Mittwoch, 17. April, 2024

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Inkompatible Lebensphasen: So viel Ehrlichkeit in der Kennenlernphase muss sein!

Die Kennenlernphase ist wohl mit das Aufregendste an der Liebe! Ein erstes Herantasten, ständig Schmetterlinge im Bauch, tolle Dates und unzählige Nachrichten. Es wird wohl niemand bestreiten, dass das eine superschöne Zeit ist. Vorausgesetzt natürlich, dass in dieser Phase keine Spielchen gespielt werden (Stichwort: warm halten, Paralleldating & Co.).

Aber auch wenn sich zwei Menschen ihrer Gefühle in einer Beziehungsauftaktphase sicher sind und sich stark aufeinander konzentrieren, können sich erste Wermutstropfen unter das  noch frische Kennenlernen mischen. Nämlich dann, wenn man feststellt, dass der andere ein völlig konträres Leben zum eigenen führt. Oftmals ist das dann der Fall, wenn sich der neu kennengelernte “Fast”- oder “Vielleicht”-Partner in einer völlig anderen Lebensphase befindet. Diese Tatsache wird gerade in der Kennenlernphase gerne ausgeblendet, das macht das Ganze aber häufig noch schlimmer. Einfach weil Disharmonie, Spannungen oder gar Streit vorprogrammiert sind.

Insofern tut man gut daran, sich den Fakten zu stellen und sich nichts schönzureden.

Schon in der Kennenlernphase ehrlich zu sich selbst sein!

Es zeugt von Reife und Intelligenz, wenn man sich mit dem Leben des anderen in der Kennenlernphase intensiv auseinandersetzt und es betrachtet. Umso mehr dann, wenn sich bereits ein schlechtes Bauchgefühl eingeschlichen hat und man merkt, dass es mit dem “Für immer” schwierig sein könnte. Auch dann, wenn sonst alles stimmt. Sprich: Mit der gegenseitigen Anziehung, der Chemie, dem Sex…

Nützt alles nichts, wenn einer der beiden einen so gegensätzliches Alltag lebt, der mit dem eigenen Lebensstil so gar nicht kompatibel ist.

Beispiel: SIE ist Mitte bis Ende Dreißig, will Familie gründen und aufs Land ziehen. Jahre voller Partys, aufregender Events und Abtanzen bis in den Morgen liegen hinter ihr. Das städtische Leben reizt sie privat nicht mehr, ein ländliches Domizil soll es zukünftig sein. Dann lernt sie IHN kennen: Frisch in ihre Stadt gezogen, den alten Job woanders hinter sich gelassen und voller Neugier auf das neue Umfeld. ER will jetzt Gas geben, im Job, aber auch in der Freizeit. Sport, ausgehen, (neue) Leute treffen: Das volle Programm. Ob so jemand in einer solchen Situation auf ruhiges Landleben umschwenken kann, ist fraglich.

Unterschiedliche Lebensstile können zu Problemen führen

Lernen sich aber just zwei Menschen in den beschriebenen Lebensphasen, die stellvertretend für ähnlich unterschiedliche Lebensbereiche stehen, kennen, sind Spannungen fast vorprogrammiert. SIE geht vielleicht ja noch zwei-, dreimal mit auf Partys oder Events im Nachtleben, aber eigentlich ist das nicht mehr so ihres. ER hingegen blüht auf und genießt die neue Umgebung mit all ihren Möglichkeiten in vollen Zügen.

Entstehen hier erste Reibereien oder Diskussionen, können schnell auch Eifersüchteleien oder Unterstellungen mit reinspielen. Vielleicht meldet er sich viele Stunden nicht, weil er ausgegangen ist und sich mit Kumpels verquatscht hat. Er schläft nach einer durchfeierten Nacht bis in den Nachmittag, während SIE bereits Untreue wittert. ER indes empfindet ihre Nachfragen via Telefon oder WhatsApp als Klammerei und Eifersucht.

Schnell wird unter diesen Voraussetzungen eine Spirale in Gang gesetzt, deren Ausgang gut und gerne in die Problem-Rubrik “Kennenlernphase” passt, unter der im Internet unzählige Frauen über ihre Erfahrungen im zwischenmenschlichen Bereich zwischen Dating und Beziehung berichten oder besser gesagt: Ihr Leid klagen.

Verschiedene Lebensvoraussetzungen sind häufig nicht kompatibel

Schnell wird es bei so unterschiedlichen Lebensvoraussetzungen persönlich, schreibt der eine dem anderen Eigenschaften zu, die gar nicht da sind (Casanova, untreuer Partygänger, Klammeraffe, eifersüchtige Frau…). Auf die Idee, dass die unterschiedlichen Lebensphasen das Problem, weil schlichtweg inkompatibel, sind, kommen viele Protagonisten in der Kennenlernphase nicht. Zur Wahrheit gehört aber auch, dass kaum einer, der gerade erst jemanden kennengelernt hat, bei dem die Schmetterlinge fliegen, den Tatsachen, dass es von den Lebensstilen her nicht passt, ins Auge sehen will. Verständlich!

Dennoch sollte man die Situation aber auch in so einer aufregenden Zeit wie dem Kennenlernen hinterfragen. Kommt es immer wieder zu Spannungen, fühlt sich permanent einer hintenangesetzt oder falsch verstanden, ist es nur klug, das große Ganze zu betrachten. Und ehrlich zu konstatieren, dass es durchaus schwer sein könnte, zwei völlig inkompatible Lebensstile auf Dauer harmonieren zu lassen. Auch wenn das menschliche, das sexuelle und das charakterliche noch so gut passen. Oft ist das der Knackpunkt, der über kurz oder lang eine Trennung unausweichlich macht.

Ist der andere bereit, sein Leben zu ändern?

Anders sieht es aus, wenn beide wirklich darauf brennen, mit dem jeweils anderen zu leben und dafür bereit sind, ein paar oder gleich ganz große Stellschrauben im eigenen Leben zu drehen. Man sieht das ganz gut an Paaren, die eine Zeit lang eine Fernbeziehung führten und bei denen irgendwann einer von beiden zum anderen zieht. Auf diese Weise wird eine Partnerschaft, die wohl für die allermeisten auf Dauer so nicht leistbar wäre, auf ein neues Level gehoben.

Allerdings ist für viele, die eine Fernbeziehung eingehen, das Zusammenziehen – sehr bald oder irgendwann – eine Voraussetzung für das Eingehen einer solchen Beziehung. Bei unterschiedlichen Lebensstilen indes ist das wohl kaum möglich, denn das würde bedeuten, dass sich einer von beiden selbst verleugnet. Und selbst wenn er oder sie sich verbiegt: Irgendwann gewinnt der Wunsch, das Leben so zu führen, wie man es liebt, Oberhand. Eine Trennung ist dann nicht selten die Folge.

Deshalb: Obacht, wenn der oder die neu Kennengelernte einem gänzlich anderem Leben zugetan ist. Es kann gut gehen, muss aber nicht…!

Bild: stock.adobe.com / Anni
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