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„Ich frage für einen Freund“ – Kolumne aus der Chefredaktion

Was macht man (FRAU), wenn man für bestimmte handwerkliche Projekte, für die die linken Hände des Partners nicht reichen, einen Allrounder sucht? Man fragt herum, überlegt, schaut in die üblichen Kleinanzeigen-Portale und landet schließlich auf – Facebook. Facebook deshalb, weil die Social Media-Plattform, die vielen schon als altbacken gilt, noch immer unschlagbar in Sachen lokaler Infos ist. Ganz gleich ob Nachbarschaftshilfe, Events oder Flohmarkt: In den Facebook-Gruppen wird man fündig.

Lokale Facebookgruppen: Totgesagte leben länger!

Und so habe ich dort spontan und von der Leber weg ein Posting eingestellt: Allrounder gesucht. Um schlüpfrigen Anfragen aus dem Weg zu gehen, habe ich es textlich so gestaltet, dass es so aussieht, als wenn das Inserat von einer Familie stammt. Man weiß ja nie…Aber dennoch kam es wie befürchtet: Die Hälfte der Reaktionen konnte man vergessen. Obwohl ich in dem Inserat eine Mailadresse (eine sogenannte „Wegwerfadresse“…) angegeben habe, begannen viele User (ausschließlich Männer!) eine Diskussion anzuzetteln. Was genau gemacht werden müsste (auch das hatte ich klar umrissen) und – wo sich die Adresse befindet. Als wenn heutzutage noch jemand seine private Adresse im Netz veröffentlicht!

Handwerker gesucht – aber wie?!

Einer fragte ziemlich viele Details und als ich auf sein Profil ging, sah ich, dass dieser Mensch in Südamerika lebte. Ich antwortete ihm spitzzüngig und wies ihn darauf hin, dass es ja eigentlich für ihn gar nicht relevant ist, da er außerhalb Europas wohnt. Daraufhin kam: „Ja, nun – ich frage für einen Freund“. Als wenn dieser Freund, wenn er denn je existiert, nicht selber schreiben könnte!

Etliche Männer indes schrieben mir dann aber doch auf die veröffentlichte E-Mail. Auch hier musste noch einmal selektiert werden, aber nicht mehr so viel. Da ich eine Frau des Wortes und des telefonierens bin, habe ich jene Kandidaten, die ihre Nummer mitschickten, gleich angerufen. Und siehe da: Auch dann ist man vor Überraschungen nicht gefeit!

Denn ein Mann zum Beispiel – der via Mail recht anständig kommuniziert hat – fragte penetrant nach meiner Adresse und wollte mir viel privates entlocken. Sowas geht natürlich gar nicht. Deshalb habe ich diesen Kandidaten digital gleich ins Nirwana geschickt.

Am Ende kam ein Allrounder, der passt

Letztlich kam ein junger, zweifacher Familienvater in die engere Auswahl, der sich auf wahrhaftig viele Allround-Fähigkeiten in Sachen Handwerk, Haus und Hof berufen und am Ende überzeugen konnte. Der Eindruck am Telefon täuschte nicht: Auch bei der realen Vorstellung vor Ort erwies sich dieser junge Mann als ein Zeitgenosse mit Können, Anstand und Manieren. Quasi im Vorbeigehen reparierte er zum Beispiel einen seit Ewigkeiten tropfenden Wasserhahn und legte auch bei anderen ungeliebten kleinen „Dauerbaustellen“ Hand an.

Logisch, dass das jetzt unser „Haus-und-Hof“-Allrounder ist!

Die Erfahrung zeigt: Es gibt sie noch, die Männer mit den goldenen Händen. Man muss sie halt nur seeehr geduldig und gezielt suchen…Nicht nur in Kleinanzeigen-Portalen.

Mehr dazu auch hier.

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picture alliance / Westend61 | Ramon Espelt

 

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