Samstag, 22. Juni, 2024

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Haushalt nur Elternsache? Kolumne aus der Chefredaktion

Sprühen und wischen, nochmal sprühen und wischen – und zum Schluss mit einem trockenen Tuch drüber gehen. Das sind Erinnerungen aus meiner frühesten Kindheit, aus der Zeit, wo ich um die sechs Jahre alt gewesen sein dürfte. Und dieses wischen-und trocken-reiben-Ding war ein profanes Putzen des Badspiegels. Ich erinnere mich, dass ich – mit einer Kinderschürze über meinen Sachen bekleidet – vor diesem Spiegel stand, in der einen Hand Glasspray und in der anderen Hand ein trockenes Tuch. Vorher hatte ich schon mit warmem Wasser und einem Putzlappen hantiert und das Ding saubergemacht. Dieser Vorgang gehörte als Kind zu meinen “Pflichten”, wie meine Mutter zu sagen pflegte und musste einmal pro Woche von mir ausgeführt werden, immer sonnabends.

Putzen & Co. reine Elternsache? Eher nicht!

Desweiteren wurde ich für kleine Einkäufe beim Bäcker nebenan eingeteilt und später auch für`s Staubwischen. Letztere Tätigkeit war schon etwas anspruchsvoller, denn es kam darauf an, im elterlichen Wohnzimmer so Staub zu wischen, dass keine Bilderrahmen, Dekoartikel oder gar Wertvolles zu Bruch ging. Dieser “Pflicht” ging ich als ältere Grundschülern nach. Derlei Aufgaben gehörten zu meinem ganz normalen Alltag in der Kindheit und selbstverständlich handhabe ich es bei meinem eigenen Nachwuchs auch so, dass ich ihn im Haushalt mit einspanne. Kindgerecht natürlich.

So sortiert mein Kind Socken, macht das Katzenklo der Familientiger sauber und den Geschirrspüler leer. Ganz profane Aufgaben eben. Dass das Ganze aber so normal vielleicht gar nicht ist, musste ich dieser Tage in einem Familienforum lesen, in dem eine große Diskussion um das Helfen im Haushalt seitens der Kinder entbrannt ist. Zu meiner großen Verwunderung sahen viele Userinnen (alles Mütter) die Sache mit dem Haushalt und dem Helfen ganz, ganz anders. Nämlich so, dass Haushalt reine Elternsache ist. Und die Kinder mitnichten helfen müssen.

Ein gutes Rüstzeug aus dem Elternhaus schadet nicht

Das erstaunte mich wirklich und ich konnte das gar nicht fassen. Wie, so fragte ich mich, sollen denn Kinder, die niemals im Haushalt mit helfen mussten, später, in ihrer ersten eigenen Wohnung, klarkommen? Packt man das nicht besser, wenn man diverse Handgriffe schon im Elternhaus gelernt hat? Wäsche legen, bügeln, das Bad in Schuss halten, und, und, und….? Es sagt ja keiner, dass ein Kinderalltag aus diesen Tätigkeiten bestehen soll (das wäre ja schlimm!!!), aber es ist doch nicht verkehrt, wenn Töchter und Söhne all diese Dinge erlernen. Zudem dürfte noch kein größeres Kind oder Jugendlicher vom Betten machen vor Erschöpfung umgefallen sein…

Wer um Himmels willen, soll denn diesen jungen Menschen sowas beibringen? Bislang dürfte es keine Schule hierzulande geben, die Toilette oder Spiegel putzen und T-Shirt bügeln im Stundenplan stehen hat. Aktuell gibt es in diesem Zusammenhang zwar gute Projekte, aber die stecken noch in den Kinderschuhen und betreffen keine Tätigkeiten in Sachen “reine machen”.

Klare Aufgaben auch für den Nachwuchs: Das zahlt sich aus!

So manchen könnte es deshalb eiskalt erwischen, sobald er sich erstmalig mit einem eigenen Haushalt konfrontiert sieht. Klar – es gibt Naturtalente, die den Boden auch ohne Mamas Anleitung blitzblank wienern, aber ob das für die Masse derer, die jetzt Kinder sind und keinen Finger im Haushalt rühren müssen, zutrifft, dürfte bezweifelt werden.

Deshalb: Ich plädiere für eine moderate Integration des Nachwuchses in die alltäglichen Abläufe des Haushalts im Elternhaus. Es muss ja nicht schon mit sechs Jahren sein…!

Bild (Symbolbild): pexels.com / cottonbro Studio

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