Beiträge

Schöne neue Welt

Telefone mit Wählscheibe und Landkarten statt Navigationssysteme – viele Menschen können sich gar nicht mehr vorstellen, wie es einst zuging und junge Leute kennen all das sowieso nicht mehr. Schöne neue Welt eben – so auch der Titel der aktuellen Kolumne von Barbara Edelmann, die die modernen Errungenschaften mit einem Augenzwinkern aufs Korn nimmt:

„Wer lange fragt, geht lange irr“, pflegte meine Mutter zu sagen. Das sollte bedeuten, dass, wenn man zu viele verschiedene Menschen fragt, man vermutlich mehrere falsche Antworten bekommt und sich verzettelt.

Heute, im Informationszeitalter, war es noch nie so einfach, viele verschiedene Menschen zu fragen und viele unterschiedliche Antworten zu bekommen. Googeln Sie versuchshalber einfach ein durchschnittliches Krankheitssymptom wie zum Beispiel „erhöhte Temperatur“ und lernen Sie anschließend das Fürchten, denn vom irreparablen Motorschaden bis zur unentdeckten Tropenkrankheit, bei der einem am Schluss die Ohren abfallen, kann das wirklich alles sein. Und es steht da wie in Stein gemeißelt.

„Die Leute kommen mit einer fertigen Diagnose aus dem Internet zu mir“ seufzte mein Hausarzt frustriert. „Und sie lassen sich nicht umstimmen, dass es doch nicht die Beulenpest ist. Es ist viel schwieriger geworden, denn die Patienten sind nicht informiert, sondern irritiert.“

Vieles hat sich seit damals verändert, und wir sitzen mittlerweile auf einem Tiger, von dem man nicht mehr abspringen kann, ohne die Orientierung zu verlieren. Dabeisein ist schließlich alles.

Wieviele Eltern grübeln in dieser Sekunde, was ihr Kind am Computer grade tut? Sieht es sich bei Youtube Bugs-Bunny-Videos an, oder surft es auf einer Pornoseite, wo ihm Inhalte vermittelt werden könnten, die seine sexuelle Entwicklung nachhaltig schädigen?

In diesem riesigen virtuellen Sumpf blühen zum Teil schlimme Dinge unter der Oberfläche, grausige Blüten, gefüllt mit Hass, perfide Auswüchse des menschlichen Geistes, die der seelischen Gesundheit von Heranwachsenden und auch Erwachsenen nachgerade abträglich sind.

Das World Wide Web – dieser riesengroße digitale Bauchladen für die Menschheit, es wächst und wächst exponentiell. In ihm bekommen Sie heutzutage jede Information, die Sie möchten, ob es sich um eine weltweit nur von 7 Menschen ausgeübte Sexpraktik oder die Anleitung zum Bau einer Bombe handelt, ist egal.

Durch die rasende Geschwindigkeit dieser Entwicklung sind einige unserer Mitmenschen massiv überfordert. Immerwährende Erreichbarkeit und allezeit verfügbare Informationen haben einen hohen Preis. Wer dem Ganzen skeptisch oder unwissend gegenübersteht, wird mitgeschleift oder bleibt zurück.

Erinnert sich noch jemand an Autos ohne Navigationsgerät? Eins weiß ich sicher: Mit dem guten alten Shell-Atlas wäre es nicht passiert, versehentlich in ein Flussbett zu fahren. Der sagte nicht: „Halten Sie sich rechts.“ Den klappte man auf, suchte seine Route und fuhr dann los. Obwohl ich offengestanden nicht wirklich nachvollziehen kann, wie man mit den Augen auf der Straße und beiden Händen am Lenkrad in einen Fluss fahren kann.

Mittlerweile lese ich aber leider öfter die Schlagzeile: „Im Fluss/Bach/auf Eisenbahnschienen gelandet – Autofahrer folgte seinem Navi“. Selber schuld.

„Wieso gibst du deine Adresse als Zielpunkt ein?“ fragte ich neulich einen Freund. „Du wohnst da bereits 10 Jahre und kennst den Weg dorthin immer noch nicht?“

Das konnte er mir nicht beantworten. Er braucht vermutlich das Gefühl, dass ihm jemand sagt, was er zu tun hat. Ich fahre übrigens immer noch ohne, weil ich es hasse, wenn mir beim Fahren jemand dreinredet. Und wo ich wohne, weiß ich.

„Aktivieren Sie die Ortungsdienste, um unseren Service besser zu nützen“ fordern mich diverse Apps bei ihrer Installation auf. Sogar mein digitales Kochbuch möchte gerne wissen, wo ich mich herumtreibe. Kommt nicht in Frage.

Erinnert sich einer von Ihnen an Telefone mit Wählscheiben ohne Stimmwahl? An elektrische Tischrechner?  An Röhrenfernseher oder Musik-Kassetten? Nicht zurückgespulte Videobänder, für die man zur Strafe in der Videothek 2 Mark bezahlen musste? Unsere technische Entwicklung hat nicht FortSCHRITTE gemacht, sondern riesige Hüpfer. Und alle hüpfen mit.

Die Kehrseiten der Medaille ist ziemlich düster, denn alles, das mir nützlich sein sollte, oder der Unterhaltung dient, kann mich auch überwachen: mein Smart-TV, mein Handy, meine Fitness-Uhr.

Ich erinnere mich an die Proteste gegen die Volkszählung 1987. Sogar eine Verfassungsklage wurde damals eingereicht. Leute gingen entrüstet gegen die Erhebung ihrer Daten auf die Straße. Lang ist es her.

Heute sagen wir: „Hey, Alexa, bestell mir mal eine Flasche Waschmittel, aber such ein Sonderangebot heraus. Weißt ja, was ich gerne mag.“

Ich selbst würde mir eher die Hände abhacken lassen, als so ein Ding ins Wohnzimmer zu stellen. Meine Nachbarin kriegt schon genügend mit. Mehr unfreiwillige Lauscher brauche ich nicht.

Mein Internetprovider seit dem Jahr 2000 (Ich bin eine treue Seele…), teilte mir kürzlich mit, dass er künftig im Zusammenhang mit der Firma Blabla meine Email-Korrespondenz analysieren werde. Nichts, wirklich nichts ist mehr privat. Gewöhnen Sie sich dran.

Die schöne neue Welt frisst gerade ihre Kinder. Sie tut das rasend schnell. Und die meisten Kinder klatschen entzückt.

Irgendwie ist alles inflationär geworden: Fotos, Musik, sogar das geschriebene Wort. Es gibt Self-Publishing und Instagram. Wenn ich wollte, könnte ich meine Einkaufslisten der letzten vier Jahre bei Amazon veröffentlichen, vielleicht mit dem wohlklingenden Titel „Hagelschaden“. Na und? Endlich ein Buch von mir. Wer schreibt, der bleibt. Und „bleiben“ möchten wir doch alle, oder?

Millionen von Selbstdarstellern. Millionen von Menschen, die so gern besonders sein möchten, sich von der Masse abheben. Und doch darin untergehen. Ich finde das sehr traurig.

Wir haben das Internetzeitalter, meine Damen und Herren. Jeder Depp kann auf einer selbstgebastelten Plattform seinen Senf veröffentlichen. Es wird gebloggt und getwittert, Schauspielerinnen fotografieren sich beim Zahnarzt oder in pikanten Situationen und zeigen Millionen ihre Zahnlücke oder Körperstellen, die ich nie kennenlernen wollte. Scham ist hinderlich in der schönen neuen Welt. Mit Scham wird man nicht berühmt. Um sich heutzutage aus der Masse hervorzuheben, muss man immer noch einen drauflegen.

Man baut sich innerhalb kürzester Zeit eine Website – auch hierfür gibt es idiotensichere Programme, und lässt die Welt an seinem glückseligen Leben teilhaben. Kein Gedanke so dürftig, dass er es nicht wert wäre, veröffentlicht zu werden. Keine volltrunkene Fratze so dämlich, dass man sie nicht ins Netz stellen könnte. Wieso soll Herr Müller aus Leverkusen nicht sehen, dass Kunigunde aus Pforzheim vorgestern stockbesoffen auf einer Batterie von leeren Flaschen mit verrutschtem T-Shirt eingeschlafen ist?

Indivualität und Selbstverwirklichung heißen die Zauberworte einer ganzen Generation. Talkshowmaster sind die Scharfrichter im Nachmittagsprogramm, und die Inquisition findet täglich und unmittelbar statt und nennt sich „shitstorm“.

Willkommen in der schönen neuen Welt von Huxley – willkommen in einem einzigen gigantischen „Big-Brother“-Container:  dem Internet, das nie vergisst. Und Glückwünsche den paar vereinzelten echten Individuen, die es bis heute geschafft haben, ohne Paypal-Konto, Kreditkarten, Email-Account oder Handy mit GPS auszukommen. Die wahre Freiheit, die diese Menschen leben dürfen, erschließt sich heute keinem Jugendlichen mehr, für den es völlig normal scheint, dass unser aller Leben von heute auf morgen öffentlich gemacht wurde.

Glauben wir wirklich immer noch, dass „Big Brother“ nur aus einem Blech-Container besteht, oder haben wir mitbekommen, dass wir alle in einem gläsernen Käfig sitzen und staunend nach draußen blicken, wo uns unserer Meinung nach das „Nichts“ erwartet? Und dabei sind wir heute einsamer als früher.

Es gibt kein Leben ohne Eintrag bei „Facebook“, „Studi-VZ“ oder „Stayfriends“. Internet-Communities, bei denen wir nach Eingabe höchst sensibler und vertrauter Daten und Geheimnisse unseres Lebens wie ein Bilderbuch führen dürfen. Wir suchen unseren Partner, verwalten unser Tagesgeschehen, schließen virtuelle Freundschaften oder lehnen sie ab und lassen die Welt leichtsinnig an unserem Leben teilhaben. Jeder glaubt von sich, einzigartig zu sein und möchte das nach draußen bringen.

Ich bin ein ganz normaler Mensch, der im Laufe der letzten Jahrzehnte schon einge Menge erlebt hat und von dem atemberaubenden Fortschritt geblendet fasziniert beobachtet, wie Heerscharen von Menschen ihre Identität einer anonymen Masse preisgeben, die das im Grunde einen Dreck interessiert.

Versuchen Sie mal , einem Jugendlichen für einen Tag das Mobiltelefon abzunehmen. Er wird vermutlich nach einer halben Stunde ohne Kontakt zu seinen Freunden den Verstand verlieren. Natürlich könnte er ohne weiteres aufstehen, ein Haus weiterlaufen und dort an die Tür klopfen, aber das wäre total uncool.

Lehrer haben die größten Probleme, ihrer Klasse überhaupt noch etwas beizubringen, weil unter dem Tisch gechattet wird, dass sich die Balken biegen. Überhaupt ist der Lehrer als Respekts- oder Autoritätsperson schon lange überholt. Die neuen Vorbilder sind Youtouber und Influencer. Dieser Begriff wird nicht ohne Grund vom Namen einer ansteckenden Infektionskrankheit abgeleitet.

Von klein auf bekommen Kinder zu hören, dass sie als natürliche Ressourcen und zukünftige Renterversicherungszahler wichtige Einnahmequellen für den Staat und das Gemeinwohl darstellen. Das Fernsehen als unumgängliches Medium tut sein übriges. Die Uniformität von Sneakers , Hoodies, konformem Haarschnitt und Gruppengedöhns entgeht dem jungen künftigen Leistungsträger völlig, da er sich scheinbar freiwillig und ohne Nachdenken Zwängen unterordnet, die in ihrer ureigenen Form so restriktiv und gewalttätig sind, dass ihm bei genauem Nachdenken Angst und bange werden müsste.

Ich liebe Technik und bin allem Neuen gegenüber aufgeschlossen. Meinen Reciever habe ich allein angeschlossen und konfiguriert. Ich designe Internetseiten, mache Videoschnitt und digitale Bildbearbeitung und trage mein Mobiltelefon mit mir herum wie einen Herzschrittmacher, denn das ist mein Tor zu dieser gruseligen, ins Unendliche expandierende Welt aus Bits und Bytes. Der Eingang für einsame Herzen ins potenzielle Glück, das Portal für Sehnsüchte und Wünsche, die letzte Lagerstätte für zerborstene Träume der Hoffnungslosen, das Sammelbecken von Misanthropen, Realisten, Zynikern und Optimisten. Alles das und noch viel mehr.

Wissen Sie, was für mich die unheimlichste Stelle in dem Buch „1984“ von George Orwell war, in dem eine fiktive repressive, von einigen wenigen gesteuerte Zukunfsgesellschaft beschrieben wird, die allumfassender Bewachung ausgesetzt wird? Der allerletzte Satz. Der lautet nämlich:

„Er liebte den großen Bruder.“

Ihre

Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Es ist eigentlich genau die Funktion, die auf Facebook noch gefehlt hat: eine Rating-Option. Denn wo schon Millionen von Leuten sind, die in ihren Profilen sowohl Hobbies als auch Beziehungsstatus & Co. eingeben, ist es für den Algorithmen-Modus kein Problem, Leute mit gleichen Interessen digital zu verkuppeln. Und Facebook wäre wohl nicht Facebook, würden sie dieses Geschäft nicht mitnehmen.

Allerdings wird der Monopolist wohl auch hier wieder mit Gegenwind rechnen müssen, denn Kritik an der neuen Dating-Funktion kommt von Opfern von Romance Scammern. Und zwar konkret von solchen Opfern, die über Facebook an Liebesschufte geraten sind.

Mittlerweile gibt es vor diesen Kriminellen kontinuierlich Warnungen seitens Polizei und Verbraucherzentralen, denn auch, wenn vieles über die verschiedensten Betrugsfälle öffentlich wird – eingedämmt ist das Treiben dieser Leute noch lange nicht.

Und da sich solche – meist männliche – Personen häufig via Facebook das Vertrauen ihrer Opfer (meistens sind das Frauen) erschleichen, verwundert es nicht, dass die Skepsis groß ist.

Ist es für Romance Scammer schon jetzt ein Leichtes, per Mausklick Geld, Sachwerte und nicht zuletzt Gefühle eiskalt abzuzocken, steht völlig zu Recht die Frage im Raum, wie der Internet-Gigant dieses Problem innerhalb der neu entstehenden Facebook-Dating-Funktion angehen und lösen will?

Denn: so richtig lösbar ist das nämlich nicht, gerade Singlebörsen dürften ein Lied davon singen können. Kann man sich doch heutzutage in der virtuellen Welt im Handumdrehen ein seriöses Profil anlegen, selbst wenn man hochkriminelle Absichten hat.

So kann bis heute – mal als Extrembeispiel genommen – kein hochkarätiges Partnerportal verhindern, dass sich vom Romance Scammer bis hin zum Serienmörder kriminellste Gestalten bei ihm anmelden. Sieht bzw. liest man ja keinem an!

Genau das machen sich die Romance Scammer zunutze und zwar webweit! Liest man sich durch die Fälle der Opfer, ist fast immer, wenn es um digitales Romance Scamming geht, von Facebook oder irgendeiner Singlebörse die Rede. Hier lernen sich Opfer und Täter zum Großteil kennen – fast immer mit verheerenden Folgen.

Allein die Fälle, die in den letzten Wochen veröffentlicht wurden, lassen einem die Haare zu Berge stehen. Mal sind es 7000,00 €, die Frauen an Romance Scammer verloren haben, mal 100.000,00 €. Selbst ganze Sachwerte sind schon in die Hände dieser skrupellosen Typen geraten.

Ein Ende ist nicht in Sicht – warum sollten sich die kriminellen Abzocker dieses miese Geschäft auch entgehen lassen? Bei aller Aufklärung gibt es doch leider immer noch Menschen, die entweder davon noch nie was gehört haben oder nach dem Motto „meiner ist anders“ verfahren.

Insofern ist die entfachte Debatte um die Sicherheitsstandards von Facebook im Zusammenhang mit der geplanten Dating-Funktion mehr als wichtig! Vielleicht gelingt es dem sozialen Netzwerk ja, hier entsprechende Filtermechanismen einzubauen. Zu wünschen wäre es – allein vor dem Hintergrund des Leids der unzähligen Opfer!

Wenn Sie mehr zum Thema erfahren wollen, empfehlen wir Ihnen den englischen Originalbericht zum Thema „Facebook und Dating-Funktion“.  

Wie skrupellos sich die Romance Scammer an ihre Opfer auf Facebook heran machen, hat unsere Kolumnistin Barbara Edelmann kürzlich in einem ihrer Artikel abgehandelt, sie finden ihn hier.

Bildnachweise:

Fotograf: Marcio Jose Sanchez / Bildnachweis: picture alliance / AP Photo

Romance Scamming – die fiese Abzocke, die über das Internet läuft und bei der jedes Jahr hierzulande -zig Frauen Opfer werden und oft viel Geld verlieren, ist noch lange nicht gebannt. Auch die seelischen Verletzungen, die diese Betrugsmasche mit sich bringt, haben es in sich. Denn den betroffenen Frauen wird ja von den jeweiligen Männern, die in Wirklichkeit dreiste Kriminelle sind, vorgegaukelt, dass sie DIE Traumfrau sind.

In unserer heutigen Kolumne widmet sich Barbara Edelmann diesem Thema:

Schon wieder eine Freundschaftsanfrage bei Facebook. Schmunzelnd betrachtete ich den gutaussehenden Herrn Mitte 40. „Christopher N.“, graumelierte Schläfen, gewinnendes Lächeln, grünblaue Augen, hatte mir eine geschickt. Selbstverständlich war er Arzt. Geboren in Oslo, studiert in Berlin, derzeit wohnhaft in Toronto.

Zack. Gelöscht. Veräppeln kann ich mich nämlich selbst.

Sie sind immer Ärzte, Manager, „Director“ bei einem großen Konzern oder Offizier bei der U.S. Army. Darunter geht’s heutzutage nicht mehr. Ein Automechaniker aus Iowa oder ein Lagerarbeiter aus der Walmart-Filiale in Ohio hat bei mir noch nie angefragt. Garniert sind diese Profile mit geklauten Fotos und verlogenen Angaben über beruflichen oder persönlichen Status. „Witwer“, „geschieden“, „Single“.

Ja, ihr mich auch.

Ich finde diese Versuche dreist, aber wie meine Mutter schon immer zu sagen pflegte: „Jeden Tag steht ein Dummer auf.“ Mein erster Fake-Account nannte sich „Sergeant Bubble“ (Name frei erfunden). Der schrieb mir, er fände mich nett und hübsch. Ben, das finde ich auch. Ich bin nett. Und hübsch bei guter Ausleuchtung und einer Sehschwäche ab -3 Dioptrien.

Damals jedenfalls betrachtete ich fasziniert Bens Profilbild: ein markiger Amerikaner mit teigigen Gesichtszügen, der in der Uniform der U.S.-Army in unendliche Weiten starrte wie seinerzeit Captain Kirk auf der „Enterprise“, wenn wieder mal ein fremder Planet auf dem Display auftauchte.

Hm – der Typ schien nett zu sein, also antwortete ich und wurde umgehend um meine Email-Adresse gebeten.

Sergeant Ben war Arzt bei der U.S.-Army und saß laut eigenen Angaben aufgrund einer Verquickung unglücklicher Umstände und einer unterschriebenen Dienstverpflichtung im „Ledernacken-Camp“ in Afghanistan fest, wo ihm täglich Kugeln um die Ohren flogen, die Burger fade schmeckten und die Langeweile einen aufzufressen drohte, wenn das nicht die Sandflöhe vorher erledigten.

Ben war ein ehrbarer Witwer, seine Frau vor einigen Jahren bei einem Unfall verstorben. Sein siebenjähriger Sohn (Bild von blassem, bebrilltem Kind bei den Uploads) lebte derzeit bei der Großmutter in Australien. Sergeant Bubble träumte seit Jahren von einer Frau, mit der er sein Leben in seinem hübschen kleinen Haus in Arizona teilen konnte. Darum betete er jeden Tag.  Und jetzt –  hatte Gott mich geschickt. Mich. Eine Frau, die ihr Geld selbst verdiente, blond war und seiner Meinung nach so verzweifelt, dass sie den Krampf glauben würde, den er sich aus den Fingern sog.

Armer Irrer.

Bens Lebensgeschichte las sich wie eine brasilianische Seifenoper. Fehlte nur noch die zum Mann umoperierte, nach einer Entführung wieder aufgetauchte Cousine 5. Grades, die ihm das Erbe streitig machte und heimlich ein Kind mit dem Vater eines Freundes des Vetters seiner verschwundenen Mutter hatte. Schon nach der ersten Mail war Ben davon überzeugt, dass Gott seine Gebete um eine Frau erhört hatte.

Immerhin war ich …ähm… etwas älter, offiziell alleinstehend, denn ich hatte unter „Beziehungsstatus“ keine genauen Angaben gemacht und seiner Meinung nach auf der Suche nach jemandem, der mich mal so richtig verarscht. Tja, so kann man sich täuschen, Ben.

Täglich trudelten drei ellenlange Mails ein, und ich fragte mich manchmal, was er eigentlich den ganzen Tag sonst noch zu tun hatte. Gab es nirgendwo einen Abszess zu öffnen oder eine Warze zu entfernen, musste der nicht mal raus in die Wüste, um einen Skorpionbiss zu verarzten?

Fragen über Fragen.

Zugegeben: Meine Kenntnisse über die amerikanische Armee leite ich aus der Serie „M.A.S.H.“ und dem Kinofilm „Apokalypse Now“ ab. Ben hatte allerdings genauso wenig Ahnung vom Soldatenleben wie ich. Darum schmückte er seine Mails mit ausführlichen Beschreibungen von glühend heißem Wüstensand in allen Variationen. Das glaubte ich ihm sofort – die Sache mit dem Sand. Denn wo der gute Ben in Wirklichkeit herkam, gab es vermutlich eine ganze Menge davon.

Für das, was „Sergeant Ben“ bei mir versuchte, gibt es im Englischen den Begriff „Romance-Scam“ – so wird die Vorgehensweise genannt, sich in Social Networks an alleinstehende Menschen heranzumachen und ihnen dann langsamer oder schneller eine erhebliche Menge Geldes aus dem Kreuz zu leiern. Man möchte es nicht glauben, aber es ist ein lukratives Einnahmen-Modell. Leider.

Sergeant Ben schien zu bemerken, dass ihm die Felle wegschwammen, denn meine Antworten wurden immer kürzer und unhöflicher. Dennoch gab er nicht auf, denn seiner Meinung nach hing ich ja am Haken und musste nur noch ausgenommen werden.

Kurze Zeit darauf bat er mich eindringlich, mit ihm zu telefonieren, sonst könnte er nicht mehr weiterleben. Im Ledernacken-Camp war es einsam, das Essen furchtbar, täglich flogen ihm Kugeln um seine wohlgeformten Ohren und die etwas teigigen Gesichtszüge. Neulich hatte ihn ein Projektil beinahe an der Schulter gestreift. Auf meine Frage, ob er sich das dann nicht selbst hätte mit der Pinzette herausholen können, weil er doch Militärarzt sei, wurde er sauer. Auch meine Anmerkung, Bruce Willis würde sich so ein Ding mit dem Taschenmesser rausschneiden und dazu noch ein Liedchen pfeifen, kam nicht sonderlich gut an.

Ben beteuerte weiterhin beharrlich, er müsse meine Stimme hören. Immerhin hatte er sich für uns beide eine herrliche Zukunft ausgemalt: in diesem fiktiven Haus in Arizona, zusammen mit dem fiktiven bebrillten dürren Sohn und der fiktiven gesichtslosen Großmutter. Das Ganze klang allmählich, als sei er bei den „Waltons“ aufgewachsen und der ältere Bruder von John-Boy.

„Das ist eine tolle Idee!“ schrieb ich.

„Gib mir deine Nummer, ich rufe dich an, weil ich eine Flatrate habe, die gilt auf der ganzen Welt. Neuer Telekom-Tarif!“ Aber: Ben wollte gar nicht von mir angerufen werden, antwortete er entrüstet. Immerhin befände er sich in einem ultrageheimen Camp mitten in der Wüste mit Kugeln, die ihn umschwirrten wie ein Schwarm Wespen im Sommer meinen gedeckten Apfelkuchen auf dem Balkon. Ich müsste eine sichere Leitung beantragen, die sollte 350 € kosten. Sonderpreis, weil ich’s war und Ben Beziehungen hatte.

Diesen Betrag sollte ich per Western Union überweisen, dann würde die ultrageheime Leitung umgehend freigeschaltet. Ich könnte doch nicht einfach im Ledernacken-Camp anrufen. Da könnten ja die Talisman mithören. Unvermittelt war ich von der brasilianischen Seifenoper in einen Agentenkrimi gewechselt. Barbara. Agentin Nullnullnix.

Kurz darauf erhielt ich eine Email von einer Adresse, die sich „Secretary of Military irgendwas“ nannte. Der Verfasser bemühte sich, dem Schreiben einen offiziellen Anstrich zu geben, aber für mich war an dieser Stelle Schluss und daher blockierte ich den guten Ben, der sich bis heute vermutlich fragt, was damals schief gelaufen ist. Wo die Tussi doch anfangs immer so nett geantwortet hat.

Mönsch, Ben. Ich fand nicht, dass du dir viel Mühe gegeben hast. Und ich finde es bedauerlich, dass jährlich viele tausende von Frauen und Männern auf diese plumpe Masche hereinfallen. Ein paar nette Worte, ein paar kümmerliche Versprechen, und schon öffnet man seinen Geldbeutel, auch man selbst nicht viel hat?

Mein sogenannter Ben war Mitglied der „Nigeria-Connection“, einer kriminellen Vereinigung, die sich auf das Ausnutzen alleinstehender, einsamer Menschen, den sogenannten „Romance-Scam“, als Geschäftsmodell umgestellt hat.

Diese Vereinigung richtet jährlich großen finanziellen und seelischen Schaden an, denn es gibt viele unglückliche, verlassene Menschen, die gerne glauben möchten, dass irgendwo doch noch das große Glück oder die wahre Liebe auf sie wartet, gern auch im Ausland.

Manche überweisen tausende von Euro oder Dollars und verschulden sich sogar, weil der Typ oder die heiße Frau, in den/die sie sich verliebt haben, dringend eine Operation am offenen Handgelenk, ein neues Handy für Geheim-Missionen in Burkina-Faso, ein Ticket zum Frankfurter Flughafen („dann können wir uns endlich in die Arme schließen“) oder neue Munition für sein rostiges Gewehr braucht („Die Armee zahlt uns keine Kugeln mehr – wie sollen wir uns denn verteidigen?“). Da sind die sehr kreativ.

Das Geld ist weg, wenn Sie bezahlen – Sie werden nie jemanden zu Gesicht bekommen, einen Anruf erhalten (nur in seltenen Fällen, wenn sie Nachschlag wollen), geschweige denn an einem Flughafen, Güterbahnhof oder einer Bushaltestelle in Hintertupfing Ihren Seelenverwandten in die Arme schließen können. Schminken Sie sich das ab. Hören Sie auf, ehe Sie pleite sind, oder fangen Sie lieber erst gar nicht damit an.

Hunderttausende gefälschter Profile von angeblichen Managern, Ärzten, Offizieren oder Bankiers im Ruhestand sind allein bei Facebook unterwegs. Aber auch vor großen kostenpflichtigen Single-Börsen machen die Verbrecher nicht Halt. Gelegentlich schlüpfen welche trotz Filter durch die Maschen. Die angezeigten Fotos sind gestohlen, die Lebensläufe frei erfunden, und das meistens nicht einmal sonderlich gut. Ich weiß das, denn ich bin Autorin.

Die Nigeria-Connection arbeitet rund um die Uhr. Wer sich wundert, dass pro Tag 7 Emails hereinschneien, von denen sich jede anders liest als die vorhergegangene, sollte wissen, dass sich die Mitglieder dieses illustren Clubs bei ihrer „Arbeit“ abwechseln. Gut möglich, dass Sie innerhalb von 24 Stunden mit mindestens 3 verschiedenen Personen korrespondieren. Ein bisschen Vorsicht schadet bei Freundschaftsanfragen also nie.

Wenn sie eine bekommen von einem gutaussehenden Amerikaner (wahlweise Engländer oder etwas seltener Italiener), prüfen Sie zuerst alle seine hochgeladenen Fotos. In letzter Zeit werden die Jungs nachlässig.

So kommt es, dass ich Screenshots auf meinem Handy gespeichert habe, wo ein mittelalter Herr in Bademantel und Schlappen stolz vor seiner Yacht in die Kamera lächelt und im Foto daneben ein geistesabwesend wirkender Afrikaner etwas verkrampft in die Webcam grinst.

Reingefallen.

Aussagekräftig ist auch das Erstellungsdatum der Profile. Die meisten wurden  innerhalb einer halben Stunde zusammengefieselt. Achten Sie auf das Datum. Viele Profile enthalten keinerlei Freunde und nur zwei oder drei Fotos, die von echten Männern aus dem richtigen Leben geklaut worden sind. Werden Sie misstrauisch bei „frischen“ Profilen, wenig Fotos (zum Teil unscharf) und wenig Freunden. Sehen Sie sich die Freundesliste, falls vorhanden, genau an. Meistens sind es nur Kumpels der Person, die es sich ausgedacht hat.

Länger bestehende Profile können aber auch gefälscht sein. Neulich entdeckte ich einen „Ingenieur“ bei Exxon (ja, klar…), ein sympathisch wirkender Herr mit gewinnendem Lächeln, dessen Profil schon ein ganzes Jahr (im Internet eine Ewigkeit!) alt war.

Ich las ein paar von ihm geteilte Inhalte. Beachten Sie bitte: Die verfassen so gut wie nie selbst Beiträge, sondern teilen meist nur Inhalte. Befassen Sie sich mit möglicherweise vorhandenen Kommentaren unter diesen geteilten Inhalten und sehen Sie sich ganz genau an, wer kommentiert mit zum Beispiel „yeah, good pic, bro“ und so weiter. Sind alles „Arbeitskollegen.“ Und Kolleginnen. Das können Sie anhand der Profilfotos der Kommentatoren erkennen.

Wir müssen uns wohl damit abfinden, dass dieser „Romance-Scam“ in gewissen Kreisen ein völlig normales Geschäftsmodell darstellt. Die Jungs leben in einem Land mit wenig Industrie, wenig Chancen und Null Perspektive. Für die ist das eine Arbeit wie jede andere. Wir gehen ins Büro oder putzen, arbeiten auf dem Bau oder in der Pflege, die suchen einen Dummen oder eine Dumme, die alles bezahlt. Jeder, wie er kann.

Gemein bleibt diese Form von Geldverdienen allerdings auf jeden Fall. Mein aufrichtiges Mitleid gilt allen, die auf solche Fälschungen hereinfallen und verletzt oder ausgenommen werden. Ich hoffe, sie lernen aus diesen Erfahrungen und haben sich wenigstens nicht verschuldet, ehe ihnen die Augen geöffnet wurden. Weil oft das Gefühl, so richtig verraten und enttäuscht worden zu sein, noch mehr schmerzt als der finanzielle Verlust.

Wenn ich mal so viel Zeit und Muße habe, dann werde ich mir erlauben, einige dieser Anfragen anzunehmen und zurück-veräppeln. Ich kann das gut. Habe ich schon erwähnt, dass ich Autorin bin?

„Hey, Bro,“ schrieb ich kürzlich an einen gewissen „Larry“ Irgendwas. Laut eigenen Angaben war er Manager einer Großbank. „Ich bin Autorin, arbeite gerade an einem Kriminalroman über Internet-Kriminalität und recherchiere über die Nigeria-Connection. Darum habe ich nicht viel Zeit zum Chatten im Moment. Tut mir sooooo leid.“ Schwupp, war er weg und hatte mich flugs blockiert.

Mann, sind die unfreundlich. So wird das aber nichts mit meinem Anruf im Ledernacken-Camp für 350 Euro.

Ich wünsche Ihnen noch eine schöne sonnige Woche. Bleiben Sie wachsam.

Ihre Barbara Edelmann

Infos zu dieser Betrugsmasche finden sich auch hier.

Bildnachweis: pexels.com

Hier eine Web-Analyse für den Eisprung, dort eine für den Kalorienverbrauch – im Zeitalter des Digitalen wird vieles im Internet gemanaged, meistens über Apps.

Parallel laufen die gesellschaftlichen Diskussionen heiß, inwieweit man zukünftig – vor allem im ländlichen Raum – Ärzte einsetzen sollte, die virtuell auf dem Bildschirm oder Smartphone statt im eigenen Wohnzimmer erscheinen.

Das kann alles gut und innovativ sein, muss es aber nicht.

So wird kontinuierlich durch Tests festgestellt, dass Internet-Anbieter für – zum Beispiel – das Managen des Eisprungs der Frau mit Vorsicht zu genießen sind. Sich bei der Verhütung gänzlich aufs Digitale zu verlassen, kann verheerend sein!

Falsche Diagnose bei Gentests kann verheerend sein!

Ebenso schlimme Auswirkungen kann es haben, wenn man einen Hinweis auf ein Krebsrisiko bekommt, das man gar nicht hat! Darauf verweist der SPIEGEL in seiner aktuellen Ausgabe Nummer 14 / 2018.

In einer Meldung dort heißt es:

„40 Prozent der Gentests, die Privatfirmen wie 23andMe direkt an Kunden verkaufen, enthalten falsche positive Befunde – etwa Hinweise auf ein Krebsrisiko, das in Wahrheit gar nicht besteht. Das ergab die Nachkontrolle einer Stichprobe von 49 Genanalysen, die das Fachjournal „Genetics in Medicine“ veröffentlichte. Ohne ärztliche Beratung, warnen die Forscher, könnten Laien solche Resultate kaum richtig einschätzen“

Klingt sehr, sehr übel und das ist es auch! Man stelle sich nur vor, dass man eine solche Analyse sofort für bare Münze nimmt und sie nicht durch einen realen Mediziner gegenchecken lässt!

Davon ist dringend abzuraten, so wie viele angeblich tolle Leistungen aus dem World Wide Web mit absoluter Vorsicht zu genießen sind!

Reale Ärzte werden immer gefragt sein

Natürlich entwickelt sich auch das medizinische Know-How rasant, aber zum derzeitigen Zeitpunkt – und das beweist diese Meldung aus dem Nachrichtenmagazin einmal mehr – sollte man in solchen heiklen Angelegenheiten, wie ein Gentest oder die Kontrolle der Verhütung via Internet, kein bedingungsloses Vertrauen in die schöne neue Welt des Digitalen haben.

Nicht umsonst wird menschliche Arbeit und Leistung wohl niemals durch virtuelle Welten ersetzbar sein, da kann noch so viel vom Wegfallen unzähliger Arbeitsplätze und virtueller Intelligenz erzählt werden.

Realer ist: die Menschen werden sich auch zukünftig – wenn unsere Welt noch durchdigitalisierter ist – bei heiklen medizinischen Angelegenheiten eher in ein Wartezimmer als an die Tastatur setzen wollen.

Schon allein, weil Falschdiagnosen, wie die in dem Zitat beschriebenen bei einem Gentest, vor allem psychisch eine ungeheure Belastung sind.

Ärzte in der realen Welt dürften sich also keine Sorgen um  ihren Arbeitsplatz machen müssen. Sie werden gebraucht. Heute und in vielen Jahren garantiert auch noch!

Weiterführende Informationen zu Gentests im Internet bietet auch dieser Artikel hier.

Bildnachweis: pexels.com

Frau mit Digital-Brille

Digitales Shopping erfreut sich nach wie vor großer Beliebtheit – der Trend, online Kleidung zu kaufen, dürfte sogar steigend sein. Den Geschäften in der realen Welt hat das Online-Angebot eben die „Rund-um-die-Uhr“-Verfügbarkeit voraus.

Bislang gab und gibt es aber noch immer gute Gründe, sich einen ganz normalen Shopping-Trip in der Stadt zu gönnen. Und das liegt schlicht und ergreifend daran, dass man digital weder fühlen noch schnuppern noch die Ware sonst irgendwie in die Hand nehmen kann.

Online Kleidung anprobieren: in Asien schon Standart

Das soll sich nun ändern. Hierzulande, denn: in China beispielsweise ist diese Art des digitalen Begutachtens längst schon Realität.

Laut dem Nachrichtenmagazin SPIEGEL, Nr. 11 / 2018, folgendermaßen:

„In China ist der Handel schon wesentlich weiter. Dort bilden sich vor den ersten vernetzten Umkleidekabinen, den „smart dressing rooms“ lange Schlangen mit überwiegend junger, neugieriger Kundschaft. Für die chinesische Kundschaft hat das US-Kaufhaus Macy`s bereits einen virtuellen Laden eröffnet“.

Doch wovon ist genau die Rede? Nun – von ziemlich revolutionären Ideen, die der SPIEGEL in der erwähnten Ausgabe auch konkret beschreibt. Und zwar die VR-Technik, abgeleitet von „Virtual Reality“. Es heißt sogar bereits, dass es nur noch eine Frage der Zeit ist, bis diese Technik sich durchsetzt – auch in der realen Shopping-Welt.

Mit nur einem Wisch Kleidungsstücke auf Körper projizieren

So äußert sich zumindest Herr Birger Pridddat, Wirtschaftsphilosoph der Uni Witten Herdecke, der im SPIEGEL wie folgt zitiert wird:

„Stellen Sie sich vor, Sie könnten mir nur einem Wisch sämtliche Kleidungsstücke auf Ihren Körper projizieren – und zwar direkt auf Ihre persönliche Figur, Ihren individuellen Gang und Ihre Bewegungen zugeschnitten“, sagt Priddat. Man könnte sehen, wie sich das Ballkleid beim Tanzen dreht. Oder wie man in Sportkleidung auf dem Laufband steht. Der Lippenstift kann getestet werden, ohne dass man einmal mit der Farbe in Berührung kommen muss. In der Dreidimensionalität kann sich der Kunde in jedem beliebigen Outfit von allen Seiten betrachten; sich selbst beraten wie eine fremde Peson. Er kann sogar individuell zusammengestellte Kleider anprobieren und ordern, die noch nicht einmal gefertigt wurden.„

Neue Innovation könnte für kleinere Firmen zu teuer sein

Klingt alles ziemlich futuristisch! Allerdings: hätte uns vor dreißig Jahren jemand gesagt, dass man eines Tages über den virtuellen Draht mit Menschen in aller Welt vernetzt sein kann, dann hätten das wohl die wenigsten Menschen für bare Münze genommen! Heute ist das Internet aus dem Leben der meisten Menschen gar nicht mehr wegzudenken!

Insofern darf man durchaus auf diese – noch etwas arg nach Zukunftsmusik klingenden Innovationen – gespannt sein.

Allerdings wird auch diese Neuerung wohl nicht ohne den berühmten Wermutstropfen auskommen, denn: für kleinere Anbieter wird ein solches System, in dem die Kundin – wie oben beschrieben – die Produkte virtuell testen kann, extrem teuer sein. Zumindest ist das die aktuelle Prognose. Auch hier kann es sein, dass diese Innovation relativ rasch den Massenmarkt erobert und so auch kleinere Firmen ihrer Kundschaft diese Art des Befühlens und Betrachtens ihrer Produkte bieten können.

Auch Handys kamen einst klobig daher

Man denke nur daran, wie es sich einst mit den ersten, klobigen Mobiltelefonen verhielt: kaum jemand glaubte  daran, dass diese Telefone schon bald – in stark verkleinerter Form – den Massenmarkt in aller Welt aufmischen!

Deshalb kann es also gut und gerne sein, dass die virtuelle Welt es bald erlaubt, Produkte auch digital fast so zu begutachten, wie in der realen Welt.

Es bleibt auf jeden Fall spannend!  Und: für digital Begeisterte kann`s nur besser werden.

Bildnachweis: pexels.com

Kartoffeln kochen, Teig ausrollen und Schnitzel panieren: das haben wohl die meisten Frauen von ihren Müttern gelernt. Zumindest die weiblichen Zeitgenossinnen der Generation Mitte Dreißig plus. Nicht wenige dieser Frauen tauschen sich – vorausgesetzt natürlich, die eigene Mama lebt noch – auch dann noch mit Muttern in Sachen Kochen und Backen aus, wenn sie längst einen eigenen Haushalt (und meist auch Familie) haben.

Lieber ins Web statt Muttern fragen?

Doch obwohl die Mutter-Tochter-Kommunikation via Telefon in Sekundenschnelle zu bewerkstelligen ist, scheint doch gerade der schnelle Klick ins Web ein Telefonat bei Muttern abzulösen. Kein Wunder – auf unzähligen Koch- und Backseiten gibt es nahezu stündlich neue Rezepte, Tipps und Erfahrungswerte zu jedem erdenklichen Gericht.

„Wie viel Schmand genau sollte an den leckeren Frühlingskuchen gegeben werden“ oder „Wie gelingt die Soße zum Kotelett auf die Schnelle?“  – die kulinarischen Seiten im Netz sind voll mit diesen und ähnlichen Ratschlägen.

Wer eine Frage hat, googelt diese oder gibt sie gleich auf der jeweiligen Seite ein und hat in Millisekunden –zig Antworten.

Dass diese extrem schnelle Hilfe heutzutage häufig mehr genutzt wird, als die telefonische Nachfrage bei Mama – davon darf man ausgehen.

Mutter bei solchen Ratschlägen oft 1. Wahl

Allerdings dürfte das auch situationsabhängig sein. Wer im Büro sitzt und in Gedanken seinen abendlichen Speiseplan durchgeht und überlegt, was er noch im Hause hat und was er einkaufen muss, klickt wahrscheinlich eher ins Netz für einen schnellen Ratschlag, als jemand, der offline am Herd steht und schnell eine Info in Sachen Zubereitung benötigt.

Hier – das ist sonnenklar, wird wohl immer, immer, immer die Mama die erste Wahl sein, denn so gut wie ihr Rat, ist wohl kein einziger Internet-Tipp weltweit.

Warum?! Weil Mamas Tipps so individuell sind, wie jede Mama selbst.

Und – ganz ehrlich – : eine leckere Mahlzeit, die durch Muttern`s Tipp veredelt wurde, schmeckt doch am Ende nochmal so gut!

Bildnachweis: pexels.com