Dienstag, 18. Juni, 2024

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Kalte Füße kurz vor der Hochzeit – Gastbeitrag von Heike Klopsch

Wie Sie sicher zu einem JA-Wort kommen – ein Gastbeitrag zum Thema Hochzeit von Heike Klopsch, Herzkümmerei.

Hochzeitszeit – eine aufregende Phase voller Vorfreude und intensiver Planung. Von der Gestaltung der Einladungen über die Besichtigung der Locations bis hin zur Suche nach dem perfekten Traumkleid und den Gesprächen mit den Trauzeug*innen: Die To-do-Listen scheinen endlos. Für viele Bräute ist es eine hektische, aber glückselige Zeit – zumindest meistens. Doch hinter all dem Trubel und der Euphorie können sich auch Zweifel verstecken. Kalte Füße vor der Hochzeit sind keine Seltenheit und können wichtige Fragen aufwerfen: Bin ich wirklich bereit für diesen Schritt? Stimmen meine Erwartungen mit denen meines Partners überein? Diese Unsicherheiten sollten nicht ignoriert werden, denn sie können entscheidend für eine glückliche und stabile Ehe sein.

Kalte Füße vor der Hochzeit: Ein Alarmsignal?

Nun können Sie sagen, kalte Füße vor einer Hochzeit sind doch ganz normal und überhaupt, das wird schon alles… Eine amerikanische Studie, die Psychologen der University of California im Jahr 2012 durchgeführt haben, hat sich mit „Zweifeln vor der Hochzeit“ beschäftigt und ist zu interessanten Ergebnissen gekommen. Etwas verkürzt zusammengefasst: Die Wissenschaftler konnten feststellen, dass die Paare, die schon vor der Eheschließung Zweifel darüber hatten, ob die Ehe hält, auch in der Realität ein höheres Risiko einer Scheidung haben.

Sehr spannend: Von den Frauen, die bereits bei der Hochzeit ihre Zweifel hatten, waren 19 Prozent vier Jahre später schon wieder geschieden. Darüber hinaus haben Zweifel auch Einfluss auf die Zufriedenheit mit der Ehe: Die Frauen mit Sorgen und Zweifeln, die nach vier Jahren noch verheiratet waren, waren wesentlich weniger glücklich in ihrer Ehe als Frauen, die mit viel Überzeugung die Ehe eingegangen sind.

Nehmen Sie Ihre Zweifel ernst: Ein notwendiger Schritt

Tatsächlich werden die Probleme, die vor der Eheschließung da sind, nicht weniger, ganz im Gegenteil; sie werden wachsen und mit Pech eskalieren. Doch keine Angst: Sich noch einmal ein paar Fragen zu stellen, bedeutet nicht zwangsläufig, dass die Heirat damit obsolet ist, es bedeutet „nur“ herauszufinden, woher die Zweifel kommen. Was möchte ich mit meinem Partner vor der Eheschließung noch besprechen, gibt es vielleicht (uneingestandene) Sorgen oder unbeantwortete Fragen?

Warum will ich eigentlich heiraten? Die richtigen Fragen stellen

Ja, warum eigentlich? Was sind die Punkte, die uns treiben, was sind die Zweifel, Fragestellungen und Ängste, die sich kurz vor der Hochzeit noch einmal melden? Was immer es ist: Es lohnt sich, sich über seine Motive noch mal klar zu werden, damit Ihr Ja wirklich ein Ja ohne Vorbehalte ist. Lassen Sie uns gemeinsam auf Spurensuche gehen.

Diffuse Angst? Finden Sie heraus, was wirklich dahintersteckt

Sie spüren eine diffuse Angst? Das kann verschiedene Gründe haben. Haben Sie einfach Lampenfieber vor dem Hochzeitstag (was völlig normal ist) oder haben Sie vielleicht eher Angst vor dem, was danach kommt? Sie ahnen es sicher: Das, was kommt, ist kein Spaziergang. Für „immer und ewig“ kann sehr lange sein. Nach ein bis drei Jahren lässt die anfängliche Leidenschaft von Liebespaaren unvermeidlich nach. Die rosarote Brille, die Paare bis dahin aufhaben, ist nicht mehr da.

Man sieht sich jetzt realistischer und zwangsläufig auch viel kritischer. Und nun wird es wirklich spannend, denn spätestens jetzt muss die Beziehung auf ein neues Fundament gestellt werden. Um Krisen gut zu meistern und als Paar gemeinsam wachsen zu können, sind gegenseitige Wertschätzung und eine hohe Konfliktkompetenz unerlässlich.

Schauen Sie sich Ihre Beziehung daraufhin noch einmal an. Wie begegnen Sie sich im Streit? Finden Sie Kompromisse? Können Sie den anderen mit seinen Eigenheiten so akzeptieren, wie er ist? Oder haben Sie insgeheim den Wunsch, Ihren Partner zu ändern? Sprechen Sie Ihre Themen möglichst offen an. Ein aufmerksamer und offener Umgang miteinander zahlt sich langfristig aus.

Sicherheit suchen und finden: Ein Balanceakt

In einer Welt, die immer globaler wird, ist dieser Wunsch nach Bindung sehr verständlich. Mit einem Partner an unserer Seite fühlen wir uns besser gerüstet gegen das Leben und die Anforderungen, die an uns gestellt werden. Endlich irgendwo ankommen, endlich angenommen werden, wer wünscht sich das nicht?

Von Kindheit an spüren wir zwei Bedürfnisse: Wir sehnen uns nach Bindung, aber wir brauchen auch Autonomie. Bindung und Autonomie – diese beiden Bedürfnisse stehen oft im Widerspruch zueinander und müssen ständig neu austariert werden, besonders, wenn Beziehungen sich weiterentwickeln. Gerade am Anfang einer Liebe sehnen wir uns nach Verschmelzung.

Doch ohne Autonomie ist jede Beziehung zum Scheitern verurteilt. Nichts befördert die Entfaltung der Persönlichkeit mehr als eine Liebesbeziehung, in der die Partner sich gegenseitig fordern und fördern. Beziehung ist ein ewiger Tanz aus Nähe und Distanz!

Erwartungen abgleichen: Der Schlüssel zur Harmonie

Haben Sie Ihre Erwartungen gut abgeglichen? Oft ist eine Heirat auch mit dem Wunsch nach Familie verbunden. Klären Sie möglichst vor der Hochzeit, wer die Kinder versorgt. Wer nimmt Auszeiten in welchem Umfang? Wer arbeitet nach der Baby-Zeit wie viel? Wie wollen Sie mit dem Thema Geld umgehen? Gibt es gemeinsame oder getrennte Konten? Welche Rolle spielen Arbeit und Karriere in Ihrem Leben? Sie ahnen nicht, wieviel Sprengstoff in diesen wenigen Fragen stecken. Klären Sie diese Fragen – soweit wie möglich – bevor ein Kind unterwegs ist.

Jede dritte Ehe wird geschieden, das ist leider Fakt. Auch wenn es paradox und lieblos klingt: Regeln Sie vor allem Fragen rund um Geld und finanziellen Ausgleich (möglichst schriftlich) zu einem Zeitpunkt, wo Sie gut miteinander sind. Der Vertrag muss ja nicht zum Einsatz kommen, aber Sie ersparen sich viel Ärger, wenn der Tag X doch eintreffen sollte. Außerdem ist es eine gute Möglichkeit, noch einmal über die Gestaltung der Zukunft ins Gespräch zu kommen.

Der Druck von außen: Wie Sie ihm standhalten

Der Druck von Freunden und Familie kann hoch sein. Es ist wichtig, sich bewusst zu fragen, was Sie selbst wollen. Heiraten und Kinder bekommen sind Optionen, keine Verpflichtungen. Sie sind die Hauptakteurin Ihres Lebens, und das Leben ist keine Generalprobe – machen Sie sich das immer wieder bewusst.

Zweifel als Chance sehen und nutzen

Zweifel vor der Hochzeit sollten als Chance gesehen werden. Versuchen Sie, mit Ihrem Partner zu sprechen. Sehen Sie es als gute Übung für die gemeinsame Zukunft. Vor allem, schenken Sie Ihrem Liebsten Vertrauen und sprechen Sie über Ihre Ängste, Wünsche und Sehnsüchte.

Ich wünsche Ihnen einen wunderbaren Hochzeitstag voller Klarheit, Freude und Glück!

Heike KlopschDie Autorin: Heike Klopsch betreibt seit mehreren Jahren erfolgreich die Coachingpraxis Herzkümmerei in Hamburg. Ihre Schwerpunktthemen sind Liebeskummer und Trennung. Hochzeiten und Bräute haben sie von klein auf fasziniert. Bis heute kann sie sehr lange und geduldig vor Kirchen stehen, um einen Blick auf die Braut zu erhaschen.

Weil sie das Thema so sehr fasziniert coacht sie auch Bräute mit Zweifeln. Mehr von der Autorin finden Sie auch hier.

www.herzkuemmerei.de    

Bild: stock.adobe.com / Stefan_Weis   

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