Sonntag, 26. September, 2021

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Kennen wir uns? Meine ganz persönliche Abneigung gegen das Duzen – Kolumne Barbara Edelmann

„Sie wünschen bitte?“, fragte die freundliche Verkäuferin am Tresen der Konditorei, als ich seinerzeit mit 16 schnell ein Stück Kuchen für meine Mittagspause kaufen wollte. „Sie“! Damals war ich so glücklich darüber, als Erwachsene wahrgenommen zu werden, dass ich mit stolzgeschwellter Brust den Laden verließ.

Bis zu einem gewissen Alter wird man ja von jedem geduzt: Lehrern, Mitschülern, Menschen, die einen auf der Straße nach dem Weg fragen, oder dem Briefträger. Dabei wünscht man sich doch nichts sehnlicher, als endlich von seinem Umfeld ernst genommen zu werden. Und damals, mit 16, hatte ich es endlich „geschafft“. Darum habe ich diesen Tag nie vergessen.

Vorschnelles Duzen oft bereut…

Im Laufe der nächsten Jahrzehnte lernte ich viele Menschen kennen. Im Wissen, bei einem „Nein“ für arrogant gehalten zu werden, nahm ich jedes angebotene „Du“ an. Und bereute es mehr als einmal. Ich war feige und schüchtern. Für introvertierte Menschen wie mich sind solche Situationen jedes Mal wieder eine Gratwanderung.

Irgendwann wollte ich mich dann nicht mehr mit Unbekannten verbrüdern, neben denen ich nur zufällig in der Kneipe oder bei einer Feierlichkeit zu sitzen kam. Anfangs war es schwer, und ich drückte mich vor einer klaren Ansage. Wer noch nie eine Unterhaltung geführt hat, in der man krampfhaft versucht, sich um die direkte Anrede zu drücken, der werfe den ersten Stein.

Sich von wildfremden Leuten duzen lassen? Nein!

Mit den Jahren wuchs bei mir das Bewusstsein, dass ich nicht immer tun muss, was jemand von mir erwartet. Heute kann ich höflich, aber bestimmt „Nein danke“ sagen. Zwar ernte ich oftmals noch betretene Gesichter, aber damit kann ich leben.

Meine hartnäckige Weigerung, mich von Leuten duzen zu lassen, bei denen ich davon ausgehen kann, dass ich sie niemals wiedersehe, macht mir regelmäßig das Leben schwer. Ich werde deswegen als arrogant und blasiert wahrgenommen, was ich in Wirklichkeit nicht bin.

Bis heute verstehe ich nicht, warum man allerorten von Wildfremden vertraulich in Beschlag genommen wird, als hätte man mit ihnen schon in der Bronzezeit das Pausenbrot geteilt.

Sollen sich mich ruhig „verschroben“ nennen

Wenn mich der Wirt meines Lieblingslokals nach 10 Jahren mit „Du“ anspricht, ist das ok. Tut das allerdings der Typ vom Haus nebenan, der normalerweise nicht mal grüßend nickt, wenn ich an ihm vorbei gehe: nein danke.

Bis zu heutigen Tage würde ich lieber einem Wildfremden um den Hals fallen, anstatt gegen meinen Willen geduzt zu werden. Dafür lasse ich mich gern „verschroben“ nennen.

„Zu mir kann man ruhig du sagen“, bot mir mal auf einer Geburtstagfeier eine fremde Frau an. Warum? War ihr das „Sie“ zu anstrengend, weil es einen Buchstaben mehr hat?
Alles, was sie bei mir damit erreichte, war, dass ich in den nächsten Stunden die direkte Anrede vermied und mich durch die aufgezwungene Unterhaltung lavierte wie ein Berufspolitiker.

Wenn ich nicht will, dann will ich nicht. Ich seh‘ die doch nie wieder. Was hätte das gebracht?

„Im Internet duzt man sich“

Aber Ausweichen ist nicht immer ganz einfach, denn: „Hier im Internet duzt man sich“, wurde mir neulich auf Twitter ruppig von einem Pöbler erklärt. „Hi, wie kann ich dir helfen?“, fragt der freundliche Mitarbeiter im Apple-Store. „Fahr deine Karre zur Seite, wir kommen mit dem Radlader nicht durch!“, brüllt der Bauarbeiter. „Ich finde dein Kleid nett, Tantchen“, behauptet der neue Freund meiner Nichte beim ersten Kennenlernen.

Kennen wir uns? Nein? Warum tut ihr dann alle so, als ob? Im Kontext, wie oben geschildert, ist dieses „Du“ respektlos und lässt jede Distanz vermissen. Es überwindet – ungebeten – die imaginäre Tabuzone von eineinhalb Metern um mich herum, die ich brauche.

„In diesem Haus duzt man sich“, erklärte mir mein neuer Nachbar beim Einzug, und fragte nach meinem Vornamen.

Wer bitte ist dieser „man“? Ich höre seit Jahrzehnten von ihm, und er nervt mich tierisch. Vor allem weiß er nicht, was er will, und ändert seine Meinung ständig. Heute so, morgen so.

Der Verfall der Sitten wird von jeher beklagt

Einer der häufigsten Sätze meiner Kindheit lautete: „Das tut man nicht“. Aber:

Bei den alten Mayas opferte „man“ Menschen. Im Wilden Westen spuckte „man“ in der Kneipe in einen Napf. In den 50ern nannte „man“ eine unverheiratete Frau „Fräulein“. Ja was denn nun?

Bei mir zuhause lagert die antiquarische Originalausgabe eines Buches mit dem Titel „Einmaleins des guten Tons“ aus dem Jahre 1955. Auf der ersten Seite hat meine Mutter („Fräulein S.“) fein säuberlich in Druckschrift ihren Mädchennamen eingetragen. Ich schmökere leidenschaftlich gern darin.

Bereits 1955 beklagte dieses Buch bereits den Verfall der Sitten und Gebräuche, und dass junge Leute für Moral und Anstand nichts mehr übrig hätten. Manche Dinge ändern sich wirklich nie.

Die einzelnen Buch-Kapitel enthalten Tipps für jede Lebenslage wie zum Beispiel „Anrede“, „Die Gesetze der Briefmoral“, „Grüßen“ und so weiter und so fort.

Am besten gefällt mir eine Bildtafel, die ein junges Paar zeigt – er im dezenten Anzug, sie im sandfarbenen Kostüm mit Bleistiftrock und frisch gelockter Wasserwelle. Die Unterschrift lautet: „Das ist die passende Kleidung für die Dame und den Herrn beim Stadtbummel am Nachmittag.“

Anzug und Kostüm für einen Stadtbummel – lang ist`s her…

„Man“ trug damals Anzug und Kostüm für einen Stadtbummel. Heute können Sie anziehen, was Sie wollen – ob eine ausgebeulte Jogginghose mit drei Streifen, zerrissene Jeans mit Löchern bis zum Hintern oder das beinahe durchsichtige Minikleid mit einem Polyesteranteil von 120 %, alles ist erlaubt.

Klamottentechnisch hat „man“ also gewaltig an Einfluss verloren, konstatiere ich schadenfroh.

Seit dem Jahre 1955 hat sich viel verändert. Gäste dürfen sich an den Tisch setzen, noch ehe die Hausherrin Platz genommen hat. Männer brauchen sich nicht mehr zu erheben, wenn eine Dame den Raum betritt, und der Handkuss („zackig, nicht zögernd“) ist aus der Mode gekommen. Uff.

Aber: Dieser „man“ ist immer noch da. Jetzt will er mir einreden, ich müsse mich mit jedem duzen, weil alles andere verkrampft und spießig wäre. „Man“ muss dem Zeitgeist folgen, dem zufolge wir alle gleich sind.

Dafür darf ich aber immerhin in Schlabberhosen und Zehensandalen einkaufen. Klasse.

Manche Ehepaare siezen sich

In Frankreich ist es in konservativen Ehen teilweise üblich, dass Ehepaare sich siezen.
„Reichen Sie mir bitte die Butter, Nanette?“, oder „Jean, Sie haben schon wieder den letzten Joghurt gefressen und ihn nicht auf die Einkaufsliste geschrieben, Sie Depp“, wirken auf uns merkwürdig. Man stelle sich nur mal einen Streit zwischen diesen Eheleuten vor.

„Jean, Sie Mistkerl, was tippen Sie denn die ganze Zeit auf Ihrem Handy herum? Haben Sie etwa eine andere? Mon dieu, ich werde Ihnen die Augen auskratzen.“

„Wie kommen Sie darauf, Nanette? Sie sind wirklich zu eifersüchtig. Aber die Gestörtheit liegt bei Ihnen ja in der Familie, da brauche ich mir nur Ihre verehrte Frau Mutter anzusehen.“

Das hat was, finde ich. Und es klingt unglaublich elegant.

Das „Du“ schafft eine Aura der Vertraulichkeit

Mit dem „Du“ stellt man sich auf ein anderes Niveau, schafft eine Aura der Vertraulichkeit, die normalerweise erst nach gründlichem Kennenlernen gegeben ist. Ein „Du“ kann niemals mehr zurückgenommen werden, Umtausch ausgeschlossen. Oder haben Sie sich schon mal mit jemandem geduzt und ihn dann Jahre später wieder gesiezt?

Auch in den allerwenigsten Firmen mit einer hierarchischen Struktur wird der Boss geduzt. Das hat seine Gründe.

„He Karlheinz, ich nehm mir für Donnerstag frei. Unterschreib bitte den Urlaubsschein.“
„Du Jürgen, äh, das ist grade schlecht, weißt doch – der Weizenkeim-Auftrag.“

Tja: Es lässt sich auch wesentlich leichter „nein“ sagen, wenn man per Sie ist. Merken, Chef.

Geduzt wird vor allem in Startups

Diese Distanz zwischen Führungspersönlichkeit und Untergebenem ist notwendig und angemessen. Gilt natürlich nicht für Startups in Berlin oder Los Angeles. Wir sind alle gleich, das bestreite ich nicht, aber führen Sie doch den Gedanken mal weiter, meinetwegen bis zur Bundeswehr, wo sich vom Oberfeldwebel bis zum Rekruten jeder mit Vornamen anspricht: „He, Leutnant-Hoschi, ich hab momentan keinen Bock auf einen Waldlauf, geht klar, oder?“

Würden Sie beispielsweise auf Angela Merkel zugehen und sagen: „Hallo Angie, wie läuft’s denn so?“

Würden Sie Papst Franziskus auf die Schulter klopfen und fragen: „Gott zum Gruße, Franzi, wo lässt du eigentlich deine Klamotten reinigen, die sind immer so strahlend weiß?“

Werfen Sie Ihrem Boss eine Akte auf den Schreibtisch und sagen: „Da hast du den doofen Vertrag, Günter, bin die halbe Nacht dran gesessen.“

Nein? Warum nicht? Wenn es doch egal ist? Wenn wir doch alle gleich sind. Wenn das „Sie“ spießig ist, verklemmt, altbacken und eingebildet?

Ganz schön verwirrend. Niemand wäre unserer Kanzlerin oder dem Papst böse, würden sie ein angebotenes „Du“ ablehnen. Habe ich weniger Zurückhaltung verdient, weil ich nicht Kanzler oder Papst bin? Wurde das irgendwo schriftlich festgehalten? Wo kann ich das nachlesen?

„Sie“ steht für Höflichkeit

Die Antwort ist einfach: Das „Sie“ hat mit Höflichkeit zu tun. Und es hat was mit Respekt zu tun. Den muss man sich verdienen, heißt es. Aber das finde ich nicht. Respekt und Höflichkeit sind nämlich Grundvoraussetzungen für ein gedeihliches Miteinander.

Dieses „Sie“ ist meine winzige, unsichtbare Mauer, eine mehr als notwendige Distanzierung, und in den allermeisten Fällen angemessen, was sich spätestens dann bestätigt, wenn man die Leute mal besser kennenlernt. Und sich wünscht, man hätte das nie getan.

Mein „Du“ ist eine Dreingabe, ein Geschenk, ein Zeichen von mir, dass ich Ihnen ein gewisses Maß an Vertrauen entgegenbringe. Ich brauche diese unsichtbare Firewall um mein Inneres, denn ich kenne Sie nicht. Und wenn ich Sie „reinlassen“ sollte, bekommen Sie mehr als nur ein „Du“, nämlich meine ehrliche Aufmerksamkeit und mein aufrichtiges Mitgefühl, falls es nötig sein sollte.

Neulich sah ich ein Video, in dem einer unserer Politiker von einer Horde aufgebrachter Menschen auf dem Weg zu seinem Wagen angeschrien und beleidigt wurde. „Du …, bist echt der letzte …., du kannst …., hau endlich ab, du… “ Denken Sie sich den Rest. Aus dem Gebrüll und dem Geschimpfe war definitiv kein einziges „Sie“ herauszuhören. Immerhin habe ich ein paar neue Ausdrücke dazugelernt.

„Es sagt sich leichter ‚du Depp‘ als ‚Sie Depp“, behauptete meine Mutter stets. Und jetzt, nach Jahrzehnten muss ich sagen: Sie hatte recht.

Höflichkeit und Respekt – darauf hat jeder ein Recht

Jeder von uns hat ein Recht darauf, mit Höflichkeit und Respekt behandelt zu werden. Jeder einzelne, egal, wie klein und unbedeutend er sich selbst vielleicht fühlen mag.

Meine eigene Einstellung zu diesem Thema wird sich wohl in diesem Leben nicht mehr ändern. Dann nenne man mich lieber arrogant und blasiert. Solange ich dabei gesiezt werde, ist es mir egal.

Ich grüsse Sie augenzwinkernd.

Ihre

Barbara Edelmann

Bild: stock.adobe.com / BillionPhotos.com

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