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„Der Weg zur Gospelmusik war Rettung und Zufall zugleich“

Gospelmusik und Bücher – das sind die zwei großen Leidenschaften von Doreen Zander aus Rostock (im Bild). Eher zufällig zum Genre der Gospelmusik gekommen, blieb sie dieser Musik treu und singt bis heute in einem Gospelchor ihrer Heimatstadt. Doch die Liebe zur Musik geht bei Doreen Zander weit über das gemeinschaftliche Singen hinaus.

Die Liebe zur Musik zeigte sich schon in der Kindheit

So hat sie selbst zwei Songs aufgenommen und singt auch auf privaten Festivitäten. Ihr großes Interesse an Büchern lässt sie viele Buchrezensionen veröffentlichen, ihren Instagram-Account nannte sie kurzerhand: „Die Melodie der Buchstaben“.

Im Interview plaudert die sympathische und vielseitige Rostockerin aus ihrem Leben:

FB: Frau Zander, wann haben Sie Ihre Liebe zur Musik entdeckt? 

Meine Mutter erzählt gerne, dass ich schon seit ich sprechen kann, singe. Musik hören war immer ein großes Thema. In der Platten- und CD-Sammlung meines Vaters kannte ich mich bereits sehr früh aus.

Mit 11 Jahren war ich ein großer Fan der Beatles und damit in meinem Umfeld Mitte der 90er Jahre ein Exot in meiner Altersgruppe.

Mit 13 Jahren entdeckte ich die klassische Musik für mich. Erst in diesem Alter begann ich, aktiv zu musizieren. Ich spielte ein Jahr lang Keyboard, bis mir das nicht mehr reichte und ich zum Klavier wechselte. Parallel dazu fing ich an, in einer Schülerband zu singen und wurde mit 14 Jahren Mitglied in einem Frauenchor.

Mit der Mutter gemeinsam im Chor

Da ich dort die einzige Minderjährige war, was die ganze Logistik etwas erschwerte, kam meine Mutter kurzerhand mit und sang mit mir 8 Jahre lang in diesem Chor.

FB: Wie ging es dann weiter? 

Mit Anfang 20 befand ich mich, sowohl musikalisch, als auch auf meinem beruflichen Weg in einer Sackgasse. Mein langjähriger Berufswunsch, Lehrerin für Deutsch und Musik, befand sich in Auflösung.

Das Germanistikstudium gefiel mir überhaupt nicht und im Musikstudium scheiterte ich an der Aufnahmeprüfung in Gehörbildung an der Musikhochschule. Außerdem stieß ich beim klassischen Gesang an die Grenzen meiner Ausdrucksmöglichkeiten und das Umfeld mit viel Konkurrenzdruck, Neid und Missgunst tat mir seelisch und körperlich nicht gut und verleidete mir das Singen.

FB: Und irgendwann trat Gospel in Ihr Leben. Wie war das? 

Der Weg zur Gospelmusik war da irgendwie meine Rettung und ein großer Zufall. Nachdem ich die alten Verbindungen gekappt hatte, suchte ich nach einem neuen Zugang zum Singen.

Zur Gospelmusik per Zufall

Mit Gospelmusik hatte ich bis dato nicht viel Kontakt. Ich kannte die Lieder, die vermutlich jeder bei der Erwähnung „Gospel“ im Ohr hat. „Amazing Grace“, „Oh happy day“ und solche Klassiker. Das ein oder andere Lied hatte ich bereits im Frauenchor gesungen und sie hatten mir nie besonders gut gefallen.

Zur Probe des Gospelchores ging ich nur, weil sie in meiner Nachbarschaft stattfand und ich quasi direkt aus der Haustür fallen musste, um dort mitzusingen. Hier wurde ich sehr herzlich aufgenommen, was mir den Zugang zur Musik sehr erleichterte. Nach einer Probe und dem folgenden Probenwochenende in einer Jugendherberge mit anschließenden Auftritt im Gottesdienst, waren meine Vorbehalte gegenüber der Gospelmusik verschwunden.

FB: Seit Sie Ihre Liebe zu Gospel entdeckt haben, haben Sie sich dieser Musik umfangreich gewidmet und tun es noch. Erzählen Sie doch hier einmal mehr darüber!

Zunächst begann ich, mir das weite Feld der Gospelmusik zu erschließen. Musikalisch ist sie einfach wahnsinnig vielschichtig. Im deutschen Sprachgebrauch versteht man unter Gospel im engeren Sinne die christlich afroamerikanische Musik, die sich Anfang des 20. Jahrhunderts aus dem Spirituals, also den Liedern der Sklaven Nordamerikas im 17. bis 19. Jahrhunderts und den Einflüssen von Blues und Jazz entwickelte.

In Deutschland ist die Gospelszene bunt

In Nordamerika wird der Originalbegriff „Gospel Music“ aber viel weiter gefasst, bis hin zur christlichen Popmusik. „Gospel“, dt. „Gute Nachricht“, definiert sich durch den christlichen Inhalt der Songs, was den Stilmix in der heutigen Gospellandschaft so unheimlich vielfältig macht. Durch die internationale Vernetzung schwappen die Einflüsse immer leichter über.

Das führt allein in Deutschland zu einem bunten Feld an Gospelmusikern und Chören. Die Szene ist sehr lebendig und größer, als ich mir vorher vorstellen konnte. Ich verbinde Gospelmusik vor allem mit dem Chorgesang. Dieser ist seit den Ursprüngen ein wesentlicher Bestandteil. Erst durch die Multiplikation der Stimmen entsteht der wahre „Spirit“. Eines meiner Lieblingsgospelsongs ist „For Every Mountain“ von Kurt Carr. Das Zusammenspiel von Solistin und Chor bereitet mir bei jedem Hören Gänsehaut.

FB: In Sachen Musik sind Sie auch neben Ihrem Beruf als Sachbearbeiterin sehr rührig…

Ich singe im Rahmen einer Nebentätigkeit gelegentlich auf Hochzeiten oder ähnlichen Festen. Da ich durch meine hauptberufliche Tätigkeit finanziell abgesichert bin, entscheide ich über die Annahme von Engagements nach Lust und Laune. Für mich steht der Spaß daran im Vordergrund.

Neben der Musik sind Bücher eine ganz große Leidenschaft

Ein Luxus, den ich mir als Amateurmusikerin gönne. Auch die Arbeit im Tonstudio für die Produktionen anderer Künstler macht mir Freude. Als Sängerin mag ich nicht nur Gospelmusik. Ich kann mich auch für viele andere Genres begeistern und habe da von Klassik über Jazz bis Rockmusik schon Einiges ausprobiert.

FB: Neben Musik sind Bücher Ihr großes Hobby. Sie lesen viel und schreiben öffentliche Rezensionen, Ihr Instagram-Account heißt dazu passend: „Die Melodie der Buchstaben“. Was für Literatur reizt Sie?     

Die Frage habe ich befürchtet, denn sie ist wirklich schwer zu beantworten. Ich werde von meinem SuB (Stapel ungelesener Bücher) fast erdrückt, weil ich mich für so viele verschiedene Genres und Geschichten begeistern kann. Ich habe festgestellt, dass mich oft Bücher, die ich mir nicht bewusst aussuche, positiv überraschen.

Deshalb liebe ich es, mir einfach Überraschungsbücherboxen zu bestellen, die es mittlerweile von vielen Anbietern gibt. Ich wünsche mir, durch die Lektüre der Bücher auch meinen Horizont erweitern zu können. Nur Thriller zu lesen, würde mich nach kurzer Zeit langweilen.

Kreative Buchtitel werden regelmäßig gekauft

Ich werde außerdem regelmäßig ein Kaufopfer von kreativen Buchtiteln. Eines meiner Lieblingsbücher ist z. B. „Sag den Wölfen, ich bin zuhause“ von Carol Rifka Brunt. Eine Coming-of-Age-Geschichte über zwei ungleiche Schwestern und deren Beziehung zum schwer an AIDS erkrankten Onkel.

FB: Stichwort: „Melodie“ – Sie haben einen eigenen Song aufgenommen. Wo kann man den hören und wie kam es zu diesem Projekt? 

Es sind sogar zwei. Die kleine EP mit dem Titel „Braving the Waves“ gibt es überall, wo es digitale Musik zum Streamen und Kaufen gibt. Die Produktion der beiden Songs war vor allem ein Geschenk an mich selbst. Ich habe viel Mut und Geld hineingesteckt. Der Titel „Someone“ entstand bereits vor vielen Jahren.

Darin verarbeite ich die schwere Zeit am Anfang meiner Zwanziger und den Weg zur Gospelmusik. Ich habe mich lange nicht getraut, sie jemandem vorzuspielen oder gar einen Produzenten aufzusuchen. Es ist schon ein sehr großer Unterschied, ob man als Sängerin die Songs anderer Künstler singt, oder seine eigenen Gedanken und Gefühle in Melodien fließen lässt.

Gemeinsam mit dem Wunschproduzenten entstanden zwei Songs

Nach einer „Open Mic“-Night während eines Workshops, bei der ich mich traute, den Song zu präsentieren, wurde ich von den anderen Teilnehmern ermutigt, den Schritt in die Öffentlichkeit zu wagen.

Und so habe ich mir dann irgendwann ein Herz gefasst und meinen Wunschproduzenten kontaktiert. Das wunderbare Ergebnis dieser Zusammenarbeit kann man in den beiden Songs hören.

FB: Wie oft sind Sie – wenn nicht gerade coronabedingt pausiert werden muss – in Sachen Musik unterwegs? Und wo? 

Nicht so viel, wie man jetzt vielleicht denke könnte. Mit dem Gospelchor der Jugendkirche Rostock habe ich vielleicht ca. 8 Auftritte im Jahr. Ich schätze hier die Konzerte in kleinen Dorfkirchen sehr, wo ich als Künstlerin den Zuhörern sehr nah kommen kann und der Funke dieser sehr lebendigen und emotionalen Musik leicht überspringt.

Ganzjährig in Sachen Musik unterwegs

Wir sind hier meist quer durch Mecklenburg unterwegs. Es gibt eine kleine aber feine Gospelszene in MV. Man kennt sich. Im Frühling, Sommer und Herbst gibt es immer wieder die ein oder andere Hochzeit zu besingen, als Solistin oder auch in kleiner Formation. Im Winter habe ich mir schon auf der einen oder anderen Weihnachtsmarktbühne die Füße abgefroren.

FB: Welche Highlights haben Sie im Zusammenhang mit Gospel schon erlebt? 

Zunächst sind da die Gospelkirchentage. Diese finden alle zwei Jahre über mehrere Tage in unterschiedlichen Städten statt. Hier kommen Gospelchöre und Gospelsänger/-innen aus allen Teilen Deutschlands und Europas zusammen.

Es gibt Konzerte und Workshops in Kirchen und auf öffentlichen Bühnen in der Stadt. Außerdem treten internationale Stars der Szene auf. Kirk Franklin aus den USA ist hier wohl der schillerndste Name und einer der bekanntesten Gospelkünstler der Gegenwart. Ich war bei den Gospelkirchentagen in Kassel, Braunschweig und Karlsruhe dabei. Der nächste findet im September 2022 in Hannover statt.

Mit anderen Gospelbegeisterten nach New York

Das größte Highlight aber war eine Gospelthemenreise nach New York City im Jahr 2015. Die Reisegruppe bestand aus 50 Gospelverrückten aus ganz Deutschland und dem schwedischen Gospelkomponisten und Chorleiter Joakim Arenius, der bereits in New York City gelebt und gearbeitet hatte. Seine Kontakte ermöglichten uns die Teilnahme an verschiedenen Proben New Yorker Gospelchöre und das Feiern von Gottesdiensten in verschiedenen Gemeinden.

Für den wahren Gospelfreund ist das wahrlich ein himmlisches Erlebnis. Organisiert wurde diese Reise von der Stiftung Creative Kirche in Witten.

FB: Gibt es schon musikalische Pläne für die kommenden Monate?

Zunächst einmal freue ich mich darauf, endlich wieder an Chorproben teilzunehmen. Mittlerweile vermisse ich die Gemeinschaft und das gemeinsame Singen. Es gibt bereits die Planung, ein paar, durch die Pandemie ausgefallene, Konzerte im Sommer nachzuholen. 

Aufführung des Chormusicals Martin Luther King ist geplant

Des Weiteren steht im März 2023 eine Aufführung des grandiosen Chormusicals Martin Luther King in der Stadthalle Rostock mit etwa 500 Sängerinnen und Sängern, Orchester und Bigband an. Dafür sollen noch in diesem Jahr die Proben beginnen.

FB: Das Singen und das Lesen sind Ihre Hauptfreizeitbeschäftigungen. Gibt es weitere Hobbys?

Seit meinem Umzug im letzten Jahr habe ich einen kleinen Garten mit Gewächshaus, in welchem ich ein bisschen Gemüse anbaue. Ich liebe Rosen und hoffe, dass alle im letzten Jahr gepflanzten Exemplare den Winter überleben. Ich fotografiere sehr gerne, am liebsten Tiere, und engagiere mich im Rostocker Zooverein.

Mehr zu Doreen Zander auf ihrer Homepage.

Bilder: Doreen Zander
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