Puppe und Teddy

Tobende Kinder in Oberteilen und Strumpfhosen. Ein Raum voller Liegen, die man selbst auf- und abbauen musste, wenn der Mittagsschlaf angesagt war. Das Sammeln vor der großen Glastür, bevor die Kindergärtnerin die Rasselbande in den großen Garten ließ. Oder die kleinen Waschbecken im Waschraum ganz hinten. Meine Mutter, die mich in späteren Kindergartenjahren alleine in die Betreuungseinrichtung gehen ließ und mir beim ersten Mal, wo ich alleine zum Kindergarten ging, folgte. Noch heute habe ich das Bild vor mir, wie sie sich rasch in einen Hauseingang drückte. Denn natürlich hatte ich sie entdeckt. All das sind meine Erinnerungen an die Zeit im DDR-Kindergarten.

Erinnerungen an DDR-Kindergarten in mittelalterlichem Gemäuer der Burg Kriebstein

Dass sie ausgerechnet auf einer alten Burg wieder zum Leben erweckt werden sollen, freut mich. Denn mittelalterliche Gemäuer mag ich ebenso wie meine schönen Erinnerungen an meine Kindheit in der DDR.

Neben der Kinderkrippe, an die ich auch noch (sehr gute) Erinnerungen habe, hat mich auch die Zeit im Kindergarten sehr geprägt. Und weil das vielen Menschen so geht und die Kinderbetreuung der DDR ja oftmals ein Thema in der Gesellschaft ist, hat man deshalb wahrscheinlich explizit dazu eine Ausstellung geschaffen.

„Alltag im Kindergarten der DDR“ heißt die Schau, die auf der schönsten Ritterburg Sachsens – der Burg Kriebstein – gezeigt wird. Und sich auf angenehme Weise „nur“ auf die Alltagsgegenstände der Kindergärten damals fokussiert. Ohne zu hinterfragen, ob diese Art der Betreuung gut oder schlecht war, lässt die Ausstellung Raum für eigene Erinnerungen. Für den „Weißt-Du-noch“-Effekt, den man freilich nur mit jemandem teilen kann, der ebenso einen Kindergarten in der DDR besuchte.

Viele Exponate stammen aus DDR-Spielzeugmuseum

Die Kuratoren Ramona und Andreas Reißmann haben in Kriebstein eine schöne Vielfalt an Exponaten zusammengetragen, die den damaligen Alltag im DDR-Kindergarten sehr authentisch abbilden. Als Betreiber des DDR-Spielzeugmuseums im thüringischen Greiz haben die beiden viele Ausstellungsgegenstände aus ihrer eigenen Sammlung mit in die Burg-Schau integriert. Teddys, Puppen, Spielzeug-Kipper (wir haben damals „Dumper“ dazu gesagt), der seinerzeit heiß geliebte Brummkreisel – auf Kriebstein können Interessierte eine nostalgische Zeitreise machen, die vor dem geistigen Auge garantiert wieder die eine oder andere Kindergarten-Szene aus vergangenen Tagen aufleben lässt!

Auch die ortsansässige Kindertagesstätte hat didaktisches Spielzeug und einen Dia-Projektor für das Projekt beigesteuert. Denn die Schau ist für die ganze Familie gedacht – Kinder können vor Ort mit modernem Spielzeug in einer eigens eingerichteten Spielecke spielen.

Und wenn man schon mal vor Ort ist, sollte man den Besuch Kindergarten-Ausstellung unbedingt mit einer Besichtigung der Räume der imposanten Burg verbinden. Wer in Mitteldeutschland wohnt, für den sollte es im Rahmen eines Tagesausflugs kein Problem sein, das ritterliche Gemäuer anzusteuern. Die Burg liegt in Mitteldachsen, im Städtedreieck Dresden-Chemnitz-Leipzig. Erhaben thront sie auf einem steilen Felsen über dem Fluß Zschopau und lockt als geschlossener und vollständig erhaltender Baukomplex aus spätgotischen Zeiten Besucher aus nah und fern an. Apropos Ferne: wer einen sehr langen Anreiseweg zu bewältigen hat, findet im Umfeld von Kriebstein wunderschöne Unterkünfte und sollte den Trip mit einem Wochenende-Aufenthalt verbinden.

Die Ausstellung läuft noch bis zum 31. Oktober 2019 und ist für Kinder ab drei Jahren geeignet.

Anschrift: Burg Kriebstein, Kriebsteiner Straße 7, 09648 Kriebstein

Weitere Informationen hier.

 

Bildnachweis: Burg Kriebstein

0 Kommentare

Dein Kommentar

An Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns Deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.