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Roboter

Bei diesem heutigen Beitrag handelt es sich um meine subjektive Meinung. Normalerweise resümiere ich gerne über Schwierigkeiten zwischen Männern und Frauen und sehe die Dinge mit viel Humor. Aber das nachfolgende Thema beschäftigt mich seit einiger Zeit sehr, und darum möchte ich es heute ein wenig erörtern. Danke, dass Sie mir Ihre Zeit schenken.

„Wasser kochen auf die smarte Art! Steuern Sie die Wassertemperatur mit Ihrem Smartphone“, prangte es mir gestern auf der Amazon-Website entgegen, wo mir vorgeschlagen wurde, ich solle doch endlich wieder mal etwas kaufen. Die drehen immer durch, wenn sie zwei Wochen nichts von mir hören…Neugierig geworden, las ich die Beschreibung und musste schallend lachen. Der angepriesene Wi-Fi-fähige Wasserkocher kann mittels App gesteuert werden, indem man Wassertemperatur und Warmhaltezeit damit regelt. Gedankenverloren sah ich mich nachmittags im Büro sitzen und denken: „Wäre doch nett, wenn ich jetzt bei mir zuhause einfach schnell den Wasserkocher einschalte. Weil ich es kann.“ Amazon: So wird das nichts mit uns, denn ehe dieses Gerät nicht zur Spüle fliegen und sich auffüllen oder entkalken kann, bin ich nicht interessiert, obwohl ich ein Faible für alles habe, das mit Elektronik zusammenhängt.

Ich führe einen modernen Haushalt. Sämtliche Unterhaltungselektronik in meinen Räumen ist mittels W-LAN und Bluetooth vernetzt, Lautsprecher und Anlagen untereinander gekoppelt. Der Bluray-Player erledigt seine Updates mit der aktuellen Firmware selbsttätig, mit dem Fernseher kann ich aufs Internet zugreifen, und auf meinem Handy sind über 12.000 Musiktitel gespeichert und zu Playlists sortiert, die ich auf meine bluetoothfähigen Geräte schicke, um beim Putzen gute Laune zu kriegen. Selbstverständlich trage ich hierbei einen schnurlosen Bluetooth-Kopfhörer mit dem ich auch telefonieren kann.

Vielleicht erkennt man daran, dass ich alles andere als ein Technikmuffel bin, denn alles Neue hat mich schon immer fasziniert.

Jede technische Errungenschaft wurde begeistert angenommen, weiterentwickelt und hat sich in beinahe allen Haushalten etabliert wie zum Beispiel Mikrowellengeräte, Waschmaschinen (meine Mama kochte die Unterwäsche noch in einem riesigen Topf auf dem Herd aus…), Farbfernseher, Videokassetten, CDs, DVDs, USB-Sticks, DVD-Player, Smartphones, Skype oder Computerspiele mit täuschend lebensechter Graphik.

Mein erster PC hatte eine Festplattengröße von 750 Megabyte. Das war damals schon was. Heutezutage reicht das gerade mal für ein einziges meiner Buch-Manuskripte mit 400 Seiten Text. Computer machten uns das Leben in einigen Bereichen tatsächlich leichter, wenngleich ich nach wie vor auf das „papierlose Büro“ warte. Ich kenne genügend Unternehmen und Behörden, in denen eingegangene Emails immer noch zur Sicherheit ausgedruckt und in Leitz-Ordnern archiviert werden. Man kann ja nie wissen…

1980 war das Verzeichnis sämtlicher Telefax-Anschlüsse in Deutschland ungefähr 4 Millimeter dick, ein kleines dünnes Heftchen in der Stärke eines Mickey-Mouse-Comics. In den 20 darauffolgenden Jahren wurde aus diesem schmalen Bändchen ein Nachschlagewerk mit dem Umfang des „Großen Brockhaus“, ist aber seit der Einführung des elektronischen Schriftverkehrs wieder auf die 4-Millimeter-Größe zusammengeschrumpft. Tempora mutantur. Zeiten ändern sich.

Vor 10 Jahren schaffte ich mir eine neue Küche mit einem intelligenten Ceranfeld an. Besagtes Ceranfeld brachte mich im Laufe der Zeit zur Weißglut. Gleich ob ich Schnitzel briet oder Nudeln kochte: Ein Spritzer Fett oder Wasser an der falschen Stelle, und das Ding schaltete sich ab. Wenn die wenigstens einen Warnton eingebaut hätten oder eine blecherne Stimme, die mich aufklärt, wie zum Beispiel: „Sie haben soeben Ihren Herd mit billigem Olivenöl verschmutzt. Reinigen Sie sofort Planquadrat 142 b mit einem feuchten Lappen. Und kaufen Sie künftig extra vergine, Sie Prolet!“ Aber das Ding schaltete sich völlig lautlos aus. Dann starrte man seine Putenschnitzel ratlos an, weil die nach 10 Minuten immer noch schneeweiß waren, bis einem auffiel, dass das Fett in der Pfanne so still ruhte wie der Bodensee an einem nebligen Tag.

Außerdem besaß mein Ceranfeld eine Kindersicherung. Es war wie mit allem, wo „Kindersicherung“ draufsteht: Ich komme damit nicht klar. Das gilt auch für Putzmittel-Verschlüsse, Rohrreiniger-Deckel und Autotüren. Häufig aktivierte ich diese Kindersicherung am Herd versehentlich und konnte dann den Rosenkohl solange nicht dünsten, bis ich eine halbe Stunde lang ratlos auf dem Bedienfeld herum getippt und einen Zufallstreffer gelandet hatte. Die Gebrauchsanleitung für das Ding habe ich nie wieder gefunden, die fürs Backrohr auch nicht. Wer liest denn sowas überhaupt?

Aber dieses boshafte Ceranfeld war nur ein Vorläufer auf dem Weg zum smarten Haushalt. Sie müssen sich heutzutage nicht mehr ächzend vom Sofa hochquälen, um in Ihrem schmucken Eigenheim die Schotten dichtzumachen, nein, Ihre Rollläden können Sie mittlerweile auch von Teneriffa aus schließen oder öffnen. Mitten in der australischen Wüste ist es Ihnen möglich, Ihre Beleuchtung zuhause einzuschalten, um Langfinger zu verunsichern, oder Sie lehnen sich auf Sylt entspannt im Strandkorb zurück, während Sie auf Ihrem Tablet mittels Überwachungs-App und Webcam Ihre siebzehn Katzen beobachten. Ist aber langweilig, die schlafen immer nur.

Smarte Kühlschränke mit Wi-Fi-fähigem Touchscreen und Innenkamera sind der letzte Schrei. Touchscreen! Und Internet! Wird dieser intelligente Kühlschrank dann meinen geliebten Weihenstephan-Quark mit Pfirsich-Maracuja oder „Creme-Fine“-Sahne nachbestellen, wenn das Zeug alle ist? Schickt er mir eine Whats-App-Nachricht, falls die H-Milch ausläuft oder das Haltbarkeitsdatum der Wurst abgelaufen ist? Vermutlich demnächst. Aber unter Umständen erfahre ich über die Innen-Kamera endlich, ob die Beleuchtung ausgeht, wenn ich die Tür schließe. Das wollte ich schon immer wissen.

Die gängige Definition von „smart“ ist „gewitzt oder „geschäftstüchtig“. Ich brauche aber keinen kalauernden, geschäftstüchtigen Kühlschrank, sondern einen kalten.
Da bin ich altmodisch.

Mein Staubsauger-Roboter reinigt die Wohnung nach einem System, das ich bis heute nicht durchschaue. Vor allem würde mich interessieren, warum ich ihn bei jeder Runde vom Boden des Badezimmers pflücken muss, weil er einfach die Tür aufschiebt und sich reinschleicht. Außerdem ist der kleine Mistkerl so flach, dass er sich ständig verirrt und ich ihn dann nicht wiederfinde. Er verklemmt sich zwischen Fliesen und Küchenschrank, schiebt das Tablett mit dem Katzenfutter unter die Spüle, und manchmal habe ich den Eindruck, dass er mir hinter der Türe auflauert mit seinem blinkenden leuchtend blauen Auge. Aber das bilde ich mir bestimmt nur ein. Intelligent ist er jedenfalls nicht. Ich bin übrigens auch nicht scharf drauf, dass der zur KI mutiert. Nichts könnte ich weniger brauchen als ein Haushaltsgerät, das mir nachmault. Dafür gibt es schließlich Kinder.

Wir dürfen uns zweifelsohne darauf einstellen, in Zukunft mit noch mehr smarten Geräten im Haushalt überrascht zu werden. Ich sehe mich schon vor meinem ultramodernen Kühlschrank stehen, der mir das Öffnen verweigert, geschweige denn eine Flasche Bier rausrückt, weil ich heute noch nicht die erforderlichen 30 Minuten auf dem Trimmrad absolviert habe – das übrigens ebenfalls smart ist, mich nach dem Aufsteigen umgehend wiegt und mich während des Trainings daran erinnert, was zu trinken. Wasser natürlich. An das Bier komme ich ja nicht ran, weil der hinterfotzige Heimtrainer mich beim Kühlschrank verpetzt hat. Demnächst erscheint dann die Meldung auf dem Wi-Fi-fähigen Touchscreen meines Kühlschranks, dass beim dritten Verstoß gegen die – nur gutgemeinten – Fitnessregeln ab sofort mein Fernsehkonsum eingeschränkt wird, woraufhin sich das TV-Gerät nicht mehr einschalten lassen wird, ehe ich nicht eine Stunde geradelt bin.

Das kann ja heiter werden.

Alle meine coolen Haushaltsgeräte werden sich zusammenschließen und mir das Leben zur Hölle machen. Vielleicht mault der innovative Elektroherd, wenn ich ein Stück Butter in die Pfanne werfe, um mir ein Ei zu braten (gesetzt den Fall, der Kühlschrank lässt sich öffnen, weil er noch nix vom Hometrainer gehört hat…) und informiert mich mit blauer LED auf schwarzem Grund, dass ich meine erforderliche Anzahl an Kalorien heute schon zu mir genommen habe?

Unbedingt auf die Einkaufsliste setzen: Gaskocher.

Wird die smarte Toilette meine Ausscheidungen wiegen, dem Hausarzt meine Harnsäurewerte melden und mir anschließend Intimdusche und Pilzkur verpassen? Ich habe mir sagen lassen, in Japan funktioniert das beinahe schon. Aber ich brauche kein Klo, das mir dreinredet. Da hätte ich auch bei meiner Mutter wohnen bleiben können. Werden sämtliche (mir abgenötigten) Daten irgendwo gesammelt, vielleicht beim Gesundheitsministerium, und ich werde dann zur Strafe für meinen ausufernden Lebenswandel wegen der vielen Marillenknödel und den Linguini in Sahnesauce jährlich sechs Wochen in einer Gesundheits-Anstalt interniert, wo mir gesunde Ernährung und Körper-Ertüchtigung beigebracht wird?
Ja, lachen Sie nur… Und warten Sie ab.

Wie geht es mit smarten, demnächst vorgeschriebenen Stromzählern weiter, die dem E-Werk melden, wann ich etwas einschalte, und wie lange? Kriege ich am Ende jedes Quartals ein Schreiben mit der Mahnung, nicht so viel fernzusehen, weil mit der Energie, die ich eben mit „Two and a half men“ verbraucht habe, die Klimaanlage eines Krankenhauses in Neu-Delhi betrieben werden könnte und ich mich schämen soll, nur so als Beispiel? Und wenn ich überdurchschnittlich viel Strom verbrauche im Dezember, weil mich wieder der Backwahn gepackt hat, darf ich dann dafür anschließend weniger Musik hören oder muss die elektrische Lichterkette für den Weihnachtsbaum im Karton lassen? Ich frage für einen Freund.

Ja, verrückte Gedanken, ich weiß. Aber so verrückt nun leider auch nicht. Nicht mehr. Nicht in dieser veränderten Welt, wo Daten das neue Erdöl sind und mir ein bekannter junger Philosoph erklärt, dass Menschen Verbote lieben. Herr Precht, rufen Sie mich doch mal an bitte. Die Redaktion hat meine Nummer.

Seit ein paar Wochen besitze ich einen Stand-Ventilator von Dyson. Er reinigt angeblich 290 Liter Luft pro Sekunde mit einem speziellen Hepa-Filter und wird über eine App gesteuert, die mich über Raumtemperatur, Luftqualität und Luftfeuchtigkeit informiert. Außerdem zeigt mir die App auf Wunsch die Luftwerte vor meiner Haustür an. In letzter Zeit lande ich häufig bei „befriedigend“, das ist eine Stufe vor „geht gerade noch, demnächst kippst du wahrscheinlich um“, aber das liegt vermutlich am Landwirt gegenüber, der mit seinem vollen Güllefass unter meinem Schlafzimmer auf- und abfährt.

Ich bin irgendwie gar nicht mehr so entzückt über die technischen Neuerungen wie früher, als ich freudestrahlend den ersten Walkman in den Händen halten durfte. Es geht so schrecklich schnell. Alles.

Viele Innovationen durfte ich in den letzten Jahren miterleben. Etliche habe ich begrüßt, einige skeptisch belächelt wie zum Beispiel den „smarten“ Wasserkocher, dessen praktischer Nutzwert sich mir nach wie vor verschließt, andere machen mir Angst. Denn die Forschung beschränkt sich nicht nur auf den Haushalt und möchte uns das Leben erleichtern, im Gegenteil: Oftmals bekommen wir nur die „Abfallprodukte“ ab. Obwohl ich bis heute nichts gegen Teflon sagen kann, das wir eigentlich der bemannten Raumfahrt zu verdanken haben. Aber in Wirklichkeit geht es um die ganz großen Dinge, um das Weiterführende, um die entscheidende Konsequenz all dessen, das wir uns aneignen, das wir freudig und leichtfertig übernehmen. Wir müssen nur diese Gedanken alle zu Ende denken.

Der gegenwärtige Zustand erinnert mich an den regelmäßig zu hörenden Satz in amerikanischen Kriminalfilmen: „Alles, was Sie aussagen, kann vor Gericht gegen Sie verwendet werden.“

Diesen Satz modifiziere ich wie folgt: „Jedes Gerät, das Sie benützen, alle Daten, die Sie preisgeben, können vor Gericht und im realen Leben ebenfalls gegen Sie verwendet werden.“
Ich bin nämlich schon lange nicht mehr der Ansicht, dass alle Regierungen auf diesem Planeten es nur gut mit uns meinen. Und ich erspare uns heute alle Ausführungen über Alexa, Siri oder Echo. Das würde den Rahmen sprengen.

In Japan laufen seit einigen Jahren Langzeit-Experimente mit Pflege-Robotern, da das Land überaltert und qualifiziertes Personal in Seniorenheimen rar ist.
Erst kürzlich sah ich einen Film über einen humanoiden Roboter, der beeindruckend menschlich wirkte. Die Frau, nach deren Vorbild er gebaut worden war, stand daneben und lächelte in die Kamera – der Unterschied war marginal. Ich hatte Mühe, zwischen Roboter und echter Frau zu unterscheiden.

Wer hätte sich vor 20 Jahren träumen lassen, dass in Deutschland mittlerweile Bordelle eröffnet werden, in denen man mit täuschend lebensechten Silikon-Puppen Sex haben kann? Der Betreiber einer solchen Einrichtung ist fein raus: Keine Gesundheitsuntersuchungen beim Gynäkologen, keine Sozialabgaben, keine nörgelnden „Angestellten“, die auf freie Tage bestehen, nur gelegentlich etwas Puder an den wichtigen Stellen, und fertig ist die Laube. Unsere schöne neue Welt ist auch sehr arbeitgeberfreundlich, wissen Sie. Und dabei rede ich noch nicht mal von Kassen zum Selbst-Scannen oder Geldautomaten.

Wir sind ganz schön überflüssig geworden…

Die zwingende Folgerung aus dieser Art des Sexbetriebs werden täuschend menschenähnliche Sex-Roboter sein müssen. Wussten Sie, dass diese lebensechten Silikon-Puppen mit atemberaubenden Figuren, die es mittlerweile für ungefähr 5000 Euro zu kaufen gibt, ursprünglich für Frauen konzipiert worden sind? Die Erfinder gedachten, damit in eine Marktlücke zu stoßen (Entschuldigung), mussten aber feststellen, dass das weibliche Geschlecht beeindruckend wenig für blauäugiges Silikon mit künstlichem Dreitagebart und zerzausten Haaren in Boxer-Shorts übrig hatte, und wären deshalb beinahe pleite gegangen. Danach entschlossen sie sich, Sexpuppen für Männer zu bauen und hatten eine Goldgrube entdeckt. Aber davon ein andermal.
Diese Sexpuppen werden nicht lange stumm bleiben und nur verkrampft lächeln, denn ein bisschen Applaus wünschen sich doch die meisten Männer. Also werden sie in absehbarer Zeit einen Sprachchip erhalten und vielleicht sogar glücklich stöhnen können.

Eventuell werden bald die ersten mit den Zehen zucken oder sich mit den Fingern in den Rücken ihres Besitzers krallen, verschämt die Augen schließen oder um mehr betteln.
Die Sex-Roboter werden kommen. Ich nehme jede diesbezügliche Wette an, meine Damen. Kein umständliches Dating, keine Emails oder Whats-App-Nachrichten, keine mit der letzten Kohle gekauften Blumensträuße, keine Eifersuchts-Szenen, kein Theater, wenn „Mann“ Fußball gucken will. Im Grunde sind diese Puppen für einige Männer der feuchte Traum schlechthin. Die wollen ohnehin nicht reden…

Und ich freue mich auf den Tag, an dem die erste Frauenrechtlerin eine Klage vor dem höchsten Gericht anstrengen wird, weil bezahlter Sex die Persönlichkeitsrechte der Puppe verletzt. Auch darauf nehme ich jede Wette an. Frau Schwarzer, können Sie mich hören?

Das wird alles noch so irre werden, dass man es sich nicht mal vorstellen kann. Glauben Sie mir.

Aber jetzt muss ich ernst werden: Alles, das uns das Leben erleichtert, kann genauso gut gegen uns verwendet werden. Mikrowellen beispielsweise erhitzen nicht nur unseren Kakao:
Das Active Denial System (ADS) ist eine US-amerikanische nicht-tödliche Anti-Personen-Strahlenwaffe, die durch starke und gerichtete Mikrowellen wirkt. Das ADS arbeitet mit Mikrowellen einer Frequenz von 95 Gigahertz, die mit einer Antenne auf menschliche oder andere Ziele in einer Entfernung von mehr als 500 Metern gerichtet werden können. Haushalts-Mikrowellengeräte arbeiten dagegen bei 2,45 Gigahertz. Nach Aussage von Befürwortern sollen dabei keine bleibenden Schäden auftreten. (Quelle: Wikipedia)

Denken Sie daran, wenn Sie die Kartoffeln vom Vortag aufwärmen. Jedes Ding hat zwei Seiten. Nicht nur Ihr Gemüsebratling…

Kennen Sie übrigens „FEDOR“ („Final Experimental Demonstration Object Research“)? Es handelt sich hierbei um einen russischen Kampfroboter, der ständig weiterentwickelt wird.

Bei Interesse können Sie gerne auf YouTube FEDOR beim Schießen, Kämpfen oder Autofahren bewundern. Er turnt übrigens auch, zwar noch ein wenig ungelenk, aber was ihm an Grazie fehlt, macht er durch mechanische Kraft wieder wett. FEDOR lässt sich niemals ablenken, er braucht bei Regen keinen Schirm, kriegt nie Grippe oder Muskelschwund geschweige denn Burnout oder eine posttraumatische Belastungsstörung, FEDOR hat niemals Hunger oder Durst, und: FEDOR hat keinerlei Gefühl. Gar keines. Er wird immer genau das tun, was sein Programmierer ihm aufträgt, und wie ich Menschen kennen und fürchten gelernt habe, werden das nicht die bekannten „Robotergesetze“ von Isaac Asimov sein, die da lauten:

1. Ein Roboter darf kein menschliches Wesen (wissentlich) verletzen oder durch Untätigkeit (wissentlich) zulassen, dass einem menschlichen Wesen Schaden zugefügt wird.
2. Ein Roboter muss den ihm von einem Menschen gegebenen Befehlen gehorchen – es sei denn, ein solcher Befehl würde mit Regel eins kollidieren.
3. Ein Roboter muss seine Existenz beschützen, solange dieser Schutz nicht mit Regel eins oder zwei kollidiert. (Quelle: Wikipedia)

Das alles hat ein findiger Hacker im Nullkommanix geändert…

„FEDORS 180 cm großer Körper ist menschenähnlich und mit einem Sensorsystem sowie Kraftrückkopplung ausgestattet, um sich in für Menschen gebauter Infrastruktur bewegen und mit Werkzeugen und Geräten arbeiten zu können. Gedacht ist FEDOR nicht nur als um sich schießender Robotercowboy oder Polizist, sondern als Rettungsroboter, als Assistent für Astronauten, zum Minenräumen oder für die Arbeit etwa in Umgebungen wie AKWs, die für Menschen zu gefährlich sind. Einsatzbar soll er auch autonom sein, aber er soll auch die Bewegungen eines Menschen in großer Entfernung nachahmen können. Schließlich soll er auch in den Weltraum als Hilfsastronaut und anstelle von Astronauten die ersten Testflüge des Raumschiffs Federazija durchführen.“ (Quelle: Wikipedia)

FEDOR ist nicht allein, das kann ich Ihnen versichern. Machen Sie sich einfach die Gaudi und suchen Sie „Kampfroboter“ bei Google oder YouTube. Und gruseln Sie sich anständig.
Im Grunde genommen ist FEDOR nur der böse große Bruder der Pflegeroboter in japanischen Seniorenheimen. „Robo-Cop“ war gestern. Auf uns wartet eine kalte Zukunft, fürchte ich. Das Schlimmste für mich ist eigentlich, dass viele diese Entwicklung begrüßen werden.

Wenn ich’s nur glauben könnte, das mit dem Minenräumen oder den Arbeiten in AKWs. Ich habe eher den Verdacht, dass FEDOR demnächst auf irgendeinem Schlachtfeld über die Köpfe seiner erlegten Kombattanten steigt und diese, ohne hinzusehen, zertritt, oder eine Demonstration mit Regime-Kritikern aufmischt. Vielleicht habe ich aber auch nur „Terminator“ einmal zu oft angeschaut.

Das derzeitige Meisterstück der amerikanischen Firma „Boston Dynamics“ ist momentan „Atlas“, ein von Boston Dynamics im Auftrag der US-amerikanischen Defense „Advanced Research Projects Agency“ entwickelter humanoider Roboter. Ein anderes, vierbeiniges Modell derselben Firma nennt sich „Spot“ und dient (angeblich) nur niederen Arbeiten wie dem Transport von Gütern (selbstverständlich wird Spot nur Verbandsmaterial an die Front bringen, da er gebaut ist wie ein Kojote, schnell wie ein Dingo und robust wie eine Kakerlake ist. Was dachten Sie denn?)
Wenn Sie Spot eine Weile im Video beobachten, werden Sie sehen, wie schnell und zielstrebig er läuft, wie er lauernd den Kopf senkt, um mit den eingebauten Kameras seine Umgebung zu erfassen, dann wird Ihnen Angst und bange. Und das sage ICH als leidenschaftlicher Science-Fiction und Star-Trek-Fan.

Klar sind FEDOR, ATLAS oder SPOT tolle Erfindungen, und sie könnten bei Arbeiten in AKWs, auf Ölbohrplattformen, bei der Minenräumen oder in anderen Bereichen großartige Arbeit leisten.
Aber was könnten sie noch tun? Immer bis zum Ende denken.

Drohnen sind ja eigentlich auch nicht übel, oder? Man kann sie mit Kameras bestücken und endlich überprüfen, ob die rattenscharfe Nachbarin oben ohne genauso gut aussieht wie mit Kittelschürze. Man kann sie bei Waldbränden zur Aufklärung einsetzen, vielleicht sogar zum Warentransport. Und man kann Menschen damit töten. Viele Menschen. Völlig emotionslos, mittels eines Joysticks und ein paar Knöpfen. An einem Bildschirm, ohne die schmerzverzerrten Gesichter zu erkennen, den Kummer, die Gram, den Schmerz, all das Leid.
Die Kehrseite. Die dunkle Seite. Nie vergessen.

Roboter wie „Atlas“ wären eine feine Sache, würden sie als eine Art „Robo-Cop“ eingesetzt werden und nur dem Guten dienen. Aber bei Robotern ist das so eine Sache, sie benötigen immer jemanden, der sie steuert oder ihre Subroutinen schreibt. Wer passt auf die auf, die ihre Finger am Schaltpult haben? Wer passt auf die auf, die „Robo-Cops“ programmieren? Ist es immer der, der bezahlt? Und wenn jemand mehr bietet? Was kommt da auf uns zu?

In Anbetracht all dieser Entwicklungen sollten wir Sätze wie „nach menschlichem Ermessen“ oder „nach bestem Wissen und Gewissen“ mehr wertschätzen und uns ihrer essentiellen Bedeutung bewusst werden.

„Menschliches Ermessen“ ist nämlich nicht de facto etwas Schlechtes, nur wegen der eingebauten, immer wieder vorkommenden Irrtümer, denn Menschen machen Fehler. Alle. Sogar Sheldon Cooper aus „The Big Bang Theory“. Es gibt Dinge, die können nur Menschen ermessen. Nichts, absolut nichts, das aus Titanlegierung besteht, aus seltenen Erden oder Platin, gespickt mit Hydraulik und Kameras, wird jemals ein Gewissen zu ersetzen vermögen.

Mit jeder Überwachungskamera, die irgendwo im Lande an eine Laterne montiert wird, mit jedem smarten Haushaltsgerät, mit jeder Siri, Alexa oder dem Echo, werden wir ein Stück weit mehr zu diesen durchsichtigen, gedankenlosen Lebewesen, die glauben, sie hätten nichts zu verbergen und alles im Griff – eine amporphe Masse aus vergnügungssüchtigen Hedonisten oder abgestumpften Zynikern, die alles kommentarlos hinnimmt, das ihr aufoktroyiert werden wird.

„Ich habe nichts zu verbergen, die wissen schon, was sie tun“, höre ich häufig. Aber wir haben alle etwas zu verbergen, und die Definition von „was zu verbergen“ wird sich ändern, je nachdem, wer gerade unsere Geschicke lenkt.

Vielleicht habe ich einfach ein bisschen zu viel Phantasie, wenn ich mir ausmale, wie diese militärischen Roboter nicht nur Minen entschärfen, sondern Menschen wehtun, weil wieder einmal „Recht“ oder „Unrecht“ umdefiniert worden ist. Es wäre nicht das erste Mal in der Geschichte der Menschheit.

Noch haben wir es in der Hand. Wir sollten ganz genau hinsehen, worauf wir uns einlassen. Wir sollten uns darüber im Klaren sein, dass alles, das uns nützt, auch etwas ist, das uns schaden kann. Wir sollten vorsichtig und wachsam bleiben.

Das wäre unsere Aufgabe. Unsere ganz allein. Dafür gibt’s keine Roboter. Und das ist auch gut so.

Mit nachdenklichen Grüßen,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Zufrieden sein

Mit wem muss ich schlafen, damit ich auch so ein Bett bekomme?“ Diese Frage stellte Paula, 47 Jahre alt, Mutter zweier entzückender Töchter, vor kurzem ihrem Mann, nachdem sie bei ihrer Freundin deren hübsches neues Prinzessinnen-Bett samt Baldachin neidisch begutachten durfte.

Eigentlich hatte die gute Paula bis dahin schon alles: ein hübsches Haus, zwei gesunde Kinder, und einen Mann, der sich bei seiner Arbeit in der Nachtschicht und Haus- und Gartenpflege aufreibt, damit Paula ungestört ihrem Halbtagsjob im Einzelhandel nachgehen und sich nachmittags beim Shopping mit Freundinnen erholen kann. Waschen oder kochen tut sie nämlich auch nicht.

Letztes Jahr wurde eine neue prestigeträchtige Einbauküche gekauft und anschließend das Bad nach Paulas Vorstellungen renoviert. Ihr Kleiderschrank platzt aus allen Nähten, den schnittigen blauen Kleinwagen hat sie vor sechs Monaten quasi beim Händler aus dem Schaufenster gefahren, gesponsert vom Gatten, der auch Steuern und Versicherung übernimmt. Alle vier Familienmitglieder sind kerngesund, finanzielle Sorgen existieren keine, und bis auf die normale Monotonie eines langjährigen Ehelebens hat niemand innerhalb der Familie nennenswerte Probleme.

Paulas Mundwinkel aber haben sich in den letzten 10 Jahren allerdings immer weiter nach unten gesenkt, und das letzte Mal habe ich sie ungefähr 1986 herzhaft lachen gehört. Sie ist unzufrieden mit ihrem Leben und hat sich in diesem Zustand eingerichtet wie in einem bequemen Sessel.

Man könnte meinen, sie müsste glücklich sein, so ganz ohne finanzielle oder gesundheitliche Sorgen, aber ihre Wunschliste ist sehr umfangreich und verlängert sich exponentiell mit jedem weiteren Schaufensterbummel. Weil Paula generell mit ihrem Leben hadert und das auch allen mehr oder weniger unverblümt mitteilt, wird sie oft zu Konzerten mit anschließender Übernachtung eingeladen, zum Essen in gute Lokale gebeten oder mit Geschenken überhäuft. Dieser Wahnsinn hat scheinbar Methode.

Einige Male war ich mit ihr einkaufen. Wühltische ziehen sie magisch an, das Haus quillt über von ungelesenen Hochglanz-Zeitschriften, Garage, Keller und Dachboden sind mittlerweile voll.
Aber das Loch in ihrem Herzen wird mit jedem Tag größer, denn je mehr Paula besitzt, um so mehr will sie haben.

Paula gibt es wirklich. Und ihre Unzufriedenheit ist dabei, sie nach und nach aufzufressen. Irgendwann werden von ihr nur noch die nach unten hängenden Mundwinkel übrig bleiben.

Sie ist in ihrer Erwartungshaltung mittlerweile erstarrt, und wenn sie sich in ihrem geräumigen, modern eingerichteten Haus umsieht, dann fallen ihr ausschließlich Dinge auf, die sie unbedingt noch braucht, um ihr Leben perfekt zu machen, nie alles, das sie schon besitzt.

„Ohne eine anständige Küchenmaschine wirkt die ganze Einrichtung doch dilettantisch“, erklärte sie mir neulich verdrossen. „Da gibt man 2000 € für einen Backofen aus, und dann habe ich nicht mal anständiges Arbeitsgerät wie eine Kitchenaid.“

So viel zu Paula.

Erinnern Sie sich vielleicht an die Firma „Louis London“ und ihren Werbeslogan: „Gestern Nacht träumte ich, ich hätte im Lotto gewonnen. Alle kleinen Wünsche waren weg, weil erfüllt. Schade“? Darüber habe ich früher oft nachgedacht und gedankenverloren genickt. Für mich wäre es schrecklich, keine Wünsche mehr zu haben.

Wenn alles zu besitzen und sich alles kaufen zu können so erstrebenswert ist, warum zieht dann Paris Hilton auf jedem Foto so ein gelangweiltes Gesicht? Wieso wirken wahre Superreiche immer irgendwie blasiert und angeödet? Das kann doch nicht nur vom Botox kommen.

Paula jedenfalls fällt täglich etwas anderes ein, das sie unbedingt noch benötigt, um ihr Leben zu vervollständigen. DANN ist sie aber bestimmt glücklich, meint sie. Ich habe mittlerweile den Kontakt zu ihr drastisch eingeschränkt, denn ihr permanentes Gejammer ging mir auf die Nerven.

Zufrieden ist sie nicht. Wird sie niemals werden.

Wenn Sie allerdings mit einem Mindestlohnjob Ihr Geld verdienen und abends in ihr Wohnklosett mit Kochnische heimkehren, den leeren Kühlschrank anstarren und dann frustriert die letzte Scheibe Knäckebrot mit Margarine bestreichen, haben Sie übrigens alles Recht der Welt, unzufrieden mit Ihrem Leben zu sein, wenn eine schwere Krankheit Sie erwischt hat, gegen die Sie ankämpfen müssen, gleichfalls.

Es gibt leider unzählige Menschen, denen sehr vieles fehlt, um auch nur menschenwürdig existieren zu können, das gebe ich zu. Um die dreht sich mein Beitrag aber nicht. Ihnen sei meine Hochachtung gewiss, weil Sie kämpfen, weil Sie sich durchschlagen, weil Sie nicht aufgeben, und ich wünsche Ihnen von ganzem Herzen, dass sich Ihr Leben zum Positiven ändert.
Diese Seite des Lebens kenne ich nämlich auch bis zum Überdruss, und manches Mal war ich drauf und dran, zu verzweifeln.

Ich meine diejenigen, die alles haben, und glauben, immer noch etwas mehr zu brauchen. Daran ist die Werbung nicht ganz unschuldig, die uns mit unterschwelligen Schlüsselreizen wie „Sex“ und „Tod“ perfide-manipulativ in die Zange nimmt, bis endlich im Flusensieb unseres Unterbewusstseins hängenbleibt, dass wir uns unbedingt etwas kaufen müssen, ohne das wir nicht mehr leben oder zumindest nicht mehr „in“ sein können.

Ein Bekannter von mir ließ sich, als er das Gewicht von 170 Kilogramm erreicht hatte, ein Magenband legen und schaffte es tatsächlich, mit diesem innerhalb eines Jahres nochmal 12 Kilo zuzunehmen. Er meinte, Reis oder Salatblätter seien so schlecht zu schlucken und stieg deshalb auf Schokolade und Eis um, die prima sofort bis in den Magen rutschten.

Übermäßiger Konsum ist genau wie Schokolade: schnell gegessen, voller leerer Kalorien, und muss letztendlich irgendwo gelagert werden. Ob das Ihr übervoller Keller oder die Hüften sind, mag jeder für sich selbst entscheiden. Sie werden trotzdem nie das Gefühl haben, wirklich satt zu sein.

Warum können wir nicht einfach zufrieden sein? Warum ist das so schwer?

Gestern Vormittag befand ich mich auf dem Heimweg von einer Besorgung auf einer gewundenen, herrlichen Landstraße und war wegen des Gegenverkehrs gezwungen, eine gefühlte Ewigkeit hinter einem älteren Herrn im silbernen Cabrio her zu schleichen, da es keinerlei Überholmöglichkeiten gab. Normalerweise fahre ich defensiv und poche nie auf meine Vorfahrt, aber allmählich begann ich, die Geduld zu verlieren, denn der Senior ließ sich vormittags um 11:00 Uhr alle Zeit der Welt und besichtigte die schöne Landschaft mit einer Durchschnittsgeschwindigkeit von 65 Stundenkilometern, während sich hinter ihm der Verkehr staute, und sogar die LKW-Fahrer allmählich ungehalten wurden, wie ich an dem aufgebrachten Handzeichen des Truckers hinter mir erkennen konnte.

Ich wartete bis zu einer übersichtlichen Stelle, gab Gas und überholte ihn mit röhrendem Motor, während mir wegen der herabgelassenen Fenster die langen Haare um die Nase wehten.
Gerade lief „Video killed the radio star“ von den Buggles in meinem Radio, und als ich wieder auf der rechten Spur einscherte, jauchzte ich unvermittelt auf und schrie lauthals: „Ist das geil!“

Entschuldigung, ja, das schrie ich wirklich. Der Fahrtwind, die Musik, der strahlende Sonnenschein und die ganze Kraft meines Motors, als sich bei 3500 Umdrehungen der Turbo einschaltete, all das vermischte sich innerhalb einer Millisekunde zu einem berauschenden Gefühl von Eins-Sein mit dem gesamten Universum – sogar mit allen Leuten, die ich normalerweise nicht leiden kann.
Und schwupp – war es wieder vorbei. Leider. Man kann ja nicht ständig Cabrios überholen.

Dieser eine Augenblick, in dem ich im wahrsten Sinne des Wortes juchzte – ich werde ihn für alle Zeiten in meinem Gedächtnis abspeichern. In dieser einen Sekunde des überbordenden Frohsinns passte alles zusammen: das Leben, das ich bis dahin gelebt hatte, die vielen Jahre, in denen ich mehr geweint als gelacht habe, all die winzigen kleinen Ereignisse, die dazu geführt hatten, dass ich mich genau in dieser Sekunde an genau diesem Ort befand und vor Freude schrie.

Es war das pure Glück. Solltest du mal ausprobieren, Paula. Aber du brauchst vermutlich mindestens einen Lamborghini dazu.

Glücklich sein wollen wir ja alle. Wir fordern es in Bekanntschafts-Anzeigen („Suche den Mann fürs Leben, mit dem ich glücklich werden kann“), spielen wöchentlich Lotto („Versuchen Sie Ihr Glück!“), und sind immer auf der Jagd nach diesem ominösen Bewusstseinszustand, den keiner von uns so genau beschreiben kann, außer den Menschen, die vielleicht an einer schweren Krankheit leiden und sich kein größeres Glück vorstellen können als eine Heilung. Sie sind von diesem Beitrag selbstverständlich ausgenommen.

Glück ist etwas Flüchtiges, wie ein geruchloses Gas. Manchmal hält es lediglich für die Länge eines Atemzuges oder Wimpernschlages vor. Und Sie haben es nicht mal bemerkt.
Die meisten von uns würden es nicht mal erkennen, wenn man es ihnen auf den Bauch bindet. Leider wahr.

Wie die Karotte vor der Nase des Esels hängt es durchscheinend als vager Umriss vor unserem Gesicht, und scheinbar müssen wir danach streben, in jeder freien Minute. Obwohl wir nicht wissen, wie es aussieht, wie es riecht… und wie es sich anfühlen sollte.

Es gibt eine herrliche Stelle in dem Film „City-Slickers“ aus dem Jahre 1991 mit Billy Cristal in der Hauptrolle. Frustrierte Großstädter verbringen einige Tage Urlaub auf einer Ranch und lernen dort einen alten Haudegen kennen, der sie total verunsichert, denn er ist ein rauer Bursche, der nicht viele Worte macht.

„Kennst du den Sinn des Lebens?“, fragt dieser Cowboy namens „Curly Washborn“, der von dem göttlichen Jack Palance verkörpert wird.

„Nein, was ist er?“, fragt der eingeschüchterte Billy Cristal zurück.

Curly deutet mit seinem knochigen Zeigefinger auf Billy und sagt: „Das. Und was das ist, muss jeder für sich selbst herausfinden.“

Na, dann suchen wir eben weiter. Das wird aber schwierig vor lauter Tagesgeschäft, ständig klingelnden Telefonen, Terminen, Blockbustern, To-Do-Listen, gesellschaftlichen Verpflichtungen und Verabredungen mit Leuten, die wir nicht ausstehen können. Manchmal steht das Glück nämlich genau neben uns, aber wir kriegen es nicht mit, weil wir gerade auf unser Handy-Display starren und bei Google eingegeben haben: „Wie werde ich schnell reich ohne Arbeit?“

Glück in des Wortes reinster Definition ist ein punktueller Zustand, ein winziges, nur Nanobruchteile von Sekunden dauerndes Gefühl, das sich weder in einem Einmachglas konservieren noch auf der Festplatte speichern lässt. Zwar bemüht sich die Werbung nach Kräften, analog wie auch digital, Ihnen das einzureden, aber glauben Sie mir: Die lügen.
Sie werden nicht glücklicher sein mit dem roten Auto, der Waschmaschine mit Turbo-Schleudergang oder dem neuesten Fertiggericht. Auch zwei oder drei Flaschen von dem neuen angesagten alkoholischen Mixgetränk in der stylischen Flasche machen Sie nicht glücklicher, nur besoffen.

Glück ist deshalb so begehrt, weil es sich schwer definieren lässt, mit keinem Gerät weltweit gemessen werden kann und sofort verfliegt, sobald man bemerkt, dass man es hat. Wieder nichts.

Die meisten von uns sind ganz normale Menschen mit einem Durchschnitts-Einkommen und einem Durchschnitts-Leben und sehnen sich vielleicht nach finanziellem Wohlstand, wenn wieder einmal zu viel Monat am Ende des Geldes herrscht. „Es wäre doch schön, sich alles kaufen zu können, was man will“, denkt man dann vielleicht.

„Ach wissen Sie, die sitzen dann alle bei mir auf der Couch“, erklärte mir diesbezüglich mal eine Psychologin auf einer Party, als ich mich bei ihr darüber beklagte, nie genug Geld zu haben und mich über meinen reichen Nachbarn beschwerte, der alle mit seinen Monate dauernden, lautstarken Umbauarbeiten in den Wahnsinn trieb, denn rücksichtlos war er außerdem.

„Glauben Sie nicht, dass Sie reich glücklicher wären, oder dass diese Leute es sind“, versicherte mir die Psychologin. „Wirklich überall ist etwas, und Probleme haben die genauso.“
Daran erinnere ich mich oft, bei mir hat dieser Spruch tatsächlich ein Umdenken bewirkt. Wie schon meine Mutter immer sagte: „Unter jedem Dach ein Ach“. Dieses „Ach“, das Leid und der Schmerz, vielleicht werden sie bei der Geburt mitgeliefert und gehören zur Serienausstattung unserer Existenz. Jeder bekommt seinen Teil. Und nur manche dürfen den Kummer häppchenweise schlucken. Anderen wird alles auf einmal serviert, und sie gehen daran zugrunde.

Ich kenne ein paar Leute, die reich sind. So richtig reich. Einer davon ist gute hundert Millionen schwer und hat seit dem Tag seiner Geburt das nutz- und sinnloseste Leben geführt, das ich persönlich mir vorstellen kann.

Geboren als Kind äußerst wohlhabender Eltern, nie dazu gezwungen, sich seinen Lebensunterhalt selbst verdienen zu müssen, hat er eigentlich die letzten Jahrzehnte nichts anderes getan, als Geld auszugeben, wenn auch widerwillig, denn was sollte man tun, wenn man Kohle hat ohne Ende, aber keine Freizeitbeschäftigung? Außerdem ist er extrem geizig. Ich habe selbst schon erlebt, wie er das Kerngehäuse eines Apfels, den jemand auf dem Tisch achtlos liegengelassen hatte, aufaß. Mit Stumpf und Stiel.

Seit vielen Jahrzehnten lebt er in permanenter Angst davor, finanziell ausgenutzt zu werden und wünscht sich – natürlich – aus Paritätsgründen eine Partnerin, die genauso reich ist. Da diese Sorte Damen aber mindestens genauso paranoid ist wie er und außerdem äußerst anspruchsvoll, ist dieser Mann nach wie vor einsam und hat seinen 60ten Geburtstag allein gefeiert.

Er lebt verbittert in einem heruntergekommenen Bungalow an der französischen Grenze (wird seit Jahren umgebaut, aber alle Handwerker bauen nur Mist laut seiner Aussage), kleidet sich wie ein Obdachloser, weil er fürchtet, jemand würde ihn anpumpen, sobald herauskommt, dass er Geld hat, und mag weder andere noch sich selbst. Im Grunde genommen ist es eine traurige Geschichte, und er ärmer dran als wir alle.

Glücklich ist er übrigens nicht und war er meines Wissens nach auch noch nie. Dazu reicht ein Blick auf seine herabhängenden Mundwinkel. Der kann sich gleich neben Paula stellen. Die beiden wären ein Dream-Team.

Aber zurück zum Thema. Glück ist keine Konserve, sondern eine scheue Gelegenheit, die sich selten blicken lässt, oftmals unansehnlich in alte Lumpen gekleidet und unscheinbar. Und wenn es bemerkt, dass man es nicht beachtet, dann dreht es sich um und geht. Und es kommt nicht wieder.

Anders verhält es sich mit der kleinen Schwester des Glücks, der Zufriedenheit. Zwar trägt sie meistens Grau und wirkt etwas langweilig, aber sie ist recht zuverlässig, nimmt selten was übel und ist sehr viel zugänglicher. Zufriedenheit lässt sich leicht mit einer positiven Grundeinstellung anlocken, und wenn sie es sich bei Ihnen gemütlich gemacht hat, dann bleibt sie Ihnen auch erhalten. Sie verlangt eigentlich nur, dass man ihr täglich Beachtung schenkt, mit einem guten Gedanken oder einem netten Wort, mehr nicht. Ich habe mich vor sehr langer Zeit für sie entschieden und bin mit „zufrieden“ mehr als zufrieden. Sollen andere versuchen, glücklich zu werden. Es wäre sogar gut möglich, dass ich es schon bin.

Und zur Zufriedenheit gehören diese „perfekten Momente“, von denen ich gestern einen erlebte.

In meinem eigenen Leben gibt es ein paar solcher wunderschöner Augenblicke, aus denen ich mir eine virtuelle Perlenkette gebastelt habe, die ich an besonders dunklen Tagen aus dem Versteck in meinem Gedächtnis hole, um sie wehmütig durch die Finger gleiten zu lassen. Ich tue das nicht allzu oft, denn sonst nutzt sie sich ab.

Das Leben ist eine bunte Mischung aus allem – Freude und auch Schmerz. Und wäre nicht das Leid, wie könnten wir das Schöne denn erkennen, das uns begegnet? Ohne die Dunkelheit würden Sie das Licht gar nicht bemerken. Vielleicht muss man wirklich erst gehörig vom Leben in die Mangel genommen worden sein, um kurze Verschnaufpausen schätzen zu lernen.

Der amerikanische Poet Ralph Waldo Emerson schrieb: „Aus den Trümmern unserer Verzweiflung bauen wir unseren Charakter.“ Wie sieht wohl die Persönlichkeit von jemandem aus, der nie gegen irgendwelche Widrigkeiten zu kämpfen hatte? Der ein stromlinienförmiges Leben lebte, ohne Entbehrungen, ohne Schmerz oder Verluste? Ganz ehrlich: Ich möchte mit keinem von denen tauschen.

Glück. Alle wollen es haben, keiner weiß genau, wie es aussieht. Die meisten Lottogewinner haben ein paar Jahre nach ihrem Gewinn noch weniger als vorher und sind außerdem um die Erfahrung reicher, dass Geld mit Glück nichts zu tun hat. Und das ist keine Plattitüde.

Glück ist Definitionssache. Und die wenigsten von uns haben es wirklich nötig, glaube ich. Gesund zu werden bei schwerer Krankheit DAS nenne ich Glück. Aus einer ausweglosen Situation gerettet zu werden ebenfalls. Alles andere fällt unter die Sparte „Zufriedenheit“.

Und nicht mal das können wir wirklich.

Schon Goethe behauptete seinerzeit: „Nichts ist schwerer zu ertragen als eine Reihe von guten Tagen.“ Der Gute hatte so was von recht. Weil wir Esel nämlich aufs Eis tappen, wenn es uns zu wohl wird – frei interpretiert. Narren sind wir, die Gemütlichkeit mit Langeweile verwechseln, denen unheimlich wird, wenn mal drei Tage nichts passiert.

Von Goethe stammt auch der Satz: „Wage es, glücklich zu sein.“ Und da der Geheimrat kein Narr war, was seine zeitlosen Werke beweisen, hatte er wohl seine Gründe. Man muss sich wirklich trauen, „glücklich“ oder zufrieden zu sein. Einfach ist es nicht, denn wir werden automatisch darauf warten, dass uns ein LKW überfährt.

Zufriedenheit ist die kleine Schwester des Glücks. Sie ist sehr viel zugänglicher und charmanter als ihre große Verwandte, und sie lässt sich auch häufiger sehen. Wir müssen nur hinschauen, aber wir sind gerade dabei, diese Fähigkeit zu verlernen. Wer 24 Stunden am Tag auf sein Handy-Display starrt, wird wohl die Gelegenheit verpassen, den „perfekten Moment“ zu erwischen. Er lauert nämlich nicht auf dem Home-Bildschirm, sondern steht draußen vor der Tür oder sitzt vielleicht lächelnd im Gras neben dem kleinen Teich, an dem Sie auf dem Weg zur Arbeit immer vorbeikommen.

Es gibt, wie gesagt, nicht viele solche perfekten Momente in meinem Leben. Einen erlebte ich, als mein alter Onkel im Sterben lag und meine Mutter nach tagelangem Bohren dazu überreden konnte, sich von ihm zu verabschieden. Die beiden waren seit Jahrzehnten zerstritten und hatten seit Ewigkeiten kein Wort mehr miteinander geredet.

Ich durfte dabei sein, als meine Mutter die von einem schweren Schlaganfall gezeichnete Hand ihres Bruders nahm, der versuchte, sie zu ergreifen und sie mit einem verbliebenen Auge anstarrte. „Alt sind wir geworden“, flüsterte meine Mutter liebevoll und streichelte meinem Onkel den Handrücken. Mir schossen damals Tränen in die Augen, als ich diese beiden gelebten Leben so nah beieinander sah, die durch belanglose Nichtigkeiten entzweit worden waren.

Rien ne va plus. Ihr Einsatz bitte. Nichts geht mehr…

Es war das Ergreifendste, das ich je gesehen habe. Ich werde es nie vergessen, weil ich glaube, DAS ist es, worauf es ankommt – diese Sekundenbruchteile, in denen wir eins sind mit dem, was wir eigentlich werden hätten sollen, dieses glitzernde, funkelnde kristallklare Reine, das in unserer Seele verschüttet liegt von dem Moment an, wo wir mit dem „wahren Leben“ beginnen und uns nicht mehr die Zeit und Mühe machen, um uns zu blicken und zu erkennen, dass wir nichts von alldem mitnehmen können, das wir jetzt anhäufen wie panische Eichhörnchen. Oder haben Sie schon mal einen Fichtensarg mit Anhängerkupplung gesehen?

So vieles entgeht uns, weil wir damit beschäftigt sind, durch die Jahre zu hecheln, weil wir verlernt haben, hinzuschauen und zuzuhören. Diese innere Stimme, die immer da ist in uns, die uns genau sagt, was eigentlich richtig und falsch wäre, sie kommt gegen den infernalischen Lärm, den unser Alltag verursacht, einfach nicht mehr an.

Wie gesagt – es gibt viele Situationen, in denen wir wahrhaftig von „Glück“ sprechen dürfen wie die Heilung von einer schweren Krankheit oder das Überleben eines grauenvollen Auto-Unfalles. Alles andere fällt in die Kategorie „Zufriedenheit“. Aber wie wir Menschen nun einmal sind: Mit der billigeren Kopie geben wir uns nie zufrieden. Es muss immer der Traumpartner sein, der Wunsch-Konto-Stand oder ein besseres Auto als der Nachbar, ein größeres Haus oder überhaupt eins und soviel Geld, wie man nur essen kann. Ich habe das jetzt mit Absicht geschrieben, um Ihnen zu verdeutlichen, wie sinnlos dieses Streben nach immer mehr und immer weiter eigentlich ist.

Perfekte Momente sind ein Geschenk. Zufriedenheit eine Entscheidung. Irgendwann wird der Croupier Sie auffordern, Ihr letztes Spiel zu machen. Bis dahin sollten Sie ausreichend gelächelt haben und sich an Schönes erinnern können.

Glauben Sie mir, ich kenne eine Menge Leute, die allen Grund zur Zufriedenheit hätten. Sie sind gut situiert, haben gesunde Kinder, keinerlei körperliche oder seelische Beschwerden, und ihr Leben scheint zu laufen wie ein gut funktionierendes Uhrwerk. Zufrieden sind sie aber nicht. Es scheint ihnen irgendetwas zu fehlen. Immer könnte es von allem etwas mehr sein: mehr Geld, mehr Freizeit, weniger Gewicht, weniger Falten und so weiter. Es reicht ganz einfach nie. So sind wir Menschen.

Ich bin in ärmlichsten Verhältnissen aufgewachsen, und so gut wie alles, das ich bis zum Antritt meiner Ausbildung in die Finger bekam, war gebraucht oder ein Geschenk von fremden Leuten. Von jedem einzelnen Stück in meiner Wohnung kenne ich heute noch den Preis und weiß genau, wann und wo ich es erworben habe. Meine erste Schreibmaschine habe ich auf Raten gekauft und lange abbezahlt. Sie hatte nicht mal ein Korrekturband. Die liegt heute noch gut verpackt im Keller, denn ich musste für sie auf so vieles verzichten, das ich ebenfalls dringend gebraucht hätte. Die gebe ich nicht mehr her.

Heute nun geht es mir relativ gut, auch wenn mein Auto allmählich Rente beantragen könnte und der Kühlschrank verdächtig laut rattert an schlechten Tagen. Ich besitze alles, was ich brauche, auch wenn sich manche meiner Träume nie erfüllt haben, wie eine Reise nach Hawaii zum Beispiel oder eine eigene Immobilie.

Dann setze ich mich auf den Balkon, genieße die Sonne, schlürfe einen Kaffee, lasse meinen Blick über die weitläufige Landschaft schweifen und fühle mich so richtig reich.
Mehr brauche ich nicht. Es ist mir nicht mehr wichtig.

Wenn ich Kaffee möchte, mache ich mir einen. Wenn etwas kaputt ist, kann ich es ersetzen.

Der Weg dahin war steinig, und manchmal hatte ich nicht mal Schuhe, rein metaphorisch gesehen. Diese Zufriedenheit – sie ist ein guter Platz zum Rasten. Es könnte alles so leicht sein, wenn wir nur die nörgelnde kleine Stimme in uns ausschalten, die und rund um die Uhr antreibt.

Die wichtigsten Dinge in meinem Leben konnte ich ohnehin nie käuflich erwerben, nicht mal auf Raten, denn sie hatten kein Preisschild. Ich bekam sie geschenkt. Und ich weiß sie sehr zu schätzen, gerade jetzt, wo manches etwas leichter geworden ist für mich.

Vielleicht hatte ich einfach nur Glück. Womit wir wieder beim Thema wären. Aber ich habe gelernt, hinzuschauen, damit ich es nie mehr übersehe.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche. Lächeln Sie. Sie haben es sich verdient.

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

Höhle Feengrotten

Temperaturen von über 38 Grad hielten das Land in letzter Zeit in Atem und auch aktuell ist keine wirkliche Abkühlung in Sicht. Auch wenn 31 Grad zu fast 40 Grad schon fast wie eine Abkühlung anmuten! An solchen Tagen verbringt man seine Freizeit am liebsten im kühlen Nass, ganz klar. Doch was käme eigentlich an Unternehmungen noch so in Frage? An solchen Hundstagen? Vor allem an manchen Wochenenden, wenn die Frei- oder Strandbäder übervoll sind, fragt sich das die Singlefrau genau so wie die Familie. Nachfolgend deshalb ein paar Ausflugstipps, die als Anregung bei großer Hitze dienen sollen. Los gehts:

Ausflugstipps bei großer Hitze

Höhlen

Tief unter der Erde und ohne Tageslicht warten geheimnisvolle Welten auf die Besucher. Hitze ist hier ein Fremdwort – im Gegenteil! Herrliche Kühle umfängt den Besucher, der bei einem solchen Besuch zudem noch Spannendes und Interessantes erfährt. Denn der Besuch in einer der Höhlen in Deutschland ist stets mit einer Führung verbunden. Die unterirdischen Gesteinswelten sind auch mit Kindern ein ideales Ziel, um der Hitze an tropischen Tagen zu entfliehen. So zum Beispiel in den Saalfelder Feengrotten (im Bild), die zudem mit dem Feenweltchen eine umfangreiche Märchenwelt für die Kleinsten bereithalten. Während die Feengrotten in Thüringen liegen, warten mit den Rübeländer Tropfsteinhöhlen weitere Höhlen im Harz auf Besucher. In Hessen empfängt die Schauhöhle Herbstlabyrinth ihre Gäste und punktet sogar noch mit einem faszinierenden Lichtkonzept. Ausflugsziele dieser Art gibt es deutschlandweit, eine Übersicht über sämtliche Höhlen finden Interessierte hier.

Ab in den Wald – auf zur Nachtwanderung

Nachtwanderungen kennen die meisten von uns aus der Kinder- oder Jugendzeit. Vor allen in Ferienlagern wurden diese beliebten Wanderungen durchgeführt – Gruselfaktor stets inklusive. Warum nicht mal als Erwachsener oder/und in Familie zu so einem besonderen Spaziergang aufbrechen? Ein solches Erlebnis dürfte ab den Abendstunden nach einem Tag, an dem das Thermometer an der 40-Grad-Marke kratzte, das ultimative Durchatmen sein.

Tun Sie sich mit Freunden zusammen und sorgen Sie dafür, dass jemand mit von der Partie ist, der sich im nächstgelegenen Wald gut auskennt. Packen Sie etwas Proviant ein, ziehen Sie festes Schuhwerk an und gehen Sie am besten schon in der ersten Dämmerung los. Blaue Stunde im Wald – das hat doch was! Wenn es dann stockdunkel ist und man nur noch das Funkeln der Taschenlampen sieht, stellt sich garantiert der wohlige Gruselfaktor aus Kindertagen wieder ein!

Hitze bei über 35 Grad nervt meist – doch Alternativen gibt es viele

Besuch im Weinkeller

Wuchtige Weinfässer und eine urig-kühle Kelleratmosphäre – diese Attribute dürften den meisten zuerst einfallen, wenn sie an einen Weinkeller denken. Diese Locations eignen sich natürlich hervorragend für die Flucht aus der Hitze. Tipp: im Vorab schauen, welche Wein-Locations wann Führungen und Weinverkostungen in ihren Weinkellern durchführen. Anmelden, genießen und die „Demse“ hinter sich lassen – das tut gut! Zum Beispiel hier, in der Freyburger Weinregion.

Geschichtsträchtige Bunker empfangen mit Kühle

Bleiben wir unterirdisch. Denn es gibt weitere Locations, die bei Hitze eine gute Alternative zum Schwitzen bieten. So zum Beispiel historische Bunkeranlagen, die zu Museen umgestaltet wurden. Eine der bekanntesten und sehenswertesten dürfte die Bunkeranlage Kossa sein, die idyllisch im Wald der Dübener Heide liegt. Die Anlage ist nahezu eine kleine Stadt für sich und gibt Auskunft darüber, wie sich in Zeiten des kalten Krieges Politiker und ranghohe Militärs im Falle eines Militärschlages geschützt und aus der Unterwelt heraus agiert hätten. Eine Führung hier lohnt auf jeden Fall und die Hitze ist während der Begehung der unterirdischen Räumlichkeiten weit weg!

Kühle Temperaturen auch in Kino, Museum und Dayspa

Klimatisierte Gebäude

Wer die Hitze nicht gut verträgt oder einfach nur genervt von megahohen Temperaturen ist, kann sich auch kurzerhand einfach nur eine Location suchen, die klimatisiert ist und was bietet. Das kann ganz profan das Kino sein. Zum Beispiel. Aber auch Dayspas – ganz gleich ob in Luxushotels oder separat – warten zumeist mit angenehmen Temperaturen auf. Warum sich nicht eine Massage und die entspannende Gesichtsmaske an einem solchen Ort gönnen, während draußen die Hitze tobt?

Ebenso gut aufgehoben ist man an Hundstagen in Museen. Die meisten Häuser sind klimatisiert und im Sommer nicht unbedingt überfüllt. Wer sichergehen will, ob das Museum seiner Wahl tatsächlich auch klimatisiert ist, ruft am besten vorher an. Und wenn ja: Dann nichts wie ab in die wohl temperierten Räume. Zudem: irgendein Museum gibt es immer, in das man unbedingt (mal wieder) gehen wollte. Packen Sie die Gelegenheit deshalb am besten bei Hitze am Schopf. Und: irgendwann ist auch der heißeste Tag einmal vorbei. Gut, wenn Sie ihn angenehm temperiert verbracht haben!

Bildnachweis: picture alliance/imageBROKER

 

 

 

 

 

 

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Einstiges Kinderzimmer zum Gästezimmer ausbauen

Vom „Hotel Mama“ zum individuellen Bed & Breakfast für Reisende – so könnte man wohl die Umnutzung einstiger Kinderzimmer bezeichnen! Die nun – nachdem der Nachwuchs aus dem Haus ist – von den Müttern einem neuen Zweck zugeführt werden.

Es gibt nämlich eine Menge Frauen, die hieraus kurzerhand schöne Gästezimmer gestalten und Fremden fern der Heimat ein ansprechendes Zuhause auf Zeit bieten.

Einige davon hat kürzlich die BILD der FRAU in ihrer Ausgabe vom 24. Mai 2019 porträtiert.

Kinder aus dem Haus – Reisende ins umgestaltete Kinderzimmer rein!

Einmal mehr zeigt sich in dieser Reportage, dass es Frauen spielend gelingt, in einer neuen Situation das Praktische mit dem Nützlichen zu verbinden. Sprich: den frei gewordenen Wohnraum für eine zusätzliche Geldquelle zu nutzen. So hat es zum Beispiel die 59jährige Petra aus Schleswig-Holstein gemacht. Als die vier Kinder aus dem Haus waren, funktionierte sie die einstigen Kinder- und Jugenddomizile kurzerhand zu Gästezimmern um und betreibt nun die Pension „Mom`s Bed & Breakfast“.

Als Mama von vier Kindern sind Leidenschaft und Herz natürlich auch dabei, wenn es darum geht, Gäste zu empfangen und zu bewirten. Bei Petra geht so mancher Fremde als Freund und darf sich während seines Aufenthaltes über regionale Leckereien aus „Mom`s“ Garten freuen. Die Gäste honorieren diese nordische Gastfreundschaft und sorgen dafür, dass in dem alten Bauernhaus auch nach dem Auszug der Kinder Leben in der Bude ist.

Das gilt auch für das Domizil der 71jährigen Margarethe aus Hamburg, die ihre stilvolle Altbauwohnung so umgeändert hat, dass drei Gästezimmer entstehen konnten. Mitten im quirligen Hamburg finden hier Fremde jedweder Couleur ein Zuhause auf Zeit und bereichern mit ihrer Art das Leben der rüstigen Powerfrau. Die lernt durch ihr Bed & Breakfast Fremdsprachen fast nebenbei und beherbergte schon Gäste aus über 30 Ländern! Vor allem Musiker lieben das bürgerliche Ambiente unter Stuck, das sie bei Margarethe erwartet. Viele Gäste, die in dieser Jugendstil-Atmosphäre auf Zeit logieren, wurden mit der Zeit zu einer Art Ersatzfamilie für Margarethe, die von ihren Gästen sogar auf Hochzeiten oder Geburtstage eingeladen wird.

Auszug des Nachwuchses kann Alltag neue Richtung geben

Diese schönen Beispiele – in der BILD der Frau wurden noch viele mehr vorgestellt – zeigen, dass der Lebensabschnitt von Frauen, der mit dem Auszug der Kinder einhergeht, dem Alltag eine ganz neue Richtung geben kann. Man weiß, dass nicht wenig Mütter damit hadern, wenn sich die Tochter oder der Sohn gen Studienort verabschiedet. Und die eben noch so quirlige Atmosphäre sich umwandelt in ein Ambiente aus Ruhe und Stille.

Wohl dem, der dann nicht auf die frei gewordenen Räumlichkeiten angewiesen ist und daraus ein Zuhause auf Zeit für Reisende schaffen kann. Zumal in Zeiten von booking.com, airbnb & Co., in denen der Großteil der Leute online bucht und das Generieren von Buchungen für Vermieter nahezu zum Kinderspiel geworden ist. Private Domizile dieser Art, wie die erwähnten Frauen sie  geschaffen haben, erfreuen sich außerdem großer Beliebtheit. Denn auch wenn heutzutage Flüge, Unterkünfte und Mietwagen häufig digital und anonym im Internet gebucht werden, so stehen doch individuelle Unterkünfte mit persönlicher Note ganz oben auf der Wunschliste von (Geschäfts)Reisenden.

Private Tipps, die eine oder andere persönliche Umsorgung mehr und ein Gästebett in einem harmonisch-familiären Umfeld, fernab anonymer Hotelketten: Das ist es, was ganz viele Reisende wollen und was wohl auch zukünftig stets gefragt sein wird. Mögen Algorithmen & Co. das Leben immer mehr bestimmen – es geht nichts über eine warmherzig-persönliche Note im Zuhause auf Zeit in der Fremde! Urlauber, Geschäftsreisende und Städte-Hopper wissen und lieben das.

Und deshalb wird es auch in nächster Zeit für viele Mütter, die ein großzügiges Heim ihr Eigen nennen, heißen: „Nachwuchs raus, Reisende rein!“

Bildnachweis: pexels.com

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Zwei Anwältinnen

Sich als Frau in einer männerdominierten Branche zu behaupten – das ist den beiden Frauen Thirza Höfer und Katja Haug gelungen. Die beiden engagierten Juristinnen führen eine Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH in Leipzig. Spannend sind die verschiedenen Lebensläufe der beiden. Hat doch die eine noch die DDR erlebt, während die andere im Raum Stuttgart aufwuchs. Das Unternehmen, das sie heute führen, gibt es schon eine ganze Weile und hier lernten sich die beiden Frauen auch kennen. Neben den beruflichen Gemeinsamkeiten verbindet sie auch die Rolle als Mutter. Denn sowohl Thirza Höfer als auch Katja Haug haben eine Familie gegründet.

Im Gespräch erzählen sie, wie sie Familie und Beruf unter einen Hut gebracht haben und berichten aus ihrem Alltag, den vor allem männliche Zeitgenossen prägen.

FB: Frau Haug, Frau Höfer, Sie sind beide Anfang vierzig, studierte Juristinnen, und Sie führen seit fünf Jahren miteinander ein Unternehmen in Leipzig. Was machen Sie da genau?

TH: Wir sind Dienstleister für mittelständische Unternehmerinnen und Unternehmer. Unsere Idee ist eine Paketlösung, die einfach alles enthält, was irgendwie mit Geld, Recht, Verwaltung und Steuern zu tun hat. Unsere Klienten sparen dadurch enorm Zeit und Kosten. Sie müssen nicht mehr, je nach Situation und Anliegen, immer neue Berater suchen, die sich dann erst mit viel Aufwand in ihre Verhältnisse hineinfragen müssen. Diese Hintergründe kennen wir alle schon. Das macht alles wesentlich effektiver.

Hohes Beratungspotenzial muss vorgehalten werden

Allerdings müssen wir eine Menge Beratungspotential vorhalten, um auf ganz verschiedenen Gebieten glaubwürdig kompetent zu sein. Finanzbuchhaltung zum Beispiel ist ein völlig anderes Thema als Forderungseinzug. Und Personalmanagement oder Geldbeschaffung stehen ebenfalls auf ganz anderen Blättern. Unternehmerinnen und Unternehmer müssen dieser Themenvielfalt aber gewachsen sein, auch wenn sie keine eigene Rechtsabteilung oder sonstige Kompetenzpools ihrer Betriebe hinter sich stehen haben.

FB: Sie beide sind ursprünglich gelernte Rechtsanwältinnen. Damit hören die Gemeinsamkeiten aber auch schon auf.

KH: Stimmt. Ich stamme aus Neubrandenburg, bin später in der Nähe von Jena aufgewachsen und habe damit noch einige, vielleicht prägende Erinnerungen an die DDR. Thirza kommt dagegen aus dem Stuttgarter Raum und damit aus einer ganz anderen Himmelsrichtung. Thirza hat ihre ersten Berufserfahrungen in einer Steuerberatungs- und Wirtschaftsprüferkanzlei gesammelt. Meine eigene Entwicklung verlief nicht so gradlinig. Ich war erst Rechtsanwältin, und dann eine Zeitlang Geschäftsführerin von Fondsgesellschaften. Dadurch kenne ich mich auf dem Kapitalmarkt gut aus. Als sich unsere gemeinsame Geschäftsidee abzeichnete, war ich noch im Vorstand einer Aktiengesellschaft, die Popmusik produziert.

Von der Welt des Glamours in eine bodenständige Branche

Die Welt der Stars und der Prominenz, der Galas und der Preisverleihungen war zugegeben aufregend, und ich bin heute noch meinem großen Mentor aus dieser Szene dankbar, dass er mich damals diesen Job hat machen lassen. Dann aber wurde ich Mutter, und damit verstärkte sich das Bedürfnis nach Bodenständigerem. Daraus wurde die Haug & Höfer Steuerberatungs- und Rechtsanwaltsgesellschaft mbH. Das klingt nüchtern und bodenständig, und das soll es auch sein.

FB: Ein paar Jahre fehlen aber in Ihrer Schilderung.

TH: Wir sind kein Start Up. Gegründet wurde unser Unternehmen schon 1991, damals natürlich nicht von uns. Katja und ich gingen 1991 schließlich noch in die Schule. Wir haben uns erst 2008 dort kennengelernt. Ich selbst stand damals gerade vor meinem Steuerberaterexamen, und die Kanzlei durchlief in dieser Zeit einige Veränderungsprozesse. Es waren neue Ideen und Begriffe aufgetaucht, von denen Katja und ich bis dahin eigentlich noch gar nichts gehört hatten. Beispielsweise Mediation oder systemische Unternehmensberatung. Darüber gab es damals sehr gespaltene Meinungen. Etliche Kollegen hielten dies für neumodisches Affentheater und gingen. Dies waren hauptsächlich Männer. Dabei ging es eigentlich nur um eine einzige Frage, die sich jedes Dienstleistungsunternehmen unablässig stellen muss: Wie kann ich meinen Kundinnen und Kunden noch nützlicher sein? Vor dieser Frage drückt man sich gern, weil sich für die Antwort immerzu etwas verändern muss.

Richtige Entscheidungen führten zu Umsatzplus

Katja und ich haben darin den richtigen Weg gesehen, und im Ergebnis spülte es uns nach vorn. Wir haben noch andere Unternehmen dazugekauft, um unser Beratungsportfolio abzurunden und neue Gruppen von Klienten dazuzugewinnen. Seit 2015 führen wir die Geschäfte und halten auch die Mehrheit der Anteile. Die Umsätze haben sich seitdem verdreifacht. Falsch war es offenbar nicht.

FB: Das hört sich nach Frauenpower an. 

KH: Auf den ersten Blick mag es danach aussehen. Hinter allen Zimmertüren unseres Büros sitzt tatsächlich nur noch ein einziger Mann. Forciert haben wir das aber keineswegs. Dass es so gekommen ist, war eher Zufall.

TH: Vielleicht ist es einfach so, dass sich Männer unter einer weiblichen Geschäftsführung unwohl fühlen. Dies ist aber nur eine Vermutung, ich weiß es nicht, und ich habe bislang auch über diese Frage überhaupt nicht nachgedacht. Von unserer Seite hätten wir nichts dagegen, wenn mehr Männer bei uns mitmachen würden.

FB: Sie sind beide Mütter. Deshalb kommt jetzt die unvermeidliche Frage, wie Sie Ihren Beruf mit dieser Rolle in Einklang gebracht haben.

KH: Mittlerweile habe ich zwei Kinder, und ich würde lügen, wenn ich sagen würde, dass dies immer reibungslos geklappt hätte. Organisationstalent ist in dieser Hinsicht schon gefragt. Wenn die Kinder allmählich größer werden, löst sich diese Doppelbelastung nach und nach auf. Es gab bis dahin aber viele Situationen, in denen ich mich gefragt habe, wie es Frauen in normalen Anstellungsverhältnissen gelingt, Beruf und Kinder unter einen Hut zu bringen. 

TH: Genau. Unser Vorteil ist, dass wir im wahrsten Sinn des Wortes zu den freien Berufen zählen. Darunter fällt auch die Freiheit, eine Lösung zu gestalten, wie wir es für richtig halten. Als meine Tochter im Säuglingsalter war, habe ich sie einfach ins Büro mitgenommen, schon wenige Tage nach der Geburt.

Das Kinderbett stand im Arbeitszimmer

Mich hat es nicht gestört, dass in meinem Arbeitszimmer ein Kinderbett stand, und etwa für Besprechungen mit Klienten haben wir eigene Räume, bis zu denen die unvermeidlichen Kindergeräusche nicht vordringen können. Ein Patentrezept für andere Frauen kann dies natürlich nicht sein, aber es wäre wünschenswert, wenn sich Arbeitgeber durchringen könnten, Frauen ähnliche Freiheiten zuzugestehen, wie ich sie in dieser Situation hatte: einfach improvisieren und ausprobieren lassen.

KH: Ach, das wird nicht gehen! Das Arbeitsrecht ist für legere Lösungen viel zu starr. Arbeitsschutz und Mutterschutz sind gut gemeinte rechtliche Anliegen, verhindern aber Improvisation und Einfallsreichtum. Die meisten Arbeitgeber befürchten viel zu sehr, womöglich ein Dutzend Rechtsverstöße zu begehen, wenn sie solche Freiheiten von Fall zu Fall zugestehen würden, und dies nicht ohne Grund. Mir fallen gleich ein paar Gesetze ein, mit denen man hierdurch in Konflikt kommen könnte. 

TH (nickt zustimmend): Sehr wahrscheinlich. Aber genau das ist unser Produkt: Wir lassen uns dazu eine Lösung einfallen, die funktioniert. Und das ist auch das Reizvolle an unserem Beruf, kreativ sein, gestalten, sich etwas ausdenken und Starres überwinden. Dies mag vielleicht nach typisch weiblicher Herangehensweise klingen, aber mir macht das jeden Tag aufs Neue Spaß.

FB: Sind Ihre Klienten eigentlich überwiegend Frauen oder Männer?

TH: Männer natürlich. Die Mehrzahl der Unternehmer ist männlich. Nach wie vor.

FB: Würden Sie sich mehr Frauen wünschen?

KH: Als Klienten? Darüber habe ich mir, ehrlich gesagt, noch nie den Kopf zerbrochen. Es gibt da kein Besser oder Schlechter. Es gibt sehr respektvolle Männer, die gute Leistung zu schätzen wissen und einen nicht in erster Linie als Frau sehen. Männer verlieren sogar eher mal ein Wort der Anerkennung, wenn etwas gut gelaufen ist, als Frauen.

Männer tun sich mit Anerkennung gegenüber Frauen offenbar nicht schwer

Vielleicht spricht sich so etwas für Männer gegenüber einer Frau auch leichter aus als gegenüber einem Mann.

FB: Was halten Sie von Frauenquoten?

TH: Nichts. Überhaupt nichts. Ich will für meine Leistung und für meine Kompetenz geachtet werden, aber nicht dafür, dass ich eine Frau bin und trotzdem etwas kann. Frauen in bestimmte Positionen zu hieven, nur weil sie Frauen sind, ist kein fairer Wettbewerb. In einem fairen Wettbewerb darf es ausschließlich um Können und um Leistung gehen, aber nicht um das Geschlecht. Es ist so wie beim Sportunterricht, wo der schlechtere Läufer manchmal Vorsprung bekommt. Es ist kein gutes Gefühl, mit Vorsprung starten zu dürfen, weil man von vornherein als der schlechtere Läufer gilt. Genau das finde ich diskriminierend.

KH: Gut gemeint ist und bleibt das Gegenteil von gut gemacht.

FB: Kann man sagen, Sie tummeln sich überwiegend in einer Männergesellschaft?

KH: In gewisser Weise schon. Man muss halt ihre Regeln kennen, dann klappt das auch. Diese Regeln sind am Anfang nicht ganz einleuchtend, aber man kann sie lernen. Ich habe mir beispielsweise früher nie Gedanken gemacht, was für ein Auto ich fahre, wahrscheinlich, weil ich eine Frau bin. Wenn einen der männliche Klient in einem typischen niedlichen Frauenauto vorfahren sieht, fühlt er sich unwillkürlich überlegen und lässt sich nichts sagen.

Status-Symbole für Männer wichtig

Bei Zwanzig-Zoll-Felgen klappt die Zusammenarbeit aber plötzlich ganz gut. Männer denken in Statuskategorien und stellen unentwegt heimliche Vergleiche an, wer die tollere Uhr oder das bessere Smartphone hat. Da muss man halt mitziehen.

FB: Woher nehmen Sie denn solche Weisheiten?

TH (lacht): Von unseren Männern natürlich. Die haben uns das verraten.

FB: Ja, dann – vielen Dank für das Gespräch.  

Informationen zu Haug & Höfer finden Sie hier.

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Daniela Gotta in Airportlounge

Übersetzen, sprechen, filmen, moderieren und Unternehmer interviewen – das Aufgabenspektrum, dem sich Daniela Gotta (im Bild links) widmet, ist vielfältig. Die dynamische Frau, die sich ein gut gehendes Übersetzungsbüro aufgebaut hat, bietet längst spezielle Dienstleistungen an, die über das klassische Übersetzen und Dolmetschen hinausgehen. Mit viel Engagement ist so das Unternehmen DANILINGUA entstanden, das Wort, Ton und Bild professionell ineinander fließen lässt. Dass sich Daniela Gotta ihrem Tun mit so viel Leidenschaft und Herzblut widmet, hängt auch mit ihrem familiären Background zusammen. Aufgewachsen in einem international ausgerichteten Familienunternehmen, kristallisierte sich ihre kosmopolitisch-unternehmerische Lebenseinstellung schon frühzeitig heraus.

Unternehmertum lag Daniela Gotta schon im Blut

Gepaart mit der Neugier auf Menschen ging die vielseitige Frau und Mutter zielstrebig ihren Weg und ist heute eine gefragte Expertin auf ihrem Gebiet. Wir haben mit Daniela Gotta über ihre Arbeit, die Familie und über ihr ehrenamtliches Engagement gesprochen. Herausgekommen ist ein spannender Einblick in einen interessanten Beruf, der für die lebensbejahende Unternehmerin aus Rödermark längst zu einer Berufung geworden ist.

FB: Frau Gotta, Sie sind heute unsere Interviewpartnerin. Aktuell aber sind Sie selbst auch als Interviewerin unterwegs – erzählen Sie doch mal! 

Ich bin ein echtes Mittelstandskind. Das Unternehmertum liegt bei uns im Blut und zwar drei Generationen zurück auf jeder Familienseite. So hatte meine Uroma z. B. den ersten Dauerwellenapparat in ihrem Friseursalon in Reutlingen. Der Grundstein für das Familienunternehmen „Gotta Contacts – Manufaktur feiner Lederwaren“ wurde 1899 gelegt. So bin ich aufgewachsen. Im international ausgerichteten Familienunternehmen und einem Designer als Vater, der unter anderem die Linien „Porsche Design“, „BMW-M-Style“, Davidoff, Dupont Paris und den „Colani-Koffer“ sowie Produkte für viele weitere Markenunternehmen entworfen hat. So habe ich im Lauf der Zeit bis zu meinem USA-Aufenthalt und auch danach, zahlreiche Inhaber oder Geschäftsführer der deutschen Industrie und weltweit bekannter Luxusmarken kennengelernt und konnte bereits in jungen Jahren direkte Einblicke in Unternehmen gewinnen.

Mit meinem Übersetzungsbüro und der angeschlossenen Medienproduktion (Film und Vertonung) bekomme ich viele Einblicke in Unternehmen, was sich seit meiner Mitgliedschaft beim BVMW noch intensiviert hat. Irgendwann hatte ich dann den Impuls „Mensch, warum gehe ich nicht raus und frage selbst, wo es beim Mittelstand heute drückt? Was ihn bewegt usw.“

Menschen und Unternehmen im Porträt

Frau interviewt Mann

Daniela Gotta im Interview mit einem Unternehmer

Daraus sind dann die Interviews auf meiner Seite DANILINGUA – im Dialog mit DANILINGUA – geworden, wo ich Menschen und Unternehmen portraitiere und ihnen Gelegenheit biete, zu sagen, was sie bewegt. Außerdem liebe ich es, interessante Dinge über spannende Menschen zu erfahren und dies an andere weiterzugeben. Auch besonders vor der Kamera. Wir haben z. B. einen Filmpreisgewinner und eine Kämpferin für gerechte Familienbesteuerung befragt. Bei dem Mädchen mit der Wasserallergie war zwei Tage später „Maintower“ vom Hessischen Rundfunk bei uns und hat eine Reportage über sie gedreht. Die Resonanz auf den Bericht war überwältigend. Heute ist das Mädchen beschwerdefrei. Meine Interviews dienen also keinem reinen Selbstzweck. Ich gebe anderen Menschen die Bühne und den Raum, sich zu präsentieren und für ihre Anliegen zu werben.

FB: Wenn man sich Ihre Aktivitäten so ansieht, so geht das doch über die klassischen Übersetzer- und Dolmetscher-Leistungen hinaus, oder?  

Das ist richtig. Ich habe mich nie als „klassische Diplom-Übersetzerin“ gesehen, die tage- und wochenlang kein Tageslicht sieht (wobei, diese Phasen gab und gibt es dann und wann natürlich auch). Das ist auch wieder durch meinen unternehmerischen Hintergrund geprägt, weil ich stets nahe an den Unternehmen bin. So arbeite ich auch überwiegend mit Direktkunden, weil ich mit ihnen aus der eigenen Erfahrung heraus direkt auf Augenhöhe stehe und mich in sie hineinfühle.

Außerdem hat sich das Berufsbild verändert. Wort, Ton und Bild fließen immer mehr ineinander. Viele meiner Kunden benötigen außer den reinen Textdokumenten auch das gesprochene Wort oder Content für ihre Videos, Präsentationen oder Produktfilme. Die Doppelqualifikation als ausgebildete Sprecherin und Übersetzerin bedeutet Sicherheit und nur einen einzigen Anlaufpunkt für die oft vielgestaltigen Anforderungen eines Kunden. Auf „Spreche“ zu schreiben erfordert eine andere Herangehensweise als Schreiben von zum Lesen verfassten Texten.

Mit Sprache ein Bindeglied zwischen den Kulturen sein

Kreativität ist mir wichtig. Sie liegt mir einfach im Blut. Und wie lässt sich das besser miteinander verbinden, als über das gemeinsame Vehikel „Sprache & Kommunikation“? Ich baue Brücken. Ich sehe mich als Bindeglied zwischen den Kulturen.

FB: Hatten Sie schon immer ein Faible für fremde Sprachen? Wie sind Sie zu Ihrem heutigen Beruf gekommen?

Meine Mutter ist in Süddeutschland, im Schwäbischen, aufgewachsen, wo nach 1945 Französisch neben Deutsch die zweite Sprache war. Hier in Hessen, wo mein Vater aufgewachsen ist, war es das Englisch der Amerikaner. Amerikaner sollten auch bei der Rettung meines Großvaters vor dem Tod eine wichtige Rolle spielen. Das in Rödermark verwurzelte Familienunternehmen war von Anfang an international ausgerichtet. Englisch und Französisch waren zwar Schulfächer, intensiviert wurden die Sprachen allerdings durch sehr viele Besuche von Freunden und Geschäftspartnern aus dem Ausland und eigene, sich über viele Wochen erstreckende Auslandsaufenthalte seit meiner frühen Kindheit.

Unser Leder bezogen wir überwiegend aus Italien. Als Kind verinnerlichen Sie eine Sprache ja wirklich schnell. Und was mir später in Italienisch an Vokabeln gefehlt hat, habe ich mir aus Französisch irgendwie zusammengebaut. Nach der Schulzeit stand die große Entscheidung an: Was nun? „Irgendwas mit Werbung, Kindern oder Sprachen“ sollte es sein. In der Schule lief der Tausch folgendermaßen ab: „Mathe und Physik“ gegen „Englisch und Französisch“. Fragen Sie mal einen Übersetzer, warum er Sprachen studiert hat … und, es war schon immer mein Wunsch, selbständig zu arbeiten.

Beruflicher Einstieg in Germersheim – später in den USA

Der Fachbereich Translations-, Sprach- und Kulturwissenschaft der Johannes Gutenberg-Universität Mainz bot für eine Zukunft mit Sprachen die idealen Voraussetzungen. Gekoppelt mit einem Auslandsstudium am ETI in Genf rundeten das Bild ab, bevor es dann in die USA ging. Als Ein-Eltern-Familie von Anfang an hatte ich also schon weit davor die richtigen Weichen gestellt.

FB: Welche Sprachen sprechen Sie? 

Deutsch mit Hessisch (wenn ich meinen Sprech-Coach ärgern will), Englisch, Französisch und Italienisch.

FB: Für welche Berufsgruppen arbeiten Sie am häufigsten? 

Es sind überwiegend international tätige Unternehmen. Dazu zählen große Anwalts- und Steuerkanzleien ebenso wie Produktionsunternehmen und Agenturen. Der Mittelstand und auch das Handwerk sind bei mir ebenso gut aufgehoben, wie multinationale Konzerne und Finanzinstitute. Durch meine gerichtliche Ermächtigung werde ich auch gerne für Verhandlungen bei Notaren, Dolmetschen bei der Justiz und anderen Behörden sowie die Übersetzung von Dokumenten, bei denen es auf Rechtssicherheit ankommt, eingesetzt. Ich habe auch schon viele Auswanderer „über den großen Teich übersetzt“, im wahrsten Sinne des Wortes. Durch die unterschiedlichen Berufe der „Neu-Kanadier“ oder „Neu-Amerikaner“, erweitert sich der eigene Horizont ebenfalls unaufhörlich.

FB: Ihre Vielseitigkeit beweisen Sie auch als Moderatorin. Wie hat sich das ergeben?

Frau mit Mikrofon

Das gesprochene oder geschriebene Wort spielen in Daniela Gottas Beruf die Hauptrolle.

Vor einigen Jahren erhielt ich einen Anruf, ob ich an Tag X für einen Walk bei einer Modenschau Zeit hätte. Ich habe gesagt, dass ich keine „Size 0“ sei. „Das macht gar nichts“, kam es vom anderen Ende der Leitung. „Kommen Sie einfach vorbei.“ Gesagt, getan. Drei Tage lang war ich als Model für Ulla Popken auf dem Laufsteg in Frankfurt. Die durch das Programm führende Moderatorin und ich hatten sofort einen guten Draht zueinander. Zu der Zeit hatte ich bereits die Sprecherausbildung abgeschlossen, und so kam das eine zum anderen. Ich habe mich aus- und weiterbilden lassen – und voilà. Auf der Bühne zu stehen und die Menschen fröhlich, informativ und auch mal ernst durch ein Programm zu führen, dazu das ein oder andere Live-Interview, ist, wofür ich brenne und was mich einfach erfüllt.

„Moderation genau mein Ding“

Nie genau zu wissen, was im nächsten Moment passiert. Den Schwung und die Dynamik einer Moderation mit dem Publikum mitzunehmen und stets „wach“ zu sein und auf das Unvorhergesehene spontan zu reagieren. Das ist genau mein Ding. In Deutsch oder Englisch oder im Wechsel, je nach dem, wie es sich ergibt und was die Situation erfordert.

FB: Ihr Business haben Sie sich neben Ihrer Verantwortung als Mutter aufgebaut. Was war die größte Herausforderung, die es zwischen Familie und Job zu stemmen galt?   

Da sprechen Sie ein Thema an. Wir hatten einen wirklich aufregenden Ritt als Ein-Eltern-Familie, seit mein Sohn 10 Monate alt war. Einerseits war ich „da“, also im Haus, aber eben doch „nicht greifbar“. Sie wären einfach gern viel öfter mit ihrem Kind zusammen, weil es diese Zeit wirklich nur einmal gibt … Ich kann es nur immer wieder betonen: „Genießt die Zeit mit Euren Minis, wenn es finanziell nur irgendwie machbar ist.“ Seine Freiräume kann man sich auch ohne den Beruf schaffen. Oder andere Aufgaben suchen. Natürlich ist jede Entscheidung so individuell wie die Person, die sie trifft. Ich hätte es mir gewünscht, noch mehr Zeit für uns beide zu haben. Andererseits ist die Unabhängigkeit natürlich toll gewesen. Da wir beide Langschläfer waren, konnten wir diesen Luxus dank Home Office auch ausgiebig genießen. Sie lernen zu planen, wie ein Oberst beim Militär.

Planung als Ein-Eltern-Familie das A und O

Sie takten und planen alles durch. Jedes Dominosteinchen und jedes Zahnrad wird bedacht. „Plan B“ ist für Anfänger. Ich hatte eher Plan A bis Y. Sie machen keinen Schritt ohne Planung. Ich hatte ein super verlässliches System rund um Großeltern, Freunde und Kinderbetreuung. Sogar bei unseren Besuchen in den USA. Das erste Mal war er vier. Für mich war das wie „nach Hause kommen“, zurück in San Francisco, wo ich fünf Jahre lebte, und meinen Kleinen bei meinen Freunden in guten Händen zu wissen. Ich konnte meinen Sohn manchmal auch zu Kundenterminen mitnehmen. Einmal hatte ich ihn UND seinen Freund bei einem Kunden aus England dabei. Das war super. Beide waren beschäftigt, und wir konnten übers Geschäftliche sprechen. Dieser Kunde hat dann sogar unserem Kindergarten (in dessen FV-Vorstand ich lange war) damals sogar 1 000 Pfund gespendet. Das gab’s vorher noch nie.

Das schlechte Gewissen ist dennoch ein regelmäßiger Begleiter gewesen. Und die Sehnsucht. Und natürlich konnten Sie die Uhr danach stellen, dass die heftigen Krankheiten pünktlich mit einem Großauftrag zusammenfielen. Dann lag er eingepackt auf dem Sofa in meinem Büro und so haben „wir gearbeitet“. Nacht- und Wochenendschichten waren an der Tagesordnung. Aber auch Freiraum dazwischen und viel Zeit auf dem Spielplatz und unterwegs. Alles in allem erfüllt mich große Dankbarkeit, dass wir unser Leben so frei gestalten konnten. Und durch meine Tätigkeit in Elternbeirat und Förderverein seit eigentlich der Mini-Krabbel-Gruppe, war ich auch durchgehend nah am Geschehen dran.

FB: „Der klassische Beruf des Übersetzers und Dolmetschers wandelt sich gerade“ – so Ihre Aussage. Was genau ändert sich und wie stellen Sie sich auf diese Veränderungen ein?   

KI ist da. Das ist Tatsache. Es verändert sich gerade viel. Durch viel Technik oder Wiederholungen geprägte Texte können durch die Maschinen laufen und erfordern vom Menschen an der einen oder anderen Stelle nur noch Nachjustierungen. Kreativität erfordernde und marketingorientierte Texte oder auch Skripte mit werblichen Inhalten leben vom menschlichen Input. Wir werden also lernen, mit den Programmen zu kooperieren.

Übersetzen und Dolmetschen hat mit Vertrauen zu tun

Es wird mehr nachkorrigiert und beurteilt werden, welche Texte sich für KI eignen und welche man lieber einem erfahrenen Profi an die Hand gibt. Beim Dolmetschen würde ich mich, vor Gericht zum Beispiel, nicht darauf verlassen wollen, dass KI über Gitter oder Freiheit entscheidet. Das gilt auch für Gespräche, bei denen viel auf dem Spiel steht. Wortwitz, Anspielungen, vernuschelte Aussprache, falsche Begriffe, die der Dolmetscher auffängt und unbemerkt „im Prozess umarbeitet“, damit sie auf der anderen Seite korrekt landen, sind dünnes Eis. Dafür möchte ich bitte einen wichtig: ausgebildeten und neutralen – Dolmetscher an meiner Seite haben.

Übersetzen und Dolmetschen sind Vertrauenssache. Der Dolmetscher ist oft das Zünglein an der Waage bei Entscheidungen von großer Tragweite. Ein Übersetzer kann beispielsweise über Erfolg oder Nichterfolg Ihres Engagements im Ausland sorgen. Achtung, wichtig: Der Beruf des Übersetzers ist nicht geschützt. Ebenso wenig wie der des Sprechers oder Dolmetschers. Darum fragen Sie bei der Auswahl eines Sprachmittlers nach Qualifikation, Spezialisierung und Erfahrung. Oder lassen Sie sich jemanden empfehlen, zum Beispiel von mir. Ein Diplom kann ebenso eine Qualifikation sein, wie ein Quereinstieg aus einem Spezialgebiet (Medizin, Recht, Chemie usw.). Auf meiner Website www.danilingua.de habe ich dazu einen Leitfaden hinterlegt.

FB: Was macht Ihnen im täglichen Berufsalltag am meisten Spaß? 

Ich stehe gern vor der Kamera oder auf der Bühne. Menschen dort in den Mittelpunkt stellen und das Beste von ihnen zu zeigen, ist mein Ansporn. Der Erfolg meiner Kunden macht mich glücklich. Genauso macht es mir aber auch Spaß, einen Ausgangstext in eine den Kunden in Begeisterung versetzende Version in der jeweiligen Zielsprache zu bringen. Ebenfalls macht mir Akquise einen Riesenspaß. Ich rufe für mein Leben gern Menschen an. Das Schöne an meinem Beruf ist ja, dass kein Tag dem anderen gleicht. Und oft wird man auch zum Unterstützer, auch bei zunächst traurigen Anlässen. Einmal habe ich Dokumente für eine Mutter übersetzt, deren Kinder vom Vater in die USA entführt wurden. Was für ein Fest, als die Minis wieder in den Armen ihrer Familie in Deutschland waren! Auch beim Dolmetschen bin ich meinem Element. Am liebsten live über TV. Nicht zu wissen, was als nächstes kommen mag sorgt für das nötige Adrenalin gepaart mit der Sicherheit einer guten Vorbereitung.

Es bleibt aber dennoch immer das gewisse Quäntchen Ungewissheit. Oder Ton und Bild fallen mal aus. In diesen Momenten profitiere ich von meiner gelernten Gelassenheit als Sprecherin und Moderatorin.

Alltagstrott gibt es nicht!

Zusammengefasst macht mir also am meisten Spaß, dass der Alltag eben keiner ist und mit so viel Abwechslung geprägt ist. Es ist ein wunderbarer Wechsel zwischen Adrenalin pur, wenn ich „draußen“ bin und – relativer – Ruhe zurück im Home Office.

FB: Neben Ihrer Arbeit sind Sie auch ehrenamtlich engagiert – erzählen Sie doch bitte einmal von diesem Engagement!

Ich kenne es gar nicht anders, als dass man nicht nur für sich lebt, sondern sich auch über den eigenen Tellerrand hinaus um andere kümmert, die vom Leben nicht immer gut behandelt wurden. Ich gehöre einer internationalen Service-Organisation mit Sitz in Oak Brook, USA, an. Dieses Engagement für „Deinen Nächsten“ wurde mir von Anfang an in meiner Familie vorgelebt. Ich habe in meinem Carport z. B. eine „Give Box“ eingerichtet. Dort deponieren mittlerweile sogar Nachbarn das, was sie zu Hause nicht mehr benötigen. Es findet ein wirklich reger Austausch statt. Von Kindersachen über Haushaltsartikel, Bücher und Kleinmöbel findet alles einen neuen Platz.

Ehrenamtliche Jugendarbeit mit solidem Netzwerk

Durch meine Erfahrung mit Jugendlichen hat es sich auch dahin entwickelt, dass sich die Jugendhilfe als Hauptgebiet herauskristallisiert hat. Da kommt es auch schon mal vor, dass jemand hier unterkommt, wenn es zu Hause nicht mehr geht. Ich stehe auf dem Standpunkt, dass wir viel zu wenig Ansprechpartner zwischen Elternhaus und Polizei haben, wenn’s im „spannenden Alter“ brennt. Ich mache das rein ehrenamtlich und bin bei keiner Institution registriert. So kann ich gezielter agieren, wo Not am Mann ist. Ob es sich um zugezogene Familien, Müttern in brenzligen Lagen oder Jugendliche handelt. Irgendwann haben Sie als Frau und Mutter einen Erfahrungspool aufgebaut und können das weitergeben. Dabei ist es wichtig, den nötigen Abstand zu wahren, den es für das „Außen“ braucht, und den „Schützlingen“ dennoch die nötige Wärme und viel Verständnis zu vermitteln, aber auch mal Grenzen aufzuzeigen. Und es hat sich mittlerweile ein wirklich solides „Sozial-Netzwerk“ aufgebaut. Menschen, Fachleute wie Privatpersonen, auf die zu 100 % Verlass ist. Das ist ein schönes Gefühl. So ist keiner allein.

FB: Ihr Terminkalender wird sicherlich stets voll und private Zeit rar sein. Wenn aber doch freie Stunden anstehen – wie verbringen Sie diese? Haben Sie Hobbys? 

Frau hinter Kamera

Daniela Gotta steht auch gern hinter der Kamera.

Freie Zeit. Ja. Da sagen Sie was. Mir macht meine Arbeit so viel Spaß, dass ich selten darüber nachdenke, was freie Zeit und was „Arbeit“ ist. Wenn wir mit der Kamera unterwegs sind, vergeht die Zeit wie im Flug. Ich tanze für mein Leben gern. Zumba ist eine dieser Leidenschaften. Und „Funk Nights“ sowie andere von Lieblings-DJs veranstaltete Partys. Krafttraining und Spaziergänge mit meiner Hündin im Wald, der bei uns vor der Haustür liegt, sorgen für den Ausgleich. Ich sage jeden Tag „Danke“, dass ich den Wald genießen darf. Singen ist auch etwas, was mich total befreit und die Endorphine fliegen lässt.

FB: Gibt es derzeit berufliche Pläne, die Sie angehen möchten? 

Ja. Die gibt es auf jeden Fall. Wir haben mit GOTTAFILMYOU gerade ein Konzept zum Thema „Recruiting“ erarbeitet und setzen das mit Bewerbervideos um. Einmal für Employer Branding oder für Kandidaten, die sich gerne präsentieren möchten. Besonders schön ist dies für kreative Menschen oder wo Lücken im Lebenslauf zu immer wieder den gleichen Fragen führen.  Dann gibt es weitere Pläne.

Neue Pläne schon in der Schublade

Dazu will ich noch nicht allzu viel verraten, nur so viel: „Regional, national, international“ sind Begriffe, die darauf hindeuten. Wichtig ist, finde ich, dass man stets weitergeht. Meine Oma hat immer gesagt: „Kind, ich bin jetzt 81 Jahre alt und lerne jeden Tag dazu“. Das Leben hat so viele spannende Facetten.

Drei Lebensträume habe ich mir bereits erfüllt. Einer davon war, in den USA zu leben und zu arbeiten. Das habe ich mir erfüllt und war fünf Jahre in San Francisco. Erst mit einem J1-Visum, danach mit einem H1-B-Visum. Ich werde das Gesicht des Konsulatsmitarbeiters nie vergessen, als ich es hier in Frankfurt eingelöst habe: „Wie haben Sie das denn bekommen?“ hat er gefragt. Ein weiterer Herzenswunsch ist das Singen. Das Klavier steht schon bereit. Wenn es soweit ist, wird die für den regelmäßigen Unterricht benötigte Zeit frei sein.

Glaube an deinen Traum. Bleibe dran. „All energy goes somewhere“, hat mal eine liebe Freundin in den USA gesagt. Hole dir Rat und höre dann auf dich. Und merke: Es wird erst richtig schwer, bevor der Durchbruch kommt. Damit ist dafür gesorgt, dass es sich bei den Plänen um keine Eintagsfliegen handelt und du nicht gleich beim ersten „ Buh“ umfällst.

Meine nächsten Pläne werden auf jeden Fall über die sozialen Medien bekannt gegeben werden. Sie haben etwas mit „Pendeln“ zu tun. Mehr sage ich nun wirklich nicht. Wer mich kennt, hat es sowieso schon vor zwei Absätzen gewusst (lacht).

“If you can dream it, you can do it”.

Copyright: Daniela Gotta

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Haus und Garten

Bezahlbare Häuser bald aus dem 3D-Drucker? Häuser aus dem 3D-Drucker – was noch immer wie eine irre Sciene-Fiction-Idee klingt, ist längst Wirklichkeit. Allerdings sind die Firmen, die diese Häuser fertigen noch rar gesät. Das dürfte sich jedoch schnell ändern, wenn man sieht, was für Quartiere mit dieser neuen Methode schon gebaut werden können. Oder besser gesagt: gedruckt, denn mit dem klassischen Bauen hat das, was vielleicht die Zukunft des Wohnens ist, nur noch wenig zu tun.

Aktuell fertigt ein Start-up aus Texas (USA) Domizile für finanziell bedürftige Familien und zwar in Lateinamerika (Video am Ende des Artikels). Die Häuser sehen aus wie kleine Wohnträumchen und sollte sich das Druck-Konzept bewähren, dann kann man nur hoffen, dass es auch bald hierzulande umgesetzt wird.

Häuser aus 3D-Drucker wären hierzulande Revolution

Es wäre wohl in Sachen Wohnen eine Revolution! Denn: aktuell wird das Wohnen in Deutschland ja bekanntlich immer teurer, sowohl das Mieten als auch das Kaufen. Zumindest in gefragten Lagen. Selbst wer eine gebrauchte Immobilie erwirbt, sieht sich schnell mit Beträgen konfrontiert, die in die Hunderttausende gehen (können). Wie würde es sein, wenn man sich ein Haus aus dem 3D-Drucker fertigen ließe und dafür nicht mal 15.000,00 € bezahlen müsste? Das wäre genial!

Wahrscheinlich würde es dann von Hausbesitzern nur so wimmeln, denn das eigene Heim steht seit Jahren auf der Wunschliste von (jungen) Familien. Zudem ist in letzter Zeit auch der Trend entstanden, dass sich Singles eine Immobilie zulegen oder gar bauen lassen.

Mit dem 3D-Verfahren könnte man allen Wohnwünschen gerecht werden. Und das zu einem Preis, der einem den Atem stocken lässt. Doch wie realistisch ist es, dass man diese Häuser auch hierzulande bald bauen kann?

In Deutschland wiehert noch der Amtsschimmel

Nun – da sieht es noch etwas mau aus, selbst eine Recherche im Netz fördert nicht wirklich viel zutage. Woran das liegt, kann man sich denken: am Amtsschimmel. Zumindest scheint der seine Hufe derzeit noch tüchtig im Spiel zu haben, wie das Online-Magazin manonamission.de berichtet.

Das sieht bei den europäischen Nachbarn in Frankreich schon anders aus. Dort wurde in Nantes innerhalb von 54 Stunden ein Einfamilienhaus mit dem 3D-Druck-Verfahren gebaut.

Das Portal musterhaus.net schreibt hierzu folgendes:

„Mit einem Budget von 195.000 Euro hat man das Einfamilienhaus Names „Yhnova“ in Nantes innerhalb von 54 Stunden erbaut. Ziel des Pilotprojekts der örtlichen Stadtverwaltung und der Universität Nantes ist es, neue Möglichkeiten für kostengünstigen Wohnraum aufzuzeigen. Die Forscher nehmen an, dass sich die Baukosten mit dem 3D-Druck-Verfahren im Vergleich zum traditionellen Hausbau um bis zu 70% reduzieren ließen. Das 3D-Drucker Haus in Nantes ist einstöckig und verfügt über fünf Zimmer auf einer Grundfläche von 95 Quadratmetern.(…)“

Klingt ziemlich cool! Und noch cooler wird es freilich, wenn man das eigene Haus für einen noch günstigeren Preis bekommt. Wie eingangs erwähnt, möchte das Start-up aus Texas (ICON) nun für Bedürftige in Lateinamerika Häuser aus dem 3D-Drucker errichten. Und nicht nur das: ganze Siedlungen sollen entstehen! Das im Video (siehe unten) gezeigte Haus, das den Tüftlern dabei vorschwebt, entstand in 24 Stunden und sieht aus, wie aus einem SCHÖNER WOHNEN-Heft. Die Kosten lagen dabei unter 5.000,00 Euro. Dieser Haustyp soll nun für eine ganze Häusersiedlung gefertigt werden.

3D-Häuser würden vielen Leuten den Traum vom Eigenheim erfüllen

Ein tolles Konzept!

Von dem man sich wünscht, dass es sich bitte auch bald in Deutschland durchsetzen möge. Dann wäre es vorbei mit der Verschuldung auf viele Jahre, die eine Menge Leute für den Traum vom eigenen Haus auf sich nehmen.

Nur einer darf nicht zu präsent auf der Bildfläche erscheinen: der Amtsschimmel!

Schauen Sie sich hier im Video den besagten Haustyp an und hören Sie von den Plänen des Start-ups. Das superinteressantes Projekt wird Leute, die Wert auf individuelles Wohnen legen, sicher begeistern!

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

 

 

 

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Charismatisch, unaufgeregt und skandalfrei – so kennt man Mario Adorf. Der Schauspieler, der in diesem Jahr 89 Jahre alt wird, gehört zur „alten Garde“ derer, die im Filmbusiness noch mit echter Ausstrahlung aufwarten und ihr Können zu 100 Prozent beherrschen.

Insofern ist Mario Adorf mit seinem künstlerischen Schaffen irgendwie immer präsent. Im Fernsehen und auch am Theater. Privat indes äußert er sich eher selten, weshalb ein Interview, das er dem SPIEGEL – Ausgabe 18 / 2019 – gab, aufhorchen lässt. Denn im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin äußerte sich der beliebte Darsteller sehr offen zum Thema Liebe.

Mario Adorf hat seine eigene Meinung zur Verliebtheit

Und plauderte zudem auch ganz pragmatisch in Sachen seines hohen Alters. Frank und frei gibt er zu, für seine Einkäufe einen Wagen mit einer Tasche zu benutzen. In dem Gespräch wird Adorf, der seit 33 Jahren in zweiter Ehe mit der Französin Monique verheiratet ist, auch auf das Zwischenmenschliche angesprochen. Und gibt erstaunliche Antworten. Danach gefragt, ob man in seinem Alter noch verliebt sein kann, erwidert Adorf, dass er glaubt, dass Verliebtsein eine sehr jugendliche Angelegenheit ist, die sich verliert.

Sein Gegenüber fragt nach, wann das denn ungefähr eintritt, dieses „verlieren“ und fragt, ob das vielleicht so um die 50 herum geschieht?

Darauf erwidert Mario Adorf:

„Viel früher. Verliebtheit gibt es nur in der Jugend. Ein paar Rückfälle, ja, sicher“

Und dann äußert er sich über die Dinge, die die Liebe im Alter ausmachen, verweist auf das Zusammengehörigkeitsgefühl. Vertrauen, Verlässlichkeit und Zuneigung sind die Attribute, die der Schauspieler aufzählt. Zudem überrascht er mit einem Statement zur Zärtlichkeit. Er sagt:

„Und Zärtlichkeit. Die muss nicht abnehmen, vielleicht sogar zunehmen.“

Bezogen auf seine eigene Beziehung macht Adorf keinen Hehl aus seiner Einstellung und gibt seltene, intime Details im Zusammenhang mit seiner Partnerin preis. Er gesteht, dass die Verliebtheit zu seiner Frau Monique nach ein paar Jahren nicht mehr da war, verweist aber auf das Gefühl und den Glauben, dass man zusammengehört und den richtigen Partner für sich gefunden hat.

Trotz gewisser Verführungen – die Verantwortung zählt!

Starke Worte, die zudem sämtliche Hysterie um den noch immer weit verbreiteten Irrglauben, dass eine Verliebtheit bitte schön ganz lange – wenn nicht gar für immer – anhalten soll Lügen strafen! Ebenso lässt in einem Zeitalter, in dem medial und gesellschaftlich allethalben Affären und Seitensprünge als eine Art Lifestyle in den Himmel gehoben werden, Adorfs Aussage zu Affären aufhorchen.

Dass so ein Mann in seinem Leben gewissen Verführungen ausgesetzt war und ist, glaubt man sofort. In dem besagten Interview redet er darüber, als er darauf angesprochen wird, ob eine Affäre eher glücklich oder traurig macht.

Hierzu sagt er:

„(…)Nein, da hat man schon eine gewisse Verantwortung. Auch vor sich selber.“

Jungen Paaren von heute bescheinigt der Charakterkopf, dass sie sich oft sehr schnell scheiden lassen. Adorfs Einstellung hierzu:

„Nach dem ersten Seitensprung fängt eine Beziehung erst an(…)“

Starke Worte, starke Einstellung! Das trifft ebenso auf Adorfs Beziehung zu seinem Alter zu. Er spricht an, dass mit fortschreitender Lebenszeit das Glück weniger wird. Oder zumindest das, was man als Glück bezeichnet.

Starke Worte von Charakterkopf Adorf

Mario Adorf sagt:

„Man ist dann mit „Glückchen“, also mit kleinen Glücksmomenten zufrieden.“

Natürlich wird er darauf angesprochen, welche Momente das sind – die kleinen „Glückchen“.

Darauf antwortet die Leinwandgröße ganz schlagfertig:

„Irgendjemand hat gesagt: guter Schlaf und gute Verdauung“

Bildnachweis: picture alliance / NurPhoto

Recherche: SPIEGEL, Heft 18 / 2019

 

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Frau mit Kind auf dem Arm.

Einen Partner finden und eine Familie gründen – diese Pläne haben wohl die allermeisten Frauen im deutschsprachigen Raum. Allerdings gibt es in diesen Regionen gegenwärtig auch eine Menge  weiblicher Singles. Allein in Deutschland lebten 2018 über 16 Millionen Singles. Darunter viele Frauen, die neben dem Partnerwunsch auch einen Kinderwunsch haben.

Längst ist die Suche nach Mr. Right ins Web verlegt worden, die Anzahl der Singlebörsen ist für normale Leute, die nicht mit der Statistikbrille unterwegs sind, kaum mehr zu erfassen. Allerdings strahlt das Online-Dating oftmals ein trügerisches Bild aus, vermittelt vielleicht sogar auch falsche Vorstellungen. Gerade große Dating-Portale sind mit umfangreichen Kampagnen im Netz und auch offline präsent, die die Botschaft transportieren: „Digital finden sich alle“. Dem ist aber nicht so. Im Gegenteil: man sagt dem Online-Dating auch nach, dass durch selbiges die Partnersuche unverbindlicher geworden ist. Und wie oft hört man – auch im eigenen Freundeskreis – den Satz: „Man lernt heutzutage gar keinen mehr kennen“.

Nun ist es freilich ein Unterschied, ob man mal über einen gewissen Zeitraum keinen Mann kennenlernt oder aber dieser Zustand anhält. Und bei betroffenen Singlefrauen die ersehnte Familie samt Kinder in weite Ferne rückt.

Singlefrau mit Kinderwunsch im Porträt

Ein solches Beispiel ist dieser Tage im SPIEGEL, Ausgabe 18, vom 27. April 2019, veröffentlicht worden.

Dort wird die 42jährige Katja porträtiert. Eine Frau, die im Top-Management einer internationalen Unternehmensberatung arbeitet und nach einer gescheiterten Beziehung über die einschlägigen Datingportale im Netz einen neuen Partner sucht. Denn sie hat einen brennenden Wunsch – ein Kind.

Der richtige Kandidat lässt allerdings auf sich warten und so fasst sie den Entschluss, sich in einem Münchener Kinderzentrum behandeln zu lassen. Dem SPIEGEL erzählte sie ihre Geschichte. Sie handelt davon, wie die taffe Frau ihre regelmäßigen Fahrten zur Behandlung in die Kinderwunschklinik vor den Kollegen geheim hält. Wie sie sich unter Narkose Eizellen entnehmen lässt und diese Prozedur im Zusammenhang mit ihrem Wunsch nach einem Kind schon 14 mal hinter sich hat, als das Nachrichtenmagazin sie porträtiert. Kostenpunkt bis dato dafür: 105 000,00 Euro.

Im Gespräch mit dem SPIEGEL äußert sie Unverständnis darüber, dass es in der Gesellschaft so wenig Akzeptanz für Solo-Mütter oder solche, die es werden wollen, gibt. Auch rechtlich ist die Lage hierzu alles andere als geklärt. Alleinstehende Frauen in Kinderwunschzentren mit gespendeten Samen zu behandeln, ist hierzulande weder erlaubt noch verboten.  Laut dem SPIEGEL verzeichnet beispielsweise das Kinderwunschzentrum in München wöchentlich zwei bis drei Anfragen von Singlefrauen. Oftmals müssen sie jedoch Nachweise über ihr Vermögen erbringen, damit Ärzte sie behandeln. Die Mediziner wollen nicht selten im Vorab geklärt wissen, wer im Ernstfall für den Unterhalt der Kinder aufkommt, im Falle der Solo-Mutter stößt etwas zu.

Kinderwunsch per Samenspender

Katja K., die im SPIEGEL porträtierte Frau, hat sich von alledem nicht abhalten lassen und sich bei einer dänischen Samenbank einen Spender ausgewählt: 19 Jahre jung, blauäugig und blond.

2016 startete sie ihren ersten Versuch. Doch die in ihren Uterus eingeführten Samen führten nicht zu einer Schwangerschaft. Vier fehlgeschlagene Versuche folgten. Danach ließen die Ärzte durch eine Hormonbehandlung mehrere Eizellen gleichzeitig heranreifen, entnahmen diese unter Narkose und spritzten die Spermien außerhalb des Körpers von Katja K. in einer Petrischale direkt in die Eizelle. Kommt es bei dieser Methode zu einer Befruchtung, ist die weitere Verfahrensweise so, dass zwei bis fünf Tage später ein oder zwei Embryonen in die Gebärmutter eingesetzt werden.

Zweimal wurde Frau K. auf diese Art schwanger, zweimal waren es Fehlgeburten. In ihrer Hoffnung hatte die Singlefrau schon nach einer Hebamme Ausschau gehalten…Die Enttäuschung dürfte groß gewesen sein, doch sie gab nicht auf. Zumal sie sich im Alter von 39 und 40 Jahren Eizellen hat entnehmen und diese einfrieren lassen.

Im SPIEGEL findet sich auch der Hinweis darauf, wie stark sich Katja K. für den Wunsch, ein eigenes Kind zu haben, finanziell einschränkt. Urlaub, Karriere, die weitere Partnersuche – alles steht hintenan für das Bestreben nach eigenem Nachwuchs. Trost, Rat und Unterstützung wird solchen Frauen vor allem im Internet geboten – in speziellen Kinderwunsch-Foren, in denen zukünftige Solo-Mütter jedweder Couleur unterwegs sind.

Die Zielstrebigkeit nach dem eigenen Kind zahlt sich für die porträtierte Karrierefrau Katja aus: eines Tages ist sie tatsächlich schwanger. Und hofft, dass das Kind diesmal bei ihr bleibt, ihr eine weitere Fehlgeburt erspart wird. Sachen für das Kind bestellt sie in verschiedenen Geschäften, macht aber aus, dass sie all das erst nach der Geburt abholt. Verständlich. Wer möchte in so einer Situation und nach einer womöglich erneuten Fehlgeburt schon von lauter Dingen für`s Baby umgeben sein?

Die Odyssee zahlt sich aus – die Solo-Frau ist schwanger!

Und tatsächlich: Katja K. wird im Frühherbst 2018 Mutter – bekommt eine Tochter. Alles verläuft ohne Komplikationen, das Kind ist gesund. Im SPIEGEL erfährt man dann am Ende des Artikels, dass die frischgebackene Mutter nun neue Pläne hat:  ein weiteres Kind! Dafür hat sie bereits bei der Samenbank und im Kinderwunschzentrum vorgesorgt.

Eine einerseits schöne, andererseits aber auch irritierende Geschichte.

Schön deshalb, weil man der Frau ihr Glück gönnt und irritierend deshalb, weil man sich schon die Frage stellt, wie dieses – ja, man kann es ruhig sagen – „Erzwingen“ eines Kindes zu bewerten ist? Zumal vor dem Hintergrund, dass parallel dazu unzählige alleinerziehende Frauen ihren Familienstatus als nicht wirklich optimal einschätzen. Und es auch kein leeres Gerede ist, wenn es heißt, dass zu einem Kind Mama UND Papa gehören. Andererseits gibt es auch viele, viele Familien, die aus Mutter, Vater und Kind(ern) bestehen und in denen es dem Nachwuchs gar nicht gut geht. Die Medien sind voll von Berichten über Missbrauch und Gewalt.

Fazit: letztlich kann man sich in einem Fall wie diesem kein Urteil erlauben, finde ich. Die Frau ist glücklich, dem Kind geht es gut – warum eigentlich nicht? Zur Wahrheit gehört aber auch, dass diese kinderliebende Frau und Mutter (die für ihren Nachwuchs ganz alleine sorgte) mit solch` einem Job, der ein Top-Einkommen garantiert, auch nicht die Regel ist. Letztlich konnte sich die im SPIEGEL porträtierte Frau ihren Wunsch nach Nachwuchs nur erfülen, weil die finanziellen Voraussetzungen gegeben waren.

So oder so ist es auf jeden Fall eine Geschichte, die nachdenklich macht!

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

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Waldlandschaft Thüringen

Endlich Frühling! Nach dem langen Winter tut die Sonne so gut und man ist in Sachen Unternehmungen voller Tatendrang! Vorbei die Zeiten, an denen man sich von Freitag bis Sonntag wegen Schmuddelwetter oder/und Kälte nur innen aufhalten konnte.

Ich jedenfalls überlege in dieser Frühjahrszeit oftmals schon in der Wochenmitte, was man am Wochenende Schönes unternehmen könnte. Vor kurzem führte ein ebay-Kauf bei meiner Planung Regie, denn ich hatte mir einen raren Artikel in Thüringen ersteigert. Den galt es abzuholen, denn er war höchst zerbrechlich und konnte nicht via Post versandt werden. Und: was liegt da wohl näher, als die Abholung mit einem Wochenendausflug in den Thüringer Wald zu verbinden?! Eben.

Familienhotel im Thüringer Wald nahe dem Rennsteig

Gesagt, getan! Im Internet schaute ich mich nach Unterkünften um und in Masserberg / Heubach wurden wir fündig. Mit einem Hotel, das eigens als Familienhotel aufgeführt war. Es heißt „Heubacher Höhe“. Wir waren zwar nicht zwingend auf ein Familienhotel aus, aber das besagte Haus bot das beste Preis-/Leistungsverhältnis für die eine Nacht von Sonnabend auf Sonntag.

Von Sachsen aus fuhren wir zwei Stunden in die Gegend um das Schwarzatal, in der wir zunächst mein ebay-Schnäppchen abholten. Danach vergingen nur noch 30 Minuten, bis wir in Masserberg/Heubach – in der Nähe des berühmten Rennsteigs – angekommen waren. Das Hotel „Heubacher Höhe“ machte – zugegeben – auf den Fotos im Internet einen anderen Eindruck. Wahrscheinlich hatte ich mich zu sehr von den geschickten Fotografien, die das Haus stets dezent hinter Blumen haben zurücktreten lassen, leiten lassen. In Wirklichkeit erinnerte die Unterkunft an vergangene DDR-Zeiten. Und nicht mal nur das: es war offenbar ein DDR-Bau. Aber: das muss ja nichts Schlechtes sein. Und siehe da: im Inneren war von DDR-Charme nicht mehr viel zu spüren. Es war zwar kein gehobenes Ambiente oder gar Luxus, aber okay.

Hotel wartete mit geräumigen Familienzimmern auf

Das Zimmer war geräumig und präsentierte sich eher als eine Art Appartment mit zwei Wohnbereichen. Ideal natürlich, wenn man mit Nachwuchs unterwegs ist.

Zum Haus gehörte auch ein Sportzentrum, in dem Sauna, Ballspielplätze und ein Pool untergebracht waren. Wir interessierten uns nur für Letzteren und genossen am Abend unserer Ankunft ein  Bad im Pool, den wir fast die gesamte Zeit über alleine hatten. Schön ist, dass es einen Gang vom Hotel zum Sport- und Wellnessbereich gibt, so dass man bei Regenwetter trockenen Fußes und generell im Warmen zum Pool und zurück gelangt. Toll vor allem auch im Winter.

Dies aber nur am Rande, denn schon bald machten wir das, wofür wir AUCH hergekommen waren: wandern. Gleich hinter dem Hotel schlängelten sich einige Wanderpfade entlang. Wir entschieden uns für einen sehr moderaten, denn mit einem Grundschul-Kind kann man es noch nicht sehr ausgedehnt angehen lassen, beim Wandern. Zumal wir als Eltern freilich auch keine Experten auf Schusters Rappen sind. Aber dennoch: es machte riesigen Spaß. Wir hatten Glück mit dem Wetter, die Sonne schien und es war für das letzte März-Wochenende ein ausgesprochen milder Tag.

Wanderung Thüringer Wald

Wandern in Familie

Weit und breit war kein Mensch, so dass wir die Stille des Waldes beim Laufen ganz auf uns wirken lassen konnten. Stichwort Wald: im Thüringer Wald ist die Atmosphäre einzigartig! Man kann es gar nicht anders beschreiben. Obgleich wir auch in der Nähe unseres Zuhauses Wald haben, ist dieser heimische Wald nicht wirklich mit dem Thüringer Wald vergleichbar. Zumal der Thüringer Wald mit Bergen aufwartet – Stichwort: Rennsteig. Dürften die meisten schon mal gehört haben. Dieser beliebte Ort ist übrigens auch nur ein Katzensprung vom Hotel Heubacher Höhe entfernt!

Wandern im Thüringer Wald hat seinen eigenen Charme!

Wir also wanderten durch verwunschen anmutende Wälder, genossen herrliche Ausblicke auf Felder und Wiesen und taten uns an der reinen und frischen Luft eine Güte.

Natürlich hatten wir auch Proviant dabei, denn was wäre eine Wanderung ohne ein zünftiges Picknick? Hierfür stehen in ausreichender Anzahl Bänke bzw. Wanderrastplätze zur Verfügung. Da verweilt man gerne und an der frischen Luft schmeckt es sowieso nochmal so gut. Auf unserem Weg entdeckten wir übrigens einen ausgefallenen, rosé glitzernden Mineralstein. Da man aber aus solchen Naturgegenden nichts entwendet, ließen wir diesen freilich liegen. Das Thema Mineralsteine/Mineralien sollte uns im Museum der Bertholdsburg noch einmal begegnen, aber dazu gleich mehr.

Wir jedenfalls machten uns nach einem ausgiebigen Hinweg dann schon bald auf den Rückweg, denn es war Sonntag – der Tag unserer Abfahrt. Und weil wir so gestrickt sind, bei solchen Ausflügen so viel wie möglich an Erlebnissen und Sehenswürdigkeiten mitzunehmen, hatten wir schon am Vorabend beschlossen, noch einen Abstecher nach Schleusingen zu machen.

Schloss Bertholdsburg lockt mit umfangreichen Ausstellungen

In die Bertholdsburg. Das alte Gemäuer heißt offiziell Schloss Bertholdsburg und ist der bedeutenste Profanbau im südthüringischen Raum. Entstanden zwischen 1226 und 1232 beherbergt die Burg heute ein sehr schönes Museum. Mit einer Ausstellung, die vielfältig gestaltet ist und sich auch an Kinder richtet.

Dino-Skelett

Nachbildung Dino-Skelett Schloss Bertholdsburg

Gezeigt werden außergewöhnliche Minerale aus Thüringen ebenso wie alte Gegenstände aus dem Leben unserer Vorfahren. Der Geschichte der Burg wird ebenso mit interessanten Ausstellungsinhalten Rechnung getragen. So kann man sich lebhaft vorstellen, wie man vor vielen hundert Jahren in so einer Immobilie gelebt hat.

Sehr schön gemacht ist auch die Sonderausstellung „300 Millionen Jahre Thüringen“, die einen Einblick in die damaligen Lebensräume von Tieren und Pflanzen gibt. Da durften natürlich nachgebildete Dinosaurier(Skelette) nicht fehlen…! Vor allem für Schulkinder ein sehr bereicherndes Erlebnis!

Auf jeden Fall war das ein wunderschöner Wochenendausflug, der mir nicht nur mein ebay-Schnäppchen bescherte, sondern bei dem wir aktiv auftanken und im Museum noch unser Wissen zur mitteldeutschen Geschichte erweitern konnten. Was will man mehr?

 

 

 

 

 

 

 

 

Bildnachweis: privat

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