Junge liest BUch

Ein Gastbeitrag von Anke zum Thema „Bücher im Kindergarten kaufen“

„Mama, Mama, schau – das will ich haben. Und das. Und das. Und das auch noch….!“

Als ich an diesem Tag den Kindergarten betrete, um meine Tochter abzuholen, zieht sie mich gleich hin zu einem reich bestückten Büchertisch. Kinderbücher aller Art – vom Märchenbuch bis hin zum Kochbuch – türmen sich auf dem Tisch, direkt im Eingangs- und Umkleidebereich des Kindergartens.

Die Bücher sind ein Angebot eines Bücherverlages, der kommerziell agiert. Das wird mir schnell klar, als ich den Büchertisch näher in Augenschein nehme. Noch immer tänzelt mein Kind um mich herum und macht mich auf diverse Bücher aufmerksam, die sie – jetzt am liebsten sofort – haben möchte.

Bücher kann man doch selbst für das Kind kaufen!

Ehrlich gesagt finde ich das ziemlich daneben. Wenn ich Bücher für mein Kind kaufen möchte, dann gehe ich in einen Buchladen, ganz klar! Warum um Himmels willen, werde ich in einer Kindertagesstätte mit Kaufangeboten á la Kassenzone im Supermarkt traktiert? Es reicht doch nun wirklich schon, wenn Kinder beim Einkaufen im Supermarkt für allerlei Kinkerlitzchen und Süßigkeiten gewonnen werden sollen!

Muss ich das „Bitte-Bitte“-Gequengel tatsächlich nun auch noch im Kindergarten ertragen? Ich nehme mir vor, den Chef des Trägers der Kindergarten-Einrichtung anzurufen.
Am nächsten Tag schon habe ich ihn persönlich am Apparat. Seine Antwort auf meine Frage, warum so ein Angebot im Kindergarten sein muss, ist fadenscheinig.

Man habe, so der Tenor, die Sitte, dass dann und wann ein Vertreter für Kinderbücher seine Produkte im Kindergarten auslegt, bei Übernahme der Trägerschaft für diesen Kindergarten mit übernommen. Und bislang hätte sich da auch keine Mama oder kein Papa darüber beschwert.

Aha. Na dann….war ich wohl die Erste, die den Mund aufmachte. Das passiert mir übrigens oft. Ich sage schnell meine Meinung zu Dingen, die mir nicht passen – darin scheine ich mich von den allermeisten Mitmenschen wohl zu unterscheiden. Das Telefonat brachte nicht viel, einzig das Versprechen des Leiters mein Anliegen einmal mit der Leiterin des Kindergartens zu besprechen.

Diese begegnete mir ein paar Tage später zufällig und sprach mich auf das Thema an. Ich erläuterte ihr mein Unverständnis, allerdings brachte sie ein Argument, dass ich – das muss ich zugeben – bis dato überhaupt nicht bedacht hatte.

Bücher im Kindergarten als Offerte für Eltern, die kaum Bücher kaufen

Sie erzählte mir nämlich, dass es durchaus einige Kinder in dem Kindergarten gibt, die im Elternhaus mit Büchern überhaupt nicht in Berührung kommen. Und vordergründig für diese Kinder sei das Angebot gedacht, denn so manche Mama oder Papa mit diesem „Nicht-Bücher“-Hintergrund kauft dann nämlich doch dann und wann ein Buch. Diese besagten Kinder kommen so also doch noch in den Genuss von Kinderbüchern.

Oha! Ein wichtiges Argument – in der Tat! Das hatte ich so nicht bedacht, ganz ehrlich!

Je länger ich über die Worte der Kindergartenleiterin nachdachte, desto einleuchtender erschien mir ihre Begründung.

Natürlich war es für mich als Bücherwurm so was von gar nicht nachvollziehbar, dass es Familien gibt, in denen Bücher keine Rolle spielen. Ich selbst war von jeher ein Bücherwurm und habe diese Leidenschaft auch auf meinen Nachwuchs übertragen.

In unserem Zuhause gibt es sowohl im Kinderzimmer- als auch im Wohnzimmerbereich -zig Bücherregale, es vergeht kein Tag, an dem ich nicht meinem Kind vorlese und nicht auch selbst in einem Buch schmökere.

Und: selbst in digitalen Zeiten würde ich immer und zu jeder Zeit eine Lanze für ein Buch brechen, das ist klar.

Vor diesem Hintergrund sehe ich die Buchauslage im Kindergarten in einem etwas anderem Licht. Zwar ist es immer noch nervig ohne Ende, wenn der Nachwuchs ob des Büchertisches bettelt und quengelt, aber wenn dieses Angebot letzten Endes dazu führt, dass auch nur ein Kind mehr an Bücher heran geführt wird, dann ertrage ich es gern!

Bildnachweis: Fotolia,

Datei: #44915169 | Urheber: lagom

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