Mittwoch, 17. August, 2022

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Kalligraphin mit Leidenschaft: „Vor längeren Texten machte ich autogenes Training“

Omas Briefe auf dem Dachboden – wer kann die heutzutage schon noch lesen? Korrespondenzen aus alten Zeiten sind oft in Sütterlin geschrieben, einer Schrift, die für viele Menschen schlichtweg nicht lesbar ist.

Und so kann man beim Auffinden alter beschriebener Fundstücke über Inhalt und Sinn selbiger meist nur spekulieren.

Oder man sucht einen Profi auf, der Geschriebenes aus vergangenen Zeiten mit Leichtigkeit lesen kann. Karina Reck zum Beispiel (im Bild). Die Kalligraphin aus dem Norden widmet sich mit Leidenschaft alten Schriften und ist mit ihrem Know-How sowohl bei Privatleuten als auch bei Museen und öffentlichen Einrichtungen gefragt.

Kalligraphin war früher Unternehmensberaterin

Zu den historischen Schriften ist die ehemalige Unternehmensberaterin durch Ausprobieren gekommen.

Wie ihre Arbeit aussieht, womit sie sich kalligraphisch beschäftigt und wer ihre Auftraggeber sind, hat sie uns im Interview verraten.

FB: Frau Reck, Sie betreiben ein Atelier für historische Schriften. Wie kommt FRAU zu diesem außergewöhnlichen Geschäftsfeld? 

Ich war Unternehmensberaterin. Dieser Beruf ist mit sehr viel Stress verbunden. Ich wurde krank und mußte diesen Beruf leider an den Nagel hängen. Ich habe vieles ausprobiert, was ich so machen könnte und bin schließlich bei der Kalligraphie hängen geblieben.

FB: Was heißt eigentlich Kalligraphie?

Kalligraphie kommt aus dem Griechischen und bedeutet „schön schreiben“ von historischen Schriften. 

Ich gestalte Texte, Gedichte oder auch manchmal nur einzelne Wörter mit diesen historischen Schriften zu einem Bild.Alle Bilder sind Unikate, nichts wird gedruckt oder vervielfältigt.

Ich habe das Schreiben von historischen Schriften in der Schule für Schrift in Hamburg gelernt.

Auch das Papierschöpfen gehört dazu

Dazu gehörte auch das Beachten des Goldenen Schnitts, Vergoldung von Buchstaben und das Papierschöpfen.

FB: Inwiefern hat sich Ihr Leben verändert, seit Sie sich Schriften aus alten Zeiten widmen?

Ich bin viel ruhiger, gelassener und geduldiger geworden. Bei der Kalligraphie braucht man eine ruhige Hand und völlige Konzentration. Vor längeren Texten mache ich sogar autogenes Training.

Denn wenn ich mich verschreibe, muß ich wieder von vorn anfangen. Meinen Schülern sage ich zwar dann, „das übt“, aber es ist trotzdem ärgerlich. Radieren geht nämlich gar nicht. 

Ich möchte auch in dieser schnelllebigen Zeit dieses alte Handwerk aufrecht erhalten. 

Als Farben kommen hauptsächlich Aquarellfarben zum Einsatz

Mein Motto heißt: schreib auf dies und das, morgen könnte die Schrift abgeschafft sein. Sie zittert schon. 

FB: Mit welchen Arbeitswerkzeugen arbeiten Sie? 

Hauptsächlich arbeite ich mit Bandzug- oder auch Plakatfedern als Schreibwerkzeuge. Probiere aber immer gerne was Neues aus, wie z.B. Pinsel, Strohhalm, Holz, Schwamm, Bleisatz, Wolle oder abgebrochene Pfannenwender. 

Als Farben benutze ich hauptsächlich Aquarellfarben, weil sie lichtecht sind und miteinander mischbar sind. Ich stelle aber auch selbst Tinten her, wie z.B. Schlehen- oder Walnusstinte. 

Als Schreibgrund nehme ich hochwertige Büttenpapiere, die ebenfalls lichtecht sind.  

FB: In welchen Situationen ist Ihr Können gefragt – wer bucht Sie? 

Es kommen ganz unterschiedliche Menschen zu mir ins Atelier, die gerne einen schönen Spruch oder ein Gedicht in einer historischen Schrift geschrieben haben möchten. 

Einträge in Goldene Bücher der Stadt gehören dazu

Seit ein paar Jahren schreibe ich auch die Einträge in die Goldenen Bücher der Stadt Husum, Tönning und auch Witzwort. 

Für einen Fernsehsender sollte ich mal 2 Schriftzüge anfertigen, weil es nicht aussehen sollte wie gedruckt. 

FB: Was lassen sich Privatpersonen in Ihrem Atelier anfertigen? 

Privatpersonen kommen zu mir, um sich ihren Lieblingstext von mir kalligraphieren zu lassen. Ärzte etwa, die den Hippokratischen Eid in einer historischen Schrift in ihre Praxis aufhängen möchten.

Ich schreibe auch sehr viele Taufsprüche. Eltern kommen zur mir, um ihren Kindern zur Konfirmation oder zur Hochzeit einen schönen Spruch mit auf den Weg geben wollen. Oder ein Gedicht als Geschenk für die verschiedenen Hochzeitstage.   

Bewegende Momente beim Entziffern alter Schriften

Mich besuchen aber auch Menschen, nur um zu schauen und spontan ein fertiges Bild von mir zu kaufen. Die „Renner“ sind meine 6 friesischen Weisheiten wie z.B. „Wat mutt, dat mutt“ – friesische Disziplin oder auch „Nüdschanix“ – friesische Konfliktlösung.  

FB: Wenn Sie sich in historisches Material vertiefen, ist das sicher hochinteressant. Gab es im Laufe Ihres Schaffens außergewöhnliche oder bewegende Momente, die Sie beim Entziffern alter Schriften hatten? 

Ja, diese bewegende Momente gab es schon mehrfach. Besonders das Entziffern von alten Briefen aus Kriegszeiten gehen unter die Haut. 

Ich durfte mal den Schriftwechsel eines Gefangenen in Stalingrad mit seiner Familie in der Heimat übersetzen. Früher schrieb man ja Sütterlin, eine altdeutsche Schrift, die heute kaum noch jemand lesen oder schreiben kann.  

Hochinteressant waren aber auch Verträge aus dem 17. Jahrhundert über Verpachtungen von Deichflächen, die in einer Kurrentschrift verfaßt wurden.

FB: Bis in welches Jahr zurück – in etwa – können Sie historische Schriften lesen? 

Ich lese und schreibe ca. 30 verschiedene historische Schriften aus ganz Europa ab dem 1. Jahrhundert bis hin zur Neuzeit mit Sütterlin. In alten handgeschriebenen Bibeln findet man oft die Unziale oder die karolingische Minuskel, beide aus dem 8. Jahrhundert, oder die Humanistische Kursive aus dem 15. Jahrhundert.

In Kursen wird das Know-How der Kalligraphie weitergegeben

Ganz bekannt ist ja die Textur, die Gutenberg für seine Bibel nutzte. 

FB: Sie geben auch Kurse. Was für Leute kommen zu Ihnen und mit welcher Intention? 

Es sind ganz unterschiedliche Intentionen bei meinen Schülern. Er oder sie möchte gerne Glückwunschkarten und Gedichte kalligraphieren und gestalten. Andere wiederum kommen aus Medienberufen, die erfahren möchten, eine historische Schrift selbst zu schreiben und sich nicht per Klick im Internet eine alte Schrift herunter zu laden. 

FB: Sie leben im schönen Norden – dort wo andere Urlaub machen. Wie sieht Ihre Freizeitgestaltung aus, wenn Sie sich nicht in alte Dokumente oder Unterlagen vertiefen – gibt es Hobbys? 

Ich wohne in einem alten Reetdachhaus nahe der Nordsee mit einem großen Garten. Es gibt dort ständig was zu tun, Langeweile kommt gar nicht erst auf. Unkraut wächst ja ständig und überall. Und in einem Hochbeet pflanze ich verschiedene Kräuter und Salate an. 

Auch in der Freizeit wird es nicht langweilig

Wir betreiben hobbymäßig eine kleine Belted-Galloway-Zucht von mittlerweile 18 Tieren, die „betütelt“ werden wollen, genauso wie unsere 17 Hühner (alles alte vom Aussterben bedrohte Rassen) mit Hahn Hermann. 

Und mit unserem Parson Russell Terrier Moritz gehe ich gerne „Gassi“. Außerdem lese ich leidenschaftlich gerne oder höre Musik.

FB:  Wofür engagieren Sie sich in Ihrer Freizeit?

Seit 7 Jahren bin ich Partnerin beim Nationalpark Weltnaturerbe Wattenmeer Schleswig-Holstein. 

Ich möchte damit zum Ausdruck bringen, daß ich mich mit der Region Eiderstedt identifiziere und sie erhalten möchte, d.h., daß ich umweltbewußt und nachhaltig lebe sowie die Natur schützen möchte für uns alle und für die nachfolgenden Generationen. 

FB: Was steht demnächst bei Ihnen an – gibt es Pläne oder Projekte, über die Sie schon etwas verraten können? Wenn ja, welche?         

Es gibt tatsächlich ein Projekt, was sehr spannend, interessant und völlig neu für mich ist. Ein freiberuflicher Redakteur aus NRW und ich wollen einen Bildband über Wangerooge in Eigenregie herausbringen.

Spannende Projekte sind in Arbeit

Er liefert die faszinierenden Fotos, er und ich überlegen uns die passenden Texte dazu und ich schreibe dann diese Texte in einer historischen Schrift. 

Ich freue mich riesig über dieses Projekt und es wird garantiert sehr sehenswert.

Dann gibt es noch ein Projekt, daß ich schon vor einiger Zeit angefangen habe. In 2 irischen Schriften aus dem 8. Jahrhundert schreibe ich ein irisches Märchen ab, in deutscher und englischer Sprache. Es handelt von einer Tinkerfamilie, ein fahrendes Volk, und ihren Erlebnissen, die kreuz und quer durch Irland reisen.     

Wer mehr über die sypathische Kalligraphin wissen möchte, kann sich hier informieren.

Copyright: Karina Reck

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