Donnerstag, 18. Juli, 2024

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Krank durch Brustimplantate: Der Leidensweg einer 30jährigen

Ausgelaufene Brustimplantate, giftige Silikonkissen und auch zurückgerufene Implantate: In Sachen künstlicher Busen gab es in den letzten Jahren viele Skandale, eine Menge Aufregung und noch mehr Vermutungen. Tausende Frauen mussten hier aufgrund minderwertiger Silikonkissen erneut unters Messer, die Warnungen vor Brustimplantaten schlechter Qualität und solchen Operationen überhaupt reissen bis heute nicht ab.

Wie schlimm die Folgen wirklich sein können, wenn der Körper mit dem Material nicht harmoniert, zeigt der Fall der 30jährigen Sandra, die ihren Leidensweg im Onlineformat von WELT öffentlich machte.

Brustimplantate und gesundheitliche Probleme: Fall einer 30jährigen zeigt Risiken klar auf

Dort heißt es:

“(…)Sandra Popke ist 30 Jahre alt, als sie so viele Krankheiten zählt, dass sie kaum mehr am sozialen Leben teilnehmen kann. Der vermutete Übeltäter: ihre Brustimplantate. Kann Silikon krank machen?(…)”

Eine Frage, die sich ganz sicher viele Frauen, die eine Brustoperation hinter sich haben, stellen. Ganz gleich, ob die Implantate Probleme machen oder nicht. Denn ein Fremdkörper sind die weichen Busenvergrößerungen ja allemal. Insofern dürfte der auf welt.de vorgestellte Fall nicht gerade zur Beruhigung von Frauen, die Silikonkissen in sich haben, beitragen.

Die Betroffene – Sandra Popke – hat sie sich nach Angaben des Nachrichtenportals übrigens einsetzen lassen, weil ihr einstiger Partner das verlangte.

Busen vergrößern lassen für den Partner?

Ein irritierender Grund, der so gar nicht in die heutige Zeit der selbstbewussten Frauen passt. Aber sei es drum: Es begann für Sandra eine Odyssee, die ihresgleichen sucht.

Zitat:

“(…)Sandra ist eine von vielen Frauen, davon ist sie überzeugt, die ihre Brustimplantate nicht vertragen haben. Dieses Phänomen erhält aktuell viel Aufmerksamkeit und hat bereits den Namen Breast Implant Illness (BII) – krank durch Brustimplantate. BII ist jedoch keine offizielle medizinische Diagnose. Bislang kommt es meist zur Selbstdiagnose im Rahmen von Foren oder in den sozialen Medien. Allerdings steigt die Anzahl der Ärzte und plastischen Chirurgen, die BII ernst nehmen. BII wird mit diversen Symptomen in Verbindung gebracht: chronische Müdigkeit, Gelenkschmerzen, Autoimmunerkrankungen, Hashimoto, Herzrasen, Sehstörungen, Haarausfall, Muskelschwäche, Migräne, Hautausschlag und Taubheitsgefühle. Natürlich können diese Symptome Begleiterscheinungen anderer Erkrankungen sein. Neu auftretende Autoimmunkrankheiten etwa müssen nicht zwingend mit den Brustimplantaten zusammenhängen. Die behandelnden Ärzte arbeiten deshalb aktuell oft mit Ausschlussdiagnosen. Bestätigen lässt sich die Vermutung BII erst nach Entnahme der Implantate.(…)”

Diesen Schritt ist die 35jährige Sandra gegangen, weil für sie irgendwann feststand, dass die Implantate, die sie sich als 22jährige einsetzen ließ, ihrer Gesundheit schaden. Und tatsächlich: Die Leidensgeschichte der Frau, die heute über ihre Entscheidung, sich für ihren damaligen Freund die Brüste operieren zu lassen, mit dem Kopf schüttelt, ist immens.

Der Körper spielte verrückt und Sandra war dauerkrank

welt.de schreibt hierzu folgendes:

“(…)Vier Jahre nach der Brustvergrößerung bekommt Sandra ein Burn-out, es folgt ein Klinikaufenthalt. Zwei Jahre später diagnostiziert ein Arzt Sandra Endometriose. Eine Erkrankung, bei der die Gebärmutterschleimhaut außerhalb der Gebärmutterhöhle im Beckenbereich wuchert, aber auch an anderen Stellen des gesamten Bauchraums. Körperliche Veranlagung, denkt sie. 2017 hat Sandra immer häufiger und vor allem nach dem Aufstehen morgens Taubheitsgefühle in den Händen. Im selben Jahr kommt Hashimoto, eine Erkrankung der Schilddrüse, hinzu. 2018 hat Sandra so starke Unverträglichkeiten, dass sie nur noch fünf Lebensmittel zu sich nehmen kann.(…)”

Tausende Euro zahlte sie damals in der Hoffnung auf Linderung der Leiden aus eigener Tasche. So für Nährstofftherapien, Ernährungsumstellung, Darmaufbau und Hormonbalance. Genützt hat es nichts. Gesund wurde die Patientin erst wieder, nachdem sie die Implantate entfernen ließ.

Heilung dauerte drei Jahre

Ganze drei Jahre dauerte es dann noch, bis sie geheilt war.

Zitat:

“(…)Drei Jahre hat die Heilung bei Sandra gedauert. Heute, sagt sie, sei sie wieder gesund. Alles begann mit der Herausnahme ihrer Implantate 2019. Das linke Implantat habe sich komisch angefühlt, erinnert sich Sandra. Sie sei zu einem Radiologen gegangen, um einen Ultraschall erstellen zu lassen. Es habe der Verdacht im Raum gestanden, dass das Implantat geplatzt sei. „Ich habe diesen Moment noch ganz genau in Erinnerung“, sagt Sandra. Sie sei wie versteinert gewesen. „Vielleicht verträgt mein Körper das Silikon nicht“, habe sie gedacht. Innerhalb kürzester Zeit stand für sie fest: Die Implantate müssen raus – ob geplatzt oder nicht.(…)”

Und was sagen die Ärzte dazu? Im Artikel kommt unter anderem Doktor Martin Schata zu Wort.

Ein Mediziner wird im Hinblick auf Implantate deutlich

Er sagt:

“(…)Endometriose oder auch Hashimoto könnten definitiv eine Reaktion auf die Implantate sein: „Der menschliche Körper hat gewisse Veranlagungen und neigt zu gewissen Erkrankungen. Die übermäßige Produktion von Entzündungsstoffen kann Prozesse in Gang setzen, die lange und sehr unterschiedliche Verläufe zeigen. Das können Depressionen, Lebensmittelunverträglichkeiten oder auch Gelenkerkrankungen sein.“(…)Das implantierte Silikon komme großflächig und dauerhaft in Kontakt mit menschlichem Gewebe.

„Hier ist eine große Menge Fremdstoff im Körper, der das loswerden möchte. Sprich, es kommt zu Abwehrreaktionen. Das Immunsystem erkennt alle Fremdstoffe, die in den Körper gelangen. Es entscheidet aus Erfahrung, ob es positiv oder negativ darauf reagiert“, sagt Schata. Erkennungsreaktionen und Abwehrreaktionen seien zu 99 Prozent Entzündungsreaktionen.

Dass Frauen wie Sandra Sätze wie „das ist alles psychosomatisch“ hören, findet Schata problematisch. Natürlich gebe es Beweise, dass Silikonimplantate schädlich sein können. „Wir können Reaktionen im Reagenzglas nachvollziehen. Dafür nehmen wir aus dem Implantat Material heraus und bringen es mit den menschlichen Immunzellen zusammen.“ Das Risiko einer Autoimmunreaktion sieht er als „gigantisch“ an.(…)”

Diese Tatsachen haben zur Folge, dass sich mittlerweile sehr viele Frauen ihre Implantate wieder herausnehmen lassen. Das hat auch den Chirurgen für ästhetische und plastische Chirurgie, Dr. Georgios Kolios, umdenken lassen.

Zitat:

“(…)In den vergangenen Jahren hat der Facharzt für plastische und ästhetische Chirurgie mehr Brustimplantate herausgeholt als eingesetzt. Drei bis fünf Mal die Woche sagt Kolios – und das seit vier Jahren. Die meisten Frauen würden Probleme mit den Implantaten bekommen. Vor knapp einem Jahr trifft Kolios eine Entscheidung: In seiner Praxis werden keine Brustimplantate mehr eingesetzt. „Ich kann einfach nicht mehr davon ausgehen, dass die Implantate nicht mit dem Immunsystem interagieren – da findet einiges an Interaktion statt“, erklärt er.(…)”

Wer selbst ein Brustimplantat und gravierende gesundheitliche Probleme hat, tut gut daran, sich mit solchen gegenwärtigen Aktivitäten und Maßnahmen im Zusammenhang mit operierten Brüsten auseinanderzusetzen.

Recherche, Beratung und seriöse Ärzte sind unabdingbar!

Und wer vorhat, sich seinen Busen mit Implantaten vergrößern zu lassen, sollte äußerste Vorsicht walten lassen und im Vorfeld sehr sorgfältig recherchieren und erstklassige Beratungen wahrnehmen. Ganz ohne ist der Eingriff nach wie vor nicht, wie der Fall von Sandra zeigt. Stand der Medizin hin oder her…

Wer sich zudem für den Originalbeitrag interessiert: Dieser kann hier aufgerufen werden.

Quelle: welt.de vom 28. April 2023

Bild (Symbolbild): picture alliance / dpa | Daniel Reinhardt

 

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