Montag, 30. November, 2020

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Heimische Natur neu erleben: Auf Wald-Exkursion mit einem Ranger

Die Flora und Fauna vor der eigenen Haustür ist für die meisten Familien schon seit eh und je ein beliebtes Ausflugsziel. Waldwege, Schleichpfade und die Strecken am Feldesrand kennt man wie seine Westentasche. Wer sich regelmäßig ins regionale Grüne aufmacht, erlebt zudem die Reize der Natur in all ihren jahreszeitlichen Facetten. Dennoch dürften auch oft besuchte Nahziele in Wald und Flur noch so manches Geheimnis bergen, können selbst Einheimische noch etwas über die heimatliche Natur lernen. So zumindest erging es uns auf einer Wald-Exkursion mit einem waschechten Ranger.

Lothar Andrä – so der Name des Guides – ist geprüfter Natur- und Landschaftspfleger (Ranger) sowie zertifizierter Natur – und Landschaftsführer.

Ranger Andrä nahm uns mit auf Wald-Exkursion

Als „Muldental-Ranger“ bietet er regelmäßig auch Führungen in der Dübener Heide an. Diese ist das größte zusammenhängende Waldgebiet im Mitteldeutschen Tiefland und wartet mit stillen Wäldern ebenso auf wie mit zauberhaften Heidelandschaften und verwunschenen Mooren.

Die von uns bei ihm gebuchte Tour sollte uns das Röhren der Hirsche – die bekanntlich im Herbst mit der Brunft starten – zu Gehör bringen.

Da dieses Naturschauspiel zumeist erst in den Abendstunden stattfindet, begann die Tour am Nachmittag im Umkreis der Presseler Teiche, nicht weit vom charmanten Kurstädtchen Bad Düben entfernt.

Ein buntes Grüppchen hatte Lust auf die Natur in der Dübener Heide

Angemeldet hatte sich ein buntes Grüppchen, bestehend aus Paaren und Familien. Ranger Lothar Andrä hatte für die Wald-Tour zudem noch einen Biologen und einen Förster an Bord.

Ranger
Ranger Andrä stimmt die Gruppe auf die Exkursion ein

Zusammen brachen wir als angemeldete Gruppe in ein Wald-Naturschutzgebiet auf, in dem auch wir – als häufige Besucher in der Dübener Heide – noch nicht waren und somit Neuland betraten.

Eine Art erhöhter Damm führt durch das ruhige Reservat hin zu Mooren und einstigen Torfabbau-Plätzen sowie dem Zadlitzbruch. Die Dübener Heide hat bezüglich des Torfs eine spannende Vergangenheit, denn bis circa 1950 wurde in dieser Region Torf gestochen.

Das hatte freilich Einfluss auf das Landschaftsbild. Manche der sich darbietenden Moore wirkten – nicht zuletzt, weil sie durch die Wärme der letzten Zeit teilweise ausgetrocknet und nur mit einigen Wasserstellen versehen waren – wie eine pittoreske Mischung aus Mini-Mondlandschaft und verbrannter Erde.

Tiere und Pflanzen im Umfeld des Moores: Spannend!

Wo sie etwas mehr Wasser führten – so am Zadlitzbruch, einem weitläufigen Sumpfgebiet – waren ruckzuck wunderschöne Libellen da, die sich ihren Lebensraum ja bekanntlich oft in der Nähe von Gewässern erschaffen.

Aber nicht nur Tiere wie Libellen oder auch die Biber fühlen sich in der Umgebung der Moore wohl – auch die Pflanzenwelt ist spannend. Durch die kundigen Guides wurden wir über Tiere und Pflanzen in diesem Umfeld aufgeklärt und lernen auch hier wieder Neues. So zum Beispiel, dass in diesem Umfeld beispielsweise der fleischfressende Sonnentau wächst.

Spannender Biologie-Unterricht für die Kinder

Beeindruckend ist auch die große Menge an Adlerfarn, das die Umgebung dominiert und sich zwischen den Bäumen zu dichten Flächen ausgewachsen hat.

Torf
Wie ist die Erde in der Moorlandschaft eigentlich beschaffen? Der kundige Förster gibt hier spannende Einblicke!

Ranger Andrä machte uns auch immer wieder auf die Vögel, deren Gesang erklang, aufmerksam, so dass die Tour für die Kinder zu einem spannenden Biologie-Unterricht wurde.

Ergänzt wurden diese Details vom begleitenden Förster und dem Biologen.

Wissenswertes vom Förster

So übermittelte der Förster neben interessanten Einblicken in die Beschaffenheit der Erde der Moorlandschaft den Besuchern auch wissenswerte Zusammenhänge des Wortes „Nachhaltigkeit“ das ja bekanntlich seit wenigen Jahren inflationär benutzt wird.

Wohl die wenigsten wissen, dass dies ein Begriff aus der Forstwirtschaft ist, der auf der von Menschenhand gemachten Aufforstung / Anpflanzung von Bäumen beruht.

Hier der jeweils nächsten Generation üppige Wälder zur Verfügung stellen zu können, waren die Gedanken jener, die lange vor uns den wertvollen Rohstoff Holz nutzten und seinerzeit begannen, jene Nachhaltigkeit zu gewährleisten, die noch heute den natürlichen Kreislauf in Sachen heimischer Wälder bestimmt.

Picknick inmitten der Natur

Am Ende des ersten Abschnitts der Tour gönnten wir uns alle eine Pause und widmeten uns den mitgebrachten Köstlichkeiten im Rahmen eines gemütlichen Picknicks. Danach brachen wir in die kleine Kolonie Torfhaus auf, die – wie der Name schon sagt – 1793 als Siedlung für die Torfbauer, die damals im nahegelegenen Wildenhainer Bruch Torf abbauten, gebaut wurde.

Der Wildenhainer Bruch war nun auch unser Ziel. Im Licht der untergehenden Abendsonne führte uns Ranger Andrä aus dem Mini-Ort heraus zur zweiten Etappe unserer Führung. Nach etwa einem Kilometer betraten wir einen angelegten Weg, der rechts abzweigt und uns direkt an eine Aussichtsplattform führte: Der Wildenhainer Bruch.

Kraniche und Hirsche am Wildenhainer Bruch

Hier sollten wir nicht nur gleich das Röhren der Hirsche hören, sondern vielleicht auch Kraniche beobachten können. Denn der Wildenhainer Bruch ist ein Rückzugsort für die Tiere, an den sie am Ende eines Tages zurückkehren.

Schautafel
Schautafel am Wildenhainer Bruch

Eine Schautafel an dem großzügigen Hochsitz gibt Auskunft über den Zusammenhang dieses Ortes mit den Zugvögeln. Hier informierten wir uns und bestiegen sodann die stabile Plattform, von der man einen grandiosen Blick über die Heidelandschaft hatte. Wir setzten uns und warteten gespannt der Dinge, die da kommen würden.

Oder besser gesagt: Auf die röhrenden Hirsche. Langsam setzte die Dämmerung ein und verlieh der so schon verzaubert anmutenden Gegend etwas Geheimnisvolles. Alle warteten gespannt, ob sich was tat und es dauerte auch gar nicht lange, da hörte man sie: Die Brunftschreie der Hirsche. Unsere Guides vermuteten, dass sie von zwei Tieren ausgingen, die man aber leider nicht sah.

Mit Ferngläsern auf dem Hochsitz

Alle zückten die mitgebrachten Ferngläser, um einen Blick auf die stolzen Waldbewohner zu erhaschen, aber nur wenige von uns sahen etwas von den Hirschen. Wenn überhaupt, dann nur das Geweih. Das tat der mystischen Stimmung aber keinen Abbruch, so dass wir einfach nur den herrlichen Ausblick und von Zeit zu Zeit das Röhren der Hirsche genießen konnten. Ein Naturspektakel, dem wir zuvor auch noch nicht beigewohnt haben!

Aussichtsplattform
Abendliche Impression am Wildenhainer Bruch

Die erhofften Kraniche flogen an diesem Abend leider nicht mehr an ihren Rastplatz ein, so dass wir dieses Naturschauspiel nicht verfolgen konnten.

Dennoch war es wunderbar, so inmitten der Natur auf einem gepflegten Hochsitz zu verweilen und eins zu sein mit der in der Dämmerung versinkenden Umwelt.

Bald schon darauf brach die Dunkelheit über uns herein und wir brachen – noch immer unter dem Tönen der brünstigen Hirsche – auf, um den Rückweg anzutreten.

Rückweg nach Torfhaus

Nachdem dieser in völliger Walddunkelheit – wir waren nur mit unseren kleinen Taschenlampen der Handys ausgestattet – absolviert war, kamen wir wieder in Torfhaus an und hier war die Führung dann auch zu Ende.

Wir verabschiedeten uns alle voneinander und dankten dem Guide mit seinen Experten für die wunderbare Tour.

Im Auto und lange danach an diesem Abend standen wir noch immer unter dem Eindruck des außergewöhnlichen Erlebnisses und stellten einmal mehr fest, dass man nie auslernt und auch wir, die wir als Familie oft in der Dübener Heide sind, immer wieder neue spannende Sachen entdecken.

Unsere Empfehlung: Probieren Sie`s auch mal in Ihrer Region aus! Ranger, wie unseren Guide Lothar Andrä, gibt es im gesamten Bundesgebiet.

Bildnachweis: stock.adobe.com/studioJowita"
    

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