Dienstag, 28. Mai, 2024

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Abofalle, Steuern, Mietvertrag: Lehrerin lehrt Schülern Alltagskompetenz

“Durch Handy-Vertrag verschuldet”, “Reingefallen mit WG-Mietvertrag” oder “Ratenzahlung endet mit Zahlungsunfähigkeit”. Es vergeht kaum ein Tag, an dem solche Meldungen nicht durch die lokale Nachrichtenlandschaft geistern. Schaut man sich solche Artikel genauer an, fällt auf, dass die Betroffenen meist junge Leute sind. Aus Unwissenheit und häufig auch durch Tricks und Geschäftsgier fragwürdiger Unternehmen, landen etliche Jugendliche und junge Erwachsene durch Shopping, Konsum und komplizierte Verträge in der Schuldenfalle. Oder bekommen im Dschungel von Gesetzen und Paragraphen anderweitig Probleme.

Von Mietvertrag bis Steuern – Alltagskompetenz als Schulfach

Hinzu kommt, dass es nicht wenige junge Erwachsene in Deutschland gibt, für die der Alltag in der ersten eigenen Wohnung eine echte Herausforderung – manchmal sogar eine Überforderung – ist. Statt selbst Gekochtem dominiert die teure Fertigpizza, statt einer klugen Lebensmittel-Vorratshaltung am Monatsende das Konto-Minus und die Zusammensetzung der Betriebskosten der ersten eigenen Bude erschließen sich vielen jungen Mietern auch nicht. Kommen mehrere Hürden zusammen, kann das ein junges Leben schnell aus den Fugen bringen. Im schlimmsten Fall droht die Privatinsolvenz. Denn ganz gleich, um welches Alltagsthema es geht – am Ende dreht sich so gut wie alles ums Geld.

Hat man hier den Umgang mit selbigem nicht gelernt und weiß auch nichts über gewisse Grundlagen – zum Beispiel mit einem eher kleinen Budget wunderbar frisch zu kochen – kann das ganz schnell böse enden. Zumindest für Berufsanfänger und Normalverdiener.

“Fit for Life” ist wegweisend

Um solche Fälle zu vermeiden, hat die Lehrerin Svea Groß für die neunte und zehnte Klasse in der Taunusschule in Bad Camberg (Hessen) das Schulfach “Fit for Life” ins Leben gerufen. Beruflich im Verbraucherrecht sattelfest und auch sonst mit dem nötigen Background ausgestattet, hat die Pädagogin mit diesem wegweisenden Schulfach an ihrer Schule großen Erfolg.

Und nicht nur dort: Medien, die über den außergewöhnlichen Unterricht berichteten, verzeichneten in ihren Kommentarbereichen riesige Zustimmung zu dem Wahlpflichtfach, das sich vordergründig mit Steuern, Finanzen, Kochen und Putzen beschäftigt.

Doch wie immer bei medial großen Themen gibt es auch Kritik. So sind aus den Kommentarspalten des Webs verschiedene Stimmen zu vernehmen, die der Meinung sind, dass solche Alltagskompetenzen im Elternhaus vermittelt werden müssten. Auch das ist auf keinen Fall von der Hand zu weisen – ganz klar. Doch zur Wahrheit gehört auch: In Sachen Steuern und Finanzen ist es schon für manchen Erwachsenen schwer, durchzublicken. Nicht jede Mutter oder jeder Vater ist hier sattelfest.

Kochen – von Unkenntnis bis Leidenschaft

Und auch das Kochen bekommt heute längst nicht mehr jeder im Elternhaus beigebracht. Es ist manchmal schon erschreckend, wie wenig Kenntnisse manche junge Leute von der Zubereitung von Speisen haben. Demgegenüber stehen allerdings jene aus der “Generation Z”, die sich der (gesunden) Ernährung leidenschaftlich widmen und mit Herzblut selbst kochen. Die vielen Follower der Instagram-Koch-Accounts sprechen Bände. Verallgemeinern kann man das also nicht, obgleich in der Gruppe der reifen Jugendlichen / ganz jungen Erwachsenen das Thema Kochen und Mietvertrag weit hinter Clubbesuchen, Ausgehen und Party machen stehen dürfte.

So oder so: Eine im Unterricht vermittelte Alltagskompetenz macht auf jeden Fall Sinn. Zumal die Schüler der besagten Schule in Hessen ganz begeistert von dem Fach sind.

Hessen als Vorreiter für Deutschland

So äußert sich die Schulsprecherin und stolze Absolventin von “Fit for Life”, Amelie Nebel, begeistert über diesen einzigartigen Unterrichtsstoff “Ich würde mich freuen, wenn es das Fach an jeder Schule gäbe.” Derzeit ist “Fit for Life” nur an der Taunusschule als Wahlpflichtfach verfügbar, stößt aber bundesweit auf Interesse.

Ob eine flächendeckende Einführung kommt, ist unklar. Dass Alltagskompetenzen im Unterricht stärker Berücksichtigung finden sollen, steht jedoch außer Frage.

“Fit for Life” sollte deshalb Schule machen. Im Wortsinn!

Bild (Symbolbild): pexels.com / Ivan Samkov

Quelle: harmonyfm.de

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