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Einstiges Kinderzimmer zum Gästezimmer ausbauen

Vom „Hotel Mama“ zum individuellen Bed & Breakfast für Reisende – so könnte man wohl die Umnutzung einstiger Kinderzimmer bezeichnen! Die nun – nachdem der Nachwuchs aus dem Haus ist – von den Müttern einem neuen Zweck zugeführt werden.

Es gibt nämlich eine Menge Frauen, die hieraus kurzerhand schöne Gästezimmer gestalten und Fremden fern der Heimat ein ansprechendes Zuhause auf Zeit bieten.

Einige davon hat kürzlich die BILD der FRAU in ihrer Ausgabe vom 24. Mai 2019 porträtiert.

Kinder aus dem Haus – Reisende ins umgestaltete Kinderzimmer rein!

Einmal mehr zeigt sich in dieser Reportage, dass es Frauen spielend gelingt, in einer neuen Situation das Praktische mit dem Nützlichen zu verbinden. Sprich: den frei gewordenen Wohnraum für eine zusätzliche Geldquelle zu nutzen. So hat es zum Beispiel die 59jährige Petra aus Schleswig-Holstein gemacht. Als die vier Kinder aus dem Haus waren, funktionierte sie die einstigen Kinder- und Jugenddomizile kurzerhand zu Gästezimmern um und betreibt nun die Pension „Mom`s Bed & Breakfast“.

Als Mama von vier Kindern sind Leidenschaft und Herz natürlich auch dabei, wenn es darum geht, Gäste zu empfangen und zu bewirten. Bei Petra geht so mancher Fremde als Freund und darf sich während seines Aufenthaltes über regionale Leckereien aus „Mom`s“ Garten freuen. Die Gäste honorieren diese nordische Gastfreundschaft und sorgen dafür, dass in dem alten Bauernhaus auch nach dem Auszug der Kinder Leben in der Bude ist.

Das gilt auch für das Domizil der 71jährigen Margarethe aus Hamburg, die ihre stilvolle Altbauwohnung so umgeändert hat, dass drei Gästezimmer entstehen konnten. Mitten im quirligen Hamburg finden hier Fremde jedweder Couleur ein Zuhause auf Zeit und bereichern mit ihrer Art das Leben der rüstigen Powerfrau. Die lernt durch ihr Bed & Breakfast Fremdsprachen fast nebenbei und beherbergte schon Gäste aus über 30 Ländern! Vor allem Musiker lieben das bürgerliche Ambiente unter Stuck, das sie bei Margarethe erwartet. Viele Gäste, die in dieser Jugendstil-Atmosphäre auf Zeit logieren, wurden mit der Zeit zu einer Art Ersatzfamilie für Margarethe, die von ihren Gästen sogar auf Hochzeiten oder Geburtstage eingeladen wird.

Auszug des Nachwuchses kann Alltag neue Richtung geben

Diese schönen Beispiele – in der BILD der Frau wurden noch viele mehr vorgestellt – zeigen, dass der Lebensabschnitt von Frauen, der mit dem Auszug der Kinder einhergeht, dem Alltag eine ganz neue Richtung geben kann. Man weiß, dass nicht wenig Mütter damit hadern, wenn sich die Tochter oder der Sohn gen Studienort verabschiedet. Und die eben noch so quirlige Atmosphäre sich umwandelt in ein Ambiente aus Ruhe und Stille.

Wohl dem, der dann nicht auf die frei gewordenen Räumlichkeiten angewiesen ist und daraus ein Zuhause auf Zeit für Reisende schaffen kann. Zumal in Zeiten von booking.com, airbnb & Co., in denen der Großteil der Leute online bucht und das Generieren von Buchungen für Vermieter nahezu zum Kinderspiel geworden ist. Private Domizile dieser Art, wie die erwähnten Frauen sie  geschaffen haben, erfreuen sich außerdem großer Beliebtheit. Denn auch wenn heutzutage Flüge, Unterkünfte und Mietwagen häufig digital und anonym im Internet gebucht werden, so stehen doch individuelle Unterkünfte mit persönlicher Note ganz oben auf der Wunschliste von (Geschäfts)Reisenden.

Private Tipps, die eine oder andere persönliche Umsorgung mehr und ein Gästebett in einem harmonisch-familiären Umfeld, fernab anonymer Hotelketten: Das ist es, was ganz viele Reisende wollen und was wohl auch zukünftig stets gefragt sein wird. Mögen Algorithmen & Co. das Leben immer mehr bestimmen – es geht nichts über eine warmherzig-persönliche Note im Zuhause auf Zeit in der Fremde! Urlauber, Geschäftsreisende und Städte-Hopper wissen und lieben das.

Und deshalb wird es auch in nächster Zeit für viele Mütter, die ein großzügiges Heim ihr Eigen nennen, heißen: „Nachwuchs raus, Reisende rein!“

Bildnachweis: pexels.com

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90 Jahre alt und noch immer in der Mode- und Modelszene aktiv: Daphne Selfe denkt noch lange nicht ans aufhören! Im Gegenteil: Die stilvolle Britin ist nach wie vor ein gefragtes Supermodel und hat auch ihr eigenes Business am Laufen. Auf ihrer Homepage bietet sie Onlinekurse für potentielle Models an und veröffentlicht zudem regelmäßig News aus der Welt der Laufstege.

Dass sie lange schon in dieser Szene arbeitet, merkt man auch in Sachen der Ratschläge, die sie Frauen von heute gibt. Zum einen fordert sie – so schreibt es der SPIEGEL in seiner Ausgabe vom 18. Mai 2019 – dass sich ein jeder um Stil und Schönheit kümmern möge. Und zum anderen bemängelt sie, dass weibliche Zeitgenossinnen von heute nicht mehr in den Spiegel schauen. Ihr Rat laut SPIEGEL: „Man müsse eben wissen, was einem steht.“

Nachlässige Kleidung im Theater für betagtes Supermodel „respektlos“

Nun – ganz so nachlässig, dass der Blick in den heimischen Spiegel unterbleibt, dürfte wohl das Gros der Frauen von heute nicht handeln, aber Daphne Selfe wird aufgrund ihrer Erfahrungen wissen, wovon sie spricht. Und nicht selten gibt ihr ja ein Blick in die Fußgängerzonen unserer Städte recht. Oder auch nur der Gang ins Theater! Den allzu viele Leute heutzutage tatsächlich nicht mehr in stilvoller Kleidung absolvieren.

Das betagte Model sagte hierzu folgendes, Zitat SPIEGEL:

„Wenn ich ins Theater gehe, mache ich mich schick“.

All jene, die auf dieses schick machen verzichten, findet Selfe den Schauspielern gegenüber respektlos. Ja, da ist was dran! Das gilt auch für die Sache mit dem Altern. Hier scheint das 90jährige Model mit sich im reinen zu sein und das Ganze mit Humor zu nehmen.

Betagtes Supermodel trägt Älter werden mit Fassung

Sie sagt:

„Die Sache ist, du schrumpfst, die Taille befindet sich heute am falschen Platz“.

Nun – wohl dem, der das Älterwerden mit Fassung trägt! Was bei Daphne Selfe definitiv der Fall ist!

Recherchenachweis / Zitate: SPIEGEL, Ausgabe 18.5.19,

Bildnachweis: picture alliance / empics

Charismatisch, unaufgeregt und skandalfrei – so kennt man Mario Adorf. Der Schauspieler, der in diesem Jahr 89 Jahre alt wird, gehört zur „alten Garde“ derer, die im Filmbusiness noch mit echter Ausstrahlung aufwarten und ihr Können zu 100 Prozent beherrschen.

Insofern ist Mario Adorf mit seinem künstlerischen Schaffen irgendwie immer präsent. Im Fernsehen und auch am Theater. Privat indes äußert er sich eher selten, weshalb ein Interview, das er dem SPIEGEL – Ausgabe 18 / 2019 – gab, aufhorchen lässt. Denn im Gespräch mit dem Nachrichtenmagazin äußerte sich der beliebte Darsteller sehr offen zum Thema Liebe.

Mario Adorf hat seine eigene Meinung zur Verliebtheit

Und plauderte zudem auch ganz pragmatisch in Sachen seines hohen Alters. Frank und frei gibt er zu, für seine Einkäufe einen Wagen mit einer Tasche zu benutzen. In dem Gespräch wird Adorf, der seit 33 Jahren in zweiter Ehe mit der Französin Monique verheiratet ist, auch auf das Zwischenmenschliche angesprochen. Und gibt erstaunliche Antworten. Danach gefragt, ob man in seinem Alter noch verliebt sein kann, erwidert Adorf, dass er glaubt, dass Verliebtsein eine sehr jugendliche Angelegenheit ist, die sich verliert.

Sein Gegenüber fragt nach, wann das denn ungefähr eintritt, dieses „verlieren“ und fragt, ob das vielleicht so um die 50 herum geschieht?

Darauf erwidert Mario Adorf:

„Viel früher. Verliebtheit gibt es nur in der Jugend. Ein paar Rückfälle, ja, sicher“

Und dann äußert er sich über die Dinge, die die Liebe im Alter ausmachen, verweist auf das Zusammengehörigkeitsgefühl. Vertrauen, Verlässlichkeit und Zuneigung sind die Attribute, die der Schauspieler aufzählt. Zudem überrascht er mit einem Statement zur Zärtlichkeit. Er sagt:

„Und Zärtlichkeit. Die muss nicht abnehmen, vielleicht sogar zunehmen.“

Bezogen auf seine eigene Beziehung macht Adorf keinen Hehl aus seiner Einstellung und gibt seltene, intime Details im Zusammenhang mit seiner Partnerin preis. Er gesteht, dass die Verliebtheit zu seiner Frau Monique nach ein paar Jahren nicht mehr da war, verweist aber auf das Gefühl und den Glauben, dass man zusammengehört und den richtigen Partner für sich gefunden hat.

Trotz gewisser Verführungen – die Verantwortung zählt!

Starke Worte, die zudem sämtliche Hysterie um den noch immer weit verbreiteten Irrglauben, dass eine Verliebtheit bitte schön ganz lange – wenn nicht gar für immer – anhalten soll Lügen strafen! Ebenso lässt in einem Zeitalter, in dem medial und gesellschaftlich allethalben Affären und Seitensprünge als eine Art Lifestyle in den Himmel gehoben werden, Adorfs Aussage zu Affären aufhorchen.

Dass so ein Mann in seinem Leben gewissen Verführungen ausgesetzt war und ist, glaubt man sofort. In dem besagten Interview redet er darüber, als er darauf angesprochen wird, ob eine Affäre eher glücklich oder traurig macht.

Hierzu sagt er:

„(…)Nein, da hat man schon eine gewisse Verantwortung. Auch vor sich selber.“

Jungen Paaren von heute bescheinigt der Charakterkopf, dass sie sich oft sehr schnell scheiden lassen. Adorfs Einstellung hierzu:

„Nach dem ersten Seitensprung fängt eine Beziehung erst an(…)“

Starke Worte, starke Einstellung! Das trifft ebenso auf Adorfs Beziehung zu seinem Alter zu. Er spricht an, dass mit fortschreitender Lebenszeit das Glück weniger wird. Oder zumindest das, was man als Glück bezeichnet.

Starke Worte von Charakterkopf Adorf

Mario Adorf sagt:

„Man ist dann mit „Glückchen“, also mit kleinen Glücksmomenten zufrieden.“

Natürlich wird er darauf angesprochen, welche Momente das sind – die kleinen „Glückchen“.

Darauf antwortet die Leinwandgröße ganz schlagfertig:

„Irgendjemand hat gesagt: guter Schlaf und gute Verdauung“

Bildnachweis: picture alliance / NurPhoto

Recherche: SPIEGEL, Heft 18 / 2019

 

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Seniorin im Park

Meist sind es Frauen, die im Alter alleine sind. Stirbt der einstige Partner, schlägt die Einsamkeit bei älteren Damen oftmals sehr brutal zu. Wer kennt sie nicht – die Bilder aus Städten, in denen Seniorinnen am Fenster sitzen, die Arme auf ein weiches Kissen gelegt? Klar, dieses Bild ist ein Stück weit auch ein Klischee, das sich aufdrängt, wenn man etwas über die Einsamkeit von verwitweten oder jetzt allein lebenden Frauen hört.

Bedingt durch die höhere Lebenserwartung weiblicher Zeitgenossinnen und die hohe Anzahl älterer Menschen, ist Einsamkeit im Alter jedoch tatsächlich ein hochaktuelles Thema. Gesellschaftlich, medial und für viele, deren ältere Angehörige weit weg wohnen, auch persönlich.

Obgleich namhafte Verbände wie die Volkssolidarität, das Rote Kreuz und ähnliche Initiativen eine Menge Angebote für Seniorinnen und Senioren bereithalten, gibt es immer noch genügend alte Menschen, die von diesen Offerten nichts wissen oder solche Angebote nicht in der Nähe haben. Stirbt dann noch die gleichaltrige Freundin, die gut bekannte Nachbarin oder wohnen die Kinder weit weg, schnappt die Einsamkeitsfalle schnell zu.

Senioren-Einsamkeit kann Krankheiten fördern

Dabei geht es hier nicht nur um ausbleibende Karten oder Anrufe zu Feier- und Geburtstagen, nein: wer im Alter einsam und isoliert lebt, ist einem höheren Risiko für Erkrankungen ausgesetzt. Selbst Demenz soll hierdurch begünstigt werden. Das hat voriges Jahr die Politik auf den Plan gerufen und sehr lange schon engagiert sich auch die Schauspielerin Mariella Ahrens gegen Senioreneinsamkeit. 

Solche privaten Initiativen, wie die von Mariella Ahrens, sind wahrscheinlich die, die am ehesten etwas bewirken, da man von den politischen Ansätzen bislang wenig gehört hat.

Umso mehr verdient ein aktuelles Projekt, das sich gegen die Einsamkeit im Alter richtet, Aufmerksamkeit.

Initiiert vom Seniorenbüro Laatzen wird es erstmals am Donnerstag, den 23. Mai 2019, ein kostenloses „Kontakt-Speed-Dating“ für Menschen ab 65 Jahren geben. Bei der Veranstaltung im Stadthaus können andere Senioren kennengelernt werden (Infos am Ende des Artikels). Die Initiatorinnen zielen ganz konkret auf ältere Herrschaften ab, deren Partner oder Freunde schon verstorben sind. Zur Zielgruppe der Teilnehmer gehören aber auch Damen und Herren im gehobenen Alter, die vielleicht aufgrund eines Umzugs neu in der Region sind.

Dass für ein ungezwungenes Kennenlernen die Speed-Dating-Variante zum Einsatz kommt, ist sehr genial, denn: in den meisten Alltagssituationen haben Senioren, deren Partner oder Freunde schon verstorben und die einsam sind, nicht mal im Ansatz solche Möglichkeiten, Gleichgesinnte kennenzulernen. Viele Leute stellen ja schon ab Ende Dreißig fest, wie schwierig es ist – zum Beispiel nach dem Umzug in eine andere Stadt – neue Leute kennenzulernen.

Speed-Dating für Freundschaften auch für zurückhaltende Naturen geeignet

Den Senioren, die an dem Speed-Dating teilnehmen, dürfte es zudem gefallen, dass dieses Konzept so aufgebaut ist, dass man mit seinem Gegenüber nur ein paar Worte wechselt und dann danach schon wieder einem anderen Gesprächspartner gegenübersitzt. Ein Vorteil auch für eher zurückhaltende, ältere Herrschaften!

Wer also eine Oma oder einen Opa oder andere Verwandte, sowie vielleicht auch Nachbarn hat, die oder der seine Zeit zumeist alleine verbringen muss, der sollte die Senioren auf diese Möglichkeit aufmerksam machen. Und da die erwähnte Offerte aktuell nur für Laatzen gilt, macht es sich zudem ganz gut, einfach mal zu recherchieren, in welchen Regionen es welche Angebote für ältere und einsame Verwandte oder Nachbarn gibt.

Das lohnt sich, denn: knüpfen die einsamen Alten neue Kontakte, leben Sie zumeist auf ganzer Linie auf. Seelisch, körperlich und gesundheitlich. Für den Spaziergang im Park oder die Tasse Kaffee auf dem Freisitz wieder nette Gesellschaft zu haben, verschafft bis dato einsamen Seniorinnen und Senioren eine Lebensqualität, die mit Geld nicht zu bezahlen ist!

Infos Speed-Dating Laatzen

Premiere am Donnerstag, 23. Mai 2019, 15.00 Uhr bis 17.00 Uhr, Stadthaus.

Wer mitmachen möchte, sollte sich bis spätestens 10. Mai im Seniorenbüro anmelden.

Ansprechpartnerin: Ludmilla Stadler

Telefon: (0511) 82055402

Email: seniorenbuero@laatzen.de.

Bildnachweis (Symbolbild): pexels.com

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Pflege zwei paar Hände

Die Arbeit liebevoll ausführen, empathisch und vielleicht ja auch mit nicht allzuviel Druck. So hatte sich eine Altenpflegerin, die diesen Beruf noch ganz neu und mit Herzblut ausübt, die Arbeit vorgestellt.

Wer sich ein wenig zu dem Thema beliest oder – was wahrscheinlicher ist – familiär selbst schon mit den Gepflogenheiten in einem Altenpflegeheim konfrontiert wurde, weiß, dass sich diese Attribute im Geschäft der Altenpflege zumeist nur auf den Werbeutensilien vieler Pflegeeinrichtungen finden.

Der Alltag indes ist durchgetaktet – vom Waschen über das Zähneputzen bis hin zum Kämmen gilt ein unerbittliches Zeitdiktat, hinter dem ein knallhartes Abrechnungssystem der Krankenkassen bzw. der Pflegekassen steht.

Altenpflege-Job kann mürbe machen – Posting einer Altenpflegerin spricht für sich

Wie sich aber eine Altenpflegerin fühlt, die (noch) nicht ganz diesem System angepasst ist, zeigt ein aktuelles Posting aus dem Forum der Online-Ausgabe der BRIGITTE. Die bekannte Frauenzeitschrift unterhält im Netz eine der größten Communities für Frauen. Vom Liebeskummer über Rezepte und Bewerbungstipps bis hin zum Frust im Job kann man (FRAU) hier posten und sich guter Ratschläge gewiss sein.

Dieser Tage klagte dort die eingangs erwähnte Frau, die als Altenpflegerin arbeitet, ihr Leid. Nicht zuletzt, weil sie schon mit dem Schlimmsten – der Kündigung –  rechnet. Warum? Lesen Sie selbst (relevante Stellen, die Rückschlüsse zulassen, haben wir unkenntlich gemacht oder weg gelassen):

„Hallo liebe Community,

ich habe am XXXX meinem ersten Job als Altenpflegehelferin angefangen. Für mich ist es ein Job, den ich unbedingt machen wollte und wo ich echt geglaubt habe dort meine Erfüllung zu finden. In meiner Ausbildung zur Pflegehelferin bekam ich die Rückmeldung das ich mich für diesen Beruf eigne, nur ein bisschen schneller werden müsste. Doch ich sagte mir das ein höheres Arbeitstempo schon mit der Routine kommen würde.

Leider hatte ich von Anfang an den Eindruck das eine Kollegin ein Problem mit meiner sensiblen und ruhigen Art hatte. Sie ist das genaue Gegenteil von mir und so kritisierte sie mich oft auf sehr abwertende Weise. Es hieß dann ich wäre zu verzagt und müsse die Bewohner bei der Pflege mal ein bisschen „antreiben“.
Ich vergaß in den ersten Wochen auch schon mal etwas z.B. in Bezug auf die Dokumentation oder welches Formular wofür verwendet wird.

Vor einer Woche hatte ich ein unerfreuliches Gespräch mit der Pflegedienstleiterin. Sie wollte von mir wissen, was ich an meiner Arbeitsweise positiv sehe und was ich aus meiner Sicht verbessern könnte. Nachdem ich diese Angaben gemacht hatte, erfolgte ihre „Mängelliste“. Sie sagte, ich wäre zu ruhig und könnte mich deshalb nicht genügend gegenüber den Bewohnern durchsetzen. Auch würde ich mit diesem Persönlichkeitsmerkmal im Team dauerhaft untergehen. Desweiteren warf sie mir vor, zu viel zu vergessen.
Ich rechtfertigte mich das ich mir viele Notizen gemacht habe, aber erst noch mehr Routine bekommen müsste. Zu dem Zeitpunkt war ich schließlich erst 6 Wochen in dem neuen Job.

Die Pflegedienstleiterin gab mir aber eindeutig zu verstehen das man das nicht mehr lange dulden würde. Bisher habe ich ihren Worten nach noch Welpenschutz gehabt. Doch wenn sich meine Leistungen bis zum 27. März nicht wesentlich verbessern, müssten wir leider ein sehr ernsthaftes Gespräch führen!
Was eindeutig heißt das es dann auf eine Kündigung hinausläuft.

Ich war echt verzweifelt, zwang mich aber, nicht in eine Schockstarre zu verfallen. Ich fasste den Vorsatz noch mal mein Bestes zu geben und sie davon zu überzeugen das ich eine fähige Mitarbeiterin bin.
Ich setzte mich sehr unter Druck, weil die Leiterin sehr häufig dort auftauchte wo ich gerade war. Das verunsicherte mich und ich machte ein paar Fehler bei der Dokumentation die ich aber zum Glück noch rechtzeitig bemerkte und ausbessern konnte.

Doch die Leiterin, die vorher noch halbwegs freundlich war, zeigte plötzlich ein ganz anderes Verhalten. Sie grüßte nur noch kurzangebunden und teilte mir nicht mehr wie vorher bei Dienstbeginn mit wer verstorben war.(…)Ich habe wirklich alles gemacht, um doch in dem Heim bleiben zu können und nicht gekündigt zu werden. Viele der Bewohner habe ich ins Herz geschlossen und sie akzeptieren mich auch. Ich habe sogar bei einer sehr lieben alten Dame Sterbebegleitung gemacht, obwohl ich mir das vorher niemals hätte vorstellen können. Ich bin auch länger geblieben, um mehr Zeit für sie zu haben. Als sie so röchelnd atmete, habe ich sie immer wieder beruhigt und ihren Arm und ihre Hand gestreichelt. Nie werde ich vergessen wie sie mich ein letztes Mal anlächelte. Sie ist gestern Abend verstorben und ich las es auf der Tafel im Büro. Niemand hatte mir etwas gesagt. Vor dem Mittagessen war eine Gedenkminute und ich weinte, als ich ihren leeren Platz mit einer Kerze und einem Foto von ihr sah. Kurze Zeit später musste ich eine Mitarbeiterin, rechte Hand von der Pflegedienstleiterin, nach einer Liste fragen. Obwohl sie bei der Gedenkminute auch anwesend war, schnauzte sie mich gleich an wofür ich die Liste brauche. Ob ich etwa wieder etwas vergessen habe. Die Leiterin hatte heute plötzlich ein Problem damit das ich meine Straßenschuhe in eine Ecke an der Garderobe abstelle, wie ich es schon seit Beginn an mache. Ich muss sie ab morgen in einem Raum im Keller hinstellen.

Ja, zu guter Letzt muss ich wohl noch schreiben das ich gestern wirklich etwas wichtiges vergessen habe. Ich weiß es ist keine Entschuldigung, aber ich fühlte mich schon den ganzen Morgen komisch. Nachmittags habe ich noch Sterbebegleitung gemacht und war anschließend bei einer anderen Bewohnerin die alles mögliche benötigte. Darüber habe ich diese Sache, die ich erledigen sollte total vergessen! Als ich es feststellte, war ich geschockt. Nur war es zu spät und es kam eine Kollegin und meinte verärgert das sie das jetzt erledigt hätte.

Ich habe ein sehr ungutes Gefühl wenn ich an das Gespräch mit der Pflegedienstleiterin denke.
Das sie sich mir gegenüber plötzlich so kurzangebunden verhält kann nur bedeuten das man mir kündigen wird, oder?
Meint ihr wenn ihr diesen Beitrag lest das ich für den Job nicht geeignet bin?

Liebe Grüße(..)“

Der erste Gedanke, der einem bei diesem Posting kommt, ist „Die Frau ist doch viel zu menschlich für diesen Job, er wird sie zermürben!“ Denn: so viele (ehemalige) Pflegekräfte, die einst mit Engagement, Herzblut und dem Ziel, in der Altenpflege manche Dinge zum Positiven  zu verändern, in diesen Beruf gegangen sind, sind längst auf dem Boden der Realität angekommen. Und lange schon zermürbt. Manch andere werfen hin oder flüchten sich in Hartherzigkeit.

Zu menschlich für das aktuelle Altenpflege-System?

Und so sind die Kommentare und Ratschläge anderer Userinnen denn auch recht eindeutig, wie die nachfolgenden Zitate belegen (Rechtschreibung im Original übernommen). Eine Leserin schreibt:

„Ich denke, daß du geeignet bist, aber nicht für das System. Du bist einfach zu menschlich.“

Eine andere gibt folgendes Feedback:

„(..)ich habe den Eindruck, dass du deinen Job gut machst (..)
Leider sind die meisten Pflegeeinrichtungen nicht mehr auf Menschlichkeit ausgelegt(..)“

Wieder andere Frauen sprechen der Betroffenen ihre Wertschätzung aus. So zum Beispiel diese Userin:

„(…)ich bin ehrlich froh, dass es menschen wie dich gibt. ich könnte das nie leisten.
such dir einen anderen arbeitgeber, der beruf ist gefragt und dringend gesucht.
du musst dich nicht so behandeln lassen, durch den druck entstehen sicherlich auch fehler.
aus meiner sicht würdest du auch sehr gut in die palliativmedizin passen.
lass dich nicht beirren, du passt gut in die pflege, such dir was anderes.“

Der Ratschlag zum Schluss mag stimmen, doch was wäre, wenn irgendwann alle Altenpflegerinnen und Altenpflerginnen „in den Sack hauen“? Sollte nicht zuallererst das Altenpflegesystem geändert werden? Und zwar hin zu einer menschlicheren und zuwendungsintensiven Pflege? Ohne oder mit nur wenig Zeitdruck?

Einer der bekanntesten Kritiker des deutschen Altenpflegesystems ist Claus Fussek. Er spricht öffentlich davon, dass in Pflegeheimen oft auch Mobbing herrscht und die Arbeitsatmosphäre vergiftet ist. Genau, wie es die Frau im BRIGITTE.de-Forum schildert.

„Pflegepabst“ Fussekt weist seit Jahren auf Zustände in Altenpflege hin

Der Pflegepabst, wie Fussek auch genannt wird, weist seit Jahrzehnten unermüdlich auf die Missstände hin, prangert an, hat Verbesserungsvorschläge.

Parallel dazu aber hat man den Eindruck, dass sich die Situation für die Pflegebedürftigen eher verschlimmert, als verbessert. Die fast täglichen Medienmeldungen über Pflegemissstände bestätigen das.

Und solange diese Missstände, die tatsächlich zunächst im System zu suchen sind, nicht beseitigt werden, solange wird es auch Situationen geben, wie sie die zitierte Altenpflegerin geschildert hat.

Traurig. Und den alten Menschen mehr als unwürdig!

Das vor allem.

Bildnachweis (Symbolbild): pixabay.com

 

 

 

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Nicht umsonst heißt es: „Die Polizei – Dein Freund und Helfer“. Wie hilfsbereit die Beamten sein können, stellten sie dieser Tage – am vergangenen Montag – in Kiel unter Beweis. Dort meldete sich nach Medienberichten eine 99jährige Dame, die mit ihrem Rollater auf der Wache erschien. Ihr Anliegen war für eine Polizeistation durchaus ungewöhnlich, denn: sie bat die Beamten um die Reparatur ihres Trimmrads.

Laut eigenen Aussagen hätte die betagte Dame sonst nicht gewusst, an wen sie sich hätte wenden können und hat deshalb die Beamten ausgewählt.

Diese erwiesen sich hilfsbereit und begleiteten die Seniorin nach Hause. Dort zeigte sich, dass bei ihrem Trimmrad lediglich die Trainings-Intensität zu hoch war, was die Beamten umgehend behoben.

Die rüstige Seniorin kann nun ihrer Körperertüchtigung wieder nachgehen, den „Freund- und Helfer“-Beamten sei Dank! Möge es doch mehr solcher schönen Meldungen, die das Herz berühren, geben! Ein herzliches „Sport frei“ geht deshalb nach Kiel.

Bildnachweis (Symbolfoto): pixabay.com

 

 

Pflegebedürftigkeit in Deutschland – ein Dauerbrenner-Thema, das immer wieder für Schlagzeilen und Aufreger sorgt. Der größte Kritikpunkt am hiesigen Pflegesystem ist vor allem die wenige Zeit, die Pfleger für pflegebedürftige Menschen haben. Waschen, Anziehen, Kämmen – alles läuft nach Stoppuhr. Läuft diese ab, ist auch der Aufenthalt der Pflegekraft beim Pflegebedürftigen zumeist beendet. Ein kleiner Plausch, emotionale Zuwendung, vielleicht noch eine Tasse Tee mit dem pflegebedürftigen Menschen trinken? Fehlanzeige.

Das deutsche Pflegesystem ist auf absurder „Minuten-Reiterei“ aufgebaut, die weder den Pflegekräften noch den zu pflegenden Frauen und Männern gut tut.

Pflege in Niederlanden gestaltet sich komplett anders

Ganz anders geht es dagegen in den Niederlanden zu. Denn dort bestimmen Pflegekräfte selbst, wieviel Zeit sie bei einem Pflegebedürftigen verbringen. Hierzu veröffentlichte das Nachrichtenmagazin DER SPIEGEL in seiner Ausgabe 52/18 einen umfangreichen Artikel.

Er handelte von einem Pilotprojekt im Münsterland, in dessen Rahmen das niederländische Modell aktuell getestet wird. Porträtiert wird gleich am Anfang des Artikels eine 32jährige Pflegekraft, die sich für den ihr anvertrauten Menschen – eine ältere Dame – Zeit nehmen kann. Zitat:

„Sie weckt die alte Frau, die sie pflegt, behutsam; sie hebt deren Bein an, stülpt den Strumpf über die Ferse und zieht ihn hoch bis zum Knie(…)“ Und sie geht danach nicht einfach, sondern sie bleibt. Wie fast jeden Morgen, denn die Patientin bittet die Pflegerin, noch etwas zu bleiben, weil sie großen Kummer hat(…)“.

Dieses Beispiel dürfte wohl exemplarisch für unzählige pflegebedürftige Menschen in Deutschland stehen. Wie oft sind sie einsam, nicht selten schon verwitwet und haben manchmal gar keine Bezugspersonen im Alltag mehr? Da ist der Wunsch oft groß, mit der Pflegekraft, die täglich kommt, einen Schwatz zu halten.

Was aber eben kaum machbar ist, wenn die Stoppuhr unerbittlich tickt.

Nicht die Rendite zählt – man arbeitet kostendeckend

Und genau das ist beim niederländischen Pflegedienst Buurtzorg nicht der Fall. Gegründet von einem Pfleger, der die Akkordarbeit am Menschen nicht mehr ertragen konnte, ist dieser Pflegedienst laut SPIEGEL in den Niederlanden schon viermal zum besten Arbeitgeber des Jahres gewählt worden. Der besagte Gründer, Jos de Blok, schielte bei seiner Unternehmenseröffnung nicht auf die Rendite, sondern gestaltete die Struktur so, dass kostendeckend gearbeitet wird.

Im SPIEGEL heißt es dazu weiter:

„De Blok schuf auch einen neuen Beruf: den des Pflegesozialarbeiters, der sich nicht nur um die körperlichen Gebrechen kümmert, sondern auch ein soziales Netz um den Patienten aufbaut“

Dieses Konzept imponierte Gunnar Sander, der laut dem Nachrichtenmagazin in Deutschland an verschiedenen Standorten sowohl Pflegedienste, Pflegeheime und Alten-WG`s betreibt. Er holte also den niederländischen Pflegedienst Buurtzorg für ein Pilotprojekt ins Münsterland. Drei Jahre lang hat er nun die Möglichkeit dieses empathische Pflegekonzept zu testen. Die beteiligten Kranken- und Pflegekassen haben sich probehalber auf das Projekt eingelassen – nun muss man die Testphase abwarten.

Nur – warum funktioniert das besagte Konzept eigentlich in den Niederlanden so gut? Dazu der SPIEGEL:

„In den Niederlanden funktioniert das, weil die Pflegekräfte anders als in Deutschland für das Kümmern und Beraten bezahlt werden. Die Kosten werden dort nicht durch strenge Zeitvorgaben gedrückt, sondern dadurch, dass die Pflegekräfte Arbeit abgeben – an Nachbarn, Freunde und Familie, die pflegerische Aufgaben ehrenamtlich übernehmen“

Bleibt die Frage, ob in Deutschland funktionieren könnte, was in den Niederlanden schon zum Alltag gehört? Dem SPIEGEL ist zu entnehmen, dass das lange noch nicht ausgemacht ist.

Könnte die Pflege auf diese Art in Großstädten funktionieren?

Zumal vor dem Hintergrund, dass man bislang nicht weiß, ob ein solches Konzept auch in Großstädten funktionieren könnte. Das Pilotprojekt ist im April 2018 gestartet und hat sich noch mit vielen offenen Fragen zu befassen.

Doch mit diesem Versuch ist definitiv ein Anfang gemacht. Möge das liebevolle Konzept so bald wie möglich auch hierzulande Schule machen! Pflegebedürftige und Angehörige würden es wohl gleichermaßen danken!

Bildnachweis (Symbolbild): picture alliance/imageBroker

Kolumnistin Barbara Edelmann schreibt über das Altern. „Da steht Jonas gerade an meinem Bett im Krankenhaus mit einem riesigen Strauß Blumen, als sich die Tür öffnet, und Ralph hereinkommt. Die beiden Männer haben sich tatsächlich in meinem Zimmer in die Haare gekriegt, weil keiner vom anderen wusste und hätten beinahe eine Rauferei angefangen.“ „Den Werner kenne ich aus der Zeitung, der hat ein Inserat aufgegeben. Er ruft mich die ganze Zeit an und will zum Essen kommen, oder dass wir mal ins Kino gehen, aber der ist mir zu jung.“

Diese beiden Sätze aus 2018 stammen von meiner lieben Nachbarin namens Ilse, die ich seit mehr als 25 Jahren kenne. Ilse ist Ende 70.

Als ich sie kennenlernte, war sie gerade 50 geworden: eine robust gebaute Dame mit nussbraun gefärbter Beton-Dauerwelle, umfangreicher Kittelschürzen-Sammlung, hausfraulichen Qualitäten, wie man sie heute selten findet… und dem brennenden Wunsch nach einem Kerl, mit dem sie den Rest ihres Lebens verbringen konnte, denn Ilse war schon im Alter von 48 Jahren Witwe geworden und wollte nicht allein bleiben.

Seit über einem Vierteljahrhundert lausche ich ungläubig-amüsiert ihren teilweise haarsträubenden Geschichten, denn sie scheute niemals irgendwelche Mühen, um einen Mann aufzutreiben. Die Liste der Fahrzeuge mit fremden Kennzeichen, die vor ihrem Grundstück parkten, ist lang. Unbefangen berichtete sie über ihre Erlebnisse mit den jeweiligen Herrschaften, von denen nur einige wenige vor ihren strengen Augen Bestand hatten. Die meisten verschwanden schnell wieder in der Versenkung.

Ilse war rührig. Sie schrieb auf Kontaktanzeigen in der Zeitung, ging mit gleichaltrigen Freundinnen zu speziellen Tanzveranstaltungen, sprach wildfremde Männer im Supermarkt oder an der Tankstelle an und verbuchte mit dieser Methode teilweise mehr Erfolge als eine attraktive emanzipierte Frau um die 30, obwohl sie in einem anderen Zeitalter großgeworden war, in dem der Mann alles galt und sie als Frau nichts zu sagen hatte.

Im zarten Alter von 76 fand Ilse nun endlich jemanden, der ihren Ansprüchen genügt. Sein Name ist Jonas. Er besitzt genau wie sie ein eigenes Haus, ist fleißig, sparsam und redet nicht viel. Aber er käme ohnehin nicht zu Wort. Jonas erweist sich als unglaublich praktisch, denn Ilse hat eine Menge Aufträge an einen willigen Helfer zu vergeben – und damit meine ich nichts, das in der Horizontalen stattfindet.

Hecken müssen geschnitten werden, der Bio-Abfall zum Wertstoffhof, es muss eingekauft werden, Obst gepflückt, das Ilse einkochen kann, und außerdem trägt Jonas seinen finanziellen Obolus zum Haushalt bei, wenn Ilse kocht. Einmal war sie mit einem Metzger befreundet – diesen Zeiten trauert sie noch gelegentlich hinterher, denn „der brachte jede Woche einen Beutel voller Fleisch.“ Sie ist praktisch veranlagt, müssen Sie wissen.

Ich mag Ilse sehr gerne, sie ist sozusagen mein großes Vorbild. Die never ending Story „Frau sucht Mann“ endet nämlich nicht schlagartig, wenn man einen runden Geburtstag feiert, mag das der 40te, der 50te oder der 60te sein. Im Gegenteil. Nur die Suche gestaltet sich etwas komplizierter.

Immer wieder stellte mir Ilse im Laufe dieser fast drei Jahrzehnte irgendwelche Herren vor, deren Gesichter oder Namen ich mir nicht zu merken brauchte. Sie verschwanden schneller wieder als der köstliche Zwiebelrostbraten bei einer ihrer Essenseinladungen, wenn mich der Hunger plagte. Irgendwas fand sie immer auszusetzen, und darum hielt sich keiner lange. Aber ich nehme an, Jonas werde ich mir merken müssen.

Ilse wurde als Kind armer Leute geboren. Sie heiratete als sehr junge Frau und gebar zwei Kinder, die sie nach dem Tode ihres Mannes weiterhin finanziell unterstützte, bis sie selbständig waren. Als Witwe verdiente sie ihr Geld mit Putzen. Sie bezahlte das Eigenheim nach dem Tode ihres Mannes ab, kümmerte sich um den riesigen Garten, denn ihre Kinder waren weggezogen, und sie schaffte das alles ganz allein.

Vor einigen Jahren begleitete sie mich zum Baumarkt, wo wir gemeinsam fünf Säcke Quarz-Sand in meinen Wagen luden, den ich dringend brauchte. „Wir Frauen müssen zusammenhalten“ sagte sie, während wir ächzend die schweren Teile in meinen Kofferraum wuchteten. „Ich habe gelernt, alles selbst zu regeln. Solltest du auch. Dann bist du auf niemanden angewiesen.“

Ilse ist wie erwähnt mein leuchtendes Vorbild – ein Beispiel dafür, dass es nicht mit allem vorbei sein muss, wenn man ein gewisses Alter erreicht. Nur zu gut erinnere ich mich heute noch an meinen 30ten Geburtstag, als ich verloren an einem Tresen in irgend einer Disko stand und hoffte, niemand würde bemerken, wie alt ich von einem Tag auf den anderen geworden war. Himmel, ich war 30. Es kam mir vor wie das Ende von allem, das mir lieb und teuer war. Als hätte ich über Nacht 17 neue Falten gekriegt und graue Haare.

„Gott, bist du dumm“, sagte eine Freundin meiner Mutter damals zu mir. „Da kommt doch erst der Verstand, und es wird richtig gut.“ Sie hatte recht. Aber es dauert eine Weile, bis man das begreift.

Von meinem 40ten Geburtstag existiert nur ein einziges Foto. Ich war damals gerade dunkelhaarig und blicke mürrisch in die Kamera. Meinem Gesichtsausdruck nach hatte ich schlimme Magenbeschwerden oder eine Analfistel, zumindest sieht es so aus. Diese missmutige Miene betrachte ich gelegentlich auf dem Handy und denke mir: „Mädel, warst du blöd.“

40 ist nicht das Ende der Welt. Man denkt es zwar, aber es ist nicht so. Das gilt übrigens für alle anderen Geburtstage auch, meine Damen. Nur zu schade, dass man das erst begreift, wenn man schon länger drüber ist.

Um wenige Dinge wird hierzulande so ein Hype gemacht wie ums Älterwerden. Es ist sogar eine richtige „Verhinderungs-Industrie“ drumherum entstanden. Mit wenig anderen Dingen lässt sich so viel Geld verdienen wie mit Anti-Aging-Produkten. Es sollte nur nicht unbedingt auf der Packung stehen, denn scheinbar liest die geneigte Kundin nicht gerne das Wort „Age“ – also „Alter“ auf einer Cremetube. Das mag wohl einer der Gründe gewesen sein, warum Unilever die von mir favorisierte „Dove pro age“-Linie eingestellt hat. Es verkauft sich einfach nichts gut bei den Damen, das aufs Älterwerden hinweist.

Vor vielen Jahren betreute ich an meinem früheren Arbeitsplatz eine Kundin, nennen wir sie „Frau B.“.
Sie war Ende 60, als ich sie kennenlernte – eine gepflegte, attraktive Erscheinung mit langem, braungefärbten Haar, bis zum Platzen gestraffter Haut, vollen aufgespritzten Lippen… und einem mindestens 20 Jahre jüngeren Liebhaber, der immer in seinem Club-Sakko hereinschneite, die Hände in den Hosentasche, wie eine jüngere Ausgabe von Heinz Rühmann.

Frau B. sprach nie viel, wenn sie uns aufsuchte, vielleicht war es das viele Botox. Sie behandelte uns jüngere Frauen wie etwas, das sie sich am liebsten vom Schuh kratzen würde und verschwand mit rauschendem Nerzmantel wieder in ihrer Luxus-Limousine, sobald sie erledigt hatte, weswegen sie gekommen war. Ich habe vergessen, zu erwähnen, dass Frau B. ausgesprochen wohlhabend war. Genaugenommen war sie stinkreich. Nichts von dem, das sie am Körper trug, hatte weniger als drei meiner Monatslöhne gekostet, sie war mit teurem Schmuck behangen und wurde von allen hofiert.

Irgendwann kam dann der für Frau B. wohl grauenhafteste Tag: Sie wurde 70. Ihre Hausbank, bei der sie ihre Millionen angelegt hatte, schickte ihr ein Blumen-Bukett, einen Fresskorb und eine edle geprägte Karte mit der Aufschrift: „Alles Gute zum 70ten Geburtstag.“

Unmittelbar darauf kündigte Frau B sämtliche Konten und Depots bei dieser Bank und wechselte zu einer anderen. Sie hielt es nämlich für absolut unanständig, eine Dame – zumal eine so reiche – auf ihr Alter hinzuweisen.

Diese Geschichte habe ich nicht erfunden, sie ist wahr. Und sie zeigt recht deutlich auf, wie hierzulande noch mit dem Älterwerden umgegangen wird.

Frau B. konnte sich jede kosmetische Korrektur leisten: Lifting, Micro-Needling, Lasern, Peeling, Falten-Unterspritzung. Es half alles nichts – am Ende stehen immer der Personalausweis und die Geburtsurkunde. Die lügen nicht.

Anti-Aging-Produkte verkaufen sich nach wie vor wie geschnitten Brot. Sekretärinnen lassen sich in der Mittagspause beim Dermatologen um die Ecke Botox spritzen, im Jahresurlaub Fett absaugen und rennen zum Yoga, um die Auslage straff zu halten. Es wird gerannt, trainiert und geschmiert. Jeden einzelnen Tag. Und jede Sekunde, die verrinnt, trägt uns ein wenig weiter in die Richtung von Frau B., die nicht vor der grausamen Tatsache auf ihren Louboitin-Pumpps davonrennen konnte, dass man nun mal älter wird, und dass dies – frei nach Woody Allen – die einzige Möglichkeit ist, zu überleben. Denken Sie da mal drüber nach.

„In anderen Kulturen wird kein solches Gewese ums Älterwerden gemacht, im Gegenteil. Da werden solche Menschen verehrt, weil sie Lebenserfahrung haben“ erzählte mir der Gynäkologe meines Vertrauens vor einigen Jahren. „Das ist hier in Europa wirklich ein zivilisatorisches Problem.“ An diesen Satz muss ich oft denken.

Vor noch nicht allzu langer Zeit durfte man in aller Ruhe und Gelassenheit ergrauen. Schlagzeilen wie „50 ist das neue 40“ mit dazu passender Werbung für Skinny-Jeans und Harley-Davidson-Bikes mit beheizbarem Sitz waren noch nicht erfunden, und die Haare färbte der Friseur nur auf ausdrücklichen Wunsch. Wer beispielsweise über 50 war, ließ sich eine nette Dauerwelle in Eisengrau legen, kaufte sich eine neue Kittelschürze und dazu passende Pantoletten, guckte den „Kommissar“ mit Erik Ode und war fürs erste zufrieden, diesen scheußlichen Weltkrieg überlebt zu haben. In sämtlichen damals gezeigten Filmen gab es ein gerüttelt Aufkommen von Herrschaften über 50. Über Falten zerbrach man sich nicht den Kopf wie heute, denn das waren damals Designer-Sorgen.

Mittlerweile wird Älterwerden als bedrohlicher Zustand stigmatisiert. Es gibt nicht mehr nur Hyaluronsäure-Injektionen, sondern Sie können das Zeug auch als Kapseln kaufen. Die Taxifahrerin neulich empfahl mir Lachsöl-Dragees, andere schwören auf Shea-Butter. Ich selbst warte immer auf die beflissenste Verkäuferin in der Parfümerie, die mir dann was aufschwätzt, weil ich so gerne glaube, was die erzählen. Übrigens habe ich die Erfahrung gemacht, dass der Preis in keinem Zusammenhang mit der Wirkung steht, und dass es ziemlich egal ist, was ich auf meinen etwas patinierten Teint auftrage. Wirklich helfen konnte mir nichts. Ich werd‘s wohl mit Fassung und Sonnenbrille tragen müssen.

„Nehmen Sie doch das hier.“ Die Verkäuferin hielt zwischen zwei unglaublich langen, sehr spitzen Fingernägeln eine Dose mit Augencreme. Es war was „gegen sichtbare Spuren des Älterwerdens“. „Das hilft wirklich“ beteuerte sie und sah mich ungnädig im erbarmungslosen Tageslicht an.

„Ach wissen Sie“ antwortete ich., „diesen Krieg verliere ich. Der Gegner ist einfach besser munitioniert. Aber geben Sie die Platzpatrone her… Ich zahle jeden Preis, wenn Sie mir schwören, dass es hilft.“ Leider bin ich ein leichtes Opfer für die Schönheitsindustrie. Das gilt aber auch für Putzmittel. Schreiben Sie drauf: „noch weißer, noch sauberer“, ist schon gekauft.

Gleichgültig, ob 30, 40, oder 50 – diese Jahreszahlen verschaffen den meisten Frauen ein flaues Gefühl im Magen. Sie befürchten, quasi unsichtbar zu werden. Aus der werberelevanten Zielgruppe der bis 49jähren ist man auf jeden Fall raus. Dafür kommen dann mit der Post Termine von Mammografie-Zentren und Kataloge von Online-Sanitätshäusern. Von einem Tag auf den anderen wird man mit Werbung für Treppenlifte bombardiert, und die Mitarbeiter dort wollen partout nicht glauben, dass man keine Ahnung hat, was ein Pagenschlüpfer ist, wenn man entrüstet anruft und sich beschwert. Es ist, als würde es „Klick“ machen, und jemand legt einen Schalter um. Als hätten sich Hersteller von Gleitsichtbrillen und Inkontinenzeinlagen verabredet dass sie einen von diesem Tag an mit Angeboten zuschütten. Alle Beteuerungen Ihrerseits, dass Sie durchaus noch imstande sind, Ihren BH selbst auf dem Rücken zu schließen, verpuffen wirkungslos.

Wissen Sie was? Ich kenne schon einige Personen, die behaupten: „Zum Lesen brauche ich keine Brille, das geht noch prima ohne“, und dabei dann die Zeitung mit den Zehen halten müssen, um sie studieren zu können.
Aber das sind alles Männer. Die leiden nämlich auch. Jawohl. Über die schreibe ich ein andermal.

„Ich mache mir nichts daraus, wenn mir an Baustellen die Arbeiter hinterherpfeifen“ sagte meine Freundin Lena mal. „Ich fürchte mich eher vor dem Tag, an dem sie es nicht mehr tun.“

Sehen Sie – solche Sorgen hat meine liebe Bekannte Ilse mit ihren Ende 70 nicht. Die weiß, dass in jedem Alter, für jeden Topf, ein Deckelchen existiert. Nur sind diese eben gleichfalls ein wenig älter geworden sind und genauso verbogen wie sie selbst.

Letztes Jahr flog Ilse übrigens mit ihrem Lebensgefährten nach Neuseeland, um ihre Tochter zu besuchen, die dort zusammen mit ihrem Mann eine Farm betreibt. Ilse räumte erst mal das ganze Wohnzimmer aus und wischte unter dem Sofa, fütterte das Vieh, half im Stall, jätete Unkraut im Gemüsegarten, nörgelte, wie es ihre liebe Gewohnheit ist, an allem herum, kochte 4 Wochen lang für die versammelte Mannschaft und flog dann wieder nach Hause, um mir zu berichten.

Selbstverständlich hatte sie mittels einer monströsen Digitalkamera eine Million Fotos geschossen. Die Abzüge durfte ich samt und sonders angucken, obwohl ich einen Arzttermin vorzuschieben versuchte. Wie bei Ilse üblich, fehlte auf jeder Aufnahme da ein Kopf und dort die Beine, und manchmal war nur ein Erdhaufen auf dem Bild zu erkennen, aber ich wühlte mich pflichtschuldigst durch das ganze Programm.
Da ist sie knallhart.

Was ich aber wirklich bewundere, ist ihre ganz besondere Lebensfreude, ihr Pragmatismus, dieses „Nicht an morgen denken“, das es ihr ermöglicht, auch im Alter ein erfülltes, zufriedenes Leben zu führen.

Ilse hat sich noch nie mit Gedanken über Falten geplagt. Sie wütet durch ihren Garten mit einem schweren Benzinmäher, setzt sich anschließend fluchend auf meine Couch, wo sie einen Cappuccino genießt, und schimpft dann über den unfähigen Arzt, der ihr immer noch kein neues Knie verschreiben möchte, weil es in letzter Zeit etwas zwickt, weil er (mit Mitte 50) zu jung ist, um echte Schnerzen nachempfinden zu können. Hätte sie einen Internetanschluss, dann hätte sie sich vermutlich schon selbst eine Ersatz-Kniescheibe besorgt und sich diese in ihrer Garage eingebaut.

Sie jammert nie. Das liegt nicht in ihrer Natur, und ich vermute, mit Wehklagen wäre sie nie so alt geworden, sondern hätte längst aufgegeben. Den einzigen Hinweis auf eventuelle Beschwerden erhielt ich, als sie eines Tages bei mir klingelte und mir an ihrem Grinsen etwas merkwürdig vorkam.

„Hascht du einen Schekundenkleber?“ fragte sie hektisch. Da sah ich es: An ihrer Prothese fehlte ein Schneidezahn. Sie hatte beim Morgenmüsli eine Nuss-Schale erwischt. „Dasch schieht blöd ausch“ nuschelte sie. „Ich musch dasch reinkleben, schnell.“

Auf mein Anraten versuchte sie es dann doch beim Dentisten, denn ich wollte nicht, dass sie sich eventuell vergiftet. Irgendwie bin ich sicher – sie hätte das weggesteckt, so wie sie es mit allen Widrigkeiten in ihrem Leben getan hat.

Aber mit einer immer wiederkehrenden Retrospektive über die Schicksalsschläge in ihrer Vergangenheit hätte Ilse garantiert niemals ein Haus abbezahlt, einen jüngeren Lebensgefährten gefunden oder sich beim Tanzen in der Disko für Herrschaften fortgeschrittenen Alters den Fuß verstaucht.

Ich mag sie, weil ich mir oft ins Gedächtnis rufe, wie sie wohl reagieren würde, wenn sie, wie ich, wieder mal prüfend vor dem Spiegel stünde und das missmutige Gesicht mustern würde, das ihr entgegenblickt.

„Siehst gut aus, du altes Luder“ würde Ilse vermutlich zu sich selbst sagen und sich anlächeln, eine heile Prothese vorausgesetzt.

Ilse hatte einfach niemals Zeit für Falten, keine Muße für Kummer und keinen Nerv für allzu viele Sorgen, die ihr das Leben schwermachen könnten, denn sie musste dieses Leben nonstop leben und als Alleinverdienerin ÜBERleben, ob sie wollte oder nicht. Vielleicht dachte sie gelegentlich: „Ich beschäftige mich später damit.“ Wobei „später“ bei Ilse Definitionssache ist.

Und darum denke ich heute, wenn ich wieder mal lese: „Nach nur vier Wochen faltenfrei“:„Ilse ist so was egal. Sie ist glücklich und zufrieden, freut sich, dass sie morgens aus dem Bett kommt und beschwert sich mit 75 Jahren immer noch darüber, dass Männer alle das Gleiche wollen. Herz, was willst du mehr?“ Ilse würde daraufhin antworten: „Keinen Infarkt.“ Sie ist sehr bodenständig.

Es ist gleichgültig, ob Sie gerade 40 werden, 50 oder 60, und damit kreuzunglücklich sind, denn es liegt an Ihnen, was Sie mit der verbleibenden Zeit anstellen.

Nutzen Sie diese sinnvoll, oder wollen Sie Nebenkriegs-Schauplätze eröffnen wie zum Beispiel den verzweifelten (und auch sinnlosen) Kampf gegen Falten?

Achtung, Spoileralarm: Keine Chance. Möglich, dass Sie aus einigen Schlachten als Siegerin hervorgehen werden, wenn der Dermatologe es schafft, 10 Jahre aus Ihren Mundwinkeln mittels der doppelten Dosis Hyaluron zu entfernen, aber gewöhnen Sie sich nicht daran. Das wird nicht ewig funktionieren. Und nur für den Fall, dass Sie mir nicht glauben: Googeln Sie einfach mal: „Mutter von Sylvester Stallone.“

Ganz ehrlich? Nein. Danke. Ich verzichte.

Sicher besitzen auch sie eine Fotosammlung Ihres bisherigen Lebens, oder? Halten Sie es wirklich für zielführend, diese Bilder gelegentlich versonnen zu betrachten und tief zu seufzen?

„Wo ist nur die Zeit hingekommen?“ fragen sie dann. Ich kann es Ihnen nicht sagen – das ist eines der großen Mysterien. Aber das Alter spielt nur in dem Ausmaß eine Rolle, in dem Sie ihm selbst Gewicht zuweisen. Einer Frau, die sich wegen ihres 40ten Geburtstags grämt, kann ich versichern: Freuen Sie sich. Erstens gibt es – leider – viele Menschen, die dieses Datum gar nicht erreichen. Zweitens liegt noch einiges vor Ihnen. Und sie entscheiden, ob es schön wird oder nicht. Von unten, vom Boden der Niedergeschlagenheit aus, ist die Perspektive auf jeden Fall erdrückend. Darum richten Sie sich auf, erheben Ihr Haupt (ist auch gut für die Kinnlinie) und sehen der Realität ins blutunterlaufene Auge.

Es gibt viele Dinge im Leben, die wir selbst ändern können. Altern gehört nicht dazu, dem sind wir ausgeliefert. Es gibt aber auch verdammt viele Gründe, sich darüber zu freuen, wie viele Erfahrungen man schon machen durfte, und auch (denken Sie an Ilse, die tatsächlich existiert), wie viele dieser schönen Erfahrungen noch vor Ihnen liegen.

Kaufen Sie sich einfach kurzärmelige Shirts statt ärmelloser, wenn Sie partout nicht mit sich zufrieden sind. Und statt dem Bikini in Size Zero tut’s auch ein hübscher Einteiler mit französischem Beinschnitt. Schuhe müssen nicht 10 Zentimeter hohe Absätze haben, auch 5 Zentimeter können sexy wirken.

Am anziehendsten ist ohnehin in jedem Alter ein gesundes Selbstwertgefühl und eine Menge Charisma. Wenn ich Ilse ansehe, geht’s sogar ganz ohne Charisma.

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„Hurra, ich bin noch da“ wäre vielleicht ein Motto für Ihren nächsten runden Geburtstag. Erinnern Sie sich an die Lieben, die Sie nicht mehr in diesen neuen Lebensabschnitt begleiten können. Freuen Sie sich einfach, dass Sie am Leben sind. Das geht auch mit 30, 40, 50 oder älter. Das geht eigentlich immer.

Ich wünsche Ihnen eine schöne Woche. Alles Gute zum nächsten Geburtstag. Sie haben ihn sich verdient.

Herzlichst,

Ihre Barbara Edelmann

Altersvorsorge – gerade für Frauen ein Riesenthema! Allerdings eines, dass gar nicht einfach zu händeln ist, denn die entsprechenden Angebote präsentieren sich als ein undurchdringlicher Dschungel. Da ist es nicht verwunderlich, wenn viele schwarze Schafe mitmischen.

Über einen speziellen Fall in diesem Zusammenhang berichtete vor wenigen Wochen der SPIEGEL, in seiner 52. Ausgabe. Interessant dabei: in der Reportage wurde eine Frau vorgestellt, die übel durch Anlagebetrüger um ihr Geld gebracht wurde.

Nach Anlagebetrug bangen mehr als 50 000 Sparer um ihr Geld

Worum gings? Nun –  in erster Linie stand das Unternehmen P & R im Focus, nach deren Pleite mehr als 50 000 Sparer um ihr Geld bangen müssen. Das Modell der Finanzfirma war über Jahrzehnte der Verkauf von Frachtcontainern an Kleinanleger, seit 2007 sollen die besagten Container nur noch auf dem Papier bestanden haben.

Mit dramatischen Folgen!

Porträtiert wird unter anderem Deike Wilhelm, eine 40jährige Künstlerin aus München, die bei besagter Firma investiert hat und glaubte, ihr Geld in guten Händen zu wissen. Dem war nicht so, das Geld der Anlegerin ist futsch! Doppelt bitter: die Frau hatte sich im Vorfeld an eine Finanzberatung gewandt, die auf Frauen spezialisiert ist und damit warb, unabhängig von Banken und Versicherungen zu arbeiten. Schon als die Geschäfte des Containeranbieters nicht mehr liefen – so ist dem SPIEGEL zu entnehmen –  wurde Fau Wilhelm seitens einer Finanzberaterin erklärt, dass diese Firma absolut verlässlich sei.

Heute weiß sie es anders, musste sie doch der Tatsache ins Auge sehen, dass sie bei dieser Anlage einen totalen Verlust erlitten hat.

Laut dem SPIEGEL war die Firma P & R offenbar schon 2010 insolvent, machte aber bis 2018 weiter. Ein gigantisches Schneeballsystem soll dahinter stehen, in denen Altanleger mit dem Geld von Neukunden bezahlt wurden.

Altersvorsorge dürfte weg sein

Die ersten P & R-Gesellschaften gingen im Frühjahr 2018 pleite – circa 54.000 Anleger sollen betroffen und ihr Geld wohl weg sein. Menschen, die mit diesem Anlagemodell ihre Altersvorsorge sichern wollten. So wie auch Deike Wilhelm.

Laut dem Nachrichtenmagazin glaubt sie in dieser Sache überhaupt niemandem mehr. Trotz dem sich nun Insolvenzverwalter mit der Pleite beschäftigen und mancher Anleger hofft, zumindest einen Teil seines Gelds wiederzukommen.

Es dürfte nicht sehr aussichtsreich sein!

Gegenüber dem SPIEGEL sagt Frau Wilhelm:

„Die beste Investition ist die in einen selbst, in die eigene Gesundheit, in Bildung, Reisen und gutes Essen“

Nun – da ist was dran, nur: was für Möglichkeiten hat FRAU denn nun noch, um seriös für das Alter vorsorgen zu können?

Diese Frage ist eigentlich überhaupt nicht zu beantworten. Weil man heutzutage keinesfalls eine bestimmte Anlageform empfehlen kann. Und schon gar nicht bestimmte Banken oder Versicherungen.

Spezialisiert auf Altersvorsorge für Frauen – kein Garant für Seriosität!

Ebenso scheint Misstrauen durchaus angebracht zu sein, bei den vielen weiblichen Finanzberaterinnen, die sich auf die Beratung zur Altersvorsorge von Frauen spezialisiert haben. Wie der Fall aus dem SPIEGEL zeigt, schützt auch das nicht davor, sein Geld bei irgendeiner dubiosen Anlage zu verlieren. Man ist ja fast wieder geneigt, den guten alten Sparstrumpf unters Kopfkissen zu legen….!

Vor diesem Hintergrund sollte man vielleicht zwei althergebrachte Möglichkeiten in Sachen Altersvorsorge nicht außer Acht lassen.

Zum Einen:

die Investition in eine Immobilie (gerade im ländlichen Bereich gibt es noch Regionen, wo Häuser bezahlbar sind). Am besten mit der Möglichkeit, einen Teil davon – oder eine separate Wohneinheit – (später) zu vermieten. Stichwort: airbnb & Co.

Und zum Anderen:

Man tut gut daran, sich eine stabile Partnerschaft zu erhalten (oder aufzubauen) und nicht gleich bei Kleinigkeiten zum Scheidungsanwalt zu laufen.

Als Paar gemeinsam um Altersvorsorge kümmern und im Alter den Alltag stemmen

Wer mit seinem Partner dem Lebensabschnitt des Alters entgegen geht, muss schon mal nicht alleine – nur von seinem Geld – die ganzen Lebenshaltungskosten stemmen. Zu zweit geht vieles besser, so auch die Wahrung eines adäquaten Lebensstandards im Alter. Idealerweise haben beide gemeinsam eine solide Altersvorsorge betrieben und können den Lebensabend sorgenfrei genießen.

Natürlich ist ein Ehemann keine Lebensversicherung, aber ganz so links liegen lassen sollte man diese Variante eben auch nicht. Es dürfte sich im Nachgang schon so mancher geärgert haben, eine Scheidung wegen (im Rückblick gesehen) Lappalien eingereicht zu haben. Zumal mit einem neuen Partner – männlich wie weiblich – auch rasch der Alltagstrott eintritt und die Welt nicht rosarot ist.

Aber das nur am Rande.

Es gibt nicht DEN ultimativen Tipp für die Altersvorsorge

Zurück zum Thema Altersvorsorge für Frauen: es gibt (leider) nicht DEN ultimativen Tipp. Wer in Anlagemodelle investieren will, sollte schauen, welche seriösen Experten hierzu Beratungen anbieten und vor allem auch gute Freunde oder Familienmitglieder ins Vertrauen ziehen. Nicht selten erhält man hier noch den einen oder anderen guten Ratschlag oder heißen Tipp.

Wichtig ist auch, sich vor dem Anlegen des eigenen Gelds im Internet über die jeweilige Anlageform bzw. den Anbieter schlau zu machen. Sind Firmen unseriös, gibt es dazu meist schon Einträge im Web, insofern diese Möglichkeit unbedingt nutzen!

Und ansonsten: die beiden „B`s“ in Betracht ziehen – Bauchgefühl und Betongold.

Letzteres sollte allerdings nicht gerade in einer No Go Area stehen – ist klar! Für mich persönlich steht fest: die Zukunft (von Familien) liegt auf dem Land.

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Wer je mit einem demenzkranken Menschen zu tun hatte, der weiß: diese Menschen blühen oft auf, wenn sie von der Vergangenheit erzählen, erzählt bekommen oder mittels Fotoalbum & Co. eine gedankliche Reise dorthin unternehmen. Zumindest ist das der Fall, wenn Demenzkranke noch nicht im Endstadium der Krankheit angekommen sind.

Am Anfang und zumeist bis hin zum Stadium der mittelschweren Demenz sind Angehörige, Ärzte und Betreuer deshalb auch bemüht, das Wohlbefinden der Erkrankten durch Erlebnisse und Situationen, auf die diese Menschen positiv reagieren, zu erhöhen.

Neben klassischen Maßnahmen, wie Spaziergänge, Musik aus alten Zeiten vorspielen und den Demenzkranken an familiären Situationen teilhaben zu lassen, machen auch immer wieder etwas aufseherregendere Aktionen im Zusammenhang mit Demenzkranken von sich reden.

Falsche Bushaltestellen erinnern Demenzkranke an früheren Alltag

So gab es vor einiger Zeit Berichte über falsche Bushaltestellen, die in manchen Pflegeeinrichtungen für Senioren installiert worden sind.

Dem Vernehmen nach sollen zwar manche schon wieder abgebaut sein, aber viele der Haltestellen-Attrappen tun sicher noch heute ihren Dienst, der da heißt: Demenzkranke an normale Alltagssituationen erinnern und zu einem ruhigen und entspannten Tun motivieren. Im Falle der unechten Bushaltestellen animieren diese die Patienten dazu, einfach entspannt an Ort und Stelle zu verweilen, zu warten.

Mittlerweile aber gibt es neue Konzepte. Eines davon ist die Idee, demenzkranke Menschen einige Stunden auf Bauernhöfen verbringen zu lassen.

Schleswig-Holstein führend in Sachen Bauernhöfe für Demenzkranke

Dazu macht derzeit das Bundesland Schleswig-Holstein positiv von sich reden. Laut einem SPIEGEL-Bericht vom Dezember 2018 gehören in dem Bundesland schon 12 Höfe zu einem Projekt für Demenzkranke. Laut dem Magazin wurde das Modellprojekt 2015 von der Schleswig-Holsteinischen Landwirtschaftskammer und dem Kompetenzzentrum für Demenz gestartet.

Deutschlandweit ist das Projekt einmalig und hat deshalb, so der SPIEGEL, schon mehrere Pflegepreise gewonnen. Andere Bundesländer überlegen, ein solches Modell einzuführen.

Das Gute an dieser außergewöhnlichen Maßnahme: alle Beteiligten haben etwas davon. Zunächst natürlich die Kranken, die mit Ausflügen dieser Art an ihr früheres Leben und somit höchstwahrscheinlich auch an viele glückliche Momente erinnert werden. Gleichzeitig stellt diese Form der Demenzbetreuung eine Entlastung für Angehörige und Pflegeeinrichtungen / Seniorenheime dar. Und nicht zuletzt haben die jeweiligen Bauern, die ihre Höfe für das Modellprojekt zur Verfügung stellen, eine kleine, zusätzliche Einnahmequelle. Doch wie gestaltet sich so ein Bauernhofbesuch demenzkranker Personen konkret?

Reportage zeigt auf, was Patienten auf Bauernhof geboten wird

Hierzu gibt es eine Reportage des NDR, in der ein auf Demenzkranke spezialisierter Hof porträtiert wird – „Bauernhöfe gegen Demenz“. Obgleich die Überschrift etwas irreführend ist, denn bekanntlich gibt es noch kein wirkliches Heilmittel gegen Demenz, ist der Beitrag sehr aufschlußreich.

„Die bäuerliche Umgebung kann bei Menschen mit Demenz Erinnerungen an früher wecken. Der Einsatz von Tieren in der Altenhilfe ist verbreitet: Das Streicheln und Füttern von Tieren kann das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz steigern. Ihre Gefühle und Sinne werden angesprochen, Gespräche angeregt.
(…)
Die Landwirtin Urte Meves lädt seit Anfang 2018 Menschen mit Demenz auf ihren Bauernhof in Eddelak ein. Auf dem Hof von Urte Meves und ihrem Mann im Kreis Dithmarschen leben eine Herde Angus-Rinder, Ziegen, Schafe, Kaninchen, Hühner und Katzen. Der Vater von Urte Meves erkrankte vor einigen Jahren an Parkinson-Demenz, seitdem beschäftigt sie sich intensiv mit der Erkrankung. Die Landwirtin hat außerdem eine spezielle Fortbildung durchlaufen, um Demenzkranke bei sich empfangen zu können. „Die Tiere fragen nicht, ob ein Mensch gesund ist oder ob er Demenz hat, mit den Tieren kann jeder Mensch kommunizieren – auch wenn die Kommunikation vielleicht nicht mehr so gut läuft“, sagt Meves.“
Eine tolle Idee, die Schule machen und sich auch in den restlichen Bundesländern etablieren sollte! Die Chancen darauf dürften gut stehen, denn wie schon erwähnt, strahlt das Beispiel aus Schleswig-Holstein positiv auf andere Regionen aus.

Kassen beteiligen sich an Kosten – wichtig für Angehörige von Demenzkranken

Wer als Angehöriger in Schleswig-Holstein Interesse an dem Projekt hat und sich fragt, welche Kosten da womöglich anfallen, sollte sich bei der zuständigen Krankenkasse erkundigen. Laut der besagten NDR-Reportage wird ein großer Teil der Kosten für den Bauernhofbesuch von den Kassen übernommen.

(Erste) Anlaufstellen für Angehörige mit Demenzkranken sind weiterhin professionelle Zentren, deren Mitarbeiter konsultiert werden sollten. In Schleswig-Holstein beispielsweise das für Demenz zuständige Kompetenzzentrum.

Dieses schöne Beispiel zeigt einmal mehr, dass es unglaublich gute, kreative Ideen gibt, erkrankten Menschen im Verlauf ihrer Krankheit schöne Momente zu schenken. Mögen viele Patienten in den Genuss vorhandener Möglichkeiten kommen.

Und: auch die Hoffnung auf baldige medizinische Durchbrüche in Sachen Heilung von Demenz stirbt natürlich zuletzt!

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