Montag, 26. Februar, 2024

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Den Alltag komplett offline gestalten: Eine Frau erzählt

Für den Abend schnell mal ein Rezept im Internet gesucht, rasch neue Socken für Mann und Kind online bestellt und in der Kaffeepause genüsslich Impressionen vom schon gebuchten Urlaubsort angeschaut: Für die meisten Frauen ist heute das Internet aus dem Alltag nicht mehr wegzudenken.

So richtig in das gesellschaftliche Leben der Deutschen integriert hat sich das Web seit circa zwanzig / fünfundzwanzig Jahren. Viele erinnern sich bestimmt noch an die Anfänge des digitalen Lebens, als noch knäckernd-knirschende Modems notwendig waren, um die Weiten des World Wide Webs zu erkunden.

Den Alltag noch offline gestalten? Das ist kaum noch an der Tagesordnung!

Das ist lange vorbei und nahezu jeder zwischen 16 und 60 organisiert inzwischen einen Großteil seines Alltags am Handy und via Laptop. Vor allem Mütter, die im termingepflasterten Alltag Familie und Job unter einen Hut bringen müssen, nutzen häufig die vielen nützlichen Apps, die es mittlerweile gibt. 

Und auch unzählige reifere Semester ab 60plus haben den Einstieg ins Online-Leben lange geschafft und nutzen Ratgeber-Apps, Podcasts und Instagram ganz selbstverständlich. Vor diesem Hintergrund kann man es kaum glauben, dass es Menschen gibt, die noch niemals im Internet waren.

Und doch ist es so. Das Magazin SPIEGEL hat in seiner Online-Ausgabe eine Zeitgenossin zu Wort kommen lassen, die noch nie im Internet war.

Wenn Telefon und Briefe reichen

Die schon etwas reifere, aber doch im Leben stehende, Dame sagt:

“(…)»Nennen Sie mich altmodisch oder von gestern, aber ich war noch nie im Internet, und ich plane auch nicht, das zu ändern. Ich habe einen Briefkasten und ein Telefon – das reicht mir.(…)”

Und weiter führt sie aus:

“(…)Wie ich mir das Internet vorstelle? Das ist eine Apparatur, in die Sie einen Code eingeben, um dann alles Mögliche zu suchen. Und ich gebe ja zu: Das kann eine wunderbare Sache sein. Neulich musste ich auf Kur fahren, in den Vorbereitungen kriegte ich meinen Koffer nicht abgeschickt, weder per Anruf noch im Versandladen. Ich war so was von wütend. Da hat mein Neffe mit seinem Handy in kürzester Zeit mein Problem gelöst. Mein Schwager sagt dann immer: Siehste, du solltest das auch lernen.(…)”

In Ihrem Offline-Leben macht Ella Neitzel – so der Name der Frau – allerdings Beobachtungen, die all jene, bei denen die Online-Welt zum Alltag gehört, etwas nachdenklich stimmen sollten.

Zitat:

“(…)Letztens wäre fast jemand in mich reingelaufen, weil er das Handy vor der Nase hatte. Schlimm find ich, wenn junge Leute im Lokal sitzen, jeder an seinem Handy. Ich frage mich: Können die sich gar nicht mehr unterhalten?(…)”

Da dürfte was dran sein…

Aber dennoch: Einen Alltag ganz ohne Internet dürften sich die meisten Deutschen kaum mehr vorstellen können. Umso verwunderter ist man natürlich, wenn man von Leuten hört, die noch nie online waren. Es wirkt nahezu unglaublich!

Für viele Behörden scheint das Web noch immer “Neuland” zu sein

Doch ob die Frau auch zukünftig einen Bogen um das Internet machen kann, wird sich zeigen. In fünf Jahren nämlich, wenn ihr Personalausweis abgelaufen ist. Ella Neitzel hat jetzt schon Bedenken, dass sie diesen Behörden-Akt nicht mehr offline gestalten kann.

Nun – hier ist natürlich noch nicht “aller Tage Abend”. Die Stadt Leipzig zum Beispiel hat bis heute auf etlichen Anschreiben an die Bürger keine Mailadresse für Rückfragen oder sonstige Kommunikation aufgedruckt.

Bleibt in mancher Amtsstube das Internet noch einige Zeit lang “Neuland”, dann könnte Frau Neitzel Glück haben…!

Bild (Symbolbild): picture alliance / Westend61 | Svetlana Karner

Quelle: spiegel.de vom 21.04.23
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