Stopfe alle Männer weltweit in einen Sack und schlag’ darauf – das trifft keinen Verkehrten“ sagt meine Freundin Biggi öfter verdrossen, was mich jedes Mal zum Lachen bringt. Eigentlich bin ich ein großer Fan von Männern und mag sie sehr. Ohne sie wäre mein Leben öd und leer verlaufen. Ohne sie hätte ich weniger gelacht, weniger geliebt – und weniger geheult.

Manchmal sind Männer sogar die besseren Frauen.

Sollten Sie selbst dem Schicksal oder einem glücklichen Umstand ein liebevolles, aufmerksames Exemplar dieser Gattung zu verdanken haben, dann meinen herzlichen Glückwunsch. Lesen Sie einfach nicht weiter.

Ich habe im Laufe meines Lebens gelernt, Dinge mit Humor zu nehmen, andernfalls säße ich jetzt immer noch inmitten eines Bergs aus vollgeweinten Taschentüchern.

Männer sind sehr oft wesentlich geradliniger als Frauen, meistens ehrlich, gelegentlich liebevoll, aber selten so richtig aufmerksam. „Warum der Straßenbahn nachlaufen, wenn man drin sitzt“, denken vermutlich einige von ihnen. Andere sind einfach nur stinkend faul. Und die dritte Sorte stellt sich blöd und hofft, dass Sie es nicht merken.

In meiner langjährigen beruflichen Laufbahn war es unkomplizierter, mit Männern zusammenzuarbeiten als mit meinen Geschlechtsgenossinnen.

Die Damen formierten sich nämlich häufig, sobald sie in der Mehrzahl waren, zu einer Art Hyänenrudel auf Stöckelschuhen, das sich irgend eine andere bedauernswerte Frau herauspickte, um anschließend mit dem Absatz ihrer Pumps mal so richtig draufzuhauen und ihr das Leben zur Hölle zu machen.

Mit Männern gab es hingegen selten Probleme.

Diese wurden im sachlichen Gespräch gelöst, Privates meist außen vor gelassen, und an Feierabend ging man seiner Wege und telefonierte nicht noch mit Uschi von der Buchhaltung eine Stunde, um Olga vom Empfang durch den Kakao zu ziehen, weil die schon wieder ein Oberteil anhatte, in dem ihr Busen beinahe aus dem Ausschnitt plumpste.

Vergessen Sie alle amerikanischen Serien und romantische Komödien. Ich mag diese Sorte Unterhaltung gern, aber die Ehemänner oder Lebensgefährten in solchen Produktionen entspringen der Phantasie eines Drehbuchschreibers, und Sie können vermutlich lange suchen, bis Ihnen solch ein Exemplar im richtigen Leben vor die Füße stolpert.

Hat man erst den Mann fürs Leben oder einen Teil davon gefunden, weichen irgendwann, spätestens nach 36 Monaten, wenn die Körperchemie nachlässt, die Schmetterlinge im Bauch den Raupen im Reizdarm. Der erste Zauber ist verflogen, vielleicht habe ich schon für ihn Wäsche gewaschen oder er für mich, er hat mich zur Darmspiegelung gefahren, weiß, wie ich aussehe, wenn ich Zahnweh habe oder morgens aufwache und mir ein Speichelfaden im Mundwinkel hängt. Da muss man durch.

„Fürs ganze Leben“ ist eine lange Zeit. Darum sollten wir keine Minute damit verschwenden, Männern kleine verbale Brocken hinzuwerfen, aus denen sie sich eine komplette Information basteln sollen und dann beleidigt bocken, wenn sie fragen: „Beate, was haste denn? Hab ich was falsch gemacht?“

Unsere Antwort lautet nämlich leider viel zu häufig: „Nix ist. Du interessierst dich doch ohnehin nicht für mich, sonst würdest du wissen, was ich meine.“

Männer brauchen Gebrauchsanleitungen. Dieser Satz ist keine.

Wenn ich für jedes Mal, wo ich den Satz „Mein Mann/Freund versteht mich nicht“ Geld bekommen hätte, dann würde ich diese Zeilen jetzt einem attraktiven Assistenten diktieren und müsste nicht selbst tippen. Aber zuerst einmal die gute Nachricht: Ihr Mann/Freund versteht Sie wirklich nicht. Der kann nichts dafür.

Stellen Sie sich vor, Sie stünden am Hauptbahnhof von Hamburg und blicken von oben auf ein weit verzweigtes Schienennetz herab. Es wird Ihnen schon zum Zuschauen schwindlig, wie viele Güterwaggons, Elektroloks und Passierzüge unterwegs sind, elegant Weichen ansteuern und dann ihren Zielort anfahren. Das sind Sie und Ihr Gehirn.

Und jetzt betrachten wir von einer Fußgängerbrücke aus ein einzelnes verlorenes kahles Gleis, das von Hinter-Pfuiteufel nach Weißnicht-Wohin führt: eine einzige kerzengerade und blankpolierte Schiene, die sich am Horizont verliert.

Das ist ein durchschnittliches Männer-Gehirn.

Während auf Ihrem eigenen Bahnhof ständig im Nanosekundentakt Züge rangieren und ein einzelner geschickter Streckenwärter alles so regelt, dass Sie ohne weiteres gleichzeitig zu mannigfaltigen komplexen sozialen Interaktionen in der Lage sind, fährt dieser eine Zug im Männergehirn gemütlich von A nach B. Immer schön geradeaus.

Wenn Sie von einem Mann etwas wollen, dann malen Sie ein riesiges Schild in Leuchtfarben und hauen es genau an der Strecke entlang in den Boden neben das Gleis.

Besorgen Sie sich zusätzlich einen Zaunpfahl und winken Sie damit, so dass er Sie nicht übersehen kann.

Rufen Sie sich nochmal das einzelne Gleis in Erinnerung.

Wenn Sie zum Beispiel ganz nebenbei sagen: „Oh, ich liebe Rosen“ und damit meinen „Du Mistkerl hast mir schon ewig keine Blumen mehr mitgebracht, das war’s dann mit der Liebe“, ist das für den Mann lediglich die Information, dass Sie diese Blumensorte mögen. Der versteht nicht, warum Sie sauer sind.

Auf der Seite „Medizinauskunft“ habe ich die interessante Information entdeckt, dass Frauen empathisch, also einfühlsam, und Männer systematisch, also in Schemata denken. Das entspricht voll und ganz meinen eigenen Erfahrungen.

Vom neurobiologischen Standpunkt her vermuten Wissenschaftler den Testosteronspiegel der Männer als Teil der Erklärung. Diese Ausrede lasse ich gelten.

Im Januar 1995 untersuchte Ruben Gur, Neurologe an der University von Pennsylvania, die Hirnfunktion von 24 Frauen und 37 Männern. Es stellte sich am Ende des Vorgangs heraus, dass bei Männern sogar in der Ruhephase des Gehirns ein Teil  im Schläfenlappen aktiv ist, der dem limbischen System angehört und sehr alt ist, denn er wird dem sogenannten „Reptiliengehirn“ zugerechnet, das kreatürliche Vorgänge wie Essen, Reproduktion, Flucht oder Zornesausbrüche steuert.

Haben Sie sich noch nie gedacht: „Männer wollen irgendwie immer nur das Eine“?

Sehen Sie: darum.

Bei den meisten Frauen hingegen waren während des Tests Neuronen in einem Bestandteil der Großhirnrinde aktiv. Die Großhirnrinde ist ein relativ neues Produkt der Evolution, lange nicht so alt wie das Reptiliengehirn. Vermutlich wurde die extra für uns Frauen gebaut. Sie ist zuständig für komplexere Fähigkeiten, die innerhalb einer Zivilisation nötig und förderlich sind.

Während ich also mit einem Kleinkind auf dem Arm immer noch imstande bin, die Suppe auf dem Herd umzurühren, das große Kind davon abzuhalten, das mittlere mit einem Brotmesser zu zersägen und gleichzeitig mit meiner Freundin am Telefon einen Termin für ein Kaffeekränzchen vereinbare, läuft das bei den meisten Männern etwas anders ab.

Vielleicht gibt es ja Herren der Schöpfung, die mit ihrem Freund telefonieren und sich währenddessen die Schuhe zubinden, aber sehr viele können das meiner Erfahrung nach nicht sein.

Steht ein Mann am Herd und kocht, dann unterbrechen Sie ihn besser nicht oder wählen am besten vorsorglich die Nummer der Notrufzentrale, denn er kann nicht gleichzeitig Zwiebeln schneiden, Fleisch anbraten und Ihnen dann auch noch erklären, wo er vorhin die Dreckwäsche vom Eishockey hingeworfen hat. Sein Zug fährt geradeaus. Von A nach B. Keine Haltestelle. Gar keine.

Ihr Mann möchte Sie sicher gern begreifen, aber so ist sein Gehirn nicht programmiert. Vergessen Sie nicht: Frauen denken empathisch, Männer schematisch. Das bedeutet im Klartext: stark vereinfacht, auf das Wesentliche konzentriert.

Also machen Sie es ihm so leicht wie möglich, Sie zu verstehen. Der steht nämlich inmitten Ihres riesigen Bahnhofs zwischen ein paar Gleisen und ist vollauf damit beschäftigt, Ihren rasend schnellen Dieselloks (oder Vorwürfen) auszuweichen, die hin- und her rangieren. Er ist vollauf damit beschäftigt, die Diskussion mit Ihnen heil zu überstehen. Auf viel mehr kann er sich nicht konzentrieren.

„Du hast am 23. April 2007 um 19:45 zu mir gesagt, ich hätte zugenommen, Günter. Seitdem mache ich eine Diät an der anderen. Und jetzt kommst du tatsächlich daher und willst Pizza essen gehen? Das machst du doch mit Absicht, damit du hinterher wieder sagen kannst, ich sei fett. Hattest wohl gedacht, dass ich das vergesse, was?“

Tja, Günter dachte das tatsächlich. Er hat’s nämlich schon längst wieder vergessen, weiß nicht, was er mit seiner harmlosen Frage anrichtet, und dass er damit eine Assoziationskette in Ihrem Gehirn in Gang setzt, die ihn aus den Schuhen hauen wird.

Also machen Sie es ihm einfach. Denken Sie an das Schema, was „vereinfacht“ bedeutet. Kaufen Sie sich notfalls einen großen Hammer und verleihen Ihrer Bitte/Forderung mit einem Schlag auf seine Zehen Nachdruck. Das wird er sich merken, denn auch Männer sind zu kognitiven Prozessen imstande. Sagen Sie ihm, was Sie wollen. Wenn möglich, sagen Sie ihm auch, wann Sie es wollen. Und wie.

Aber leider muss ich Ihnen abschließend gestehen: Wenn Sie mit Ihrem Herzblatt eine Unterhaltung über Gefühle führen möchten, müssen Sie selbst sehen, wie Sie klarkommen. Dafür habe ich bis heute kein Patentrezept gefunden. Die Gefühlregion liegt bei denen in einem Bereich, der nur mit Spezialausrüstung oder Gehirnsonden zugänglich ist. Vielleicht werden Sie ja im Outdoor-Shop fündig.

Also, versuchen Sie es ganz einfach mal. Schlucken Sie Ihren Stolz und Ihre romantischen Vorstellungen von einem Mann, der Ihnen jeden Wunsch von den Augen abliest, herunter und teilen Sie Ihrem Herzblatt mit, was Sie möchten.

Schlimmer kann’s ja nicht werden.

Augenzwinkernde Grüße,

Ihre Barbara Edelmann

Bildnachweis: pexels.com

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