Wir leben in einem Zeitalter, in dem das Thema weibliche Emanzipation groß geschrieben wird. Bis vor kurzem waren Verhaltensstrukturen und Richtlinien, wie eine Frau zu sein hat und wie sich Weiblichkeit definiert, streng begrenzt.

Immer mehr erlauben wir uns, ein individuelles Frauenbild zu leben. Die Rolle der Frau entwickelt sich rasant und ermöglicht es, unser Leben so zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Parallel verändern sich auch unsere Wünsche, wie ein Mann im Bestfall zu sein hat. Einerseits genießen wir es, wenn der Partner uns in den Mantel hilft und uns seine starke Schulter zum Anlehnen gibt, andererseits darf er auch nicht zu dominant sein. Er soll Gefühle zeigen, offen sein und gerne auch ein bisschen spirituell, aber auch nicht zu sehr, und ein Weichei bitte auch nicht! Ist ja schließlich unmännlich…

Die Messlatte liegt da schon sehr weit oben und es ist anzunehmen, dass sich viele Männer doch ganz schön überfordert fühlen.

Auch Männer dürfen loslassen

Geprägt vom alten Männerbild, sind wir es gewohnt, dass ein Mann nur selten weint und wenn, dann nur kurz. Fakt ist, dass Männer, ebenso wie Frauen, Gefühle haben und es brauchen, sich fallen zu lassen. Was läge da näher, dies bei der eigenen Partnerin zu tun?

Wie gehe ich überhaupt damit um, wenn mein Partner plötzlich in Tränen ausbricht?

Gerade weil wir uns emanzipieren, sollten wir dies auch den Männern zugestehen. Gleichberechtigung darf ja schließlich in beide Richtungen gehen. Wenn mein Partner also unverhofft zu weinen beginnt, darf ich auch die Rolle der starken Schulter übernehmen und einfach für ihn da sein. Ich zeige ihm, dass es okay ist, sich zu öffnen und gebe ihm das Gefühl, loslassen zu dürfen und nicht non stop die Rolle des starken Mannes erfüllen zu müssen.

Wenn wir Frauen emotional überreagieren, gilt das als nichts Unübliches. Überlegen wir uns mal, wann ein Mann vermeintliche Schwäche zeigen „darf“. Um ehrlich zu sein nie oder zumindest nicht zu 100%. Die Gefahr, als Weichei dazustehen, besteht nahezu permanent.

Wenn Partner sich fallen lassen kann, ist das Vertrauensbeweis

Dabei ist es enorm wichtig, dass Männer auch einen geschützten Raum haben, in dem sie sich fallen lassen können. Allerdings haben sie auf unterbewusster Ebene eher die Tendenz keine Schwäche zeigen zu wollen. Daher fällt es ihnen noch schwerer, offen ihre Gefühle zu zeigen, wenn sie wahrnehmen, dass die eigene Partnerin gar nicht in der Lage ist, ihn aufzufangen oder ihn vielleicht sogar unterschwellig dafür als Schwächling verurteilt.

Im Gegenzug ist es ein wundervoller Vertrauensbeweis, wenn sich der Partner einfach fallen lässt und zeigt, dass er die Frau an seiner Seite für stark genug hält, auch im emanzipierten Sinne für ihn da zu sein.

Immer stark zu sein, ist eine Illusion.

Wir alle haben „Baustellen“ und Herausforderungen in unserem Leben, die uns emotional fordern.

Sich und anderen vorzumachen, dabei immer stark zu sein, führt zu einem enormen Druck und Daueranspannung, was sich sowohl psychisch als auch physisch auswirkt. Diesen ständig erhöhten Stresspegel können wir sicherlich aushalten, doch berauben wir uns dadurch eine Menge Lebensqualität und verlängern den Prozess der Bearbeitung der „Baustelle“ und verschwenden unnötig Energie. Energie, die wir weitaus effizienter nutzen können und vor allem um glücklich zu sein.

Vermeintliche Schwäche ist Stärke

Stark ist, wer vermeintliche Schwäche zeigt. Was im Allgemeinen als schwach gilt, ist in Wahrheit ein vertrauensvolles Bekenntnis. Denn Gefühle zu zeigen, erfordert wahre Stärke und Mut. Von innen her stark zu sein, bedeutet weder Härte, noch die Zurückhaltung und Unterdrückung von Emotionen. Stattdessen handelt es sich dabei um vertrauensvoll und mutig zu seinen Gefühlen zu stehen.

Eine erwachsene Beziehung auf Augenhöhe ist dafür einer der bestgeeignetsten Räume und führt zu wahrhaftiger, aufrichtiger und heilsamer Begegnung- für Mann und Frau.

Ihre Nicole Szopinski- Hypnosespezialistin und Coach

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