Dienstag, 17. März, 2026

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Feedback im Beruf: Für Frauen oft weniger hilfreich

Feedback gilt als einer der wichtigsten Faktoren für berufliche Entwicklung. Nur, wer regelmäßig Rückmeldungen zur eigenen Arbeit erhält, kann Fehler schnell korrigieren, Stärken ausbauen und seine Karriere langfristig gezielt vorantreiben. Doch verschiedene Studien zeigen, dass Feedback im Beruf nicht für alle gleichermaßen hilfreich ist. Frauen erhalten häufig anderes Feedback als Männer. Das kann die Karriere erheblich beeinflussen und schadet zugleich den Unternehmen, da Frauen so daran gehindert werden, ihre Potenziale auszuschöpfen.

Vages und persönlichkeitsbezogenes Feedback

Männer bekommen häufiger konkretes Feedback, während Frauen öfter allgemein gehaltene Rückmeldungen erhalten. Das kann etwa bedeuten, dass Männer Hinweise wie „Deine Analyse war überzeugend, aber die Präsentation könnte strukturierter sein“ bekommen, während Frauen eher Aussagen hören wie „Deine Präsentation war in Ordnung“. Es fehlt an einer klaren Handlungsempfehlung und das macht es natürlich auch schwieriger, sich zu verbessern. Denn wer bloß allgemeine Hinweise bekommt, hat deutlich weniger Orientierung. Männer erhalten außerdem häufiger Feedback zu konkreten Aufgaben oder Ergebnissen, während Frauen eher Kommentare zu Persönlichkeit oder Kommunikationsstil hören. Sie erhalten zum Beispiel Rückmeldung, dass sie selbstbewusster wirken oder weniger emotional sein sollen.

Auch hier bleibt unklar, wie das gewünschte Ziel erreicht werden kann. Ohnehin hängen solche Bewertungen meist mit unbewussten Stereotypen zusammen. Eigenschaften wie Durchsetzungsstärke oder Dominanz werden in vielen Arbeitskontexten immer noch eher mit männlichen Rollenbildern verbunden. Frauen in Führungspositionen haben deshalb oft den Eindruck, sich maskuliner präsentieren zu müssen, um ernst genommen zu werden. Spätestens wenn es um Beförderungen oder Gehaltsentscheidungen geht, ist vages Feedback ein großes Problem. Denn wenn Feedback weniger auf konkrete Erfolge eingeht, werden Leistungen auch weniger klar dokumentiert. Daraus folgend werden Frauen trotz sehr guter Leistungen schnell übersehen und ihre Karriere wird ausgebremst.

Positiv verzerrtes Feedback

Die Psychologinnen Lily Jampol und Vivian Zayas von der Cornell University haben herausgefunden, dass Frauen bei schlechter Leistung tendenziell wohlwollendere Rückmeldungen als Männer bekommen. Als Gründe dafür vermuten sie einerseits, dass es der sozialen Norm entspräche, generell netter zu Frauen zu sein und andererseits, dass die Feedbackgebenden Sorge haben, bei zu harscher Kritik als sexistisch wahrgenommen zu werden. Unangemessen positives Feedback ist jedoch kein nettes Geschenk, sondern verhindert, dass Probleme erkannt und behoben werden können. Frauen erfahren so gar nicht erst, was sie verändern müssen, um sich beruflich zu verbessern und bleiben auf der Strecke.

Feedback von Frauen stößt sauer auf

Geben Frauen Feedback, wird es oftmals weniger gut angenommen. Insbesondere ältere Mitarbeiter reagieren verärgert auf negative Kritik von Frauen in Führungsrollen. Zu diesem Schluss kam zumindest Martin Abel vom Wirtschaftsinstitut des Middlebury Colleges im Rahmen einer Untersuchung im Jahr 2019. In seinem Versuch haben insgesamt 2700 Menschen eine Aufgabe für ein Unternehmen lösen sollen und hatten dabei entweder mit einem männlichen oder weiblichen Boss zu tun und bekamen entweder positives oder negatives Feedback für die geleistete Arbeit. Dabei stellte sich heraus, dass sowohl die Zufriedenheit als auch die Bereitschaft, erneut für das Unternehmen zu arbeiten, enorm sank, wenn negative Kritik von einer Frau kam. Negative Kritik von einem Mann hatte weniger starke Auswirkungen, selbst, wenn das Feedback identisch formuliert war. Das zeigt, dass ein Gender Bias vorliegt, der es für Frauen schwieriger machen kann, berechtige Kritik zu üben und auf das Verhalten und die Arbeitsleistung von Mitarbeitenden positiv einzuwirken.

Hilfreiches und ehrliches Feedback einfordern

Für Frauen kann eine transparente Feedbackkultur besonders wichtig sein, weil sie dazu beiträgt, ihre Leistungen klarer sichtbar zu machen und Entwicklungsmöglichkeiten besser zu erkennen. Langfristig profitieren Unternehmen und Mitarbeitende aber gleichermaßen von einer offenen und fairen Feedbackkultur. Es kann sinnvoll sein, sich gemeinsam im Unternehmen mit dem Thema Feedback zu beschäftigen und beispielsweise in einer Schulung zu lernen, wie man konstruktives Feedback formuliert und wie es besonders wirkungsvoll ist. Dabei können auch Hilfsmittel zum Einsatz kommen. Besonders praktisch ist spezialisierte Feedback Software. Sie kann unter anderem dabei helfen, Rückmeldungen strukturierter und transparenter zu gestalten.

Solche Systeme ermöglichen es beispielsweise, Feedback regelmäßig einzuholen, konkrete Kriterien zu definieren oder Rückmeldungen aus verschiedenen Perspektiven zu sammeln. Feedware, die so etwas anbieten, haben auf ihrer Seite interessante Case Studies veröffentlicht, wie stark Unternehmen von digitalen Feedbacksystemen profitieren können. Speziell für Frauen kann es von großem Vorteil sein, wenn Feedback stärker standardisiert wird. Wenn alle Mitarbeitenden nach ähnlichen Kriterien bewertet werden, sinkt das Risiko, dass Rückmeldungen stark von individuellen Wahrnehmungen oder unbewussten Vorurteilen geprägt sind. Die Bereitschaft, sich verstärkt um die Feedbackkultur im eigenen Unternehmen zu kümmern, muss letztlich von der Führungsebene kommen. Das bedeutet aber nicht, dass Frauen nicht von sich aus aktiv Feedback einfordern sollten.

Es kann bereits ein wichtiger Schritt sein, konkrete Fragen zu formulieren, statt um Feedback zu bitten. „Was hätte ich in diesem Projekt anders machen können?“, „Welche Fähigkeiten sollte ich entwickeln, um mehr Verantwortung zu übernehmen?“, „War die Deadline für dich angemessen?“. Solche und ähnliche Fragen verlangen eine klare Antwort, auf der man aufbauen kann. So kann man selbst dazu beitragen, dass Rückmeldungen im Berufsalltag hilfreicher und gerechter werden.

Bild: pexels.com / Artem Podrez

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