„Junge Landfrauen ticken anders“ – Neue Plattform für Frauen aus ländlichen Regionen

Junge Frauen mit Schirm

Junge Landfrauen starten durch.

Langweiliges Leben auf dem Dorf? Von wegen! Längst zieht es wieder mehr junge Familien auf`s Land. Vor allem in ländlichen Gebieten, die stadtnah sind, wird eifrig gebaut, siedeln sich junge Leute an. Sowohl hinzugezogene Frauen, als auch die weibliche Generation derer, die schon immer auf dem Dorf zuhause ist, haben häufig ein Interesse daran, vor der Haustür etwas zu bewegen und ländliches Leben (mit) zu gestalten. Ebenso wie die „alteingesessenen“ Frauen, die oftmals schon im Landfrauenverband aktiv sind. Dass sich die jüngere und die ältere Frauengeneration in ländlichen Regionen wunderbar ergänzen kann, darüber haben wir mit Janine Klinge (rechts im Bild, mit Katharina Schneider) gesprochen. Die engagierte Frau ist die treibende Kraft hinter der noch jungen Initiative „Junge Landfrauen in Sachsen“ und verriet uns, wo die Prioritäten der jungen, weiblichen Generation auf dem Land liegen.

FB: Die Initiative „Junge Landfrauen Deutschland“ wurde 2017 ins Leben gerufen. Wer genau hat sie gegründet und was war die Intention?

Die Initiative wurde vom Deutschen Landfrauenverband ins Leben gerufen. Die Idee dahinter war die Landfrauenarbeit und auch Struktur zu hinterfragen und zu überlegen wie der Verband stark gemacht werden kann für die Zukunft. Denn auch in den mitgliederstarken Verbänden in den alten Bundesländern ist es nicht mehr selbstverständlich, dass man als Frau, die in der ländlichen Region wohnt, automatisch Mitglied im Landfrauenverband wird.

Auftakt der Jungen Landfrauen fand in Berlin statt

Zum Auftakt in Berlin haben sich ca. 40 Frauen aus ganz Deutschland getroffen. Auch ich war mit einer weiteren jungen Landfrau aus Sachsen dabei. Daraus hervorgegangene ist eine digitale Arbeitsgemeinschaft, die immer noch im engen Kontakt steht. Dabei ist vor allem der Austausch der einzelnen Frauen sehr wichtig, denn man kann immer voneinander lernen.

FB: Wie kam es, dass diese Initiative  nun auch in Sachsen startet?

Wir haben gedacht,  was auf Bundesebene funktioniert, muss sich doch auch sachsenweit realisieren lassen.

Man kann zwar die einzelnen Regionen in Deutschland und auch die Gegebenheiten nur sehr schlecht vergleichen. Was vielleicht in der einen Region gut funktioniert, funktioniert woanders gar nicht. So haben sich in manchen Regionen, die bereits viele Ortsvereine besitzen, auf Kreisebene junge Landfrauengruppen gegründet, die sich eigenen Themen widmen und auch andere Aktivtäten verfolgen. So wie die Ortsvereine.

In Sachsen sind die Distanzen zwischen den einzelnen Ortsvereinen oft sehr groß und oft gibt es nur wenig jüngere Landfrauen in einem Ortsverein. Dennoch ist der Wunsch groß, sich mit Gleichgesinnten zu vernetzen und auszutauschen. Und vielleicht auch gemeinsam Schwierigkeiten zu bewältigen. Mit der Initiative in Sachsen wollen wir dafür einfach eine erste Plattform schaffen.

FB: Haben Sie Zahlen, wie viele junge Landfrauen es bundesweit gibt? Und: wie schaut es in Sachsen aus?

Leider gibt es keine bundesweite Zahl der jungen Landfrauen, da die Statistik den einzelnen Landesverbänden unterliegt. In Sachsen kann ich sagen, dass nur knapp über 10 %, derjenigen, die im Verband organisiert sind, der Generation U-40 angehören. Junge Frauen im ländlichen Raum gibt es viele und wir möchten gern wissen, was sie bewegt und welche Voraussetzungen geschaffen werden müssen, dass sie sich auch in einem Verband, wie dem der Landfrauen, engagieren und wohlfühlen.

Junge Landfrauen treffen sich am 18. Mai 2019 in Kohren-Sahlis

FB: Was sind die Anliegen junger Landfrauen, was bewegt sie, wie oder für was wollen sie sich einbringen. Haben Sie hier schon Erfahrungswerte?

Ja das ist eine Frage, die wir gern selber einfach konkreter beantworten wollen, um auch gezielter Angebote für diese Altersgruppe anbieten zu können. Das ist ein Grund dafür, dass wir ein Treffen der Jungen Landfrauen in Kohren-Sahlis am 18. Mai 2019 ins Leben gerufen haben.

FB: Was machen die jungen Landfrauen anders als die älteren Landfrauen?

Sie ticken einfach ein wenig anderes und das darf auch gern so sein. Das fängt oft schon dabei an, wann Treffen und gemeinsame Aktivitäten angesetzt werden. Wer Familie und Beruf hat, kann sich meist nicht 14.00 Uhr zum kreativen Nachmittag treffen. Aber auch die Themen spielen eine wichtige Rolle. So ist es für die jungen Frauen, die oft mitten in der Familienphase stecken, wichtig, dass sie für ihre Kinder Schulen und Kindergarten in der Nähe haben. Das ist für die älteren Landfrauen eher nicht mehr so relevant. Aber es gibt auch Überschneidungen. Ich nenne da nur mal den öffentlichen Nahverkehr. Wenn dieser gut funktioniert und ausgebaut ist, profitieren junge Familien genauso wie ältere, die vielleicht nicht mehr mobil mit dem Auto unterwegs sind.

Miteinander von jungen und älteren Landfrauen

FB: Es wird aber weiterhin ein Miteinander zwischen der älteren und der jungen Landfrauen-Generation geben, oder?

Auf jeden Fall! Und das schätzen unsere jungen Landfrauen auch. Denn sie profitieren einfach auch von der Erfahrung der älteren Genration. Gerade im Hinblick auf handarbeitliche Fähigkeiten und im Bezug auf Brauchtum kann da ganz viel weitergeben werden. Das funktioniert am besten, wo die Ortsvereine eine gute Altersmischung aufweisen. Die Jüngeren kennen sich hingegen oft besser mit den Sozialen Medien und Smartphones aus und bieten da ihre Hilfe an. Die Landfrauen leben ja gerade von dieser Gemeinschaft und dem Miteinander.

FB: Medial ist oftmals von einer Landflucht die Rede, andererseits siedeln sich gerade in den ländlichen Regionen – nahe den Großstädten – viele junge Familien an. Meist pendeln sie zur Arbeit in die Städte und wohnen oftmals in neuen Einfamilienhaus-Siedlungen am Dorfrand. Haben die Frauen aus diesen Familien auch das Bedürfnis, sich für die ländliche Wahlheimat zu engagieren oder konzentrieren die sich eher auf ihren persönlichen Kosmos? Gibt es hier schon Erfahrungen Ihrerseits? Und: haben Sie Zahlen, wie viele Familien es in Sachsen in letzter Zeit auf`s Land zog?

Zahlen haben wir selber nicht. Aber unsere Erfahrung zeigt uns, dass es oft auch diese Frauen sind, die Anschluss über die Ortsvereine suchen. Was für die Männer vielleicht der Fußballverein ist, ist für die Frauen der Landfrauenverein vor Ort. Dort kann ich mich austauschen und an gemeinsamen Aktivitäten teilnehmen, aber auch etwas lernen und gemeinsam bewegen.

FB: Wie kann das Engagement junger Landfrauen in ländlichen Gebieten, die tatsächlich etwas abgehängt und mit Landflucht geplagt sind, ausschauen? Gibt es Beispiele?

Ja, da haben wir tatsächlich gute Beispiele. So hat der Ortsverein in Thiendorf die Trägerschaft eines Kindergartens übernommen, der kurz vor der Schließung stand und sich jetzt als Kneipp-Kindergarten vor Anmeldungen kaum noch retten kann. Oder in Glossen: da haben die Landfrauen einen Spielplatz in der Ortsmitte wieder zu neuen Leben erweckt. Die Landfrauen betreiben auch kleine Bibliotheken in den Orten oder engagieren sich in der Nachbarschafts-Hilfe.

Gemeinsam kann mehr erreicht werden

Ich denke, gemeinsam kann man immer mehr erreichen und das betrifft alle Generationen.

FB: Welche Aktivitäten oder Projekte stehen demnächst in Sachen „Junge Landfrauen“ an – können Sie schon etwas verraten?   

Ja natürlich. Eines der wichtigen Projekte ist wohl das Treffen der Jungen Landfrauen in Sachsen am 18. Mai 2019 in Kohren-Sahlis. Dazu sind alle Frauen U40 eingeladen, die sich mit dem ländlichen Raum verbunden fühlen und sich gern vernetzen wollen. Das ist vollkommen unabhängig, ob Sie Mitglied bei uns sind oder nicht. Ich bin schon ganz gespannt, was sich daraus ergeben wird. Ich habe erst jetzt wieder über unsere Arbeitsgruppe erfahren, dass sich in Friesland 80 junge Frauen zu einer neuen Jungen Landfrauentruppe zusammen getan haben.

Eine Woche später geht es dann nach Magdeburg, zum Treffen Junger Landfrauen der Region Ost. Dort hin nehme ich dann hoffentlich schon viele Anregungen aus dem Termin vom 18. Mai mit.

Mehr Informationen zu den jungen Landfrauen finden sich hier.

Bildnachweis: Reiner Freese

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Autor: Anja

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