gegen 22.00 Uhr. Na ja, nicht gerade die ideale Uhrzeit, aber da ich ihn ohnehin so selten sah, den vielbeschäftigten Business-Mann, freute ich mich natürlich.

Ich badete ausgiebig und schmiss mich in raffinierte Unterwäsche und zog mir was Schönes an. Das hätte ich aber ebenso gut auch bleiben lassen können, denn Thomas erschien nicht. Und nicht nur das: er ließ auch telefonisch nicht von sich hören.

Mein Bauchgefühl war eindeutig und so langsam horchte ich mal ausgiebiger in mich rein.

Der Abend verging, es ging auf Mitternacht zu und von Thomas noch immer keine Spur. An seinem Handy meldete sich nur die Mailbox.

Ich pellte mich also aus meinem sexy Outfit und legte mich ins Bett, das Handy auf dem Nachttisch und auf laut gestellt.

Irgendwann rief er tatsächlich an. Da war es gegen 2.00 Uhr in der Nacht. Faselte was von einem Geschäftstermin, der ewig gedauert hat und dass er – ACHTUNG: Bauchgefühl-Alarm! – sein Handy in der Sporttasche seines Geschäftspartners, der ebenso bei dem Termin zugegen war, gelassen (oder vergessen, so genau weiß ich das heute nicht mehr) hatte.

Und diese Sporttasche befand sich im Auto des Geschäftspartners.

Na ja, ich war natürlich bedient, obwohl Thomas sich für den nächsten Morgen ankündigte, zum Frühstück.

Der innere Navigator ist verlässlich

Natürlich sind das alles – im Nachgang gesehen – absolut alberne Spielchen, die nur jemand spielt, der dem Fremdgehen frönt. Und dass er das ausgiebig getan haben musste, bewiesen wenig später meine Nachforschungen, die ich dann – alarmiert durch mein Bauchgefühl – anstellte.

Ich mache es kurz, denn: ich wurde in einer Online-Singlebörse, in der er sich rumtrieb, fündig.

Noch Fragen?

Oder ein anderes Beispiel aus meiner Singlezeit.

Ich hatte jemanden kennengelernt und wir begannen das Übliche: Miteinander ausgehen, sich kennenlernen, irgendwann im Bett landen. Soweit so gut. Als es dann „ernster“ wurde, kam mein Bauchgefühl. Es war ungut. Aber auch in diesem Fall überhörte ich es geflissentlich.

Bis zu einem Abend, als ich mit dem betreffenden Mann zum Telefonieren verabredet war – wir waren zu diesem Zeitpunkt schon in einer ziemlich fortgeschrittenen Kennenlernphase.

Er wollte mich gegen acht anrufen, aber es kam kein Anruf. Mein dumpfes Bauchgrummeln reagierte entsprechend…Ich beließ es aber dabei und ging zu Bett. Als ich aufwachte, hatte ich eine SMS auf dem Handy (nein, es war noch immer kein Whatsapp-Zeitalter) von ihm.

Mit recht krudem Inhalt, der mein schlechtes Bauchgefühl abermals verstärkte. Und zwar rechtfertigte er den nicht getätigten Anruf am Abend zuvor damit, dass er erst den Keller aufgeräumt und sich danach auf die Couch begeben hat. Dort ist er dann eingeschlafen.

Vorahnung bestätigte sich

Mir kam das mehr als spanisch vor! Wenn dieser Typ nur im Ansatz an einer Beziehung mit mir interessiert wäre, schliefe er doch nicht vor einem verabredeten Telefonat auf der Couch ein – oder?! Ich hätte aufgrund der Nachricht gleich die weitere Kennenlernphase kündigen sollen, mein Gefühl war gar nicht gut! Aber wie das eben meist so ist: man (FRAU) denkt ja dann doch oft, dass man vielleicht falsch liegt und lässt es weiterlaufen.

Bis man dann – logisch! – die volle Breitseite abkriegt und doch verliert.

So kam es hier.

Der Typ ließ erstmal ein, zwei Tage gar nichts von sich hören und schickte dann eine dürre Mail mit dem Inhalt, dass „seine Gefühle nicht ausreichen würden“.

Ganz ehrlich: das hätte er mir auch Tage zuvor am Telefon sagen und sich seine vollends blöden Ausreden sparen können.

Mal wieder bereute ich es, nicht auf mein Bauchgefühl gehört zu haben!

Dass aber das sensible Organ nicht nur im Bereich von Mann und Frau, sondern generell im Zwischenmenschlichen funktioniert, bewies dann später das Zerbrechen einer langjährigen Freundschaft zu einer guten Freundin.

Mittlerweile war eine hochpolitische Zeit in Deutschland angebrochen und die Menschen sortieren sich – so ist es bis heute – in zwei Lager.

Viele Leute tun ihre Meinung auf Facebook oder/und im Freundeskreis kund.

Und so bildete auch ich mir meine eigene Meinung zu den aktuellen Geschehnissen, gab dann und wann in den sozialen Netzwerken meine Meinung kund und – zack! – war die Freundschaft hin. Na ja, ganz so rasch ging es nicht, klar.

Auch bei Frauenfreundschaft täuschte das Bauchgefühl nicht

Es fing damit an, dass meine Freundin – sie wohnt relativ weit weg von mir und wir sehen uns nur ein paarmal im Jahr – auf meine Nachrichten (mittlerweile war das Whatsapp-Zeitalter angebrochen) einfach nicht reagierte, obwohl sie sie gelesen hatte.

Ich ahnte, dass es was mit meiner Einstellung zum aktuellen Zeitgeschehen zu tun hatte, mein Bauchgefühl war megaschlecht.

Und als sie sich nach weiteren Nachrichten, die sie gelesen, aber nicht beantwortet hatte, immer noch nicht zuckte, habe ich sie eines Tages kurzerhand angerufen. Bis dahin waren immerhin schon ganz viele Wochen ins Land gekommen, fast ein Vierteljahr!

Volltreffer! Sie sagte mir auf den Kopf zu, dass ihr meine Einstellung zu aktuellen Themen nicht passt. Leider war die Verbindung zum Zeitpunkt des Telefonats sehr schlecht, so dass das Gespräch sehr abgehackt war. Irgendwann war es ganz weg. Ich rief noch einmal an und landete auf der Mailbox.

Hier sprach ich meiner Freundin eine kurze Nachricht auf, mit dem Hinweis, dass sie mich jederzeit anrufen und dass man reden könne. Zwei verschiedene Meinungen sind doch kein Grund, eine über 15jährige Freundschaft zu kündigen!

Dachte ich.

Es war aber leider genau an dem – die besagte Freundin ist mittlerweile meine Exfreundin. Ich hätte also den Anruf schon früher tätigen und Gewissheit haben können. Mein Bauchgefühl lag richtig.

Schlechtes Bauchgefühl? Klarheit schaffen!

Und deshalb mein Tipp an alle, die ein schlechtes Gefühl in der Bauchgegend haben, wenn es um Fremdgehen, Dating oder Verstimmungen in einer Freundschaft geht: meldet sich Ihr schlechtes Bauchgefühl, dann finden Sie den Mut und schaffen Sie für sich Klarheit! Haben Sie das Gefühl, ein Dating-Kandidat lügt Sie haushoch an, dann wird da was dran sein. Haben Sie ganz stark das Gefühl, dass ihr Partner dem Fremdgehen frönt – nun: sie werden sehr wahrscheinlich richtig liegen.

Und wenn sich eine sehr gute Freundin von heute auf morgen nicht mehr meldet oder auf Nachrichten von Ihnen nicht reagiert, obwohl sie sie gelesen hat – auch hier liegt dann ganz höchstwahrscheinlich der Hase im Pfeffer, jede Wette!

Machen Sie also bloß nicht den Fehler und übergehen Sie dieses so wichtige Signal, das Ihnen Ihr Körperorgan zwischen Beinen und Brust übermittelt.

Es hat sich bislang so gut wie immer bewiesen, dass das dumpfe Gefühl im Bauch etwas bedeutet. Viele Frauen, die es übergehen, ärgern sich im Nachgang, nicht schon früher gehandelt zu haben. Ich gehöre auch dazu.

Und selbst wenn sich das „Zweite Gehirn“ zu Unrecht grummelig geäußert hat und alles in Butter ist – na dann: umso besser!

Nur: das ist meist leider nicht so…Mehr rund uns Thema Bauchgefühl finden Sie auch hier.

Bildnachweis: pexels.com

Ein Gastbeitrag von Andrea über eine zerbrochene Jugendliebe.

Als ich Marko (Name geändert) heute zufällig bei meinem Spaziergang durch die Wiesen und Felder nahe meines ländlichen Heimatortes traf, erschrak ich. Ich hätte ihn fast nicht erkannt.

Er sah fahl und eingefallen aus – von Weitem dachte ich noch, da ist ein Opa, der sich da am Zaun seines Grundstücks zu schaffen machte. Mein Spaziergang führte mich nämlich über einen schmalen Pfad, der von der einen Seite von Feldern und einem kleinen Bach begrenzt wurde und auf dessen anderer Seite Zäune die rückwärtigen Seiten der Grundstücke,  die zu imposanten Hof-Anwesen gehörten, markierten.

Vor einem Zaunabschnitt also saß Marko und er erhob sich, als ich näherkam. „Mensch, ich hätte Dich fast gar nicht erkannt“ sagte ich und sah seine traurigen Augen.

Dennoch versuchte er zu lächeln und deutete auf den Zaun, an dem er etwas richtete. „Einer muss es ja machen“ murmelte er. Bevor wir uns weiter unterhalten konnten, sah ich seinen Vater auf ihn zukommen. „Ist der Mann von Ebay schon da?“ fragte Marko ihn. Der Vater – der, das wusste ich, mit Markos Mutter ebenso mit auf dem Hof wohnte – nickte.

„Ich verkaufe jetzt relativ viel, was für die Kinder uninteressant geworden ist. Die Kleine ist 15 und der Große 17, für einiges interessieren die sich einfach nicht mehr, so dass ich nach und nach einiges an Spielzeug und so einen Kram bei Ebay verkaufe. Ich habe schon ein Jugendfahrrad darüber losbekommen, ein Trampolin und der Mann, der jetzt kommt, will den Bollerwagen“.

Ich nickte wissend, da auch ich eine begeisterte Ebay-Ver- und Käuferin bin.

„Na ja – und außerdem, jetzt sind `se ja alle weg“. „Wer ist weg?“ fragte ich, da ich nicht wusste, worauf er hinauswollte.

„Na – meine Frau. Mit den Kindern“ erwiderte er.

„Wie jetzt, ihr habt euch getrennt?“ fragte ich ungläubig? Mir dämmerte, dass ich Monika (Name geändert), seine Frau, tatsächlich schon lange nicht mehr gesehen habe. Hier in der Kleinstadt gibt es in den Sommer- und Herbstmonaten jeden Dienstag so einen Frauen- und Kinder-Treff am Spielplatz, wenn der Bäckerei-Wagen in den Ort kommt (leider hat die letzte Bäckerei hier in der Stadt vorletztes Jahr dicht gemacht und bis heute ist kein einziger Bäcker mehr im Ort).

Dann wird gekauft, geplaudert, die Frauen bringen Kaffee in der Thermoskanne mit und es wird vor Ort schon das eine oder andere leckere Kuchenstückchen verzehrt. Monika habe ich da – wenn ich es mir recht überlegte – vielleicht im Frühsommer das letzte Mal gesehen.

Ich muss dazu sagen, dass ich selbst erst vor Jahren in diese Kleinstadt hier gezogen bin, in der ich jetzt lebe, ich kenne nun wirklich erst wenige Leute. Aber durch diesen dienstäglichen Treff habe ich einige Frauen und ihre Kinder kennengelernt und Marko kenne ich von den Festivitäten, die in der Kleinstadt, in der ich nun zuhause bin, gern und ausgiebig gefeiert werden.

Auch entdeckte ich ihn einmal auf einer Demo gegen eine Kindergartenschließung, die im Ort durchgeführt wurde. Dazumal war so gut wie die ganze Kleinstadt auf den Beinen, egal ob man noch kindergartenpflichtige Kinder hatte oder nicht. Damals hatte ich auch ziemlich lange mit Marko geplaudert und ihn als sympathischen Kerl wahrgenommen.

Als ich im Sommer mal mit meinem Freund an seinem Hof vorbeibummelte und er gerade das Hoftor strich, lud er uns spontan zu einem Glas selbst gemachten Apfelsaft ein. Damals gesellte sich auch Monika dazu und ich habe mir – natürlich nicht! – nie großartig Gedanken über die beiden gemacht.

Sooo gut kannte ich sie ja nun auch nicht.

Aber – dennoch: die Nachricht, die Marko mir da übermittelte, die traf mich doch.

„Na ja, es war eine Jugendliebe, wir sind nach der Schule zusammengekommen, insgesamt waren wir 27 Jahre zusammen“ ließ Marko mich wissen.

Er wirkte, als fiele er bald zusammen. „Tja, sie wollte es so, ist dann ausgezogen mit den Kindern, in die nächste Kleinstadt, in der sie auch arbeitet“.

Ich sah, wie Marko mit den Schultern zuckte, er wirkte so, als ob das soeben Ausgesprochene für ihn immer noch unfassbar war.

„Und nun hänge ich hier, die große Bude und…“

Er brach abrupt ab, aber ich ahnte, was er sagen wollte. „Ich gehe dann mal, der Mann von der Ebay-Anzeige wartet“.

„Mach`s gut, Marko – und komm gern mal bei uns vorbei, wenn Dir die Decke auf den Kopf fällt“ bot ich ihm an.

Er hob schlapp die Hand und ging in Richtung seines Hofes.

Ich schaute ihm nach, wie er mit hängenden Schultern und schleppendem Gang die Wiese entlang schritt, die Trennung von seiner Jugendliebe wahrscheinlich noch immer nicht realisierend.

Und ich fragte mich: „Leiden Männer vielleicht doch mehr, wenn eine Beziehung, die immerhin fast 30 Jahre dauerte und einst eine Jugendliebe war, nach so langer Zeit dann doch zerbricht?“

Ich denke schon…!

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

So langsam werden die Tage wieder kürzer und wer früh raus muss, der bemerkt sie schon: die Herbstkühle, die vor allem in den Morgenstunden präsent ist.

Auch die ersten Blätter verfärben sich und so manche Singleseele ist in nächster Zeit anfällig für trübe Gedanken.

Wenn sich erst Nebel und Regenschleier übers Land legen, neigen vor allem Frauen, die solo sind, dazu melancholisch zu werden. Kein Wunder: kreisen doch dann verstärkt wieder Kuschelbilder von verliebten Paaren am Kamin durchs Netz und so manche Freundin, mit der man in den warmen Monaten am Freisitz „Leute gucken“ konnte, igelt sich mit ihrem Liebsten wieder mehr ein.

Hinzu kommt, dass am Horizont schon die Festtage lauern – für die allermeisten Singles eher keine schöne Zeit.

Damit das trübe Wetter, das höchstwahrscheinlich in Kürze schon anrückt, nicht auch Trübsal in die Seele von Singlefrauen bläst, haben wir drei wirklich funktionierende Tipps zusammengestellt, die dem Herbstblues, entgegen wirken:

  • Starten Sie jetzt Ihr Intensiv-Pflege-Programm! Stöbern Sie in Parfümerien und Drogerien nach neuen Produkten und gönnen Sie sich das eine oder andere neue Produkt. Jede Saison hat ja so ihre Düfte – warum nicht danach Ausschau halten? Es muss ja nicht gleich ein neues Parfüm sein, ein schönes Schaumbad oder ausgefallenes Duschgel ist ebenso sinnvoll. Oder eine tolle Bodylotion. Denn mal ehrlich: gerade in der kälteren Jahreszeit wendet man doch diese Produkte sehr viel intensiver an. Wer legt sich schon bei 35 Grad im Schatten in die Badewanne und kuschelt sich danach stundenlang mit einem guten Buch aufs Sofa? Eben! Meist macht man im Sommer „kurzen Prozess“, duscht sich, spritzt den Lieblingsduft auf die Haut und spaziert zum nächsten Pool oder Straßencafé! Deshalb sind die ersten trüben Tage im Herbst perfekt geeignet, sich auch pflegetechnisch auf die kalte Jahreszeit einzustimmen!
  • Stöbern Sie schon jetzt nach schönen Büchern für die Herbst-/Winterzeit. Gerade im Herbst kommen alljährlich unzählige, neue Buchtitel heraus. Und die dunklen Monate sind nun mal DIE Lesemonate schlechthin! Und – ganz wichtig! -: wer in ein Buch vertieft ist, kann nicht gleichzeitig über sein Singledasein traurig sein!
  • Legen Sie sich ein (neues) Hobby zu – ändern Sie die Perspektive. Warum nicht zur Hobbyfotografin werden? Zum Beispiel. Zeigt sich der Herbst von der goldenen Seite, gibt es mehr als genug schöne Motive!
  • Wellnesstrip buchen – und wenn`s nur für ein paar Tage ist! Entspannt in der Sauna sitzen, wenn draußen die Herbststürme peitschen – was gibt es Schöneres? Gerade deshalb, weil man in den heißen Monaten Sauna- oder Dampfbad-Aktivitäten meist kaum oder nur eingeschränkt nachgeht, kann jetzt wieder in die Vollen gegangen werden! Deshalb: ein (verlängertes) Wochenende mit der guten Freundin in einem Wellness-Hotel tut mehr als gut und vertreibt dunkle Single-Gedanken definitiv! Und wenn nicht, ist ja jemand zum Quatschen da!

Apropos Quatschen: sollte Sie trotz allem mal der Single-Herbst-Blues ereilen, greifen Sie zum Hörer und rufen eine gute Freundin an oder verabreden Sie sich mit ihr!

Und – so ganz nebenbei – darf der Blick in die ein oder andere Singlebörse ruhig riskiert werden, denn: denn Männern gehts im Herbst oft nicht anders!

Nichts nervt Single-Frauen, die sich wieder eine Beziehung wünschen, wohl so sehr, wie die Partnersuche. Es ist seit Jahren bekannt, dass sich diese in den aktuellen Zeiten schwieriger gestaltet, als vor Jahrzehnten noch.

Und das trotz immens gestiegener Möglichkeiten, wie Online-Dating, Date-Veranstaltungen und sozialen Netzwerken, wo sich viele Solisten herumtreiben.

Wer aber als Frau aktiv im Leben steht, einen Job und einen Freundeskreis hat, weiß: die Suche kann nervig werden, vor allem, wenn sie online stattfindet. Und auch offline scheinen sich – trotz diverser Events, die sowohl im Berufs – als auch im Privatleben fast permanent geboten werden – immer weniger Leute zu finden, die eine Partnerschaft eingehen.

Genau eine solche Situation porträtierte am letzten Dienstagabend die ZDF-Doku „37 °“ mit „Sag mir wo die Frauen sind“. Nur dass es sich, wie der Titel schon sagt, in dem Film ausschließlich um Männer handelte, die von ihrer schwierigen Suche nach einer Partnerin berichteten. Zudem waren alle drei Protagonisten aus Ostdeutschland und auf dem Land zuhause.

Bezeichnend: keiner der drei vorgestellten Männer, deren Singledasein in ihrer ländlichen Heimat porträtiert wurde, betreibt Online- oder Speed-Dating. Im Gegenteil: bis auf einen Mann, Uwe, bleiben sie eher passiv in ihren Bemühungen, eine Partnerin zu finden.

Allerdings waren sie ziemlich auskunftsfreudig und beschrieben auf sympathische Weise, welche Vorstellungen sie von einer zukünftigen Partnerin haben. Neben dem schon erwähnten Uwe aus Leuna wurde auch ein Biobauer aus dem Erzgebirge vorgestellt – Stefan. Er hat Haus, Hof und Tiere und hätte es schon gern, dass seine spätere Herzensdame zu ihm auf den Hof ins schöne Sachsen zieht.

Auch Olaf (im Bild), ein weiterer Protagonist aus der Sendung, ist mehr oder weniger ortsgebunden – er betreibt auf der Insel Usedom eine Pferdezucht und bietet in der Saison Ausritte mit seinen Tieren für Touristen an.

Uwe, der bereits schon erwähnte dritte Single, lebt ländlich im mitteldeutschen Leuna und findet ohne Partnerin „alles öde“.

Für die drei porträtierten Singlemänner ist es nicht unbedingt leicht, in ihrem Umfeld eine Partnerin zu finden, da vom dörflichen Raum viele (junge) Frauen in die Stadt abwandern. Und da die Jungs – wie eingangs schon erwähnt – weder in Sachen Online-Dating aktiv werden noch entsprechende Single-Events besuchen, ist ihre Situation wie sie ist.

Doch suchenden Frauen sollte das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, denn: alle drei Männer sind sympathische Typen, bodenständig, ohne Allüren und berufstätig ebenso. Mitten im Leben also – wie die meisten Frauen ab Anfang / Mitte Dreißig aufwärts auch. Die Altersklasse also, die auch in Singlebörsen häufig vertreten ist und so selten fündig wird.

Warum sich also – selbst wenn man (FRAU) in der Stadt lebt – nicht auch im dörflichen Raum nach einem Partner umschauen?

Eigentlich eine gute Idee, wenn nicht die Frage wäre, wie man überhaupt mit solchen Männern in Kontakt kommt? Die Protagonisten aus der Doku bleiben – wie gesagt – passiv und sind demzufolge auch in keiner Online-Singlebörse vertreten.

Man darf davon ausgehen, dass auch viele andere Landsingles so verfahren. Was also tun, wenn doch hier – trotz allem – vielleicht die Chancen, auf einen kernigen Naturtypen, der Single ist, recht gut stehen?

Unser Tipp:

schauen Sie in die (Online)Ausgaben der ländlichen Zeitungen in Ihrer Region. Es gibt kaum ein Wochenende, auf denen auf den Dörfern nicht irgendwas los ist. Vom Frühlings-, Sommer-, Herbst und Winterfest über Osterfeuer und kulinarische Märkte bis hin zu zünftigen Bauernfeten – es wird viel geboten auf dem Lande. Viele Feste werden am jeweiligen Vorabend zudem mit einer Disko-Veranstaltung eingeleitet.

Klar – den städtischen Schick sollte man in einem Festzelt auf dem Land vielleicht nicht erwarten, aber die Chancen stehen hoch, dass man hier auf  Singlemänner trifft. Ebenso wie auf den aufgezählten Festivitäten, bei denen die Dorf-Jungs sich oft auch aktiv einbringen.

Warum also nicht mal vor Ort schauen, was so geht? Klar, eine gewisse Affinität für diesen Schlag Mann sollte FRAU schon mitbringen. Wer mehr auf den durchgestylten Porsche-Fahrer im Designer-Look steht, ist hier fehl am Platz, das ist natürlich fakt.

Wer sich aber nach einem Partner sehnt, der nicht abgehoben und auch Realist ist, eine positive Einstellung zu Natur und Heimat hat und das Herz meist am rechten Fleck, der sollte auf jeden Fall mal einen Blick auf den Dörfern in seiner Umgebung riskieren! Und dann natürlich auch den Mut haben, ein paar Worte zu sagen, ein Gespräch zu beginnen.

Denn: auch echte Kerle vom Land können schüchtern sein. Hier als Frau dezenten den Anfang zu machen, kann sich lohnen!

Wer nun auf die 37°-Doku und die drei beschriebenen Protagonisten neugierig geworden ist, kann diese noch bis 20.08.19 anschauen und zwar hier.

Bildnachweis: © ZDF/Thomas Henk Henkel

Stopfe alle Männer weltweit in einen Sack und schlag’ darauf – das trifft keinen Verkehrten“ sagt meine Freundin Biggi öfter verdrossen, was mich jedes Mal zum Lachen bringt. Eigentlich bin ich ein großer Fan von Männern und mag sie sehr. Ohne sie wäre mein Leben öd und leer verlaufen. Ohne sie hätte ich weniger gelacht, weniger geliebt – und weniger geheult.

Manchmal sind Männer sogar die besseren Frauen.

Sollten Sie selbst dem Schicksal oder einem glücklichen Umstand ein liebevolles, aufmerksames Exemplar dieser Gattung zu verdanken haben, dann meinen herzlichen Glückwunsch. Lesen Sie einfach nicht weiter.

Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, Dinge mit Humor zu nehmen, andernfalls säße ich jetzt immer noch inmitten eines Bergs aus vollgeweinten Taschentüchern.

Männer sind sehr oft wesentlich geradliniger als Frauen, meistens ehrlich, gelegentlich liebevoll, aber selten so richtig aufmerksam. „Warum der Straßenbahn nachlaufen, wenn man drin sitzt“, denken vermutlich einige von ihnen. Andere sind einfach nur stinkend faul. Und die dritte Sorte stellt sich blöd und hofft, dass Sie es nicht merken.

In meiner langjährigen beruflichen Laufbahn war es unkomplizierter, mit Männern zusammenzuarbeiten als mit meinen Geschlechtsgenossinnen.

Die Damen formierten sich nämlich häufig, sobald sie in der Mehrzahl waren, zu einer Art Hyänenrudel auf Stöckelschuhen, das sich irgend eine andere bedauernswerte Frau herauspickte, um anschließend mit dem Absatz ihrer Pumps mal so richtig draufzuhauen und ihr das Leben zur Hölle zu machen.

Mit Männern gab es hingegen selten Probleme.

Diese wurden im sachlichen Gespräch gelöst, Privates meist außen vor gelassen, und an Feierabend ging man seiner Wege und telefonierte nicht noch mit Uschi von der Buchhaltung eine Stunde, um Olga vom Empfang durch den Kakao zu ziehen, weil die schon wieder ein Oberteil anhatte, in dem ihr Busen beinahe aus dem Ausschnitt plumpste.

Vergessen Sie alle amerikanischen Serien und romantische Komödien. Ich mag diese Sorte Unterhaltung gern, aber die Ehemänner oder Lebensgefährten in solchen Produktionen entspringen der Phantasie eines Drehbuchschreibers, und Sie können vermutlich lange suchen, bis Ihnen solch ein Exemplar im richtigen Leben vor die Füße stolpert.

Hat man erst den Mann fürs Leben oder einen Teil davon gefunden, weichen irgendwann, spätestens nach 36 Monaten, wenn die Körperchemie nachlässt, die Schmetterlinge im Bauch den Raupen im Reizdarm. Der erste Zauber ist verflogen, vielleicht habe ich schon für ihn Wäsche gewaschen oder er für mich, er hat mich zur Darmspiegelung gefahren, weiß, wie ich aussehe, wenn ich Zahnweh habe oder morgens aufwache und mir ein Speichelfaden im Mundwinkel hängt. Da muss man durch.

„Fürs ganze Leben“ ist eine lange Zeit. Darum sollten wir keine Minute damit verschwenden, Männern kleine verbale Brocken hinzuwerfen, aus denen sie sich eine komplette Information basteln sollen und dann beleidigt bocken, wenn sie fragen: „Beate, was haste denn? Hab ich was falsch gemacht?“

Unsere Antwort lautet nämlich leider viel zu häufig: „Nix ist. Du interessierst dich doch ohnehin nicht für mich, sonst würdest du wissen, was ich meine.“

Männer brauchen Gebrauchsanleitungen. Dieser Satz ist keine.

Wenn ich für jedes Mal, wo ich den Satz „Mein Mann/Freund versteht mich nicht“ Geld bekommen hätte, dann würde ich diese Zeilen jetzt einem attraktiven Assistenten diktieren und müsste nicht selbst tippen. Aber zuerst einmal die gute Nachricht: Ihr Mann/Freund versteht Sie wirklich nicht. Der kann nichts dafür.

Stellen Sie sich vor, Sie stünden am Hauptbahnhof von Hamburg und blicken von oben auf ein weit verzweigtes Schienennetz herab. Es wird Ihnen schon zum Zuschauen schwindlig, wie viele Güterwaggons, Elektroloks und Passierzüge unterwegs sind, elegant Weichen ansteuern und dann ihren Zielort anfahren. Das sind Sie und Ihr Gehirn.

Und jetzt betrachten wir von einer Fußgängerbrücke aus ein einzelnes verlorenes kahles Gleis, das von Hinter-Pfuiteufel nach Weißnicht-Wohin führt: eine einzige kerzengerade und blankpolierte Schiene, die sich am Horizont verliert.

Das ist ein durchschnittliches Männer-Gehirn.

Während auf Ihrem eigenen Bahnhof ständig im Nanosekundentakt Züge rangieren und ein einzelner geschickter Streckenwärter alles so regelt, dass Sie ohne weiteres gleichzeitig zu mannigfaltigen komplexen sozialen Interaktionen in der Lage sind, fährt dieser eine Zug im Männergehirn gemütlich von A nach B. Immer schön geradeaus.

Wenn Sie von einem Mann etwas wollen, dann malen Sie ein riesiges Schild in Leuchtfarben und hauen es genau an der Strecke entlang in den Boden neben das Gleis.

Besorgen Sie sich zusätzlich einen Zaunpfahl und winken Sie damit, so dass er Sie nicht übersehen kann.

Rufen Sie sich nochmal das einzelne Gleis in Erinnerung.

Wenn Sie zum Beispiel ganz nebenbei sagen: „Oh, ich liebe Rosen“ und damit meinen „Du Mistkerl hast mir schon ewig keine Blumen mehr mitgebracht, das war’s dann mit der Liebe“, ist das für den Mann lediglich die Information, dass Sie diese Blumensorte mögen. Der versteht nicht, warum Sie sauer sind.

Auf der Seite „Medizinauskunft“ habe ich die interessante Information entdeckt, dass Frauen empathisch, also einfühlsam, und Männer systematisch, also in Schemata denken. Das entspricht voll und ganz meinen eigenen Erfahrungen.

Vom neurobiologischen Standpunkt her vermuten Wissenschaftler den Testosteronspiegel der Männer als Teil der Erklärung. Diese Ausrede lasse ich gelten.

Im Januar 1995 untersuchte Ruben Gur, Neurologe an der University von Pennsylvania, die Hirnfunktion von 24 Frauen und 37 Männern. Es stellte sich am Ende des Vorgangs heraus, dass bei Männern sogar in der Ruhephase des Gehirns ein Teil  im Schläfenlappen aktiv ist, der dem limbischen System angehört und sehr alt ist, denn er wird dem sogenannten „Reptiliengehirn“ zugerechnet, das kreatürliche Vorgänge wie Essen, Reproduktion, Flucht oder Zornesausbrüche steuert.

Haben Sie sich noch nie gedacht: „Männer wollen irgendwie immer nur das Eine“?

Sehen Sie: darum.

Bei den meisten Frauen hingegen waren während des Tests Neuronen in einem Bestandteil der Großhirnrinde aktiv. Die Großhirnrinde ist ein relativ neues Produkt der Evolution, lange nicht so alt wie das Reptiliengehirn. Vermutlich wurde die extra für uns Frauen gebaut. Sie ist zuständig für komplexere Fähigkeiten, die innerhalb einer Zivilisation nötig und förderlich sind.

Während ich also mit einem Kleinkind auf dem Arm immer noch imstande bin, die Suppe auf dem Herd umzurühren, das große Kind davon abzuhalten, das mittlere mit einem Brotmesser zu zersägen und gleichzeitig mit meiner Freundin am Telefon einen Termin für ein Kaffeekränzchen vereinbare, läuft das bei den meisten Männern etwas anders ab.

Vielleicht gibt es ja Herren der Schöpfung, die mit ihrem Freund telefonieren und sich währenddessen die Schuhe zubinden, aber sehr viele können das meiner Erfahrung nach nicht sein.

Steht ein Mann am Herd und kocht, dann unterbrechen Sie ihn besser nicht oder wählen am besten vorsorglich die Nummer der Notrufzentrale, denn er kann nicht gleichzeitig Zwiebeln schneiden, Fleisch anbraten und Ihnen dann auch noch erklären, wo er vorhin die Dreckwäsche vom Eishockey hingeworfen hat. Sein Zug fährt geradeaus. Von A nach B. Keine Haltestelle. Gar keine.

Ihr Mann möchte Sie sicher gern begreifen, aber so ist sein Gehirn nicht programmiert. Vergessen Sie nicht: Frauen denken empathisch, Männer schematisch. Das bedeutet im Klartext: stark vereinfacht, auf das Wesentliche konzentriert.

Also machen Sie es ihm so leicht wie möglich, Sie zu verstehen. Der steht nämlich inmitten Ihres riesigen Bahnhofs zwischen ein paar Gleisen und ist vollauf damit beschäftigt, Ihren rasend schnellen Dieselloks (oder Vorwürfen) auszuweichen, die hin- und her rangieren. Er ist vollauf damit beschäftigt, die Diskussion mit Ihnen heil zu überstehen. Auf viel mehr kann er sich nicht konzentrieren.

„Du hast am 23. April 2007 um 19:45 zu mir gesagt, ich hätte zugenommen, Günter. Seitdem mache ich eine Diät an der anderen. Und jetzt kommst du tatsächlich daher und willst Pizza essen gehen? Das machst du doch mit Absicht, damit du hinterher wieder sagen kannst, ich sei fett. Hattest wohl gedacht, dass ich das vergesse, was?“

Tja, Günter dachte das tatsächlich. Er hat’s nämlich schon längst wieder vergessen, weiß nicht, was er mit seiner harmlosen Frage anrichtet, und dass er damit eine Assoziationskette in Ihrem Gehirn in Gang setzt, die ihn aus den Schuhen hauen wird.

Also machen Sie es ihm einfach. Denken Sie an das Schema, was „vereinfacht“ bedeutet. Kaufen Sie sich notfalls einen großen Hammer und verleihen Ihrer Bitte/Forderung mit einem Schlag auf seine Zehen Nachdruck. Das wird er sich merken, denn auch Männer sind zu kognitiven Prozessen imstande. Sagen Sie ihm, was Sie wollen. Wenn möglich, sagen Sie ihm auch, wann Sie es wollen. Und wie.

Aber leider muss ich Ihnen abschließend gestehen: Wenn Sie mit Ihrem Herzblatt eine Unterhaltung über Gefühle führen möchten, müssen Sie selbst sehen, wie Sie klarkommen. Dafür habe ich bis heute kein Patentrezept gefunden. Die Gefühlregion liegt bei denen in einem Bereich, der nur mit Spezialausrüstung oder Gehirnsonden zugänglich ist. Vielleicht werden Sie ja im Outdoor-Shop fündig.

Also, versuchen Sie es ganz einfach mal. Schlucken Sie Ihren Stolz und Ihre romantischen Vorstellungen von einem Mann, der Ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, herunter und teilen Sie Ihrem Herzblatt mit, was Sie möchten.

Schlimmer kann’s ja nicht werden.

Augenzwinkernde Grüße,

Ihre Barbara Edelmann

Erinnert sich noch jemand an das Prä-Handy-Zeitalter? Diese dunkle Ära ohne Tinder, Snapchat, Facebook oder Online-Singlebösen?

Jedes Wochenende hieß es: ab auf die Piste. Man wühlte sich durch den Kleiderschrank, zwängte sich in ein Kleid, in dem man gerade noch atmen konnte, quälte sich in schwindelerregend hohe Pumps, schminkte sich mit der Akribie einer Visagistin und stöckelte dann durch die Nacht zur nächsten Disko oder einem anderen Etablissement,  um dort die Beine für mehrere Stunden dekorativ um einen Barhocker zu knoten. Immer schön lächeln, Bauch rein, Brust raus.

Manchmal hatte man Glück, meistens aber nicht, und musste alles am nächsten Samstag wiederholen. Oder unter der Woche, wenn man eine harte Natur mit Durchhaltevermögen war. Oft wurde man nur von den üblichen Verdächtigen angelallt („Du schiesch aber gut ausch, kommsch du mit schu mir?“), und manchmal ging der Kontakt zu einem sympathisch wirkenden Fremden nicht über ein Lächeln hinaus.

Ich hatte es beim Flirten besonders schwer. Zwar trug ich Kleidergröße 36 und C-Körbchen, aber so gut wie nie meine dringend nötige Brille, weil ich dachte, die würde mich entstellen. Das sorgte öfter für Irritationen, denn ich hätte nicht mal Brad Pitt erkannt, wenn der mir zugezwinkert hätte und war darauf angewiesen, dass der „Interessent“ sich auf den Weg zu mir machte und mich ansprach, so dass ich ihn sehen konnte.

Es gab keine Garantie, jemanden kennenzulernen, außer man bevorzugte den analogen Vorläufer der Online-Singlebörsen: das gute alte Heiratsinstitut.

Etwas einfacher hatten es Ladies, die nur auf einen One-Night-Stand aus waren. Die brauchten nur lange genug am Tresen sitzenzubleiben und wurden garantiert kurz vor der Sperrstunde von jemandem abgeholt.

Aber alle Mädels, die ich kannte, suchten einen Mann, der etwas länger durchhielt als 20 Minuten.

Tipps, wo man Männer kennenlernen konnte, kriegte man genug. „Geh zur Tankstelle am Samstagvormittag“ raunte meine Freundin Susi. „Wenn du lange genug wartest, braucht mal einer Benzin, der gut aussieht.“ „Am Donnerstagabend im Supermarkt kommen die ganzen Singles“ verriet mir eine andere Freundin. „Ist fast wie ein Heiratsmarkt. Kauf’ aber nicht zu viel ein, sonst wirkst du verfressen. Das mag keiner.“

Eine dritte schickte mich zum Baumarkt, ihren Worten zufolge ein todsicherer Tipp, denn jeder echte Mann brauchte angeblich irgendwann was zum Hämmern.

Ich traf dort leider nur Bekloppte.

Lachte einem das Glück dann doch einmal, und man knüpfte einen Kontakt, dann wurde es anstrengend, denn die Bitte um ein Rendezvous folgte auf dem Fuße. Das erste Date war immens wichtig. Immerhin entschied es über den Fortgang der Bekanntschaft.

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als ich diesen geheimnisvoll wirkenden attraktiven Architekten in einer Pilsbar traf.

Detlef behauptete, er sei auf der Suche nach einer Frau, mit der er wandern, segeln, Tennis spielen oder bergsteigen könne und sah aus wie Sir Sean Connery, nur jünger und ohne Lizenz zum Töten. „Wandern, Bergsteigen, Segeln, Tennis? Ist ja toll, das mag ich alles auch!“ antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. Eine Notlüge war nämlich keine Sünde, hatte meine Oma mir beigebracht.

Dabei war ich schon zu dieser Zeit vom Typ her ein Vorläufer des klassischen Netflix-Abonnenten, wenngleich mit einem Röhrenfernseher und VHS-Band statt Breitband. Genaugenommen habe ich sogar das sogenannte „Binge-Watching“ – also fernsehen, bis der Arzt kommt – erfunden.

Gesegelt war ich noch nie, kannte aber ein paar Seemannslieder und war schon mal mit dem Kajak gepaddelt. Die Vorliebe für diese Wassersportart endete, als ich mich an einer sehr niedrigen Brücke, unter der ich wegen eventueller Spinnen auf gar keinen Fall durch wollte, mit dem Paddel am Mauerwerk abstützte, umkippte und ins Wasser fiel.

Badminton hieß damals noch „Federball“. Das konnte ich, obwohl ich schnell aus der Puste kam. Ich traute mir ohne weiteres zu, im weißen Dress auf dem Tennisplatz ein paar Bälle ins Netz zu schlagen und dabei gut auszusehen.

Und ich wanderte zur Genüge – dreimal in der Woche mit 10 Zentimeter hohen Absätzen zu meiner Lieblings-Pilsbar. Das zählte auf jeden Fall.

Ein wenig gruselte mich vor dem Bergsteigen, denn da hatte ich keinerlei praktische Erfahrung, war aber sicher, am Fuße jeder größeren Erhebung in Deutschland einen Sessellift vorzufinden. Unser Treffen sollte in einem Café stattfinden. Mitten im Wald. Also borgte ich mir ein knallgelbes Rennrad, kaufte mir einen farblich passenden Trainingsanzug plus Stirnband und strampelte los. Ich würde mit wehendem blonden Haar zum Treffpunkt radeln, geschmeidig abspringen und einen dynamischen Eindruck machen.

An „sportlich“ sollte es nicht scheitern. Nicht, wenn es nach mir ging.

Frohgemut arbeitete ich mich auf einem schmalen Weg an Fichtenschonungen vorbei durch den Forst. Der neue Trainingsanzug saß perfekt, das Make-Up war beinahe unsichtbar. Ich sah aus wie Farrah Fawcett für Arme. Ein Engel für Detlef. Der war immerhin Architekt, ich kann’s nicht oft genug wiederholen, charmant, solvent und intelligent.

Dafür wäre ich seinerzeit ziemlich weit geradelt. Das Café lag 4 Kilometer entfernt. Da ich mich nicht nur im Prä-Handy-Zeitalter sondern auch im Prä-Navigations-Zeitalter befand, verirrte ich mich erwartungsgemäß.

Eine Gabelung passierte ich insgesamt dreimal, bis mir dämmerte, dass ich auf dem Holzweg, äh… Waldweg war. Dann überfuhr ich in meiner mittlerweile panischen Hektik eine Wurzel und fiel samt dem geliehenen Rennrad in den Matsch, denn am Vortag hatte es geregnet.

Eine Stunde zu spät erreichte ich endlich das Café. Mittlerweile sah ich aus wie Rambo in Teil 1 gegen Ende des Films. Das Stirnband war mir auf die Nase gerutscht,  sämtlicher Stoff bis zu den Knien mit Schlamm durchtränkt, und eine Schramme am Schienbein hatte ich mir außerdem zugezogen. Humpelnd schob ich mein Rad auf den Parkplatz, denn einige Speichen waren verbogen.

Sportlich wirkte ich nicht. Eher verzweifelt.

Detlef wartete entspannt auf der Terrasse an einem Tisch auf mich. Der war trotz vollmundiger Ankündigung mit dem Auto gekommen. Ich bin so ein Depp.

Übrigens gab es nie ein zweites Mal. Das lag nicht an mir, es lag an ihm, denn als mich zerrupft und gedemütigt, mit Flecken im Gesicht, atemlos auf einen Stuhl plumpsen ließ, hatte Detlef ebenfalls rote Wangen, allerdings von einer tödlichen Mischung aus Beerenwein mit besonders hoher Klopfzahl und Jägermeister. All die Mühe umsonst. War ja nicht mein erstes Mal.

Heutzutage läuft das anders. Computer oder Tablet an:

  • Klick – oh, Brille, nö danke.
  • Klick – oh weia, Warze auf der Nase. Mag ich nicht.
  • Klick – nicht schlecht, aber der hat ja gar keinen Sixpack. Ich wollte doch einen Kerl, der aussieht wie Jason Statham.
  • Klick – Vollbart? Äh…nein. Da hängt vielleicht noch Essen drin.
  • Klick – ach, der ist ja kleiner als ich.
  • Klick – oh, der wohnt eine Stadt weiter. Nö, keine Lust auf die Fahrerei.
  • Und so weiter.

Internet-Singlebörsen ähneln meiner Meinung nach einer Rasterfahndung des BKA. Ich gebe ein, was ich gerne hätte und warte dann darauf, was der Algorithmus ausspuckt.

So viel Glück hatten wir damals wie gesagt nicht. Wir mussten den Herren der Schöpfung die Würmer aus der Nase ziehen – lange und mühsam. Oder einen Privat-Detektiv beauftragen.

Und trotzdem waren wir auf der sicheren Seite, weil wir keine nachbearbeiteten Profilbilder kennenlernten sondern die nackte Wahrheit. Wir wühlten uns nicht durch eine Art virtuellen Versandhauskatalog mit geschönten Fotos, sondern waren live zugeschaltet. Zur Verfügung hatten wir nur „eingebaute Dashcams“ – unsere Augen  und unseren Instinkt.

Gemogelt werden konnte bei dieser Methode nicht viel. Sie hatte der heutigen einiges voraus.

Angelogen wurden wir natürlich genauso, was den Beziehungsstatus  oder finanzielle Verhältnisse anging. Aber Männer mussten einem ins Gesicht sagen: „Es ist kompliziert“ und dabei verlegen von einem Fuß auf den anderen tappen, anstatt es im Facebook-Status einzutragen. Und wir Frauen konnten beim ersten Augenschein schon mit scharfem Blick erkennen, dass ein Streifen am Ringfinger blasser war als der Rest der Haut. Also verheiratet, frisch geschieden oder Ehering in der Hosentasche. Die Welt ist schlecht.

Es war nicht ganz so leicht damals, sich als jemand anderer auszugeben, um uns  Frauen zu täuschen. Und zu enttäuschen.

Viel hat sich seither geändert. Gleich geblieben ist aber eins: das verflixte erste Date. Da müssen wir durch. Aber: Anstatt hektisch im Kleiderschrank zu wühlen, sollten wir uns vor Augen führen, dass ein essenzielles Accessoire für so ein Stelldichein nicht das Kleid oder die hohen Schuhe sind.

Nein – das wichtigste Zubehör kostet keinen Cent und ist für jeden erschwinglich – es heißt „Selbstbewusstsein“. Sie können es unauffällig in die Handtasche stecken oder um den Hals tragen, es sich ins Haar flechten oder im Brillenbügel verstecken – Hauptsache, Sie haben es dabei.

Der schönste Gucci-Dress wirkt nämlich nicht, wenn er an hängenden Schultern ins Lokal getragen wird. Die engste Armani-Jeans erfüllt nicht ihren Zweck, wenn sie an unsicheren Beinen klebt. Kopf hoch. Brust raus. Blick gerade aus. Kostet gar nichts.

Seien Sie in jeder Sekunde Sie selbst. Verstellen Sie sich nicht. Es liegt zur Hälfte an Ihnen, ob es ein zweites Date gibt. Oder ein drittes. Seien Sie authentisch!

Behaupten Sie zum Beispiel bitte nicht, Eishockey-Fan zu sein, nur weil Ihre neue Flamme von Wayne Gretzky schwärmt. Sonst sitzen Sie am Ende einmal wöchentlich in einer zugigen Halle und verkühlen sich die Eierstöcke. Wenn Sie Fußball bescheuert finden außer dem Teil, wo die Spieler das Trikot tauschen, geben Sie es zu. Wenn für Sie Kochen vom Beliebtheitsgrad her gleich nach Darmspiegelung kommt, nur immer raus mit der Wahrheit. Vielleicht erwischen Sie ja mit viel Glück einen, der gerne kocht.

Es ist vollkommen normal, dass man sich so gut wie möglich darstellen möchte. Aber das tun Sie mit einem aus dem Herzen kommenden ehrlichen Lachen besser als mit einem gekünstelten „Oh, von ‚Hostel’ finde ich alle Teile absolut super!“.

Selber schuld, wenn Sie künftig jeden neuen Horror-Film mit vor die Augen geschlagenen Händen im Kino genießen dürfen bis ans Ende Ihrer Tage, obwohl Sie eigentlich auf romantische Komödien stehen und kein Blut sehen können.

Seien Sie ehrlich. Beschönigen Sie nicht. Verbiegen Sie sich nicht. Kichern Sie nicht über Witze, die Sie dämlich finden, sonst bekommen Sie die bis an Ihr Lebensende zu hören. Womöglich immer denselben.

Es ist verständlich, dass man den Mann, den man soeben  kennengelernt hat, beeindrucken möchte. Aber das erreicht man nicht mit dem Vorspiegeln falscher Tatsachen. Sie sind doch eine gestandene Frau, attraktiv (Jede Frau ist auf ihre Art und Weise wunderschön!), intelligent, tüchtig und von sich selbst überzeugt.

Stellen Sie sich einfach vor, wir wären alle wirklich erbarmungslos ehrlich beim ersten Date. Man lernt jemanden kennen, landet in der Kiste, heiratet und bekommt Kinder. Irgendwann sitzt man  dann ungeschminkt in der Jogginghose auf der Couch und löffelt Instant-Nudeln aus der Tupperschüssel, während Heinz-Rüdiger mit seinen Kegelfreunden auf Malle eine Auszeit nimmt.

Es würde frischen Wind an die Front bringen, kämen wir gleich in den Klamotten zur Verabredung, die wir gedenken, nach Abflauen der Körperchemie in spätestens 36 Monaten, zu tragen. Wenn Sie wirklich ernsthaft glauben, dass Sie nach vier oder fünf Jahren noch jeden Morgen in Pumps und ein Etuikleid schlüpfen, um ihm Frühstück zu machen, dann haben Sie eine blühende Phantasie.

Ein ehrliches Rendezvous würde vielleicht so aussehen: Heinz-Rüdiger sitzt in seiner Schlabber-Jeans mit dem alten AC/DC-Shirt brummig vor einem Bier, und Sie kommen ungeschminkt und mit dem schlimmsten PMS seit 20 Jahren in Ihren Jazz-Pants, mit denen Sie sich während Ihrer Netflix-Abende am liebsten auf der Couch lümmeln. Da weiß jeder gleich, was ihn erwartet.

Gut – Illusionen, die gelegentlich das Schönste an einer neuen Liebe sind, gehen dabei flöten, aber die Wahrheit ist auch nicht übel. Denn die kommt irgendwann ohnehin.

Die Schmetterlinge im Bauch werden sich im Laufe der Zeit verpuppen und zu Raupen entwickeln, welche Ihnen an miesen Tagen über die Leber kriechen. Ja, sogar mit Heinz-Rüdiger, der jetzt noch so nett lächelt und Ihnen Komplimente macht. Sie werden sich aufregen, weil er zum Fußball mit seinen Freunden möchte, obwohl er Ihnen versprochen hat, die Oma zu besuchen. Er wird sich ärgern, dass Sie wieder Kopfweh haben oder schlapp und gereizt sind. Ich sage doch: Raupen. Nix Schmetterlinge.

Außer „Schatzi“ werden Ihnen im Lauf der Zeit noch eine Menge anderer Bezeichnungen für Heinz-Rüdiger einfallen. Ihm aber auch. Machen wir uns nichts vor.

Warum also beim ersten Treffen nicht ehrlich sein? Sie müssen ja nicht ungeschminkt im Trainingsanzug, ihren Jutebeutel hinter sich her schleifend, im Lokal aufschlagen. Nein – machen Sie sich hübsch wie immer. Aber bleiben Sie in jedem Moment Sie selbst. Das lohnt sich. Egal, wie Sie sind: resolut, besitzergreifend, ängstlich, schüchtern, neurotisch – verstellen Sie sich bitte nicht. Sie tun sich keinen Gefallen.

Wissen Sie, was die meisten Männer an Frauen faszinierend finden? Selbstbewusstsein. Ich habe nachgefragt.

Und dazu brauchen Sie weder Prada noch Escada, sondern nur sich selbst – die menschliche Wundertüte mit all den Special Effekts wie spontanen Wutausbrüchen, Marathon-Telefonaten mit der besten Freundin, Fress-Attacken, PMS, fliegenden Tellern, Schimpftiraden oder unseren Schuh-Tick, auf die Heinz-Rüdiger sich noch freuen darf. Denn Sie sind wirklich eine Wundertüte. Sie sind einmalig, einzigartig, etwas ganz Besonderes. Vergessen Sie das bitte nie.

Ist das nicht faszinierend, wie leicht es sein könnte? Wenn Ihr Lächeln von Herzen kommt, wenn Sie ihre eigenen Ansichten selbstsicher vertreten, wenn Sie wissen, was Sie wollen und was Sie auf gar keinen Fall wollen, dann ist das besser als jeder Online-Algorithmus. Da können Facebook oder Tinder nicht mithalten.

Es ist gar nicht schwer. Sie sind es sich auf jeden Fall wert, denn es gibt Sie genau ein einziges Mal auf dieser Welt.

Denken Sie daran, dass Sie ein Unikat sind, außergewöhnlich und besonders. Und dass sie jemanden verdient haben, der das Komplettpaket nimmt. Weil Sie es sich wert sind. Ich wünsche Ihnen eine herrliche Woche und verbleibe mit augenzwinkernden Grüßen

Ihre Barbara Edelmann