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Partnerschaften & Spontanbesuche: Reibungspunkt Türklingel

Es klingelt. Ohne Vorankündigung. Freunde, Verwandte oder Bekannte stehen plötzlich vor der Tür – und während die einen begeistert hereinbitten, stoßen die anderen innerlich tausend Flüche aus. Ein aktueller Diskussionsbeitrag in einem Partnerschaftsforum im Web zeigt: Das Thema Spontanbesuche ist für viele Paare ein echter Reibungspunkt. Dabei geht es oft gar nicht um die Besucher selbst, sondern um die Frage, wie unterschiedlich Menschen ihren Feierabend, ihre Privatsphäre und ihr Zuhause gestalten möchten.

Spontanbesuche: Zwischen Gastfreundschaft und Rückzug

Für manche Menschen ist ein spontaner Besuch ein Zeichen von Interesse und Freundschaft. Das Zuhause steht Freunden und Familien jederzeit offen, ein kurzer Plausch wird als Bereicherung empfunden. Andere sehen ihre eigenen vier Wände dagegen als Rückzugsort. Nach einem langen Arbeitstag möchten sie abschalten, in Jogginghose auf dem Sofa sitzen oder einfach ihre Ruhe genießen. Ein unangekündigter Besuch kann dann schnell Stress auslösen. Deshalb verwundert es auch nicht, dass unangekündigte Besuche in den letzten Jahren mehr und mehr ein Diskussionsthema geworden sind. War es „früher“ ganz normal, dass Freunde oder Nachbarn unverhofft vorbeigekommen sind, wird das heute bei vielen Menschen nicht mehr ganz so positiv gesehen. Was selbstredend auch an Smartphone & Co. liegt, denn gefühlt jeder verabredet sich heute via Whatsapp oder Anruf.

Hinzu kommt, dass heutzutage sehr, sehr viele Leute Jobs haben, die sie total fordern. Wenn man dann heimkommt und durchatmen will und es unverhofft an der Türe klingelt, empfinden das viele als nervig. Sehr auf Ordnung bedachte Zeitgenossen hassen Spontanbesuche auch, weil sie sich nicht wohlfühlen, wenn vielleicht noch die eine oder andere Wollmaus unter der Teppichkante hervorguckt.

Ein kurzes Hallo für unangekündigte Besucher

So oder so: Es gibt viele Gründe, Spontanbesuche abzulehnen. Ebenso wie es viele Gründe gibt, sie als bereichernd zu empfinden. In dem eingangs erwähnten Forum schilderte eine Nutzerin eine ganz spezielle Eigenart ihres Partners in Sachen Spontanbesuche. Während sie sich unangekündigten Besuchern voll und ganz widmet, macht ihr Partner einfach das weiter, was er tat, als die Türklingel schellte. Wenn er im Keller werkelt, werkelt er, wenn er sich – weil Schichtarbeiter – zu einem Mittagsschlaf hingelegt hat, bleibt er liegen und wenn er Gartenarbeiten macht, widmet er sich diesen. Dem unverhofften Besuch lässt er zumeist nur ein kurzes „Hallo“ zukommen. Zitat (Rechtschreibung immer im Original):

„(…)Das Verhalten meines Mannes in solchen Situationen:

1. Er ist gerade auch im Garten ( wenn wir uns kurz raussetzen) oder im Wohnzimmer ( wenn wir hier sitzen). Dann sagt er “ Hallo“ und wechselt zwei/ drei Worte geht dann aber wieder seiner Dinge/ Aktivitäten innerhalb des Hauses nach.

Oder:

2.Er ist gerade in einem anderen Stockwerk oder eben nicht im Garten/ Wohnzimmer. Dann kommt er einfach gar nicht, sagt nicht“ Hallo „o.ä.
Das ist mir total unangenehm. Jeder weiß, dass er da ist oder fragt nach ihm und ich sage dann halt immer, dass er beschäftigt ist. Aber ich finde das Verhalten sehr unhöflich und unangenehm.(…):

Für ihre Sichtweise haben allerdings die anderen Frauen in dem Forum, die den Beitrag kommentiert haben, kaum Verständnis. Sie sind eher „Team Partner“. Eben weil es um unangekündigte Besuche geht und niemand deshalb sein Tun unterbrechen muss. Zumal dann nicht, wenn noch ein Partner da ist, der sich dem Besuch widmen kann.

Es wird auch kaum ein Spontanbesucher sowas je erwarten. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel….

Spontanbesuche: Nicht jeder tickt gleich

Wer spontane Besuche mag, wertet das „kurz angebunden sein“ des Partners womöglich als unfreundlich oder ungesellig. Wer dagegen Planung bevorzugt, fühlt sich schnell überrumpelt oder in seinen Bedürfnissen nicht ernst genommen. Dabei hat keine Seite automatisch recht.

Die einen tanken Energie durch Gesellschaft, die anderen durch Ruhe. Die einen empfinden ein offenes Haus als Lebensqualität, die anderen brauchen feste Grenzen, um sich wohlzufühlen. Und feste Absprachen. Per Telefon oder Verabredung.

Niemand muss alles stehen und liegen lassen

Besonders Frauen kennen das Gefühl, bei spontanem Besuch sofort in einen „Gastgeberinnen-Modus“ zu verfallen: Ist es aufgeräumt? Habe ich etwas zum Anbieten da? Sehe ich präsentabel aus? Doch die Wahrheit ist: Niemand ist verpflichtet, für einen Kurzbesuch alles stehen und liegen zu lassen.

Wer unangekündigt kommt, trifft Menschen in ihrem Alltag – nicht in einer perfekt vorbereiteten Kulisse. Und wer gerade keine Zeit, keine Energie oder einfach keine Lust auf Gesellschaft hat, darf das durchaus auch freundlich kommunizieren. Warum nicht dem spontanen Gast sagen, dass man keine Zeit hat? Es ist nichts dabei!

Diskussion über Spontanbesuche zeigen vor allem eines: Probleme entstehen oft dort, wo unterschiedliche Erwartungen unausgesprochen bleiben. Erfahrungsemäß sind das „Dauerbrenner“-Themen in Beziehungen. Während der eine denkt: „Ein spontaner Besuch von zehn Minuten ist doch kein Problem“, empfindet der andere genau dieselbe Situation als Eingriff in seine Erholungszeit oder Privatsphäre.

Unangekündigter Besuch: Als Paar darüber sprechen

Ticken Paare hier völlig gegensätzlich, lohnt es sich, offen darüber zu sprechen:

  • Sind spontane Besuche willkommen?
  • Möchte man vorher kurz angerufen werden und das auch so kommunizieren?
  • Gibt es Zeiten, die grundsätzlich privat bleiben?
  • Wie viel Rückzugsraum braucht jeder Einzelne?

Denn am Ende geht es nicht um richtig oder falsch. Es geht darum, dass Menschen unterschiedlich ticken – und dass ein Zuhause sowohl ein Ort der Begegnung als auch ein Ort der Erholung sein darf.

Es gilt: Wer unangekündigten Besuch nicht liebt, ist weder unhöflich noch unsozial. Spontanbesuche sind für die einen ein Zeichen von Verbundenheit, für die anderen eine Herausforderung.

Entscheidend ist, die Bedürfnisse aller Beteiligten ernst zu nehmen – ohne dass jemand dafür alles stehen und liegen lassen muss.

Bild / Copyright: picture alliance / dpa | Jens Kalaene

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