Mittwoch, 25. November, 2020

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Wechseljahre zeigen? Damit mache ich mich doch verletzbar! Ein Gastbeitrag von Angela Löhr

„Wechseljahre? Habe ich nicht!“, behauptete meine Freundin Nadja bis vor einem Jahr felsenfest, wenn sie von Freundinnen danach gefragt wurde. Alle waren inzwischen in der berühmten zweiten Pubertät angekommen. Nur Nadja nicht.

Vor drei Wochen hatte Nadja Geburtstag. 55 Kerzen standen auf der virtuellen Torte. Einen Tag später rief sie mich per Videocall an. „Ich wollte mich bei dir bedanken, Gela.“ Ich war verwirrt, denn ich war mir keiner guten Tat bewusst.

Wechseljahre – diese merkwürdige Phase

„Danke, dass du mich nie verurteilt hast.“ Meine Verwirrung steigerte sich weiter. „Nadja, wovon sprichst du?“ Wie ein Tiger im Käfig lief sie in ihrer Küche auf und ab. „Jetzt setz dich doch mal irgendwo hin. Du machst mich ganz kirre, Süße.“ Sie ließ sich auf einem Barhocker nieder und platzierte das Smartphone auf dem Tresen. Mit einem verlegenen Blick in die Kamera hauchte sie fünf Wörter in ihr Display. „Ich bin schon lange durch.“

Allmählich dämmerte es mir. Nadja sprach von ihrer Menopause. 

Fast fünf Jahre ist es mittlerweile her, dass ich anfing, über die Wechseljahre zu bloggen. Ich war selbst recht früh in diese merkwürdige Phase gekommen und fühlte mich ziemlich verloren. Im Internet fand ich zu dieser Zeit nur medizinische Aufsätze und ein paar wenige „Jammerblogs“. Die mich nicht weiterbrachten. Im Gegenteil. 

Schweißgebadete Nächte

Ein paar Jahre später wusste ich, was ich gesucht hatte. Ein Blog oder Magazin, das verständlich erklärt, was im Körper passiert und dabei wirklich gute Tipps gibt, was ich bei Hitzewallungen, Schlafstörungen und Co. am besten mache. Wenn das Ganze dann noch mit einer Prise Humor gewürzt wäre, könnte ich gemeinsam mit anderen Frauen vielleicht sogar Spaß daran haben. Okay, das ist vielleicht etwas übertrieben.

Doch zurück zu Nadja.

Meine Freundin gestand mir an diesem Tag, dass sie seit drei Jahren nicht mehr menstruiere. Sie erinnerte sich an die Zeit davor und erzählte mir, was sie alles durchgemacht hatte. Sie sprach von unzähligen Nächten, in denen sie schweißgebadet aufgewacht war und nicht mehr einschlafen konnte, nachdem sie sich trockengelegt hatte.

Ihre Gedanken fuhren einfach weiter Karussell. Sie erzählte von Schmerzen beim Sex, weil sich ihr Schoßraum in eine Wüste verwandelt hatte. Und wie verzweifelt sie war, als ihr die Haare in Büscheln ausfielen.

Schweigen über die Wechseljahre

Am schlimmsten war für Nadja jedoch, dass sie sich nicht getraut hatte, darüber zu sprechen.

Nadja und ich spazierten mittlerweile gemeinsam durch den Park. „Weißt du, Gela, es war für mich völlig inakzeptabel, Wechseljahre zu haben. Wechseljahre sind so unsexy! Sie symbolisierten für mich das Ende des Frauseins. Ich hatte Angst, unattraktiv und unsichtbar zu werden. Die einzige Chance für mich war, sie völlig auszublenden.“ 

Die Worte sprudelten nur so aus ihr heraus. Nadja erzählte von ihren Gedanken, im Job vielleicht nicht mehr so ernst genommen zu werden, wenn die männlichen Kollegen merken, was mit ihr los ist. Sie hatte Angst vor doofen Sprüchen und schämte sich für die dünner werdenden Haare und den wachsenden Rettungsring. Sie wollte, dass einfach alles so bleibt, wie es war. Aber das tat es nicht und ihre Verzweiflung wuchs und wuchs.

Ob ich wusste, was mit Nadja all die Jahre los war? Sagen wir mal so: Ich hatte eine Ahnung. Doch jede Frau geht auf ihre ganz eigene Art durch den Wechsel und mir schien, Nadja wollte das mit sich allein ausmachen. 

Darüber reden – immer eine gute Idee!

Ob sie es sich damit schwerer gemacht hat? Ja, ich denke schon. Sie selbst sagt heute, sie hätte schon viel früher darüber reden sollen. Besonders mit ihrem Partner, der sich natürlich schon lange gefragt hatte, was mit seiner Liebsten los ist. 

„Die Hälfte unserer Gesellschaft muss da durch, aber wir leben so, als wenn nichts wäre.“, sagte Michelle Obama in einer ihrer ersten Podcastfolgen, in der sie offen über ihren eigenen Wechsel plauderte. Wer Hitzewallungen kennt, möge sich folgende Szene vorstellen: Die Air Force One landet, die First Lady steigt in ihrem engen Kleid aus der Maschine, läuft über den roten Teppich an hunderten Reportern vorbei auf ein Staatsoberhaupt zu und ein heftiger Hitzeschub schießt durch den ganzen Körper. 

Vor ein paar Tagen habe ich mit der Schauspielerin Katerina Jacob gesprochen. Ich durfte sie im Interview über ihre Wechseljahre ausfragen. Sie sprach ganz offen darüber, erzählte mir auch von peinlichen Momenten am Set. 

18 Prozent der deutschen Frauen sind gerade in den Wechseljahren

Als ich Nadja von den Erlebnissen von Michelle Obama und Katerina Jacob erzähle, sagt sie ganz trocken „Bin ich froh, dass bei mir nie eine Kamera mitlief.“ 

Ich auch.

Wussten Sie, dass wahrscheinlich 18 Prozent der Deutschen gerade in den Wechseljahren sind? So steht es in einem wissenschaftlichen Review* aus dem Jahr 2014. Anders ausgedrückt heißt das: Wenn du hier in Deutschland 100 Menschen begegnest, dann sind 18 davon theoretisch gerade in den Wechseljahren. Für Österreich liegen Daten aus einer online-Befragung** aus dem Jahr 2019 vor, bei der unter den Teilnehmerinnen im Alter zwischen 35 und 65 Jahren etwa jede Vierte angab, gerade in den Wechseljahren zu sein. Es gibt da draußen also eine Menge Gleichgesinnte!

Deshalb ist es umso wichtiger, darüber zu reden. Unter Freundinnen und Kolleginnen, mit Verwandten und mit dem Partner. „Ich habe übrigens heimlich in deinem Magazin gelesen, Gela. Immer wieder. Und ab heute erzähle ich auch allen davon.“ 

Nein, es ist keine neue Erkenntnis, das Reden hilft. Doch es gibt immer wieder Themen, bei denen es uns kollektiv noch nicht so leichtfällt, offen zu sein. 

Online-Kurs als Guide durch den Hormon-Dschungel

Um mehr Licht ins Dunkel des Hormon-Dschungels zu bringen, in dem sich nicht wenige Frauen in den Wechseljahren verirren und verloren fühlen, habe ich einen Online-Kongress initiiert, an dem du kostenlos teilnehmen kannst. 

Was dort passiert? Wir sprechen mit Expertinnen darüber, was im Körper in den Wechseljahren genau passiert, welche Therapieformen es bei Beschwerden gibt und wie wir uns in dieser turbulenten Zeit selbst helfen können. Wir reden mit den Frauen unter unseren Expertinnen über ihre eigenen Erfahrungen in der sogenannten zweiten Pubertät, über ihre unangenehmsten körperlichen Veränderungen und ihre Gedanken zum Älterwerden. 

Sie sind eingeladen, dabei zu sein!

Vom 6. bis 12. November findet der 1. deutschsprachige Online-Kongress über die Wechseljahre statt. Unser Motto «Mit Knowhow und Lebensfreude durch den Hormondschungel» 

Wie Sie dabei sein können?

Einfach per E-Mail anmelden 

Ganz einfach: Melden Sie sich kostenfrei mit Ihrer E-Mail-Adresse auf der Kongressseite an: https://wechseljahreskongress.online/

Während der 7tägigen Veranstaltung erhalten Sie täglich eine E-Mail mit Zugängen zur Kongressplattform, dem Kongresskalender, Experten-Informationen und allen weiteren wichtigen Details zum Kongressablauf.

Auf der Kongressseite können Sie sich schon jetzt darüber informieren, welche Experten wir eingeladen haben. Die Themenpalette ist sehr breit, denn die Wechseljahre sind für uns – das Redaktionsteam meines Online-Magazins LEMONDAYS – viel mehr als nur Hitzewallungen und Stimmungsschwankungen. Doch schauen Sie am besten einfach selbst: https://wechseljahreskongress.online/ 

Prominente Stimmen sind Teil des Kongresses

Das Interview mit Schauspielerin Katerina Jacob ist übrigens auch Teil des Kongresses.

Der Spaziergang mit Nadja wird mir noch lange in Erinnerung bleiben. Ich bin froh, dass sie sich dem Thema nun geöffnet hat. Immer wieder erzählen oder schreiben mir Frauen von ähnlichen Gedanken wie Nadja sie hatte und das ist auch gar nicht verwunderlich. Auch darüber sprechen wir im Kongress.

Ich freue mich, von Ihnen zu hören, wie Sie mit den Wechseljahren umgehen oder das Thema in Ihrer Umgebung erleben. Es wäre toll, Sie beim Kongress dabei zu haben!

Lassen Sie es sich gutgehen und bleiben Sie gesund! 

Herzlichst,

Gela

Quellen: *https://www.ncbi.nlm.nih.gov/pmc/articles/PMC4245250/
**https://de.statista.com/statistik/daten/studie/686422/umfrage/umfrage-unter-frauen-in-oesterreich-zur-erwartung-an-die-wechseljahre/

Autorenprofil

Angela (Gela) Löhr (im Bild) ist die Initiatorin, Herausgeberin und Chefredakteurin von LEMONDAYS. Sie will mit diesem Online-Magazin Frauen ab 40 unterstützen, inspirieren und vernetzen. Frisch und rebellisch. Weiblich und positiv. Mit femininer Weisheit für eine bessere Welt. In der LEMONDAYS Schreibwerkstatt gibt die erfahrene Texterin Workshops und Coachings, um Bloggerinnen und Podcasterinnen zu helfen, ihr wertvolles KnowHow wirklich an den Leser zu bringen.

Bildnachweis/Copyright: Angela Löhr, Fotografin: Jessica Bröckl

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