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„Und dann sagte der tatsächlich zu mir am Telefon, die Gründe, dass er sich von mir trennen will, seien schlechter Sex, und weil ich nicht gut tanzen kann!“ erzählte mir Michaela vor kurzem entrüstet bei einer Tasse Kaffee in einem Bistro in der Stadt, wo wir uns getroffen hatten.

Michaela ist Ende 40, dunkelhaarig, schlank, dynamisch und intelligent. Unmittelbar nach ihrem abgeschlossenen BWL-Studium verguckte sie sich in den fünf Jahre älteren Peter, heiratete ihn vom Fleck weg, gebar zwei Töchter und versorgte dann 20 Jahre lang die Familie, bis die Kinder ausgezogen waren.

Peter arbeitete während der gesamten Zeit als Informatiker im Home-Office und freute sich, dass Michaela ab sofort mehr Zeit für ihn hätte. Aber nach dem Auszug ihrer Kinder begann sie umgehend eine Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin.

„Ich muss hier raus“ sagte sie mehr als einmal, wenn ich sie fragte, warum sie unbedingt arbeiten gehen wollte, denn Peter verdiente genug. „Wenn ich zuhause bleibe, sitzen Peter und ich den ganzen Tag aufeinander. Das macht mich verrückt. Ich will unter Leute.“

Sie bestand ihre Ausbildung mit Auszeichnung und fand sofort eine gutdotierte Anstellung.

Peter empfing seine Frau allabendlich mit einem warmen Essen, manchmal auch mit einem kalten, denn Michaelas Schichtdienste wechselten häufig, und oft kam sie erst nachts zurück.

Er kümmerte sich um den großen Garten, fuhr den Müll zum Wertstoffhof, kaufte ein, ging mit dem Hund raus, räumte auf, fütterte die Katze, saugte Staub und kümmerte sich um alles.

„Sie bräuchte keinen Job“ erzählte er einmal, als wir zusammen essen waren und Michaela gerade auf der Toilette verschwunden war. „Das Haus ist bezahlt, uns geht es gut. Aber sie will unbedingt unter Menschen. Und wenn Michaela etwas unbedingt will, lasse ich sie machen. Sie ist dann wie eine Dampframme und nicht aufzuhalten.“

Alles lief scheinbar perfekt in den letzten Jahren. Peter engagierte sich mittlerweile in ein paar Vereinen, um nicht allein herumzusitzen, und gelegentlich sahen beide zusammen gemütlich fern bei einem Glas Wein, wo sie sich dann vertraulich anschwiegen.

Diese Ehe war zu einem gemütlichen Wohnzimmer mit bequemen Sesseln mutiert, in die man sich hineinfläzen und sich wohlfühlen konnte.

Dann, urplötzlich und unerwartet, vor knapp drei Jahren, starb Peter aufgrund eines Kunstfehlers während eines Routine-Eingriffs.

Ich war damals auf seiner Beerdigung und werde Michaelas Anblick nie vergessen, wie sie gebrochen und tränenüberströmt den Sargträgern folgte. Es tut mir heute noch in der Seele weh. Auch ich hatte Peter sehr gemocht und selten einen liebenswürdigeren, toleranteren und geduldigeren Menschen kennengelernt.

Mit einem Mal stand Michaela ganz allein da, denn die beiden Töchter lebten mittlerweile im Ausland und kamen selten zu Besuch. Mit dem abbezahlten Haus, ein paar anderen vermieteten Immobilien und Peters Witwenrente plus Michaelas Verdienst war sie finanziell gut aufgestellt.

Aber in dem leeren, stillen Haus tickten die Uhren schrecklich laut.

Nach Peters Tod war noch kein Jahr vergangen, als Michaela begann, auf Bekanntschafts-Anzeigen im örtlichen Käseblatt zu antworten und sich mit Männern zu treffen.

„Ich möchte nicht mehr allein sein“ erklärte sie mir mit Nachdruck.

„Und ich will wieder einen Partner. Ihr habt alle gut reden, denn ihr wisst nicht, wie das ist, ohne jemandem, der einem hilft. Alles muss ich selber machen, ich muss zum Wertstoffhof, ich muss diesen riesigen Rasen mähen, ich muss mich darum kümmern, dass Winterreifen aufs Auto kommen. Ihr habt ja keine Ahnung, wie gut es euch geht mit euren Männern.“

Nun habe ich mir sagen lassen, dass es weltweit viele Frauen gibt, die sich selbst um Reifen, Rasen und Müll kümmern, schwieg aber, denn es ging wohl eher um die bohrende Einsamkeit, die Michaela nach Peters Tod erfasst hatte und nicht mehr losließ.

Immerhin waren die beiden ein Vierteljahrhundert zusammen gewesen. Michaela hatte noch nie einen anderen Mann gekannt, und ihr Leben kam ihr vor wie eines dieser Vexierbilder mit einem Schattenriss statt einer Person an ihrer Seite – einer kahlen Stelle, die täglich schmerzte.

Niemand wartete auf sie, wenn sie müde von der Arbeit nach Hause kam, um mit ihr ein Glas Wein zu trinken. Niemandem konnte sie erzählen, wer sie heute wieder geärgert hatte. Nur die Uhren tickten immer lauter.

Sie war einsam. Zum ersten Mal in ihrem Leben.

Also warf sie sich mit Schwung in den Dating-Markt. Ich getraute mich nicht, sie zu fragen, ob sie sich dafür schon mental bereit fühlte, denn sie schien beängstigend entschlossen, schnellstmöglich die Stille im Haus wieder zu vertreiben.

Es lief offen gestanden nicht so gut. Sie lernte bei jedem Rendezvous neue, aufregende Dinge, denn, seitdem sie 20 gewesen war, hatte sich einiges geändert. Die für sie in Frage kommenden Männer waren nämlich auch älter geworden. Und anspruchsvoller.

Genau wie Michaela übrigens, nur wollte sie das nicht wahrhaben. Sie selbst hatte für ihre Vorstellung von einem neuen Partner ein gnadenloses Raster angelegt. Geld sollte er haben (aus Paritätsgründen). Einen guten Beruf sollte er haben. Charmant sollte er sein. Zärtlich, aufmerksam, unternehmungslustig. Sie hofieren und umschmeicheln.

„Ich möchte umworben werden“ erklärte sie mir. „Ich möchte händchenhaltend mit ihm spazieren gehen und wissen, dass immer jemand für mich da ist.“

Ach Michaela. Ich selbst möchte gern den großen Topf mit Gold am Ende des Regenbogens. Aber ich habe ihn nie gefunden.

Mit einem dieser Inserat-Bekanntschaften traf sie sich zwei Monate lang. Er ließ kein einziges gutes Haar an ihr. Apropos Haar: Es störte ihn, dass sie es selten offen trug. Auch ihr Brünett war ihm zu eintönig. Er bemängelte ihre Kleiderwahl, ihre Beine und ihren Musikgeschmack. Nichts war ihm an Michaela gut genug. Trotzdem gingen die beiden wandern oder fuhren gelegentlich an einen Badesee. Und Michaela trug ihr Haar in der ganzen Zeit offen und nur noch Kobaltblau, denn das hatte Monsieur für sie als gut befunden.

„Ich finde unverschämt, was er alles zu dir sagt. Was ist das denn für einer?“ wollte ich erbost wissen, denn ich konnte es nicht fassen, was eine intelligente Frau wie Michaela sich alles gefallen ließ.

„Er sieht toll aus und hatte schon 25 Jahre lang keine Beziehung mehr, nur Affären“ erklärte mir Michaela, scheinbar tief beeindruckt. Vielleicht glaubte sie, diejenige zu sein, die den flotten Junggesellen zur Einsicht bekehren könnte.

Ach Michaela, ich hätte dir gleich sagen können, dass das nix wird. Schon bei der Aussage „seit 25 Jahren keine Beziehung mehr“ hatten bei mir alle Alarmglocken geschrillt.

Nachdem er zwei Monate lang an Michaela herumgenörgelt hatte, meldete sich der Ladykiller nicht mehr. Vermutlich hatte er jemand anderen zum Kritisieren gefunden. Wenigstens befolgte sie meinen Rat und rief ihn nicht an, um zu fragen, was sie falsch gemacht hatte.

Der nächste Typ schlief drei Mal mit ihr und verschwand dann wieder vor dem Frühstück. Sicherheitshalber änderte er seine Telefonnummer. Und wo er wohnte, wusste Michaela ohnehin nicht. Sie war nicht so neugierig oder an seiner Persönlichkeit interessiert – sie war nur auf der Suche, um nicht mehr allein zu sein. Wenngleich auch auf eigenwillige Art und Weise.

Mittlerweile gab sie auch selbst Anzeigen in der Zeitung auf und sortierte nach einem strengen Schema die eingehenden Briefe:

„Der wohnt zur Miete, der will sich bei mir nur ins gemachte Nest setzen.“, „Der hat einen Hund, ich will keine Haare auf dem Teppich.“, „Der ist mir zu alt (5 Jahre älter), ich brauche einen, der so aktiv ist wie ich.“, „Der wohnt zu weit weg, 80 Kilometer. Da geht eine Menge für die Fahrzeit und Benzin drauf.“, „Der mag nur Oldies, ich aber Schlager, da können wir ja nie auf ein Konzert.“, „Der hatte schon mal einen Herzinfarkt, ich will doch keinen Pflegefall.“, „Der ist mir zu stämmig und hat einen Bart. Man kann sich doch pflegen, muss ich ja auch.“, „Der war mal wegen Depressionen in Behandlung. Ich bin kein Kummerkasten.“, „Der ist Vegetarier, das macht nur Probleme.“, Und so weiter.

Es blieben trotzdem immer noch genügend einsame Herzen übrig. Michaela absolvierte ein Blind Date nach dem anderen. Sie traf sich mit wildfremden Männern, ging mit ihnen zum Essen oder zum Tanzen, nahm sie mit zu sich nach Hause … und hörte dann nichts mehr von ihnen.

„Die sind alle so verbittert“ klagte sie. „Die haben miese Erfahrungen mit Frauen gemacht und denken jetzt, ich bin ganz genauso. Dabei kann man mit mir so viel Spaß haben!“

Tja, Michaela. Mit gelebtem Leben ist das wie mit einer großen Plastiktüte voller Ballast. Alle Erlebnisse schleppt man mit sich herum. Manche dieser Tüten sind so prall gefüllt, dass sie sogar auf dem Boden schleifen und man sie gar nicht mehr tragen kann. Und du, Michaela, schleppst auch eine dieser Tüten voller Erinnerungen, die dich daran hindern, dich auf Neues einzulassen. Du hast es nur noch nicht bemerkt.

Jeder dieser Herren, mit denen Michaela sich traf, hatte schon Beziehungen gehabt oder war verheiratet gewesen. Alle hatten irgendeinen Anhang, etwas, das sie verpflichtete, etwas, um das sie sich kümmern mussten. Alle pflegten ihre Ansprüche und ganz eigene Vorstellungen von einem Lebenspartner. Genau wie Michaela.

Vor ungefähr 3 Monaten rief sie mich wieder an. Sie hatte sich erneut jemanden geangelt, den sollte ich unbedingt kennenlernen („Der gefällt mir wirklich gut!“) und deshalb mit ihr und dem „Neuen“ zum Essen gehen.

„Freut mich, mach ich gern“ sagte ich. „Wie alt ist er denn?“ „Ich habe keine Ahnung, ehrlich“ antwortete Michaela nach kurzem Nachdenken.

„Ja, und was macht er beruflich?“ wollte ich wissen. „Irgendwas im Büro, glaube ich“ meinte sie. „Aber ich habe nicht gefragt.“ „Was weißt du denn überhaupt von ihm?“ Ich konnte mir diese Frage nicht verkneifen.

„Naja, er geht gern aus, genau wie ich. Und ich finde, er ist attraktiv.“

Keine weiteren Fragen, euer Ehren.

Der Abend mit dem ominösen Martin erwies sich als schwierig. Die Zeit tröpfelte dahin wie Sirup. Martin war der wortkargste Mensch, den ich je getroffen hatte. Obwohl ich nur plauderte und ihn nicht ausfragte, musste man ihm jede Antwort aus der Nase ziehen.

Michaela schien das nicht zu bemerken. Sie redete für zwei, lachte zu viel und beschloss, ohne Martin zu fragen, dass wir zusammen einen Ausflug in eine mittelalterliche Stadt machen würden. Da schaute er schon etwas verkniffen. Ich registrierte es. Michaela nicht.

Martin habe ich nie wiedergesehen. Kurz nach diesem Abend rief er Michaela an und erklärte ihr, wie eingangs erwähnt, dass der Sex genau wie ihre Tanzschritte schlecht gewesen seien und er deshalb nicht mehr käme.

„Ich weiß nicht, was dieser Mensch hatte“ klagte sie. „Weil ich ihm sogar angeboten habe, einen Tanzkurs zu machen. Du siehst, ich bin bereit, mich zu verändern.“

Ganz ehrlich – ich bezweifle, dass ein Tanzkurs etwas verbessert hätte. Wenn ein Mann so weit geht, einer Frau schlechten Sex vorzuwerfen, dann ist Hopfen und Malz verloren, denn „schlechter Sex“ bedeutet bei Männern in den meisten Fällen „gar kein Sex“, mehr nicht. Anstandshalber hätte er aber auch behaupten können: „Deine Fenster waren nicht sauber geputzt.“ Das wäre nicht so gemein gewesen.

Ich habe Michaela übrigens tanzen gesehen. Sie bewegt sich hölzern und steif, als hätte man sie auf ein Brett genagelt.  Und – für guten Sex gibt es, glaube ich, nicht viele Kurse. Trotzdem fand ich den Vorwurf von Martin ungerechtfertigt, denn Peter war Michaelas erster und einziger Mann gewesen und daher auch ihre einzige sexuelle Erfahrung.

Ihr neues Leben verlangte scheinbar auch eine komplette Um-Orientierung beim Geschlechtsverkehr. Etwas, das sie so gar nicht interessierte, wie sie mir mal eingestanden hatte.

Ich vermute, für Michaela ist Sex wie Autofahren: etwas, das man tun muss, um von A nach B zu kommen – in ihrem Fall vom Abend des Kennenlernens bis zum nächsten Morgen. Damit man die Zeit irgendwie rumkriegt. Und wenn wir schon bei Metaphern sind, Michaela fuhr eben einen praktischen, benzinsparenden Kleinwagen, während die Herren sich vielleicht einen Maserati gewünscht hätten. Immerhin sieht sie wie einer aus. Michaela ist nämlich sehr hübsch.

Nach der Sache mit Martin schien sie irritiert, bezog aber weiterhin ihre männlichen Bekanntschaften aus der Spalte „Hallo Partner“ des Käseblattes (gratis…) und traf sich mit jedem, der mit einer Verabredung einverstanden war.

Ich wollte ihr dringend raten, sich nicht so unter Wert zu verkaufen. Nicht gleich mit jedem zu schlafen, der sie darum bittet. Darum suchte ich das Gespräch mit ihr.

Es war sinnlos.

„Sei du nur still“ meinte sie bockig. „Du hast einen Mann. Ich will auch endlich wieder einen. Und dafür mach ich eben alles.“

Sehen Sie – und genau das stimmt nicht.

Michaela machte eben nichtalles. Sie ist nichtauf der Suche nach einem Mann fürs Leben, nach jemanden, auf den sie sich mit Haut, Haaren und Herz einlassen kann  – sie ist auf der Suche nach einem Ersatz für ihren verstorbenen Peter. Weil sie glaubt, sie könnte, wenn sie ein wenig Glück hat und eifrig genug inseriert, da weitermachen, wo sie gezwungenermaßen aufhören musste.

Ihr „Neuer“ sollte genau das tun, was Peter immer getan hat: Haus und Garten in Ordnung halten, gelegentlich für sie kochen und für Michaela Zeit haben, wenn sie Muße dafür hat.

Er soll für sie da sein, wenn sie ihn braucht. Sich nicht drum scheren, wenn sie ihn nicht braucht. Sie unterstützen, aber nur, wenn sie das möchte. Mit ihr zum Tanzen gehen, ihre Hand halten und sie umwerben.

Er sollte nicht krank werden, nicht zu viel von sich zu erzählen („Ich habe einen harten Job und will mich amüsieren, wenn ich mit meinem Freund zusammen bin, keine Probleme wälzen“), immer unternehmungslustig sein („Ich bin offen für alles).“

Michaela sucht einen Animateur oder einen Alleinunterhalter. Einen Lebenspartner braucht sie nicht. Denn dann würde sie darüber nachdenken, warum es sie nicht interessiert, was all diese Männer arbeiten, denken oder fühlen.

Nie fragt sie einen: „Hast du Kinder? Verwandte? Sehnsüchte? Träume? Hobbies? Woher stammt die kleine Narbe am Kinn?“

Es ist ihr egal.

Sie will jemanden, der sich genau in diese leere Stelle einfügt, die Peter hinterlassen hat. Als hätte sie einen Lego-Stein verloren. Mit jedem Jahr, das vergeht, wird sie trauriger und verzweifelter, weil keiner so richtig „passt“. Und wenn sie einen findet, der wenigstens einen kleinen Teil ihrer Vorstellungen abdeckt, dann verschwindet er wieder, sobald er merkt, dass Michaela selbst zu keinerlei Kompromissen bereit ist.

Klar hätte sie einen Tanzkurs mit Martin absolviert, weil er ihr vorwarf, sie sei zu hölzern und unmusikalisch. Mit dem nächsten geht sie vielleicht sogar zur Rotwildjagd. Oder zum Fallschirm-Springen. Schlafen wird sie mit allen. Aber sie wird das absolvieren wie Autofahren. Weil sie denkt, es sei nötig, um mit diesem oder jenem Mann die Zeit von Montag bis Freitag zu überstehen. Sie macht Zugeständnisse, weil sie selbst eine Menge davon fordert. Mit dem Herzen ist sie nie dabei.

Michaela erledigt die Partnersuche streng pragmatisch.  Vielleicht ist ihr gar nicht bewusst, dass ihr Herz immer noch an Peter hängt und über den Verlust mehr trauert, als sie sich eingestehen will. Vielleicht weiß sie gar nicht, wie sehr sie ihren immer anwesenden, immer lächelnden, immer toleranten Mann geliebt hat. Denn „Liebe“ existiert in Michaelas Universum nur im Fernsehen und ist eine Luftnummer für Träumer und Utopisten. Es ist der Alltag, der sie beschäftigt. Das Reifenwechseln, das Einkaufen, der Müll, der Rasen, das stille Haus.

Abgesehen davon, dass man sich nie so unter Wert verkaufen sollte, wie Michaela das momentan tut, indem sie wahllos mit Zufallsbekanntschaften schläft, nimmt auch ihre Seele immensen Schaden. Man hört ihr die Abgeschlagenheit an, wenn sie spricht. Ihre Augenringe sind riesig, die Falten neben den Mundwinkeln tief eingegraben, und sie ist erschreckend dünn geworden.

Mit Ende 40 wäre es an der Zeit, einzusehen, dass ohne Kompromissbereitschaft, ohne ein paar kleine Abstriche an die eigenen Ansprüche, keine funktionierende Partnerschaft möglich ist. Denn so ein Arrangement wie mit Peter wird sie sich nicht mehr zimmern können. Peter war einmalig, ein wunderbarer Mensch mit einem gerüttelten Maß an Geduld und Toleranz. Er akzeptierte Michaelas Freiheitsdrang, ließ sie gehen, wenn sie gehen wollte und empfing sie herzlich, wenn sie kam.

Peter war eine Selbstverständlichkeit für Michaela. Und wie das oft ist mit Selbstverständlichkeiten, wissen wir sie erst zu schätzen, wenn wir sie nicht mehr haben.

Sie wird verdammt lange suchen müssen, um jemanden zu finden, der ihm ähnelt. Sie wird in viele Betten schlüpfen müssen, enttäuscht aus vielen herauskriechen und dann das nächste Inserat aufgeben.

Michaela ist eine Art emotionaler Legastheniker. Sie versteht die Sprache des Herzens nicht und nicht die der Begierde. Sie versteht nicht das Spiel zwischen Lust und Überdruss, das Flirten und Zurückweisen,  das langsame Annähern, das zurückhaltende Öffnen für den anderen und die Enttäuschung, wenn man bemerkt, dass da nichts ist.

Michaela verlangt etwas und bietet etwas – nach bester betriebswirtschaftlicher Manier. Aber weil sie recht viel verlangt, müsste sie auch ziemlich viel bieten. Angebot und Nachfrage, so läuft das in der freien Marktwirtschaft.

Das versteht sie aber nicht, denn für Peter hat es immer gereicht.

Die Seele fehlt bei allem, was sie tut. Ihre Dates laufen ab wie eine Vorstandssitzung. Sie hat es mir erzählt. Und spätestens beim Nachtisch, wenn Michaela die „Verhandlungspunkte“ auf den Tisch knallt und damit beginnt: „Ich will das und das und das…“ nehmen sensiblere Gemüter Reißaus. Es ist nicht schlau, das Fell zu zerteilen, ehe man den Bären geschossen hat, Mädel.

Sicher wird sie immer wieder jemanden finden, der mit ihr schläft. Die meisten Herren der Schöpfung schlagen nicht gern ein Gratis-Angebot aus. Dafür bekommt sie kurzfristig Gesellschaft, eine Unterhaltung beim Abendessen und vielleicht sogar einen Ausflug an einen schönen See. Meistens aber zahlt sie im Restaurant selbst und im Bett drauf.

Alles kostet immer etwas, aber leider in einer Währung, die Michaela derzeit nicht vorrätig hat: Gefühl.

Irgendwann taucht vielleicht wirklich einmal einer auf, der in ihr Raster passt. Jemand mit einer Immobilie, um die er sich nicht viel kümmert, so dass er Zeit für Michaelas Garten hat. Einer mit viel Freizeit, die er bereit ist, Michaelas straffen Schichtplänen anzupassen.

Einer ohne Haustiere oder Anhang, einer, der sein Leben lang nur auf sie gewartet hat.

Einer, der Rosen bringt und seine schmutzige Wäsche mitnimmt („Ich habe lange genug den Haushalt gemacht, tue ich nicht mehr“), einer, der den Müll wegfährt und den Kühlschrank füllt, weil Michaela das nämlich immer vergisst.

Vielleicht kommt einer, der ihren Tanzstil super findet, für den Sex eine unwichtige Nebensache ist, der auf alle Forderungen eingeht und nichts verlangt.

Ich hoffe für sie, dass irgendwo so einer auf sie wartet, der nur bis jetzt die „Hallo Partner“-Spalte noch nicht gelesen hat.

Eine gemeinsame Nacht ist oft nicht der Startschuss in ein Leben zu zweit. Ein Abendessen ist kein Versprechen. Sex ist kein Klebstoff für geschundene Seelen. Und Pragmatismus ein schlechter Ratgeber, wenn es um Herzensangelegenheiten geht.

Das Leben stellt uns täglich vor neue Herausforderungen. Es ist gemein, es ist hart, es ist manchmal sehr grausam. Nichts ist so beständig wie der Wandel. Und Vorstellungen aus Beton zerbersten irgendwann an der rauen Wirklichkeit.

Wer Liebe will, muss Liebe geben. Wer Gefühle verlangt, muss sie empfinden können. Wer Sex will, sollte wissen, wie Lust sich anfühlt.

Und wer alles will, wird am Ende nichts bekommen.

Wissen Sie was? Ich glaube, ich rufe Michaela jetzt gleich mal wieder an. Dass ich sie mag, kann sie nämlich spüren. Das ist ein Anfang.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

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Bauchgefühl

Ein Gastbeitrag von Andrea. Auf einmal wird’s mulmig in der Magengegend, aber es sind keine Schmerzen, die das komische Gefühl im „Zweiten Gehirn“, wie der menschliche Magen oft genannt wird, verursachen. Nein, es ist was anderes – und jeder, der je in seinem Leben mit Fremdgehen, falschem Spiel in der Liebe oder auch einem schweren Zoff unter Freundinnen konfrontiert war, wird es kennen, dieses besonders angespannte Gefühl.  Das Bauchgefühl. Gleich vorweg: es täuscht nicht. Nie!

Und deshalb sollten Menschen, die vielleicht bislang nicht in einer der oben erwähnten Situationen waren, aber sich aktuell mit einem unguten Gefühl herumschlagen, unbedingt darauf achten, was dieses Organ da aus der Mitte des Körpers signalisiert.

Nicht wenige ignorieren Bauchgefühl

Viele Leute neigen dazu, es (erstmal) zu ignorieren. Besonders dann, wenn es um heikle Dinge geht – zum Beispiel um die eigene Beziehung oder um den gerade erst neu kennengelernten Mann.

Ich bin mittlerweile soweit, dieses so wichtige Bauchgefühl nicht mehr zu ignorieren. Als ich jünger war, habe ich das permanent gemacht und bin auch sehr oft damit auf die Nase gefallen.

Deshalb möchte ich alle weiblichen Zeitgenossinnen, denen etwas schwer im Magen liegt – emotional gesehen – dazu ermutigen, diesem so wichtigen Gefühl zu trauen.

Ich plaudere einfach mal selbst aus dem Nähkästchen, denn ich habe in meinem Leben vieles erlebt – Partner die fremdgehen und Dating-Kandidaten, die lügen, waren zuhauf dabei. All diese Dramen waren immer begleitet von einem anfänglich unguten Bauchgefühl.

Aber: so oft habe ich diesem Gefühl eben NICHT vertraut, nur um mich kurze Zeit später der Erkenntnis stellen zu müssen, dass mein „Bauch-Navigator“ tatsächlich richtig lag.

So zum Beispiel beim Thema Fremdgehen – DER Klassiker im Zusammenhang mit dem schlechten Bauchgefühl.

Bei neuer Bekanntschaft meldete sich der Bauch

Ich hatte vor langer Zeit einen Freund, bei dem es schon kurze Zeit, nachdem wir zusammenkamen, heftig in der Magengegend rumpelte. Ich registrierte das, ignorierte es aber komplett. Selbst als das flaue Gefühl sich in manchen Situationen zu einem unangenehmen Zwicken ausweitete, setzte ich weiter unverdrossen darauf, dass ich meinen „Mr. Right“ an der Seite hatte.

Was aber waren das für Situationen, in denen meine Körpermitte rebellierte? Nun – da gab es einige.

Zum Beispiel unser absurdes Anruf-Ritual. Mein damaliger vermeintlicher Mr. Right, Thomas, rief nämlich nur zu einer bestimmten Uhrzeit an. Nicht davor und nicht danach. Und zwar abends halb zehn.

Ich – als damals voll naive Verliebte – dachte mir lange Zeit nichts dabei (schon gar nicht tangierte ich gedanklich das Thema Fremdgehen) und war, die rosarote Brille auf der Nase, froh, wenn er abends anrief. Man muss nämlich dazu sagen, dass tagsüber mit Thomas so gut wie keine Kommunikation ablief, lediglich eine karge „Guten-Morgen“-SMS (Whatsapp gab es damals noch nicht) ließ er mir zukommen.

Immerhin war er der total eingespannte Geschäftsmann und kam zu privatem Kram fast gar nicht. Warum ich seinerzeit nicht früher gesehen habe, dass wir gar nicht zusammen passten – schon von unseren jeweiligen Lebensstilen her nicht – kann ich mir heute auch nicht mehr erklären.

Aber ich war eben auf Wolke 7, total verliebt und pfiff auf das Magendrücken, das sich immer stärker bemerkbar machte.

Auf Bauchgefühl hören lohnt sich!

Hätte ich doch dem Bauchgefühl nur früher meine Aufmerksamkeit geschenkt und mir die vielen Sprüche, die Thomas mir auftischte oder schräge Aktionen, die er brachte, nicht bieten lassen!

So kündigte er sich einmal am späten Nachmittags bei mir an und teilte am Telefon mit, dass er später am Abend – er war zu diesem Zeitpunkt noch in Berlin – bei mir sein würde, so gegen 22.00 Uhr. Na ja, nicht gerade die ideale Uhrzeit, aber da ich ihn ohnehin so selten sah, den vielbeschäftigten Business-Mann, freute ich mich natürlich.

Ich badete ausgiebig und schmiss mich in raffinierte Unterwäsche und zog mir was Schönes an. Das hätte ich aber ebenso gut auch bleiben lassen können, denn Thomas erschien nicht. Und nicht nur das: er ließ auch telefonisch nicht von sich hören.

Mein Bauchgefühl war eindeutig und so langsam horchte ich mal ausgiebiger in mich rein.

Der Abend verging, es ging auf Mitternacht zu und von Thomas noch immer keine Spur. An seinem Handy meldete sich nur die Mailbox.

Ich pellte mich also aus meinem sexy Outfit und legte mich ins Bett, das Handy auf dem Nachttisch und auf laut gestellt.

Irgendwann rief er tatsächlich an. Da war es gegen 2.00 Uhr in der Nacht. Faselte was von einem Geschäftstermin, der ewig gedauert hat und dass er – ACHTUNG: Bauchgefühl-Alarm! – sein Handy in der Sporttasche seines Geschäftspartners, der ebenso bei dem Termin zugegen war, gelassen (oder vergessen, so genau weiß ich das heute nicht mehr) hatte.

Und diese Sporttasche befand sich im Auto des Geschäftspartners.

Na ja, ich war natürlich bedient, obwohl Thomas sich für den nächsten Morgen ankündigte, zum Frühstück.

Der innere Navigator ist verlässlich

Natürlich sind das alles – im Nachgang gesehen – absolut alberne Spielchen, die nur jemand spielt, der dem Fremdgehen frönt. Und dass er das ausgiebig getan haben musste, bewiesen wenig später meine Nachforschungen, die ich dann – alarmiert durch mein Bauchgefühl – anstellte.

Ich mache es kurz, denn: ich wurde in einer Online-Singlebörse, in der er sich rumtrieb, fündig.

Noch Fragen?

Oder ein anderes Beispiel aus meiner Singlezeit.

Ich hatte jemanden kennengelernt und wir begannen das Übliche: Miteinander ausgehen, sich kennenlernen, irgendwann im Bett landen. Soweit so gut. Als es dann „ernster“ wurde, kam mein Bauchgefühl. Es war ungut. Aber auch in diesem Fall überhörte ich es geflissentlich.

Bis zu einem Abend, als ich mit dem betreffenden Mann zum Telefonieren verabredet war – wir waren zu diesem Zeitpunkt schon in einer ziemlich fortgeschrittenen Kennenlernphase.

Er wollte mich gegen acht anrufen, aber es kam kein Anruf. Mein dumpfes Bauchgrummeln reagierte entsprechend…Ich beließ es aber dabei und ging zu Bett. Als ich aufwachte, hatte ich eine SMS auf dem Handy (nein, es war noch immer kein Whatsapp-Zeitalter) von ihm.

Mit recht krudem Inhalt, der mein schlechtes Bauchgefühl abermals verstärkte. Und zwar rechtfertigte er den nicht getätigten Anruf am Abend zuvor damit, dass er erst den Keller aufgeräumt und sich danach auf die Couch begeben hat. Dort ist er dann eingeschlafen.

Vorahnung bestätigte sich

Mir kam das mehr als spanisch vor! Wenn dieser Typ nur im Ansatz an einer Beziehung mit mir interessiert wäre, schliefe er doch nicht vor einem verabredeten Telefonat auf der Couch ein – oder?! Ich hätte aufgrund der Nachricht gleich die weitere Kennenlernphase kündigen sollen, mein Gefühl war gar nicht gut! Aber wie das eben meist so ist: man (FRAU) denkt ja dann doch oft, dass man vielleicht falsch liegt und lässt es weiterlaufen.

Bis man dann – logisch! – die volle Breitseite abkriegt und doch verliert.

So kam es hier.

Der Typ ließ erstmal ein, zwei Tage gar nichts von sich hören und schickte dann eine dürre Mail mit dem Inhalt, dass „seine Gefühle nicht ausreichen würden“.

Ganz ehrlich: das hätte er mir auch Tage zuvor am Telefon sagen und sich seine vollends blöden Ausreden sparen können.

Mal wieder bereute ich es, nicht auf mein Bauchgefühl gehört zu haben!

Dass aber das sensible Organ nicht nur im Bereich von Mann und Frau, sondern generell im Zwischenmenschlichen funktioniert, bewies dann später das Zerbrechen einer langjährigen Freundschaft zu einer guten Freundin.

Mittlerweile war eine hochpolitische Zeit in Deutschland angebrochen und die Menschen sortieren sich – so ist es bis heute – in zwei Lager.

Viele Leute tun ihre Meinung auf Facebook oder/und im Freundeskreis kund.

Und so bildete auch ich mir meine eigene Meinung zu den aktuellen Geschehnissen, gab dann und wann in den sozialen Netzwerken meine Meinung kund und – zack! – war die Freundschaft hin. Na ja, ganz so rasch ging es nicht, klar.

Auch bei Frauenfreundschaft täuschte das Bauchgefühl nicht

Es fing damit an, dass meine Freundin – sie wohnt relativ weit weg von mir und wir sehen uns nur ein paarmal im Jahr – auf meine Nachrichten (mittlerweile war das Whatsapp-Zeitalter angebrochen) einfach nicht reagierte, obwohl sie sie gelesen hatte.

Ich ahnte, dass es was mit meiner Einstellung zum aktuellen Zeitgeschehen zu tun hatte, mein Bauchgefühl war megaschlecht.

Und als sie sich nach weiteren Nachrichten, die sie gelesen, aber nicht beantwortet hatte, immer noch nicht zuckte, habe ich sie eines Tages kurzerhand angerufen. Bis dahin waren immerhin schon ganz viele Wochen ins Land gekommen, fast ein Vierteljahr!

Volltreffer! Sie sagte mir auf den Kopf zu, dass ihr meine Einstellung zu aktuellen Themen nicht passt. Leider war die Verbindung zum Zeitpunkt des Telefonats sehr schlecht, so dass das Gespräch sehr abgehackt war. Irgendwann war es ganz weg. Ich rief noch einmal an und landete auf der Mailbox.

Hier sprach ich meiner Freundin eine kurze Nachricht auf, mit dem Hinweis, dass sie mich jederzeit anrufen und dass man reden könne. Zwei verschiedene Meinungen sind doch kein Grund, eine über 15jährige Freundschaft zu kündigen!

Dachte ich.

Es war aber leider genau an dem – die besagte Freundin ist mittlerweile meine Exfreundin. Ich hätte also den Anruf schon früher tätigen und Gewissheit haben können. Mein Bauchgefühl lag richtig.

Schlechtes Bauchgefühl? Klarheit schaffen!

Und deshalb mein Tipp an alle, die ein schlechtes Gefühl in der Bauchgegend haben, wenn es um Fremdgehen, Dating oder Verstimmungen in einer Freundschaft geht: meldet sich Ihr schlechtes Bauchgefühl, dann finden Sie den Mut und schaffen Sie für sich Klarheit! Haben Sie das Gefühl, ein Dating-Kandidat lügt Sie haushoch an, dann wird da was dran sein. Haben Sie ganz stark das Gefühl, dass ihr Partner dem Fremdgehen frönt – nun: sie werden sehr wahrscheinlich richtig liegen.

Und wenn sich eine sehr gute Freundin von heute auf morgen nicht mehr meldet oder auf Nachrichten von Ihnen nicht reagiert, obwohl sie sie gelesen hat – auch hier liegt dann ganz höchstwahrscheinlich der Hase im Pfeffer, jede Wette!

Machen Sie also bloß nicht den Fehler und übergehen Sie dieses so wichtige Signal, das Ihnen Ihr Körperorgan zwischen Beinen und Brust übermittelt.

Es hat sich bislang so gut wie immer bewiesen, dass das dumpfe Gefühl im Bauch etwas bedeutet. Viele Frauen, die es übergehen, ärgern sich im Nachgang, nicht schon früher gehandelt zu haben. Ich gehöre auch dazu.

Und selbst wenn sich das „Zweite Gehirn“ zu Unrecht grummelig geäußert hat und alles in Butter ist – na dann: umso besser!

Nur: das ist meist leider nicht so…Mehr rund uns Thema Bauchgefühl finden Sie auch hier.

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Wie viele Stunden des Hoffens haben Sie in Ihrem Leben in Sachen Kennenlernen schon verbracht? Viele? Dann sind Sie nicht allein! Vor allem dann nicht, wenn Sie in der heutigen Zeit daten und womöglich noch online. Obwohl das Phänomen, das nachfolgend beschrieben wird, sich eigentlich nicht wirklich nur auf Online-Dating bezieht, sondern aufs Kennenlernen überhaupt. Viele Frauen, egal ob sie heute in einer Beziehung oder immer noch Single sind, werden sich bestimmt an Kennenlern-Situationen erinnern, die so in Richtung „Warmhalteplatte“ gingen.

Auch das Internet ist voll davon – es scheint wirklich an der Tagesordnung zu sein, dass man(n) nach einer ersten gemeinsamen Nacht früh von dannen fährt, ohne eine neue Verabredung zu vereinbaren.

Natürlich ist hier DIE Situation, in der ein Mann zur Arbeit muss, nicht gemeint. Das gibt’s ja auch.

Männer nach der ersten Nacht manchmal sehr verändert

Nein, vielmehr soll hier die scheinbar immer wiederkehrende Situation thematisiert werden, die wohl beim heutigen Kennenlernen gar nicht mal so selten ist.  Und ganz egal, ob sich das Kennenlernen vor der ersten gemeinsamen Nacht zwei Monate vorher abspielte oder zwei Tage: naht nach der ersten Nacht der Morgen, scheint es manchen Mann nicht (mehr) zu interessieren, dass von der weiblichen Seite nun eher keine Affäre, sondern schon eine feste Partnerschaft anvisiert wurde.

Denn dann wäre solch ein Verhalten nur logisch. Nicht umsonst gibt es heute unzählige Internet-Portale, über die man sich einzig für erotische Abenteuer verabreden kann.

Das „Gehen ohne Verabredung“ am Morgen danach, erleben aber eben viele Frauen, die offline oder online nach einer festen Beziehung such(t)en.

Meist läuft so eine Situation immer gleich ab (ich gehe jetzt mal davon aus, dass der Morgen nach der ersten gemeinsamen Nacht ein Sonnabend oder ein Sonntag ist):

es gibt ein gemeinsames Frühstück, bei dem meist eine eher verhalten-verlegene Stimmung herrscht (was kein Wunder und völlig normal ist, wenn die Stunden davor von heißem Sex geprägt waren) und dann murmelt er irgendwas von „muss erstmal los“.

Mancher Mann zieht ganz selbstverständlich von dannen

Ich selbst habe sowas, als ich in Single-Jahren immer mal Online-Dating betrieb und im Grunde meines Herzens nach einer festen Beziehung suchte, auch schon erlebt und nicht nur einmal!

Ich erinnere mich an Markus (Name geändert), der nach der ersten gemeinsamen Nacht – vorausgegangen war dieser ein mehrwöchiges Kennenlernen im realen Leben, nachdem wir uns online gefunden hatten – kund tat, dass er noch gedenke, golfen zu gehen.

Ob ich mitkommen mochte, fragte er nicht. Obwohl ich Lust dazu gehabt hätte. Insofern endete dieser angebrochene Tag für mich im Nichts. Markus fuhr tatsächlich auf den Golfplatz und ich hörte erst mal zwei Tage lang überhaupt nicht von ihm.

Dass sich daraus letzten Endes nur eine lauwarme Affäre ergab, muss ich wohl nicht ausdrücklich betonen. Denn: genau in diesem Verhalten liegt der Unterschied zu DEN Männern, die eben keine Affäre und sich aus selbiger ziehen wollen.

Denn die Männer, die ernsthaftes Interesse an einer Frau, mit der sie soeben erstmalig die Nacht verbrachten, haben, fahren niemals am Morgen danach von dannen. Bis auf die oben bereits erwähnten Ausnahmen (Altenpfleger, Schichtarbeiter, Ärzte und so weiter).

Männer mit Interesse forcieren das Kennenlernen

Im Gegenteil: Männer mit Interesse können es kaum erwarten, mit der Frau, mit der sie die Nacht verbracht haben, noch mehr Zeit zu verbringen und den angebrochenen Tag für eine gemeinsame Unternehmung – oder weitere Bettabenteuer – zu nutzen.

Läuft es so ab und die Frau hat sich ebenso verliebt, dann ist das meist der Beginn einer Beziehung.

Alles andere – unverbindlich nach dem Frühstück mit einem „Ich ruf Dich an“ das Feld räumen – kann man (FRAU) vergessen.

Denn sowas endet immer, wirklich IMMER, damit, dass die Frau, vorausgesetzt sie ist sehr an diesem Typen interessiert, die nächste Zeit an ihrem Handy kleben wird. In der Hoffnung, dass er anruft. Das tut er vielleicht sogar, um sich eine weitere Nacht zu sichern oder halbherzig eine Affäre einzugehen.

FRAU sollte hier nicht hoffen!

Allerdings endet sowas für die betroffene Frau so gut wie immer mit Liebeskummer, denn es ist bei diesem Schlag Mann nicht im geringsten davon auszugehen, dass er sein Verhalten ändert oder womöglich eines schönen Tages mit Hunderten Rosen in der Hand ankommt und versichert, dass er erkannt hat, dass er nur sie liebt.

Aber das wissen Sie – egal, ob Sie aktuell betroffen sind oder mal betroffen waren – selbst am besten. Oftmals will man sich`s lange Zeit nur nicht eingestehen, so ging mir das mit Markus auch.

Heute weiß ich: nach so einem Verhalten kann man diese Art Mann nur noch – ja: abhaken!

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Wissen Sie noch, wie im analogen Zeitalter (vor dem Internet) ein sogenannte „Blind Date“ eingefädelt wurde?

„Mein Mann hat einen Kollegen, den Günter, der ist nett und würde super zu dir passen. Lass uns nächste Woche mal zum Essen gehen, dann könnt ihr euch kennenlernen. Dich bringen wir auch noch unter die Haube.“

Pech, wenn dieser Günter sich dann als überkandidelter, unterbelichteter Depp entpuppte, mit dem Sie nix anfangen konnten. Dafür hatten Sie ab sofort Ärger mit Ihren Freunden: Weil Sie so wählerisch waren und Günter verschmäht hatten, wurden Sie von denen künftig geschnitten.

Die zweite Möglichkeit boten die allseits beliebten „Hallo Partner“-Seiten im örtlichen Käseblatt. „Attraktive Dame um die 60 sucht solventen Herrn in mittleren Jahren fürs Wandern und eventuell mehr. Bitte nur aussagekräftige Anschreiben mit Foto“ hieß es meistens.

Auch da konnte man üble Überraschungen erleben, weil 1. die wenigsten ein Bild mitschickten (Scanner waren noch  nicht erfunden) und 2. auch schon damals bei den Herren der Schöpfung eine grandiose Selbstüberschätzung grassierte.

Ich kenne bis zum heutigen Tage so gut wie keinen Mann, der sich für unattraktiv hält. Beneidenswert.

Dann kam das Internet.

Erst unterhielt man sich im AOL-Chat, wo man sich ein aussagekräftiges Profil zulegte wie zum Beispiel: „Uschi, 36 Jahre alt, 56 Kilo, blond, schlank, verdiene saugut“ und damit auf Männerfang gehen konnte.

Wenn Uschi dann „Herbert, 37 Jahre alt, 78 Kilo, dunkelhaarig, schlank, verdiene noch viel mehr und bin ein klasse Typ“, im echten Leben nach monatelangen Chats, Emails oder Telefonaten kennenlernte, folgte oft die Enttäuschung auf dem Fuße, denn Uschi war weder blond noch schlank und schon lange nicht mehr 36. Das galt aber auch für Herbert, der bei „37 Jahre alt“ kräftig nach unten abgerundet und beim Verdienst und seiner „Nettigkeit“ aufgerundet hatte.

Da saßen sich dann manchmal in Autobahnraststätten zwei wildfremde Menschen ohne Gesprächsstoff gegenüber und wunderten sich, wie sie reingelegt worden waren. Lange ist es her.

Nach dem AOL-Chat folgen die sogenannten „Social Networks“ und Dating-Plattformen. Endlich konnte man sich angemessen und ausgiebig präsentieren. Zwar wurde genauso kräftig über- und untertrieben wie zuvor, aber man hatte mehr Auswahl und konnte schon vorab dank Google ein paar Erkundigungen über den potenziellen Kandidaten einholen.

Ach, hätte nur meine Freundin Beatrix 1987 schon Google gehabt. Sie lernte in einer Kneipe einen (erst nach dem 3. Glas Wein) attraktiven Offizier der amerikanischen Air Force kennen, der in Uniform am Tresen saß und sie mit seinen Glubschaugen förmlich verschlang. Er erzählte Beate, er sei Jet-Pilot, nutzte sie und ihre Ambitionen, eines Tages Offizierswitwe zu werden, ein paar Wochen lang weidlich aus – und entpuppte sich anschließend als Hausmeister der Berufsschule in der Nachbarstadt.

Wirklich wahr.

Beate wäre mit Google oder Facebook seinerzeit viel erspart geblieben.

Ja, wir hatten leider kein Internet, nur Buschtrommeln, besorgte Freunde, neugierige Nachbarinnen und Hörensagen. Das half aber nicht viel.

Jetzt gibt es aber dank der digitalen Revolution endlich für jeden Geschmack etwas. Senioren-Dating-Portale, Partnerbörsen, und… Tinder, eine Dating-App, die immerhin allein in Deutschland von über 2 Millionen Personen genutzt wird.

Es ist, wenn man es genau nimmt, ein moralischer Rückschritt, da allein Ihr Profilbild entscheidet, ob jemand sich für Sie interessiert oder nicht. Weil aber nicht jeder so schön ist wie Jennifer Lopez, wird man quasi zum Schummeln gezwungen.

Alles, was Sie tun müssen ist, sich die App zu besorgen, Ihren Vornamen einzugeben, ein möglichst vorteilhaftes Foto von sich hochzuladen und Ihre Präferenzen einzugeben („stehe auf Männer/Frauen/mir doch egal“). Dann definieren Sie noch den Suchradius, innerhalb dessen Sie jemanden kennenzulernen gedenken. Und fertig ist die Laube.

Nach und nach stellt Ihnen Tinder nun Personen vor, die Ihren Vorlieben entsprechen könnten und sich in dem zuvor genannten Suchradius aufhalten. Sie entscheiden, ob Sie an einem Chat interessiert sind oder nicht, indem Sie ein sogenanntes „like“ vergeben. Erhalten Sie von dem potenziellen Chatpartner ebenfalls ein „like“, können Sie loslegen. Bei Nicht-Interesse signalisieren Sie durch ein rotes Kreuz („nope“ genannt), dass Sie keine Lust auf die Person haben.

So weit, so gut. Nie war es einfacher, jemanden kennenzulernen. Und nie schwieriger. Denn der attraktive blonde Hipster mit den grünen Augen und dem gewinnenden Lächeln könnte in Wirklichkeit auch ein mittelalter Bauch-Bart-und Brille-Träger sein, der einfach mal rausfinden wollte, ob es atemberaubende Frauen wie Sie überhaupt noch gibt, und Sie, wenn Sie viel Glück haben, zu einer Tüte Fritten mit anschließendem Beischlaf einlädt. Sie können ja dann immer noch „nope“ sagen.

Umgekehrt herum wird übrigens auch ein Schuh draus. Die lächelnde Brünette mit Schmollmund muss nicht brünett sein oder einen Schmollmund haben. Sie muss nicht mal eine Frau sein. Betrogen wird überall.

Rechnen Sie einfach sicherheitshalber mit allem. Das ist auf jeden Fall besser. Die Welt ist nämlich schlecht, so richtig schlecht.

Seitdem das Internet vor knapp 20 Jahren in unsere Haushalte eingezogen ist, wird gelogen, dass die Schwarte kracht. Oder verschwiegen. Im Internet kann jeder sein, was er möchte und wie er möchte.

Ich kenne bei Facebook genügend sehr attraktive Frauen um die 50, deren Gesichtszüge vor lauter Filtern und Weichzeichnern mittlerweile beinahe nicht mehr zu erkennen sind.

Eine Dame tut sich da jedes Mal besonders hervor. Alle ihre Fotos wirken, als hätte jemand Schmierseife auf das Objektiv gerieben. Aber neulich ist ihr scheinbar der Finger ausgerutscht, und sie hat ein Bild gepostet, auf dem sie genau so aussieht wie im echten Leben. Meiner Meinung nach ist sie auf diesem Portrait um Längen schöner auf als auf ihren sonstigen Machwerken mit Herzchen-Rahmen und Schmetterlingen, bei deren Betrachtung man sich die Augen reibt, weil man denkt, es sei einem eine Wimper reingerutscht.

Martin (Name geändert), ein Freund von mir aus Villingen-Schwenningen hat so eine Internet-Geschichte erlebt und ein Blind-Date absolviert. Meine Mutter meint übrigens immer noch, das sei eine Kennenlern-Veranstaltung für Sehbehinderte. Ich lasse sie in dem Glauben.

Zurück zu Martin. Frisch geschieden, kreuzunglücklich und einsam, suchte er verzweifelt bei Facebook nach einer Frau. Ich kenne Martin persönlich, einen attraktiven Mann Mitte 40, der auf seine Gesundheit achtet, viel Sport betreibt und weder raucht noch trinkt.

Seine Hoffnung war, ein weibliches Wesen kennenzulernen, mit der er seine Hobbies ausleben und seinem natürlichen Bewegungsdrang nachgeben konnte. Gemeinsam.

Seine Exfrau hatte sich zwar auch viel bewegt, aber nur unter dem Trauzeugen, wo Martin die beiden eines Tages dann fand. Im Wochenendhäuschen seiner Oma.

Endlich lernte Martin bei Facebook Brigitte kennen, eine hübsche Dunkelhaarige aus Essen. In den ersten Tagen likten sie gegenseitig ihre Beiträge mit Herzchen, dann schrieben sie sich über Whats App, später telefonierten sie viele Stunden und loteten ihre Seelen aus. Endlich beschlossen sie, sich mal im echten Leben zu treffen.

Brigitte hatte massenhaft bezaubernde Brustbilder (Portrait-Aufnahmen) von sich bei Facebook eingestellt. Außerdem war sie genau so sportlich wie Martin, zudem noch Vegetarierin, hasste Zigaretten und Alkohol und liebte Bergsteigen und Wandern.

Also machte sich Martin auf den Weg und fuhr die ganzen 523 Kilometer zu Brigitte nach Essen im Ruhrgebiet in einem Rutsch. Sie hatte ihn zum romantischen Dinner (vegetarisch) eingeladen. Voller Vorfreude sprang er mehr, als er lief, die drei Stockwerke zu Brigittes Wohnung hoch, in der Hand einen riesigen Strauß Rosen, und klingelte. Sein Herz schlug bis zum Hals.

Das sollte auch so bleiben, denn die Tür wurde ihm von der voluminösesten Dame geöffnet, die er je gesehen hatte. Sie lächelte ihn strahlend an und winkte ihm, einzutreten.

„Entschuldigung, mir fällt grade ein, ich hab noch ein Geschenk für dich im Kofferraum“ murmelte Martin mit hochrotem Kopf, stürmte die drei Stockwerke in Lichtgeschwindigkeit nach unten, sprang in sein Auto und fuhr nach Hause.

Einige Tage später klagte er mir sein Leid. Brigitte hatte angeblich behauptet, sie sei regelmäßig im Fitness-Studio und würde Nordic Walking lieben. Tja, ich persönlich liebe zum Beispiel Ölbilder, kann sie aber nicht malen.

Vielleicht mochte Brigitte Nordic Walking sogar wirklich, weil sie die Stöcke so hübsch fand, aber sie hatte Martin am Telefon unter anderem erzählt, sie hätte einen BMI von 21 und einen IQ von 119. Vermutlich hatte sie nur die Zahlen verwechselt. Er jedenfalls war kuriert von seinem ersten und einzigen Blind-Date und heiratete zwei Jahre später eine sehr nette Frau, die bei ihm um die Ecke wohnte, und die er beim Bäcker kennengelernt hatte.

Bei einem Blind-Date wissen Sie nie, was Sie kriegen. So ein Profilbild, in dem ich aussehe wie Ende 20, schustere ich Ihnen mit einer guten Bildbearbeitungs-Software und ein wenig Phantasie in ein paar Minuten zusammen.

Also hat das Wort „blind“ seine Bedeutung behalten. Nach all den Jahrzehnten ist nichts wirklich besser geworden. Enttäuschung vorprogrammiert. Meistens. Aber es soll Fälle geben, wo sich Leute auf solche Verabredungen eingelassen und die Liebe fürs Leben gefunden haben. Das möchte ich nicht in Abrede stellen.

Darum dachte ich mir neulich: Warum nicht mal ganz ehrlich sein in all den Dating-Portalen bei seinen Selbst-Beschreibungen? Man könnte sich so verdammt viel Ärger ersparen.

Ich zum Beispiel sehe, wenn ich in aller Herrgottsfrühe aus dem Bett komme, aus, als wäre ich nach 8 Runden mit Mike Tyson auf die Bretter gegangen.

Vor 30 Jahren sagte mal einer aus unserer Clique nach einem Lagerfeuer-Abend am nächsten Tag, als wir alle zerknittert aus unseren Zelten krochen: „Barbara, wenn alle Frauen morgens so aussehen wie du, heirate ich nie.“

Der Rüdiger ist übrigens noch ledig und zu haben, meine Damen.

Also – warum nicht ehrlich sein? Zugeben, wer und was man ist?

„Ja, aber“ werden Sie einwenden, „Männer sind nun mal Augentiere und können besser gucken als denken.“ Das mag schon sein. Sie sollen ja auch kein Profilbild einstellen, auf dem Sie aussehen wie durch die Mangel gedreht, oder als kämen Sie gerade von der Rallye Paris-Dakar zurück.

Ein wenig vorteilhaft darf es schon sein. Aber wenn Sie von sich behaupten, Sie backen und kochen gern, sollten Sie wenigstens einen Braten oder einen Käsekuchen zustande bringen. Wenn Sie von sich behaupten, tierlieb zu sein, in Wirklichkeit aber sogar bei 2 Kilometer entfernten Katzenhaaren anfangen zu niesen, kann es nur von Vorteil sein, die Wahrheit zu sagen, sonst endet Ihr erstes Date in der örtlichen Ambulanz.

Auch so einen Fall kenne ich persönlich. Petra, gestraft mit einer schweren Katzenhaar-Allergie, verbrachte ihre erste und einzige Nacht mit Patrick in dessen Bett mit seinen drei Stubentigern, die sie zuvor noch gestreichelt hatte, weil sie unbedingt diesem Mann gefallen wollte. Anschließend landete sie in der Notaufnahme, weil sie keine Luft mehr bekam. Es ist erstaunlich, wie weit Frauen gehen, wenn sie jemanden für sich gewinnen wollen.

Selbstverständlich ist es vollkommen normal, dass man sich so positiv wie möglich darstellen möchte. Aber es kommt doch immer raus, wenn man lügt. Wie bei meiner Freundin Martha, die ständig in Singlebörsen unterwegs ist und sich da gute 10 Jahre jünger schummelt.

„Ich sehe nicht so alt aus, wie ich bin!“ schimpft sie, wenn ich sie darauf anspreche. „Und ich benehme mich auch nicht so. Da lerne ich doch sonst nur Typen in meinem Alter kennen, die sind mir zu langweilig.“

Sie hat noch kein einziges Mal einen Kandidaten zweimal getroffen. Die  melden sich einfach nicht mehr. Niemand mag Lügen wirklich gern, außer es handelt sich um raffinierte Komplimente.

Und: Martha sieht nicht wirklich 10 Jahre jünger aus. Es getraut sich nur keiner, es ihr zu sagen.

Darum habe ich mir jetzt die Mühe gemacht, mal eine Selbstbeschreibung zu entwerfen, und zwar vor meinem „Wahrheitsfilter“ und danach. Bitte, bitte, nehmen Sie mich nicht ernst:

Beschreibung: „Hallo, ich bin Susi und 32 Jahre alt. Leider ist das Foto nicht so doll geworden, mein Handy spinnt grade.“

Klartext: „Hallo, ich bin die Susi und 32 Jahre alt, sehe aber aus wie 48 und habe eine Haut wie ein Putzlappen, weil ich in den letzten Jahren keine Nacht mehr als vier Stunden geschlafen und täglich drei Schachteln Kippen geraucht habe. Wie mein Bett ausschaut, weiß ich gar nicht mehr, weil ich nie drin liege. Das Handy spinnt also nicht. Leider.“

Beschreibung: „Ich bin manchmal recht häuslich und habe es gern gemütlich, gehe aber auch gern aus und interessiere mich für Kultur. Außerdem bin ich ein lebenslustiger Mensch.“

Klartext: „Ich bin eine versoffene Nachteule, mache wahnsinnig gern Party bis zum Morgengrauen, aber nicht so gern sauber, das finde ich total spießig. Wäre cool, wenn du das übernehmen würdest. Hast du vielleicht einen Putzfimmel und bist so ein Typ, der mehrmals wöchentlich hinterm Sofa saugt? Fände ich gut. Mit ‚gemütlich’ meine ich, dass ich überall Plüschtiere und Teelichter aufgebaut habe, die ich abwechselnd versehentlich anzünde. Wenn du bei der Feuerwehr wärst, könnte das von Vorteil sein.“

Beschreibung: „Ich bin kontaktfreudig, aufgeschlossen und gesellig. Was ich nicht leiden kann: Eifersucht und Klammern. Bin aber sehr anhänglich, wenn ich jemanden wirklich mag.“

Klartext: „Ich hab alle meine Exfreunde der letzten 15 Jahre noch auf Kurzwahl und treffe die auch regelmäßig, also solltest du ein toleranter Typ sein. Aber wehe, eine Ehemalige von dir taucht auf, der schnitze ich erst mal ein neues Muster in ihre Autotür. Und mit ‚anhänglich’ meine ich, dass der israelische Geheimdienst ein Dreck gegen mich ist, wenn ich mal glaube, dass du mich betrügst.“

Beschreibung: „Ich bin selbständig und unabhängig, mag Kavaliere alter Schule und stehe auf gute Manieren. Außerdem bevorzuge ich großzügige Männer, weil ich selbst ein total hilfsbereiter Typ bin, der gerne was verschenkt.“

Klartext: „Ich bin so selbständig, dass ich grundsätzlich mein eigenes Ding durchziehe. Kannst ja auf mich warten, wenn ich mal wieder eine Verabredung vergesse, wegen der guten Manieren, die ich einfordere. Im Klartext heißt das: Widersprich mir niemals und halte mir gefälligst immer die Autotür auf. Deine Autotür natürlich. Du hast doch nix dagegen, dass ich den mal fahre? Mein Wagen ist nämlich momentan in der Reparatur.

Und wenn ich drei Tage vor dem Ersten eine nette Handtasche im Gegenwert eines Kleinwagens sehe, dann kaufst du mir die, nur dass das klar ist.

Ich bin wirklich total großzügig, aber nur mit meinem Körper, wirst du schon noch merken. Es sei denn, du schenkst mir diese Handtasche nicht.“

Beschreibung: „Ich bin sportlich wegen der Work-Life-Balance, habe viel übrig für Rohkost und esse vegetarisch. Außerdem bin ich ein sehr spiritueller Mensch.“

Klartext: „Ich esse hauptsächlich Salat, weil ich nicht kochen kann und nehme mir meistens ein paar Portionen vom Supermarkt mit. Aber Braten mag ich, vielleicht kochst du ja künftig für uns. Zahlen musst du das aber selber, Fleisch kostet ja ein Vermögen. Und wenn du nach Hause kommst und ich grad meinen Hexenzirkel zu Besuch habe, dann mach uns ein paar Schnittchen und zieh keine Fleppe. Sonst verhexen wir dich. Und das meine ich nicht positiv.

Mit ‚sportlich’ will ich ausdrücken, dass ich mich wahnsinnig gern mal im Trainingsanzug zu ‚Starbucks’ setze und da total erledigt dreinschaue. Ist schon Action genug, mich in das enge Teil zu zwängen, aber ich sehe rattenscharf darin aus, womit wir wieder bei meiner Interpretation von ‚großzügig’ wären.“

Beschreibung: „Ich bin emanzipiert und suche einen sensiblen Mann mit viel Verständnis für ein gemeinsames Leben zu zweit, weil ich mir nix Schöneres vorstellen kann als eine Familie und Kinder.“

Klartext: „Mit ‚sensibel’ meine ich, dass du, wenn ich dich anbrülle, zu heulen anfängst und mir alles gibst, was ich will, weil ich dich sonst verlasse. Außerdem kochst du mir gefälligst Kamillentee bei PMS („Post-Mastercard-Syndrom“) und massierst mir täglich zweimal die Füße.

Eine Familie will ich, aber eine eigene selbstgemachte, nicht deine bucklige Verwandtschaft. Kannst du dir in die Haare schmieren, dass ich zu euren Feiern mitkomme.

Und wenn mir unsere zukünftigen Kinder die Figur ruinieren, dann werde ich dich das büßen lassen bis an dein Lebensende.  Du wirst aus der Hausarbeit nicht mehr rauskommen, weil ich nämlich dann trainieren muss.“

Gut, ich habe jetzt ganz böse übertrieben. Niemand von uns ist wirklich so gemein und abgebrüht wie die Dame, deren Sätze ich weiter oben in „Klartext“ übersetzt habe. Es stimmt immer nur ein bisschen was. Und so ist es auch bei den Männern, die uns Bilder schicken, auf denen sie verwegen vom Motorrad grinsen oder sich über eine Schlucht hangeln, am Fallschirm hängen oder uns zuprosten. Wie zum Beispiel der hier:

Beschreibung: „Hallo, ich bin der Fredi, ein Unternehmer. Das Bild von mir (halblange Haare, blitzende blaue Augen, Lederkluft, AC/DC-Shirt) ist schon ein bisschen älter, das hat mir ein Kumpel eingescannt, der Bernd. Den wirst du  noch kennenlernen, der ist nett. Ich bin ein recht geselliger Mensch, mag Party und Hunde. Ich bin selbständig und tierlieb. Ich mag Lagerfeuer, gute Filme und auch Kino. Koche wahnsinnig gern und habe unglaublich viel Phantasie.“

Männer machen nicht viel Worte, wissen Sie.

Klartext: „Hallo, ich bin der Fredi. Hab grad kein besseres Foto zur Hand, weil ich neulich mein Handy verkaufen musste, um an die nächsten paar Kisten Bier und Tabak zu kommen. Wenn du ne coole Frau bist, die ein bisschen Dreck nicht stört und vielleicht auch noch anständig verdienst, könnte aus uns beiden was werden, obwohl ich  mich seit fast 50 Jahren vor einer festen Beziehung drücke. Vorausgesetzt, du gehst mit meinen Hunden raus, weil ich dazu entweder zu faul oder zu besoffen bin. Manchmal auch bekifft.

Der Bernd, mein Kumpel, und ich haben gemeinsam ein Gewerbe angemeldet, irgendwas mit Autoteilen, da sollten wir jetzt mal dringend was arbeiten, ehe uns das Finanzamt aufs Dach steigt. Lagerfeuer machen wir jeden Abend, weil wir kein Geld für Heizöl mehr haben. Nächstes Jahr vielleicht wieder. Frierst du leicht?

Sag mal, hast du vielleicht ein eigenes Haus, eventuell sogar mit einer Garage und einer Grube? Garten wäre auch geil, wegen der Lagerfeuer.

Hoffe, du magst Würstchen, was anderes gibt’s bei uns nämlich nicht. Die kann ich aber gut.

Unsere Dusche ist grad verstopft, darum wirken meine Haare etwas fettig, aber ehe wir uns treffen, schaue ich bei meiner Mama vorbei, versprochen. Und mit ‚gute Filme’, die ich mag, meine ich den Pornokanal, aber das wirst du schon selber noch merken. Hoffe, du bist nicht so spießig und verklemmt. Dann wirst du merken, dass ich echt viel Phantasie habe, weil ich ein Geschenk Gottes an die Frauen bin.“

Ok, ich habe wieder granatenmäßig übertrieben. Aber teilweise ist Ähnliches Freundinnen von mir schon passiert. Gottseidank nicht alles auf einmal.

Logisch, dass niemand auf seine Profilseite schreiben würde: „Ich bin ein narzisstischer Psychopath, der gerne Frauen schikaniert und suche eine devote Sie, der es nichts ausmacht, dreimal täglich mein Haus zu putzen, nachdem sie mich bedient hat.“ Obwohl ich sicher bin, auch dafür fände sich jemand.

Das Problem ist doch folgendes: Es kommt zu 99 % raus, wenn man lügt. Und niemand hat es nötig, sich eine Beziehung durch Schwindeln zu ergaunern. Jeder Mensch ist einzigartig, und meine Oma sagte ständig: „Für jeden Topf findet sich ein Deckel.“

Lassen wir doch ein wenig mehr Ehrlichkeit walten, um uns und anderen unliebsame Überraschungen zu ersparen. Seien wir, wie wir wirklich sind, mit all unseren Fehlern und Mängeln, nicht wie meine Freundin Susi, die behauptet:

„Ich hab keine Geheimnisse, das ist nur unveröffentlichtes Bonusmaterial.“

Irgendwann kriechen wir ohnehin ungeschminkt aus dem Bett. Oder haben versehentlich zu viele blähende Hülsenfrüchte gegessen, die uns den romantischen Videoabend nachhaltig versauen. Irgendwann klemmt das Konto kurz vor dem Ersten, werden wir vielleicht krank, oder rasten vor Eifersucht aus.

Irgendwann naht die Stunde der Wahrheit. Die sich übrigens bis ins Unendliche ausdehnen kann, wenn man aufgeflogen ist.

Veröffentlichen Sie darum vorab ein wenig von Ihrem Bonusmaterial. Nicht allzu viel. Aber genügend, um sich hinterher nicht vorwerfen lassen zu müssen, Sie hätten sich als jemand dargestellt, der/die Sie nicht sind.

Ich bin nämlich ganz sicher, das haben Sie nicht nötig.

Darum wünsche ich Ihnen heute, breit schmunzelnd, eine schöne Woche!

Ihre

Barbara Edelmann

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Wies`n, Bier und gute Laune – dafür ist das Oktoberfest bekannt. Und natürlich als ein Treffpunkt unzähliger Singles. So manche Frau (und auch so mancher Mann) hat hier schon das passende Gegenstück gefunden, mal für`s Leben, mal für eine Nacht.

Überraschend ist es jedoch, dass die große Bayern-Sause auf der Wies`n auch online, beim Dating im Internet, eine große Rolle spielt.

Das legt zumindest die Erhebung eines Online-Vergleichs-Portals nahe. Hier wurden die Dating-Gepflogenheiten von weiblichen und männlichen Singles aus verschiedenen Ländern, im Zusammenhang mit dem Oktoberfest, beleuchtet.

Die Ergebnisse reichen von überraschend bis –  nun ja – auch etwas skurril…!

Lesen Sie selbst. Den ganzen Beitrag dazu finden Sie hier.

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Ein Gastbeitrag von Rosanna. Die meisten Frauen kennen das sicher: da hat man einen Mann kennengelernt, das erste Date erfolgreich hinter sich gebracht, sich vielleicht mal zwischenzeitlich schon wieder getroffen – aber dennoch passiert nicht wirklich was. Und so dümpeln viele Kennenlernphasen öde vor sich hin.

Problematisch ist das vor allem für Frauen, die sich in den jeweiligen Mann verliebt haben und verständlicherweise genervt und ungeduldig sind, wenn es irgendwie nicht weitergeht.

Sprich: von ihm keine aktiven und zeitlich kurz aufeinanderfolgende Vorschläge für ein nächstes Treffen oder/und gemeinsame Unternehmungen kommen.

Viele Frauen klagen in unzähligen Online-Foren im Internet ihr Leid über zähe Kennenlernphasen, dabei ist das Ganze eigentlich recht einfach.

Denn: eine Kennenlernphase, in der es nicht voran geht und die vor allem aufseiten des betreffenden Kandidaten nicht forciert wird, dürften so gut wie immer zum Scheitern verurteilt sein.

Betroffene Frauen sollten deshalb die Zeichen und Signale klar erkennen und sich nicht verrennen, wenn sie bemerken, dass da von ihm sehr wenig kommt. Es kann in einer solchen Situation nämlich gut sein, dass er noch mehrere Eisen im Feuer hat und der Grund seiner kärglichen Meldefrequenz im Treffen weiterer Frauen liegt.

Dass er zwischendurch immer mal von sich hören lässt, ist klar, denn ein solcher Dating-Typ bedient sich lediglich der Taktik des Warmhaltens.

Da Sie aber bestimmt auf keinen Fall (s)ein Topf auf seinem „Warmhalte-Herd“ sein wollen, sollten sie sein Agieren in einer solchen Situation kennen und selbiges durchschauen.

Das geht nämlich ziemlich schnell, man (FRAU) muss nur seine Kommunikation richtig einzuordnen wissen.

Insofern liefere ich Ihnen hier mal zwei Beispiele aus meiner Datingwelt. Die zwei Kandidaten, um die es geht, hatte ich jeweils online kennengelernt und mit beiden befand ich mich in einer – wenn auch stockenden – Kennenlernphase.

Dass eine Fortsetzung dieser von den jeweiligen Herren nicht wirklich gewünscht war, brachten zwei simple Ausreden, die auch umgehend von mir als Ausreden erkannt wurden, ans Tageslicht.

Da war zum Beispiel Thomas (Name geändert). Mit ihm befand ich mich bereits in einer fortgeschrittenen Kennenlernphase. Allerdings nervten mich seine festen Anruf- und „Melde“-Zeiten, neben denen kaum weitere Telefonate oder eine anderweitige Kommunikation möglich waren.

So meldete sich Thomas jeweils morgens mit einer „Gute-Morgen“-SMS und abends um Punkt 20.15 Uhr in Form eines Anrufes.

Davor und danach war Funkstille. Als ich ihn abends mal nach 22.00 Uhr erreichen wollte, war sein Handy aus. Leider sahen wir uns auch sonst sehr selten, da Thomas nach eigenen Aussagen geschäftlich zwischen Deutschland, der Schweiz und den Niederlanden pendelte.

Das hielt ihn allerdings nicht davon ab, weiter in der Singlebörse, in der wir uns kennengelernt hatten, aktiv zu sein. Ich bemerkte das, als ich eine Newsletter-E-Mail des besagten Dating-Portals erhielt und diesen abbestellen wollte. Versehentlich gelangte ich jedoch mit einem Klick auf das Portal, direkt in der großen Kandidaten-Galerie. Und siehe da: sein Profil wurde sofort als eines der Profile, die gerade online sind, angezeigt.

Nachtigall ick hör Dir trapsen!

Natürlich konfrontierte ich ihn beim nächsten 20.15-Uhr-Anruf sofort mit meiner Entdeckung.

Die Ausrede folgte freilich auf dem Fuße und sie lautete:

„Du, ja – das stimmt, ich war online, aber weißt Du warum?! Weil ich mich gerade abmelden wollte!“

Ja, ist klar….Ich glaubte ihm natürlich kein Wort und diese Kennenlernphase hatte sich somit auch überlebt.

Dass diese plumpe Ausrede allerdings noch getoppt werden sollte, erfuhr ich bei einem anderen Kandidaten – Enrico (Name natürlich wieder geändert!).

Auch hier zog sich die Kennenlernphase schon eine ganze Weile hin, ohne dass wir erkennbar „weiter kamen“.

Zwar waren Enrico und ich schon nach kurzer Zeit im Bett gelandet, aber das sagt heute ja nicht wirklich was aus.

Sein Meldeverhalten jedenfalls war schleppend und mit den Erfahrungen von heute, weiß ich, dass es eher Desinteresse war, aber leider, leider wollen ja auch solche Erfahrungen erstmal gemacht sein…

Jedenfalls wartete ich eines Tages auf einen vereinbarten Anruf von ihm, der nicht kam. Irgendwann ging ich ins Bett.

Am nächsten Tag las ich seine Nachricht, die da lautete – und jetzt kommt´s! – dass er beim Wäschewaschen eingeschlafen war.

Beim Wäschewaschen!

Wie man sich das vorzustellen hatte, blieb nebulös, in seiner Nachricht schilderte er es so, dass man annehmen musste, er hätte seine Wäsche aufgetürmt und gen Waschmaschine bugsiert und ist währenddessen eingeschlafen.

Wie auch immer – Einzelheiten zu dieser schrägen Ausrede kamen nicht mehr. Dafür aber zwei Tage später eine Mail von Enrico.

Er wollte mich nicht mehr treffen. Seine Gefühle reichten für „mehr“ nicht aus.

Ob ihm diese Erkenntnis beim Wäschewaschen gekommen ist, ist unklar.

Klar ist, dass manche (nein: viele) Männer während der Kennenlernphase um schräge Ausreden nicht verlegen sind. Vor allem dann nicht, wenn sie diesen Prozess eigentlich beenden wollen.

Wichtig ist in solchen Fällen nur, dass Frauen den Sinn hinter diesen schrägen Ausreden auch erkennen.

Also: bleiben Sie beim Dating wachsam und hören Sie vor allem auf Ihren Bauch. Und auf Ihren gesunden Menschenverstand!

Der besagt ganz sicher, dass verliebte Männer eher beim Herzblatt Ihrer Wahl sind, als Waschmaschinenknöpfe zu bedienen – oder?!

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Nichts nervt Single-Frauen, die sich wieder eine Beziehung wünschen, wohl so sehr, wie die Partnersuche. Es ist seit Jahren bekannt, dass sich diese in den aktuellen Zeiten schwieriger gestaltet, als vor Jahrzehnten noch.

Und das trotz immens gestiegener Möglichkeiten, wie Online-Dating, Date-Veranstaltungen und sozialen Netzwerken, wo sich viele Solisten herumtreiben.

Wer aber als Frau aktiv im Leben steht, einen Job und einen Freundeskreis hat, weiß: die Suche kann nervig werden, vor allem, wenn sie online stattfindet. Und auch offline scheinen sich – trotz diverser Events, die sowohl im Berufs – als auch im Privatleben fast permanent geboten werden – immer weniger Leute zu finden, die eine Partnerschaft eingehen.

Genau eine solche Situation porträtierte am letzten Dienstagabend die ZDF-Doku „37 °“ mit „Sag mir wo die Frauen sind“. Nur dass es sich, wie der Titel schon sagt, in dem Film ausschließlich um Männer handelte, die von ihrer schwierigen Suche nach einer Partnerin berichteten. Zudem waren alle drei Protagonisten aus Ostdeutschland und auf dem Land zuhause.

Bezeichnend: keiner der drei vorgestellten Männer, deren Singledasein in ihrer ländlichen Heimat porträtiert wurde, betreibt Online- oder Speed-Dating. Im Gegenteil: bis auf einen Mann, Uwe, bleiben sie eher passiv in ihren Bemühungen, eine Partnerin zu finden.

Allerdings waren sie ziemlich auskunftsfreudig und beschrieben auf sympathische Weise, welche Vorstellungen sie von einer zukünftigen Partnerin haben. Neben dem schon erwähnten Uwe aus Leuna wurde auch ein Biobauer aus dem Erzgebirge vorgestellt – Stefan. Er hat Haus, Hof und Tiere und hätte es schon gern, dass seine spätere Herzensdame zu ihm auf den Hof ins schöne Sachsen zieht.

Auch Olaf (im Bild), ein weiterer Protagonist aus der Sendung, ist mehr oder weniger ortsgebunden – er betreibt auf der Insel Usedom eine Pferdezucht und bietet in der Saison Ausritte mit seinen Tieren für Touristen an.

Uwe, der bereits schon erwähnte dritte Single, lebt ländlich im mitteldeutschen Leuna und findet ohne Partnerin „alles öde“.

Für die drei porträtierten Singlemänner ist es nicht unbedingt leicht, in ihrem Umfeld eine Partnerin zu finden, da vom dörflichen Raum viele (junge) Frauen in die Stadt abwandern. Und da die Jungs – wie eingangs schon erwähnt – weder in Sachen Online-Dating aktiv werden noch entsprechende Single-Events besuchen, ist ihre Situation wie sie ist.

Doch suchenden Frauen sollte das ein Wink mit dem Zaunpfahl sein, denn: alle drei Männer sind sympathische Typen, bodenständig, ohne Allüren und berufstätig ebenso. Mitten im Leben also – wie die meisten Frauen ab Anfang / Mitte Dreißig aufwärts auch. Die Altersklasse also, die auch in Singlebörsen häufig vertreten ist und so selten fündig wird.

Warum sich also – selbst wenn man (FRAU) in der Stadt lebt – nicht auch im dörflichen Raum nach einem Partner umschauen?

Eigentlich eine gute Idee, wenn nicht die Frage wäre, wie man überhaupt mit solchen Männern in Kontakt kommt? Die Protagonisten aus der Doku bleiben – wie gesagt – passiv und sind demzufolge auch in keiner Online-Singlebörse vertreten.

Man darf davon ausgehen, dass auch viele andere Landsingles so verfahren. Was also tun, wenn doch hier – trotz allem – vielleicht die Chancen, auf einen kernigen Naturtypen, der Single ist, recht gut stehen?

Unser Tipp:

schauen Sie in die (Online)Ausgaben der ländlichen Zeitungen in Ihrer Region. Es gibt kaum ein Wochenende, auf denen auf den Dörfern nicht irgendwas los ist. Vom Frühlings-, Sommer-, Herbst und Winterfest über Osterfeuer und kulinarische Märkte bis hin zu zünftigen Bauernfeten – es wird viel geboten auf dem Lande. Viele Feste werden am jeweiligen Vorabend zudem mit einer Disko-Veranstaltung eingeleitet.

Klar – den städtischen Schick sollte man in einem Festzelt auf dem Land vielleicht nicht erwarten, aber die Chancen stehen hoch, dass man hier auf  Singlemänner trifft. Ebenso wie auf den aufgezählten Festivitäten, bei denen die Dorf-Jungs sich oft auch aktiv einbringen.

Warum also nicht mal vor Ort schauen, was so geht? Klar, eine gewisse Affinität für diesen Schlag Mann sollte FRAU schon mitbringen. Wer mehr auf den durchgestylten Porsche-Fahrer im Designer-Look steht, ist hier fehl am Platz, das ist natürlich fakt.

Wer sich aber nach einem Partner sehnt, der nicht abgehoben und auch Realist ist, eine positive Einstellung zu Natur und Heimat hat und das Herz meist am rechten Fleck, der sollte auf jeden Fall mal einen Blick auf den Dörfern in seiner Umgebung riskieren! Und dann natürlich auch den Mut haben, ein paar Worte zu sagen, ein Gespräch zu beginnen.

Denn: auch echte Kerle vom Land können schüchtern sein. Hier als Frau dezenten den Anfang zu machen, kann sich lohnen!

Wer nun auf die 37°-Doku und die drei beschriebenen Protagonisten neugierig geworden ist, kann diese noch bis 20.08.19 anschauen und zwar hier.

Bildnachweis: © ZDF/Thomas Henk Henkel

Man kann es auch anders formulieren: oft klappt es nicht, sehr oft sogar. Vor allem dann nicht, wenn FRAU die 30 ab der Mitte schon verlassen und die 40 schon im Blick hat.

Natürlich ist diese Art des Datens ein Riesenthema – vor allem im Netz. Es wird nach den Gründen, warum es nicht klappt, recherchiert, es werden Tipps gegeben, eine Armada von Dating- und Coaching-Experten zieht für und mit einsame(n) Herzen ins Feld. Und auch der Büchermarkt wartet mit unzähligen Ratgebern in Sachen Online-Dating auf.

Allerdings kann man sich das meiste sparen, denn die Gründe, warum Online-Dating meist mit viel zu vielen Erwartungen überfrachtet und eben nicht selten deshalb zum Scheitern verurteilt ist, braucht man nicht noch nachzulesen oder via Coaching aufzuspüren, das geht ganz locker auch alleine.

Oder – um es anders zu formulieren: betreibt man das Online-Dating eine ganze Weile, wird einem schnell klar, dass hier auf die Schnelle kaum etwas Ernsthaftes zu realisieren ist.

Am besten wäre deshalb, dass Frauen, die damit beginnen, einen Partner im Internet zu suchen, wirklich ganz locker herangehen, am besten ohne Erwartungen.

Ist nicht einfach – klar! –  denn natürlich hat man (FRAU) Erwartungen, wenn man in Sachen Herzflimmern online geht. Sonst kann man es ja gleich lassen.

Aber dennoch: die Erfahrungen zeigen, dass Geduld und ein gewisses dickes Fell mitgebracht werden müssen, wenn man sich den Traummann digital angeln will.

Ganz wichtig ist auch die Vermeidung von Liebeskummer, der gerade bei dieser Art des Datens superschnell zuschlagen kann. Oft in Situationen, in denen ein erfolgreiches Date mit weiteren Treffen fortgesetzt wird und es womöglich schon die ein oder andere heiße Nacht gibt. Genau hier schnappt die Falle so oft zu, denn wo die weibliche Dating-Kandidatin hier vielleicht schon den Beginn einer traumhaften Beziehung sieht und sich verliebt hat, ist es vielleicht für den männlichen Part eher immer noch der „mal-schauen-und-es-laufen-lassen“-Modus.

Parallel-Dating ist von Beginn an ein großer Frustfaktor bei dieser Art des Kennenlernens. Die Erfahrungen darüber sind zu -zigtausenden Posts im Internet abrufbar und bis heute handhaben nicht wenige Männer ihre Online-Treffen parallel. Frauen natürlich auch, wobei die meisten Postings, die von der Verletzung und Empörung in Sachen Paralleldating zeugen, von Frauen stammen.

Hier sollte innerhalb eines Kennenlernprozesses, wenn sich denn ein mulmiges Gefühl einstellt, genauer drauf geschaut werden, wie sich der männliche Singlebörsen-Kandidat gibt. Meldet er sich erst spät auf Nachrichten, hat er permanent sein Smartphone am Mann, verschiebt er Treffen oder sagt sie ab?

Muss nicht, aber kann auf Paralleldating deuten, ein gesundes Misstrauen ist definitiv ein besseres Rüstzeug fürs digitale Flirten als Naivität oder/und Gutgläubigkeit. Vor allem auch deshalb, weil bei Weitem nicht jeder Mann, der in einer Single- oder Partnerbörse angemeldet ist, tatsächlich ernsthaft eine Partnerin sucht. So man(n)cher sucht auf diese Art einfach nur erotische Abwechslung, kommuniziert dies aber freilich nicht.

Oftmals wird bis weit in die intensive Kennenlernphase getrickst, nur um diese dann, so wie den gesamten Kontakt, zu beenden. Wie man die Warnsignale erkennt, steht hier ganz gut beschrieben.

Natürlich klingt das jetzt alles total negativ, so manche wird vielleicht nun schon die Nase voll haben vom Singlebörsen-Dating, bevor sie sich überhaupt registriert hat.

Ganz so wild ist es freilich nicht, was die Liebespaare, die sich ja tatsächlich virtuell im Web gefunden haben, belegen. Nur darf eben diese Art des Kennenlernens nicht als rosarot angesehen werden oder als ein Kontakte-Generator mit schnellem Erfolg.

Die großspurige Werbung für Partnerportale, die vor allem in Städten umfangreich platziert ist, versprechen leider etwas anderes und kommunizieren eine Leichtigkeit der Partnersuche, die so real oftmals nicht gegeben ist.

Nicht umsonst wurde die Werbung eines großen Partnerportals, das da mit – Sie wissen schon – „alle elf Minuten verliebt sich ein Single…..“ warb, zum Running-Gag. Denn viele Leute, die sich darüber lustig machten, betonen – nicht ganz zu Unrecht – das „einer verliebt sich“. Was logischerweise impliziert, dass es der andere nicht tut.

Insofern – wie gesagt: Online-Dating kann klappen, muss nicht!

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Erinnert sich noch jemand an das Prä-Handy-Zeitalter? Diese dunkle Ära ohne Tinder, Snapchat, Facebook oder Online-Singlebösen?

Jedes Wochenende hieß es: ab auf die Piste. Man wühlte sich durch den Kleiderschrank, zwängte sich in ein Kleid, in dem man gerade noch atmen konnte, quälte sich in schwindelerregend hohe Pumps, schminkte sich mit der Akribie einer Visagistin und stöckelte dann durch die Nacht zur nächsten Disko oder einem anderen Etablissement,  um dort die Beine für mehrere Stunden dekorativ um einen Barhocker zu knoten. Immer schön lächeln, Bauch rein, Brust raus.

Manchmal hatte man Glück, meistens aber nicht, und musste alles am nächsten Samstag wiederholen. Oder unter der Woche, wenn man eine harte Natur mit Durchhaltevermögen war. Oft wurde man nur von den üblichen Verdächtigen angelallt („Du schiesch aber gut ausch, kommsch du mit schu mir?“), und manchmal ging der Kontakt zu einem sympathisch wirkenden Fremden nicht über ein Lächeln hinaus.

Ich hatte es beim Flirten besonders schwer. Zwar trug ich Kleidergröße 36 und C-Körbchen, aber so gut wie nie meine dringend nötige Brille, weil ich dachte, die würde mich entstellen. Das sorgte öfter für Irritationen, denn ich hätte nicht mal Brad Pitt erkannt, wenn der mir zugezwinkert hätte und war darauf angewiesen, dass der „Interessent“ sich auf den Weg zu mir machte und mich ansprach, so dass ich ihn sehen konnte.

Es gab keine Garantie, jemanden kennenzulernen, außer man bevorzugte den analogen Vorläufer der Online-Singlebörsen: das gute alte Heiratsinstitut.

Etwas einfacher hatten es Ladies, die nur auf einen One-Night-Stand aus waren. Die brauchten nur lange genug am Tresen sitzenzubleiben und wurden garantiert kurz vor der Sperrstunde von jemandem abgeholt.

Aber alle Mädels, die ich kannte, suchten einen Mann, der etwas länger durchhielt als 20 Minuten.

Tipps, wo man Männer kennenlernen konnte, kriegte man genug. „Geh zur Tankstelle am Samstagvormittag“ raunte meine Freundin Susi. „Wenn du lange genug wartest, braucht mal einer Benzin, der gut aussieht.“ „Am Donnerstagabend im Supermarkt kommen die ganzen Singles“ verriet mir eine andere Freundin. „Ist fast wie ein Heiratsmarkt. Kauf’ aber nicht zu viel ein, sonst wirkst du verfressen. Das mag keiner.“

Eine dritte schickte mich zum Baumarkt, ihren Worten zufolge ein todsicherer Tipp, denn jeder echte Mann brauchte angeblich irgendwann was zum Hämmern.

Ich traf dort leider nur Bekloppte.

Lachte einem das Glück dann doch einmal, und man knüpfte einen Kontakt, dann wurde es anstrengend, denn die Bitte um ein Rendezvous folgte auf dem Fuße. Das erste Date war immens wichtig. Immerhin entschied es über den Fortgang der Bekanntschaft.

Ich erinnere mich, als wäre es gestern gewesen, als ich diesen geheimnisvoll wirkenden attraktiven Architekten in einer Pilsbar traf.

Detlef behauptete, er sei auf der Suche nach einer Frau, mit der er wandern, segeln, Tennis spielen oder bergsteigen könne und sah aus wie Sir Sean Connery, nur jünger und ohne Lizenz zum Töten. „Wandern, Bergsteigen, Segeln, Tennis? Ist ja toll, das mag ich alles auch!“ antwortete ich wie aus der Pistole geschossen. Eine Notlüge war nämlich keine Sünde, hatte meine Oma mir beigebracht.

Dabei war ich schon zu dieser Zeit vom Typ her ein Vorläufer des klassischen Netflix-Abonnenten, wenngleich mit einem Röhrenfernseher und VHS-Band statt Breitband. Genaugenommen habe ich sogar das sogenannte „Binge-Watching“ – also fernsehen, bis der Arzt kommt – erfunden.

Gesegelt war ich noch nie, kannte aber ein paar Seemannslieder und war schon mal mit dem Kajak gepaddelt. Die Vorliebe für diese Wassersportart endete, als ich mich an einer sehr niedrigen Brücke, unter der ich wegen eventueller Spinnen auf gar keinen Fall durch wollte, mit dem Paddel am Mauerwerk abstützte, umkippte und ins Wasser fiel.

Badminton hieß damals noch „Federball“. Das konnte ich, obwohl ich schnell aus der Puste kam. Ich traute mir ohne weiteres zu, im weißen Dress auf dem Tennisplatz ein paar Bälle ins Netz zu schlagen und dabei gut auszusehen.

Und ich wanderte zur Genüge – dreimal in der Woche mit 10 Zentimeter hohen Absätzen zu meiner Lieblings-Pilsbar. Das zählte auf jeden Fall.

Ein wenig gruselte mich vor dem Bergsteigen, denn da hatte ich keinerlei praktische Erfahrung, war aber sicher, am Fuße jeder größeren Erhebung in Deutschland einen Sessellift vorzufinden. Unser Treffen sollte in einem Café stattfinden. Mitten im Wald. Also borgte ich mir ein knallgelbes Rennrad, kaufte mir einen farblich passenden Trainingsanzug plus Stirnband und strampelte los. Ich würde mit wehendem blonden Haar zum Treffpunkt radeln, geschmeidig abspringen und einen dynamischen Eindruck machen.

An „sportlich“ sollte es nicht scheitern. Nicht, wenn es nach mir ging.

Frohgemut arbeitete ich mich auf einem schmalen Weg an Fichtenschonungen vorbei durch den Forst. Der neue Trainingsanzug saß perfekt, das Make-Up war beinahe unsichtbar. Ich sah aus wie Farrah Fawcett für Arme. Ein Engel für Detlef. Der war immerhin Architekt, ich kann’s nicht oft genug wiederholen, charmant, solvent und intelligent.

Dafür wäre ich seinerzeit ziemlich weit geradelt. Das Café lag 4 Kilometer entfernt. Da ich mich nicht nur im Prä-Handy-Zeitalter sondern auch im Prä-Navigations-Zeitalter befand, verirrte ich mich erwartungsgemäß.

Eine Gabelung passierte ich insgesamt dreimal, bis mir dämmerte, dass ich auf dem Holzweg, äh… Waldweg war. Dann überfuhr ich in meiner mittlerweile panischen Hektik eine Wurzel und fiel samt dem geliehenen Rennrad in den Matsch, denn am Vortag hatte es geregnet.

Eine Stunde zu spät erreichte ich endlich das Café. Mittlerweile sah ich aus wie Rambo in Teil 1 gegen Ende des Films. Das Stirnband war mir auf die Nase gerutscht,  sämtlicher Stoff bis zu den Knien mit Schlamm durchtränkt, und eine Schramme am Schienbein hatte ich mir außerdem zugezogen. Humpelnd schob ich mein Rad auf den Parkplatz, denn einige Speichen waren verbogen.

Sportlich wirkte ich nicht. Eher verzweifelt.

Detlef wartete entspannt auf der Terrasse an einem Tisch auf mich. Der war trotz vollmundiger Ankündigung mit dem Auto gekommen. Ich bin so ein Depp.

Übrigens gab es nie ein zweites Mal. Das lag nicht an mir, es lag an ihm, denn als mich zerrupft und gedemütigt, mit Flecken im Gesicht, atemlos auf einen Stuhl plumpsen ließ, hatte Detlef ebenfalls rote Wangen, allerdings von einer tödlichen Mischung aus Beerenwein mit besonders hoher Klopfzahl und Jägermeister. All die Mühe umsonst. War ja nicht mein erstes Mal.

Heutzutage läuft das anders. Computer oder Tablet an:

  • Klick – oh, Brille, nö danke.
  • Klick – oh weia, Warze auf der Nase. Mag ich nicht.
  • Klick – nicht schlecht, aber der hat ja gar keinen Sixpack. Ich wollte doch einen Kerl, der aussieht wie Jason Statham.
  • Klick – Vollbart? Äh…nein. Da hängt vielleicht noch Essen drin.
  • Klick – ach, der ist ja kleiner als ich.
  • Klick – oh, der wohnt eine Stadt weiter. Nö, keine Lust auf die Fahrerei.
  • Und so weiter.

Internet-Singlebörsen ähneln meiner Meinung nach einer Rasterfahndung des BKA. Ich gebe ein, was ich gerne hätte und warte dann darauf, was der Algorithmus ausspuckt.

So viel Glück hatten wir damals wie gesagt nicht. Wir mussten den Herren der Schöpfung die Würmer aus der Nase ziehen – lange und mühsam. Oder einen Privat-Detektiv beauftragen.

Und trotzdem waren wir auf der sicheren Seite, weil wir keine nachbearbeiteten Profilbilder kennenlernten sondern die nackte Wahrheit. Wir wühlten uns nicht durch eine Art virtuellen Versandhauskatalog mit geschönten Fotos, sondern waren live zugeschaltet. Zur Verfügung hatten wir nur „eingebaute Dashcams“ – unsere Augen  und unseren Instinkt.

Gemogelt werden konnte bei dieser Methode nicht viel. Sie hatte der heutigen einiges voraus.

Angelogen wurden wir natürlich genauso, was den Beziehungsstatus  oder finanzielle Verhältnisse anging. Aber Männer mussten einem ins Gesicht sagen: „Es ist kompliziert“ und dabei verlegen von einem Fuß auf den anderen tappen, anstatt es im Facebook-Status einzutragen. Und wir Frauen konnten beim ersten Augenschein schon mit scharfem Blick erkennen, dass ein Streifen am Ringfinger blasser war als der Rest der Haut. Also verheiratet, frisch geschieden oder Ehering in der Hosentasche. Die Welt ist schlecht.

Es war nicht ganz so leicht damals, sich als jemand anderer auszugeben, um uns  Frauen zu täuschen. Und zu enttäuschen.

Viel hat sich seither geändert. Gleich geblieben ist aber eins: das verflixte erste Date. Da müssen wir durch. Aber: Anstatt hektisch im Kleiderschrank zu wühlen, sollten wir uns vor Augen führen, dass ein essenzielles Accessoire für so ein Stelldichein nicht das Kleid oder die hohen Schuhe sind.

Nein – das wichtigste Zubehör kostet keinen Cent und ist für jeden erschwinglich – es heißt „Selbstbewusstsein“. Sie können es unauffällig in die Handtasche stecken oder um den Hals tragen, es sich ins Haar flechten oder im Brillenbügel verstecken – Hauptsache, Sie haben es dabei.

Der schönste Gucci-Dress wirkt nämlich nicht, wenn er an hängenden Schultern ins Lokal getragen wird. Die engste Armani-Jeans erfüllt nicht ihren Zweck, wenn sie an unsicheren Beinen klebt. Kopf hoch. Brust raus. Blick gerade aus. Kostet gar nichts.

Seien Sie in jeder Sekunde Sie selbst. Verstellen Sie sich nicht. Es liegt zur Hälfte an Ihnen, ob es ein zweites Date gibt. Oder ein drittes. Seien Sie authentisch!

Behaupten Sie zum Beispiel bitte nicht, Eishockey-Fan zu sein, nur weil Ihre neue Flamme von Wayne Gretzky schwärmt. Sonst sitzen Sie am Ende einmal wöchentlich in einer zugigen Halle und verkühlen sich die Eierstöcke. Wenn Sie Fußball bescheuert finden außer dem Teil, wo die Spieler das Trikot tauschen, geben Sie es zu. Wenn für Sie Kochen vom Beliebtheitsgrad her gleich nach Darmspiegelung kommt, nur immer raus mit der Wahrheit. Vielleicht erwischen Sie ja mit viel Glück einen, der gerne kocht.

Es ist vollkommen normal, dass man sich so gut wie möglich darstellen möchte. Aber das tun Sie mit einem aus dem Herzen kommenden ehrlichen Lachen besser als mit einem gekünstelten „Oh, von ‚Hostel’ finde ich alle Teile absolut super!“.

Selber schuld, wenn Sie künftig jeden neuen Horror-Film mit vor die Augen geschlagenen Händen im Kino genießen dürfen bis ans Ende Ihrer Tage, obwohl Sie eigentlich auf romantische Komödien stehen und kein Blut sehen können.

Seien Sie ehrlich. Beschönigen Sie nicht. Verbiegen Sie sich nicht. Kichern Sie nicht über Witze, die Sie dämlich finden, sonst bekommen Sie die bis an Ihr Lebensende zu hören. Womöglich immer denselben.

Es ist verständlich, dass man den Mann, den man soeben  kennengelernt hat, beeindrucken möchte. Aber das erreicht man nicht mit dem Vorspiegeln falscher Tatsachen. Sie sind doch eine gestandene Frau, attraktiv (Jede Frau ist auf ihre Art und Weise wunderschön!), intelligent, tüchtig und von sich selbst überzeugt.

Stellen Sie sich einfach vor, wir wären alle wirklich erbarmungslos ehrlich beim ersten Date. Man lernt jemanden kennen, landet in der Kiste, heiratet und bekommt Kinder. Irgendwann sitzt man  dann ungeschminkt in der Jogginghose auf der Couch und löffelt Instant-Nudeln aus der Tupperschüssel, während Heinz-Rüdiger mit seinen Kegelfreunden auf Malle eine Auszeit nimmt.

Es würde frischen Wind an die Front bringen, kämen wir gleich in den Klamotten zur Verabredung, die wir gedenken, nach Abflauen der Körperchemie in spätestens 36 Monaten, zu tragen. Wenn Sie wirklich ernsthaft glauben, dass Sie nach vier oder fünf Jahren noch jeden Morgen in Pumps und ein Etuikleid schlüpfen, um ihm Frühstück zu machen, dann haben Sie eine blühende Phantasie.

Ein ehrliches Rendezvous würde vielleicht so aussehen: Heinz-Rüdiger sitzt in seiner Schlabber-Jeans mit dem alten AC/DC-Shirt brummig vor einem Bier, und Sie kommen ungeschminkt und mit dem schlimmsten PMS seit 20 Jahren in Ihren Jazz-Pants, mit denen Sie sich während Ihrer Netflix-Abende am liebsten auf der Couch lümmeln. Da weiß jeder gleich, was ihn erwartet.

Gut – Illusionen, die gelegentlich das Schönste an einer neuen Liebe sind, gehen dabei flöten, aber die Wahrheit ist auch nicht übel. Denn die kommt irgendwann ohnehin.

Die Schmetterlinge im Bauch werden sich im Laufe der Zeit verpuppen und zu Raupen entwickeln, welche Ihnen an miesen Tagen über die Leber kriechen. Ja, sogar mit Heinz-Rüdiger, der jetzt noch so nett lächelt und Ihnen Komplimente macht. Sie werden sich aufregen, weil er zum Fußball mit seinen Freunden möchte, obwohl er Ihnen versprochen hat, die Oma zu besuchen. Er wird sich ärgern, dass Sie wieder Kopfweh haben oder schlapp und gereizt sind. Ich sage doch: Raupen. Nix Schmetterlinge.

Außer „Schatzi“ werden Ihnen im Lauf der Zeit noch eine Menge anderer Bezeichnungen für Heinz-Rüdiger einfallen. Ihm aber auch. Machen wir uns nichts vor.

Warum also beim ersten Treffen nicht ehrlich sein? Sie müssen ja nicht ungeschminkt im Trainingsanzug, ihren Jutebeutel hinter sich her schleifend, im Lokal aufschlagen. Nein – machen Sie sich hübsch wie immer. Aber bleiben Sie in jedem Moment Sie selbst. Das lohnt sich. Egal, wie Sie sind: resolut, besitzergreifend, ängstlich, schüchtern, neurotisch – verstellen Sie sich bitte nicht. Sie tun sich keinen Gefallen.

Wissen Sie, was die meisten Männer an Frauen faszinierend finden? Selbstbewusstsein. Ich habe nachgefragt.

Und dazu brauchen Sie weder Prada noch Escada, sondern nur sich selbst – die menschliche Wundertüte mit all den Special Effekts wie spontanen Wutausbrüchen, Marathon-Telefonaten mit der besten Freundin, Fress-Attacken, PMS, fliegenden Tellern, Schimpftiraden oder unseren Schuh-Tick, auf die Heinz-Rüdiger sich noch freuen darf. Denn Sie sind wirklich eine Wundertüte. Sie sind einmalig, einzigartig, etwas ganz Besonderes. Vergessen Sie das bitte nie.

Ist das nicht faszinierend, wie leicht es sein könnte? Wenn Ihr Lächeln von Herzen kommt, wenn Sie ihre eigenen Ansichten selbstsicher vertreten, wenn Sie wissen, was Sie wollen und was Sie auf gar keinen Fall wollen, dann ist das besser als jeder Online-Algorithmus. Da können Facebook oder Tinder nicht mithalten.

Es ist gar nicht schwer. Sie sind es sich auf jeden Fall wert, denn es gibt Sie genau ein einziges Mal auf dieser Welt.

Denken Sie daran, dass Sie ein Unikat sind, außergewöhnlich und besonders. Und dass sie jemanden verdient haben, der das Komplettpaket nimmt. Weil Sie es sich wert sind. Ich wünsche Ihnen eine herrliche Woche und verbleibe mit augenzwinkernden Grüßen

Ihre Barbara Edelmann

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Selbstvermarktung fällt vielen Menschen schwer – allerdings: ohne gehts manchmal nicht, vor allem beim Online-Dating. Ehe es hier zum ersten Telefonat oder Treffen kommt, muss der suchende Single zunächst ein Profil ausfüllen und sich selbst beschreiben, oft ziemlich umfangreich.

Ein Klacks natürlich für Leute, die sowas aus dem Ärmel schütteln und drauf lostexten können. Das sind allerdings die wenigsten.

Viele Menschen tun sich schwer damit, sich selbst zu beschreiben und ihre Vorteile herauszustellen. Doch darum gehts beim Online-Dating nunmal, zumindest am Anfang. Viele Erfahrungswerte zeigen, dass Profile, die gekonnt und mit einer Prise Humor getextet sind, sehr viel häufiger aufgerufen werden, als Profile, die nur mit einem steifen, steckbriefartigem Infokasten aufwarten.

Doch was, wenn man (FRAU) absolut nicht die richtigen Worte findet, um das eigene Singlebörsen-Profil adäquat auszufüllen? Dann kommen immer häufiger Ghostwriter ins Spiel. Den Begriff „Ghostwriter“ verbinden womöglich viele Leute eher mit Glanz und Glamour auf Hollywood-Parkett, aber ganz so ist es nicht.

Ghostwriter nennt man auch die Leute, die sich professionell darum kümmern, dass das eigene Singlebörsen-Profil mit einem ansprechend-knackigen Text ausgefüllt und so der passende Kandidat damit angesprochen wird.  Meist arbeiten sie mit Singles, die dem akademischen Milieu entstammen und keineswegs Probleme mit der deutschen Rechtschreibung, aber vielmehr mit der eigenen Selbstvermarktung haben. Denn: wann kommt man schon in eine Situation, in der man die privaten Schokoladenseiten ausgiebig präsentieren soll?

Das passiert so speziell doch eigentlich nur beim Online-Dating. Und da wollen nunmal die richtigen Worte gefunden werden, wenn man selbst fündig werden will. Es geht ja nicht um irgendetwas, sondern um den Traumpartner, den man zu finden gedenkt.

Deshalb lassen sich sehr viele Singles ihr Online-Dating-Profil einfach vom Profi texten. Ein solcher Profi, der sich auf Ghostwriting spezialisiert hat, ist Bettina Dahlhaus aus Hamburg. Sie ist der Ghostwriter bzw. die Ghostwriterin hinter vielen Profilen in Singlebörsen und übernimmt für ihre Kunden die professionelle Profilerstellung beim Online-Dating. Darüber hinaus bietet sie weitergehende Leistungen für (Noch)Singles an – eine  hochspannende Tätigkeit, über die Frau Dahlhaus, die einst bei der Frauenzeitschrift FÜR SIE tätig war, in einem Interview mit dem Frauenmagazin Frauenpanorama.de gesprochen hat – lesen Sie es hier.

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