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Hölle Pubertät: Wenn Türen knallen & alle Worte falsch sind

„Das ist die Pubertät“ – wer kennt sie als Eltern nicht, diese Sprüche? Mal werden sie recht jovial geklopft, mal lachend gesprochen oder einfach so dahingesagt, wenn Mütter oder Väter Bekannten oder Freunden gegenüber die Herausforderungen mit ihrem Pubertier thematisieren. Bekanntlich kann man sich von solchen Sprüchen nichts kaufen, zudem sie überflüssig sind wie ein Kropf. Denn es hilft Eltern mit stark veränderten Kindern im Wachstum nicht, wenn nach solchen Aussagen gar noch ein „Das geht vorüber“ hinterher geschoben wird, während man selbst in der Hölle Pubertät schmort.

Hölle Pubertät: Was ist hilfreich?

Als Eltern ist man eines Tages im JETZT mit diesem Lebensabschnitt konfrontiert und tut mitunter vieles, um die Situation zu meistern. Internet-Foren, Ratgeber, vielleicht Beratungsgespräche. Kann alles hilfreich sein, doch zur Wahrheit gehört auch, dass die Pubertät wahrlich eine Hölle sein kann. Durch die Eltern und oft auch Geschwister gehen. Nämlich dann, wenn der oder die Jugendliche (dem Vernehmen nach sind Mädchen oft sehr viel problematischer) sich so derart verändert, dass das Zusammenleben ein einziger Kraftakt ist.

Denn Pubertät ist nicht gleich Pubertät. Es macht durchaus einen Unterschied, ob sich das pubertäre Gehabe „nur“ in Form eines Saustalls, in den sich das Zimmer verwandelt und krassen Pöbeleien äußert oder ob die Eltern derartig abgelehnt und beschimpft werden, dass es unter die Gürtellinie geht. Und obendrein so verletzend ist, dass es schmerzt.

Tritt letzteres Verhalten zutage – und das über längere Zeiträume – sollte man als Elternteil überlegen, wie man damit umgeht. Bleibt es nicht bei einem schlichten „nein“, wenn der Nachwuchs beispielsweise gefragt wird, ob er an einem Familienausflug teilnehmen will, sondern knallen zusätzlich Türen und wird herumgeschrien, weil man als Mutter oder Vater doch ein zweites Mal nachfragt, dann ist man in der Hölle Pubertät schon mittendrin.

Es gibt kein Patentrezept, aber…

Vor allem dann, wenn zusätzlich Äußerungen im Stile von „Das habe ich schon mal gesagt“ lautstark oder gar als Schreien von sich gegeben werden. Setzt sich dieses Gebaren bei Diskussionen über den Kleidungsstil oder die Angemessenheit der Kleidung fort (keine Jacke im Frühwinter, Pullover bei strahlendem Sonnenschein….), dann geht das irgendwann an die elterliche Substanz.

Vor allem dann, wenn die Freizeitaktivität beim Pubertier zu neunzig Prozent aus „herumliegen“ besteht, neudeutsch „chillen“ genannt. Viele Eltern verlieren die Nerven, wenn draußen das beste Wetter ist, aber sich der Nachwuchs im dunklen Zimmer (selbstredend bei geschlossenem Fenster) die Zeit am Handy vertreibt. Tritt man dann noch in herumliegende, verklebte Joghurt- oder Instand-Nudel-Becher, ist das (gegenseitige) Geschrei schnell groß.

Allerdings: Ein Patentrezept für die Handhabe einer Pubertät, die so (und womöglich noch schlimmer) abläuft, gibt es nicht. Trotz unzähliger Ratgeber in Buchform und entsprechenden Beratungsstellen. Das muss einfach so konstatiert werden. Klar, sind Drogen oder Alkohol im Spiel, dürften Beratungsstellen definitiv eine der besten Anlaufstellen sein, aber wenn es nur die „normale“ Pubertät ist, die durchaus die Hölle für die Eltern sein kann, dann muss man (FRAU) da irgendwie durch. Anders geht es nicht. Eins zu eins übertragbare Maßnahmen, die bei anderen vielleicht geholfen haben, gibt es nicht, da jedes Pubertier anders ist.

Die Hölle Pubertät – Es gibt Strategien

Um jedoch die Nerven nicht zu verlieren, wenn das eigene Kind gefühlt zum Monster mutiert, empfiehlt sich abseits der Allerweltsratschläge im Stile von „Ist die Pubertät, geht vorbei“ folgendes:

Auch mal lassen:

Liegt das Kind lieber im Zimmer rum, statt am Ausflug oder einer simplen Familienaktivität teilzunehmen, dann lassen Sie es. Am Ende nützt es nichts, wenn der- oder diejenige zwar mitkommt, doch die ganze Zeit über entweder murrt oder mit hängenden Mundwinkeln umherschleicht und durch aufgesetzte Kopfhörer so oder so nicht ansprechbar ist.

Konsequenzen leben:

Gleicht das Zimmer des Pubertiers einer Müllhalde und nützen alle Aufforderungen zum Wegräumen nichts, dann wird eben das Taschengeld gekürzt oder gestrichen und die bequeme Abholung von Schule/Freunden/Freizeit durch den Verweis auf Bus oder Laufen ersetzt. Wird die Zubettgehzeit immer wieder eigenmächtig nach hinten verschoben und ist man es als Mutter oder Vater leid, immer wieder – wie eine tibetanische Gebetsmühle – „jetzt geht bitte schlafen“ zu sagen, dann sollte man das irgendwann lassen, so schwer es vielleicht auch fällt. Doch: Auch Jugendliche in der Pubertät empfinden bleierne Müdigkeit tagsüber als unangenehm und hier wird früher oder später die Erkenntnis einsetzen, dass sich ein früheres Zubettgehen lohnen könnte. Um Internet-Exzessen bis in die Puppen auszuschließen, darf der W-Lan-Router durchaus abgeschaltet oder weg getan werden, wenn sich die „Alten“ zu Bett begeben.

Ansprache, Ansprache, Ansprache

Obgleich auf krasse Pöbeleien oder Beschimpfungen hart und mit Ansage reagiert werden muss, sollte man seinem Kind in der Pubertät immer wieder eine adäquate Ansprache zuteil kommen lassen. Immer wieder Umarmungen und liebevolle Worte sollten an der Tagesordnung sein – auch wenn Stunden zuvor noch die Hölle los war. Zumeist sind die Jugendlichen sogar zu einer Entschuldigung fähig oder emotional zumindest soweit wieder herunter gekühlt, dass sie liebevolle Gesten nicht gleich wieder zurückweisen.

Das kann alles schwer fallen – auch gegenseitig, sollte aber dennoch „durchgezogen“ werden. Auch in der Pubertät ist das Kind noch das eigene Kind, selbst wenn viele Eltern durch die Hölle gehen (vor allem dann, wenn der eben noch so liebe Nachwuchs ein gemeines Biest geworden ist).

Wenn es nicht gerade um Drogen, eigenmächtiges Fernbleiben vom Zuhause oder Schlimmeres geht, ist „machen lassen“ manchmal nicht die schlechteste Reaktion, wenn daheim die Pubertät als Endgegner lauert. Gerade dann, wenn Eltern diese als Hölle empfinden, ist es wichtig, dass sich als Mutter oder Vater selbst ein wenig schützt, um nicht nervlich Tag für Tag blank zu sein.

Die lange Leine kann in der Hölle Pubertät hilfreich sein

Eltern, die das alles schon durch haben, können ein Lied davon singen. Was sie ja auch mit ihrem „Das geht vorüber“ gern tun. Nur nützt das halt wenig, wenn man gerade mittendrin im täglichen Kleinkrieg mit dem Pubertier ist und so richtig in der Hölle Pubertät schmort.

Deshalb: Die lange Leine ist dann und wann nicht mal die schlechteste Option. Auch und vor allem für die eigenen Nerven.

Mehr zum Thema Pubertät im Magazin auch hier.

 

Bild (Symbolbild): picture alliance / imageBROKER | Alina Kandybka

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