Sonntag, 14. Juli, 2024

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November-Melancholie auf fremdem Friedhof – Kolumne aus der Chefredaktion

Es war die imposante Glocke, die mich mein stoppen ließ, als ich dieser Tage von einer Erledigung zurückkam und über Land fuhr. Das überdimensionierte Geläut befand sich in einem winzigen Dorf nahe meines Heimatortes. Mehrmals war ich hier schon durchgefahren, aber so richtig aufgefallen war mir die Glocke, die zur Kirche auf dem Friedhof gehörte, nie. Dafür zog sie mich jetzt umso mehr an und da ich Zeit hatte, parkte ich mein Auto vor dem Pfarrhaus. Es war einer dieser typischen Novembernachmittage: Freundlich, aber mit Regen in der Luft. Die nahende Dämmerung war fast schon spürbar und so begleitete mich ein Hauch Melacholie, als ich den Friedhof betrat und die riesige Glocke von nahem betrachtete.

GlockeSehr eindrucksvoll! Weit und breit war kein Mensch, ich war die einzige Person an diesem Nachmittag zu dieser Zeit auf diesem Friedhof.

November-Melancholie am Ort der Stille

Ausgiebig betrachtete ich ein großes Kriegerdenkmal, in dem die Namen derer aus dem Dorf eingearbeitet waren, die im 1. Weltkrieg gefallen sind.

Die Stille und die vor dem Tor gebliebene Außenwelt verlieh den Minuten, in denen ich die Namen las, eine gewisse Schwere.

Diese wich auch nicht, als ich an aufgereihten Grabsteinen ohne Gräber vorbeiging und die dortigen Inschriften studierte. Es handelte sich zum großen Teil um Verstorbene bis ca. 1930. Warum die Steine nur aufgereiht und ohne Gräber waren, erschloss sich mir allerdings nicht.

Ich lief weiter zu den Grabstellen mit Blumen, Grabschmuck und Umrandungen. Obwohl mich nichts mit den Verstorbenen verband, kam ich durch die außergewöhnliche Atmosphäre auf dem kleinen Dorffriedhof zur Ruhe. Die Stille und die sich hinter dem Friedhof anschließende ländliche Weite hatten etwas surreal-pittoreskes. So als wenn es den ganzen Irrsinn, mit dem man konfrontiert ist, sobald man das Internet anwirft, nicht gäbe…

Ein kleines Kreuz mit einem einzigen Namen

Ein mit weißen Steinen umrandetes Grab berührte mich sehr – es gehörte zu einem Mädchen, das nur wenige Monate lebte. Auf einem kleinen Kreuz stand lediglich ihr Vorname.

Noch immer umgeben von melancholischer Stille beendete ich meinen kleinen Spaziergang an diesem friedvollen Ort und trat durch ein kleines Gartentor in die Landschaft hinter den Friedhof. Schon nahm die Dämmerung Fahrt auf und glitt sanft der Dunkelheit entgegen. Mir fiel der Song “The Living Years” von Mike + the Mechanics ein – er passte zu meiner Stimmung. Es war zudem der perfekte Nachmittag, um sich daheim gleich einen dampfenden Kaffee und schon mal die ersten Schoko-Lebkuchen zu gönnen.

Und – das Leben zu feiern!

Bilder: privat

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